christentum
Zurück

 

Das Evangelium nach Matthäus.

Der Stammbaum Jesu.

1Chr 1,34; 2,1-15; 3,5.10-19; Lk 3,23-38.

Kapitel 1

1,1 Buch des Geschlechts Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.

1,2 Abraham zeugte Isaak; Isaak aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder; 1,3 Juda

aber zeugte Perez und Serah von der Thamar; Perez aber zeugte Hezron, Hezron aber zeugte Ram, 1,4

Ram aber zeugte Amminadab, Amminadab aber zeugte Nahesson, Nahesson aber zeugte Salma, 1,5

Salma aber zeugte Boas von der Rahab; Boas aber zeugte Obed von der Ruth; Obed aber zeugte Jesse,

1,6 Jesse aber zeugte David, den König. David aber zeugte Salomo von der [Frau] des Uria; 1,7

Salomo aber zeugte Rehabeam, Rehabeam aber zeugte Abia, Abia aber zeugte Asa, 1,8 Asa aber

zeugte Josaphat, Josaphat aber zeugte Joram, Joram aber zeugte Usia, 1,9 Usia aber zeugte Jotham,

Jotham aber zeugte Ahas, Ahas aber zeugte Hiskia, 1,10 Hiskia aber zeugte Manasse, Manasse aber

zeugte Amon, Amon aber zeugte Josia, 1,11 Josia aber zeugte Jojachin und seine Brüder um die Zeit

der Wegführung nach Babylon. 1,12 Nach der Wegführung nach Babylon aber zeugte Jojachin

Schealthiel, Schealthiel aber zeugte Serubabbel, 1,13 Serubbabel aber zeugte Abiud, Abiud aber

zeugte Eljakim, Eljakim aber zeugte Asor, 1,14 Asor aber zeugte Zadok, Zadok aber zeugte Achim,

Achim aber zeugte Eliud, 1,15 Eliud aber zeugte Eleasar, Eleasar aber zeugte Matthan, Matthan aber

zeugte Jakob, 1,16 Jakob aber zeugte Joseph, den Mann Marias, von welcher Jesus geboren wurde, der

Christus genannt wird.

1,17 So sind nun alle Geschlechter von Abraham bis auf David vierzehn Geschlechter und von David

bis zur Wegführung nach Babylon vierzehn Geschlechter und von der Wegführung nach Babylon bis

auf den Christus vierzehn Geschlechter.

Die Geburt Jesu.

Lk 2,1-7.

1,18 Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich aber so: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Joseph

verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger erfunden von dem Heiligen

Geist. 1,19 Joseph aber, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht öffentlich bloßstellen wollte, gedachte

sie heimlich zu entlassen. 1,20 Während er dies aber bei sich überlegte, siehe, da erschien ihm ein

Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu

dir zu nehmen; denn das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geist. 1,21 Und sie wird einen Sohn

gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen; denn er wird sein Volk erretten von seinen Sünden.

1,22 Dies alles geschah aber, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten,

der spricht: 1,23 "Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden

seinen Namen Emmanuel nennen", was übersetzt ist: Gott mit uns. 1,24 Joseph aber, vom Schlaf

erwacht, tat, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich; 1,25 und er

erkannte sie nicht, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte; und er nannte seinen Namen Jesus.

Die Magier aus dem Osten.

Kapitel 2

2,1 Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da

kamen Weise vom Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: 2,2 Wo ist der König der Juden, der

geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm

zu huldigen.

2,3 Als aber der König Herodes es hörte, wurde er bestürzt und ganz Jerusalem mit ihm; 2,4 und er

versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der

Christus geboren werden solle. 2,5 Sie aber sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht durch

den Propheten geschrieben: 2,6 "Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die geringste unter

den Fürsten Judas; denn aus dir wird ein Führer hervorkommen, der mein Volk Israel hüten wird."

2,7 Dann berief Herodes die Weisen heimlich und erforschte genau von ihnen die Zeit der Erscheinung

des Sternes; 2,8 und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht genau nach dem

Kindlein; wenn ihr es aber gefunden habt, so berichtet es mir, damit auch ich komme und ihm huldige.

2,9 Sie aber zogen hin, als sie den König gehört hatten. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland

gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über [dem Ort] stand, wo das Kindlein war.

2,10 Als sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit sehr großer Freude. 2,11 Und als sie in das Haus

gekommen waren, sahen sie das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und sie fielen nieder und huldigten

ihm; und sie taten ihre Schätze auf und opferten ihm Gaben: Gold und Weihrauch und Myrrhe. 2,12

Und als sie im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder zu Herodes

zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg hin in ihr Land.

Flucht nach Ägypten - Kindermord zu

Bethlehem.

2,13 Als sie aber hingezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und

spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und fliehe nach Ägypten, und bleibe dort,

bis ich es dir sage; denn Herodes wird das Kindlein suchen, um es umzubringen. 2,14 Er aber stand

auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts zu sich und zog hin nach Ägypten. 2,15 Und er

war dort bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den

Propheten, der spricht: "Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen."

2,16 Da ergrimmte Herodes sehr, als er sah, daß er von den Weisen hintergangen worden war; und er

sandte hin und ließ alle Knaben töten, die in Bethlehem und in seinem ganzen Gebiet waren, von zwei

Jahren und darunter, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erforscht hatte. 2,17 Da wurde erfüllt,

was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der spricht: 2,18 "Eine Stimme ist in Rama gehört

worden, Weinen und viel Wehklagen: Rahel beweint ihre Kinder, und sie wollte sich nicht trösten

lassen, weil sie nicht [mehr] sind."

Rückkehr aus Ägypten.

2,19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph in Ägypten

im Traum 2,20 und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und zieh in das Land

Israel; denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben trachteten. 2,21 Und er stand auf

und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, und er kam in das Land Israel. 2,22 Als er aber hörte,

daß Archelaus über Judäa herrsche anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dahin zu gehen;

und als er im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatte, zog er hin in die Gegenden von Galiläa

2,23 und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth; damit erfüllt würde, was durch die

Propheten geredet ist: "Er wird Nazoräer genannt werden."

Johannes der Täufer.

Mk 1,1-8; Lk 3,1-18; (Joh 1,19-28).

Kapitel 3

3,1 In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer und predigt in der Wüste von Judäa 3,2 und

spricht: Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen. 3,3 Denn dieser ist der, von dem

durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: "Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den

Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade!" 3,4 Er aber, Johannes, hatte seine Kleidung von

Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber waren Heuschrecken und

wilder Honig.

3,5 Da ging zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgegend des Jordan; 3,6 und sie

wurden von ihm im Jordan getauft, indem sie ihre Sünden bekannten.

3,7 Als er aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen:

Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? 3,8 Bringt nun der Buße

würdige Frucht; 3,9 und denkt nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater; denn

ich sage euch, daß Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag. 3,10 Schon ist

aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird

abgehauen und ins Feuer geworfen. 3,11 Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir

kommt, ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; er wird euch mit Heiligem

Geist und Feuer taufen; 3,12 seine Worfschaufel ist in seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und

durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit

unauslöschlichem Feuer verbrennen.

Die Taufe Jesu.

Mk 1,9-11; Lk 3,21-22; (Joh 1,29-34).

3,13 Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 3,14

Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden. Und du kommst zu

mir? 3,15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt [so sein]; denn so gebührt es uns, alle

Gerechtigkeit zu erfüllen. Dann läßt er es ihm zu. 3,16 Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus

dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden [ihm] aufgetan, und er sah den Geist Gottes wie

eine Taube herabfahren und auf ihn kommen. 3,17 Und siehe, eine Stimme [kommt] aus den Himmeln,

welche spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.

Die Versuchung Jesu.

Mk 1,12-13; Lk 4,1-13.

Kapitel 4

4,1 Dann wurde Jesus von dem Geist in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu

werden; 4,2 und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn schließlich. 4,3

Und der Versucher trat zu ihm hin und sprach: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, daß diese Steine

Brote werden. 4,4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: "Nicht von Brot allein soll der

Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht."

4,5 Darauf nimmt der Teufel ihn mit in die heilige Stadt und stellt ihn auf die Zinne des Tempels 4,6

und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: "Er wird

seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa

deinen Fuß an einen Stein stößt." 4,7 Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: "Du sollst den

Herrn, deinen Gott, nicht versuchen."

4,8 Wiederum nimmt der Teufel ihn mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt

und ihre Herrlichkeit 4,9 und spricht zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfallen und

mich anbeten willst. 4,10 Da spricht Jesus zu ihm: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: "Du

sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen."

4,11 Dann verläßt ihn der Teufel, und siehe, Engel kamen herbei und dienten ihm.

Bußpredigt in Galiläa.

Mk 1,14.15; Lk 4,14.15.

4,12 Als er aber gehört hatte, daß Johannes überliefert worden war, entwich er nach Galiläa; 4,13 und

er verließ Nazareth und kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt, in dem Gebiet von Sebulon

und Naftali; 4,14 damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: 4,15

"Land Sebulon und Land Naftali, gegen den See hin, jenseits des Jordan, Galiläa der Nationen: 4,16

Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Land und Schatten

des Todes saßen, ist Licht aufgegangen." 4,17 Von da an begann Jesus zu predigen und zu sagen: Tut

Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen!

Die ersten Jünger.

Mk 1,16-20; Lk 5,1-11.

4,18 Als er aber am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder: Simon, genannt Petrus, und

Andreas, seinen Bruder, die ein Netz in den See warfen, denn sie waren Fischer. 4,19 Und er spricht zu

ihnen: Kommt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen. 4,20 Sie aber verließen

sogleich die Netze und folgten ihm nach. 4,21 Und als er von dort weiterging, sah er zwei andere

Brüder: Jakobus, den [Sohn] des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff mit ihrem Vater

Zebedäus, wie sie ihre Netze ausbesserten; und er rief sie. 4,22 Sie aber verließen sogleich das Schiff

und ihren Vater und folgten ihm nach.

Predigt und Heilungen.

Mk 1,32-39; Lk 4,40-44.

4,23 Und Jesus zog in ganz Galiläa umher, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium des

Reiches und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen unter dem Volk. 4,24 Und sein Ruf ging aus in

das ganze Syrien; und sie brachten zu ihm alle Leidenden, die mit mancherlei Krankheiten und Qualen

behaftet waren, und Besessene und Mondsüchtige und Gelähmte; und er heilte sie. 4,25 Und es folgten

ihm große Volksmengen von Galiläa und dem Zehnstädtegebiet und Jerusalem und Judäa und von

jenseits des Jordan.

Seligpreisungen.

Lk 6,20-23.

Kapitel 5

5,1 Als er aber die Volksmengen sah, stieg er auf den Berg; und als er sich gesetzt hatte, traten seine

Jünger zu ihm. 5,2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 5,3 Glückselig die Armen im

Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel. 5,4 Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet

werden. 5,5 Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben. 5,6 Glückselig, die nach

der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden. 5,7 Glückselig die

Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren. 5,8 Glückselig, die reinen Herzens sind,

denn sie werden Gott schauen. 5,9 Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes

heißen. 5,10 Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.

5,11 Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch

reden werden um meinetwillen. 5,12 Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den

Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.

Die Jünger als Salz und Licht.

5,13 Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gesalzen

werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.

5,14 Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein.

5,15 Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das

Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. 5,16 So soll euer Licht leuchten vor den

Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.

Gesetz, Propheten und Reich der

Himmel.

5,17 Meint nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht

gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. 5,18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und

die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles

geschehen ist. 5,19 Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der

Geringste heißen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich

der Himmel. 5,20 Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit vorzüglicher ist als die der

Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.

Erfüllung des Gesetzes: Was ist Töten?

5,21 Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird

dem Gericht verfallen sein. 5,22 Ich aber sage euch, daß jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht

verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer

aber sagt: Du Narr! der Hölle des Feuers verfallen sein wird. 5,23 Wenn du nun deine Gabe darbringst

zu dem Altar und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, 5,24 so laß deine Gabe

dort vor dem Altar und geh zuvor hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring

deine Gabe dar. 5,25 Komme deinem Gegner schnell entgegen, während du mit ihm auf dem Weg bist;

damit nicht etwa der Gegner dich dem Richter überliefert und der Richter dich dem Diener überliefert

und du ins Gefängnis geworfen wirst. 5,26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort

herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.

Erfüllung des Gesetzes: Was ist

Ehebruch?

5,27 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. 5,28 Ich aber sage euch, daß jeder, der

eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. 5,29 Wenn

aber dein rechtes Auge dir Anlaß zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist dir

besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 5,30

Und wenn deine rechte Hand dir Anlaß zur Sünde gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist

dir besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.

5,31 Es ist aber weiter gesagt: Wer seine Frau entlassen will, gebe ihr einen Scheidebrief. 5,32 Ich aber

sage euch: Wer seine Frau entlassen wird, außer aufgrund von Hurerei, macht, daß sie Ehebruch

begeht; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.

Erfüllung des Gesetzes: Was ist

falsches Schwören?

5,33 Wiederum habt ihr gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören, du sollst

aber dem Herrn deine Eide erfüllen. 5,34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht; weder bei dem

Himmel, denn er ist Gottes Thron; 5,35 noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel; noch bei

Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt; 5,36 noch sollst du bei deinem Haupt schwören, denn

du kannst nicht ein Haar weiß oder schwarz machen. 5,37 Es sei aber eure Rede: Ja, ja! Nein, nein!

Was aber mehr ist als dieses, ist vom Bösen.

Erfüllung des Gesetzes: Was ist

Vergelten?

Lk 6,27-36.

5,38 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 5,39 Ich aber sage euch:

Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem

biete auch die andere dar; 5,40 und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Unterkleid nehmen

will, dem laß auch den Mantel. 5,41 Und wenn jemand dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, mit

dem geh zwei. 5,42 Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will.

5,43 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 5,44

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, 5,45 damit ihr Söhne eures

Vaters seid, der in den Himmeln ist; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt

regnen über Gerechte und Ungerechte. 5,46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt

ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? 5,47 Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr

Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? 5,48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie

euer himmlischer Vater vollkommen ist.

Erfüllung des Gesetzes: Rechtes

Almosengeben.

Kapitel 6

6,1 Habt acht, daß ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Menschen, um von ihnen gesehen zu

werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. 6,2 Wenn du nun

Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und

auf den Straßen, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren

Lohn dahin. 6,3 Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut;

6,4 damit dein Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir

vergelten.

Erfüllung des Gesetzes: Rechtes Beten.

vgl. Lk 11,1-4.

6,5 Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen

und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden.

Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. 6,6 Wenn du aber betest, so geh in deine

Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist,

und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. 6,7 Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht

plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, daß sie um ihres vielen Redens willen erhört

werden. 6,8 Seid ihnen nun nicht gleich; denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet. 6,9

Betet ihr nun so: Unser Vater, der [du bist] in den Himmeln, geheiligt werde dein Name; 6,10 dein

Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. 6,11 Unser tägliches Brot gib

uns heute; 6,12 und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben; 6,13 und

führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. - 6,14 Denn wenn ihr den

Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; 6,15 wenn

ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebt, so wird euer Vater auch eure Vergehungen

nicht vergeben.

Erfüllung des Gesetzes: Rechtes

Fasten.

6,16 Wenn ihr aber fastet, so seht nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Gesichter,

damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.

6,17 Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, 6,18 damit du nicht den

Menschen als ein Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater,

der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.

Warnung vor Habsucht und irdischen

Sorgen.

vgl. Lk 12,33.34.

6,19 Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstören und wo Diebe

durchgraben und stehlen; 6,20 sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost

zerstören und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen; 6,21 denn wo dein Schatz ist, da wird auch

dein Herz sein.

Lk 11,34-36.

6,22 Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge klar ist, so wird dein ganzer Leib licht

sein; 6,23 wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht,

das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis!

vgl. Lk 12,22-31.

6,24 Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen

lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem

Mammon. 6,25 Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr

trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und

der Leib mehr als die Kleidung? 6,26 Seht hin auf die Vögel des Himmels, daß sie nicht säen noch

ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie [doch]. Seid ihr nicht viel

vorzüglicher als sie? 6,27 Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen?

6,28 Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: sie

mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht. 6,29 Ich sage euch aber, daß selbst nicht Salomo in all seiner

Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen. 6,30 Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute

steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, [wird er das] nicht vielmehr euch [tun], ihr

Kleingläubigen? 6,31 So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was

sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? 6,32 Denn nach diesem allen trachten die

Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr dies alles benötigt. 6,33 Trachtet aber zuerst

nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.

6,34 So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst

sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.

Warnung vor dem Richten und dem

Entweihen des Heiligen.

Lk 6,37.38.41.42.

Kapitel 7

7,1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! 7,2 Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet

ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch zugemessen werden. 7,3 Was aber

siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du

nicht wahr? 7,4 Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem

Auge ziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge? 7,5 Heuchler, zieh zuerst den Balken aus

deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.

7,6 Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie diese

nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.

Zuversichtliches Beten.

vgl. Lk 11,5-13.

7,7 Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch

aufgetan werden. 7,8 Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden

wird aufgetan werden. 7,9 Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot

bittet, ihm einen Stein geben wird? 7,10 Und wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm eine Schlange

geben? 7,11 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr

wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!

Verhalten gegen andere - Die enge

Pforte.

7,12 Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Denn darin

besteht das Gesetz und die Propheten.

7,13 Geht ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben

führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen. 7,14 Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der

zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.

Warnung vor falschen Propheten.

Lk 6,43-45.

7,15 Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig

aber sind sie reißende Wölfe. 7,16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von

Dornen eine Traube oder von Disteln Feigen? 7,17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der

faule Baum bringt schlechte Früchte. 7,18 Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, noch

ein fauler Baum gute Früchte. 7,19 Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins

Feuer geworfen. 7,20 Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.

V. 21-29: Lk 6,46-49.

7,21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den

Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. 7,22 Viele werden an jenem Tage zu mir sagen:

Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen

ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? 7,23 Und dann werde ich ihnen

bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!

Gleichnis vom Haus auf Felsen und

Sand - Wirkung der Predigt.

7,24 Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich einem klugen Mann vergleichen,

der sein Haus auf den Felsen baute; 7,25 und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und

die Winde wehten und stürmten gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen

gegründet. 7,26 Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird einem törichten

Mann verglichen werden, der sein Haus auf den Sand baute; 7,27 und der Platzregen fiel hernieder,

und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war

groß.

7,28 Und es geschah, als Jesus diese Worte vollendet hatte, da erstaunten die Volksmengen sehr über

seine Lehre; 7,29 denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.

Heilung eines Aussätzigen.

Mk 1,40-45; Lk 5,12-16.

Kapitel 8

8,1 Als er aber von dem Berg herabgestiegen war, folgten ihm große Volksmengen. 8,2 Und siehe, ein

Aussätziger kam heran und warf sich vor ihm nieder und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich

reinigen. 8,3 Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will. Sei gereinigt! Und

sogleich wurde sein Aussatz gereinigt. 8,4 Und Jesus spricht zu ihm: Siehe, sage es niemand; sondern

geh hin, zeige dich dem Priester, und bring die Gabe dar, die Mose angeordnet hat, ihnen zum Zeugnis.

Heilung des Dieners eines Hauptmanns.

Lk 7,1-10; vgl. Joh 4,43-54.

8,5 Als er aber nach Kapernaum hineinkam, trat ein Hauptmann zu ihm, der ihn bat 8,6 und sprach:

Herr, mein Diener liegt zu Hause gelähmt und wird schrecklich gequält. 8,7 Und Jesus spricht zu ihm:

Ich will kommen und ihn heilen. 8,8 Der Hauptmann aber antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht

würdig, daß du unter mein Dach trittst; sondern sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund

werden. 8,9 Denn auch ich bin ein Mensch unter Befehlsgewalt und habe Soldaten unter mir; und ich

sage zu diesem: Geh hin! und er geht; und zu einem anderen: Komm! und er kommt; und zu meinem

Knecht: Tue dies! und er tut's. 8,10 Als aber Jesus es hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die

nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, selbst in Israel habe ich nicht so großen Glauben gefunden. 8,11

Ich sage euch aber, daß viele von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob

zu Tisch liegen werden in dem Reich der Himmel, 8,12 aber die Söhne des Reiches werden

hinausgeworfen werden in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

8,13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin, und dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und der

Diener wurde gesund in jener Stunde.

Heilung der Schwiegermutter des Petrus

und anderer Kranker.

Mk 1,29-34; Lk 4,38-41.

8,14 Und als Jesus in das Haus des Petrus gekommen war, sah er dessen Schwiegermutter fieberkrank

darniederliegen. 8,15 Und er rührte ihre Hand an, und das Fieber verließ sie; und sie stand auf und

diente ihm.

8,16 Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die Geister

aus mit einem Wort, und er heilte alle Leidenden, 8,17 damit erfüllt würde, was durch den Propheten

Jesaja geredet ist, der spricht: "Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten."

Rechte Nachfolge.

Lk 9,57-62.

8,18 Als aber Jesus eine große Volksmenge um sich sah, befahl er, an das jenseitige Ufer wegzufahren.

8,19 Und ein Schriftgelehrter kam heran und sprach zu ihm: Lehrer, ich will dir nachfolgen, wohin du

auch gehst. 8,20 Und Jesus spricht zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels

Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt hinlege. 8,21 Ein anderer aber von

seinen Jüngern sprach zu ihm: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.

8,22 Jesus aber sprach zu ihm: Folge mir nach, und laß die Toten ihre Toten begraben.

Stillung des Sturmes.

Mk 4,35-41; Lk 8,22-25.

8,23 Und als er in das Schiff gestiegen war, folgten ihm seine Jünger. 8,24 Und siehe, es erhob sich ein

heftiger Sturm auf dem See, so daß das Schiff von den Wellen bedeckt wurde; er aber schlief. 8,25

Und die Jünger traten hinzu, weckten ihn auf und sprachen: Herr, rette [uns], wir kommen um! 8,26

Und er spricht zu ihnen: Was seid ihr furchtsam, Kleingläubige? Dann stand er auf und bedrohte die

Winde und den See; und es entstand eine große Stille. 8,27 Die Menschen aber wunderten sich und

sprachen: Was für einer ist dieser, daß auch die Winde und der See ihm gehorchen?

Heilung zweier Besessener.

Mk 5,1-20; Lk 8,26-39.

8,28 Und als er an das jenseitige Ufer gekommen war, in das Land der Gadarener, begegneten ihm

zwei Besessene, die aus den Grüften hervorkamen. [Sie waren] sehr bösartig, so daß niemand auf

jenem Weg vorbeigehen konnte. 8,29 Und siehe, sie schrien und sprachen: Was haben wir mit dir zu

schaffen, Sohn Gottes? Bist du hierher gekommen, uns vor der Zeit zu quälen? 8,30 Es war aber fern

von ihnen eine große Herde Schweine, die da weideten. 8,31 Die Dämonen aber baten ihn und

sprachen: Wenn du uns austreibst, so sende uns in die Herde Schweine. 8,32 Und er sprach zu ihnen:

Geht hin! Sie aber fuhren aus und fuhren in die Schweine. Und siehe, die ganze Herde stürzte sich den

Abhang hinab in den See, und sie kamen um in dem Gewässer. 8,33 Die Hüter aber flohen und gingen

in die Stadt und verkündeten alles und das von den Besessenen. 8,34 Und siehe, die ganze Stadt ging

hinaus, Jesus entgegen, und als sie ihn sahen, baten sie, daß er aus ihrem Gebiet weggehen möchte.

Heilung eines Gelähmten.

Mk 2,1-12; Lk 5,17-26.

Kapitel 9

9,1 Und er stieg in das Schiff, setzte über und kam in seine eigene Stadt. 9,2 Und siehe, sie brachten

einen Gelähmten zu ihm, der auf einem Bett lag; und als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem

Gelähmten: Sei guten Mutes, mein Sohn, deine Sünden sind vergeben. 9,3 Und siehe, einige von den

Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert. 9,4 Und als Jesus ihre Gedanken sah, sprach

er: Warum denkt ihr Arges in euren Herzen? 9,5 Denn was ist leichter zu sagen: Deine Sünden sind

vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 9,6 Damit ihr aber wißt, daß der Sohn des

Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben . . . Dann sagt er zu dem Gelähmten: Steh

auf, nimm dein Bett auf, und geh in dein Haus! 9,7 Und er stand auf und ging in sein Haus. 9,8 Als

aber die Volksmengen es sahen, fürchteten sie sich und verherrlichten Gott, der solche Vollmacht den

Menschen gegeben hat.

Berufung des Matthäus.

Mk 2,13-17; Lk 5,27-32.

9,9 Und als Jesus von dort weiterging, sah er einen Menschen mit Namen Matthäus am Zollhaus

sitzen, und er spricht zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach. 9,10 Und es

geschah, als er in dem Haus zu Tisch lag, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und lagen zu Tisch

mit Jesus und seinen Jüngern. 9,11 Und als die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern:

Warum ißt euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern? 9,12 Als aber er es hörte, sprach er: Nicht die

Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. 9,13 Geht aber hin und lernt, was das ist: "Ich will

Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer". Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern

Sünder."

Die Frage nach dem Fasten.

Mk 2,18-22; Lk 5,33-39.

9,14 Dann kommen die Jünger des Johannes zu ihm und sagen: Warum fasten wir und die Pharisäer

oft, deine Jünger aber fasten nicht? 9,15 Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste

trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von

ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten. 9,16 Niemand aber setzt einen Flicken

von neuem Tuch auf ein altes Kleid; denn das Eingesetzte reißt von dem Kleid ab, und der Riß wird

schlimmer. 9,17 Auch füllt man nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißen die Schläuche,

und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben; sondern man füllt neuen Wein in neue

Schläuche, und beide bleiben zusammen erhalten.

Heilung der blutflüssigen Frau -

Auferweckung der Tochter des Jairus.

Mk 5,21-43; Lk 8,40-56.

9,18 Während er dies zu ihnen redete, siehe, da kam ein Vorsteher herein und warf sich vor ihm nieder

und sprach: Meine Tochter ist eben jetzt verschieden; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird

sie leben. 9,19 Und Jesus stand auf und folgte ihm, und seine Jünger. 9,20 Und siehe, eine Frau, die

zwölf Jahre blutflüssig war, trat von hinten heran und rührte die Quaste seines Kleides an; 9,21 denn

sie sprach bei sich selbst: Wenn ich nur sein Kleid anrühre, so werde ich geheilt werden. 9,22 Jesus

aber wandte sich um, und als er sie sah, sprach er: Sei guten Mutes, Tochter; dein Glaube hat dich

geheilt. Und die Frau war geheilt von jener Stunde an. 9,23 Und als Jesus in das Haus des Vorstehers

kam und die Pfeifer und die lärmende Volksmenge sah, 9,24 sprach er: Geht fort, denn das Mädchen

ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie lachten ihn aus. 9,25 Als aber die Volksmenge

hinausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie bei der Hand; und das Mädchen stand auf. 9,26 Und

das Gerücht hiervon ging aus in jene ganze Gegend.

Heilung zweier Blinder.

vgl. Kap. 20,29-34; Mk 8,22-26; 10,46-52; Lk 18,35-43.

9,27 Und als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde, die schrien und sprachen: Erbarme

dich unser, Sohn Davids! 9,28 Als er aber in das Haus gekommen war, traten die Blinden zu ihm; und

Jesus spricht zu ihnen: Glaubt ihr, daß ich dies tun kann? Sie sagen zu ihm: Ja, Herr. 9,29 Dann rührte

er ihre Augen an und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben! 9,30 Und ihre Augen wurden

aufgetan; und Jesus bedrohte sie und sprach: Seht zu, niemand erfahre es! 9,31 Sie aber gingen aus und

machten ihn bekannt in jener ganzen Gegend.

Heilung eines stummen Besessenen.

9,32 Als sie aber weggingen, siehe, da brachten sie einen stummen Menschen zu ihm, der besessen

war. 9,33 Und als der Dämon ausgetrieben war, redete der Stumme. Und die Volksmengen wunderten

sich und sprachen: Niemals wurde so etwas in Israel gesehen. 9,34 Die Pharisäer aber sagten: Er treibt

die Dämonen aus durch den Obersten der Dämonen.

Aussendung der zwölf Apostel.

9,35 Und Jesus zog umher durch alle Städte und Dörfer und lehrte in ihren Synagogen und predigte

das Evangelium des Reiches und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen.

9,36 Als er aber die Volksmenge sah, wurde er innerlich bewegt über sie, weil sie erschöpft und

verschmachtet waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. 9,37 Dann spricht er zu seinen Jüngern: Die

Ernte zwar ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. 9,38 Bittet nun den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter

aussende in seine Ernte!

Mk 3,13-19; Lk 6,12-16; (Apg 1,13).

Kapitel 10

10,1 Und als er seine zwölf Jünger herangerufen hatte, gab er ihnen Vollmacht über unreine Geister,

sie auszutreiben und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen. 10,2 Die Namen der zwölf Apostel

aber sind diese: Der erste Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der

[Sohn] des Zebedäus, und Johannes, sein Bruder; 10,3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und

Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der [Sohn] des Alphäus, und Thaddäus; 10,4 Simon, der Kananäer,

und Judas, der Iskariot, der ihn auch überlieferte.

Mk 6,7-13; Lk 9,1-6; vgl. Lk 10,1-12.

10,5 Diese zwölf sandte Jesus aus und befahl ihnen und sprach: Geht nicht auf einen Weg der

Nationen, und geht nicht in eine Stadt der Samariter; 10,6 geht aber vielmehr zu den verlorenen

Schafen des Hauses Israel. 10,7 Wenn ihr aber hingeht, predigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist

nahe gekommen. 10,8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus! Umsonst

habt ihr empfangen, umsonst gebt. 10,9 Verschafft euch nicht Gold noch Silber noch Kupfer in eure

Gürtel, 10,10 keine Tasche auf den Weg, noch zwei Unterkleider, noch Sandalen, noch einen Stab;

denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert. 10,11 Wenn ihr aber in eine Stadt oder in ein Dorf einkehrt,

so forscht, wer darin würdig ist; und dort bleibt, bis ihr weggeht. 10,12 Wenn ihr aber in das Haus

eintretet, so grüßt es. 10,13 Und wenn nun das Haus würdig ist, so komme euer Friede darauf; wenn es

aber nicht würdig ist, so wende sich euer Friede zu euch zurück. 10,14 Und wenn jemand euch nicht

aufnehmen noch eure Worte hören wird - geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt, und schüttelt

den Staub von euren Füßen. 10,15 Wahrlich, ich sage euch, es wird dem Land von Sodom und

Gomorra erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als jener Stadt.

Ermutigung zum Bekenntnis in

Verfolgungen.

V. 16-22: vgl. Kap. 24,9-13; Mk 13,9-13;.

Lk 12,11-12; 21,12-17; V. 26-33: vgl. Lk 12,2-9.

10,16 Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe; so seid nun klug wie die Schlangen und

einfältig wie die Tauben. 10,17 Hütet euch aber vor den Menschen; denn sie werden euch an Gerichte

überliefern und in ihren Synagogen euch geißeln; 10,18 und auch vor Statthalter und Könige werdet

ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen und den Nationen zum Zeugnis. 10,19 Wenn sie euch aber

überliefern, so seid nicht besorgt, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde

gegeben werden, was ihr reden sollt. 10,20 Denn nicht ihr seid die Redenden, sondern der Geist eures

Vaters, der in euch redet. 10,21 Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern, und der

Vater das Kind; und Kinder werden sich erheben gegen die Eltern und sie zu Tode bringen. 10,22 Und

ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der

wird errettet werden. 10,23 Wenn sie euch aber verfolgen in dieser Stadt, so flieht in die andere; denn

wahrlich, ich sage euch, ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende sein, bis der Sohn des

Menschen gekommen sein wird. 10,24 Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer, und ein Sklave nicht über

seinem Herrn. 10,25 Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Lehrer und der Sklave wie sein Herr.

Wenn sie den Hausherrn Beelzebul genannt haben, wieviel mehr seine Hausgenossen!

10,26 Fürchtet euch nun nicht vor ihnen. Denn es ist nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und nichts

verborgen, was nicht erkannt werden wird. 10,27 Was ich euch sage in der Finsternis, redet im Licht,

und was ihr ins Ohr [geflüstert] hört, ruft aus auf den Dächern. 10,28 Und fürchtet euch nicht vor

denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der

sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle. 10,29 Werden nicht zwei Sperlinge für ein

paar Pfennige verkauft? Und nicht einer von ihnen wird auf die Erde fallen ohne euren Vater. 10,30

Bei euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt. 10,31 Fürchtet euch nun nicht; ihr seid

vorzüglicher als viele Sperlinge. 10,32 Jeder nun, der mich vor den Menschen bekennen wird, den

werde auch ich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. 10,33 Wer aber mich vor den

Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.

10,34 Meint nicht, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen,

Frieden zu bringen, sondern das Schwert. 10,35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien

mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer

Schwiegermutter; 10,36 und des Menschen Feinde [werden] seine eigenen Hausgenossen [sein]. 10,37

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr

liebt als mich, ist meiner nicht würdig; 10,38 und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist

meiner nicht würdig. 10,39 Wer sein Leben findet, wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um

meinetwillen, wird es finden.

Belohnung für jeden Dienst um Jesu

willen.

vgl. Kap. 25,34-40.

10,40 Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt

hat. 10,41 Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn

empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn

empfangen. 10,42 Und wenn jemand einem dieser Geringen nur einen Becher kalten Wassers zu

trinken gibt in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, er wird seinen Lohn nicht verlieren.

Kapitel 11

11,1 Und es geschah, als Jesus seine Befehle an seine zwölf Jünger vollendet hatte, ging er von dort

weg, um in ihren Städten zu lehren und zu predigen.

Die Frage des Täufers - Jesu Antwort

und Zeugnis über ihn.

Lk 7,18-35.

11,2 Als aber Johannes im Gefängnis die Werke des Christus hörte, sandte er durch seine Jünger 11,3

und ließ ihm sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten? 11,4 Und Jesus

antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: 11,5 Blinde

werden sehend, und Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, und Tote werden

auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt. 11,6 Und glückselig ist, wer sich nicht an mir

ärgern wird!

11,7 Als die aber hingingen, fing Jesus an, zu den Volksmengen zu reden über Johannes: Was seid ihr

in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, vom Wind hin und her bewegt? 11,8 Oder was seid

ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen [Kleidern] bekleidet? Siehe, die weiche

[Kleider] tragen, sind in den Häusern der Könige. 11,9 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?

Einen Propheten? Ja, sage ich euch, und mehr als einen Propheten. 11,10 Denn dieser ist es, von dem

geschrieben steht: "Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir

bereiten wird." 11,11 Wahrlich, ich sage euch, unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer

aufgestanden als Johannes der Täufer; der Kleinste aber im Reich der Himmel ist größer als er. 11,12

Aber von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt wird dem Reich der Himmel Gewalt angetan,

und Gewalttuende reißen es an sich. 11,13 Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis

auf Johannes. 11,14 Und wenn ihr es annehmen wollt: er ist Elia, der kommen soll. 11,15 Wer Ohren

hat, der höre! 11,16 Wem aber soll ich dieses Geschlecht vergleichen? Es ist Kindern gleich, die auf

den Märkten sitzen und ihren Gespielen zurufen 11,17 und sagen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr

habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht gewehklagt. 11,18 Denn

Johannes ist gekommen, der weder aß noch trank, und sie sagen: Er hat einen Dämon. 11,19 Der Sohn

des Menschen ist gekommen, der da ißt und trinkt, und sie sagen: Siehe, ein Fresser und Weinsäufer,

ein Freund der Zöllner und Sünder; - und die Weisheit ist gerechtfertigt worden aus ihren Werken.

Weheruf über unbußfertige Städte -

Jesus als Heiland der Unmündigen und

Bedrückten.

Lk 10,13-16.

11,20 Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen seine meisten Wunderwerke geschehen waren,

weil sie nicht Buße getan hatten: 11,21 Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn zu Tyrus

und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack

und Asche Buße getan. 11,22 Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am

Tag des Gerichts als euch. 11,23 Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, bis

zum Hades wirst du hinabgestoßen werden; denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären,

die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis auf den heutigen Tag. 11,24 Doch ich sage euch: Dem

Sodomer Land wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir.

Lk 10,21.22.

11,25 Zu jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,

daß du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast es Unmündigen geoffenbart. 11,26

Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. 11,27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und

niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn, und

wem der Sohn ihn offenbaren will. 11,28 Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und

ich werde euch Ruhe geben. 11,29 Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir, denn ich bin

sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; 11,30 denn mein

Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Die Sabbatfrage.

Mk 2,23-3,6; Lk 6,1-11.

Kapitel 12

12,1 Zu jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Saaten; es hungerte aber seine Jünger, und sie

fingen an, Ähren abzupflücken und zu essen. 12,2 Als aber die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu ihm:

Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat zu tun nicht erlaubt ist. 12,3 Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr

nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte? 12,4 Wie er in das Haus Gottes

ging und die Schaubrote aß, die er nicht essen durfte, noch die bei ihm waren, sondern allein die

Priester? 12,5 Oder habt ihr nicht in dem Gesetz gelesen, daß am Sabbat die Priester in dem Tempel

den Sabbat entheiligen und [doch] schuldlos sind? 12,6 Ich sage euch aber: Größeres als der Tempel ist

hier. 12,7 Wenn ihr aber erkannt hättet, was das heißt: "Ich will Barmherzigkeit und nicht

Schlachtopfer", so würdet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt haben. 12,8 Denn der Sohn des

Menschen ist Herr des Sabbats.

12,9 Und als er von dort weiterging, kam er in ihre Synagoge. 12,10 Und siehe, da war ein Mensch,

der eine verdorrte Hand hatte. Und sie fragten ihn und sprachen: Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen?

damit sie ihn anklagen könnten. 12,11 Er aber sprach zu ihnen: Welcher Mensch ist wohl unter euch,

der ein Schaf hat und, wenn dieses am Sabbat in eine Grube fällt, es nicht ergreift und herauszieht?

12,12 Wieviel vorzüglicher ist nun ein Mensch als ein Schaf! Also ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu

tun. 12,13 Dann spricht er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus, und sie

wurde wiederhergestellt, gesund wie die andere.

12,14 Die Pharisäer aber gingen hinaus und hielten Rat gegen ihn, wie sie ihn umbrächten.

Heilungen und die Erfüllung des

Prophetenwortes.

Mk 3,7-12; Lk 6,17-19.

12,15 Als aber Jesus es erkannte, entwich er von dort; und es folgte ihm eine große Volksmenge, und

er heilte sie alle. 12,16 Und er bedrohte sie, daß sie ihn nicht offenbar machten, 12,17 damit erfüllt

würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: 12,18 "Siehe, mein Knecht, den ich

erwählt habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen gefunden hat; ich werde meinen Geist

auf ihn legen, und er wird den Nationen Gericht ankündigen. 12,19 Er wird nicht streiten noch

schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den Straßen hören; 12,20 ein geknicktes Rohr wird er

nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Gericht

hinausführe zum Sieg; 12,21 und auf seinen Namen werden die Nationen hoffen".

Heilung eines Besessenen - Lästerung

des Geistes.

Mk 3,20-30; Lk 11,14-23; 12,10.

12,22 Dann wurde ein Besessener zu ihm gebracht, blind und stumm; und er heilte ihn, so daß der

Stumme redete und sah. 12,23 Und es erstaunten die ganzen Volksmengen und sagten: Dieser ist doch

nicht etwa der Sohn Davids? 12,24 Die Pharisäer aber sagten, als sie es hörten: Dieser treibt die

Dämonen nicht anders aus als durch den Beelzebul, den Obersten der Dämonen. 12,25 Da er aber ihre

Gedanken wußte, sprach er zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst entzweit ist, wird verwüstet; und

jede Stadt oder jedes Haus, die mit sich selbst entzweit sind, werden nicht bestehen. 12,26 Und wenn

der Satan den Satan austreibt, so ist er mit sich selbst entzweit. Wie wird denn sein Reich bestehen?

12,27 Und wenn ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus?

Darum werden sie eure Richter sein. 12,28 Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen

austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen. 12,29 Oder wie kann jemand in das Haus

des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet? Und dann

wird er sein Haus berauben. 12,30 Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir

sammelt, zerstreut. 12,31 Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen

vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird den Menschen nicht vergeben werden. 12,32

Und wenn jemand ein Wort reden wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden;

wenn aber jemand gegen den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in

diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen. 12,33 Entweder macht den Baum gut, dann ist seine Frucht

gut, oder macht den Baum faul, dann ist seine Frucht faul; denn an der Frucht wird der Baum erkannt.

12,34 Otternbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet

der Mund. 12,35 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz Gutes hervor, und der böse Mensch

bringt aus dem bösen Schatz Böses hervor. 12,36 Ich sage euch aber, daß die Menschen von jedem

unnützen Wort, das sie reden, Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts; 12,37 denn aus

deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.

Das Zeichen Jonas.

Lk 11,29-32.

12,38 Dann antworteten ihm einige der Schriftgelehrten und Pharisäer und sprachen: Lehrer, wir

möchten ein Zeichen von dir sehen. 12,39 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und

ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur

das Zeichen Jonas, des Propheten. 12,40 Denn gleichwie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch

des großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der

Erde sein. 12,41 Männer von Ninive werden aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und werden

es verdammen, denn sie taten Buße auf die Predigt Jonas; und siehe, mehr als Jona ist hier. 12,42 Eine

Königin des Südens wird auftreten im Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen, denn

sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, mehr als Salomo ist

hier.

Von der Rückkehr unreiner Geister.

Lk 11,24-26.

12,43 Wenn aber der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Orte,

sucht Ruhe und findet sie nicht. 12,44 Dann spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, von dem

ich ausgegangen bin; und wenn er kommt, findet er es leer, gekehrt und geschmückt. 12,45 Dann geht

er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, schlimmer als er selbst, und sie gehen hinein und

wohnen dort; und das Ende jenes Menschen wird schlimmer als der Anfang. So wird es auch diesem

bösen Geschlecht ergehen.

Die wahren Verwandten Jesu.

Mk 3,31-35; Lk 8,19-21.

12,46 Als er aber noch zu den Volksmengen redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder

draußen und suchten ihn zu sprechen. 12,47 Und es sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine

Brüder stehen draußen und suchen dich zu sprechen. 12,48 Er aber antwortete und sprach zu dem, der

es ihm sagte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? 12,49 Und er streckte seine Hand aus

über seine Jünger und sprach: Siehe da, meine Mutter und meine Brüder! 12,50 Denn wer den Willen

meines Vaters tun wird, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine

Mutter.

Gleichnis vom Sämann.

Mk 4,1-20; Lk 8,4-15.

Kapitel 13

13,1 An jenem Tag aber ging Jesus aus dem Haus hinaus und setzte sich an den See. 13,2 Und es

versammelten sich große Volksmengen um ihn, so daß er in ein Schiff stieg und sich setzte; und die

ganze Volksmenge stand am Ufer. 13,3 Und er redete vieles in Gleichnissen zu ihnen und sprach:

Siehe, der Sämann ging aus zu säen; 13,4 und indem er säte, fiel einiges an den Weg, und die Vögel

kamen und fraßen es auf. 13,5 Anderes aber fiel auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und

sogleich ging es auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. 13,6 Als aber die Sonne aufging, wurde es

verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 13,7 Anderes aber fiel unter die Dornen; und

die Dornen schossen auf und erstickten es. 13,8 Anderes aber fiel auf die gute Erde und gab Frucht:

das eine hundert-, das andere sechzig-, das andere dreißig[fach]. 13,9 Wer Ohren hat, der höre!

13,10 Und die Jünger traten hinzu und sprachen zu ihm: Warum redest du in Gleichnissen zu ihnen?

13,11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der

Himmel zu wissen, jenen aber ist es nicht gegeben; 13,12 denn wer da hat, dem wird gegeben werden,

und er wird Überfluß haben; wer aber nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, genommen werden.

13,13 Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehend nicht sehen und hörend nicht hören,

noch verstehen; 13,14 und es wird an ihnen die Weissagung Jesajas erfüllt, die lautet: "Mit Gehör

werdet ihr hören und doch nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und doch nicht wahrnehmen";

13,15 denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und

ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören

und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile. 13,16 Glückselig aber eure Augen,

daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören; 13,17 denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und

Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr anschaut, und haben es nicht gesehen; und zu hören, was ihr

hört, und haben es nicht gehört.

13,18 Hört ihr nun das Gleichnis vom Sämann: 13,19 So oft jemand das Wort vom Reich hört und

nicht versteht, kommt der Böse und reißt weg, was in sein Herz gesät war; dieser ist es, bei dem an den

Weg gesät ist. 13,20 Wo aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich

mit Freuden aufnimmt; 13,21 er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur [ein Mensch] des

Augenblicks; und wenn Drangsal entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich

Anstoß. 13,22 Wo aber unter die Dornen gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört, und die Sorge der

Zeit und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht. 13,23 Wo aber auf

die gute Erde gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und versteht, der wirklich Frucht bringt; und der

eine trägt hundert-, der andere sechzig-, der andere dreißig[fach].

Gleichnis vom Unkraut des Ackers.

vgl. V. 36-43.

13,24 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit

einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 13,25 Während aber die Menschen

schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging weg. 13,26 Als aber die

Saat aufsproßte und Frucht brachte, da erschien auch das Unkraut. 13,27 Es kamen aber die Knechte

des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät?

Woher hat er denn Unkraut? 13,28 Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan.

Die Knechte aber sprachen zu ihm: Willst du denn, daß wir hingehen und es zusammenlesen? 13,29 Er

aber sprach: Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Unkrauts zugleich mit ihm den

Weizen ausrauft. 13,30 Laßt beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich

den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen, und bindet es in Bündel, um es zu

verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!

Gleichnis vom Senfkorn und Sauerteig.

Mk 4,30-34; Lk 13,18-21.

13,31 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem

Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; 13,32 es ist zwar kleiner als alle [Arten

von] Samen, wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als die Kräuter und wird ein Baum, so daß

die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.

13,33 Ein anderes Gleichnis redete er zu ihnen: Das Reich der Himmel gleicht einem Sauerteig, den

eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.

13,34 Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete er nicht

zu ihnen, 13,35 damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist, der spricht: "Ich werde

meinen Mund auftun in Gleichnissen; ich werde aussprechen, was von Grundlegung der Welt an

verborgen war."

Deutung des Gleichnisses vom Unkraut

des Ackers.

vgl. V. 24-30.

13,36 Dann entließ er die Volksmengen und kam in das Haus; und seine Jünger traten zu ihm und

sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Ackers. 13,37 Er aber antwortete und sprach: Der

den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen, 13,38 der Acker aber ist die Welt; der gute Same

aber sind die Söhne des Reiches, das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen; 13,39 der Feind aber, der

es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters, die Schnitter aber sind

Engel. 13,40 Wie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, so wird es in der

Vollendung des Zeitalters sein. 13,41 Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie

werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, die Gesetzloses tun; 13,42 und sie

werfen sie in den Feuerofen werden: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. 13,43 Dann

werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters. Wer Ohren hat, der höre!

Gleichnisse vom Schatz im Acker, von

der kostbaren Perle und vom Fischnetz.

13,44 Das Reich der Himmel gleicht einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und

verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.

13,45 Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht; 13,46 als er

aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte

sie.

13,47 Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und von

jeder Gattung zusammenbrachte, 13,48 das sie dann, als es voll war, ans Ufer heraufgezogen hatten;

und sie setzten sich nieder und lasen die Guten in Gefäße zusammen, aber die Faulen warfen sie aus.

13,49 So wird es in der Vollendung des Zeitalters sein: die Engel werden ausgehen und die Bösen aus

der Mitte der Gerechten aussondern 13,50 und sie in den Feuerofen werfen: da wird das Weinen und

das Zähneknirschen sein.

13,51 Habt ihr dies alles verstanden? Sie sagen zu ihm: Ja. 13,52 Er aber sprach zu ihnen: Darum ist

jeder Schriftgelehrte, der vom Reich der Himmel unterrichtet ist, gleich einem Hausherrn, der aus

seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.

Unglauben in Nazareth.

Mk 6,1-6; vgl. Lk 4,16-30

13,53 Und es geschah, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, ging er von dort weg. 13,54 Und er

kam in seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Synagoge, so daß sie sehr erstaunten und sprachen:

Woher hat er diese Weisheit und die Wunderwerke? 13,55 Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns?

Heißt nicht seine Mutter Maria, und seine Brüder Jakobus und Joseph und Simon und Judas? 13,56

Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher hat er nun dies alles? 13,57 Und sie ärgerten

sich an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Vaterstadt und

in seinem Haus. 13,58 Und er tat dort nicht viele Wunderwerke wegen ihres Unglaubens.

Der Tod des Täufers.

Mk 6,14-29; Lk 3,19.20; 9,7-9.

Kapitel 14

14,1 Zu jener Zeit hörte Herodes, der Vierfürst, das Gerücht von Jesus 14,2 und sprach zu seinen

Dienern: Dieser ist Johannes der Täufer; er ist von den Toten auferstanden, und darum wirken solche

[Wunder-]Kräfte in ihm. 14,3 Denn Herodes hatte Johannes gegriffen, ihn gebunden und ins Gefängnis

gesetzt um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus. 14,4 Denn Johannes hatte ihm

gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, sie zu haben. 14,5 Und als er ihn töten wollte, fürchtete er die

Volksmenge, weil sie ihn für einen Propheten hielten. 14,6 Als aber der Geburtstag des Herodes

begangen wurde, tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen, und sie gefiel dem Herodes. 14,7 Deshalb

sagte er mit einem Eide zu, ihr zu geben, um was sie auch bitten würde. 14,8 Sie aber, von ihrer Mutter

angewiesen, sagt: Gib mir hier auf einer Schüssel das Haupt Johannes' des Täufers. 14,9 Und der

König wurde traurig; aber um der Eide und um derer willen, die mit zu Tisch lagen, befahl er, es zu

geben. 14,10 Und er sandte hin und ließ den Johannes im Gefängnis enthaupten. 14,11 Und sein Haupt

wurde auf einer Schüssel gebracht und dem Mädchen gegeben, und sie brachte es ihrer Mutter. 14,12

Und seine Jünger kamen herbei, hoben den Leib auf und begruben ihn. Und sie kamen und

verkündeten es Jesus. 14,13 Und als Jesus es hörte, zog er sich von dort in einem Schiff abseits an

einen öden Ort zurück.

Speisung der Fünftausend.

Mk 6,30-44; Lk 9,10-17; Joh 6,1-14; vgl. Kap. 15,32-39; Mk 8,1-9.

Und als die Volksmengen es hörten, folgten sie ihm zu Fuß aus den Städten. 14,14 Und als er ausstieg,

sah er eine große Volksmenge, und er wurde innerlich bewegt über sie und heilte ihre Kranken. 14,15

Als es aber Abend geworden war, traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Der Ort ist öde, und die

Zeit ist schon vergangen; entlaß die Volksmengen, daß sie hingehen in die Dörfer und sich Speise

kaufen. 14,16 Jesus aber sprach zu ihnen: Sie haben nicht nötig wegzugehen; gebt ihr ihnen zu essen.

14,17 Sie aber sagen zu ihm: Wir haben nichts hier als nur fünf Brote und zwei Fische. 14,18 Er aber

sprach: Bringt sie mir her! 14,19 Und er befahl den Volksmengen, sich auf das Gras zu lagern, nahm

die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und dankte; und er brach die Brote und

gab sie den Jüngern, die Jünger aber [gaben sie] den Volksmengen. 14,20 Und sie aßen alle und

wurden gesättigt. Und sie hoben auf, was an Brocken übrigblieb: zwölf Handkörbe voll. 14,21 Die

aber aßen, waren ungefähr fünftausend Männer, ohne Frauen und Kinder.

Jesus geht auf dem See - Hilfe für den

sinkenden Petrus.

Mk 6,45-52; Joh 6,15-21.

14,22 Und sogleich nötigte er die Jünger, in das Schiff zu steigen und ihm an das jenseitige Ufer

vorauszufahren, bis er die Volksmengen entlassen habe. 14,23 Und als er die Volksmengen entlassen

hatte, stieg er für sich allein auf den Berg, um zu beten. Als es aber Abend geworden, war er dort

allein. 14,24 Das Schiff aber war schon mitten auf dem See und litt Not von den Wellen, denn der

Wind war [ihnen] entgegen. 14,25 Aber in der vierten Nachtwache kam er zu ihnen, indem er auf dem

See einherging. 14,26 Und als die Jünger ihn auf dem See einhergehen sahen, wurden sie bestürzt und

sprachen: Es ist ein Gespenst! Und sie schrien vor Furcht. 14,27 Sogleich aber redete Jesus zu ihnen

und sprach: Seid guten Mutes! Ich bin's. Fürchtet euch nicht! 14,28 Petrus aber antwortete ihm und

sprach: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen. 14,29 Er aber sprach:

Komm! Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging auf dem Wasser, um zu Jesus zu kommen. 14,30 Als

er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er und sprach: Herr,

rette mich! 14,31 Sogleich aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und spricht zu ihm:

Kleingläubiger, warum zweifeltest du? 14,32 Und als sie in das Schiff gestiegen waren, legte sich der

Wind. 14,33 Die aber in dem Schiff waren, kamen und warfen sich vor ihm nieder und sprachen:

Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!

Heilung vieler Kranker.

Mk 6,53-56.

14,34 Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie in das Land Genezareth. 14,35 Und als die

Männer jenes Ortes ihn erkannten, schickten sie in jene ganze Umgegend und brachten alle Leidenden

zu ihm; 14,36 und sie baten ihn, daß sie nur die Quaste seines Kleides anrühren dürften, und alle, die

ihn anrührten, wurden völlig geheilt.

Gottes Gebot steht höher als

menschliche Überlieferung -

Verunreinigung des Menschen.

Mk 7,1-23.

Kapitel 15

15,1 Dann kommen die Schriftgelehrten und Pharisäer von Jerusalem zu Jesus und sagen: 15,2 Warum

übertreten deine Jünger die Überlieferung der Ältesten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie

Brot essen. 15,3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet auch ihr das Gebot Gottes

um eurer Überlieferung willen? 15,4 Denn Gott hat geboten und gesagt: "Ehre den Vater und die

Mutter!" und: "Wer Vater und Mutter flucht, soll des Todes sterben." 15,5 Ihr aber sagt: Wenn jemand

zum Vater oder zur Mutter spricht: Eine Opfergabe [sei das], was dir von mir zunutze kommen könnte,

der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht zu ehren; 15,6 und ihr habt [so] das Gebot Gottes

ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. 15,7 Heuchler! Trefflich hat Jesaja über euch

geweissagt, indem er spricht: 15,8 "Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit

entfernt von mir. 15,9 Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote

lehren."

15,10 Und er rief die Volksmenge herbei und sprach zu ihnen: Hört und versteht! 15,11 Nicht was in

den Mund eingeht, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Mund ausgeht, das verunreinigt

den Menschen. 15,12 Dann traten seine Jünger hinzu und sprachen zu ihm: Weißt du, daß die Pharisäer

sich ärgerten, als sie das Wort hörten? 15,13 Er aber antwortete und sprach: Jede Pflanze, die mein

himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgerottet werden. 15,14 Laßt sie! Sie sind blinde Leiter

der Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden leitet, so werden beide in eine Grube fallen. 15,15

Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Deute uns dieses Gleichnis. 15,16 Er aber sprach: Seid auch

ihr noch unverständig? 15,17 Begreift ihr noch nicht, daß alles, was in den Mund eingeht, in den

Bauch geht und in den Abort ausgeworfen wird? 15,18 Was aber aus dem Mund ausgeht, kommt aus

dem Herzen hervor, und das verunreinigt den Menschen. 15,19 Denn aus dem Herzen kommen hervor

böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen; 15,20 diese

Dinge sind es, die den Menschen verunreinigen, aber mit ungewaschenen Händen zu essen,

verunreinigt den Menschen nicht.

Heilung der Tochter der kanaanäischen

Frau.

Mk 7,24-30.

15,21 Und Jesus ging von dort weg und zog sich in die Gegenden von Tyrus und Sidon zurück; 15,22

und siehe, eine kanaanäische Frau, die aus jenem Gebiet herkam, schrie und sprach: Erbarme dich

meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist schlimm besessen. 15,23 Er aber antwortete ihr nicht ein

Wort. Und seine Jünger traten hinzu und baten ihn und sprachen: Entlaß sie, denn sie schreit hinter uns

her. 15,24 Er aber antwortete und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses

Israel. 15,25 Sie aber kam und warf sich vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! 15,26 Er antwortete

und sprach: Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen. 15,27 Sie

aber sprach: Ja, Herr; doch es essen ja auch die Hunde von den Krumen, die von dem Tisch ihrer

Herren fallen. 15,28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Frau, dein Glaube ist groß. Dir

geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter war geheilt von jener Stunde an.

Krankenheilungen - Speisung der

Viertausend.

Mk 8,1-9; vgl. Kap. 14,13-21; Mk 6,30-44; Lk 9,10-17; Joh 6,1-14.

15,29 Und Jesus ging von dort weg und kam an den See von Galiläa; und als er auf den Berg gestiegen

war, setzte er sich dort. 15,30 Und große Volksmengen kamen zu ihm, die Lahme, Blinde, Stumme,

Krüppel und viele andere bei sich hatten, und sie warfen sie ihm zu Füßen; und er heilte sie, 15,31 so

daß die Volksmenge sich wunderte, als sie sahen, daß Stumme redeten, Krüppel gesund wurden,

Lahme gingen und Blinde sahen; und sie verherrlichten den Gott Israels. 15,32 Als Jesus aber seine

Jünger herangerufen hatte, sprach er: Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge, denn schon drei

Tage harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen; und ich will sie nicht hungrig entlassen, damit

sie nicht etwa auf dem Weg verschmachten. 15,33 Und seine Jünger sagen zu ihm: Woher nehmen wir

in der Einöde so viele Brote, um eine so große Volksmenge zu sättigen? 15,34 Und Jesus spricht zu

ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Sie aber sagen: Sieben, und wenige kleine Fische. 15,35 Und er gebot

den Volksmengen, sich auf die Erde zu lagern. 15,36 Und er nahm die sieben Brote und die Fische,

dankte und brach und gab sie seinen Jüngern, die Jünger aber [gaben sie] den Volksmengen. 15,37

Und sie aßen alle und wurden gesättigt; und sie hoben auf, was an Brocken übrigblieb, sieben Körbe

voll. 15,38 Die aber aßen, waren viertausend Männer, ohne Frauen und Kinder. 15,39 Und als er die

Volksmengen entlassen hatte, stieg er in das Schiff und kam in das Gebiet von Magadan.

Zeichenforderung der Pharisäer und

Sadduzäer - Warnung vor ihnen.

Mk 8,11-21.

Kapitel 16

16,1 Und die Pharisäer und Sadduzäer kamen herbei, und um ihn zu versuchen, baten sie ihn, er möge

ihnen ein Zeichen aus dem Himmel zeigen. 16,2 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wenn es

Abend geworden ist, so sagt ihr: Heiteres Wetter, denn der Himmel ist feuerrot; 16,3 und frühmorgens:

Heute stürmisches Wetter, denn der Himmel ist feuerrot [und] trübe; das Aussehen des Himmels wißt

ihr zwar zu beurteilen, aber die Zeichen der Zeiten könnt ihr nicht [beurteilen]. 16,4 Ein böses und

ehebrecherisches Geschlecht verlangt nach einem Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben

werden als nur das Zeichen Jonas. Und er verließ sie und ging weg.

16,5 Und als seine Jünger an das jenseitige Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brote

mitzunehmen. 16,6 Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer

und Sadduzäer. 16,7 Sie aber überlegten bei sich selbst und sagten: Weil wir keine Brote

mitgenommen haben. 16,8 Als aber Jesus es erkannte, sprach er: Was überlegt ihr bei euch selbst,

Kleingläubige, weil ihr keine Brote mitgenommen habt? 16,9 Versteht ihr noch nicht, erinnert ihr euch

auch nicht an die fünf Brote der Fünftausend, und wie viele Handkörbe ihr aufhobt? 16,10 Noch an die

sieben Brote der Viertausend, und wie viele Körbe ihr aufhobt? 16,11 Wie, versteht ihr nicht, daß ich

nicht von Broten zu euch sprach? Hütet euch aber vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!

16,12 Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, sich zu hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern

vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.

Das Bekenntnis des Petrus.

Mk 8,27-30; Lk 9,18-21.

16,13 Als aber Jesus in die Gegenden von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und

sprach: Was sagen die Menschen, wer der Sohn des Menschen ist? 16,14 Sie aber sagten: Einige:

Johannes der Täufer; andere aber: Elia; und andere wieder: Jeremia oder einer der Propheten. 16,15 Er

spricht zu ihnen: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? 16,16 Simon Petrus aber antwortete und sprach:

Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. 16,17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm:

Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern

mein Vater, der in den Himmeln ist. 16,18 Aber auch ich sage dir, daß du bist Petrus, und auf diesem

Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen. 16,19

Und ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben; und was immer du auf der Erde

binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in

den Himmeln gelöst sein. 16,20 Dann gab er seinen Jüngern strenge Weisung, daß sie niemand sagten,

daß er der Christus sei.

Erste Leidensankündigung -

Bedingungen der Nachfolge.

Mk 8,31-9,1; Lk 9,22-27.

16,21 Von der Zeit an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, daß er nach Jerusalem hingehen müsse

und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten

Tag auferweckt werden müsse. 16,22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihn zu tadeln, indem

er sagte: [Gott] behüte dich, Herr! Dies wird dir nicht widerfahren. 16,23 Er aber wandte sich um und

sprach zu Petrus: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was

Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist.

16,24 Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, der verleugne sich

selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach. 16,25 Denn wenn jemand sein Leben erretten

will, wird er es verlieren; wenn aber jemand sein Leben verliert um meinetwillen, wird er es finden.

16,26 Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben

einbüßte? Oder was wird ein Mensch als Lösegeld geben für sein Leben? 16,27 Denn der Sohn des

Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem

jeden vergelten nach seinem Tun. 16,28 Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier

stehen, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in

seinem Reich.

Die Verklärung Jesu.

Mk 9,2-13; Lk 9,28-36; 2Petr 1,16-18.

Kapitel 17

17,1 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit und

führt sie abseits auf einen hohen Berg. 17,2 Und er wurde vor ihnen umgestaltet. Und sein Angesicht

leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht; 17,3 und siehe, Mose und Elia

erschienen ihnen und unterredeten sich mit ihm. 17,4 Petrus aber begann und sprach zu Jesus: Herr, es

ist gut, daß wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten machen, dir eine und Mose eine

und Elia eine. 17,5 Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe,

eine Stimme [kam] aus der Wolke, welche sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich

Wohlgefallen gefunden habe. Ihn hört! 17,6 Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht

und fürchteten sich sehr. 17,7 Und Jesus trat herbei, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet

euch nicht! 17,8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 17,9 Und als sie

von dem Berg herabstiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: Sagt niemandem die Erscheinung [weiter],

bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden ist.

17,10 Und die Jünger fragten ihn und sprachen: Was sagen denn die Schriftgelehrten, daß Elia zuerst

kommen müsse? 17,11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Elia kommt zwar und wird alle Dinge

wiederherstellen. 17,12 Ich sage euch aber, daß Elia schon gekommen ist, und sie haben ihn nicht

erkannt, sondern an ihm getan, was sie wollten. Ebenso wird auch der Sohn des Menschen von ihnen

leiden. 17,13 Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen sprach.

Heilung eines Fallsüchtigen.

Mk 9,14-29; Lk 9,37-43.

17,14 Und als sie zu der Volksmenge kamen, trat ein Mensch zu ihm und fiel vor ihm auf die Knie

17,15 und sprach: Herr, erbarme dich meines Sohnes, denn er ist mondsüchtig und leidet arg; denn oft

fällt er ins Feuer und oft ins Wasser. 17,16 Und ich brachte ihn zu deinen Jüngern, doch sie konnten

ihn nicht heilen. 17,17 Jesus aber antwortete und sprach: O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht!

Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn mir her!

17,18 Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und von jener Stunde an war der

Knabe geheilt. 17,19 Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sprachen: Warum haben wir ihn

nicht austreiben können? 17,20 Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens; denn wahrlich,

ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe

dich weg von hier dorthin! und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein. 17,21

Diese Art aber fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten.

Zweite Leidensankündigung.

Mk 9,30-32; Lk 9,43-45.

17,22 Als sie sich aber in Galiläa aufhielten, sprach Jesus zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird

überliefert werden in der Menschen Hände, 17,23 und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er

auferweckt werden. Und sie wurden sehr betrübt.

Die Tempelsteuer.

17,24 Als sie aber nach Kapernaum kamen, traten die Einnehmer der Doppeldrachmen zu Petrus und

sprachen: Zahlt euer Lehrer nicht die Doppeldrachmen? 17,25 Er sagt: Doch. Und als er in das Haus

eintrat, kam Jesus ihm zuvor und sprach: Was meinst du, Simon? Von wem erheben die Könige der

Erde Zoll oder Steuer, von ihren Söhnen oder von den Fremden? 17,26 Da er aber sagte: Von den

Fremden, sprach Jesus zu ihm: Demnach sind die Söhne frei. 17,27 Damit wir ihnen aber kein

Ärgernis geben, geh an den See, wirf eine Angel aus und nimm den ersten Fisch, der heraufkommt,

öffne sein Maul, und du wirst einen Stater finden; den nimm und gib ihnen für mich und dich.

Wahre Größe im Reich der Himmel -

Warnung vor Verführung zur Sünde -

Gleichnis vom verlorenen Schaf.

V. 1-9; Mk 9,33-37.42-48; Lk 9,46-48.

Kapitel 18

18,1 In jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist denn der Größte im Reich der

Himmel? 18,2 Und als Jesus ein Kind herbeigerufen hatte, stellte er es in ihre Mitte 18,3 und sprach:

Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das

Reich der Himmel eingehen. 18,4 Darum, wenn jemand sich selbst erniedrigen wird wie dieses Kind,

der ist der Größte im Reich der Himmel; 18,5 und wenn jemand ein solches Kind aufnehmen wird in

meinem Namen, nimmt er mich auf.

18,6 Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlaß zur Sünde gibt, für den

wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt

würde. 18,7 Wehe der Welt der Verführungen wegen! Denn es ist notwendig, daß Verführungen

kommen. Doch wehe dem Menschen, durch den die Verführung kommt! 18,8 Wenn aber deine Hand

oder dein Fuß dir Anlaß zur Sünde gibt, so hau ihn ab und wirf ihn von dir! Es ist besser für dich, lahm

oder als Krüppel in das Leben einzugehen, als mit zwei Händen oder mit zwei Füßen in das ewige

Feuer geworfen zu werden. 18,9 Und wenn dein Auge dir Anlaß zur Sünde gibt, so reiß es aus und

wirf es von dir! Es ist besser für dich, einäugig in das Leben einzugehen, als mit zwei Augen in die

Hölle des Feuers geworfen zu werden. 18,10 Seht zu, daß ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet;

denn ich sage euch, daß ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der

in den Himmeln ist. 18,11 Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu retten.

V. 12.13: Vgl. Lk 15,4-7.

18,12 Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins von ihnen sich verirrte, läßt er

nicht die neunundneunzig auf den Bergen und geht hin und sucht das irrende? 18,13 Und wenn es

geschieht, daß er es findet, wahrlich, ich sage euch, er freut sich mehr über dieses als über die

neunundneunzig, die nicht verirrt sind. 18,14 So ist es nicht der Wille eures Vaters, der in den

Himmeln ist, daß eines dieser Kleinen verloren gehe.

Verhalten gegen sündigende Brüder -

Gemeinschaft in Jesu Namen.

18,15 Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Wenn er

auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. 18,16 Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen

oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde. 18,17 Wenn

er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemeinde; wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht

hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner. 18,18 Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr etwas

auf der Erde binden werdet, wird es im Himmel gebunden sein, und wenn ihr etwas auf der Erde lösen

werdet, wird es im Himmel gelöst sein.

18,19 Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen werden, irgendeine

Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist. 18,20 Denn

wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.

Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht.

18,21 Dann trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich

sündigt, vergeben? Bis siebenmal? 18,22 Jesus spricht zu ihm: Ich sage dir: Nicht bis siebenmal,

sondern bis siebzigmal sieben. 18,23 Deswegen ist es mit dem Reich der Himmel wie mit einem

König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. 18,24 Als er aber anfing, abzurechnen, wurde einer

zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete. 18,25 Da er aber nicht zahlen konnte, befahl der

Herr, ihn und seine Frau und die Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und [damit] zu bezahlen.

18,26 Der Knecht nun fiel nieder, bat ihn kniefällig und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich

will dir alles bezahlen. 18,27 Der Herr jenes Knechtes aber wurde innerlich bewegt, gab ihn los und

erließ ihm das Darlehen. 18,28 Jener Knecht aber ging hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der

ihm hundert Denare schuldig war. Und er ergriff und würgte ihn und sprach: Bezahle, wenn du etwas

schuldig bist! 18,29 Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, und

ich will dir bezahlen. 18,30 Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er

die Schuld bezahlt habe. 18,31 Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr

betrübt und gingen und berichteten ihrem Herrn alles, was geschehen war. 18,32 Da rief ihn sein Herr

herbei und spricht zu ihm: Böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest.

18,33 Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt

habe? 18,34 Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt

habe, was er ihm schuldig war. 18,35 So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht

ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt.

Ehescheidung und Eheverzicht.

Mk 10,1-12.

Kapitel 19

19,1 Und es geschah, als Jesus diese Reden beendet hatte, begab er sich von Galiläa hinweg und kam

in das Gebiet von Judäa, jenseits des Jordan. 19,2 Und es folgten ihm große Volksmengen, und er

heilte sie dort.

19,3 Und die Pharisäer kamen zu ihm, versuchten ihn und sprachen: Ist es einem Mann erlaubt, aus

jeder [beliebigen] Ursache seine Frau zu entlassen? 19,4 Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht

gelesen, daß der, welcher sie schuf, sie von Anfang an [als] Mann und Weib schuf 19,5 und sprach:

"Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und es werden die

zwei ein Fleisch sein", - 19,6 so daß sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch? Was nun Gott

zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. 19,7 Sie sagen zu ihm: Warum hat denn Mose

geboten, einen Scheidebrief zu geben und zu entlassen? 19,8 Er spricht zu ihnen: Mose hat wegen

eurer Herzenshärtigkeit euch gestattet, eure Frauen zu entlassen; von Anfang an aber ist es nicht so

gewesen. 19,9 Ich sage euch aber, daß, wer immer seine Frau entlassen wird, außer wegen Hurerei,

und eine andere heiraten wird, Ehebruch begeht; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.

19,10 Seine Jünger sagen zu ihm: Wenn die Sache des Mannes mit der Frau so steht, so ist es nicht

ratsam zu heiraten. 19,11 Er aber sprach zu ihnen: Nicht alle fassen dieses Wort, sondern denen es

gegeben ist; 19,12 denn es gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind; und es gibt

Verschnittene, die von den Menschen verschnitten worden sind; und es gibt Verschnittene, die sich

selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen. Wer es fassen kann, der fasse es.

Jesus und die Kinder.

Mk 10,13-16; Lk 18,15-17.

19,13 Dann wurden Kinder zu ihm gebracht, damit er ihnen die Hände auflege und bete; die Jünger

aber fuhren sie an. 19,14 Jesus aber sprach: Laßt die Kinder, und wehrt ihnen nicht, zu mir zu

kommen, denn solcher ist das Reich der Himmel. 19,15 Und er legte ihnen die Hände auf und ging von

dort weg.

Frage eines Reichen nach dem ewigen

Leben - Lohn der Nachfolge.

Mk 10,17-31; Lk 18,18-30.

19,16 Und siehe, einer trat herbei und sprach zu ihm: Lehrer, was soll ich Gutes tun, damit ich ewiges

Leben habe? 19,17 Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich über das Gute? Einer ist der Gute.

Wenn du aber ins Leben eingehen willst, so halte die Gebote. 19,18 Er spricht zu ihm: Welche? Jesus

aber sprach: Diese: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst

nicht falsches Zeugnis geben; 19,19 ehre den Vater und die Mutter; und: du sollst deinen Nächsten

lieben wie dich selbst. 19,20 Der Jüngling spricht zu ihm: Alles dies habe ich befolgt. Was fehlt mir

noch? 19,21 Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin, verkaufe deine Habe

und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm, folge mir nach! 19,22

Als aber der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt weg, denn er hatte viele Güter. 19,23 Jesus aber

sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Schwerlich wird ein Reicher in das Reich der

Himmel eingehen. 19,24 Wiederum aber sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein

Nadelöhr eingehe als ein Reicher in das Reich Gottes. 19,25 Als aber die Jünger es hörten, gerieten sie

ganz außer sich und sagten: Wer kann dann errettet werden? 19,26 Jesus aber sah sie an und sprach zu

ihnen: Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich. 19,27 Da antwortete

Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was wird uns nun

werden? 19,28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid,

auch ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit

sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. 19,29 Und ein jeder, der

Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker um

meines Namens willen verlassen hat, wird hundertfach empfangen und ewiges Leben erben. 19,30

Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein.

Gleichnis von den Arbeitern im

Weinberg.

Kapitel 20

20,1 Denn mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem Hausherrn, der frühmorgens ausging, um

Arbeiter in seinen Weinberg einzustellen. 20,2 Nachdem er aber mit den Arbeitern um einen Denar

den Tag übereingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg. 20,3 Und als er um die dritte Stunde

ausging, sah er andere auf dem Markt müßig stehen; 20,4 und zu diesen sprach er: Geht auch ihr hin in

den Weinberg, und was recht ist, werde ich euch geben. 20,5 Sie aber gingen hin. Wiederum aber ging

er aus um die sechste und neunte Stunde und tat ebenso. 20,6 Als er aber um die elfte [Stunde]

ausging, fand er andere stehen und spricht zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig? 20,7

Sie sagen zu ihm: Weil niemand uns eingestellt hat. Er spricht zu ihnen: Geht auch ihr hin in den

Weinberg. 20,8 Als es aber Abend geworden war, spricht der Herr des Weinbergs zu seinem

Verwalter: Rufe die Arbeiter und zahle den Lohn, angefangen von den letzten bis zu den ersten. 20,9

Und als die um die elfte Stunde [Eingestellten] kamen, empfingen sie je einen Denar. 20,10 Als aber

die ersten kamen, meinten sie, daß sie mehr empfangen würden; und auch sie empfingen je einen

Denar. 20,11 Als sie den aber empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn 20,12 und sprachen: Diese

letzten haben eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir die Last des Tages

und die Hitze getragen haben. 20,13 Er aber antwortete und sprach zu einem von ihnen: Freund, ich

tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen? 20,14 Nimm das Deine

und geh hin! Ich will aber diesem letzten geben wie auch dir. 20,15 Ist es mir nicht erlaubt, mit dem

Meinen zu tun, was ich will? Blickt dein Auge neidisch, weil ich gütig bin? 20,16 So werden die

Letzten Erste und die Ersten Letzte sein; denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.

Dritte Leidensankündigung.

Mk 10,32-34; Lk 18,31-34.

20,17 Und als Jesus nach Jerusalem hinaufging, nahm er die zwölf Jünger auf dem Weg allein zu sich

und sprach zu ihnen: 20,18 Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird

den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überliefert werden, und sie werden ihn zum Tode verurteilen;

20,19 und sie werden ihn den Nationen überliefern, um ihn zu verspotten und zu geißeln und zu

kreuzigen; und am dritten Tag wird er auferstehen.

Wahre Größe im Reich Gottes.

Mk 10,35-45.

20,20 Dann trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm und warf sich nieder und

wollte etwas von ihm erbitten. 20,21 Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu ihm: Bestimme,

daß diese meine zwei Söhne einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen mögen in

deinem Reich. 20,22 Jesus aber antwortete und sprach: Ihr wißt nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den

Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagen zu ihm: Wir können es. 20,23 Er spricht zu ihnen:

Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu [meiner] Linken zu

vergeben, steht nicht bei mir, sondern [ist für die], denen es von meinem Vater bereitet ist. 20,24 Und

als die Zehn es hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder. 20,25 Jesus aber rief sie heran und

sprach: Ihr wißt, daß die Regenten der Nationen sie beherrschen und die Großen Gewalt gegen sie

üben. 20,26 Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird

er euer Diener sein, 20,27 und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein;

20,28 gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu

dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

Heilung zweier Blinder.

Mk 10,46-52; Lk 18,35-43; vgl. Kap. 9,27-31; Mk 8,22-26.

20,29 Und als sie von Jericho auszogen, folgte ihm eine große Volksmenge. 20,30 Und siehe, zwei

Blinde, die am Weg saßen und hörten, daß Jesus vorübergehe, schrien und sprachen: Erbarme dich

unser, Herr, Sohn Davids! 20,31 Die Volksmenge aber bedrohte sie, daß sie schweigen sollten. Sie

aber schrien noch mehr und sprachen: Erbarme dich unser, Herr, Sohn Davids! 20,32 Und Jesus blieb

stehen und rief sie und sprach: Was wollt ihr, daß ich euch tun soll? 20,33 Sie sagen zu ihm: Herr, daß

unsere Augen aufgetan werden. 20,34 Jesus aber, innerlich bewegt, rührte ihre Augen an; und sogleich

wurden sie sehend, und sie folgten ihm nach.

Einzug in Jerusalem.

Mk 11,1-11; Lk 19,28-40; Joh 12,12-19.

Kapitel 21

21,1 Und als sie Jerusalem nahten und nach Bethphage kamen, an den Ölberg, da sandte Jesus zwei

Jünger 21,2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das euch gegenüberliegt; und sogleich werdet

ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und führt sie zu mir! 21,3 Und

wenn jemand etwas zu euch sagt, so sollt ihr sprechen: Der Herr braucht sie, und sogleich wird er sie

senden. 21,4 Dies alles aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist,

der spricht: 21,5 "Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und auf einer

Eselin reitend, und [zwar] auf einem Fohlen, des Lasttiers Jungen." 21,6 Als aber die Jünger

hingegangen waren und getan hatten, wie Jesus ihnen aufgetragen, 21,7 brachten sie die Eselin und das

Fohlen und legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. 21,8 Und eine sehr große Volksmenge

breitete ihre Kleider aus auf den Weg; andere aber hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie

auf den Weg. 21,9 Die Volksmengen aber, die vor ihm hergingen und nachfolgten, riefen und

sprachen: Hosanna dem Sohn Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in

der Höhe! 21,10 Und als er in Jerusalem einzog, kam die ganze Stadt in Bewegung und sprach: Wer ist

dieser? 21,11 Die Volksmengen aber sagten: Dieser ist Jesus, der Prophet, der von Nazareth in Galiläa.

Tempelreinigung.

Mk 11,15-19; Lk 19,45-48; vgl. Joh 2,13-17.

21,12 Und Jesus trat in den Tempel Gottes ein und trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und

kauften, und die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stieß er um. 21,13 Und er

spricht zu ihnen: Es steht geschrieben: "Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden;" ihr aber habt es

zu einer Räuberhöhle gemacht. 21,14 Und es traten Blinde und Lahme in dem Tempel zu ihm, und er

heilte sie. 21,15 Als aber die Hohenpriester und die Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und

die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosanna dem Sohn Davids! wurden sie unwillig 21,16

und sprachen zu ihm: Hörst du, was diese sagen? Jesus aber sprach zu ihnen: Ja, habt ihr nie gelesen:

"Aus dem Mund der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet?" 21,17 Und er verließ sie

und ging zur Stadt hinaus nach Bethanien und übernachtete dort.

Der verdorrende Feigenbaum und das

Glaubensgebet.

Mk 11,12-14.20-24.

21,18 Des Morgens früh aber, als er in die Stadt zurückkehrte, hungerte ihn. 21,19 Und als er einen

Feigenbaum an dem Weg sah, ging er auf ihn zu und fand nichts an ihm als nur Blätter. Und er spricht

zu ihm: Nimmermehr komme Frucht von dir in Ewigkeit! Und sogleich verdorrte der Feigenbaum.

21,20 Und als die Jünger es sahen, verwunderten sie sich und sprachen: Wie ist der Feigenbaum

sogleich verdorrt? 21,21 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr

Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum Geschehene tun,

sondern wenn ihr auch zu diesem Berg sagen werdet: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer! so

wird es geschehen. 21,22 Und alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr empfangen.

Die Frage nach der Vollmacht Jesu.

Mk 11,27-33; Lk 20,1-8.

21,23 Und als er in den Tempel kam, traten, als er lehrte, die Hohenpriester und die Ältesten des

Volkes zu ihm und sprachen: In welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Und wer hat dir diese

Vollmacht gegeben? 21,24 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein Wort

fragen, und wenn ihr es mir sagt, so werde auch ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich diese Dinge

tue. 21,25 Woher war die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von Menschen? Sie aber überlegten

bei sich selbst und sprachen: Wenn wir sagen: vom Himmel, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr

ihm denn nicht geglaubt? 21,26 Wenn wir aber sagen: von Menschen, so haben wir die Volksmenge zu

fürchten, denn alle halten Johannes für einen Propheten. 21,27 Und sie antworteten Jesus und

sprachen: Wir wissen es nicht. Da sagte auch er zu ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher

Vollmacht ich diese Dinge tue.

Gleichnis von den ungleichen Söhnen.

21,28 Was meint ihr aber [hierzu]? Ein Mensch hatte zwei Söhne, und er trat hin zu dem ersten und

sprach: Mein Sohn, geh heute hin, arbeite im Weinberg! 21,29 Der aber antwortete und sprach: Ich

will nicht. Danach aber gereute es ihn, und er ging hin. 21,30 Und er trat hin zu dem zweiten und

sprach ebenso. Der aber antwortete und sprach: Ich [gehe], Herr; und er ging nicht. 21,31 Wer von den

beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagen: Der erste. Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, ich

sage euch, daß die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes. 21,32 Denn Johannes

kam zu euch im Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht; die Zöllner aber und die Huren

glaubten ihm; euch aber, als ihr es saht, gereute es auch danach nicht, um ihm zu glauben.

Gleichnis von den Weingärtnern.

Mk 12,1-12; Lk 20,9-19.

21,33 Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun

darum setzte und eine Kelter darin grub und einen Turm baute; und er verpachtete ihn an Weingärtner

und reiste außer Landes. 21,34 Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den

Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen. 21,35 Und die Weingärtner nahmen seine Knechte,

einen schlugen sie, einen anderen töteten sie, einen anderen steinigten sie. 21,36 Wiederum sandte er

andere Knechte, mehr als die ersten; und sie taten ihnen ebenso. 21,37 Zuletzt aber sandte er seinen

Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen! 21,38 Als aber die

Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, laßt uns ihn

töten und sein Erbe in Besitz nehmen! 21,39 Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus

und töteten ihn. 21,40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun?

21,41 Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andere

Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit. 21,42 Jesus spricht zu

ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist

zum Eckstein geworden; von dem Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren

Augen?" 21,43 Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer

Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird. 21,44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird

zerschmettert werden; aber auf wen er fallen wird, den wird er zermalmen. 21,45 Und als die

Hohenpriester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, daß er von ihnen

redete. 21,46 Und als sie ihn zu greifen suchten, fürchteten sie die Volksmengen, denn sie hielten ihn

für einen Propheten.

Gleichnis vom Hochzeitsmahl.

vgl. Lk 14,16-24.

Kapitel 22

22,1 Und Jesus begann und redete wieder in Gleichnissen zu ihnen und sprach: 22,2 Mit dem Reich

der Himmel ist es wie mit einem König, der seinem Sohn Hochzeit machte. 22,3 Und er sandte seine

Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen; und sie wollten nicht kommen. 22,4 Wiederum

sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Geladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet,

meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! 22,5

Sie aber achteten es nicht und gingen hin, der eine auf seinen Acker, der andere an seinen Handel. 22,6

Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, mißhandelten und töteten sie. 22,7 Der König aber wurde

zornig und sandte seine Truppen aus, brachte jene Mörder um und steckte ihre Stadt in Brand. 22,8

Dann sagt er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Geladenen waren nicht

würdig; 22,9 so geht nun hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so viele immer ihr finden

werdet, ladet zur Hochzeit. 22,10 Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen und brachten alle

zusammen, so viele sie fanden, Böse wie Gute. Und der Hochzeitssaal wurde voll von Gästen. 22,11

Als aber der König hereinkam, die Gäste zu besehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem

Hochzeitskleid bekleidet war. 22,12 Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen,

da du kein Hochzeitskleid hast? Er aber verstummte. 22,13 Da sprach der König zu den Dienern:

Bindet ihm Füße und Hände, und werft ihn hinaus in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und

das Zähneknirschen sein. 22,14 Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.

Die Frage nach der Steuer.

Mk 12,13-17; Lk 20,20-26.

22,15 Dann gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie ihn bei einem Ausspruch fangen könnten.

22,16 Und sie senden ihre Jünger mit den Herodianern zu ihm und sagen: Lehrer, wir wissen, daß du

wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst und dich um niemand kümmerst, denn du siehst

nicht auf die Person der Menschen. 22,17 Sage uns nun, was denkst du: Ist es erlaubt, dem Kaiser

Steuer zu geben, oder nicht? 22,18 Da aber Jesus ihre Bosheit erkannte, sprach er: Was versucht ihr

mich, Heuchler? 22,19 Zeigt mir die Steuermünze! Sie aber überreichten ihm einen Denar. 22,20 Und

er spricht zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift ist das? 22,21 Sie sagen zu ihm: Des Kaisers. Da

spricht er zu ihnen: Gebt denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. 22,22 Und als

sie [das] hörten, wunderten sie sich und ließen ihn und gingen weg.

Die Frage nach der Auferstehung.

Mk 12,18-27; Lk 20,27-40.

22,23 An jenem Tag kamen Sadduzäer zu ihm, die da sagen, es gebe keine Auferstehung; und sie

fragten ihn 22,24 und sprachen: Lehrer, Mose hat gesagt: Wenn jemand stirbt und keine Kinder hat, so

soll sein Bruder seine Frau heiraten und soll seinem Bruder Nachkommenschaft erwecken. 22,25 Es

waren aber bei uns sieben Brüder. Und der erste verheiratete sich und starb; und weil er keinen

Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder. 22,26 Ebenso auch der zweite und der

dritte, bis auf den siebten. 22,27 Zuletzt aber von allen starb auch die Frau. 22,28 Wessen Frau von den

sieben wird sie nun in der Auferstehung sein? Denn alle hatten sie. 22,29 Jesus aber antwortete und

sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht kennt, noch die Kraft Gottes; 22,30 denn in der

Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie Engel Gottes im

Himmel. 22,31 Was aber die Auferstehung der Toten betrifft: Habt ihr nicht gelesen, was zu euch

geredet ist von Gott, der da spricht: 22,32 "Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott

Jakobs? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden." 22,33 Und als die Volksmengen es

hörten, erstaunten sie über seine Lehre.

Die Frage nach dem größten Gebot.

Mk 12,28-34; vgl. Lk 10,25-28.

22,34 Als aber die Pharisäer hörten, daß er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte,

versammelten sie sich miteinander. 22,35 Und es fragte einer von ihnen, ein Gesetzesgelehrter, und

versuchte ihn und sprach: 22,36 Lehrer, welches ist das größte Gebot in dem Gesetz? 22,37 Er aber

sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner

ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand." 22,38 Dies ist das größte und erste Gebot. 22,39 Das

zweite aber ist ihm gleich: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." 22,40 An diesen zwei

Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Die Frage nach dem Christus.

Mk 12,35-37; Lk 20,41-44.

22,41 Als aber die Pharisäer versammelt waren, fragte Jesus sie 22,42 und sagte: Was haltet ihr von

dem Christus? Wessen Sohn ist er? Sie sagen zu ihm: Davids. 22,43 Er spricht zu ihnen: Wie nennt

David ihn denn im Geist Herr, indem er sagt: 22,44 "Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu

meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege unter deine Füße?" 22,45 Wenn nun David ihn Herr nennt,

wie ist er sein Sohn? 22,46 Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, noch wagte jemand von dem

Tag an, ihn weiter zu befragen.

Warnung vor den Schriftgelehrten und

Pharisäern.

Mk 12,38-40; Lk 20,45-47.

Kapitel 23

23,1 Dann redete Jesus zu den Volksmengen und zu seinen Jüngern 23,2 und sprach: Auf Moses

Lehrstuhl haben sich die Schriftgelehrten und die Pharisäer gesetzt. 23,3 Alles nun, was sie euch

sagen, tut und haltet; aber handelt nicht nach ihren Werken, denn sie sagen es und tun es nicht. 23,4

Sie binden aber schwere Lasten und legen sie auf die Schultern der Menschen, sie selbst aber wollen

sie nicht mit ihrem Finger bewegen. 23,5 Alle ihre Werke aber tun sie, um sich vor den Menschen

sehen zu lassen; denn sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten groß. 23,6 Sie lieben aber

den ersten Platz bei den Gastmählern und die ersten Sitze in den Synagogen 23,7 und die Begrüßungen

auf den Märkten und von den Menschen Rabbi genannt zu werden. 23,8 Ihr aber, laßt ihr euch nicht

Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. 23,9 Ihr sollt auch nicht [jemanden]

auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, [nämlich] der im Himmel. 23,10 Laßt euch

auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus. 23,11 Der Größte aber unter euch

soll euer Diener sein. 23,12 Wer sich aber selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich

selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden.

Weherufe gegen die Schriftgelehrten

und Pharisäer.

vgl. Lk 11,38-52.

23,13 Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der

Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, noch laßt ihr die, welche hineingehen wollen,

hineingehen.(23,14)

23,15 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr durchzieht das Meer und das

trockene [Land], um einen Proselyten zu machen; und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu

einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.

23,16 Wehe euch, ihr blinden Führer! Die ihr sagt: Wenn jemand bei dem Tempel schwören wird, das

ist nichts; wenn aber jemand bei dem Gold des Tempels schwören wird, ist er gebunden. 23,17 Narren

und Blinde! Was ist denn größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? 23,18 Und: Wenn

jemand bei dem Altar schwören wird, das ist nichts; wenn aber jemand bei der Gabe schwören wird,

die auf ihm ist, so ist er gebunden. 23,19 Blinde! Was ist denn größer, die Gabe oder der Altar, der die

Gabe heiligt? 23,20 Wer nun bei dem Altar schwört, schwört bei ihm und bei allem, was auf ihm ist.

23,21 Und wer bei dem Tempel schwört, schwört bei ihm und bei dem, der ihn bewohnt. 23,22 Und

wer bei dem Himmel schwört, schwört bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

23,23 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den

Anis und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Gericht und

die Barmherzigkeit und den Glauben; diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen. 23,24 Ihr

blinden Führer, die ihr die Mücke seiht, das Kamel aber verschluckt! 23,25 Wehe euch, Schriftgelehrte

und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber

sind sie voller Raub und Unenthaltsamkeit. 23,26 Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Inwendige des

Bechers, damit auch sein Auswendiges rein werde.

23,27 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die

von außen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind.

23,28 So scheint auch ihr von außen zwar gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller

Heuchelei und Gesetzlosigkeit.

23,29 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr baut die Gräber der Propheten

und schmückt die Grabmäler der Gerechten 23,30 und sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter

gewesen, so würden wir uns nicht an dem Blut der Propheten schuldig gemacht haben. 23,31 So gebt

ihr euch selbst Zeugnis, daß ihr Söhne derer seid, welche die Propheten ermordet haben. 23,32 Und

ihr, macht [nur] das Maß eurer Väter voll! 23,33 Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht

der Hölle entfliehen? 23,34 Deswegen siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und

Schriftgelehrte; und einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und einige von ihnen werdet ihr

in euren Synagogen geißeln und werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt; 23,35 damit über euch

komme alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde, von dem Blut Abels, des Gerechten, bis

zu dem Blut Zacharias', des Sohnes Barachjas, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet

habt. 23,36 Wahrlich, ich sage euch, dies alles wird über dieses Geschlecht kommen.

Klage über Jerusalem.

vgl. Lk 14,34.35.

23,37 Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft

habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel,

und ihr habt nicht gewollt! 23,38 Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen; 23,39 denn ich sage euch:

Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: "Gepriesen sei, der da kommt im Namen des

Herrn!"

Endzeitrede: Tempelzerstörung und

Drangsale der Endzeit.

Mk 13,1-23; V. 1-19: Lk 21,5-12.16-23.

Kapitel 24

24,1 Und Jesus trat hinaus und ging von dem Tempel weg; und seine Jünger traten zu [ihm], um ihn

auf die Gebäude des Tempels aufmerksam zu machen. 24,2 Er aber antwortete und sprach zu ihnen:

Seht ihr dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen

werden, der nicht abgebrochen werden wird. 24,3 Als er aber auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger

für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner

Ankunft und der Vollendung des Zeitalters? 24,4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu,

daß euch niemand verführe! 24,5 Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin

der Christus! Und sie werden viele verführen. 24,6 Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten

hören. Seht zu, erschreckt nicht; denn [dies] alles muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. 24,7

Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden

Hungersnöte und Seuchen sein und Erdbeben da und dort. 24,8 Alles dies aber ist der Anfang der

Wehen. 24,9 Dann werden sie euch in Drangsal überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen

Nationen gehaßt werden um meines Namens willen. 24,10 Und dann werden viele verleitet werden

und werden einander überliefern und einander hassen; 24,11 und viele falsche Propheten werden

aufstehen und werden viele verführen; 24,12 und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die

Liebe der meisten erkalten; 24,13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. 24,14 Und

dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu

einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.

24,15 Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, dem Propheten, geredet ist, an

heiliger Stätte stehen seht - wer es liest, der merke auf! -, 24,16 dann sollen die in Judäa auf die Berge

fliehen; 24,17 wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um etwas aus seinem Haus zu holen;

24,18 und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. 24,19 Wehe aber

den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! 24,20 Betet aber, daß eure Flucht nicht im

Winter geschehe noch am Sabbat; 24,21 denn dann wird große Drangsal sein, wie sie von Anfang der

Welt bis jetzt nicht gewesen ist noch je sein wird. 24,22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so

würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt

werden. 24,23 Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus, oder dort! so glaubt es

nicht. 24,24 Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und werden große

Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. 24,25 Siehe, ich

habe es euch vorhergesagt. 24,26 Wenn sie nun zu euch sagen: Siehe, er

ist in der Wüste! so geht nicht hinaus. Siehe, in den Gemächern! so glaubt es nicht. 24,27 Denn wie der

Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen

sein. 24,28 Wo das Aas ist, da werden sich die Adler versammeln.

Endzeitrede: Ankunft des

Menschensohnes.

Mk 13,24-27; Lk 21,25-27.

24,29 Aber gleich nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond

seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel

werden erschüttert werden. 24,30 Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel

erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des

Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. 24,31 Und

er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten

versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.

Endzeitrede: Ermahnung zur

Wachsamkeit.

Mk 13,28-37; V. 32-35: Lk 21,29-33; V. 37-41: Lk 17,26-35; V. 42-44: Lk 12,39.40.

24,32 Von dem Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und

die Blätter hervortreibt, so erkennt ihr, daß der Sommer nahe ist. 24,33 So sollt auch ihr, wenn ihr dies

alles seht, erkennen, daß es nahe an der Tür ist. 24,34 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird

nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist. 24,35 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine

Worte aber sollen nicht vergehen. 24,36 Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch

nicht die Engel in den Himmeln, sondern mein Vater allein. 24,37 Aber wie die Tage Noahs [waren],

so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. 24,38 Denn wie sie in den Tagen vor der Flut

waren: sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten, bis zu dem Tag, da Noah in die Arche

ging, 24,39 und sie es nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft

des Sohnes des Menschen sein. 24,40 Dann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird genommen und

einer gelassen; 24,41 zwei [Frauen] werden an dem Mühlstein mahlen, eine wird genommen und eine

gelassen. 24,42 Wacht also, denn ihr wißt nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommt. 24,43 Das aber

erkennt: Wenn der Hausherr gewußt hätte, in welcher Wache der Dieb komme, so hätte er wohl

gewacht und nicht zugelassen, daß in sein Haus eingebrochen würde. 24,44 Deshalb seid auch ihr

bereit; denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.

Endzeitrede: Gleichnis vom treuen und

untreuen Knecht.

Lk 12,41-46.

24,45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen

die Speise zu geben zur rechten Zeit? 24,46 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt,

bei solchem Tun finden wird! 24,47 Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe

setzen. 24,48 Wenn aber jener als böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr läßt auf sich warten,

24,49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und ißt und trinkt mit den Betrunkenen, 24,50 so

wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde,

die er nicht weiß, 24,51 und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil setzen mit den Heuchlern: da

wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Endzeitrede: Gleichnis von den zehn

Jungfrauen.

Kapitel 25

25,1 Dann wird es mit dem Reich der Himmel sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen

und ausgingen, dem Bräutigam entgegen. 25,2 Fünf aber von ihnen waren klug und fünf töricht. 25,3

Die, welche töricht waren, nahmen ihre Lampen und nahmen kein Öl mit sich; 25,4 die Klugen aber

nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. 25,5 Als aber der Bräutigam auf sich warten ließ,

wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. 25,6 Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der

Bräutigam! Geht aus, ihm entgegen! 25,7 Da standen alle jene Jungfrauen auf und schmückten ihre

Lampen. 25,8 Die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere

Lampen erlöschen. 25,9 Die Klugen aber antworteten und sagten: Nein, damit es nicht etwa für uns

und euch nicht ausreiche; geht lieber hin zu den Verkäufern und kauft für euch selbst. 25,10 Als sie

aber hingingen, zu kaufen, kam der Bräutigam, und die bereit waren, gingen mit ihm ein zur Hochzeit;

und die Tür wurde verschlossen. 25,11 Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen:

Herr, Herr, tu uns auf! 25,12 Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch

nicht. 25,13 So wacht nun, denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde.

Endzeitrede: Gleichnis von den

anvertrauten Talenten.

vgl. Lk 19,11-27.

25,14 Denn [es ist] wie [bei] einem Menschen, der außer Landes reiste, seine eigenen Knechte rief und

ihnen seine Habe übergab: 25,15 und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen

eins, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit, und reiste außer Landes. 25,16 Sogleich aber ging

der, welcher die fünf Talente empfangen hatte, hin und handelte mit ihnen und gewann andere fünf

Talente. 25,17 So auch, der die zwei [empfangen hatte], auch er gewann andere zwei. 25,18 Der aber

das eine empfangen hatte, ging hin, grub [ein Loch] in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.

25,19 Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und rechnet mit ihnen ab. 25,20 Und es trat

herbei, der die fünf Talente empfangen hatte, und brachte andere fünf Talente und sagte: Herr, fünf

Talente hast du mir übergeben, siehe, andere fünf Talente habe ich dazugewonnen. 25,21 Sein Herr

sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde

ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn. 25,22 Es trat aber auch herbei, der die zwei

Talente empfangen hatte, und sprach: Herr, zwei Talente hast du mir übergeben; siehe, andere zwei

Talente habe ich dazugewonnen. 25,23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht!

Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn.

25,24 Es trat aber auch herbei, der das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr, ich kannte dich,

daß du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;

25,25 und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde; siehe, da hast du das

Deine. 25,26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Böser und fauler Knecht! Du wußtest, daß

ich ernte, wo ich nicht gesät, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe? 25,27 So solltest du nun

mein Geld den Wechslern gegeben haben, und wenn ich kam, hätte ich das Meine mit Zinsen erhalten.

25,28 Nehmt ihm nun das Talent weg, und gebt es dem, der die zehn Talente hat; 25,29 denn jedem,

der da hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluß haben; von dem aber, der nicht hat, von dem

wird selbst, was er hat, weggenommen werden. 25,30 Und den unnützen Knecht werft hinaus in die

äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Endzeitrede: Das Endgericht.

25,31 Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm,

dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; 25,32 und vor ihm werden versammelt werden

alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken

scheidet. 25,33 Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken. 25,34

Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt

das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an; 25,35 denn mich hungerte, und ihr gabt

mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf;

25,36 nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis,

und ihr kamt zu mir. 25,37 Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen

wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und gaben dir zu trinken? 25,38 Wann aber sahen wir

dich als Fremdling und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich? 25,39 Wann aber sahen

wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir? 25,40 Und der König wird antworten und zu

ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan

habt, habt ihr es mir getan.

25,41 Dann wird er auch zu denen zur Linken sagen: Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer,

das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 25,42 Denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu

essen; mich dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken; 25,43 ich war Fremdling, und ihr nahmt mich

nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht.

25,44 Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig

oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 25,45 Dann

wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr es einem dieser Geringsten nicht

getan habt, habt ihr es auch mir nicht getan. 25,46 Und diese werden hingehen in die ewige Pein, die

Gerechten aber in das ewige Leben. Anschlag der Hohenpriester und Verrat des Judas - Salbung Jesu

in Bethanien

Mk 14,1.2; Lk 22,1.2.

Kapitel 26

26,1 Und es geschah, als Jesus alle diese Reden beendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern: 26,2 Ihr

wißt, daß nach zwei Tagen das Passah ist, und der Sohn des Menschen wird überliefert, um gekreuzigt

zu werden.

26,3 Dann versammelten sich die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes in den Hof des

Hohenpriesters, der Kaiphas hieß, 26,4 und ratschlagten miteinander, um Jesus mit List zu greifen und

zu töten. 26,5 Sie sagten aber: Nicht an dem Fest, damit nicht ein Aufruhr unter dem Volk entstehe.

Mk 14,3-9; Joh 12,1-8.

26,6 Als aber Jesus in Bethanien war, im Hause Simons, des Aussätzigen, 26,7 kam eine Frau zu ihm,

die ein Alabasterfläschchen mit sehr kostbarem Salböl hatte, und goß es aus auf sein Haupt, als er zu

Tisch lag. 26,8 Als aber die Jünger es sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese

Verschwendung? 26,9 Denn dies hätte teuer verkauft und [der Erlös] den Armen gegeben werden

können. 26,10 Als aber Jesus es erkannte, sprach er zu ihnen: Was macht ihr der Frau Mühe? Sie hat

doch ein gutes Werk an mir getan; 26,11 denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr

nicht allezeit. 26,12 Denn als sie dieses Salböl über meinen Leib goß, tat sie es zu meinem Begräbnis.

26,13 Wahrlich, ich sage euch: Wo dieses Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen Welt, wird

auch von dem geredet werden, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

Mk 14,10.11; Lk 22,3-6.

26,14 Dann ging einer von den Zwölfen, Judas Iskariot mit Namen, zu den Hohenpriestern 26,15 und

sprach: Was wollt ihr mir geben, und ich werde ihn euch überliefern? Sie aber setzten ihm dreißig

Silberlinge fest. 26,16 Und von da an suchte er Gelegenheit, ihn zu überliefern.

Vorbereitung des Passahmahles.

Mk 14,12-16; Lk 22,7-13.

26,17 Am ersten [Tag] der ungesäuerten Brote aber traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst

du, daß wir dir das Passah zu essen bereiten? 26,18 Er aber sprach: Geht in die Stadt zu dem und dem

und sprecht zu ihm: Der Lehrer sagt: Meine Zeit ist nahe; bei dir halte ich das Passah mit meinen

Jüngern. 26,19 Und die Jünger taten, wie Jesus ihnen befohlen hatte, und bereiteten das Passah.

Bezeichnung des Verräters.

Mk 14,17-21; Lk 22,14.21-23; Joh 13,18-30.

26,20 Als es aber Abend geworden war, legte er sich mit den Zwölfen zu Tisch. 26,21 Und während

sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern. 26,22 Und sie

wurden sehr betrübt, und jeder von ihnen fing an, zu ihm zu sagen: Ich bin es doch nicht, Herr? 26,23

Er aber antwortete und sprach: Der mit mir die Hand in die Schüssel eintaucht, der wird mich

überliefern. 26,24 Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben steht. Wehe aber

jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem Menschen gut,

wenn er nicht geboren wäre. 26,25 Judas aber, der ihn überlieferte, antwortete und sprach: Ich bin es

doch nicht, Rabbi? Er spricht zu ihm: Du hast es gesagt.

Einsetzung des Herrenmahles.

Mk 14,22-26; Lk 22,15-20; 1Kor 11,23-25.

26,26 Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot, segnete, brach und gab es den Jüngern und sprach:

Nehmt, eßt, dies ist mein Leib! 26,27 Und er nahm einen Kelch und dankte und gab ihnen [den] und

sprach: Trinkt alle daraus! 26,28 Denn dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur

Vergebung der Sünden. 26,29 Ich sage euch aber, daß ich von nun an nicht mehr von diesem Gewächs

des Weinstocks trinken werde bis zu jenem Tag, da ich es neu mit euch trinken werde in dem Reich

meines Vaters. 26,30 Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus zum Ölberg.

Ankündigung der Verleugnung durch

Petrus.

Mk 14,27-31; Lk 22,31-34; Joh 13,36-38.

26,31 Darauf spricht Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch alle in dieser Nacht an mir ärgern; denn es steht

geschrieben: "Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden."

26,32 Nachdem ich aber auferweckt sein werde, werde ich vor euch hingehen nach Galiläa. 26,33

Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sich alle an dir ärgern werden, ich werde mich

niemals ärgern. 26,34 Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, daß du in dieser Nacht, ehe der

Hahn kräht, mich dreimal verleugnen wirst. 26,35 Petrus spricht zu ihm: Selbst wenn ich mit dir

sterben müßte, werde ich dich nicht verleugnen. Ebenso sprachen auch alle Jünger.

Gethsemane.

Mk 14,32-42; Lk 22,39-46.

26,36 Dann kommt Jesus mit ihnen an ein Gut, genannt Gethsemane, und er spricht zu den Jüngern:

Setzt euch hier, bis ich hingegangen bin und dort gebetet habe. 26,37 Und er nahm den Petrus und die

zwei Söhne des Zebedäus mit und fing an, betrübt und geängstigt zu werden. 26,38 Dann spricht er zu

ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir! 26,39 Und er ging ein

wenig weiter und fiel auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, wenn es möglich ist, so

gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. 26,40 Und er kommt

zu den Jüngern und findet sie schlafend; und er spricht zu Petrus: Also nicht eine Stunde konntet ihr

mit mir wachen? 26,41 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt; der Geist zwar ist

willig, das Fleisch aber schwach. 26,42 Wiederum, zum zweiten Mal, ging er hin und betete und

sprach: Mein Vater, wenn dieser [Kelch] nicht vorübergehen kann, ohne daß ich ihn trinke, so

geschehe dein Wille. 26,43 Und als er kam, fand er sie wieder schlafend, denn ihre Augen waren

beschwert. 26,44 Und er ließ sie, ging wieder hin, betete zum dritten Mal und sprach dasselbe Wort.

26,45 Dann kommt er zu den Jüngern und spricht zu ihnen: So schlaft denn fort und ruht aus. Siehe,

die Stunde ist nahe gekommen, und der Sohn des Menschen wird in Sünderhände überliefert. 26,46

Steht auf, laßt uns gehen! Siehe, nahe ist gekommen, der mich überliefert.

Gefangennahme.

Mk 14,43-50; Lk 22,47-53; Joh 18,2-12.

26,47 Und während er noch redete, siehe, da kam Judas, einer der Zwölf, und mit ihm eine große

Menge mit Schwertern und Stöcken, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes. 26,48 Der ihn

aber überlieferte, hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Wen ich küssen werde, der ist es, den

ergreift. 26,49 Und sogleich trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi! und küßte ihn. 26,50 Jesus

aber sprach zu ihm: Freund, wozu bist du gekommen! Dann traten sie heran und legten die Hände an

Jesus und ergriffen ihn. 26,51 Und siehe, einer von denen, die mit Jesus waren streckte die Hand aus,

zog sein Schwert und schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab. 26,52 Da

spricht Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort! Denn alle, die das Schwert nehmen,

werden durchs Schwert umkommen. 26,53 Oder meinst du, daß ich nicht jetzt meinen Vater bitten

könne und er mir mehr als zwölf Legionen Engel stellen werde? 26,54 Wie sollten denn die Schriften

erfüllt werden, daß es so geschehen muß?

26,55 In jener Stunde sprach Jesus zu den Volksmengen: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber

mit Schwertern und Stöcken, mich zu fangen? Täglich saß ich bei euch im Tempel und lehrte, und ihr

habt mich nicht gegriffen. 26,56 Aber dies alles ist geschehen, damit die Schriften der Propheten

erfüllt werden. Da verließen ihn die Jünger alle und flohen.

Vor dem Hohen Rat.

Mk 14,53-65; Lk 22,54.55.63-71; Joh 18,13.14.19-24.

26,57 Die aber Jesus gegriffen hatten, führten ihn weg zu Kaiphas, dem Hohenpriester, wo die

Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt waren. 26,58 Petrus aber folgte ihm von fern bis zu dem

Hof des Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den Dienern, um den Ausgang zu sehen.

26,59 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, um ihn

zu Tode zu bringen; 26,60 und sie fanden keins, obwohl viele falsche Zeugen herzutraten. Zuletzt aber

traten zwei falsche Zeugen herbei 26,61 und sprachen: Dieser sagte: Ich kann den Tempel Gottes

abbrechen und in drei Tagen ihn wieder aufbauen. 26,62 Und der Hohepriester stand auf und sprach zu

ihm: Antwortest du nichts? Was zeugen diese gegen dich? 26,63 Jesus aber schwieg. Und der

Hohepriester sagte zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der

Christus bist, der Sohn Gottes! 26,64 Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von

nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den

Wolken des Himmels. 26,65 Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert.

Was brauchen wir noch Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Lästerung gehört. 26,66 Was meint ihr? Sie

aber antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig. 26,67 Dann spien sie ihm ins Angesicht und

schlugen ihn mit Fäusten; einige aber schlugen [ihn ins Gesicht] 26,68 und sprachen: Weissage uns,

Christus, wer ist es, der dich schlug?

Verleugnung durch Petrus.

Mk 14,66-72; Lk 22,56-62; Joh 18,15-18.25-27.

26,69 Petrus aber saß draußen im Hof; und es trat eine Magd zu ihm und sprach: Auch du warst mit

Jesus, dem Galiläer. 26,70 Er aber leugnete vor allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. 26,71

Als er aber in das Torgebäude hinausgegangen war, sah ihn eine andere; und sie spricht zu denen, die

dort waren: Auch dieser war mit Jesus, dem Nazoräer. 26,72 Und wieder leugnete er mit einem Eid:

Ich kenne den Menschen nicht! 26,73 Kurz nachher aber traten die Umstehenden herbei und sprachen

zu Petrus: Wahrhaftig, auch du bist [einer] von ihnen, denn auch deine Sprache verrät dich. 26,74 Da

fing er an, sich zu verwünschen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht! Und gleich darauf

krähte der Hahn. 26,75 Und Petrus gedachte des Wortes Jesu, der gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht,

wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Überlieferung an Pilatus.

Mk 15,1; Lk 22,66; 23,1; Joh 18,28.

Kapitel 27

27,1 Als es aber Morgen geworden war, hielten alle Hohenpriester und Ältesten des Volkes Rat gegen

Jesus, um ihn zu Tode zu bringen. 27,2 Und nachdem sie ihn gebunden hatten, führten sie ihn weg und

überlieferten ihn dem Statthalter Pontius Pilatus.

Ende des Judas.

Apg 1,16-19.

27,3 Als nun Judas, der ihn überliefert hatte, sah, daß er verurteilt wurde, reute es ihn, und er brachte

die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten zurück 27,4 und sagte: Ich habe

gesündigt, denn ich habe schuldloses Blut überliefert. Sie aber sagten: Was geht das uns an? Sieh du

zu! 27,5 Und er warf die Silberlinge in den Tempel und machte sich davon und ging hin und erhängte

sich. 27,6 Die Hohenpriester aber nahmen die Silberlinge und sprachen: Es ist nicht erlaubt, sie in den

Tempelschatz zu werfen, weil es Blutgeld ist. 27,7 Sie hielten aber Rat und kauften dafür den Acker

des Töpfers zum Begräbnis für die Fremden. 27,8 Deswegen ist jener Acker Blutacker genannt worden

bis auf den heutigen Tag. 27,9 Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der

spricht: "Und sie nahmen die dreißig Silberlinge, den Preis des Geschätzten, den man geschätzt hatte

seitens der Söhne Israels, 27,10 und gaben sie für den Acker des Töpfers, wie mir der Herr befohlen

hat."

Anklage vor Pilatus.

Mk 15,2-5; Lk 23,2-5; Joh 18,29-38.

27,11 Jesus aber wurde dem Statthalter vorgeführt. Und der Statthalter fragte ihn und sprach: Bist du

der König der Juden? Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst es. 27,12 Und als er von den Hohenpriestern

und den Ältesten angeklagt wurde, antwortete er nichts. 27,13 Da spricht Pilatus zu ihm: Hörst du

nicht, wie vieles sie gegen dich vorbringen? 27,14 Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges

Wort, so daß der Statthalter sich sehr wunderte.

Freilassung für Barabbas - Todesurteil

für Jesus.

Mk 15,6-15; Lk 23,13-25; Joh 18,39.40; 19,1.16.

27,15 Zum Fest aber war der Statthalter gewohnt, der Volksmenge einen Gefangenen loszugeben, den

sie verlangten. 27,16 Sie hatten aber damals einen berüchtigten Gefangenen, mit Namen Barabbas.

27,17 Als sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Wen wollt ihr, daß ich euch losgeben

soll, Barabbas oder Jesus, der Christus genannt wird? 27,18 Denn er wußte, daß sie ihn aus Neid

überliefert hatten. 27,19 Während er aber auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ

[ihm] sagen: Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten! Denn im Traum habe ich heute um

seinetwillen viel gelitten. 27,20 Aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten die

Volksmengen, daß sie den Barabbas forderten, Jesus aber umbrächten. 27,21 Der Statthalter aber

antwortete und sprach zu ihnen: Welchen von den beiden wollt ihr, daß ich euch losgebe? Sie aber

sprachen: Barabbas. 27,22 Pilatus spricht zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesus tun, der Christus

genannt wird? Sie sagen alle: Er werde gekreuzigt! 27,23 Der Statthalter aber sagte: Was hat er denn

Böses getan? Sie aber schrien übermäßig und sagten: Er werde gekreuzigt! 27,24 Als aber Pilatus sah,

daß er nichts ausrichtete, sondern vielmehr ein Tumult entstand, nahm er Wasser, wusch seine Hände

vor der Volksmenge und sprach: Ich bin schuldlos an dem Blut dieses Gerechten. Seht ihr zu! 27,25

Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein Blut [komme] über uns und über unsere Kinder!

27,26 Dann gab er ihnen den Barabbas los; Jesus aber ließ er geißeln und überlieferte ihn, damit er

gekreuzigt werde.

Verspottung durch die Soldaten.

Mk 15,16-20; Joh 19,2-5.

27,27 Dann nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit in das Prätorium und versammelten um ihn

die ganze Schar; 27,28 und sie zogen ihn aus und legten ihm einen scharlachroten Mantel um. 27,29

Und sie flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und [gaben ihm] ein Rohr in

seine Rechte; und sie fielen vor ihm auf die Knie und verspotteten ihn und sagten: Sei gegrüßt, König

der Juden! 27,30 Und sie spien ihn an, nahmen das Rohr und schlugen ihn auf das Haupt. 27,31 Und

als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine eigenen Kleider an;

und sie führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.

Golgatha: Kreuzigung.

Mk 15,21-32; Lk 23,26-43; Joh 19,16-27.

27,32 Als sie aber hinauszogen, trafen sie einen Mann von Kyrene, mit Namen Simon; den zwangen

sie, daß er sein Kreuz trage. 27,33 Und als sie an einen Ort gekommen waren, genannt Golgatha, das

heißt Schädelstätte, 27,34 gaben sie ihm mit Galle vermischten Wein zu trinken; und als er davon

gekostet hatte, wollte er nicht trinken. 27,35 Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine

Kleider, indem sie das Los warfen. 27,36 Und sie saßen und bewachten ihn dort. 27,37 Und sie

befestigten oben über seinem Haupt seine Beschuldigungsschrift: Dies ist Jesus, der König der Juden.

27,38 Dann werden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.

27,39 Die Vorübergehenden aber lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe 27,40 und sagten: Der du den

Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbaust, rette dich selbst. Wenn du Gottes Sohn bist, so steige

herab vom Kreuz. 27,41 Ebenso aber spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und

Ältesten und sprachen: 27,42 Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist Israels

König, so steige er jetzt vom Kreuz herab, und wir wollen an ihn glauben. 27,43 Er vertraute auf Gott,

der rette ihn jetzt, wenn er ihn liebt; denn er sagte: Ich bin Gottes Sohn. 27,44 Auf dieselbe Weise

schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.

Golgatha: Tod.

Mk 15,33-41; Lk 23,44-49; Joh 19,28-30.

27,45 Aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten

Stunde; 27,46 um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter Stimme auf und sagte: Eli, Eli, lema

sabachthani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 27,47 Als aber einige

von den Umstehenden es hörten, sagten sie: Der ruft den Elia. 27,48 Und sogleich lief einer von ihnen

und nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.

27,49 Die übrigen aber sagten: Halt, laßt uns sehen, ob Elia kommt, ihn zu retten! 27,50 Jesus aber

schrie wieder mit lauter Stimme und gab den Geist auf. 27,51 Und siehe, der Vorhang des Tempels

zerriß in zwei [Stücke],von oben bis unten; und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, 27,52 und

die Grüfte taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt; 27,53 und

sie gingen nach seiner Auferweckung aus den Grüften und gingen in die heilige Stadt und erschienen

vielen.

27,54 Als aber der Hauptmann und die, die mit ihm Jesus bewachten, das Erdbeben sahen und das, was

geschah, fürchteten sie sich sehr und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!

27,55 Es sahen aber dort viele Frauen von fern zu, die Jesus von Galiläa nachgefolgt waren und ihm

gedient hatten; 27,56 unter ihnen waren Maria Magdalena und Maria, des Jakobus und Joses Mutter,

und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

Grablegung.

Mk 15,42-47; Lk 23,50-56; Joh 19,38-42.

27,57 Als es aber Abend geworden war, kam ein reicher Mann von Arimathäa, mit Namen Joseph, der

auch selbst ein Jünger Jesu war. 27,58 Dieser ging hin zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl

Pilatus, [den Leib] zu übergeben. 27,59 Und Joseph nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines

Leinentuch 27,60 und legte ihn in seine neue Gruft, die er in den Felsen ausgehauen hatte; und er

wälzte einen großen Stein an die Tür der Gruft und ging weg. 27,61 Es waren aber dort Maria

Magdalena und die andere Maria, die dem Grab gegenüber saßen.

Bewachung des Grabes.

27,62 Am nächsten Tag aber, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die Hohenpriester und die

Pharisäer bei Pilatus 27,63 und sprachen: Herr, wir haben uns erinnert, daß jener Verführer sagte, als

er noch lebte: Nach drei Tagen stehe ich wieder auf. 27,64 So befiehl nun, daß das Grab gesichert

werde bis zum dritten Tag, damit nicht etwa seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen:

Er ist von den Toten auferstanden. Und die letzte Verführung wird schlimmer sein als die erste. 27,65

Pilatus sprach zu ihnen: Ihr sollt eine Wache haben. Geht hin, sichert es, so gut ihr könnt! 27,66 Sie

aber gingen hin und sicherten, nachdem sie den Stein versiegelt hatten, das Grab mit der Wache.

Die Frauen am leeren Grab -

Erscheinung des Auferstandenen.

Mk 16,1-11; Lk 24,1-12; Joh 20,1-18.

Kapitel 28

28,1 Aber spät am Sabbat, in der Dämmerung des ersten Wochentages, kam Maria Magdalena und die

andere Maria, um das Grab zu besehen.

28,2 Und siehe, da geschah ein großes Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam aus dem Himmel

herab, trat hinzu, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 28,3 Sein Ansehen aber war wie der

Blitz und sein Kleid weiß wie Schnee. 28,4 Aber aus Furcht vor ihm bebten die Wächter und wurden

wie Tote. 28,5 Der Engel aber begann und sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht, denn ich weiß,

daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 28,6 Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt

hat. Kommt her, seht die Stätte, wo der Herr gelegen hat, 28,7 und geht schnell hin und sagt seinen

Jüngern, daß er von den Toten auferstanden ist. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa, dort

werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 28,8 Und sie gingen schnell von der Gruft weg

mit Furcht und großer Freude und liefen, es seinen Jüngern zu verkünden. 28,9 Als sie aber hingingen,

es seinen Jüngern zu verkünden, siehe, da kam Jesus ihnen entgegen und sprach: Seid gegrüßt! Sie

aber traten zu [ihm], umfaßten seine Füße und warfen sich vor ihm nieder. 28,10 Da spricht Jesus zu

ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin, verkündet meinen Brüdern, daß sie hingehen nach Galiläa, und

dort werden sie mich sehen.

Bestechung der Grabwächter.

28,11 Während sie aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die Stadt und

verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war. 28,12 Und sie versammelten sich mit den

Ältesten und hielten Rat; und sie gaben den Soldaten reichlich Geld 28,13 und sagten: Sprecht: Seine

Jünger kamen bei Nacht und stahlen ihn, während wir schliefen. 28,14 Und wenn dies dem Statthalter

zu Ohren kommen sollte, so werden wir ihn beschwichtigen und machen, daß ihr ohne Sorge seid.

28,15 Sie aber nahmen das Geld und taten, wie sie unterrichtet worden waren. Und diese Rede

verbreitete sich bei den Juden bis auf den heutigen Tag.

Erscheinung des Auferstandenen vor

den Jüngern - Missionsbefehl.

28,16 Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, an den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. 28,17 Und

als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 28,18 Und Jesus trat zu

[ihnen] und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. 28,19

Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr diese tauft auf den Namen des Vaters und

des Sohnes und des Heiligen Geistes, 28,20 und sie lehrt alles zu bewahren, was ich euch geboten

habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.

Das Evangelium nach Markus.

Johannes der Täufer.

Mt 3,1-12; Lk 3,1-18; (Joh 1,19-28).

Kapitel 1

1,1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi; 1,2 wie in dem Propheten Jesaja geschrieben steht: `Siehe,

ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird. 1,3 `Stimme eines

Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade! 1,4 So trat Johannes

auf und taufte in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. 1,5 Und es

ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Einwohner Jerusalems, und sie wurden im

Jordanfluß von ihm getauft, indem sie ihre Sünden bekannten. 1,6 Und Johannes war mit

Kamelhaaren und einem ledernen Gürtel um seine Lenden bekleidet; und er aß Heuschrecken und

wilden Honig. 1,7 Und er predigte und sagte: Nach mir kommt der, der stärker ist als ich; ich bin nicht

würdig, [ihm] gebückt den Riemen seiner Sandalen zu lösen. 1,8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er

aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.

Die Taufe und Versuchung Jesu.

Mt 3,13-17; Lk 3,21.22; (Joh 1,29-34).

1,9 Und es geschah in jenen Tagen: Jesus kam von Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes im

Jordan getauft. 1,10 Und sobald er aus dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den

Geist wie eine Taube auf ihn herabfahren. 1,11 Und eine Stimme kam aus den Himmeln: Du bist mein

geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Mt 4,1-11; Lk 4,1-13.

1,12 Und sogleich treibt ihn der Geist in die Wüste hinaus. 1,13 Und er war vierzig Tage in der Wüste

und wurde von dem Satan versucht; und er war unter den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.

Bußpredigt in Galiläa - die ersten

Jünger.

Mt 4,12-22; Lk 4,14.15; 5,1-11.

1,14 Und nachdem Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium

Gottes 1,15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und

glaubt an das Evangelium.

1,16 Und als er am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, im See

die Netze auswerfen, denn sie waren Fischer. 1,17 Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt mir nach, und

ich werde euch zu Menschenfischern machen; 1,18 und sogleich verließen sie die Netze und folgten

ihm nach. 1,19 Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den [Sohn] des Zebedäus, und seinen

Bruder Johannes, auch sie im Schiff, wie sie die Netze ausbesserten; 1,20 und sogleich rief er sie. Und

sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern im Schiff und gingen weg, ihm nach.

Heilung eines Besessenen.

Lk 4,31-37.

1,21 Und sie gehen nach Kapernaum hinein. Und sogleich ging er am Sabbat in die Synagoge und

lehrte. 1,22 Und sie erstaunten sehr über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat,

und nicht wie die Schriftgelehrten. 1,23 Und sogleich war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem

unreinen Geist; und er schrie auf 1,24 und sagte: Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus,

Nazarener? Bist du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes.

1,25 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! 1,26 Und der unreine

Geist zerrte ihn und rief mit lauter Stimme und fuhr von ihm aus. 1,27 Und sie entsetzten sich alle, so

daß sie sich untereinander befragten und sagten: Was ist dies? Eine neue Lehre mit Vollmacht? Und

den unreinen Geistern gebietet er, und sie gehorchen ihm. 1,28 Und die Kunde von ihm ging sogleich

aus überall in der ganzen Umgebung Galiläas.

Heilung der Schwiegermutter des

Petrus.

Mt 8,14.15; Lk 4,38.39.

1,29 Und sobald sie aus der Synagoge hinausgingen, kamen sie mit Jakobus und Johannes in das Haus

Simons und Andreas'. 1,30 Die Schwiegermutter Simons aber lag fieberkrank danieder; und sofort

sagen sie ihm von ihr. 1,31 Und er trat hinzu, ergriff ihre Hand und richtete sie auf; und das Fieber

verließ sie, und sie diente ihnen.

Heilungen und Predigt.

Mt 4,23-25; 8,16.17; Lk 4,40-44.

1,32 Als es aber Abend geworden war und die Sonne unterging, brachten sie alle Leidenden und

Besessenen zu ihm; 1,33 und die ganze Stadt war an der Tür versammelt. 1,34 Und er heilte viele an

mancherlei Krankheiten Leidende, und er trieb viele Dämonen aus und ließ die Dämonen nicht reden,

weil sie ihn kannten.

1,35 Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging fort an

einen einsamen Ort und betete dort. 1,36 Und Simon und die mit ihm waren eilten ihm nach; 1,37 und

sie fanden ihn und sagen zu ihm: Alle suchen dich. 1,38 Und er spricht zu ihnen: Laßt uns

anderswohin in die benachbarten Marktflecken gehen, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich

ausgegangen. 1,39 Und er ging und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die

Dämonen aus.

Heilung eines Aussätzigen.

Mt 8,1-4; Lk 5,12-16.

1,40 Und es kommt ein Aussätziger zu ihm, bittet ihn und kniet nieder und spricht zu ihm: Wenn du

willst, kannst du mich reinigen. 1,41 Und er war innerlich bewegt und streckte seine Hand aus, rührte

[ihn] an und spricht zu ihm: Ich will. Sei gereinigt! 1,42 Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und

er war gereinigt. 1,43 Und er bedrohte ihn und schickte ihn sogleich fort 1,44 und spricht zu ihm: Sieh

zu, sage niemand etwas! Sondern geh hin, zeige dich dem Priester, und opfere für deine Reinigung,

was Mose geboten hat, ihnen zu einem Zeugnis! 1,45 Der aber ging weg und fing an, die Sache eifrig

zu verkünden und auszubreiten, so daß er nicht mehr öffentlich in die Stadt gehen konnte; sondern er

war draußen an einsamen Orten, und sie kamen von allen Seiten zu ihm.

Heilung eines Gelähmten.

Mt 9,1-8; Lk 5,17-26.

Kapitel 2

2,1 Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum hinein, und es wurde bekannt, daß er im

Hause sei. 2,2 Und es versammelten sich viele, so daß sie keinen Platz mehr hatten, nicht einmal vor

der Tür; und er sagte ihnen das Wort. 2,3 Und sie kommen zu ihm und bringen einen Gelähmten, von

vieren getragen. 2,4 Und da sie wegen der Volksmenge nicht zu ihm hinkommen konnten, deckten sie

das Dach ab, wo er war; und als sie es aufgebrochen hatten, lassen sie das Bett hinab, auf dem der

Gelähmte lag. 2,5 Und als Jesus ihren Glauben sah, spricht er zu dem Gelähmten: Kind, deine Sünden

sind vergeben. 2,6 Es saßen dort aber einige von den Schriftgelehrten und überlegten in ihren Herzen:

2,7 Was redet dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben außer einem, Gott? 2,8 Und sogleich

erkannte Jesus in seinem Geist, daß sie so bei sich überlegten, und sprach zu ihnen: Was überlegt ihr

dies in euren Herzen? 2,9 Was ist leichter? Zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind vergeben,

oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher? 2,10 Damit ihr aber wißt, daß der Sohn

des Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben - spricht er zu dem Gelähmten: 2,11

Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus! 2,12 Und er stand auf, nahm sogleich

das Bett auf und ging vor allen hinaus, so daß alle außer sich gerieten und Gott verherrlichten und

sagten: Niemals haben wir so etwas gesehen!

Berufung des Levi.

Mt 9,9-13; Lk 5,27-32.

2,13 Und er ging wieder hinaus an den See, und die ganze Volksmenge kam zu ihm, und er lehrte sie.

2,14 Und als er vorüberging, sah er Levi, den [Sohn] des Alphäus, am Zollhaus sitzen. Und er spricht

zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach. 2,15 Und es geschieht, daß er in

seinem Hause zu Tisch lag, und viele Zöllner und Sünder lagen mit Jesus und seinen Jüngern zu

Tisch, denn es waren viele, und sie folgten ihm nach. 2,16 Und als die Schriftgelehrten der Pharisäer

ihn mit den Sündern und Zöllnern essen sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Mit den Zöllnern und

Sündern ißt er? 2,17 Und Jesus hörte es und spricht zu ihnen: Nicht die Starken brauchen einen Arzt,

sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Die Frage nach dem Fasten.

Mt 9,14-17; Lk 5,33-39.

2,18 Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten; und sie kommen und sagen zu ihm:

Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht?

2,19 Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei

ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten. 2,20 Es werden aber

Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann, an jenem Tag,

werden sie fasten. 2,21 Niemand näht einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt

das Eingesetzte von ihm ab, das neue vom alten, und der Riß wird schlimmer. 2,22 Auch füllt

niemand neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche, und der Wein und die

Schläuche verderben; sondern neuen Wein [füllt man] in neue Schläuche.

Die Sabbatfrage.

Mt 12,1-14; Lk 6,1-11.

2,23 Und es geschah, daß er am Sabbat durch die Saaten ging; und seine Jünger fingen an, im Gehen

die Ähren abzupflücken. 2,24 Und die Pharisäer sagten zu ihm: Sieh, was tun sie am Sabbat, das nicht

erlaubt ist? 2,25 Und er spricht zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel hatte, und

als ihn und die bei ihm waren, hungerte? 2,26 Wie er in das Haus Gottes ging zur Zeit Abjathars, des

Hohenpriesters, und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch denen

gab, die bei ihm waren? 2,27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen

geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen; 2,28 somit ist der Sohn des

Menschen Herr auch des Sabbats.

Kapitel 3

3,1 Und er ging wieder in die Synagoge; und es war dort ein Mensch, der eine verdorrte Hand hatte.

3,2 Und sie lauerten auf ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen könnten. 3,3

Und er spricht zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf [und tritt] in die Mitte! 3,4

Und er spricht zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, das Leben zu retten

oder zu töten? Sie aber schwiegen. 3,5 Und er blickte auf sie umher mit Zorn, betrübt über die

Verhärtung ihres Herzens, und spricht zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie

aus, und seine Hand wurde wiederhergestellt. 3,6 Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten mit den

Herodianern sofort Rat gegen ihn, wie sie ihn umbrächten.

Krankenheilungen am See Genezareth.

Mt 12,15-21; Lk 6,17-19.

3,7 Und Jesus entwich mit seinen Jüngern an den See; und es folgte eine große Menge von Galiläa

und von Judäa 3,8 und von Jerusalem und von Idumäa und von jenseits des Jordan und [von der

Gegend] rings um Tyrus und Sidon, eine große Menge; da sie hörten, wieviel er tat, kamen sie zu ihm.

3,9 Und er sagte seinen Jüngern, daß ihm wegen der Volksmenge ein Boot bereitgehalten werden

sollte, damit sie ihn nicht drängten. 3,10 Denn er heilte viele, so daß alle, die Leiden hatten, sich auf

ihn stürzten, um ihn anzurühren. 3,11 Und wenn die unreinen Geister ihn sahen, fielen sie vor ihm

nieder und schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes. 3,12 Und er bedrohte sie sehr, daß sie ihn

nicht offenbar machten.

Berufung der zwölf Apostel.

Mt 10,1-4; Lk 6,12-16; (Apg 1,13).

3,13 Und er steigt auf den Berg und ruft zu sich, die er wollte. Und sie kamen zu ihm; 3,14 und er

bestellte zwölf, damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende, zu predigen 3,15 und Vollmacht zu

haben, die Dämonen auszutreiben. 3,16 Und er bestellte die Zwölf, und er gab dem Simon den

Beinamen Petrus; 3,17 und Jakobus, den [Sohn] des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des

Jakobus, und er gab ihnen den Beinamen Boanerges, das ist Söhne des Donners; 3,18 und Andreas

und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, den [Sohn] des Alphäus,

und Thaddäus und Simon, den Kananäer, 3,19 und Judas Iskariot, der ihn auch überlieferte.

Lästerung des Geistes - Die wahren

Verwandten Jesu.

Mt 12,22-37; Lk 11,14-23.

3,20 Und er kommt in ein Haus. Und wieder kommt eine Volksmenge zusammen, so daß sie nicht

einmal Brot essen konnten. 3,21 Und als seine Angehörigen es hörten, gingen sie aus, um ihn zu

greifen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

3,22 Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er hat den

Beelzebul, und: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus. 3,23 Und er rief sie zu

sich und sprach in Gleichnissen zu ihnen: Wie kann Satan den Satan austreiben? 3,24 Und wenn ein

Reich mit sich selbst entzweit ist, kann dieses Reich nicht bestehen. 3,25 Und wenn ein Haus mit sich

selbst entzweit ist, kann dieses Haus nicht bestehen. 3,26 Und wenn der Satan gegen sich selbst

aufgestanden und [mit sich] entzweit ist, kann er nicht bestehen, sondern er hat ein Ende. 3,27

Niemand aber kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht

zuvor den Starken gebunden hat, und dann wird er sein Haus berauben. 3,28 Wahrlich, ich sage euch:

Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen vergeben werden, und die Lästerungen, mit denen sie

auch lästern mögen; 3,29 wer aber gegen den Heiligen Geist lästern wird, hat keine Vergebung in

Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig; - 3,30 weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.

Mt 12,46-50; Lk 8,19-21.

3,31 Und es kommen seine Mutter und seine Brüder; und sie standen draußen, sandten zu ihm und

riefen ihn. 3,32 Und eine Volksmenge saß um ihn her; sie sagten aber zu ihm: Siehe, deine Mutter und

deine Brüder und deine Schwestern draußen suchen dich. 3,33 Und er antwortete ihnen und spricht:

Wer sind meine Mutter und meine Brüder? 3,34 Und er blickte umher auf die um ihn im Kreise

Sitzenden und spricht: Siehe, meine Mutter und meine Brüder! 3,35 Wer den Willen Gottes tut, der ist

mir Bruder und Schwester und Mutter.

Gleichnis vom Sämann.

Mt 13,1-23; Lk 8,4-15.

Kapitel 4

4,1 Und wiederum fing er an, am See zu lehren. Und es versammelte sich eine sehr große

Volksmenge zu ihm, so daß er in ein Schiff stieg und auf dem See saß; und die ganze Volksmenge

war am See auf dem Land. 4,2 Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen; und er sprach zu ihnen in

seiner Lehre: 4,3 Hört! Siehe, der Sämann ging aus, um zu säen. 4,4 Und es geschah, indem er säte,

fiel das eine an den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf. 4,5 Und anderes fiel auf das

Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und es ging sogleich auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. 4,6 Und

als die Sonne aufging, wurde es verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 4,7 Und

anderes fiel unter die Dornen; und die Dornen schossen auf und erstickten es, und es gab keine Frucht.

4,8 Und anderes fiel in die gute Erde und gab Frucht, indem es aufging und wuchs; und es trug bis zu

dreißig- und sechzig- und hundert[fach]. 4,9 Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

4,10 Und als er allein war, fragten ihn, die um ihn waren, samt den Zwölfen nach den Gleichnissen.

4,11 Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben, jenen aber, die

draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil, 4,12 `damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen

und hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.

4,13 Und er spricht zu ihnen: Begreift ihr dieses Gleichnis nicht? Und wie wollt ihr all die Gleichnisse

verstehen? 4,14 Der Sämann sät das Wort. 4,15 Die an dem Weg aber sind die, bei denen das Wort

gesät wird und, wenn sie es hören, sogleich der Satan kommt und das Wort wegnimmt, das in sie

hineingesät worden ist. 4,16 Und ebenso sind die, die auf das Steinige gesät worden sind, die, wenn

sie das Wort hören, es sogleich mit Freuden aufnehmen, 4,17 und sie haben keine Wurzel in sich,

sondern sind [Menschen] des Augenblicks; wenn nachher Drangsal oder Verfolgung um des Wortes

willen entsteht, ärgern sie sich sogleich. 4,18 Und andere sind die unter die Dornen Gesäten, es sind

die, die das Wort gehört haben, 4,19 und die Sorgen der Zeit und der Betrug des Reichtums und die

Begierden nach den übrigen Dingen kommen hinein und ersticken das Wort, und es bringt keine

Frucht. 4,20 Und die auf die gute Erde Gesäten sind jene, die das Wort hören und aufnehmen und

Frucht bringen: dreißig- und sechzig- und hundert[fach].

Gleichnis von der Lampe.

Lk 8,16-18.

4,21 Und er sprach zu ihnen: Kommt etwa die Lampe, damit sie unter den Scheffel oder unter das Bett

gestellt wird? Nicht damit sie auf das Lampengestell gestellt wird? 4,22 Denn es ist nichts verborgen,

das nicht offenbar gemacht wird, auch ist nichts geheim geworden, das nicht ans Licht kommen wird.

4,23 Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre! 4,24 Und er sprach zu ihnen: Seht zu, was ihr hört;

mit welchem Maß ihr meßt, wird euch gemessen werden, und es wird euch hinzugefügt werden. 4,25

Denn wer hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht hat, von dem wird auch, was er hat,

genommen werden.

Gleichnis vom Aufwachsen der Saat.

4,26 Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land

wirft 4,27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprießt hervor und wächst, er weiß

selbst nicht, wie. 4,28 Die Erde bringt von selbst Frucht hervor, zuerst Gras, dann eine Ähre, dann

vollen Weizen in der Ähre. 4,29 Wenn aber die Frucht es zuläßt, so schickt er sogleich die Sichel,

denn die Ernte ist da.

Gleichnis vom Senfkorn.

Mt 13,31-35; Lk 13,18-21.

4,30 Und er sprach: Wie sollen wir das Reich Gottes vergleichen? Oder in welchem Gleichnis sollen

wir es darstellen? 4,31 Wie ein Senfkorn, das, wenn es auf die Erde gesät wird, kleiner ist als alle

[Arten von] Samen, die auf der Erde sind; 4,32 und wenn es gesät ist, geht es auf und wird größer als

alle Kräuter, und es treibt große Zweige, so daß unter seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten

können. 4,33 Und in vielen solchen Gleichnissen redete er zu ihnen das Wort, wie sie es zu hören

vermochten. 4,34 Ohne Gleichnis aber redete er nicht zu ihnen; aber seinen Jüngern erklärte er alles

besonders.

Stillung des Sturms.

Mt 8,23-27; Lk 8,22-25.

4,35 Und an jenem Tag sagt er zu ihnen, als es Abend geworden war: Laßt uns zum jenseitigen Ufer

übersetzen! 4,36 Und sie entließen die Volksmenge und nehmen ihn im Schiff mit, wie er war. Und

andere Schiffe waren bei ihm. 4,37 Und es erhebt sich ein heftiger Sturmwind, und die Wellen

schlugen in das Schiff, so daß das Schiff sich schon füllte. 4,38 Und er war hinten im Schiff und

schlief auf dem Kopfkissen; und sie wecken ihn auf und sprechen zu ihm: Lehrer, kümmert es dich

nicht, daß wir umkommen? 4,39 Und er wachte auf, bedrohte den Wind und sprach zu dem See:

Schweig, verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille. 4,40 Und er sprach

zu ihnen: Warum seid ihr so furchtsam? Wie, habt ihr keinen Glauben? 4,41 Und sie fürchteten sich

mit großer Furcht und sprachen zueinander: Wer ist denn dieser, daß auch der Wind und der See ihm

gehorchen?

Heilung eines besessenen Geraseners.

Mt 8,28-34; Lk 8,26-39.

Kapitel 5

5,1 Und sie kamen an das jenseitige Ufer des Sees in das Land der Gerasener. 5,2 Und als er aus dem

Schiff gestiegen war, begegnete ihm sogleich von den Grüften her ein Mensch mit einem unreinen

Geist, 5,3 der seine Wohnung in den Grabstätten hatte; und selbst mit Ketten konnte ihn keiner

binden, 5,4 da er oft mit Fußfesseln und mit Ketten gebunden worden war und die Ketten von ihm in

Stücke zerrissen und die Fußfesseln zerrieben worden waren; und niemand konnte ihn bändigen. 5,5

Und allezeit, Nacht und Tag, war er in den Grabstätten und auf den Bergen und schrie und zerschlug

sich mit Steinen. 5,6 Und als er Jesus von fern sah, lief er und warf sich vor ihm nieder; 5,7 und er

schrie mit lauter Stimme und sagte: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, Sohn Gottes, des

Höchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht! 5,8 Denn er sagte zu ihm: Fahre aus, du

unreiner Geist, aus dem Menschen! 5,9 Und er fragte ihn: Was ist dein Name? Und er spricht zu ihm:

Legion ist mein Name, denn wir sind viele. 5,10 Und er bat ihn sehr, daß er sie nicht aus der Gegend

fortschicke. 5,11 Es war aber dort an dem Berg eine große Herde Schweine, die weidete. 5,12 Und sie

baten ihn und sagten: Schicke uns in die Schweine, damit wir in sie hineinfahren. 5,13 Und er erlaubte

es ihnen. Und die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich

den Abhang hinab in den See, etwa zweitausend, und sie ertranken in dem See. 5,14 Und ihre Hüter

flohen und verkündeten es in der Stadt und auf dem Land; und sie kamen, um zu sehen, was

geschehen war. 5,15 Und sie kommen zu Jesus und sehen den Besessenen, der die Legion gehabt

hatte, bekleidet und vernünftig sitzen, und sie fürchteten sich. 5,16 Und die es gesehen hatten,

erzählten ihnen, wie dem Besessenen geschehen war, und das von den Schweinen. 5,17 Und sie

fingen an, ihn zu bitten, daß er aus ihrem Gebiet weggehe. 5,18 Und als er in das Schiff stieg, bat ihn

der, der besessen gewesen war, daß er bei ihm sein dürfe. 5,19 Und er gestattete es ihm nicht, sondern

spricht zu ihm: Geh in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, wieviel der Herr an dir getan

und [wie er] sich deiner erbarmt hat. 5,20 Und er ging hin und fing an, im Zehnstädtegebiet

auszurufen, wieviel Jesus an ihm getan hatte; und alle wunderten sich.

Heilung der blutflüssigen Frau -

Auferweckung der Tochter des Jairus.

Mt 9,18-26; Lk 8,40-56.

5,21 Und als Jesus in dem Schiff wieder an das jenseitige Ufer hinübergefahren war, versammelte

sich eine große Volksmenge zu ihm; und er war am See. 5,22 Und es kommt einer der

Synagogenvorsteher, mit Namen Jairus, und als er ihn sieht, fällt er ihm zu Füßen 5,23 und bat ihn

sehr und sprach: Mein Töchterchen liegt in den letzten Zügen; komm, und lege ihr die Hände auf,

damit sie gerettet wird und lebt. 5,24 Und er ging mit ihm, und eine große Volksmenge folgte ihm,

und sie drängten ihn.

5,25 Und [es war] eine Frau, die zwölf Jahre mit einem Blutfluß behaftet war 5,26 und vieles erlitten

hatte von vielen Ärzten und alle ihre Habe aufgewendet und keinen Nutzen davon gehabt hatte; es war

vielmehr schlimmer mit ihr geworden. 5,27 Als sie von Jesus gehört hatte, kam sie in der Volksmenge

von hinten und rührte sein Kleid an; 5,28 denn sie sagte: Wenn ich nur seine Kleider anrühre, werde

ich geheilt werden. 5,29 Und sogleich vertrocknete die Quelle ihres Blutes, und sie merkte am Leib,

daß sie von der Plage geheilt war. 5,30 Und sogleich erkannte Jesus in sich selbst die Kraft, die von

ihm ausgegangen war, wandte sich um in der Volksmenge und sprach: Wer hat meine Kleider

angerührt? 5,31 Und seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst, daß die Volksmenge dich drängt, und du

sprichst: Wer hat mich angerührt? 5,32 Und er blickte umher, um die zu sehen, die dies getan hatte.

5,33 Die Frau aber, voll Furcht und Zittern, da sie wußte, was ihr geschehen war, kam und fiel vor

ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. 5,34 Er aber sprach zu ihr: Tochter, dein Glaube hat

dich geheilt; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage.

5,35 Während er noch redete, kommen sie von [dem Haus] des Synagogenvorstehers und sagen:

Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du den Lehrer noch? 5,36 Jesus aber überhörte das Wort,

das geredet wurde, und spricht zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht; glaube nur! 5,37 Und

er erlaubte niemand, ihn zu begleiten, außer Petrus und Jakobus und Johannes, dem Bruder des

Jakobus. 5,38 Und sie kommen in das Haus des Synagogenvorstehers, und er sieht ein Getümmel und

Weinende und laut Heulende. 5,39 Und er geht hinein und sagt zu ihnen: Was lärmt und weint ihr?

Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft. 5,40 Und sie lachten ihn aus. Als er aber alle

hinausgetrieben hatte, nimmt er den Vater des Kindes und die Mutter und die, die bei ihm waren, mit

und geht hinein, wo das Kind war. 5,41 Und er ergriff des Kindes Hand und spricht zu ihm: Talitha

kum! Das ist übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! 5,42 Und sogleich stand das Mädchen auf und

ging umher; es war nämlich zwölf Jahre alt. Und sie erstaunten sogleich mit großem Erstaunen. 5,43

Und er gebot ihnen dringend, daß niemand dies erfahren solle, und er sagte, man solle ihr zu essen

geben.

Unglaube in Nazareth.

Mt 13,53-58; vgl. Lk 4,16-30.

Kapitel 6

6,1 Und er ging von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach. 6,2

Und als es Sabbat geworden war, fing er an, in der Synagoge zu lehren; und viele, die zuhörten,

erstaunten und sagten: Woher [hat] der das? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist,

und solche Wunderwerke geschehen durch seine Hände? 6,3 Ist dieser nicht der Zimmermann, der

Sohn der Maria und ein Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Und sind nicht seine

Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich über ihn. 6,4 Und Jesus sprach zu ihnen: Ein Prophet

ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Vaterstadt und unter seinen Verwandten und in seinem Haus. 6,5

Und er konnte dort kein Wunderwerk tun, außer daß er wenigen Schwachen die Hände auflegte und

sie heilte. 6,6 Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Und er zog durch die Dörfer ringsum und

lehrte.

Aussendung der zwölf Apostel.

Mt 10,5-15; Lk 9,1-6; vgl. Lk 10,1-12.

6,7 Und er ruft die Zwölf herbei; und er fing an, sie zu zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen

Vollmacht über die unreinen Geister. 6,8 Und er gebot ihnen, daß sie nichts mit auf den Weg nehmen

sollten als nur einen Stab; kein Brot, keine Tasche, keine Münze im Gürtel, 6,9 sondern Sandalen

untergebunden. Und zieht nicht zwei Unterkleider an! 6,10 Und er sprach zu ihnen: Wo ihr in ein

Haus eintretet, dort bleibt, bis ihr von dort weggeht. 6,11 Und welcher Ort euch nicht aufnehmen und

wo man euch nicht anhören wird, von dort geht hinaus und schüttelt den Staub ab, der unter euren

Füßen ist, ihnen zum Zeugnis. 6,12 Und sie zogen aus und predigten, daß sie Buße tun sollten; 6,13

und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie.

Der Tod des Täufers.

Mt 14,1-12; Lk 3,19.20; 9,7-9.

6,14 Und der König Herodes hörte [von ihm] - denn sein Name war bekannt geworden - und sagte:

Johannes der Täufer ist aus den Toten auferstanden, und deswegen wirken die Wunderkräfte in ihm.

6,15 Andere aber sagten: Es ist Elia; andere aber sagten: [Es ist] ein Prophet wie einer der Propheten.

6,16 Als aber Herodes es hörte, sagte er: Johannes, den ich enthauptet habe, der ist auferweckt

worden. 6,17 Denn er, Herodes, hatte hingesandt und den Johannes greifen und ihn im Gefängnis

binden lassen, um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus, weil er sie geheiratet hatte.

6,18 Denn Johannes hatte dem Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu

haben. 6,19 Die Herodias aber trug [es] ihm nach und wollte ihn töten, und sie konnte nicht; 6,20 denn

Herodes fürchtete den Johannes, da er wußte, daß er ein gerechter und heiliger Mann war, und er

beschützte ihn; und wenn er ihn gehört hatte, war er in großer Verlegenheit, und er hörte ihn gern.

6,21 Und als ein geeigneter Tag kam, als Herodes an seinem Geburtstag seinen Großen und den

Obersten und den Vornehmsten von Galiläa ein Gastmahl gab, 6,22 kam ihre, der Herodias, Tochter

herein und tanzte, und sie gefiel dem Herodes und denen, die mit zu Tisch lagen. Und der König

sprach zu dem Mädchen: Bitte mich, um was du willst, und ich werde es dir geben. 6,23 Und er

schwor ihr: Um was du mich auch bitten wirst, ich werde es dir geben bis zur Hälfte meines Reiches.

6,24 Und sie ging hinaus und sagte zu ihrer Mutter: Um was soll ich bitten? Die aber sprach: Um das

Haupt Johannes' des Täufers. 6,25 Und sie ging sogleich mit Eile zu dem König hinein und bat und

sagte: Ich will, daß du mir sofort auf einer Schüssel das Haupt Johannes' des Täufers gibst. 6,26 Und

der König wurde sehr betrübt; doch um der Eide und um derer willen, die mit zu Tisch lagen, wollte

er sie nicht zurückweisen. 6,27 Und sogleich schickte der König einen Henker und befahl, sein Haupt

zu bringen. Und der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis. 6,28 Und er brachte sein Haupt auf

einer Schüssel und gab es dem Mädchen, und das Mädchen gab es ihrer Mutter. 6,29 Und als seine

Jünger es hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in eine Gruft.

Speisung der Fünftausend.

Mt 14,13-21; Lk 9,10-17; Joh 6,1-15; vgl. Kap. 8,1-9; Mt 15,32-39.

6,30 Und die Apostel versammeln sich zu Jesus; und sie berichteten ihm alles, was sie getan und was

sie gelehrt hatten. 6,31 Und er sprach zu ihnen: Kommt, ihr selbst allein, an einen öden Ort und ruht

ein wenig aus! Denn derer, die kamen und gingen, waren viele, und sie fanden nicht einmal Zeit, um

zu essen. 6,32 Und sie fuhren in einem Schiff allein an einen öden Ort; 6,33 und viele sahen sie

wegfahren und erkannten sie und liefen zu Fuß von allen Städten dorthin zusammen und kamen ihnen

zuvor. 6,34 Und als Jesus aus [dem Schiff] trat, sah er eine große Volksmenge und wurde innerlich

bewegt über sie; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing an, sie vieles zu

lehren. 6,35 Und als es schon spät am Tag war, traten seine Jünger zu ihm und sagen: Der Ort ist öde,

und es ist schon spät am Tag; 6,36 entlaß sie, damit sie auf die umliegenden Höfe und in die Dörfer

gehen und sich etwas zu essen kaufen! 6,37 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu

essen! Und sie sagen zu ihm: Sollen wir hingehen und für zweihundert Denare Brot kaufen und ihnen

zu essen geben? 6,38 Er aber spricht zu ihnen: Wieviel Brote habt ihr? Geht hin, seht nach! Und als

sie es festgestellt hatten, sagen sie: Fünf, und zwei Fische.

6,39 Und er befahl ihnen, daß sie sich alle nach Tischgemeinschaften auf dem grünen Grase lagerten.

6,40 Und sie lagerten sich in Gruppen zu je hundert und je fünfzig. 6,41 Und er nahm die fünf Brote

und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern,

damit sie ihnen vorlegten; und die zwei Fische teilte er unter alle. 6,42 Und sie aßen alle und wurden

gesättigt. 6,43 Und sie hoben auf an Brocken zwölf Handkörbe voll und von den Fischen. 6,44 Und es

waren derer, die die Brote gegessen hatten, fünftausend Männer.

Jesus geht auf dem See.

Mt 14,22-33; Joh 6,16-21.

6,45 Und sogleich nötigte er seine Jünger, in das Schiff zu steigen und an das jenseitige Ufer nach

Bethsaida vorauszufahren, während er selbst die Volksmenge entläßt. 6,46 Und nachdem er sie

verabschiedet hatte, ging er auf den Berg, um zu beten. 6,47 Und als es Abend geworden, war das

Schiff mitten auf dem See und er allein auf dem Land. 6,48 Und als er sie beim Rudern Not leiden

sah, denn der Wind war ihnen entgegen, kommt er um die vierte Nachtwache zu ihnen, indem er auf

dem See einherging; und er wollte an ihnen vorübergehen. 6,49 Sie aber sahen ihn auf dem See

einhergehen und meinten, es sei ein Gespenst und schrien auf; 6,50 denn alle sahen ihn und wurden

bestürzt. Er aber redet sogleich mit ihnen und spricht zu ihnen: Seid guten Mutes! Ich bin's. Fürchtet

euch nicht! 6,51 Und er stieg zu ihnen in das Schiff, und der Wind legte sich. Und sie entsetzten sich

sehr über die Massen; 6,52 denn sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, sondern ihr

Herz war verhärtet.

Heilung vieler Kranker.

Mt 14,34-36.

6,53 Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie in das Land Genezareth und legten an. 6,54 Und

als sie aus dem Schiff stiegen, erkannten sie ihn sogleich 6,55 und liefen in jener ganzen Gegend

umher und fingen an, die Kranken auf den Betten hierhin und dorthin zu tragen, [von] wo sie hörten,

daß er sei. 6,56 Und wo auch immer er in Dörfer oder Städte oder in Gehöfte hineinging, legten sie

die Kranken auf den Marktplätzen hin und baten ihn, daß sie nur die Quaste seines Kleides anrühren

dürften; und alle, die ihn anrührten, wurden geheilt.

Gottes Gebot steht höher als

menschliche Überlieferung.

Mt 15,1-20.

Kapitel 7

7,1 Und es versammeln sich zu ihm die Pharisäer und einige der Schriftgelehrten, die von Jerusalem

gekommen waren; 7,2 und als sie einige seiner Jünger mit unreinen, das ist ungewaschenen Händen

Brot essen sahen - 7,3 denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie sich nicht sorgfältig die

Hände gewaschen haben, indem sie die Überlieferung der Ältesten festhalten; 7,4 und vom Markt

[kommend], essen sie nicht, wenn sie sich nicht gereinigt haben; und vieles andere gibt es, was sie zu

halten übernommen haben: Waschungen der Becher und Krüge und Kupfergefäße -, 7,5 fragen ihn die

Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum leben deine Jünger nicht nach der Überlieferung der

Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen? 7,6 Er aber sprach zu ihnen: Trefflich hat

Jesaja über euch Heuchler geweissagt, wie geschrieben steht: `Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen,

aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. 7,7 Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren

Menschengebote lehren. 7,8 Ihr gebt das Gebot Gottes preis und haltet die Überlieferung der

Menschen fest: Waschungen der Krüge und Becher, und vieles andere dergleichen Ähnliches tut ihr.

7,9 Und er sprach zu ihnen: Trefflich hebt ihr das Gebot Gottes auf, damit ihr eure Überlieferung

haltet. 7,10 Denn Mose hat gesagt: `Ehre deinen Vater und deine Mutter! und: `Wer Vater oder Mutter

flucht, soll des Todes sterben. 7,11 Ihr aber sagt: Wenn ein Mensch zum Vater oder zur Mutter

spricht: Korban - das ist eine Opfergabe - [sei das], was dir von mir zugute gekommen wäre, 7,12 laßt

ihr ihn nichts mehr für Vater oder Mutter tun, 7,13 indem ihr das Wort Gottes ungültig macht durch

eure Überlieferung, die ihr überliefert habt; und Ähnliches dergleichen tut ihr viel.

7,14 Und als er die Volksmenge wieder herbeigerufen hatte, sprach er zu ihnen: Hört mich alle und

versteht! 7,15 Da ist nichts, was von außerhalb des Menschen in ihn eingeht, das ihn verunreinigen

kann, sondern was von dem Menschen ausgeht, das ist es, was den Menschen verunreinigt.(7,16)

7,17 Und als er von der Volksmenge weg in ein Haus eintrat, befragten ihn seine Jünger über das

Gleichnis. 7,18 Und er spricht zu ihnen: Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr nicht, daß alles,

was von außen in den Menschen eingeht, ihn nicht verunreinigen kann? 7,19 Denn es geht nicht in

sein Herz hinein, sondern in den Bauch, und es geht heraus in den Abort. [Damit] erklärte er alle

Speisen für rein. 7,20 Er sagte aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den

Menschen. 7,21 Denn von innen aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken hervor:

Unzucht, Dieberei, Mord, 7,22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid,

Lästerung, Hochmut, Torheit; 7,23 alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und

verunreinigen den Menschen.

Heilung der Tochter der Syro-

Phönizierin.

Mt 15,21-28.

7,24 Von dort aber brach er auf und ging weg in das Gebiet von Tyrus; und er trat in ein Haus und

wollte, daß niemand es erfahre; und er konnte nicht verborgen sein. 7,25 Aber sogleich hörte eine

Frau von ihm, deren Töchterchen einen unreinen Geist hatte, kam und fiel nieder zu seinen Füßen;

7,26 die Frau aber war eine Griechin, eine Syro-Phönizierin von Geburt; und sie bat ihn, daß er den

Dämon von ihrer Tochter austreibe. 7,27 Und er sprach zu ihr: Laß zuerst die Kinder satt werden,

denn es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen. 7,28 Sie aber

antwortete und spricht zu ihm: Ja, Herr; auch die Hunde essen unter dem Tisch von den Krumen der

Kinder. 7,29 Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen geh hin! Der Dämon ist aus deiner

Tochter ausgefahren. 7,30 Und sie ging weg in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegen und

den Dämon ausgefahren. Heilung eines Taubstummen

7,31 Und er verließ das Gebiet von Tyrus und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das

Zehnstädtegebiet. 7,32 Und sie bringen einen Tauben zu ihm, der mit Mühe redete, und bitten ihn, daß

er ihm die Hand auflege. 7,33 Und er nahm ihn von der Volksmenge beiseite, legte seine Finger in

seine Ohren und berührte mit Speichel seine Zunge; 7,34 und er blickte zum Himmel, seufzte und

spricht zu ihm: Ephata! Das ist: Werde aufgetan! 7,35 Und sogleich wurden seine Ohren aufgetan,

und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig. 7,36 Und er gebot ihnen, daß sie es

niemand sagen sollten. Je mehr er es ihnen aber gebot, desto mehr machten sie es übermäßig kund;

7,37 und sie gerieten in höchstem Maß außer sich und sprachen: Er hat alles wohlgemacht; er macht

sowohl die Tauben hören als auch die Stummen reden.

Speisung der Viertausend.

Mt 15,32-39; vgl. Kap. 6,30-44; Mt 14,13-21; Lk 9,10-17; Joh 6,1-14.

Kapitel 8

8,1 Als in jenen Tagen wieder eine große Volksmenge da war und nichts zu essen hatte, rief er seine

Jünger zu sich und spricht zu ihnen: 8,2 Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge, denn schon

drei Tage harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen; 8,3 und wenn ich sie hungrig nach Hause

entlasse, so werden sie auf dem Weg verschmachten; und einige von ihnen sind von weither. 8,4 Und

seine Jünger antworteten ihm: Woher wird jemand diese hier in der Einöde mit Brot sättigen können?

8,5 Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie aber sagten: Sieben. 8,6 Und er gebietet der

Volksmenge, sich auf der Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie

den Jüngern, damit sie vorlegten; und sie legten der Volksmenge vor. 8,7 Und sie hatten einige kleine

Fische; und er segnete sie und ließ auch sie vorlegen. 8,8 Und sie aßen und wurden gesättigt; und sie

hoben auf, was an Brocken übrigblieb, sieben Körbe. 8,9 Es waren aber etwa viertausend; und er

entließ sie.

Zeichenforderung - Warnung vor dem

Sauerteig der Pharisäer und des

Herodes.

Mt 16,1-12.

8,10 Und er stieg sogleich mit seinen Jüngern in das Schiff und kam in die Gegend von Dalmanutha.

8,11 Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an, mit ihm zu streiten, indem sie von ihm ein

Zeichen vom Himmel begehrten, um ihn zu versuchen. 8,12 Und er seufzte auf in seinem Geist und

spricht: Was begehrt dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Nimmermehr wird

diesem Geschlecht ein Zeichen gegeben werden! 8,13 Und er ließ sie [stehen], stieg wieder in das

Schiff und fuhr an das jenseitige Ufer.

8,14 Und sie vergaßen, Brote mitzunehmen, und außer einem Brot hatten sie nichts bei sich auf dem

Schiff. 8,15 Und er gebot ihnen und sprach: Sehet zu, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und

dem Sauerteig des Herodes. 8,16 Und sie überlegten miteinander: Weil wir keine Brote haben. 8,17

Und er erkannte es und spricht zu ihnen: Was überlegt ihr, weil ihr keine Brote habt? Begreift ihr

noch nicht und versteht ihr nicht? Habt ihr euer Herz verhärtet? 8,18 Augen habt ihr und seht nicht?

Und Ohren habt ihr und hört nicht? Und erinnert ihr euch nicht, 8,19 als ich die fünf Brote unter die

Fünftausend brach, wie viele Handkörbe voll Brocken ihr aufgehoben habt? Sie sagen zu ihm: Zwölf.

8,20 Als [ich] die sieben unter die Viertausend [brach], wieviele Körbe voll Brocken habt ihr

aufgehoben? Und sie sagen: Sieben. 8,21 Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr noch nicht?

Heilung eines Blinden.

vgl. Kap. 10,46-52; Mt 9,27-31; 20,29-34; Lk 18,35-43.

8,22 Und sie kommen nach Bethsaida; und sie bringen ihm einen Blinden und bitten ihn, daß er ihn

anrühre. 8,23 Und er faßte den Blinden bei der Hand und führte ihn aus dem Dorf hinaus; und als er in

seine Augen gespien [und] ihm die Hände aufgelegt hatte, fragte er ihn, ob er etwas sehe. 8,24 Und er

blickte auf und sagte: Ich sehe die Menschen, denn ich sehe sie wie Bäume umhergehen. 8,25 Dann

legte er wieder die Hände auf seine Augen, und er sah deutlich, und er war wiederhergestellt und sah

alles klar. 8,26 Und er schickte ihn nach seinem Haus und sprach: Auch nicht ins Dorf sollst du

gehen!

Das Bekenntnis des Petrus.

Mt 16,13-20; Lk 9,18-21.

8,27 Und Jesus und seine Jünger gingen hinaus in die Dörfer von Cäsarea Philippi. Und auf dem Weg

fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Was sagen die Menschen, wer ich bin? 8,28 Sie aber

antworteten ihm und sagten: Johannes der Täufer; und andere: Elia; andere aber: einer der Propheten.

8,29 Und er fragte sie: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Petrus aber antwortet und spricht zu ihm:

Du bist der Christus. 8,30 Und er redete ihnen ernstlich zu, daß sie mit niemandem über ihn reden

sollten.

Erste Leidensankündigung -

Bedingungen der Nachfolge.

Mt 16,21-28; Lk 9,22-27.

8,31 Und er fing an, sie zu lehren, daß der Sohn des Menschen vieles leiden und verworfen werden

müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und daß er getötet werden und nach

drei Tagen auferstehen müsse. 8,32 Und er redete das Wort mit Offenheit. Und Petrus nahm ihn

beiseite und fing an, ihn zu tadeln. 8,33 Er aber wandte sich um und sah seine Jünger und tadelte

Petrus und sagte: Geh weg hinter mich, Satan! Denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf

das, was der Menschen ist. 8,34 Und als er die Volksmenge samt seinen Jüngern herzugerufen hatte,

sprach er zu ihnen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein

Kreuz auf und folge mir nach. 8,35 Denn wer sein Leben erretten will, der wird es verlieren; wer aber

sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es erretten. 8,36 Denn

was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und sein Leben einzubüßen? 8,37 Denn

was könnte ein Mensch als Lösegeld für sein Leben geben? 8,38 Denn wer sich meiner und meiner

Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der

Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den

heiligen Engeln.

Kapitel 9

9,1 Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die

den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes in Kraft haben kommen sehen.

Die Verklärung Jesu.

Mt 17,1-13; Lk 9,28-36; 2Petr 1,16-18.

9,2 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus Petrus und Jakobus und Johannes mit und führt sie für sich

allein auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen umgestaltet; 9,3 und seine Kleider wurden

glänzend, sehr weiß, so wie kein Walker auf der Erde weiß machen kann. 9,4 Und es erschien ihnen

Elia mit Mose, und sie unterredeten sich mit Jesus. 9,5 Und Petrus begann und sagte zu Jesus: Rabbi,

es ist gut, daß wir hier sind; und wir wollen drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine.

9,6 Er wußte nämlich nicht, was er sagen sollte, denn sie waren voll Furcht. 9,7 Und es kam eine

Wolke, die sie überschattete; und eine Stimme kam aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn

hört! 9,8 Und plötzlich, als sie sich umblickten, sahen sie niemand mehr bei sich außer Jesus allein.

9,9 Und als sie von dem Berg herabstiegen, gebot er ihnen, daß sie niemand erzählen sollten, was sie

gesehen hatten, ehe nicht der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden sei. 9,10 Und sie hielten

das Wort fest und besprachen sich untereinander: Was ist das: aus den Toten auferstehen? 9,11 Und

sie fragten ihn und sprachen: Warum sagen die Schriftgelehrten, daß Elia zuerst kommen müsse? 9,12

Er aber sprach zu ihnen: Elia kommt zwar zuerst und stellt alle Dinge wieder her. Und wie steht über

den Sohn des Menschen geschrieben? Daß er vieles leiden und für nichts geachtet werden soll. 9,13

Aber ich sage euch: Auch Elia ist gekommen, und sie haben ihm getan, was sie wollten, so wie über

ihn geschrieben steht.

Heilung eines Fallsüchtigen.

Mt 17,14-21; Lk 9,37-43.

9,14 Und als er zu den Jüngern kam, sah er eine große Volksmenge um sie her und Schriftgelehrte,

die mit ihnen stritten. 9,15 Und sobald die ganze Volksmenge ihn sah, erstaunte sie sehr; und sie

liefen herbei und begrüßten ihn. 9,16 Und er fragte sie: Worüber streitet ihr mit ihnen? 9,17 Und einer

aus der Volksmenge antwortete ihm: Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht, der einen

stummen Geist hat; 9,18 und wo er ihn auch ergreift, zerrt er ihn zu Boden, und er schäumt und

knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich sagte deinen Jüngern, daß sie ihn austreiben

möchten, und sie konnten es nicht. 9,19 Er aber antwortete ihnen und spricht: O ungläubiges

Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn zu mir! 9,20

Und sie brachten ihn zu ihm. Und als der Geist ihn sah, zerrte er ihn sogleich; und er fiel zur Erde,

wälzte sich und schäumte. 9,21 Und er fragte seinen Vater: Wie lange ist es her, daß ihm dies

geschehen ist? Er aber sagte: Von Kindheit an; 9,22 und oft hat er ihn bald ins Feuer, bald ins Wasser

geworfen, um ihn umzubringen, aber wenn du etwas kannst, so habe Erbarmen mit uns und hilf uns!

9,23 Jesus aber sprach zu ihm: `Wenn du das kannst? Dem Glaubenden ist alles möglich. 9,24

Sogleich schrie der Vater des Kindes und sagte: Ich glaube. Hilf meinem Unglauben! 9,25 Als aber

Jesus sah, daß eine Volksmenge zusammenläuft, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm:

Du stummer und tauber Geist, ich gebiete dir: fahre von ihm aus, und fahre nicht mehr in ihn hinein!

9,26 Und er schrie und zerrte [ihn] heftig und fuhr aus; und er wurde wie tot, so daß die meisten

sagten: Er ist gestorben. 9,27 Jesus aber nahm ihn bei der Hand, richtete ihn auf, und er stand auf.

9,28 Und als er in ein Haus gegangen war, fragten ihn seine Jünger allein: Warum haben wir ihn nicht

austreiben können? 9,29 Und er sprach zu ihnen: Diese Art kann durch nichts ausfahren als nur durch

Gebet.

Zweite Leidensankündigung.

Mt 17,22.23; Lk 9,43-45.

9,30 Und sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa; und er wollte nicht, daß es jemand erfuhr.

9,31 Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird überliefert in der

Menschen Hände, und sie werden ihn töten; und nachdem er getötet worden ist, wird er nach drei

Tagen auferstehen. 9,32 Sie aber verstanden die Rede nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.

Maßstäbe für wahre Größe und den

Dienst im Reich Gottes.

Mt 18,1-5; Lk 9,46-48.

9,33 Und sie kamen nach Kapernaum, und als er im Hause war, fragte er sie: Was habt ihr unterwegs

besprochen? 9,34 Sie aber schwiegen; denn sie hatten sich auf dem Weg untereinander besprochen,

wer der Größte sei. 9,35 Und er setzte sich, rief die Zwölf, und er spricht zu ihnen: Wenn jemand der

Erste sein will, soll er der Letzte von allen und aller Diener sein. 9,36 Und er nahm ein Kind und

stellte es in ihre Mitte; und er nahm es in seine Arme und sprach zu ihnen: 9,37 Wer eins von solchen

Kindern aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt mich auf; und wer mich aufnehmen wird, nimmt

nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Lk 9,49.50.

9,38 Johannes sagte zu ihm: Lehrer, wir sahen jemand, der uns nicht nachfolgt, Dämonen austreiben

in deinem Namen; und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgt. 9,39 Jesus aber sprach: Wehrt

ihm nicht, denn es ist niemand, der ein Wunder in meinem Namen tun und bald darauf schlecht von

mir reden kann. 9,40 Denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns. 9,41 Denn wer euch einen Becher

Wasser zu trinken geben wird in [meinem] Namen, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage

euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren.

Warnung vor Verführung zur Sünde.

Mt 18,6-10.

9,42 Und wer einem der Kleinen, die glauben, Anlaß zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein

Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde. 9,43 Und wenn deine Hand dir

Anlaß zur Sünde gibt, so hau sie ab! Es ist besser für dich, als Krüppel in das Leben einzugehen, als

mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das unauslöschliche Feuer.(9,44) 9,45 Und wenn dein

Fuß dir Anlaß zur Sünde gibt, so hau ihn ab! Es ist besser für dich, lahm in das Leben einzugehen, als

mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.(9,46) 9,47 Und wenn dein Auge dir Anlaß zur

Sünde gibt, so wirf es weg! Es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes einzugehen, als mit

zwei Augen in die Hölle des Feuers geworfen zu werden, 9,48 `wo ihr Wurm nicht stirbt und das

Feuer nicht erlischt. 9,49 Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden. 9,50 Das Salz ist gut; wenn

aber das Salz salzlos geworden ist, womit wollt ihr es würzen? Habt Salz in euch selbst, und haltet

Frieden untereinander!

Ehe und Ehescheidung.

Mt 19,1-12.

Kapitel 10

10,1 Und er brach von dort auf und kommt in das Gebiet von Judäa und jenseits des Jordan. Und

wieder kommen Volksmengen bei ihm zusammen, und wie er gewohnt war, lehrte er sie wieder. 10,2

Und es traten Pharisäer zu [ihm] und fragten ihn, um ihn zu versuchen: Ist es einem Mann erlaubt,

[seine] Frau zu entlassen? 10,3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?

10,4 Sie aber sagten: Mose hat gestattet, einen Scheidebrief zu schreiben und zu entlassen. 10,5 Jesus

aber sprach zu ihnen: Wegen eurer Herzenshärtigkeit hat er euch dieses Gebot geschrieben; 10,6 von

Anfang der Schöpfung an aber hat er sie als Mann und Weib geschaffen. 10,7 `Darum wird ein

Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen, 10,8 und die zwei werden ein Fleisch sein; daher

sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 10,9 Was nun Gott zusammengefügt hat, soll ein

Mensch nicht scheiden. 10,10 Und im Hause befragten ihn die Jünger deswegen noch einmal; 10,11

und er spricht zu ihnen: Wer seine Frau entläßt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch gegen sie.

10,12 Und wenn sie ihren Mann entläßt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.

Jesus und die Kinder.

Mt 19,13-15; Lk 18,15-17.

10,13 Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrührte. Die Jünger aber fuhren sie an. 10,14 Als

aber Jesus es sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Laßt die Kinder zu mir kommen! Wehrt

ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. 10,15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich

Gottes nicht aufnimmt wie ein Kind, wird dort nicht hineinkommen. 10,16 Und er nahm sie auf seine

Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie.

Frage eines Reichen nach dem ewigen

Leben.

Mt 19,16-30; Lk 18,18-30.

10,17 Und als er auf den Weg hinausging, lief einer herbei, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn:

Guter Lehrer, was soll ich tun, damit ich ewiges Leben erbe? 10,18 Jesus aber sprach zu ihm: Was

nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer, Gott. 10,19 Die Gebote weißt du: `Du sollst nicht

töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis reden; du

sollst nichts vorenthalten; ehre deinen Vater und deine Mutter! 10,20 Er aber sagte zu ihm: Lehrer,

dies alles habe ich befolgt von meiner Jugend an. 10,21 Jesus aber blickte ihn an, gewann ihn lieb und

sprach zu ihm: Eins fehlt dir; geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst

einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! 10,22 Er aber ging, entsetzt über das

Wort, traurig weg, denn er hatte viele Güter. 10,23 Und Jesus blickte umher und spricht zu seinen

Jüngern: Wie schwer werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes hineinkommen! 10,24 Die

Jünger aber erschraken über seine Worte. Jesus aber antwortete wieder und spricht zu ihnen: Kinder,

wie schwer ist es, in das Reich Gottes hineinzukommen! 10,25 Es ist leichter, daß ein Kamel durch

das Öhr der Nadel geht, als daß ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt. 10,26 Sie aber gerieten

ganz außer sich und sprachen zueinander: Und wer kann [dann] errettet werden? 10,27 Jesus aber sah

sie an und spricht: Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge

möglich. 10,28 Petrus begann und sagte zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir

nachgefolgt. 10,29 Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Da ist niemand, der Haus oder Brüder oder

Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um

des Evangeliums willen, 10,30 der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder

und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen und in dem kommenden

Zeitalter ewiges Leben. 10,31 Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein.

Dritte Leidensankündigung.

Mt 20,17-19; Lk 18,31-34.

10,32 Sie waren aber auf dem Weg und gingen hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging vor ihnen her;

und sie erschraken. Die ihm aber nachfolgten, fürchteten sich. Und er nahm wieder die Zwölf zu sich

und fing an, ihnen zu sagen, was ihm widerfahren sollte: 10,33 Siehe, wir gehen hinauf nach

Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten überliefert

werden; und sie werden ihn zum Tod verurteilen und werden ihn den Nationen überliefern; 10,34 und

sie werden ihn verspotten und ihn anspeien und ihn geißeln und töten; und nach drei Tagen wird er

auferstehen.

Wahre Größe im Reich Gottes.

Mt 20,20-28.

10,35 Und es treten zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sagen zu ihm:

Lehrer, wir wollen, daß du uns tust, um was wir dich bitten werden. 10,36 Er aber sprach zu ihnen:

Was wollt ihr, daß ich euch tun soll? 10,37 Sie aber sprachen zu ihm: Gib uns, daß wir einer zu deiner

Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit. 10,38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr

wißt nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft

werden, mit der ich getauft werde? 10,39 Sie aber sprachen zu ihm: Wir können es. Jesus aber sprach

zu ihnen: Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde,

werdet ihr getauft werden; 10,40 aber das Sitzen zu meiner Rechten oder Linken zu vergeben, steht

nicht bei mir, sondern [ist für die], denen es bereitet ist. 10,41 Und als die Zehn es hörten, fingen sie

an, unwillig zu werden über Jakobus und Johannes. 10,42 Und Jesus rief sie zu sich und spricht zu

ihnen: Ihr wißt, daß die, welche als Regenten der Nationen gelten, sie beherrschen und ihre Großen

Gewalt gegen sie üben. 10,43 So aber ist es nicht unter euch; sondern wer unter euch groß werden

will, soll euer Diener sein; 10,44 und wer von euch der Erste sein will, soll aller Sklave sein. 10,45

Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen

und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

Heilung des blinden Bartimäus.

Mt 20,29-34; Lk 18,35-43; vgl. Kap. 8,22-26; Mt 9,27-31.

10,46 Und sie kommen nach Jericho. Und als er und seine Jünger und eine große Volksmenge aus

Jericho hinausgingen, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Weg. 10,47 Und

als er hörte, daß es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Sohn Davids, Jesus,

erbarme dich meiner! 10,48 Und viele bedrohten ihn, daß er schweigen sollte; er aber schrie um so

mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner! 10,49 Und Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn! Und sie

rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes! Steh auf, er ruft dich! 10,50 Er aber warf sein

Gewand ab, sprang auf und kam zu Jesus. 10,51 Und Jesus begann und spricht zu ihm: Was willst du,

daß ich dir tun soll? Der Blinde aber sprach zu ihm: Rabbuni, daß ich sehend werde. 10,52 Und Jesus

sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt! Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm

auf dem Weg nach.

Einzug in Jerusalem.

Mt 21,1-11; Lk 19,28-44; Joh 12,12-19.

Kapitel 11

11,1 Und als sie sich Jerusalem, Bethphage und Bethanien gegen den Ölberg hin nähern, sendet er

zwei seiner Jünger 11,2 und spricht zu ihnen: Geht in das Dorf, das euch gegenüberliegt; und

sogleich, wenn ihr dort hineinkommt, werdet ihr ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch kein

Mensch gesessen hat. Bindet es los und führt es her! 11,3 Und wenn jemand zu euch sagt: Warum tut

ihr dies? so sagt: Der Herr braucht es und sendet es gleich wieder hierher. 11,4 Und sie gingen hin

und fanden ein Fohlen angebunden an der Tür draußen auf dem Weg, und sie binden es los. 11,5 Und

einige von denen, die dort standen, sagten zu ihnen: Was tut ihr, daß ihr das Fohlen losbindet? 11,6

Sie aber sprachen zu ihnen, wie Jesus gesagt hatte. Und sie ließen sie [gewähren]. 11,7 Und sie

führten das Fohlen zu Jesus und legten ihm ihre Kleider auf, und er setzte sich darauf. 11,8 Und viele

breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere aber Zweige, die sie auf den Feldern abschnitten; 11,9

und die Vorangehenden und die Nachfolgenden riefen: Hosanna! Gepriesen [sei], der da kommt im

Namen des Herrn! 11,10 Gepriesen sei das kommende Reich unseres Vaters David! Hosanna in der

Höhe! 11,11 Und er zog in Jerusalem ein, in den Tempel. Und als er über alles umhergeblickt hatte,

ging er, da es schon spät an der Zeit war, mit den Zwölfen nach Bethanien hinaus.

Verfluchung des Feigenbaumes.

Mt 21,18.19.

11,12 Und als sie am folgenden Tag von Bethanien weggegangen waren, hungerte ihn. 11,13 Und er

sah von weitem einen Feigenbaum, der Blätter hatte, und er ging hin, ob er wohl etwas an ihm fände,

und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen. 11,14 Und er

begann und sprach zu ihm: Nimmermehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen! Und seine

Jünger hörten es.

Tempelreinigung.

Mt 21,12-17; Lk 19,45-48; vgl. Joh 2,13-17.

11,15 Und sie kommen nach Jerusalem. Und er trat in den Tempel und begann die hinauszutreiben,

die im Tempel verkauften und kauften; und die Tische der Wechsler und die Sitze der

Taubenverkäufer stieß er um. 11,16 Und er erlaubte nicht, daß jemand ein Gerät durch den Tempel

trug. 11,17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: `Mein Haus wird ein Bethaus

genannt werden für alle Nationen? Ihr aber habt es zu einer `Räuberhöhle gemacht. 11,18 Und die

Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten es und suchten, wie sie ihn umbringen könnten; sie

fürchteten ihn nämlich, denn die ganze Volksmenge geriet außer sich über seine Lehre. 11,19 Und

wenn es Abend wurde, gingen sie zur Stadt hinaus.

Das Gebet im Glauben und in

Vergebungsbereitschaft.

Mt 21,20-22.

11,20 Und als sie frühmorgens vorbeigingen, sahen sie den Feigenbaum verdorrt von den Wurzeln an.

11,21 Und Petrus erinnerte sich und spricht zu ihm: Rabbi, siehe, der Feigenbaum, den du verflucht

hast, ist verdorrt. 11,22 Und Jesus antwortete und spricht zu ihnen: Habt Glauben an Gott! 11,23

Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berg sagen wird: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer!

und nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glauben, daß geschieht, was er sagt, dem wird es

werden. 11,24 Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, daß ihr es

empfangen habt, und es wird euch werden. 11,25 Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr

etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen

vergebe. (11,26)

Die Frage nach der Vollmacht Jesu.

Mt 21,23-27; Lk 20,1-8.

11,27 Und sie kommen wieder nach Jerusalem. Und als er in dem Tempel umherging, kommen die

Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm 11,28 und sagen zu ihm: In welcher

Vollmacht tust du diese Dinge? Oder wer hat dir diese Vollmacht gegeben, daß du diese Dinge tust?

11,29 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich will euch ein Wort fragen. Antwortet mir! Und ich werde euch

sagen, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue: 11,30 War die Taufe des Johannes vom Himmel

oder von Menschen? Antwortet mir! 11,31 Und sie überlegten miteinander und sprachen: Wenn wir

sagen: vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt? 11,32 Sollen wir

aber sagen: von Menschen? Sie fürchteten das Volk. Denn alle meinten, daß Johannes wirklich ein

Prophet sei. 11,33 Und sie antworten und sagen zu Jesus: Wir wissen es nicht. Und Jesus spricht zu

ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue.

Gleichnis von den Weingärtnern.

Mt 21,33-46; Lk 20,9-19.

Kapitel 12

12,1 Und er fing an, in Gleichnissen zu ihnen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und

setzte einen Zaun darum und grub einen Keltertrog und baute einen Turm; und er verpachtete ihn an

Weingärtner und reiste außer Landes. 12,2 Und er sandte zur bestimmten Zeit zu den Weingärtnern

einen Knecht, um von den Weingärtnern von der Frucht des Weinbergs zu empfangen. 12,3 Sie aber

nahmen ihn, schlugen ihn und sandten ihn leer fort. 12,4 Und wieder sandte er einen anderen Knecht

zu ihnen; und den verwundeten sie am Kopf und beschimpften ihn. 12,5 Und er sandte einen anderen,

und den töteten sie; und viele andere; die einen schlugen sie, die anderen töteten sie. 12,6 Noch einen

hatte er, einen geliebten Sohn, den sandte er als letzten zu ihnen, indem er sprach: Sie werden sich vor

meinem Sohn scheuen. 12,7 Jene Weingärtner aber sprachen zueinander: Dies ist der Erbe; kommt,

laßt uns ihn töten, und das Erbe wird unser sein. 12,8 Und sie nahmen und töteten ihn und warfen ihn

zum Weinberg hinaus. 12,9 Was wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die

Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben. 12,10 Habt ihr nicht auch diese Schrift

gelesen: `Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden; 12,11 vom

Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen? 12,12 Und sie suchten ihn zu

greifen und fürchteten die Volksmenge; denn sie erkannten, daß er das Gleichnis auf sie hin

gesprochen hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.

Die Frage nach der Steuer.

Mt 22,15-22; Lk 20,20-26.

12,13 Und sie senden einige der Pharisäer und der Herodianer zu ihm, um ihn in der Rede zu fangen.

12,14 Und sie kommen und sagen zu ihm: Lehrer, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und dich um

niemand kümmerst; denn du siehst nicht auf die Person der Menschen, sondern lehrst den Weg Gottes

in Wahrheit. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht

geben? 12,15 Da er aber ihre Heuchelei kannte, sprach er zu ihnen: Was versucht ihr mich? Bringt mir

einen Denar, damit ich ihn sehe. 12,16 Sie aber brachten ihn. Und er spricht zu ihnen: Wessen ist

dieses Bild und die Aufschrift? Sie aber sagten zu ihm: Des Kaisers. 12,17 Jesus aber sprach zu ihnen:

Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und sie verwunderten sich über ihn.

Die Frage nach der Auferstehung.

Mt 22,23-33; Lk 20,27-40.

12,18 Und es kommen Sadduzäer zu ihm, die sagen, es gebe keine Auferstehung; und sie fragten ihn

und sprachen: 12,19 Lehrer, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt und läßt eine

Frau zurück und hinterläßt keine Kinder, daß sein Bruder seine Frau nehme und seinem Bruder

Nachkommenschaft erwecke. 12,20 Es waren sieben Brüder. Und der erste nahm eine Frau; und als er

starb, hinterließ er keine Nachkommenschaft; 12,21 und der zweite nahm sie und starb und ließ keine

Nachkommenschaft zurück; und der dritte ebenso. 12,22 Und die sieben hinterließen keine

Nachkommenschaft. Am letzten von allen starb auch die Frau. 12,23 Wessen Frau von allen wird sie

in der Auferstehung sein, wenn sie auferstehen werden? Denn die sieben haben sie zur Frau gehabt.

12,24 Jesus sprach zu ihnen: Irrt ihr nicht deshalb, weil ihr die Schriften nicht kennt und nicht die

Kraft Gottes? 12,25 Denn wenn sie aus den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch werden sie

verheiratet, sondern sie sind wie Engel in den Himmeln. 12,26 Was aber die Toten betrifft, daß sie

auferweckt werden: Habt ihr nicht im Buch Moses gelesen, wie Gott beim Dornbusch zu ihm redete

und sprach: `Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? 12,27 Er ist nicht

der Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt sehr.

Die Frage nach dem ersten Gebot.

Mt 22,34-40; vgl. Lk 10,25-28.

12,28 Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie miteinander stritten, trat hinzu, und da

er wußte, daß er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?

12,29 Jesus antwortete ihm: Das erste ist: `Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist allein Herr; 12,30

und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele

und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft. 12,31 Das zweite ist dies: `Du sollst

deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Größer als diese ist kein anderes Gebot. 12,32 Und der

Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht, Lehrer, du hast nach der Wahrheit geredet; denn er ist einer, und

es ist kein anderer außer ihm; 12,33 und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem

Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist

viel mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 12,34 Und als Jesus sah, daß er verständig

geantwortet hatte, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und es wagte niemand

mehr, ihn zu befragen.

Die Frage nach dem Christus.

Mt 22,41-46; Lk 20,41-44.

12,35 Und Jesus begann und sprach, als er im Tempel lehrte: Wie sagen die Schriftgelehrten, daß der

Christus Davids Sohn sei? 12,36 David selbst hat im Heiligen Geist gesagt: `Der Herr sprach zu

meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege. 12,37

David selbst nennt ihn Herr. Und woher ist er sein Sohn? Und die große Volksmenge hörte ihn gern.

Warnung vor den Schriftgelehrten.

Mt 23,5-7; Lk 20,45-47.

12,38 Und er sprach in seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern

einhergehen wollen und die Begrüßungen auf den Märkten 12,39 und die ersten Sitze in den

Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern [lieben]; 12,40 die die Häuser der Witwen

verschlingen und zum Schein lange Gebete halten. Sie werden ein schwereres Gericht empfangen.

Die Gabe der armen Witwe.

Lk 21,1-4.

12,41 Und er setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Geld in den

Schatzkasten einlegte; und viele Reiche legten viel ein. 12,42 Und eine arme Witwe kam und legte

zwei Scherflein ein, das ist ein Pfennig. 12,43 Und er rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen:

Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten

eingelegt haben. 12,44 Denn alle haben von ihrem Überfluß eingelegt; diese aber hat aus ihrem

Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Endzeitrede: Tempelzerstörung und

Drangsale der Endzeit.

Mt 24,1-14; Lk 21,5-19.

Kapitel 13

13,1 Und als er aus dem Tempel heraustrat, sagt einer seiner Jünger zu ihm: Lehrer, sieh, was für

Steine und was für Gebäude! 13,2 Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Es wird

nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird. 13,3 Und als er

auf dem Ölberg dem Tempel gegenübersaß, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und

Andreas für sich allein: 13,4 Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen, wann dies alles

vollendet werden soll? 13,5 Jesus aber begann zu ihnen zu sprechen: Seht zu, daß euch niemand

verführe! 13,6 Viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin's! Und sie werden

viele verführen. 13,7 Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören werdet, so erschreckt

nicht! Es muß geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. 13,8 Denn es wird sich Nation gegen

Nation und Königreich gegen Königreich erheben; und es werden Erdbeben sein an verschiedenen

Orten, und es werden Hungersnöte sein. Dies ist der Anfang der Wehen.

Mt 10,17-22.

13,9 Ihr aber, seht auf euch selbst, euch werden sie an Gerichte überliefern, und in den Synagogen

werdet ihr geschlagen werden, und ihr werdet vor Statthalter und Könige gestellt werden um

meinetwillen, ihnen zu einem Zeugnis; 13,10 und allen Nationen muß zuvor das Evangelium

gepredigt werden. 13,11 Und wenn sie euch hinführen, um euch zu überliefern, so sorgt euch vorher

nicht, was ihr reden sollt, sondern was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet! Denn nicht ihr

seid die Redenden, sondern der Heilige Geist. 13,12 Und es wird der Bruder den Bruder zum Tod

überliefern, und der Vater das Kind; und Kinder werden sich gegen Eltern erheben und sie zu Tode

bringen. 13,13 Und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen; wer aber ausharrt

bis ans Ende, der wird errettet werden.

Mt 24,15-25; Lk 21,20-23.

13,14 Wenn ihr aber den Greuel der Verwüstung stehen seht, wo er nicht sollte - wer es liest, merke

auf! -, dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen, 13,15 wer auf dem Dach ist, soll nicht

hinabsteigen und nicht hineingehen, um etwas aus seinem Haus zu holen; 13,16 und wer auf dem Feld

ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. 13,17 Wehe aber den Schwangeren und den

Stillenden in jenen Tagen! 13,18 Betet aber, daß es nicht im Winter geschehe! 13,19 Denn jene Tage

werden eine Drangsal sein, wie sie von Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, bis jetzt nicht

gewesen ist und nicht sein wird. 13,20 Und wenn nicht der Herr die Tage verkürzt hätte, würde kein

Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er die Tage

verkürzt. 13,21 Und wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus! Siehe dort! so glaubt

nicht! 13,22 Es werden aber falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und werden Zeichen und

Wunder tun, um, wenn möglich, die Auserwählten zu verführen. 13,23 Ihr aber, seht zu! Siehe, ich

habe euch alles vorhergesagt.

Endzeitrede: Ankunft des

Menschensohnes.

Mt 24,29-31; Lk 21,25-28.

13,24 Aber in jenen Tagen, nach jener Drangsal, wird die Sonne verfinstert werden und der Mond

seinen Schein nicht geben; 13,25 und die Sterne werden vom Himmel herabfallen, und die Kräfte in

den Himmeln werden erschüttert werden. 13,26 Und dann werden sie den Sohn des Menschen

kommen sehen in Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit. 13,27 Und dann wird er die Engel

aussenden und seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, vom Ende der Erde bis zum

Ende des Himmels.

Endzeitrede: Ermahnung zur

Wachsamkeit.

Mt 24,32-44; Lk 21,29-36.

13,28 Von dem Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und

die Blätter hervortreibt, erkennt ihr, daß der Sommer nahe ist. 13,29 So sollt auch ihr, wenn ihr dies

geschehen seht, erkennen, daß es nahe vor der Tür ist. 13,30 Wahrlich, ich sage euch: Dieses

Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles dies geschehen ist. 13,31 Der Himmel und die Erde werden

vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. 13,32 Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß

niemand, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater. 13,33 Seht zu, wacht!

Denn ihr wißt nicht, wann die Zeit ist. 13,34 Wie ein Mensch, der außer Landes reiste, sein Haus

verließ und seinen Knechten die Vollmacht gab, einem jeden sein Werk, und dem Türhüter

einschärfte, daß er wache, 13,35 so wacht nun! Denn ihr wißt nicht, wann der Herr des Hauses

kommt, ob des Abends oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder frühmorgens, 13,36

damit er nicht, wenn er plötzlich kommt, euch schlafend finde. 13,37 Was ich aber euch sage, sage ich

allen: Wacht!

Anschlag der Hohenpriester.

Mt 26,1-5; Lk 22,1.2.

Kapitel 14

14,1 Es war aber nach zwei Tagen das Passah und das Fest der ungesäuerten Brote. Und die

Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List greifen und töten könnten; 14,2

denn sie sagten: Nicht an dem Fest, damit nicht etwa ein Aufruhr des Volkes entsteht.

Salbung Jesu in Bethanien.

Mt 26,6-13; Joh 12,1-8.

14,3 Und als er in Bethanien war, in dem Hause Simons des Aussätzigen, kam, während er zu Tisch

lag, eine Frau, die ein Alabasterfläschchen mit Salböl von echter, kostbarer Narde hatte; sie zerbrach

das Fläschchen und goß es aus auf sein Haupt. 14,4 Es waren aber einige bei sich selbst unwillig:

Wozu ist diese Verschwendung des Salböls geschehen? 14,5 Denn dieses Salböl hätte für mehr als

dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben werden können. Und sie fuhren sie an. 14,6

Jesus aber sprach: Laßt sie! Was macht ihr ihr Mühe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan; 14,7 denn

die Armen habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun; mich aber habt ihr

nicht allezeit. 14,8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat im voraus meinen Leib zum Begräbnis

gesalbt. 14,9 Aber wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen

Welt, wird auch von dem, was sie getan hat, geredet werden zu ihrem Gedächtnis.

Verrat des Judas.

Mt 26,14-16; Lk 22,3-6.

14,10 Und Judas Iskariot, einer von den Zwölfen, ging zu den Hohenpriestern hin, um ihn an sie zu

überliefern. 14,11 Sie aber freuten sich, als sie es hörten, und versprachen, ihm Geld zu geben; und er

suchte, wie er ihn zu gelegener Zeit überliefern könnte.

Vorbereitung des Passahmahles.

Mt 26,17-19; Lk 22,7-13.

14,12 Und am ersten Tag der ungesäuerten Brote, als man das Passah schlachtete, sagen seine Jünger

zu ihm: Wohin willst du, daß wir gehen und bereiten, damit du das Passah essen kannst? 14,13 Und er

sendet zwei seiner Jünger und spricht zu ihnen: Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch

begegnen, der einen Krug Wasser trägt. Folgt ihm! 14,14 Und wo er hineingeht, sprecht zu dem

Hausherrn: Der Lehrer sagt: Wo ist mein Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passah essen

kann? 14,15 Und er wird euch einen großen Obersaal zeigen, mit Polstern belegt und fertig; und dort

bereitet es für uns. 14,16 Und die Jünger gingen aus und kamen in die Stadt und fanden es, wie er

ihnen gesagt hatte; und sie bereiteten das Passah.

Bezeichnung des Verräters.

Mt 26,20-25; Lk 22,14.21-23; Joh 13,18-30.

14,17 Und als es Abend geworden war, kommt er mit den Zwölfen. 14,18 Und während sie zu Tisch

lagen und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern, der,

welcher mit mir ißt. 14,19 Sie fingen an, betrübt zu werden und einer nach dem anderen zu ihm zu

sagen: Doch nicht ich? 14,20 Er aber sprach zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit mir [das Brot]

in die Schüssel eintaucht. 14,21 Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben

steht. Wehe aber jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem

Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre.

Einsetzung des Herrenmahles.

Mt 26,26-30; Lk 22,15-20; 1Kor 11,23-25.

14,22 Und während sie aßen, nahm er Brot, segnete, brach und gab es ihnen und sprach: Nehmt, dies

ist mein Leib! 14,23 Und er nahm einen Kelch, dankte und gab ihnen [den]; und sie tranken alle

daraus. 14,24 Und er sprach zu ihnen: Dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

14,25 Wahrlich, ich sage euch, daß ich nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde

bis zu jenem Tag, da ich es neu trinken werde im Reich Gottes. 14,26 Und als sie ein Loblied

gesungen hatten, gingen sie hinaus zum Ölberg.

Ankündigung der Verleugnung durch

Petrus.

Mt 26,31-35; Lk 22,31-34; Joh 13,36-38.

14,27 Jesus spricht zu ihnen: Ihr werdet euch alle ärgern, denn es steht geschrieben: `Ich werde den

Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden. 14,28 Nachdem ich aber auferweckt sein

werde, werde ich euch voran nach Galiläa gehen. 14,29 Petrus aber sprach zu ihm: Wenn sich auch

alle ärgern werden, ich aber nicht. 14,30 Und Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, daß du

heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, mich dreimal verleugnen wirst. 14,31 Er aber

sprach nachdrücklich: Wenn ich mit dir sterben müßte, werde ich dich nicht verleugnen. Ebenso aber

sprachen auch alle.

Gethsemane.

Mt 26,36-46; Lk 22,39-46.

14,32 Und sie kommen an ein Gut mit Namen Gethsemane, und er spricht zu seinen Jüngern: Setzt

euch hier, bis ich gebetet habe! 14,33 Und er nimmt den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich

und fing an, sehr bestürzt und geängstigt zu werden. 14,34 Und er spricht zu ihnen: Meine Seele ist

sehr betrübt, bis zum Tod. Bleibt hier und wacht! 14,35 Und er ging ein wenig weiter und fiel auf die

Erde; und er betete, daß, wenn es möglich sei, die Stunde an ihm vorübergehe. 14,36 Und er sprach:

Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir weg! Doch nicht, was ich will,

sondern was du willst! 14,37 Und er kommt und findet sie schlafend, und er spricht zu Petrus: Simon,

schläfst du? Konntest du nicht eine Stunde wachen? 14,38 Wacht und betet, damit ihr nicht in

Versuchung kommt! Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach. 14,39 Und er ging wieder

weg, betete und sprach dasselbe Wort. 14,40 Und als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend,

denn ihre Augen waren beschwert; und sie wußten nicht, was sie ihm antworten sollten. 14,41 Und er

kommt zum dritten Mal und spricht zu ihnen: So schlaft denn fort und ruht aus! Es ist genug; die

Stunde ist gekommen, siehe, der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder überliefert. 14,42

Steht auf, laßt uns gehen! Siehe, der mich überliefert, ist nahe.

Gefangennahme.

Mt 26,47-56; Lk 22,47-53; Joh 18,2-12.

14,43 Und sogleich, während er noch redet, kommt Judas, einer der Zwölf, heran und mit ihm eine

große Menge mit Schwertern und Stöcken, von den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und den

Ältesten. 14,44 Der ihn überlieferte, hatte ihnen aber ein Zeichen gegeben und gesagt: Wen ich küssen

werde, der ist es. Den greift, und führt ihn sicher fort! 14,45 Und als er kam, trat er sogleich zu ihm

und spricht: Rabbi! und küßte ihn. 14,46 Sie aber legten ihre Hände an ihn und ergriffen ihn. 14,47

Einer der Dabeistehenden aber zog das Schwert, schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm

das Ohr ab. 14,48 Und Jesus begann und sprach zu ihnen: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen

Räuber, mit Schwertern und Stöcken, mich zu fangen? 14,49 Täglich war ich bei euch, lehrte im

Tempel, und ihr habt mich nicht ergriffen; - aber damit die Schriften erfüllt werden! 14,50 Und es

verließen ihn alle und flohen. 14,51 Und ein junger Mann, der ein Leinen[hemd] um den bloßen

[Leib] geworfen hatte, folgte ihm, und sie ergriffen ihn. 14,52 Er aber ließ das Leinen[hemd] fahren

und floh nackt.

Vor dem Hohen Rat.

Mt 26,57-68; Lk 22,54.55.63-71; Joh 18,13.14.19-24.

14,53 Und sie führten Jesus weg zum Hohenpriester; und alle Hohenpriester und Ältesten und

Schriftgelehrten versammeln sich. 14,54 Und Petrus folgte ihm von fern bis hinein in den Hof des

Hohenpriesters; und er saß mit bei den Dienern und wärmte sich am Feuer.

14,55 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu Tode

zu bringen; und sie fanden keins. 14,56 Denn viele legten falsches Zeugnis gegen ihn ab, und die

Zeugnisse waren nicht übereinstimmend. 14,58 Und einige standen auf, legten gegen ihn falsches

Zeugnis ab und sprachen: 14,58 Wir hörten ihn sagen: Ich werde diesen Tempel, der mit Händen

gemacht ist, abbrechen, und in drei Tagen werde ich einen anderen aufbauen, der nicht mit Händen

gemacht ist. 14,59 Und auch so war ihr Zeugnis nicht übereinstimmend. 14,60 Und der Hohepriester

stand auf, [trat] in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts? Was zeugen diese

gegen dich? 14,61 Er aber schwieg und antwortete nichts. Wieder fragte ihn der Hohepriester und

spricht zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? 14,62 Jesus aber sprach: Ich bin es!

Und ihr werdet den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den

Wolken des Himmels. 14,63 Der Hohepriester aber zerriß seine Kleider und spricht: Was brauchen

wir noch Zeugen? 14,64 Ihr habt die Lästerung gehört. Was meint ihr? Sie verurteilten ihn aber alle,

daß er des Todes schuldig sei. 14,65 Und einige fingen an, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu

verhüllen und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage! Und die Diener schlugen

ihn ins Gesicht.

Verleugnung durch Petrus.

Mt 26,69-75; Lk 22,56-62; Joh 18,15-18.25-27.

14,66 Und als Petrus unten im Hof war, kommt eine von den Mägden des Hohenpriesters, 14,67 und

als sie den Petrus sich wärmen sah, blickte sie ihn an und spricht: Auch du warst mit dem Nazarener

Jesus. 14,68 Er aber leugnete und sprach: Ich weiß nicht, verstehe auch nicht, was du sagst. Und er

ging hinaus in den Vorhof. 14,69 Und als die Magd ihn sah, fing sie wieder an, zu den

Dabeistehenden zu sagen: Dieser ist einer von ihnen. 14,70 Er aber leugnete wieder. Und kurz

nachher sagten wieder die Dabeistehenden zu Petrus: Wahrhaftig, du bist einer von ihnen, denn du

bist auch ein Galiläer. 14,71 Er aber fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne diesen

Menschen nicht, von dem ihr redet. 14,72 Und sogleich krähte zum zweiten Mal der Hahn. Und

Petrus gedachte des Wortes, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du

mich dreimal verleugnen. Und er begann zu weinen.

Anklage vor Pilatus.

Mt 27,1.2.11-14; Lk 22,66-71; 23,1-5; Joh 18,28-38.

Kapitel 15

15,1 Und am frühen Morgen faßten die Hohenpriester mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem

ganzen Hohen Rat sogleich einen Beschluß, und sie banden Jesus und führten ihn weg und

überlieferten ihn dem Pilatus. 15,2 Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er aber

antwortete und spricht zu ihm: Du sagst es. 15,3 Und die Hohenpriester klagten ihn vieler Dinge an.

15,4 Pilatus aber fragte ihn wieder und sprach: Antwortest du nichts? Siehe, wie vieles sie gegen dich

vorbringen! 15,5 Jesus aber antwortete gar nichts mehr, so daß Pilatus sich wunderte.

Freilassung für Barabbas - Todesurteil

für Jesus.

Mt 27,15-26; Lk 23,13-25; Joh 18,39.40; 19,1.16.

15,6 Zum Fest aber pflegte er ihnen einen Gefangenen loszugeben, wen sie sich erbaten. 15,7 Es war

aber einer, genannt Barabbas, mit den Aufrührern gefangen, die in dem Aufstand einen Mord

begangen hatten. 15,8 Und die Volksmenge ging hinauf und fing an zu bitten, [daß er tue], wie er

ihnen bisher getan habe. 15,9 Pilatus aber antwortete ihnen und sprach: Wollt ihr, daß ich euch den

König der Juden losgebe? 15,10 Denn er wußte, daß die Hohenpriester ihn aus Neid überliefert hatten.

15,11 Die Hohenpriester aber wiegelten die Volksmenge auf, daß er ihnen lieber den Barabbas

losgebe. 15,12 Pilatus aber antwortete wieder und sprach zu ihnen: Was soll ich denn mit dem tun,

den ihr den König der Juden nennt? 15,13 Sie aber schrien wieder: Kreuzige ihn! 15,14 Pilatus aber

sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Sie aber schrien übermäßig: Kreuzige ihn! 15,15 Da

aber Pilatus der Volksmenge einen Gefallen tun wollte, gab er ihnen den Barabbas los und überlieferte

Jesus, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, damit er gekreuzigt werde.

Verspottung durch die Soldaten.

Mt 27,27-31; Joh 19,2-5.

15,16 Die Soldaten aber führten ihn in den Hof hinein, das ist das Prätorium; und sie rufen die ganze

Schar zusammen. 15,17 Und sie legen ihm ein Purpurgewand an und flechten eine Dornenkrone und

setzen sie ihm auf; 15,18 und sie fingen an, ihn zu grüßen: Sei gegrüßt, König der Juden! 15,19 Und

sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt und spien ihn an, und sie beugten die Knie und

huldigten ihm. 15,20 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm das Purpurgewand aus und

zogen ihm seine Kleider an.

Golgatha.

Mt 27,32-56; Lk 23,26-49; Joh 19,16-30.

Und sie führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen. 15,21 Und sie zwingen einen Vorübergehenden,

einen gewissen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater Alexanders und Rufus', daß er sein

Kreuz trage.

15,22 Und sie bringen ihn nach der Stätte Golgatha, was übersetzt ist Schädelstätte. 15,23 Und sie

gaben ihm mit Myrrhe vermischten Wein; er aber nahm ihn nicht. 15,24 Und als sie ihn gekreuzigt

hatten, verteilen sie seine Kleider, indem sie das Los über sie warfen, was jeder bekommen sollte.

15,25 Es war aber die dritte Stunde, und sie kreuzigten ihn. 15,26 Und die Aufschrift seiner

Beschuldigung war [oben] angeschrieben: Der König der Juden. 15,27 Und mit ihm kreuzigen sie

zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken. (15,28)

15,29 Und die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten ihre Köpfe und sagten: Ha! Der du den

Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbaust, 15,30 rette dich selbst, und steige herab vom Kreuz!

15,31 Ebenso spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten untereinander und sprachen:

Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. 15,32 Der Christus, der König Israels, steige

jetzt herab vom Kreuz, damit wir sehen und glauben! Auch die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten

ihn.

15,33 Und in der sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde;

15,34 und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloi, Eloi, lema sabachthani? was

verdolmetscht ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 15,35 Und als einige der

Dabeistehenden es hörten, sagten sie: Siehe, er ruft Elia. 15,36 Einer aber lief, füllte einen Schwamm

mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, tränkte ihn und sprach: Halt, laßt uns sehen, ob Elia kommt, ihn

herabzunehmen! 15,37 Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verschied. 15,38 Und der Vorhang

des Tempels zerriß in zwei [Stücke], von oben bis unten.

15,39 Als aber der Hauptmann, der ihm gegenüber dabeistand, sah, daß er so verschied, sprach er:

Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!

15,40 Es sahen aber auch Frauen von fern zu, unter ihnen auch Maria Magdalena und Maria, Jakobus

des Kleinen und Joses Mutter, und Salome, 15,41 die, als er in Galiläa war, ihm nachfolgten und ihm

dienten, und viele andere, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgekommen waren.

Grablegung.

Mt 27,57-61; Lk 23,50-56; Joh 19,38-42.

15,42 Und als es schon Abend geworden war - es war nämlich Rüsttag, das ist der Vorsabbat -, 15,43

kam Joseph von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der selbst auch das Reich Gottes erwartete, und

er wagte es und ging zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu. 15,44 Pilatus aber wunderte sich,

daß er schon gestorben sein sollte; und er rief den Hauptmann herbei und fragte ihn, ob er schon lange

gestorben sei. 15,45 Und als er es von dem Hauptmann erfuhr, schenkte er Joseph den Leib. 15,46

Und der kaufte feines Leinentuch, nahm ihn herab, wickelte ihn in das Leinentuch und legte ihn in

eine Gruft, die in einen Felsen gehauen war, und er wälzte einen Stein an die Tür der Gruft. 15,47

Aber Maria Magdalena und Maria, die [Mutter] des Joses, sahen zu, wohin er gelegt wurde.

Die Frauen am leeren Grab.

Mt 28,1-8; Lk 24,1-12; Joh 20,1-13.

Kapitel 16

16,1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die [Mutter] des

Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

16,2 Und sie kommen sehr früh am ersten Wochentag zu der Gruft, als die Sonne aufgegangen war.

16,3 Und sie sprachen zueinander: Wer wird uns den Stein von der Tür der Gruft wegwälzen? 16,4

Und als sie aufblickten, sehen sie, daß der Stein zurückgewälzt ist; er war nämlich sehr groß. 16,5

Und als sie in die Gruft eintraten, sahen sie einen Jüngling zur Rechten sitzen, bekleidet mit einem

weißen Gewand, und sie entsetzten sich. 16,6 Er aber spricht zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht

Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo

sie ihn hingelegt hatten. 16,7 Aber geht hin, sagt seinen Jüngern und Petrus, daß er euch nach Galiläa

vorausgeht! Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 16,8 Und sie gingen hinaus und flohen

von der Gruft. Denn Zittern und Bestürzung hatte sie ergriffen, und sie sagten niemand etwas, denn

sie fürchteten sich.

Erscheinungen des Auferstandenen.

Mt 28,9.10.16.17; Lk 24,13-43; Joh 20,13-29; 21,1-23.

16,9 Als er aber früh am ersten Wochentag auferstanden war, erschien er zuerst der Maria Magdalena,

von der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. 16,10 Die ging hin und verkündete es denen, die mit

ihm gewesen waren und trauerten und weinten. 16,11 Und als jene hörten, daß er lebe und von ihr

gesehen worden sei, glaubten sie nicht.

16,12 Danach aber offenbarte er sich zweien von ihnen in anderer Gestalt unterwegs, als sie aufs Land

gingen. 16,13 Und jene gingen hin und verkündeten es den übrigen; auch jenen glaubten sie nicht.

16,14 Nachher offenbarte er sich den Elfen selbst, als sie zu Tisch lagen, und schalt ihren Unglauben

und ihre Herzenshärtigkeit, daß sie denen, die ihn auferweckt gesehen, nicht geglaubt hatten.

Aussendung der Jünger - Himmelfahrt

Jesu.

Mt 28,18-20; Lk 24,44-53.

16,15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen

Schöpfung. 16,16 Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber nicht

gläubig geworden ist, wird verdammt werden. 16,17 Diese Zeichen aber werden denen folgen, die

glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden,

16,18 werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht

schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden.

16,19 Der Herr wurde nun, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und

setzte sich zur Rechten Gottes. 16,20 Jene aber gingen aus und predigten überall, während der Herr

mitwirkte und das Wort durch die darauf folgenden Zeichen bestätigte.

Das Evangelium nach Lukas.

Vorwort.

Kapitel 1

1,1 Da es nun schon viele unternommen haben, einen Bericht von den Ereignissen zu verfassen, die

sich unter uns zugetragen haben, 1,2 wie sie uns die überliefert haben, die von Anfang an

Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, 1,3 hat es auch mir gut geschienen, der ich allem

von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, vortrefflichster Theophilus, der Reihe nach zu schreiben, 1,4

damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.

Ankündigung der Geburt des Johannes.

1,5 Es war in den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, ein Priester mit Namen Zacharias, aus

der Abteilung des Abia; und seine Frau war aus den Töchtern Aarons und ihr Name Elisabeth. 1,6

Beide aber waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Satzungen des

Herrn. 1,7 Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war; und beide waren in ihren Tagen

weit vorgerückt.

1,8 Es geschah aber, als er in der Ordnung seiner Abteilung den priesterlichen Dienst vor Gott

verrichtete, 1,9 traf ihn, nach der Gewohnheit des Priestertums, das Los, in den Tempel des Herrn zu

gehen, um zu räuchern. 1,10 Und die ganze Menge des Volkes stand betend draußen zur Stunde des

Räucherns. 1,11 Ihm erschien aber ein Engel des Herrn und stand zur Rechten des Räucheraltars. 1,12

Und als Zacharias [ihn] sah, wurde er bestürzt, und Furcht kam über ihn. 1,13 Der Engel aber sprach

zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Flehen ist erhört: Elisabeth, deine Frau, wird dir

einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes nennen. 1,14 Und er wird dir zur Freude

und Wonne sein, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 1,15 Denn er wird groß sein vor

dem Herrn; weder Wein noch starkes Getränk wird er trinken und schon von Mutterleibe an mit

Heiligem Geist erfüllt werden. 1,16 Und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott,

bekehren. 1,17 Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft des Elia, um der Väter

Herzen zu bekehren zu den Kindern und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten, um dem Herrn

ein zugerüstetes Volk zu bereiten. 1,18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich dies

erkennen? Denn ich bin ein alter Mann, und meine Frau ist weit vorgerückt in ihren Tagen. 1,19 Und

der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt

worden, zu dir zu reden und dir diese gute Botschaft zu verkündigen. 1,20 Und siehe, du wirst stumm

sein und nicht sprechen können bis zu dem Tag, da dies geschehen wird, dafür daß du meinen Worten

nicht geglaubt hast, die sich zu ihrer Zeit erfüllen werden. 1,21 Und das Volk wartete auf Zacharias,

und sie wunderten sich, daß er so lange im Tempel verweilte. 1,22 Als er aber herauskam, konnte er

nicht zu ihnen reden, und sie erkannten, daß er im Tempel ein Gesicht gesehen hatte. Und er winkte

ihnen zu und blieb stumm. 1,23 Und es geschah, als die Tage seines Dienstes zu Ende waren, ging er

weg nach seinem Haus.

1,24 Nach diesen Tagen aber wurde Elisabeth, seine Frau, schwanger und zog sich fünf Monate

zurück und sagte: 1,25 So hat mir der Herr getan in den Tagen, in denen er [mich] angesehen hat, um

meine Schmach vor den Menschen wegzunehmen.

Ankündigung der Geburt Jesu.

1,26 Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt von Galiläa, mit Namen

Nazareth, gesandt, 1,27 zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Joseph, aus dem Haus Davids,

verlobt war, und der Name der Jungfrau war Maria. 1,28 Und er kam zu ihr hinein und sprach: Sei

gegrüßt, Begnadigte! Der Herr [ist] mit dir. 1,29 Sie aber wurde bestürzt über das Wort und überlegte,

was für ein Gruß dies sei. 1,30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast

Gnade bei Gott gefunden. 1,31 Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und

du sollst ihm seinen Namen Jesus nennen. 1,32 Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt

werden; und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben; 1,33 und er wird über das

Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein. 1,34 Maria aber

sprach zu dem Engel: Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß? 1,35 Und der Engel

antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird

dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt

werden. 1,36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, auch sie erwartet einen Sohn in ihrem Alter, und

dies ist der sechste Monat bei ihr, die unfruchtbar genannt war. 1,37 Denn kein Wort, das von Gott

kommt, wird kraftlos sein. 1,38 Maria aber sprach: Siehe, [ich bin] die Magd des Herrn; es geschehe

mir nach deinem Wort. Und der Engel schied von ihr.

Maria bei Elisabeth - Lobpreis der

Maria.

1,39 Maria aber machte sich in diesen Tagen auf und ging mit Eile in das Gebirge, in eine Stadt Judas;

1,40 und sie kam in das Haus des Zacharias und begrüßte die Elisabeth. 1,41 Und es geschah, als

Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib; und Elisabeth wurde mit

Heiligem Geist erfüllt 1,42 und rief mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet [bist] du unter den

Frauen, und gesegnet [ist] die Frucht deines Leibes! 1,43 Und woher [geschieht] mir dies, daß die

Mutter meines Herrn zu mir kommt? 1,44 Denn siehe, wie die Stimme deines Grußes in meine Ohren

drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. 1,45 Und glückselig, die geglaubt hat, denn es

wird zur Erfüllung kommen, was von dem Herrn zu ihr geredet ist!

V. 46-55: vgl. 1Sam 2,1-10.

1,46 Und Maria sprach:

Meine Seele erhebt den Herrn, 1,47 und mein Geist hat frohlockt in Gott, meinem Heiland.

1,48 Denn er hat hingeblickt auf die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich

glückselig preisen alle Geschlechter.

1,49 Denn Großes hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name.

1,50 Und seine Barmherzigkeit ist von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten.

1,51 Er hat Macht geübt mit seinem Arm; er hat zerstreut, die in der Gesinnung ihres Herzens

hochmütig sind.

1,52 Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht.

1,53 Hungrige hat er mit Gütern erfüllt und Reiche leer fortgeschickt.

1,54 Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, daß er gedenke der Barmherzigkeit 1,55 - wie

er zu unseren Vätern geredet hat - gegenüber Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. -

1,56 Und Maria blieb ungefähr drei Monate bei ihr; und sie kehrte zu ihrem Haus zurück. Geburt des

Johannes - Lobpreis des Zacharias

1,57 Für Elisabeth aber erfüllte sich die Zeit, daß sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. 1,58

Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr seine Barmherzigkeit an ihr groß gemacht

habe, und sie freuten sich mit ihr. 1,59 Und es geschah am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu

beschneiden; und sie nannten es nach dem Namen seines Vaters Zacharias. 1,60 Und seine Mutter

antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen. 1,61 Und sie sprachen zu ihr: Niemand

ist in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt. 1,62 Sie winkten aber seinem Vater zu, wie er

etwa wolle, daß er heißen sollte. 1,63 Und er forderte ein Täfelchen und schrieb darauf: Johannes ist

sein Name. Und sie wunderten sich alle. 1,64 Sogleich aber wurde sein Mund aufgetan und seine

Zunge [gelöst], und er redete und lobte Gott. 1,65 Und Furcht kam über alle, die um sie her wohnten;

und auf dem ganzen Gebirge von Judäa wurden alle diese Dinge besprochen. 1,66 Und alle, die es

hörten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was wird wohl aus diesem Kindlein werden? Denn auch

des Herrn Hand war mit ihm.

1,67 Und Zacharias, sein Vater, wurde mit Heiligem Geist erfüllt und weissagte und sprach:

1,68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, daß er sein Volk angesehen und [ihm] Erlösung

geschafft hat.

1,69 Er hat uns ein Horn des Heils aufgerichtet im Hause Davids, seines Knechtes,

1,70 wie er geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Ewigkeit her:

1,71 Rettung von unseren Feinden und von der Hand aller, die uns hassen;

1,72 um Barmherzigkeit zu üben an unseren Vätern und seines heiligen Bundes zu gedenken, 1,73 des

Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat, uns zu geben,

1,74 daß wir, gerettet aus der Hand unserer Feinde, ohne Furcht ihm dienen sollen 1,75 in Heiligkeit

und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage.

1,76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem

Angesicht des Herrn hergehen, seine Wege zu bereiten,

1,77 um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden,

1,78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, mit der uns der Aufgang aus der Höhe

besucht hat,

1,79 um denen zu leuchten, die in Finsternis und Todesschatten sitzen, und unsere Füße zu richten auf

den Weg des Friedens. -

1,80 Das Kindlein aber wuchs und erstarkte im Geist und war in der Einöde bis zum Tag seines

Auftretens vor Israel.

Die Geburt Jesu.

Mt 1,18-25.

Kapitel 2

2,1 Es geschah aber in jenen Tagen, daß eine Verordnung vom Kaiser Augustus ausging, den ganzen

Erdkreis einzuschreiben. 2,2 Diese Einschreibung geschah als erste, als Cyrenius Statthalter von

Syrien war. 2,3 Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, ein jeder in seine [Vater-] Stadt.

2,4 Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa, in Davids Stadt,

die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war, 2,5 um sich einschreiben zu

lassen mit Maria, seiner Verlobten, die schwanger war. 2,6 Und es geschah, als sie dort waren,

wurden ihre Tage erfüllt, daß sie gebären sollte; 2,7 und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und

wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Raum für sie war.

Besuch der Hirten.

2,8 Und es waren Hirten in derselben Gegend, die auf freiem Feld blieben und des Nachts Wache

hielten über ihre Herde. 2,9 Und ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn

umleuchtete sie, und sie fürchteten sich mit großer Furcht. 2,10 Und der Engel sprach zu ihnen:

Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird.

2,11 Denn euch ist heute ein Retter geboren, der ist Christus, Herr, in Davids Stadt. 2,12 Und dies sei

euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. 2,13

Und plötzlich war bei dem Engel eine Menge der himmlischen Heerscharen, die Gott lobten und

sprachen: 2,14 Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf Erden in den Menschen [seines]

Wohlgefallens!

2,15 Und es geschah, als die Engel von ihnen hinweg in den Himmel auffuhren, daß die Hirten

zueinander sagten: Laßt uns doch hingehen nach Bethlehem und diese Sache sehen, die geschehen ist

und die der Herr uns kundgetan hat. 2,16 Und sie kamen eilends und fanden Maria und Joseph und

das Kind in der Krippe liegend.

2,17 Als sie es aber gesehen hatten, machten sie das Wort bekannt, das über dieses Kindlein zu ihnen

geredet worden war. 2,18 Und alle, die es hörten, wunderten sich über das, was ihnen von den Hirten

gesagt wurde. 2,19 Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. 2,20 Und

die Hirten kehrten zurück, priesen und lobten Gott über alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie

es ihnen gesagt worden war.

Darstellung im Tempel - Lobpreis

Simeons - Die Prophetin Hanna.

2,21 Und als acht Tage vollendet waren, daß man ihn beschneiden sollte, da wurde sein Name Jesus

genannt, der von dem Engel genannt worden war, ehe er im Mutterleib empfangen wurde.

2,22 Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach

Jerusalem hinauf, um ihn dem Herrn darzustellen 2,23 - wie im Gesetz des Herrn geschrieben steht:

`Alle männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig heißen - 2,24 und ein Schlachtopfer zu geben nach

dem, was im Gesetz des Herrn gesagt ist: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

2,25 Und siehe, es war in Jerusalem ein Mensch, mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht

und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels; und der Heilige Geist war auf ihm. 2,26 Und ihm

war von dem Heiligen Geist eine göttliche Zusage zuteil geworden, daß er den Tod nicht sehen solle,

ehe er den Christus des Herrn gesehen habe. 2,27 Und er kam durch den Geist in den Tempel. Und als

die Eltern das Kindlein Jesus hereinbrachten, um mit ihm nach der Gewohnheit des Gesetzes zu tun,

2,28 da nahm auch er es auf seine Arme und lobte Gott und sprach: 2,29 Nun, Herr, entläßt du deinen

Knecht nach deinem Wort in Frieden; 2,30 denn meine Augen haben dein Heil gesehen, 2,31 das du

bereitet hast im Angesicht aller Nationen: 2,32 ein Licht zur Erleuchtung der Nationen und zur

Herrlichkeit deines Volkes Israel. 2,33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was

über ihn geredet wurde. 2,34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe,

dieser ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen

wird 2,35 - aber auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen -, damit die Überlegungen

aus vielen Herzen offenbar werden. 2,36 Und es war eine Prophetin Hanna, eine Tochter Phanuels,

aus dem Stamm Asser. Diese war in ihren Tagen weit vorgerückt; sie hatte sieben Jahre mit ihrem

Mann gelebt von ihrer Jungfrauschaft an; 2,37 und sie war eine Witwe von vierundachtzig Jahren, die

wich nicht vom Tempel und diente Nacht und Tag mit Fasten und Flehen. 2,38 Und sie trat zur selben

Stunde herbei, lobte Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

Rückkehr nach Nazareth - Als

Zwölfjähriger im Tempel.

2,39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie nach Galiläa zurück in

ihre Stadt Nazareth. 2,40 Das Kindlein aber wuchs und erstarkte, erfüllt mit Weisheit, und Gottes

Gnade war auf ihm.

2,41 Und seine Eltern gingen alljährlich am Passahfest nach Jerusalem. 2,42 Und als er zwölf Jahre alt

war, gingen sie hinauf nach der Gewohnheit des Festes; 2,43 und als sie die Tage vollendet hatten,

blieb bei ihrer Rückkehr der Knabe Jesus in Jerusalem zurück; und seine Eltern wußten es nicht. 2,44

Da sie aber meinten, er sei unter der Reisegesellschaft, kamen sie eine Tagereise weit und suchten ihn

unter den Verwandten und Bekannten; 2,45 und als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem

zurück und suchten ihn. 2,46 Und es geschah, daß sie ihn nach drei Tagen im Tempel fanden, wie er

inmitten der Lehrer saß und ihnen zuhörte und sie befragte. 2,47 Alle aber, die ihn hörten, gerieten

außer sich über sein Verständnis und seine Antworten. 2,48 Und als sie ihn sahen, wurden sie

bestürzt; und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und

ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 2,49 Und er sprach zu ihnen: Was ist es, daß ihr mich gesucht

habt? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist? 2,50 Und sie verstanden das

Wort nicht, das er zu ihnen redete. 2,51 Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth, und er

war ihnen untertan. Und seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen. 2,52 Und Jesus

nahm zu an Weisheit und Alter und Gunst bei Gott und Menschen.

Johannes der Täufer.

Mt 3,1-12; Mk 1,1-8; (Joh 1,19-28).

Kapitel 3

3,1 Aber im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter von

Judäa war und Herodes Vierfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Vierfürst von Ituräa und der

Landschaft Trachonitis, und Lysanias Vierfürst von Abilene, 3,2 unter dem Hohenpriestertum von

Hannas und Kaiphas, geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.

3,3 Und er kam in die ganze Landschaft am Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung

der Sünden; 3,4 wie geschrieben steht im Buch der Worte Jesajas, des Propheten: `Stimme eines

Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade! 3,5 Jedes Tal wird

ausgefüllt und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Krumme wird zum geraden [Weg]

und die holprigen zu ebenen Wegen werden; 3,6 und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.

3,7 Er sprach nun zu den Volksmengen, die hinausgingen, um von ihm getauft zu werden: Otternbrut!

Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? 3,8 Bringt nun der Buße würdige

Früchte; und beginnt nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage

euch, daß Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag. 3,9 Schon ist aber die

Axt an die Wurzel der Bäume gelegt, jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen

und ins Feuer geworfen. 3,10 Und die Volksmengen fragten ihn und sprachen: Was sollen wir denn

tun? 3,11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Unterkleider hat, teile dem mit, der

keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. 3,12 Es kamen aber auch Zöllner, um getauft zu werden;

und sie sprachen zu ihm: Lehrer, was sollen wir tun? 3,13 Er aber sprach zu ihnen: Fordert nicht

mehr, als euch bestimmt ist. 3,14 Es fragten ihn aber auch Kriegsleute und sprachen: Und wir, was

sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt, und erpreßt niemanden, und begnügt

euch mit eurem Sold.

3,15 Als aber das Volk in Erwartung war und alle in ihren Herzen wegen Johannes überlegten, ob er

nicht etwa der Christus sei, 3,16 antwortete Johannes allen und sprach: Ich zwar taufe euch mit

Wasser; es kommt aber ein Stärkerer als ich, und ich bin nicht würdig, [ihm] den Riemen seiner

Sandalen zu lösen; er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen. 3,17 Seine Worfschaufel ist in

seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und den Weizen in seine Scheune

sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer. 3,18 Indem er nun auch mit

vielem anderen ermahnte, verkündigte er dem Volk gute Botschaft.

Mt 14,3-5; Mk 6,17-20.

3,19 Herodes aber, der Vierfürst, der von ihm zurechtgewiesen wurde wegen der Herodias, der Frau

seines Bruders, und wegen alles Bösen, das Herodes getan hatte, 3,20 fügte allem auch dies hinzu, daß

er Johannes ins Gefängnis einschloß.

Die Taufe Jesu.

Mt 3,13-17; Mk 1,9-11; Joh 1,29-34.

3,21 Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus getauft war und betete, daß der

Himmel aufgetan wurde 3,22 und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn

herabstieg und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich

Wohlgefallen gefunden.

Der Stammbaum Jesu.

1Mo 5; 11,10-26; 1Chr 1,1-4.24-28.34; 2,1-15; Mt 1,1-16.

3,23 Und er selbst, Jesus, war ungefähr dreißig Jahre alt, als er auftrat, und war, wie man meinte, ein

Sohn des Joseph, des Eli, 3,24 des Matthat, des Levi, des Melchi, des Jannai, des Joseph, 3,25 des

Mattathias, des Amos, des Nahum, des Hesli, des Naggai, 3,26 des Maath, des Mattathias, des Schimi,

des Josech, des Joda, 3,27 des Johanan, des Resa, des Serubbabel, des Schealtiel, des Neri, 3,28 des

Melchi, des Addi, des Kosam, des Elmadam, des Er, 3,29 des Jesus, des Elieser, des Jorim, des

Matthat, des Levi, 3,30 des Simeon, des Juda, des Joseph, des Jonam, des Eljakim, 3,31 des Melea,

des Menna, des Mattatha, des Nathan, des David, 3,32 des Jesse, des Obed, des Boas, des Salma, des

Nahesson, 3,33 des Amminadab, des Admin, des Arni, des Hezron, des Perez, des Juda, 3,34 des

Jakob, des Isaak, des Abraham, des Tharah, des Nahor, 3,35 des Sarug, des Ragu, des Phalek, des

Eber, des Salah, 3,36 des Kainam, des Arphachsad, des Sem, des Noah, des Lamech, 3,37 des

Methusala, des Henoch, des Jaret, des Malaleel, des Kainam, 3,38 des Enos, des Seth, des Adam, des

Gottes.

Die Versuchung Jesu.

Mt 4,1-11; Mk 1,12.13.

Kapitel 4

4,1 Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde durch den Geist in der

Wüste vierzig Tage umhergeführt 4,2 und von dem Teufel versucht. Und er aß in jenen Tagen nichts;

und als sie zu Ende waren, hungerte ihn. 4,3 Und der Teufel sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn

bist, so sprich zu diesem Stein, daß er Brot werde. 4,4 Und Jesus antwortete ihm: Es steht

geschrieben: `Nicht vom Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort Gottes.

4,5 Und er führte ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des

Erdkreises. 4,6 Und der Teufel sprach zu ihm: Ich will dir alle diese Macht und ihre Herrlichkeit

geben; denn mir ist sie übergeben, und wem immer ich will, gebe ich sie. 4,7 Wenn du nun vor mir

anbeten willst, soll das alles dein sein. 4,8 Und Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben:

`Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.

4,9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm:

Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich von hier hinab; 4,10 denn es steht geschrieben: `Er wird

seinen Engeln über dir befehlen, daß sie dich bewahren; 4,11 und sie werden dich auf den Händen

tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt. 4,12 Und Jesus antwortete und sprach zu

ihm: Es ist gesagt: `Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. 4,13 Und als der Teufel jede

Versuchung vollendet hatte, wich er für eine Zeit von ihm.

Unglaube in Nazareth.

V. 14.15: Mt 4,12-17; Mk 1,14.15; V. 16-30: vgl. Mt 13,54-58; Mk 6,1-6.

4,14 Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück, und die Kunde von ihm ging aus

durch die ganze Umgegend. 4,15 Und er lehrte in ihren Synagogen, geehrt von allen. 4,16 Und er kam

nach Nazareth, wo er erzogen worden war; und er ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die

Synagoge und stand auf, um vorzulesen. 4,17 Und es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja

gereicht; und als er das Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben war: 4,18 `Der Geist

des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich

gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden, daß sie wieder sehen, Zerschlagene in

Freiheit hinzusenden, 4,19 auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn. 4,20 Und als er das Buch

zugerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und setzte sich; und aller Augen in der Synagoge waren

auf ihn gerichtet. 4,21 Er fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren

erfüllt. 4,22 Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus

seinem Mund hervorgingen; und sie sprachen: Ist dieser nicht der Sohn Josephs? 4,23 Und er sprach

zu ihnen: Ihr werdet jedenfalls dieses Sprichwort zu mir sagen: Arzt, heile dich selbst! Alles, was wir

gehört haben, [daß es] in Kapernaum geschehen [sei], tu auch hier in deiner Vaterstadt! 4,24 Er sprach

aber: Wahrlich, ich sage euch, daß kein Prophet in seiner Vaterstadt angenehm ist. 4,25 In Wahrheit

aber sage ich euch: Viele Witwen waren in den Tagen Elias in Israel, als der Himmel drei Jahre und

sechs Monate verschlossen war, so daß eine große Hungersnot über das ganze Land kam; 4,26 und zu

keiner von ihnen wurde Elia gesandt als nur nach Sarepta in Sidonia zu einer Frau, einer Witwe. 4,27

Und viele Aussätzige waren zur Zeit des Propheten Elisa in Israel, und keiner von ihnen wurde

gereinigt als nur Naaman, der Syrer. 4,28 Und alle in der Synagoge wurden von Wut erfüllt, als sie

dies hörten. 4,29 Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn bis an den Rand

des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, um ihn so hinabzustürzen. 4,30 Er aber schritt durch ihre

Mitte hindurch und ging weg.

Heilung eines Besessenen.

Mk 1,21-28.

4,31 Und er kam nach Kapernaum hinab, einer Stadt in Galiläa, und lehrte sie an den Sabbaten. 4,32

Und sie erstaunten sehr über seine Lehre, denn sein Wort war mit Vollmacht. 4,33 Und es war in der

Synagoge ein Mensch, der einen Geist eines unreinen Dämons hatte, und er schrie auf mit lauter

Stimme 4,34 und sprach: Ach, was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener? Bist du

gekommen, uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes. 4,35 Und Jesus

bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Und als der Dämon ihn mitten unter sie

geworfen hatte, fuhr er von ihm aus, ohne ihm Schaden zu tun. 4,36 Und Entsetzen kam über alle, und

sie redeten untereinander und sprachen: Was ist dies für ein Wort? Denn mit Vollmacht und Kraft

gebietet er den unreinen Geistern, und sie fahren aus. 4,37 Und die Kunde von ihm ging aus in jeden

Ort der Umgegend.

Heilung der Schwiegermutter des

Petrus.

Mt 8,14.15; Mk 1,29-31.

4,38 Er machte sich aber auf von der Synagoge und kam in das Haus Simons. Die Schwiegermutter

des Simon aber war von einem starken Fieber befallen, und sie baten ihn für sie. 4,39 Und er beugte

sich über sie, bedrohte das Fieber, und es verließ sie; sie aber stand sogleich auf und diente ihnen.

Heilungen und Predigt.

Mt 4,23-25; 8,16.17; Mk 1,32-39.

4,40 Als aber die Sonne unterging, brachten alle, die an mancherlei Krankheiten Leidende hatten, sie

zu ihm; er aber legte jedem von ihnen die Hände auf und heilte sie. 4,41 Und auch Dämonen fuhren

von vielen aus, indem sie schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes. Und er bedrohte sie und ließ

sie nicht reden, weil sie wußten, daß er der Christus war.

4,42 Als es aber Tag geworden war, ging er aus und begab sich an einen einsamen Ort; und die

Volksmengen suchten ihn auf und kamen bis zu ihm, und sie hielten ihn auf, daß er nicht von ihnen

ginge. 4,43 Er aber sprach zu ihnen: Ich muß auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich

Gottes verkündigen, denn dazu bin ich gesandt worden. Und er predigte in den Synagogen von

Galiläa.

Fischzug des Petrus - Die ersten

Jünger.

Mt 4,18-22; Mk 1,16-20.

Kapitel 5

5,1 Es geschah aber, als die Volksmenge auf ihn andrängte, um das Wort Gottes zu hören, daß er an

dem See Genezareth stand. 5,2 Und er sah zwei Schiffe am See liegen; die Fischer aber waren aus

ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 5,3 Er aber stieg in eins der Schiffe, das Simon gehörte,

und bat ihn, ein wenig vom Land hinauszufahren; und er setzte sich und lehrte die Volksmengen vom

Schiff aus. 5,4 Als er aber aufhörte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus auf die Tiefe, und laßt

eure Netze zu einem Fang hinab! 5,5 Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben

uns die ganze Nacht hindurch bemüht und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich das Netz

hinablassen. 5,6 Und als sie dies getan hatten, umschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz

riß. 5,7 Und sie winkten ihren Gefährten in dem anderen Schiff, daß sie kämen und ihnen hülfen; und

sie kamen, und sie füllten beide Schiffe, so daß sie zu sinken drohten. 5,8 Als aber Simon Petrus es

sah, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger

Mensch, Herr. 5,9 Denn Entsetzen hatte ihn erfaßt und alle, die bei ihm waren, über den Fischfang,

den sie getan hatten; 5,10 ebenso aber auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die

Gefährten von Simon waren. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du

Menschen fangen. 5,11 Und als sie die Schiffe ans Land gebracht hatten, verließen sie alles und

folgten ihm nach.

Heilung eines Aussätzigen.

Mt 8,1-4; Mk 1,40-45.

5,12 Und es geschah, als er in einer der Städte war, siehe, da war ein Mann voll Aussatz; und als er

Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht und bat ihn und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich

reinigen. 5,13 Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will. Sei gereinigt! Und

sogleich wich der Aussatz von ihm. 5,14 Und er gebot ihm, es niemand zu sagen: Sondern geh hin

und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum

Zeugnis. 5,15 Aber die Rede über ihn verbreitete sich um so mehr; und große Volksmengen

versammelten sich, [ihn] zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. 5,16 Er aber zog sich

zurück und war in einsamen Gegenden und betete.

Heilung eines Gelähmten.

Mt 9,1-8; Mk 2,1-12.

5,17 Und es geschah an einem der Tage, daß er lehrte, und es saßen da Pharisäer und Gesetzeslehrer,

die aus jedem Dorf von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren; und des Herrn Kraft

war da, um zu heilen. 5,18 Und siehe, Männer bringen auf einem Bett einen Menschen, der gelähmt

war; und sie suchten ihn hineinzubringen und vor ihn zu legen. 5,19 Und da sie nicht fanden, auf

welchem Weg sie ihn hineinbringen sollten wegen der Volksmenge, stiegen sie auf das Dach und

ließen ihn durch die Ziegel hinab mit dem Bett in die Mitte vor Jesus. 5,20 Und als er ihren Glauben

sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. 5,21 Und die Schriftgelehrten und die

Pharisäer fingen an zu überlegen und sagten: Wer ist dieser, der [solche] Lästerungen redet? Wer kann

Sünden vergeben außer Gott allein? 5,22 Als aber Jesus ihre Überlegungen erkannte, antwortete und

sprach er zu ihnen: Was überlegt ihr in euren Herzen? 5,23 Was ist leichter zu sagen: Dir sind deine

Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 5,24 Damit ihr aber wißt, daß der Sohn des

Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben - sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage

dir, steh auf und nimm dein Bett auf und geh nach Hause! 5,25 Und sogleich stand er vor ihnen auf,

nahm auf, worauf er gelegen hatte, und ging hin in sein Haus und verherrlichte Gott. 5,26 Und

Staunen ergriff alle, und sie verherrlichten Gott und wurden mit Furcht erfüllt und sprachen: Wir

haben heute außerordentliche Dinge gesehen.

Berufung des Levi.

Mt 9,9-13; Mk 2,13-17.

5,27 Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner, mit Namen Levi, am Zollhaus sitzen und

sprach zu ihm: Folge mir nach! 5,28 Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. 5,29 Und

Levi machte ihm ein großes Mahl in seinem Haus; und dort war eine große Menge Zöllner und

anderer, die mit ihnen zu Tisch lagen. 5,30 Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten gegen

seine Jünger und sprachen: Warum eßt und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? 5,31 Und Jesus

antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken; 5,32

ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße.

Die Frage nach dem Fasten.

Mt 9,14-17; Mk 2,18-22.

5,33 Sie aber sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes oft und verrichten Gebete,

ebenso auch die der Pharisäer; die deinen aber essen und trinken? 5,34 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr

könnt doch nicht die Hochzeitsgäste fasten lassen, während der Bräutigam bei ihnen ist? 5,35 Es

werden aber Tage kommen, und dann, wenn der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, in

jenen Tagen werden sie fasten. 5,36 Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Niemand schneidet

einen Flicken von einem neuen Kleid und setzt ihn auf ein altes Kleid; sonst wird er sowohl das neue

zerschneiden, wie auch der Flicken von dem neuen zum alten nicht passen wird. 5,37 Und niemand

füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der neue Wein die Schläuche zerreißen, und er selbst

wird verschüttet werden, und die Schläuche werden verderben; 5,38 sondern neuen Wein füllt man in

neue Schläuche. 5,39 Und niemand will, wenn er alten getrunken hat, neuen, denn er spricht: Der alte

ist milde.

Die Sabbatfrage.

Mt 12,1-14; Mk 2,23-3,6.

Kapitel 6

6,1 Und es geschah am Sabbat, daß er durch die Saaten ging und seine Jünger die Ähren abpflückten

und aßen, indem sie sie mit den Händen zerrieben. 6,2 Einige der Pharisäer aber sprachen zu ihnen:

Warum tut ihr, was am Sabbat nicht zu tun erlaubt ist? 6,3 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen:

Habt ihr auch dieses nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte? 6,4 Wie er

in das Haus Gottes ging und die Schaubrote nahm und aß und auch denen gab, die bei ihm waren - die

doch außer den Priestern allein niemand essen darf? 6,5 Und er sprach zu ihnen: Der Sohn des

Menschen ist Herr auch des Sabbats.

6,6 Es geschah aber auch an einem anderen Sabbat, daß er in die Synagoge ging und lehrte; und es

war dort ein Mensch, dessen rechte Hand verdorrt war. 6,7 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber

lauerten darauf, ob er am Sabbat heilen würde, damit sie eine Beschuldigung gegen ihn fänden. 6,8 Er

aber wußte ihre Überlegungen und sprach zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf

und stelle dich in die Mitte! Er aber stand auf und stellte sich hin. 6,9 Jesus sprach nun zu ihnen: Ich

will euch fragen, ob es erlaubt ist, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu

verderben. 6,10 Und nachdem er sie alle ringsum angeblickt hatte, sprach er zu ihm: Strecke deine

Hand aus! Und er tat es; und seine Hand wurde wiederhergestellt. 6,11 Sie aber wurden mit

Unverstand erfüllt und besprachen sich untereinander, was sie Jesus tun sollten.

Berufung der zwölf Apostel.

Mt 10,1-4; Mk 3,13-19; (Apg 1,13).

6,12 Und es geschah in diesen Tagen, daß er auf den Berg hinausging, um zu beten; und er verbrachte

die Nacht im Gebet zu Gott. 6,13 Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger herbei und erwählte aus

ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte: 6,14 Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen

Bruder, und Jakobus und Johannes und Philippus und Bartholomäus 6,15 und Matthäus und Thomas

und Jakobus, des Alphäus [Sohn], und Simon, genannt Eiferer, 6,16 und Judas, des Jakobus [Bruder],

und Judas Iskariot, der auch [sein] Verräter wurde.

Krankenheilungen.

Mt 12,15-21; Mk 3,7-12.

6,17 Und als er mit ihnen herabgestiegen war, trat er auf einen ebenen Platz, und eine Menge seiner

Jünger und eine große Menge des Volkes von ganz Judäa und Jerusalem und von der Seeküste von

Tyrus und Sidon, die kamen, ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden; 6,18 und die

von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. 6,19 Und die ganze Volksmenge suchte ihn

anzurühren, denn Kraft ging von ihm aus und heilte alle.

Seligpreisungen - Weherufe.

Mt 5,1-12.

6,20 Und er erhob seine Augen zu seinen Jüngern und sprach: Glückselig ihr Armen, denn euer ist das

Reich Gottes. 6,21 Glückselig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Glückselig, die

ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. 6,22 Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen

werden und wenn sie euch absondern und schmähen und euren Namen als böse verwerfen werden um

des Sohnes des Menschen willen; 6,23 freut euch an jenem Tag und hüpft, denn siehe, euer Lohn ist

groß in dem Himmel; denn ebenso taten ihre Väter den Propheten.

6,24 Aber wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost dahin. 6,25 Wehe euch, die ihr voll seid,

denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen. 6,26

Wehe, wenn alle Menschen wohl von euch reden, denn ebenso taten ihre Väter den falschen

Propheten.

Rechtes Vergelten: Feindesliebe.

Mt 5,38-48.

6,27 Aber euch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 6,28 segnet,

die euch fluchen; betet für die, welche euch beleidigen. 6,29 Dem, der dich auf die Backe schlägt,

biete auch die andere dar; und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Unterkleid nicht.

6,30 Gib jedem, der dich bittet; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. 6,31

Und wie ihr wollt, daß euch die Menschen tun sollen, so tut auch ihr ihnen. 6,32 Und wenn ihr liebt,

die euch lieben, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder lieben, die sie lieben. 6,33 Und

wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder tun

dasselbe. 6,34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr [wieder] zu empfangen hofft, was für einen

Dank habt ihr? Auch die Sünder leihen Sündern, damit sie das gleiche wieder empfangen. 6,35 Doch

liebt eure Feinde, und tut Gutes, und leiht, ohne etwas wieder zu erhoffen, und euer Lohn wird groß

sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

Warnung vor dem Richten.

Mt 7,1-5.15-20.

6,36 Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 6,37 Und richtet nicht, und ihr werdet

nicht gerichtet werden; verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Laßt los, und ihr

werdet losgelassen werden. 6,38 Gebt, und es wird euch gegeben werden: ein gutes, gedrücktes und

gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn mit demselben Maß, mit

dem ihr meßt, wird euch wieder gemessen werden.

6,39 Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Kann etwa ein Blinder einen Blinden leiten? Werden

nicht beide in eine Grube fallen? 6,40 Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer; jeder aber, der vollendet

ist, wird sein wie sein Lehrer. 6,41 Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist,

den Balken aber, der in deinem eigenen Auge ist, nimmst du nicht wahr? 6,42 Oder wie kannst du zu

deinem Bruder sagen: Bruder, erlaube, ich will den Splitter herausziehen, der in deinem Auge ist,

während du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus

deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter herauszuziehen, der in deines Bruders

Auge ist. 6,43 Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, noch einen faulen Baum, der

gute Frucht bringt; 6,44 denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt; denn von Dornen

sammelt man nicht Feigen, noch liest man von einem Dornbusch Trauben. 6,45 Der gute Mensch

bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse bringt aus dem bösen das

Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet sein Mund.

Gleichnis vom Haus auf dem Felsen.

Mt 7,21-27.

6,46 Was nennt ihr mich aber: Herr, Herr! und tut nicht, was ich sage? 6,47 Jeder, der zu mir kommt

und meine Worte hört und sie tut - ich will euch zeigen, wem er gleich ist. 6,48 Er ist einem

Menschen gleich, der ein Haus baute, grub und vertiefte und den Grund auf den Felsen legte; als aber

eine Flut kam, stieß der Strom an jenes Haus und konnte es nicht erschüttern, denn es war auf den

Felsen gegründet. 6,49 Der aber gehört und nicht getan hat, ist einem Menschen gleich, der ein Haus

auf die Erde baute ohne Grundmauer; der Strom stieß daran, und sogleich fiel es, und der Sturz jenes

Hauses war groß.

Heilung des Dieners eines Hauptmanns.

Mt 8,5-13; vgl. Joh 4,43-54.

Kapitel 7

7,1 Nachdem er aber alle seine Worte vor den Ohren des Volkes vollendet hatte, ging er hinein nach

Kapernaum. 7,2 Eines Hauptmanns Knecht aber, der ihm wert war, war krank und lag im Sterben. 7,3

Als er aber von Jesus hörte, sandte er Älteste der Juden zu ihm und bat ihn, daß er komme und seinen

Knecht gesund mache. 7,4 Als diese aber zu Jesus hinkamen, baten sie ihn inständig und sprachen: Er

ist würdig, daß du ihm dies gewährst; 7,5 denn er liebt unsere Nation, und er selbst hat uns die

Synagoge erbaut. 7,6 Jesus aber ging mit ihnen. Als er aber schon nicht mehr weit von dem Haus

entfernt war, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Herr, bemühe dich nicht,

denn ich bin nicht würdig, daß du unter mein Dach trittst. 7,7 Darum habe ich mich selbst auch nicht

würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich ein Wort, und mein Diener wird gesund werden.

7,8 Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Befehlsgewalt steht, und ich habe Soldaten unter mir;

und ich sage zu diesem: Geh hin! und er geht; und zu einem anderen: Komm! und er kommt; und zu

meinem Sklaven: Tu dies! und er tut es. 7,9 Als aber Jesus dies hörte, wunderte er sich über ihn; und

er wandte sich zu der Volksmenge, die ihm folgte, und sprach: Ich sage euch, selbst nicht in Israel

habe ich so großen Glauben gefunden. 7,10 Und als die Abgesandten in das Haus zurückkehrten,

fanden sie den kranken Knecht gesund.

Auferweckung des Jünglings von Nain.

7,11 Und es geschah bald darauf, daß er in eine Stadt ging, genannt Nain, und viele seiner Jünger und

eine große Volksmenge gingen mit ihm. 7,12 Als er sich aber dem Tor der Stadt näherte, siehe, da

wurde ein Toter herausgetragen, der einzige Sohn seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und eine

zahlreiche Volksmenge aus der Stadt war mit ihr. 7,13 Und als der Herr sie sah, wurde er innerlich

bewegt über sie und sprach zu ihr: Weine nicht! 7,14 Und er trat hinzu und rührte die Bahre an, die

Träger aber standen still; und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! 7,15 Und der Tote setzte sich

auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. 7,16 Alle aber ergriff Furcht; und sie

verherrlichten Gott und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns erweckt worden, und Gott hat sein

Volk besucht. 7,17 Und diese Rede über ihn ging aus in ganz Judäa und in der ganzen Umgegend.

Die Frage des Täufers - Jesu Antwort

und Zeugnis über ihn.

Mt 11,2-19.

7,18 Und dem Johannes berichteten seine Jünger über dies alles. 7,19 Und Johannes rief zwei seiner

Jünger herbei und sandte sie zu Jesus und ließ [ihm] sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir

auf einen anderen warten? 7,20 Als aber die Männer zu ihm gekommen waren, sprachen sie: Johannes

der Täufer hat uns zu dir gesandt und läßt [dir] sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf

einen anderen warten? 7,21 In jener Stunde aber heilte er viele von Krankheiten und Plagen und bösen

Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht. 7,22 Jesus antwortete und sprach zu ihnen:

Geht hin und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: daß Blinde sehend werden,

Lahme gehen, Aussätzige gereinigt werden, Taube hören, Tote auferweckt werden, Armen gute

Botschaft verkündigt wird; 7,23 und glückselig ist, wer sich nicht an mir ärgern wird.

7,24 Als aber die Boten des Johannes weggegangen waren, fing er an, zu den Volksmengen über

Johannes zu reden: Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, vom Wind hin und

her bewegt? 7,25 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen

Kleidern angetan? Siehe, die in herrlicher Kleidung und in Üppigkeit leben, sind an den königlichen

Höfen. 7,26 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, sage ich euch, und

mehr als einen Propheten. 7,27 Dieser ist es, von dem geschrieben steht: `Siehe, ich sende meinen

Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird. 7,28 Denn ich sage euch:

Unter den von Frauen Geborenen ist kein größerer Prophet als Johannes der Täufer; aber der Kleinste

in dem Reich Gottes ist größer als er. 7,29 Und das ganze Volk, das zuhörte, und die Zöllner gaben

Gott recht, indem sie sich mit der Taufe des Johannes taufen ließen; 7,30 die Pharisäer aber und die

Gesetzesgelehrten machten den Ratschluß Gottes für sich selbst wirkungslos, indem sie sich nicht von

ihm taufen ließen. 7,31 Wem soll ich nun die Menschen dieses Geschlechts vergleichen? Und wem

sind sie gleich? 7,32 Sie sind Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und einander zurufen und

sagen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen,

und ihr habt nicht geweint. 7,33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen, der weder Brot aß noch

Wein trank, und ihr sagt: Er hat einen Dämon. 7,34 Der Sohn des Menschen ist gekommen, der da ißt

und trinkt, und ihr sagt: Siehe, ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund von Zöllnern und Sündern;

7,35 - und die Weisheit ist gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern.

Jesu Salbung durch eine Sünderin.

7,36 Es bat ihn aber einer der Pharisäer, daß er mit ihm essen möchte; und er ging in das Haus des

Pharisäers und legte sich zu Tisch. 7,37 Und siehe, [da war] eine Frau in der Stadt, die eine Sünderin

war; und als sie erfahren hatte, daß er in dem Haus des Pharisäers zu Tisch liege, brachte sie eine

Alabasterflasche mit Salböl, 7,38 trat von hinten an seine Füße heran, weinte und fing an, seine Füße

mit Tränen zu benetzen, und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes. [Dann] küßte sie seine Füße

und salbte sie mit dem Salböl. 7,39 Als aber der Pharisäer, der ihn geladen hatte, das sah, sprach er bei

sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so würde er erkennen, wer und was für eine Frau

[das ist], die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. 7,40 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm:

Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sagt: Lehrer, sprich! - 7,41 Ein Gläubiger hatte zwei

Schuldner; der eine schuldete fünfhundert Denare, der andere aber fünfzig; 7,42 da sie aber nicht

zahlen konnten, schenkte er es beiden. Wer nun von ihnen wird ihn am meisten lieben? 7,43 Simon

aber antwortete und sprach: Ich denke, dem er das meiste geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du

hast recht geurteilt. 7,44 Und sich zu der Frau wendend, sprach er zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich

bin in dein Haus gekommen, du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; sie aber hat meine

Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. 7,45 Du hast mir keinen Kuß gegeben; sie

aber hat, seitdem ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. 7,46 Du hast

mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat mit Salböl meine Füße gesalbt. 7,47 Deswegen sage ich

dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der

liebt wenig. 7,48 Er aber sprach zu ihr: Deine Sünden sind vergeben. 7,49 Und die mit zu Tisch lagen,

fingen an, bei sich selbst zu sagen: Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt? 7,50 Er sprach aber zu

der Frau: Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden!

Die Jüngerinnen Jesu.

Kapitel 8

8,1 Und es geschah danach, daß er nacheinander Städte und Dörfer durchzog, indem er predigte und

das Evangelium vom Reich Gottes verkündigte; und die Zwölf mit ihm, 8,2 und einige Frauen, die

von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der

sieben Dämonen ausgefahren waren, 8,3 und Johanna, die Frau des Chuza, des Verwalters Herodes},

und Susanna und viele andere, die ihnen mit ihrer Habe dienten.

Gleichnis vom Sämann.

Mt 13,1-23; Mk 4,1-20.

8,4 Als sich aber eine große Volksmenge versammelte und sie aus jeder Stadt zu ihm hinkamen,

sprach er in einem Gleichnis: 8,5 Der Sämann ging aus, seinen Samen zu säen; und indem er säte, fiel

einiges an den Weg, und es wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es auf. 8,6 Und

anderes fiel auf den Felsen; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 8,7 Und

anderes fiel mitten unter die Dornen; und indem die Dornen mit aufwuchsen, erstickten sie es. 8,8

Und anderes fiel in die gute Erde und ging auf und brachte hundertfache Frucht. Als er dies sagte, rief

er aus: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

8,9 Seine Jünger aber fragten ihn, was dieses Gleichnis bedeute. 8,10 Er aber sprach: Euch ist es

gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu wissen, den übrigen aber in Gleichnissen, damit sie

sehend nicht sehen und hörend nicht verstehen. 8,11 Dies aber ist die Bedeutung des Gleichnisses:

Der Same ist das Wort Gottes. 8,12 Die aber an dem Weg sind die, welche hören; dann kommt der

Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen weg, daß sie nicht glauben und errettet werden. 8,13

Die aber auf dem Felsen sind die, welche, wenn sie hören, das Wort mit Freuden aufnehmen; und

diese haben keine Wurzel; für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab. 8,14

Das aber unter die Dornen fiel, sind die, welche gehört haben und hingehen und durch Sorgen und

Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt werden und nichts zur Reife bringen. 8,15 Das in

der guten Erde aber sind die, welche in einem redlichen und guten Herzen das Wort, nachdem sie es

gehört haben, bewahren und Frucht bringen mit Ausharren.

Gleichnis von der Lampe.

Mk 4,21-25.

8,16 Niemand aber, der eine Lampe angezündet hat, bedeckt sie mit einem Gefäß oder stellt sie unter

ein Bett, sondern er stellt sie auf ein Lampengestell, damit die Hereinkommenden das Licht sehen.

8,17 Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, noch geheim, was nicht

kundwerden und ans Licht kommen soll. 8,18 Seht nun zu, wie ihr hört; denn wer hat, dem wird

gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird selbst, was er zu haben meint, genommen werden.

Die wahren Verwandten Jesu.

Mt 12,46-50; Mk 3,31-35.

8,19 Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm; und sie konnten wegen der Volksmenge

nicht zu ihm gelangen. 8,20 Und es wurde ihm berichtet: Deine Mutter und deine Brüder stehen

draußen und wollen dich sehen. 8,21 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und

meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und tun.

Stillung des Sturms.

Mt 8,23-27; Mk 4,35-41.

8,22 Und es geschah an einem der Tage, daß er in ein Schiff stieg, er und seine Jünger; und er sprach

zu ihnen: Laßt uns übersetzen an das jenseitige Ufer des Sees. Und sie fuhren ab. 8,23 Während sie

aber fuhren, schlief er ein. Und es fiel ein Sturmwind auf den See, und das Schiff füllte sich [mit

Wasser], und sie waren in Gefahr. 8,24 Sie traten aber hinzu und weckten ihn auf und sprachen:

Meister, Meister, wir kommen um! Er aber stand auf, bedrohte den Wind und das Gewoge des

Wassers; und sie legten sich, und es trat Stille ein. 8,25 Er aber sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube?

Erschrocken aber erstaunten sie und sagten zueinander: Wer ist denn dieser, daß er auch den Winden

und dem Wasser gebietet und sie ihm gehorchen?

Heilung eines besessenen Geraseners.

Mt 8,28-34; Mk 5,1-20.

8,26 Und sie fuhren nach der Landschaft der Gerasener, die Galiläa gegenüber liegt. 8,27 Als er aber

an das Land gestiegen war, kam ihm ein Mann aus der Stadt entgegen, der seit langer Zeit Dämonen

hatte und keine Kleider anzog und nicht im Haus blieb, sondern in den Grabstätten. 8,28 Als er aber

Jesus sah, schrie er auf und fiel vor ihm nieder und sprach mit lauter Stimme: Was habe ich mit dir zu

schaffen, Jesus, Sohn Gottes, des Höchsten? Ich bitte dich, quäle mich nicht. 8,29 Denn er hatte dem

unreinen Geist geboten, von dem Menschen auszufahren. Denn öfters hatte er ihn gepackt; und er war

gebunden worden, verwahrt mit Ketten und Fußfesseln, und er zerbrach die Fesseln und wurde von

dem Dämon in die Wüsteneien getrieben. 8,30 Jesus fragte ihn aber und sprach: Was ist dein Name?

Er aber sprach: Legion. Denn viele Dämonen waren in ihn gefahren. 8,31 Und sie baten ihn, daß er

ihnen nicht gebieten möchte, in den Abgrund zu fahren. 8,32 Es war aber dort eine Herde von vielen

Schweinen, die an dem Berg weideten. Und sie baten ihn, daß er ihnen erlauben möchte, in jene zu

fahren. Und er erlaubte es ihnen. 8,33 Die Dämonen aber fuhren von dem Menschen aus und fuhren in

die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See und ertrank. 8,34 Als aber die

Hüter sahen, was geschehen war, flohen sie und verkündeten es in der Stadt und auf dem Land. 8,35

Die Leute aber gingen hinaus, um zu sehen, was geschehen war. Und sie kamen zu Jesus und fanden

den Menschen, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bekleidet und vernünftig zu den Füßen

Jesu sitzen; und sie fürchteten sich. 8,36 Die es aber gesehen hatten, verkündeten ihnen, wie der

Besessene geheilt worden war. 8,37 Und die ganze Menge aus der Umgegend der Gerasener bat ihn,

von ihnen wegzugehen, denn sie waren von großer Furcht ergriffen. Er aber stieg in das Schiff und

kehrte wieder zurück. 8,38 Der Mann aber, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bat ihn, daß er

bei ihm bleiben dürfe. Er aber entließ ihn und sprach: 8,39 Kehre in dein Haus zurück und erzähle,

wieviel Gott an dir getan hat. Und er ging hin und rief aus durch die ganze Stadt, wieviel Jesus an ihm

getan hatte.

Heilung der blutflüssigen Frau -

Auferweckung der Tochter des Jairus.

Mt 9,18-26; Mk 5,21-43.

8,40 Es geschah aber, als Jesus zurückkehrte, nahm ihn das Volk auf, denn alle erwarteten ihn. 8,41

Und siehe, es kam ein Mann mit Namen Jairus - und er war Vorsteher der Synagoge - und fiel Jesus

zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen; 8,42 denn er hatte eine einzige Tochter von etwa

zwölf Jahren, und diese lag im Sterben. Während er aber hinging, drängte ihn die Volksmenge.

8,43 Und eine Frau, die seit zwölf Jahren mit einem Blutfluß behaftet war und, obgleich sie ihren

ganzen Lebensunterhalt an [die] Ärzte verwandt hatte, von niemand geheilt werden konnte, 8,44 kam

von hinten heran und rührte die Quaste seines Kleides an; und sogleich hörte ihr Blutfluß auf. 8,45

Und Jesus sprach: Wer ist es, der mich angerührt hat? Als aber alle es abstritten, sprach Petrus:

Meister, die Volksmengen drängen und drücken dich, und du sagst: Wer ist es, der mich angerührt

hat? 8,46 Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich habe gespürt, daß Kraft von mir

ausgegangen ist. 8,47 Als die Frau aber sah, daß sie nicht verborgen blieb, kam sie zitternd und fiel

vor ihm nieder und berichtete vor dem ganzen Volk, um welcher Ursache willen sie ihn angerührt

habe und wie sie sogleich geheilt worden sei. 8,48 Er aber sprach zu ihr: Tochter, dein Glaube hat

dich geheilt. Geh hin in Frieden!

8,49 Während er noch redete, kommt einer von dem [Haus des] Synagogenvorstehers und sagt zu

ihm: Deine Tochter ist gestorben, bemühe den Lehrer nicht. 8,50 Als aber Jesus es hörte, antwortete er

ihm: Fürchte dich nicht, glaube nur! Und sie wird gerettet werden. 8,51 Als er aber in das Haus kam,

erlaubte er niemand hineinzugehen, außer Petrus und Johannes und Jakobus und dem Vater des

Kindes und der Mutter. 8,52 Alle aber weinten und beklagten sie. Er aber sprach: Weint nicht, denn

sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft. 8,53 Und sie lachten ihn aus, da sie wußten, daß sie

gestorben war. 8,54 Als er aber alle hinausgetrieben hatte, ergriff er sie bei der Hand und rief und

sprach: Kind, steh auf! 8,55 Und ihr Geist kehrte zurück, und sogleich stand sie auf; und er befahl, ihr

zu essen zu geben. 8,56 Und ihre Eltern gerieten außer sich; er aber gebot ihnen, niemand zu sagen,

was geschehen war.

Aussendung der zwölf Apostel.

Mt 10,1.5-15; Mk 6,7-13; vgl. Kap. 10,1-12.

Kapitel 9

9,1 Als er aber die Zwölf zusammengerufen hatte, gab er ihnen Kraft und Vollmacht über alle

Dämonen und zur Heilung von Krankheiten. 9,2 Und er sandte sie, das Reich Gottes zu predigen und

die Kranken gesund zu machen. 9,3 Und er sprach zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg: weder

Stab, noch Tasche, noch Brot, noch Geld, noch soll jemand zwei Unterkleider haben. 9,4 Und in

welches Haus ihr eintretet, dort bleibt, und von da geht weiter. 9,5 Und wo immer sie euch nicht

aufnehmen werden - geht fort aus jener Stadt und schüttelt auch den Staub von euren Füßen, zum

Zeugnis gegen sie. 9,6 Sie gingen aber aus und durchzogen die Dörfer nacheinander, indem sie das

Evangelium verkündigten und überall heilten.

Jesus und Herodes.

Mt 14,1.2; Mk 6,14-16.

9,7 Es hörte aber Herodes, der Vierfürst, alles, was geschehen war, und er war in Verlegenheit, weil

von einigen gesagt wurde, daß Johannes aus den Toten auferweckt worden sei; 9,8 von einigen aber,

daß Elia erschienen, von anderen aber, daß einer der alten Propheten auferstanden sei. 9,9 Und

Herodes sprach: Johannes habe ich enthauptet. Wer aber ist dieser, von dem ich solches höre? Und er

suchte ihn zu sehen.

Speisung der Fünftausend.

Mt 14,13-21; Mk 6,30-44; Joh 6,1-14; vgl. Mt 15,32-39; Mk 8,1-9.

9,10 Und als die Apostel zurückkehrten, erzählten sie ihm alles, was sie getan hatten; und er nahm sie

mit und zog sich abseits zurück nach einer Stadt mit Namen Bethsaida. 9,11 Als aber die

Volksmengen es erfuhren, folgten sie ihm; und er nahm sie auf und redete zu ihnen vom Reich Gottes,

und die Heilung brauchten, machte er gesund. 9,12 Der Tag aber begann sich zu neigen, und die

Zwölf traten herbei und sprachen zu ihm: Entlaß die Volksmenge, daß sie in die Dörfer ringsum und

auf die Höfe gehen und Herberge und Speise finden; denn hier sind wir an einem öden Ort. 9,13 Er

aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie aber sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote

und zwei Fische, es sei denn, daß wir hingingen und für dieses ganze Volk Speise kauften. 9,14 Denn

es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Laßt sie sich reihenweise zu je

fünfzig lagern. 9,15 Und sie taten so und ließen alle sich lagern. 9,16 Er nahm aber die fünf Brote und

die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und segnete sie; und er brach sie und gab sie den Jüngern,

damit sie der Volksmenge vorlegten. 9,17 Und sie aßen und wurden alle gesättigt; und es wurde

aufgehoben, was ihnen an Brocken übriggeblieben war, zwölf Handkörbe [voll].

Das Bekenntnis des Petrus - Erste

Leidensankündigung - Bedingungen

der Nachfolge.

Mt 16,13-21; Mk 8,27-31.

9,18 Und es geschah, als er für sich allein betete, waren die Jünger bei ihm; und er fragte sie und

sprach: Was sagen die Volksmengen, wer ich bin? 9,19 Sie aber antworteten und sprachen: Johannes

der Täufer; andere aber: Elia; andere aber, daß einer der alten Propheten auferstanden sei. 9,20 Er

sprach aber zu ihnen: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Petrus aber antwortete und sprach: Der

Christus Gottes. 9,21 Er aber redete ihnen ernstlich zu und gebot ihnen, dies niemand zu sagen, 9,22

und sprach: Der Sohn des Menschen muß vieles leiden und verworfen werden von den Ältesten und

Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet und am dritten Tag auferweckt werden.

Mt 16,24-28; Mk 8,34-9,1.

9,23 Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme

sein Kreuz auf täglich und folge mir nach. 9,24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren;

wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten. 9,25 Denn was wird es einem

Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, sich selbst aber verlöre oder einbüßte? 9,26

Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen,

wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel. 9,27 Ich sage

euch aber in Wahrheit: Es sind einige unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken

werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben.

Die Verklärung Jesu.

Mt 17,1-9; Mk 9,2-10; 2Petr 1,16-18.

9,28 Es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten, daß er Petrus und Johannes und Jakobus

mitnahm und auf den Berg stieg, um zu beten. 9,29 Und als er betete, veränderte sich das Aussehen

seines Angesichts, und sein Gewand wurde weiß, strahlend. 9,30 Und siehe, zwei Männer redeten mit

ihm, es waren Mose und Elia. 9,31 Diese erschienen in Herrlichkeit und besprachen seinen Ausgang,

den er in Jerusalem erfüllen sollte. 9,32 Petrus aber und die mit ihm waren, waren beschwert vom

Schlaf; als sie aber völlig aufgewacht waren, sahen sie seine Herrlichkeit und die zwei Männer, die

bei ihm standen. 9,33 Und es geschah, als sie von ihm schieden, sprach Petrus zu Jesus: Meister, es ist

gut, daß wir hier sind; und laß uns drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine. Und er

wußte nicht, was er sagte. 9,34 Als er aber dies sagte, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie

fürchteten sich aber, als sie in die Wolke hineinkamen; 9,35 und es geschah eine Stimme aus der

Wolke, die sagte: Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn hört! 9,36 Und während die Stimme geschah,

war Jesus wieder allein. Und sie schwiegen und verkündeten in jenen Tagen niemand etwas von dem,

was sie gesehen hatten.

Heilung eines Fallsüchtigen.

Mt 17,14-21; Mk 9,14-29.

9,37 Es geschah aber am folgenden Tag, als sie von dem Berg herabgestiegen waren, da kam ihm eine

große Volksmenge entgegen. 9,38 Und siehe, ein Mann aus der Volksmenge rief laut und sprach:

Lehrer, ich bitte dich, blicke hin auf meinen Sohn, denn er ist mein einziger; 9,39 und siehe, ein Geist

ergreift ihn, und plötzlich schreit er, und er zerrt ihn unter Schäumen, und kaum einmal läßt er von

ihm ab, er reibt ihn auf. 9,40 Und ich bat deine Jünger, daß sie ihn austreiben möchten, und sie

konnten es nicht. 9,41 Jesus aber antwortete und sprach: O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht,

bis wann soll ich bei euch sein und euch ertragen? Bring deinen Sohn her! 9,42 Aber noch während er

herbeikam, warf ihn der Dämon nieder und zerrte ihn zusammen. Jesus aber bedrohte den unreinen

Geist und heilte den Knaben und gab ihn seinem Vater zurück. 9,43 Sie erstaunten aber alle sehr über

die herrliche Größe Gottes.

Zweite Leidensankündigung.

Mt 17,22.23; Mk 9,30-32.

Als sich aber alle verwunderten über alles, was er tat, sprach er zu seinen Jüngern: 9,44 Nehmt ihr

diese Worte in eure Ohren, nämlich daß der Sohn des Menschen überliefert werden wird in die Hände

der Menschen. 9,45 Sie aber verstanden dieses Wort nicht, und es war vor ihnen verborgen, daß sie es

nicht begriffen; und sie fürchteten sich, ihn über dieses Wort zu fragen.

Maßstäbe für wahre Größe und den

Dienst im Reich Gottes.

Mt 18,1-5; Mk 9,33-37.38-41.

9,46 Es stieg aber unter ihnen eine Überlegung auf, wer wohl der Größte unter ihnen sei. 9,47 Als

Jesus aber die Überlegung ihres Herzens erkannte, nahm er ein Kind und stellte es neben sich 9,48

und sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt mich auf, und wer

mich aufnehmen wird, nimmt den auf, der mich gesandt hat; denn wer der Kleinste ist unter euch

allen, der ist groß.

9,49 Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen jemand Dämonen austreiben in deinem

Namen und wir wehrten ihm, weil er [dir] nicht mit uns nachfolgt. 9,50 Und Jesus sprach zu ihm:

Wehrt nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch.

Aufbruch nach Jerusalem - Ablehnung

bei Samaritern.

9,51 Es geschah aber, als sich die Tage seiner Aufnahme erfüllten, da richtete er sein Angesicht fest

darauf, nach Jerusalem zu gehen. 9,52 Und er sandte Boten vor seinem Angesicht her; und sie gingen

hin und kamen in ein Dorf der Samariter, um für ihn [Unterkunft] zu bereiten. 9,53 Und sie nahmen

ihn nicht auf, weil sein Angesicht nach Jerusalem hin gerichtet war. 9,54 Als aber seine Jünger

Jakobus und Johannes das sahen, sprachen sie: Herr, willst du, daß wir sagen, daß Feuer vom Himmel

herabfallen und sie verzehren soll, wie auch Elia tat? 9,55 Er wandte sich aber um und schalt sie. 9,56

Und sie gingen nach einem anderen Dorf.

Rechte Nachfolge.

Mt 8,18-22.

9,57 Es geschah aber, als sie auf dem Weg dahinzogen, sprach einer zu ihm: Ich will dir nachfolgen,

wohin du auch gehst, Herr. 9,58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel

des Himmels Nester; aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege. 9,59 Er sprach

aber zu einem anderen: Folge mir nach! Der aber sprach: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und

meinen Vater zu begraben. 9,60 Jesus aber sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber

geh hin und verkündige das Reich Gottes. 9,61 Es sprach aber auch ein anderer: Ich will dir

nachfolgen, Herr; zuvor aber erlaube mir, Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Hause sind.

9,62 Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist

tauglich für das Reich Gottes.

Aussendung der siebzig Jünger.

vgl. Kap. 9,1-6; Mt 10,5-15; Mk 6,7-13.

Kapitel 10

10,1 Nach diesem aber bestellte der Herr auch siebzig andere und sandte sie zu je zwei vor seinem

Angesicht her in jede Stadt und jeden Ort, wohin er selbst kommen wollte. 10,2 Er sprach aber zu

ihnen: Die Ernte zwar ist groß, der Arbeiter aber sind wenige. Bittet nun den Herrn der Ernte, daß er

Arbeiter aussende in seine Ernte. 10,3 Geht hin! Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter

Wölfe. 10,4 Tragt weder Börse noch Tasche noch Sandalen, und grüßt niemand auf dem Weg. 10,5 In

welches Haus ihr aber eintretet, sprecht zuerst: Friede diesem Haus! 10,6 Und wenn dort ein Sohn des

Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, so wird er zu euch zurückkehren.

10,7 In diesem Haus aber bleibt, und eßt und trinkt, was sie haben; denn der Arbeiter ist seines

Lohnes wert. Geht nicht aus einem Haus in ein anderes. 10,8 Und in welche Stadt ihr kommt, und sie

nehmen euch auf, [da] eßt, was euch vorgesetzt wird, 10,9 und heilt die Kranken darin und sprecht zu

ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen. 10,10 In welche Stadt ihr aber gekommen seid,

und sie nehmen euch nicht auf, [da] geht hinaus auf ihre Straßen und sprecht: 10,11 Auch den Staub,

der uns aus eurer Stadt an den Füßen hängt, schütteln wir gegen euch ab; doch dies wißt, daß das

Reich Gottes nahe gekommen ist. 10,12 Ich sage euch, daß es Sodom an jenem Tag erträglicher

ergehen wird als jener Stadt.

Weherufe über unbußfertige Städte.

Mt 11,20-24.

10,13 Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke

geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie, in Sack und Asche sitzend, Buße

getan. 10,14 Doch Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen im Gericht als euch. 10,15 Und du,

Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen

werden. 10,16 Wer euch hört, hört mich; und wer euch verwirft, verwirft mich; wer aber mich

verwirft, verwirft den, der mich gesandt hat.

Rückkehr der Siebzig - Lobpreis des

Vaters.

Mt 11,25-27.

10,17 Die Siebzig aber kehrten mit Freuden zurück und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns

untertan in deinem Namen. 10,18 Er sprach aber zu ihnen: Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom

Himmel fallen. 10,19 Siehe, ich gebe euch die Macht, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und

über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch irgendwie schaden. 10,20 Doch darüber freut

euch nicht, daß euch die Geister untertan sind; freut euch aber, daß eure Namen in den Himmeln

angeschrieben sind. 10,21 In dieser Stunde frohlockte Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich,

Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast und

hast es Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. 10,22 Alles ist mir

übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt, wer der Sohn ist, als nur der Vater; und wer der

Vater ist, als nur der Sohn, und wem der Sohn [ihn] offenbaren will. 10,23 Und er wandte sich zu den

Jüngern allein und sprach: Glückselig die Augen, die sehen, was ihr seht! 10,24 Denn ich sage euch,

daß viele Propheten und Könige begehrt haben, zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen,

und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

Der barmherzige Samariter.

vgl. Mt 22,34-40; Mk 12,28-34.

10,25 Und siehe, ein Gesetzesgelehrter stand auf und versuchte ihn und sprach: Lehrer, was muß ich

getan haben, um ewiges Leben zu erben? 10,26 Er aber sprach zu ihm: Was steht in dem Gesetz

geschrieben? Wie liest du? 10,27 Er aber antwortete und sprach: `Du sollst den Herrn, deinen Gott,

lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit

deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst. 10,28 Er sprach aber zu ihm: Du hast

recht geantwortet; tu dies, und du wirst leben. 10,29 Indem er aber sich selbst rechtfertigen wollte,

sprach er zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? 10,30 Jesus aber erwiderte und sprach: Ein Mensch

ging von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter Räuber, die ihn auch auszogen und ihm Schläge

versetzten und weggingen und ihn halbtot liegen ließen. 10,31 Von ungefähr aber ging ein Priester

jenen Weg hinab; und als er ihn sah, ging er an der entgegengesetzten Seite vorüber. 10,32 Ebenso

aber kam auch ein Levit, der an den Ort gelangte und sah [ihn] und ging an der entgegengesetzten

Seite vorüber. 10,33 Aber ein Samariter, der auf der Reise war, kam zu ihm hin; und als er ihn sah,

wurde er innerlich bewegt; 10,34 und er trat hinzu und verband seine Wunden und goß Öl und Wein

darauf; und er setzte ihn auf sein eigenes Tier und führte ihn in eine Herberge und trug Sorge für ihn.

10,35 Und am folgenden Morgen zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Wirt und sprach: Trage

Sorge für ihn; und was du noch dazu verwenden wirst, werde ich dir bezahlen, wenn ich

zurückkomme. 10,36 Was meinst du, wer von diesen dreien der Nächste dessen gewesen ist, der unter

die Räuber gefallen war? 10,37 Er aber sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm übte. Jesus aber sprach

zu ihm: Geh hin und handle ebenso!

Martha und Maria.

10,38 Es geschah aber, als sie ihres Weges zogen, daß er in ein Dorf kam; und eine Frau mit Namen

Martha nahm ihn in ihr Haus auf. 10,39 Und diese hatte eine Schwester, genannt Maria, die sich auch

zu den Füßen Jesu niedersetzte und seinem Wort zuhörte. 10,40 Martha aber war sehr beschäftigt mit

vielem Dienen; sie trat aber hinzu und sprach: Herr, kümmert es dich nicht, daß meine Schwester

mich allein gelassen hat zu dienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfe! 10,41 Jesus aber antwortete und

sprach zu ihr: Martha, Martha! Du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; 10,42 eins aber ist

nötig. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das nicht von ihr genommen werden wird.

 

Vom Gebet.

V. 1-4: vgl. Mt 6,9-13; V. 5-13: vgl. Mt 7,7-11.

Kapitel 11

11,1 Und es geschah, als er an einem Ort war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner

Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte! 11,2 Er sprach aber zu

ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; 11,3 unser

nötiges Brot gib uns täglich; 11,4 und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben

jedem, der uns schuldig ist; und führe uns nicht in Versuchung. 11,5 Und er sprach zu ihnen: Wer von

euch wird einen Freund haben und wird um Mitternacht zu ihm gehen und zu ihm sagen: Freund,

leihe mir drei Brote, 11,6 da mein Freund von der Reise bei mir angekommen ist und ich nichts habe,

was ich ihm vorsetzen soll; 11,7 und jener würde von innen antworten und sagen: Mach mir keine

Mühe, die Tür ist schon geschlossen, und meine Kinder sind bei mir im Bett; ich kann nicht aufstehen

und dir geben? 11,8 Ich sage euch, wenn er auch nicht aufstehen und ihm geben wird, weil er sein

Freund ist, so wird er wenigstens um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel

er braucht. 11,9 Und ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet

finden; klopft an, und es wird euch aufgetan werden. 11,10 Denn jeder Bittende empfängt, und der

Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden. 11,11 Wo ist unter euch ein Vater,

den der Sohn um einen Fisch bitten wird - er wird ihm statt des Fisches doch nicht eine Schlange

geben? 11,12 Oder auch, wenn er um ein Ei bäte - er wird ihm doch nicht einen Skorpion geben?

11,13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird

der Vater, der vom Himmel [gibt], den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Dämonenaustreibung.

Mt 12,22-37; Mk 3,22-30.

11,14 Und er trieb einen Dämon aus, der stumm war. Es geschah aber, als der Dämon ausgefahren

war, redete der Stumme; und die Volksmengen wunderten sich. 11,15 Einige aber von ihnen sagten:

Durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. 11,16 Andere aber

versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen aus dem Himmel. 11,17 Da er aber ihre Gedanken

wußte, sprach er zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst entzweit ist, wird verwüstet, und Haus

gegen Haus [entzweit], stürzt ein. 11,18 Wenn aber auch der Satan mit sich selbst entzweit ist, wie

wird sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, daß ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe. 11,19

Wenn aber ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum

werden sie eure Richter sein. 11,20 Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so

ist also das Reich Gottes zu euch gekommen. 11,21 Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht,

so ist seine Habe in Frieden; 11,22 wenn aber ein Stärkerer als er über ihn kommt und ihn besiegt, so

nimmt er seine ganze Waffenrüstung weg, auf die er vertraute, und seine Beute verteilt er. 11,23 Wer

nicht mit mir ist, ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.

Von der Rückkehr unreiner Geister.

Mt 12,43-45.

11,24 Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Orte und

sucht Ruhe; und da er sie nicht findet, spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, von wo ich

ausgegangen bin. 11,25 Und wenn er kommt, findet er es gekehrt und geschmückt. 11,26 Dann geht

er hin und nimmt sieben andere Geister mit, schlimmer als er selbst, und sie gehen hinein und wohnen

dort; und das Ende jenes Menschen wird ärger als der Anfang.

Wahre Glückseligkeit.

11,27 Es geschah aber, als er dies sagte, da erhob eine Frau aus der Volksmenge ihre Stimme und

sprach zu ihm: Glückselig der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast! 11,28 Er

aber sprach: Gewiß, doch glückselig, die das Wort Gottes hören und befolgen!

Das Zeichen Jonas.

Mt 12,38-42.

11,29 Als aber die Volksmengen sich herzudrängten, fing er an, zu sagen: Dieses Geschlecht ist ein

böses Geschlecht; es fordert ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das

Zeichen Jonas. 11,30 Denn wie Jona den Niniviten ein Zeichen war, so wird es auch der Sohn des

Menschen diesem Geschlecht sein. 11,31 Eine Königin des Südens wird auftreten im Gericht mit den

Männern dieses Geschlechts und wird sie verdammen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die

Weisheit Salomos zu hören; und siehe, hier ist mehr als Salomo. 11,32 Männer von Ninive werden

aufstehen im Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße auf die

Predigt Jonas hin; und siehe, hier ist mehr als Jona.

Gleichnis vom Auge.

vgl. Mt 5,15; 6,22.23.

11,33 Niemand aber, der eine Leuchte angezündet hat, stellt sie ins Versteck, noch unter den Scheffel,

sondern auf das Lampengestell, damit die Hereinkommenden den Schein sehen. 11,34 Die Leuchte

des Leibes ist dein Auge; wenn dein Auge lauter ist, so ist auch dein ganzer Leib licht; wenn es aber

böse ist, so ist auch dein Leib finster. 11,35 Sieh nun zu, daß das Licht, welches in dir ist, nicht

Finsternis ist. 11,36 Wenn nun dein ganzer Leib licht ist und keinen finsteren Teil hat, so wird er ganz

licht sein, wie wenn die Leuchte mit ihrem Strahl dich beleuchtete.

Weherufe gegen die Pharisäer und

Schriftgelehrten.

vgl. Mt 23,4-7.23-36.

11,37 Als er aber redete, bat ihn ein Pharisäer, daß er bei ihm zu Mittag essen möchte; er ging aber

hinein und legte sich zu Tisch. 11,38 Als aber der Pharisäer es sah, wunderte er sich, daß er sich nicht

erst vor dem Essen gewaschen hatte. 11,39 Der Herr aber sprach zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, ihr

reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, euer Inneres aber ist voller Raub und Bosheit. 11,40

Toren! Hat nicht der, welcher das Äußere gemacht hat, auch das Innere gemacht? 11,41 Gebt jedoch

als Almosen, was darin ist, und siehe, alles ist euch rein. 11,42 Aber wehe euch Pharisäern! Denn ihr

verzehntet die Minze und die Raute und alles Kraut und übergeht das Gericht und die Liebe Gottes;

diese Dinge hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen. 11,43 Wehe euch Pharisäern! Denn ihr liebt

den ersten Sitz in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten. 11,44 Wehe euch! Denn ihr

seid wie die Grüfte, die verborgen sind, und die Menschen, die darüber hingehen, wissen es nicht.

11,45 Aber einer der Gesetzesgelehrten antwortete und spricht zu ihm: Lehrer, indem du dies sagst,

schmähst du auch uns. 11,46 Er aber sprach: Auch euch Gesetzesgelehrten wehe! Denn ihr belastet

die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten, und selbst rührt ihr die Last nicht mit einem eurer

Finger an. 11,47 Wehe euch! Denn ihr baut die Grabmäler der Propheten, eure Väter aber haben sie

getötet. 11,48 So gebt ihr Zeugnis und stimmt den Werken eurer Väter bei; denn sie haben sie getötet,

ihr aber baut ihre Grabmäler. 11,49 Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten

und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und vertreiben, 11,50 damit das

Blut aller Propheten, das von Grundlegung der Welt an vergossen worden ist, von diesem Geschlecht

gefordert werde: 11,51 von dem Blut Abels an bis zu dem Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar

und dem Haus umkam; ja, sage ich euch, es wird von diesem Geschlecht gefordert werden. 11,52

Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst

seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert. 11,53 Als er aber dies zu

ihnen sagte, fingen die Schriftgelehrten und die Pharisäer an, hart auf ihn einzudringen und ihn über

vieles auszufragen; 11,54 und sie lauerten auf ihn, etwas aus seinem Mund zu erjagen.

Warnung vor Heuchelei - Ermutigung zu

furchtlosem Bekenntnis - Warnung vor

Lästerung des Geistes.

vgl. Mt 10,26-33.

Kapitel 12

12,1 Als sich unterdessen viele Tausende der Volksmenge versammelt hatten, so daß sie einander

traten, fing er an, zuerst zu seinen Jüngern zu sagen: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das

heißt vor der Heuchelei. 12,2 Es ist aber nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und verborgen, was

nicht erkannt werden wird; 12,3 deswegen wird alles, was ihr in der Finsternis gesprochen haben

werdet, im Licht gehört werden, und was ihr ins Ohr gesprochen haben werdet in den Kammern, wird

auf den Dächern ausgerufen werden.

12,4 Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach

diesem nichts weiter zu tun vermögen. 12,5 Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet

den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet. 12,6

Werden nicht fünf Sperlinge für zwei Pfennig verkauft? Und nicht einer von ihnen ist vor Gott

vergessen. 12,7 Aber selbst die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. So fürchtet euch nun nicht; ihr

seid mehr als viele Sperlinge. 12,8 Ich sage euch aber: Jeder, der mich vor den Menschen bekennen

wird, den wird auch der Sohn des Menschen vor den Engeln Gottes bekennen; 12,9 wer mich aber vor

den Menschen verleugnet haben wird, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden.

12,10 Und jeder, der ein Wort sagen wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden;

dem aber, der gegen den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben werden. 12,11 Wenn sie euch

aber vor die Synagogen und die Obrigkeiten und die Machthaber führen, so sorgt nicht, wie oder

womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; 12,12 denn der Heilige Geist wird euch in jener

Stunde lehren, was ihr sagen sollt.

Gleichnis vom reichen Toren.

12,13 Einer aus der Volksmenge aber sprach zu ihm: Lehrer, sage meinem Bruder, daß er das Erbe

mit mir teile. 12,14 Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zu einem Richter oder [Erb]teiler

über euch gesetzt? 12,15 Er sprach aber zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht, denn

auch wenn jemand Überfluß hat, besteht sein Leben nicht durch seine Habe. 12,16 Er sagte aber ein

Gleichnis zu ihnen und sprach: Das Land eines reichen Menschen trug viel ein. 12,17 Und er

überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wohin ich meine Früchte

einsammeln soll. 12,18 Und er sprach: Dies will ich tun: ich will meine Scheunen niederreißen und

größere bauen und will dahin all mein Korn und meine Güter einsammeln; 12,19 und ich will zu

meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter daliegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iß, trink, sei

fröhlich! 12,20 Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir

fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein? 12,21 So ist, der für sich Schätze sammelt

und nicht reich ist im Blick auf Gott.

Warnung vor Sorgen.

vgl. Mt 6,19-21.25-34.

12,22 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für das Leben, was

ihr essen, noch für den Leib, was ihr anziehen sollt. 12,23 Das Leben ist mehr als die Nahrung und der

Leib mehr als die Kleidung. 12,24 Betrachtet die Raben, die nicht säen noch ernten, die weder

Vorratskammer noch Scheune haben, und Gott ernährt sie. Wieviel seid ihr mehr als die Vögel! 12,25

Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen? 12,26 Wenn ihr nun

auch das geringste nicht könnt, warum seid ihr um das übrige besorgt? 12,27 Betrachtet die Lilien,

wie sie wachsen; sie mühen sich nicht und spinnen auch nicht. Ich sage euch aber, selbst Salomo in all

seiner Herrlichkeit war nicht bekleidet wie eine von ihnen. 12,28 Wenn aber Gott das Gras, das heute

auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch,

Kleingläubige! 12,29 Und ihr, trachtet nicht [danach], was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und

seid nicht in Unruhe; 12,30 denn nach diesem allen trachten die Nationen der Welt; euer Vater aber

weiß, daß ihr dies benötigt. 12,31 Trachtet jedoch nach seinem Reich, und dies wird euch hinzugefügt

werden. 12,32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das

Reich zu geben. 12,33 Verkauft eure Habe und gebt Almosen; macht euch Beutel, die nicht veralten,

einen unvergänglichen Schatz in den Himmeln, wo kein Dieb sich naht und keine Motte zerstört.

12,34 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

Ermahnung zur Wachsamkeit und Treue

- Gleichnis vom treuen und untreuen

Knecht.

vgl. Mt 24,42-51.

12,35 Es seien eure Lenden umgürtet und die Lampen brennend; 12,36 und ihr, seid Menschen gleich,

die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen mag von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und

anklopft, sie ihm sogleich aufmachen. 12,37 Glückselig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt,

wachend finden wird! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich umgürten und sie sich zu Tisch legen

lassen und wird hinzutreten und sie bedienen. 12,38 Und wenn er in der zweiten Wache kommt und in

der dritten Wache kommt und findet sie so - glückselig sind jene! 12,39 Dies aber erkennt: Wenn der

Hausherr gewußt hätte, zu welcher Stunde der Dieb kommen würde, so hätte er gewacht und nicht

erlaubt, daß sein Haus durchgraben würde. 12,40 Auch ihr, seid bereit! Denn der Sohn des Menschen

kommt in der Stunde, da ihr es nicht meint.

12,41 Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagst du dieses Gleichnis zu uns oder auch zu allen? 12,42 Der

Herr aber sprach: Wer ist nun der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde setzen

wird, um [ihm] die zugemessene Speise zu geben zur rechten Zeit? 12,43 Glückselig jener Knecht,

den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird! 12,44 In Wahrheit sage ich euch, daß er

ihn über seine ganze Habe setzen wird. 12,45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein

Herr läßt sich Zeit mit dem Kommen, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen

und zu trinken und sich zu berauschen, 12,46 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag,

an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn entzweischneiden und

ihm sein Teil setzen mit den Ungläubigen. 12,47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn

wußte und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen [Schlägen]

geschlagen werden; 12,48 wer ihn aber nicht wußte, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit

wenigen geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist - viel wird von ihm verlangt werden;

und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern.

Entzweiung um Jesu willen.

vgl. Mt 10,34-36.

12,49 Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie wünschte ich, es wäre schon

angezündet! 12,50 Ich habe aber eine Taufe, womit ich getauft werden muß, und wie bin ich bedrängt,

bis sie vollbracht ist! 12,51 Denkt ihr, daß ich gekommen sei, Frieden auf der Erde zu geben? Nein,

sage ich euch, sondern vielmehr Entzweiung. 12,52 Denn es werden von nun an fünf in einem Haus

entzweit sein; drei werden mit zweien und zwei mit dreien entzweit sein: 12,53 Vater mit Sohn und

Sohn mit Vater, Mutter mit Tochter und Tochter mit der Mutter, Schwiegermutter mit ihrer

Schwiegertochter und Schwiegertochter mit der Schwiegermutter.

Zeichen der Zeit - Ermahnung zur

Versöhnung und Buße - Gleichnis vom

Feigenbaum.

Mt 16,1-3.

12,54 Er sprach aber auch zu den Volksmengen: Wenn ihr eine Wolke von Westen aufsteigen seht, so

sagt ihr sogleich: Ein Regenguß kommt. Und es geschieht so. 12,55 Und wenn [ihr] den Südwind

wehen [seht], so sagt ihr: Es wird Hitze geben. Und es geschieht. 12,56 Heuchler! Das Aussehen der

Erde und des Himmels wißt ihr zu beurteilen. Wie aber kommt es, daß ihr diese Zeit nicht beurteilt?

V. 57-59: Mt 5,25.26.

12,57 Warum richtet ihr aber auch von euch selbst aus nicht, was recht ist? 12,58 Denn wenn du mit

deinem Gegner vor die Obrigkeit gehst, so gib dir auf dem Weg Mühe, von ihm loszukommen, damit

er dich nicht etwa zu dem Richter hinschleppe; und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener

überliefern und der Gerichtsdiener dich ins Gefängnis werfen. 12,59 Ich sage dir: Du wirst nicht von

dort herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlt hast.

Kapitel 13

13,1 Zu dieser Zeit waren aber einige zugegen, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut

Pilatus mit ihren Schlachtopfern vermischt hatte. 13,2 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Meint

ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder waren, weil sie dies erlitten haben? 13,3 Nein, sage

ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen. 13,4 Oder jene

achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und sie tötete: meint ihr, daß sie vor allen Menschen, die in

Jerusalem wohnen, Schuldner waren? 13,5 Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut,

werdet ihr alle ebenso umkommen.

13,6 Er sagte aber dieses Gleichnis: Es hatte jemand einen Feigenbaum, der in seinem Weinberg

gepflanzt war; und er kam und suchte Frucht an ihm und fand keine. 13,7 Er sprach aber zu dem

Weingärtner: Siehe, drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine.

Hau ihn ab! Wozu macht er auch das Land unbrauchbar? 13,8 Er aber antwortet und sagt zu ihm:

Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn graben und Dünger legen werde; 13,9 und wenn er etwa

Frucht bringen wird, [gut], wenn aber nicht, so magst du ihn künftig abhauen.

Heilung einer Frau am Sabbat.

13,10 Er lehrte aber am Sabbat in einer der Synagogen. 13,11 Und siehe, da war eine Frau, die

achtzehn Jahre einen Geist der Schwäche hatte; und sie war zusammengekrümmt und gänzlich

unfähig, sich aufzurichten. 13,12 Als aber Jesus sie sah, rief er ihr zu und sprach zu ihr: Frau, du bist

gelöst von deiner Schwäche! 13,13 Und er legte ihr die Hände auf, und sofort wurde sie gerade und

verherrlichte Gott. 13,14 Der Synagogenvorsteher aber, unwillig, daß Jesus am Sabbat heilte, begann

und sprach zu der Volksmenge: Sechs Tage sind es, an denen man arbeiten soll; an diesen nun kommt

und laßt euch heilen und nicht am Tag des Sabbats. 13,15 Der Herr nun antwortete ihm und sprach:

Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und

führt ihn hin und tränkt ihn? 13,16 Diese aber, die eine Tochter Abrahams ist, die der Satan gebunden

hat, siehe, achtzehn Jahre lang, sollte sie nicht von dieser Fessel gelöst werden am Tag des Sabbats?

13,17 Und als er dies sagte, wurden alle seine Widersacher beschämt; und die ganze Volksmenge

freute sich über all die herrlichen Dinge, die durch ihn geschahen.

Gleichnisse vom Senfkorn und

Sauerteig.

Mt 13,31-33; Mk 4,30-34.

13,18 Er sprach aber: Wem ist das Reich Gottes gleich, und wem soll ich es vergleichen? 13,19 Es

gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten warf; und es wuchs und wurde zu

einem großen Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.

13,20 Und wieder sprach er: Wem soll ich das Reich Gottes vergleichen? 13,21 Es gleicht einem

Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.

 

Die enge Pforte - Erste und Letzte.

13,22 Und lehrend durchzog er nacheinander Städte und Dörfer und reiste nach Jerusalem. 13,23 Es

sprach aber jemand zu ihm: Herr, sind es wenige, die errettet werden? Er aber sprach zu ihnen: 13,24

Ringt danach, durch die enge Pforte einzugehen; denn viele, sage ich euch, werden einzugehen suchen

und werden es nicht vermögen. 13,25 Sobald der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen

hat und ihr anfangen werdet, draußen zu stehen und an der Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, tu uns

auf! wird er antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht [und weiß nicht], woher ihr seid.

13,26 Dann werdet ihr anfangen, zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf

unseren Straßen hast du gelehrt. 13,27 Und er wird sagen: Ich sage euch, ich kenne euch nicht [und

weiß nicht], woher ihr seid. Weicht von mir, alle ihr Übeltäter! 13,28 Da wird das Weinen und das

Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes

sehen werdet, euch aber draußen hinausgeworfen. 13,29 Und sie werden kommen von Osten und

Westen und von Norden und Süden und zu Tisch liegen im Reich Gottes. 13,30 Und siehe, es sind

Letzte, die Erste sein werden, und es sind Erste, die Letzte sein werden.

Klage über Jerusalem.

vgl. Mt 23,37-39.

13,31 In derselben Stunde kamen einige Pharisäer herbei und sagten zu ihm: Geh hinaus und zieh fort,

denn Herodes will dich töten. 13,32 Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe,

ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten [Tag] werde ich

vollendet. 13,33 Doch ich muß heute und morgen und am folgenden [Tag] wandern; denn es geht

nicht an, daß ein Prophet außerhalb Jerusalems umkomme. 13,34 Jerusalem, Jerusalem, das da tötet

die Propheten und steinigt, die zu ihm gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln

wollen wie eine Henne ihre Brut unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt! 13,35 Siehe, euer Haus

wird euch überlassen. Ich sage euch aber: Ihr werdet mich nicht sehen, bis es geschieht, daß ihr

sprecht: `Gepriesen [sei], der da kommt im Namen des Herrn!

Heilung eines Wassersüchtigen am

Sabbat.

Kapitel 14

14,1 Und es geschah, als er am Sabbat in das Haus eines der Obersten der Pharisäer kam, um zu

essen, daß sie auf ihn lauerten. 14,2 Und siehe, ein wassersüchtiger Mensch war vor ihm. 14,3 Und

Jesus begann und sprach zu den Gesetzesgelehrten und Pharisäern und sagte: Ist es erlaubt, am Sabbat

zu heilen? 14,4 Sie aber schwiegen. Und er faßte ihn an und heilte ihn und entließ ihn. 14,5 Und er

sprach zu ihnen: Wer unter euch, dessen Sohn oder Ochse in einen Brunnen fällt, zieht ihn nicht

sogleich heraus am Tag des Sabbats? 14,6 Und sie konnten ihm darauf nicht antworten.

Warnung vor Ehrsucht.

14,7 Er sprach aber zu den Eingeladenen ein Gleichnis, als er bemerkte, wie sie die ersten Plätze

wählten, und sagte zu ihnen: 14,8 Wenn du von jemandem zur Hochzeit geladen wirst, so lege dich

nicht auf den ersten Platz, damit nicht etwa ein Geehrterer als du von ihm geladen sei 14,9 und der,

welcher dich und ihn geladen hat, komme und zu dir spreche: Mach diesem Platz! Und dann wirst du

anfangen, mit Schande den letzten Platz einzunehmen. 14,10 Sondern wenn du geladen bist, so geh

hin und lege dich auf den letzten Platz, damit, wenn der, welcher dich geladen hat, kommt, er zu dir

spreche: Freund, rücke höher hinauf. Dann wirst du Ehre haben vor allen, die mit dir zu Tisch liegen;

14,11 Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird

erhöht werden.

14,12 Er sprach aber auch zu dem, der ihn geladen hatte: Wenn du ein Mittags- oder ein Abendmahl

machst, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche

Nachbarn, damit nicht etwa auch sie dich wiederladen und dir Vergeltung zuteil werde. 14,13 Sondern

wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde, 14,14 und glückselig wirst du sein,

weil sie nichts haben, um dir zu vergelten; denn es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung

der Gerechten.

Gleichnis vom großen Abendmahl.

vgl. Mt 22,2-10.

14,15 Als aber einer von denen, die mit zu Tisch lagen, dies hörte, sprach er zu ihm: Glückselig, wer

essen wird im Reich Gottes! 14,16 Er aber sprach zu ihm: Ein Mensch machte ein großes Abendmahl

und lud viele. 14,17 Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Abendmahls, um den Geladenen zu

sagen: Kommt, denn schon ist alles bereit. 14,18 Und sie fingen alle ohne Ausnahme an, sich zu

entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß notwendig ausgehen

und ihn besehen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. 14,19 Und ein anderer sprach: Ich habe

fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe hin, sie zu erproben; ich bitte dich, halte mich für

entschuldigt. 14,20 Und ein anderer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet, und darum kann ich nicht

kommen. 14,21 Und der Knecht kam herbei und berichtete dies seinem Herrn. Da wurde der Hausherr

zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh eilends hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und

bringe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden hier herein. 14,22 Und der Knecht sprach:

Herr, es ist geschehen, wie du befohlen hast, und es ist noch Raum. 14,23 Und der Herr sprach zu dem

Knecht: Geh hinaus auf die Wege und Zäune und nötige [sie] hereinzukommen, daß mein Haus voll

werde; 14,24 denn ich sage euch, daß nicht einer jener Männer, die geladen waren, mein Abendmahl

schmecken wird.

Bedingungen der Nachfolge.

14,25 Es ging aber eine große Volksmenge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:

14,26 Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und

seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht

mein Jünger sein; 14,27 und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger

sein. 14,28 Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet

die Kosten, ob er [das Nötige] zur Ausführung habe? 14,29 Damit nicht etwa, wenn er den Grund

gelegt hat und nicht vollenden kann, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten, 14,30 und sagen:

Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden. 14,31 Oder welcher König, der

auszieht, um sich mit einem anderen König in Krieg einzulassen, setzt sich nicht zuvor hin und

ratschlagt, ob er imstande sei, dem mit zehntausend entgegenzutreten, der gegen ihn mit

zwanzigtausend anrückt? 14,32 Wenn aber nicht, so sendet er, während er noch fern ist, eine

Gesandtschaft und bittet um die Friedensbedingungen. 14,33 So kann nun keiner von euch, der nicht

allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein. 14,34 Das Salz ist gut; wenn aber auch das Salz kraftlos

geworden ist, womit soll es gewürzt werden? 14,35 Es ist weder für das Land noch für den Dünger

tauglich; man wirft es hinaus. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Gleichnisse vom verlorenen Schaf und

von der verlorenen Drachme.

V. 1-7: vgl. Mt 18,11-13.

Kapitel 15

15,1 Es nahten aber zu ihm alle Zöllner und Sünder, ihn zu hören; 15,2 und die Pharisäer und die

Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt Sünder auf und ißt mit ihnen. 15,3 Er sprach

aber zu ihnen dieses Gleichnis und sagte: 15,4 Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat

und eins von ihnen verloren hat, läßt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen

nach, bis er es findet? 15,5 Und wenn er es gefunden hat, so legt er es mit Freuden auf seine

Schultern; 15,6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und die Nachbarn zusammen und

spricht zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 15,7 Ich

sage euch: So wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, [mehr] als über

neunundneunzig Gerechte, die die Buße nicht nötig haben.

15,8 Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht, wenn sie eine Drachme verliert, eine

Lampe an und kehrt das Haus und sucht sorgfältig, bis sie sie findet? 15,9 Und wenn sie sie gefunden

hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und spricht: Freut euch mit mir, denn ich

habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte. 15,10 So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln

Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Gleichnis vom verlorenen Sohn.

15,11 Er sprach aber: Ein Mensch hatte zwei Söhne; 15,12 und der jüngere von ihnen sprach zu dem

Vater: Vater, gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt. Und er teilte ihnen die Habe. 15,13

Und nach nicht vielen Tagen brachte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste weg in ein fernes

Land, und dort vergeudete er sein Vermögen, indem er verschwenderisch lebte. 15,14 Als er aber alles

verzehrt hatte, kam eine gewaltige Hungersnot über jenes Land, und er selbst fing an, Mangel zu

leiden. 15,15 Und er ging hin und hängte sich an einen der Bürger jenes Landes, der schickte ihn auf

seine Äcker, Schweine zu hüten. 15,16 Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die

die Schweine fraßen; und niemand gab ihm. 15,17 Als er aber in sich ging, sprach er: Wie viele

Tagelöhner meines Vaters haben Überfluß an Brot, ich aber komme hier um vor Hunger. 15,18 Ich

will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt

gegen den Himmel und vor dir, 15,19 ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen, mach mich wie

einen deiner Tagelöhner. 15,20 Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch

fern war, sah ihn sein Vater und wurde innerlich bewegt und lief hin und fiel ihm um seinen Hals und

küßte ihn zärtlich. 15,21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel

und vor dir, ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen. 15,22 Der Vater aber sprach zu seinen

Sklaven: Bringt das beste Kleid her und zieht es ihm an und tut einen Ring an seine Hand und

Sandalen an seine Füße; 15,23 und bringt das gemästete Kalb her und schlachtet es, und laßt uns essen

und fröhlich sein! 15,24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, war

verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

15,25 Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld; und als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er

Musik und Reigen. 15,26 Und er rief einen der Sklaven herbei und erkundigte sich, was das wäre.

15,27 Der aber sprach zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb

geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat. 15,28 Er aber wurde zornig und wollte nicht

hineingehen. Sein Vater aber ging hinaus und redete ihm zu. 15,29 Er aber antwortete und sprach zu

dem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir, und niemals habe ich ein Gebot von dir übertreten; und

mir hast du niemals ein Böckchen gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre; 15,30 da aber

dieser dein Sohn gekommen ist, der deine Habe mit Huren durchgebracht hat, hast du ihm das

gemästete Kalb geschlachtet. 15,31 Er aber sprach zu ihm: Kind, du bist allezeit bei mir, und alles,

was mein ist, ist dein. 15,32 Es geziemte sich aber, fröhlich zu sein und sich zu freuen; denn dieser

dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden und verloren und ist gefunden worden.

Gleichnis vom ungerechten Verwalter.

Kapitel 16

16,1 Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte; und

dieser wurde bei ihm angeklagt, als verschwende er seine Habe. 16,2 Und er rief ihn und sprach zu

ihm: Was ist es, das ich von dir höre? Lege die Rechnung von deiner Verwaltung ab, denn du wirst

nicht mehr Verwalter sein können. 16,3 Der Verwalter aber sprach bei sich selbst: Was soll ich tun?

Denn mein Herr nimmt mir die Verwaltung ab. Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich.

16,4 Ich weiß, was ich tun werde, damit sie mich, wenn ich der Verwaltung enthoben bin, in ihre

Häuser aufnehmen. 16,5 Und er rief jeden einzelnen der Schuldner seines Herrn herbei und sprach zu

dem ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? 16,6 Der aber sprach: Hundert Bat Öl. Und er

sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und setze dich schnell hin und schreibe fünfzig. 16,7

Danach sprach er zu einem anderen: Du aber, wieviel bist du schuldig? Der aber sprach: Hundert Kor

Weizen. Und er spricht zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und schreibe achtzig. 16,8 Und der Herr

lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Söhne dieser Welt sind klüger

als die Söhne des Lichts gegen ihr eigenes Geschlecht. 16,9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde

mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, man euch aufnehme in die ewigen

Zelte. 16,10 Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist,

ist auch in vielem ungerecht. 16,11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen

seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen? 16,12 Und wenn ihr mit dem Fremden nicht treu

gewesen seid, wer wird euch das Eure geben? 16,13 Kein Haussklave kann zwei Herren dienen; denn

entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den

anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Gesetz und Evangelium.

16,14 Dies alles hörten aber auch die Pharisäer, die geldliebend waren, und sie verhöhnten ihn. 16,15

Und er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die sich selbst rechtfertigen vor den Menschen, Gott aber kennt

eure Herzen; denn was unter den Menschen hoch ist, ist ein Greuel vor Gott. 16,16 Das Gesetz und

die Propheten [gehen] bis auf Johannes; von da an wird das Evangelium des Reiches Gottes

verkündigt, und jeder dringt mit Gewalt hinein. 16,17 Es ist aber leichter, daß der Himmel und die

Erde vergehen, als daß ein Strichlein des Gesetzes wegfalle. 16,18 Jeder, der seine Frau entläßt und

eine andere heiratet, begeht Ehebruch; und jeder, der die von einem Mann Entlassene heiratet, begeht

Ehebruch.

Der reiche Mann und der arme Lazarus.

16,19 Es war aber ein reicher Mann, und er kleidete sich in Purpur und feine Leinwand und lebte alle

Tage fröhlich und in Prunk. 16,20 Ein Armer aber, mit Namen Lazarus, lag an dessen Tor, voller

Geschwüre, 16,21 und er begehrte, sich mit den Abfällen vom Tisch des Reichen zu sättigen; aber

auch die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre. 16,22 Es geschah aber, daß der Arme starb und

von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde

begraben. 16,23 Und als er im Hades seine Augen aufschlug und in Qualen war, sieht er Abraham von

fern und Lazarus in seinem Schoß. 16,24 Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich

meiner und sende Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge

kühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme. 16,25 Abraham aber sprach: Kind, gedenke, daß du dein

Gutes völlig empfangen hast in deinem Leben und Lazarus ebenso das Böse; jetzt aber wird er hier

getröstet, du aber leidest Pein. 16,26 Und zu diesem allen ist zwischen uns und euch eine große Kluft

festgelegt, damit die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, es nicht können, noch die, welche

von dort zu uns herüberkommen wollen. 16,27 Er sprach aber: Ich bitte dich nun, Vater, daß du ihn in

das Haus meines Vaters sendest, 16,28 denn ich habe fünf Brüder, daß er ihnen ernstlich Zeugnis

gebe, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen. 16,29 Abraham aber spricht zu ihm: Sie

haben Mose und die Propheten; mögen sie die hören. 16,30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham,

sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, so werden sie Buße tun. 16,31 Er sprach aber zu

ihm: Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn

jemand aus den Toten aufersteht.

Warnung vor Verführung zur Sünde -

Ermahnungen vom Vergeben, Glauben

und Dienen.

Kapitel 17

17,1 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, daß nicht Verführungen kommen. Wehe aber

dem, durch den sie kommen! 17,2 Es wäre ihm nützlicher, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt

und er ins Meer geworfen würde, als daß er einem dieser Kleinen Anlaß zur Sünde gäbe!

17,3 Habt acht auf euch selbst: Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht, und wenn er es

bereut, so vergib ihm. 17,4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir

umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben.

17,5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Mehre uns den Glauben! 17,6 Der Herr aber sprach:

Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen:

Entwurzele dich und pflanze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen.

17,7 Wer aber von euch, der einen Sklaven hat, der pflügt oder hütet, wird zu ihm, wenn er vom Feld

hereinkommt, sagen: Komm und leg dich sogleich zu Tisch? 17,8 Wird er nicht vielmehr zu ihm

sagen: Richte zu, was ich zu Abend essen soll, und gürte dich und diene mir, bis ich gegessen und

getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken? 17,9 Dankt er etwa dem Sklaven, daß er das

Befohlene getan hat? Ich meine nicht. 17,10 So sprecht auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch

befohlen ist: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Heilung von zehn Aussätzigen.

17,11 Und es geschah, als er nach Jerusalem reiste, daß er mitten durch Samaria und Galiläa ging.

17,12 Und als er in ein Dorf einzog, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von fern standen.

17,13 Und sie erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! 17,14 Und als

er [sie] sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie

hingingen, wurden sie gereinigt. 17,15 Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, daß er geheilt

war, und verherrlichte Gott mit lauter Stimme; 17,16 und er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und

dankte ihm; und das war ein Samariter. 17,17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die Zehn

gereinigt worden? Wo sind die Neun? 17,18 Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um

Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremdling? 17,19 Und er sprach zu ihm: Steh auf und geh hin!

Dein Glaube hat dich gerettet.

Das Reich Gottes und der Tag des

Menschensohnes.

V. 22-36: vgl. Mt 24,17.18.23-28.37-41.

17,20 Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er

ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, daß man es beobachten könnte; 17,21 noch wird

man sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. 17,22 Er

sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen der Tage des

Sohnes des Menschen zu sehen, und ihr werdet [ihn] nicht sehen. 17,23 Und man wird zu euch sagen:

Siehe hier! oder: Siehe dort! Geht nicht hin, folgt auch nicht. 17,24 Denn wie der Blitz blitzend

leuchtet von einem [Ende] unter dem Himmel bis zum anderen [Ende] unter dem Himmel, so wird der

Sohn des Menschen sein an seinem Tag. 17,25 Vorher aber muß er vieles leiden und verworfen

werden von diesem Geschlecht. 17,26 Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein

in den Tagen des Sohnes des Menschen: 17,27 sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden

verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte. 17,28

Ebenso auch, wie es geschah in den Tagen Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie

pflanzten, sie bauten; 17,29 an dem Tag aber, da Lot von Sodom ausging, regnete es Feuer und

Schwefel vom Himmel und brachte alle um. 17,30 Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des

Menschen geoffenbart wird. 17,31 An jenem Tag - wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im

Haus hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich ebensowenig

zurück. 17,32 Gedenkt an Lots Frau! 17,33 Wer sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; und wer

es verliert, wird es erhalten. 17,34 Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein;

einer wird genommen und der andere gelassen werden. 17,35 Zwei werden zusammen mahlen, die

eine wird genommen, die andere gelassen werden. 17,36 Und sie antworten und sagen zu ihm: Wo,

Herr? Er aber sprach zu ihnen: Wo der Leichnam ist, da sammeln sich auch die Adler.

Gleichnis vom ungerechten Richter.

Kapitel 18

18,1 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, daß sie allezeit beten und nicht ermatten sollten,

18,2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und vor keinem Menschen

sich scheute. 18,3 Es war aber eine Witwe in jener Stadt; und sie kam zu ihm und sprach: Schaffe mir

Recht gegenüber meinem Widersacher. 18,4 Und eine Zeitlang wollte er nicht; danach aber sprach er

bei sich selbst: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und vor keinem Menschen mich scheue, 18,5 so will

ich doch, weil diese Witwe mir Mühe macht, ihr Recht verschaffen, daß sie nicht am Ende komme

und mir ins Gesicht fahre. 18,6 Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt. 18,7 Gott

aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und

sollte er es bei ihnen lange hinziehen? 18,8 Ich sage euch, daß er ihr Recht ohne Verzug ausführen

wird. Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?

Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner.

18,9 Er sprach aber auch zu einigen, die auf sich selbst vertrauten, daß sie gerecht seien, und die

übrigen für nichts achteten, dieses Gleichnis: 18,10 Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um

zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. 18,11 Der Pharisäer stand und betete bei

sich selbst so: O Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie die übrigen der Menschen: Räuber,

Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. 18,12 Ich faste zweimal in der Woche, ich

verzehnte alles, was ich erwerbe. 18,13 Und der Zöllner stand von fern und wollte sogar die Augen

nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: O Gott, sei mir, dem Sünder,

gnädig! 18,14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus im Gegensatz zu jenem;

denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht

werden.

Jesus und die Kinder.

Mt 19,13-15; Mk 10,13-16.

18,15 Sie brachten aber auch die [kleinen] Kinder zu ihm, daß er sie anrühre. Als aber die Jünger es

sahen, fuhren sie sie an. 18,16 Jesus aber rief sie herbei und sprach: Laßt die Kinder zu mir kommen

und wehrt ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. 18,17 Wahrlich, ich sage euch: Wer das

Reich Gottes nicht aufnehmen wird wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.

Frage eines Reichen nach dem ewigen

Leben.

Mt 19,16-30; Mk 10,17-31.

18,18 Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Lehrer, was muß ich getan haben, um ewiges

Leben zu erben? 18,19 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als nur

einer, Gott. 18,20 Die Gebote weißt du: `Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst

nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis geben; ehre deinen Vater und deine Mutter. 18,21 Er

aber sprach: Dies alles habe ich befolgt von meiner Jugend an. 18,22 Als aber Jesus dies hörte, sprach

er zu ihm: Eins fehlt dir noch: verkaufe alles, was du hast, und verteile es an die Armen, und du wirst

einen Schatz in den Himmeln haben, und komm, folge mir nach! 18,23 Als er aber dies hörte, wurde

er sehr betrübt, denn er war sehr reich. 18,24 Als aber Jesus sah, daß er sehr betrübt wurde, sprach er:

Wie schwer werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes kommen! 18,25 Denn es ist leichter,

daß ein Kamel durch ein Nadelöhr eingeht, als daß ein Reicher in das Reich Gottes kommt. 18,26 Es

sprachen aber, die es hörten: Und wer kann [dann] errettet werden? 18,27 Er aber sprach: Was bei

Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott. 18,28 Petrus aber sprach: Siehe, wir haben alles

verlassen und sind dir nachgefolgt. 18,29 Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist

niemand, der Haus oder Eltern oder Brüder oder Frau oder Kinder verlassen hat um des Reiches

Gottes willen, 18,30 der nicht Vielfältiges empfangen wird in dieser Zeit und in dem kommenden

Zeitalter ewiges Leben.

Dritte Leidensankündigung.

Mt 20,17-19; Mk 10,32-34.

18,31 Er nahm aber die Zwölf zu sich und sprach zu ihnen: Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem,

und es wird alles vollendet werden, was durch die Propheten auf den Sohn des Menschen hin

geschrieben ist; 18,32 denn er wird den Nationen überliefert werden und wird verspottet und

geschmäht und angespien werden; 18,33 und wenn sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten, und

am dritten Tag wird er auferstehen. 18,34 Und sie verstanden nichts von diesen Dingen, und dieses

Wort war vor ihnen verborgen, und sie begriffen das Gesagte nicht.

Heilung eines Blinden.

Mt 20,29-34; Mk 10,46-52; vgl. Mt 9,27-31; Mk 8,22-26.

18,35 Es geschah aber, als er Jericho nahte, saß ein Blinder bettelnd am Weg. 18,36 Und als er eine

Volksmenge vorbeiziehen hörte, erkundigte er sich, was das sei. 18,37 Sie verkündeten ihm aber, daß

Jesus, der Nazoräer, vorübergehe. 18,38 Und er rief und sprach: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich

meiner! 18,39 Und die Vorangehenden bedrohten ihn, daß er schweigen sollte; er aber schrie um so

mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner! 18,40 Jesus aber blieb stehen und befahl, daß man ihn zu

ihm führe. Als er sich aber näherte, fragte er ihn: 18,41 Was willst du, daß ich dir tun soll? Er aber

sprach: Herr, daß ich sehend werde! 18,42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat

dich geheilt. 18,43 Und sofort wurde er sehend, folgte ihm nach und verherrlichte Gott. Und das

ganze Volk, das es sah, gab Gott Lob.

Zachäus, der Oberzöllner.

Kapitel 19

19,1 Und er ging hinein und zog durch Jericho. 19,2 Und siehe, [da war] ein Mann mit Namen

Zachäus, und der war ein Oberzöllner und war reich. 19,3 Und er suchte Jesus zu sehen, wer er sei;

und er konnte es nicht vor der Volksmenge, denn er war klein von Gestalt. 19,4 Und er lief voraus und

stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, damit er ihn sehe; denn er sollte dort durchkommen. 19,5 Und

als er an den Ort kam, sah Jesus auf und erblickte ihn und sprach zu ihm: Zachäus, steige eilends

herab, denn heute muß ich in deinem Haus bleiben. 19,6 Und er stieg eilends herab und nahm ihn auf

mit Freuden. 19,7 Und als sie es sahen, murrten alle und sagten: Er ist eingekehrt, um bei einem

sündigen Mann zu herbergen. 19,8 Zachäus aber stand und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die

Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich von jemand etwas durch falsche Anklage

genommen habe, so erstatte ich es vierfach. 19,9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Haus

Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist; 19,10 denn der Sohn des Menschen ist

gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist.

Gleichnis von den anvertrauten

Pfunden.

vgl. Mt 25,14-30.

19,11 Während sie aber dies hörten, fügte er noch ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem

war, und sie meinten, daß das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte. 19,12 Er sprach nun: Ein

hochgeborener Mann zog in ein fernes Land, um ein Reich für sich zu empfangen und

wiederzukommen. 19,13 Er berief aber zehn seiner Knechte und gab ihnen zehn Pfunde und sprach zu

ihnen: Handelt [damit], bis ich [wieder-]komme. 19,14 Seine Bürger aber haßten ihn und schickten

eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, daß dieser über uns König sei.

19,15 Und es geschah, als er zurückkam, nachdem er das Reich empfangen hatte, da sagte er, man

solle diese Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, zu ihm rufen, damit er erführe, was ein jeder

erhandelt habe. 19,16 Der erste aber kam herbei und sagte: Herr, dein Pfund hat zehn Pfunde

hinzugewonnen. 19,17 Und er sprach zu ihm: Recht so, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu

warst, sollst du Vollmacht über zehn Städte haben. 19,18 Und der zweite kam und sagte: Herr, dein

Pfund hat fünf Pfunde eingetragen. 19,19 Er sprach aber auch zu diesem: Und du, sei über fünf Städte.

19,20 Und ein anderer kam und sagte: Herr, siehe, [hier ist] dein Pfund, das ich in einem Schweißtuch

verwahrt hielt; 19,21 denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist: du nimmst, was du nicht

hingelegt, und du erntest, was du nicht gesät hast. 19,22 Er spricht zu ihm: Aus deinem Mund werde

ich dich richten, du böser Knecht! Du wußtest, daß ich ein strenger Mann bin, der ich nehme, was ich

nicht hingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe? 19,23 Und warum hast du mein Geld nicht in

eine Bank gegeben, und wenn ich kam, hätte ich es mit Zinsen eingefordert? 19,24 Und er sprach zu

den Dabeistehenden: Nehmt das Pfund von ihm und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat. 19,25 Und

sie sprachen zu ihm: Herr, er hat [ja schon] zehn Pfunde! 19,26 Ich sage euch: Jedem, der da hat, wird

gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen

werden. 19,27 Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie König würde, bringt her

und erschlagt sie vor mir.

Einzug in Jerusalem - Ankündigung der

Zerstörung Jerusalems.

V. 28-40: Mt 21,1-11; Mk 11,1-10; Joh 12,12-19.

19,28 Und als er dies gesagt hatte, zog er voran und ging hinauf nach Jerusalem. 19,29 Und es

geschah, als er Bethphage und Bethanien nahte, gegen den Berg hin, der Ölberg genannt wird, sandte

er zwei seiner Jünger 19,30 und sprach: Geht hin in das Dorf gegenüber, und wenn ihr hineinkommt,

werdet ihr ein Fohlen darin angebunden finden, auf dem kein Mensch je gesessen hat; bindet es los

und führt es [her]. 19,31 Und wenn jemand euch fragt: Warum bindet ihr es los? sprecht so zu ihm:

Der Herr braucht es. 19,32 Und die Abgesandten gingen hin und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte.

19,33 Als sie aber das Fohlen losbanden, sprachen dessen Herren zu ihnen: Warum bindet ihr das

Fohlen los? 19,34 Sie aber sprachen: Der Herr braucht es. 19,35 Und sie führten es zu Jesus; und sie

warfen ihre Kleider auf das Fohlen und setzten Jesus darauf. 19,36 Während er aber hinzog, breiteten

sie ihre Kleider aus auf den Weg. 19,37 Und als er sich schon dem Abhang des Ölbergs nahte, fing die

ganze Menge der Jünger an, mit lauter Stimme freudig Gott zu loben über alle die Wunderwerke, die

sie gesehen hatten, 19,38 und sie sagten: `Gepriesen [sei] der König, der da kommt im Namen des

Herrn! Friede im Himmel und Herrlichkeit in der Höhe! 19,39 Und einige der Pharisäer aus der

Volksmenge sprachen zu ihm: Lehrer, weise deine Jünger zurecht. 19,40 Und er antwortete und

sprach zu ihnen: Ich sage euch, wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien.

19,41 Und als er sich näherte und die Stadt sah, weinte er über sie, 19,42 und sprach: Wenn auch du

an diesem Tag erkannt hättest, was zu deinem Frieden dient! Jetzt aber ist es vor deinen Augen

verborgen. 19,43 Denn Tage werden über dich kommen, da werden deine Feinde einen Wall um dich

aufschütten und dich umzingeln und dich von allen Seiten einengen; 19,44 und sie werden dich und

deine Kinder in dir zu Boden werfen und werden in dir nicht einen Stein auf dem anderen lassen,

dafür daß du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.

Tempelreinigung - Die Frage nach der

Vollmacht Jesu.

Mt 21,12-16; Mk 11,15-18; vgl. Joh 2,13-17.

19,45 Und als er in den Tempel eingetreten war, fing er an, die Verkäufer auszutreiben, 19,46 und

sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: `Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es zu einer

`Räuberhöhle gemacht.

19,47 Und er lehrte täglich im Tempel; die Hohenpriester aber und die Schriftgelehrten und die Ersten

des Volkes suchten ihn umzubringen. 19,48 Und sie fanden nicht, was sie tun sollten, denn das ganze

Volk hing ihm an und hörte auf ihn.

Mt 21,23-27; Mk 11,27-33.

Kapitel 20

20,1 Und es geschah an einem der Tage, als er das Volk im Tempel lehrte und das Evangelium

verkündigte, da traten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten mit den Ältesten herbei 20,2 und

sprachen zu ihm und sagten: Sage uns, in welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Oder wer ist es, der

dir diese Vollmacht gegeben hat? 20,3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein

Wort fragen; und sagt mir: 20,4 War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? 20,5

Sie aber überlegten miteinander und sprachen: Wenn wir sagen: vom Himmel, so wird er sagen:

Warum habt ihr ihm nicht geglaubt? 20,6 Wenn wir aber sagen: von Menschen, so wird das ganze

Volk uns steinigen, denn es ist überzeugt, daß Johannes ein Prophet ist. 20,7 Und sie antworteten, sie

wüßten nicht, woher. 20,8 Und Jesus sprach zu ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher

Vollmacht ich dies tue.

Gleichnis von den Weingärtnern.

Mt 21,33-46; Mk 12,1-12.

20,9 Er fing aber an, zu dem Volk dieses Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg

und verpachtete ihn an Weingärtner und reiste für lange Zeit außer Landes. 20,10 Und zur bestimmten

Zeit sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm von der Frucht des Weinbergs gäben;

die Weingärtner aber schlugen ihn und schickten ihn leer fort. 20,11 Und er fuhr fort und sandte einen

anderen Knecht; sie aber schlugen auch den und behandelten ihn verächtlich und schickten ihn leer

fort. 20,12 Und er fuhr fort und sandte einen dritten; sie aber verwundeten auch diesen und warfen ihn

hinaus. 20,13 Der Herr des Weinbergs aber sprach: Was soll ich tun? Ich will meinen geliebten Sohn

senden; vielleicht, wenn sie diesen sehen, werden sie sich scheuen. 20,14 Als aber die Weingärtner

ihn sahen, überlegten sie miteinander und sagten: Dieser ist der Erbe; laßt uns ihn töten, daß das Erbe

unser werde. 20,15 Und als sie ihn aus dem Weinberg hinausgeworfen hatten, töteten sie ihn. Was

wird nun der Herr des Weinbergs ihnen tun? 20,16 Er wird kommen und diese Weingärtner

umbringen und den Weinberg anderen geben. Als sie aber [das] hörten, sprachen sie: Das sei fern!

20,17 Er aber sah sie an und sprach: Was ist denn das, was geschrieben steht: `Der Stein, den die

Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden? 20,18 Jeder, der auf jenen Stein fällt, wird

zerschmettert werden; auf wen er aber fallen wird, den wird er zermalmen. 20,19 Und die

Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten zu dieser Stunde die Hände an ihn zu legen - und sie

fürchteten das Volk -; denn sie erkannten, daß er dieses Gleichnis auf sie hin gesagt hatte.

Die Frage nach der Steuer.

Mt 22,15-22; Mk 12,13-17.

20,20 Und sie beobachteten [ihn] und sandten Auflauerer aus, die sich stellten, als ob sie fromm

wären, um ihn in der Rede zu fangen, damit sie ihn der Obrigkeit und der Macht des Statthalters

überliefern könnten. 20,21 Und sie fragten ihn und sagten: Lehrer, wir wissen, daß du recht redest und

lehrst und die Person nicht ansiehst, sondern den Weg Gottes in Wahrheit lehrst. 20,22 Ist es uns

erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? 20,23 Aber er nahm ihre Arglist wahr und sprach zu

ihnen: Was versucht ihr mich? 20,24 Zeigt mir einen Denar! Wessen Bild und Aufschrift hat er? Sie

aber antworteten und sprachen: Des Kaisers. 20,25 Er aber sprach zu ihnen: Gebt daher dem Kaiser,

was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. 20,26 Und sie konnten ihn in [seinem] Wort vor dem

Volk nicht fangen; und sie verwunderten sich über seine Antwort und schwiegen.

Die Frage nach der Auferstehung.

Mt 22,23-33; Mk 12,18-27.

20,27 Es kamen aber einige der Sadduzäer herbei, die einwenden, es gebe keine Auferstehung, und

fragten ihn 20,28 und sagten: Lehrer, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt, der

eine Frau hat und ist kinderlos, daß sein Bruder die Frau nehme und seinem Bruder

Nachkommenschaft erwecke. 20,29 Es waren nun sieben Brüder. Und der erste nahm eine Frau und

starb kinderlos; 20,30 und der zweite 20,31 und der dritte nahm sie; ebenso aber auch die sieben, sie

hinterließen keine Kinder und starben. 20,32 Zuletzt aber starb auch die Frau. 20,33 In der

Auferstehung nun, wessen Frau von ihnen wird sie sein? Denn die sieben hatten sie zur Frau. 20,34

Und Jesus sprach zu ihnen: Die Söhne dieser Welt heiraten und werden verheiratet; 20,35 die aber

würdig geachtet werden, jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten, heiraten

nicht, noch werden sie verheiratet; 20,36 denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind

Engeln gleich und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind. 20,37 Daß aber die Toten

auferstehen, hat auch Mose beim Dornbusch angedeutet, wenn er den Herrn `den Gott Abrahams und

den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. 20,38 Er ist aber nicht Gott der Toten, sondern der

Lebenden; denn für ihn leben alle. 20,39 Einige der Schriftgelehrten aber antworteten und sprachen:

Lehrer, du hast gut gesprochen. 20,40 Denn sie wagten nicht mehr, ihn über irgend etwas zu befragen.

Die Frage nach dem Christus.

Mt 22,41-46; Mk 12,35-37.

20,41 Er aber sprach zu ihnen: Wie sagen sie, daß der Christus Davids Sohn sei, 20,42 und David

selbst sagt im Buch der Psalmen: `Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,

20,43 bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege? 20,44 David also nennt ihn Herr. Und wie

ist er sein Sohn?

Warnung vor den Schriftgelehrten.

Mt 23,1-7; Mk 12,38-40.

20,45 Während aber das ganze Volk zuhörte, sprach er zu seinen Jüngern: 20,46 Hütet euch vor den

Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und die Begrüßungen auf den Märkten

lieben und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern; 20,47 die die

Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein lange Gebete halten. Diese werden ein schwereres

Gericht empfangen.

Die Gabe der armen Witwe.

Mk 12,41-44.

Kapitel 21

21,1 Er blickte aber auf und sah die Reichen ihre Gaben in den Schatzkasten legen. 21,2 Er sah aber

auch eine arme Witwe zwei Scherflein dort einlegen. 21,3 Und er sprach: In Wahrheit sage ich euch,

daß diese arme Witwe mehr eingelegt hat als alle. 21,4 Denn alle diese haben von ihrem Überfluß

eingelegt zu den Gaben; diese aber hat aus ihrem Mangel heraus den ganzen Lebensunterhalt, den sie

hatte, eingelegt.

Endzeitrede: Tempelzerstörung und

Drangsale der Endzeit - Ankunft des

Menschensohnes

Mt 24,1-30; Mk 13,1-26.

21,5 Und als einige von dem Tempel sagten, daß er mit schönen Steinen und Weihgeschenken

geschmückt sei, sprach er: 21,6 Diese Dinge, die ihr seht: Tage werden kommen, in denen nicht ein

Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht abgebrochen werden wird. 21,7 Sie fragten ihn aber

und sagten: Lehrer, wann wird denn dies sein, und was ist das Zeichen, wann dies geschehen soll?

21,8 Er aber sprach: Seht zu, daß ihr nicht verführt werdet! Denn viele werden unter meinem Namen

kommen und sagen: Ich bin}s, und die Zeit ist nahe gekommen! Geht ihnen nicht nach! 21,9 Wenn ihr

aber von Kriegen und Empörungen hören werdet, so erschreckt nicht; denn dies muß zuvor

geschehen, aber das Ende ist nicht sogleich da. 21,10 Dann sprach er zu ihnen: Es wird sich Nation

gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich; 21,11 und es werden große Erdbeben sein

an verschiedenen Orten und Hungersnöte und Seuchen; auch Schrecknisse und große Zeichen vom

Himmel wird es geben. 21,12 Vor diesem allem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch

verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und

Statthalter zu führen um meines Namens willen. 21,13 Es wird euch aber zu einem Zeugnis

ausschlagen. 21,14 Setzt es nun fest in euren Herzen, nicht vorher darauf zu sinnen, wie ihr euch

verantworten sollt, 21,15 denn ich werde euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher

nicht werden widersprechen oder widerstehen können. 21,16 Ihr werdet aber sogar von Eltern und

Brüdern und Verwandten und Freunden überliefert werden, und sie werden einige von euch töten;

21,17 und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. 21,18 Und nicht ein Haar

von eurem Haupt wird verloren gehen. 21,19 Gewinnt eure Seelen durch euer Ausharren. 21,20 Wenn

ihr aber Jerusalem von Heerscharen umzingelt seht, dann erkennt, daß seine Verwüstung nahe

gekommen ist. 21,21 Dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen und die in seiner Mitte sind,

daraus entweichen, und die auf dem Land sind, nicht dort hineingehen. 21,22 Denn dies sind Tage der

Rache, daß alles erfüllt werde, was geschrieben steht. 21,23 Wehe aber den Schwangeren und den

Stillenden in jenen Tagen! Denn große Not wird über dem Land sein und Zorn über diesem Volk.

21,24 Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt werden unter

alle Nationen; und Jerusalem wird zertreten werden von den Nationen, bis die Zeiten der Nationen

erfüllt sein werden. 21,25 Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen und auf der

Erde Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit bei brausendem Meer und Wasserwogen, 21,26

während die Menschen verschmachten vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis

kommen, denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. 21,27 Und dann werden sie den

Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit. 21,28 Wenn

aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure

Erlösung naht.

Endzeitrede: Ermahnung zur

Wachsamkeit.

V. 29-33: Mt 24,32-35; Mk 13,28-31.

21,29 Und er sprach ein Gleichnis zu ihnen: Seht den Feigenbaum und alle Bäume; 21,30 wenn sie

schon ausschlagen, so erkennt ihr von selbst, da ihr es seht, daß der Sommer schon nahe ist. 21,31 So

erkennt auch ihr, wenn ihr dies geschehen seht, daß das Reich Gottes nahe ist. 21,32 Wahrlich, ich

sage euch, daß dieses Geschlecht nicht vergehen wird, bis alles geschehen ist. 21,33 Der Himmel und

die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. 21,34 Hütet euch aber, daß eure

Herzen nicht etwa beschwert werden durch Völlerei und Trunkenheit und Lebenssorgen und jener

Tag plötzlich über euch hereinbricht; 21,35 denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf

dem ganzen Erdboden ansässig sind. 21,36 Wacht nun und betet zu aller Zeit, daß ihr würdig geachtet

werdet, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen.

Anschlag der Hohenpriester und Verrat

des Judas.

21,37 Er lehrte aber des Tages in dem Tempel, und des Nachts ging er hinaus und übernachtete auf

dem Berg, der Ölberg genannt wird. 21,38 Und das ganze Volk kam frühmorgens im Tempel zu ihm,

ihn zu hören.

Mt 26,1-5.14-16; Mk 14,1.2.10.11.

Kapitel 22

22,1 Es nahte aber das Fest der ungesäuerten Brote, das Passah genannt wird. 22,2 Und die

Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn umbringen könnten, denn sie fürchteten

das Volk. 22,3 Aber Satan fuhr in Judas mit Beinamen Iskariot, der aus der Zahl der Zwölf war. 22,4

Und er ging hin und besprach sich mit den Hohenpriestern und Hauptleuten, wie er ihn an sie

überliefere. 22,5 Und sie waren erfreut und kamen überein, ihm Geld zu geben. 22,6 Und er versprach

es und suchte eine Gelegenheit, um ihn ohne Volksauflauf an sie zu überliefern.

 

lassen sich Wohltäter nennen. 22,26 Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch sei wie der

Jüngste und der Leiter wie der Dienende. 22,27 Denn wer ist größer, der zu Tisch Liegende oder der

Dienende? Nicht der zu Tisch Liegende? Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende. 22,28 Ihr aber

seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen; 22,29 und ich verordne euch, wie

mein Vater mir verordnet hat, ein Reich, 22,30 daß ihr eßt und trinkt an meinem Tisch in meinem

Reich und auf Thronen sitzt, die zwölf Stämme Israels zu richten.

V. 31-34: Mt 26,31-35; Mk 14,27-31; Joh 13,36-38.

22,31 Der Herr aber sprach: Simon, Simon! Siehe, der Satan hat euer begehrt, euch zu sichten wie den

Weizen. 22,32 Ich aber habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht aufhöre; und wenn du einst

zurückgekehrt bist, so stärke deine Brüder. 22,33 Er aber sprach zu ihm: Herr, mit dir bin ich bereit,

auch ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. 22,34 Er aber sprach: Ich sage dir, Petrus, der Hahn

wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, daß du mich kennst. 22,35 Und er sprach zu

ihnen: Als ich euch ohne Börse und Tasche und Sandalen sandte, mangelte euch wohl etwas? Sie aber

sagten: Nichts. 22,36 Er sprach nun zu ihnen: Aber jetzt, wer eine Börse hat, der nehme sie und

ebenso eine Tasche, und wer nicht hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert; 22,37 denn ich

sage euch, daß noch dieses, was geschrieben steht, an mir erfüllt werden muß: `Und er ist unter die

Gesetzlosen gerechnet worden; denn auch das, was mich betrifft, hat eine Vollendung. 22,38 Sie aber

sprachen: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.

Gethsemane.

Mt 26,30.36-46; Mk 14,26.32-42.

22,39 Und er ging hinaus und begab sich der Gewohnheit nach zum Ölberg; es folgten ihm aber auch

die Jünger. 22,40 Als er aber an den Ort gekommen war, sprach er zu ihnen: Betet, daß ihr nicht in

Versuchung kommt! 22,41 Und er zog sich ungefähr einen Steinwurf weit von ihnen zurück und

kniete nieder, betete 22,42 und sprach: Vater, wenn du diesen Kelch von mir wegnehmen willst - doch

nicht mein Wille, sondern der deine geschehe! 22,43 Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel,

der ihn stärkte. 22,44 Und als er in ringendem Kampf war, betete er heftiger. Es wurde aber sein

Schweiß wie große Blutstropfen, die auf die Erde herabfielen. 22,45 Und er stand auf vom Gebet, kam

zu den Jüngern und fand sie eingeschlafen vor Traurigkeit. 22,46 Und er sprach zu ihnen: Was schlaft

ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!

Gefangennahme.

Mt 26,47-56; Mk 14,43-50; Joh 18,2-12.

22,47 Während er noch redete, siehe, [da kam] eine Volksmenge, und der, welcher Judas hieß, einer

von den Zwölfen, ging vor ihnen her und nahte Jesus, um ihn zu küssen. 22,48 Jesus aber sprach zu

ihm: Judas, überlieferst du den Sohn des Menschen mit einem Kuß? 22,49 Als aber die, welche um

ihn waren, sahen, was es werden würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert

dreinschlagen? 22,50 Und einer von ihnen schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das

rechte Ohr ab. 22,51 Jesus aber antwortete und sprach: Laßt es so weit! Und er rührte sein Ohr an und

heilte ihn. 22,52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und Ältesten,

die gegen ihn gekommen waren: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber, mit Schwertern und

Stöcken? 22,53 Als ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr die Hände nicht gegen mich

ausgestreckt; aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.

Verleugnung durch Petrus.

Mt 26,57.58.69-75; Mk 14,53.54.66-72; Joh 18,13-18.25-27.

22,54 Sie ergriffen ihn aber und führten ihn hin und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters.

Petrus aber folgte von fern. 22,55 Als sie aber mitten im Hof ein Feuer angezündet und sich

zusammengesetzt hatten, setzte sich Petrus in ihre Mitte. 22,56 Es sah ihn aber eine Magd bei dem

Feuer sitzen und blickte ihn scharf an und sprach: Auch dieser war mit ihm. 22,57 Er aber leugnete

und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. 22,58 Und kurz danach sah ihn ein anderer und sprach: Auch du

bist [einer] von ihnen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin}s nicht. 22,59 Und nach Verlauf von etwa

einer Stunde behauptete ein anderer und sagte: In Wahrheit, auch dieser war mit ihm, denn er ist auch

ein Galiläer. 22,60 Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und sogleich, während

er noch redete, krähte der Hahn. 22,61 Und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an; und Petrus

gedachte an das Wort des Herrn, wie er zu ihm sagte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal

verleugnen. 22,62 Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

Vor dem Hohen Rat.

Mt 26,59-68; 27,1; Mk 14,55-65; 15,1; Joh 18,19-24.

22,63 Und die Männer, die ihn festhielten, verspotteten und schlugen ihn. 22,64 Und als sie ihn

verhüllt hatten, fragten sie ihn und sprachen: Weissage, wer ist es, der dich schlug? 22,65 Und vieles

andere sagten sie lästernd gegen ihn.

22,66 Und als es Tag wurde, versammelte sich die Ältestenschaft des Volkes, Hohepriester wie

Schriftgelehrte, und führten ihn hin in ihren Hohen Rat 22,67 und sagten: Wenn du der Christus bist,

so sage es uns. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich es euch sage, so würdet ihr nicht glauben; 22,68

wenn ich aber fragen würde, so würdet ihr mir nicht antworten. 22,69 Von nun an aber wird der Sohn

des Menschen sitzen zur Rechten der Macht Gottes. 22,70 Sie sprachen aber alle: Du bist also der

Sohn Gottes? Er aber sprach zu ihnen: Ihr sagt, daß ich es bin. 22,71 Sie aber sprachen: Was brauchen

wir noch Zeugnis? Denn wir selbst haben es aus seinem Mund gehört.

Anklage vor Pilatus und Herodes.

V. 1-5: Mt 27,2.11-14; Mk 15,1-5; Joh 18,28-38.

Kapitel 23

23,1 Und die ganze Menge derselben stand auf, und sie führten ihn zu Pilatus. 23,2 Sie fingen aber an,

ihn zu verklagen, und sagten: Diesen haben wir befunden als einen, der unsere Nation verführt und

wehrt, dem Kaiser Steuer zu geben, indem er sagt, daß er selbst Christus, ein König, sei. 23,3 Pilatus

aber fragte ihn und sprach: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete ihm und sprach: Du sagst

es. 23,4 Pilatus aber sprach zu den Hohenpriestern und den Volksmengen: Ich finde keine Schuld an

diesem Menschen. 23,5 Sie aber bestanden darauf und sagten: Er wiegelt das Volk auf und lehrt durch

ganz Judäa hin, angefangen von Galiläa bis hierher.

23,6 Als aber Pilatus von Galiläa hörte, fragte er, ob der Mensch ein Galiläer sei. 23,7 Und als er

erfahren hatte, daß er aus dem Machtbereich des Herodes sei, sandte er ihn zu Herodes, der auch

selbst in jenen Tagen in Jerusalem war. 23,8 Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich sehr; denn er

wünschte schon seit langer Zeit, ihn zu sehen, weil er vieles über ihn gehört hatte, und er hoffte,

irgend ein Zeichen durch ihn geschehen zu sehen. 23,9 Er befragte ihn aber mit vielen Worten; er

jedoch antwortete ihm nichts. 23,10 Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten standen nun auf und

verklagten ihn heftig. 23,11 Als aber Herodes mit seinen Kriegsleuten ihn geringschätzend behandelt

und verspottet hatte, warf er ihm ein glänzendes Gewand um und sandte ihn zu Pilatus zurück. 23,12

Pilatus und Herodes aber wurden an diesem Tag Freunde miteinander; denn vorher waren sie

gegeneinander in Feindschaft.

Freilassung für Barabbas - Todesurteil

für Jesus.

Mt 27,15-26; Mk 15,6-15; Joh 18,39.40; 19,1.16.

23,13 Als aber Pilatus die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammengerufen hatte,

23,14 sprach er zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als mache er das Volk abwendig;

und siehe, ich habe ihn vor euch verhört und habe an diesem Menschen keine Schuld gefunden, worin

ihr ihn anklagt; 23,15 aber auch Herodes nicht, denn ich habe euch zu ihm gesandt, und siehe, nichts

Todeswürdiges ist von ihm getan. 23,16 Ich will ihn nun züchtigen und losgeben. (23,17) 23,18 Die

ganze Menge schrie aber zugleich und sagte: Weg mit diesem, gib uns aber den Barabbas los! 23,19

Der war wegen eines Aufruhrs, der in der Stadt geschehen war, und wegen eines Mordes ins

Gefängnis geworfen. 23,20 Pilatus rief ihnen nun wieder zu, weil er Jesus losgeben wollte. 23,21 Sie

aber schrien dagegen und sagten: Kreuzige, kreuzige ihn! 23,22 Er aber sprach zum dritten Mal zu

ihnen: Was hat dieser denn Böses getan? Ich habe keine Ursache des Todes an ihm gefunden; ich will

ihn nun züchtigen und losgeben. 23,23 Sie aber setzten ihm zu mit lautem Geschrei und forderten, daß

er gekreuzigt werde. Und ihr Geschrei nahm überhand. 23,24 Pilatus aber entschied, daß ihre

Forderung erfüllt werde. 23,25 Er gab aber den los, der eines Aufruhrs und Mordes wegen ins

Gefängnis geworfen war, den sie forderten; Jesus aber übergab er ihrem Willen.

Der Weg zum Kreuz.

Mt 27,31.32; Mk 15,20-22; Joh 19,16.17.

23,26 Und als sie ihn wegführten, ergriffen sie einen gewissen Simon von Kyrene, der vom Feld kam,

und legten das Kreuz auf ihn, damit er es Jesus nachtrug. 23,27 Es folgte ihm aber eine große Menge

Volks und Frauen, die wehklagten und ihn bejammerten. 23,28 Jesus wandte sich aber zu ihnen und

sprach: Töchter Jerusalems, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure

Kinder! 23,29 Denn siehe, Tage kommen, an denen man sagen wird: Glückselig die Unfruchtbaren

und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gestillt haben! 23,30 Dann werden sie

anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt auf uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns! 23,31 Denn wenn

man dies tut an dem grünen Holz, was wird an dem dürren geschehen? 23,32 Es wurden aber auch

zwei andere hingeführt, Übeltäter, um mit ihm hingerichtet zu werden.

Golgatha: Kreuzigung.

V. 33-36: Mt 27,33-44; Mk 15,23-32; Joh 19,18-24.

23,33 Und als sie an den Ort kamen, der Schädel[stätte] genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die

Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken. 23,34 Jesus aber sprach: Vater, vergib

ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Sie aber verteilten seine Kleider und warfen das Los

[darüber]. 23,35 Und das Volk stand und sah zu; es höhnten aber auch die Obersten und sagten:

Andere hat er gerettet. Er rette sich selbst, wenn dieser der Christus ist, der Auserwählte Gottes! 23,36

Aber auch die Soldaten verspotteten ihn, indem sie hinzutraten, ihm Essig brachten 23,37 und sagten:

Wenn du der König der Juden bist, so rette dich selbst! 23,38 Es war aber auch eine Aufschrift über

ihm in griechischen und lateinischen und hebräischen Buchstaben: Dieser ist der König der Juden.

23,39 Einer der gehenkten Übeltäter aber lästerte ihn: Bist du nicht der Christus? Rette dich selbst und

uns! 23,40 Der andere aber antwortete und strafte ihn und sprach: Auch du fürchtest Gott nicht, da du

in demselben Gericht bist? 23,41 Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten

wert sind; dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan. 23,42 Und er sprach: Jesus, gedenke meiner,

wenn du in dein Reich kommst! 23,43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst

du mit mir im Paradies sein.

Golgatha: Tod.

Mt 27,45-56; Mk 15,33-41; Joh 19,28-30.

23,44 Es war aber um die sechste Stunde; und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur

neunten Stunde, 23,45 wobei die Sonne sich verfinsterte; der Vorhang des Tempels aber riß mitten

entzwei. 23,46 Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände übergebe ich

meinen Geist! Und als er dies gesagt hatte, verschied er.

23,47 Als aber der Hauptmann sah, was geschah, verherrlichte er Gott und sagte: Wirklich, dieser

Mensch war gerecht. 23,48 Und die ganzen Volksmengen, die zu diesem Schauspiel

zusammengekommen waren, schlugen sich, als sie sahen, was geschehen war, an die Brust und

kehrten zurück. 23,49 Aber alle seine Bekannten standen von fern, auch die Frauen, die ihm von

Galiläa nachgefolgt waren, und sahen dies.

Grablegung.

Mt 27,57-61; Mk 15,42-47; Joh 19,38-42.

23,50 Und siehe, ein Mann mit Namen Joseph, der ein Ratsherr war, ein guter und gerechter Mann

23,51 - dieser hatte nicht eingewilligt in ihren Rat und in ihre Tat - von Arimathia, einer Stadt der

Juden, der das Reich Gottes erwartete; 23,52 dieser ging hin zu Pilatus und bat um den Leib Jesu.

23,53 Und als er ihn abgenommen hatte, wickelte er ihn in feines Leinentuch und legte ihn in eine in

Felsen gehauene Gruft, worin noch nie jemand gelegen hatte. 23,54 Und es war Rüsttag, und der

Sabbat brach an. 23,55 Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm aus Galiläa gekommen waren,

und besahen die Gruft, und wie sein Leib hineingelegt wurde. 23,56 Als sie aber zurückgekehrt

waren, bereiteten sie wohlriechende Öle und Salben; und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gebot.

Die Frauen am leeren Grab -

Verkündigung der Auferstehung.

Mt 28,1-10; Mk 16,1-11; Joh 20,1-18.

Kapitel 24

24,1 An dem ersten Wochentag aber, ganz in der Frühe, kamen sie zu der Gruft und brachten die

wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. 24,2 Sie fanden aber den Stein von der Gruft weggewälzt;

24,3 und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. 24,4 Und es geschah, als sie

darüber in Verlegenheit waren, siehe, da standen zwei Männer in strahlenden Kleidern bei ihnen. 24,5

Als sie aber von Furcht erfüllt wurden und das Angesicht zur Erde neigten, sprachen diese zu ihnen:

Was sucht ihr den Lebendigen unter den Toten? 24,6 Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden.

Gedenkt daran, wie er zu euch geredet hat, als er noch in Galiläa war, 24,7 indem er sagte: Der Sohn

des Menschen muß in die Hände sündiger Menschen überliefert und gekreuzigt werden und am dritten

Tag auferstehen. 24,8 Und sie gedachten an seine Worte; 24,9 und sie kehrten von der Gruft zurück

und verkündeten dies alles den Elfen und den übrigen allen. 24,10 Es waren aber die Maria

Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus [Mutter], und die übrigen mit ihnen, die dies zu den

Aposteln sagten. 24,11 Und ihre Reden schienen ihnen wie leeres Gerede, und sie glaubten ihnen

nicht. 24,12 Petrus aber stand auf und lief zur Gruft; und als er sich hineinbeugt, sieht er nur die

leinenen Tücher liegen. Und er ging nach Hause und wunderte sich über das, was geschehen war.

Erscheinung des Auferstandenen auf

dem Weg nach Emmaus.

Mk 16,12.13.

24,13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an diesem Tag nach einem Dorf mit Namen Emmaus,

sechzig Stadien von Jerusalem entfernt. 24,14 Und sie unterhielten sich miteinander über dies alles,

was sich zugetragen hatte. 24,15 Und es geschah, während sie sich unterhielten und miteinander

überlegten, daß Jesus selbst nahte und mit ihnen ging; 24,16 aber ihre Augen wurden gehalten, so daß

sie ihn nicht erkannten. 24,17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr im Gehen

miteinander wechselt? Und sie blieben niedergeschlagen stehen. 24,18 Einer aber, mit Namen

Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige, der in Jerusalem weilt und nicht weiß,

was dort geschehen ist in diesen Tagen? 24,19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen

zu ihm: Das von Jesus, dem Nazarener, der ein Prophet war, mächtig im Werk und Wort vor Gott und

dem ganzen Volk; 24,20 und wie ihn die Hohenpriester und unsere Obersten überlieferten, daß er zum

Tod verurteilt würde, und ihn kreuzigten. 24,21 Wir aber hofften, daß er der sei, der Israel erlösen

solle. Doch auch bei alledem ist es heute der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist. 24,22 Aber auch

einige Frauen von uns haben uns aus der Fassung gebracht, die am frühen Morgen bei der Gruft

gewesen sind 24,23 und, als sie seinen Leib nicht fanden, kamen und sagten, daß sie auch eine

Erscheinung von Engeln gesehen hätten, die sagen, daß er lebe. 24,24 Und einige von denen, die mit

uns sind, gingen zu der Gruft und fanden es so, wie auch die Frauen gesagt hatten; ihn aber sahen sie

nicht. 24,25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und trägen Herzens, zu glauben an alles,

was die Propheten geredet haben! 24,26 Mußte nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit

eingehen? 24,27 Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen

Schriften das, was ihn betraf. 24,28 Und sie nahten dem Dorf, wohin sie gingen; und er stellte sich, als

wolle er weitergehen. 24,29 Und sie nötigten ihn und sagten: Bleibe bei uns, denn es ist gegen Abend,

und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben. 24,30 Und es

geschah, als er mit ihnen zu Tisch lag, nahm er das Brot und segnete es; und als er es gebrochen hatte,

reichte er es ihnen. 24,31 Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten ihn; und er wurde vor

ihnen unsichtbar. 24,32 Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem

Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete? 24,33 Und sie standen zur gleichen Stunde

auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Und sie fanden die Elf, und die mit ihnen waren, versammelt,

24,34 die sagten: Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen. 24,35 Und sie

erzählten, was auf dem Weg [geschehen war] und wie er von ihnen erkannt worden war am Brechen

des Brotes.

Erscheinung des Auferstandenen vor

den Jüngern.

Mk 16,14.15; Joh 20,19-23.

24,36 Während sie aber dies redeten, stand er selbst in ihrer Mitte und sprach zu ihnen: Friede euch!

24,37 Sie aber erschraken und wurden von Furcht erfüllt und meinten, sie sähen einen Geist. 24,38

Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr bestürzt, und warum steigen Gedanken auf in euren Herzen?

24,39 Seht meine Hände und meine Füße, daß ich es selbst bin; betastet mich und seht, denn ein Geist

hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, daß ich habe. 24,40 Und als er dies gesagt hatte, zeigte er

ihnen die Hände und die Füße. 24,41 Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich wunderten,

sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? 24,42 Sie aber reichten ihm ein Stück gebratenen

Fisch; 24,43 und er nahm und aß vor ihnen. 24,44 Er sprach aber zu ihnen: Dies sind meine Worte,

die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, daß alles erfüllt werden muß, was über mich

geschrieben steht in dem Gesetz Moses und den Propheten und Psalmen. 24,45 Dann öffnete er ihnen

das Verständnis, damit sie die Schriften verständen, 24,46 und sprach zu ihnen: So steht geschrieben,

und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag auferstehen aus den Toten 24,47 und in seinem

Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Nationen, anfangend von Jerusalem.

24,48 Ihr aber seid Zeugen hiervon; 24,49 und siehe, ich sende die Verheißung meines Vaters auf

euch. Ihr aber, bleibt in der Stadt, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.

Himmelfahrt.

Mk 16,19; Apg 1,9-12.

24,50 Er führte sie aber hinaus bis nach Bethanien und hob seine Hände auf und segnete sie. 24,51

Und es geschah, während er sie segnete, schied er von ihnen und wurde hinaufgetragen in den

Himmel. 24,52 Und sie warfen sich vor ihm nieder und kehrten nach Jerusalem zurück mit großer

Freude; 24,53 und sie waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

Das Evangelium nach Johannes.

Das ewige Wort.

Kapitel 1

1,1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 1,2 Dieses war im

Anfang bei Gott. 1,3 Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das

geworden ist.

1,4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 1,5 Und das Licht scheint in der

Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt.

Die Fleischwerdung des Wortes.

1,6 Da war ein Mensch, von Gott gesandt, sein Name Johannes. 1,7 Dieser kam zum Zeugnis, daß er

zeugte von dem Licht, damit alle durch ihn glaubten. 1,8 Er war nicht das Licht, sondern [er kam,]

daß er zeugte von dem Licht. 1,9 Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden

Menschen erleuchtet. 1,10 Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn

nicht. 1,11 Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an; 1,12 so viele ihn aber

aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben;

1,13 die nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes,

sondern aus Gott geboren sind.

1,14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut,

eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. - 1,15 Johannes

zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor

mir, denn er war eher als ich. - 1,16 Denn aus seiner Füllehaben wir alle empfangen, und [zwar]

Gnade um Gnade. 1,17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist

durch Jesus Christus geworden. 1,18 Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in

des Vaters Schoß ist, der hat [ihn] kundgemacht.

Des Täufers Zeugnis über sich.

vgl. Mt 3,1-12; Mk 1,1-8; Lk 3,1-18.

1,19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten sandten,

damit sie ihn fragen sollten: Wer bist du? 1,20 Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte:

Ich bin nicht der Christus. 1,21 Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Und er sagt: Ich bin}s

nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein. 1,22 Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du?

Damit wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? 1,23 Er sprach:

Ich bin die `Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn, wie Jesaja, der

Prophet, gesagt hat. 1,24 Und sie waren abgesandt von den Pharisäern. 1,25 Und sie fragten ihn und

sprachen zu ihm: Was taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist, noch Elia, noch der Prophet?

1,26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht, den ihr

nicht kennt, 1,27 der nach mir kommt, und ich bin nicht würdig, ihm den Riemen seiner Sandale zu

lösen. 1,28 Dies geschah zu Bethanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Des Täufers Zeugnis über Jesus.

vgl. Mt 3,13-17; Mk 1,9-11; Lk 3,21.22.

1,29 Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die

Sünde der Welt wegnimmt. 1,30 Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor

mir ist, denn er war eher als ich. 1,31 Und ich kannte ihn nicht; aber damit er Israel offenbar werde,

deswegen bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen. 1,32 Und Johannes bezeugte und sprach: Ich

schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabfahren, und er blieb auf ihm. 1,33 Und ich

kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du

sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft.

1,34 Und ich habe gesehen und habe bezeugt, daß dieser der Sohn Gottes ist.

Die ersten Jünger.

1,35 Am folgenden Tag stand Johannes wieder da und zwei von seinen Jüngern; 1,36 und hinblickend

auf Jesus, der umherging, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes! 1,37 Und es hörten ihn die zwei Jünger

reden und folgten Jesus nach. 1,38 Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und spricht zu

ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi - was übersetzt heißt: Lehrer -, wo hältst du dich

auf? 1,39 Er spricht zu ihnen: Kommt, und ihr werdet sehen! Sie kamen nun und sahen, wo er sich

aufhielt, und blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde. 1,40 Andreas, der Bruder des

Simon Petrus, war einer von den zweien, die es von Johannes gehört hatten und ihm nachgefolgt

waren. 1,41 Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den

Messias gefunden - was übersetzt ist: Christus. 1,42 Und er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an

und sprach: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du wirst Kephas heißen - was übersetzt wird:

Stein.

1,43 Am folgenden Tag wollte er nach Galiläa aufbrechen, und er findet Philippus; und Jesus spricht

zu ihm: Folge mir nach! 1,44 Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus.

1,45 Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose in

dem Gesetz geschrieben und die Propheten, Jesus, den Sohn des Joseph, von Nazareth. 1,46 Und

Nathanael sprach zu ihm: Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm

und sieh! 1,47 Jesus sah den Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein

Israelit, in dem kein Trug ist. 1,48 Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete

und sprach zu ihm: Ehe Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich. 1,49

Nathanael antwortete und sprach: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels. 1,50 Jesus

antwortete und sprach zu ihm: Weil ich dir sagte: Ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst du? Du

wirst Größeres als dies sehen. 1,51 Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr

werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des

Menschen.

Hochzeit zu Kana.

Kapitel 2

2,1 Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war dort. 2,2 Es

war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit geladen. 2,3 Und als es an Wein mangelte,

spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. 2,4 Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir

zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 2,5 Seine Mutter spricht zu den Dienern:

Was er euch sagen mag, tut. 2,6 Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt, nach der

Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß faßte. 2,7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die

Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben an. 2,8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun

und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es. 2,9 Als aber der Speisemeister das Wasser

gekostet hatte, das Wein geworden war - und er wußte nicht, woher er war, die Diener aber, die das

Wasser geschöpft hatten, wußten es -, ruft der Speisemeister den Bräutigam 2,10 und spricht zu ihm:

Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den

geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. 2,11 Diesen Anfang der Zeichen machte

Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn.

2,12 Danach ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger;

und dort blieben sie nicht viele Tage.

Tempelreinigung.

vgl. Mt 21,12-17; Mk 11,15-19; Lk 19,45-48.

2,13 Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 2,14 Und er fand im

Tempel die Ochsen- und Schaf- und Taubenverkäufer und die Wechsler sitzen. 2,15 Und er machte

eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und

die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um; 2,16 und zu den

Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem

Kaufhaus! 2,17 Seine Jünger gedachten daran, daß geschrieben steht: `Der Eifer um dein Haus

verzehrt mich. 2,18 Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen [der

Vollmacht] zeigst du uns, daß du dies tust? 2,19 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen

Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten. 2,20 Da sprachen die Juden: Sechsundvierzig

Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? 2,21 Er aber

sprach von dem Tempel seines Leibes. 2,22 Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten

seine Jünger daran, daß er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus

gesprochen hatte.

2,23 Als er aber zu Jerusalem war, am Passah, auf dem Fest, glaubten viele an seinen Namen, als sie

seine Zeichen sahen, die er tat. 2,24 Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte

2,25 und nicht nötig hatte, daß jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wußte, was in

dem Menschen war.

Gespräch mit Nikodemus.

Kapitel 3

3,1 Es war aber ein Mensch aus den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. 3,2

Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, daß du ein Lehrer bist, von Gott

gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. 3,3 Jesus

antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem

geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. 3,4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein

Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter

eingehen und geboren werden? 3,5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand

nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. 3,6 Was aus

dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. 3,7 Wundere dich

nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von neuem geboren werden. 3,8 Der Wind weht, wo er will, und du

hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem

Geist geboren ist. 3,9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? 3,10 Jesus

antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt das nicht? 3,11 Wahrlich,

wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser

Zeugnis nehmt ihr nicht an. 3,12 Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie

werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage? 3,13 Und niemand ist hinaufgestiegen in

den Himmel als nur, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen. 3,14 Und wie

Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muß der Sohn des Menschen erhöht werden, 3,15 damit

jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. 3,16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen

eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben

habe. 3,17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß

die Welt durch ihn errettet werde. 3,18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt,

ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. 3,19

Dies aber ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die

Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 3,20 Denn jeder, der Arges tut,

haßt das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden; 3,21 wer

aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, daß sie in Gott

gewirkt sind.

Weiteres Zeugnis des Täufers über

Jesus.

3,22 Danach kamen Jesus und seine Jünger in das Land Judäa, und dort verweilte er mit ihnen und

taufte. 3,23 Aber auch Johannes taufte zu Änon, nahe bei Salim, weil dort viel Wasser war; und sie

kamen hin und wurden getauft. 3,24 Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen. 3,25 Es

entstand nun eine Streitfrage von seiten der Jünger des Johannes mit einem Juden über die Reinigung.

3,26 Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Rabbi, der jenseits des Jordan bei dir war, dem

du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm. 3,27 Johannes antwortete und

sprach: Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben. 3,28 Ihr selbst

gebt mir Zeugnis, daß ich sagte: Ich bin nicht der Christus, sondern ich bin vor ihm hergesandt. 3,29

Der die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dasteht und ihn hört, ist

hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams; diese meine Freude nun ist erfüllt. 3,30 Er muß

wachsen, ich aber abnehmen. 3,31 Der von oben kommt, ist über allen; der von der Erde ist, ist von

der Erde und redet von der Erde her. Der vom Himmel kommt, ist über allen; 3,32 was er gesehen und

gehört hat, das bezeugt er; und sein Zeugnis nimmt niemand an. 3,33 Wer sein Zeugnis angenommen

hat, der hat besiegelt, daß Gott wahrhaftig ist. 3,34 Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte

Gottes; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß. 3,35 Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine

Hand gegeben. 3,36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht,

wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

Gespräch mit der Samariterin.

Kapitel 4

4,1 Als nun der Herr erkannte, daß die Pharisäer gehört hatten, daß Jesus mehr Jünger mache und

taufe als Johannes 4,2 - obgleich Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger -, 4,3 verließ er Judäa

und zog wieder nach Galiläa. 4,4 Er mußte aber durch Samaria ziehen. 4,5 Er kommt nun in eine Stadt

Samarias, genannt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Joseph gab. 4,6 Es war aber

dort eine Quelle Jakobs. Jesus nun, ermüdet von der Reise, setzte sich ohne weiteres an die Quelle

nieder. Es war um die sechste Stunde. 4,7 Da kommt eine Frau aus Samaria, Wasser zu schöpfen.

Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! 4,8 - Denn seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um

Speise zu kaufen. - 4,9 Die samaritische Frau spricht nun zu ihm: Wie bittest du, der du ein Jude bist,

von mir zu trinken, die ich eine samaritische Frau bin? - Denn die Juden verkehren nicht mit den

Samaritern. - 4,10 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes kennen würdest und

wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges

Wasser gegeben. 4,11 Sie spricht zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief.

Woher hast du denn das lebendige Wasser? 4,12 Du bist doch nicht größer als unser Vater Jakob, der

uns den Brunnen gab, und er selbst trank daraus und seine Söhne und sein Vieh? 4,13 Jesus

antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; 4,14 wer aber

von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern

das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben

quillt. 4,15 Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürste und ich

nicht hierher komme, um zu schöpfen. 4,16 Jesus spricht zu ihr: Geh hin, rufe deinen Mann und

komm hierher! 4,17 Die Frau antwortete und sprach: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du

hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann; 4,18 denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt

hast, ist nicht dein Mann; hierin hast du wahr geredet. 4,19 Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe,

daß du ein Prophet bist. 4,20 Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, daß in

Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse. 4,21 Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt

die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 4,22 Ihr betet

an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden. 4,23 Es kommt

aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden;

denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. 4,24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen

in Geist und Wahrheit anbeten. 4,25 Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der

Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen. 4,26 Jesus spricht zu ihr:

Ich bin}s, der mit dir redet.

Folgen des Gesprächs mit der

Samariterin:.

4,27 Glaube der Samariter - Vom Erntefeld Gottes

Und darüber kamen seine Jünger und wunderten sich, daß er mit einer Frau redete. Dennoch sagte

niemand: Was suchst du? oder: Was redest du mit ihr? 4,28 Die Frau nun ließ ihren Wasserkrug

stehen und ging weg in die Stadt und sagt zu den Leuten: 4,29 Kommt, seht einen Menschen, der mir

alles gesagt hat, was ich getan habe; dieser ist doch nicht etwa der Christus? 4,30 Sie gingen zu der

Stadt hinaus und kamen zu ihm.

4,31 In der Zwischenzeit baten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iß! 4,32 Er aber sprach zu ihnen:

Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt. 4,33 Da sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm

wohl jemand zu essen gebracht? 4,34 Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, daß ich den Willen

dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe. 4,35 Sagt ihr nicht: Es sind noch vier

Monate, und die Ernte kommt? Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und schaut die Felder an,

denn sie sind schon weiß zur Ernte. 4,36 Der da erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum

ewigen Leben, damit beide, der da sät und der da erntet, sich zugleich freuen. 4,37 Denn hierin ist der

Spruch wahr: Ein anderer ist es, der da sät, und ein anderer, der da erntet. 4,38 Ich habe euch gesandt

zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit

eingetreten.

4,39 Aus jener Stadt aber glaubten viele von den Samaritern an ihn um des Wortes der Frau willen,

die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. 4,40 Als nun die Samariter zu ihm kamen,

baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. 4,41 Und noch viel mehr [Leute]

glaubten um seines Wortes willen; 4,42 und sie sagten zu der Frau: Wir glauben nicht mehr um deines

Redens willen, denn wir selbst haben gehört und wissen, daß dieser wahrhaftig der Heiland der Welt

ist.

Heilung des Sohnes eines königlichen

Beamten.

vgl. Mt 8,5-13; Lk 7,1-10.

4,43 Nach den zwei Tagen aber zog er von dort weg nach Galiläa; 4,44 denn Jesus selbst bezeugte,

daß ein Prophet im eigenen Vaterland kein Ansehen hat. 4,45 Als er nun nach Galiläa kam, nahmen

die Galiläer ihn auf, da sie alles gesehen, was er in Jerusalem auf dem Fest getan hatte; denn auch sie

kamen zu dem Fest.

4,46 Er kam nun wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war

in Kapernaum ein königlicher [Beamter], dessen Sohn krank war. 4,47 Als dieser gehört hatte, daß

Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen sei, ging er zu ihm hin und bat, daß er herabkomme und

seinen Sohn heile; denn er lag im Sterben. 4,48 Jesus sprach nun zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und

Wunder seht, so werdet ihr nicht glauben. 4,49 Der königliche Beamte spricht zu ihm: Herr, komm

herab, ehe mein Kind stirbt! 4,50 Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt. Der Mann glaubte

dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. 4,51 Aber schon während er hinabging, kamen ihm

seine Knechte entgegen und berichteten, daß sein Knabe lebe. 4,52 Er erforschte nun von ihnen die

Stunde, in der es besser mit ihm geworden sei; und sie sagten zu ihm: Gestern zur siebten Stunde

verließ ihn das Fieber. 4,53 Da erkannte der Vater, daß es in jener Stunde war, in der Jesus zu ihm

sagte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte, er und sein ganzes Haus. 4,54 Dies tat Jesus wieder als zweites

Zeichen, als er aus Judäa nach Galiläa gekommen war.

Heilung eines Kranken am Teich

Bethesda.

Kapitel 5

5,1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 5,2 Es ist aber in Jerusalem

bei dem Schaftor ein Teich, der auf hebräisch Bethesda genannt wird, der fünf Säulenhallen hat. 5,3 In

diesen lag eine Menge Kranker, Blinder, Lahmer, Dürrer, die auf die Bewegung des Wassers

warteten. 5,4 Denn zu gewissen Zeiten stieg ein Engel in den Teich herab und bewegte das Wasser.

Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, wurde gesund, mit welcher Krankheit er

auch behaftet war. 5,5 Es war aber ein Mensch dort, der achtunddreißig Jahre mit seiner Krankheit

behaftet war. 5,6 Als Jesus diesen daliegen sah und wußte, daß es schon lange Zeit so mit ihm war,

spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? 5,7 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen

Menschen, daß er mich, wenn das Wasser bewegt worden ist, in den Teich werfe; während ich aber

komme, steigt ein anderer vor mir hinab. 5,8 Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett auf und

geh umher! 5,9 Und sofort wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett auf und ging umher. Es war

aber an jenem Tag Sabbat. 5,10 Es sagten nun die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, es ist dir

nicht erlaubt, das Bett zu tragen. 5,11 Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sagte zu mir:

Nimm dein Bett auf und geh umher. 5,12 Sie fragten ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm

[dein Bett] auf und geh umher? 5,13 Der Geheilte aber wußte nicht, wer es war; denn Jesus hatte sich

entfernt, weil eine Volksmenge an dem Ort war. 5,14 Danach findet Jesus ihn im Tempel, und er

sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres

widerfahre. 5,15 Der Mensch ging hin und verkündete den Juden, daß es Jesus war, der ihn gesund

gemacht habe. 5,16 Und darum verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbat getan hatte.

Jesus verteidigt sein Tun, indem er

seine Gottessohnschaft bezeugt.

5,17 Er aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. 5,18 Darum nun suchten die

Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat aufhob, sondern auch Gott seinen

eigenen Vater nannte und sich so selbst Gott gleich machte. 5,19 Da antwortete Jesus und sprach zu

ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den

Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn. 5,20 Denn der Vater hat den Sohn lieb

und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch

wundert. 5,21 Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn

lebendig, welche er will. 5,22 Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er

dem Sohn gegeben, 5,23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt,

ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. 5,24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört

und glaubt dem, der mich gesandt hat, [der] hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern

er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. 5,25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, daß die

Stunde kommt und jetzt da ist, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie

gehört haben, werden leben. 5,26 Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem

Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst; 5,27 und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu

halten, weil er des Menschen Sohn ist. 5,28 Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde,

in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören 5,29 und hervorkommen werden: die das

Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung

des Gerichts.

Jesus nennt die Zeugen seiner

Gottessohnschaft.

5,30 Ich kann nichts von mir selbst tun; so wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn

ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 5,31 Wenn ich von

mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr. 5,32 Ein anderer ist es, der von mir zeugt, und ich

weiß, daß das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt. 5,33 Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat

der Wahrheit Zeugnis gegeben. 5,34 Ich aber nehme nicht Zeugnis von einem Menschen an, sondern

dies sage ich, damit ihr errettet werdet. 5,35 Jener war die brennende und scheinende Lampe; ihr aber

wolltet für eine Zeit in seinem Licht fröhlich sein. 5,36 Ich aber habe das Zeugnis, das größer ist als

das des Johannes; denn die Werke, die der Vater mir gegeben hat, daß ich sie vollbringe, die Werke

selbst, die ich tue, zeugen von mir, daß der Vater mich gesandt hat. 5,37 Und der Vater, der mich

gesandt hat, er selbst hat Zeugnis von mir gegeben. Ihr habt weder jemals seine Stimme gehört, noch

seine Gestalt gesehen, 5,38 und sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch; denn dem, den er gesandt

hat, dem glaubt ihr nicht. 5,39 Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu

haben, und sie sind es, die von mir zeugen; 5,40 und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben

habt. 5,41 Ich nehme nicht Ehre von Menschen; 5,42 sondern ich kenne euch, daß ihr die Liebe Gottes

nicht in euch habt. 5,43 Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht

auf; wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen. 5,44 Wie könnt

ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht

sucht? 5,45 Meint nicht, daß ich euch bei dem Vater verklagen werde; da ist [einer], der euch

verklagt, Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. 5,46 Denn wenn ihr Mose glaubtet, so würdet

ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben. 5,47 Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt,

wie werdet ihr meinen Worten glauben?

Speisung der Fünftausend.

Mt 14,13-21; Mk 6,30-44; Lk 9,10-17; vgl. Mt 15,32-39; Mk 8,1-9.

Kapitel 6

6,1 Danach ging Jesus weg auf die andere Seite des Sees von Galiläa [oder] von Tiberias; 6,2 und es

folgte ihm eine große Volksmenge, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 6,3 Jesus

aber ging hinauf auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 6,4 Es war aber das Passah

nahe, das Fest der Juden. 6,5 Als nun Jesus die Augen aufhob und sah, daß eine große Volksmenge zu

ihm kommt, spricht er zu Philippus: Woher sollen wir Brote kaufen, daß diese essen? 6,6 Dies sagte er

aber, um ihn zu prüfen; denn er selbst wußte, was er tun wollte. 6,7 Philippus antwortete ihm: Für

zweihundert Denare Brote reichen nicht für sie hin, daß jeder [auch nur] ein wenig bekomme. 6,8

Einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, spricht zu ihm: 6,9 Es ist ein kleiner

Knabe hier, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat. Aber was ist dies unter so viele? 6,10 Jesus

sprach: Macht, daß die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Es lagerten sich nun die

Männer, an Zahl etwa fünftausend. 6,11 Jesus aber nahm die Brote, und als er gedankt hatte, teilte er

sie denen aus, die da lagerten; ebenso auch von den Fischen, so viel sie wollten. 6,12 Als sie aber

gesättigt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übriggebliebenen Brocken, damit nichts

umkomme. 6,13 Sie sammelten nun und füllten zwölf Handkörbe mit Brocken von den fünf

Gerstenbroten, welche denen, die gegessen hatten, übrigblieben. 6,14 Als nun die Leute das Zeichen

sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll.

6,15 Da nun Jesus erkannte, daß sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu

machen, zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Jesus geht auf dem See.

Mt 14,22-33; Mk 6,45-52.

6,16 Als es aber Abend geworden war, gingen seine Jünger hinab an den See; 6,17 und sie stiegen in

das Schiff und fuhren über den See nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und Jesus

war noch nicht zu ihnen gekommen; 6,18 und der See wurde durch einen starken Wind aufgewühlt.

6,19 Als sie nun etwa fünfundzwanzig oder dreißig Stadien gerudert waren, sehen sie Jesus auf dem

See dahergehen und nahe an das Schiff herankommen, und sie fürchteten sich. 6,20 Er aber spricht zu

ihnen: Ich bin}s, fürchtet euch nicht! 6,21 Sie wollten ihn nun in das Schiff nehmen, und sogleich war

das Schiff am Land, wohin sie fuhren.

Vom Brot des Lebens.

6,22 Am folgenden Tag sah die Volksmenge, die jenseits des Sees stand, daß dort kein anderes Boot

war, als nur jenes, in das seine Jünger gestiegen waren, und daß Jesus nicht mit seinen Jüngern in das

Schiff gestiegen, sondern seine Jünger allein weggefahren waren. 6,23 Es kamen aber andere Boote

aus Tiberias nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen, nachdem der Herr gedankt hatte. 6,24 Da nun

die Volksmenge sah, daß Jesus nicht dort war, noch seine Jünger, stiegen sie in die Schiffe und kamen

nach Kapernaum und suchten Jesus. 6,25 Und als sie ihn jenseits des Sees gefunden hatten, sprachen

sie zu ihm: Rabbi, wann bist du hierhergekommen? 6,26 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich,

wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich, nicht weil ihr Zeichen gesehen, sondern weil ihr von den

Broten gegessen habt und gesättigt worden seid. 6,27 Wirket nicht [für] die Speise, die vergeht,

sondern [für] die Speise, die da bleibt ins ewige Leben, die der Sohn des Menschen euch geben wird;

denn diesen hat der Vater, Gott, beglaubigt. 6,28 Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, damit

wir die Werke Gottes wirken? 6,29 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes,

daß ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

6,30 Da sprachen sie zu ihm: Was tust du nun für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was

wirkst du? 6,31 Unsere Väter aßen das Manna in der Wüste, wie geschrieben steht: `Brot aus dem

Himmel gab er ihnen zu essen. 6,32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:

Nicht Mose hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das

wahrhaftige Brot aus dem Himmel. 6,33 Denn das Brot Gottes ist der, welcher aus dem Himmel

herabkommt und der Welt das Leben gibt. 6,34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit dieses

Brot! 6,35 Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens: Wer zu mir kommt, wird nicht

hungern, und wer an mich glaubt, wird nimmermehr dürsten. 6,36 Aber ich habe euch gesagt, daß ihr

mich auch gesehen habt und nicht glaubt. 6,37 Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen,

und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen; 6,38 denn ich bin vom Himmel

herabgekommen, nicht daß ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.

6,39 Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, daß ich von allem, was er mir gegeben hat,

nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag. 6,40 Denn dies ist der Wille meines Vaters,

daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken

am letzten Tag.

6,41 Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das aus dem Himmel

herabgekommen ist; 6,42 und sie sprachen: Ist dieser nicht Jesus, der Sohn Josephs, dessen Vater und

Mutter wir kennen? Wie sagt denn dieser: Ich bin aus dem Himmel herabgekommen? 6,43 Da

antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander! 6,44 Niemand kann zu mir kommen,

wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

6,45 Es steht in den Propheten geschrieben: `Und sie werden alle von Gott gelehrt sein. Jeder, der von

dem Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir. 6,46 Nicht daß jemand den Vater gesehen hat, außer

dem, der von Gott ist, dieser hat den Vater gesehen. 6,47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer

glaubt, hat ewiges Leben. 6,48 Ich bin das Brot des Lebens. 6,49 Eure Väter haben das Manna in der

Wüste gegessen und sind gestorben. 6,50 Dies [aber] ist das Brot, das aus dem Himmel herabkommt,

damit man davon esse und nicht sterbe. 6,51 Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel

herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot ißt, wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das

ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.

6,52 Die Juden stritten nun untereinander und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen

geben? 6,53 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch

des Sohnes des Menschen eßt und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst. 6,54 Wer

mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten

Tag; 6,55 denn mein Fleisch ist wahre Speise, und mein Blut ist wahrer Trank. 6,56 Wer mein Fleisch

ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. 6,57 Wie der lebendige Vater mich gesandt hat,

und ich lebe um des Vaters willen, so auch, wer mich ißt, der wird auch leben um meinetwillen. 6,58

Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Nicht wie die Väter aßen und starben;

wer dieses Brot ißt, wird leben in Ewigkeit. 6,59 Dies sprach er, als er in der Synagoge zu Kapernaum

lehrte.

Ablehnung der Rede Jesu - Bekenntnis

des Petrus - Hinweis auf den Verräter.

6,60 Viele nun von seinen Jüngern, die es gehört hatten, sprachen: Diese Rede ist hart. Wer kann sie

hören? 6,61 Da aber Jesus bei sich selbst wußte, daß seine Jünger hierüber murrten, sprach er zu

ihnen: Ärgert euch dies? 6,62 Wenn ihr nun den Sohn des Menschen [dahin] auffahren seht, wo er

zuvor war? 6,63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu

euch geredet habe, sind Geist und sind Leben; 6,64 aber es sind einige unter euch, die nicht glauben.

Denn Jesus wußte von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer es war, der ihn

überliefern würde. 6,65 Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt, daß niemand zu mir kommen

kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben. 6,66 Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und

gingen nicht mehr mit ihm. 6,67 Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr etwa auch weggehen?

6,68 Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens;

6,69 und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Heilige Gottes bist. 6,70 Jesus antwortete ihnen:

Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und von euch ist einer ein Teufel. 6,71 Er sprach aber von

Judas, dem [Sohn] des Simon Ischarioth; denn dieser sollte ihn überliefern, einer von den Zwölfen.

Reise nach Jerusalem zum

Laubhüttenfest.

Kapitel 7

7,1 Und danach zog Jesus in Galiläa umher; denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil die

Juden ihn zu töten suchten. 7,2 Es war aber nahe das Fest der Juden, die Laubhütten. 7,3 Es sprachen

nun seine Brüder zu ihm: Zieh von hier fort und geh nach Judäa, daß auch deine Jünger deine Werke

sehen, die du tust; 7,4 denn niemand tut etwas im Verborgenen und sucht [dabei] selbst öffentlich

bekannt zu sein. Wenn du diese Dinge tust, so zeige dich der Welt! 7,5 Denn auch seine Brüder

glaubten nicht an ihn. 7,6 Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist

stets bereit. 7,7 Die Welt kann euch nicht hassen; mich aber haßt sie, weil ich von ihr zeuge, daß ihre

Werke böse sind. 7,8 Geht ihr hinauf zu diesem Fest; ich gehe nicht hinauf zu diesem Fest; denn

meine Zeit ist noch nicht erfüllt. 7,9 Nachdem er dies zu ihnen gesagt hatte, blieb er in Galiläa. 7,10

Als aber seine Brüder hinaufgegangen waren, da ging auch er hinauf zum Fest, nicht öffentlich,

sondern wie im Verborgenen. 7,11 Die Juden nun suchten ihn auf dem Fest und sprachen: Wo ist

jener? 7,12 Und viel Gemurmel war über ihn unter den Volksmengen; die einen sagten: Er ist gut;

andere sagten: Nein, sondern er verführt die Volksmenge. 7,13 Niemand jedoch sprach öffentlich von

ihm aus Furcht vor den Juden.

Reden und Auseinandersetzung mit den

Juden auf dem Laubhüttenfest.

7,14 Als es aber schon um die Mitte des Festes war, ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. 7,15

Da wunderten sich die Juden und sagten: Wie besitzt dieser Gelehrsamkeit, da er doch nicht gelernt

hat? 7,16 Da antwortete ihnen Jesus und sprach: Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich

gesandt hat. 7,17 Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus

Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede. 7,18 Wer aus sich selbst redet, sucht seine eigene Ehre; wer

aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und Ungerechtigkeit ist nicht in

ihm. 7,19 Hat nicht Mose euch das Gesetz gegeben? Und keiner von euch tut das Gesetz. Was sucht

ihr mich zu töten? 7,20 Die Volksmenge antwortete: Du hast einen Dämon. Wer sucht dich zu töten?

7,21 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ein Werk habe ich getan, und ihr alle verwundert euch

deswegen. 7,22 Mose gab euch die Beschneidung - nicht daß sie von Mose sei, sondern von den

Vätern -, und am Sabbat beschneidet ihr einen Menschen. 7,23 Wenn ein Mensch die Beschneidung

am Sabbat empfängt, damit das Gesetz Moses nicht gebrochen werde, zürnt ihr mir, daß ich den

ganzen Menschen gesund gemacht habe am Sabbat? 7,24 Richtet nicht nach dem Schein, sondern

richtet ein gerechtes Gericht.

7,25 Es sagten nun einige von den Bewohnern Jerusalems: Ist das nicht der, den sie zu töten suchen?

7,26 Und siehe, er redet öffentlich, und sie sagen ihm nichts. Haben etwa die Obersten wahrhaftig

erkannt, daß dieser der Christus ist? 7,27 Diesen aber kennen wir, woher er ist; wenn aber der Christus

kommt, so weiß niemand, woher er ist. 7,28 Jesus nun rief im Tempel, lehrte und sprach: Ihr kennt

mich und wißt auch, woher ich bin; und ich bin nicht von mir selbst gekommen, sondern der mich

gesandt hat, ist wahrhaftig, den ihr nicht kennt. 7,29 Ich kenne ihn, weil ich von ihm bin und er mich

gesandt hat. 7,30 Da suchten sie ihn zu greifen; und niemand legte die Hand an ihn, weil seine Stunde

noch nicht gekommen war. 7,31 Viele aber von der Volksmenge glaubten an ihn und sprachen: Wenn

der Christus kommt, wird er wohl mehr Zeichen tun als die, welche dieser getan hat? 7,32 Die

Pharisäer hörten die Volksmenge dies über ihn murmeln; und die Pharisäer und die Hohenpriester

sandten Diener, daß sie ihn greifen möchten. 7,33 Da sprach Jesus: Noch eine kleine Zeit bin ich bei

euch, und ich gehe hin zu dem, der mich gesandt hat. 7,34 Ihr werdet mich suchen und nicht finden,

und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen. 7,35 Es sprachen nun die Juden zueinander: Wohin will

dieser gehen, daß wir ihn nicht finden sollen? Will er etwa in die Zerstreuung der Griechen gehen und

die Griechen lehren? 7,36 Was ist das für ein Wort, das er sprach: Ihr werdet mich suchen und nicht

finden, und: Wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen? 7,37 An dem letzten, dem großen Tag des

Festes aber stand Jesus und rief und sprach: Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke.

7,38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leibe werden Ströme lebendigen

Wassers fließen. 7,39 Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn

glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.

 

Meinungen des Volkes und des Hohen

Rates über Jesus.

7,40 Einige nun aus der Volksmenge sagten, als sie diese Worte hörten: Dieser ist wahrhaftig der

Prophet. 7,41 Andere sagten: Dieser ist der Christus. Andere sagten: Der Christus kommt doch nicht

aus Galiläa? 7,42 Hat nicht die Schrift gesagt: Aus der Nachkommenschaft Davids und aus

Bethlehem, dem Dorf, wo David war, kommt der Christus? 7,43 Es entstand nun seinetwegen eine

Spaltung in der Volksmenge. 7,44 Einige aber von ihnen wollten ihn greifen, aber keiner legte die

Hände an ihn. 7,45 Es kamen nun die Diener zu den Hohenpriestern und Pharisäern, und diese

sprachen zu ihnen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? 7,46 Die Diener antworteten: Niemals hat ein

Mensch so geredet wie dieser Mensch. 7,47 Da antworteten ihnen die Pharisäer: Seid ihr denn auch

verführt? 7,48 Hat wohl jemand von den Obersten an ihn geglaubt, oder von den Pharisäern? 7,49

Diese Volksmenge aber, die das Gesetz nicht kennt, sie ist verflucht! 7,50 [Da] spricht Nikodemus zu

ihnen, der einer von ihnen war: 7,51 Richtet denn unser Gesetz den Menschen ehe es zuvor von ihm

selbst gehört und erkannt hat, was er tut? 7,52 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du etwa

auch aus Galiläa? Forsche und siehe, daß aus Galiläa kein Prophet aufsteht. 7,53 Und jeder ging nach

seinem Haus.

Kapitel 8

8,1 Jesus aber ging nach dem Ölberg.

Jesus und die Ehebrecherin.

8,2 Frühmorgens aber kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm; und er setzte sich

und lehrte sie. 8,3 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau, die beim Ehebruch

ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte 8,4 und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf

frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. 8,5 In dem Gesetz aber hat uns Mose geboten, solche zu

steinigen. Du nun, was sagst du? 8,6 Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, damit sie etwas hätten,

um ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 8,7 Als sie

aber fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist,

werfe zuerst den Stein auf sie. 8,8 Und wieder bückte er sich nieder und schrieb auf die Erde. 8,9 Als

sie aber [dies] hörten, gingen sie einer nach dem anderen hinaus, angefangen von den Ältesten; und er

wurde allein gelassen mit der Frau, die in der Mitte stand. 8,10 Jesus aber richtete sich auf und sprach

zu ihr: Frau, wo sind jene? Hat niemand dich verurteilt? 8,11 Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus

aber sprach zu ihr: So verurteile auch ich dich nicht. Geh hin und sündige nicht mehr!

Das Licht der Welt.

8,12 Jesus redete nun wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird

nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. 8,13 Da sprachen die

Pharisäer zu ihm: Du zeugst von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. 8,14 Jesus antwortete und

sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiß, woher

ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wißt nicht, woher ich komme und wohin ich gehe.

8,15 Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand. 8,16 Wenn ich aber auch richte, so ist mein

Gericht wahr, weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. 8,17 Aber

auch in eurem Gesetz steht geschrieben, daß das Zeugnis zweier Menschen wahr ist. 8,18 Ich bin es,

der von mir selbst zeugt, und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt von mir. 8,19 Da sprachen sie zu

ihm: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich

gekannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater gekannt haben. 8,20 Diese Worte redete er in der

Schatzkammer, als er im Tempel lehrte; und niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch

nicht gekommen.

Der Gesandte des Vaters.

8,21 Er sprach nun wieder zu ihnen: Ich gehe hin, und ihr werdet mich suchen und werdet in eurer

Sünde sterben; wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen. 8,22 Da sagten die Juden: Er will sich

doch nicht selbst töten, daß er spricht: Wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen? 8,23 Und er

sprach zu ihnen: Ihr seid von dem, was unten ist, ich bin von dem, was oben ist; ihr seid von dieser

Welt, ich bin nicht von dieser Welt. 8,24 Daher sagte ich euch, daß ihr in euren Sünden sterben

werdet; denn wenn ihr nicht glauben werdet, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.

8,25 Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du? Jesus sprach zu ihnen: Durchaus das, was ich auch zu euch

rede. 8,26 Vieles habe ich über euch zu reden und zu richten, aber der mich gesandt hat, ist

wahrhaftig; und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt. 8,27 Sie erkannten nicht, daß

er von dem Vater zu ihnen sprach. 8,28 Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Sohn des Menschen

erhöht haben werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ich es bin und daß ich nichts von mir selbst tue,

sondern wie der Vater mich gelehrt hat, das rede ich. 8,29 Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er

hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das ihm Wohlgefällige tue. 8,30 Als er dies redete,

glaubten viele an ihn.

Wahre Freiheit.

8,31 Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid

ihr wahrhaft meine Jünger; 8,32 und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch

frei machen. 8,33 Sie antworteten ihm: Wir sind Abrahams Nachkommenschaft und sind nie

jemandes Sklaven gewesen. Wie sagst du: Ihr sollt frei werden? 8,34 Jesus antwortete ihnen:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Sklave. 8,35 Der Sklave

aber bleibt nicht für immer im Haus; der Sohn bleibt für immer. 8,36 Wenn nun der Sohn euch frei

machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.

Wahre Nachkommen Abrahams.

8,37 Ich weiß, daß ihr Abrahams Nachkommen seid; aber ihr sucht mich zu töten, weil mein Wort

nicht Raum in euch findet. 8,38 Ich rede, was ich bei meinem Vater gesehen habe; auch ihr nun mögt

tun, was ihr von eurem Vater gehört habt. 8,39 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist

unser Vater. Jesus spricht zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so würdet ihr die Werke

Abrahams tun; 8,40 jetzt aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der die Wahrheit zu euch

geredet hat, die ich von Gott gehört habe; das hat Abraham nicht getan. 8,41 Ihr tut die Werke eures

Vaters. Sie sprachen zu ihm: Wir sind nicht durch Hurerei geboren; wir haben einen Vater, Gott. 8,42

Jesus sprach zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott

ausgegangen und gekommen; denn ich bin auch nicht von mir selbst gekommen, sondern er hat mich

gesandt. 8,43 Warum versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. 8,44

Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein

Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist.

Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater

derselben. 8,45 Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht. 8,46 Wer von euch überführt

mich einer Sünde? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? 8,47 Wer aus Gott ist,

hört die Worte Gottes. Darum hört ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid. 8,48 Die Juden antworteten

und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und einen Dämon hast? 8,49

Jesus antwortete: Ich habe keinen Dämon, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr verunehrt mich.

8,50 Ich aber suche nicht meine Ehre: Es ist einer, der [sie] sucht und der richtet. 8,51 Wahrlich,

wahrlich, ich sage euch: Wenn jemand mein Wort bewahren wird, so wird er den Tod nicht sehen

ewiglich. 8,52 Die Juden sprachen zu ihm: Jetzt erkennen wir, daß du einen Dämon hast. Abraham ist

gestorben und die Propheten, und du sagst: Wenn jemand mein Wort bewahren wird, so wird er den

Tod nicht schmecken in Ewigkeit. 8,53 Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben

ist? Und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? 8,54 Jesus antwortete: Wenn ich

mich selbst ehre, so ist meine Ehre nichts; mein Vater ist es, der mich ehrt, von dem ihr sagt: Er ist

unser Gott. 8,55 Und ihr habt ihn nicht erkannt, ich aber kenne ihn; und wenn ich sagte: Ich kenne ihn

nicht, so würde ich euch gleich sein: ein Lügner. Aber ich kenne ihn, und ich bewahre sein Wort. 8,56

Abraham, euer Vater, frohlockte, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah [ihn] und freute sich.

8,57 Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?

8,58 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. 8,59 Da

hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus.

Heilung eines Blindgeborenen.

Kapitel 9

9,1 Und als er vorüberging, sah er einen Menschen, blind von Geburt. 9,2 Und seine Jünger fragten

ihn und sagten: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren wurde? 9,3

Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an

ihm offenbart würden. 9,4 Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es

Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. 9,5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das

Licht der Welt. 9,6 Als er dies gesagt hatte, spie er auf die Erde und bereitete einen Teig aus dem

Speichel und strich den Teig auf seine Augen; 9,7 und er sprach zu ihm: Geh hin, wasche dich in dem

Teich Siloah - was übersetzt wird: Gesandter. Da ging er hin und wusch sich und kam sehend.

Der Geheilte und die Juden.

9,8 Die Nachbarn nun, und die ihn früher gesehen hatten, daß er ein Bettler war, sprachen: Ist dieser

nicht der, der da saß und bettelte? 9,9 Einige sagten: Er ist es; andere sagten: Nein, sondern er ist ihm

ähnlich; er sagte: Ich bin}s. 9,10 Sie sprachen nun zu ihm: Wie sind deine Augen aufgetan worden?

9,11 Er antwortete: Der Mensch, der Jesus heißt, bereitete einen Teig und salbte meine Augen [damit]

und sprach zu mir: Geh hin nach Siloah und wasche dich. Als ich aber hinging und mich wusch,

wurde ich sehend. 9,12 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist jener? Er sagt: Ich weiß es nicht.

9,13 Sie führen ihn, den einst Blinden, zu den Pharisäern. 9,14 Es war aber Sabbat, als Jesus den Teig

bereitete und seine Augen auftat. 9,15 Nun fragten ihn wieder auch die Pharisäer, wie er sehend

geworden sei. Er aber sprach zu ihnen: Er legte Teig auf meine Augen, und ich wusch mich, und ich

sehe. 9,16 Da sprachen einige von den Pharisäern: Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn er hält den

Sabbat nicht. Andere sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es war

Zwiespalt unter ihnen. 9,17 Sie sagen nun wieder zu dem Blinden: Was sagst du von ihm, weil er

deine Augen aufgetan hat? Er aber sprach: Er ist ein Prophet. 9,18 Es glaubten nun die Juden nicht

von ihm, daß er blind war und sehend geworden, bis sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden

war. 9,19 Und sie fragten sie und sprachen: Ist dieser euer Sohn, von dem ihr sagt, daß er blind

geboren wurde? Wie sieht er denn jetzt? 9,20 Seine Eltern antworteten und sprachen: Wir wissen, daß

dieser unser Sohn ist und daß er blind geboren wurde; 9,21 wie er aber jetzt sieht, wissen wir nicht,

oder wer seine Augen aufgetan hat, wissen wir nicht. Er ist mündig. Fragt ihn, er wird selbst über sich

reden. 9,22 Dies sagten seine Eltern, weil sie die Juden fürchteten; denn die Juden waren schon

übereingekommen, daß, wenn jemand ihn als Christus bekennen würde, er aus der Synagoge

ausgeschlossen werden sollte. 9,23 Deswegen sagten seine Eltern: Er ist mündig, fragt ihn. 9,24 Sie

riefen nun zum zweiten Mal den Menschen, der blind war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre!

Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist. 9,25 Da antwortete er: Ob er ein Sünder ist, weiß ich

nicht; eins weiß ich, daß ich blind war und jetzt sehe. 9,26 Und sie sprachen wieder zu ihm: Was hat

er dir getan? Wie tat er deine Augen auf? 9,27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt,

und ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es nochmals hören? Wollt ihr etwa auch seine Jünger

werden? 9,28 Sie schmähten ihn und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind Moses Jünger. 9,29

Wir wissen, daß Gott zu Mose geredet hat; von diesem aber wissen wir nicht, woher er ist. 9,30 Der

Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Hierbei ist es doch erstaunlich, daß ihr nicht wißt, woher er

ist, und er hat [doch] meine Augen aufgetan. 9,31 Wir wissen, daß Gott Sünder nicht hört, sondern

wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den hört er. 9,32 Von Anbeginn hat man nicht

gehört, daß jemand die Augen eines Blindgeborenen aufgetan habe. 9,33 Wenn dieser nicht von Gott

wäre, so könnte er nichts tun. 9,34 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden

geboren, und du lehrst uns? Und sie warfen ihn hinaus.

Der Geheilte und der Sohn Gottes.

9,35 Jesus hörte, daß sie ihn hinausgeworfen hatten; und als er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubst du

an den Sohn des Menschen? 9,36 Er antwortete und sprach: Und wer ist es, Herr, daß ich an ihn

glaube? 9,37 Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es. 9,38 Er aber

sprach: Ich glaube, Herr. Und er warf sich vor ihm nieder.

9,39 Und Jesus sprach: Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden sehen

und die Sehenden blind werden. 9,40 Einige von den Pharisäern, die bei ihm waren, hörten dies und

sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind? 9,41 Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so

hättet ihr keine Sünde. Nun aber sagt ihr: Wir sehen. [Daher] bleibt eure Sünde.

Der gute Hirte.

Kapitel 10

10,1 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe eingeht,

sondern anderswo hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. 10,2 Wer aber durch die Tür eingeht,

ist Hirte der Schafe. 10,3 Diesem tut der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme, und er ruft

seine eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus. 10,4 Wenn er seine eigenen [Schafe] alle

herausgebracht hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.

10,5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern werden vor ihm fliehen, weil sie die

Stimme der Fremden nicht kennen. 10,6 In dieser Bildrede sprach Jesus zu ihnen; sie aber verstanden

nicht, was es war, das er zu ihnen redete.

10,7 Jesus sprach nun wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe.

10,8 Alle, die vor mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie.

10,9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und

ausgehen und Weide finden. 10,10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu

verderben. Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und [es in] Überfluß haben. 10,11 Ich bin der

gute Hirte; der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe. 10,12 Wer Mietling und nicht Hirte ist, wer

die Schafe nicht zu eigen hat, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht - und der

Wolf raubt und zerstreut sie -, 10,13 weil er ein Mietling ist und sich um die Schafe nicht kümmert.

10,14 Ich bin der gute Hirte; und ich kenne die Meinen und bin gekannt von den Meinen, 10,15 wie

der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe. 10,16 Und

ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind; auch diese muß ich bringen, und sie werden

meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein. 10,17 Darum liebt mich der Vater, weil

ich mein Leben lasse, um es wiederzunehmen. 10,18 Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es

von mir selbst. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wiederzunehmen. Dieses

Gebot habe ich von meinem Vater empfangen. 10,19 Es entstand wieder ein Zwiespalt unter den

Juden dieser Worte wegen. 10,20 Viele aber von ihnen sagten: Er hat einen Dämon und ist von

Sinnen. Was hört ihr ihn? 10,21 Andere sagten: Diese Reden sind nicht die eines Besessenen. Kann

etwa ein Dämon der Blinden Augen auftun?

10,22 Es war aber das Fest der Tempelweihe in Jerusalem; es war Winter. 10,23 Und Jesus ging in

dem Tempel umher, in der Säulenhalle Salomos. 10,24 Da umringten ihn die Juden und sprachen zu

ihm: Bis wann hältst du unsere Seele hin? Wenn du der Christus bist, so sage es uns frei heraus. 10,25

Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich in dem

Namen meines Vaters tue, diese zeugen von mir; 10,26 aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von

meinen Schafen, wie ich euch gesagt habe. 10,27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne

sie, und sie folgen mir; 10,28 und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in

Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. 10,29 Mein Vater, der sie mir gegeben hat,

ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben. 10,30 Ich und der Vater

sind eins.

Anschläge gegen Jesus.

10,31 Da hoben die Juden wieder Steine auf, daß sie ihn steinigten. 10,32 Jesus antwortete ihnen:

Viele gute Werke habe ich euch von meinem Vater gezeigt. Für welches Werk unter ihnen steinigt ihr

mich? 10,33 Die Juden antworteten ihm: Wegen eines guten Werkes steinigen wir dich nicht, sondern

wegen Lästerung, und weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst. 10,34 Jesus

antwortete ihnen: Steht nicht in eurem Gesetz geschrieben: `Ich habe gesagt: Ihr seid Götter? 10,35

Wenn er jene Götter nannte, an die das Wort Gottes erging - und die Schrift kann nicht aufgelöst

werden -, 10,36 sagt ihr von dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst,

weil ich sagte: Ich bin Gottes Sohn? 10,37 Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt mir

nicht; 10,38 wenn ich sie aber tue, so glaubt den Werken, wenn ihr auch mir nicht glaubt, damit ihr

erkennt und glaubt, daß der Vater in mir ist und ich in ihm.

10,39 Da suchten sie wieder ihn zu greifen, und er entging ihrer Hand. 10,40 Und er ging wieder weg

jenseits des Jordan an den Ort, wo Johannes zuerst taufte, und er blieb dort. 10,41 Und viele kamen zu

ihm und sagten: Johannes tat zwar kein Zeichen; alles aber, was Johannes von diesem gesagt hat, war

wahr. 10,42 Und viele glaubten dort an ihn.

Krankheit und Tod des Lazarus.

Kapitel 11

11,1 Es war aber einer krank, Lazarus, von Bethanien, aus dem Dorf der Maria und ihrer Schwester

Martha. 11,2 Maria aber war es, die den Herrn mit Salböl salbte und seine Füße mit ihren Haaren

abtrocknete; deren Bruder Lazarus war krank. 11,3 Da sandten die Schwestern zu ihm und ließen ihm

sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank. 11,4 Als aber Jesus es hörte, sprach er: Diese

Krankheit ist nicht zum Tode, sondern um der Herrlichkeit Gottes willen, damit der Sohn Gottes

durch sie verherrlicht werde. 11,5 Jesus aber liebte die Martha und ihre Schwester und den Lazarus.

11,6 Als er nun hörte, daß er krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war. 11,7 Danach

spricht er zu den Jüngern: Laßt uns wieder nach Judäa gehen. 11,8 Die Jünger sagen zu ihm: Rabbi,

eben suchten die Juden dich zu steinigen, und wieder gehst du dahin? 11,9 Jesus antwortete: Hat der

Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser

Welt sieht; 11,10 wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm

ist. 11,11 Dies sprach er, und danach sagt er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, ist eingeschlafen; aber

ich gehe hin, damit ich ihn aufwecke. 11,12 Da sprachen die Jünger zu ihm: Herr, wenn er

eingeschlafen ist, so wird er geheilt werden. 11,13 Jesus aber hatte von seinem Tod gesprochen: sie

aber meinten, er rede von der Ruhe des Schlafes. 11,14 Dann nun sagte ihnen Jesus gerade heraus:

Lazarus ist gestorben; 11,15 und ich bin froh um euretwillen, daß ich nicht dort war, damit ihr glaubt;

aber laßt uns zu ihm gehen. 11,16 Da sprach Thomas, der [auch] Zwilling genannt ist, zu den

Mitjüngern: Laßt auch uns gehen, daß wir mit ihm sterben.

Auferweckung des Lazarus.

11,17 Als nun Jesus kam, fand er ihn schon vier Tage in der Gruft liegen. 11,18 Bethanien aber war

nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien weit; 11,19 und viele von den Juden waren zu Martha und

Maria gekommen, um sie über ihren Bruder zu trösten. 11,20 Martha nun, als sie hörte, daß Jesus

komme, ging ihm entgegen. Maria aber saß im Haus. 11,21 Da sprach Martha zu Jesus: Herr, wenn du

hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben; 11,22 und jetzt weiß ich, daß, was du von

Gott bitten magst, Gott dir geben wird. 11,23 Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

11,24 Martha spricht zu ihm: Ich weiß, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag.

11,25 Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben,

auch wenn er gestorben ist; 11,26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in

Ewigkeit. Glaubst du das? 11,27 Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, daß du der Christus bist, der

Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. 11,28 Und als sie dies gesagt hatte, ging sie hin und rief

heimlich ihre Schwester Maria und sagte: Der Lehrer ist da und ruft dich. 11,29 Als jene es hörte,

steht sie schnell auf und geht zu ihm. 11,30 Jesus aber war noch nicht in das Dorf gekommen, sondern

war an dem Ort, wo Martha ihm begegnet war. 11,31 Als nun die Juden, die bei ihr im Haus waren

und sie trösteten, sahen, daß Maria schnell aufstand und hinausging, folgten sie ihr, da sie meinten, sie

gehe zur Gruft, um dort zu weinen. 11,32 Als nun Maria dahin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel

sie ihm zu Füßen und sprach zu ihm: Herr, wenn du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht

gestorben. 11,33 Als nun Jesus sie weinen sah und die Juden weinen, die mit ihr gekommen waren,

wurde er im Geist erzürnt und wurde erschüttert 11,34 und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie

sagen zu ihm: Herr, komm und sieh! 11,35 Jesus weinte. 11,36 Da sprachen die Juden: Siehe, wie lieb

hat er ihn gehabt! 11,37 Einige aber von ihnen sagten: Konnte dieser, der die Augen des Blinden

auftat, nicht machen, daß auch dieser nicht gestorben wäre? 11,38 Jesus nun, wieder in seinem Innern

erzürnt, kommt zur Gruft. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag davor. 11,39 Jesus spricht: Nehmt

den Stein weg! Die Schwester des Verstorbenen, Martha, spricht zu ihm: Herr, er riecht schon, denn

er ist vier Tage hier. 11,40 Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubtest, so

würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen? 11,41 Sie nahmen nun den Stein weg. Jesus aber hob die

Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast. 11,42 Ich aber wußte, daß du

mich allezeit erhörst; doch um der Volksmenge willen, die umhersteht, habe ich es gesagt, damit sie

glauben, daß du mich gesandt hast. 11,43 Und als er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme:

Lazarus, komm heraus! 11,44 Und der Verstorbene kam heraus, an Füßen und Händen mit

Grabtüchern umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch umbunden. Jesus spricht zu

ihnen: Macht ihn frei und laßt ihn gehen.

11,45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was er getan hatte,

glaubten an ihn. 11,46 Einige aber von ihnen gingen hin zu den Pharisäern und sagten ihnen, was

Jesus getan hatte.

Ratssitzung über Jesus: Beschluß, ihn

zu töten.

11,47 Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer [den] Hohen Rat und sprachen: Was tun

wir? Denn dieser Mensch tut viele Zeichen. 11,48 Wenn wir ihn so lassen, werden alle an ihn

glauben, und die Römer werden kommen und unsere Stadt wie auch unsere Nation wegnehmen. 11,49

Einer aber von ihnen, Kaiphas, der jenes Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wißt nichts

11,50 und überlegt auch nicht, daß es euch nützlich ist, daß ein Mensch für das Volk sterbe und nicht

die ganze Nation umkomme. 11,51 Dies aber sagte er nicht aus sich selbst, sondern da er jenes Jahr

Hoherpriester war, weissagte er, daß Jesus für die Nation sterben sollte; 11,52 und nicht für die Nation

allein, sondern daß er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte. 11,53 Von jenem Tag

an ratschlagten sie nun, um ihn zu töten. 11,54 Jesus ging nun nicht mehr öffentlich unter den Juden

umher, sondern ging von dort weg in die Gegend nahe bei der Wüste, in eine Stadt mit Namen

Ephraim; und dort verweilte er mit den Jüngern.

11,55 Es war aber nahe das Passah der Juden, und viele gingen aus dem Land hinauf nach Jerusalem

vor dem Passah, um sich zu reinigen. 11,56 Sie suchten nun Jesus und sprachen, als sie im Tempel

standen, untereinander: Was meint ihr? Wird er nicht zu dem Fest kommen? 11,57 Es hatten aber die

Hohenpriester und die Pharisäer Befehl gegeben, wenn jemand wisse, wo er sei, daß er es anzeigen

solle, damit sie ihn griffen.

Salbung Jesu in Bethanien.

Mt 26,6-13; Mk 14,3-9

Kapitel 12

12,1 Jesus nun kam sechs Tage vor dem Passah nach Bethanien, wo Lazarus war, den Jesus aus den

Toten auferweckt hatte. 12,2 Sie machten ihm nun dort ein Abendessen, und Martha diente; Lazarus

aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch lagen. 12,3 Da nahm Maria ein Pfund Salböl von

echter, sehr kostbarer Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete seine Füße mit ihren Haaren. Das

Haus aber wurde von dem Geruch des Salböls erfüllt. 12,4 Es sagt aber Judas, der Iskariot, einer von

seinen Jüngern, der ihn überliefern sollte: 12,5 Warum ist dieses Salböl nicht für dreihundert Denare

verkauft und den Armen gegeben worden? 12,6 Er sagte dies aber nicht, weil er für die Armen besorgt

war, sondern weil er ein Dieb war und die Kasse hatte und beiseiteschaffte, was eingelegt wurde. 12,7

Da sprach Jesus: Laß sie! Möge sie es aufbewahrt haben für den Tag meines Begräbnisses! 12,8 Denn

die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.

Anschläge der Hohenpriester gegen

Lazarus.

12,9 Eine große Volksmenge aus den Juden erfuhr nun, daß er dort sei; und sie kamen nicht um Jesu

willen allein, sondern damit sie auch den Lazarus sähen, den er aus den Toten auferweckt hatte. 12,10

Die Hohenpriester aber ratschlagten, auch den Lazarus zu töten, 12,11 weil viele von den Juden um

seinetwillen hingingen und an Jesus glaubten.

Einzug in Jerusalem.

Mt 21,1-11; Mk 11,1-10; Lk 19,28-40

12,12 Am folgenden Tag, als eine große Volksmenge, die zu dem Fest gekommen war, hörte, daß

Jesus nach Jerusalem komme, 12,13 nahmen sie die Palmzweige und gingen hinaus, ihm entgegen,

und schrien: Hosanna! Gepriesen [sei], der da kommt im Namen des Herrn, und der König Israels!

12,14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht: 12,15 `Fürchte

dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt, sitzend auf einem Eselsfüllen. 12,16 Dies

verstanden seine Jünger zuerst nicht; jedoch als Jesus verherrlicht war, da erinnerten sie sich, daß dies

von ihm geschrieben war und sie ihm dies getan hatten. 12,17 Es bezeugte nun die Volksmenge, die

bei ihm war, daß er Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn aus den Toten auferweckt habe. 12,18

Darum ging ihm auch die Volksmenge entgegen, weil sie hörten, daß er dieses Zeichen getan hatte.

12,19 Da sprachen die Pharisäer zueinander: Ihr seht, daß ihr gar nichts ausrichtet; siehe, die Welt ist

ihm nachgegangen.

Über das Sterben des

Menschensohnes.

12,20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die hinzukamen, um auf dem Fest anzubeten. 12,21

Diese nun kamen zu Philippus von Bethsaida in Galiläa und baten ihn und sagten: Herr, wir möchten

Jesus sehen. 12,22 Philippus kommt und sagt es Andreas, es kommt Andreas und Philippus, und sie

sagen es Jesus. 12,23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, daß der Sohn

des Menschen verherrlicht werde. 12,24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn

nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. 12,25 Wer

sein Leben liebt, wird es verlieren; und wer sein Leben in dieser Welt haßt, wird es zum ewigen

Leben bewahren. 12,26 Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach; und wo ich bin, da wird auch

mein Diener sein. Wenn mir jemand dient, so wird der Vater ihn ehren. 12,27 Jetzt ist meine Seele

bestürzt. Und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese

Stunde gekommen. 12,28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme aus dem Himmel:

Ich habe [ihn] verherrlicht und werde [ihn] auch wieder verherrlichen. 12,29 Die Volksmenge nun,

die dastand und zuhörte, sagte, es habe gedonnert; andere sagten: Ein Engel hat mit ihm geredet.

12,30 Jesus antwortete und sprach: Nicht um meinetwillen ist diese Stimme geschehen, sondern um

euretwillen. 12,31 Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen

werden. 12,32 Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. 12,33 Dies aber

sagte er, um anzudeuten, welches Todes er sterben sollte. 12,34 Die Volksmenge antwortete ihm: Wir

haben aus dem Gesetz gehört, daß der Christus bleibe in Ewigkeit, und wie sagst du, daß der Sohn des

Menschen erhöht werden müsse? Wer ist dieser, der Sohn des Menschen? 12,35 Da sprach Jesus zu

ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht unter euch; wandelt, während ihr das Licht habt, damit nicht

Finsternis euch ergreife. Und wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht. 12,36 Während

ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichtes werdet. Dies redete Jesus und ging

weg und verbarg sich vor ihnen.

Unglaube und Glaube bei den Juden.

12,37 Obwohl er aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn, 12,38 damit

das Wort des Propheten Jesaja erfüllt würde, das er sprach: `Herr, wer hat unserer Verkündigung

geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn offenbart worden? 12,39 Darum konnten sie nicht glauben,

weil Jesaja wieder gesagt hat: 12,40 `Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, daß sie

nicht mit den Augen sehen und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile. 12,41

Dies sprach Jesaja, weil er seine Herrlichkeit sah und von ihm redete. 12,42 Dennoch aber glaubten

auch von den Obersten viele an ihn; doch wegen der Pharisäer bekannten sie [ihn] nicht, damit sie

nicht aus der Synagoge ausgeschlossen würden; 12,43 denn sie liebten die Ehre bei den Menschen

mehr als die Ehre bei Gott.

Abschluß der öffentlichen Wirksamkeit

Jesu: Folgen des Glaubens und des

Unglaubens.

12,44 Jesus aber rief und sprach: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich

gesandt hat; 12,45 und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. 12,46 Ich bin als Licht in die

Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe; 12,47 und wenn

jemand meine Worte hört und nicht befolgt, so richte ich ihn nicht, denn ich bin nicht gekommen, daß

ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt errette. 12,48 Wer mich verwirft und meine Worte nicht

annimmt, hat den, der ihn richtet: das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.

12,49 Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, er hat mir

ein Gebot gegeben, was ich sagen und was ich reden soll; 12,50 und ich weiß, daß sein Gebot ewiges

Leben ist. Was ich nun rede, rede ich so, wie mir der Vater gesagt hat.

Die Fußwaschung.

Kapitel 13

13,1 Vor dem Passahfest aber, als Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zu

dem Vater hinzugehen - da er die Seinen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans

Ende. 13,2 Und während des Abendessens, als der Teufel schon dem Judas, Simons [Sohn], dem

Iskariot, es ins Herz gegeben hatte, daß er ihn überliefere, 13,3 steht [Jesus] - im Bewußtsein, daß der

Vater ihm alles in die Hände gegeben und daß er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe -

13,4 von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und

umgürtete sich. 13,5 Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, die Füße der Jünger zu

waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. 13,6 Er kommt nun zu

Simon Petrus, und der spricht zu ihm: Herr, du wäschst meine Füße? 13,7 Jesus antwortete und sprach

zu ihm: Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen. 13,8 Petrus spricht zu

ihm: Du sollst nimmermehr meine Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche,

so hast du kein Teil mit mir. 13,90 Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht meine Füße allein,

sondern auch die Hände und das Haupt. 13,10 Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig,

sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle.

13,11 Denn er kannte den, der ihn überlieferte; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.

13,12 Als er nun ihre Füße gewaschen und seine Oberkleider genommen hatte, legte er sich wieder zu

Tisch und sprach zu ihnen: Wißt ihr, was ich euch getan habe? 13,13 Ihr nennt mich Lehrer und Herr,

und ihr sagt recht, denn ich bin es. 13,14 Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße

gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. 13,15 Denn ich habe euch

ein Beispiel gegeben, daß auch ihr tut, wie ich euch getan habe. 13,16 Wahrlich, wahrlich, ich sage

euch: Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer, als der ihn gesandt hat.

13,17 Wenn ihr dies wißt, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut.

Bezeichnung des Verräters.

Mt 26,20-25; Mk 14,17-21; Lk 22,14.21-23

13,18 Ich rede nicht von euch allen, ich weiß, welche ich erwählt habe; aber damit die Schrift erfüllt

würde: `Der mit mir das Brot ißt, hat seine Ferse gegen mich aufgehoben. 13,19 Von jetzt an sage ich

es euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt, daß ich es bin. 13,20 Wahrlich,

wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich

aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.

13,21 Als Jesus dies gesagt hatte, wurde er im Geist erschüttert und bezeugte und sprach: Wahrlich,

wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern. 13,22 Da blickten die Jünger einander

an, in Verlegenheit darüber, von wem er rede. 13,23 Einer von seinen Jüngern, den Jesus liebte, lag zu

Tisch an der Brust Jesu. 13,24 Diesem nun winkt Simon Petrus und spricht zu ihm: Sage, wer es ist,

von dem er spricht. 13,25 Jener lehnt sich an die Brust Jesu und spricht zu ihm: Herr, wer ist es? 13,26

Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen, wenn ich ihn eingetaucht habe, geben werde. Und als

er den Bissen eingetaucht hatte, nimmt er ihn und gibt ihn dem Judas, Simons [Sohn], dem Ischarioth.

13,27 Und nach dem Bissen fuhr dann der Satan in ihn. Jesus spricht nun zu ihm: Was du tust, tu

schnell! 13,28 Keiner aber von den zu Tisch Liegenden verstand, wozu er ihm dies sagte: 13,29 Denn

einige meinten, weil Judas die Kasse hatte, daß Jesus zu ihm sage: Kaufe, was wir für das Fest

benötigen, oder daß er den Armen etwas geben solle. 13,30 Als nun jener den Bissen genommen

hatte, ging er sogleich hinaus. Es war aber Nacht.

Das neue Gebot: Liebe.

13,31 Als er nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und

Gott ist verherrlicht in ihm. 13,32 Wenn Gott verherrlicht ist in ihm, so wird auch Gott ihn

verherrlichen in sich selbst, und er wird ihn sogleich verherrlichen. 13,33 Kinder, noch eine kleine

Weile bin ich bei euch; ihr werdet mich suchen, und wie ich den Juden sagte: Wohin ich gehe, könnt

ihr nicht hinkommen, so sage ich jetzt auch euch. 13,34 Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr

einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. 13,35 Daran werden alle

erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Ankündigung der Verleugnung durch

Petrus.

Mt 26,31-35; Mk 14,27-31; Lk 22,31-34

13,36 Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, wohin gehst du? Jesus antwortete ihm: Wohin ich gehe,

[dorthin] kannst du mir jetzt nicht folgen; du wirst mir aber später folgen. 13,37 Petrus spricht zu ihm:

Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich lassen. 13,38 Jesus

antwortet: Dein Leben willst du für mich lassen? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, der Hahn wird

nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast.

Hingang zum Vater und Wiederkunft -

Offenbarung des Vaters.

Kapitel 14

14,1 Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich. 14,2 Im Hause meines

Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin,

euch eine Stätte zu bereiten? 14,3 Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich

wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. 14,4 Und wohin ich gehe,

dahin wißt ihr den Weg. 14,5 Thomas spricht zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Und

wie können wir den Weg wissen? 14,6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und

das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. 14,7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet

ihr auch meinen Vater erkennen; und von jetzt an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 14,8 Philippus

spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns. 14,9 Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit

bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater

gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater? 14,10 Glaubst du nicht, daß ich in dem Vater bin

und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater

aber, der in mir bleibt, tut seine Werke. 14,11 Glaubt mir, daß ich in dem Vater bin und der Vater in

mir ist; wenn aber nicht, so glaubt mir um der Werke selbst willen. 14,12 Wahrlich, wahrlich, ich sage

euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun,

weil ich zum Vater gehe. 14,13 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun,

damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. 14,14 Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen,

so werde ich es tun.

Sendung des Sachwalters.

14,15 Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; 14,16 und ich werde den Vater bitten,

und er wird euch einen anderen Beistand geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit, 14,17 den Geist der

Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn,

denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 14,18 Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich

komme zu euch. 14,19 Noch ein Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich: weil

ich lebe, werdet auch ihr leben. 14,20 An jenem Tag werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater

bin und ihr in mir und ich in euch. 14,21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt;

wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst

ihm offenbaren. 14,22 Judas, nicht der Ischarioth, spricht zu ihm: Herr, wie kommt es, daß du dich

uns offenbaren willst und nicht der Welt? 14,23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand

mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm

kommen und Wohnung bei ihm machen. 14,24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht; und das

Wort, das ihr hört, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. 14,25 Dies habe ich zu

euch geredet, während ich bei euch weile. 14,26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater

senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch

gesagt habe. 14,27 Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt,

gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam. 14,28 Ihr habt gehört, daß ich

euch gesagt habe: Ich gehe hin, und ich komme zu euch. Wenn ihr mich liebtet, so würdet ihr euch

freuen, daß ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich. 14,29 Und jetzt habe ich es euch

gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es geschieht. 14,30 Ich werde nicht mehr vieles mit

euch reden, denn der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir; 14,31 aber damit die Welt erkenne,

daß ich den Vater liebe und so tue, wie mir der Vater geboten hat. - Steht auf, laßt uns von hier

fortgehen!

Der wahre Weinstock.

Kapitel 15

15,1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. 15,2 Jede Rebe an mir, die

nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, daß sie mehr Frucht

bringe. 15,3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 15,4 Bleibt in mir

und ich in euch. Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am

Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir. 15,5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.

15,6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man

sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 15,7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte

in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen. 15,8 Hierin wird

mein Vater verherrlicht, daß ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Das Gebot der Liebe.

15,9 Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt; bleibt in meiner Liebe. 15,10 Wenn

ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters

gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. 15,11 Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in

euch sei und eure Freude völlig werde. 15,12 Dies ist mein Gebot, daß ihr einander liebt, wie ich euch

geliebt habe. 15,13 Größere Liebe hat niemand als die, daß er sein Leben hingibt für seine Freunde.

15,14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. 15,15 Ich nenne euch nicht mehr

Sklaven, denn der Sklave weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich

alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe. 15,16 Ihr habt nicht mich erwählt,

sondern ich habe euch erwählt und euch gesetzt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht

bleibe, damit, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe. 15,17 Dies gebiete ich

euch, daß ihr einander liebt!

Ankündigung von Verfolgungen.

15,18 Wenn die Welt euch haßt, so wißt, daß sie mich vor euch gehaßt hat. 15,19 Wenn ihr von der

Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch

aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt. 15,20 Gedenkt des Wortes, das ich euch gesagt

habe: Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch

verfolgen; wenn sie mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eure halten. 15,21 Aber dies alles

werden sie euch tun um meines Namens willen, weil sie den nicht kennen, der mich gesandt hat.

15,22 Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen geredet hätte, so hätten sie keine Sünde; jetzt

aber haben sie keinen Vorwand für ihre Sünde. 15,23 Wer mich haßt, haßt auch meinen Vater. 15,24

Wenn ich nicht die Werke unter ihnen getan hätte, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine

Sünde; jetzt aber haben sie [sie] gesehen und [doch] sowohl mich als auch meinen Vater gehaßt. 15,25

Aber [dies geschieht], damit das Wort erfüllt würde, das in ihrem Gesetz geschrieben steht: `Sie haben

mich ohne Ursache gehaßt. 15,26 Wenn der Beistand gekommen ist, den ich euch von dem Vater

senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird der von mir zeugen. 15,27

Aber auch ihr zeugt, weil ihr von Anfang an bei mir seid.

Kapitel 16

16,1 Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert. 16,2 Sie werden euch aus der

Synagoge ausschließen; es kommt sogar die Stunde, daß jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen

Opferdienst darzubringen. 16,3 Und dies werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt

haben. 16,4 Dies aber habe ich zu euch geredet, damit ihr, wenn die Stunde gekommen ist, daran

gedenkt, daß ich es euch gesagt habe. Dies aber habe ich euch von Anfang an nicht gesagt, weil ich

bei euch war.

Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes.

16,5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt mich: Wohin

gehst du? 16,6 sondern weil ich dies zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt. 16,7

Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, daß ich weggehe, denn wenn ich nicht

weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch

senden. 16,8 Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von

Gerechtigkeit und von Gericht. 16,9 Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; 16,10 von

Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; 16,11 von Gericht aber,

weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

16,12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. 16,13 Wenn aber jener,

der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht

aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch

verkündigen. 16,14 Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch

verkündigen. 16,15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, daß er von dem Meinen nimmt

und euch verkündigen wird.

Trost und Freude im Blick auf Jesu

Abscheiden und Wiederkehr.

16,16 Eine kleine [Weile], und ihr seht mich nicht, und wieder eine kleine [Weile], und ihr werdet

mich sehen. 16,17 Es sprachen nun einige von seinen Jüngern zueinander: Was ist das, was er zu uns

sagt: Eine kleine [Weile], und ihr seht mich nicht, und wieder eine kleine [Weile], und ihr werdet

mich sehen, und: Ich gehe hin zum Vater? 16,18 Sie sprachen nun: Was ist das für eine `kleine

[Weile], wovon er redet? Wir wissen nicht, was er sagt. 16,19 Jesus erkannte, daß sie ihn fragen

wollten, und sprach zu ihnen: Forscht ihr darüber miteinander, daß ich sagte: Eine kleine [Weile], und

ihr seht mich nicht, und wieder eine kleine [Weile], und ihr werdet mich sehen? 16,20 Wahrlich,

wahrlich, ich sage euch, daß ihr weinen und wehklagen werdet, aber die Welt wird sich freuen; ihr

werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit wird zur Freude werden. 16,21 Die Frau hat Traurigkeit,

wenn sie gebiert, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, gedenkt sie

nicht mehr der Bedrängnis, um der Freude willen, daß ein Mensch zur Welt geboren ist. 16,22 Auch

ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen,

und eure Freude nimmt niemand von euch. 16,23 Und an jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch

geben. 16,24 Bis jetzt habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, und ihr werdet empfangen,

damit eure Freude völlig sei. 16,25 Dies habe ich in Bildreden zu euch geredet; es kommt die Stunde,

da ich nicht mehr in Bildreden zu euch sprechen, sondern euch offen von dem Vater verkündigen

werde. 16,26 An jenem Tag werdet ihr bitten in meinem Namen, und ich sage euch nicht, daß ich den

Vater für euch bitten werde; 16,27 denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich geliebt und

geglaubt habt, daß ich von Gott ausgegangen bin. 16,28 Ich bin von dem Vater ausgegangen und in

die Welt gekommen; wieder verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.

16,29 Seine Jünger sprechen zu ihm: Siehe, jetzt redest du offen und gebrauchst keine Bildrede; 16,30

jetzt wissen wir, daß du alles weißt und nicht nötig hast, daß dich jemand frage; hierdurch glauben

wir, daß du von Gott ausgegangen bist. 16,31 Jesus antwortete ihnen: Glaubt ihr jetzt? 16,32 Siehe, es

kommt die Stunde und ist gekommen, daß ihr euch zerstreuen werdet, ein jeder in seine Heimat und

mich allein lassen werdet; doch ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. 16,33 Dies habe ich zu

euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Drangsal; aber seid guten Mutes, ich

habe die Welt überwunden.

Das hohepriesterliche Gebet.

Kapitel 17

17,1 Dies redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist

gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche, 17,2 wie du ihm Vollmacht

gegeben hast über alles Fleisch, daß er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe. 17,3 Dies

aber ist das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus

Christus, erkennen. 17,4 Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du

mir gegeben hast, daß ich es tun sollte. 17,5 Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit

der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

17,6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Dein

waren sie, und mir hast du sie gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. 17,7 Jetzt haben sie

erkannt, daß alles, was du mir gegeben hast, von dir ist; 17,8 denn die Worte, die du mir gegeben hast,

habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, daß ich von dir

ausgegangen bin, und haben geglaubt, daß du mich gesandt hast. 17,9 Ich bitte für sie; nicht für die

Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, denn sie sind dein 17,10 - und alles, was

mein ist, ist dein, und was dein ist, mein -, und ich bin in ihnen verherrlicht. 17,11 Und ich bin nicht

mehr in der Welt, und diese sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater! Bewahre sie in

deinem Namen, den du mir gegeben hast, daß sie eins seien wie wir. 17,12 Als ich bei ihnen war,

bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast; und ich habe [sie] behütet, und keiner

von ihnen ist verloren als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde. 17,13 Jetzt

aber komme ich zu dir; und dieses rede ich in der Welt, damit sie meine Freude völlig in sich haben.

17,14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt, weil sie nicht von der Welt

sind, wie ich nicht von der Welt bin. 17,15 Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt wegnimmst,

sondern daß du sie bewahrst vor dem Bösen. 17,16 Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der

Welt bin. 17,17 Heilige sie durch die Wahrheit: dein Wort ist Wahrheit. 17,18 Wie du mich in die

Welt gesandt hast, habe auch ich sie in die Welt gesandt; 17,19 und ich heilige mich selbst für sie,

damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit. 17,20 Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern

auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben, 17,21 damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in

mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast.

17,22 Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, daß sie eins seien, wie

wir eins sind 17,23 - ich in ihnen und du in mir -, daß sie in eins vollendet seien, damit die Welt

erkenne, daß du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast. 17,24 Vater, ich will, daß

die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen,

die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. 17,25 Gerechter Vater!

- Und die Welt hat dich nicht erkannt; ich aber habe dich erkannt, und diese haben erkannt, daß du

mich gesandt hast. 17,26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit

die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen.

Gefangennahme.

Mt 26,47-56; Mk 14,43-50; Lk 22,47-53

Kapitel 18

18,1 Als Jesus dies gesagt hatte, ging er mit seinen Jüngern hinaus über den Bach Kidron, wo ein

Garten war, in den er hineinging, er und seine Jünger. 18,2 Aber auch Judas, der ihn überlieferte,

wußte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammen war. 18,3 Als nun Judas die Schar

und von den Hohenpriestern und Pharisäern Diener genommen hatte, kommt er dahin mit Leuchten

und Fackeln und Waffen. 18,4 Jesus nun, der alles wußte, was über ihn kommen würde, ging hinaus

und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? 18,5 Sie antworteten ihm: Jesus, den Nazoräer. Er spricht zu

ihnen: Ich bin}s. Aber auch Judas, der ihn überlieferte, stand bei ihnen. 18,6 Als er nun zu ihnen

sagte: Ich bin}s, wichen sie zurück und fielen zu Boden. 18,7 Da fragte er sie wieder: Wen sucht ihr?

Sie aber sprachen: Jesus, den Nazoräer. 18,8 Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, daß ich es bin;

wenn ihr nun mich sucht, so laßt diese gehen; 18,9 damit das Wort erfüllt würde, das er sprach: Von

denen, die du mir gegeben hast, habe ich keinen verloren. 18,10 Simon Petrus nun, der ein Schwert

hatte, zog es und schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Name

des Knechtes aber war Malchus. 18,11 Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide!

Den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?

Verhör durch Hannas - Verleugnung

durch Petrus.

Mt 26,57-75; Mk 14,53-72; Lk 22,54-71

18,12 Die Schar nun und der Oberst und die Diener der Juden nahmen Jesus und banden ihn; 18,13

und sie führten ihn zuerst hin zu Hannas, denn er war Schwiegervater des Kaiphas, der jenes Jahr

Hoherpriester war. 18,14 Kaiphas aber war es, der den Juden geraten hatte, es sei nützlich, daß ein

Mensch für das Volk sterbe. 18,15 Simon Petrus aber folgte Jesus und ein anderer Jünger. Dieser

Jünger aber war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus hinein in den Hof des Hohenpriesters.

18,16 Petrus aber stand an der Tür draußen. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester

bekannt war, hinaus und sprach mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. 18,17 Da spricht die

Magd, die Türhüterin, zu Petrus: Bist nicht auch du [einer] von den Jüngern dieses Menschen? Er

sagt: Ich bin}s nicht. 18,18 Es standen aber die Knechte und die Diener da, die ein Kohlenfeuer

gemacht hatten, weil es kalt war, und wärmten sich; Petrus aber stand auch bei ihnen und wärmte sich.

18,19 Der Hohepriester nun fragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. 18,20 Jesus

antwortete ihm: Ich habe öffentlich zu der Welt geredet; ich habe allezeit in der Synagoge und in dem

Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen, und im Verborgenen habe ich nichts geredet.

18,21 Was fragst du mich? Frage die, welche gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe,

diese wissen, was ich gesagt habe. 18,22 Als er aber dies sagte, gab einer der Diener, der dabeistand,

Jesus einen Schlag [ins Gesicht] und sagte: Antwortest du so dem Hohenpriester? 18,23 Jesus

antwortete ihm: Wenn ich schlecht geredet habe, so gib Zeugnis von dem Schlechten; wenn aber

recht, was schlägst du mich? 18,24 Hannas nun sandte ihn gebunden zu Kaiphas, dem Hohenpriester.

18,25 Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: Bist nicht auch du [einer]

von seinen Jüngern? Er leugnete und sprach: Ich bin}s nicht. 18,26 Es spricht einer von den Knechten

des Hohenpriesters, der ein Verwandter dessen war, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich

dich nicht in dem Garten bei ihm? 18,27 Da leugnete Petrus wieder; und gleich darauf krähte der

Hahn.

Verhör durch Pilatus.

Mt 27,2.11-26; Mk 15,1-15; Lk 23,1-5.13-25

18,28 Sie führen nun Jesus von Kaiphas in das Prätorium; es war aber frühmorgens. Und sie gingen

nicht hinein in das Prätorium, damit sie sich nicht verunreinigten, sondern das Passah essen könnten.

18,29 Pilatus ging nun zu ihnen hinaus und sprach: Welche Anklage bringt ihr gegen diesen

Menschen vor? 18,30 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wenn dieser nicht ein Übeltäter wäre,

würden wir ihn dir nicht überliefert haben. 18,31 Da sprach Pilatus zu ihnen: Nehmt ihr ihn und

richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Es ist uns nicht erlaubt, jemanden zu

töten; 18,32 damit das Wort Jesu erfüllt würde, das er sprach, um anzudeuten, welches Todes er

sterben sollte.

18,33 Pilatus ging nun wieder hinein in das Prätorium und rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du der

König der Juden? 18,34 Jesus antwortete: Sagst du dies von dir selbst, oder haben dir andere von mir

gesagt? 18,35 Pilatus antwortete: Bin ich etwa ein Jude? Deine Nation und die Hohenpriester haben

dich mir überliefert. Was hast du getan? 18,36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt;

wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht

überliefert würde, jetzt aber ist mein Reich nicht von hier. 18,37 Da sprach Pilatus zu ihm: Also, du

bist ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, daß ich ein König bin. Ich bin dazu geboren und dazu in

die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört

meine Stimme. 18,38 Pilatus spricht zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er dies gesagt hatte, ging er

wieder zu den Juden hinaus und spricht zu ihnen: Ich finde keinerlei Schuld an ihm; 18,39 es ist aber

ein Brauch bei euch, daß ich euch an dem Passah einen losgebe. Wollt ihr nun, daß ich euch den

König der Juden losgebe? 18,40 Da schrien wieder alle und sagten: Nicht diesen, sondern den

Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.

Geißelung und Verurteilung.

V. 1-5: Mt 27,26-31; Mk 15,15-20

Kapitel 19

19,1 Dann nahm nun Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 19,2 Und die Soldaten flochten eine Krone

aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und warfen ihm ein Purpurkleid um; 19,3 und sie kamen zu

ihm und sagten: Sei gegrüßt, König der Juden! Und sie gaben ihm Schläge [ins Gesicht]. 19,4 Und

Pilatus ging wieder hinaus und spricht zu ihnen: Siehe, ich führe ihn zu euch heraus, damit ihr wißt,

daß ich keinerlei Schuld an ihm finde. 19,5 Jesus nun ging hinaus und trug die Dornenkrone und das

Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Siehe, der Mensch! 19,6 Als ihn nun die Hohenpriester und die

Diener sahen, schrien sie und sagten: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn

hin und kreuzigt ihn, denn ich finde keine Schuld an ihm. 19,7 Die Juden antworteten ihm: Wir haben

ein Gesetz, und nach dem Gesetz muß er sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat. 19,8

Als nun Pilatus dieses Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr; 19,9 und er ging wieder hinein in das

Prätorium und spricht zu Jesus: Woher bist du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. 19,10 Da spricht

Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Macht habe, dich loszugeben, und

Gewalt habe, dich zu kreuzigen? 19,11 Jesus antwortete: Du hättest keinerlei Macht über mich, wenn

sie dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat der, welcher mich dir überliefert hat, größere Sünde.

19,12 Daraufhin suchte Pilatus ihn loszugeben. Die Juden aber schrien und sagten: Wenn du diesen

losgibst, bist du des Kaisers Freund nicht; jeder, der sich selbst zum König macht, widersetzt sich dem

Kaiser. 19,13 Als nun Pilatus diese Worte hörte, führte er Jesus hinaus und setzte sich auf den

Richterstuhl an einen Ort, genannt Steinpflaster, auf hebräisch aber Gabbatha. 19,14 Es war aber

Rüsttag des Passah; es war um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Siehe, euer König!

19,15 Sie aber schrien: Weg, weg! kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Euren König soll ich

kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. 19,16 Dann

nun lieferte er ihn an sie aus, daß er gekreuzigt würde. Sie aber nahmen Jesus hin und führten ihn fort.

Golgatha: Kreuzigung.

Mt 27,32-44; Mk 15,21-32; Lk 23,26-43

19,17 Und er selbst trug sein Kreuz und ging hinaus nach der Stätte, genannt Schädelstätte, die auf

hebräisch Golgatha heißt, 19,18 wo sie ihn kreuzigten, und zwei andere mit ihm, auf dieser und auf

jener Seite, Jesus aber in der Mitte. 19,19 Pilatus schrieb aber auch eine Aufschrift und setzte sie auf

das Kreuz. Es war aber geschrieben: Jesus, der Nazoräer, der König der Juden. 19,20 Diese Aufschrift

nun lasen viele von den Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt;

und es war geschrieben auf hebräisch, griechisch [und] lateinisch. 19,21 Die Hohenpriester der Juden

sagten nun zu Pilatus: Schreibe nicht: Der König der Juden, sondern daß jener gesagt hat: Ich bin

König der Juden. 19,22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.

19,23 Die Soldaten nun nahmen, als sie Jesus gekreuzigt hatten, seine Kleider - und machten vier

Teile, einem jeden Soldaten einen Teil - und das Unterkleid. Das Unterkleid aber war ohne Naht, von

oben an durchgewebt. 19,24 Da sprachen sie zueinander: Laßt es uns nicht zerreißen, sondern darum

losen, wessen es sein soll; damit die Schrift erfüllt würde, die spricht: `Sie haben meine Kleider unter

sich verteilt, und über mein Gewand haben sie das Los geworfen. Die Soldaten nun haben dies getan.

19,25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, des

Kleopas [Frau] und Maria Magdalena. 19,26 Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger, den er

liebte, dabeistehen, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! 19,27 Dann spricht er zu dem

Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich.

Golgatha: Tod.

V. 28-30: Mt 27,45-50; Mk 15,33-37; Lk 23,44-46

19,28 Danach, da Jesus wußte, daß alles schon vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt

würde: Mich dürstet! 19,29 Es stand nun dort ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm

mit Essig und legten ihn um einen Ysop und brachten ihn an seinen Mund. 19,30 Als nun Jesus den

Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

19,31 Die Juden nun baten den Pilatus, damit die Leiber nicht am Sabbat am Kreuz blieben, weil es

Rüsttag war - denn der Tag jenes Sabbats war groß -, daß ihre Beine gebrochen und sie abgenommen

werden möchten. 19,32 Da kamen die Soldaten und brachen die Beine des ersten und des anderen, der

mit ihm gekreuzigt war. 19,33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er schon gestorben war,

brachen sie ihm die Beine nicht, 19,34 sondern einer der Soldaten durchbohrte mit einem Speer seine

Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. 19,35 Und der es gesehen hat, hat es bezeugt, und

sein Zeugnis ist wahr; und er weiß, daß er sagt, [was] wahr [ist], damit auch ihr glaubt. 19,36 Denn

dies geschah, damit die Schrift erfüllt würde: `Kein Bein von ihm wird zerbrochen werden. 19,37 Und

wieder sagt eine andere Schrift: `Sie werden den anschauen, den sie durchstochen haben.

Grablegung.

Mt 27,57-61; Mk 15,42-47; Lk 23,50-56

19,38 Danach aber bat Joseph von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, aber ein geheimer, aus Furcht

vor den Juden, den Pilatus, daß er den Leib Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Er kam nun

und nahm den Leib Jesu ab. 19,39 Es kam aber auch Nikodemus, der zuerst bei Nacht zu Jesus

gekommen war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, ungefähr hundert Pfund. 19,40 Sie

nahmen nun den Leib Jesu und wickelten ihn in Leinentücher mit den wohlriechenden Ölen, wie es

bei den Juden zu bestatten Sitte ist. 19,41 Es war aber an dem Ort, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten

und in dem Garten eine neue Gruft, in die noch nie jemand gelegt worden war. 19,42 Dorthin nun

legten sie Jesus, wegen des Rüsttags der Juden, weil die Gruft nahe war.

Das leere Grab des Auferstandenen.

Mt 28,1-10; Mk 16,1-11; Lk 24,1-12

Kapitel 20

20,1 An dem ersten Wochentag aber kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zur Gruft

und sieht den Stein von der Gruft weggenommen. 20,2 Sie läuft nun und kommt zu Simon Petrus und

zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn aus der Gruft

weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 20,3 Da ging Petrus hinaus und der

andere Jünger, und sie gingen zu der Gruft. 20,4 Die beiden aber liefen zusammen, und der andere

Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zu der Gruft; 20,5 und als er sich

vornüberbückt, sieht er die Leinentücher daliegen; doch ging er nicht hinein. 20,6 Da kommt Simon

Petrus, der ihm folgte, und ging hinein in die Gruft und sieht die Leinentücher daliegen 20,7 und das

Schweißtuch, das auf seinem Haupt war, nicht zwischen den Leinentüchern liegen, sondern für sich

zusammengewickelt an einem [besonderen] Ort. 20,8 Da ging nun auch der andere Jünger hinein, der

zuerst zu der Gruft kam, und er sah und glaubte. 20,9 Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, daß

er aus den Toten auferstehen mußte. 20,10 Da gingen nun die Jünger wieder heim.

Erscheinung des Auferstandenen vor

Maria Magdalena.

20,11 Maria aber stand draußen bei der Gruft und weinte. Als sie nun weinte, bückte sie sich vornüber

in die Gruft 20,12 und sieht zwei Engel in weißen [Kleidern] dasitzen, einen bei dem Haupt und einen

bei den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. 20,13 Und jene sagen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie

spricht zu ihnen: Weil sie meinen Herrn weggenommen und ich nicht weiß, wo sie ihn hingelegt

haben. 20,14 Als sie dies gesagt hatte, wandte sie sich zurück und sieht Jesus dastehen; und sie wußte

nicht, daß es Jesus war. 20,15 Jesus spricht zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie, in der

Meinung, es sei der Gärtner, spricht zu ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn

hingelegt hast, und ich werde ihn wegholen. 20,16 Jesus spricht zu ihr: Maria! Sie wendet sich um

und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni! das heißt Lehrer. 20,17 Jesus spricht zu ihr: Rühre mich

nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich

zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott. 20,18

Maria Magdalena kommt und verkündet den Jüngern, daß sie den Herrn gesehen und er dies zu ihr

gesagt habe.

Erscheinung des Auferstandenen vor

den Jüngern.

20,19 Als es nun Abend war an jenem Tag, dem ersten der Woche, und die Türen, wo die Jünger

waren, aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam Jesus und trat in die Mitte und spricht zu

ihnen: Friede euch! 20,20 Und als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Seite. Da

freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. 20,21 Jesus sprach nun wieder zu ihnen: Friede euch!

Wie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch. 20,22 Und als er dies gesagt hatte, hauchte

er sie an und spricht zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist! 20,23 Wenn ihr jemandem die Sünden

vergebt, dem sind sie vergeben, wenn ihr sie jemandem behaltet, sind sie [ihm] behalten.

20,24 Thomas aber, einer von den Zwölfen, genannt Zwilling, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

20,25 Da sagten die anderen Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen:

Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in das Mal der Nägel lege

und lege meine Hand in seine Seite, so werde ich nicht glauben. 20,26 Und nach acht Tagen waren

seine Jünger wieder drinnen und Thomas bei ihnen. [Da] kommt Jesus, als die Türen verschlossen

waren, und trat in die Mitte und sprach: Friede euch! 20,27 Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen

Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht

ungläubig, sondern gläubig. 20,28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!

20,29 Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig [sind], die nicht

gesehen und [doch] geglaubt haben!

Zweck dieses Buches.

20,30 Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den Jüngern getan, die nicht in diesem Buch

geschrieben sind. 20,31 Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus ist, der

Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Erscheinung des Auferstandenen vor

den Jüngern am See Tiberias.

Kapitel 21

21,1 Nach diesem offenbarte Jesus sich wieder den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich

aber so: 21,2 Simon Petrus und Thomas, genannt Zwilling, und Nathanael, der von Kana in Galiläa

war, und die [Söhne] des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon

Petrus spricht zu ihnen: 21,3 Ich gehe hin fischen. Sie sprechen zu ihm: Auch wir gehen mit dir. Sie

gingen hinaus und stiegen in das Schiff; und in jener Nacht fingen sie nichts. 21,4 Als aber schon der

frühe Morgen anbrach, stand Jesus am Ufer; doch wußten die Jünger nicht, daß es Jesus war. 21,5

Jesus spricht nun zu ihnen: Kinder, habt ihr wohl etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 21,6 Er

aber sprach zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Schiffes aus, und ihr werdet finden. Da

warfen sie es aus und konnten es vor der Menge der Fische nicht mehr ziehen. 21,7 Da sagt jener

Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr. Simon Petrus nun, als er hörte, daß es der Herr sei,

gürtete das Oberkleid um - denn er war nackt - und warf sich in den See. 21,8 Die anderen Jünger aber

kamen in dem Boot - denn sie waren nicht weit vom Land, sondern etwa zweihundert Ellen - und

zogen das Netz mit den Fischen nach. 21,9 Als sie nun ans Land ausstiegen, sehen sie ein Kohlenfeuer

liegen und Fisch daraufliegen und Brot. 21,10 Jesus spricht zu ihnen: Bringt her von den Fischen, die

ihr jetzt gefangen habt. 21,11 Da ging Simon Petrus hinauf und zog das Netz voll großer Fische,

hundertdreiundfünfzig, auf das Land; und obwohl es so viele waren, zerriß das Netz nicht. 21,12 Jesus

spricht zu ihnen: Kommt her, frühstückt! Keiner aber von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist

du? Denn sie wußten, daß es der Herr war. 21,13 Jesus kommt und nimmt das Brot und gibt es ihnen,

und ebenso den Fisch. 21,14 Dies ist schon das dritte Mal, daß Jesus sich den Jüngern offenbarte,

nachdem er aus den Toten auferweckt war.

Gespräch mit Petrus.

21,15 Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, [Sohn] des Johannes,

liebst du mich mehr als diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er

zu ihm: Weide meine Lämmer! 21,16 Wiederum spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, [Sohn]

des Johannes, liebst du mich? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er

zu ihm: Hüte meine Schafe! 21,17 Er spricht zum dritten Mal zu ihm: Simon, [Sohn] des Johannes,

hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, daß er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und

sprach zu ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, daß ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide

meine Schafe! 21,18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst

und gingst, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und

ein anderer wird dich gürten und hinbringen, wohin du nicht willst. 21,19 Dies aber sagte er, um

anzudeuten, mit welchem Tod er Gott verherrlichen sollte. Und als er dies gesagt hatte, spricht er zu

ihm: Folge mir nach! 21,20 Petrus wandte sich um und sieht den Jünger nachfolgen, den Jesus liebte,

der sich auch bei dem Abendessen an seine Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich

überliefert? 21,21 Als nun Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was [soll] aber dieser? 21,22

Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir

nach! 21,23 Es ging nun dieses Wort unter die Brüder aus: Jener Jünger stirbt nicht. Aber Jesus sprach

nicht zu ihm, daß er nicht sterbe, sondern: Wenn ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es

dich an?

Schlußwort.

21,24 Das ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt und der dies geschrieben hat; und wir wissen,

daß sein Zeugnis wahr ist. 21,25 Es gibt aber auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat, und wenn

diese alle einzeln niedergeschrieben würden, so würde, scheint mir, selbst die Welt die geschriebenen

Bücher nicht fassen.

-------------------------------------

Die Apostelgeschichte.

Vorwort.

Kapitel 1

1,1 Den ersten Bericht habe ich verfaßt, Theophilus, von allem, was Jesus angefangen hat, zu tun und

auch zu lehren, 1,2 bis zu dem Tag, an dem er [in den Himmel] aufgenommen wurde, nachdem er den

Aposteln, die er sich auserwählt, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte. 1,3 Diesen hat er sich

auch nach seinem Leiden in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt, indem er sich vierzig

Tage hindurch von ihnen sehen ließ und über die Dinge redete, die das Reich Gottes betreffen.

Jesu Himmelfahrt.

1,4 Und als er mit ihnen versammelt war, befahl er ihnen, sich nicht von Jerusalem zu entfernen,

sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten - die ihr, [sagte er], von mir gehört habt; 1,5 denn

Johannes taufte mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden nach nicht mehr vielen

Tagen.

1,6 Sie nun, als sie zusammengekommen waren, fragten ihn und sagten: Herr, stellst du in dieser Zeit

für Israel das Reich wieder her? 1,7 Er sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte

zu wissen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat. 1,8 Aber ihr werdet Kraft

empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl

in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. 1,9 Und als er dies

gesagt hatte, wurde er vor ihren Blicken emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen

weg.

1,10 Und als sie gespannt zum Himmel schauten, wie er auffuhr, siehe, da standen zwei Männer in

weißen Kleidern bei ihnen, 1,11 die auch sprachen: Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf

zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so

kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel. 1,12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück

von dem Berg, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem ist, einen Sabbatweg entfernt. 1,13 Und

als sie hineingekommen waren, stiegen sie hinauf in den Obersaal, wo sie sich aufzuhalten pflegten:

sowohl Petrus als Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und

Matthäus, Jakobus, [der Sohn] des Alphäus, und Simon, der Eiferer, und Judas, [der Sohn] des

Jakobus. 1,14 Diese alle verharrten einmütig im Gebet mit einigen Frauen und Maria, der Mutter Jesu,

und mit seinen Brüdern.

Wahl des Matthias zum Apostel.

1,15 Und in diesen Tagen stand Petrus in der Mitte der Brüder auf und sprach - es war aber eine Menge

von etwa hundertzwanzig Personen beisammen -: 1,16 Ihr Brüder, es mußte die Schrift erfüllt werden,

die der Heilige Geist durch den Mund Davids vorhergesagt hat über Judas, der denen, die Jesus

festnahmen, Wegweiser geworden ist. 1,17 Denn er war uns zugezählt und hatte das Los dieses

Dienstes empfangen. 1,18 Dieser nun hat zwar von dem Lohn der Ungerechtigkeit einen Acker

erworben, ist aber kopfüber gestürzt, mitten entzwei geborsten, und alle seine Eingeweide sind

ausgeschüttet worden. 1,19 Und es ist allen Bewohnern von Jerusalem bekanntgeworden, so daß jener

Acker in ihrer eigenen Mundart Hakeldamach, das ist Blutacker, genannt worden ist. 1,20 Denn es

steht im Buch der Psalmen geschrieben: `Seine Wohnung werde öde, und es sei niemand, der darin

wohne, und: `Sein Aufseheramt empfange ein anderer. 1,21 Es muß nun von den Männern, die mit uns

gegangen sind in all der Zeit, in welcher der Herr Jesus bei uns ein- und ausging, 1,22 angefangen von

der Taufe des Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns hinweg aufgenommen wurde - von diesen

[muß] einer Zeuge seiner Auferstehung mit uns werden. 1,23 Und sie stellten zwei auf: Joseph,

genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. 1,24 Und sie beteten und sprachen: Du,

Herr, Herzenskenner aller, zeige von diesen beiden den einen an, den du auserwählt hast, 1,25 damit er

das Los dieses Dienstes und Apostelamtes empfängt, von dem Judas abgewichen ist, um an seinen

eigenen Ort zu gehen. 1,26 Und sie gaben ihnen Lose; und das Los fiel auf Matthias, und er wurde den

elf Aposteln zugezählt.

Das Kommen des Heiligen Geistes.

Kapitel 2

2,1 Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen. 2,2 Und

plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das

ganze Haus, wo sie saßen. 2,3 Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten

sich auf jeden einzelnen von ihnen. 2,4 Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an,

in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

2,5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer, von jeder Nation unter dem Himmel.

2,6 Als aber dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, weil jeder

einzelne sie in seiner eigenen Mundart reden hörte. 2,7 Sie entsetzten sich aber alle und wunderten sich

und sagten: Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer? 2,8 Und wie hören wir sie, ein jeder in

unserer eigenen Mundart, in der wir geboren sind: 2,9 Parther und Meder und Elamiter und die

Bewohner von Mesopotamien und von Judäa und Kappadozien, Pontus und Asien 2,10 und Phrygien

und Pamphylien, Ägypten und den Gegenden von Libyen gegen Kyrene hin und die [hier] weilenden

Römer, sowohl Juden als Proselyten, 2,11 Kreter und Araber - [wie] hören wir sie von den großen

Taten Gottes in unseren Sprachen reden? 2,12 Sie entsetzten sich aber alle und waren in Verlegenheit

und sagten einer zum anderen: Was mag dies wohl sein? 2,13 Andere aber sagten spottend: Sie sind

voll süßen Weines.

Pfingstpredigt des Petrus.

2,14 Petrus aber stand auf mit den Elfen, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Männer von Judäa

und ihr alle, die ihr zu Jerusalem wohnt, dies sei euch kund, und hört auf meine Worte! 2,15 Denn

diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, denn es ist die dritte Stunde des Tages; 2,16 sondern dies ist

es, was durch den Propheten Joel gesagt ist: 2,17 `Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht

Gott, daß ich von meinem Geist ausgießen werde auf alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter

werden weissagen, und eure Jünglinge werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden

Traumgesichte haben; 2,18 und sogar auf meine Knechte und auf meine Mägde werde ich in jenen

Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen. 2,19 Und ich werde Wunder tun oben

am Himmel und Zeichen unten auf der Erde: Blut und Feuer und Rauchdampf; 2,20 die Sonne wird

verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn

kommt. 2,21 Und es wird geschehen: jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet

werden. 2,22 Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, einen Mann, der von Gott euch

gegenüber erwiesen worden ist durch Machttaten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer

Mitte tat - wie ihr selbst wißt - 2,23 diesen [Mann], der nach dem bestimmten Ratschluß und nach

Vorkenntnis Gottes hingegeben worden ist, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen an [das Kreuz]

geschlagen und umgebracht. 2,24 Den hat Gott auferweckt, nachdem er die Wehen des Todes aufgelöst

hatte, wie es denn nicht möglich war, daß er von ihm behalten würde. 2,25 Denn David sagt über ihn:

`Ich sah den Herrn allezeit vor mir; denn er ist zu meiner Rechten, damit ich nicht wanke. 2,26 Darum

freute sich mein Herz, und meine Zunge frohlockte; ja, auch mein Fleisch wird in Hoffnung ruhen;

2,27 denn du wirst meine Seele nicht im Hades zurücklassen, noch zugeben, daß dein Frommer

Verwesung sehe. 2,28 Du hast mir kundgetan Wege des Lebens; du wirst mich mit Freude erfüllen vor

deinem Angesicht. 2,29 Ihr Brüder, es sei erlaubt, mit Freimütigkeit zu euch zu reden über den

Patriarchen David, daß er gestorben und begraben und sein Grab bis auf diesen Tag unter uns ist. 2,30

Da er nun ein Prophet war und wußte, daß Gott ihm mit einem Eid geschworen hatte, einen seiner

Nachkommen auf seinen Thron zu setzen, 2,31 hat er voraussehend von der Auferstehung des Christus

geredet, daß er weder im Hades zurückgelassen worden ist, noch sein Fleisch die Verwesung gesehen

hat. 2,32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt, wovon wir alle Zeugen sind. 2,33 Nachdem er nun durch

die Rechte Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen

hat, hat er dieses ausgegossen, was ihr seht und hört. 2,34 Denn nicht David ist in die Himmel

aufgefahren; er sagt aber selbst: `Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten,

2,35 bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße. 2,36 Das ganze Haus Israel wisse nun

zuverlässig, daß Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr

gekreuzigt habt.

Entstehung der Gemeinde.

2,37 Als sie aber [das] hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen

Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder? 2,38 Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von

euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die

Gabe des Heiligen Geistes empfangen. 2,39 Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und

allen, die in der Ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, hinzurufen wird. 2,40 Und mit vielen anderen

Worten beschwor und ermahnte er sie und sagte: Laßt euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!

2,41 Die nun sein Wort aufnahmen, ließen sich taufen; und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend

Seelen hinzugetan.

2,42 Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und

in den Gebeten. 2,43 Es kam aber über jede Seele Furcht, und es geschahen viele Wunder und Zeichen

durch die Apostel. 2,44 Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam;

2,45 und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig

war. 2,46 Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise

mit Frohlocken und Schlichtheit des Herzens, 2,47 lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk.

Der Herr aber tat täglich hinzu, die gerettet werden sollten.

Heilung eines Lahmgeborenen.

Kapitel 3

3,1 Petrus aber und Johannes gingen um die Stunde des Gebets, die neunte, zusammen hinauf in den

Tempel. 3,2 Und ein Mann, der von seiner Mutter Leibe an lahm war, wurde [herbei]getragen; man

setzte ihn täglich an die Pforte des Tempels, die man die schöne nennt, damit er Almosen erbat von

denen, die in den Tempel gingen. 3,3 Als dieser Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel

eintreten wollten, bat er, daß er ein Almosen empfinge. 3,4 Petrus aber mit Johannes blickte fest auf

ihn hin und sprach: Sieh uns an! 3,5 Er aber gab acht auf sie, in der Erwartung, etwas von ihnen zu

empfangen. 3,6 Petrus aber sprach: Silber und Gold besitze ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich

dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers: Geh umher! 3,7 Und er ergriff ihn bei der rechten Hand

und richtete ihn auf. Sofort aber wurden seine Füße und seine Knöchel stark, 3,8 er sprang auf, konnte

stehen und ging umher. Und er trat mit ihnen in den Tempel, ging umher und sprang und lobte Gott.

3,9 Und das ganze Volk sah ihn umhergehen und Gott loben; 3,10 und sie erkannten ihn, daß er der

war, der um das Almosen an der schönen Pforte des Tempels gesessen; und sie wurden mit

Verwunderung und Erstaunen erfüllt über das, was sich mit ihm ereignet hatte. 3,11 Während er aber

den Petrus und Johannes festhielt, lief das ganze Volk voll Erstaunen zu ihnen zusammen in der

Säulenhalle, die Salomons[halle] genannt wird.

Zweite Predigt des Petrus.

3,12 Als aber Petrus es sah, sprach er zum Volk: Männer von Israel, was verwundert ihr euch hierüber,

oder was seht ihr [so] gespannt auf uns, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, daß

er gehen kann? 3,13 Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen

Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überliefert und vor Pilatus verleugnet habt, als dieser geurteilt hatte,

ihn loszugeben. 3,14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und gebeten, daß euch ein

Mörder geschenkt würde; 3,15 den Fürsten des Lebens aber habt ihr getötet, den Gott aus den Toten

auferweckt hat, wovon wir Zeugen sind. 3,16 Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name

diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der durch ihn [bewirkte] Glaube hat ihm diese

vollkommene Gesundheit gegeben vor euch allen.

3,17 Und jetzt, Brüder, ich weiß, daß ihr in Unwissenheit gehandelt habt, wie auch eure Obersten.

3,1871 Gott aber hat so erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten vorher verkündigt hat, daß sein

Christus leiden sollte. 3,19 So tut nun Buße und bekehrt euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden,

damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn, 3,20 und er den euch

vorausbestimmten Jesus Christus sende. 3,21 Den muß freilich der Himmel aufnehmen bis zu den

Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten

von jeher geredet hat. 3,22 Mose hat schon gesagt: `Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus

euren Brüdern erwecken, gleich mir; auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird. 3,23

Es wird aber geschehen: jede Seele, die auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volk

ausgerottet werden. 3,24 Aber auch alle Propheten, von Samuel an und der Reihe nach, so viele geredet

haben, haben auch diese Tage verkündigt. 3,25 Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den

Gott euren Vätern verordnet hat, als er zu Abraham sprach: `Und in deinem Samen werden gesegnet

werden alle Geschlechter der Erde. 3,26 Euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und ihn gesandt,

euch zu segnen, indem er einen jeden von [euch von] euren Bosheiten abwendet.

Petrus und Johannes vor dem Hohen

Rat.

Kapitel 4

4,1 Während sie aber zu dem Volk redeten, kamen die Priester und der Hauptmann des Tempels und

die Sadduzäer auf sie zu, 4,2 die es verdroß, daß sie das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung aus

den Toten verkündigten. 4,3 Und sie legten Hand an sie und setzten sie in Gewahrsam bis an den

Morgen, denn es war schon Abend.

4,4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer kam

auf etwa fünftausend.

4,5 Es geschah aber am folgenden Tag, daß ihre Obersten und Ältesten und Schriftgelehrten sich in

Jerusalem versammelten, 4,6 und Hannas, der Hohepriester, und Kaiphas und Johannes und Alexander,

und so viele vom hohenpriesterlichen Geschlecht waren. 4,7 Und nachdem sie sie in die Mitte gestellt

hatten, fragten sie: In welcher Kraft oder in welchem Namen habt ihr dies getan? 4,8 Da sprach Petrus,

erfüllt mit Heiligem Geist, zu ihnen: Oberste des Volkes und Älteste! 4,9 Wenn wir heute über die

Wohltat an einem kranken Menschen verhört werden, wodurch dieser geheilt worden ist, 4,10 so sei

euch allen und dem ganzen Volk Israel kund: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr

gekreuzigt habt, den Gott auferweckt hat aus den Toten - in diesem [Namen] steht dieser gesund vor

euch. 4,11 Das ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, für nichts geachtet, der zum Eckstein

geworden ist. 4,12 Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem

Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir errettet werden müssen.

4,13 Als sie aber die Freimütigkeit des Petrus und Johannes sahen und bemerkten, daß es ungelehrte

und ungebildete Leute seien, verwunderten sie sich; und sie erkannten sie, daß sie mit Jesus gewesen

waren. 4,14 Und da sie den Menschen, der geheilt worden war, bei ihnen stehen sahen, konnten sie

nichts dagegen sagen. 4,15 Nachdem sie ihnen aber befohlen hatten, aus dem Hohen Rat zu gehen,

überlegten sie miteinander und sagten: 4,16 Was sollen wir diesen Menschen tun? Denn daß wirklich

ein deutliches Zeichen durch sie geschehen ist, ist allen offenbar, die zu Jerusalem wohnen, und wir

können es nicht leugnen. 4,17 Aber damit es nicht weiter unter dem Volk ausgebreitet werde, laßt uns

sie ernstlich bedrohen, daß sie nicht mehr in diesem Namen zu irgendeinem Menschen reden. 4,18 Und

als sie sie gerufen hatten, geboten sie ihnen, sich überhaupt nicht in dem Namen Jesu zu äußern noch

zu lehren. 4,19 Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: Ob es vor Gott recht ist,

auf euch mehr zu hören als auf Gott, urteilt selbst! 4,20 Denn es ist uns unmöglich, von dem, was wir

gesehen und gehört haben, nicht zu reden. 4,21 Sie aber bedrohten sie noch mehr und entließen sie, da

sie nicht fanden, auf welche Weise sie sie strafen sollten, um des Volkes willen; denn alle

verherrlichten Gott um dessentwillen, was geschehen war. 4,22 Denn der Mensch war mehr als vierzig

Jahre alt, an dem dieses Zeichen der Heilung geschehen war.

Gebet der Gemeinde.

4,23 Als sie aber entlassen waren, kamen sie zu den Ihren und verkündeten alles, was die

Hohenpriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten. 4,243 Sie aber, als sie es hörten, erhoben

einmütig [ihre] Stimme zu Gott und sprachen: Herrscher, du bist es, der den Himmel und die Erde und

das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist; 4,25 der du durch den Heiligen Geist [und] den

Mund unseres Vaters, deines Knechtes David, gesagt hast: `Warum tobten die Nationen und sannen

Eitles die Völker? 4,26 Die Könige der Erde standen auf und die Fürsten versammelten sich gegen den

Herrn und seinen Gesalbten. 4,27 Denn in dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen

heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, sowohl Herodes als Pontius Pilatus mit den Nationen und

den Völkern Israels, 4,28 alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluß vorherbestimmt hat, daß es

geschehen sollte. 4,29 Und nun, Herr, sieh an ihre Drohungen und gib deinen Knechten, dein Wort mit

aller Freimütigkeit zu reden; 4,30 und strecke deine Hand aus zur Heilung, und daß Zeichen und

Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus. 4,31 Und als sie gebetet hatten,

bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren: und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt

und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit.

Gemeindeleben.

4,32 Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer

sagte, daß etwas von seiner Habe sein eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam. 4,33 Und mit

großer Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab; und große

Gnade war auf ihnen allen. 4,34 Denn es war auch keiner bedürftig unter ihnen, denn so viele Besitzer

von Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den Preis des Verkauften 4,35 und legten

ihn nieder zu den Füßen der Apostel; es wurde aber jedem zugeteilt, so wie einer Bedürfnis hatte.

4,36 Joseph aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde - was übersetzt heißt: Sohn des

Trostes -, ein Levit, ein Zyprer von Geburt, 4,37 der einen Acker besaß, verkaufte ihn, brachte das

Geld und legte es zu den Füßen der Apostel nieder.

Hananias und Saphira.

Kapitel 5

5,1 Ein Mann aber mit Namen Hananias, mit Saphira, seiner Frau, verkaufte ein Gut 5,2 und schaffte

von dem Kaufpreis beiseite, wovon auch die Frau wußte; und er brachte einen Teil und legte ihn nieder

zu den Füßen der Apostel. 5,3 Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß

du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseite geschafft hast? 5,4 Blieb es

nicht dein, wenn es [unverkauft] blieb, und war es nicht, nachdem es verkauft war, in deiner

Verfügung? Warum hast du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen? Nicht Menschen hast du

belogen, sondern Gott. 5,5 Als aber Hananias diese Worte hörte, fiel er hin und verschied. Und es kam

große Furcht über alle, die es hörten. 5,6 Die jungen Männer aber standen auf, hüllten ihn ein, trugen

ihn hinaus und begruben ihn. 5,7 Es geschah aber nach Verlauf von etwa drei Stunden, daß seine Frau

hereinkam, ohne zu wissen, was geschehen war. 5,8 Petrus aber antwortete ihr: Sag mir, ob ihr für so

viel das Feld verkauft habt? Sie aber sprach: Ja, für so viel. 5,9 Petrus aber [sprach] zu ihr: Warum seid

ihr übereingekommen, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, die deinen Mann

begraben haben, sind an der Tür, und sie werden dich hinaustragen. 5,10 Sie fiel aber sofort zu seinen

Füßen nieder und verschied. Und als die jungen Männer hereinkamen, fanden sie sie tot; und sie trugen

sie hinaus und begruben sie bei ihrem Mann. 5,11 Und es kam große Furcht über die ganze Gemeinde

und über alle, welche dies hörten.

Krankenheilungen durch die Apostel.

5,12 Aber durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder unter dem Volk; und sie

waren alle einmütig in der Säulenhalle Salomos. 5,13 Von den übrigen aber wagte keiner, sich ihnen

anzuschließen, doch das Volk rühmte sie. 5,14 Aber um so mehr wurden [solche], die an den Herrn

glaubten, hinzugetan, Scharen von Männern und auch Frauen, 5,15 so daß sie die Kranken auf die

Straßen hinaustrugen und auf Betten und Lager legten, damit, wenn Petrus käme, auch nur sein

Schatten einen von ihnen überschatten möchte. 5,16 Es kam aber auch die Menge aus den Städten um

Jerusalem zusammen, und sie brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte, die alle geheilt

wurden.

Gefangennahme und Befreiung der

Apostel.

5,17 Der Hohepriester aber trat auf und alle, die mit ihm waren, nämlich die Sekte der Sadduzäer, und

wurden von Eifersucht erfüllt; 5,18 und sie legten Hand an die Apostel und setzten sie in öffentlichen

Gewahrsam. 5,19 Ein Engel des Herrn aber öffnete während der Nacht die Türen des Gefängnisses und

führte sie hinaus und sprach: 5,20 Geht und stellt euch hin und redet im Tempel zu dem Volk alle

Worte dieses Lebens! 5,21 Als sie es aber gehört hatten, gingen sie frühmorgens in den Tempel und

lehrten. Der Hohepriester aber kam, und die mit ihm waren, und sie beriefen den Hohen Rat und die

ganze Ältestenschaft der Söhne Israels zusammen und sandten ins Gefängnis, daß sie vorgeführt

würden. 5,22 Als aber die Diener hinkamen, fanden sie sie nicht im Gefängnis; und sie kehrten zurück,

berichteten 5,23 und sagten: Wir fanden das Gefängnis mit aller Sorgfalt verschlossen und die Wachen

an den Türen stehen; als wir aber aufgemacht hatten, fanden wir niemand darin. 5,24 Als aber der

Hauptmann des Tempels wie auch die Hohenpriester diese Worte hörten, waren sie ihretwegen in

Verlegenheit, was dies doch werden möchte. 5,25 Es kam aber einer und berichtete ihnen: Siehe, die

Männer, die ihr ins Gefängnis gesetzt habt, stehen im Tempel und lehren das Volk. 5,26 Da ging der

Hauptmann mit den Dienern hin und führte sie herbei, nicht mit Gewalt, denn sie fürchteten das Volk,

sie könnten gesteinigt werden.

Zeugnis der Apostel vor dem Hohen Rat.

5,27 Sie führten sie aber herbei und stellten sie vor den Hohen Rat; und der Hohepriester befragte sie

5,28 und sprach: Wir haben euch streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren, und siehe, ihr habt

Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt und wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen. 5,29 Petrus und

die Apostel aber antworteten und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen als Menschen. 5,30 Der

Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ermordet habt, indem ihr ihn ans Holz hängtet. 5,31

Diesen hat Gott durch seine Rechte zum Führer und Heiland erhöht, um Israel Buße und Vergebung

der Sünden zu geben. 5,32 Und wir sind Zeugen von diesen Dingen, und der Heilige Geist, den Gott

denen gegeben hat, die ihm gehorchen. 5,33 Sie aber ergrimmten, als sie es hörten, und ratschlagten,

sie umzubringen.

Rat des Gamaliel.

5,34 Es stand aber im Hohen Rat ein Pharisäer mit Namen Gamaliel auf, ein Gesetzesgelehrter,

angesehen bei dem ganzen Volk, und befahl, die Leute für kurze Zeit hinauszutun. 5,35 Und er sprach

zu ihnen: Männer von Israel, seht euch bei diesen Menschen vor, was ihr tun wollt. 5,36 Denn vor

diesen Tagen stand Theudas auf und sagte, daß er selbst etwas sei, dem eine Anzahl von etwa

vierhundert Männern anhing; der ist getötet worden und alle, die ihm Gehör gaben, sind zerstreut und

zunichte geworden. 5,37 Nach diesem stand Judas der Galiläer auf, in den Tagen der Einschreibung,

und machte [eine Menge] Volk abtrünnig [und brachte sie] hinter sich; auch der kam um, und alle, die

ihm Gehör gaben, wurden zerstreut. 5,38 Und jetzt sage ich euch: Steht ab von diesen Menschen und

laßt sie! Denn wenn dieser Rat oder dieses Werk aus Menschen ist, so wird es zugrunde gehen; 5,39

wenn es aber aus Gott ist, so werdet ihr sie nicht zugrunde richten können; damit ihr nicht gar als

solche erfunden werdet, die gegen Gott streiten. Und sie gaben ihm Gehör.

Freilassung der Apostel.

5,40 Und als sie die Apostel herbeigerufen hatten, schlugen sie sie und geboten ihnen, nicht im Namen

Jesu zu reden, und entließen sie. 5,41 Sie nun gingen aus dem Hohen Rat fort, voll Freude, daß sie

gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden; 5,42 und sie hörten nicht auf, jeden Tag

im Tempel und in den Häusern zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen.

Diakonenwahl.

Kapitel 6

6,1 In diesen Tagen aber, als die Jünger sich mehrten, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die

Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Bedienung übersehen wurden. 6,2 Die Zwölf aber beriefen

die Menge der Jünger und sprachen: Es ist nicht gut, daß wir das Wort Gottes vernachlässigen und die

Tische bedienen. 6,3 So seht euch nun um, Brüder, nach sieben Männern unter euch, von [gutem]

Zeugnis, voll Geist und Weisheit, die wir über dieses Geschäft bestellen wollen; 6,4 wir aber werden

im Gebet und im Dienst des Wortes verharren. 6,5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge; und sie

erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus

und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochien. 6,6 Diese

stellten sie vor die Apostel; und als sie gebetet hatten, legten sie ihnen die Hände auf.

6,7 Und das Wort Gottes wuchs, und die Zahl der Jünger in Jerusalem mehrte sich sehr; und eine große

Menge der Priester wurde dem Glauben gehorsam.

Anklage gegen Stephanus.

6,8 Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. 6,9 Es

standen aber einige aus der sogenannten Synagoge der Libertiner und der Kyrenäer und der

Alexandriner auf und derer von Zilizien und Asien und stritten mit Stephanus. 6,10 Und sie konnten

der Weisheit und dem Geist nicht widerstehen, womit er redete. 6,11 Da schoben sie heimlich Männer

vor, die sagten: Wir haben ihn Lästerworte reden hören gegen Mose und Gott. 6,12 Und sie erregten

das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten; und sie fielen über ihn her und rissen ihn mit sich

fort und führten ihn vor den Hohen Rat. 6,13 Und sie stellten falsche Zeugen auf, die sagten: Dieser

Mensch hört nicht auf, Worte zu reden gegen die heilige Stätte und das Gesetz; 6,14 denn wir haben

ihn sagen hören: Dieser Jesus, der Nazoräer, wird diese Stätte zerstören und die Gebräuche verändern,

die uns Mose überliefert hat. 6,15 Und alle, die im Hohen Rat saßen, schauten gespannt auf ihn und

sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht.

Verteidigungsrede des Stephanus vor

dem Hohen Rat.

Kapitel 7

7,1 Der Hohepriester aber sprach: Ist das so? 7,2 Er aber sprach: Ihr Brüder und Väter, hört! Der Gott

der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er in Mesopotamien war, ehe er in Haran

wohnte, 7,3 und sprach zu ihm: `Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft, und komm in

das Land, das ich dir zeigen werde. 7,4 Da ging er aus dem Land der Chaldäer und wohnte in Haran;

und von da siedelte er ihn, nachdem sein Vater gestorben war, in dieses Land um, in dem ihr jetzt

wohnt. 7,5 Und er gab ihm kein Erbteil darin, auch nicht einen Fußbreit, und er verhieß, es ihm zum

Besitztum zu geben und seinen Nachkommen nach ihm, obwohl er kein Kind hatte. 7,6 Gott aber

sprach so: `Seine Nachkommen werden Fremdlinge sein in fremdem Land, und man wird sie knechten

und mißhandeln vierhundert Jahre. 7,7 Und die Nation, der sie dienen werden, werde ich richten,

sprach Gott, `und danach werden sie ausziehen und mir an diesem Ort dienen. 7,8 Und er gab ihm den

Bund der Beschneidung; und so zeugte er den Isaak und beschnitt ihn am achten Tag, und Isaak den

Jakob und Jakob die zwölf Patriarchen.

7,9 Und die Patriarchen, neidisch auf Joseph, verkauften ihn nach Ägypten. Gott aber war mit ihm 7,10

und rettete ihn aus allen seinen Drangsalen und gab ihm Gunst und Weisheit vor Pharao, dem König

von Ägypten; und er setzte ihn zum Verwalter über Ägypten und sein ganzes Haus. 7,11 Es kam nun

eine Hungersnot über ganz Ägypten und Kanaan und eine große Drangsal, und unsere Väter fanden

keine Speise. 7,12 Als aber Jakob hörte, daß in Ägypten Getreide sei, sandte er unsere Väter zum

ersten Mal aus. 7,13 Beim zweiten Mal wurde Joseph von seinen Brüdern wiedererkannt, und dem

Pharao wurde die Herkunft Josephs bekannt. 7,14 Joseph aber sandte hin und ließ seinen Vater Jakob

holen und die ganze Verwandtschaft, an fünfundsiebzig Seelen. 7,15 Jakob zog nun nach Ägypten

hinab und starb, er und unsere Väter; 7,161 und sie wurden nach Sichem hinübergebracht und in die

Grabstätte gelegt, die Abraham für eine Summe Geld von den Söhnen Hamors in Sichem gekauft hatte.

7,17 Als aber die Zeit der Verheißung nahte, die Gott dem Abraham zugesagt hatte, wuchs das Volk

und vermehrte sich in Ägypten, 7,18 bis ein anderer König über Ägypten aufstand, der Joseph nicht

kannte. 7,19 Dieser handelte mit List gegen unser Geschlecht und mißhandelte die Väter, so daß sie

ihre Säuglinge aussetzen mußten, damit sie nicht am Leben blieben. 7,20 In dieser Zeit wurde Mose

geboren, und er war `schön für Gott; und er wurde drei Monate aufgezogen im Haus des Vaters. 7,21

Als er aber ausgesetzt worden war, nahm ihn die Tochter Pharaos zu sich und zog ihn auf, sich zum

Sohn. 7,22 Und Mose wurde unterwiesen in aller Weisheit der Ägypter; er war aber mächtig in seinen

Worten und Werken. 7,23 Als er aber ein Alter von vierzig Jahren erreicht hatte, kam es in seinem

Herzen auf, nach seinen Brüdern, den Söhnen Israels, zu sehen. 7,24 Und als er einen Unrecht leiden

sah, verteidigte er ihn und rächte den Unterdrückten, indem er den Ägypter erschlug. 7,25 Er meinte

aber, seine Brüder würden verstehen, daß Gott ihnen durch seine Hand Rettung gebe; sie aber

verstanden es nicht. 7,26 Am folgenden Tag erschien er bei ihnen, als sie sich stritten, und trieb sie

zum Frieden, indem er sagte: Ihr Männer, ihr seid Brüder, warum tut ihr einander unrecht? 7,27 Der

aber dem Nächsten unrecht tat, stieß ihn weg und sprach: Wer hat dich zum Obersten und Richter über

uns gesetzt? 7,28 Willst du mich etwa umbringen, wie du gestern den Ägypter umgebracht hast? 7,29

Mose aber entfloh bei diesem Wort und wurde ein Fremdling im Land Midian, wo er zwei Söhne

zeugte.

7,30 Als vierzig Jahre verflossen waren, erschien ihm in der Wüste des Berges Sinai ein Engel in der

Feuerflamme eines Dornbusches. 7,31 Als aber Mose es sah, wunderte er sich über die Erscheinung;

während er aber hinzutrat, sie zu betrachten, erging die Stimme des Herrn: 7,32 `Ich bin der Gott

deiner Väter, der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs. Mose aber erzitterte und wagte nicht, es zu

betrachten. 7,33 Der Herr aber sprach zu ihm: `Löse die Sandale von deinen Füßen, denn der Ort, auf

dem du stehst, ist heiliges Land. 7,34 Gesehen habe ich die Mißhandlung meines Volkes, das in

Ägypten ist, und ihr Seufzen habe ich gehört, und ich bin herabgekommen, sie herauszureißen. Und

nun komm, ich will dich nach Ägypten senden. 7,35 Diesen Mose, den sie verleugneten, indem sie

sagten: `Wer hat dich zum Obersten und Richter gesetzt? den hat Gott zum Obersten und Retter

gesandt durch die Hand des Engels, der ihm in dem Dornbusch erschien. 7,3 Dieser führte sie heraus,

indem er Wunder und Zeichen tat im Land Ägypten und im Roten Meer und in der Wüste, vierzig

Jahre. 7,37 Das ist der Mose, der zu den Söhnen Israels sprach: `Einen Propheten wie mich wird euch

Gott aus euren Brüdern erwecken. 7,38 Dieser ist es, der in der Gemeinde in der Wüste gewesen ist mit

dem Engel, der auf dem Berg Sinai zu ihm redete und mit unseren Vätern. Er empfing lebendige

Aussprüche, um sie uns zu geben.

7,39 Unsere Väter aber wollten nicht gehorsam sein, sondern stießen ihn von sich, wandten sich in

ihren Herzen nach Ägypten zurück 7,40 und sagten zu Aaron: `Mach uns Götter, die vor uns herziehen

sollen; denn dieser Mose, der uns aus dem Land Ägypten geführt hat - wir wissen nicht, was ihm

geschehen ist. 7,41 Sie machten in jenen Tagen ein Kalb und brachten dem Götzenbild ein

Schlachtopfer und ergötzten sich an den Werken ihrer Hände. 7,42 Gott aber wandte sich ab und gab

sie dahin, dem Heer des Himmels zu dienen, wie geschrieben steht im Buch der Propheten: `Habt ihr

mir etwa vierzig Jahre in der Wüste Opfertiere und Schlachtopfer dargebracht, Haus Israel? 7,43 Ihr

nahmt das Zelt des Moloch mit und das Sternbild des Gottes Räfan, die Bilder, die ihr gemacht hattet,

sie anzubeten; und ich werde euch verpflanzen über Babylon hinaus. 7,44 Unsere Väter hatten das Zelt

des Zeugnisses in der Wüste, wie der, welcher zu Mose redete, befohlen hatte, es nach dem Muster zu

machen, das er gesehen hatte. 7,45 Und unsere Väter übernahmen es und führten es mit Josua ein bei

der Besitzergreifung [des Landes] der Nationen, die Gott austrieb von dem Angesicht unserer Väter

hinweg, bis zu den Tagen Davids, 7,46 der Gnade fand vor Gott und eine Wohnstätte zu finden

begehrte für den Gott Jakobs. 7,47 Salomo aber baute ihm ein Haus. 7,48 Aber der Höchste wohnt

nicht in Wohnungen, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht: 7,49 `Der Himmel ist

mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße. Was für ein Haus wollt ihr mir bauen, spricht der

Herr, oder welches ist der Ort meiner Ruhe? 7,50 Hat nicht meine Hand dies alles gemacht?

7,51 Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren! Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen

Geist; wie eure Väter, so auch ihr. 7,52 Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und

sie haben die getötet, welche die Ankunft des Gerechten zuvor verkündigten, dessen Verräter und

Mörder ihr jetzt geworden seid, 7,53 die ihr das Gesetz durch Anordnung von Engeln empfangen und

nicht befolgt habt.

Steinigung des Stephanus - Verfolgung

der Gemeinde.

7,54 Als sie aber dies hörten, wurden ihre Herzen durchbohrt, und sie knirschten mit den Zähnen gegen

ihn. 7,55 Da er aber voll Heiligen Geistes war und fest zum Himmel schaute, sah er die Herrlichkeit

Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen; 7,56 und er sprach: Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet

und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen! 7,57 Sie schrien aber mit lauter Stimme,

hielten ihre Ohren zu und stürzten einmütig auf ihn los. 7,58 Und als sie ihn aus der Stadt

hinausgestoßen hatten, steinigten sie ihn. Und die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines

jungen Mannes mit Namen Saulus. 7,59 Und sie steinigten den Stephanus, der betete und sprach: Herr

Jesus, nimm meinen Geist auf! 7,60 Und niederkniend rief er mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen

diese Sünde nicht zu! Und als er dies gesagt hatte, entschlief er.

Kapitel 8

8,1 Saulus aber willigte in seine Tötung mit ein.

An jenem Tag entstand aber eine große Verfolgung gegen die Gemeinde in Jerusalem; und alle wurden

in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut, ausgenommen die Apostel. 8,2 Gottesfürchtige

Männer aber bestatteten den Stephanus und stellten eine große Klage über ihn an. 8,3 Saulus aber

verwüstete die Gemeinde, indem er der Reihe nach in die Häuser ging; und er schleppte sowohl

Männer als Frauen fort und überlieferte sie ins Gefängnis.

Philippus in Samaria - Simon der

Zauberer.

8,4 Die Zerstreuten nun gingen umher und verkündigten das Wort. 8,5 Philippus aber ging hinab in

eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus. 8,6 Die Volksmengen achteten einmütig auf das,

was von Philippus geredet wurde, indem sie zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat. 8,7 Denn von

vielen, die unreine Geister hatten, fuhren sie aus, mit lauter Stimme schreiend; und viele Gelähmte und

Lahme wurden geheilt. 8,8 Und es war große Freude in jener Stadt.

8,9 Ein Mann aber, mit Namen Simon, befand sich vorher in der Stadt, der trieb Zauberei und brachte

das Volk von Samaria außer sich, indem er von sich selbst sagte, daß er etwas Großes sei; 8,10 dem

hingen alle, vom Kleinen bis zum Großen, an und sagten: Dieser ist die Kraft Gottes, die man die

große nennt. 8,11 Sie hingen ihm an, weil er sie lange Zeit mit den Zaubereien außer sich gebracht

hatte. 8,12 Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium vom Reich Gottes und dem

Namen Jesu Christi verkündigte, wurden sie getauft, sowohl Männer als Frauen. 8,13 Auch Simon

selbst glaubte, und als er getauft war, hielt er sich zu Philippus; und als er die Zeichen und großen

Wunder sah, die geschahen, geriet er außer sich.

Petrus und Johannes in Samaria -

Abweisung Simons des Zauberers.

8,14 Als die Apostel in Jerusalem gehört hatten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe,

sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. 8,15 Als diese hinabgekommen waren, beteten sie für sie,

damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; 8,16 denn er war noch auf keinen von ihnen

gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. 8,17 Dann legten sie ihnen

die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist. 8,18 Als aber Simon sah, daß durch das

Auflegen der Hände der Apostel der Geist gegeben wurde, brachte er ihnen Geld 8,19 und sagte: Gebt

auch mir diese Macht, daß der, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfange. 8,20 Petrus

aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du gemeint hast, daß die Gabe Gottes

durch Geld zu erlangen sei! 8,21 Du hast weder Teil noch Recht an dieser Sache, denn dein Herz ist

nicht aufrichtig vor Gott. 8,22 Tu nun Buße über diese deine Bosheit und bitte den Herrn, ob dir etwa

der Anschlag deines Herzens vergeben werde; 8,23 denn ich sehe, daß du voll bitterer Galle und in

Banden der Ungerechtigkeit bist. 8,24 Simon aber antwortete und sprach: Bittet ihr für mich den Herrn,

damit nichts über mich komme von dem, was ihr gesagt habt.

8,25 Nachdem sie nun das Wort des Herrn bezeugt und geredet hatten, kehrten sie nach Jerusalem

zurück und verkündigten das Evangelium vielen Dörfern der Samariter.

Der Kämmerer aus Äthiopien.

8,26 Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh gegen Süden auf den

Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt; der ist öde. 8,27 Und er stand auf und ging hin. Und

siehe, ein Äthiopier, ein Kämmerer, ein Gewaltiger der Kandake, der Königin der Äthiopier, der über

ihren ganzen Schatz [gesetzt] war, war gekommen, um zu Jerusalem anzubeten; 8,28 und er war auf

der Rückkehr und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. 8,29 Der Geist aber sprach zu

Philippus: Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an! 8,30 Philippus aber lief hinzu und hörte ihn

den Propheten Jesaja lesen und sprach: Verstehst du auch, was du liest? 8,31 Er aber sprach: Wie

könnte ich denn, wenn nicht jemand mich anleitet? Und er bat den Philippus, daß er aufsteige und sich

zu ihm setze. 8,32 Die Stelle der Schrift aber, die er las, war diese: `Er wurde wie ein Schaf zur

Schlachtung geführt, und wie ein Lamm stumm ist vor seinem Scherer, so tut er seinen Mund nicht auf.

8,33 In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht weggenommen. Wer aber wird sein Geschlecht

beschreiben? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen. 8,34 Der Kämmerer aber antwortete

dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet dies? Von sich selbst oder von

einem anderen? 8,35 Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit dieser Schrift an und verkündigte

ihm das Evangelium von Jesus. 8,36 Als sie aber auf dem Weg fortzogen, kamen sie an ein Wasser.

Und der Kämmerer spricht: Siehe, [da ist] Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden? (37) 8,38

Und er befahl, den Wagen anzuhalten. Und sie stiegen beide in das Wasser hinab, sowohl Philippus als

der Kämmerer; und er taufte ihn. 8,39 Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist

des Herrn den Philippus; und der Kämmerer sah ihn nicht mehr, denn er zog seinen Weg mit Freuden.

8,40 Philippus aber fand man zu Aschdod; und er zog hindurch und verkündigte das Evangelium allen

Städten, bis er nach Cäsarea kam.

Bekehrung des Saulus.

Kap. 22,3-16; 26,9-20.

Kapitel 9

9,1 Saulus aber schnaubte immer noch Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn, ging zu dem

Hohenpriester 9,2 und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit, wenn er

einige, die des Weges wären, fände, Männer wie auch Frauen, er sie gebunden nach Jerusalem führe.

9,3 Als er aber hinzog, geschah es, daß er Damaskus nahte. Und plötzlich umstrahlte ihn ein Licht aus

dem Himmel; 9,4 und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul, Saul, was

verfolgst du mich? 9,5 Er aber sprach: Wer bist du, Herr? Er aber [sagte]: Ich bin Jesus, den du

verfolgst. 9,6 Doch steh auf und geh in die Stadt, und es wird dir gesagt werden, was du tun sollst! 9,7

Die Männer aber, die mit ihm des Weges zogen, standen sprachlos, da sie wohl die Stimme hörten,

aber niemand sahen. 9,8 Saulus aber richtete sich von der Erde auf. Als sich aber seine Augen öffneten,

sah er nichts. Und sie leiteten ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus. 9,9 Und er konnte drei

Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.

9,10 Es war aber ein Jünger in Damaskus, mit Namen Hananias; und der Herr sprach zu ihm in einer

Erscheinung: Hananias! Er aber sprach: Siehe, [hier bin] ich, Herr! 9,11 Der Herr aber [sprach] zu ihm:

Steh auf und geh in die Straße, welche die `gerade genannt wird, und frage im Haus des Judas nach

einem mit Namen Saulus von Tarsus! Denn siehe, er betet; 9,12 und er hat im Gesicht einen Mann mit

Namen Hananias gesehen, der hereinkam und ihm die Hände auflegte, damit er wieder sehend werde.

9,13 Ananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er

deinen Heiligen in Jerusalem getan hat. 9,14 Und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle

zu binden, die deinen Namen anrufen. 9,15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh hin! Denn dieser ist mir

ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als Könige und Söhne

Israels. 9,16 Denn ich werde ihm zeigen, wie vieles er für meinen Namen leiden muß. 9,17 Ananias

aber ging hin und kam in das Haus; und er legte ihm die Hände auf und sprach: Bruder Saul, der Herr

hat mich gesandt, Jesus - der dir erschienen ist auf dem Weg, den du kamst -, damit du wieder sehend

und mit Heiligem Geist erfüllt werdest. 9,18 Und sogleich fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und

er wurde sehend und stand auf und ließ sich taufen.

Zeugnis des Saulus in Damaskus.

9,19 Und nachdem er Speise genommen hatte, kam er zu Kräften. Er war aber einige Tage bei den

Jüngern in Damaskus. 9,20 Und sogleich predigte er in den Synagogen Jesus, daß dieser der Sohn

Gottes ist. 9,21 Alle aber, die es hörten, gerieten außer sich und sagten: Ist dieser nicht der, welcher in

Jerusalem die zugrunde richtete, die diesen Namen anrufen, und dazu hierher gekommen war, daß er

sie gebunden zu den Hohenpriestern führe?

9,22 Saulus aber erstarkte noch mehr [im Wort] und brachte die Juden, die in Damaskus wohnten, in

Verwirrung, indem er bewies, daß dieser der Christus ist. 9,23 Als aber viele Tage verflossen waren,

ratschlagten die Juden miteinander, ihn umzubringen. 9,24 Es wurde aber dem Saulus ihr Anschlag

bekannt. Und sie bewachten auch die Tore sowohl bei Tag als bei Nacht, damit sie ihn umbrächten.

9,25 Die Jünger aber nahmen ihn bei Nacht und ließen ihn durch die Mauer hinab, indem sie ihn in

einem Korb hinunterließen.

Zeugnis des Saulus in Jerusalem.

9,26 Als er aber nach Jerusalem gekommen war, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen; und alle

fürchteten sich vor ihm, da sie nicht glaubten, daß er ein Jünger sei. 9,27 Barnabas aber nahm ihn und

brachte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Weg den Herrn gesehen habe und daß

der zu ihm geredet und wie er in Damaskus freimütig im Namen Jesu gesprochen habe. 9,28 Und er

ging mit ihnen aus und ein in Jerusalem und sprach freimütig im Namen des Herrn. 9,29 Und er redete

und stritt mit den Hellenisten; sie aber trachteten, ihn umzubringen. 9,301 Als die Brüder es aber

erfuhren, brachten sie ihn nach Cäsarea hinab und sandten ihn weg nach Tarsus.

9,31 So hatte denn die Gemeinde durch ganz Judäa und Galiläa und Samaria hin Frieden und wurde

erbaut und wandelte in der Furcht des Herrn und mehrte sich durch den Trost des Heiligen Geistes.

Heilung des Äneas.

9,32 Es geschah aber, daß Petrus, indem er überall hindurchzog, auch zu den Heiligen hinabkam, die

zu Lydda wohnten. 9,33 Er fand aber dort einen Menschen mit Namen Äneas, der seit acht Jahren zu

Bett lag; er war gelähmt. 9,34 Und Petrus sprach zu ihm: Äneas! Jesus Christus heilt dich. Steh auf und

mach dir selbst dein Bett! Und sogleich stand er auf. 9,35 Und es sahen ihn alle, die zu Lydda und

Scharon wohnten; die bekehrten sich zum Herrn.

Auferweckung der Tabita.

9,36 In Joppe aber war eine Jüngerin mit Namen Tabita, die übersetzt heißt: Dorkas. Diese war reich

an guten Werken und Almosen, die sie übte. 9,37 Es geschah aber in jenen Tagen, daß sie krank wurde

und starb. Und als man sie gewaschen hatte, legte man sie in ein Obergemach. 9,38 Da aber Lydda

nahe bei Joppe war, sandten die Jünger, als sie gehört hatten, daß Petrus dort sei, zwei Männer zu ihm

und baten: Zögere nicht, zu uns zu kommen! 9,39 Petrus aber stand auf und ging mit ihnen; und als er

angekommen war, führten sie ihn in das Obergemach. Und alle Witwen traten weinend zu ihm und

zeigten ihm die Unter- und Oberkleider, die Dorkas gemacht hatte, während sie bei ihnen war. 9,40

Petrus aber trieb alle hinaus, kniete nieder und betete. Und er wandte sich zu dem Leichnam und

sprach: Tabita, steh auf! Sie aber schlug ihre Augen auf, und als sie den Petrus sah, setzte sie sich auf.

9,41 Er aber gab ihr die Hand und richtete sie auf; er rief aber die Heiligen und die Witwen und stellte

sie lebend vor. 9,42 Es wurde aber durch ganz Joppe hin bekannt, und viele glaubten an den Herrn.

9,43 Es geschah aber, daß er viele Tage in Joppe bei einem Gerber Simon blieb.

Der Hauptmann Kornelius in Cäsarea.

Kapitel 10

10,1 Ein Mann aber in Cäsarea mit Namen Kornelius - ein Hauptmann von der sogenannten Italischen

Schar, 10,2 fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus, der dem Volk viele Almosen gab und

allezeit zu Gott betete - 10,3 sah in einer Erscheinung ungefähr um die neunte Stunde des Tages

deutlich, wie ein Engel Gottes zu ihm hereinkam und zu ihm sagte: Kornelius! 10,4 Er aber sah ihn

gespannt an und wurde von Furcht erfüllt und sagte: Was ist, Herr? Er sprach aber zu ihm: Deine

Gebete und deine Almosen sind hinaufgestiegen zum Gedächtnis vor Gott. 10,5 Und jetzt sende

Männer nach Joppe und laß Simon holen, der den Beinamen Petrus hat; 10,6 dieser herbergt bei einem

Gerber Simon, dessen Haus am Meer ist. 10,7 Als aber der Engel, der mit ihm redete, weggegangen

war, rief er zwei seiner Hausknechte und einen frommen Soldaten von denen, die beständig bei ihm

waren; 10,8 und als er ihnen alles erzählt hatte, sandte er sie nach Joppe.

Des Petrus Sendung zu den Heiden

nach Cäsarea.

Kap. 11,5-12.

10,9 Am folgenden Tag aber, während jene reisten und sich der Stadt näherten, stieg Petrus um die

sechste Stunde auf das Dach, um zu beten. 10,10 Er wurde aber hungrig und verlangte zu essen.

Während sie ihm aber zubereiteten, kam eine Verzückung über ihn. 10,11 Und er sieht den Himmel

geöffnet und ein Gefäß, gleich einem großen, leinenen Tuch, herabkommen, an vier Zipfeln auf die

Erde herabgelassen; 10,12 darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des

Himmels. 10,13 Und eine Stimme erging an ihn: Steh auf, Petrus, schlachte und iß! 10,14 Petrus aber

sprach: Keineswegs, Herr! Denn niemals habe ich irgend etwas Gemeines oder Unreines gegessen.

10,15 Und wieder erging eine Stimme zum zweiten Mal an ihn: Was Gott gereinigt hat, mach du nicht

gemein! 10,16 Dies aber geschah dreimal; und das Gefäß wurde sogleich hinaufgenommen in den

Himmel. 10,17 Als aber Petrus bei sich selbst in Verlegenheit war, was wohl diese Erscheinung

bedeuten möchte, die er gesehen hatte, siehe, da standen die Männer, die von Kornelius gesandt waren

und Simons Haus erfragt hatten, vor dem Tor; 10,18 und als sie gerufen hatten, fragten sie, ob Simon

mit dem Beinamen Petrus dort herberge. 10,19 Während aber Petrus über die Erscheinung nachsann,

sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich. 10,20 Steh aber auf, geh hinab und zieh mit

ihnen, ohne irgend zu zweifeln, weil ich sie gesandt habe.

10,21 Petrus aber ging zu den Männern hinab und sprach: Siehe, ich bin}s, den ihr sucht. Was ist die

Ursache, weshalb ihr kommt? 10,22 Sie aber sprachen: Kornelius, ein Hauptmann, ein gerechter und

gottesfürchtiger Mann, und der ein [gutes] Zeugnis hat von der ganzen Nation der Juden, ist von einem

heiligen Engel göttlich gewiesen worden, dich in sein Haus holen zu lassen und Worte von dir zu

hören. 10,23 Als er sie nun hereingerufen hatte, beherbergte er sie. Am folgenden Tag aber machte er

sich auf und zog mit ihnen fort, und einige der Brüder von Joppe gingen mit ihm; 10,24 und am

folgenden Tag kamen sie nach Cäsarea. Kornelius aber, der seine Verwandten und nächsten Freunde

zusammengerufen hatte, erwartete sie.

Petrus in Cäsarea - Bekehrung des

Kornelius.

Kap. 11,13-17.

10,25 Als es aber geschah, daß Petrus hereinkam, ging Kornelius ihm entgegen, fiel ihm zu Füßen und

huldigte ihm. 10,26 Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf! Auch ich bin ein Mensch. 10,27

Und während er sich mit ihm unterhielt, ging er hinein und findet viele versammelt. 10,28 Und er

sprach zu ihnen: Ihr wißt, wie unerlaubt es für einen jüdischen Mann ist, sich einem Fremdling

anzuschließen oder zu ihm zu kommen; und mir hat Gott gezeigt, keinen Menschen gemein oder

unrein zu nennen. 10,29 Darum kam ich auch ohne Widerrede, als ich geholt wurde. Ich frage nun:

Aus welchem Grund habt ihr mich holen lassen? 10,30 Und Kornelius sprach: Vor vier Tagen betete

ich in meinem Haus bis zu dieser, der neunten Stunde; und siehe, ein Mann stand vor mir in

glänzendem Kleid 10,31 und spricht: Kornelius! Dein Gebet ist erhört, und deiner Almosen ist gedacht

worden vor Gott. 10,32 Sende nun nach Joppe und laß Simon holen mit dem Beinamen Petrus; dieser

herbergt im Hause Simons, eines Gerbers, am Meer. 10,33 Sofort nun sandte ich zu dir, und du hast

wohlgetan, daß du gekommen bist. Jetzt sind wir nun alle vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir

vom Herrn aufgetragen ist.

10,34 Petrus aber tat den Mund auf und sprach: In Wahrheit begreife ich, daß Gott die Person nicht

ansieht, 10,35 sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm.

10,36 Das Wort, das er den Söhnen Israels gesandt hat, indem er Frieden verkündigte durch Jesus

Christus - dieser ist aller Herr -, 10,37 kennt ihr: die Sache, die, angefangen von Galiläa, durch ganz

Judäa hin geschehen ist, nach der Taufe, die Johannes predigte: 10,38 Jesus von Nazareth, wie Gott ihn

mit Heiligem Geist und mit Kraft gesalbt hat, der umherging und wohltat und alle heilte, die von dem

Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm. 10,39 Und wir sind Zeugen alles dessen, was er

sowohl im Lande der Juden als auch in Jerusalem getan hat; den haben sie auch umgebracht, indem sie

ihn an ein Holz hängten. 10,40 Diesen hat Gott am dritten Tag auferweckt und ihn sichtbar werden

lassen, 10,41 nicht dem ganzen Volk, sondern den von Gott zuvor erwählten Zeugen, uns, die wir mit

ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er aus den Toten auferstanden war. 10,42 Und er hat uns

befohlen, dem Volk zu predigen und ernstlich zu bezeugen, daß er der von Gott verordnete Richter der

Lebenden und der Toten ist. 10,43 Diesem geben alle Propheten Zeugnis, daß jeder, der an ihn glaubt,

Vergebung der Sünden empfängt durch seinen Namen.

10,44 Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten.

10,45 Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele ihrer mit Petrus gekommen waren, gerieten

außer sich, daß auch auf die Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war; 10,46

denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. 10,47 Dann antwortete Petrus: Könnte wohl

jemand das Wasser verwehren, daß diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen

haben wie auch wir? 10,48 Und er befahl, daß sie getauft würden im Namen Jesu Christi. Dann baten

sie ihn, einige Tage zu bleiben.

Petrus verteidigt in Jerusalem seine

Sendung zu den Heiden.

Kap. 10,9-48.

Kapitel 11

11,1 Die Apostel aber und die Brüder, die in Judäa waren, hörten, daß auch die Nationen das Wort

Gottes angenommen hatten; 11,2 und als Petrus nach Jerusalem hinaufkam, stritten die aus der

Beschneidung mit ihm 11,3 und sagten: Du bist bei unbeschnittenen Männern eingekehrt und hast mit

ihnen gegessen. 11,4 Petrus aber fing an und setzte es ihnen der Reihe nach auseinander und sprach:

11,5 Ich war in der Stadt Joppe im Gebet, und ich sah in einer Verzückung eine Erscheinung, wie ein

Gefäß herabkam, gleich einem großen leinenen Tuch, an vier Zipfeln herabgelassen aus dem Himmel;

und es kam bis zu mir. 11,6 Und als ich gespannt hineinschaute, bemerkte und sah ich die vierfüßigen

Tiere der Erde und die wilden Tiere und die kriechenden und die Vögel des Himmels. 11,7 Ich hörte

aber auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte und iß! 11,8 Ich sprach aber:

Keineswegs, Herr! Denn niemals ist Gemeines oder Unreines in meinen Mund gekommen. 11,9 Eine

Stimme aber antwortete zum zweiten Mal aus dem Himmel: Was Gott gereinigt hat, mach du nicht

gemein! 11,10 Dies aber geschah dreimal; und alles wurde wieder hinaufgezogen in den Himmel.

11,11 Und siehe, sogleich standen vor dem Haus, in dem ich war, drei Männer, die von Cäsarea zu mir

gesandt waren. 11,12 Der Geist aber sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Es kamen

aber auch diese sechs Brüder mit mir, und wir kehrten in das Haus des Mannes ein. 11,13 Und er

erzählte uns, wie er den Engel in seinem Haus habe stehen sehen und sagen: Sende nach Joppe und laß

Simon mit dem Beinamen Petrus holen; 11,14 der wird Worte zu dir reden, durch die du errettet

werden wirst, du und dein ganzes Haus. 11,15 Während ich aber zu reden begann, fiel der Heilige

Geist auf sie, so wie auch auf uns im Anfang. 11,16 Ich gedachte aber an das Wort des Herrn, wie er

sagte: Johannes taufte zwar mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden. 11,17

Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die wir an den Herrn Jesus Christus

geglaubt haben, wer war ich, daß ich hätte Gott wehren können? 11,18 Als sie aber dies gehört hatten,

beruhigten sie sich und verherrlichten Gott und sagten: Dann hat Gott also auch den Nationen die Buße

gegeben zum Leben.

Barnabas und Saulus bei Juden- und

Heidenchristen in Antiochia.

11,19 Die nun zerstreut waren durch die Drangsal, die wegen Stephanus entstanden war, zogen

hindurch bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und redeten zu niemand das Wort als allein zu

Juden. 11,20 Es waren aber unter ihnen einige Männer von Zypern und Kyrene, die, als sie nach

Antiochia kamen, auch zu den Griechen redeten, indem sie das Evangelium von dem Herrn Jesus

verkündigten. 11,21 Und des Herrn Hand war mit ihnen, und eine große Zahl glaubte und bekehrte sich

zum Herrn. 11,22 Es kam aber die Rede von ihnen zu den Ohren der Gemeinde in Jerusalem, und sie

sandten Barnabas aus, daß er hindurchzöge bis nach Antiochia; 11,23 der freute sich, als er

hingekommen war und die Gnade Gottes sah, und ermahnte alle, mit Herzensentschluß bei dem Herrn

zu verharren. 11,24 Denn er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens; und eine

zahlreiche Menge wurde dem Herrn hinzugetan. 11,25 Er zog aber aus nach Tarsus, um Saulus

aufzusuchen; und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochia. 11,26 Es geschah ihnen

aber, daß sie ein ganzes Jahr in der Gemeinde zusammenkamen und eine zahlreiche Menge lehrten und

daß die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden.

Prophezeiung des Agabus.

11,27 In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochia herab. 11,28 Einer aber

von ihnen, mit Namen Agabus, stand auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die

über den ganzen Erdkreis kommen sollte; sie trat auch unter Klaudius ein. 11,29 Sie beschlossen aber,

daß, [je nach dem] wie einer der Jünger begütert war, jeder von ihnen zur Hilfeleistung den Brüdern,

die in Judäa wohnten, [etwas] senden sollte; 11,30 das taten sie auch, indem sie es durch die Hand des

Barnabas und Saulus an die Ältesten sandten.

Hinrichtung des Jakobus -

Gefangenschaft und Befreiung des

Petrus.

Kapitel 12

12,1 Um jene Zeit aber legte Herodes, der König, Hand an einige von der Gemeinde, sie zu

mißhandeln; 12,2 er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. 12,3 Und als er

sah, daß es den Juden gefiel, ließ er weiterhin auch Petrus festnehmen - es waren aber die Tage der

ungesäuerten Brote -. 12,4 Den setzte er auch, nachdem er ihn ergriffen hatte, ins Gefängnis und

übergab ihn an vier Abteilungen von je vier Soldaten zur Bewachung, wobei er beabsichtigte, ihn nach

dem Passah dem Volk vorzuführen. 12,5 Petrus nun wurde im Gefängnis verwahrt; aber von der

Gemeinde geschah ein anhaltendes Gebet für ihn zu Gott. 12,6 Als aber Herodes ihn vorführen wollte,

schlief Petrus in jener Nacht zwischen zwei Soldaten, gebunden mit zwei Ketten, und Wächter vor der

Tür verwahrten das Gefängnis. 12,7 Und siehe, ein Engel des Herrn stand da, und ein Licht leuchtete

im Kerker; und er schlug Petrus an die Seite, weckte ihn und sagte: Steh schnell auf! Und die Ketten

fielen ihm von den Händen. 12,8 Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und binde deine Sandalen

unter. Er aber tat es. Und er spricht zu ihm: Wirf dein Oberkleid um und folge mir. 12,9 Und er ging

hinaus und folgte und wußte nicht, daß es Wirklichkeit war, was durch den Engel geschah; er meinte

aber, eine Erscheinung zu sehen. 12,10 Als sie aber durch die erste und die zweite Wache gegangen

waren, kamen sie an das eiserne Tor, das in die Stadt führte, das sich ihnen von selbst auftat; und sie

traten hinaus und gingen eine Straße entlang, und sogleich schied der Engel von ihm. 12,11 Und als

Petrus zu sich selbst kam, sprach er: Nun weiß ich in Wahrheit, daß der Herr seinen Engel gesandt und

mich gerettet hat aus der Hand des Herodes und aller Erwartung des Volkes der Juden. 12,12 Und als

er das erkannte, kam er an das Haus der Maria, der Mutter des Johannes mit dem Beinamen Markus,

wo viele versammelt waren und beteten. 12,13 Als er aber an die Tür des Tores klopfte, kam eine

Magd mit Namen Rhode herbei, um zu horchen. 12,14 Und als sie die Stimme des Petrus erkannte,

öffnete sie vor Freude das Tor nicht; sie lief aber hinein und verkündete, Petrus stehe vor dem Tor.

12,15 Sie aber sprachen zu ihr: Du bist von Sinnen. Sie aber beteuerte, daß es so sei. Sie aber sprachen:

Es ist sein Engel. 12,16 Petrus aber fuhr fort zu klopfen. Als sie aber aufgetan hatten, sahen sie ihn und

waren außer sich. 12,17 Er aber winkte ihnen mit der Hand, zu schweigen, und erzählte ihnen, wie der

Herr ihn aus dem Gefängnis herausgeführt habe; und er sprach: Berichtet dies Jakobus und den

Brüdern! Und er ging hinaus und zog an einen anderen Ort.

Ende des Königs Herodes (Agrippa I.).

12,18 Als es aber Tag geworden war, gab es eine nicht geringe Bestürzung unter den Soldaten, was

wohl aus Petrus geworden sei. 12,19 Als aber Herodes nach ihm verlangte und ihn nicht fand, zog er

die Wächter zur Untersuchung und befahl, sie abzuführen; und er ging von Judäa nach Cäsarea hinab

und verweilte dort. 12,20 Er war aber sehr erbittert gegen die Tyrer und Sidonier. Sie kamen aber

einmütig zu ihm, und nachdem sie Blastus, den Kämmerer des Königs, überredet hatten, baten sie um

Frieden, weil ihr Land von dem königlichen [Land] ernährt wurde. 12,21 An einem festgesetzten Tag

aber hielt Herodes, nachdem er königliche Kleider angelegt und sich auf den Thron gesetzt hatte, eine

öffentliche Rede an sie. 12,22 Das Volk aber rief [ihm] zu: Eines Gottes Stimme und nicht eines

Menschen! 12,23 Sogleich aber schlug ihn ein Engel des Herrn, dafür, daß er nicht Gott die Ehre gab;

und von Würmern zerfressen, verschied er.

12,24 Das Wort Gottes aber wuchs und mehrte sich.

Aussendung des Barnabas und Paulus

zur ersten Missionsreise.

12,25 Barnabas aber und Saulus kehrten, nachdem sie den Dienst erfüllt hatten, von Jerusalem zurück

und nahmen auch Johannes mit dem Beinamen Markus mit.

Kapitel 13

13,1 Es waren aber in Antiochia, in der dortigen Gemeinde, Propheten und Lehrer: Barnabas und

Simon, genannt Niger, und Lucius von Kyrene und Manaen, der mit Herodes, dem Vierfürsten,

auferzogen worden war, und Saulus. 13,2 Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der

Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe!

13,3 Da fasteten und beteten sie; und als sie ihnen die Hände aufgelegt hatten, entließen sie sie.

Barnabas und Paulus auf Zypern.

13,4 Sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geist, gingen hinab nach Seleucia, und von dort segelten

sie nach Zypern. 13,5 Und als sie in Salamis waren, verkündigten sie das Wort Gottes in den

Synagogen der Juden. Sie hatten aber auch Johannes zum Diener. 13,6 Als sie aber die ganze Insel bis

Paphos durchzogen hatten, fanden sie einen Mann, einen Magier, einen falschen Propheten, einen

Juden, mit Namen Bar-Jesus, 13,7 der bei dem Prokonsul Sergius Paulus war, einem verständigen

Mann. Dieser rief Barnabas und Saulus herbei und begehrte das Wort Gottes zu hören. 13,8 Elymas

aber, der Zauberer - denn so wird sein Name übersetzt -, widerstand ihnen und suchte den Prokonsul

vom Glauben abwendig zu machen. 13,9 Saulus aber, der auch Paulus [heißt], blickte, mit Heiligem

Geist erfüllt, fest auf ihn hin 13,10 und sprach: O du, voll aller List und aller Bosheit, Sohn des

Teufels, Feind aller Gerechtigkeit! Willst du nicht aufhören, die geraden Wege des Herrn zu

verkehren? 13,11 Und jetzt siehe, die Hand des Herrn ist auf dir! Und du wirst blind sein und die

Sonne eine Zeitlang nicht sehen. Und sogleich fiel Dunkel und Finsternis auf ihn; und er tappte umher

und suchte solche, die ihn an der Hand leiteten. 13,12 Dann, als der Prokonsul sah, was geschehen war,

glaubte er, erstaunt über die Lehre des Herrn.

Tätigkeit in Antiochia in Pisidien.

13,13 Als aber Paulus und seine Begleiter von Paphos abgefahren waren, kamen sie nach Perge in

Pamphylien. Johannes aber sonderte sich von ihnen ab und kehrte nach Jerusalem zurück.

13,14 Sie aber zogen von Perge aus hindurch und kamen nach Antiochia in Pisidien; und sie gingen am

Tag des Sabbats in die Synagoge und setzten sich. 13,15 Aber nach dem Vorlesen des Gesetzes und

der Propheten sandten die Vorsteher der Synagoge zu ihnen und sagten: Ihr Brüder , wenn ihr ein Wort

der Ermahnung an das Volk habt, so redet! 13,16 Paulus aber stand auf, winkte mit der Hand und

sprach: Männer von Israel, und die ihr Gott fürchtet, hört: 13,17 Der Gott dieses Volkes Israel erwählte

unsere Väter und erhöhte das Volk in der Fremdlingschaft im Land Ägypten, und mit erhobenem Arm

führte er sie von dort heraus; 13,18 und eine Zeit von etwa vierzig Jahren ertrug er sie in der Wüste.

13,19 Und nachdem er sieben Nationen im Land Kanaan vertilgt hatte, ließ er sie deren Land erben

13,20 [für] etwa vierhundertfünfzig Jahre. Und danach gab er ihnen Richter bis zu Samuel, dem

Propheten. 13,21 Und von da an begehrten sie einen König, und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des

Kisch, einen Mann aus dem Stamm Benjamin, vierzig Jahre lang. 13,22 Und nachdem er ihn

verworfen hatte, erweckte er ihnen David zum König, welchem er auch Zeugnis gab und sprach: `Ich

habe David gefunden, den Sohn Jsais, einen Mann nach meinem Herzen, der meinen ganzen Willen

tun wird. 13,23 Aus dessen Nachkommenschaft hat Gott nach Verheißung dem Israel als Erretter Jesus

gebracht, 13,24 nachdem Johannes vor dessen Auftreten die Taufe der Buße dem ganzen Volk Israel

verkündigt hatte. 13,25 Als aber Johannes seinen Lauf erfüllte, sprach er: Was ihr meint, daß ich sei,

bin ich nicht, sondern siehe, es kommt einer nach mir, dem ich nicht würdig bin, die Sandale an den

Füßen zu lösen. 13,26 Ihr Brüder, Söhne des Geschlechts Abrahams, und die unter euch Gott fürchten,

uns ist das Wort dieses Heils gesandt. 13,27 Denn die zu Jerusalem wohnen und ihre Obersten haben,

da sie diesen nicht erkannten, auch die Stimmen der Propheten erfüllt, die jeden Sabbat gelesen

werden, indem sie [über ihn] Gericht hielten. 13,28 Und obschon sie keine todeswürdige Schuld

fanden, baten sie den Pilatus, daß er umgebracht werde. 13,29 Und nachdem sie alles vollendet hatten,

was über ihn geschrieben ist, nahmen sie ihn vom Holz herab und legten ihn in eine Gruft. 13,30 Gott

aber hat ihn aus den Toten auferweckt, 13,31 und er ist mehrere Tage hindurch denen erschienen, die

mit ihm hinaufgezogen waren von Galiläa nach Jerusalem, die jetzt seine Zeugen an das Volk sind.

13,32 Und wir verkündigen euch die gute Botschaft von der zu den Vätern geschehenen Verheißung,

13,33 daß Gott sie uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus erweckte; wie auch im zweiten Psalm

geschrieben steht: `Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. 13,34 Daß er ihn aber aus den

Toten auferweckt hat, so daß er nicht mehr zur Verwesung zurückkehrte, hat er so ausgesprochen: `Ich

werde euch die zuverlässigen heiligen Güter Davids geben. 13,35 Deshalb sagt er auch an einer

anderen [Stelle]: `Du wirst nicht zugeben, daß dein Frommer die Verwesung sehe.. 13,36 Denn David

freilich entschlief, nachdem er seinem Geschlecht nach dem Willen Gottes gedient hatte, und wurde zu

seinen Vätern versammelt und sah die Verwesung. 13,37 Der aber, den Gott auferweckt hat, sah die

Verwesung nicht. 13,38 So sei es euch nun kund, ihr Brüder, daß durch diesen euch Vergebung der

Sünden verkündigt wird; 13,39 und von allem, wovon ihr durch das Gesetz Moses nicht gerechtfertigt

werden konntet, wird durch diesen jeder Glaubende gerechtfertigt. 13,40 Seht nun zu, daß nicht

eintreffe, was in den Propheten gesagt ist: 13,41 `Seht, ihr Verächter, und wundert euch und

verschwindet! Denn ich wirke ein Werk in euren Tagen, ein Werk, das ihr nicht glauben werdet, wenn

es euch jemand erzählt.

13,42 Als sie aber hinausgingen, baten sie, daß am folgenden Sabbat diese Worte [noch einmal] zu

ihnen geredet werden möchten. 13,43 Als aber die Synagogenversammlung sich aufgelöst hatte,

folgten viele der Juden und der anbetenden Proselyten dem Paulus und Barnabas, die zu ihnen

sprachen und ihnen zuredeten, beharrlich bei der Gnade Gottes zu bleiben. 13,44 Am nächsten Sabbat

aber versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören. 13,45 Als aber die Juden die

Volksmengen sahen, wurden sie von Eifersucht erfüllt und widersprachen dem, was von Paulus

geredet wurde, und lästerten. 13,46 Paulus aber und Barnabas sprachen freimütig: Zu euch mußte

notwendig das Wort Gottes zuerst geredet werden; weil ihr es aber von euch stoßt und euch selbst nicht

würdig achtet des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen. 13,47 Denn so hat uns

der Herr geboten: `Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, daß du zum Heil seiest bis an das

Ende der Erde. 13,48 Als aber die [aus den] Nationen es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das

Wort des Herrn; und es glaubten, so viele zum ewigen Leben verordnet waren. 13,49 Das Wort des

Herrn aber wurde ausgebreitet durch die ganze Gegend. 13,50 Die Juden aber erregten die anbetenden

vornehmen Frauen und die Ersten der Stadt und erweckten eine Verfolgung gegen Paulus und

Barnabas und vertrieben sie aus ihren Grenzen. 13,51 Sie aber schüttelten den Staub von ihren Füßen

gegen sie ab und kamen nach Ikonium. 13,52 Die Jünger aber wurden mit Freude und Heiligem Geist

erfüllt.

Aufenthalt in Ikonion.

Kapitel 14

14,1 Es geschah aber zu Ikonion, daß sie zusammen in die Synagoge der Juden gingen und so redeten,

daß eine große Menge, sowohl von Juden als auch von Griechen, glaubte. 14,2 Die ungläubigen Juden

aber reizten und erbitterten die Seelen derer [aus den] Nationen gegen die Brüder. 14,3 Sie verweilten

nun lange Zeit und sprachen freimütig in dem Herrn, der dem Wort seiner Gnade Zeugnis gab, indem

er Zeichen und Wunder geschehen ließ durch ihre Hände. 14,4 Die Menge der Stadt aber war entzweit,

und die einen waren mit den Juden, die anderen mit den Aposteln. 14,5 Als aber ein heftiges Bestreben

entstand, sowohl von denen [aus den] Nationen als auch von den Juden samt ihren Obersten, sie zu

mißhandeln und zu steinigen, 14,6 entflohen sie, als sie es bemerkten, in die Städte von Lykaonien,

Lystra und Derbe, und die Umgegend; 14,7 und dort verkündigten sie das Evangelium.

Heilung eines Lahmen in Lystra -

Steinigung des Paulus.

14,8 Und ein Mann in Lystra saß da, kraftlos an den Füßen, lahm von seiner Mutter Leib an, der

niemals umhergegangen war. 14,9 Dieser hörte Paulus reden; als der ihn fest anblickte und sah, daß er

Glauben hatte, geheilt zu werden, 14,10 sprach er mit lauter Stimme: Stelle dich gerade hin auf deine

Füße! Und er sprang auf und ging umher. 14,11 Als die Volksmengen aber sahen, was Paulus tat,

erhoben sie ihre Stimme und sagten auf lykaonisch: Die Götter sind den Menschen gleich geworden

und sind zu uns herabgekommen. 14,12 Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes,

weil er das Wort führte. 14,13 Der Priester des Zeus[tempels] aber, der vor der Stadt war, brachte

Stiere und Kränze an die Tore und wollte mit den Volksmengen opfern. 14,14 Als aber die Apostel

Barnabas und Paulus es hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen hinaus unter die Volksmenge und

riefen 14,15 und sprachen: Männer, warum tut ihr dies? Auch wir sind Menschen von gleichen

Empfindungen wie ihr und verkündigen euch, daß ihr euch von diesen nichtigen [Götzen] bekehren

sollt zu dem lebendigen Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat und alles, was

in ihnen ist. 14,16 Er ließ in den vergangenen Geschlechtern alle Nationen in ihren eigenen Wegen

gehen, 14,17 obwohl er sich doch nicht unbezeugt gelassen hat, indem er Gutes tat und euch vom

Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gab und eure Herzen mit Speise und Fröhlichkeit erfüllte. 14,18

Und als sie dies sagten, beruhigten sie mit Mühe die Volksmengen, daß sie ihnen nicht opferten.

14,19 Es kamen aber aus Antiochia und Ikonion Juden an, und nachdem sie die Volksmengen

überredet und Paulus gesteinigt hatten, schleiften sie ihn zur Stadt hinaus, da sie meinten, er sei

gestorben. 14,20 Als aber die Jünger ihn umringten, stand er auf und ging in die Stadt hinein; und am

folgenden Tag zog er mit Barnabas aus nach Derbe.

Evangeliumsverkündigung in Derbe und

Rückkehr nach Antiochia.

14,21 Und als sie jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten

sie nach Lystra und Ikonion und Antiochia zurück. 14,22 Sie befestigten die Seelen der Jünger und

ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und [sagten], daß wir durch viele Trübsale in das Reich

Gottes eingehen müssen. 14,23 Als sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste gewählt hatten, beteten

sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren. 14,24 Und nachdem

sie Pisidien durchzogen hatten, kamen sie nach Pamphylien; 14,25 und als sie in Perge das Wort

geredet hatten, gingen sie hinab nach Attalia; 14,26 und von da segelten sie ab nach Antiochia, von wo

sie der Gnade Gottes befohlen worden waren zu dem Werk, das sie erfüllt hatten. 14,27 Als sie aber

angekommen waren und die Gemeinde zusammengebracht hatten, erzählten sie alles, was Gott mit

ihnen getan und daß er den Nationen eine Tür des Glaubens aufgetan habe. 14,28 Sie verweilten aber

eine nicht geringe Zeit bei den Jüngern.

Apostelkonzil zu Jerusalem.

Kapitel 15

15,1 Und einige kamen von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr nicht beschnitten worden

seid nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht errettet werden. 15,2 Als nun ein Zwiespalt entstand und

ein nicht geringer Wortwechsel zwischen ihnen und Paulus und Barnabas, ordneten sie an, daß Paulus

und Barnabas und einige andere von ihnen zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen

sollten wegen dieser Streitfrage. 15,3 Sie nun erhielten von der Gemeinde das Geleit, durchzogen

Phönizien und Samarien und erzählten die Bekehrung derer [aus den] Nationen; und sie machten allen

Brüdern große Freude. 15,4 Als sie aber nach Jerusalem gekommen waren, wurden sie von der

Gemeinde und den Aposteln und Ältesten aufgenommen, und sie verkündeten alles, was Gott mit

ihnen getan hatte. 15,51 Einige aber von denen aus der Sekte der Pharisäer, die gläubig waren, traten

auf und sagten: Man muß sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten.

15,6 Die Apostel aber und die Ältesten versammelten sich, um diese Angelegenheit zu besehen. 15,7

Als aber viel Wortwechsel entstanden war, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Brüder, ihr wißt,

daß Gott [mich] vor langer Zeit unter euch auserwählt hat, daß die Nationen durch meinen Mund das

Wort des Evangeliums hören und glauben sollten. 15,8 Und Gott, der Herzenskenner, gab ihnen

Zeugnis, indem er ihnen den Heiligen Geist gab wie auch uns; 15,9 und er machte keinen Unterschied

zwischen uns und ihnen, da er durch den Glauben ihre Herzen reinigte. 15,10 Nun denn, was versucht

ihr Gott, ein Joch auf den Hals der Jünger zu legen, das weder unsere Väter noch wir zu tragen

vermochten? 15,11 Vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn Jesus in derselben Weise errettet

zu werden wie auch jene. 15,12 Die ganze Menge aber schwieg und hörte Barnabas und Paulus zu, die

erzählten, wie viele Zeichen und Wunder Gott unter den Nationen durch sie getan habe.

15,13 Als sie aber schwiegen, antwortete Jakobus und sprach: Ihr Brüder, hört mich! 15,14 Simon hat

erzählt, wie Gott zuerst darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.

15,15 Und hiermit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht: 15,16 `Nach

diesem will ich zurückkehren und wieder aufbauen die Hütte Davids, die verfallen ist, und ihre

Trümmer will ich wieder bauen und sie wieder aufrichten; 15,17 damit die übrigen der Menschen den

Herrn suchen und alle Nationen, über die mein Name angerufen ist, spricht der Herr, der dieses tut,

15,18 was von jeher bekannt ist. 15,19 Deshalb urteile ich, man solle die, welche sich von den

Nationen zu Gott bekehren, nicht beunruhigen, 15,20 sondern ihnen schreiben, daß sie sich enthalten

von den Verunreinigungen der Götzen und von der Unzucht und vom Erstickten und vom Blut. 15,21

Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt [solche], die ihn predigen, da er an jedem Sabbat in

den Synagogen gelesen wird.

Brief an die Gemeinde in Antiochia.

15,22 Dann schien es den Aposteln und den Ältesten samt der ganzen Gemeinde gut, Männer aus ihrer

Mitte zu erwählen und sie mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden: Judas mit dem

Beinamen Barsabas und Silas, Männer, die Führer unter den Brüdern waren. 15,23 Und sie schrieben

[und sandten] durch ihre Hand: `Die Apostel und die Ältesten [als] Brüder an die Brüder aus den

Nationen zu Antiochia und in Syrien und Zilizien [ihren] Gruß. 15,24 Weil wir gehört haben, daß

einige aus unserer Mitte euch mit Worten beunruhigt und eure Seelen verstört haben - denen wir keine

Befehle gegeben haben -, 15,25 schien es uns, nachdem wir einstimmig geworden, gut, Männer

auszuwählen und sie zu euch zu senden mit unseren geliebten [Brüdern] Barnabas und Paulus, 15,26

Leuten, die ihr Leben hingegeben haben für den Namen unseres Herrn Jesus Christus. 15,27 Wir haben

nun Judas und Silas gesandt, die auch selbst mündlich dasselbe verkünden werden. 15,28 Denn es hat

dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen als diese

notwendigen Stücke: 15,29 euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und

von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, so werdet ihr wohl tun. Lebt wohl!

15,30 Nachdem sie nun entlassen waren, kamen sie nach Antiochia hinab; und sie versammelten die

Menge und übergaben den Brief. 15,31 Als sie ihn aber gelesen hatten, freuten sie sich über den Trost.

15,32 Und Judas und Silas, die auch selbst Propheten waren, ermunterten die Brüder mit vielen Worten

und stärkten sie. 15,33 Nachdem sie sich aber eine Zeitlang aufgehalten hatten, wurden sie mit Frieden

von den Brüdern entlassen zu denen, die sie gesandt hatten. (15,34)

Paulus und Barnabas trennen sich -

Paulus bricht mit Silas zur zweiten

Missionsreise auf.

15,35 Paulus aber und Barnabas verweilten in Antiochia und lehrten und verkündigten mit noch vielen

anderen das Wort des Herrn. 15,36 Nach einigen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Laß uns nun

zurückkehren und die Brüder besuchen in jeder Stadt, in der wir das Wort des Herrn verkündigt haben,

[und sehen] wie es ihnen geht. 15,37 Barnabas aber wollte auch Johannes mit dem Beinamen Markus

mitnehmen. 15,38 Paulus aber hielt es für richtig, den nicht mitzunehmen, der aus Pamphylien von

ihnen gewichen und nicht mit ihnen gegangen war zu dem Werk. 15,39 Es entstand nun eine

Erbitterung, so daß sie sich voneinander trennten und Barnabas den Markus mitnahm und nach Zypern

segelte. 15,40 Paulus aber wählte sich Silas und zog aus, von den Brüdern der Gnade Gottes befohlen.

15,41 Er durchzog aber Syrien und Zilizien und befestigte die Gemeinden.

Timotheus wird Begleiter des Paulus.

Kapitel 16

16,1 Er gelangte aber nach Derbe und Lystra. Und siehe, dort war ein Jünger mit Namen Timotheus,

der Sohn einer jüdischen gläubigen Frau, aber eines griechischen Vaters; 16,2 er hatte ein [gutes]

Zeugnis von den Brüdern in Lystra und Ikonion. 16,3 Paulus wollte, daß dieser mit ihm ausziehe, und

er nahm und beschnitt ihn um der Juden willen, die in jenen Orten waren; denn sie kannten alle seinen

Vater, daß er ein Grieche war. 16,4 Als sie aber die Städte durchzogen, teilten sie ihnen zur Befolgung

die Beschlüsse mit, die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem festgesetzt waren. 16,5 Die

Gemeinden nun wurden im Glauben befestigt und nahmen täglich an Zahl zu.

Ruf nach Mazedonien.

16,6 Sie durchzogen aber Phrygien und die galatische Landschaft, nachdem sie von dem Heiligen Geist

verhindert worden waren, das Wort in Asien zu reden; 16,7 als sie aber gegen Mysien hin kamen,

versuchten sie, nach Bithynien zu reisen, und der Geist Jesu erlaubte es ihnen nicht. 16,8 Als sie aber

an Mysien vorübergezogen waren, gingen sie nach Troas hinab.

16,9 Und es erschien dem Paulus in der Nacht ein Gesicht: Ein mazedonischer Mann stand da und bat

ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! 16,10 Als er aber das Gesicht gesehen

hatte, suchten wir sogleich nach Mazedonien abzureisen, da wir schlossen, daß Gott uns gerufen habe,

ihnen das Evangelium zu verkündigen.

Reise nach Philippi - Bekehrung der

Lydia.

16,11 Wir fuhren nun von Troas ab und kamen geraden Laufs nach Samothrake und des folgenden

Tages nach Neapolis 16,12 und von da nach Philippi, das die erste Stadt jenes Teiles von Mazedonien

ist, eine Kolonie.

In dieser Stadt aber verweilten wir einige Tage. 16,13 Und am Tag des Sabbats gingen wir hinaus vor

das Tor an einen Fluß, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten; und wir setzten uns nieder und redeten zu

den Frauen, die zusammengekommen waren. 16,14 Und eine Frau mit Namen Lydia, eine

Purpurkrämerin aus der Stadt Thyatira, die Gott anbetete, hörte zu, deren Herz tat der Herr auf, daß sie

achtgab auf das, was von Paulus geredet wurde. 16,15 Als sie aber getauft worden war und ihr Haus,

bat sie und sagte: Wenn ihr urteilt, daß ich an den Herrn gläubig sei, so kehrt in mein Haus ein und

bleibt. Und sie nötigte uns.

Die Magd mit dem Wahrsagergeist -

Paulus und Silas in Gefangenschaft.

16,16 Es geschah aber, als wir zur Gebetsstätte gingen, daß uns eine Magd begegnete, die einen

Wahrsagergeist hatte; sie brachte ihren Herren großen Gewinn durch Wahrsagen. 16,17 Diese folgte

dem Paulus und uns nach und schrie und sprach: Diese Menschen sind Knechte Gottes, des Höchsten,

die euch den Weg des Heils verkündigen. 16,18 Dies aber tat sie viele Tage. Paulus aber wurde

unwillig, wandte sich um und sprach zu dem Geist: Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, von ihr

auszufahren! Und er fuhr aus zu derselben Stunde. 16,19 Als aber ihre Herren sahen, daß die Hoffnung

auf ihren Gewinn dahin war, griffen sie Paulus und Silas und schleppten sie auf den Markt zu den

Vorstehern. 16,20 Und sie führten sie zu den Hauptleuten und sprachen: Diese Menschen, die Juden

sind, verwirren ganz und gar unsere Stadt 16,21 und verkündigen Gebräuche, die anzunehmen oder

auszuüben uns nicht erlaubt ist, da wir Römer sind. 16,22 Und die Volksmenge erhob sich zugleich

gegen sie, und die Hauptleute rissen ihnen die Kleider ab und befahlen, sie mit Ruten zu schlagen.

16,23 Und als sie ihnen viele Schläge gegeben hatten, warfen sie sie ins Gefängnis und befahlen dem

Kerkermeister, sie sicher zu verwahren. 16,24 Dieser warf sie, als er solchen Befehl empfangen hatte,

in das innere Gefängnis und befestigte ihre Füße im Block.

Bekehrung des Kerkermeisters.

16,25 Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobsangen Gott; und die Gefangenen hörten

ihnen zu. 16,26 Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, so daß die Grundfesten des Gefängnisses

erschüttert wurden; und sofort öffneten sich alle Türen, und aller Fesseln lösten sich. 16,27 Als aber

der Kerkermeister aus dem Schlaf aufwachte und die Türen des Gefängnisses geöffnet sah, zog er das

Schwert und wollte sich umbringen, da er meinte, die Gefangenen seien entflohen. 16,28 Paulus aber

rief mit lauter Stimme und sprach: Tu dir kein Leid an, denn wir sind alle hier. 16,29 Er aber forderte

Licht und sprang hinein; und zitternd fiel er vor Paulus und Silas nieder. 16,30 Und er führte sie heraus

und sprach: Ihr Herren, was muß ich tun, daß ich errettet werde? 16,31 Sie aber sprachen: Glaube an

den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus. 16,32 Und sie redeten das Wort des

Herrn zu ihm samt allen, die in seinem Haus waren. 16,33 Und er nahm sie in jener Stunde der Nacht

zu sich und wusch ihnen die Striemen ab; und er ließ sich taufen und alle die Seinen sogleich. 16,34

Und er führte sie hinauf in sein Haus, ließ ihnen den Tisch decken und frohlockte, an Gott gläubig

geworden, mit seinem ganzen Haus.

Befreiung des Paulus und Silas.

16,35 Als es aber Tag geworden war, sandten die Hauptleute die Rutenträger und sagten: Laß jene

Menschen los! 16,36 Der Kerkermeister aber berichtete dem Paulus diese Worte: Die Hauptleute haben

hergesandt, damit ihr losgelassen werdet; so geht denn jetzt hinaus und zieht hin in Frieden. 16,37

Paulus aber sprach zu ihnen: Nachdem sie uns, die wir Römer sind, öffentlich unverurteilt geschlagen,

haben sie uns ins Gefängnis geworfen, und jetzt stoßen sie uns heimlich aus? Nicht doch; sondern laß

sie selbst kommen und uns hinausführen. 16,38 Die Rutenträger aber meldeten diese Worte den

Hauptleuten; und sie fürchteten sich, als sie hörten, daß sie Römer seien. 16,39 Und sie kamen und

redeten ihnen zu; und sie führten sie hinaus und baten sie, daß sie aus der Stadt gehen möchten. 16,40

Als sie aber aus dem Gefängnis herausgegangen waren, gingen sie zu Lydia; und als sie die Brüder

gesehen hatten, ermahnten sie sie und zogen weg.

Verkündigung und Verfolgung in

Thessalonich.

Kapitel 17

17,1 Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich,

wo eine Synagoge der Juden war. 17,2 Nach seiner Gewohnheit aber ging Paulus zu ihnen hinein und

unterredete sich an drei Sabbaten mit ihnen aus den Schriften, 17,3 indem er eröffnete und darlegte,

daß der Christus leiden und aus den Toten auferstehen mußte und daß dieser der Christus ist: der Jesus,

den ich euch verkündige. 17,4 Und einige von ihnen ließen sich überzeugen und gesellten sich zu

Paulus und Silas, und eine große Menge von den anbetenden Griechen und nicht wenige der

vornehmsten Frauen.

17,5 Die Juden aber wurden eifersüchtig und nahmen einige böse Männer vom Gassenpöbel zu sich,

machten einen Volksauflauf und brachten die Stadt in Aufruhr; und sie traten vor das Haus Jasons und

suchten sie unter das Volk zu führen. 17,6 Als sie sie aber nicht fanden, schleppten sie Jason und

einige Brüder vor die Obersten der Stadt und riefen: Diese, die den Erdkreis aufgewiegelt haben, sind

auch hierher gekommen, 17,7 die hat Jason beherbergt; und diese alle handeln gegen die Verordnungen

des Kaisers, da sie sagen, daß ein anderer König sei: Jesus. 17,8 Sie beunruhigten aber die Volksmenge

und die Obersten der Stadt, die dies hörten. 17,9 Und nachdem sie von Jason und den übrigen

Bürgschaft genommen hatten, ließen sie sie frei.

Verkündigung und Verfolgung in Beröa.

17,10 Die Brüder aber sandten sogleich in der Nacht sowohl Paulus als Silas nach Beröa; die gingen,

als sie angekommen waren, in die Synagoge der Juden. 17,11 Diese aber waren edler als die in

Thessalonich; sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die

Schriften, ob dies sich so verhielte. 17,12 Viele nun von ihnen glaubten, und von den griechischen

vornehmen Frauen und Männern nicht wenige. 17,13 Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren,

daß auch in Beröa das Wort Gottes von Paulus verkündigt wurde, kamen sie auch dorthin und erregten

die Volksmengen. 17,14 Da sandten aber die Brüder sogleich den Paulus fort, daß er nach dem Meer

hin gehe. Aber sowohl Silas als Timotheus blieben dort. 17,15 Die aber den Paulus geleiteten, brachten

ihn bis nach Athen; und als sie für Silas und Timotheus Befehl empfangen hatten, daß sie sobald wie

möglich zu ihm kommen sollten, reisten sie ab.

Paulus in Athen.

17,16 Während aber Paulus sie in Athen erwartete, wurde sein Geist in ihm erregt, da er die Stadt voll

von Götzenbildern sah. 17,17 Er unterredete sich nun in der Synagoge mit den Juden und mit den

Anbetern und auf dem Markt an jedem Tag mit denen, die gerade herbeikamen. 17,18 Aber auch

einige der epikuräischen und stoischen Philosophen griffen ihn an; und einige sagten: Was will wohl

dieser Schwätzer sagen? andere aber: Er scheint ein Verkündiger fremder Götter zu sein, weil er das

Evangelium von Jesus und der Auferstehung verkündigte. 17,19 Und sie ergriffen ihn, führten ihn zum

Areopag und sagten: Können wir erfahren, was diese neue Lehre ist, von der du redest? 17,20 Denn du

bringst etwas Fremdes vor unsere Ohren. Wir möchten nun wissen, was das sein mag. 17,21 Alle

Athener aber und die Fremden, die sich da aufhielten, brachten ihre Zeit mit nichts anderem zu, als

etwas Neues zu sagen und zu hören.

17,22 Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Männer von Athen, ich sehe, daß ihr in

jeder Beziehung den Göttern sehr ergeben seid. 17,23 Denn als ich umherging und eure Heiligtümer

betrachtete, fand ich auch einen Altar, an dem die Aufschrift war: Einem unbekannten Gott. Was ihr

nun, ohne es zu kennen, verehrt, das verkündige ich euch. 17,24 Der Gott, der die Welt gemacht hat

und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit

Händen gemacht sind, 17,25 noch wird er von Menschenhänden bedient, als wenn er noch etwas nötig

hätte, da er selbst allen Leben und Odem und alles gibt. 17,26 Und er hat aus Einem jede Nation der

Menschen gemacht, daß sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, indem er festgesetzte Zeiten und die

Grenzen ihrer Wohnung bestimmt hat, 17,27 daß sie Gott suchen, ob sie ihn wohl tastend fühlen und

finden möchten, obgleich er nicht fern ist von jedem von uns. 17,28 Denn in ihm leben und weben und

sind wir, wie auch einige eurer Dichter gesagt haben: `Denn wir sind auch sein Geschlecht. 17,29 Da

wir nun Gottes Geschlecht sind, sollen wir nicht meinen, daß das Göttliche dem Gold und Silber oder

Stein, einem Gebilde der Kunst und der Erfindung des Menschen, gleich sei. 17,30 Nachdem nun Gott

die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, daß sie alle überall Buße

tun sollen, 17,31 weil er einen Tag gesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit

durch einen Mann, den er [dazu] bestimmt hat, und er hat allen dadurch den Beweis gegeben, daß er

ihn auferweckt hat aus den Toten.

17,32 Als sie aber von Totenauferstehung hörten, spotteten die einen, die anderen aber sprachen: Wir

wollen dich darüber auch nochmals hören. 17,33 So ging Paulus aus ihrer Mitte fort. 17,34 Einige

Männer aber schlossen sich ihm an und glaubten, unter denen auch Dionysius war, der Areopagit, und

eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

Tätigkeit des Paulus in Korinth.

Kapitel 18

18,1 Danach schied er von Athen und kam nach Korinth. 18,2 Und er fand einen Juden namens Aquila,

aus Pontus gebürtig, der kürzlich aus Italien gekommen war, und Priscilla, seine Frau - weil Klaudius

befohlen hatte, daß alle Juden sich aus Rom entfernen sollten -. Er ging zu ihnen, 18,3 und weil er

gleichen Handwerks war, blieb er bei ihnen und arbeitete; denn sie waren Zeltmacher ihres Handwerks.

18,4 Er unterredete sich aber in der Synagoge an jedem Sabbat und überzeugte Juden und Griechen.

18,5 Als aber sowohl Silas als Timotheus aus Mazedonien herabkamen, wurde Paulus durch das Wort

gedrängt und bezeugte den Juden, daß Jesus der Christus sei. 18,6 Als sie aber widerstrebten und

lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut [komme] auf euren Kopf! Ich bin

rein; von jetzt an werde ich zu den Nationen gehen. 18,7 Und er ging von dort fort und kam in das

Haus eines Gottesfürchtigen namens Titius Justus, dessen Haus an die Synagoge stieß. 18,8 Krispus

aber, der Vorsteher der Synagoge, glaubte an den Herrn mit seinem ganzen Haus; und viele Korinther,

die hörten, wurden gläubig und ließen sich taufen. 18,9 Der Herr aber sprach durch eine Erscheinung

in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede, und schweige nicht! 18,10 Denn ich bin mit

dir, und niemand soll dich angreifen, dir Böses zu tun; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.

18,11 Und er hielt sich ein Jahr und sechs Monate auf und lehrte unter ihnen das Wort Gottes.

Vergebliche Anklage vor dem Prokonsul

Gallio in Korinth.

18,12 Als aber Gallio Prokonsul von Achaja war, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf und

führten ihn vor den Richterstuhl 18,13 und sagten: Dieser überredet die Menschen, entgegen dem

Gesetz Gott anzubeten. 18,14 Als aber Paulus den Mund öffnen wollte, sagte Gallio zu den Juden:

Wenn es ein Unrecht oder eine böse Handlung wäre, o Juden, so hätte ich euch vernünftigerweise

ertragen; 18,15 wenn es aber Streitfragen sind über Worte und Namen und das Gesetz, das ihr habt, so

seht ihr selbst zu, über diese Dinge will ich nicht Richter sein. 18,16 Und er trieb sie von dem

Richterstuhl weg. 18,17 Alle aber ergriffen Sosthenes, den Vorsteher der Synagoge, und schlugen ihn

vor dem Richterstuhl; und Gallio bekümmerte sich nicht um dies alles.

Rückreise über Ephesus nach

Antiochia.

18,18 Nachdem aber Paulus noch viele Tage dageblieben war, nahm er Abschied von den Brüdern und

segelte nach Syrien ab und mit ihm Priscilla und Aquila, nachdem er sich in Kenchreä das Haupt hatte

scheren lasen, denn er hatte ein Gelübde. 18,19 Sie kamen aber nach Ephesus, und er ließ jene dort

zurück; er selbst aber ging in die Synagoge und unterredete sich mit den Juden. 18,20 Als sie ihn aber

baten, daß er längere Zeit bleiben möchte, willigte er nicht ein, 18,21 sondern nahm Abschied von

ihnen und sagte: Ich werde, wenn Gott will, wieder zu euch zurückkehren. Und er fuhr von Ephesus

ab. 18,22 Und als er zu Cäsarea gelandet war, ging er hinauf und begrüßte die Gemeinde und zog hinab

nach Antiochia.

Beginn der dritten Missionsreise des

Paulus - Apollos in Ephesus.

18,23 Und als er einige Zeit dort zugebracht hatte, reiste er ab und durchzog der Reihe nach die

galatische Landschaft und Phrygien und befestigte alle Jünger.

18,24 Ein Jude aber mit Namen Apollos, aus Alexandria gebürtig, ein beredter Mann, der mächtig war

in den Schriften, kam nach Ephesus. 18,25 Dieser war im Weg des Herrn unterwiesen, und, brennend

im Geist, redete und lehrte er sorgfältig die Dinge von Jesus, obwohl er nur die Taufe des Johannes

kannte. 18,26 Und dieser fing an, freimütig in der Synagoge zu reden. Als aber Priscilla und Aquila ihn

hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes genauer aus. 18,27 Als er aber nach

Achaja reisen wollte, schrieben die Brüder den Jüngern und ermahnten sie, ihn aufzunehmen. Dieser

war, als er hinkam, den Glaubenden durch die Gnade sehr behilflich; 18,28 denn kräftig widerlegte er

die Juden öffentlich, indem er durch die Schriften bewies, daß Jesus der Christus sei.

Paulus und die Johannesjünger in

Ephesus.

Kapitel 19

19,1 Es geschah aber, während Apollos in Korinth war, daß Paulus, nachdem er die höher gelegenen

Gegenden durchzogen hatte, nach Ephesus kam. Und er fand einige Jünger 19,2 und sprach zu ihnen:

Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid? Sie aber sprachen zu

ihm: Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist [überhaupt da] ist. 19,3 Und er sprach:

Worauf seid ihr denn getauft worden? Sie aber sagten: Auf die Taufe des Johannes. 19,4 Paulus aber

sprach: Johannes hat mit der Taufe der Buße getauft, indem er dem Volk sagte, daß sie an den glauben

sollten, der nach ihm komme, das ist an Jesus. 19,5 Als sie es aber gehört hatten, ließen sie sich auf den

Namen des Herrn Jesus taufen; 19,6 und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige

Geist auf sie, und sie redeten in Sprachen und weissagten. 19,7 Es waren aber insgesamt etwa zwölf

Männer.

Tätigkeit des Paulus in Ephesus.

19,8 Er ging aber in die Synagoge und sprach freimütig drei Monate lang, indem er sich unterredete

und sie von den Dingen des Reiches Gottes überzeugte. 19,9 Als aber einige sich verhärteten und nicht

glaubten und vor der Menge schlecht redeten von dem Weg, trennte er sich von ihnen und sonderte die

Jünger ab und unterredete sich täglich in der Schule des Tyrannus. 19,10 Dies aber geschah zwei Jahre

lang, so daß alle, die in Asien wohnten, sowohl Juden als Griechen, das Wort des Herrn hörten.

19,11 Und ungewöhnliche Wunderwerke tat Gott durch die Hände des Paulus, 19,12 so daß man sogar

Schweißtücher oder Schurze von seinem Leib weg auf die Kranken legte und die Krankheiten von

ihnen wichen und die bösen Geister ausfuhren. 19,13 Aber auch einige von den umherziehenden

jüdischen Beschwörern unternahmen es, über die, welche böse Geister hatten, den Namen des Herrn

Jesus anzurufen, indem sie sagten: Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus predigt! 19,14 Es

waren aber sieben Söhne eines jüdischen Hohenpriesters Skevas, die dies taten. 19,15 Der böse Geist

aber antwortete und sprach zu ihnen: Jesus kenne ich, und von Paulus weiß ich. Aber ihr, wer seid ihr?

19,16 Und der Mensch, in dem der böse Geist war, sprang auf sie los und bezwang sie miteinander und

überwältigte sie, so daß sie nackt und verwundet aus jenem Haus entflohen. 19,17 Dies aber wurde

allen bekannt, sowohl Juden als Griechen, die zu Ephesus wohnten; und Furcht fiel auf sie alle, und der

Name des Herrn Jesus wurde erhoben. 19,18 Viele aber von denen, die gläubig geworden waren,

kamen und bekannten und gestanden ihre Taten. 19,19 Viele aber von denen, die vorwitzige Künste

getrieben hatten, trugen die Bücher zusammen und verbrannten sie vor allen; und sie berechneten ihren

Wert und kamen auf fünfzigtausend Silberdrachmen. 19,20 So wuchs das Wort des Herrn mit Macht

und erwies sich kräftig.

19,21 Als dies aber beendet war, nahm sich Paulus im Geist vor, nachdem er Mazedonien und Achaja

durchzogen habe, nach Jerusalem zu reisen, und sprach: Nachdem ich dort gewesen bin, muß ich auch

Rom sehen. 19,22 Er sandte aber zwei von denen, die ihm halfen, Timotheus und Erastus, nach

Mazedonien, und er selbst verweilte eine Zeitlang in Asien.

Der Aufstand des Demetrius.

19,23 Es entstand aber um jene Zeit ein nicht geringer Aufruhr betreffs des Weges. 19,24 Denn einer

mit Namen Demetrius, ein Silberschmied, der silberne Tempel der Artemis machte, verschaffte den

Kunsthandwerkern nicht geringen Erwerb; 19,25 und nachdem er diese samt den damit beschäftigten

Arbeitern versammelt hatte, sprach er: Männer, ihr wißt, daß aus diesem Erwerb unser Wohlstand

kommt; 19,26 und ihr seht und hört, daß dieser Paulus nicht allein von Ephesus, sondern beinahe von

ganz Asien eine große Volksmenge überredet und abgewandt hat, da er sagt, daß das keine Götter

seien, die mit Händen gemacht werden. 19,27 Nicht allein aber ist für uns Gefahr, daß dieses Geschäft

in Verruf kommt, sondern auch, daß der Tempel der großen Göttin Artemis für nichts geachtet und

auch ihre herrliche Größe, die ganz Asien und der Erdkreis verehrt, vernichtet wird. 19,28 Als sie aber

[das] hörten, wurden sie voll Wut, schrien und sagten: Groß ist die Artemis der Epheser! 19,29 Und die

Stadt geriet in Verwirrung; und sie stürmten einmütig nach dem Theater und rissen die Mazedonier

Gajus und Aristarchus, die Reisegefährten des Paulus, mit fort.

19,30 Als aber Paulus unter das Volk gehen wollte, ließen die Jünger es nicht zu. 19,31 Und auch

einige von den Asiarchen, die seine Freunde waren, sandten zu ihm und baten ihn, sich nicht nach dem

Theater zu begeben.

19,32 Die einen nun schrien dies, die anderen jenes; denn die Versammlung war in Verwirrung, und

die meisten wußten nicht, weshalb sie zusammengekommen waren. 19,33 Aus der Volksmenge heraus

verständigte man den Alexander, den die Juden vorschoben. Alexander aber winkte mit der Hand und

wollte sich vor dem Volk verantworten. 19,34 Als sie aber erkannten, daß er ein Jude war, erhob sich

eine Stimme aus aller Mund, und sie schrien etwa zwei Stunden lang: Groß ist die Artemis der

Epheser! 19,35 Als aber der Stadtschreiber die Volksmenge beruhigt hatte, spricht er: Männer von

Ephesus, welcher Mensch ist denn, der nicht wüßte, daß die Stadt der Epheser eine Tempelpflegerin

der großen Artemis und des vom Himmel gefallenen [Bildes] ist? 19,36 Da nun dies unbestreitbar ist,

so geziemt es euch, ruhig zu sein und nichts Übereiltes zu tun. 19,37 Denn ihr habt diese Männer

hergeführt, die weder Tempelräuber sind noch unsere Göttin lästern. 19,38 Wenn nun Demetrius und

die Kunsthandwerker mit ihm gegen jemand eine Sache haben, so werden Gerichtstage gehalten, und

es sind Statthalter da. Mögen sie einander verklagen! 19,39 Wenn ihr aber wegen anderer Dinge ein

Gesuch habt, so wird es in der gesetzlichen Versammlung erledigt werden. 19,40 Denn wir sind auch

in Gefahr, wegen des heutigen Aufruhrs angeklagt zu werden, da es keine Ursache gibt, weswegen wir

uns über diesen Auflauf werden verantworten können. Und als er dies gesagt hatte, entließ er die

Versammlung.

Reise durch Mazedonien und

Griechenland und zurück bis Troas.

Kapitel 20

20,1 Nachdem aber der Tumult aufgehört hatte, rief Paulus die Jünger zu sich und ermahnte sie; und

als er Abschied genommen hatte, ging er fort, um nach Mazedonien zu reisen. 20,2 Als er aber jene

Gegenden durchzogen und sie mit vielen Worten ermahnt hatte, kam er nach Griechenland. 20,3 Und

als er sich drei Monate aufgehalten hatte, wurde, als er nach Syrien abfahren wollte, von den Juden ein

Anschlag gegen ihn unternommen. Da entschloß er sich, durch Mazedonien zurückzukehren. 20,4 Es

begleitete ihn aber bis nach Asien Sopater, des Pyrrhus [Sohn], ein Beröer; von den Thessalonichern

aber Aristarchus und Sekundus und Gajus von Derbe und Timotheus und Tychikus und Trophimus aus

Asien. 20,5 Diese gingen voraus und warteten auf uns in Troas; 20,6 wir aber segelten nach den Tagen

der ungesäuerten Brote von Philippi ab und kamen in fünf Tagen zu ihnen nach Troas, wo wir sieben

Tage verweilten.

Auferweckung des Eutychus.

20,7 Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, um Brot zu brechen, unterredete sich

Paulus mit ihnen, da er am folgenden Tag abreisen wollte; und er zog das Wort hinaus bis Mitternacht.

20,8 Es waren aber viele Lampen in dem Obersaal, wo wir versammelt waren. 20,9 Ein junger Mann

aber mit Namen Eutychus saß im Fenster und wurde von tiefem Schlaf überwältigt, während Paulus

noch weiterredete; und vom Schlaf überwältigt, fiel er vom dritten Stock hinunter und wurde tot

aufgehoben. 20,10 Paulus aber ging hinab und warf sich über ihn, und ihn umfassend sagte er: Macht

keinen Lärm, denn seine Seele ist in ihm. 20,11 Und als er hinaufgestiegen war und das Brot

gebrochen und gegessen und lange bis zum Anbruch des Tages geredet hatte, reiste er so ab. 20,12 Sie

brachten aber den Knaben lebend und wurden nicht wenig getröstet.

Reise nach Milet.

20,13 Wir aber gingen voraus auf das Schiff und fuhren ab nach Assos und wollten dort den Paulus

aufnehmen; denn so hatte er es angeordnet, da er selbst zu Fuß gehen wollte. 20,14 Als er aber in

Assos mit uns zusammentraf, nahmen wir ihn auf und kamen nach Mitylene. 20,15 Und als wir von da

abgesegelt waren, kamen wir am folgenden Tag Chios gegenüber an; am anderen Tag aber legten wir

in Samos an und kamen am folgenden nach Milet; 20,16 denn Paulus hatte sich entschlossen, an

Ephesus vorbeizufahren, damit er nicht veranlaßt würde, in Asien Zeit zu versäumen; denn er eilte, um,

wenn es ihm möglich wäre, am Pfingsttag in Jerusalem zu sein.

Abschiedsworte des Paulus an die

Ältesten von Ephesus.

20,17 Von Milet aber sandte er nach Ephesus und rief die Ältesten der Gemeinde herüber. 20,18 Als

sie aber zu ihm gekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr wißt, wie ich vom ersten Tag an, da ich nach

Asien kam, die ganze Zeit bei euch gewesen bin 20,19 und dem Herrn diente mit aller Demut und unter

Tränen und Versuchungen, die mir durch die Nachstellungen der Juden widerfuhren; 20,20 wie ich

nichts zurückgehalten habe von dem, was nützlich ist, daß ich es euch nicht verkündigt und euch

gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern, 20,21 da ich sowohl Juden als Griechen die Buße zu Gott

und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus bezeugte. 20,22 Und nun siehe, gebunden im Geist,

gehe ich nach Jerusalem und weiß nicht, was mir dort begegnen wird, 20,23 außer daß der Heilige

Geist mir von Stadt zu Stadt bezeugt und sagt, daß Fesseln und Drangsale auf mich warten. 20,24 Aber

ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich von

dem Herrn Jesus empfangen habe: das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen. 20,25 Und nun

siehe, ich weiß, daß ihr alle, unter denen ich umhergegangen bin und das Reich gepredigt habe, mein

Angesicht nicht mehr sehen werdet. 20,26 Deshalb bezeuge ich euch am heutigen Tag, daß ich rein bin

vom Blut aller; 20,27 denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluß Gottes zu

verkündigen. 20,28 Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist

euch als Aufseher gesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut

seines eigenen [Sohnes]. 20,29 Ich weiß, daß nach meinem Abschied grausame Wölfe zu euch

hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen. 20,30 Und aus eurer eigenen Mitte werden

Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her. 20,31 Darum

wacht und denkt daran, daß ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden unter

Tränen zu ermahnen. 20,32 Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, das die Kraft

hat, aufzuerbauen und ein Erbe unter allen Geheiligten zu geben. 20,33 Ich habe von niemandem Silber

oder Gold oder Kleidung begehrt. 20,34 Ihr selbst wißt, daß meinen Bedürfnissen und denen, die bei

mir waren, diese Hände gedient haben. 20,35 Ich habe euch in allem gezeigt, daß man so arbeitend sich

der Schwachen annehmen und an die Worte des Herrn Jesus denken müsse, der selbst gesagt hat:

Geben ist seliger als Nehmen.

20,36 Und als er dies gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen. 20,37 Es entstand aber

lautes Weinen bei allen; und sie fielen Paulus um den Hals und küßten ihn zärtlich, 20,38 am meisten

betrübt über das Wort, das er gesagt hatte, sie würden sein Angesicht nicht mehr sehen. Sie geleiteten

ihn aber zu dem Schiff.

Rückkehr von der dritten Missionsreise -

Weissagungen über Paulus.

Kapitel 21

21,1 Als wir aber abfuhren, nachdem wir uns von ihnen losgerissen hatten, kamen wir geraden Laufs

nach Kos, am folgenden Tag aber nach Rhodos und von da nach Patara. 21,2 Und wir fanden ein

Schiff, das nach Phönizien übersetzte, stiegen ein und fuhren ab. 21,3 Als wir aber Zypern gesichtet

und es links hatten liegen lassen, segelten wir nach Syrien und legten zu Tyrus an, denn dort hatte das

Schiff die Ladung abzuliefern. 21,4 Nachdem wir die Jünger gefunden hatten, blieben wir sieben Tage

dort; diese sagten dem Paulus durch den Geist, er möge nicht nach Jerusalem hinaufgehen. 21,5 Als

wir aber die Tage vollendet hatten, zogen wir fort und reisten weiter; und sie alle geleiteten uns mit

Frauen und Kindern bis außerhalb der Stadt; und wir knieten am Ufer nieder und beteten. 21,6 Und

nachdem wir voneinander Abschied genommen hatten, stiegen wir in das Schiff, jene aber kehrten

heim. 21,7 Als wir nun die Fahrt beendet hatten, gelangten wir von Tyrus nach Ptolemais; und wir

begrüßten die Brüder und blieben einen Tag bei ihnen. 21,8 Am folgenden Tag aber zogen wir aus und

kamen nach Cäsarea; und wir gingen in das Haus des Philippus, des Evangelisten, der [einer] von den

Sieben war, und blieben bei ihm. 21,9 Dieser aber hatte vier Töchter, Jungfrauen, die weissagten. 21,10

Als wir nun mehrere Tage blieben, kam ein Prophet mit Namen Agabus von Judäa herab. 21,11 Und er

kam zu uns und nahm den Gürtel des Paulus und band sich die Füße und die Hände und sprach: Dies

sagt der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden

und in die Hände der Nationen überliefern. 21,12 Als wir aber dies hörten, baten sowohl wir als auch

die Einheimischen, daß er nicht nach Jerusalem hinaufgehen möchte. 21,13 Paulus aber antwortete:

Was macht ihr, daß ihr weint und mir das Herz brecht? Denn ich bin bereit, nicht allein gebunden zu

werden, sondern auch in Jerusalem für den Namen des Herrn Jesus zu sterben. 21,14 Als er sich aber

nicht überreden ließ, schwiegen wir und sprachen: Der Wille des Herrn geschehe!

21,15 Nach diesen Tagen aber machten wir uns bereit und gingen hinauf nach Jerusalem. 21,16 Es

gingen auch [einige] der Jünger aus Cäsarea mit uns und brachten uns zu einem gewissen Mnason,

einem Zyprer, einem alten Jünger, bei dem wir herbergen sollten. 21,17 Als wir aber in Jerusalem

angekommen waren, nahmen uns die Brüder freudig auf.

Paulus in Jerusalem.

21,18 Am folgenden Tag aber ging Paulus mit uns zu Jakobus, und alle Ältesten kamen dahin. 21,19

Und als er sie begrüßt hatte, erzählte er eines nach dem anderen, was Gott unter den Nationen durch

seinen Dienst getan hatte. 21,20 Sie aber, als sie es gehört hatten, verherrlichten Gott und sprachen zu

ihm: Du siehst, Bruder, wie viele Tausende der Juden es gibt, die gläubig geworden sind, und alle sind

Eiferer für das Gesetz. 21,21 Es ist ihnen aber über dich berichtet worden, daß du alle Juden, die unter

den Nationen sind, Abfall von Mose lehrest und sagest, sie sollen weder die Kinder beschneiden noch

nach den Gebräuchen wandeln. 21,22 Was nun? Jedenfalls werden sie hören, daß du gekommen bist.

21,23 Tu nun dies, was wir dir sagen: Wir haben vier Männer, die ein Gelübde auf sich [genommen]

haben. 21,24 Diese nimm zu dir und reinige dich mit ihnen und trage die Kosten für sie, damit sie das

Haupt scheren lassen; und alle werden erkennen, daß nichts an dem ist, was ihnen über dich berichtet

worden ist, sondern daß du selbst auch zum Gesetz stehst und es befolgst. 21,25 Was aber die

Gläubigen [aus den] Nationen betrifft, so haben wir geschrieben und verfügt, daß sie sich sowohl vor

dem Götzenopfer als auch vor Blut und Ersticktem und Unzucht hüten sollen. 21,26 Dann nahm Paulus

die Männer zu sich, und nachdem er sich am folgenden Tag gereinigt hatte, ging er mit ihnen in den

Tempel und kündigte die Erfüllung der Tage der Reinigung an, bis für einen jeden von ihnen das Opfer

dargebracht war.

Tumult der Juden und Gefangennahme

des Paulus.

21,27 Als aber die sieben Tage beinahe vollendet waren, sahen ihn die Juden aus Asien im Tempel und

brachten die ganze Volksmenge in Aufregung und legten die Hände an ihn 21,28 und schrien: Männer

von Israel, helft! Dies ist der Mensch, der alle überall lehrt gegen das Volk und das Gesetz und diese

Stätte; und dazu hat er auch Griechen in den Tempel geführt und diese heilige Stätte verunreinigt.

21,29 Denn sie hatten vorher den Trophimus, den Epheser, mit ihm in der Stadt gesehen, von dem sie

meinten, daß Paulus ihn in den Tempel geführt habe. 21,30 Und die ganze Stadt kam in Bewegung,

und es entstand ein Zusammenlauf des Volkes; und sie ergriffen Paulus und schleppten ihn aus dem

Tempel, und sogleich wurden die Türen geschlossen. 21,31 Während sie ihn aber zu töten suchten,

kam an den Obersten der Schar die Anzeige, daß ganz Jerusalem in Aufregung sei; 21,32 der nahm

sofort Soldaten und Hauptleute mit und lief zu ihnen hinab. Als sie aber den Obersten und die

Kriegsknechte sahen, hörten sie auf, den Paulus zu schlagen. 21,33 Dann näherte sich der Oberste,

ergriff ihn und befahl, ihn mit zwei Ketten zu fesseln, und erkundigte sich, wer er denn sei und was er

getan habe. 21,343 Die einen aber riefen dies, die anderen jenes in der Volksmenge; da er aber wegen

des Tumultes nichts Gewisses erfahren konnte, befahl er, ihn in das Lager zu führen. 21,35 Als er aber

an die Stufen kam, geschah es, daß er wegen der Gewalt des Volkes von den Soldaten getragen wurde;

21,36 denn die Menge des Volkes folgte und schrie: Weg mit ihm! 21,37 Und als Paulus eben in das

Lager hineingebracht werden sollte, spricht er zu dem Obersten: Ist es mir erlaubt, dir etwas zu sagen?

Er aber sprach: Verstehst du Griechisch? 21,38 Du bist also nicht der Ägypter, der vor diesen Tagen

eine Empörung gemacht und die viertausend Mann Sikarier in die Wüste hinausgeführt hat? 21,39

Paulus aber sprach: Ich bin ein jüdischer Mann aus Tarsus, Bürger einer nicht unberühmten Stadt in

Zilizien; ich bitte dich aber, erlaube mir, zu dem Volk zu reden. 21,40 Als er es aber erlaubt hatte,

winkte Paulus, auf den Stufen stehend, dem Volk mit der Hand; nachdem aber eine große Stille

eingetreten war, redete er sie in hebräischer Mundart an und sprach:

Rede des Paulus an das Volk.

V. 1-21: Kap. 9,1-30; 26,9-21

Kapitel 22

22,1 Ihr Brüder und Väter, hört jetzt meine Verantwortung vor euch! 22,2 Als sie aber hörten, daß er

sie in hebräischer Mundart anredete, hielten sie noch mehr Ruhe. Und er spricht: 22,3 Ich bin ein

jüdischer Mann, geboren in Tarsus in Zilizien; aber auferzogen in dieser Stadt, zu den Füßen Gamaliels

unterwiesen nach der Strenge des väterlichen Gesetzes, war ich, wie ihr alle heute seid, ein Eiferer für

Gott. 22,4 Ich habe diesen Weg verfolgt bis auf den Tod, indem ich sowohl Männer als Frauen band

und in die Gefängnisse überlieferte, 22,5 wie auch der Hohepriester und die ganze Ältestenschaft mir

Zeugnis gibt. Von ihnen empfing ich auch Briefe an die Brüder und reiste nach Damaskus, um auch

diejenigen, die dort waren, gebunden nach Jerusalem zu führen, daß sie gestraft würden. 22,6 Es

geschah mir aber, als ich reiste und Damaskus nahte, daß um Mittag plötzlich aus dem Himmel ein

helles Licht mich umstrahlte. 22,7 Und ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die zu mir sprach:

Saul, Saul, was verfolgst du mich? 22,8 Ich aber antwortete: Wer bist du, Herr? Und er sprach zu mir:

Ich bin Jesus, der Nazoräer, den du verfolgst. 22,9 Die aber bei mir waren, sahen zwar das Licht, aber

die Stimme dessen, der mit mir redete, hörten sie nicht. 22,10 Ich sagte aber: Was soll ich tun, Herr?

Der Herr aber sprach zu mir: Steh auf und geh nach Damaskus, und dort wird dir von allem gesagt

werden, was dir zu tun verordnet ist. 22,11 Da ich aber vor der Herrlichkeit jenes Lichtes nicht sehen

konnte, wurde ich von denen, die bei mir waren, an der Hand geleitet und kam nach Damaskus. 22,12

Ein gewisser Hananias aber, ein frommer Mann nach dem Gesetz, der ein [gutes] Zeugnis hatte von

allen dort wohnenden Juden, 22,13 kam zu mir, trat heran und sprach zu mir: Bruder Saul, sei wieder

sehend! Und zu derselben Stunde schaute ich zu ihm auf. 22,14 Er aber sprach: Der Gott unserer Väter

hat dich dazu bestimmt, seinen Willen zu erkennen und den Gerechten zu sehen und eine Stimme aus

seinem Mund zu hören. 22,15 Denn du wirst ihm an alle Menschen ein Zeuge sein von dem, was du

gesehen und gehört hast. 22,16 Und nun, was zögerst du? Steh auf, laß dich taufen und deine Sünden

abwaschen, indem du seinen Namen anrufst. 22,17 Es geschah mir aber, als ich nach Jerusalem

zurückgekehrt war und im Tempel betete, daß ich in Verzückung geriet 22,18 und ihn sah, der zu mir

sprach: Eile und geh schnell aus Jerusalem hinaus, denn sie werden dein Zeugnis über mich nicht

annehmen. 22,19 Und ich sprach: Herr, sie selbst wissen, daß ich die an dich Glaubenden ins

Gefängnis werfen und hin und her in den Synagogen schlagen ließ; 22,20 und als das Blut deines

Zeugen Stephanus vergossen wurde, stand auch ich dabei und willigte mit ein und verwahrte die

Kleider derer, die ihn umbrachten. 22,21 Und er sprach zu mir: Geh hin, denn ich werde dich weit weg

zu den Nationen senden.

22,22 Sie hörten ihm aber zu bis zu diesem Wort und erhoben ihre Stimme und sagten: Weg von der

Erde mit einem solchen, denn es darf nicht sein, daß er lebt!

Paulus beruft sich auf sein römisches

Bürgerrecht.

22,23 Als sie aber schrien und die Kleider abwarfen und Staub in die Luft schleuderten, 22,24 befahl

der Oberste, ihn ins Lager zu bringen, und sagte, man solle ihn mit Geißelhieben ausforschen, damit er

erfahre, um welcher Ursache willen sie so gegen ihn schrien. 22,25 Als sie ihn aber für die Riemen

ausgestreckt hatten, sprach Paulus zu dem Hauptmann, der dastand: Ist es euch erlaubt, einen

Menschen, [der] Römer [ist], zu geißeln, und zwar unverurteilt? 22,26 Als es aber der Hauptmann

hörte, ging er hin und meldete dem Obersten und sprach: Was hast du vor zu tun? Denn dieser Mensch

ist ein Römer. 22,27 Der Oberste aber kam herbei und sprach zu ihm: Sage mir, bist du ein Römer? Er

aber sprach: Ja. 22,28 Und der Oberste antwortete: Ich habe für eine große Summe dieses Bürgerrecht

erworben. Paulus sprach: Ich aber bin sogar [darin] geboren. 22,29 Sogleich nun standen die, welche

ihn ausforschen sollten, von ihm ab; aber auch der Oberste fürchtete sich, als er erfuhr, daß er ein

Römer sei und weil er ihn gebunden hatte.

Paulus vor dem Hohen Rat.

22,30 Am folgenden Tag aber, da er mit Gewißheit erfahren wollte, weshalb er von den Juden

angeklagt sei, machte er ihn los und befahl, daß die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat

zusammenkommen sollten; und er führte Paulus hinab und stellte ihn vor sie.

Kapitel 23

23,1 Paulus aber blickte den Hohen Rat fest an und sprach: Ihr Brüder! Ich bin mit allem guten

Gewissen vor Gott gewandelt bis auf diesen Tag. 23,2 Der Hohepriester Hananias aber befahl denen,

die bei ihm standen, ihn auf den Mund zu schlagen. 23,3 Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich

schlagen, du getünchte Wand! Und du, sitzt du da, mich nach dem Gesetz zu richten, und, gegen das

Gesetz handelnd, befiehlst du, mich zu schlagen? 23,4 Die Dabeistehenden aber sprachen: Schmähst

du den Hohenpriester Gottes? 23,5 Und Paulus sprach: Ich wußte nicht, Brüder, daß es der

Hohepriester ist; denn es steht geschrieben: `Von dem Obersten deines Volkes sollst du nicht schlecht

reden. 23,6 Da aber Paulus wußte, daß der eine Teil von den Sadduzäern, der andere aber von den

Pharisäern war, rief er in dem Hohen Rat: Ihr Brüder, ich bin ein Pharisäer, ein Sohn von Pharisäern;

wegen der Hoffnung und Auferstehung der Toten werde ich gerichtet. 23,7 Als er aber dies gesagt

hatte, entstand ein Zwiespalt unter den Pharisäern und den Sadduzäern, und die Menge teilte sich. 23,8

Denn die Sadduzäer sagen, es gebe keine Auferstehung, noch Engel, noch Geist; die Pharisäer aber

bekennen beides. 23,9 Es entstand aber ein großes Geschrei, und die Schriftgelehrten von der Partei der

Pharisäer standen auf und stritten und sagten: Wir finden an diesem Menschen nichts Böses; wenn aber

ein Geist oder ein Engel zu ihm geredet hat . . . 23,10 Als aber ein großer Zwiespalt entstand, fürchtete

der Oberste, Paulus möchte von ihnen zerrissen werden, und befahl, daß die Truppen hinabgingen und

ihn aus ihrer Mitte wegrissen und in das Lager führten.

23,11 In der folgenden Nacht aber stand der Herr bei ihm und sprach: Sei guten Mutes! Denn wie du

meine Sache in Jerusalem bezeugt hast, so mußt du auch in Rom zeugen.

Mordanschlag gegen Paulus

23,12 Als es aber Tag geworden war, rotteten sich die Juden zusammen, verschworen sich mit einem

Fluch und sagten, daß sie weder essen noch trinken würden, bis sie Paulus getötet hätten. 23,13 Es

waren aber mehr als vierzig, die diese Verschwörung gemacht hatten. 23,14 Sie kamen zu den

Hohenpriestern und den Ältesten und sprachen: Wir haben uns mit einem Fluch verschworen, nichts zu

genießen, bis wir den Paulus getötet haben. 23,15 Macht ihr nun jetzt mit dem Hohen Rat dem

Obersten Anzeige, damit er ihn zu euch herabführe, als wolltet ihr seine Sache genauer entscheiden;

wir aber sind bereit, ehe er nahe kommt, ihn umzubringen.

23,16 Als aber der Neffe des Paulus von der Nachstellung gehört hatte, kam er hin und ging in das

Lager und meldete es dem Paulus. 23,17 Paulus aber rief einen von den Hauptleuten zu sich und sagte:

Führe diesen jungen Mann zu dem Obersten, denn er hat ihm etwas zu melden. 23,18 Der nun nahm

ihn zu sich und führte ihn zu dem Obersten und sagt: Der Gefangene Paulus rief mich herbei und bat

mich, diesen jungen Mann zu dir zu führen, der dir etwas zu sagen habe. 23,19 Der Oberste aber nahm

ihn bei der Hand und zog sich mit ihm abseits zurück und fragte: Was ist es, das du mir zu melden

hast? 23,20 Er aber sprach: Die Juden sind übereingekommen, dich zu bitten, daß du morgen den

Paulus in den Hohen Rat hinabbringst, als wolle er etwas Genaueres über ihn erkunden. 23,21 Du nun,

laß dich nicht von ihnen überreden, denn mehr als vierzig Männer von ihnen stellen ihm nach, die sich

mit einem Fluch verschworen haben, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn umgebracht haben;

und jetzt sind sie bereit und erwarten die Zusage von dir. 23,22 Der Oberste nun entließ den jungen

Mann und befahl [ihm]: Sage niemandem, daß du mir dies mitgeteilt hast.

Paulus wird nach Cäsarea gebracht

23,23 Und als er zwei von den Hauptleuten herbeigerufen hatte, sprach er: Macht zweihundert

Soldaten bereit, damit sie bis Cäsarea ziehen, und siebzig Reiter und zweihundert Lanzenträger von der

dritten Stunde der Nacht an. 23,24 Und sie sollten Tiere bereit halten, daß sie den Paulus darauf setzten

und sicher zu Felix, dem Statthalter, hinbrächten. 23,25 Und er schrieb einen Brief folgenden Inhalts:

23,26 Klaudius Lysias, dem hochedlen Statthalter Felix [seinen] Gruß! 23,27 Diesen Mann, der von

den Juden ergriffen wurde und nahe daran war, von ihnen umgebracht zu werden, habe ich [ihnen],

indem ich mit dem Kriegsvolk einschritt, entrissen, da ich erfuhr, daß er ein Römer sei. 23,28 Da ich

aber die Ursache wissen wollte, weswegen sie ihn anklagten, führte ich ihn in ihren Hohen Rat hinab.

23,29 Da fand ich, daß er wegen Streitfragen ihres Gesetzes angeklagt war, daß aber keine Anklage

gegen ihn vorlag, die des Todes oder der Fesseln wert wäre. 23,30 Da mir aber ein Anschlag

hinterbracht wurde, der gegen den Mann im Werk sei, habe ich ihn sofort zu dir gesandt und auch den

Klägern befohlen, vor dir zu sagen, was gegen ihn vorliegt.

23,31 Die Soldaten nun nahmen, wie ihnen befohlen war, den Paulus und führten ihn bei Nacht nach

Antipatris. 23,32 Am folgenden Tag aber ließen sie die Reiter mit ihm fortziehen und kehrten nach

dem Lager zurück. 23,33 Und als diese nach Cäsarea gekommen waren, übergaben sie dem Statthalter

den Brief und führten ihm auch den Paulus vor. 23,34 Als er es aber gelesen und gefragt hatte, aus

welcher Provinz er sei, und erfahren, daß [er] aus Zilizien [sei], 23,35 sprach er: Ich werde dich

verhören, wenn auch deine Ankläger angekommen sind. Und er befahl, daß er in dem Prätorium des

Herodes bewacht werde.

Paulus wird beim Statthalter Felix

verklagt

Kapitel 24

24,1 Nach fünf Tagen aber kam der Hohepriester Hananias mit einigen Ältesten und Tertullus, einem

Anwalt, herab, und sie machten bei dem Statthalter Anzeige gegen Paulus. 24,2 Als er gerufen worden

war, begann Tertullus die Anklage und sprach: 24,3 Da wir großen Frieden durch dich genießen und da

durch deine Fürsorge für diese Nation Verbesserungen getroffen worden sind, so erkennen wir es

allseits und überall, hochedler Felix, mit aller Dankbarkeit an. 24,4 Damit ich dich aber nicht länger

aufhalte, bitte ich dich, uns in Kürze nach deiner Geneigtheit anzuhören. 24,5 Denn wir haben diesen

Mann als eine Pest befunden und als einen, der unter allen Juden, die auf dem Erdkreis sind, Aufruhr

erregt, und als einen Anführer der Sekte der Nazoräer; 24,6 der auch versucht hat, den Tempel zu

entheiligen, den wir auch ergriffen haben; (24,7) 824/ von ihm kannst du selbst, wenn du ihn verhört

hast, über alles dies Gewißheit erhalten, dessen wir ihn anklagen. - 24,9 Aber auch die Juden griffen

[Paulus] mit an und sagten, daß dies sich so verhalte.

Verteidigungsrede des Paulus vor Felix

24,10 Paulus aber antwortete, nachdem ihm der Statthalter zu reden gewinkt hatte: Da ich weiß, daß du

seit vielen Jahren Richter über diese Nation bist, so verteidige ich meine Sache getrost. 24,11 Du

kannst ja erfahren, daß es nicht mehr als zwölf Tage sind, seit ich hinaufging, um in Jerusalem

anzubeten. 24,12 Und sie haben mich weder im Tempel angetroffen, noch daß ich mit jemand in

Unterredung war oder einen Auflauf der Volksmenge machte, weder in den Synagogen noch in der

Stadt; 24,13 auch können sie dir das nicht beweisen, weswegen sie mich jetzt anklagen. 24,14 Aber

dies bekenne ich dir, daß ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, so dem Gott meiner Väter

diene, indem ich allem glaube, was in dem Gesetz und in den Propheten geschrieben steht, 24,15 und

die Hoffnung zu Gott habe, die auch selbst diese hegen, daß eine Auferstehung der Gerechten wie der

Ungerechten sein wird. 24,16 Darum übe ich mich auch, allezeit ein Gewissen ohne Anstoß zu haben

vor Gott und den Menschen. 24,17 Nach mehreren Jahren aber kam ich her, um Almosen für meine

Nation und Opfer darzubringen. 24,18 Bei diesen fanden sie mich, gereinigt im Tempel, weder mit

Auflauf noch mit Tumult; 24,19 [es waren] aber einige Juden aus Asien, die hier vor dir sein und Klage

führen sollten, wenn sie etwas gegen mich hätten. 24,20 Oder laß diese selbst sagen, welches Unrecht

sie gefunden haben, als ich vor dem Hohen Rat stand, 24,21 es sei denn wegen dieses einen Ausrufs,

den ich tat, als ich unter ihnen stand: Wegen der Auferstehung der Toten werde ich heute von euch

gerichtet.

24,22 Felix aber, der von dem Weg genauere Kenntnis hatte, vertagte ihre Sache und sagte: Wenn

Lysias, der Oberste, herabkommt, so will ich eure Sache entscheiden. 24,23 Und er befahl dem

Hauptmann, ihn in Gewahrsam zu halten und ihm Erleichterung zu geben und niemandem von den

Seinen zu wehren, ihm zu dienen.

Paulus und Felix

24,24 Nach einigen Tagen aber kam Felix herbei mit Drusilla, seiner Frau, die eine Jüdin war, und ließ

den Paulus holen und hörte ihn über den Glauben an Christus. 24,25 Als er aber über Gerechtigkeit und

Enthaltsamkeit und das kommende Gericht redete, wurde Felix mit Furcht erfüllt und antwortete: Für

jetzt geh hin; wenn ich aber gelegene Zeit habe, werde ich dich rufen lassen. 24,26 Zugleich hoffte er,

daß ihm von Paulus Geld gegeben werde; deshalb ließ er ihn auch öfter holen und unterhielt sich mit

ihm. 24,27 Als aber zwei Jahre verflossen waren, bekam Felix den Porcius Festus zum Nachfolger; und

da Felix sich bei den Juden in Gunst setzen wollte, hinterließ er den Paulus gefangen.

Paulus wird beim Statthalter Festus

verklagt - Berufung auf den Kaiser

Kapitel 25

25,1 Als nun Festus in die Provinz gekommen war, ging er nach drei Tagen von Cäsarea hinauf nach

Jerusalem. 25,2 Und die Hohenpriester und die Vornehmsten der Juden machten Anzeige bei ihm

gegen Paulus und baten ihn, 25,3 indem sie es als eine Gunst für sich gegen ihn erbaten, daß er ihn

nach Jerusalem kommen ließe; sie machten einen Anschlag, ihn unterwegs umzubringen. 25,4 Festus

nun antwortete, Paulus werde in Cäsarea behalten, er selbst aber wolle in Kürze abreisen. 25,5 Die

Angesehenen unter euch nun, sprach er, mögen mit hinabreisen und, wenn etwas Unrechtes an diesem

Mann ist, ihn anklagen. 25,6 Nachdem er aber nicht mehr als acht oder zehn Tage unter ihnen verweilt

hatte, ging er nach Cäsarea hinab; und am folgenden Tag setzte er sich auf den Richterstuhl und befahl,

Paulus vorzuführen. 25,7 Als er aber angekommen war, stellten sich die von Jerusalem

herabgekommenen Juden um ihn her und brachten viele und schwere Beschuldigungen vor, die sie

nicht beweisen konnten, 25,8 da Paulus sich verteidigte: Weder gegen das Gesetz der Juden, noch

gegen den Tempel, noch gegen den Kaiser habe ich etwas gesündigt. 25,9 Festus aber, der den Juden

eine Gunst erweisen wollte, antwortete dem Paulus und sagte: Willst du nach Jerusalem hinaufgehen

und dort dieser Dinge wegen vor mir gerichtet werden? 25,10 Paulus aber sprach: Ich stehe vor dem

Richterstuhl des Kaisers, wo ich gerichtet werden muß; den Juden habe ich kein Unrecht getan, wie

auch du sehr wohl weißt. 25,11 Wenn ich nun unrecht getan und etwas Todeswürdiges begangen habe,

so weigere ich mich nicht zu sterben; wenn aber nichts an dem ist, wessen diese mich anklagen, so

kann mich niemand ihnen preisgeben. Ich berufe mich auf den Kaiser. 25,12 Dann besprach sich

Festus mit dem Rat und antwortete: Auf den Kaiser hast du dich berufen, zum Kaiser sollst du gehen.

Paulus vor Festus und Herodes Agrippa II.

25,13 Als aber einige Tage vergangen waren, kamen der König Agrippa und Bernice nach Cäsarea,

den Festus zu begrüßen. 25,14 Als sie aber mehrere Tage dort verweilt hatten, legte Festus dem König

die Sache des Paulus vor und sprach: Ein Mann ist von Felix gefangen zurückgelassen worden, 25,15

dessentwegen, als ich zu Jerusalem war, die Hohenpriester und die Ältesten der Juden Anzeige

machten, indem sie ein Urteil gegen ihn verlangten. 25,16 Diesen antwortete ich: Es ist bei den

Römern nicht Sitte, irgendeinen Menschen preiszugeben, ehe der Angeklagte seine Ankläger

persönlich vor sich habe und Gelegenheit bekommt, sich wegen der Anklage zu verteidigen. 25,17 Als

sie nun hierher zusammengekommen waren, setzte ich mich, ohne irgendeinen Aufschub, tags darauf

auf den Richterstuhl und befahl, den Mann vorzuführen. 25,18 Als die Ankläger auftraten, brachten sie

gegen ihn keine Beschuldigung wegen Übeltaten vor, die ich vermutete. 25,19 Sie hatten aber einige

Streitfragen gegen ihn wegen ihres eigenen Gottesdienstes und wegen eines gewissen Jesus, der

gestorben ist, von dem Paulus sagte, er lebe. 25,20 Da ich aber hinsichtlich der Untersuchung wegen

dieser Dinge in Verlegenheit war, sagte ich, ob er nach Jerusalem gehen und dort wegen dieser Dinge

gerichtet werden wolle. 25,21 Als aber Paulus Berufung einlegte und forderte, daß er für die

Entscheidung des Augustus behalten werde, befahl ich, ihn zu bewahren, bis ich ihn zum Kaiser

senden werde. 25,22 Agrippa aber [sprach] zu Festus: Ich möchte wohl auch selbst den Menschen

hören. - Morgen, sagte er, sollst du ihn hören.

25,23 Als nun am folgenden Tag Agrippa und Bernice mit großem Gepränge gekommen und mit den

Obersten und den vornehmsten Männern der Stadt in den Verhörsaal eingetreten waren und Festus

Befehl gegeben hatte, wurde Paulus vorgeführt. 25,24 Und Festus spricht: König Agrippa und ihr

Männer alle, die ihr mit uns zugegen seid, ihr seht diesen, um den mich die ganze Menge der Juden

angegangen hat, in Jerusalem wie auch hier, indem sie gegen ihn schrien, er dürfe nicht mehr leben.

25,25 Ich aber, da ich fand, daß er nichts Todeswürdiges begangen, dieser selbst aber sich auch auf den

Augustus berufen hat, habe beschlossen, ihn zu senden. 25,26 Über ihn habe ich dem Herrn nichts

Gewisses zu schreiben. Deshalb habe ich ihn vor euch geführt und besonders vor dich, König Agrippa,

damit ich, wenn die Untersuchung geschehen ist, etwas zu schreiben habe. 25,27 Denn es scheint mir

ungereimt, einen Gefangenen zu senden und nicht auch die gegen ihn vorliegenden Beschuldigungen

mitzuteilen.

Rede des Paulus vor Festus und

Agrippa

V. 9-18: Kap. 9,1-30; 22,1-21

Kapitel 26

26,1 Agrippa aber sprach zu Paulus: Es ist dir erlaubt, für dich selbst zu reden. Da streckte Paulus die

Hand aus und verteidigte sich: 26,2 Ich schätze mich glücklich, König Agrippa, daß ich mich über

alles, dessen ich von den Juden angeklagt werde, heute vor dir verteidigen soll; 26,3 besonders weil du

ein hervorragender Kenner bist von allen Gebräuchen und Streitfragen, die unter den Juden sind.

Darum bitte ich dich, mich langmütig anzuhören. 26,4 Meinen Lebenswandel nun von Jugend auf, der

von Anfang an unter meiner Nation in Jerusalem gewesen ist, wissen alle Juden. 26,5 Sie kennen mich

von der ersten Zeit her - wenn sie es bezeugen wollen -, daß ich nach der strengsten Sekte unserer

Religion, als Pharisäer, lebte. 26,6 Und nun stehe ich vor Gericht wegen der Hoffnung auf die von Gott

an unsere Väter geschehene Verheißung, 26,7 zu der unser zwölfstämmiges [Volk], unablässig Nacht

und Tag [Gott] dienend, hinzugelangen hofft. Wegen dieser Hoffnung, o König, werde ich von den

Juden angeklagt. 26,8 Warum wird es bei euch für etwas Unglaubliches gehalten, wenn Gott Tote

auferweckt? 26,9 Ich meinte freilich bei mir selbst, gegen den Namen Jesu, des Nazoräers, viel

Feindseliges tun zu müssen, 26,10 was ich auch in Jerusalem getan habe; und viele der Heiligen habe

ich in Gefängnisse eingeschlossen, nachdem ich von den Hohenpriestern die Vollmacht empfangen

hatte; und wenn sie umgebracht wurden, so gab ich meine Stimme dazu. 26,11 Und in allen Synagogen

zwang ich sie oftmals durch Strafen, zu lästern; und indem ich über die Massen gegen sie raste,

verfolgte ich sie sogar bis in die ausländischen Städte. 26,12 Und als ich dabei mit Vollmacht und

Erlaubnis von den Hohenpriestern nach Damaskus reiste, 26,13 sah ich mitten am Tag auf dem Weg, o

König, vom Himmel her ein Licht, das den Glanz der Sonne übertraf, welches mich und die mit mir

reisten umstrahlte. 26,14 Als wir aber alle zur Erde niedergefallen waren, hörte ich eine Stimme in

hebräischer Mundart zu mir sagen: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den

Stachel auszuschlagen. 26,15 Ich aber sprach: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus,

den du verfolgst. 26,16 Aber richte dich auf und stelle dich auf deine Füße; denn hierzu bin ich dir

erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen dessen zu verordnen, was du gesehen hast, wie auch

dessen, worin ich dir erscheinen werde. 26,17 Ich werde dich herausnehmen aus dem Volk und den

Nationen, zu denen ich dich sende, 26,18 ihre Augen aufzutun, daß sie sich bekehren von der

Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden

empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind. 26,19 Daher,

König Agrippa, war ich nicht ungehorsam der himmlischen Erscheinung, 26,20 sondern verkündigte

denen in Damaskus zuerst und in Jerusalem und in der ganzen Landschaft von Judäa und den

Nationen, Buße zu tun und sich zu Gott zu bekehren, indem sie der Buße würdige Werke vollbrächten.

26,21 Deshalb haben mich die Juden im Tempel ergriffen und versucht, mich zu ermorden. 26,22 Da

mir nun der Beistand von Gott zuteil wurde, stehe ich bis zu diesem Tag und bezeuge sowohl Kleinen

als Großen - indem ich nichts sage außer dem, was auch die Propheten und Mose geredet haben, daß es

geschehen werde -, 26,23 daß der Christus leiden sollte, daß er als Erster durch Totenauferstehung

Licht verkündigen sollte, sowohl dem Volk als auch den Nationen.

26,24 Während er aber dies zur Verteidigung sagte, spricht Festus mit lauter Stimme: Du bist von

Sinnen, Paulus! Die große Gelehrsamkeit bringt dich zum Wahnsinn. 26,25 Paulus aber spricht: Ich bin

nicht von Sinnen, hochedler Festus, sondern ich rede Worte der Wahrheit und der Besonnenheit. 26,26

Denn der König weiß um diese Dinge, zu dem ich auch mit Freimütigkeit rede; denn ich bin überzeugt,

daß ihm nichts hiervon verborgen ist, denn nicht in einem Winkel ist dies geschehen. 26,27 Glaubst du,

König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, daß du glaubst. 26,28 Agrippa aber sprach zu Paulus: In

kurzem überredest du mich, ein Christ zu werden. 26,29 Paulus aber sprach: Ich möchte zu Gott beten,

daß über kurz oder lang nicht allein du, sondern auch alle, die mich heute hören, solche würden, wie

auch ich bin, ausgenommen diese Fesseln.

26,30 Und der König stand auf und der Statthalter und Bernice und die mit ihnen da saßen. 26,31 Und

als sie sich zurückgezogen hatten, redeten sie miteinander und sagten: Dieser Mensch tut nichts, was

des Todes oder der Fesseln wert wäre. 26,32 Agrippa aber sprach zu Festus: Dieser Mensch hätte

losgelassen werden können, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte.

Beginn der Romreise

Kapitel 27

27,1 Als es aber beschlossen war, daß wir nach Italien absegeln sollten, überlieferten sie Paulus und

einige andere Gefangene einem Hauptmann mit Namen Julius von der Schar des Augustus. 27,2

Nachdem wir aber in ein adramyttisches Schiff gestiegen waren, das im Begriff stand, die Orte längs

[der Küste] Asiens zu befahren, fuhren wir ab; und es war bei uns Aristarchus, ein Mazedonier aus

Thessalonich. 27,3 Und am anderen Tag legten wir in Sidon an. Und Julius behandelte den Paulus sehr

wohlwollend und erlaubte ihm, zu den Freunden zu gehen, damit er ihrer Fürsorge teilhaftig wurde.

27,4 Und von da fuhren wir ab und segelten unter Zypern hin, weil die Winde widrig waren. 27,5 Und

als wir das Meer von Zilizien und Pamphylien durchsegelt hatten, kamen wir nach Myra in Lyzien;

27,6 und als der Hauptmann dort ein alexandrinisches Schiff fand, das nach Italien segelte, brachte er

uns auf dasselbe. 27,7 Als wir aber viele Tage langsam segelten und mit Mühe in die Nähe von Knidus

gekommen waren, segelten wir, da uns der Wind nicht heranließ, unter Kreta hin, gegen Salmone; 27,8

und als wir mit Mühe daran entlangfuhren, kamen wir an einen Ort, Schönhafen genannt, in dessen

Nähe die Stadt Lasäa war.

Sturm und Schiffbruch auf der Romreise

27,9 Da aber viel Zeit verflossen und die Fahrt schon unsicher war, weil auch das Fasten schon vorüber

war, mahnte Paulus 27,10 und sprach zu ihnen: Männer, ich sehe, daß die Fahrt mit Unheil und großem

Schaden, nicht nur der Ladung und des Schiffes, sondern auch unseres Lebens, vor sich gehen wird.

27,11 Der Hauptmann aber glaubte dem Steuermann und dem Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus

sagte. 27,12 Da aber der Hafen zum Überwintern ungeeignet war, rieten die meisten dazu, von dort

abzufahren, ob sie etwa nach Phönix gelangen [und dort] überwintern könnten, einem Hafen von

Kreta, der gegen Südwesten und gegen Nordwesten sieht. 27,13 Als aber ein Südwind sanft wehte,

meinten sie, ihre Absicht erreicht zu haben, lichteten die Anker und fuhren näher an Kreta hin.

27,14 Aber nicht lange danach erhob sich von da her ein Sturmwind, Eurakylon genannt. 27,15 Als

aber das Schiff mit fortgerissen wurde und dem Wind nicht widerstehen konnte, gaben wir es preis und

ließen uns treiben. 27,16 Als wir aber unter einer kleinen Insel, Kauda genannt, hinliefen, konnten wir

kaum des Rettungsbootes mächtig werden. 27,17 Dieses zogen sie herauf und wandten Hilfsmittel an,

indem sie das Schiff umgürteten; und da sie fürchteten, in die Syrte verschlagen zu werden, ließen sie

das Takelwerk nieder und trieben so dahin. 27,18 Da wir aber sehr unter dem Sturm litten, warfen sie

am folgenden Tag [Ladung] über Bord; 27,19 und am dritten Tag warfen sie mit eigenen Händen das

Schiffsgerät fort. 27,20 Da aber viele Tage lang weder Sonne noch Sterne schienen und ein nicht

geringes Unwetter [uns] bedrängte, schwand zuletzt alle Hoffnung auf unsere Rettung.

27,21 Und als man lange Zeit ohne Speise geblieben war, da stand Paulus in ihrer Mitte auf und

sprach: O Männer! Man hätte mir freilich gehorchen und nicht von Kreta abfahren und dieses Unglück

und den Schaden vermeiden sollen. 27,22 Und jetzt ermahne ich euch, guten Mutes zu sein, denn

keiner von euch wird verloren gehen, nur das Schiff. 27,23 Denn ein Engel des Gottes, dem ich gehöre

und dem ich diene, stand in dieser Nacht bei mir 27,24 und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus! Du

mußt vor den Kaiser gestellt werden; und siehe, Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir fahren. 27,25

Deshalb seid guten Mutes, ihr Männer! Denn ich vertraue Gott, daß es so sein wird, wie zu mir geredet

worden ist. 27,26 Wir müssen aber auf irgendeine Insel verschlagen werden.

27,27 Als aber die vierzehnte Nacht gekommen war und wir im Adriatischen Meer umhertrieben,

meinten gegen Mitternacht die Matrosen, daß sich ihnen Land nahe. 27,28 Und als sie das Senkblei

ausgeworfen hatten, fanden sie zwanzig Faden; nachdem sie aber ein wenig weiter gefahren waren und

das Senkblei wieder ausgeworfen hatten, fanden sie fünfzehn Faden. 27,29 Und da sie fürchteten, wir

möchten etwa auf felsige Stellen verschlagen werden, warfen sie vom Hinterschiff vier Anker aus und

wünschten, daß es Tag würde. 27,30 Als aber die Matrosen aus dem Schiff zu fliehen suchten und das

Boot unter dem Vorwand, als wollten sie vom Vorderschiff Anker auswerfen, in das Meer hinabließen,

27,31 sprach Paulus zu dem Hauptmann und den Soldaten: Wenn diese nicht im Schiff bleiben, könnt

ihr nicht gerettet werden. 27,32 Dann hieben die Soldaten die Taue des Bootes ab und ließen es

hinabfallen. 27,33 Als es aber Tag werden wollte, ermahnte Paulus alle, Speise zu nehmen, und sprach:

Heute schon den vierzehnten Tag wartend, seid ihr ohne Essen geblieben, weil ihr nichts zu euch

genommen habt. 27,34 Deshalb ermahne ich euch, Speise zu nehmen, denn dies gehört zu eurer

Rettung; denn keinem von euch wird ein Haar des Hauptes verloren gehen. 27,35 Und als er dies

gesagt und Brot genommen hatte, dankte er Gott vor allen, und als er es gebrochen hatte, begann er zu

essen. 27,36 Alle aber wurden guten Mutes und nahmen auch selbst Speise zu sich. 27,37 Wir waren

aber in dem Schiff, alle Seelen, zweihundertsechsundsiebzig. 27,38 Als sie sich aber mit Speise

gesättigt hatten, erleichterten sie das Schiff, indem sie den Weizen in das Meer warfen. 27,39 Als es

aber Tag wurde, erkannten sie das Land nicht; sie bemerkten aber eine Bucht, die einen Strand hatte,

auf den sie, wenn möglich, das Schiff zu treiben gedachten. 27,40 Und als sie die Anker gekappt

hatten, ließen sie sie im Meer und machten zugleich die Haltetaue der Steuerruder los und hißten das

Vordersegel vor den Wind und hielten auf den Strand zu. 27,41 Da sie aber auf eine Landzunge

gerieten, ließen sie das Schiff stranden; und das Vorderschiff saß fest und blieb unbeweglich, das

Hinterschiff aber wurde von der Gewalt der Wellen zerschellt. 27,42 Der Soldaten Plan aber war, die

Gefangenen zu töten, damit nicht jemand fortschwimmen und entfliehen möchte. 27,43 Der

Hauptmann aber, der Paulus retten wollte, hinderte sie an ihrem Vorhaben und befahl, daß die, welche

schwimmen könnten, sich zuerst hinabwerfen und an Land gehen sollten 27,44 und die übrigen teils

auf Brettern, teils auf Stücken vom Schiff. Und so geschah es, daß alle an das Land gerettet wurden.

Aufenthalt auf Malta

Kapitel 28

28,1 Und als wir gerettet waren, da erfuhren wir, daß die Insel Melite heiße. 28,2 Die Eingeborenen

aber erzeigten uns eine nicht gewöhnliche Freundlichkeit, denn sie zündeten ein Feuer an und nahmen

uns alle zu sich wegen des eingetretenen Regens und wegen der Kälte. 28,3 Als aber Paulus eine

Menge Reiser zusammenraffte und auf das Feuer legte, kam infolge der Hitze eine Giftschlange heraus

und hängte sich an seine Hand. 28,4 Als aber die Eingeborenen das Tier an seiner Hand hängen sahen,

sagten sie zueinander: Jedenfalls ist dieser Mensch ein Mörder, den Dike, obschon er aus dem Meer

gerettet ist, nicht leben läßt. 28,5 Er nun schüttelte das Tier in das Feuer ab und erlitt nichts

Schlimmes. 28,6 Sie aber erwarteten, daß er aufschwellen oder plötzlich tot hinfallen werde. Als sie

aber lange warteten und sahen, daß ihm nichts Ungewöhnliches geschah, änderten sie ihre Meinung

und sagten, er sei ein Gott.

28,7 In der Umgebung jenes Ortes aber besaß der Erste der Insel, mit Namen Publius, Ländereien; der

nahm uns auf und beherbergte uns drei Tage freundlich. 28,8 Es geschah aber, daß der Vater des

Publius, von Fieber und Ruhr befallen, darniederlag. Zu dem ging Paulus hinein, und als er gebetet

hatte, legte er ihm die Hände auf und heilte ihn. 28,9 Als dies aber geschehen war, kamen auch die

übrigen auf der Insel, die Krankheiten hatten, herbei und wurden geheilt; 28,10 diese erwiesen uns

auch viele Ehren, und als wir abfuhren, luden sie uns auf, was uns nötig war.

Weiterreise nach Rom

28,11 Nach drei Monaten aber fuhren wir ab in einem alexandrinischen Schiff mit dem Zeichen der

Dioskuren, das auf der Insel überwintert hatte. 28,12 Und als wir in Syrakus gelandet waren, blieben

wir drei Tage. 28,13 Von dort fuhren wir in einem Bogen und kamen nach Regium; und da nach einem

Tag sich Südwind erhob, kamen wir den zweiten Tag nach Puteoli, 28,14 wo wir Brüder fanden und

gebeten wurden, sieben Tage bei ihnen zu bleiben; und so kamen wir nach Rom. 28,15 Und von dort

kamen die Brüder, als sie von uns gehört hatten, uns bis Appii-Forum und Tres-Tabernae entgegen;

und als Paulus sie sah, dankte er Gott und faßte Mut.

28,16 Als wir aber nach Rom kamen, wurde dem Paulus erlaubt, mit dem Soldaten, der ihn bewachte,

für sich zu bleiben.

Gefangenschaft und Wirken des Paulus

in Rom

28,17 Es geschah aber nach drei Tagen, daß er die, welche die Ersten der Juden waren, zusammenrief.

Als sie aber zusammengekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr Brüder! Ich, der ich nichts gegen das

Volk oder die väterlichen Gebräuche getan habe, bin gefangen aus Jerusalem in die Hände der Römer

überliefert worden. 28,18 Die wollten mich, nachdem sie mich verhört hatten, loslassen, weil keine

todeswürdige Schuld an mir war. 28,19 Als aber die Juden widersprachen, war ich gezwungen, mich

auf den Kaiser zu berufen, nicht als hätte ich gegen meine Nation etwas zu klagen. 28,20 Um dieser

Ursache willen nun habe ich euch herbeigerufen, euch zu sehen und zu euch zu reden; denn wegen der

Hoffnung Israels trage ich diese Kette. 28,21 Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben über dich weder

Briefe von Judäa empfangen, noch ist jemand von den Brüdern hergekommen und hat uns über dich

etwas Böses berichtet oder gesagt. 28,22 Aber wir begehren von dir zu hören, welche Gesinnung du

hast; denn von dieser Sekte ist uns bekannt, daß ihr überall widersprochen wird.

28,23 Als sie ihm aber einen Tag bestimmt hatten, kamen mehrere zu ihm in die Herberge, denen er

das Reich Gottes auslegte und bezeugte. Und er suchte sie zu überzeugen von Jesus, sowohl aus dem

Gesetz Moses als auch den Propheten, von frühmorgens bis zum Abend. 28,24 Und einige wurden

überzeugt von dem, was gesagt wurde, andere aber glaubten nicht. 28,25 Als sie aber unter sich uneins

waren, gingen sie weg, als Paulus ein Wort sprach: Trefflich hat der Heilige Geist durch Jesaja, den

Propheten, zu euren Vätern geredet 28,26 und gesagt: `Geh hin zu diesem Volk und sprich: Hörend

werdet ihr hören und nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und nicht wahrnehmen. 28,27 Denn

das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen

haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit

dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile. 28,28 So sei euch nun kund, daß dieses Heil

Gottes den Nationen gesandt ist; sie werden auch hören. (28,29)

28,30 Er aber blieb zwei ganze Jahre in seiner eigenen Mietwohnung und nahm alle auf, die zu ihm

kamen; 28,31 er predigte das Reich Gottes und lehrte die Dinge, die den Herrn Jesus Christus

betreffen, mit aller Freimütigkeit ungehindert.

Der Brief an die Römer.

Verfasser, Empfänger und Gruß.

Kapitel 1

1,1 Paulus, Knecht Christi Jesu, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes, 1,2 das er

durch seine Propheten in heiligen Schriften vorher verheißen hat 1,3 über seinen Sohn, der aus der

Nachkommenschaft Davids gekommen ist dem Fleische nach 1,4 [und] als Sohn Gottes in Kraft

eingesetzt dem Geiste der Heiligkeit nach auf Grund der Totenauferstehung: Jesus Christus, unseren

Herrn. 1,5 Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen für seinen Namen zum

Glaubensgehorsam unter allen Nationen, 1,6 unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi. 1,7

Allen Geliebten Gottes, berufenen Heiligen in Rom: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater,

und dem Herrn Jesus Christus!

Des Apostels Sehnsucht nach der

Gemeinde in Rom.

1,8 Aufs erste danke ich meinem Gott durch Jesus Christus euer aller wegen, daß euer Glaube

verkündet wird in der ganzen Welt. 1,9 Denn Gott ist mein Zeuge, dem ich in meinem Geist an dem

Evangelium seines Sohnes diene, wie unablässig ich euch erwähne 1,10 allezeit in meinen Gebeten,

indem ich flehe, ob ich nun endlich einmal durch den Willen Gottes so glücklich sein möchte, zu euch

zu kommen. 1,11 Denn mich verlangt sehr, euch zu sehen, damit ich euch etwas geistliche

Gnadengabe mitteile, um euch zu befestigen, 1,12 das heißt aber, um bei euch mitgetröstet zu werden,

ein jeder durch den Glauben, der in dem anderen ist, sowohl euren als meinen. 1,13 Ich will aber nicht,

daß euch unbekannt sei, Brüder, daß ich mir oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen - und bis

jetzt verhindert worden bin -, damit ich auch unter euch einige Frucht haben möchte, wie auch unter

den übrigen Nationen. 1,14 Sowohl Griechen als Nichtgriechen, sowohl Weisen als Unverständigen

bin ich ein Schuldner. 1,15 Dementsprechend bin ich, soviel an mir ist, willig, auch euch, die ihr in

Rom seid, das Evangelium zu verkündigen.

Kraft und Wesen des Evangeliums.

1,16 Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem

Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. 1,17 Denn Gottes Gerechtigkeit wird

darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: `Der Gerechte aber wird aus

Glauben leben.

Die Gottlosigkeit der Nationen.

1,18 Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und

Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten, 1,19 weil

das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen geoffenbart. 1,20 Denn sein

unsichtbares [Wesen], sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird von Erschaffung der

Welt an in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien; 1,21

weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in

ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. 1,22 Indem sie

sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden 1,23 und haben die Herrlichkeit des

unverweslichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes vom verweslichen Menschen und von

Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren. 1,24 Darum hat Gott sie dahingegeben in den

Begierden ihrer Herzen in Unreinheit, ihre Leiber untereinander zu schänden, 1,25 sie, welche die

Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf Verehrung und Dienst dargebracht haben

statt dem Schöpfer, der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen. 1,26 Deswegen hat Gott sie dahingegeben in

schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen

verwandelt, 1,27 und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen,

sind in ihrer Wollust zueinander entbrannt, indem sie Männer mit Männern Schande trieben, und

empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst. 1,28 Und wie sie es nicht für gut

fanden, Gott in der Erkenntnis festzuhalten, hat Gott sie dahingegeben in einen verworfenen Sinn, zu

tun, was sich nicht geziemt: 1,29 erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit,

voll von Neid, Mord, Streit, List, Tücke; 1,30 Ohrenbläser, Verleumder, Gottverhaßte, Gewalttäter,

Hochmütige, Prahler, Erfinder böser Dinge, den Eltern Ungehorsame, 1,31 Unverständige, Treulose,

ohne natürliche Liebe, Unbarmherzige. 1,32 Obwohl sie Gottes Rechtsforderung erkennen, daß, die

solches tun, des Todes würdig sind, üben sie es nicht allein aus, sondern haben auch Wohlgefallen an

denen, die es tun. Gottes Gerechtigkeit ist unparteiisch

Kapitel 2

2,1 Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder, der da richtet; denn worin du den anderen

richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe. 2,2 Wir wissen aber, daß das

Gericht Gottes der Wahrheit entsprechend über die ergeht, die solches tun. 2,3 Denkst du aber dies, o

Mensch, der du die richtest, die solches tun, und dasselbe verübst, daß du dem Gericht Gottes

entfliehen wirst? 2,4 Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und

weißt nicht, daß die Güte Gottes dich zur Buße leitet? 2,5 Nach deiner Störrigkeit und deinem

unbußfertigen Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung

des gerechten Gerichtes Gottes, 2,6 der einem jeden vergelten wird nach seinen Werken: 2,7 denen,

die mit Ausdauer in gutem Werk Herrlichkeit und Ehre und Unverweslichkeit suchen, ewiges Leben;

2,8 denen jedoch, die von Selbstsucht [bestimmt] und der Wahrheit ungehorsam sind, der

Ungerechtigkeit aber gehorsam, Zorn und Grimm. 2,9 Drangsal und Angst über die Seele jedes

Menschen, der das Böse vollbringt, sowohl des Juden zuerst als auch des Griechen; 2,10 Herrlichkeit

aber und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt, sowohl dem Juden zuerst als auch dem

Griechen. 2,11 Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott. 2,12 Denn so viele ohne Gesetz

gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen; und so viele unter Gesetz gesündigt haben,

werden durch Gesetz gerichtet werden 2,13 - es sind nämlich nicht die Hörer des Gesetzes gerecht vor

Gott, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden. 2,14 Denn wenn Nationen, die

kein Gesetz haben, von Natur dem Gesetz entsprechend handeln, so sind diese, die kein Gesetz haben,

sich selbst ein Gesetz. 2,15 Sie beweisen, daß das Werk des Gesetzes in ihren Herzen geschrieben ist,

indem ihr Gewissen mit Zeugnis gibt und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch

entschuldigen - 2,16 an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richtet nach meinem

Evangelium durch Jesus Christus.

Auch die Juden sind Sünder.

2,17 Wenn du dich aber einen Juden nennst und dich auf das Gesetz stützt und dich Gottes rühmst

2,18 und den Willen kennst und prüfst, worauf es ankommt, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist,

2,19 und getraust dich, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer[, die] in Finsternis [sind], 2,20

ein Erzieher der Törichten, ein Lehrer der Unmündigen, der die Verkörperung der Erkenntnis und der

Wahrheit im Gesetz hat: - 2,21 der du nun einen anderen lehrst, du lehrst dich selbst nicht? Der du

predigst, man solle nicht stehlen, du stiehlst? 2,22 Der du sagst, man solle nicht ehebrechen, du

begehst Ehebruch? Der du die Götzenbilder für Greuel hältst, du begehst Tempelraub? 2,23 Der du

dich des Gesetzes rühmst, du verunehrst Gott durch die Übertretung des Gesetzes? 2,24 Denn `der

Name Gottes wird euretwegen unter den Nationen gelästert, wie geschrieben steht. 2,25 Denn

Beschneidung ist wohl nütze, wenn du das Gesetz befolgst; wenn du aber ein Gesetzesübertreter bist,

so ist deine Beschneidung Unbeschnittenheit geworden. 2,26 Wenn nun der Unbeschnittene die

Rechte des Gesetzes befolgt, wird nicht sein Unbeschnittensein für Beschneidung gerechnet werden

2,27 und das Unbeschnittensein von Natur, das das Gesetz erfüllt, dich richten, der du mit Buchstaben

und Beschneidung ein Gesetzesübertreter bist? 2,28 Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist,

noch ist die äußerliche [Beschneidung] im Fleisch Beschneidung; 2,29 sondern der ist ein Jude, der es

innerlich ist, und Beschneidung [ist die] des Herzens, im Geist, nicht im Buchstaben. Sein Lob kommt

nicht von Menschen, sondern von Gott.

Gottes Urteil über alle Menschen.

Kapitel 3

3,1 Was ist nun der Vorzug des Juden oder was der Nutzen der Beschneidung? 3,2 Viel in jeder

Hinsicht. Denn zuerst sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden. 3,3 Was denn? Wenn

einige untreu waren, wird etwa ihre Untreue die Treue Gottes aufheben? 3,4 Das sei ferne! Vielmehr

sei es so: Gott [ist] wahrhaftig, jeder Mensch aber Lügner, wie geschrieben steht: `Damit du

gerechtfertigt werdest in deinen Worten und den Sieg davonträgst, wenn man mit dir rechtet. 3,5

Wenn aber unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit erweist, was wollen wir sagen? Ist Gott etwa

ungerecht, wenn er Zorn auferlegt? - Ich rede nach Menschenweise. - 3,6 Das sei ferne! Wie könnte

sonst Gott die Welt richten? 3,7 Wenn aber die Wahrheit Gottes durch meine Lüge überströmender

geworden ist zu seiner Herrlichkeit, warum werde ich auch noch als Sünder gerichtet? 3,8 Und [sollen

wir es] etwa [so machen], wie wir verlästert werden und wie einige sagen, daß wir sprechen: Laßt uns

das Böse tun, damit das Gute komme? Deren Gericht ist gerecht.

3,9 Was nun? Haben wir einen Vorzug? Durchaus nicht! Denn wir haben sowohl Juden als Griechen

zuvor beschuldigt, daß sie alle unter der Sünde seien, 3,10 wie geschrieben steht: `Da ist kein

Gerechter, auch nicht einer; 3,11 da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. 3,12

Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch

nicht einer. 3,13 `Ihr Schlund ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handelten sie trügerisch.

`Otterngift ist unter ihren Lippen. 3,14 `Ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit. 3,15 `Ihre Füße sind

schnell, Blut zu vergießen; 3,16 Verwüstung und Elend ist auf ihren Wegen, 3,17 und den Weg des

Friedens haben sie nicht erkannt. 3,18 `Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen. 3,19 Wir wissen

aber, daß alles, was das Gesetz sagt, es denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund

verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei. 3,20 Darum: aus

Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz [kommt]

Erkenntnis der Sünde.

Gerechtigkeit aus Glauben.

3,21 Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und

die Propheten: 3,22 Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die glauben.

Denn es ist kein Unterschied, 3,23 denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit

Gottes 3,24 und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus

Jesus ist. 3,25 Ihn hat Gott dargestellt zu einem Sühneort durch den Glauben an sein Blut zum Erweis

seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden unter der Nachsicht

Gottes; 3,26 zum Erweis seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, daß er gerecht sei und den

rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist.

3,27 Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen. Durch was für ein Gesetz? Der Werke? Nein,

sondern durch das Gesetz des Glaubens. 3,28 Denn wir urteilen, daß ein Mensch durch Glauben

gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke. 3,29 Oder ist [Gott] der Gott der Juden allein? Nicht auch der

Nationen? Ja, auch der Nationen. 3,30 Denn Gott ist einer. Er wird die Beschneidung aus Glauben und

das Unbeschnittensein durch den Glauben rechtfertigen. 3,31 Heben wir denn das Gesetz auf durch

den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir bestätigen das Gesetz.

Abrahams Glaubensgerechtigkeit.

Kapitel 4

4,1 Was wollen wir denn sagen, daß Abraham, unser Vater nach dem Fleisch, gefunden habe? 4,2

Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen, aber nicht

vor Gott. 4,3 Denn was sagt die Schrift? `Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur

Gerechtigkeit gerechnet. 4,4 Dem aber, der Werke tut, wird der Lohn nicht angerechnet nach Gnade,

sondern nach Schuldigkeit. 4,5 Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den

Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet, 4,6 wie auch David die

Seligpreisung des Menschen ausspricht, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet: 4,7

`Glückselig die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden bedeckt sind! 4,8 Glückselig der

Mann, dem der Herr Sünde nicht zurechnet!

4,9 [Bezieht sich] diese Seligpreisung nun auf die Beschneidung oder auch auf das Unbeschnittensein?

Denn wir sagen, daß der Glaube dem Abraham zur Gerechtigkeit gerechnet worden ist. 4,10 Wie

wurde er ihm denn zugerechnet? Als er beschnitten oder unbeschnitten war? Nicht in der

Beschneidung, sondern in dem Unbeschnittensein. 4,11 Und er empfing das Zeichen der

Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er unbeschnitten war, damit

er Vater aller sei, die im Unbeschnittensein glauben, damit ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet werde;

4,12 und Vater der Beschneidung, nicht allein derer, die aus der Beschneidung sind, sondern auch

derer, die in den Fußspuren des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte, als er

unbeschnitten war.

4,13 Denn nicht durch Gesetz wurde Abraham oder seiner Nachkommenschaft die Verheißung zuteil,

daß er der Welt Erbe sein sollte, sondern durch Glaubensgerechtigkeit. 4,14 Wenn nämlich die vom

Gesetz Erben sind, so ist der Glaube zunichte gemacht und die Verheißung aufgehoben. 4,15 Denn das

Gesetz bewirkt Zorn; aber wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung. 4,16 Darum ist es aus

Glauben, daß es nach Gnade [gehe], damit die Verheißung der ganzen Nachkommenschaft sicher sei,

nicht allein der vom Gesetz, sondern auch der vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist, 4,17 -

wie geschrieben steht: `Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt - vor dem Gott, dem er

glaubte, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre; 4,18 der gegen

Hoffnung auf Hoffnung hin geglaubt hat, damit er ein Vater vieler Nationen werde, nach dem, was

gesagt ist: `So soll deine Nachkommenschaft sein. 4,19 Und nicht schwach im Glauben, sah er seinen

eigenen, schon erstorbenen Leib an, da er fast hundert Jahre alt war, und das Absterben des

Mutterleibes der Sara 4,20 und zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern

wurde gestärkt im Glauben, weil er Gott die Ehre gab. 4,21 Und er war der vollen Gewißheit, daß er,

was er verheißen habe, auch zu tun vermöge. 4,22 Darum ist es ihm auch zur Gerechtigkeit gerechnet

worden. 4,23 Es ist aber nicht allein seinetwegen geschrieben, daß es ihm zugerechnet worden ist, 4,24

sondern auch unseretwegen, denen es zugerechnet werden soll, die wir an den glauben, der Jesus,

unseren Herrn, aus den Toten auferweckt hat, 4,25 der unserer Übertretungen wegen dahingegeben

und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist.

Friede mit Gott durch den Glauben an

Jesus Christus.

Kapitel 5

5,1 Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren

Herrn Jesus Christus, 5,2 durch den wir mittels des Glaubens auch Zugang erhalten haben zu dieser

Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.

5,3 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in den Trübsalen, da wir wissen, daß die

Trübsal Ausharren bewirkt, 5,4 das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; 5,5

die Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere

Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist. 5,6 Denn Christus ist, als wir noch

kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben. 5,7 Denn kaum wird jemand für einen

Gerechten sterben; denn für den Gütigen möchte vielleicht jemand auch zu sterben wagen. 5,8 Gott

aber erweist seine Liebe gegen uns darin, daß Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben

ist. 5,9 Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn vom Zorn

gerettet werden. 5,10 Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod

seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden.

5,11 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus,

durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.

Durch Adam den Tod, durch Christus

das Leben.

5,12 Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der

Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben 5,13 - denn

bis zum Gesetz war Sünde in der Welt; Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz ist. 5,14

Aber der Tod herrschte von Adam bis auf Mose selbst über die, welche nicht gesündigt hatten in der

Gleichheit der Übertretung Adams, der ein Bild des Zukünftigen ist. 5,15 Mit der Übertretung ist es

aber nicht so wie mit der Gnadengabe. Denn wenn durch des einen Übertretung die vielen gestorben

sind, so ist viel mehr die Gnade Gottes und die Gabe in der Gnade des einen Menschen Jesus Christus

gegen die vielen überströmend geworden. 5,16 Und mit der Gabe ist es nicht so, wie [es] durch den

einen [kam], der sündigte. Denn das Urteil [führte] von einem zur Verdammnis, die Gnadengabe aber

von vielen Übertretungen zur Gerechtigkeit. 5,17 Denn wenn durch die Übertretung des einen der Tod

durch den einen geherrscht hat, so werden viel mehr die, welche die Überschwenglichkeit der Gnade

und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus. 5,18

Wie es nun durch eine Übertretung für alle Menschen zur Verdammnis [kam], so auch durch eine

Gerechtigkeit für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens. 5,19 Denn wie durch des einen

Menschen Ungehorsam die vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch

durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden. 5,20 Das

Gesetz aber kam daneben hinzu, damit die Übertretung überströmend werde. Wo aber die Sünde

überströmend geworden, ist die Gnade noch überschwenglicher geworden, 5,21 damit, wie die Sünde

geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus

Christus, unseren Herrn.

Der Gläubige und die Sünde.

Kapitel 6

6,1 Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade überströme? 6,2

Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch in ihr leben? 6,3 Oder wißt

ihr nicht, daß wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? 6,4

So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den

Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens

wandeln. 6,5 Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch

mit der [seiner] Auferstehung sein, 6,6 da wir dies erkennen, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt

worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, daß wir der Sünde nicht mehr dienen. 6,7 Denn wer

gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde. 6,8 Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so

glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, 6,9 da wir wissen, daß Christus, aus den Toten

auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn. 6,10 Denn was er gestorben ist, ist

er ein für allemal der Sünde gestorben; was er aber lebt, lebt er Gott. 6,11 So auch ihr, haltet euch der

Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus.

6,12 So herrsche nun nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, daß er seinen Lüsten gehorche; 6,13

stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern

stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen

der Gerechtigkeit. 6,14 Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter

Gesetz, sondern unter Gnade.

6,15 Was nun, sollen wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Das sei

ferne! 6,16 Wißt ihr nicht, daß, wem ihr euch zur Verfügung stellt als Sklaven zum Gehorsam, ihr

dessen Sklaven seid, dem ihr gehorcht? Entweder [Sklaven] der Sünde zum Tod oder [Sklaven] des

Gehorsams zur Gerechtigkeit? 6,17 Gott aber sei Dank, daß ihr Sklaven der Sünde wart, aber von

Herzen gehorsam geworden seid dem Bild der Lehre, dem ihr übergeben worden seid! 6,18 Frei

gemacht aber von der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerechtigkeit geworden. 6,19 Ich rede menschlich,

wegen der Schwachheit eures Fleisches. Denn wie ihr eure Glieder als Sklaven der Unreinheit und der

Gesetzlosigkeit zur Gesetzlosigkeit zur Verfügung gestellt habt, so stellt jetzt eure Glieder zur

Verfügung als Sklaven der Gerechtigkeit zur Heiligkeit. 6,20 Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da

wart ihr Freie gegenüber der Gerechtigkeit. 6,21 Welche Frucht hattet ihr denn damals? Dinge, deren

ihr euch jetzt schämt, denn das Ende davon ist der Tod. 6,22 Jetzt aber, von der Sünde frei gemacht

und Gottes Sklaven geworden, habt ihr eure Frucht zur Heiligkeit, als das Ende aber ewiges Leben.

6,23 Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus

Jesus, unserem Herrn.

Der Mensch und das Gesetz.

Kapitel 7

7,1 Oder wißt ihr nicht, Brüder - denn ich rede zu denen, die Gesetz kennen -, daß das Gesetz über den

Menschen herrscht, solange er lebt? 7,2 Denn die verheiratete Frau ist durchs Gesetz an den Mann

gebunden, solange er lebt; wenn aber der Mann gestorben ist, so ist sie losgemacht von dem Gesetz

des Mannes. 7,3 So wird sie nun, während der Mann lebt, eine Ehebrecherin genannt, wenn sie eines

anderen Mannes wird; wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie frei vom Gesetz, so daß sie keine

Ehebrecherin ist, wenn sie eines anderen Mannes wird. 7,4 So seid auch ihr, meine Brüder, dem

Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten

Auferweckten, damit wir Gott Frucht brächten. 7,5 Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die

Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz [erregt wurden], in unseren Gliedern, um dem Tod

Frucht zu bringen. 7,6 Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind,

worin wir festgehalten wurden, so daß wir in dem Neuen des Geistes dienen und nicht in dem Alten

des Buchstabens.

7,7 Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht

erkannt als nur durch Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewußt, wenn nicht das

Gesetz gesagt hätte: `Laß dich nicht gelüsten! 7,8 Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die

Gelegenheit und bewirkte jede Lust in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot. 7,9 Ich aber lebte einst

ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf; 7,10 ich aber starb. Und das Gebot, das zum

Leben [gegeben], gerade das erwies sich mir zum Tod. 7,11 Denn die Sünde ergriff durch das Gebot

die Gelegenheit, täuschte mich und tötete mich durch dasselbe. 7,12 So ist also das Gesetz heilig und

das Gebot heilig und gerecht und gut.

7,13 Ist nun das Gute mir zum Tod geworden? Das sei ferne! Sondern die Sünde, damit sie als Sünde

erschiene, indem sie durch das Gute mir den Tod bewirkte, damit die Sünde überaus sündig würde

durch das Gebot. 7,14 Denn wir wissen, daß das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die

Sünde verkauft; 7,15 denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht, was ich will, das tue ich,

sondern was ich hasse, das übe ich aus. 7,16 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme

ich dem Gesetz bei, daß es gut ist. 7,17 Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir

wohnende Sünde. 7,18 Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnte;

denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht. 7,19 Denn das Gute, das

ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. 7,20 Wenn ich aber das,

was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. 7,21

Ich finde also das Gesetz, daß bei mir, der ich das Gute tun will, [nur] das Böse vorhanden ist. 7,22

Denn ich habe nach dem inneren Menschen Wohlgefallen am Gesetz Gottes. 7,23 Aber ich sehe ein

anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in

Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. 7,24 Ich elender

Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes? - 7,25 Ich danke Gott durch Jesus

Christus, unseren Herrn! Also diene ich nun selbst mit dem Sinn Gottes Gesetz, mit dem Fleisch aber

der Sünde Gesetz.

Wandel im Geist und Gotteskindschaft

der Gläubigen.

Kapitel 8

8,1 Also [gibt es] jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind. 8,2 Denn das Gesetz

des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des

Todes. 8,3 Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, [tat] Gott, indem

er seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sandte und die

Sünde im Fleisch verurteilte, 8,4 damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir

nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln. 8,5 Denn die, welche nach dem Fleisch

sind, sinnen auf das, was des Fleisches ist; die aber, die nach dem Geist sind, auf das, was des Geistes

ist. 8,6 Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden;

8,7 weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht

untertan, sie kann das auch nicht. 8,8 Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen. 8,9 Ihr

aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber

jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. 8,10 Ist aber Christus in euch, so ist der Leib zwar tot

der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen. 8,11 Wenn aber der Geist dessen, der

Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus Jesus aus den Toten

auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden

Geistes.

8,12 So sind wir nun, Brüder, nicht dem Fleisch Schuldner, um nach dem Fleisch zu leben; 8,13 denn

wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen

des Leibes tötet, so werdet ihr leben. 8,14 Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die

sind Söhne Gottes. 8,15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur

Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! 8,16

Der Geist selbst bezeugt [zusammen] mit unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind. 8,17 Wenn aber

Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir

auch mitverherrlicht werden.

Hoffnung und Zuversicht der Gläubigen.

8,18 Denn ich denke, daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der

zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. 8,19 Denn das sehnsüchtige Harren der

Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. 8,20 Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit

unterworfen worden - nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, auf Hoffnung hin,

8,21 daß auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht werden

wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. 8,22 Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung

zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. 8,23 Nicht allein aber [sie], sondern

auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst und

erwarten die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes. 8,24 Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet

worden. Eine Hoffnung aber, die gesehen wird, ist keine Hoffnung. Denn wer hofft, was er sieht? 8,25

Wenn wir aber das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir mit Ausharren. 8,26 Ebenso aber nimmt

auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich

gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich [für uns] in unaussprechlichen Seufzern. 8,27 Der aber

die Herzen erforscht, weiß, was der Sinn des Geistes ist, denn er verwendet sich für Heilige Gott

gemäß. 8,28 Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die

nach [seinem] Vorsatz berufen sind. 8,29 Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch

vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter

vielen Brüdern. 8,30 Die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und die er berufen hat,

diese hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.

8,31 Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? 8,32 Er, der doch seinen

eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht

auch alles schenken? 8,33 Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der

rechtfertigt. 8,34 Wer ist, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der

auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet. 8,35 Wer wird uns

scheiden von der Liebe Christi? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße

oder Gefahr oder Schwert? 8,36 Wie geschrieben steht: `Um deinetwillen werden wir getötet den

ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden. 8,37 Aber in diesem allen sind wir mehr

als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. 8,38 Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch

Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, 8,39

weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe

Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Israel und Gottes Verheissungen.

Kapitel 9

9,1 Ich sage die Wahrheit in Christus, ich lüge nicht, wobei mein Gewissen mit mir Zeugnis gibt im

Heiligen Geist, 9,2 daß ich große Traurigkeit habe und unaufhörlichen Schmerz in meinem Herzen;

9,3 denn ich selbst, ich habe gewünscht, verflucht zu sein von Christus weg für meine Brüder, meine

Verwandten nach dem Fleisch; 9,4 die Israeliten sind, deren die Sohnschaft ist und die Herrlichkeit

und die Bündnisse und die Gesetzgebung und der Dienst und die Verheissungen; 9,5 deren die Väter

sind und aus denen dem Fleisch nach der Christus ist, der über allem ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit.

Amen.

9,6 Nicht aber als ob das Wort Gottes hinfällig geworden wäre; denn nicht alle, die aus Israel sind, die

sind Israel, 9,7 auch nicht, weil sie Abrahams Nachkommen sind, sind alle Kinder, sondern `in Isaak

wird dir eine Nachkommenschaft genannt werden. 9,8 Das heißt: Nicht die Kinder des Fleisches, die

sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Nachkommenschaft gerechnet. 9,9

Denn dieses Wort ist [ein Wort] der Verheißung: `Um diese Zeit will ich kommen, und Sara wird

einen Sohn haben. 9,10 Nicht allein aber bei ihr war es so, sondern auch bei Rebekka, als sie von

einem, von unserem Vater Isaak, schwanger war. 9,11 Denn als [die Kinder] noch nicht geboren waren

und weder Gutes noch Böses getan hatten - damit der nach [freier] Auswahl gefaßte Vorsatz Gottes

[bestehen] bliebe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden -, 9,12 wurde zu ihr

gesagt: `Der Ältere wird dem Jüngeren dienen; 9,13 wie geschrieben steht: `Jakob habe ich geliebt,

aber Esau habe ich gehaßt.

9,14 Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne! 9,15 Denn er sagt zu

Mose: `Ich werde begnadigen, wen ich begnadige, und werde mich erbarmen, wessen ich mich

erbarme. 9,16 So [liegt es] nun nicht an dem Wollenden, noch an dem Laufenden, sondern an dem

begnadigenden Gott. 9,17 Denn die Schrift sagt zum Pharao: `Eben hierzu habe ich dich erweckt,

damit ich meine Macht an dir erzeige und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.

9,18 So denn: wen er will, begnadigt er, und wen er will, verhärtet er.

Die Glaubensgerechtigkeit für Juden

und Nationen.

9,19 Du wirst nun zu mir sagen: Warum tadelt er noch? Denn wer hat seinem Willen widerstanden?

9,20 Ja freilich, o Mensch, wer bist du, der du das Wort nimmst gegen Gott? Wird etwa das Geformte

zu dem Former sagen: Warum hast du mich so gemacht? 9,21 Oder hat der Töpfer nicht Macht über

den Ton, aus derselben Masse das Gefäß zur Ehre und das andere zur Unehre zu machen? 9,22 Wenn

aber Gott, obwohl er seinen Zorn erweisen und seine Macht kundtun wollte, mit vieler Langmut die

Gefäße des Zorns ertragen hat, die zum Verderben zubereitet sind - 9,23 und damit er den Reichtum

seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Begnadigung kundtue, die er zur Herrlichkeit vorher bereitet

hat . . . 9,24 - uns, die er auch berufen hat, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Nationen. -

9,25 Wie er auch in Hosea sagt: `Ich werde Nicht-mein-Volk mein Volk nennen und die Nicht-

Geliebte Geliebte. 9,26 `Und es wird geschehen, an dem Ort, da zu ihnen gesagt wurde: Ihr seid nicht

mein Volk, dort werden sie Söhne des lebendigen Gottes genannt werden. 9,27 Jesaja aber ruft über

Israel: `Wäre die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres, [nur] der Überrest wird errettet

werden. 9,28 Denn indem er das Wort vollendet und abkürzt, wird der Herr es auf der Erde ausführen.

9,29 Und wie Jesaja vorher gesagt hat: `Wenn nicht der Herr Zebaoth uns Nachkommenschaft

übriggelassen hätte, so wären wir wie Sodom geworden und Gomorra gleich geworden.

9,30 Was wollen wir nun sagen? Daß die Nationen, die nicht nach Gerechtigkeit strebten,

Gerechtigkeit erlangt haben, eine Gerechtigkeit aber, die aus Glauben ist; 9,31 Israel aber, das einem

Gesetz der Gerechtigkeit nachstrebte, ist nicht zum Gesetz gelangt. 9,32 Warum? Weil es nicht aus

Glauben, sondern als aus Werken [geschah]. Sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes, 9,33

wie geschrieben steht: `Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des

Ärgernisses, und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.

Kapitel 10

10,1 Brüder! Das Wohlgefallen meines Herzens und mein Flehen für sie zu Gott ist, daß sie errettet

werden. 10,2 Denn ich gebe ihnen Zeugnis, daß sie Eifer für Gott haben, aber nicht mit [rechter]

Erkenntnis. 10,3 Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene aufzurichten

trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.

Glaubensgerechtigkeit nur durch Jesus

Christus.

10,4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit. 10,5 Denn Mose

beschreibt die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist: `Der Mensch, der diese Dinge getan hat, wird

durch sie leben. 10,6 Die Gerechtigkeit aus Glauben aber sagt so: Sprich nicht in deinem Herzen: `Wer

wird in den Himmel hinaufsteigen? das ist: Christus herabführen; 10,7 oder: `Wer wird in den

Abgrund hinabsteigen? das ist: Christus aus den Toten heraufführen; 10,8 sondern was sagt sie? `Das

Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen. Das ist das Wort des Glaubens, das wir

predigen, 10,9 daß, wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen

glauben wirst, daß Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst. 10,10 Denn mit

dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Mund wird bekannt zum Heil. 10,11 Denn

die Schrift sagt: `Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden. 10,12 Denn es ist kein

Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn er ist Herr über alle, und er ist reich für alle, die ihn

anrufen; 10,13 `denn jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.

Das Heil ist auch für Israel, aber ein Teil

Israels ist verstockt.

10,14 Wie werden sie nun den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie aber werden sie an den

glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören ohne einen Prediger? 10,15 Wie

aber werden sie predigen, wenn sie nicht gesandt sind? Wie geschrieben steht: `Wie lieblich sind die

Füße derer, die das Evangelium des Friedens verkündigen, die das Evangelium des Guten

verkündigen! 10,16 Aber nicht alle haben dem Evangelium gehorcht. Denn Jesaja sagt: `Herr, wer hat

unserer Verkündigung geglaubt? 10,17 Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung

aber durch das Wort Christi. 10,18 Aber ich sage: Haben sie etwa nicht gehört? Ja, freilich. `Ihr Schall

ist ausgegangen zu der ganzen Erde und ihre Reden zu den Grenzen des Erdkreises. 10,19 Aber ich

sage: Hat Israel es etwa nicht erkannt? Zuerst spricht Mose: `Ich will euch zur Eifersucht reizen über

ein Nicht-Volk, über eine unverständige Nation will ich euch erbittern. 10,20 Jesaja aber erkühnt sich

und spricht: `Ich bin gefunden worden von denen, die mich nicht suchten, ich bin offenbar geworden

denen, die nicht nach mir fragten. 10,21 Von Israel aber sagt er: `Den ganzen Tag habe ich meine

Hände ausgestreckt zu einem ungehorsamen und widersprechenden Volk.

Kapitel 11

11,1 Ich sage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit

aus der Nachkommenschaft Abrahams, vom Stamm Benjamin. 11,2 Gott hat sein Volk nicht

verstoßen, das er vorher erkannt hat. Oder wißt ihr nicht, was die Schrift bei Elia sagt? Wie er vor Gott

auftritt gegen Israel: 11,3 `Herr, sie haben deine Propheten getötet, deine Altäre niedergerissen, und

ich allein bin übriggeblieben, und sie trachten nach meinem Leben. 11,4 Aber was sagt ihm die

göttliche Antwort? `Ich habe mir siebentausend Mann übrigbleiben lassen, die vor Baal das Knie nicht

gebeugt haben. 11,5 So ist nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade

entstanden. 11,6 Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr

Gnade. 11,7 Was nun? Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; aber die Auswahl hat es erlangt, die

übrigen jedoch sind verstockt worden, 11,8 wie geschrieben steht: `Gott hat ihnen einen Geist der

Schlafsucht gegeben, Augen, um nicht zu sehen, und Ohren, um nicht zu hören, bis auf den heutigen

Tag. 11,9 Und David sagt: `Es werde ihr Tisch ihnen zur Schlinge und zum Fallstrick und zum Anstoß

und zur Vergeltung! 11,10 Verfinstert seien ihre Augen, um nicht zu sehen, und ihren Rücken beuge

allezeit! Das Heil im Blick auf Israel und die Nationen

11,11 Ich sage nun: Sind sie etwa gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Das sei ferne! Sondern durch

ihren Fall ist den Nationen das Heil geworden, um sie zur Eifersucht zu reizen. 11,12 Wenn aber ihr

Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wieviel mehr ihre Vollzahl!

11,13 Denn ich sage euch, den Nationen: Insofern ich nun der Nationen Apostel bin, bringe ich

meinen Dienst zu Ehren, 11,14 ob ich auf irgendeine Weise sie, die mein Fleisch sind, zur Eifersucht

reizen und einige aus ihnen erretten möge. 11,15 Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der

Welt ist, was wird die Annahme anders sein als Leben aus den Toten?

11,16 Wenn aber das Erstlingsbrot heilig ist, so auch der Teig; und wenn die Wurzel heilig ist, so auch

die Zweige. 11,17 Wenn aber einige der Zweige ausgebrochen worden sind und du, der du ein wilder

Ölbaum warst, unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes mit teilhaftig

geworden bist, 11,18 so rühme dich nicht gegen die Zweige. Wenn du dich aber gegen sie rühmst - du

trägst nicht die Wurzel, sondern die Wurzel dich. 11,19 Du wirst nun sagen: Die Zweige sind

ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. 11,20 Richtig; sie sind ausgebrochen worden

durch den Unglauben; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich!

11,21 Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat, wird er auch dich nicht schonen.

Die Hoffnung des Heils für das ganze

Israel - Lobpreis Gottes dafür.

11,22 Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen sind, Strenge; gegen dich

aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du ausgeschnitten werden. 11,23 Aber

auch jene, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott kann sie

wieder einpfropfen. 11,24 Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum ausgeschnitten und

gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wieviel mehr werden diese, die

natürlichen [Zweige], in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden! 11,25 Denn ich will nicht,

Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet:

Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird;

11,26 und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: `Es wird aus Zion der Erretter

kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; 11,27 und dies ist für sie der Bund von

mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde. 11,28 Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar

Feinde um euretwillen, hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte um der Väter willen. 11,29 Denn die

Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar. 11,30 Denn wie ihr einst Gott nicht gehorcht

habt, jetzt aber unter die Begnadigung gekommen seid durch ihren Ungehorsam, 11,31 so sind jetzt

auch sie eurer Begnadigung [gegenüber] ungehorsam gewesen, damit auch sie nun unter die

Begnadigung kommen. 11,32 Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit

er alle begnadige. 11,33 O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes!

Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege! 11,34 Denn wer hat des Herrn

Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? 11,35 Oder wer hat ihm vorher gegeben, und es

wird ihm vergolten werden? 11,36 Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge! Ihm sei

die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen. Den verschiedenen Gnadengaben entsprechender Gottesdienst

Kapitel 12

12,1 Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein

lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. 12,2 Und seid

nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, daß ihr

prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. 12,3 Denn ich

sage durch die Gnade, die mir gegeben wurde, jedem, der unter euch ist, nicht höher [von sich] zu

denken, als zu denken sich gebührt, sondern darauf bedacht zu sein, daß er besonnen sei, wie Gott

einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat. 12,4 Denn wie wir in einem Leib viele Glieder

haben, aber die Glieder nicht alle dieselbe Tätigkeit haben, 12,5 so sind wir, die vielen, ein Leib in

Christus, einzeln aber Glieder voneinander. 12,6 Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben nach

der uns verliehenen Gnade, [so laßt sie uns gebrauchen]: es sei Weissagung, nach dem Maß des

Glaubens; 12,7 es sei Dienst, im Dienen; es sei, der lehrt, in der Lehre: 12,8 es sei, der ermahnt, in der

Ermahnung; der mitteilt, in Einfalt; der vorsteht, mit Fleiß; der Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit.

Wandel nach dem Grundsatz der Liebe.

12,9 Die Liebe sei ungeheuchelt. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten. 12,10 In der Bruderliebe

seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend; 12,11 im Fleiß nicht

säumig, brennend im Geist; dem Herrn dienend. 12,12 In Hoffnung freut euch; in Trübsal harrt aus; im

Gebet haltet an; 12,13 an den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil; nach Gastfreundschaft trachtet.

12,14 Segnet, die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. 12,15 Freut euch mit den sich Freuenden,

weint mit den Weinenden. 12,16 Seid gleichgesinnt gegeneinander; sinnt nicht auf hohe Dinge,

sondern haltet euch zu den Niedrigen; seid nicht klug bei euch selbst. 12,17 Vergeltet niemand Böses

mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen. 12,18 Wenn möglich, so viel an

euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden. 12,19 Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt

Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: `Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.

12,20 `Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken; denn

wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. 12,21 Laß dich nicht vom Bösen

überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.

Verhalten gegenüber der Obrigkeit.

Kapitel 13

13,1 Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten [staatlichen] Mächten; denn es ist keine

[staatliche] Macht außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet. 13,2 Wer sich daher

der [staatlichen] Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein

Urteil empfangen. 13,3 Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für

das böse. Willst du dich aber vor der [staatlichen] Macht nicht fürchten, so tue das Gute, und du wirst

Lob von ihr haben; 13,4 denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so

fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur

Strafe für den, der Böses tut. 13,5 Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe

wegen, sondern auch des Gewissens wegen. 13,6 Denn deshalb entrichtet ihr auch Steuern; denn es

sind Gottes Diener, die eben hierzu fortwährend beschäftigt sind. 13,7 Gebt allen, was ihnen gebührt:

die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll, die Furcht, dem die Furcht, die Ehre, dem die Ehre

[gebührt].

Die Liebe als Erfüllung des Gesetzes.

13,8 Seid niemand irgend etwas schuldig, als nur einander zu lieben; denn wer den anderen liebt, hat

das Gesetz erfüllt. 13,9 Denn das: `Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht

stehlen, du sollst nicht begehren, und wenn es ein anderes Gebot [gibt], ist es in diesem Wort

zusammengefaßt: `Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 13,10 Die Liebe tut dem Nächsten

nichts Böses. So ist nun die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.

Wandel in der Erwartung des Heils.

13,11 Und dies [tut] als solche, die die Zeit erkennen, daß die Stunde schon da ist, daß ihr aus dem

Schlaf aufwacht; denn jetzt ist unsere Errettung näher, als da wir zum Glauben kamen: 13,12 Die

Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe. Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die

Waffen des Lichts anziehen. 13,13 Laßt uns anständig wandeln wie am Tag; nicht in Schwelgereien

und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid; 13,14 sondern

zieht den Herrn Jesus Christus an, und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch, daß Begierden wach

werden.

Kapitel 14

14,1 Gegenseitige Verantwortung der im Glauben Starken und Schwachen

Den Schwachen im Glauben aber nehmt auf, [doch] nicht zur Entscheidung zweifelhafter Fragen. 14,2

Einer glaubt, er dürfe alles essen; der Schwache aber ißt Gemüse. 14,3 Wer ißt, verachte den nicht, der

nicht ißt; und wer nicht ißt, richte den nicht, der ißt; denn Gott hat ihn aufgenommen. 14,4 Wer bist

du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber

aufrecht gehalten werden, denn der Herr kann ihn aufrecht halten. 14,5 Der eine hält einen Tag vor

dem anderen, der andere aber hält jeden Tag [gleich]. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig

überzeugt. 14,6 Wer den Tag achtet, achtet ihn dem Herrn. Und wer ißt, ißt dem Herrn, denn er sagt

Gott Dank; und wer nicht ißt, ißt dem Herrn nicht und danksagt Gott. 14,7 Denn keiner von uns lebt

sich selbst, und keiner stirbt sich selbst. 14,7 Denn sei es, daß wir leben, wir leben dem Herrn; sei es,

daß wir sterben, wir sterben dem Herrn. Sei es nun, daß wir leben, sei es, daß wir sterben, wir sind des

Herrn. 14,9 Denn hierzu ist Christus gestorben und [wieder] lebendig geworden, daß er herrsche

sowohl über Tote als über Lebende. 14,10 Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was

verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. 14,11

Denn es steht geschrieben: `[So wahr] ich lebe, spricht der Herr, mir wird sich jedes Knie beugen, und

jede Zunge wird Gott bekennen. 14,12 Also wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft

geben. 14,13 Laßt uns nun nicht mehr einander richten, sondern richtet vielmehr darüber, daß dem

Bruder kein Anstoß oder Ärgernis gegeben wird. 14,14 Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn

Jesus, daß nichts an sich selbst gemein ist; nur dem, der etwas für gemein achtet, dem ist es gemein.

14,15 Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr nach der

Liebe. Verdirb nicht mit deiner Speise den, für den Christus gestorben ist. 14,16 Laßt nun euer Gut

nicht verlästert werden. 14,17 Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern

Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. 14,181 Denn wer in diesem dem Christus

dient, ist Gott wohlgefällig und den Menschen bewährt.

14,19 So laßt uns nun dem nachstreben, was des Friedens ist, und dem, was zur gegenseitigen

Erbauung dient. 14,20 Zerstöre nicht einer Speise wegen das Werk Gottes. Alles zwar ist rein, aber es

ist böse für den Menschen, der mit Anstoß ißt. 14,21 Es ist gut, kein Fleisch zu essen, noch Wein zu

trinken, noch etwas [zu tun], woran dein Bruder sich stößt. 14,22 Hast du Glauben? Habe ihn für dich

selbst vor Gott! Glückselig, wer sich selbst nicht richtet in dem, was er gutheißt! 14,23 Wer aber

zweifelt, wenn er ißt, der ist verurteilt, weil [er es] nicht aus Glauben [tut]. Alles aber, was nicht aus

Glauben ist, ist Sünde.

Kapitel 15

15,1 Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht uns

selbst zu gefallen. 15,2 Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung. 15,3 Denn auch

der Christus hat nicht sich selbst gefallen, sondern wie geschrieben steht: `Die Schmähungen derer, die

dich schmähen, sind auf mich gefallen. 15,4 Denn alles, was zuvor geschrieben ist, ist zu unserer

Belehrung geschrieben, damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die

Hoffnung haben. 15,5 Der Gott des Ausharrens und der Ermunterung aber gebe euch, gleichgesinnt zu

sein untereinander, Christus Jesus gemäß, 15,6 damit ihr einmütig mit einem Munde den Gott und

Vater unseres Herrn Jesus Christus verherrlicht. 15,7 Deshalb nehmt einander auf, wie auch der

Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit.

15,8 Denn ich sage, daß Christus ein Diener der Beschneidung geworden ist um der Wahrheit Gottes

willen, um die Verheissungen der Väter zu bestätigen, 15,9 damit die Nationen aber Gott verherrlichen

möchten um der Begnadigung willen, wie geschrieben steht: `Darum werde ich dich bekennen unter

den Nationen und deinem Namen lobsingen. 15,10 Und wieder sagt er: `Seid fröhlich, ihr Nationen,

mit seinem Volk! 15,11 Und wieder: `Lobt den Herrn, alle Nationen, und alle Völker sollen ihn

preisen! 15,12 Und wieder sagt Jesaja: `Es wird sein die Wurzel Jesses, und der da aufsteht, über die

Nationen zu herrschen - auf den werden die Nationen hoffen. 15,131 Der Gott der Hoffnung aber

erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr überreich seiet in der Hoffnung

durch die Kraft des Heiligen Geistes!

Rechtfertigung des Briefes.

15,14 Ich bin aber, meine Brüder, auch selbst im Blick auf euch überzeugt, daß auch ihr selbst voll

Güte seid, erfüllt mit aller Erkenntnis, fähig, auch einander zu ermahnen. 15,15 Ich habe aber zum Teil

euch etwas kühn geschrieben, um euch zu erinnern wegen der mir von Gott verliehenen Gnade, 15,16

ein Diener Christi Jesu zu sein für die Nationen, der priesterlich am Evangelium Gottes dient, damit

das Opfer der Nationen angenehm werde, geheiligt durch den Heiligen Geist. 15,17 Ich habe also in

Christus Jesus etwas zum Rühmen in den Dingen vor Gott. 15,18 Denn ich werde nicht wagen, etwas

von dem zu reden, was Christus nicht durch mich gewirkt hat zum Gehorsam der Nationen durch Wort

und Werk, 15,19 in der Kraft der Zeichen und Wunder, in der Kraft des Geistes, so daß ich von

Jerusalem und ringsumher bis nach Illyrien das Evangelium des Christus völlig verkündigt habe. 15,20

So aber setze ich meine Ehre darein, das Evangelium zu predigen, nicht da, wo Christus genannt

worden ist, damit ich nicht auf eines anderen Grund baue; 15,21 sondern wie geschrieben steht:

`Denen nicht von ihm verkündigt wurde, die sollen sehen, und die nicht gehört haben, sollen

verstehen.

Reisepläne des Apostels - Ankündigung

seines Besuches in Rom.

15,22 Deshalb bin ich auch oftmals verhindert worden, zu euch zu kommen. 15,23 Nun aber, da ich in

diesen Gegenden keinen Raum mehr habe und seit vielen Jahren ein großes Verlangen, zu euch zu

kommen, 15,24 falls ich nach Spanien reise - denn ich hoffe, auf der Durchreise euch zu sehen und

von euch dorthin geleitet zu werden, wenn ich euch vorher etwas genossen habe -, 15,25 nun aber reise

ich nach Jerusalem im Dienst für die Heiligen. 15,26 Denn es hat Mazedonien und Achaja

wohlgefallen, eine Beisteuer zu leisten für die Bedürftigen unter den Heiligen, die in Jerusalem sind.

15,27 Es hat ihnen nämlich wohlgefallen, auch sind sie ihre Schuldner. Denn wenn die Nationen ihrer

geistlichen [Güter] teilhaftig geworden sind, so sind sie verpflichtet, ihnen auch in den leiblichen zu

dienen. 15,28 Wenn ich dies nun vollbracht und diese Frucht ihnen versiegelt habe, so will ich über

euch nach Spanien reisen. 15,29 Ich weiß aber, daß, wenn ich zu euch komme, ich in der Fülle des

Segens Christi kommen werde. 15,30 Ich ermahne euch aber, Brüder, durch unseren Herrn Jesus

Christus und durch die Liebe des Geistes, mit mir zu kämpfen in den Gebeten für mich zu Gott, 15,31

damit ich von den Ungehorsamen in Judäa errettet werde und mein Dienst für Jerusalem den Heiligen

angenehm sei; 15,32 damit ich durch den Willen Gottes mit Freuden zu euch komme und mich mit

euch erquicke. 15,33 Der Gott des Friedens aber sei mit euch allen! Amen.

Empfehlungen, Grüße und Warnungen.

Kapitel 16

16,1 Ich empfehle euch aber unsere Schwester Phöbe, die eine Dienerin der Gemeinde in Kenchreä ist,

16,2 damit ihr sie im Herrn aufnehmt, der Heiligen würdig, und ihr beisteht, worin immer sie euch

braucht; denn auch sie ist vielen ein Beistand gewesen, auch mir selbst. 16,3 Grüßt Priska und Aquila,

meine Mitarbeiter in Christus Jesus, 16,4 - die für mein Leben ihren eigenen Hals preisgegeben haben,

denen nicht allein ich danke, sondern auch alle Gemeinden der Nationen -, 16,5 und die Gemeinde in

ihrem Haus. Grüßt Epänetus, meinen Geliebten, welcher der Erstling Asiens ist für Christus. 16,6

Grüßt Maria, die viel für euch gearbeitet hat. 16,7 Grüßt Andronikus und Junias, meine Verwandten

und meine Mitgefangenen, die unter den Aposteln ausgezeichnet sind, die schon vor mir in Christus

waren. 16,8 Grüßt Ampliatus,

meinen Geliebten im Herrn. 16,9 Grüßt Urbanus, unseren Mitarbeiter in Christus, und Stachys, meinen

Geliebten. 16,10 Grüßt Apelles, den Bewährten in Christus. Grüßt die vom [Haus des] Aristobul.

16,11 Grüßt Herodion, meinen Verwandten. Grüßt die vom [Haus des] Narzissus, die im Herrn sind.

16,12 Grüßt Tryphäna und Tryphosa, die im Herrn arbeiten. Grüßt Persis, die Geliebte, die viel

gearbeitet hat im Herrn. 16,13 Grüßt Rufus, den Auserwählten im Herrn, und seine und meine Mutter.

16,14 Grüßt Asynkritus, Phlegon, Hermes, Patrobas, Hermas und die Brüder bei ihnen. 16,15 Grüßt

Philologus und Julia, Nereus und seine Schwester und Olympas und alle Heiligen bei ihnen. 16,161

Grüßt einander mit heiligem Kuß. Es grüßen euch alle Gemeinden des Christus.

16,17 Ich ermahne euch aber, Brüder, daß ihr achthabt auf die, welche entgegen der Lehre, die ihr

gelernt habt, Parteiungen und Ärgernisse anrichten, und wendet euch von ihnen ab. 16,18 Denn solche

dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durch süße Worte und

schöne Reden verführen sie die Herzen der Arglosen. 16,19 Denn [die Kunde von] eurem Gehorsam

ist zu allen gekommen. Daher freue ich mich euretwegen; ich will aber, daß ihr weise seid zum Guten,

doch einfältig zum Bösen. 16,20 Der Gott des Friedens aber wird in kurzem den Satan unter euren

Füßen zertreten. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch!

16,21 Es grüßen euch Timotheus, mein Mitarbeiter, und Lucius und Jason und Sosipater, meine

Verwandten.

16,22 Ich, Tertius, der ich den Brief geschrieben habe, grüße euch im Herrn. 16,23 Es grüßt euch

Gajus, mein und der ganzen Gemeinde Wirt. Es grüßen euch Erastus, der Schatzmeister, und der

Bruder Quartus.(16,24)

Lobpreis Gottes.

16,25 Dem aber, der euch zu befestigen vermag nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus

Christus, der nach der Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war,

16,26 jetzt aber geoffenbart und durch prophetische Schriften nach Befehl des ewigen Gottes zum

Glaubensgehorsam an alle Nationen bekanntgemacht worden ist, 16,27 dem allein weisen Gott durch

Jesus Christus, ihm sei die Herrlichkeit in alle Ewigkeit! Amen.

Der erste Brief an die Korinther.

Verfasser, Empfänger und Gruß.

Kapitel 1

1,1 Paulus, berufener Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Sosthenes, der Bruder, 1,2 an die

Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen, samt

allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres [Herrn].

1,3 Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Dank für die den Korinthern zuteil

gewordene Gnade.

1,4 Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus

Jesus: 1,5 In ihm seid ihr in allem reich gemacht worden, in allem Wort und aller Erkenntnis, 1,6 wie

denn das Zeugnis des Christus unter euch befestigt worden ist. 1,7 Daher habt ihr an keiner

Gnadengabe Mangel, während ihr das Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus erwartet, 1,8 der

euch auch befestigen wird bis ans Ende, daß ihr untadelig seid an dem Tag unseres Herrn Jesus

Christus. 1,9 Gott ist treu, durch den ihr berufen worden seid in die Gemeinschaft seines Sohnes Jesus

Christus, unseres Herrn.

Warnung vor Parteisucht und falsch

verstandener Weisheit.

1,10 Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, daß ihr alle

einerlei Rede führt und nicht Spaltungen unter euch seien, sondern daß ihr in demselben Sinn und in

derselben Meinung völlig zusammengefügt seiet. 1,11 Denn es ist mir durch die [Hausgenossen] der

Chloe über euch bekannt geworden, meine Brüder, daß Streitigkeiten unter euch sind. 1,12 Ich meine

aber dies, daß jeder von euch sagt: ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich

aber Christi. 1,13 Ist der Christus zerteilt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt, oder seid ihr auf des

Paulus Namen getauft worden? 1,14 Ich danke Gott, daß ich niemand von euch getauft habe, außer

Krispus und Gajus, 1,15 damit nicht jemand sage, ihr seiet auf meinen Namen getauft worden. 1,16

Ich habe aber auch das Haus des Stephanas getauft; sonst weiß ich nicht, ob ich noch jemand getauft

habe. 1,17 Denn Christus hat mich nicht ausgesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu

verkündigen: nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz Christi zunichte gemacht werde. 1,18

Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist

es Gottes Kraft. 1,19 Denn es steht geschrieben: `Ich will die Weisheit der Weisen vernichten, und

den Verstand der Verständigen will ich verwerfen. 1,20 Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter?

Wo ein Wortstreiter dieses Zeitalters? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? 1,21

Denn weil ja in der Weisheit Gottes die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte, hat es Gott

wohlgefallen, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu erretten. 1,22 Denn während Juden

Zeichen fordern und Griechen Weisheit suchen, 1,23 predigen wir Christus als gekreuzigt, den Juden

ein Ärgernis und den Nationen eine Torheit; 1,24 den Berufenen selbst aber, Juden wie Griechen,

Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 1,25 Denn das Törichte Gottes ist weiser als die

Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen. 1,26 Denn seht, eure Berufung,

Brüder, daß es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; 1,27

sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das

Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache. 1,28 Und das Unedle

der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte

mache, 1,29 daß sich vor Gott kein Fleisch rühme. 1,30 Aus ihm aber [kommt es, daß] ihr in Christus

Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung;

1,31 damit, wie geschrieben steht: `Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!

Der Apostel predigt die Weisheit Gottes.

Kapitel 2

2,1 Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht, um euch mit Vortrefflichkeit der Rede oder

Weisheit das Geheimnis Gottes zu verkündigen. 2,2 Denn ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch

zu wissen, als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt. 2,3 Und ich war bei euch in Schwachheit

und mit Furcht und in vielem Zittern; 2,4 und meine Rede und meine Predigt [bestand] nicht in

überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, 2,5 damit euer

Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhe.

2,6 Wir reden aber Weisheit unter den Vollkommenen, jedoch nicht Weisheit dieses Zeitalters, noch

der Fürsten dieses Zeitalters, die zunichte werden, 2,7 sondern wir reden Gottes Weisheit in einem

Geheimnis, die verborgene, die Gott vorherbestimmt hat, vor den Zeitaltern, zu unserer Herrlichkeit.

2,8 Keiner von den Fürsten dieser Welt hat sie erkannt - denn wenn sie [sie] erkannt hätten, so würden

sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben -, 2,9 sondern wie geschrieben steht: `Was

kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott

denen bereitet hat, die ihn lieben. 2,10 Uns aber hat Gott es geoffenbart durch den Geist, denn der

Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes. 2,11 Denn wer von den Menschen weiß, was im

Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So hat auch niemand erkannt, was in

Gott ist, als nur der Geist Gottes. 2,12 Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern

den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind. 2,13 Davon

reden wir auch, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in [Worten], gelehrt

durch den Geist, indem wir Geistliches durch Geistliches deuten. 2,14 Ein natürlicher Mensch aber

nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht

erkennen, weil es geistlich beurteilt wird. 2,15 Der geistliche dagegen beurteilt zwar alles, er selbst

jedoch wird von niemand beurteilt. 2,16 Denn `wer hat den Sinn des Herrn erkannt, daß er ihn

unterweisen könnte? Wir aber haben Christi Sinn.

Erneute Warnung vor Parteisucht -

Dienende Stellung der Lehrer in der

Gemeinde als Mitarbeiter Gottes.

Kapitel 3

3,1 Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als

zu Unmündigen in Christus. 3,2 Ich habe euch Milch zu trinken gegeben, nicht feste Speise; denn ihr

vermochtet es noch nicht. Ihr vermögt es aber auch jetzt noch nicht, 3,3 denn ihr seid noch fleischlich.

Denn da Eifersucht und Streit unter euch ist: Seid ihr nicht fleischlich und wandelt nach

Menschenweise? 3,4 Denn wenn einer sagt: Ich bin des Paulus, der andere aber: Ich des Apollos - seid

ihr nicht menschlich? 3,5 Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Diener, durch die ihr gläubig

geworden seid, und zwar wie der Herr einem jeden gegeben hat.

3,6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Wachstum gegeben. 3,7 So ist weder

der da pflanzt, etwas, noch der da begießt, sondern Gott, der das Wachstum gibt. 3,8 Der aber pflanzt

und der begießt, sind eins; jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen

Arbeit. 3,9 Denn Gottes Mitarbeiter sind wir; Gottes Ackerfeld, Gottes Bau seid ihr. 3,10 Nach der

Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer

aber baut darauf; jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. 3,11 Denn einen anderen Grund kann

niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 3,12 Wenn aber jemand auf den

Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, 3,13 so wird das Werk eines jeden

offenbar werden, denn der Tag wird es klarmachen, weil er in Feuer geoffenbart wird. Und wie das

Werk eines jeden beschaffen ist, wird das Feuer erweisen. 3,14 Wenn jemandes Werk bleiben wird,

das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen; 3,15 wenn jemandes Werk verbrennen wird, so

wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer. 3,16 Wißt ihr

nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? 3,17 Wenn jemand den Tempel

Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.

3,18 Niemand betrüge sich selbst! Wenn jemand unter euch meint, weise zu sein in dieser Welt, so

werde er töricht, damit er weise werde. 3,19 Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott; denn

es steht geschrieben: `Der die Weisen fängt in ihrer List. 3,20 Und wieder: `Der Herr kennt die

Überlegungen der Weisen, daß sie nichtig sind. 3,21 So rühme sich denn niemand [im Blick auf]

Menschen, denn alles ist euer. 3,22 Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben

oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges: alles ist euer, 3,23 ihr aber seid Christi, Christus

aber ist Gottes.

Die Apostel sind Vorbilder im Dienst

und Leiden für Christus.

Kapitel 4

4,1 Dafür halte man uns: für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. 4,2 Übrigens

sucht man hier an den Verwaltern, daß einer treu erfunden werde. 4,3 Mir aber ist es das Geringste,

daß ich von euch oder von einem menschlichen [Gerichts-]Tag beurteilt werde; ich beurteile mich

aber auch selbst nicht. 4,4 Denn ich bin mir selbst nichts bewußt, aber dadurch bin ich nicht

gerechtfertigt. Der mich aber beurteilt, ist der Herr. 4,5 So verurteilt nichts vor der Zeit, bis der Herr

kommt, der auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Absichten der Herzen

offenbaren wird; und dann wird jedem sein Lob werden von Gott.

4,6 Dies aber, Brüder, habe ich auf mich und Apollos bezogen um euretwillen, damit ihr an uns lernt,

nicht über das hinaus [zu denken], was geschrieben ist, damit ihr euch nicht aufbläht für den einen

gegen den anderen. 4,7 Denn wer gibt dir einen Vorrang? Was aber hast du, das du nicht empfangen

hast? Wenn du es aber auch empfangen hast, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?

4,8 Schon seid ihr satt, schon seid ihr reich geworden; ihr seid ohne uns zur Herrschaft gekommen.

Oh, daß ihr doch [wirklich] zur Herrschaft gekommen wäret, damit auch wir mit euch herrschen

könnten! 4,9 Denn mir scheint, daß Gott uns, die Apostel, als die Letzten hingestellt hat, wie zum Tod

bestimmt; denn wir sind der Welt ein Schauspiel geworden, sowohl Engeln als Menschen. 4,10 Wir

sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christus; wir schwach, ihr aber stark; ihr geehrt,

wir aber verachtet. 4,11 Bis zur jetzigen Stunde leiden wir sowohl Hunger als Durst und sind nackt

und werden mit Fäusten geschlagen und haben keine bestimmte Wohnung 4,12 und mühen uns ab und

arbeiten mit unseren eigenen Händen. Geschmäht, segnen wir; verfolgt, dulden wir; 4,13 gelästert,

reden wir gut zu; wie Auskehricht der Welt sind wir geworden, ein Abschaum aller bis jetzt. 4,14

Nicht um euch zu beschämen, schreibe ich dies, sondern ich ermahne euch als meine geliebten

Kinder. 4,15 Denn wenn ihr zehntausend Zuchtmeister in Christus hättet, so doch nicht viele Väter;

denn in Christus Jesus habe ich euch gezeugt durch das Evangelium. 4,16 Ich bitte euch nun, seid

meine Nachahmer!

4,17 Deshalb habe ich euch Timotheus gesandt, der mein geliebtes und treues Kind im Herrn ist; der

wird euch erinnern an meine Wege in Christus, wie ich überall in jeder Gemeinde lehre. 4,18 Einige

aber sind aufgeblasen, als ob ich nicht zu euch kommen würde. 4,19 Ich werde aber bald zu euch

kommen, wenn der Herr will, und werde nicht das Wort, sondern die Kraft der Aufgeblasenen

kennenlernen. 4,20 Denn das Reich Gottes [besteht] nicht im Wort, sondern in Kraft. 4,21 Was wollt

ihr? Soll ich mit der Rute zu euch kommen oder in Liebe und im Geist der Sanftmut?

Gemeindezucht gegen Sünde in der

Gemeinde.

Kapitel 5

5,1 Überhaupt hört man, daß Unzucht unter euch sei, und [zwar] eine solche Unzucht, die selbst unter

den Nationen nicht [stattfindet]: daß einer seines Vaters Frau habe. 5,2 Und ihr seid aufgeblasen und

habt nicht vielmehr Leid getragen, damit der, welcher diese Tat begangen hat, aus eurer Mitte

hinweggetan würde! 5,3 Denn ich, zwar dem Leibe nach abwesend, aber im Geiste anwesend, habe

schon als anwesend das Urteil gefällt über den, der dieses so verübt hat, 5,4 - wenn ihr und mein Geist

mit der Kraft unseres Herrn Jesus versammelt seid - 5,5 einen solchen im Namen unseres Herrn Jesus

dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tage des

Herrn. 5,6 Euer Rühmen ist nicht gut. Wißt ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig

durchsäuert? 5,7 Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja bereits

ungesäuert seid. Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet. 5,8 Darum laßt uns Festfeier

halten, nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern

mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit.

5,9 Ich habe euch in dem Brief geschrieben, nicht mit Unzüchtigen Umgang zu haben; 5,10 nicht

durchaus mit den Unzüchtigen dieser Welt oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern,

sonst müßtet ihr ja aus der Welt hinausgehen. 5,11 Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen

Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Unzüchtiger ist oder ein Habsüchtiger

oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen

nicht einmal zu essen. 5,12 Denn was habe ich zu richten, die draußen sind? Richtet ihr nicht, die

drinnen sind? 5,13 Die aber draußen sind, richtet Gott. Tut den Bösen von euch selbst hinaus!

Rechtsstreit unter Gemeindegliedern

gehört nicht vor Gericht.

Kapitel 6

6,1 Bringt es jemand von euch, der einen Rechtsstreit mit dem anderen hat, über sich, vor den

Ungerechten zu streiten, und nicht vor den Heiligen? 6,2 Oder wißt ihr nicht, daß die Heiligen die

Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet wird, seid ihr dann nicht würdig, über

die geringsten Dinge zu richten? 6,3 Wißt ihr nicht, daß wir Engel richten werden, wievielmehr [über]

Alltägliches? 6,4 Wenn ihr nun über alltägliche Dinge Rechtshändel habt, so setzt ihr die [zu

Richtern] ein, die in der Gemeinde nichts gelten?

6,5 Zur Beschämung sage ich es euch. Also nicht ein Weiser ist unter euch, auch nicht einer, der

zwischen Bruder und Bruder entscheiden kann? 6,6 sondern es streitet Bruder mit Bruder, und das vor

Ungläubigen! 6,7 Es ist nun schon überhaupt ein Fehler an euch, daß ihr Rechtshändel miteinander

habt. Warum laßt ihr euch nicht lieber unrecht tun? Warum laßt ihr euch nicht lieber übervorteilen?

6,8 Sondern ihr selbst tut unrecht und übervorteilt, und das Brüdern gegenüber! 6,9 Oder wißt ihr

nicht, daß Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige, noch

Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Wollüstlinge, noch Knabenschänder, 6,10 noch Diebe, noch

Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. 6,11

Und das sind manche von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr

seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes.

Warnung vor Unzucht.

6,12 Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von

nichts beherrschen lassen. 6,13 Die Speisen [sind] für den Bauch und der Bauch für die Speisen; Gott

aber wird sowohl diesen als jene zunichte machen. Der Leib aber [ist] nicht für die Hurerei, sondern

für den Herrn und der Herr für den Leib. 6,14 Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns

auferwecken durch seine Macht. 6,15 Wißt ihr nicht, daß eure Leiber Glieder Christi sind? Soll ich

denn die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Hure machen? Das sei ferne! 6,16 Oder wißt

ihr nicht, daß, wer der Hure anhängt, ein Leib [mit ihr] ist? `Denn es werden, heißt es, `die zwei ein

Fleisch sein. 6,17 Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist [mit ihm]. 6,18 Flieht die Unzucht! Jede

Sünde, die ein Mensch begehen mag, ist außerhalb des Leibes; wer aber Unzucht treibt, sündigt gegen

den eigenen Leib. 6,19 Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist,

den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört? 6,20 Denn ihr seid um einen Preis erkauft

worden; verherrlicht nun Gott mit eurem Leib.

Verhalten in der Ehe.

Kapitel 7

7,1 Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrieben habt, so ist es gut für einen Menschen, keine

Frau zu berühren. 7,2 Aber um der Unzucht willen habe jeder seine eigene Frau, und jede habe ihren

eigenen Mann. 7,3 Der Mann leiste der Frau die [eheliche] Pflicht, ebenso aber auch die Frau dem

Mann. 7,4 Die Frau verfügt nicht über ihren eigenen Leib, sondern der Mann; ebenso aber verfügt

auch der Mann nicht über seinen eigenen Leib, sondern die Frau. 7,5 Entzieht euch einander nicht, es

sei denn nach Übereinkunft eine Zeitlang, damit ihr euch dem Gebet widmet und dann wieder

zusammen seid, damit der Satan euch nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt. 7,6 Dies

aber sage ich als Zugeständnis, nicht als Befehl. 7,7 Ich wünsche aber, alle Menschen wären wie ich;

doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.

7,8 Ich sage aber den Unverheirateten und den Witwen: es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. 7,9

Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten, denn es ist besser, zu heiraten, als

[vor Verlangen] zu brennen.

Über Ehescheidung.

7,10 Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, daß eine Frau sich nicht vom Mann

scheiden lassen soll 7,11 - wenn sie aber doch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder

versöhne sich mit dem Mann - und daß ein Mann seine Frau nicht entlasse.

7,12 Den übrigen aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Bruder eine ungläubige Frau hat und sie

willigt ein, bei ihm zu wohnen, so entlasse er sie nicht. 7,13 Und eine Frau, die einen ungläubigen

Mann hat, und er willigt ein, bei ihr zu wohnen, entlasse den Mann nicht. 7,14 Denn der ungläubige

Mann ist durch die Frau geheiligt und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt; sonst wären

ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig. 7,15 Wenn aber der Ungläubige sich scheidet, so

scheide er sich. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen [Fällen] nicht geknechtet; zum Frieden

hat uns Gott doch berufen. 7,16 Denn was weißt du, Frau, ob du den Mann erretten wirst? Oder was

weißt du, Mann, ob du die Frau erretten wirst?

Bedeutungslosigkeit des Standes für

die Berufung durch Gott.

7,17 Doch wie der Herr einem jeden zugeteilt hat, wie Gott einen jeden berufen hat, so wandle er; und

so verordne ich es in allen Gemeinden. 7,18 Ist jemand beschnitten berufen worden, so bleibe er bei

der Beschneidung; ist jemand unbeschnitten berufen worden, so lasse er sich nicht beschneiden. 7,19

Die Beschneidung ist nichts, und das Unbeschnittensein ist nichts, sondern das Halten der Gebote

Gottes. 7,20 Jeder bleibe in dem Stand, in dem er berufen worden ist. 7,21 Bist du als Sklave berufen

worden, so laß es dich nicht kümmern; wenn du aber auch frei werden kannst, mach um so lieber

Gebrauch davon. 7,22 Denn der als Sklave im Herrn Berufene ist ein Freigelassener des Herrn;

ebenso ist der als Freier Berufene ein Sklave Christi. 7,23 Ihr seid um einen Preis erkauft; werdet

nicht Sklaven von Menschen. 7,24 Worin jeder berufen worden ist, Brüder, darin soll er vor Gott

bleiben.

Über die Unverheirateten.

7,25 Über die Jungfrauen aber habe ich kein Gebot des Herrn; ich gebe aber eine Meinung als einer,

der vom Herrn die Barmherzigkeit empfangen hat, vertrauenswürdig zu sein. 7,26 Ich meine nun, daß

dies um der gegenwärtigen Not willen gut ist, daß es für einen Menschen gut ist, so zu sein. 7,27 Bist

du an eine Frau gebunden, so suche nicht los zu werden; bist du frei von einer Frau, so suche keine

Frau. 7,28 Wenn du aber doch heiratest, so sündigst du nicht; und wenn die Jungfrau heiratet, so

sündigt sie nicht; aber solche werden Trübsal für das Fleisch haben; ich aber schone euch. 7,29 Dies

aber sage ich, Brüder: Die Zeit ist begrenzt: daß künftig die, die Frauen haben, seien, als hätten sie

keine, 7,30 und die Weinenden, als weinten sie nicht, und die sich Freuenden, als freuten sie sich

nicht, und die Kaufenden, als behielten sie es nicht, 7,31 und die die Welt Nutzenden, als benutzten

sie sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht. 7,32 Ich will aber, daß ihr ohne Sorge seid. Der

Unverheiratete ist für die [Sache] des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen möge; 7,33 der

Verheiratete aber ist um die [Dinge] der Welt besorgt, wie er der Frau gefallen möge, 7,34 und [so] ist

er geteilt. Die unverheiratete Frau und die Jungfrau ist für die [Sache] des Herrn besorgt, damit sie

heilig sei an Leib und Geist; die Verheiratete aber ist für die [Sache] der Welt besorgt, wie sie dem

Mann gefallen möge. 7,35 Dies aber sage ich zu eurem eigenen Nutzen, nicht, um euch eine Schlinge

überzuwerfen, sondern damit ihr ehrbar und beständig ohne Ablenkung beim Herrn bleibt. 7,36 Wenn

aber jemand denkt, er handle ungeziemend mit seiner Jungfrau, wenn er in der Vollkraft steht, und es

muß so geschehen, so tue er, was er will; er sündigt nicht; sie sollen heiraten. 7,37 Wer aber im

Herzen feststeht und keine Not, sondern Macht hat über seinen eigenen Willen und dies in seinem

Herzen beschlossen hat, seine Jungfrau zu bewahren, der handelt gut. 7,38 Also, wer seine Jungfrau

heiratet, handelt gut, und wer [sie] nicht heiratet, wird besserhandeln. 7,39 Eine Frau ist gebunden,

solange ihr Mann lebt; wenn aber der Mann entschlafen ist, so ist sie frei, sich zu verheiraten, an wen

sie will, nur im Herrn [muß es geschehen]. 7,40 Glückseliger ist sie aber, wenn sie so bleibt, nach

meiner Meinung; ich denke aber, daß auch ich Gottes Geist habe.

Rücksicht auf die Schwachen beim

Essen von Götzenopferfleisch.

Kapitel 8

8,1 Was aber das Götzenopferfleisch betrifft, so wissen wir, daß wir alle Erkenntnis haben. Die

Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut. 8,2 Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, so hat er

noch nicht erkannt, wie man erkennen soll; 8,3 wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt.

8,4 Was nun das Essen von Götzenopferfleisch betrifft, so wissen wir, daß es keinen Götzen in der

Welt gibt und daß kein Gott ist als nur einer . 8,5 Denn wenn es auch sogenannte Götter gibt im

Himmel oder auf Erden - wie es ja viele Götter und viele Herren gibt -, 8,6 so ist doch für uns ein

Gott, der Vater, von dem alle Dinge sind und wir auf ihn hin, und ein Herr, Jesus Christus, durch den

alle Dinge sind und wir durch ihn. 8,7 Die Erkenntnis aber ist nicht in allen, sondern manche essen es,

da sie bis jetzt an den Götzen gewöhnt waren, als Götzenopferfleisch, und ihr Gewissen, da es

schwach ist, wird befleckt. 8,8 Speise aber macht uns nicht angenehm vor Gott; weder sind wir, wenn

wir nicht essen, geringer, noch sind wir, wenn wir essen, besser. 8,9 Seht aber zu, daß nicht etwa diese

eure Freiheit den Schwachen zum Anstoß werde. 8,10 Denn wenn jemand dich, der du Erkenntnis

hast, im Götzentempel zu Tisch liegen sieht, wird nicht sein Gewissen, da er schwach ist, bestärkt

werden, die Götzenopfer zu essen? 8,11 Und durch deine Erkenntnis kommt der Schwache um, der

Bruder, um dessentwillen Christus gestorben ist. 8,12 Wenn ihr aber so gegen die Brüder sündigt und

ihr schwaches Gewissen verletzt, so sündigt ihr gegen Christus. 8,13 Darum, wenn eine Speise

meinem Bruder Ärgernis gibt, so will ich in Ewigkeit überhaupt kein Fleisch essen, damit ich meinem

Bruder kein Ärgernis gebe.

Anspruch der Diener Gottes auf

Unterhalt - Des Apostels Verzicht

darauf.

Kapitel 9

9,1 Bin ich nicht frei? Bin ich nicht Apostel? Habe ich nicht Jesus, unseren Herrn, gesehen? Seid nicht

ihr mein Werk im Herrn? 9,2 Wenn ich für andere kein Apostel bin, so bin ich es doch für euch; denn

das Siegel meines Apostelamtes seid ihr im Herrn. 9,3 Meine Verteidigung vor denen, die mich zur

Untersuchung ziehen, ist diese: 9,4 Haben wir etwa kein Recht, zu essen und zu trinken? 9,5 Haben

wir etwa kein Recht, eine Schwester als Frau mitzunehmen wie die übrigen Apostel und die Brüder

des Herrn und Kephas? 9,6 Oder haben allein ich und Barnabas kein Recht, nicht zu arbeiten? 9,7 Wer

tut jemals Kriegsdienste auf eigenen Sold? Wer pflanzt einen Weinberg und ißt dessen Frucht nicht?

Oder wer hütet eine Herde und ißt nicht von der Milch der Herde? 9,8 Rede ich dies etwa nach

Menschen[weise], oder sagt das nicht auch das Gesetz? 9,9 Denn in dem Gesetz Moses steht

geschrieben: `Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden. Ist Gott etwa um die

Ochsen besorgt? 9,10 Oder spricht er [nicht] durchaus um unseretwillen? Denn es ist um

unseretwillen geschrieben, daß der Pflüger auf Hoffnung pflügen und der Dreschende [dreschen] soll

auf Hoffnung, [am Ertrag] teilzuhaben. 9,11 Wenn wir euch das Geistliche gesät haben, was ist es da

Großes, wenn wir von euch das Irdische ernten? 9,12 Wenn andere an dem Verfügungsrecht über

euch Anteil haben, nicht erst recht wir? Wir haben aber von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht,

sondern wir ertragen alles, damit wir dem Evangelium Christi kein Hindernis bereiten. 9,13 Wißt ihr

nicht, daß die, welche die heiligen Dienste tun, aus dem Tempel essen, daß die, welche am Altar tätig

sind, Anteil am Altar haben? 9,14 So hat auch der Herr denen, die das Evangelium verkündigen,

verordnet, vom Evangelium zu leben. 9,15 Ich aber habe von keinem dieser Dinge Gebrauch gemacht.

Ich habe dies jedoch nicht geschrieben, damit es so mit mir geschehe; denn es wäre mir besser, zu

sterben als - meinen Ruhm soll mir niemand zunichte machen. 9,16 Denn wenn ich das Evangelium

verkündige, so habe ich keinen Ruhm, denn ein Zwang liegt auf mir; denn wehe mir, wenn ich das

Evangelium nicht verkündigte! 9,17 Wenn ich dies nämlich freiwillig tue, so habe ich Lohn [zu

erwarten], wenn aber unfreiwillig, so bin ich [nur] mit einer Verwaltung betraut. 9,18 Was ist nun

mein Lohn? Daß ich bei meiner Verkündigung das Evangelium kostenfrei mache, so daß ich von

meinem Recht am Evangelium keinen Gebrauch mache.

Der Apostel als aller Menschen Sklave

und als Wettkämpfer.

9,19 Denn obwohl ich allen gegenüber frei bin, habe ich mich allen zum Sklaven gemacht, damit ich

immer mehr gewinne. 9,20 Und ich bin den Juden wie ein Jude geworden, damit ich die Juden

gewinne; denen, die unter Gesetz sind, wie einer unter Gesetz - obwohl ich selbst nicht unter Gesetz

bin -, damit ich die, welche unter Gesetz sind, gewinne; 9,21 denen, die ohne Gesetz sind, wie einer

ohne Gesetz - obwohl ich nicht ohne Gesetz vor Gott bin, sondern unter dem Gesetz Christi -, damit

ich die, welche ohne Gesetz sind, gewinne. 9,22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden,

damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige

errette. 9,23 Ich tue aber alles um des Evangeliums willen, um an ihm Anteil zu bekommen.

9,24 Wißt ihr nicht, daß die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber einer den Preis

empfängt? Lauft so, daß ihr ihn erlangt. 9,25 Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem; jene

freilich, damit sie einen vergänglichen Siegeskranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. 9,26

Ich laufe nun so, nicht wie ins Ungewisse; ich kämpfe so, nicht wie einer, der in die Luft schlägt; 9,27

sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt,

selbst verwerflich werde.

Warnung vor sündiger Lust.

Kapitel 10

10,1 Denn ich will nicht, daß ihr in Unkenntnis darüber seid, Brüder, daß unsere Väter alle unter der

Wolke waren und alle durch das Meer hindurchgegangen sind 10,2 und alle in der Wolke und im

Meer auf Mose getauft wurden 10,3 und alle dieselbe geistliche Speise aßen 10,4 und alle denselben

geistlichen Trank tranken; denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der [sie] begleitete. Der Fels

aber war der Christus. 10,5 An den meisten von ihnen aber hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie

sind in der Wüste hingestreckt worden. 10,6 Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen,

damit uns nicht nach bösen Dingen gelüstet, wie es jene gelüstete. 10,7 Werdet auch nicht

Götzendiener wie einige von ihnen, wie geschrieben steht: `Das Volk setzte sich nieder, zu essen und

zu trinken, und sie standen auf, zu spielen. 10,8 Auch laßt uns nicht Unzucht treiben, wie einige von

ihnen Unzucht trieben und es fielen an einem Tag dreiundzwanzigtausend. 10,9 Laßt uns auch den

Christus nicht versuchen, wie einige von ihnen ihn versuchten und von den Schlangen umgebracht

wurden. 10,10 Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten und von dem Verderber umgebracht

wurden. 10,11 Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung

für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist. 10,12 Daher, wer zu stehen meint, sehe zu, daß

er nicht falle. 10,13 Keine Versuchung hat euch ergriffen als nur eine menschliche; Gott aber ist treu,

der nicht zulassen wird, daß ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung

auch den Ausgang schaffen wird, so daß ihr sie ertragen könnt.

Warnung vor Götzendienst im Blick auf

den Tisch des Herrn.

10,14 Darum, meine Geliebten, flieht den Götzendienst. 10,15 Ich rede als zu Verständigen; beurteilt

ihr, was ich sage. 10,16 Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht [die] Gemeinschaft des

Blutes des Christus? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht [die] Gemeinschaft des Leibes des

Christus? 10,17 Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen

Brot. 10,18 Seht auf das Israel nach dem Fleisch. Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in

Gemeinschaft mit dem Altar? 10,19 Was sage ich nun? Daß das einem Götzen Geopferte etwas sei?

Oder daß ein Götzenbild etwas sei? 10,20 [Nein], sondern daß das, was sie opfern, sie den Dämonen

opfern und nicht Gott. Ich will aber nicht, daß ihr Gemeinschaft habt mit den Dämonen. 10,21 Ihr

könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch; ihr könnt nicht am Tisch des Herrn

teilnehmen und am Tisch der Dämonen. 10,22 Oder wollen wir den Herrn zur Eifersucht reizen? Sind

wir etwa stärker als er?

Mahnung zum rechten Gebrauch der

Freiheit beim Essen des

Götzenopferfleisches.

10,23 Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist nützlich; alles ist erlaubt, aber nicht alles erbaut. 10,24

Niemand suche das Seine, sondern das des anderen. 10,25 Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft

wird, eßt, ohne es um des Gewissens willen zu untersuchen. 10,26 Denn `die Erde ist des Herrn und

ihre Fülle. 10,27 Wenn jemand von den Ungläubigen euch einladet, und ihr wollt hingehen, so eßt

alles, was euch vorgesetzt wird, ohne es um des Gewissens willen zu untersuchen. 10,28 Wenn aber

jemand zu euch sagt: Dies ist Opferfleisch, so eßt nicht, um jenes willen, der es anzeigt, und um des

Gewissens willen; 10,29 ich meine aber nicht das eigene Gewissen, sondern das des anderen. Denn

warum wird meine Freiheit von einem anderen Gewissen beurteilt? 10,30 Wenn ich mit Danksagung

teilnehme, warum werde ich geschmäht für das, wofür ich danksage? 10,31 Ob ihr nun eßt oder trinkt

oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes. 10,32 Seid unanstößig, sowohl für Juden als auch für

Griechen als auch für die Gemeinde Gottes; 10,33 wie auch ich in allen Dingen allen zu gefallen

strebe, dadurch daß ich nicht meinen Vorteil suche, sondern den der vielen, daß sie errettet werden.

Kapitel 11

11,1 Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi [Nachahmer bin]!

Mahnung zum rechten Verhalten beim

Gebet.

11,2 Ich lobe euch aber, daß ihr in allem meiner gedenkt und die Überlieferungen, wie ich sie euch

überliefert habe, festhaltet. 11,3 Ich will aber, daß ihr wißt, daß der Christus das Haupt eines jeden

Mannes ist, das Haupt der Frau aber der Mann, des Christus Haupt aber Gott. 11,4 Jeder Mann, der

betet oder weissagt und [dabei etwas] auf dem Haupt hat, entehrt sein Haupt. 11,5 Jede Frau aber, die

mit unverhülltem Haupt betet oder weissagt, entehrt ihr Haupt; denn sie ist ein und dasselbe wie die

Geschorene. 11,6 Denn wenn eine Frau sich nicht verhüllt, so werde [ihr] auch [das Haar]

abgeschnitten; wenn es aber für eine Frau schändlich ist, daß [ihr das Haar] abgeschnitten oder

geschoren wird, so soll sie sich verhüllen. 11,7 Denn der Mann freilich soll sich das Haupt nicht

verhüllen, da er Gottes Bild und Abglanz ist; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. 11,8 Denn der

Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; 11,9 denn der Mann wurde auch nicht um

der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen. 11,10 Darum soll die Frau eine

Macht auf dem Haupt haben, um der Engel willen. 11,11 Dennoch ist im Herrn weder die Frau ohne

den Mann, noch der Mann ohne die Frau. 11,12 Denn wie die Frau vom Mann ist, so ist auch der

Mann durch die Frau; alles aber von Gott. 11,13 Urteilt bei euch selbst: Ist es anständig, daß eine Frau

unverhüllt zu Gott betet? 11,14 Oder lehrt euch nicht selbst die Natur, daß, wenn ein Mann langes

Haar hat, es eine Schande für ihn ist, 11,15 wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie

ist? Denn das Haar ist ihr anstatt eines Schleiers gegeben. 11,16 Wenn es aber jemand für gut hält,

streitsüchtig zu sein, [so soll er wissen:] wir haben eine derartige Gewohnheit nicht, auch nicht die

Gemeinden Gottes.

Mahnung zum rechten Verhalten beim

Herrenmahl.

11,17 Wenn ich aber folgendes vorschreibe, so lobe ich nicht, daß ihr nicht zum Besseren, sondern

zum Schlechteren zusammenkommt. 11,18 Denn erstens höre ich, daß, wenn ihr in der Gemeinde

zusammenkommt, Spaltungen unter euch sind, und zum Teil glaube ich es. 11,19 Denn es müssen

auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden.

11,20 Wenn ihr nun zusammenkommt, so ist es nicht [möglich], das Herrenmahl zu essen. 11,21

Denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist

betrunken. 11,22 Habt ihr denn nicht Häuser, um zu essen und zu trinken? Oder verachtet ihr die

Gemeinde Gottes und beschämt die, welche nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch

loben? Hierin lobe ich nicht. 11,23 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch

überliefert habe, daß der Herr Jesus in der Nacht, in der er überliefert wurde, Brot nahm, 11,24 und als

er gedankt hatte, es brach und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch ist; dies tut zu meinem

Gedächtnis. 11,25 Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund

in meinem Blut, dies tut, sooft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis. 11,26 Denn sooft ihr dieses Brot eßt

und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. 11,27 Wer also unwürdig das

Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, wird des Leibes und Blutes des Herrn schuldig sein. 11,28

Der Mensch aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch. 11,29

Denn wer ißt und trinkt, ißt und trinkt sich selbst Gericht, wenn er den Leib [des Herrn] nicht [richtig]

beurteilt. 11,30 Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen.

11,31 Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. 11,32 Wenn wir aber vom

Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden.

11,33 Daher, meine Brüder, wenn ihr zusammenkommt, um zu essen, so wartet aufeinander. 11,34

Wenn jemand hungert, der esse daheim, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt. Das übrige

aber will ich anordnen, sobald ich komme.

Die verschiedenen Geistesgaben und

die Einheit des Leibes und seiner

Glieder.

Kapitel 12

12,1 Was aber die geistlichen [Gaben] betrifft, Brüder, so will ich nicht, daß ihr ohne Kenntnis seid.

12,2 Ihr wißt, daß ihr, als ihr zu den Heiden gehörtet, zu den stummen Götzenbildern hingezogen, ja,

fortgerissen wurdet. 12,3 Deshalb tue ich euch kund, daß niemand, der im Geist Gottes redet, sagt:

Fluch über Jesus! und niemand sagen kann: Herr Jesus! außer im Heiligen Geist.

12,4 Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber [es ist] derselbe Geist; 12,5 und es gibt

Verschiedenheiten von Diensten, und [es ist] derselbe Herr; 12,6 und es gibt Verschiedenheiten von

Wirkungen, aber [es ist] derselbe Gott, der alles in allen wirkt. 12,7 Jedem aber wird die Offenbarung

des Geistes zum Nutzen gegeben. 12,8 Dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit

gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist; 12,9 einem anderen aber

Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist,

12,10 einem anderen aber [Wunder-]Kräfte, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber

Unterscheidungen der Geister; einem anderen aber [verschiedene] Arten von Sprachen, einem anderen

aber Auslegung der Sprachen. 12,11 Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem

besonders aus, wie er will. 12,12 Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des

Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind: so auch der Christus. 12,13 Denn in einem Geist sind wir

alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und

sind alle mit einem Geist getränkt worden. 12,14 Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern

viele. 12,15 Wenn der Fuß spräche: Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib: gehört er

deswegen nicht zum Leib? 12,16 Und wenn das Ohr spräche: Weil ich nicht Auge bin, gehöre ich

nicht zum Leib: gehört es deswegen nicht zum Leib? 12,17 Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre

das Gehör? Wenn ganz Gehör, wo der Geruch? 12,18 Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, jedes

einzelne von ihnen am Leib, wie er wollte. 12,19 Wenn aber alles ein Glied wäre, wo wäre der Leib?

12,20 Nun aber sind zwar viele Glieder, aber ein Leib. 12,21 Das Auge kann nicht zur Hand sagen:

Ich brauche dich nicht; oder wieder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht; 12,22 sondern

gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; 12,23 und die uns die

weniger ehrbaren am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit reichlicherer Ehre; und unsere

nichtanständigen haben größere Wohlanständigkeit; 12,24 unsere wohlanständigen aber brauchen es

nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben,

12,25 damit keine Spaltung im Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander hätten. 12,26

Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen

sich alle Glieder mit. 12,27 Ihr aber seid Christi Leib, und einzeln genommen, Glieder. 12,28 Und die

einen hat Gott in der Gemeinde gesetzt erstens zu Aposteln, zweitens [andere] zu Propheten, drittens

zu Lehrern, sodann [Wunder-]Kräfte, sodann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen,

Leitungen, Arten von Sprachen. 12,29 Sind etwa alle Apostel? Alle Propheten? Alle Lehrer? Haben

alle [Wunder-]Kräfte? 12,30 Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Legen

alle aus? 12,31 Eifert aber um die größeren Gnadengaben.

Und einen Weg noch weit darüber

hinaus zeige ich euch:

Das Hohelied der Liebe.

Kapitel 13

13,1 Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich

ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel. 13,2 Und wenn ich Weissagung habe und

alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiß und wenn ich allen Glauben habe, so daß ich Berge

versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. 13,3 Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung

[der Armen] austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich verbrannt werde, aber keine Liebe

habe, so nützt es mir nichts. 13,4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig; sie neidet nicht; die

Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf, 13,5 sie benimmt sich nicht unanständig, sie sucht nicht

das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu, 13,6 sie freut sich nicht über die

Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, 13,7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie

hofft alles, sie erduldet alles. 13,8 Die Liebe vergeht niemals; seien es aber Weissagungen, sie werden

weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan

werden. 13,9 Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise; 13,10 wenn aber das

Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden. 13,11 Als ich ein Kind war,

redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich

weg, was kindlich war. 13,12 Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von

Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleich wie auch

ich erkannt worden bin. 13,13 Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber

von diesen ist die Liebe.

Über das Reden und Beten in Sprachen.

Kapitel 14

14,1 Strebt nach der Liebe; eifert aber nach den geistlichen [Gaben], besonders aber, daß ihr weissagt.

14,2 Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand

versteht es, im Geist aber redet er Geheimnisse. 14,3 Wer aber weissagt, redet zu den Menschen [zur]

Erbauung und Ermahnung und Tröstung. 14,4 Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst; wer aber

weissagt, erbaut die Gemeinde. 14,5 Ich möchte aber, daß ihr alle in Sprachen redet, mehr aber

[noch], daß ihr weissagt. Wer aber weissagt, ist größer, als wer in Sprachen redet, es sei denn, daß er

es auslegt, damit die Gemeinde Erbauung empfange. 14,6 Jetzt aber, Brüder, wenn ich zu euch

komme und in Sprachen rede, was werde ich euch nützen, wenn ich nicht zu euch rede in

Offenbarung oder in Erkenntnis oder in Weissagung oder in Lehre? 14,7 Doch auch die tönenden

leblosen Dinge, Flöte oder Harfe, wenn sie den Tönen keinen Unterschied geben, wie wird man

erkennen, was geflötet oder geharft wird? 14,8 Denn auch wenn die Posaune einen undeutlichen Ton

gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten? 14,9 So auch ihr, wenn ihr durch die Sprache nicht eine

verständliche Rede gebt, wie soll man erkennen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind

reden. 14,10 Es gibt zum Beispiel so viele Arten von Sprachen in der Welt, und nichts ist ohne

Sprache. 14,11 Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, so werde ich dem Redenden ein

Barbar sein und der Redende für mich ein Barbar. 14,12 So auch ihr, da ihr nach geistlichen Gaben

eifert, so strebt danach, daß ihr überströmend seid zur Erbauung der Gemeinde. 14,13 Darum, wer in

einer Sprache redet, bete, daß er [es auch] auslege. 14,14 Denn wenn ich in einer Sprache bete, so

betet mein Geist, aber mein Verstand ist fruchtleer. 14,15 Was ist nun? Ich will beten mit dem Geist,

aber ich will auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch

lobsingen mit dem Verstand. 14,16 Denn wenn du mit dem Geist preist, wie soll der, welcher die

Stelle des Unkundigen einnimmt, das Amen sprechen zu deiner Danksagung, da er ja nicht weiß, was

du sagst? 14,17 Denn du sagst wohl gut Dank, aber der andere wird nicht erbaut. 14,18 Ich danke

Gott, ich rede mehr in Sprachen als ihr alle. 14,19 Aber in der Gemeinde will ich [lieber] fünf Worte

mit meinem Verstand reden, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in einer

Sprache. 14,20 Brüder, seid nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am

Verstand aber seid Erwachsene. 14,21 Es steht im Gesetz geschrieben: `Ich will durch Leute mit

fremder Sprache und durch Lippen Fremder zu diesem Volk reden, und auch so werden sie nicht auf

mich hören, spricht der Herr. 14,22 Daher sind die Sprachen zu einem Zeichen, nicht für die

Glaubenden, sondern für die Ungläubigen; die Weissagung aber nicht für die Ungläubigen, sondern

für die Glaubenden. 14,23 Wenn nun die ganze Gemeinde zusammenkommt und alle in Sprachen

reden, und es kommen Unkundige oder Ungläubige herein, werden sie nicht sagen, daß ihr von

Sinnen seid? 14,24 Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt

herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt; 14,25 das Verborgene seines Herzens wird

offenbar, und so wird er auf sein Angesicht fallen und wird Gott anbeten und verkündigen, daß Gott

wirklich unter euch ist.

Ordnung bei den

Gemeindezusammenkünften.

14,26 Was ist nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat

eine Sprache[nrede], hat eine Offenbarung, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung. 14,27

Wenn nun jemand in einer Sprache redet, [so sei es] zu zweien oder höchstens zu dritt und

nacheinander, und einer lege aus. 14,28 Wenn aber kein Ausleger da ist, so schweige er in der

Gemeinde, rede aber für sich und für Gott. 14,29 Propheten aber laßt zwei oder drei reden, und die

anderen laßt urteilen. 14,30 Wenn aber einem anderen, der dasitzt, eine Offenbarung [zuteil] wird, so

schweige der erste. 14,31 Denn ihr könnt einer nach dem anderen alle weissagen, damit alle lernen

und alle getröstet werden. 14,32 Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. 14,33

Denn Gott ist nicht [ein Gott] der Unordnung, sondern des Friedens.

Wie [es] in allen Gemeinden der Heiligen [ist], 14,34 sollen eure Frauen in den Gemeinden

schweigen, denn es wird ihnen nicht erlaubt, zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch

das Gesetz sagt. 14,35 Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer

fragen; denn es ist schändlich für eine Frau, in der Gemeinde zu reden. 14,36 Oder ist das Wort Gottes

von euch ausgegangen? Oder ist es zu euch allein gelangt? 14,37 Wenn jemand meint, ein Prophet

oder [sonst] ein Geistbegabter zu sein, so erkenne er, daß das, was ich euch schreibe, ein Gebot des

Herrn ist. 14,38 Wenn aber jemand das nicht erkennt, so wird er auch [von Gott] nicht erkannt. 14,39

Daher, Brüder, eifert danach, zu weissagen, und hindert das Reden in Sprachen nicht. 14,40 Alles aber

geschehe anständig und in Ordnung.

Die Auferstehungshoffnung und die

Zeugen der Auferstehung Christi.

Kapitel 15

15,1 Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch

angenommen habt, in dem ihr auch steht, 15,2 durch das ihr auch errettet werdet, wenn ihr festhaltet,

mit welcher Rede ich es euch verkündigt habe, es sei denn, daß ihr vergeblich zum Glauben

gekommen seid. 15,3 Denn ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe: daß

Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften; 15,4 und daß er begraben wurde und daß

er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften; 15,5 und daß er Kephas erschienen ist,

dann den Zwölfen. 15,6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die

meisten bis jetzt übriggeblieben, einige aber auch entschlafen sind. 15,7 Danach erschien er Jakobus,

dann den Aposteln allen; 15,8 zuletzt aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er

auch mir. 15,9 Denn ich bin der geringste der Apostel, der ich nicht würdig bin, ein Apostel genannt

zu werden, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. 15,10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was

ich bin; und seine Gnade mir gegenüber ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr

gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, [die] mit mir [war]. 15,11 Ob nun ich

oder jene: so [jedenfalls] predigen wir, und so seid ihr zum Glauben gekommen.

Die Auferstehungshoffnung gegen die

Leugnung der Auferstehung.

15,12 Wenn aber gepredigt wird, daß Christus aus den Toten auferweckt sei, wie sagen einige unter

euch, daß es keine Auferstehung der Toten gebe? 15,13 Wenn es aber keine Auferstehung der Toten

gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt; 15,14 wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist also

auch unsere Predigt inhaltslos, inhaltslos aber auch euer Glaube. 15,15 Wir werden aber auch als

falsche Zeugen Gottes erfunden, weil wir gegen Gott bezeugt haben, daß er Christus auferweckt habe,

den er nicht auferweckt hat, wenn wirklich Tote nicht auferweckt werden. 15,16 Denn wenn Tote

nicht auferweckt werden, so ist auch Christus nicht auferweckt. 15,17 Wenn aber Christus nicht

auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden. 15,18 Also sind auch die,

welche in Christus entschlafen sind, verlorengegangen. 15,19 Wenn wir allein in diesem Leben auf

Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen.

15,20 Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen; 15,21 denn da

ja durch einen Menschen der Tod [kam], so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.

15,22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.

15,23 Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; sodann die, welche Christus

gehören bei seiner Ankunft; 15,24 dann das Ende, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt;

wenn er alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht weggetan hat. 15,25 Denn er muß herrschen, bis

er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. 15,26 Als letzter Feind wird der Tod weggetan. 15,27

`Denn alles hat er seinen Füßen unterworfen. Wenn es aber heißt, daß alles unterworfen sei, so ist

klar, daß der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 15,28 Wenn ihm aber alles unterworfen

ist, dann wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott

alles in allem sei. 15,29 Was werden sonst die tun, die sich für die Toten taufen lassen? Wenn

überhaupt Tote nicht auferweckt werden, warum lassen sie sich denn für sie taufen? 15,30 Warum

sind auch wir jede Stunde in Gefahr? 15,31 Täglich sterbe ich, so wahr ihr mein Ruhm seid, Brüder,

den ich in Christus Jesus, unserem Herrn, habe. 15,32 Wenn ich [nur] nach Menschen[weise] mit

wilden Tieren gekämpft habe zu Ephesus, was nützt es mir? Wenn Tote nicht auferweckt werden, so

`laßt uns essen und trinken, denn morgen sterben wir! 15,33 Irrt euch nicht: Böser Verkehr verdirbt

gute Sitten. 15,34 Werdet rechtschaffen nüchtern und sündigt nicht, denn manche sind in

Unwissenheit über Gott; zur Beschämung sage ich es euch.

Die Auferstehungshoffnung und die

Eigenart der Auferstehung.

15,35 Es wird aber jemand sagen: Wie werden die Toten auferweckt? Und mit was für einem Leib

kommen sie? 15,36 Tor! Was du säst, wird nicht lebendig, es sterbe denn. 15,37 Und was du säst, du

säst nicht den Leib, der werden soll, sondern ein nacktes Korn, es sei von Weizen oder von einem der

anderen [Samenkörner]. 15,38 Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er gewollt hat, und jedem der

Samen seinen eigenen Leib. 15,39 Nicht alles Fleisch ist dasselbe Fleisch; sondern ein anderes [ist

das] der Menschen und ein anderes das Fleisch des Viehes und ein anderes das der Vögel und ein

anderes das der Fische. 15,40 Und es gibt himmlische Leiber und irdische Leiber. Aber anders ist der

Glanz der himmlischen, anders der der irdischen; 15,41 ein anderer der Glanz der Sonne und ein

anderer der Glanz des Mondes und ein anderer der Glanz der Sterne; denn es unterscheidet sich Stern

von Stern an Glanz. 15,42 So ist auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät in Verweslichkeit, es

wird auferweckt in Unverweslichkeit. 15,43 Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in

Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft; 15,44 es wird gesät ein

natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so gibt

es auch einen geistlichen. 15,45 So steht auch geschrieben: `Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer

lebendigen Seele, der letzte Adam zu einem lebendig machenden Geist. 15,46 Aber das Geistliche ist

nicht zuerst, sondern das Natürliche, danach das Geistliche. 15,47 Der erste Mensch ist von der Erde,

irdisch; der zweite Mensch vom Himmel. 15,48 Wie der Irdische, so sind auch die Irdischen; und wie

der Himmlische, so sind auch die Himmlischen. 15,49 Und wie wir das Bild des Irdischen getragen

haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. 15,50 Dies aber sage ich, Brüder, daß

Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, auch die Verweslichkeit nicht die

Unverweslichkeit erbt.

15,51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle

verwandelt werden, 15,52 in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen

wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

15,53 Denn dieses Verwesliche muß Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit

anziehen.

Lobpreis Gottes im Blick auf die

Auferstehungshoffnung.

15,54 Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche

Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht:

`Verschlungen ist der Tod in Sieg. 15,55 `Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist, o Tod, dein Stachel?

15,56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz. 15,57 Gott aber

sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus! 15,58 Daher, meine geliebten

Brüder, seid fest, unerschütterlich, allezeit überströmend in dem Werk des Herrn, da ihr wißt, daß eure

Mühe im Herrn nicht vergeblich ist.

Anweisung über Sammlungen für die

Gemeinde in Jerusalem.

Kapitel 16

16,1 Was aber die Sammlung für die Heiligen betrifft, so macht es auch so, wie ich es für die

Gemeinden von Galatien angeordnet habe. 16,2 An jedem ersten Wochentag lege ein jeder von euch

bei sich zurück und sammle an, je nachdem er Gedeihen hat, damit nicht [erst] dann, wenn ich

komme, Sammlungen geschehen. 16,3 Wenn ich aber angekommen bin, so will ich solche, die ihr für

bewährt haltet, mit Briefen senden, daß sie eure Gabe nach Jerusalem hinbringen. 16,4 Wenn es aber

der Mühe wert ist, daß auch ich hinreise, so sollen sie mit mir reisen.

Reisepläne des Apostels.

16,5 Ich werde aber zu euch kommen, wenn ich Mazedonien durchzogen habe. Denn Mazedonien

durchziehe ich [nur]; 16,6 bei euch aber werde ich vielleicht bleiben oder auch überwintern, damit ihr

mich geleitet, wohin ich auch reise; 16,7 denn ich will euch jetzt nicht im Vorbeigehen sehen, denn

ich hoffe, einige Zeit bei euch zu bleiben, wenn der Herr es erlaubt. 16,8 Ich werde aber bis Pfingsten

in Ephesus bleiben, 16,9 denn eine große und wirksame Tür ist mir aufgetan, und der Widersacher

sind viele.

Mitteilungen über Mitarbeiter.

16,10 Wenn aber Timotheus kommt, so seht zu, daß er ohne Furcht bei euch sei: denn er arbeitet am

Werk des Herrn wie auch ich. 16,11 Es verachte ihn nun niemand. Geleitet ihn aber in Frieden, daß er

zu mir komme; denn ich erwarte ihn mit den Brüdern. 16,12 Was aber den Bruder Apollos betrifft, so

habe ich ihm vielfach zugeredet, daß er mit den Brüdern zu euch komme; und es war durchaus nicht

[sein] Wille, jetzt zu kommen, doch wird er kommen, sobald er Gelegenheit findet.

16,13 Wachet, steht fest im Glauben; seid mannhaft, seid stark! 16,14 Alles bei euch geschehe in

Liebe!

16,15 Ich ermahne euch aber, Brüder: Ihr kennt das Haus des Stephanas, daß es der Erstling von

Achaja ist und daß sie sich in

den Dienst für die Heiligen gestellt haben; 16,16 daß auch ihr euch solchen unterordnet und jedem,

der mitwirkt und sich abmüht. 16,17 Ich freue mich aber über die Ankunft des Stephanas und

Fortunatus und Achaikus, denn diese haben eure Abwesenheit ersetzt. 16,18 Denn sie haben meinen

und euren Geist erquickt. Erkennt nun solche an!

Grüße und Segenswunsch.

16,19 Es grüßen euch die Gemeinden Asiens. Es grüßen euch vielmals im Herrn Aquila und Priska

samt der Gemeinde in ihrem Hause. 16,20 Es grüßen euch die Brüder alle. Grüßt einander mit

heiligem Kuß.

16,21 Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. 16,22 Wenn jemand den Herrn nicht lieb hat, der sei

verflucht! Maranatha! 16,23 Die Gnade des Herrn Jesus [sei] mit euch! 16,24 Meine Liebe [sei] mit

euch allen in Christus Jesus.

Der zweite Brief an die Korinther.

Verfasser, Empfänger und Gruß.

Kapitel 1

1,1 Paulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, der Gemeinde

Gottes, die in Korinth ist, samt allen Heiligen, die in ganz Achaja sind: 1,2 Gnade euch und Friede

von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Dank für Gottes Rettung aus

Todesgefahr.

1,3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und

Gott alles Trostes, 1,4 der uns tröstet in all unserer Drangsal, damit wir die trösten können, die in

allerlei Drangsal sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden. 1,5 Denn wie

die Leiden des Christus überreich auf uns kommen, so ist auch durch den Christus unser Trost

überreich. 1,6 Sei es aber, daß wir bedrängt werden, so ist es zu eurem Trost und Heil; sei es, daß wir

getröstet werden, so ist es zu eurem Trost, der wirksam wird im geduldigen Ertragen derselben

Leiden, die auch wir leiden. 1,7 Und unsere Hoffnung für euch steht fest, da wir wissen, daß, wie ihr

der Leiden teilhaftig seid, so auch des Trostes.

1,8 Denn wir wollen euch nicht in Unkenntnis lassen, Brüder, über unsere Drangsal, die uns in Asien

widerfahren ist, daß wir übermäßig beschwert wurden, über Vermögen, so daß wir sogar am Leben

verzweifelten. 1,9 Wir selbst aber hatten in uns selbst [schon] das Urteil des Todes erhalten, damit wir

nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt. 1,10 Und der hat uns aus

so großer Todesgefahr errettet und wird uns erretten; auf ihn hoffen wir, daß er uns auch ferner

erretten werde; 1,11 wobei auch ihr durch das Gebet für uns mitwirkt, damit von vielen Personen für

das uns [verliehene] Gnadengeschenk gedankt werde, durch viele für uns.

Verteidigung gegen unberechtigte

Vorwürfe.

1,12 Denn unser Rühmen ist dies: das Zeugnis unseres Gewissens, daß wir in Einfalt und Lauterkeit

Gottes, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes gewandelt sind in der Welt,

besonders aber bei euch. 1,13 Denn wir schreiben euch nichts anderes, als was ihr lest oder auch

erkennt; ich hoffe aber, daß ihr bis ans Ende erkennen werdet, 1,14 wie ihr auch uns zum Teil erkannt

habt, daß wir euer Ruhm sind, so wie auch ihr der unsrige seid am Tag unseres Herrn Jesus. 1,15 Und

in diesem Vertrauen wollte ich vorher zu euch kommen, damit ihr eine zweite Gnade hättet, 1,16 und

über euch nach Mazedonien reisen und wieder von Mazedonien zu euch kommen und von euch nach

Judäa geleitet werden. 1,17 Habe ich nun, indem ich mir dieses vornahm, etwa leichtfertig gehandelt?

Oder was ich mir vornehme, nehme ich mir das nach dem Fleisch vor, damit bei mir das Ja-ja und das

Nein-nein [gleichzeitig] wären? 1,18 Gott aber ist treu [und bürgt dafür], daß unser Wort an euch

nicht Ja und Nein [zugleich] ist. 1,19 Denn der Sohn Gottes, Christus Jesus, der unter euch durch uns

gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, war nicht Ja und Nein, sondern in ihm

ist ein Ja geschehen. 1,20 Denn so viele Verheissungen Gottes es gibt, in ihm ist das Ja, deshalb auch

durch ihn das Amen, Gott zur Ehre durch uns. 1,21 Der uns aber mit euch befestigt in Christus und

uns gesalbt hat, ist Gott, 1,22 der uns auch versiegelt und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen

gegeben hat.

1,23 Ich aber rufe Gott zum Zeugen an gegen meine Seele, daß ich, um euch zu schonen, noch nicht

nach Korinth gekommen bin. 1,24 Nicht daß wir über euren Glauben herrschen, sondern wir sind

Mitarbeiter an eurer Freude; denn ihr steht durch den Glauben.

Kapitel 2

2,1 Ich habe aber dies für mich beschlossen, nicht wieder in Traurigkeit zu euch zu kommen. 2,2

Denn wenn ich euch traurig mache, wer ist [dann noch] da, der mich fröhlich mache außer dem, der

durch mich traurig gemacht wird? 2,3 Und eben dieses habe ich euch geschrieben, damit ich nicht,

wenn ich komme, von denen Traurigkeit habe, von denen ich Freude haben sollte, weil ich euch allen

vertraue, daß meine Freude euer aller [Freude] ist. 2,4 Denn aus viel Drangsal und Herzensangst

schrieb ich euch mit vielen Tränen, nicht damit ihr traurig gemacht würdet, sondern damit ihr die

Liebe erkennen möchtet, die ich besonders zu euch habe.

Das bußfertige Gemeindeglied soll

wieder aufgenommen werden.

2,5 Wenn aber jemand traurig gemacht hat, so hat er nicht mich traurig gemacht, sondern zum Teil -

damit ich nicht zuviel sage - euch alle. 2,6 Dem Betreffenden genügt diese Strafe von den meisten

[der Gemeinde], 2,7 so daß ihr im Gegenteil vielmehr vergeben und ermuntern solltet, damit der

Betreffende nicht etwa durch übermäßige Traurigkeit verschlungen werde. 2,8 Darum ermahne ich

euch, zu beschließen, ihm gegenüber Liebe [zu üben]. 2,9 Denn dazu habe ich auch geschrieben, daß

ich eure Bewährung kennen lernte, ob ihr in allem gehorsam seid. 2,10 Wem ihr aber etwas vergebt,

[dem vergebe] auch ich; denn auch ich habe, was ich vergeben habe - wenn ich etwas zu vergeben

hatte - um euretwillen [vergeben] vor dem Angesicht Christi, 2,11 damit wir nicht vom Satan

übervorteilt werden; denn seine Gedanken sind uns nicht unbekannt.

Verkündigung des Evangeliums in

Mazedonien.

2,12 Als ich aber zur Verkündigung des Evangeliums Christi nach Troas kam und mir eine Tür

aufgetan wurde im Herrn, 2,13 hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, weil ich Titus, meinen Bruder,

nicht fand, sondern ich nahm Abschied von ihnen und zog fort nach Mazedonien. 2,14 Gott aber sei

Dank, der uns allezeit im Triumphzug umherführt in Christus und den Geruch seiner Erkenntnis an

jedem Ort durch uns offenbart! 2,15 Denn wir sind ein Wohlgeruch Christi für Gott unter denen, die

errettet werden, und unter denen, die verlorengehen; 2,16 den einen ein Geruch vom Tod zum Tode,

den anderen aber ein Geruch vom Leben zum Leben. Und wer ist dazu tüchtig? 2,17 Denn wir treiben

keinen Handel mit dem Wort Gottes wie die meisten, sondern wie aus Lauterkeit, sondern wie aus

Gott reden wir vor Gott in Christus.

Die Korinther als Empfehlungsbriefe

des Apostels.

Kapitel 3

3,1 Fangen wir wieder an, uns selbst zu empfehlen? Oder brauchen wir etwa wie gewisse Leute

Empfehlungsbriefe an euch oder [Empfehlungsbriefe] von euch? 3,2 Unser Brief seid ihr,

eingeschrieben in unsere Herzen, erkannt und gelesen von allen Menschen; 3,3 von euch ist offenbar

geworden, daß ihr ein Brief Christi seid, ausgefertigt von uns im Dienst, geschrieben nicht mit Tinte,

sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf Tafeln, die

fleischerne Herzen sind.

Vorzug des neuen Bundes vor dem

alten.

3,4 Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott: 3,5 nicht daß wir von uns aus tüchtig

wären, etwas zu erdenken als aus uns selbst, sondern unsere Tüchtigkeit ist von Gott, 3,6 der uns auch

tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn

der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. 3,7 Wenn aber [schon] der Dienst des Todes, mit

Buchstaben in Steine eingegraben, in Herrlichkeit geschah, so daß die Söhne Israels nicht fest in das

Angesicht Moses schauen konnten wegen der Herrlichkeit seines Angesichts, die [doch] verging, 3,8

wie wird nicht vielmehr der Dienst des Geistes in Herrlichkeit bestehen? 3,9 Denn wenn der Dienst

der Verdammnis Herrlichkeit ist, so ist der Dienst der Gerechtigkeit noch viel reicher an Herrlichkeit.

3,10 Denn in dieser Hinsicht ist sogar das Verherrlichte nicht verherrlicht wegen der überragenden

Herrlichkeit. 3,11 Denn wenn das Vergehende in Herrlichkeit war, wieviel mehr [besteht] das

Bleibende in Herrlichkeit!

3,12 Da wir nun eine solche Hoffnung haben, so gehen wir mit großer Freimütigkeit vor 3,13 und

[tun] nicht wie Mose, der eine Decke über sein Angesicht legte, damit die Söhne Israels nicht auf das

Ende des Vergehenden blicken sollten. 3,14 Aber ihr Sinn ist verstockt worden, denn bis auf den

heutigen Tag bleibt dieselbe Decke auf der Verlesung des Alten Testaments und wird nicht

aufgedeckt, weil sie [nur] in Christus beseitigt wird. 3,15 Aber bis heute, sooft Mose gelesen wird,

liegt eine Decke auf ihrem Herzen. 3,16 `Dann aber, wenn es `sich zum Herrn wendet, wird die Decke

weggenommen. 3,17 Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit. 3,18

Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden [so]

verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie [es] vom Herrn, dem Geist,

[geschieht].

Die Lauterkeit des Apostels bei der

Verkündigung des Evangeliums.

Kapitel 4

4,1 Darum, da wir diesen Dienst haben, weil wir ja begnadigt worden sind, ermatten wir nicht; 4,2

sondern wir haben den geheimen Dingen, deren man sich schämen muß, entsagt und wandeln nicht in

Arglist, noch verfälschen wir das Wort Gottes, sondern durch die Offenbarung der Wahrheit

empfehlen wir uns jedem Gewissen der Menschen vor Gott. 4,3 Wenn aber unser Evangelium doch

verdeckt ist, so ist es [nur] bei denen verdeckt, die verlorengehen, 4,4 den Ungläubigen, bei denen der

Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der

Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen. 4,5 Denn wir predigen nicht uns selbst,

sondern Christus Jesus als Herrn, uns aber als eure Sklaven um Jesu willen. 4,6 Denn Gott, der gesagt

hat: Aus Finsternis soll Licht leuchten! er [ist es], der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum

Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.

Gottes Kraft hält Paulus in seinen

Leiden aufrecht.

4,7 Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überragende Größe der Kraft von

Gott sei und nicht aus uns. 4,8 In allem sind wir bedrängt, aber nicht erdrückt; keinen Ausweg sehend,

aber nicht ohne Ausweg; 4,9 verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht vernichtet;

4,10 allezeit das Sterben Jesu am Leib umhertragend, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe

offenbar werde. 4,11 Denn ständig werden wir, die Lebenden, dem Tod überliefert um Jesu willen,

damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar werde. 4,12 Folglich wirkt der

Tod in uns, das Leben aber in euch. 4,13 Da wir aber denselben Geist des Glaubens haben - nach dem,

was geschrieben steht: `Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet -, so glauben auch wir, darum

reden wir auch; 4,14 denn wir wissen, daß der, welcher den Herrn Jesus auferweckt hat, auch uns mit

Jesus auferwecken und mit euch vor sich stellen wird; 4,15 denn alles [geschieht] um euretwillen,

damit die Gnade zunehme und durch eine immer größere Zahl die Danksagung zur Ehre Gottes

überströmen lasse.

4,16 Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird

doch der innere Tag für Tag erneuert. 4,17 Denn das schnell vorübergehende Leichte der Drangsal

bewirkt uns ein über die Massen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit, 4,18 da wir nicht das

Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber

ewig.

Sehnsucht des Apostels nach der

himmlischen Behausung.

Kapitel 5

5,1 Denn wir wissen, daß, wenn unser irdisches Zelthaus zerstört wird, wir einen Bau von Gott haben,

ein nicht mit Händen gemachtes, ewiges Haus in den Himmeln. 5,2 Denn in diesem freilich seufzen

wir und sehnen uns danach, mit unserer Behausung aus dem Himmel überkleidet zu werden, 5,3

insofern wir ja bekleidet, nicht nackt erfunden werden. 5,4 Denn wir freilich, die in dem Zelt sind,

seufzen beschwert, weil wir nicht entkleidet, sondern überkleidet werden möchten, damit das

Sterbliche verschlungen werde vom Leben. 5,5 Der uns aber eben hierzu bereitet hat, ist Gott, der uns

das Unterpfand des Geistes gegeben hat. 5,6 So [sind wir] nun allezeit guten Mutes und wissen, daß

wir, während einheimisch im Leib, wir vom Herrn ausheimisch sind 5,7 - denn wir wandeln durch

Glauben, nicht durch Schauen -; 5,8 wir sind aber guten Mutes und möchten lieber ausheimisch vom

Leib und einheimisch beim Herrn sein. 5,9 Deshalb setzen wir auch unsere Ehre darein, ob

einheimisch oder ausheimisch, ihm wohlgefällig zu sein. 5,10 Denn wir müssen alle vor dem

Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib [vollbracht],

dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.

Eifer des Apostels in der Verkündigung

des Evangeliums.

5,11 Da wir nun den Schrecken des Herrn kennen, so überreden wir Menschen, Gott aber sind wir

offenbar geworden; ich hoffe aber, auch in euren Gewissen offenbar zu sein. 5,12 Wir empfehlen uns

nicht wieder selbst bei euch, sondern geben euch Anlaß zum Ruhm unseretwegen, damit ihr ihn habt

bei denen, die sich nach dem Ansehen rühmen und nicht nach dem Herzen. 5,13 Denn sei es, daß wir

außer uns waren, [so waren wir es] für Gott; sei es, daß wir vernünftig sind, so [sind wir es] für euch.

5,14 Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir zu diesem Urteil gekommen sind, daß einer für alle

gestorben ist [und] somit alle gestorben sind. 5,15 Und für alle ist er gestorben, damit die, welche

leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist.

5,16 Daher kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; wenn wir Christus auch nach dem

Fleisch gekannt haben, so kennen wir [ihn] doch jetzt nicht mehr [so]. 5,17 Daher, wenn jemand in

Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Der Dienst der Versöhnung.

5,18 Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der

Versöhnung gegeben hat, 5,19 [nämlich] daß Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst

versöhnt hat, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete und in uns das Wort von der Versöhnung

gelegt hat. 5,20 So sind wir nun Gesandte an Christi Statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt;

wir bitten für Christus: Laßt euch versöhnen mit Gott! 5,21 Den, der Sünde nicht kannte, hat er für

uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.

Bewährung des Apostels im Dienst.

Kapitel 6

6,1 Als Mitarbeiter aber ermahnen wir auch, daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt. 6,2

Denn er spricht: `Zur angenehmen Zeit habe ich dich erhört, und am Tage des Heils habe ich dir

geholfen. Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils. 6,3 Und wir geben

in keiner Sache irgendeinen Anstoß, damit der Dienst nicht verlästert werde, 6,4 sondern in allem

empfehlen wir uns als Gottes Diener, in vielem Ausharren, in Drangsalen, in Nöten, in Ängsten, 6,5 in

Schlägen, in Gefängnissen, in Tumulten, in Mühen, in Wachen, in Fasten; 6,6 in Reinheit, in

Erkenntnis, in Langmut, in Güte, im Heiligen Geist, in ungeheuchelter Liebe; 6,7 im Reden der

Wahrheit, in der Kraft Gottes; mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; 6,8 mit

Ehre und Unehre, mit böser und guter Nachrede, als Verführer und Wahrhaftige; 6,9 als Unbekannte

und Wohlbekannte; als Sterbende, und siehe, wir leben; als Gezüchtigte und [doch] nicht getötet; 6,10

als Traurige, aber allezeit uns freuend; als Arme, aber viele reich machend; als nichts habend und

[doch] alles besitzend.

Warnung vor Gemeinschaft mit

Ungläubigen - Werben um die Liebe der

Korinther.

6,11 Unser Mund hat sich euch gegenüber aufgetan, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden. 6,12

Ihr seid nicht beengt in uns, sondern ihr seid beengt in euren [eigenen] Herzen. 6,13 Gleicherweise

zur Belohnung aber - ich rede wie zu Kindern - werdet auch ihr weit! 6,14 Geht nicht unter

fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und

Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? 6,15 Und welche Übereinstimmung

Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? 6,16 Und welchen

Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn wir sind der Tempel des lebendigen

Gottes; wie Gott gesagt hat: `Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein,

und sie werden mein Volk sein. 6,17 Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht

der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch annehmen 6,18 und werde euch ein Vater

sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige.

Kapitel 7

7,1 Da wir nun diese Verheißung haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von jeder Befleckung

des Fleisches und des Geistes und die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes.

7,2 Gebt uns Raum [in euren Herzen]; wir haben niemand unrecht getan, wir haben niemand zugrunde

gerichtet, wir haben niemand übervorteilt. 7,3 Nicht um zu verurteilen, rede ich; denn ich habe vorhin

gesagt, daß ihr in unseren Herzen seid, um mit zu sterben und mit zu leben. 7,4 Groß ist meine

Freimütigkeit euch gegenüber, groß mein Rühmen über euch; ich bin mit Trost erfüllt, ich bin

überreich an Freude bei all unserer Drangsal.

Paulus ist durch den Bericht des Titus

über die Korinther getröstet.

7,5 Denn auch als wir nach Mazedonien kamen, hatte unser Fleisch keine Ruhe, sondern in allem

waren wir bedrängt; von außen Kämpfe, von innen Ängste. 7,6 Aber der die Niedrigen tröstet, Gott,

tröstete uns durch die Ankunft des Titus; 7,7 doch nicht nur durch seine Ankunft, sondern auch durch

den Trost, womit er euretwegen getröstet worden ist, denn er berichtete uns eure Sehnsucht, euer

Wehklagen, euren Eifer für mich, so daß ich mich noch mehr freute. 7,8 Denn wenn ich euch auch

durch den Brief betrübt habe, so reut es mich nicht. Wenn es mich auch gereut hat, so sehe ich, daß

jener Brief, wenn er euch auch kurze Zeit betrübt hat, [doch Segen gewirkt hat; und] 7,9 jetzt freue ich

mich, nicht daß ihr betrübt worden, sondern daß ihr zur Buße betrübt worden seid; denn ihr seid nach

Gottes [Sinn] betrübt worden, damit ihr in keiner Weise von uns Schaden erlittet. 7,10 Denn die

Betrübnis nach Gottes [Sinn] bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil; die Betrübnis der Welt

aber bewirkt den Tod. 7,11 Denn siehe, eben dies, daß ihr nach Gottes [Sinn] betrübt worden seid,

wieviel Bemühen hat es bei euch bewirkt! Sogar Verteidigung, sogar Unwillen, sogar Furcht, sogar

Sehnsucht, sogar Eifer, sogar Bestrafung! In allem habt ihr erwiesen, daß ihr in der Sache rein seid.

7,12 Wenn ich euch also auch geschrieben habe, [so geschah es] nicht wegen des Beleidigers, noch

wegen des Beleidigten, sondern damit euer Bemühen um uns bei euch offenbar werde vor Gott. 7,13

Deswegen sind wir getröstet worden. Außer unserem Trost aber freuten wir uns noch viel mehr über

die Freude des Titus, denn sein Geist ist durch euch alle erquickt worden. 7,14 Denn wenn ich ihm

etwas Rühmendes über euch gesagt habe, so bin ich nicht zuschanden geworden; sondern wie wir

alles in Wahrheit zu euch geredet haben, so ist auch unser Rühmen vor Titus Wahrheit geworden;

7,15 und sein Herz ist euch besonders zugetan, wenn er an euer aller Gehorsam denkt, wie ihr ihn mit

Furcht und Zittern empfangen habt. 7,16 Ich freue mich, daß ich in allem Zutrauen zu euch haben

kann.

Aufforderung zur Sammlung für die

Gemeinde in Jerusalem.

Kapitel 8

8,1 Wir teilen euch aber mit, Brüder, die Gnade Gottes, die in den Gemeinden Mazedoniens gegeben

worden ist, 8,2 daß bei großer Bewährung in Drangsal der Überschwang ihrer Freude und ihre tiefe

Armut übergeströmt ist in den Reichtum ihrer Freigebigkeit. 8,3 Denn nach Vermögen, ich bezeuge

es, und über Vermögen waren sie aus eigenem Antrieb willig 8,4 und baten uns mit vielem Zureden

um die Gnade und die Beteiligung am Dienst für die Heiligen. 8,5 Und nicht [nur so], wie wir hofften,

sondern sie gaben sich selbst zuerst dem Herrn und [dann] uns durch Gottes Willen, 8,6 so daß wir

Titus zugeredet haben, er möge bei euch ebenfalls diese[s] Gnaden[werk] auch so vollenden, wie er es

früher angefangen hatte.

8,7 Aber so wie ihr in allem überströmend seid: in Glauben und Wort und Erkenntnis und allem Eifer

und der Liebe, die von uns in euch [geweckt] ist, so möget ihr auch in diesem Gnadenwerk

überströmend sein. 8,8 Nicht befehlsweise spreche ich, sondern um durch den Eifer anderer auch die

Echtheit eurer Liebe zu prüfen. 8,9 Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, daß er, da

er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich werdet. 8,10 Und ich gebe

hierin eine Meinung ab; denn das ist euch nützlich, die ihr nicht allein das Tun, sondern auch das

Wollen vorher angefangen habt - seit vorigem Jahr. 8,11 Nun aber vollendet auch das Tun, damit, wie

die Bereitwilligkeit des Wollens, so auch das Vollbringen da ist, nach dem, was ihr habt. 8,12 Denn

wenn die Bereitwilligkeit da ist, so ist sie willkommen nach dem, was sie hat, und nicht nach dem,

was sie nicht hat. 8,13 Denn [das sage ich] nicht, damit andere Erleichterung haben, ihr aber

Bedrängnis, sondern nach Maßgabe der Gleichheit: 8,14 in der jetzigen Zeit [diene] euer Überfluß

dem Mangel jener, damit auch der Überfluß jener für euren Mangel diene, damit Gleichheit entstehe;

8,15 wie geschrieben steht: `Wer viel [sammelte], hatte keinen Überfluß, und wer wenig [sammelte],

hatte keinen Mangel.

Empfehlung des Titus und anderer

Brüder als Überbringer der

Liebesgaben.

8,16 Gott aber sei Dank, der denselben Eifer für euch in das Herz des Titus gegeben hat; 8,17 denn er

nahm zwar das Zureden an, doch weil er noch eifriger war, ist er aus eigenem Antrieb zu euch

gegangen. 8,18 Wir haben aber den Bruder mit ihm gesandt, dessen Lob wegen [der Verkündigung]

des Evangeliums durch alle Gemeinden [verbreitet ist]. 8,19 Aber nicht allein das, sondern er ist auch

von den Gemeinden zu unserem Reisegefährten in diesem Gnadenwerk gewählt worden, das von uns

besorgt wird zur Herrlichkeit des Herrn selbst und als Beweis unserer Bereitwilligkeit; 8,20 denn wir

suchen das zu verhüten, daß uns jemand übel nachredet dieser reichen Gabe wegen, die von uns

besorgt wird; 8,21 denn wir sind auf das Rechte bedacht, nicht allein vor dem Herrn, sondern auch vor

den Menschen. 8,22 Wir haben aber unseren Bruder mit ihnen gesandt, den wir oft in vielem als eifrig

erprobt haben, der nun aber noch viel eifriger ist durch das große Vertrauen, das er zu euch hat. 8,23

Sei es, was Titus betrifft, [er ist] mein Gefährte und in bezug auf euch [mein] Mitarbeiter; seien es

unsere Brüder, [sie sind] Gesandte der Gemeinden, Christi Herrlichkeit. 8,24 So erbringt nun ihnen

gegenüber angesichts der Gemeinden den Beweis eurer Liebe und [der Berechtigung] unseres

Rühmens über euch.

Kapitel 9

9,1 Denn was den Dienst für die Heiligen betrifft, so ist es überflüssig für mich, euch zu schreiben.

9,2 Denn ich kenne eure Bereitwilligkeit, die ich zu euren Gunsten den Mazedoniern gegenüber

rühme, daß Achaja seit vorigem Jahr bereit ist; und euer Eifer hat die Mehrzahl angereizt. 9,3 Ich habe

aber die Brüder gesandt, damit unser Rühmen über euch in dieser Beziehung nicht zunichte würde,

damit ihr, wie ich gesagt habe, bereit seid [und] 9,4 damit nicht etwa, wenn die Mazedonier mit mir

kommen und euch unvorbereitet finden, wir - um nicht zu sagen: ihr - in dieser Zuversicht zuschanden

würden. 9,5 Ich hielt es daher für nötig, die Brüder zu bitten, daß sie zu euch vorauszögen und diese

eure zuvor angekündigte Segensgabe vorher zubereiteten, damit diese so bereit sei wie eine Gabe des

Segens und nicht des Geizes.

Vom Segen freudigen Gebens.

9,6 Dies aber [sage ich]: Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird

auch segensreich ernten. 9,7 Jeder [gebe], wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat: nicht mit

Verdruß oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber liebt Gott. 9,8 Gott aber vermag auf euch

überströmen zu lassen jede Gnade, damit ihr in allem allezeit alles Genüge habt und überströmt zu

jedem guten Werk; 9,9 wie geschrieben steht: `Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine

Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit. 9,10 Der aber Samen darreicht dem Sämann und Brot zur Speise,

wird eure Saat darreichen und mehren und die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen, 9,11 [und

ihr werdet] in allem reich gemacht zu aller Freigebigkeit, die durch uns Danksagung Gott gegenüber

bewirkt. 9,12 Denn die Besorgung dieses Dienstes füllt nicht nur den Mangel der Heiligen aus,

sondern ist auch überströmend durch viele Danksagungen zu Gott; 9,13 denn infolge der Bewährung

dieses Dienstes verherrlichen sie Gott wegen des Gehorsams eures Bekenntnisses zum Evangelium

Christi und wegen der Lauterkeit der Teilnahme gegen sie und gegen alle; 9,14 und im Gebet für euch

sehnen sie sich nach euch wegen der überschwenglichen Gnade Gottes an euch. 9,15 Gott sei Dank

für seine unaussprechliche Gabe! Paulus verteidigt sich gegen persönliche Angriffe

Kapitel 10

10,1 Ich selbst aber, Paulus, ermahne euch durch die Sanftmut und Milde Christi, der ich `ins Gesicht

zwar demütig unter euch, abwesend aber mutig gegen euch bin. 10,2 Ich bitte aber darum, daß ich

anwesend nicht mutig sein muß, mit der Zuversicht, mit der ich gedenke, gewissen Leuten gegenüber

kühn aufzutreten, die von uns denken, wir wandelten nach dem Fleisch. 10,3 Denn obwohl wir im

Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch; 10,4 denn die Waffen unseres Kampfes sind

nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir

Vernünfteleien 10,5 und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden

Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi 10,6 und sind bereit, allen Ungehorsam zu strafen,

wenn euer Gehorsam erfüllt sein wird. 10,7 Seht [doch] auf das, was vor Augen ist! Wenn jemand

sich zutraut, daß er Christus angehört, so denke er andererseits dies bei sich selbst, daß, wie er

Christus angehört, so auch wir. 10,8 Denn wenn ich mich auch etwas mehr über unsere Vollmacht

rühme, die uns der Herr zu eurer Erbauung und nicht zu eurer Zerstörung gegeben hat, so werde ich

nicht zuschanden werden, 10,9 damit ich nicht den Anschein erwecke, als wolle ich euch durch die

Briefe schrecken. 10,10 Denn die Briefe, sagt man, sind gewichtig und stark, aber die leibliche

Gegenwart ist schwach und die Rede zu verachten. 10,11 Derjenige bedenke dies, daß, wie wir

abwesend im Wort durch Briefe sind, so auch anwesend mit der Tat [sein werden]. 10,12 Denn wir

wagen nicht, uns gewissen Leuten von denen, die sich selbst empfehlen, beizuzählen oder

gleichzustellen; aber da sie sich an sich selbst messen und sich mit sich selbst vergleichen, sind sie

unverständig. 10,13 Wir aber wollen uns nicht ins Maßlose rühmen, sondern nach dem Masse des

Wirkungskreises, den uns Gott als Maß zugeteilt hat, [nämlich] auch bis zu euch zu gelangen. 10,14

Denn [es ist] nicht [so], als ob wir nicht zu euch gekommen wären und uns [nun] zu weit ausstreckten;

denn wir sind mit dem Evangelium Christi auch bis zu euch gekommen; 10,15 dabei rühmen wir uns

nicht ins Maßlose mit fremden Arbeitsleistungen, haben vielmehr die Hoffnung, wenn euer Glaube

wächst, unter euch noch ungleich größer zu werden entsprechend unserem Wirkungskreis 10,16 [und

dann] das Evangelium weiter über euch hinaus zu verkündigen, nicht in fremdem Wirkungskreis uns

dessen zu rühmen, was [schon] fertig ist. 10,17 `Wer sich aber rühmt, rühme sich des Herrn. 10,18

Denn nicht, wer sich selbst empfiehlt, der ist bewährt, sondern der, den der Herr empfiehlt.

Lauterkeit des Apostels, Unlauterkeit

der falschen Apostel.

Kapitel 11

11,1 Möget ihr doch ein wenig Torheit von mir ertragen! Doch ihr ertragt mich [ja] auch. 11,2 Denn

ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um [euch als] eine

keusche Jungfrau vor den Christus hinzustellen. 11,3 Ich fürchte aber, daß, wie die Schlange Eva

durch ihre List verführte, [so] vielleicht euer Sinn von der Einfalt Christus gegenüber ab[gewandt

und] verdorben wird. 11,4 Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir nicht

gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein

anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das [recht] gut. 11,5 Denn ich

meine, daß ich den `übergroßen Aposteln in nichts nachgestanden habe. 11,6 Wenn ich aber auch ein

Unkundiger in der Rede bin, so doch nicht in der Erkenntnis; sondern in jeder Weise und vor allen

haben wir [es] euch gegenüber offenbar gemacht. 11,7 Oder habe ich eine Sünde begangen, als ich

mich selbst erniedrigte, damit ihr erhöht würdet, indem ich euch das Evangelium Gottes umsonst

verkündigt habe? 11,8 Andere Gemeinden habe ich beraubt, indem ich Lohn nahm zum Dienst an

euch. 11,9 Und als ich bei euch war und Mangel litt, fiel ich niemand zur Last - denn meinem Mangel

halfen die Brüder ab, die aus Mazedonien kamen -, und ich hielt mich in allem [so, daß ich] euch nicht

zur Last [fiel], und werde mich [so] halten. 11,10 [So gewiß] die Wahrheit Christi in mir ist, wird

dieses Rühmen für mich in den Gegenden von Achaja nicht verstummen! 11,11 Warum? Weil ich

euch nicht liebe? Gott weiß es. 11,12 Was ich aber tue, werde ich auch tun, damit ich denen die

Gelegenheit abschneide, die eine Gelegenheit dazu suchen, daß sie in dem, worin sie sich rühmen, [als

solche] wie wir erfunden werden. 11,13 Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die

die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. 11,14 Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die

Gestalt eines Engels des Lichts an; 11,15 es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die

Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen; und ihr Ende wird ihren Werken entsprechen.

Bewährung des Apostels in Leiden und

Schwachheiten.

11,16 Wiederum sage ich: Niemand halte mich für töricht; wenn aber doch, so nehmt mich doch an

als einen Törichten, damit auch ich mich ein wenig rühmen kann. 11,17 Was ich [jetzt] rede, rede ich

nicht nach dem Herrn, sondern wie in Torheit, in dieser Zuversicht des Rühmens. 11,18 Weil viele

sich nach dem Fleisch rühmen, so will auch ich mich rühmen. 11,19 Ihr als Kluge ertragt die Toren ja

gern. 11,20 Denn ihr ertragt es, wenn jemand euch knechtet, wenn jemand [euch] aufzehrt, wenn

jemand [euch] einfängt, wenn jemand sich überhebt, wenn jemand euch ins Gesicht schlägt. 11,21 Zur

Schande sage ich, daß wir [damit verglichen] schwach gewesen sind. Was aber jemand wagt - ich rede

in Torheit -, das wage auch ich. 11,22 Sie sind Hebräer? Ich auch. Sie sind Israeliten? Ich auch. Sie

sind Abrahams Nachkommen? Ich auch. 11,23 Sie sind Diener Christi? - Ich rede unsinnig - ich über

die Massen. In Mühen um so mehr, in Gefängnissen um so mehr, in Schlägen übermäßig, in

Todesgefahren oft. 11,24 Von den Juden habe ich fünfmal vierzig [Streiche] weniger einen

bekommen. 11,25 Dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich

Schiffbruch erlitten; einen Tag und eine Nacht habe ich in Seenot zugebracht; 11,26 oft auf Reisen, in

Gefahren von Flüssen, in Gefahren von Räubern, in Gefahren von [meinem] Volk, in Gefahren von

den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in

Gefahren unter falschen Brüdern; 11,27 in Mühe und Beschwerde, in Wachen oft, in Hunger und

Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße; 11,28 außer dem übrigen [noch] das, was täglich auf mich

eindringt: die Sorge um alle Gemeinden. 11,29 Wer ist schwach, und ich bin nicht schwach? Wer

leidet Ärgernis, und ich brenne nicht? 11,30 Wenn gerühmt werden muß, so will ich mich der

[Zeichen] meiner Schwachheit rühmen. 11,31 Der Gott und Vater des Herrn Jesus, der gepriesen ist in

Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. 11,32 In Damaskus bewachte der Statthalter des Königs Aretas die

Stadt der Damaszener, um mich gefangen zu nehmen, 11,33 und durch ein Fenster wurde ich in einem

Korb durch die Mauer hinabgelassen und entrann seinen Händen.

Ruhm der Offenbarungen und der

eigenen Schwachheit.

Kapitel 12

12,1 Gerühmt muß werden; zwar nützt es nichts, aber ich will auf Erscheinungen und Offenbarungen

des Herrn kommen. 12,2 Ich weiß von einem Menschen in Christus, daß er vor vierzehn Jahren - ob

im Leib, weiß ich nicht, oder außer dem Leib, weiß ich nicht; Gott weiß es -, daß dieser bis in den

dritten Himmel entrückt wurde. 12,3 Und ich weiß von dem betreffenden Menschen - ob im Leib oder

außer dem Leib, weiß ich nicht; Gott weiß es -, 12,4 daß er in das Paradies entrückt wurde und

unaussprechliche Worte hörte, die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht. 12,5 Über diesen

will ich mich rühmen; über mich selbst aber will ich mich nicht rühmen, nur der Schwachheiten. 12,6

Denn wenn ich mich rühmen will, werde ich [doch] nicht töricht sein, denn ich werde die Wahrheit

sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit nicht jemand höher von mir denke, als was er an mir sieht

oder was er von mir hört, 12,7 auch wegen der Überschwenglichkeit der Offenbarungen. Darum,

damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, daß er

mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe. 12,8 Um dessentwillen habe ich dreimal

den Herrn angerufen, daß er von mir ablassen möge. 12,9 Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade

genügt dir, denn [meine] Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun

vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. 12,10 Deshalb habe

ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Mißhandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um

Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Des Apostels Werben um die Liebe der

Korinther.

12,11 Ich bin ein Tor geworden; ihr habt mich dazu gezwungen. Denn ich hätte von euch empfohlen

werden sollen, denn ich habe in nichts den `übergroßen Aposteln nachgestanden, wenn ich auch nichts

bin. 12,12 Die Zeichen des Apostels sind ja unter euch vollbracht worden in allem Ausharren, in

Zeichen und Wundern und Machttaten. 12,13 Was ist es denn, worin ihr gegenüber den übrigen

Gemeinden zu kurz gekommen seid, außer daß ich selbst euch nicht zur Last gefallen bin? Verzeiht

mir dieses Unrecht. 12,14 Siehe, dieses dritte Mal stehe ich bereit, zu euch zu kommen, und werde

[euch] nicht zur Last fallen, denn ich suche nicht das Eure, sondern euch. Denn die Kinder sollen

nicht für die Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern für die Kinder. 12,15 Ich will aber sehr gern

[alles] aufwenden und mich aufopfern für eure Seelen. Wenn ich euch [also] überschwenglicher liebe,

werde ich [dann] weniger wiedergeliebt?

12,16 Doch es sei: ich habe euch nicht belastet; weil ich aber schlau bin, habe ich euch mit List

gefangen. 12,17 Habe ich euch etwa durch einen von denen übervorteilt, die ich zu euch gesandt

habe? 12,18 Ich habe Titus gebeten und den Bruder mit ihm gesandt. Hat etwa Titus euch

übervorteilt? Sind wir nicht in demselben Geist gewandelt? Nicht in denselben Fußspuren?

Mahnung zur Buße - Hoffnung auf

Zurechtbringung der Korinther.

12,19 Seit langem seid ihr der Meinung, daß wir uns vor euch verteidigen. Wir reden vor Gott in

Christus, alles aber, Geliebte, zu eurer Erbauung. 12,20 Denn ich fürchte, daß ich euch bei meinem

Kommen vielleicht nicht als solche finde, wie ich will, und daß ich von euch als solcher erfunden

werde, wie ihr nicht wollt: daß vielleicht Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsüchteleien, Verleumdungen,

Ohrenbläsereien, Aufgeblasenheit, Unordnungen [da sind]; 12,21 daß, wenn ich wiederkomme, mein

Gott mich vor euch demütigt und ich über viele trauern muß, die vorher gesündigt und nicht Buße

getan haben über die Unreinheit und Unzucht und Ausschweifung, die sie getrieben haben.

Kapitel 13

13,1 Zum dritten Mal komme ich jetzt zu euch: durch zweier oder dreier Zeugen Mund wird jede

Sache festgestellt werden. 13,2 Ich habe es im voraus gesagt und sage es im voraus, wie das zweite

Mal anwesend, so auch jetzt abwesend, denen, die zuvor gesündigt haben, und allen übrigen, daß,

wenn ich wiederkomme, ich nicht schonen werde. 13,3 Denn ihr fordert ja einen Beweis dafür, daß

Christus in mir redet, der gegen euch nicht schwach ist, sondern mächtig unter euch; 13,4 denn er

wurde zwar aus Schwachheit gekreuzigt, aber er lebt aus Gottes Kraft; denn auch wir sind schwach in

ihm, aber wir werden mit ihm leben aus Gottes Kraft euch gegenüber. 13,5 Prüft euch, ob ihr im

Glauben seid, untersucht euch! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? Es

sei denn, daß ihr etwa unbewährt seid. 13,6 Ich hoffe jedoch, daß ihr erkennen werdet, daß wir nicht

unbewährt sind. 13,7 Wir beten aber zu Gott, daß ihr nichts Böses tun möget; nicht damit wir bewährt

erscheinen, sondern damit ihr das Gute sucht, wir aber wie Unbewährte sind. 13,8 Denn wir vermögen

nichts gegen die Wahrheit, sondern [nur] für die Wahrheit. 13,9 Denn wir freuen uns, wenn wir

schwach sind, ihr aber mächtig seid; um dieses beten wir auch, um eure Vervollkommnung. 13,10

Deswegen schreibe ich dieses abwesend, damit ich anwesend nicht Strenge anwenden muß nach der

Vollmacht, die der Herr mir gegeben hat zur Erbauung und nicht zur Zerstörung.

Schlußermahnungen, Grüße,

Segenswunsch.

13,11 Im übrigen, Brüder, freut euch, laßt euch zurechtbringen, laßt euch ermuntern, seid eines

Sinnes, haltet Frieden, und der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch sein. 13,12 Grüßt

einander mit heiligem Kuß. Es grüßen euch alle Heiligen. 13,13 Die Gnade des Herrn Jesus Christus

und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Der Brief an die Galater.

Verfasser, Empfänger und Gruß.

Kapitel 1

1,1 Paulus, Apostel, nicht von Menschen [her], auch nicht durch einen Menschen, sondern durch

Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn aus den Toten auferweckt hat, 1,2 und alle Brüder, die bei

mir sind, den Gemeinden von Galatien: 1,3 Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem

Herrn Jesus Christus, 1,4 der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausreiße

aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, 1,5 dem die

Herrlichkeit [sei] in alle Ewigkeit! Amen.

Abkehr der Galater vom reinen

Evangelium.

1,6 Ich wunderte mich, daß ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen

hat, abwendet zu einem anderen Evangelium, 1,7 [wo] es [doch] kein anderes gibt; einige verwirren

euch nur und wollen das Evangelium des Christus umkehren. 1,8 Wenn aber auch wir oder ein Engel

aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als

Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht! 1,9 Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt

wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt entgegen dem, was ihr empfangen habt:

er sei verflucht! 1,10 Denn rede ich jetzt Menschen zuliebe oder Gott? Oder suche ich Menschen zu

gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich Christi Knecht nicht.

Unabhängigkeit des Paulus von den

anderen Aposteln.

1,11 Ich teile euch aber mit, Brüder, daß das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher

Art ist. 1,12 Ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch

Offenbarung Jesu Christi. 1,13 Denn ihr habt von meinem früheren Verhalten im Judentum gehört,

daß ich die Gemeinde Gottes über die Massen verfolgte und sie zu vernichten suchte 1,14 und im

Judentum mehr Fortschritte machte als viele Altersgenossen in meinem Volk; ich war ja für meine

[überkommenen] väterlichen Überlieferungen in viel höherem Masse ein Eiferer. 1,15 Als es aber

dem, der mich von meiner Mutter Leibe an ausgewählt und durch seine Gnade berufen hat, gefiel,

1,16 seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den Nationen verkündigte, zog ich nicht

Fleisch und Blut zu Rate. 1,17 Ich ging auch nicht nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir

Apostel waren, sondern ich ging sogleich fort nach Arabien und kehrte wieder nach Damaskus

zurück. 1,18 Darauf, nach drei Jahren, ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennenzulernen

und blieb fünfzehn Tage bei ihm. 1,19 Keinen anderen der Apostel aber sah ich außer Jakobus, den

Bruder des Herrn. 1,20 Was ich euch aber schreibe - siehe, vor Gott! -, ich lüge nicht. 1,21 Darauf

kam ich in die Gegenden von Syrien und Cilicien. 1,22 Ich war aber den Gemeinden in Judäa, die in

Christus sind, von Angesicht unbekannt. 1,23 Sie hatten aber nur gehört: Der, der uns einst verfolgte,

verkündigt jetzt den Glauben, den er einst zu vernichten suchte; 1,24 und sie verherrlichten Gott um

meinetwillen.

Anerkennung des Paulus durch die

Apostel.

Kapitel 2

2,1 Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wieder nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch

Titus mit. 2,2 Ich zog aber einer Offenbarung zufolge hinauf und legte ihnen das Evangelium vor, das

ich unter den Nationen predige, den Angesehenen aber besonders, damit ich nicht etwa vergeblich

laufe oder gelaufen wäre. 2,3 Aber nicht einmal Titus, der bei mir war, wurde, obwohl er ein Grieche

ist, gezwungen, sich beschneiden zu lassen; 2,4 und zwar wegen der heimlich eingedrungenen

falschen Brüder, die sich eingeschlichen hatten, um unsere Freiheit, die wir in Christus Jesus haben,

zu belauern, damit sie uns in Knechtschaft brächten. 2,5 Denen haben wir auch nicht eine Stunde

durch Unterwürfigkeit nachgegeben, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch verbliebe. 2,6 Von

denen aber, die in Ansehen standen - was immer sie auch waren, das macht keinen Unterschied für

mich, Gott sieht keines Menschen Person an -, die Angesehenen haben mir nämlich nichts zusätzlich

auferlegt, 2,7 sondern im Gegenteil, als sie sahen, daß mir das Evangelium für die Unbeschnittenen

anvertraut war ebenso wie Petrus das für die Beschnittenen 2,8 - denn der, der in Petrus zum

Apostelamt für die Beschnittenen wirksam war, war auch in mir für die Nationen wirksam -, 2,9 und

als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben worden ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes,

die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas den Handschlag der Gemeinschaft, damit wir

unter die Nationen [gingen], sie aber unter die Beschnittenen. 2,10 Nur sollten wir der Armen

gedenken, was zu tun ich mich auch befleißigt habe.

Paulus und Petrus in Antiochien:

Glaube und Gesetz.

2,11 Als aber Kephas nach Antiochien kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er [durch sein

Verhalten] verurteilt war. 2,12 Denn bevor einige von Jakobus kamen, hatte er mit [denen aus] den

Nationen gegessen; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, da er sich vor denen

aus der Beschneidung fürchtete. 2,13 Und mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so daß selbst

Barnabas durch ihre Heuchelei mit fortgerissen wurde. 2,14 Als ich aber sah, daß sie nicht den

geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums wandelten, sprach ich zu Kephas vor allen: Wenn

du, der du ein Jude bist, wie die Nationen lebst und nicht wie die Juden, wie zwingst du denn die

Nationen, jüdisch zu leben? 2,15 Wir [sind] von Natur Juden und nicht Sünder aus [den] Nationen,

2,16 aber [da] wir wissen, daß der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur

durch den Glauben an Christus Jesus, haben wir auch an Christus Jesus geglaubt, damit wir aus

Glauben an Christus gerechtfertigt werden und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken

kein Fleisch gerechtfertigt wird.

2,17 Wenn aber auch wir selbst, die wir in Christus gerechtfertigt zu werden suchen, als Sünder

erfunden wurden - ist dann also Christus ein Diener der Sünde? Das ist ausgeschlossen. 2,18 Denn

wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, so stelle ich mich selbst als Übertreter hin.

2,19 Denn ich bin durchs Gesetz [dem] Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe; ich bin mit Christus

gekreuzigt, 2,20 und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch

lebe, lebe ich im Glauben, [und zwar im Glauben] an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich

selbst für mich hingegeben hat. 2,21 Ich mache die Gnade Gottes nicht ungültig; denn wenn

Gerechtigkeit durch Gesetz [kommt], dann ist Christus umsonst gestorben.

Die Gerechtigkeit kommt aus dem

Glauben, nicht aus dem Gesetz.

Kapitel 3

3,1 O unverständige Galater! Wer hat euch bezaubert, denen Jesus Christus als gekreuzigt vor Augen

gemalt wurde? 3,2 Nur dies will ich von euch wissen: Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken

empfangen oder aus der Kunde des Glaubens? 3,3 Seid ihr so unverständig? Nachdem ihr im Geist

angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden? 3,4 So Großes habt ihr vergeblich erfahren?

Wenn es wirklich vergeblich [ist]!

3,5 Der euch nun den Geist darreicht und Wunderwerke unter euch wirkt, [tut er es] aus

Gesetzeswerken oder aus der Kunde des Glaubens? 3,6 Ebenso wie Abraham Gott glaubte und es ihm

zur Gerechtigkeit gerechnet wurde. 3,7 Erkennet daraus: die aus Glauben sind, diese sind Abrahams

Söhne. 3,8 Die Schrift aber, voraussehend, daß Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen werde,

verkündigte dem Abraham die gute Botschaft voraus: `In dir werden gesegnet werden alle Nationen.

3,9 Folglich werden die, die aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet. 3,10 Denn alle,

die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: `Verflucht ist jeder,

der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun! 3,11 Daß aber

durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn `der Gerechte wird aus Glauben

leben. 3,12 Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: `Wer diese Dinge getan hat, wird durch

sie leben. 3,13 Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns

geworden ist - denn es steht geschrieben: `Verflucht ist jeder, der am Holz hängt! -, 3,141 damit der

Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme, damit wir die Verheißung des Geistes

durch den Glauben empfingen.

Das Gesetz hebt die

Glaubensverheißungen nicht auf.

3,15 Brüder, ich rede nach Menschenweise: selbst bei eines Menschen rechtskräftig bestätigtem

Testament hebt niemand es auf oder fügt etwas hinzu. 3,16 Dem Abraham aber wurden die

Verheissungen zugesagt und seiner Nachkommenschaft. Er spricht nicht: `und seinen Nachkommen

von vielen, sondern von einem: `und deinem Nachkommen, [und] der ist Christus. 3,17 Dies aber sage

ich: Einen vorher von Gott bestätigten Bund macht das vierhundertdreißig Jahre später entstandene

Gesetz nicht ungültig, so daß die Verheißung unwirksam geworden wäre. 3,18 Denn wenn das Erbe

aus [dem] Gesetz [kommt], so [kommt es] nicht mehr aus [der] Verheißung; dem Abraham aber hat

Gott [es] durch Verheißung geschenkt. 3,19 Was [soll] nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen

wegen hinzugefügt - bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt -, angeordnet durch Engel in

der Hand eines Mittlers. 3,20 Ein Mittler aber ist nicht [Mittler] von einem; Gott aber ist [nur] einer.

3,21 Ist denn das Gesetz gegen die Verheissungen Gottes? Das ist ausgeschlossen. Denn wenn ein

Gesetz gegeben worden wäre, das lebendig machen könnte, [dann] wäre wirklich die Gerechtigkeit

aus Gesetz. 3,22 Aber die Schrift hat alles unter [die] Sünde eingeschlossen, damit die Verheißung aus

Glauben an Jesus Christus den Glaubenden gegeben werde. 3,23 Bevor aber der Glaube kam, wurden

wir unter Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte. 3,24

Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben

gerechtfertigt würden. 3,25 Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem

Zuchtmeister; 3,26 denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus. 3,27 Denn

ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen. 3,28 Da ist nicht Jude

noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in

Christus Jesus. 3,29 Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft

[und] nach Verheißung Erben.

Befreiung aus der Knechtschaft des

Gesetzes zur Sohnschaft durch Jesus

Christus.

Kapitel 4

4,1 Ich sage aber: solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven,

obwohl er Herr über alles ist; 4,2 sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom

Vater festgesetzten Frist. 4,3 So waren auch wir, als wir Unmündige waren, unter die Elemente der

Welt versklavt; 4,4 als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau,

geboren unter Gesetz, 4,5 damit er die loskaufte, [die] unter Gesetz [waren], damit wir die Sohnschaft

empfingen. 4,6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der

da ruft: Abba, Vater! 4,7 Also bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch

Erbe durch Gott. 4,8 Damals jedoch, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht

Götter sind; 4,9 jetzt aber habt ihr Gott erkannt - vielmehr ihr seid von Gott erkannt worden. Wie

wendet ihr euch wieder zu den schwachen und armseligen Elementen zurück, denen ihr wieder von

neuem dienen wollt? 4,10 Ihr beobachtet Tage und Monate und bestimmte Zeiten und Jahre. 4,11 Ich

fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich an euch gearbeitet habe.

4,12 Seid wie ich, denn auch ich bin wie ihr, Brüder, ich bitte euch; ihr habt mir nichts zuleide getan.

4,13 Ihr wißt aber, daß ich euch einst in Schwachheit des Fleisches das Evangelium verkündigt habe,

4,14 und meine Versuchung an meinem Körper habt ihr nicht verachtet noch verabscheut, sondern

wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, wie Christus Jesus. 4,15 Wo [ist] nun eure

Glückseligkeit? Denn ich bezeuge euch, daß ihr, wenn möglich, eure Augen ausgerissen und mir

gegeben hättet. 4,16 Bin ich also euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sage? 4,17 Sie

eifern um euch nicht gut, sondern sie wollen euch ausschließen, damit ihr um sie eifert. 4,18 Gut ist

aber, allezeit im Guten zu eifern, und nicht nur, wenn ich bei euch anwesend bin. 4,19 Meine Kinder,

um die ich abermals Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt gewonnen hat - 4,20 ich

wünschte aber, jetzt bei euch anwesend zu sein und meine Stimme zu wandeln, denn ich bin wegen

euch im Zweifel.

4,21 Sagt mir, die ihr unter Gesetz sein wollt, hört ihr das Gesetz nicht? 4,22 Denn es steht

geschrieben, daß Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd und einen von der Freien; 4,23 aber