Nachwuchs
Die erste Geburt unseres Pärchens durften wir glücklicherweise miterleben. Das Weibchen lag abwechselnd mit nach hinten ausgestreckten Hinterbeinen oder in hockender Stellung. Offenbar presste sie in der ersteren Stellung das Junge heraus, während sie in der Hocke versuchte, das Junge herauszuziehen. Das Junge erschien mit dem Hinterteil zuerst.
Leider war es eine Todgeburt, das Junge zeigte keinerlei Lebenszeichen, die Mutter warf es in eine Ecke und kümmert sich nicht darum. Sie leckte anschließend ihre Genitalien und fraß die Nachgeburt.
Dieser Vorgang gehört bei vielen Kleinsäugern zu einer Art Lernprozess der jugen Mutter. Meist wird die erste Geburt, die oft nur ein Junges umfasst, vom Halter gar nicht wahrgenommen, so dass es in den wenigsten Fällen bekannt wird, wann tatsächlich der erste Wurf stattgefunden hat. Die Todgeburt wurde später von der Mutter gefressen. Anschließend wurde das Wurfnest von ihr zerstört.
Während des Geburtsvorganges versuchte das Männchen sehr oft, sich mit dem Weibchen zu verpaaren, was der jungen Mutter sichtlich unangenehm war. Sie wich mit lautem Piepen aus. Sichtbare figurliche "Gewichtzunahme" während der Tragezeit wurde nicht erkennbar. Die Mutter war zierlich wie immer. Lediglich ca. zwei Tage vor der Geburt erschien ihr Hinterteil etwas verbreitert und zum Boden gewandt.
Kurz nach Geburt konnten wir eine weitere Paarungs registrieren.
Genau 24 Tagen Tragezeit warf das Weibchen wiederum. Bei dieser zweiten Geburt brachte sie ein einziges, gesundes Junges zur Welt, welches kurz nach der Geburt schon mit lautem Piep-quieck-Geräusch auf sich aufmerksam machte. Wenige Stunden vorher entleerte die Mutter das Sandgefäß, welches in unserem Fall eine große Keramikmilchkanne war. Aus Heu und Tempotaschentüchern baute sie dort ein großes, nach oben kugelförmiges Wurfnest. Sokrates, unser Männchen, wurde vertrieben.
Diesmal war sofort klar, dass der Nachwuchs lebt. Lautes "quicken/piepen" war zu verzeichnen. Die Mutter entfernte sich ca. drei Tage nicht vom Wurfnest. Außnahme: zum Fressen. Nach den ersten drei Tagen verließ sie wieder öfter das Nest, schaute aber regelmäßig nach ihrem Nachwuchs. Beim Verlassen des Nestes deckte sie ihr Junges zu.
Am 10. Tag verließ die Mutter mit ihrem Jungen das Wurfnest und zog in die Schlafecke vom Vater. Beide wärmten nun gemeinsam ihr Baby, was bis zu diesem Zeitpunkt ständig mit lautem Piepen auf sich aufmerksam machte. Für uns ein sicheres Zeichen, dass alles okay ist.
Während der gesamten Zeit versuchten wir, die Drei so gut es ging nicht zu stören. Von daher sind in den ersten Tagen nur wenige Beobachtungen möglich:
Alter 1 - 9 Tage:Geburtsgewicht ca. 5 g, blind, nackt, dunkle Pigmentierung, lediglich laute Piepgeräusche zu verzeichnen
Alter 10 Tage: Muttertier verlässt mit Jungem das Wurfnest und zieht zum Vater in die Schlafecke, gemeinsam hocken sie auf dem Jungen, während des Säugens teilweise soziale Fellpflege durch den Vater beim Muttertier, unkoordinierte "Stampel- und Ruderbewegungen" beim Jungtier in Seitenlage, dunkle Pigmentierung, schuppige Haut, leichter Flaum, laute Piepgeräusche, oftmals versucht das Junge, allein das Nest zu verlassen und läuft unkoordiniert mit geschlossenen Augen durch den Käfig
Alter 20 Tage: Öffnen der Augen - Sehen, schreckhaftes, flinkes Huschen aus dem Nest, die Mutter trägt das Junge imme wieder ins Nest, viele Piepgeräusche, frisst zusammen mit den Elterntieren angebotenes Futter, vorsicht beim Herausnehmen geboten, starkes Springverhalten des Jungtieres
Alter 27 Tage: erstes Schnauzestoßen beobachtet, noch immer unbeholfenes flinkes "Umherstürzen" im Käfig
Alter 35 Tage: Futter und Nestmaterial werden mit den Eltern eingetragen
Alter 50 Tage: erste kleine Angriffe bei Käfigöffnung, drängelt sich beim Füttern immer vor die Eltern
Alter 60 Tage: zunehmendes Dominanzverhalten des Jungtieres, drängelt sich zuerst zum Futter, sehr aufgewecktes, tollkühnes Jungtier
Alter 15 Wochen: Trennung von den Elterntieren und erfolgreiche Vergesellschaftung mit einem jungen Weibchen
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