Ernährung
Persische Rennmäuse stammen ursprünglich aus sehr kargen Regionen, in denen sie sich hauptsächlich von großen Anzahlen verschiedener Pflanzenarten, Sämereien/Saaten, Wurzeln, Gräsern, Wermut, Nesseln, Knollen und kleinen Insekten ernähren, d. h., ziemlich stärkehaltig. Gelegentlich benötigen die Tiere auch tierisches Eiweiß. Bitte achtet beim Kauf auf die Zusammensetzung des Futters. Es gibt große Qualitätsunterschiede.
Die meisten Futter, die im Handel angeboten werden, erfüllen die Voraussetzungen für eine artgerechte Ernährung nicht. Verzichten solltet ihr auf Futter mit den Zusätzen: Zucker (Zuckerrohrmelasse = Abfall aus der Zuckerindustrie), tierische und pflanzliche Nebenerzeugnisse (Abfälle aus der Fleisch-, Gemüse-, Obst- und Fischindustrie), Konservierungs-, Farbstoffe und Bäckereierzeugnisse (Abfall aus der Backindustrie). Insbesondere getrocknete Pellets enthalten Giftstoffe, Konservierungsmittel, Farbstoffe usw. Viele Futter wurden teilweise aufgepoppt und bunt eingefärbt. Das erweckt schnell den falschen Eindruck auf Vielfältigkeit. Ebenso sind sogenannte "Leckerlies" wie Drops, Knabberstangen, Cracker usw. ungeeignet, da diese ebenfalls zum Großteil aus minderwertigem Getreide, Honig, Zucker und Mehl bestehen und zusätzlich häufig bunt eingefärbt sind. Darin enthaltenes Trockengemüse ist zum Großteil nichts anderes als die Abfälle der Gemüseindustrie.
Nager- und Hamsterfutter ist für Persische Rennmäuse weniger geeignet, kann aber gelegentlich in kleinen Mengen mit untergemischt werden. Auch verschiedene Rennmausfutter (Gerbilfutter) werden vom Handel angeboten, auch diese Futter sind nicht unbedingt immer wirklich rennmausfreundlich.
Da die Perser hamstern, kontrolliert bitte regelmäßig ihr Lager, damit sich kein Schimmel bildet. Auf keinen Fall darf das gehamsterte Futter bei der Käfigreinigung wieder unter das frische Futter gemischt werden. Das Futter wird durch die Lagerung feucht und verschmutzt, es kann sich Schimmel bilden und Bakterien enthalten. Außerdem besteht die Gefahr der Vermehrung von Futtermittelmilben! Günstig erweist sich, 14-tägig das gehortete Futter zu entfernen.
Nachfolgend nun einige Tipps, wie ihr eure Mäuse mit eigenen Futtermischungen gut und artgerecht ernähren könnt.
Grund-/Hauptfutter:
Als Grund- bzw. Hauptfutter eignet sich Kanarien-/Wellensittichfutter (bunte Saatenmischung), das enthält verschiedene Sämereien, siehe dazu Menüpunkte "Saaten/Körner" sowie "Keimfutter". Darunter könnt ihr etwas Grassamen mischen. Wer die Möglichkeit hat, sollte z. B. Hirse und andere Saaten/Getreide möglichst im Lebensmittelhandel kaufen. Diese Produkte sind hochwertige Qualität und laborkontrolliert, während Tierfutter keiner Kontrolle unterliegt und auch oft minderwertige Qualitäten im Tierfutter zu finden sind.
Wir mischen unser Futter wie folgt:
80 % Kanariensaat/Wellensittichfutter (bunte Saatenmischung ohne Rübsen - Glanz, Hirse, Kardi, Hafer), darunter mischen wir in kleinen Mengen zu etwa gleichen Anteilen jeweils bei Fütterung frisch unter: Nagerrübentrio (ohne Zusatz von Farbstoffen), Kräutertee (Gebirgskräuter ohne jeglichen Zusatz von Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffen, nur reine Kräuter wie Ringelblume, Kamille, Pfefferminze, Frauenmantel, Bockshorn u.a.), etwas Müslimischung ohne Zuckerzusatz und Dinkel. Dazu gibt es regelmäßig Hirsekolben für Vögel.
Ob die Sämereien frisch sind, erkennt ihr an der Keimprobe (frisches Futter keimt, altes nicht!).
Einmal wöchentlich geben wir Keimfutter in kleiner Menge (Erläuterungen dazu in den Menüpunkten: "Saaten/Körner" sowie "Keimfutter")! Dort findet ihr auch Erläuterungen zu einigen Getreidesorten und Sämereien.
Gemüse/Obst:
Als Ergänzung geben wir in Kleinstmengen frisches Gemüse, vorzugsweise Würzelgemüse (Möhre, Rübchen) und max. 1x wöchentlich frisches Obst (z. B. Melone, Apfel - möglichst unbehandelt, trotzdem bitte alles schälen und Kerne entfernen!). Obst enthält sehr viel Fruchtzucker, der in ihrer natürlichen Heimat und Ernährung kaum zu finden ist. Welches Obst und Gemüse zum Füttern geeignet ist, entnehmt ihr bitte der Tabelle. Obst- und Gemüsereste bitte immer entfernen, um ein Verschimmeln oder Verfaulen zu vermeiden. Auf das Verfüttern von Steinobst sollte lieber verzichtet werden, es kann z. B. in Verbindung mit Wasser zu Verdauungsstörungen wie Durchfall oder Blähungen führen. Wer trotzdem gelegentlich Steinobst füttern will, dann nur in Kleinstmengen (als Stück max. 0,5 x 1 cm Größe) als Leckerchen, aber niemals regelmäßig. Auch auf Zitrusfrüchte sollte man wegen ihres hohen Fruchtsäureanteiles besser verzichten, evtl. kann es zu Schäden an der Darmflora kommen.
Zusätzlich könnt ihr füttern: Löwenzahn* mit Wurzeln (ohne Blüte!), verschiedene Gräser mit Blütenständen und Wurzeln - ganz lecker, Gänseblümchen, Vogelmiere und Chicoree. Auch Wildkräuter mögen sie sehr gern, aber bitte nur die geben, die ihr genau kennt und vorher sehr gründlich waschen und abtrocknen. Bitte alles nur von unbelasteten Flächen sammeln (nicht an Straßenrändern, von frisch gedüngten Feldern, von Hundewiesen usw.).
* Anmerkung zum Löwenzahn (Raraxacum officinale): Nur kleine Mengen füttern! Möglichst junge und kleine Blätter sammeln. Dabei ist zu beachten, dass der Milchsaft (vor allem bei älteren Pflanzen in höherer Konzentration) ätherische Öle enthält, die in sehr großen Mengen giftig wirken könnten. Auch die Blüte gilt als giftig! Löwenzahn hilft auch bei Stoffwechselproblemen und bei der Fettsuchtbekämpfung (wer dicke Perserchen hat), auch bei Haut- und Fellerkrankungen hilfreich, schützt Magen und Leber, insgesamt aber in größeren Mengen auch anregend für Nieren und Leber.
Tierisches Eiweiß:
Außerdem benötigen Persische Rennmäuse gelegentlich tierische Nahrung (tierisches Eiweiß). Tierisches Eiweiß enthält Aminosäuren, Methionin und Lysin sowie lebenswichtige Vitamine des B-Komplexes. Vor allem Vitamin B12 ist nur in diesem Protein vorhanden.
Sehr oft werden Mehlwürmer zur Fütterung benannt, die allerdings oftmals nicht die Qualität aufweisen, die eigentlich erwünscht ist, außerdem sind sie aufgrund ihres Chitinpanzers ziemlich schwer verdaulich. Mehr als 2 - 3 Mehlwürmer pro Maus und Woche sollten nicht gefüttert werden.
Geeigneter erscheinen Grillen, Heuschrecken,Heimchen oder andere kleine Insekten. Gut bewährt haben sich auch verschiedene Würmer aus dem Angelgeschäft. Wer sich zum "Lebendfutter" gar nicht überwinden kann, kann ersatzweise (max. 1/4 Teelöffel pro Maus/Tag) Magerquark, Hüttenkäse, Magerjoghurt, Bachflohkrebse oder etwas Hunde- oder Katzenfutter reichen. Aber: Einen vollwertigen Ersatz für Insekten gibt es nicht! Vergesst bitte auch nicht, dass eure Mäuse viel Spaß daran haben, ihr Nahrung selbst zu "fangen".
Ersatzweise kann man auch kleine Stückchen gekochtes Puten- oder Hähnchenfleisch reichen, außerdem gibt es auch Insektenpatte/Insektenfutter für Vögel, jedoch wird dieses getrocknete Futter nicht von allen Mäusen gefressen. Sie bevorzugen das tierische Eiweiß in "lebendiger" Form (Jagdtrieb!).
Wasser:
Auch wenn Persische Rennmäuse nur selten trinken und ihren Flüssigkeitsbedarf vorwiegend aus Frischfutter decken, sollte Wasser im Käfig auf keinen Fall fehlen. Idealerweise sollte das Wasser in einer Schale angeboten werden. Das Trinken aus den Wasserflaschen entspricht einer unnatürlichen Haltung (unphysiologische Kopfhaltung) beim Trinken. Jedoch muss ich hier anmerken, dass Persische Rennmäuse ihre eigenen Vorstellungen haben und Wassergefäße sehr schnell umfunktionieren und mit Einstreu, Heu oder Zellstoff vollstopfen. Da unsere Mäuse so gut wie gar nicht trinken, haben beide Gruppen doch eine Wasserflasche, da wir der Meinung sind, dass diese aufgrund der wenigen Benutzung nicht zu gesundheitlichen Schäden an den Tieren führen kann. Allerdings sollte die Wasserflasche mindestens alle 2 - 3 Tage gründlich mit heißem Wasser und gelegentlich mit Essig gereinigt werden, um der Bildung von für das menschliche Auge nicht immer sichtbaren Algen oder Bakterien vorzubeugen. Anschließend die Flasche gründlich durchspülen und mit frischem Wasser auffüllen.
Nagebedürfnis/Zahnpflege:
Zur Befriedigung des Nagebedürfnisses, der Beschäftigung und Zahnpflege sollten in keinem Käfig Äste zum Nagen fehlen, möglichst von unbehandelten Obstbäumen oder Weide (gerne auch mit Grün). Gut geeignet sind Zweige von Apfel- oder Haselnussbäumen. Nicht alle Obstbaumarten sind jedoch geeignet. Kernobstsorten gelten als unbedenklich. Anders sieht es schon bei Ästen von Steinobstsorten aus, z. B. Pflaume und Kirsche, diese Rinden können Spuren von Blausäure enthalten. Außerdem sind in diesen auch sehr viele Gerbstoffe enthalten. Auch auf Nadelhölzer sollte verzichtet werden, die enthaltenen Harze und ätherischen Öle können für Rennmäuse giftig sein. Altes hartes Brot sollte ebenfalls nicht oder seltenst angeboten werden, es macht dick und kann ggf. für das menschliche Auge nicht immer sichtbare Schimmelsporen enthalten. Auch Hundekuchen machen dick und enthalten vorwiegend gebackene Getreideabfälle und sollten daher nicht unbedingt angeboten werden.
Salzlecksteine werden bei ausgewogener Nahrung mit Kräutern oder Frischfutter gar nicht benötigt. Da sie oft billige Kochsalze enthalten, können sie sogar gefährlich werden, wenn es zur Natriumchloridüberversorgung kommt. Nierenprobleme können die Folge sein. Auch Kalksteine sind nicht erforderlich, da Kalzium über Kräuter und Grünfutter ausreichend aufgenommen wird.
Tipp/Links:
Wer mehr über
die Inhaltsstoffe von Obst und Gemüse wissen will, kann schauen
unter: http://www.farbenundleben.de/ernaehrung_speiseplan_weiss.htm#übersicht
Mehr Informationen zu Körnern, Saaten und Keimfutter findet ihr auf meiner Hompage in den Menüpunkten "Saaten/Körner" sowie "Keimfutter"
Futterliste:
Welches Obst, Gemüse, Kräuter, Leckerchen usw. gefüttert werden kann, zeigt euch die folgende Tabelle. Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:
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geeignet |
weniger geeignet |
nicht geeignet/giftig |
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Anmerkungen:
Ölsaaten wurden teilweise als ungeeignet eingestuft, wenn sie noch andere toxisch wirkende Substanzen enthalten.
1) Oxalsäure
HOOC - COOH, auch Kleesäure genannt, bildet farblose, in Wasser und Alkohol lösliche Kristalle. In sauer schmeckenden Pflanzen findet sich das wasserlösliche saure Kaliumoxalat, HOOC - COOK, noch mehr verbreitet im Pflanzenreich ist das wasserunlösliche Calciumoxalat. Auf Grund ihres Gehaltes an saurem Kaliumoxalat schmecken die Blätter des Sauerklees (Oxalis acetosella), der Sauerampfers (Rumex acetosa) und vor allem die des als Küchengewächs kultivierten Rharbarbers (Rheum rhabarbarum) sauer. Die grünen Blätter dieser Rharbarberart enthalten 0,7 % Oxalsäure, die roten, als Kompott beliebten Blattstiele 0,3 %. Sie haben, ebenso wie die gleichfalls 0,3 % Oxalsäure enthaltenden Sauerampferblätter, bei übermäßigem Genuss Vergiftungserscheinungen /Hämaturie) hervorgerufen. Rharbarber enthält außerdem Anthrachion-Glykoside. Bemerkt sei, dass zumindest beim Menschen die Blätter von Spinat (Spinacia oleracea), die bis 0,8 % Oxalsäure enthalten können, auch in größeren Mengen anscheinend unschädlich sind. Oxalsäure ist ein normales Stoffwechselprodukt und wird täglich im Harn ausgeschieden. Die Menge wird vermehrt durch purinreiche Kost und Zuckerzufuhr. Bei chronischer Zufuhr von Oxalat findet sich reichlich Calciumoxalat vor allem in den Nieren. Oxalsäure ist nicht selten Ursache von Intoxikationen bei Tieren nach dem Fressen von oxalsäurehaltigen Pflanzen.
2) Mohn
Im Gegensatz zum feldmäßig angebauten Schlafmohn ist der wildwachsende Klatschmohn (Klatschrose), Papaver rhoeas, das bekannte, rotblühende Unkraut der Getreidefelder, praktisch ungiftig.
Der weißblühende Schlafmohn, Papaver somniferum, eine der ältesten Kulturpflanzen des Menschen, enthält in allen seinen Teilen weißen Milchsaft, der aus der angeritzten unreifen Kapsel austritt, an der Luft braun wird und erstarrt. Die eingesammelte Masse wird zusammengeknetet und bildet das Opium des Handels. Sein Hauptalkaloid, das Morphin, ist darin bis über 20 % enthalten, während die Nebenalkaloide Narcotin (Noscapin), Codein, Papaverin, Thebain, Narcein u. a. in geringerer Menge vorkommen und auch toxikologisch weniger wichtig sind.
Mohnsamen, Semen, Papaveris, zur Ölgewinnung wichtig, im Handel als weiße und graue Samen, enthalten in reifer Form nur Spuren der Mohnalkaloide. Immerhin haben große Mengen der Handelsware, in Form von Mohnkuchen oder -torte genossen, bei Empfindlichen zu Benommenheit und Darmlähmung geführt.
3) Kartoffelkeime, Kartoffelblüten, grüne Beerenfrüchte (Kartoffelbeeren)
Das enthaltenen Solanin ist ein schwach basisch reagierendes Glykoalkaloid, zerfällt durch Mineralsäuren leicht in verschiedene Zuckerarten und das Aglykon Solanidin. Solanin hat Saponineingeschaften.
4) Bohnen, Phasin
Phasin wird der giftige Eiweißstoff (thermolabiles Toxalbumin) der verschiedenen essbaren Bohnenarten genannt.
5) Ätherische (ätherische) Öle
Die etherischen Öle, d. h., die flüssigen, mit Wasserdampf flüchtigen, riechenden Bestandteile zahlreicher Pflanzen, sind teils einfach gebaute, schwefelhaltige Ester, wie die Senföle, teils Ether mehrwertiger Phenole und wirksame Bestandteile der Küchengewürze wie Petersilie, Muscatnuss, Apiol und Myristicin. Trotz ihrer Verschiedenheit des Vorkommens und ihre Zusammensetzung in den einzelnen Pflanzen lassen etherische Öle einige gemeinsame Wirkungen erkennen. Die Ausscheidung erfolgt größtenteils durch die Nieren, die in Abhängigkeit der angewandten Mengen schweren Schäden unterliegen können, es kann zu Schädigungen der Leber und des Nervensystems kommen.
Anmerkung zur Petersilie:
Petroselinum crispum ist toxikologisch wichtig. Nicht, dass bei Verwendung des Petersilienkrautes Vergiftungen zu befürchten sind, sondern weil namentlich die früher als Diuretikum gebrauchten Früchte, Fructus Petroselini, besonders reichlich ehterisches Öl enthalten, aus dem der Petersilienkampfer, das Apiol, in Form farbloser Kristalle sich gewinnen lässt, welchem eine Wirkung auf den Fetus bzw. die Gebärmutter zukommt. Apiol unterscheidet sich von Myristicin lediglich durch eine zusätzliche Methoxy-Gruppe am aromatischen Ring.
6) Aspergillus flavus
Futtererdnüsse sind nicht selten mit Aspergillus flavus verunreinigt. Von diesem Pilz wird der Giftstoff „Aflatoxin" gebildet. Dies kann zu Lebertumoren führen. Auch in verschimmeltem Getreide ist dieser Pilz zu finden.
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Quelle: „Toxikologie für Ärzte, Naturwissenschaftler und Apotheker", Georg Thieme Verlag Stuttgart
USDA Nutrient Database for Standard Reference -
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