Keimfutter
Die Chinesen züchten schon seit ca. 3000 Jahren Keimlinge. Die zarten frischen Keimlinge sind besonders im Winter eine wertvolle Abwechslung zum saisonbedingt weniger reichhaltigen Gemüseangebot und Futterpflanzenangebot.
Aus der befruchteten pflanzlichen Eizelle geht der Embryo hervor, dessen Entwicklung mit der Ausbildung des Keims im Samen unterbrochen wird. Nach Abschluss der Samenruhe geben ver�nderte Milieubedingungen den Impuls für die Weiterentwicklung, d. h., für das Auskeimen des Samens.
Wichtige Voraussetzungen für den Keimvorgang sind Wasser, Wärme, Sauerstoff und, je nach Pflanzenart, auch Licht. Erst wenn Wasser durch die Schale eindringt, quillt der Samen, die Schale platzt auf, das Wachstum beginnt. Der Wassergehalt des Samens steigt in den Keimtagen von etwa 10 % auf 70 - 80 % an. Das Samengewicht vergrößert sich bis zum Drei- bis Vierfachen. Am besten gedeihen Keimlinge bei einer Temperatur zwischen 18 und 22 Grad/C. Die mit dem Durchbrechen der Samenschale entstehenden, noch vom Nährgewebe des Samens zehrende Jungpflanzen bezeichnet man als Keimlinge bis zum Übergang zur Autotrophie, d. h., bis zum Zeitpunkt ihrer selbstständigen Ernährung (Beginn der Photosynthese).
Während des Keimprozesses finden Ab-, Um- und Aufbauvorgänge der Inhaltsstoffe statt, so dass der Nährwert der Keimlinge gegenüber den Samen beachtlich steigt. Der Gehalt an Vitaminen und Ballaststoffen nimmt zu, die Qualität der Proteine und Fette verbessert sich und wertmindernde Stoffe werden zum Teil abgebaut. Zudem sinkt die Energiedichte der Keimlinge infolge Wasseraufnahme.
Aus den im Samen gespeicherten Fetten und Kohlenhydraten (z. B. Stärke) gewinnt der Keimling seine Energie, wodurch sich sein Gesamtenergiegehalt vermindert, komplexe Kohlenhydrate werden zu einfachen Zuckern, wie Glucose oder Fructose, abgebaut.
Ballaststoffe:
Der Ballaststoffgehalt von Keimlingen ist hoch.
Vitamine:
Auch der Vitamingehalt von Keimlingen kann sich sehen lassen. Besonders Keimlinge von Luzerne (Alfalfa) und Weizen weisen höhere Werte an Vitamin C, B1, B2, Niacin und Eisen auf als z. B. Möhren oder Tomaten.
Mineralstoffe:
Keimlinge enthalten hohe Mengen an Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Zink und Eisen.
Nitrat:
Im Vergleich zu anderen Pflanzenteilen sind Samen nur gering belastet. Nitrat selbst ist aber notwendig, um pflanzliches Eiweiß aufzubauen. Problematisch wird Nitrat dann, wenn Mikroorganismen es in Nitrit umwandeln. Nitrit kann mit bestimmten Eiweißbausteinen und Aminen zu krebserregenden Nitrosaminen reagieren. Der Nitratgehalt sinkt, wenn die Keimlinge l�nger wachsen, was allerdings zu einer Verschlechterung der mikrobiologischen Qualität führt. Für die Fütterung an unsere Mäuse sollte die Keimlinge 1 cm nicht überschreiten. In diesem Stadium ist auch der Geschmack am besten, nämlich süßlich, während sie am Ende ihrer Entwicklung eher herb schmecken.
Für den Keimvorgang sollten keine Trägermaterialien wie Watte, Styropor oder Vlies verwendet werden, da sich dort Bakterien vermehren können, die Nitrat zu Nitrit umwandeln.
Beim Kauf sollte auf Qualität der Samen geachtet werden, am besten aus dem Lebensmittelhandel, Naturkostladen, Reformladen o. ä. Vorsicht bei Samen aus dem Samenhandel - die Samen von Freilandsaatgut sind häufig mit Pflanzenschutzmitteln gebeizt. Diese Chemikalien können während der Keimzeit nicht abgebaut werden.
Getreide sollte gereinigt, ungebeizt und verlesen sein. Ungereinigtes Getreide kann Schmutz und Steine enthalten sowie das giftige Mutterkorn, welches vorwiegend nach feuchten Sommern (in Roggen) auftritt. Das Mutterkorn ist dunkelviolett bis schwarz und größer als ein Getreidekorn.
Entspelzte oder geschälte Früchte, wie Hafer- oder Sonnenblumenkerne sind nicht immer keimfähig. Alte Körner keimen ebenfalls nicht.
Die folgenden Samen (ungeschält!) eignen sich gut zum Keimen:
Weizen:
-
Geschmack: süßlich, mild
-
Einweichzeit: 12 Stunden
-
Spülen/Wässern: 2 x/Tag
-
Verwendbar: nach 2 - 4 Tagen (je nach Temperatur)
-
Tipp: keimen im Dunkeln besser, am 2. Tag ins Licht stellen
Roggen:
-
Geschmack: süßlich, würzig
-
Einweichzeit: 12 Stunden
-
Spülen/Wässern: 2 x/Tag
-
Verwendbar: nach 2 - 4 Tagen (je nach Temperatur)
-
Tipp: keimen im Dunklen besser, am 2. Tag ins Licht stellen
Hafer:
-
Geschmack: sehr süßlich
-
Einweichzeit: 4 Stunden
-
Spülen/Wässern: 1- bis 2 x/Tag
-
Verwendbar: nach 2 - 4 Tagen (je nach Temperatur)
-
Tipp: keimen im Dunklen besser, am 2. Tag ins Licht stellen, beim entspelzten Korn auf die Keimfähigkeit achten
Gerste/Hirse:
-
Geschmack: sehr süßlich
-
Einweichzeit: 12 Stunden
-
Spülen/Wässern: 2 x/Tag
-
Verwendbar: nach 2 Tagen (je nach Temperatur)
-
Tipp: keimen im Dunkeln besser, am 2. Tag ins Licht stellen, bei entspelzten Korn auf die Keimfähigkeit achten
Luzerne:
-
Geschmack: frisch, leicht herb, nussartig
-
Einweichzeit: 4 - 6 Stunden, kann auch entfallen
-
Spülen/Wässern: 2 x/Tag
-
Verwendbar: nach ca. 3 Tagen
-
Tipp: im Dunkeln ankeimen lassen, nach dem 2. Tag ans Licht stellen
Bockshornklee:
-
Geschmack: herb-würzig, orientalisch
-
Einweichzeit: 5 - 8 Stunden
-
Spülen/Wässern: 2 x/Tag
-
Verwendbar: nach ca. 2 Tagen
-
Tipp: nur in kleinen Mengen verwenden, möglichst sofort verfüttern, Keimlinge werden sehr schnell bitter
Buchweizen:
-
Geschmack: neutral
-
Einweichzeit: nicht einweichen
-
Spülen/Wässern: besprühen
-
Verwendbar: nach ca. 2 Tagen
-
Tipp: nicht nasshalten, sonst lösen sich die Samen auf, vor dem Verzehr Hülsen entfernen (schwimmen auf Wasser)
Leinsamen:
-
Geschmack: nussartig
-
Einweichzeit: 4 Stunden
-
Spülen/Wässern: 4 x/Tag
-
Verwendbar: nach ca. 2 Tagen
-
Tipp: schleimbildend, gründlich spülen, um Schimmel zu verhindern, wenn andere Samen zur Verfügung stehen, besser darauf zurückgreifen, nur in kleinsten Mengen verfüttern
Weniger geeignet zum Keimen für die Verfütterung an Persische Rennmäuse (oder exotische Nager) sind sind die Samen von Sojabohnen (da nicht roh zu verfüttern!), Kichererbsen (nicht roh zu verfüttern!), Adzukibohnen (nicht roh zu verfüttern!), Rettich, Senf etc. Völlig ungeeignet, weil giftig, sind Samen von Nachtschattengewächsen.
Was ist, wenn der Keimvorgang nicht klappt?
Sie keimen und wachsen nicht wenn...
-
durch Bakterien das Keimgefäß verunreinigt ist
-
die Samen zu alt sind
-
das Keimgut zu nass oder zu trocken ist
-
die Temperatur zu niedrig oder zu hoch ist
-
die Kohlendioxid-Entwicklung zu stark ist (zu wenig Platz, mangelde Belüftung und Durchspülen)
Keimfutter f�r Persische Rennm�use und andere exotische Nager
Gekeimte Körner sind zwar kleine Leckerbissen für Rennmäuse, jedoch sollte man sie nicht übermäßig, d. h., nur gelegentlich füttern, um Verdauungsstörungen zu vermeiden. Auch sollten die Tiere über einen längeren Zeitraum in kleinen Mengen dran gewöhnt werden, um Ernährungsstörungen zu vermeiden. Mehr als zweimal wöchentlich Keimfutter in sehr kleinen Mengen ist nicht zu empfehlen. Ab Keimgröße von 1 cm bitte nicht mehr verfüttern!
Bei der Herstellung von Keimfutter kann man viel falsch machen, vor allem bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit (Schwüle) kann es leicht passieren, dass das Keimfutter kippt. Das bedeutet, es kann schimmeln oder sauer werden. In diesem Falle ist es sofort zu entsorgen und unter keinen Umständen zu verfüttern!
Am besten funktioniert dies mit speziell zum Keimen gemischten Saaten. Jede gute Zoohandlung bietet dieses an. Verzichtet werden sollte auf fertig gekeimtes Futter, was es in Gläsern und Schachteln zu kaufen gibt. Um den Verderb zu verhindern, ist es in den meisten Fällen mit Konservierungsmitteln versetzt und daher nicht empfehlenswert.
Wie stellt man nun gutes Keimfutter her?
Zuerst gibt man die entsprechende Menge in ein Sieb und spült die Körner unter fließendem Wasser sehr gut durch und weicht sie für ca. 6 - 8 Stunden, manche Samen sogar bis zu 12 Stunden, bei Zimmertemperatur ein. Dazu wird das Sieb in eine mit Wasser gefüllte Schüssel gehängt. Die Körner müssen vollständig mit Wasser bedeckt sein. Zwischendurch sollte das Keimgut regelmäßig mit frischem kalten Wasser durchgespült werden.
Nach dem Einweichvorgang spült man die Körner unter fließendem, kalten Wasser ab und verteilt sie im Sieb. Dabei ist darauf zu achten, dass die Körnern nicht aufeinander liegen. Dann wird das Keimgut abgedeckt, möglich ist dabei z. B. ein Glasteller, noch besser eignet sich Gaze oder ein Fliegennetz. Die Luft muss zirkulieren können, d. h., es darf nicht luftdicht abgedeckt sein und die Körner müssen Licht haben (keine direkte Sonneneinstrahlung!). Das Gefäß darf kein Wasser mehr enthalten! Die Keimdauer beträgt 1 - 2 Tage, es können allerdings auch mal 4 Tage sein. Während der ganzen Keimzeit sind die Körner regelmäßig durchzuspülen. Nach ca. 8 - 10 Stunden kann man die ersten Keimlinge beobachten. In diesem ersten Keimstadium kann man die Körner bereits verfüttern. Vor dem Verfüttern nochmal gut durchspülen (einmal heiß und dann kalt!). Es ist darauf zu achten, dass die Keime nicht länger als 1 cm werden. In diesem Keimstadium entwickeln sich Bitterstoffe und die Keime werden unbekömmlicher.
Das fertige Keimfutter kann man auf einer dicken Lage Küchenpapier ausbreiten und trocken tupfen. Verfüttert werden sollte es innerhalb einer kurzen Zeit (innerhalb weniger Stunden). Reste sollten entfernt und nicht aufbewahrt werden.
Achtung!
Alle zur Keimung verwendeten Geräte müssen vor und nach jeder Nutzung gründlich gereinigt werden (unter heißem Wasser). Sollte das Keimfutter eigenartig riechen, von Schimmelfäden (kleine weiße Nester oder Fäden) u. ä., dann bitte sofort entsorgen und niemals verfüttern.
Bei aufgetretenem Schimmel die Küchengeräte gründlich mit Essig reinigen, um die Schimmelsporen abzutöten!
Keime über 1 cm Länge wegwerfen und auf keinen Fall mehr verfüttern!
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!