buddhismus
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Grundsätzliches zum Buddhismus!

Vor etwa 250 Jahre verließ ein Prinz namens Siddharta Gautama Haus und Weib und machte sich auf, um die Erleuchtung zu finden. Nach 6 Jahren beständiger Suche erlangte Gautama schließlich, in einem Zustand langer Meditation unter einem Baum sitzend, die Erleuchtung, das Nirwana. Von da an wurde er als Buddha - der Erleuchtete - bekannt, und seine Lehren und das Beispiel seines Lebens bilden die Grundlage des Buddhismus. Nirwana ist der unveränderliche Zustand, der endgültige Zustand reinen Seins, den alle erleuchteten Wesen ( Buddhas ) erreichen.
Das Gebiet des Buddhismus erstreckt sich auf die ganze Welt. Länder wie Indien, Sri Lanka, Birma, Thailand, Nepal, Bhutan und Sikkhim zählen zu den Ländern, in denen der Buddhismus am meisten praktiziert wird. Von dort aus wurde er über die Seidenstraße nach China, in die Mongolei, nach Korea und Japan gebracht. Der Buddhismus ist auch nach Vietnam, Laos, Kambodscha, Indonesien und seit neuestem auch in die U.S.A., nach Europa, Australien und Neuseeland verpflanzt worden.
Mit der Zeit entwickelte sich der Buddhismus - wahrscheinlich die friedliebendste der Religionen - in verschiedene Schulen, die ihre eigenen Traditionen hervorbrachten. In Sri Lanka, Birma und Thailand wird die Haupttradition Therawada genannt - der Weg der Theras, der älteren Mönche oder Ältesten. Therawada hat einen konservativen Ansatz und glaubt, daß seine Tradition die frühesten und echtesten buddhistischen Vorstellungen und Bräuche widerspiegelt. Diese Form des Buddhismus wird wegen ihrer Schrift, der Pali - Schrift, in der die angeblichen tatsächlichen Wörter von Siddharta im Pali - Kanon geschrieben sind, auch Pali - Buddhismus oder südlicher Buddhismus genannt.
Der andere Hauptteil des Buddhismus ist Mahajana - das bedeutet “großer Weg” oder “großes Fahrzeug". Seine Schriften entstanden in Sanskrit, so daß diese Form des Buddhismus Sanskrit - Buddhismus genannt wird. Mahajana umfaßt auch den tibetischen Buddhismus, dessen Führer, der Dalai - Lama, eine im Westen bekannte Figur ist.

Die drei Juwelen

Im Buddhismus gibt es drei Hauptgesichtspunkte - die drei Juwelen. die eine Grundlage für Handeln und Glauben bilden. Das erste Juwel ist der Buddha, der nach Jahren der Suche die Erleuchtung fand, den er von da an anderen lehrte. Das zweite ist das Dharma, die Lehre oder Wahrheit darüber, wie Dinge sind. Das letzte Juwel ist die Sangha, die Gemeinschaft von Mönchen, Nonnen und Laien, die die Lehre leben und anderen dabei helfen. Die Sangha ist wichtig, weil ihre Mitglieder die buddhistische Lehre bewahren und ihren Fortbestand sichern. Die drei Juwelen werden auch die drei Zuflüchte genannt. Um Buddhist zu werden, sucht ein Mensch “Zuflucht” und zeigt, daß er zur Erlösung von den Leiden von den Juwelen abhängt. Dies Geschieht in einer öffentlichen oder privaten Zeremonie, in der die folgende Formel dreimal wiederholt wird: “Ich suche Zuflucht beim Buddha; ich suche Zuflucht beim Dharma; ich suche Zuflucht beim Sangha.”
Buddhisten sind zuallererst an der Wahrheit darüber, wie die Dinge sind, interessiert. Das Dharma, auch "Lehre" oder "Gesetz des Lebens", ist das, was der Buddha bei seiner Erleuchtung entdeckte. Buddhisten verwenden für den Zustand des ständigen Wandels und Todes, der das Dasein kennzeichnet, den Begriff Samsara. Es hat drei Eigenschaften: Das Leiden (Dukkha), Unbeständigkeit (Anitja) und das Fehlen einer den Tod überlebenden ewigen Seele (Anatman).
Das Ziel der Buddhisten ist es, selbstlos zu leben und Samsarsa zu verstehen. Das letztere wird oft mit einem Haus verglichen, in dem die Feuer von Haß, Gier und Unwissenheit brennen. Wenn diese Feuer sich legen und gelöscht sind, ist Nirwana da.
Der Weg zum Nirwana schließt Entsagung ein - hauptsächlich eine innere Abwendung von falschen Ideen und aller Gier, allem Haß und aller Unwissenheit.
Die Wege zum Nirwana sind in zwei deutliche Gruppen unterschieden: Weltentsager (das sind Mönche und Nonnen) und “Haushaltende”, also Laien. Zusammen bilden sie die vorher genannte Sangha.
Mönche folgen einem strengen Lebensstil, der das Zölibat, den Besitz nur weniger elementarer Dinge und die völlige Abhängigkeit von Laien für ein tägliches Mahl, Obdach und Kleidung umfaßt. Sie tragen safrangelbe, kastanienbraune oder schwarze Gewänder und am Gürtel die sieben Teile der Grundausstattung: eine Almosenschale, ein Gürtel, ein Rasiermesser, eine Nadel, ein Filter, um lebende Organismen vor dem Trinken aus dem Wasser zu sieben, ein Stock und einen Zahnstocher. Mönche meditieren, lernen und leben den in den buddhistischen Ländern so geachteten selbstlosen und weisen Lebensstil. Als Gegenleistung für das von Laien Empfangene geben die Mönche etwas, was sie für ein größeres Geschenk halten: das Dharma. Laien versuchen, ein moralisches Leben zu führen, gegründet auf fünf Prinzipien: keinem Lebewesen zu schaden, nichts zu nehmen, was nicht gegeben wird, die Körpersinne nicht zu mißbrauchen, von falscher Rede abzusehen sowie sich von den Geist benebelnden Getränken und Drogen fernzuhalten. Sie erweisen Buddha Achtung, in dem sie Opfergaben von Blumen, Weihrauch und Licht vor seine Bilder legen.

Gautama der Buddha

Der Titel “Buddha” bedeutet der “Erleuchtete” und bezieht sich meist auf Gautama Buddha, einem indischen Prinzen, der nach der Überlieferung von 566 bis 486 v. Chr. in Nordostindien lebte. Buddhisten glauben, das es vor Gautama auch andere Buddhas gab und zumindest einer noch kommen wird.
Gautamas Eltern waren lokale Herrscher in einem kleinem Königreich im Gangestal. In der Nacht seiner Empfängnis sah seine Mutter - Königin Maja - einen weißen Elefanten - das Zeichen für ein außergewöhnliches Wesen - in ihren Schoß eingehen.
Gautama wurde in Kapilawastu im heutigen Nepal geboren, und seine Geburt wurde von Wunderzeichen begleitet. Seine Mutter starb kurz nach seiner Geburt, und er wuchs bei seiner Tante auf. Als er älter wurde, heiratete Gautama die Prinzessin Jasodhara, mit der er einen Sohn namens Rahula. Doch obwohl er ein glückliches Leben hatte, wurde Gautama unruhig und beschloß, gegen den Wille seines Vaters aus dem Palast zu kommen. Dort sah er einen Kranken, eine Leiche, einen alten Mann und einen umherziehenden Heiligen. Diese 4 Zeichen veranlaßten Gautama, um über die Bedeutung der Suche nach dem Sinn des Lebens nachzudenken. Mit 29 Jahren verließ er seine Familie und begann sein heimatloses Leben zu führen - ein Geschehnis, das als die große Entsagung bekannt ist. 6 Jahre nach seiner Entsagung kam Gautama an einen heiligen Baum und entschloß sich, so lange zu meditieren, bis er die Antwort auf sein Suchen gefunden hatte. Dort erlangte er die Erleuchtung. Von da an lehrte er seine zahlreichen Anhänger, bis er im Alter von 80 Jahren in Kusinara friedlichen Todes ins Parinirwana, das letzte Nirwana, einging.
 
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BUDDHA UND SEINE JÜNGER

Alles, was wir von Buddha und seiner Lehre wissen, verdanken wir seinen Jüngern. Buddha hat nichts Schriftliches hinterlassen; er schrieb nicht, er redete. Auch seine unmittelbaren Jünger haben nichts aufgeschrieben. Im alten Indien hatte man zwar eine Schrift, aber man gebrauchte sie nur für profane, weltliche Zwecke. Die Wissenschaft, besonders religiöse und philosophische Lehren und alles, was damit zusammenhängt, vertraute man der Schrift nicht an. Vielleicht wollte man dadurch verhüten, daß solch heilig gehaltenes Wissen in unberufene Hände gelangte; entscheidend war aber wahrscheinlich ein anderer Grund: die mündliche Überlieferung schien zuverlässiger zu sein als die schriftliche. Die Schrift kann mit ihren Zeichen zwar die Worte wiedergeben und die Laute, Selbstlaute und Mitlaute, andeuten, aus denen die Worte bestehen, aber sie bietet keine Gewähr dafür, daß der Lesende die Worte wirklich so ausspricht, wie sie der Meister oder der Verfasser gesprochen hat, mit der gleichen Betonung und mit den gleichen Pausen. Wenn dagegen, wie es im alten Indien üblich war, der Schüler die vom Lehrer vorgesprochenen Sätze genau nachspricht und sie mit ihrem Klang und vielleicht auch mit den Gesten des Lehrers seinem Gedächtnis fest einprägt und das so Gelernte später wieder als Lehrer seinen Schülern genau so vorspricht, dann bleibt das Wort des Meisters über viele Geschlechterfolgen hinaus lebendig. Auf diese Weise wurde im alten Indien die hohe Literatur und mit ihr auch die buddhistische Jahrhunderte lang überliefert. Erst lange nach dem Tode Gotamas, als im buddhistischen Orden der Lerneifer der Schüler nachließ und infolgedessen die Gefahr bestand, daß etwas von dem, was Buddhas Jünger sich gemerkt und weitergegeben hatten, verloren gehen könnte, entschloß man sich, die Überlieferung aufzuschreiben. Das Geschriebene wurde dann im Laufe der Zeit immer wieder abgeschrieben, und beim Abschreiben schlichen sich in der Tat hier und da kleine Schreibfehler ein, die jedoch in der neuesten Zeit durch Vergleichung verschiedener Handschriften von europäischen Gelehrten wieder verbessert werden konnten.

Während die Jünger von Buddhas Reden, Aussprüchen und Lehrgedichten sehr viel und auch viele Angaben über Gotamas Lebenslauf überlieferten, haben sie über sich selbst fast nichts und nur wenig über einander berichtet, und dieses wenige ist über den ganzen Kanon hin zerstreut. Daher kam Hermann Oldenberg, ein Bahnbrecher der Buddha-Forschung, zu der Meinung, daß die Persönlichkeiten der einzelnen Jünger kaum zu erkennen seien; er schrieb:

 

"Die großen Jünger, die den Meister umgaben, Sáriputta und Moggallána, Upáli und Ananda, in den alten Erzählungen vollkommen gleich, und ihr Bild ist wieder nichts als das ununterscheidbar ähnliche, nur verkleinerte Abbild Buddhas selbst." . . . "Jeder der großen Jünger sieht dem andern zum Verwechseln gleich; dasselbe Musterbild höchster Reinheit, höchsten inneren Friedens, höchster Ergebenheit für Buddha. Das sind nicht Personen, sondern es ist der fleischgewordene Gemeindegeist der Jünger Buddhas." (Oldenberg, "Buddha, sein Leben, seine Lehre, seine Gemeinde", 5. Auflage, 1906, Seite 162 und 181.)

Wenn man aber die spärlichen und zerstreuten Einzelheiten über die Personen der Jünger sammelt und zusammenfügt, so können doch, wie aus einzelnen bunten kleinen Steinchen, Mosaikbilder entstehen, die durchaus charakteristische Unterschiede der bedeutenden Jünger deutlich erkennen lassen. Es wird sich zeigen, daß die Jünger bei aller Ergebenheit für Buddha doch sehr verschiedenartige Persönlichkeiten waren und blieben, die auch ihre eigenen Meinungen, ihren eigenen Stil, ihre eigenen Redewendungen hatten.

 

Im Alter von neunundzwanzig Jahren hatte Gotama sein Heim in Kapilavatthu verlassen und war hinausgezogen, "um das Heilsame zu suchen" ). Gründlich hatte er zuerst bei gelehrten Brahmanen das ganze Wissen seiner Zeit, die Lehren der Upanischaden und des Yoga, erlernt, dann in Gemeinschaft mit fünf anderen Heilsuchern die Yogaübungen unermüdlich betrieben, bis er erschöpft zusammenbrach und die übertriebene Askese als nutzlos und schädlich erkannte. Nachdem er sich wieder erholt hatte und, nahe dem Dorf Uruvela unter einem Feigenbaum sitzend, in einem neuen Verfahren der Geistessammlung das entscheidende große Erlebnis gewonnen hatte, war er ein Buddha, ein Erwachter, geworden. Das Erlebnis nennt man seitdem die Bodhi oder das Erwachen und den Baum den Bodhibaum.

Anfangs neigte Buddha dazu, über sein Erlebnis Stillschweigen zu bewahren, weil es alles Denken übersteigt und deshalb nicht durch Worte mitgeteilt werden kann. Er befürchtete, daß man ihn nicht verstehen würde, wenn er darüber spräche, und daß ihm daraus nur Verdruß erwachsen würde. Bald aber überwog in ihm das Mitgefühl mit der leidenden Menschheit und er entschloß sich, zwar nicht das Erlebnis selbst, das ja nicht in Worte zu fassen ist, wohl aber den Weg zu verkünden, auf dem auch andere Menschen zu demselben Erlebnis gelangen können. Hoch beglückt rief er aus: "Das Unsterbliche ist gefunden!" und wanderte nach dem Gazellenhain bei Benares, wo sich, wie er wußte, jene fünf Heilsucher aufhielten, die ihn verlassen hatten, als er nach seinem Zusammenbruch die Yogaübungen aufgab. Er begrüßte sie mit dem Ruf: "Öffnet euer Ohr! Das Unsterbliche ist gefunden!" und verkündete ihnen die "vier edlen Wahrheiten", deren vierte der "achtfache Weg" ist, der Weg zum Unsterblichen.


Das Unsterbliche

 

"Amatam adhigatam'', sagte Buddha, "das Unsterbliche ist gefunden!" In diesen Worten ist das Programm seiner Lehre, seiner ganzen Lehrtätigkeit ausgesprochen. Man muß es recht verstehen, wenn man die Buddha-Lehre verstehen will. Die fünf ersten Hörer verstanden es, denn - so wird regelmäßig hinzugefügt - sie verstanden: "Kinci samudayadhammam sabbam tam nirodhadhammam" - "Alles, was entsteht, muß wieder vergehen." Amatam, das Unsterbliche, ist also nicht "ewiges Leben", denn alles Leben ist Entstehen und Vergehen. Leben und Sterben gehören zusammen, sind nicht voneinander zu trennen. Darum ist Leben notwendig unvollkommen, notwendig mit dem Leid der Vergänglichkeit verbunden. Das Leben als Ganzes mag ohne Anfang und ohne Ende sein, das Leben des Einzelwesens ist notwendig durch Geburt und Tod begrenzt; es entsteht, und deshalb muß es auch vergehen, auf den Tod aber folgt neues Leben, das wieder mit dem Tode endigt. Das war die herrschende Meinung der Brahmanen und die feste Überzeugung aller, die zu Buddha kamen.

 

"Dem Geborenen ist der Tod gewiß,
gewiß ist die Geburt dem Sterbenden",

 

heißt es in der Bhagavadgita II, 27. Aus diesem unheilvollen Lauf der Wiedergeburten suchten viele den Ausweg; Buddha fand ihn; er fand das Unsterbliche. Er vertröstete nicht auf ein ungewisses Jenseits, sondern er zeigte den Weg, auf dem jeder, der ihn versteht und befolgt, schon im gegenwärtigen Leben das Unsterbliche finden kann. Buddha nannte es auch das Nibbána, oder in Sanskrit: Nirvana, und pries es als die höchste, unvergleichliche, überweltliche Seligkeit, unberührt von Leben und Sterben.

Der erste, der Buddha verstand, war Kondannya, dann folgten Vappa und Bhaddiya, zuletzt Mahánáma und Assaji. Sie schlossen sich dem Erhabenen als seine Jünger, als Bhikkhus, an, und damit war der buddhistische Orden, der Sangha, gegründet, der bis auf den heutigen Tag besteht. Bhikkhu bedeutet "Almosenempfänger". Der Bhikkhu hat auf Eigentum verzichtet, er fristet sein Leben von den Gaben frommer Laien, aber er bettelt nicht, er ist kein "Bettelmönch". Wenn er Speise sammelt, tritt er stillschweigend, mit gesenktem Blick, vor die Türen der Häuser und wartet mit seiner Schale, ob ihm Speise gereicht wird. Er dankt auch nicht, sondern die Laien danken ihm dafür, daß er ihnen Gelegenheit gegeben hat, ein gutes Werk zu tun.

Kondannya erhielt den Beinamen Annyátar, der Versteher. Von den fünf ersten Jüngern hat nur der letzte, Assaji, im Leben der Jüngergemeinde eine Rolle gespielt, und zwar eine sehr wichtige.


Assaji

 

Als Assaji eines Tages in Rájagaha, der Residenz des König von Mágadha, Speise sammelnd von Haus zu Haus ging, erblickte ihn ein Schüler des Wanderlehrers Sanjaya namens Sáriputta, der mit seinem Freunde Moggallána vereinbart hatte, daß, wer von ihnen zuerst "das Unsterbliche fände", es dem andern melden sollte. Assaji fiel ihm auf durch sein würdiges Benehmen und seinen verklärten Gesichtsausdruck. Sáriputta sah ihm sofort an, daß er ein hoch beglückendes Erlebnis gehabt hat, und vermutete, daß Assaji entweder ein Heiliger sei oder es doch bald sein werde. Es wäre aber unhöflich gewesen, ihn während des Speisesammelns anzusprechen. Darum folgte er ihm in angemessenem Abstand, bis Assaji mit gefüllter Schale den Rückweg antrat, ging dann auf ihn zu und fragte ihn nach höflicher Begrüßung, wer sein Meister sei und worin dessen Lehre bestehe. Assaji erwiderte: "Mein Meister ist der große Weise aus dem Stamme der Sakya, Gotama, der Buddha. Ich bin aber ein Neuling, erst kürzlich habe ich die Weihe empfangen. Daher kann ich dir die Lehre nicht ausführlich im einzelnen darlegen, aber ich will dir kurz. ihren Hauptinhalt sagen." Sáriputta sprach darauf: "Gut, sprich so kurz oder so lang, als du willst, wenn du mir nur das Wesentliche der Lehre aufzeigst." Und nun gab ihm Assaji diesen Spruch, der bis auf den heutigen Tag in ganz Ostasien als die kürzeste Zusammenfassung der Buddha-Lehre berühmt ist:

 

"Von den bedingt entstandenen Dingen
Gibt Buddha uns die Ursach' an,
Und auch wie sie zugrunde gingen,
Erklärt der große weise Mann."

 

Als Sáriputta diese Worte hörte, verstand er sofort ihren tiefen Sinn: in diesem Spruch ist die Lehre von der Bedingtheit alles Entstehens, die Kette der Abhängigkeitsverhältnisse, die der ganzen Erscheinungswelt zugrunde liegt, kurz zusammengefaßt. Innerhalb der Erscheinungswelt - so verstand Sáriputta - sind alle Dinge bedingt; wird die Bedingung, unter der sie entstanden und da sind, aufgehoben, so verschwinden sie. Wie die Abhängigkeitsverhältnisse ineinandergreifen, hat Buddha erklärt, er hat aber auch gezeigt, wie die Aufhebung der Ursache die Wirkung, die Aufhebung der Bedingung das Bedingte aufhebt und zum Schwinden bringt, und damit ist der Weg zur Beendigung alles Leidens, das ja bedingt entstanden ist, der Weg zum Nirvana gewiesen. Das wurde Sáriputta sofort klar, und es ging ihm, wie es in dem alten Bericht heißt, "das von Leidenschaft und Unreinheit freie Verständnis der Lehre auf", und er sprach: "Wenn dies allein die Lehre ist, dann hast du den Zustand erreicht, wo es keinen Kummer gibt, den Zustand, der viele hundert tausend Weltzeitalter hindurch unerkannt geblieben ist." Sáriputta ging nun sogleich zu seinem Freunde Moggallána und teilte ihm seine Entdeckung mit. Auch Moggallána verstand alsbald den Sinn des Spruchs und schlug seinem Freunde vor, zu Buddha überzutreten. Sáriputta aber hatte zunächst ein Bedenken, das seinem feinen Gefühl für Recht und Unrecht entsprang. Die beiden Freunde waren nämlich die angesehensten und vielleicht auch die ältesten unter den Schülern Sanjayas. Wenn sie mit etwa 18 Jahren ihr Studium begonnen hatten, so gehörten sie jetzt schon wenigstens zwanzig Jahre der Schule Sanjayas an. Das ergibt sich daraus, daß Gotama damals im 37. Lebensjahre stand und sie etwas älter als er, also mindestens 38 Jahre alt waren. Sáriputta meinte nun, da die rund 250 Schüler Sanjayas ihnen beiden besonderes Vertrauen schenkten, gehöre es sich, daß sie einen solchen Schritt, wie den Übertritt zu einem andern Lehrer, nicht unternehmen, ohne jene vorher davon zu verständigen. Moggallána stimmte zu, und so setzten sie ihren bisherigen Studiengenossen auseinander, warum sie sich Buddha anschließen wollten. Das Ergebnis war, daß sämtliche Schüler Sanjayas, die offenbar von dessen Lehre auch nicht recht befriedigt waren, Sáriputta und Moggallána folgten. Die beiden Freunde gingen auch zu Sanjaya, um sich von ihm zu verabschieden. Dieser aber versuchte, sie bei sich zu behalten, indem er ihnen anbot, von nun an gemeinsam mit ihm die Schule zu leiten. Er wollte sie als gleichberechtigte Lehrer neben sich stellen. Das war ein ungewöhnlicher, ehrenvoller Antrag, denn es war nichts Geringes, Leiter einer Philosophenschule zu sein. Trotzdem lehnten sie ab und gingen mit der ganzen Schule zu Buddha über. Sanjaya wurde darüber so erregt, daß er einen Blutsturz bekam. "Heißes Blut stürzte ihm aus dem Munde."
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Mahavagga

1. Die Erwachung

(Dieses Kapitel ist dem kleinen Büchlein "Das Leben des Buddha" von Dr. Julius Dutoit, Ullstein Verlag 1921 entnommen. Diese Büchlein habe ich durch Zufall von einem thailändischen Mönch in Chiangmai/Thailand im Wat Rampoeng Tapodharam erhalten. Der Mönch erzählte mir, er hätte das Büchlein gegen die Brille von Mahatma Gandhi eingetauscht.)
 

1. Zu dieser Zeit verweilte der Erhabene Buddha bei Uruvela am Ufer des Flusses Neranjara am Fuße des Bodhibaumes, zum ersten Male ganz erleuchtet. Da saß der Erhabene sieben Tage lang mit gekreuzten Beinen, der Wonne der Loslösung vom Irdischen sich erfreuend. 

2. Und der Erhabene überdachte während der ersten Nachtwache in seinem Geiste vorwärts und rückwärts die Kette der bedingten Entstehung (paticca-samuppada):

  • Aus dem Nichtwissen entstehen die Karma-Formationen (sankhára),
  • aus den Karma-Formationen das Bewußtsein,
  • aus dem Bewußtsein Geistiges und Körperliches,
  • aus Geistigem und Körperlichem der sechsfache Sinnen-(bereich) (ayatana),
  • aus den sechsfachen Sinnen-(bereich) der Bewußtseinseindruck (phassa),
  • aus dem Bewußtseinseindruck das Gefühl,
  • aus dem Gefühl das Begehren,
  • aus dem Begehren das Anhaften,
  • aus dem Anhaften der Werdeprozess (bhava),
  • aus dem Werdeprozess die Geburt,
  • aus der Geburt Alter, Tod, Kummer, Trauer, Unheil, Mißstimmung und Verzweiflung.

So verhält es sich mit dem Ursprung dieser ganzen Masse von Leid.

  • Durch das gänzliche Aufhören und Verschwinden des Nichtwissens nun hören die Karma-Formationen auf,
  • durch das Aufhören der Karma-Formationen das Bewußtsein,
  • durch das Aufhören des Bewußtseins Geistiges  und Körperliches,
  • durch das Aufhören von Geistigem und Körperlichem der sechsfache Sinnen-(bereich),
  • durch das Aufhören des sechsfachen Sinnen-(bereich) der Bewußtseinseindruck,
  • durch das Aufhören des Bewußtseinseindrucks das Gefühl,
  • durch das Aufhören des Gefühls das Begehren,
  • durch das Aufhören des Begehrens das Anhaften,
  • durch das Aufhören des Anhaftens der Werdeprozess,
  • durch das Aufhören des Werdeprozesses die Geburt,
  • durch das Aufhören der Geburt Alter, Tod, Kummer, Trauer, Unheil, Mißstimmung und Verzweiflung.

So verhält es sich mit dem Aufhören dieser ganzen Masse von Leiden.

3. Als nun der Erhabene diesen ganzen Sachverhalt erkannte, brach er zu dieser Zeit in folgenden begeisterten Ruf aus:

"Wahrhaftig, wenn die Wahrheit aufgeht 
einem eifrigen, dem schauend Höchsten, 
dann vergehen dessen Zweifel alle, 
weil er die Wahrheit samt Entstehung sieht."

4.. Darauf überdachte der Erhabene während der zweiten Nachtwache in seinem Geiste vorwärts und rückwärts die Kette der bedingten Entstehung: Aus dem Nichtwissen ... Mißstimmung und Verzweiflung. Durch das gänzliche Aufhören und Verschwinden des Nichtwissens ... und Verzweiflung. (Genau wie oben.) 

5. Da nun der Erhabene diesen Sachverhalt erkannte, brach er zu dieser Zeit in folgenden begeisterten Ruf aus:

"Wahrhaftig, wenn die Wahrheit aufgeht 
einem eifrigen, dem schauend Höchsten, 
dann vergehen dessen Zweifel alle, 
weil er die Vernichtung der Bedingtheit erkannt hat."

6. Und auch während der dritten Nachtwache überdachte der Erhabene in seinem Geiste vorwärts und rückwärts die Kette der bedingten Entstehung: Aus dem Nichtwissen ... Mißstimmung und Verzweiflung. Durch das gänzliche Aufhören und Verschwinden des Nichtwissens ... und Verzweiflung. (Genau wie oben.)

7. Da nun der Erhabene diesen Sachverhalt erkannte, brach er zu dieser Zeit in folgenden begeisterten Ruf aus:

"Wahrhaftig, wenn die Wahrheit aufgeht 
einem eifrigen, dem schauend Höchsten, 
dann steht er da, Maras Heer vernichtend, 
wie die Sonne, die die den Himmel erhellt."

2. Unter dem Ajapala-Feigenbaum (Geisshüterfeige)

1. Und es erhob sich der Erhabene nach Verlauf von sieben Tagen aus dieser seligen Ruhe und begab sich vom Fuße des Bodhibaumes nach dem Ajapala-Feigenbaum; und er blieb dort am Fuße Ajapala-Feigenbaumes sieben Tage lang sitzen mit gekreuzten Beinen, die Wonne der Loslösung vom Irdischen sich erfreuend.

2. Da kam ein hochmütiger (Mantras mumelnder) Brahmane zu dem Erhabenen, tauschte mit dem Erhabenen Worte des Grußes, begann eine freundliche und liebenswürdige Unterhaltung und trat an seine Seite. Und als er an seiner Seite stand, sprach der Brahmane zu dem Erhabenen: "Wie wird, o Gotama, einer ein Brahmane, und welche Tugenden bilden die Vorbedingungen für einen Brahmanen?" 

3. Da aber der Erhabene diesen Sachverhalt erkannte, brach er zu dieser Zeit in folgenden begeisterten Ruf aus:

Der Brahmane, welcher das Böse ganz aufgegeben, der ist frei von Stolz, frei von Unreinheit, der sich im Zaume hält, der den Veda ganz kennt und ein heiliges Leben führt, ein solcher Brahmane dürfte mit Recht das Wort Brahmane von sich gebrauchen; für ihn gibt es nirgendwo auf der Welt ein Nachlassen."


3. Mucalindo

(Dieses Kapitel ist dem Buch von Klaus Milius "Gautama Buddha, Die vier edlen Wahrheiten" dtv Verlag 1985, entnommen)

1. Danach, nach dem Verlauf von sieben Tagen, erhob sich der Erhabene aus dieser (innerlichen) Versenkung und begab sich vom Fuß des Ajapála (genannten) Nigrodha-Baumes zu einem Mucalinda (-Baum). Nachdem er sich dorthin begeben hatte, setzte er sich am Fuß des Mucalinda sieben Tage lang mit gekreuzten Beinen nieder und empfand das Glück der Loslösung (von allen weltlichen Wünschen).

2. Zu jener Zeit nun zog außerhalb der (üblichen) Zeit eine große Wolke auf. Sieben Tage lang (währten) Regenwetter, Kälte, Wind, Dunkelheit. Da kam der Schlangenkönig Mucalinda aus seiner Wohnstatt hervor und umschloß des Erhabenen Leib siebenmal mit (seinen) Schlingen und verharrte, über das Haupt (des Erhabenen seine) große Haube haltend, (indem er dachte :) "Es möge für den Erhabenen nicht mit Kälte, es möge für den Erhabenen nicht mit Hitze, es möge für den Erhabenen nicht mit Bremsen, Mücken, Wind, Gluthitze, Kriechtieren eine Berührung geben!"

3. Danach, nach dem Verlauf von sieben Tagen, sah der Schlangenkönig den klaren, wolkenfreien Himmel, entfernte von des Erhabenen Leib die Schlingen, gab seine eigene Gestalt auf, nahm die Gestalt eines Jünglings an und stellte sich vor den Erhabenen hin. Mit aneinandergelegten Händen erwies er dem Erhabenen (seine) Ehrerbietung.

4. Der Erhabene aber gewahrte diesen Vorgang und tat bei dieser Gelegenheit diesen feierlichen Ausspruch:
 

»Glück ist die Einsamkeit des Zufriedenen, 
der die Lehre gehört (und) erschaut hat. 
Nichtschädigen ist Glück in der Welt; 
gegenüber den Lebewesen (Selbst-) Zügelung. 
Glück ist Leidenschaftslosigkeit in der Welt, 
der Begierden Überwindung. 
Des Ichbewußtseins Beseitigung 
ist fürwahr das höchste Glück. 

4. Rájáyatana (Der Königsstättenbaum)

1. Danach, nach dem Verlauf von sieben Tagen, erhob sich der Erhabene aus dieser (innerlichen) Versenkung und begab sich vom Fuß des Mucalinda zu einem Rájáyatana (-Baum). Nachdem er sich dorthin begeben hatte, setzte er sich am Fuß des Rájáyatana sieben Tage lang mit gekreuzten Beinen nieder und empfand das Glück der Loslösung (von allen weltlichen Wünschen).

2. Zu jener Zeit nun gelangten Tapussa und Bhallika, Kaufleute aus Ukkala, auf einem Reiseweg in diese Gegend. Da sprach eine Gottheit, die (vorzeiten) eine Blutsverwandte der Kaufleute Tapussa und Bhallika gewesen war, zu den Kaufleuten Tapussa und Bhallika folgendermaßen: "Hier, ihr Herren, verweilt am Fuß eines Rájáyatana (-Baumes) der Erhabene, der als erster vollkommen Erwachte. Geht und verehrt den Erhabenen mit Reisbrei und Honigkugeln! Das wird euch lange Zeit zu Heil und Glück gereichen."

3. Daraufhin nahmen Tapussa und Bhallika, die Kaufleute, Reisbrei und Honigkugeln und begaben sich dorthin, wo der Erhabene (weilte). Nachdem sie sich dorthin begeben hatten, begrüßten sie den Erhabenen, stellten sich an die Seite, (und) als sie an der Seite standen, sprachen Tapussa und Bhallika, die Kaufleute, zum Erhabenen folgendermaßen: »Es möge von uns, o Herr, der Erhabene den Reisbrei und die Honigkugeln entgegennehmen, was uns lange Zeit zu Heil und Glück gereichen möge!"

4. Da kam dem Erhabenen dieser (Gedanke :) "Nicht nehmen die Vollendeten (etwas) mit den Händen entgegen. Womit soll ich nun wohl Reisbrei und Honigkugeln entgegennehmen?" Da erfuhren die vier Großkönige (der Begriff ist hier mythologisch zu verstehen: Gemeint sind die Hüter der vier Haupthimmelsrichtungen) durch ihre Geisteskraft die im Geist des Erhabenen (vor sich gehende) Überlegung und boten aus den vier Himmelsrichtungen vier steinerne Schalen dem Erhabenen dar (und sprachen :) "Möge hierin, o Herr, der Erhabene den Reisbrei und die Honigkugeln entgegennehmen!" Der Erhabene nahm die ausgezeichneten steinernen Schalen; (damit) nahm er (dann) Reisbrei und Honigkugeln an und verzehrte (sie).

5. Als Tapussa und Bhallika, die Kaufleute, sahen, daß der Erhabene die Schalen (wieder) aus der Hand gelegt hatte (der Ausdruck onítapattapáni ist mehrdeutig. Er kann auch heißen "Schale und Hände gewaschen habend". Klar ist jedoch, daß er stets die Beendigung einer Mahlzeit indiziert), neigten sie den Kopf zu des Erhabenen Füßen und sprachen so zu dem Erhabenen: "Wir, o Herr, nehmen Zuflucht zum Erhabenen und zur Lehre. Möge uns der Erhabene als Laienanhänger betrachten, die von heute an zeitlebens Zuflucht (zu ihm) genommen haben!" [Diese beiden wurden in der Welt zuerst zu Laienanhängern, (nur) zwei Worte sprechend, nämlich Buddha und Dhamma (Lehre). Die dritte Säule des Buddhismus, die Ordensgemeinde (Sangha), existierte ja damals noch nicht].


5. Brahma Sahampati

1. Danach, nach dem Verlauf von sieben Tagen, erhob sich der Erhabene aus dieser (innerlichen) Versenkung und begab sich vom Fuß des Rájáyatana zu dem Ajapála (genannten) Nigrodha (-Baum). Nachdem er sich dorthin begeben hatte, verweilte der Erhabene dortselbst am Fuß des Ajapála (genannten) Nigrodha (-Baumes).

2. Da nun entstand im Geist des ins Verborgene gegangenen, einsamen Erhabenen so die Überlegung: 

"Gefunden habe ich diese Lehre, (die) tief, schwer zu erkennen, schwer zu begreifen ist, friedvoll, erhaben, keinem Zweifel zugänglich, fein (durchdacht), (nur) den Weisen zugänglich. Am Anhangen jedoch freuen sich die Leute, über das Anhangen sind sie froh, am Anhangen ergötzen sie sich. Den sich am Anhangen freuenden Leuten, den über das Anhangen froh seienden, den sich am Anhangen ergötzenden (wird) schwer zu erkennen (sein), was dieser Grundsatz ist: der ursächliche Zusammenhang und das Entstehen in Abhängigkeit. Schwer zu erkennen (wird) auch dieser Grundsatz (sein): das Aufhören aller Gegebenheiten, die Befreiung von allen (zur Wiedergeburt) führenden Bedingungen, das Schwinden des ,Durstes', die Leidenschaftslosigkeit, das Ausrotten (der Begierde), das Erlöschen. Wenn ich also nun die Lehre verkünde und die anderen mich nicht verstehen, wird das für mich (nur) Ermüdung sein, wird das für mich (nur) Ärger sein."

[Buddha steht hier an einem entscheidenden Wendepunkt, und hier liegt auch der Unterschied zwischen einem Paccekabuddha und einem Tathágata. Ersterer läßt es sich daran genügen, die Erlösung an sich allein zu verwirklichen. Letzterer dagegen läßt sich auch von Mára nicht davon abhalten, die Mühe der Ordensstiftung und des Ausbreitens der Lehre auf sich zu nehmen].

3. Da gingen dem Erhabenen diese Strophen auf, die, (obwohl) frei von Wundern, (dennoch) niemals zuvor gehört worden waren:
 

»Unter Mühen habe ich (die Lehre) erkannt. 
Was soll ich sie jetzt verkünden? 
Von den in Leidenschaft und Sünde Verstrickten 
ist diese Lehre nicht leicht zu begreifen. 
Gegen den Strom gehend, werden die fein (durchdachte), 
tiefe, schwer zu erkennende, genau (ausgearbeitete Lehre) 
die von Leidenschaft Befallenen 
nicht sehen, die von tiefer Finsternis Umhüllten." 

4. Das Gemüt des so nachdenkenden Erhabenen neigte sich (also) der Gleichgültigkeit zu, nicht dem Verkünden der Lehre. Da erfuhr Brahmá Sahampati durch (seine) Geisteskraft die im Geist des Erhabenen (vor sich gehende) Überlegung, (und) es kam (ihm) dieser (Gedanke:) "Zugrunde geht, o weh, die Welt, dahinschwindet, o weh, die Welt, weil ja das Gemüt des Vollendeten, des Heiligen, vollkommen Erwachten der Gleichgültigkeit zuneigt, nicht dem Verkünden der Lehre."

5. Da, gleichwie ein kräftiger Mann den gekrümmten Arm ausstreckt oder den ausgestreckten Arm krümmt, ebenso verschwand Brahmá Sahampati aus der Brahmawelt und erschien vor dem Erhabenen.

6. Und Brahmá Sahampati legte das Obergewand auf eine Schulter, beugte das rechte Knie auf den Erdboden nieder, verneigte sich vor dem Erhabenen mit zusammengelegten Händen und sprach zum Erhabenen dies: "O Herr, der Erhabene möge die Lehre verkünden; der da richtig gegangen ist, möge die Lehre verkünden. Es gibt (nämlich) Wesen, die wenig Befleckung (des Charakters) aufweisen; wenn sie die Lehre nicht hören, würden sie untergehen; sie werden die Lehre verstehen [Wörtlich: Sie werden der Lehre Versteher sein. Die wörtliche Übersetzung aus der Páli-Syntax ist eben nicht immer möglich]."

7. Dies sprach Brahmá Sahampati. Nachdem er (dies) gesprochen hatte, sprach er noch folgendes:
 

"Die bei den Magadhern früher in Erscheinung getretene Lehre 
ist unrein, von Befleckten ausgedacht. 
Öffne dieses Tor zum Unsterblichen; 
hören sollen sie die Lehre, die vom Makellosen begründete! 
Wie ein auf einem Felsen, auf einer Bergspitze Stehender 
das Volk allseits überschauen mag, 
so, zum höchsten Palast der Lehre, 
o Weiser, emporsteigend, o allseits Sehender, 
auf das von Kummer heimgesuchte Volk, schau du, der du 
den Kummer aufgegeben hast, auf das von Geburt und Alter Überwältigte! 
Erhebe dich, o Held, von dem die Schlacht gewonnen wurde! 
als Menschenführer, der du frei von Schuld bist, 
wandle in der Welt! 
Es verkünde der Erhabene die Lehre; 
es wird (Leute) geben, die sie verstehen." 

8. Nachdem er so gesprochen hatte, sagte der Erhabene zu Brahmá Sahampati dies: "Mir, o Brahmá, ist dieser (Gedanke) gekommen: ,Gefunden habe ich diese Lehre, (die) tief, schwer zu erkennen, schwer zu begreifen ist ... (weiter wie in Abschnitt 2) ... wird das für mich (nur) Ärger sein.' Und außerdem, o Brahmá, gingen mir diese Strophen auf, die, (obwohl) frei von Wundern, (dennoch) niemals zuvor gehört worden waren: ,... (wie in Abschnitt 3) ...Umhüllten.' Als ich (darüber) nachdachte, neigte sich mein Gemüt der Gleichgültigkeit zu, nicht dem Verkünden der Lehre."

9. Und ein zweites Mal sprach Brahmá Sahampati zum Erhabenen dies: "O Herr, der Erhabene möge die Lehre verkünden ... (weiter wie in Abschnitt 6) ... sie werden die Lehre verstehen." Und ein zweites Mal sprach der Erhabene zu Brahmá Sahampati dies: "Mir, o Brahmá, ist dieser (Gedanke) gekommen: ,Gefunden habe ich diese Lehre, (die) tief, schwer zu erkennen, schwer zu begreifen ist ... (weiter wie in Abschnitt 2) ... wird das für mich (nur) Ärger sein.' Und außerdem, o Brahmá, gingen mir diese Strophen auf, die, (obwohl) frei von Wundern, (dennoch) niemals zuvor gehört worden waren: , ... (wie in Abschnitt 3) ... Umhüllten." Als ich (darüber) nachdachte, neigte sich mein Gemüt der Gleichgültigkeit zu, nicht dem Verkünden der Lehre."

10. Und ein drittes Mal sprach Brahmá Sahampati zum Erhabenen dies: "O Herr, der Erhabene möge die Lehre verkünden ... (weiter wie in Abschnitt 6) ... sie werden die Lehre verstehen." Darauflhin, als er Brahmás Aufforderung vernommen hatte, schaute der Erhabene aus Mitleid mit den Wesen mit einem Buddhablick auf die Welt hernieder. Und es sah der Erhabene, als er mit einem Buddhablick auf die Welt hernieder schaute, Wesen mit wenig Befleckung, mit viel Befleckung, mit scharfen Sinnen, mit schwachen Sinnen, in guter Verfassung, in schlechter Verfassung, leicht zu belehren, schwer zu belehren, einige die Gefahren des Jenseits und der Sünde sehend, verweilen.

11. Gerade wie in einem Teich mit blauem Lotus, in einem Teich mit rotem Lotus, in einem Teich mit weißem Lotus einige blaue Lotusblüten oder rote Lotusblüten oder weiße Lotusblüten im Wasser entstehen, im Wasser wachsen, aus dem Wasser nicht emporsteigen, untergetaucht sich ernähren, andere blaue Lotusblüten oder rote Lotusblüten oder weiße Lotusblüten im Wasser entstehen, im Wasser wachsen und bis zur Wasseroberfläche kommen, (wieder) andere blaue Lotusblüten oder rote Lotusblüten oder weiße Lotusblüten im Wasser entstehen, im Wasser wachsen, aus dem Wasser hinausragen, vom Wasser nicht benetzt werden

12. ebenso (unterschiedliche) Wesen sah der Erhabene verweilen, als er mit dem Buddhablick auf die Welt hernieder schaute: (Wesen) mit wenig Befleckung, mit viel Befleckung, mit scharfen Sinnen, mit schwachen Sinnen, in guter Verfassung, in schlechter Verfassung, leicht zu belehren, schwer zu belehren, einige die Gefahren des Jenseits und der Sünde sehend. (Dies) sehend, sprach er Brahmás Sahampati mit einer Strophe an:
 

»Geöffnet ist des Unsterblichen (*1) Tor für die, welche hören; 
entsenden sollen sie Vertrauen (*2). 
Die Belästigung kennend, verkündete ich die hervorragende Lehre, 
die erhabene, unter den Menschen (zuerst) nicht, o Brahmá!" 

13. Da (dachte) Brahmá Sahampati: "In Erscheinung bin ich getreten, damit vom Erhabenen die Lehre verkündet wird; (und das hat er nun zugesagt)." Damit grüßte er den Erhabenen, (umwandelte) ihn zur Rechten habend, und verschwand auf der Stelle. 


(*1) Das ist hier als Neutrum aufzufassen.
(*2) Diese Übersetzung der Wendung pamuñcantu saddham ist nicht sicher. Vielleicht sollte es heißen: "Mögen sie dem (alten) Glauben abschwören!"


6. Die Predigt von Benares, die ersten fünf Mönche

(Dieses Kapitel ist wieder dem kleinen Büchlen "Das Leben des Buddha" von Dr. Julius Dutoit, Ullstein Verlag 1921 entnommen, fehlende Teile wurden aus dem Buch "Der Buddha und sein Orden" eingefügt)

1. Nun kam dem Erhabenen folgender Gedanke: "Wem könnte ich wohl zuerst die Lehre verkünden? Wer wird wohl diese Lehre schnell verstehen?" Da dachte der Erhabene: "Da ist Álara Kaláma (ein brahmanischer Asket, unter dessen Leitung sich Buddha am Anfang seines Suchens nach dem Heil stellte), der gelehrte weise, verständige, dessen Augen schon lange nur wenig getrübt sind. Wie, wenn ich nun Álara Kaláma zuerst meine Lehre verkünden würde? Er wird diese Lehre schnell verstehen." 

2. Doch eine Gottheit kam vom Himmel herab und teilte dem Erhabenen mit: "O Herr, vor sieben Tagen hat Álara Kaláma das Zeitliche gesegnet." Und es ging dem Erhabenen die Erkenntnis auf: "Vor sieben Tagen hat Álara Kaláma das Zeitliche gesegnet." Da dachte der Erhabene: "Sehr edel war Álara Kaláma; wenn er diese meine Lehre gehört hätte, würde er sie schnell verstanden haben."

3. Darauf kam dem Erhabenen wieder der Gedanke: "Wem könnte ich wohl zuerst die Lehre verkündigen? Wer wird diese Lehre schnell verstehen?" Da dachte der Erhabene: "Da ist Uddaka (Buddhas zweiter Lehrer) der Sohn des Rama, der gelehrte weise, verständige, dessen Augen schon lange nur wenig getrübt sind. Wie, wenn ich nun Uddaka dem Sohne des Rama, zuerst meine Lehre verkündigte? Er wird diese Lehre schnell verstehen." 

4. Doch eine Gottheit kam vom Himmel herab und teilte dem Erhabenen mit: "O Herr, vor sieben Tagen hat nun Uddaka, der Sohn des Rama, das Zeitliche gesegnet." Und es ging dem Erhabenen die Erkenntnis auf: "Vor sieben Tagen hat Uddaka, der Sohn des Rama, das Zeitliche gesegnet." Da dachte der Erhabene: "Sehr edel war Uddaka, der Sohn des Rama; wenn er diese meine Lehre gehört hätte, würde er sie schnell verstanden haben."

5. Und wieder kam dem Erhabenen der Gedanke: "Wem könnte ich wohl zuerst die Lehre verkündigen? Wer wird diese Lehre schnell verstehen?" Da dachte der Erhabene: "Da sind jene fünf Mönche, die mir in vielem behilflich waren, die mich unterstützten, als ich mich dem Ringen nach Vollkommenheit hingegeben hatte. Wie wenn ich nun diesen fünf Mönchen zuerst meine Lehre verkündigen würde?"

6. Und weiter dachte der Erhabene: "Wo halten sich wohl jetzt die fünf Mönche auf?" Da sah der Erhabene mit seinem göttlichen, reinen, übermenschlichen Auge, daß die fünf Mönche bei Benares verweilten, in dem Isipatana-Tierpark. Und nachdem der Erhabene, solange es ihm beliebte, in Uruvela geblieben war, wandelte er gen Benares.

7. Da sah ein nackter Asket namens Upaka den Erhabenen zwischen Gaha und dem Bodhi-Baum des Weges daher kommen; und als er ihn gewahrte, sprach er zu dem Erhabenen: "Heiter, Freund, sind deine Züge; ganz rein und licht ist dein Aussehen. Durch wen bist du, Freund, Mönch geworden oder wer ist dein Lehrer? Wessen Lehre bekennst du?" 

8. Auf diese Worte hin redete der Erhabene dem Asketen Upaka mit folgenden Versen an:

"Ich bin der alles Übertreffende, ich bin allwissend 
und unbefleckt von allen äußeren Dingen; 
ich habe alles verlassen und bin frei, 
nachdem das Anhaften aufgehört hat. 
Da ich selbst die Erkenntnis gewann, 
wen könnte ich als meinen Lehrer bezeichnen? 
Keinen Lehrer habe ich, keinen der mit Ähnlichen gibt es; 
in der Welt der Götter und Menschen ist keiner, der mir ebenbürtig wäre. 
Ich bin der Heilige in der Welt, ich bin der höchste Meister; 
ich allein bin völlig erleuchtet; leidenschaftslos bin ich und erlöst. 
Nach der Stadt Kasi (Benares) gehe ich, 
um das Rad der Lehre in Bewegung zu setzen: 
in der Welt, die erblindet ist, 
will ich die Trommel der Unsterblichkeit schlagen."

9. Und als Upaka versetzte: "Wie du erklärst, Lieber, bist du also heilig und unendlich siegreich," entgegnete Buddha: 

"Sieger, die mir gleichen, sind die, 
die zum Aufhören der Leidenschaften vorgedrungen sind. 
Besiegt sind von mir die bösen Dinge; 
deswegen, Upaka, bin ich der Sieger."

Nach diesen Worten sprach der nackte Asket Upaka: "Es könnte sein, Freund"; und er schüttelte das Haupt und schlug einen anderen Weg ein.

10. Der Erhabene aber gelangte, von Ort zu Ort wandernd, nach Benares, an den Isipatana-Tierpark, zu den fünf Mönchen. Und es sahen die fünf Mönche den Erhabenen, wie er von ferne her kam; und da sie ihn erblickten, beredeten sie sich untereinander: "Lieber, da kommt der Asket Gotama, der im Überfluß lebt, der von seinem Ringen nach Vollkommenheit abgelassen hat, der von Überfluß umgeben ist. Diesen dürfen wir nicht begrüßen und noch dürfen wir vor ihm aufstehen und seine Almosenschale und sein Obergewand ihm abnehmen. Aber wir müssen ihm doch einen Sitz herrichten; und wenn er will, wird er sich niedersetzen." 

11. Während der Erhabene immer näher an die fünf Mönche herankam, blieben die fünf Mönche nicht bei ihrer Abmachung, sondern sie gingen dem Erhabenen entgegen; einer nahm den Erhabenen die Almosenschale und das Obergewand ab, ein anderer richtete einen Sitz her, ein dritter brachte ihm Wasser, um die Füße zu waschen, einen Stuhl, um den Fuß darauf zustellen, und einen Schemel. Darauf ließ sich der Erhabene nieder auf den für ihn bereiteten Sitz; und als der Erhabene dich niedergelassen, wusch er seine Füße. Die fünf Mönche aber begrüßten ihn, indem sie ihn bei seinem Namen anredeten und ihn "Freund" (ávuso) nannten. 

12. Da sprach der Erhabene zu den fünf Mönchen: "Begrüßt den Erhabenen nicht mit seinem Namen und mit der Anrede 'Freund'. Heilig, ihr Mönche, ist der Vollendete und völlig erleuchtet. Merket auf, ihr Mönche! Ich habe die Unsterblichkeit erlangt, ich lehre, ich verkünde die Lehre. Wie ich lehre, so tut, und ihr werdet bald das, um dessentwillen junge Leute von Stand ihre Heimat völlig aufgeben und Mönche werden, als das höchste Ziel des reinen Wandels erkennen und selbst diese Dinge verstehen, sie euch vor Augen führen und begreifen."

13. Auf diese Worte hin sprachen die fünf Mönche zu dem Erhabenen: "Du hast, lieber Gotama, mit deinem Wandel, deiner Lebensweise, deiner Betätigung schmerzlicher Abtötung nicht den höchsten von Menschen erreichbaren Zustand, die völlige Erkenntnis edlen Wissens erreicht. Wie kannst du jetzt, wo du im Überfluß lebst, von deinem Ringen nach Vollkommenheit dich abgewendet hast und von Überfluß umgeben bist, zu diesem höchsten von Menschen erreichbaren Zustande, zu der völligen Erkenntnis edlen Wissens gelangt sein?" 

14. Darauf sprach der Erhabene zu den fünf Mönchen: "Der Vollendete, ihr Mönche, lebt nicht im Überfluß, nicht hat er sich von seinem Ringen nach Vollkommenheit abgewendet, nicht ist er umgeben von Überfluß. Der Vollendete, ihr Mönche, ist heilig und völlig erleuchtet. Merket auf, ihr Mönche! Ich habe die Unsterblichkeit erlangt, ich lehre, ich verkündige die Lehre. Wie ich lehre, so tut, und ihr werdet bald das, um dessentwillen junge Leute von Stand ihre Heimat gänzlich aufgegeben und Mönche werden, als das höchste Ziel reinen Wandels erkennen und selbst diese Dinge verstehen, sie euch vor Augen führen und begreifen."

15. Zum zweiten Male äußerten hierauf die Mönche ihre Zweifel wie vorher, und zum zweiten Male erwiderte der Erhabene den Mönchen wie vorher. Und zum dritten Male sprachen die fünf Mönche zu dem Erhabenen: "Du hast, lieber Gotama, mit deinem Wandel, deiner Lebensweise, deiner Betätigung schmerzlicher Abtötung nicht den höchsten von Menschen erreichbaren Zustand, die völlige Erkenntnis edlen Wissens erreicht. Wie kannst du jetzt, wo du im Überfluss lebst, von deinem Ringen nach Vollkommenheit dich abgewendet hast und von Überfluß umgeben bist, zu diesem höchsten von Menschen erreichbaren Zustand, zur völligen Erkenntnis edlen Wissens gelangt sein?" 

16. Darauf sagte der Erhabene zu den fünf Mönchen: "Erkennt ihr an, daß ich noch nie vorher, ihr Mönche, so zu euch geredet habe?" Sie erwiderten: "Herr, du hast noch nicht so zu uns geredet." Dann fuhr der Erhabene fort: "Merket auf, ihr Mönche! Ich habe die Unsterblichkeit erlangt, ich lehre, ich verkündige die Lehre. Wie ich lehre, so tut, und ihr werdet bald das, um dessentwillen junge Leute von Stand ihre Heimat gänzlich aufgegeben und Mönche werden, als das höchste Ziel reinen Wandels erkennen und selbst diese Dinge verstehen, sie euch vor Augen führen und begreifen." Und so gelang es dem Erhabenen, die fünf Mönche zu überzeugen. Die fünf Mönche aber gehorchten wieder dem Erhabenen, merkten auf und richteten ihren Sinn auf die Erkenntnis.

17. Darauf erklärte der Erhabene den fünf Mönchen: "Folgende zwei Extreme, ihr Mönche, sind von dem, der die Welt verlassen, zu meiden. Welche zwei? Das erste besteht in der Betätigung von Lust, Freude und Neigungen zu den Vergnügungen; es ist niedrig, gemein, passt nur für einen Unbekehrten, ist unedel und führt zum Verderben. Das zweite besteht in der Betätigung übermäßiger Selbstanstrengung; es ist leidensvoll, unedel und führt auch zum Verderben. Diese zwei Extreme sind zu vermeiden. Der mittlere Wandel aber, wie er von dem Vollendeten erkannt wurde, bringt Einsicht und Verständnis und führt zur Ruhe, zur Erkenntnis, zur Erleuchtung, zum Nirvana. 

18. Welches ist nun dieser mittlere Wandel, der von dem Vollendeten erkannt wurde, der Einsicht und Verständnis bringt und zur Ruhe, zur Erkenntnis, zur Erleuchtung, zum Nirvana führt? Es ist dieser edle achtfache Weg, nämlich: 

  1. rechte Erkenntnis, 
  2. rechte Gesinnung, 
  3. rechte Rede, 
  4. rechte Tat, 
  5. rechter Lebenserwerb, 
  6. rechtes Streben, 
  7. rechte Achtsamkeit, 
  8. rechte Versenkung. 

Dies, ihr Mönche, ist der mittlere Wandel, wie er von dem Vollendeten erkannt wurde, der Einsicht und Verständnis bringt und zur Ruhe, zur Erkenntnis, zur Erleuchtung, zum Nirvana führt.

19. Folgendes nun, ihr Mönche, ist die hohe Wahrheit vom Leiden: Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden, Vereinigung mit unlieben Wesen ist Leiden, Trennung von lieben Wesen ist Leiden, wenn einer etwas wünscht und es nicht erhält, auch das ist Leiden, die fünf Gruppen des Anhaftens, Khandhas endlich, die von der Lust am Dasein herrühren, sind ebenfalls Leiden. 

20. Folgendes, ihr Mönche, ist die hohe Wahrheit vom Ursprung des Leidens: die Lust, die zur Wiedergeburt führt, die mit Gefallen und Verlangen verbunden ist und sich an dem und jenem erfreut (ist der Ursprung des Leidens), nämlich die Lust nach Vergnügen, die Lust nach dem Dasein, die Lust nach Macht. 

21. Folgendes, ihr Mönche, ist die hohe Wahrheit vom Aufhören des Leidens: nämlich die gänzliche Vernichtung und das Aufhören der Lust, das Aufgeben der Lust, die Befreiung von der Lust, das Freisein von der Lust. 

22. Und folgendes ist die Wahrheit von dem Weg, der zum Aufhören des Leidens führt: Dies ist eben der edle achtfache Weg, nämlich rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechte Tat, rechter Lebenserwerb, rechtes Streben, rechte Achtsamkeit, rechte Versenkung.

23. 'Dies ist die hohe Wahrheit vom Leiden'; das, ihr Mönche, kam mir, während früher diese Lehre noch nicht gehört war, zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung. 'Diese hohe Wahrheit vom Leiden muß erkannt werden'; das ihr Mönche, kam mir sodann zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung. 'Diese hohe Wahrheit vom Leiden habe ich erkannt'; das, ihr Mönche, kam mir hierauf zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung.

24. 'Dies ist die hohe Wahrheit vom Ursprung des Leiden'; das, ihr Mönche, kam mir sodann zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung. 'Diese hohe Wahrheit vom Ursprung des Leidens muß verlassen werden' (das heißt die Quelle, von der das Leiden ausgeht, das Anhaften muß verlassen werden); das, ihr Mönche, kam mir sodann zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung. 'Diese hohe Wahrheit vom Ursprung des Leidens habe ich verlassen'; das, ihr Mönche, kam mir hierauf zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung.

25. 'Dies ist die hohe Wahrheit vom Aufhören des Leidens'; das, ihr Mönche, kam mir, während früher diese Lehre noch nicht gehört war, zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung.

'Diese hohe Wahrheit vom Aufhören des Leidens muß verwirklicht werden'; das, ihr Mönche, kam mir sodann zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung. 'Diese hohe Wahrheit vom Aufhören des Leidens habe ich mir verwirklicht'; das, ihr Mönche, kam mir hierauf zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung.

26. 'Dies ist die hohe Wahrheit von dem Weg, der zum Aufhören des Leidens führt'; das, ihr Mönche, kam mir, während früher diese Lehre noch nicht gehört war, zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung. 'Diese hohe Wahrheit von dem Weg, der zum Aufhören des Leidens führt, muß betätigt werden'; das, ihr Mönche, kam mir sodann zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung. 'Diese hohe Wahrheit von dem Weg, der zum Aufhören des Leidens führt, habe ich betätigt'; das, ihr Mönche, kam mir endlich zur Einsicht, zur Erkenntnis, zum Verständnis, zum Wissen, zur Anschauung.

27. Solange mir nun, ihr Mönche, von diesen vier hohen Wahrheiten mit ihren drei Folgerungen und zwölf Bestandteilen die Einsicht und Erkenntnis, wie es sich damit verhält, nicht ganz klar, so lange merkte ich, ihr Mönche, das ich nicht der höchsten völligen Erleuchtung in der Welt der Götter und Menschen, in der Marawelt, in der Brahmawelt, unter dem Geschlecht der Asketen und Brahmanen, der Götter und Menschen teilhaftig geworden war. 

28. Als mir aber, ihr Mönche, von diesen vier hohen Wahrheiten mit ihren drei Folgerungen und zwölf Bestandteilen die Einsicht und Erkenntnis, wie es sich damit verhält, ganz klar geworden war, da merkte ich, ihr Mönche, daß ich der höchsten völligen Erleuchtung in der Welt der Götter und Menschen, in der Marawelt, in der Brahmawelt, unter dem Geschlecht der Asketen und Brahmanen, der Götter und Menschen teilhaftig geworden war. 

29. Und vor meinem Auge trat die Erkenntnis: 'Unveränderlich ist die Loslösung meines Geistes; dies ist meine letzte Existenz, es gibt für mich keine Wiedergeburt mehr.'"

So sprach der Erhabene; erfreut und entzückt waren die Mönche über das, was der Erhabene geredet hatte. Während aber diese Predigt gehalten wurde, erlangte der Ehrwürdige Kondanna das leidenschaftslose, reine Erkennen der Lehre, daß nämlich, was immer einen Ursprung hat, das alles auch dem Aufhören unterworfen ist.

30. Nachdem nun so von dem Erhabenen das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt war, da ließen die Götter der Erde folgenden Ruf erschallen: "Soeben ist von dem Erhabenen zu Benares im Isipatana-Tierpark das unübertreffliche Reich seiner Lehre begründet worden, das nicht zu begründen war von einem Asketen oder Brahmanen oder von einem Gott oder von Mara oder von Brahma noch von irgend jemand auf der Welt."

Als die Catumaharajika-Götter (Die Bewohner der niedrigsten der sechs Götterwelten) diesen Ruf der Erdgötter vernahmen, verkündeten auch sie diese Worte. Von den Catumaharajika-Götter hörten es die Tavatimsa-Götter ("Die 33 Götter", Bewohner der zweituntersten Götterwelt), von diesen die Nama-Götter (Bewohner der dritten Götterwelt), von diesen die Tusita-Götter (Bewohner der vierten Götterwelt), von diesen die Nimmanarati-Götter (Bewohner der fünften Götterwelt), von diesen die Paranimmitavasavatti-Götter (Bewohner der höchsten Götterwelt) und von diesen die Brahmakayika-Götter (Bewohner des obersten Himmels). 

31. Und in diesem Augenblick, in dem Moment in der Sekunde, da diese Worte nach der Brahmawelt gelangten, da erzitterten die zehntausend Welten, die bebten und kamen ins Wanken, und ein unermeßlicher, gewaltiger Glanz ward sichtbar auf der Welt, der die überirdische Macht der Götter noch überstieg.

Da tat der Erhabene den begeisterten Ausruf: "Fürwahr, zur Erkenntnis gelangt ist Kondanna, zur Erkenntnis gelangt ist Kondanna." Davon erhielt der ehrwürdige Kondanna den Namen Annatakodanna (D.h. der Erkenntnis-Kodanna). 

32. Und als der ehrwürdige Annatakodanna die Lehre erkannt, die Lehre begriffen, die Lehre eingesehen hatte, war er befreit von Zweifeln, frei von Ungewissheit, er hatte Vertrauen erlangt und glaubte nur noch an die Lehre des Meisters. Und er sprach zu dem Erhabenen: "O Herr, ich möchte bei dem Erhabenen Mönch werden, ich möchte die Weihe empfangen."

"Komm, o Mönch," erwiderte der Erhabene, "gut erklärt ist die Lehre; wandle in Reinheit, um das Leiden völlig zu Ende zu bringen." Dies war die Weihe dieses Ehrwürdigen.

33. Darauf unterwies und belehrte der Erhabene die übrigen Mönche durch die Erklärung seiner Lehre. Da erlangte der ehrwürdige Vappa und der ehrwürdige Bhaddina, als sie durch die Erklärung der Lehre unterwiesen und belehrt wurden, das leidenschaftslose, reine Erkennen der Lehre, daß nämlich, was immer einen Ursprung hat, das alles auch dem Aufhören unterworfen ist.

34. Da sie nun die Lehre erkannt, die Lehre begriffen, die Lehre eingesehen hatten und in die Lehre eingedrungen waren, da waren sie befreit von den Zweifeln und frei von Ungewißheit; sie hatten Vertrauen bekommen und glaubten nur noch an die Lehre des Meisters. Und sie sprachen zu dem Erhabenen: "O Herr, wir möchten bei dem Erhabenen Mönche werden, wir möchten die Weihe empfangen." "Kommt, o Mönche," erwiderte der Erhabene, "gut erklärt ist die Lehre; wandelt in Reinheit, um das Leiden völlig zu Ende zu bringen." Dies war die Weihe dieser Ehrwürdigen.
 

(Nachfolgender fehlender Abschnitt bis zur Bekehrung der dreißig vornehmen Jünglinge wurden aus dem Buch "Der Buddha und sein Orden" eingefügt)

35. Der Erhabene aß die von den drei (ordinierten) Mönchen gebrachte Almosenspeise und belehrte dann die restlichen Mönche: "Das Essen, das von drei Mönchen vom Almosengang mit gebracht wurde, ernährt auch sechs Mönche."

36. Und der Erhabene belehrte den ehrwürdigen Mahánáma und den ehrwürdigen Assaji in einem Lehrgespräch und leitete sie an. Da ging (ihnen) das klare reine Auge der Wahrheit auf: " Was immer auch entstanden ist, muß alles auch wieder vergehen."

37. Nachdem sie die Wahrheit gesehen, die Wahrheit erlangt, die Wahrheit verstanden, die Wahrheit durchdrungen, den Zweifel überwunden, die Ungewißheit beseitigt, die vollkommene Gewissheit aus eigener Kraft in der Lehre erlangt hatten, sagten sie zum Erhabenen: "Beim Erhabenen möchten wir das Asketen­leben führen, beim Erhabenen möchten wir als Mönche aufgenommen werden" - "Kommt, o Mönche," sprach der Erhabene, "gut dargelegt ist die Lehre, wandelt den Reinheitswandel, um alles Leid zu beenden."

Das war die Aufnahme der Ehrwürdigen als Mönche.

38. Dann sprach der Erhabene zu den fünf Mönchen: "Die Form ist ohne Selbst. Wenn die Form ein Selbst wäre, würde sie nicht der Krankheit unterlegen; hinsichtlich der Form könntet ihr es erreichen zu verfügen: so soll meine Form sein, so soll meine Form nicht sein. Weil aber, ihr Mönche, die Form ohne Selbst ist, deshalb unterliegt die Form der Krankheit, denn hinsichtlich der Form könnt ihr nicht verfügen, so soll meine Form sein oder so soll meine Form nicht sein.

39. - 41. Das Gefühl ... die Wahrnehmung ... die Gestaltungen ... das Bewußtsein ist ohne Selbst, wenn nämlich das Bewusstsein ein Selbst wäre, würde es nicht der Krankheit unterliegen; hinsichtlich des Bewußtseins könntet ihr es erreichen, zu verfügen: so soll mein Bewußtsein sein, so soll mein Bewusstsein nicht sein. Weil aber, ihr Mönche, das Bewusstsein ohne Selbst ist, deshalb unterliegt das Bewußtsein der Krankheit, denn hinsichtlich des Bewusstseins könnt ihr nicht verfügen: so soll mein Bewusstsein sein oder so soll mein Bewußtsein nicht sein.

42. Was meint ihr, Mönche, ist die Form beständig oder unbeständig?“ - "Unbeständig Erhabener." - "Wenn etwas unbeständig ist, ist es leidvoll oder freudvoll?" - "Leidvoll, Erhabener." - "Wenn etwas unbeständig, leidvoll, veränderlich ist, ist es dann vernünftig, dies als sich zugehörig zu betrachten. Dies bin ich, dies ist mein Selbst?" - "Nein, das ist es nicht, Erhabener."

43. "Was meint ihr, ihr Mönche, ist das Gefühl, die Wahrnehmung sind die Gestaltungen, das Bewusstsein beständig oder unbeständig?“ – "Unbeständig Erhabener." - "Wenn etwas unbeständig ist, ist es leidvoll oder freudvoll?" - "Leidvoll, Erhabener" ­ "Wenn etwas unbeständig, leidvoll, veränderlich ist, ist es dann vernünftig dies als sich zugehörig zu betrachten: Dies bin ich, dies ist mein Selbst?" - "Nein, das ist es nicht, Erhabener."

44. "Daher, ihr Mönche, ist jede Form, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig ob innerlich oder äußerlich, ob grob oder fein, niedrig oder erhaben, fern oder nah, der Wahrheit gemäss mit voller Weisheit so zu betrachten: Dies gehört mit nicht, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst."

45. "Daher, ihr Mönche, ist jedes Gefühl, jede Wahrnehmung, sind alle Gestaltungen, jedes Bewusstsein ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, ob innerlich oder äußerlich, ob grob oder fein, niedrig oder erhaben, fern oder nah, der Wahrheit gemäss mit voller Weisheit so zu betrachten: Dies gehört mit nicht, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst."

46. "So sehend, ihr Mönche, wird der Belehrte, der edle Jünger, der Form, des Gefühls, der Wahrnehmung, der Gestaltungen, des Bewußtseins überdrüssig, überdrüssig löst er sich ab, abgelöst befreit er sich, durch die Befreiung weiß er: Ich bin befreit, vernichtet ist die Geburt, der Reinheitswandel ist erfüllt, das zu Tuende ist getan; er weiß: Nichts weiter über dies hinaus."

47. So sprach der Erhabene, beglückt erfreuten sich die fünf Mönche an den Worten des Erhabenen. Während dieser Belehrung wurde den fünf Mönchen das Herz (citta) ohne Anhangen von den Trieben (asava, Beeinflussungen) befreit. Zu dieser Zeit gab es sechs Heilige in der Welt.


7. DIE AUFNAHME YASOS

1. Zu jener Zeit lebt, in Benares ein feingebildeter Sohn aus guter Familie, der Sohn eines Kaufmannes, mit Namen Yaso. Er hatte drei Paläste, einen für den Frühling, einen für den Sommer, und einen für die Regenzeit. Vier Monate wurde er in seinem Regenpalast von Frauen mit Musik unterhalten, und er stieg nicht vom Palast herunter. Als Yaso den fünf Sinnesgenüssen hingegeben, daran gefesselt, sich vergnügte, überkam ihn vor seinen Dienerinnen der Schlaf und die Öllampe brannte die ganze Nacht.

2. Nachdem er zuerst aufgestanden war, sah Yaso seine Dienerinnen schlafend daliegen. Eine hatte eine Laute unter dem Arm, eine eine kleine Trommel am Hals, eine hatte eine kleine Trommel unter dem Arm, einer war das Haar verworren, eine war mit Speichel befleckt und eine andere lallte im Schlaf, es schien ihm wie eine Leichenstätte. Als er dies gesehen hatte, wurde es ihm elend zumute und Überdruß entstand in seinem Herzen. Da tat Yaso schwer atmend den Ausspruch: "Welch ein Elend! Welch ein Verfall!"

3. Dann zog Yaso seine goldenen Sandalen an und ging zur Haustür. Nichtmenschliche Wesen öffneten ihm die Tür und dachten: "Möge Yaso nichts dazwischenkommen beim Gang vom Hausleben in die Hauslosigkeit." Dann kam Yaso zum Stadttor. Nichtmenschliche Wesen öffneten ihm das Tor und dachten: "Möge Yaso nichts dazwischenkommen beim Gang vom Hausleben in die Hauslosigkeit." Dann kam Yaso zum Gazellenhain in Isipatana.

4. Zu jener Zeit, im letzten Abschnitt der Nacht, ging der Erhabene, nachdem er aufgestanden war, im Freien auf und ab. Der Erhabene sah Yaso von Ferne herankommen. Nachdem er ihn gesehen hatte, beendete er das Auf- und Abgehen und setzte sich auf den vorbereiteten Sitz. Beim Erhabenen angekommen, sagte Yaso schwer atmend: "Welch ein Elend. Welch ein Verfall."

Da sprach der Erhabene zu Yaso: "Das hier ist kein Elend! Das hier ist kein Verfall! Komm Yaso, setze dich, ich werde dir die Lehre verkünden."

5. Da dachte Yaso: "Das wahrlich ist kein Elend, das hier ist kein Verfall," zog seine goldenen Sandalen aus, ging zum Erhabenen, verehrte ihn und setzte sich beiseite nieder. Der Erhabene führte Yaso in einem stufenweise ansteigenden Lehrgespräch ein: Er sprach vom Geben, von der Tugend, von himmlischer Welt, vom Elend, dem Herabziehenden, Beschmutzenden der Sinnenlüste und vom Segen der Überwindung.

6. Als der Erhabene merkte, daß Yaso im Herzen gesundet, sanft, frei von Hemmungen, zu seinen höchsten Möglichkeiten erhoben, klar geworden war, da gab er die Wahrheitslehre, welche die Erwachten auszeichnet: vom Leiden, seiner Entwicklung, seiner Ausrodung und der Vorgehensweise. Wie ein reines fleckenloses Gewand sofort Farbe annimmt, so ging Yaso noch wie er da auf seinem Sitze saß, das staubfreie, fleckenlose Auge der Wahrheit auf: "Was immer auch entstanden ist, muß alles auch wieder vergehen."

7. Als Yaso's Mutter zum Palast heraufgestiegen war, sah sie ihren Sohn nicht. Sie ging zum Kaufmann und Hausvater und sagte zu ihm: "Dein Sohn. Hausvater, ist nicht zu sehen." Da schickte der Kaufmann und Hausvater reitende Boten in die vier Himmelsrichtungen und ging zum Gazellenhain. Er sah die Spuren der goldenen Sandalen und folgte ihnen.

8. Der Erhabene sah den Kaufmann und Hausvater aus der Ferne näherkommen. Da dachte der Erhabene: "Ich werde eine übernatürliche Kraft ausüben, daß der Kaufmann und Hausvater, wenn er hier sitzt, den hier sitzenden Yaso nicht sehen kann. "Da übte der Erhabene diese übernatürliche Kraft aus.

9. Es näherte sich der Kaufmann und Hausvater dem Erhabenen. Beim Erhabenen angekommen, sprach er: "Hat der ehrwürdige Erhabene nicht Yaso gesehen?" - "Nun, Hausvater, setze dich hin, hier sitzend kannst du sicherlich den hier sitzenden Yaso sehen."

Da dachte der Kaufmann und Hausvater: "Wenn ich hier sitze, werde ich Yaso hier sitzen sehen", und froh und freudig verehrte er den Erhabenen und setzte sich beiseite hin.

10. Den beiseite sitzenden Kaufmann und Hausvater führte der Erhabene in einem stufenweise ansteigenden Lehrgespräch ein: Er sprach vom Geben, von der Tugend, von himmlischer Welt, vom Elend, dem Herabziehenden, Beschmutzenden der Sinnenlüste und vom Segen der Überwindung. Als der Erhabene merkte, daß der Kaufmann und Hausvater im Herzen gesundet, sanft, frei von Hemmungen, zu seinen höchsten Möglichkeiten erhoben, klar geworden war, da gab er die Wahrheitslehre, welche die Erwachten auszeichnet: vom Leiden, seiner Entwicklung, seiner Ausrodung und der Vorgehensweise. Wie ein reines fleckenloses Gewand sofort Farbe annimmt, so ging dem Kaufmann und Hausvater wie er da auf seinem Sitze saß, das staubfrei, fleckenlose Auge der Wahrheit auf: "Was auch immer entstanden ist, muß alles auch wieder vergehen."

"Sehr, sehr gut, Verehrungswürdiger, wie wenn (man) etwas Umgedrehtes richtig hinstellen würde oder etwas Verdecktes aufdecken würde oder einem Verirrten den Weg zeigen würde oder wie wenn man in der Dunkelheit eine Öllampe hinhalten würde, damit, wer Augen hat, die Gestalten sieht, genauso hat der Erhabene auf verschiedene Weise die Lehre verkündet. Ich, Erhabener, nehme meine Zuflucht zum Erhabenen, zur Lehre und zur Mönchsgemeinde, der Erhabene möge mich als Laienanhänger annehmen, der von heute an für das ganze Leben seine Zuflucht genommen hat."

Zum ersten Male in der Welt gab es einen Laienanhänger mit der dreifachen Zuflucht.

11. Während seinem Vater die Lehre dargelegt wurde und Yaso sich, wie er es gesehen und erkannt hatte, den Grund (bhúmi, wörtlich "Erdboden", im übertragenen Sinne "Daseinsgrund" - die fünf Zusammenhäufungen -  vor Augen führte, wurde ihm das Herz ohne Anhangen von den Trieben befreit. Da dachte der Erhabene: "Das Herz von Yaso wurde ohne Anhangen von den Trieben befreit, als seinem Vater die Lehre dargelegt wurde, weil er sich, wie er es gesehen und erkannt hatte, den Grund vor Augen führte. Yaso ist nicht mehr fähig, zum Niedrigen zurückzukehren und die Sinnengenüsse zu genießen wie vorher als Häuslicher. Ich kann nun jene übernatürliche Kraft aufheben. "Und der Erhabene hob jene übernatürliche Kraft auf.

12. Nun sah der Kaufmann und Hausvater Yaso, den Sohn, dasitzen; und er sagte zu Yaso: "Deine Mutter, lieber Yaso, ist niedergeschlagen und voller Kummer; gib der Mutter das Leben zurück."

13. Da sah Yaso zum Erhabenen auf. Der Erhabene sprach zum Kaufmann und Hausvater: "Was meinst du Hausvater. Yaso hat durch die Kennerschaft und durch die Sicht eines Heilskämpfers, wie er es gesehen und erkannt hatte, sich den Grund vor Augen geführt und sein Herz wurde dabei ohne Anhangen von den Trieben befreit. Ist Yaso, Hausvater, jetzt fähig, zum Niedrigen zurückzukehren und die Sinnesgenüsse zu geniessen wie vorher als Häuslicher?" - "Nein,  das ist er nicht, Erhabener." - "Yaso hat durch die Kennerschaft und die Sicht eines Heilskämpfers, wie er es gesehen und erkannt hatte, sich den Grund vor Augen geführt und sein Herz wurde dabei ohne Anhangen von den Trieben befreit. Yaso ist nicht mehr fähig zum Niedrigen zurückzukehren und die Sinnesgenüsse zu genießen wie vorher als Häuslicher."

14. "Erreicht hat es Yaso Erhabener, gut getroffen hat es Yaso Erhabener, daß das Herz Yaso's ohne Anhangen von den Trieben befreit wurde. Möge der Erhabene die Einladung zum heutigen Mahl annehmen, mit Yaso als seinem Begleiter."

Durch Schweigen gab der Erhabene seine Zustimmung. Als der Kaufmann und Hausvater wußte, daß der Erhabene einverstanden war, stand er von seinem Sitz auf, verehrte den Erhabenen, ging rechts herum und entfernte sich.

15. Kurz nachdem der Kaufmann und Hausvater gegangen war, sagte Yaso zum Erhabenen: "Beim Erhabenen möchte ich das Asketenleben führen, beim Erhabenen möchte ich Mönch werden." - "Komm, o Mönch, "sprach der Erhabene, "gut dargelegt ist die Lehre, wandle den Reinheitswandel, um alles Leid zu beenden."

Das war für den ehrwürdigen Yaso die Aufnahme als Mönch. Zu dieser Zeit gab es sieben Heilige in der Welt.


8. IM HAUSE YASOS

1. Der Erhabene ging am Morgen, nachdem er sich angekleidet und Almosenschale und Robe genommen hatte, in Begleitung des ehrwürdigen Yaso zum Hause des Kaufmannes und Hausvaters. Dort angekommen setzte er sich auf den vorbereiteten Sitz. Da kamen die Mutter und die ehemalige Frau des ehrwürdigen Yaso zum Erhabenen, grüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzen sich beiseite nieder.

2. Der Erhabene belehrte sie in folgender Weise: Er sprach vom Geben, von der Tugend, von himmlischer Welt, vom Elend, dem Herabziehenden, Beschmutzenden der Sinnenlüste und vom Segen der Überwindung. Als der Erhabene merkte, daß sie im Herzen gesundet, sanft, frei von Hemmungen, zu ihren höchsten Möglichkeiten erhoben, klar geworden waren, da gab er ihnen die Wahrheitslehre, welche die Erwachten auszeichnet: vom Leiden, seiner Entwicklung, seiner Ausrodung und der Vorgehensweise. Wie ein reines fleckenloses Gewand sofort Farbe annimmt, so ging ihnen noch wie sie da auf ihren Sitzen saßen, das staubfreie, fleckenlose Auge der Wahrheit auf: "Was immer auch entstanden ist, muss alles auch wieder vergehen."

3. Dann, nachdem sie die Wahrheit gesehen, die Wahrheit erlangt, die Wahrheit verstanden, die Wahrheit durchdrungen, den Zweifel überwunden, die Ungewißheit beseitigt und die vollkommene Gewißheit aus eigener Kraft in der Lehre erlangt hatten, sprachen sie zum Erhabenen: "Sehr, sehr gut, Verehrungswürdiger, wie wenn (man) etwas Umgedrehtes richtig hinstellen würde oder etwas Verdecktes aufdecken würde oder einem Verirrten den Weg zeigen würde oder wie wenn man in der Dunkelheit eine Öllampe hinhalten würde, damit, wer Augen hat, die Gestalten sieht, genauso hat der Erhabene auf verschiedene Weise die Lehre verkündet. Wir nehmen unsere Zuflucht zum Erhabenen, zur Lehre wie auch zur Mönchsgemeinde, der Erhabene möge uns als Laienanhängerinnen annehmen, die von heute an für das ganze Leben ihre Zuflucht genommen haben."

Zum ersten Male in der Welt gab es Laienanhängerinnen mit dreifacher Zuflucht.

4. Es bewirteten und bedienten die Mutter, der Vater und die ehemalige Frau des ehrwürdigen Yaso eigenhändig den Erhabenen und den ehrwürdigen Yaso mit vorzüglicher fester und weicher Speise. Als der Erhabene gegessen und die Hand von der Almosenschale zurückgezogen hatte, setzten sie sich beiseite nieder. Nachdem der Erhabene die Mutter, den Vater und die ehemalige Frau des Yaso durch ein Lehrgespräch veranlasst hatte zu verstehen, aufzunehmen, davon motiviert zu sein, sich daran zu erfreuen, stand er vom Sitz auf und ging fort.


9. DIE AUFNAHME DER VIER FREUNDE YASOS

1. Vier Laienfreunde des ehrwürdigen Yaso, Söhne aus großen und kleinen Kaufmannsfamilien von Benares, namens Vimalo, Subáhu, Punnaji, Gavampati, hörten: Yaso, der Sohn aus guter Familie, hat Haar und Bart geschoren, die gelbbraune Robe angelegt und ist vom Haus in die Hauslosigkeit gegangen. Nachdem sie dies gehört hatten, sagten sie sich: "Sicherlich ist dies keine geringe Lehre und Zucht, ist kein geringes Asketentum, worin Yaso, Haar und Bart geschoren, die gelbbraune Robe angelegt hat, vom Haus in die Hauslosigkeit gegangen ist."

2. Die vier Laienfreunde gingen zum ehrwürdigen Yaso, dort verehrten sie den ehrwürdigen Yaso und standen beiseite. Der ehrwürdige Yaso nahm die vier Laienfreunde mit zum Erhabenen, und sie verehrten den Erhabenen und setzten sich beiseite nieder. Beiseite sitzend sagte der ehrwürdige Yaso zum Erhabenen folgendes: "Das, Verehrungswürdiger, sind meine vier Laienfreunde aus Benares, die Söhne großer und kleiner Kaufmannsfamilien namens Vimalo, Subáhu, Punnaji, Gavampati, diese vier möge der Erhabene beraten und belehren."

3. Der Erhabene belehrte sie in folgender Weise: Er sprach vom Geben, von der Tugend, von himmlischer Welt, vom Elend, dem Herabziehenden, Beschmutzenden der Sinnenlüste und vom Segen der Überwindung. Als der Erhabene merkte, daß sie im Herzen gesundet, sanft, frei von Hemmungen, zu ihren höchsten Möglichkeiten erhoben, klar geworden waren, da gab er ihnen die Wahrheitslehre, welche die Erwachten auszeichnet: vom Leiden, seiner Entwicklung, seiner Ausrodung und der Vorgehensweise. Wie ein reines fleckenloses Gewand sofort Farbe annimmt, so ging ihnen noch wie sie da auf ihren Sitzen saßen, das staubfreie, fleckenlose Auge der Wahrheit auf: "Was immer auch entstanden ist, muß alles auch wieder vergehen."

4. Nachdem sie die Wahrheit gesehen, die Wahrheit erlangt, die Wahrheit verstanden, die Wahrheit durchdrungen, den Zweifel überwunden, die Ungewißheit beseitigt, die vollkommene Zuversicht aus eigener Kraft in der Lehre erlangt hatten, sagten sie zum Erhabenen: "Das Asketenleben möchten wir beim Erhabenen führen, möge uns der Erhabene als Mönche aufnehmen." - "Kommt, o Mönche," sprach der Erhabene "gut dargelegt ist die Lehre, wandelt den Reinheitswandel, um alles Leid zu beenden."

Das war die Aufnahme der Ehrwürdigen. Dann beriet und belehrte der Erhabene jene Mönche durch ein Lehrgespräch und während dieser Lehrdarlegung wurde ihr Herz ohne zu ergreifen von den Trieben befreit. Zu jener Zeit gab es elf Heilige in der Welt.


10. DIE AUFNAHME VON 50 WEITEREN FREUNDEN

Fünfzig Laienfreunde, Söhne von ersten Familien und ihnen Nahestehende dieser Gegend, hörten vom Ehrwürdigen Yaso: Yaso, der Sohn aus guter Familie, hat Haar und Bart geschoren, die gelbbraune Robe angelegt und ist vom Haus in die Hauslosigkeit gegangen... (weiter wie unter 9.)

Zu jener Zeit gab es einundsechzig Heilige in der Welt.


11. MARO I

1. Der Erhabene sprach zu den Mönchen: "Befreit bin ich, ihr Mönche, von allen Fesseln, sowohl göttlichen als auch menschlichen. Befreit seid ihr, ihr Mönche, von allen Fesseln, sowohl göttlichen als auch menschlichen. Geht, ihr Mönche, in die Welt, vielen Wesen zum Wohle, vielen Wesen zum Glücke, aus Mitgefühl mit der Welt, zum Nutzen, Wohl und Glück von Göttern und Menschen. Mögen nicht zwei den selben Weg gehen. Verkündet, ihr Mönche, die Lehre, die am Anfang gute, in der Mitte gute, am Ende gute, die sinnvolle, die wortgetreue, predigt den vollständigen, völlig geläuterten Reinheitswandel. Es gibt Wesen mit wenig Staub auf den Augen, die werden die Lehre verstehen; würden sie die Lehre nicht hören, gingen sie wieder abwärts. Ich, ihr Mönche, gehe nach Senánigama in Uruvelá, die Lehre zu verkünden."

2. Da kam Maro, der Böse, zum Erhabenen und sprach ihn mit folgenden Versen an: 

"Gefesselt bist du mit allen Banden,
göttlichen und menschlichen,
gefesselt bist du mit großen Banden;
von mir, Mönch, wirst du niemals frei.
 
"Befreit bin ich von allen Banden,
von göttlichen und menschlichen.
Ich bin befreit von großen Banden,
du bist vernichtet, Antako (Endlicher)"
 
"Überall treibt hin der Fallstrick,
wo sich was im Geist bewegt.
Damit mache ich dich leiden.
Nie, Mönch, wirst du von mir frei.
 
"Form-, Ton-, Duft-, Geschmacksvergnügen,
Freud' an Tastung und an Geist’gem
danach bin ich los den Willen.
Antako, du bist geschlagen."

"Der Erhabene erkennt mich, der Wohlgegangene erkennt mich, " dachte da Máro, der Böse, mit betrübtem Geiste und verschwand.


12. DIE AUFNAHME DURCH DREIFACHE ZUFLUCHT

1. Zu jener Zeit brachten die Mönche aus verschiedenen Richtungen und Gegenden Menschen zum Erhabenen, die das Asketenleben und die Aufnahme als Mönch erstrebten. Dabei wurden sowohl die Mönche, wie auch die Anwärter müde. Da kam dem Erhabenen, als er einsam in Meditation weilte, folgender Gedanke: "Jetzt bringen die Mönche aus verschiedenen Richtungen und Gegenden Anwärter für die Aufnahme als Novize und als Mönch, damit ich sie aufnehme; davon werden sowohl die Mönche wie auch die Anwärter müde. Ich werde nun den Mönchen erlauben: Gebt selber, ihr Mönche, in allen Richtungen und allen Gegenden die Aufnahme als Novize oder als Mönch."

2. Nachdem sich der Erhabene am Abend aus der Meditation erhoben hatte und aus diesem Grund, aus diesem Anlaß eine Lehrrede gehalten hatte, sprach er weiterhin zu den Mönchen:

"Mir kam, ihr Mönche, als ich einsam in Meditation weilte, folgender Gedanke: jetzt bringen die Mönche aus verschiedenen Richtungen und Gegenden Anwärter für die Aufnahme als Novize oder als Mönch, damit ich sie aufnehme; davon wurden sowohl die Mönche wie auch die Anwärter müde. Ich werde nun den Mönchen erlauben: Gebt selber, ihr Mönche, in allen Richtungen und allen Gegenden die Aufnahme als Novize oder als Mönch.'

3. Ich erlaube es jetzt, ihr Mönche, gebt selber die Aufnahme als Novize oder als Mönch in allen Richtungen und allen Gegenden. In folgender Weise, ihr Mönche, soll man die Aufnahme geben: Zuerst sollen die Kopf und Barthaare geschoren werden, dann wird die gelbbraune Robe angelegt, das Obergewand wird auf eine Schultergelegt, und zu den Füßen der Mönche soll man sich verbeugen, dann soll man sich in die Hocke niedersetzen und mit zusammengelegten Händen sprechen:

4. Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha, ich nehme meine Zuflucht zur Lehre, ich nehme meine Zuflucht zur Gemeinde. Zum zweiten Male: Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha, ich nehme meine Zuflucht zur Lehre, ich nehme meine Zuflucht zur Gemeinde. Zum dritten Male: Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha, ich nehme meine Zuflucht zur Lehre, ich nehme meine Zuflucht zur Gemeinde:

Ich erlaube, Mönche, durch diese dreifache Zufluchtnahme die Aufnahme als Novize oder als Mönch."


13. MARO II

1. Als die Regenzeit vorüber war, sprach der Erhabene zu den Mönchen: "Ich, ihr Mönche, habe durch gründliche Aufmerksamkeit, durch gründliche rechte Anstrengung die unübertreffliche Befreiung erlangt, die unübertreffliche Befreiung verwirklicht. Auch ihr, ihr Mönche, habt durch gründliche Aufmerksamkeit, durch gründliche rechte Anstrengung die unübertreffliche Befreiung erlangt, die unübertreffliche Befreiung verwirklicht."

2. Da näherte sich Máro, der Böse, dem Erhabenen und redete den Erhabenen mit einem Vers an:

 

"Gefesselt bist du mit Máros Banden,
göttlichen und menschlichen;
gefesselt bist du mit großen Banden
von mir, Mönch, wirst du niemals frei.
 
"Befreit bin ich von Máros Banden,
von göttlichen und menschlichen.
Ich bin befreit von großen Banden,
du bist vernichtet, Antako."

 

Da dachte Máro der Böse: "Der Erhabene erkennt mich, der Wohlgegangene erkennt mich" und traurig verschwand er mit betrübtem Geist.


14. Die Bekehrung der dreißig vornehmen Jünglinge

1. Als der Erhabene, so lange es ihm beliebte, sich in Benares aufgehalten hatte, wandelte er gen Uruvela. Da kam der Erhabene vom Wege ab und gelangte in einen Wald; und als er dorthin gekommen war, ging er in diesen Wald hinein und setzte sich am Fuße eines Baumes nieder.

Zu dieser Zeit aber ergingen dich dreißig Freunde, vornehme Jünglinge, mit ihren Frauen in diesem Walde. Einer hatte keine Frau, deshalb war eine Hure mitgenommen worden. Während nun jene bei ihren Erlustigungen, nicht achtgaben, nahm die Hure das Gepäck von ihnen und lief damit fort. 

2. Die Freunde erwiesen ihrem Freunde den Dienst und suchten nach dem Weibe. Als sie nun so den Wald durchstreiften, sahen sie den Erhabenen am Fuße eines Baumes sitzen; und sie gingen zu ihm hin und sprachen zu ihm: "O Herr, hat der Erhabene nicht ein Weib gesehen?" Buddha antwortete: "Was wollt ihr mit dem Weibe, ihr Jünglinge?" Darauf erwiderten sie: "Herr, wir dreißig vornehmen Freunde ergingen uns hier in diesem Walde mit unseren Frauen. Einer hatte keine Frau; deshalb war eine Hure mitgenommen worden. Nun hat die Hure, o Herr, während wir bei unserer Erlustigung nicht auf sie acht gaben, unser Gepäck mitgenommen und ist fortgelaufen. Deshalb, o Herr, erweisen wir unserem Freund den Freundesdienst und suchen nach ihr und durchstreifen den Wald." Buddha versetzte: 

3. "Was meint ihr nun von euch, ihr Jünglinge? Was ist besser für euch, wenn ihr das Weib sucht oder wenn ihr euer Ich sucht?" Die Jünglinge antworteten: "Herr, besser wäre es für uns, wenn wir unser Ich suchen würden." Nun sprach Buddha: "Deshalb setzt euch nieder, ihr Jünglinge; ich werde euch die Lehre verkündigen". "So sei es, Herr", versetzten die Freunde, die vornehmen Jünglinge; und sie begrüßten ehrfurchtsvoll den Erhabenen und setzten sich ihm zur Seite.

4. Darauf erklärte ihnen der Erhabene der Reihe nach die Lehre: nämlich die Lehre vom Almosengeben, die Lehre von den moralischen Vorschriften, die Lehre vom Himmel, die Sündigkeit, Niedrigkeit, Unreinheit der Begierden und den Vorteil, der in dem Aufgeben der Lüste liege, legte er ihnen dar. Wie nun der Erhabene merkte, daß sie richtigen Sinnes, sanften Sinnes, aufgeklärten Sinnes, fröhlichen Sinnes und gläubigen Sinnes waren, verkündete er ihnen die erhabene Lehre der Erleuchteten, nämlich die Lehre vom Leiden, vom Ursprung des Leidens, vom Aufhören des Leidens und von dem Wege zum Aufhören des Leidens. Und wie ein weißes Gewand, von dem die schwarzen Flecken entfernt sind, seine Farbe ganz zurückbekommt, so erlangten sie bei dieser Gelegenheit das leidenschaftslose, reine Erkennen der Lehre, daß nämlich, was immer einen Ursprung hat, auch dem Aufhören unterworfen ist. 

5. Nachdem sie sodann die Lehre erkannt, die Lehre begriffen, die Lehre eingesehen hatten und in die Lehre eingedrungen waren, da waren sie befreit von den Zweifeln und frei von Ungewißheit; sie hatten Vertrauen bekommen und glaubten nur noch an die Lehre des Meisters. Und die sprachen zu dem Erhabenen: "Herr, wir möchten bei dem Erhabenen Mönche werden, wir möchten die Weihe empfangen." "Kommt, ihr Mönche", sagte Buddha, "gut erklärt ist die Lehre; wandelt in Reinheit, damit ihr das Leiden gänzlich zum Aufhören bringet." Dies war die Weihe dieser Ehrwürdigen.


15. Der Asket Uruvelakassapa, Das Wunder mit der Schlange

1. Der Erhabene aber wandelte weiter von Ort zu Ort und kam nach Uruvela. Zur Zeit wohnten bei Uruvela drei Jatilas (Asketen mit verfilzten Haaren, die das Feuer anbeteten. Diese Sage leitet den Bericht über die Bekehrung von tausend Jatilas ein), Uruvelakassapa, Nadikassapa und Gayakassapa mit Namen. Von ihnen war Uruvelakassapa von fünfhundert Jatilas der Führer, der Leiter, der Erste, das Haupt, das Oberhaupt, Nadikassapa von dreihundert Jatilas, Gayakassapa von zweihundert Jatilas.

2. Der Erhabene begab sich nun nach der Einsiedelei des Jatila Uruvelakassapa, und als er dorthin gekommen war, sprach er zu dem Jatila Uruvelakassapa: "Wenn es dir nicht unangenehm ist, Kassapa, möchten wir eine Nacht in deinem Feuerhause (Eine Hütte für Feueropfer) zubringen." Kassapa erwiderte: "Es ist mir nicht unangenehm, großer Asket, aber da ich dir wohl will, möchte ich dich davon zurückhalten. Ein schrecklicher Schlangenkönig haust hier, mit Wunderkraft begabt, eine Schlange mit furchtbarem Gift; daß der dich nur nicht verletzt!" "Er kann mir nichts zuleide tun," entgegnete Buddha,  "Kassapa, räume uns dein Feuerhaus ein." Als er merkte, daß Kassapa die Erlaubnis gab, ging er unerschrocken und ohne Furcht hinein. 

3. Da nun die Schlange sah, daß der Weise eingetreten war, wurde sie ärgerlich und stieß eine Rauchwolke aus. Guten Mutes und nicht geängstigt stieß der Höchste der Menschen auch eine Rauchwolke aus. Darauf sprühte der Schlangenkönig, der seine Wut nicht bändigen konnte, Flammen wie ein Feuer. 

4. Jedoch der Höchste unter den Menschen, der das Element des Feuers ganz beherrschte, sprühte auch Flammen. Während nun die beiden ganz zu Feuer geworden waren, schauten die Jatilas das Feuerhaus an und sagten: "Sehr schön in der Erscheinung ist der große Asket, aber er wird durch die Schlange Schaden erleiden."

5. Nach Ablauf dieser Nacht nun waren die Flammen der Schlange vernichtet, die Flammen des mit Wunderkraft Begabten aber waren geblieben und zeigten allerlei Farben; dunkelblau und rot und hellrot und gelb und kristallfarbig waren die Flammen am Körper des Angirasa (die Gotamas gehörten zum Stamm der Angirasen, die Agni, den Gott des Feuers verehrten), von verschiedenen Farben. Darauf legte er die Schlange in seine Almosenschale und zeigte sie dem Brahmanen mit den Worten: "Dies ist, Kassapa, deine Schlange; durch Feuer ist ihr Feuer überwunden." Da sprach der Jatila Uruvelakassapa, durch diese übernatürliche Wundertat hochbefriedigt, zu dem Erhabenen: "Verweile hier, großer Asket; ich werde dich regelmäßig mit Speise versehen."


(folgendes bis zur Feuerpredigt ist aus dem Buch "Der Buddha und sein Orden" eingefügt)

6. Am Nerañjarafluß sprach der Erhabene zu Uruvelakassapo, dem Flechtenasketen: "Wenn ich dir nicht zur Last falle, Kassapo, möchte ich diese Mondlichtnacht in der Feuerhalle (aggisála) wohnen." - "Nicht fällst du mir zur Last, großer Asket, als einer, der dir Gutes wünscht, warne ich dich, dort ist ein Nágakönig mit übernatürlicher Macht, giftig, tödlich giftig, möge er ihn (den Erhabenen) nicht verletzen. " - "Sicherlich wird er mich nicht verletzen, also Kassapo, erlaube mir in der Feuerhalle zu wohnen."

Als der Furchtlose, der Furchtüberwinder sah, daß die Erlaubnis gegeben war, trat er ein. Der Herr der Nágas (ahinágo) erblickte den Seher und stieß mit gequältem Geiste Flammen und Rauch aus. Und mit freudigem, ruhigem Geiste stieß auch der Herr der Menschen Flammen und Rauch aus. Voller Anmaßung flammte der Herr der Nágas wieder Feuer auf. Aber das Feuerelement meisternd, flammte auch der Herr der Menschen auf. Die Flechtenasketen sahen das von dem Licht der beiden leuchtende Feuerhaus. "Herrlich ist sicher der Freund, der große Asket aber durch den Nágakönig wird (er) gequält werden", sagten (sie).

7. Dann, nachdem jene Nacht vergangen war, waren die Flammen des Nágakönigs vernichtet. Um den Körper des Rein Strahlenden (Angiraso-Buddha) aber, blieben, durch seine übernatürlichen Kräfte, die verschiedenfarbigen Flammen erhalten, blaue, rote, purpurne, gelbe und weiße. Nachdem er den Herrscher der Nágas in seine Almosenschale getan hatte, zeigte (er) ihn dem Brahmanen: "Dies ist dein Nágakönig Kassapo, überwältigt ist sein Feuer durch mein Feuer."

Da gewann Uruvelakassapo der Flechtenasket durch das Wunder der übernatürlichen Kraft des Erhabenen Vertrauen und sagte zum Erhabenen: "Verweile hier, großer Asket, ich werde dich mit Speise versorgen."


16. DAS ZWEITE WUNDER

1. Dann weilte der Erhabene in einem Wäldchen nahe der Einsiedelei des Flechtenasketen Uruvelakassapo. Da kamen die vier Großkönige (die Herrscher des menchennächsten  Götterbereichs)  in einer fortgeschrittenen Nacht zum Erhabenen, das ganze Wäldchen in herrlichen Farben erleuchtend.

Nachdem sie den Erhabenen verehrt hatten, standen sie an den vier Seiten wie große Feuersäulen.

2. Nach jener Nacht kam der Flechtenasket Uruvelakassapo zum Erhabenen und sagte zum Erhabenen: "Jetzt ist die Zeit, großer Asket, das Essen ist bereitet. Wer kam zu dir, großer Asket, in fortgeschrittener Nacht mit herrlichen Farben das ganze Wäldchen erleuchtend, dich verehrend und an den vier Seiten stehend wie vier Feuersäulen?" - "Die vier Großkönige, Kassapo, kamen zu mir, um die Lehre zu hören."

Da dachte der Flechtenasketen Uruvelakassapo: "Der große Asket hat eine große übernatürliche Kraft, große Erhabenheit, weil die vier Großkönige zu ihm kommen, um die Lehre zu hören, aber er ist kein Heiliger wie ich."

Dann, nachdem der Erhabene das Mahl eingenommen hatte, weilte er in jenem Wäldchen.


17. DAS DRITTE WUNDER

1. Da kam Sakko, der Götterkönig in einer fortgeschrittenen Nacht zum Erhabenen, das ganze Wäldchen mit herrlichen Farben erleuchtend. Nachdem er den Erhabenen verehrt hatte, stand er beiseite wie eine große Feuersäule, die strahlender und feiner war als die frühere Farbstrahlung.

2. Nach jener Nacht kam der Flechtenasket Uruvelakassapo zum Erhabenen und sprach: "Jetzt ist die Zeit, großer Asket, das Essen ist bereitet. Wer kam zu dir, großer Asket, in fortgeschrittener Nacht durch herrliche Färbung das ganze Wäldchen erleuchtend, dich verehrend und an einer Seite stehend wie eine große Feuersäule, die strahlender und vorzüglicher als die frühere Farbstrahlung war." - "Sakko, der Götterkönig, kam zu mir, Kassapo, um die Lehre zu hören."

Da dachte der Flechtenasket Uruvelakassapo: "Der große Asket hat eine große übernatürliche Kraft, große Erhabenheit, weil Sakka der Götterkönig zu ihm kommt um die Lehre zu hören, aber er ist kein Heiliger wie ich."

Dann, nachdem der Erhabene das Mahl eingenommen hatte, weilte er in jenem Wäldchen.


18. DAS VIERTE WUNDER

(Wie 17, jedoch mit Brahma Sahampati)


19. DAS FÜNFTE WUNDER

1. Zu jener Zeit stand bei dem Flechtenasketen Uruvelakassapo eine große Opferzeremonie bevor. Die gesamte Bevölkerung von Anga und Magadhá hatte reichlich feste und weiche Speisen mitgebracht und war da, um (dem Opfer) beizuwohnen. Da dachte der Flechtenasket Uruvelakassapo: "Jetzt steht mir eine große Opferzeremonie bevor, und die gesamte Bevölkerung von Anga und Magadha hat reichlich feste und weiche Speisen mitgebracht und ist nun da um (dem Opfer) beizuwohnen. Wenn nun der große Asket vor dieser großen Volksmenge Wunder durch übernatürliche Kraft vollbringt, so würde des großen Asketen Gewinn und Ehre zunehmen, mein Gewinn und meine Ehre aber würden abnehmen. Oh, es wäre gut, wenn der große Asket nicht käme."

2. Als der Erhabene in seinem Geist den Gedankengang des Flechtenasketen Uruvelakassapo erkannte, ging er (daher) nach Uttarakuru, nahm dort Almosen entgegen, aß am Anotatta-See und weilte dort über die Mittagszeit. Nachdem die Nacht vergangen war, kam der Flechtenasket Uruvelakassapo zum Erhabenen und sprach: "Jetzt ist die Zeit, großer Asket, das Essen ist bereitet. Warum ist der große Asket gestern nicht gekommen?

Wir haben an dich gedacht: Warum kommt der große Asket nicht, für dich war feste und weiche Speise bereitgestellt."

3. "Hast du nicht gedacht, Kassapo: jetzt steht mir eine große Opferzeremonie bevor, und die gesamte Bevölkerung von Anga und Magadha hat reichlich feste und weiche Speisen mitgebracht und ist da, um (dem Opfer) beizuwohnen. Wenn nun der große Asket vor der großen Volksmenge Wunder durch übernatürliche Kraft vollbringt, würde des großen Asketen Gewinn und Ehre zunehmen, mein Gewinn und meine Ehre aber würden abnehmen. Oh, es wäre gut, wenn der große Asket nicht käme?

4. Da ich nun, Kassapo, mit dem Gemüt das Gemüt umfassend deinen Gedankengang erkannt hatte, ging (ich) nach Uttarakuru, nahm dort Almosen entgegen, aß am Anotatta-See und weilte dort über die Mittagszeit."

Da dachte der Flechtenasket Uruvelakassapo: "Der große Asket hat eine große übernatürliche Kraft... aber er ist kein Heiliger wie ich."

Dann, nachdem der Erhabene das Mahl eingenommen hatte, weilte er in jenem Wäldchen.


20. DIE AUFNAHME KASSAPOS

1. Zu jener Zeit wurde dem Erhabenen Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen (pamsukúla) angefertigt. Da dachte der Erhabene: "Wo soll ich nun die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen waschen?" Als der Götterkönig Sakko mit seinem Geist den Gedankengang des Erhabenen erkannt hatte, grub er mit der Hand einen Teich und sprach: "Hierin, verehrungswürdiger Erhabener, wasche die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen."

Da dachte der Erhabene: "Worauf soll ich die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen walken?" Als Sakko mit seinem Gemüt den Gedankengang des Erhabenen erkannt hatte, stellte er einen großen Stein hin und sprach: "Hierauf, verehrungswürdiger Erhabener, walke die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen durch."

2. Da dachte der Erhabene: "Woran soll ich mich festhalten, wenn ich aus dem Wasser (des Teiches) komme?" Da erkannte die einen Kakudhabaum bewohnende Gottheit mit ihrem Gemüt den Gedankengang des Erhabenen, bog einen Zweig herab und sprach: "Hieran, verehrungswürdiger Erhabener, halte dich fest, wenn du aus dem Wasser steigst."

Da dachte der Erhabene: "Worauf soll ich die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen ausbreiten?" Als der Götterkönig Sakko mit seinem Gemüt den Gedankengang des Erhabenen erkannt hatte, stellte er einen großen Stein in seiner Nähe hin und sprach: "Hierauf, verehrungswürdiger Erhabener, breite die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen aus."

3. Nachdem die Nacht vergangen war, ging der Flechtenasket Uruvelakassapo zum Erhabenen und sprach: "Es ist Zeit, großer Asket, das Essen ist bereit. Aber hier, großer Asket, war vorher kein Teich, jetzt ist hier ein Teich, auch dieser Stein war vorher nicht hier, wer hat diesen Stein hingestellt? Und von diesem Kakudhabaum war vorher kein Zweig herabgebogen, jetzt ist er aber herabgebogen?"

4. "Es wurde mir, Kassapo, Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen angefertigt. Da kam mir der Gedanke: 'Wo soll ich nun die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen waschen?' Da erkannte Sakko mit seinem Gemüt meinen Gedankengang, grub mit der Hand einen Teich und sprach: Hierin, verehrungswürdiger Erhabener, wasche deine Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen'. Dieser Teich wurde von der Hand eines nichtmenschlichen Wesens gegraben.

Dann kam mir, Kassapo, der Gedanke. ‚Worauf soll ich die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen walken?' Nachdem Sakko, der Götterkönig, mit seinem Gemüt meinen Gedankengang erkannt hatte, stellte er einen großen Stein hin und sprach: ‚Hierauf, verehrungswürdiger Erhabener, knete die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen.' Dieser Stein wurde von einem nichtmenschlichen Wesen hingestellt.

5. Dann kam mir, Kassapo, der Gedanke: ‚Woran soll ich mich festhalten, wenn ich aus dem Wasser komme.' Da bog, Kassapo, eine einen Kakudhabaum bewohnende Gottheit, die mit ihrem Geist meinen Gedankengang erkannt hatte, einen Zweig herab und sprach: Hieran, verehrungswürdiger Erhabener, halte dich fest wenn du aus dem Wasser steigst.' Dieser Kakudhabaum ist für mich zum Festhalten.

Dann kam mir, Kassapo, der Gedanke: ‚Worauf soll ich die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen ausbreiten?' Nachdem, Kassapo, Sakko, der Götterkönig, mit seinem Gemüt meinen Gedankengang erkannt hatte, stellte er einen großen Stein hin und sprach: Hierauf, verehrungswürdiger Erhabener, breite die Kleidung aus fortgeworfenen Lumpen aus.' Dieser Stein wurde von einem nichtmenschlichen Wesen hingestellt."

6. Da dachte der Flechtenasketen Uruvelakassapo: "Der große Asket hat große übernatürliche Kraft, große Erhabenheit, weil der Götterkönig Sakko (ihm) zu Diensten ist, aber er ist kein Heiliger wie ich."

Nachdem der Erhabene das Mahl eingenommen hatte, weilte er in jenem Wäldchen.

7. Als nun jene Nacht vergangen war, ging der Flechtenasket Uruvelakassapo zum Erhabenen und sprach: "Es ist Zeit, großer Asket, das Essen ist bereit." - "Gehe du vor, Kassapo, ich komme. "Nachdem der Erhabene den Flechtenasketen Uruvelakassapo vorausgeschickt hatte, ging er zum Jambubaum (Rosenapfelbaum), nach dem der Rosenapfelkontinent (Indien = Jampudípa) benannt ist, und nahm eine Frucht mit. Als erster war er zum Feuerhaus zurückgekommen und setzte sich dort hin.

8. Der Flechtenasket Uruvelakassapa sah den Erhabenen am Feuerhaus sitzen und sprach: "Auf welchem Wege, großer Asket, bist du gekommen? Ich ging als erster, doch du bist vor mir am Feuerhaus angekommen."

9. "Als ich dich vorausgeschickt hatte, Kassapo, ging ich zum Rosenapfelbaum, nach dem der Rosenapfelkontinent benannt ist und nahm eine Frucht mit. Jetzt sitze ich hier, weil ich als erster zum Feuerhausgekommen bin. Hier, Kassapo, ist der Rosenapfel, mit Farbe, Geruch und Geschmack, wenn du zweifelst, genieße ihn." - "Nein, großer Asket, du bist seiner würdig, du magst ihn genießen."

Da dachte der Flechtenasket Uruvelakassapo: "Der große Asket hat eine große übernatürliche Kraft, große Erhabenheit, als (er) mich als ersten vorausgeschickt hatte, ging er zum Rosenapfelbaum, nach dem der Rosenapfelkontinent benannt ist, nahm eine Frucht mit, ist als erster zum Feuerhaus zurückgekommen und sitzt hier, aber er ist kein Heiliger wie ich."

10. Dann, nachdem der Erhabene das Mahl eingenommen hatte, weilte er in jenem Wäldchen. (9)

(Die Absätze 7 - 9 werden wiederholt mit: In der Nähe - des Rosenapfelbaumes - ist ein Mangobaum. In der Nähe des Mangobaumes - ist ein Amalakibaum. In der Nähe - des Amalakibaumes - ist ein Haritakibaum. In die Welt der Götter der Dreiunddreißig gegangen, holte er eine Blüte vom Paricchattabaum.)

11. "Als ich dich vorausgeschickt hatte, Kassapo, ging ich zu den Göttern der Dreiunddreißig und nahm eine Blüte vom Paricchattabaum mit. Jetzt sitze ich hier, weil ich als erster zum Feuerhaus gekommen bin. Hier, Kassapo, ist die Blüte vom Paricchattabaum, versehen mit Farbe und Geruch, wenn du zweifelst nimm sie." - "Nein, großer Asket, du bist ihrer würdig, du magst sie riechen."

Da dachte der Flechtenasket Uruvelakassapo: "Der große Asket hat große übernatürliche Kraft, große Erhabenheit, als er mich als ersten vorausgeschickt hatte, ging er zu den Göttern der Dreiunddreißig, nahm eine Blüte vom Taricchattabaum mit, ist als erster zum Feuerhaus gekommen und sitzt hier, aber er ist kein Heiliger wie ich."

12. Zu jener Zeit wollten die Flechtenasketen das Feuer verehren, (aber) sie konnten kein Feuerholz zerkleinern. Da kam den Flechtenasketen der Gedanke: "Ohne Zweifel liegt es an der großen übernatürlichen Kraft und Erhabenheit des großen Asketen, wenn wir das Feuerholz nicht zerkleinern können." Da sagte der Erhabene zu Uruvelakassapo dem Flechtenasketen: "Zerkleinere das Feuerholz, Kassapo!" - "Zerkleinere du das Feuerholz, großer Asket." Sofort zerkleinerte sich das Feuerholz in fünfhundert Stücke. Da dachte der Flechtenasketen Uruvelakassapo: "Der große Asket hat große übernatürliche Kraft, grolle Erhabenheit, weil er das Feuerholz zerkleinerte, aber er ist kein Heiliger wie ich."

13. Zu jener Zeit wollten die Flechtenasketen das Feuer verehren, (aber) sie konnten kein Feuer entzünden. Da kam den Flechtenasketen der Gedanke ... Da sagte der Erhabene zu Uruvelakassapo dem Flechtenasketen: "Entzünde das Feuer, Kassapo..."

14. Zu jener Zeit hatten die Flechtenasketen das Feuer verehrt, (aber) sie konnten das Feuer nicht löschen. Da kam den Flechtenasketen der Gedanke ... Da sagte der Erhabene zu Uruvelakassapo dem Flechtenasketen: "Lösche das Feuer, Kassapo... "

15. Zu jener Zeit tauchten die Flechtenasketen in den Nächten der kalten Winterzeit, wenn der Schnee fällt, an acht festgelegten Tagen (im Januar und Februar) im Neranjara-Fluß unter, tauchten auf, tauchten auf und unter. Da schuf der Erhabene fünfhundert Kohlebecken, damit die Flechtenasketen sich daran wärmen konnten. Da kam den Flechtenasketen der Gedanke: Ohne Zweifel ist das die große übernatürliche Kraft und Erhabenheit des großen Asketen, die die Kohlebecken erschuf. Da dachte der Flechtenasket Uruvelakassapo: "Der große Asket hat große übernatürliche Kraft, große Erhabenheit, weil er diese Kohlebecken erschaffen hat, aber er ist kein Heiliger wie ich."

16. Zu jener Zeit regnete es und große Wassermassen stürzten herab, so daß die Gegend, wo der Erhabene weilte, vom Wasser überflutet wurde. Da dachte der Erhabene: "Ich will das Wasser nach allen Seiten zurückgehen lassen, damit ich auf (staub-trockenem Boden auf und abgehen kann." Und nachdem er das Wasser hatte zurückgehen lassen, ging der Erhabene auf dem (staub) trockenen Boden auf und ab. Der Flechtenasket Uruvelakassapo fuhr zusammen mit vielen Flechtenasketen in einem Boot in die Gegend, wo der Erhabene weilte, im Gedanken: "Möge der Erhabene nicht vom Wasser fortgetrieben werden." Als der Flechtenasket Uruvelakassapo den Erhabenen sah, wie er auf (staub) trockenem Boden auf und ab ging, nachdem er das Wasser nach allen Seiten hatte zurückgehen lassen, sagte er zu ihm: "Hier bist du, großer Asket." - "Hier bin ich, Kassapo," sprach der Erhabene, stieg in die Luft auf und kam in das Boot. Da dachte der Flechtenasket Uruvelakassapa: "Der große Asket hat eine große übernatürliche Kraft, große Erhabenheit, weil ihm das Wasser nicht schaden konnte, aber er ist kein Heiliger wie ich."

17. Da dachte der Erhabene: "Lange Zeit fiel diesem törichten Menschen ein: Der große Asket hat große übernatürliche Kraft, große Erhabenheit, aber er ist kein Heiliger wie ich. Ich werde nun diesen Flechtenasketen aufrütteln'."

Und der Erhabene sprach zum Flechtenasketen Uruvelakassapo: "Nicht bist du, Kassapo, ein Heiliger, noch hast du dich auf den heiligen Pfad begeben, noch hast du (die richtige Vorgehensweise, durch die du ein Heiliger werden oder dich auf den heiligen Pfad begeben kannst."

Da fiel der Flechtenasket Uruvelakassapo vor dem Erhabenen nieder, beugte sein Haupt zu Füßen des Erhabenen und sprach: "Ich möchte beim verehrungswürdigen Erhabenen das Asketenleben führen, vom Erhabenen möchte ich als Mönch aufgenommen werden."

18. "Du bist, Kassapo, der Führer, Lenker, Höchste, Erste und Beste von fünfhundert Flechtenasketen, befrage auch die anderen; was jene meinen, das sollen sie tun." Da ging Uruvelakassapo zu den Flechtenasketen und sprach: "Ich wünsche, ihr Freunde, bei dem großen Asketen den Reinheitswandel auf mich zu nehmen, was ihr meint Freunde, das tut." - "Seit langem, Freund, fanden wir am großen Asketen Gefallen. Wenn (du) Freund beim großen Asketen den Reinheitswandel auf dich nimmst, nehmen wir auch alle den Reinheitswandel beim großen Asketen auf uns."

19. Da schnitten jene Flechtenasketen ihr Haar ab und ihre Flechten ab und warfen es, zusammen mit ihren Asketenbedarfsgegenständen und ihren Feuerverehrungsgegenständen, ins Wasser. Dann gingen sie zum Erhabenen, fielen vor ihm nieder, beugten das Haupt zu seinen Füßen und sprachen: "Wir möchten beim verehrungswürdigen Erhabenen das Asketenleben führen, vom Erhabenen möchten wir als Mönche aufgenommen werden." - "Kommt, ihr Mönche," sprach der Erhabene, "gut dargelegt ist die Lehre, nehmt den Reinheitswandel auf euch, um allem Leid ein Ende zu machen." Das war für diese Ehrwürdigen die Aufnahme in den Orden.

20. Der Flechtenasket Nadakassapo sah die abgeschnittenen Haare, abgeschnittenen Flechten, die Asketenbedarfsgegenstände und Feuerverehrungsgegenstände im Wasser schwimmen und dachte: "Wenn nur mein Bruder nicht in Gefahr ist!" So sandte er Flechtenasketen: "Geht und schaut nach meinen Bruder." Und er selber ging mit den dreihundert Flechtenasketen dorthin, wo der ehrwürdige Uruvelakassapo weilte und sprach: "Ist das besser Kassapo." - "Ja, Bruder, das ist besser."

21. Da warfen jene Flechtenasketen ihr abgeschnittenes Haar, ihre Flechten, die Asketenbedarfsgegenstände und die Feuerverehrungsgegenstände ins Wasser und gingen zum Erhabenen ... "Kommt, ihr Mönche" sprach der Erhabene, "gut dargelegt ist die Lehre, nehmt den Reinheitswandel auf euch, um allem Leid ein Ende zu machen. "Das war für diese Ehrwürdigen die Aufnahme in den Orden.

22. - 23. (Wie vorher 21. und 22., jedoch mit Gayákassapo und zweihundert Flechtenasketen)


21. Die Feuerpredigt (aus dem Buch von Dr. Julius Dutoit)

1. Nachdem der Erhabene zu Uruvela, solange es ihm beliebte, verweilt hatte, wanderte er nach dem Gaya-Berge mit einer großen Schar von Mönchen, nämlich mit den tausend früheren Jatilas. Und der Erhabene blieb bei Gaya auf dem Gaya-Berge zusammen mit seinen tausend Mönchen. 

2. Da sprach der Erhabene zu den Mönchen:

Alles ihr Mönche brennt. Und was brennt alles? Das Auge, ihr Mönche, brennt, die Erscheinungen brennen, das Auffassen mit dem Auge brennt, die Wahrnehmung mit dem Auge brennt; und auch die Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit dem Auge beruht, sei sie eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, auch sie brennt. Wodurch brennt es? Durch das Feuer der Lust, durch das Feuer der Hasses, durch das Feuer des Irrtums brennt es, durch Geburt, Alter, Tod, durch die verschiedenen Arten von Kummer, Trauer, Leiden, Mißstimmung und Verzweiflung brennt es; so sage ich.

3. Das Ohr brennt, die Töne brennen, das Auffassen mit dem Ohr brennt, die Wahrnehmung mit dem Ohr brennt; und auch die Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit dem Ohr beruht, sei sie eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, auch sie brennt. Wodurch brennt es? Durch das Feuer der Lust, durch das Feuer der Hasses, durch das Feuer des Irrtums brennt es, durch Geburt, Alter, Tod, durch die verschiedenen Arten von Kummer, Trauer, Leiden, Mißstimmung und Verzweiflung brennt es; so sage ich.

Die Nase brennt, die Gerüche brennen, das Auffassen mit der Nase brennt, die Wahrnehmung mit der Nase brennt; und auch die Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit der Nase beruht, sei sie eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, auch sie brennt. Wodurch brennt es? Durch das Feuer der Lust, durch das Feuer der Hasses, durch das Feuer des Irrtums brennt es, durch Geburt, Alter, Tod, durch die verschiedenen Arten von Kummer, Trauer, Leiden, Mißstimmung und Verzweiflung brennt es; so sage ich.

Die Zunge brennt, die Geschmack brennt, das Auffassen mit der Zunge brennt, die Wahrnehmung mit der Zunge brennt; und auch die Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit der Zunge beruht, sei sie eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, auch sie brennt. Wodurch brennt es? Durch das Feuer der Lust, durch das Feuer der Hasses, durch das Feuer des Irrtums brennt es, durch Geburt, Alter, Tod, durch die verschiedenen Arten von Kummer, Trauer, Leiden, Mißstimmung und Verzweiflung brennt es; so sage ich.

Der Körper brennt, die Berührungen brennen, das Auffassen mit dem Körper brennt, die Wahrnehmung mit dem Körper brennt; und auch die Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit dem Körper beruht, sei sie eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, auch sie brennt. Wodurch brennt es? Durch das Feuer der Lust, durch das Feuer der Hasses, durch das Feuer des Irrtums brennt es, durch Geburt, Alter, Tod, durch die verschiedenen Arten von Kummer, Trauer, Leiden, Mißstimmung und Verzweiflung brennt es; so sage ich.

Der Verstand brennt, die Gedanken brennen, das Auffassen mit dem Verstande brennt, die Wahrnehmung mit dem Verstande brennt; und auch die Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit dem Verstande beruht, sei sie eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, auch sie brennt. Wodurch brennt es? Durch das Feuer der Lust, durch das Feuer der Hasses, durch das Feuer des Irrtums brennt es, durch Geburt, Alter, Tod, durch die verschiedenen Arten von Kummer, Trauer, Leiden, Mißstimmung und Verzweiflung brennt es; so sage ich.

4. Wenn nun ein edler Schüler, der in der Lehre erfahren ist, dies erwägt, so verliert er den Gefallen am Auge, an den Erscheinungen, an dem Auffassen mit dem Auge, an der Wahrnehmung mit dem Auge; und auch an der Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit dem Auge beruht, sei es eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, verliert er den Gefallen.

Er verliert den Gefallen am Ohr, an den Tönen, an dem Auffassen mit dem Ohr, an der Wahrnehmung mit dem Ohr; und auch an der Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit dem Ohr beruht, sei es eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, verliert er den Gefallen.

Er verliert den Gefallen an der Nase, an den Gerüchen, an dem Auffassen mit der Nase, an der Wahrnehmung mit der Nase; und auch an der Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit der Nase beruht, sei es eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, verliert er den Gefallen.

Er verliert den Gefallen an der Zunge, am Geschmack, an dem Auffassen mit der Zunge, an der Wahrnehmung mit der Zunge; und auch an der Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit der Zunge beruht, sei es eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, verliert er den Gefallen.

Er verliert den Gefallen am Körper, an den Berührungen, an dem Auffassen mit dem Körper, an der Wahrnehmung mit dem Körper; und auch an der Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit dem Körper beruht, sei es eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, verliert er den Gefallen.

Er verliert endlich den Gefallen am Verstande, an den Gedanken, an dem Auffassen mit dem Verstande, an der Wahrnehmung mit dem Verstande; und auch an der Empfindung, die auf der Wahrnehmung mit dem Verstande beruht, sei es eine angenehme oder eine unangenehme oder weder angenehm noch unangenehm, verliert er den Gefallen.

Indem er nun den Gefallen daran verliert, verliert er die Lust dazu; wenn er die Lust fazu verliert, wird er davon befreit, und wenn er befreit ist, erhält er die Erkenntnis: 'Ich bin frei, zerstört ist die Wiedergeburt, ich wandle in Heiligkeit, getan ist, was zu tun war,' und er erkennt: 'Es gibt nichts anderes mehr nach dieser Existenz.'"

Während aber diese Predigt gehalten wurde, wurden die tausend Mönche losgelöst von der Anhänglichkeit an das Irdische, und ihre Herzen wurden befreit von den Leidenschaften.


21. DIE FEUERPREDIGT (aus dem Buch: Der Buddha und sein Orden)

1. Nachdem der Erhabene, so lange es ihm beliebte, in Uruvelá geweilt hatte, ging er zusammen mit einer großen Mönchsgemeinde von tausend Mönchen, alle ehemalige Flechtenasketen, zum Gayákopf. Und der Erhabene weilte am Gayákopf in Gayá zusammen mit den tausend Mönchen.

2. Dort sprach der Erhabene zu den Mönchen: „Alles brennt, ihr Mönche. Und was brennt alles, ihr Mönche? 

  • Der Augsinn, ihr Mönche, brennt, die sichtbaren Formen brennen, das Augbewußtsein brennt, die Augberührung brennt und was bedingt durch die Augberührung entsteht, nämlich wohles, wehes oder weder wohles noch wehes Gefühl, auch das brennt. 

Wodurch brennt es? 

  • Durch das Feuer des Begehrens, 
  • durch das Feuer des Hasses, 
  • durch das Feuer der Verblendung brennt es, 
  • durch Geburt, Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung brennt es, so sage ich.

3. Alles brennt, ihr Mönche. Und was brennt alles, ihr Mönche? 

  • Der Hörsinn - die Töne, 
  • der Geruchsinn - die Gerüche, 
  • der Zungensinn - die Geschmäcke, 
  • der Körpersinn - die tastbaren Dinge, 
  • der Geistsinn - die geistigen Dinge brennen, 
  • das Geistbewußtsein brennt, die Geistberührung brennt und was durch die Bedingung der Geistberührung entsteht, nämlich wohles, wehes oder weder wohles noch wehes Gefühl, auch das brennt. 

Wodurch brennt es? 

  • Durch das Feuer des Begehrens, 
  • durch das Feuer des Hasses, 
  • durch das Feuer der Verblendung brennt es, durch Geburt, Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung brennt es, so sage ich.

4. So sehend, ihr Mönche, wird der belehrte, edle Hörer 

  • des Augsinns überdrüssig, der sichtbaren Formen überdrüssig, des Augbewußtseins überdrüssig, der Augberührung überdrüssig und was bedingt durch die Augberührung entsteht, nämlich wohles, wehes oder weder wohles noch wehes Gefühl, auch dessen wird er überdrüssig. 
  • Er wird des Hörsinns, 
  • des Geruchsinns, 
  • des Zungensinns, 
  • des Körpersinns, 
  • des Geistsinns überdrüssig, des Geistbewußtseins überdrüssig, der Geistberührung überdrüssig und was durch die Bedingung der Geistberührung entsteht, nämlich freudiges, leidiges oder neutrales Gefühl, auch dessen wird er überdrüssig. 

Überdrüssig, löst er sich ab, abgelöst befreit er sich, durch die Befreiung weilt er: 'Ich bin befreit, versiegt ist die Geburt, der Reinheitswandel ist erfüllt, was zu tun war ist getan,' er weiß. 'Kein Werden gibt es mehr nach diesem Dasein."

Während dieser Lehrdarlegung wurde den tausend Mönchen das Herz ohne zu ergreifen von den Trieben befreit.


22. KÖNIG SENIYO BIMBISARO

1. Nachdem der Erhabene, so lange es ihm beliebte, am Gayákopf geweilt hatte, begab er sich nach und nach, zusammen mit einer großen Mönchsgemeinde von tausend Mönchen, alles ehemalige Flechtenasketen, nach Rájagaha. Dort angekommen, verweilte der Erhabene an der Gedenkstätte Supatittha im Latthi-Hain.

2. Da hörte der König von Magadhá, Seniyo Bimbisáro: Der Asket Gotamo, der Sohn der Sakya, vom Sakyageschlecht, der in die Hauslosigkeit ging, ist in Rajagaha angekommen; er verweilt an der Gedenkstätte Supatittha im Latthi-Hain. Diesem erhabenen Gotamo eilt der Ruhmesruf voraus: "Dies ist der Erhabene, Heilige, vollkommen Erwachte, der in Wissen und Wandel Vollendete, der Pfadvollender, der Kenner der Welt, der unübertroffene Lenker der zu zähmenden Menschen, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er erklärt diese Welt mit ihren Göttern, Máros, Brahmas, Asketen und Brahmanen, Lebewesen, Göttern und Menschen. Nachdem er sie selbst durch weltüberlegenen Überblick erkannt hat, verkündeter die Lehre, die am Anfang gute, in der Mitte gute, am Ende gute, er erklärt der Bedeutung und den Worten nach den völlig vollendeten, völlig geläuterten Reinheitswandel. Gut ist es, solche Heilige zu sehen."

3. Da ging der König von Magadhá, gefolgt von einer großen Schar von Brahmanen und Hausleuten, zum Erhabenen. Nachdem er den Erhabenen verehrt hatte, setzte er sich beiseite nieder. Von den Magadhábrahmanen und Hausleuten setzten sich einige beiseite nieder, nachdem sie den Erhabenen verehrt hatten. Einige wechselten freundliche Worte mit dem Erhabenen und nachdem sie höfliche und freundliche Worte ausgetauscht hatten, setzten sie sich beiseite nieder. Einige grüßten den Erhabenen mit zusammengelegten Händen und setzten sich beiseite nieder. Einige nannten dem Erhabenen ihren Vor- und Zunamen und setzten sich beiseite nieder und einige setzten sich schweigend beiseite nieder.

4. Da kam der großen Schar von Magadhábrahmanen und Hausleuten der Gedanke: „Hat nun der große Asket bei Uruvelakassapo den Reinheitswandel auf sich genommen oder hat Uruvelakassapo bei dem großen Asketen den Reinheitwandel auf sich genommen?" Da erkannte der Erhabene in seinem Geiste die Gedankengänge der großen Schar von Magadhábrahmanen und Hausleuten und sprach Uruvelakassapa mit dem Vers an:

"Was hast du eingeseh'n in Uruvela,
daß du als Feuerpriester* aufgegeben hast?
Ich frag dich, Kassapo, nach jenem Grunde,
aus dem du von den Feueropfern ließest?"

(*aggim kisako cadáno - wörtlich: „sogenannter Feuerasket"

 

„Gestalten und auch Töne und auch Düfte
und Frauenliebe, das versprechen Opfer.
Befleckung ist das; sah ich bei Bezügen,
konnt' drum an Opfer, Feuerdienst, nichts finden.
„Doch, Kassapo, wenn hier dein Geist
bei Formen, Tönen, Düften", fragte der Erhabene,
„zum Glück nicht findet, wo bei Göttern, Menschen
freut sich dein Geist, das sag mir, Kassapo."
„Des Friedens Fundament hab ich geseh'n,
wo's nicht Bezüge, 'Etwas' gibt, kein Wünsche-Werden,
kein Anderswerden, keine Bahn zu Anderem
Kann drum an Opfer, Feuerdienst nichts finden."

6. Dann stand der ehrwürdige Uruvelakassapo vom Sitz auf, legte sein Obergewand über eine Schulter, beugte sein Haupt zu Füßen des Erhabenen und sprach: „Du bist mein Lehrer, verehrungswürdiger Erhabener, ich bin dein Schüler, du bist mein Lehrer, verehrungswürdiger Erhabener, ich bin dein Schüler."

Da wußten die Magadhábrahmanen und Hausleute: Uruvelakassapo hat beim großen Asketen den Reinheitswandel auf sich genommen.

7. Als der Erhabene die Gedankengänge der großen Schar von Magadhábrahmanen und Hausleuten in seinem Gemüt erkannt hatte, gab er ihnen eine einführende Lehre in folgender Weise: Er sprach vom Geben, von der Tugend, von himmlischer Welt, vom Elend, dem Herabziehenden, Beschmutzenden der Sinnenlüste und vom Segen der Überwindung. Als der Erhabene merkte, daß sie im Herzen gesundet, sanft, frei von Hemmungen, zu ihren höchsten Möglichkeiten erhoben, klar geworden waren, da gab er ihnen die Wahrheitslehre, welche die Erwachten auszeichnet: vom Leiden, seiner Entwicklung, seiner Ausrodung und der Vorgehensweise.

8. Und wie ein reines fleckenloses Gewand sofort Farbe annimmt, so ging ihnen, noch wie sie da auf ihren Sitzen saßen, das staubfreie, fleckenlose Auge der Wahrheit auf "Was immer auch entstanden ist, muß alles auch wieder vergehen." So wurde diese große Schar zu Laienanhängern.

9. Der König von Magadhá, Seniyo Bimbisáro, sprach, nachdem er die Wahrheit gesehen, die Wahrheit erlangt, die Wahrheit verstanden, die Wahrheit durchdrungen, den Zweifel überwunden, die Ungewißheit beseitigt und die vollkommene Gewißheit aus eigener Kraft in der Lehre erlangt hatte, zum Erhabenen: „Früher, Erhabener, gab es für mich, als Prinzen, fünf Wünsche, die sich jetzt erfüllt haben. Früher, Erhabener, als Prinz hatte ich diese fünf Wünsche: Daß ich als König gekrönt werde, dies, Erhabener, war mein erster Wunsch, der mir in Erfüllung gegangen ist. Daß in meinem Königreiche ein Heiliger, vollkommen Erwachter erscheint, dies, Erhabener, war mein zweiter Wunsch, der mir in Erfüllung gegangen ist.

10. Daß ich den Erhabenen aufsuche, dies war mein dritter Wunsch, der mir in Erfüllung gegangen ist. Daß mir der Erhabene die Lehre verkündet, dies war mein vierter Wunsch, der mir in Erfüllung gegangen ist. Daß ich die Lehre des Erhabenen verstehe, dies war mein fünfter Wunsch, der mir In Erfüllung gegangen ist. Früher, Erhabener, gab es für mich, als Prinzen, diese fünf Wünsche, die sich jetzt erfüllt haben.

11. Sehr, sehr gut, Verehrungswürdiger, wie wenn (man) etwas Umgedrehtes richtig hinstellen würde oder etwas Verdecktes aufdecken würde oder einem Verirrten den Weg zeigen würde oder wie wenn man in der Dunkelheit eine Öllampe hinhalten würde, damit, wer Augen hat, die Gestalten sieht, genauso hat der Erhabene auf verschiedene Weise die Lehre verkündet. Ich, Erhabener, nehme meine Zuflucht zum Erhabenen, zur Lehre und zur Mönchsgemeinde, der Erhabene möge mich als Laienanhänger annehmen, der von heute an für das ganze Leben seine Zuflucht genommen hat. Möge der Erhabene die Einladung für das morgige Mahl annehmen, zusammen mit dem Orden." Durch Schweigen gab der Erhabene seine Zustimmung.

12. Als der König von Magadhá, Seniyo Bimbisáro, wußte, daß der Erhabene zugestimmt hatte, stand er vom Sitz auf, verehrte den Erhabenen, ging rechts herum und entfernte sich. Und nachdem die Nacht vergangen war, ließ der König von Magadhá, Seniyo Bimbisáro, vorzügliche feste und weiche Speise zubereiten. Er ließ den Erhabenen wissen: „Es ist Zeit, Zeit ist es, Erhabener, das Mahl ist bereitet."

Nachdem der Erhabene sich am Morgen angezogen und Almosenschale und Obergewand genommen hatte, ging er nach Rájagaha, zusammen mit einer großen Mönchsgemeinde, mit tausend Mönchen, alles ehemalige Flechtenasketen.

13. Da schritt der Götterkönig Sakko in der Gestalt eines jungen Brahmanen der Mönchsgemeinde mit dem Erwachten an der Spitze voraus und trug folgende Hymne vor:

„Gebändigt mit Gebändigten
- Flechtenasketen warn sie einst -
gerettet mit Geretteten
goldstrahlend in Rajagaham
hält Einzug der Erhabene.
Gelandet mit Gelandeten
- Flechtenasketen warn sie einst -
gerettet mit Geretteten
goldstrahlend in Rajagaham
hält Einzug der Erhabene.
Zehnständig,* zehnfach kraftbegabt,
zehn Eigenschaften Vollbesitz
goldstrahlend in Rajagaham
hält Einzug der Erhabene."

(*10 Zustände ; 10 Kräfte; 10 Eigenschaften)

14. Als die Menschen den Götterkönig Sakko sahen, sagten sie: „Dieser Brahmanenjüngling ist schön anzusehen, dieser Brahmanenjüngling ist entzückend anzusehen, wo kommt dieser Brahmanenjüngling her."

Da sprach Sakko die Menschen mit diesem Vers an:

„Dem Weisheitsfesten, voll Bezähmten,
Erwachten, dem kein Wesen gleicht,
dem Heiligen, der aus der Welt
zum Wohl ging: diesem folg' ich nach."

15. Dann kam der Erhabene zum Palast des Königs von Magadhá, Seniyo Bimbisáro, und setzte sich dort zusammen mit der Mönchsgemeinde auf die vorbereiteten Sitze. Es bewirtete und bediente der König von Magadhá, Seniyo Bimbisáro, eigenhändig die Mönchsgemeinde, mit dem Erhabenen an der Spitze, mit vorzüglicher fester und weicher Speise. Als der Erhabene das Mahl eingenommen hatte und die Hand von der Almosenschale zurückzog, setzte (Bimbisáro) sich beiseite nieder.

16. Und dem beiseite sitzenden König von Magadhá, Seniyo Bimbisáro, kam folgender Gedanke auf. „Wo könnte der Erhabene jetzt verweilen, von hier nicht sehr entfernt, aber auch nicht zu nahe; den Menschen, die ein Ziel suchen, für das Kommen und Gehen günstig, gut zugänglich; ein Platz, der am Tag nicht bevölkert, in der Nacht wenig laut, wenig geräuschvoll ist, wenig Menschen hat, vor Menschen verborgen ist, für die Abgeschiedenheit geeignet."

17. Und der König von Magadhá, Seniyo Bimbisáro, dachte: „Dieser unser Bambushain ist von hier nicht sehr weit entfernt, nicht sehr nahe, zum Kommen und Gehen günstig, den zielsuchenden Menschen gut zugänglich, und (er) ist am Tag nicht bevölkert, in der Nacht wenig laut, wenig geräuschvoll, hat wenig Menschen, ist vor Menschen verborgen, für die Abgeschiedenheit geeignet. Ich werde den Bambushain der Mönchsgemeinde mit dem Erhabenen an der Spitze geben."

18. Da nahm der König von Magadhá, Seniyo Bimbisáro, eine goldene Wasserschale und übergab den Bambushain dem Erhabenen durch eine Handwaschung: „Ich gebe den Bambushain dem Orden mit dem Erhabenen an der Spitze."

Durch Schweigen nahm der Erhabene an. Dann, nachdem der Erhabene den König von Magadhá, Seniyo Bimbisáro, durch ein Lehrgespräch veranlaßt hatte, zu verstehen, aufzunehmen, davon motiviert zu sein, sich daran zu erfreuen, stand er vom Sitz auf und entfernte sich.

Nachdem der Erhabene in diesem Zusammenhang ein Lehrgespräch gegeben hatte, sprach er zu den Mönchen: „Ich erlaube, ihr Mönche, Haine* anzunehmen."

(*Es betraf nur unbebautes Land, zu Klöstern kam es erst später,)


22. Buddha und König Bimbisara (aus dem Buch von Dr. Julius Dutoit)

1. Als Seniya Bimbisara, der Lönig von Magadha, der Lehre erkannt, die Lehre begriffen, die Lehre eingesehen hatte und in die Lehre eingedrungen war, als er befreit war von Zweifeln und Ungewißheit, als er Vertrauen erlangt hatte und nur noch an die Lehre des Meisters glaubte, da sprach er zu dem Erhabenen: 

"Früher, Herr, als ich noch ein junger Prinz war, hatte ich fünf Wünsche; diese sind jetzt erfüllt. Als ich früher noch Prinz war, da dachte ich: 

  1. "Möchte man mich doch einmal zum Könige weihen!' Dies war, Herr, mein erster Wunsch; dieser ist mir jetzt erfüllt. 
  2. Und daß in mein Reich der Heilige, völlig Erleuchtete käme, das war mein zweiter Wunsch; auch dieser Wunsch ist mir jetzt erfüllt. 
  3. Und daß ich diesen Erhabenen ehrenvoll aufnehmen dürfte, das war mein dritter Wunsch; auch dieser ist mir jetzt erfüllt. 
  4. Und daß dieser Erhabene mir seine Lehre verkündigen möchte, das war mein vierter Wunsch; auch dieser ist jetzt erfüllt. 
  5. Und das ich die Lehre des Erhabenen verstehen möchte, das war mein fünfter Wunsch; und auch dieser ist mir jetzt erfüllt. 

Früher, als ich noch ein junger Prinz war, hatte ich fünf Wünsche; diese sind mir jetzt erfüllt. Es ist erreicht, Herr, es ist erreicht, Herr. Gleichwie, Herr, man das Umgestürzte wieder erhebt oder das Verhüllte enthüllt, wie man einem Irrenden den Weg zeigt oder in der Finsternis eine Lampe trägt, damit diejenigen, die Augen haben, die Gegenstände sehen könnten, so hast du, o Erhabener, auf mancherlei Art die Lehre klargelegt. Ich, Herr, nehme meine Zuflucht zu dem Erhabenen und zur Lehre und zur Mönchsgemeinde; möge der Erhabene mich als Laienmitglied aufnehmen, der ich von heute bis zu meinem Lebensende zu ihm Zuflucht genommen habe. Und es möge mir der Erhabene für morgen das Mahl zusagen mit der Mönchsgemeinde." Stillschweigend sagte der Erhabene zu. Darauf stand Seniya Bimbisara, der König von Magadha, als er die Zusage des Erhabenen bemerkte, von seinem Sitze auf, grüßte ehrfurchtsvoll den Erhabenen, umwandelte ihn von rechts und ging fort.

2. Nachdem nun Seniya Bimbisara, der König von Magadha, nach Ablauf dieser Nacht vorzügliche harte und weiche Speise hatte zurecht machen lassen, ließ er dem Erhabenen die Zeit mitteilen mit den Worten: "Es ist Zeit, Herr, das Mahl steht bereit." Und nachdem sich der Erhabene am Vormittage angekleidet hatte, nahm er die Almosenschale und Obergewand und ging nach Rajagaha hinein mit einer großen Schar von Mönchen, nämlich mit den tausend früheren Jatilas.

Zu der Zeit aber nahm Sakka, der Herr der Götter, die Gestalt eines Jünglings an und ging immer vor der Schar der Mönche einher, die Buddha zum Haupte hatte, indem er dabei folgenden Vers sang:

"Der Erhabene, der sich selbst überwunden, geht mit den früheren Jatilas, die sich selbst überwunden, der Befreite geht mit den Befreiten, wie ein Goldschmuck glänzend, nach Rajagaha.

Der Erlöste geht mit den früheren Jatilas, die auch erlöst sind, der Befreite geht mit den Befreiten, wie ein Goldschmuck glänzend, nach Rajagaha, der Erhabene. Der die Fluten (des Leidens) überschritten hat, geht mit den früheren Jatilas, die die Fluten des Leidens überschritten, der Befreite geht mit den Befreiten, wie ein Goldschmuck glänzend, nach Rajagaha, der Erhabene.

Der Erhabene, der die zehn Zustände (der achtgliedrige Pfad, die vollständige Erkenntnis und die vollständige Erlösung), der die zehn Kräfte besitzt, der die zehn Tugenden kennt, der mit den zehn Dingen versehen ist, der hat, von zehnmal hundert umgeben, Rajagaha betreten."

Als die Leute Sakka, den Herrn der Götter, sahen, sprachen sie: "Sehr schön von Gestalt ist führwar dieser Jüngling, sehenswert ist dieser Jüngling, lieblich anzusehen fürwahr ist dieser Jüngling. Wem gehört wohl dieser Jüngling?" Da die Leute so sprachen, redete sie Sakka, der Herr der Götter, mit folgendem Verse an:

"Der Weise, der sich gänzlich selbst Bezwingende, der Erleuchtete, dem niemand gleicht, der rein in der Welt Lebende, dessen Diener bin ich."

3. Und der Erhabene begab sich zum Palaste des Seniya Bimbisara, des Königs von Magadha; und als er dorthin gekommen war, setzte er sich auf einem zurechtgemachten Sitze nieder, zusammen mit der Mönchsgemeinde. Nachdem dann Seniya Bimbisara, der König von Magadha, die Mönchsgemeinde und Buddha, ihr Haupt, mit eigener Hand bewirtet und gesättigt hatte und als Buddha gespeist hatte und seine Hand von der Schüssel zurückzog, setzte er sich ihm zur Seite.

Als nun Seniya Bimbisara, der König von Magadha, ihm zur Seite saß, dachte er: "Wo könnte sich wohl der Erhabene aufhalten, daß es von dieser Stadt nicht zu weit und nicht zu nahe wäre, daß man leicht gehen und kommen könnte, daß dieser Ort leicht erreichbar wäre für die Menschen, die immer es wünschen; ein Ort, der bei Tage nicht von dem Menschengewühl ausgesetzt, bei Nacht frei von Geräusch und Lärm wäre, der nicht berührt würde von Ausdünstungen der Menge, der gut wäre zum Verborgensein vor den Menschen, der sich eignete zur Zurückgezogenheit?" Und es kam Seniya Bimbisara, der König von Magadha, folgender Gedanke: "Da ist unser Park Veluvana, der nicht zu weit von der Stadt entfernt ist und nicht zu nahe, der die Möglichkeit des Gehens und Kommens bietet, der leicht erreichbar ist für die Menschen, die immer es wünschen, der bei Tage nicht dem Menschengewühl ausgesetzt, bei Nacht frei von Geräusch und Lärm ist, der nicht berührt wird von den Ausdünstungen der Menge, der gut ist zum Verborgensein von den Menschen, der sich eignet zur Zurückgezogenheit. Wie, wenn ich nun den Park Veluvana der Mönchsgemeinde mit Buddha, ihrem Haupte, schenken würde?"

Darauf ergriff Seniya Bimbisara, der König von Magadha, eine goldene Schale und reichte sie dem Erhabenen hin mit den Worten: "Hiermit, Herr, schenke ich den Park Veluvana der Mönchsgemeinde mit Buddha, ihrem Haupte." Und der Erhabene nahm den Park an.


23. SARIPUTTO

1. Zu jener Zeit verweilte der Pilger Sañjayo in Rájagaha mit einer großen Gruppe Pilgern, (mit) zweihundertfünfzig Pilgern. Da nahmen Sáriputto und Moggalláno beim Pilger Sañjayo den Reinheitswandel auf sich. Sie hatten eine Vereinbarung getroffen: Wer zuerst das Todlose erreicht, soll Bescheid geben.

2. Der ehrwürdige Assaji ging, nachdem er am Morgen aufgestanden war, sich angezogen und Almosenschale und Obergewand genommen hatte, nach Rájagaha auf Almosengang. Er war angenehm anzusehen beim Kommen und Gehen, beim Hin- und Wegsehen, beim Beugen und Strecken, er hielt den Blick gesenkt und war beherrscht in der Körperhaltung. Der Pilger Sáriputto sah den ehrwürdigen Assaji auf dem Almosengang, angenehm anzusehen beim Kommen und Gehen, beim Hin- und Wegsehen, beim Beugen und Strecken, den Blick gesenkt und beherrscht in der Körperhaltung. Als er ihn so gesehen hatte, kam ihm der Gedanke: „Dies ist einer von den Mönchen, die wirklich Heilige in der Welt oder auf dem Wege zur Heiligkeit sind. Zu jenem Mönche will ich mich begeben und ihn fragen: 'Für wen bist du in die Hauslosigkeit gegangen, Bruder, wer ist dein Lehrer, zu wessen Lehre bekennst du dich?'"

3. Da kam dem Pilger Sáriputto der Gedanke: „Jetzt ist nicht die Zeit, jenen Mönch zu fragen; er ist von Haus zu Haus auf Almosengang, ich werde ihm, der den Weg weiß für die Suchenden, Schritt für Schritt folgen."

Nachdem der ehrwürdige Assaji in Rájagaha auf Almosengang gegangen war und die Almosenspeise eingenommen hatte, kam (er) zurück.

Da begab sich der Pilger Sáriputto zum ehrwürdigen Assaji, tauschte mit ihm freundliche Worte aus und stellte sich beiseite hin. Beiseite stehend sprach der Pilger Sáriputto zum ehrwürdigen Assaji: „Heiter ist dein Angesicht, Bruder, rein und hell ist deine Hautfarbe; bei wem bist du Mönch geworden, wer ist dein Lehrer, zu wessen Lehre bekennst du dich?"

4. „Da ist, Bruder, der große Asket, der Sohn der Sakyer, der aus dem Sakyergeschlecht in die Hauslosigkeit gezogen ist; bei ihm, dem Erhabenen, bin ich in die Hauslosigkeit gezogen, er ist mein erhabener Lehrer, zu seiner Lehre bekenne Ich mich." – "Welche Lehre, Asket, verkündet dein Lehrer." – "Ich bin noch neu, Bruder, noch nicht lange in die Hauslostgkertgezogen; erst jüngst in diese Lehre und Ordnung eingetreten, daher kann ich die Lehre nicht ausführlich darlegen, aber ich kann den Sinn in Kürze sagen."

Daraufhin sagte der Pilger Sáriputto zum ehrwürdigen Assaji:

„So sei es Bruder, sage viel oder sage wenig, aber sage mir den Sinn, mir geht es um den Sinn, warum solltest du viele Worte machen."

5. Da sagte der ehrwürdige Assaji dem Pilger Sáriputto folgenden Lehrspruch:

„Die Dinge, die bedingt entstanden,
die Ursachen, die sie entbanden
und wie ihr Schwinden vor sich geht,
lehrt der gewaltige Asket."

Als er diesen Lehrspruch hörte, ging dem Pilger Sáriputto das klare, reine Auge der Wahrheit auf (d.h. Sáriputto war in die Heilsströmung eingetreten). „Was immer auch entstanden ist, muß alles auch wieder vergehen."

"Wenn das die Lehre ist, dann ist dir die Stätte, die frei von Sorge ist, ganz klar, die unzählige Weltzeitalter hindurch nicht geschaut, übersehen wurde."

6. Da begab sich der Pilger Sáriputto zum Pilger Moggalláno. Als der Pilger Moggalláno den Pilger Sariputto kommen sah, sagte er zu ihm: „Heiter ist dein Angesicht, Bruder, rein und hell ist deine Hautfarbe, könntest du das Todlose erreicht haben?" – "Ja, Bruder, ich habe das Todlose erreicht." – "Wie hast du das Todlose erreicht, Bruder."

7. "Da sah ich den ehrwürdigen Assaji in Rájagaha beim Almosengang, Bruder, angenehm anzusehen beim Kommen und Gehen, beim Hin- und Wegsehen, beim Beugen und Strecken, den Blick gesenkt und beherrscht in der Körperhaltung. Als ich ihn so gesehen hatte, kam mir der Gedanke: Dies ist einer von den Mönchen, die wirklich Heilige in der Welt oder auf dem Wege zur Heiligkeit sind. Zu jenem Mönche will ich mich begeben und ihn fragen: Für wen bist du in die Hauslosigkeit gezogen, Bruder, wer ist dein Lehrer, zu wessen Lehre bekennst du dich?'... da sagte der ehrwürdige Assaji den Lehrspruch:

Die Dinge, die bedingt entstanden,
die Ursachen, die sie entbanden
und wie ihr Schwinden vor sich geht,
lehrt der gewaltige Asket."

Als er diesen Lehrspruch hörte, ging dem Pilger Moggalláno das klare, reine Auge der Wahrheit auf. „Was immer auch entstanden ist, muß alles auch wieder vergehen."

„Wenn das die Lehre ist, dann ist dir die Stätte, die frei von Sorge ist, ganz klar, die unzählige Weltzeitalter nicht geschaut, übersehen wurde."


24. DIE AUFNAHME VON SARIPUTTO UND MOGGALLANO

1. Da sprach der Pilger Moggalláno zum Pilger Sáriputto:

"Laß uns zum Erhabenen gehen, Bruder, er ist unser erhabener Lehrer." – "Unseretwegen verweilen hier zweihundertfünfzig Pilger, Bruder, sie sehen zu uns auf, erst fragen wir sie und was sie meinen, das sollen sie dann tun. "

Da gingen Sáriputto und Moggalláno zu den Pilgern und sprachen: "Wir gehen zum Erhabenen, Brüder, er ist unser erhabener Lehrer."

"Wir verweilen hier wegen der Ehrwürdigen, sehen zu den Ehrwürdigen auf, wenn die Ehrwürdigen den Reinheitswandel beim großen Asketen auf sich nehmen, nehmen wir alle (auch) den Reinheitswandel beim großen Asketen auf uns."

2. Dann gingen Sáriputto und Moggalláno zum Pilger Sañjayo und sprachen: "Wir gehen zum Erhabenen, Bruder, er ist unser erhabener Lehrer." – "Nein, mögen die Ehrwürdigen nicht gehen, wir drei zusammen werden uns um diese Gruppe hier kümmern." Zum zweiten Male, zum dritten Male sagten Sáriputto und Moggalláno zum Pilger Sañjayo: "Wir gehen zum Erhabenen, Bruder, er ist unser erhabener Lehrer."

3. Dann gingen Sáriputto und Moggalláno zum Bambushain und nahmen die zweihundertfünfzig Pilger mit. Da floß dem Pilger Sañjayo heißes Blut aus dem Mund.

Als der Erhabene Sáriputto und Moggalláno von Ferne herankommen sah, sprach (er) zu den Mönchen: "Die zwei Freunde Kolito und Upatisso (die Familiennamen von Sáriputto und Moggalláno) kommen, ihr Mönche, sie werden mein Jüngerpaar werden, die höchsten und besten zwei."

Sobald diese den tiefen, unübertroffenen Bereich der Weisheit, die Vernichtung der Wiedergeburt erreicht hatten, verkündete der Lehrer im Bambushain über sie: „Die zwei Freunde, Kolito und Upatisso haben es erreicht, sie sind gesetzmäßig mein Jüngerpaar, die höchsten und besten zwei.

 

[Der letzte Satz ist nicht nur eine Wiederholung des davor zitierten Hinweises des Erwachten, daß die beiden Freunde seine Hauptjünger werden würden. Der dem Zitat folgende Satz erläutert viel mehr, sobald die beiden den Heilsstand erreicht hätten (Sáriputto nach zwei Wochen, Moggalláno nach einer Woche), habe der Erwachte das „offiziell" bekannt gemacht, und von nun an sei es eine „gesetzt mäßige Tatsache" gewesen. - Denn jedem Vollendeten erwächst solch ein Jüngerpaar (S 47,14; D 14) - Nur im vorhergehenden Zitat hat, „bhavissati" die übliche Bedeutung als Zukunftsform von bhaveti = Werden. Im folgenden Erläuterungssatz hat es die seltene Bedeutung, daß es "mit Gewißheit so sein muß". (vgl. PED unter 'bhavissati' II, 3)]

4. Es kamen Sáriputto und Moggalláno zum Erhabenen und fielen vor ihm nieder, sie beugten das Haupt zu seinen Füßen und sprachen: „Beim verehrungswürdigen Erhabenen möchten wir das Asketenleben führen, als Mönche möchten wir aufgenommen werden." – "Kommt, ihr Mönche, sprach der Erhabene, gut dargelegt ist die Lehre, nehmt den Reinheitswandel auf euch, um allem Leid ein Ende zu machen."

Das war für die Ehrwürdigen die Aufnahme in den Orden.

5. Zu jener Zeit gingen wohlbekannte Magadhásöhne aus gutem Haus zum Erhabenen, um den Reinheitswandel auf sich zu nehmen. Die Menschen wurden verärgert und unruhig, sie regten sich auf: „Der Asket Gotamo verleitet zur Sohnlosigkeit, verleitet zur Verwitwung, verleitet zur Familienzerstörung. Erst gingen tausend Flechtenasketen zu ihm in die Hauslosigkeit und jetzt gehen auch die zweihundertfünfzig Pilger von Sañjayo bei ihm in die Hauslosigkeit. Auch die wohlbekannten Magadhásöhne aus gutem Haus nehmen beim Asketen Gotamo den Reinheitswandel auf sich." Und wenn sie Mönche sahen, tadelten (sie diese) mit dem Vers:

„Es kam der mächtige Asket
nach Giribbaja in Magadhá,
entführt' Sanjáyos Pilgerschar.
Wen führt er nun als nächstes fort."

6. Als die Mönche hörten, daß jene Menschen verärgert, unruhig und erregt waren, berichteten sie es dem Erhabenen.

„Nicht lange, ihr Mönche, wird dieses Gerede bestehen, sieben Tage wird es bestehen, nach sieben Tagen wird es verschwunden sein. Deshalb, ihr Mönche, wenn ihr mit diesem Vers getadelt werdet, dann sprecht den Vers:

Die Großen, die Vollendeten,
die führt die reine Wahrheit an.
Von Wahrheit nur Geführten,
wie könnt' ein Versteher neidisch sein!"

7. Wenn nun die Leute die Mönche sahen (und) sie mit dem Vers tadelten: „Es kam der mächtige Asket..." antworteten die Mönche ihnen mit dem Vers:

„Die Großen, die Vollendeten,
die führt die reine Wahrheit an.
Von Wahrheit nur Geführten,
wie könnt' ein Versteher neidisch sein!"

Da dachten die Leute: „Man sagt, angeleitet durch die reine Wahrheit sind die Asketen, die Sakyersöhne, nicht durch Scheinwahrheit."

Und nach sieben Tagen waren jene Reden verstummt.

 

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Tibet und Seine Heiligkeit XIV. Dalai Lama


1) Die Problematik in Tibet

 

Im Jahre1950 wurde das bis dahin souveräne Tibet von der Volksrepublik China besetzt und ein Jahr später annektiert. Tibet war zu diesem Zeitpunkt ein nach internationalem Völkerrecht ein souveräner Staat mit eigenem Staatsvolk, Staatsgewalt, Staatsgebiet und eigener Währung. Ohne eine Chance gegen die chinesische Armee und mangels Unterstützung aus dem Ausland, versuchten die Tibeter zunächst, zu einem Arrangement mit den Besatzern zu kommen, die ihnen Autonomie und Religionsfreiheit versprachen, sich in Wirklichkeit
aber an keinerlei Abkommen hielten.

Im Gegenteil, ihre Unterdrückungsmaßnahmen wurden immer schärfer und führten in der tibetischen Bevölkerung zu wachsendem Widerstand, der schließlich am 10. März 1959 in einem Aufstand in Lhasa, der Hauptstadt Tibets, seinen tragischen Höhepunkt fand. Nach offiziellen chinesischen Angaben kamen dabei 87.000 Tibeter ums Leben. Die tatsächlichen Zahlen dürften um ein Vielfaches darüber liegen.

Seither herrschen Willkür, Folter sowie politische, religiöse und kulturelle Unterdrückung. Die chinesischen Machthaber vernichteten durch rücksichtslose Zwangskollektivierung die traditionelle Lebensgrundlage der Bauern und Nomaden. Sie zerstörten über 6000 Klöster, Tempel und historische Bauten, die Zentren der tibetischen Kultur und Religion. Mehr als 1 Million Tibeter verloren infolge der chinesischen Militärherrschaft durch „Verhungern-lassen“, Hinrichtung, Folter, Terror und Selbstmord ihr Leben.


 
Die Massenansiedlung von Chinesen in Tibet sowie Zwangssterilisationen und -abtreibungen an Tibeterinnen stellen eine weitere Bedrohung für das Überleben des tibetischen Volkes dar. Diese unmenschliche Politik wird die Tibeter in naher Zukunft zu einer Minderheit im eigenen Land machen und zum Verlust ihrer nationalen Identität und Kultur führen.

2) Der Friedensplan des Dalai Lama

Nach internationalem Recht ist Tibet heute noch ein unabhängiger Staat unter illegaler Besetzung durch die VR China. Eine friedliche Beilegung des Konfliktes in Tibet kann nur durch Verhandlungen zwischen Tibetern und Chinesen erreicht werden. Als "einen ersten Schritt auf eine dauerhafte Lösung hin" hat der Dalai Lama 1987 einen Friedensplan vorgelegt in der Hoffnung, "dies werde zu einer Zukunft in Freundschaft und Zusammenarbeit mit all unseren Nachbarn, auch dem chinesischen Volk, beitragen".


China hat diesen Plan völlig ignoriert und lediglich in die Kategorie "Aktivitäten Spaltung des Vaterlandes eingereiht".

Der Friedensplan umfasst fünf Grundelemente :

1.Umwandlung des gesamten Gebietes von Tibet in eine Friedenszone.

2.Beendigung der Politik der Umsiedlung von Chinesen nach Tibet, die die Existenz
der Tibeter als eigenständiges Volk bedroht.

3.Respektierung der fundamentalen Grundrechte des tibetischen Volkes.

4.Wiederherstellung und Schutz der natürlichen Umwelt Tibets und Beendigung der
chinesischen Ausbeutung Tibets zur Herstellung von Kernwaffen und der Lagerung
von radioaktivem Abfall.

5.Beginn von ernsthaften Verhandlungen über den künftigen Status Tibets.

Die Regierung der VR China hat bis heute nicht positiv auf das Gesprächsangebot des Dalai Lama reagiert. Im Gegenteil, die Repressionen gegen die Tibeter werden immer härter. Nur internationaler Druck kann Tibet helfen. Da China auf gute wirtschaftliche Zusammenarbeit angewiesen ist, findet die Stimme der westlichen Staaten, wenn sie mit Nachdruck vorgetragen wird, auch bei den chinesischen Machthabern Beachtung.

3) Zur Person des Dalai Lama

Der Dalai Lama ist das politische und religiöse Oberhaupt der TibeterInnen. Er gilt als Wiedergeburt Tschenresis, des Buddhas des Erbarmens, der gleichzeitig der Schutzpatron Tibets ist. Tschenresi hat auf seine eigene Erlösung und den Eingang ins Nirwana verzichtet und wird solange wiedergeboren, bis alle Menschen erlöst sind.

Geboren im Juli 1935 im Nordosten Tibets, wurde im Alter von 2 Jahren als die Wiedergeburt seines Vorgängers, des 13. Dalai Lama erkannt.

 

Als im Sommer 1949 die chinesische Volksbefreiungsarmee mit der Eroberung Tibets begann, wurde dem damals erst 15-jährigen Dalai Lama im November 1950 die Herrschaft über Tibet übertragen.

Als sich das tibetische Volk am 10. März 1959 in einem Volksaufstand gegen die chinesischen Besatzer erhob und dieses letzte Aufbäumen bis zum Herbst 1960 rund 90 000 Tibetern das Leben kostete, sah sich der Dalai Lama gezwungen, über den Himalaya nach Indien zu fliehen.

In seinem Exil in Dharamsala (Indien) hat der Dalai Lama eine demokratische Regierung aufgebaut und versucht, das Leid der Tibeter innerhalb und außerhalb Tibets zu mindern, sowie internationale Unterstützung für die Sache Tibets zu gewinnen.

Für seinen unermüdlichen Einsatz mit gewaltlosen Mitteln und durch Dialog eine Lösung für das Tibetproblem zu finden, erhielt er 1989 den Friedensnobelpreis.

Trotz vieler Versuche des Dalai Lama, mit den Chinesen einen Dialog zu starten, fanden bisher keine direkten Gespräche statt
 
 
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Stichworte zu Buddhas Lehre
 
1. Die vier Wahrheiten vom Leiden
  • die Wahrheit vom Leiden
  • die Wahrheit von den Ursachen des Leidens
  • die Wahrheit von der Beendigung des Leidens
  • die Wahrheit vom Weg (Achtpfad), der zur Beendigung des Leidens führt


2. Die zwölfgliedrige Kette der Abhängigkeitsverhältnisse

  • Nichtwissen
  • Hervorbringungen
  • Bewußtsein
  • körperlicher Organismus
  • sechs Sinnengebiete
  • Berührung
  • Empfindung
  • Drang
  • Anhaften
  • Werden
  • Geburt
  • Leiden


3. Der Achtpfad

  • rechte Weisheit
    • rechte Anschauung
      • falsche Anschauung
      • wahnhaft rechte Anschauung
      • wahnfreie rechte Anschauung
        • Wahrheitssuche
        • Prüfung und Inbesitznahme
        • praktische Umsetzung längs des Achtpfads
    • rechtes Streben
      • falsches Streben
        • Sinnenbegehr
        • Aversion
        • Gewaltsamkeit
      • wahnhaft rechtes Streben
        • Entsagung
        • Wohlwollen
        • Gewaltlosigkeit
      • wahnfreies rechtes Streben
  • rechte Tugend
    • rechtes Reden
    • rechtes Handeln
    • rechte Lebensführung
  • rechte Sammlung
    • rechtes Mühen
    • rechte Achtsamkeit
    • rechte Einigung


4. Die vier Kämpfe des rechten Mühens

  • erster Kampf: Vermeidung
  • zweiter Kampf: Überwindung
  • dritter Kampf: Erweckung
  • vierter Kampf: Erhaltung


5. Die vier Pfeiler der Achtsamkeit

  • Sechs Betrachtungen über den Körper
    • das achtsame Ein- und Ausatmen bei aufrechtem Sitzen
    • das Sich-Bewußtwerden einer jeden Körperhaltung
    • das Handeln mit Wissensklarheit
    • die Betrachtung des anatomischen Aufbaus des Körpers
    • die Betrachtung der stofflichen Zusammensetzung des Körpers
    • die Betrachtung der Auflösung des Körpers, die "Leichenbetrachtung"
  • Betrachtung über die Empfindungen (Gefühle)
  • Betrachtung über die Gedanken (Gemüt, Herz)
  • Betrachtung über die Gegenstände der Buddhalehre, die Dhammas
    • die fünf Hemmungen
      • Sinnenbegehren
      • Aversion
      • Müdigkeit und Mattheit
      • Aufgeregtheit und Gewissensunruhe
      • Zweifel
    • die fünf Gruppen des Anhangens
      • Körper
      • Empfindungen
      • Wahrnehmungen
      • geistige Gestaltungen
      • Bewußtsein
    • die sechs inneren und die sechs äußeren Sinnesgrundlagen und die sich aus ihnen  ergebenden zehn Fesseln
      • Persönlichkeitsglaube
      • Zweifel
      • Hängen an Regeln, Riten und äußerlichen Observanzen
      • Sinnenbegehren
      • Aversion
      • Begehren nach Feinkörperlichkeit
      • Begehren des Unkörperlichen
      • Dünkel
      • Aufgeregtheit
      • Unwissenheit
    • die sieben Faktoren der Erleuchtung
      • Achtsamkeit
      • Ergründen der Wirklichkeit
      • Tatkraft
      • Freude (Jubel, Verzückung)
      • Beruhigung
      • Einigung
      • Gleichmut
    • die vier edlen Wahrheiten
      • das Leiden
      • Ursachen des Leidens
      • Beendigung des Leidens
      • Weg zur Beendigung des Leidens


6. Fünf Formen der Einigung

  • die vier Versenkungen (Buddha-Jhana)
  • die vier Strahlungen (brahmisches Weilen)
  • die vier Machtgebiete
  • die acht Freiungen
  • die sieben Faktoren der Erleuchtung


7. Die vier Versenkungen (Buddha-Jhana)

  • erste Versenkung:
    in der Abgeschiedenheit geboren; frei von den fünf Hemmungen; mit Gedankenfassen und Überlegen, Freude (Jubel, Verzückung), Wohl und Konzentration (Einspitzigkeit)
  • zweite Versenkung:
    in der Sammlung geboren; aufgeben von Gedankenfassen und Überlegen
  • dritte Versenkung:
    aus dem inneren Wohl geboren; aufgeben der Freude (Jubel, Verzückung)
  • vierte Versenkung:
    in der Reinheit der durch Gleichmut erzeugten Achtsamkeit geboren; aufgeben des Wohls, leidlos-freudlos; mit Gleichmut, Geistesruhe und Konzentration (Einspitzigkeit)


8. Die vier Strahlungen (brahmisches Weilen)

  • Güte
  • Mitleid
  • Mitfreude
  • Gleichmut

"Gütigen ( ... mitleidsvollen, freudvollen, gleichmütigen) Geistes weilend durchdringt er erst eine Himmelsrichtung, dann die zweite, ebenso die dritte und vierte; nach oben und unten und horizontal durchstrahlt er die ganze Welt mit umfassendem, großem, alles Maß übersteigendem gütigem ( ... mitleidsvollem, freudvollem, gleichmütigem) Geiste" (M 7).

Zu den brahmischen Weilungen heißt es im Itivuttakam: "Alle Mittel in diesem Leben, um Verdienst zu erwerben, haben nicht den Wert eines Tausendstels der Liebe, der Erlösung des Geistes. Die Liebe, des Geistes Erlösung, nimmt sie in sich auf und leuchtet und flammt und strahlt. Und wie aller Sternenschein nicht den Wert eines Tausendstels des Mondenscheins hat, sondern der Mondschein ihn in sich aufnimmt und leuchtet und flammt und strahlt, so haben auch alle Mittel in diesem Leben, um Verdienst zu erwerben, nicht den Wert eines Tausendstels der Liebe, der Erlösung des Geistes. Die Liebe, des Geistes Erlösung, nimmt sie in sich auf und leuchtet und flammt und strahlt."


9. Die vier Machtgebiete

  • Wille
  • Tatkraft
  • Herz
  • Prüfen


10. Die acht Freiungen (Vimokkha)

Die Freiungen dürften - wie die fünf abstrakten Versenkungen (Yoga-Jhana) - älter als der Buddhismus sein. Ob und mit welchem Erfolg Gotama Buddha die Freiungen geübt hat, kann dem Pali-Kanon m.E. nicht entnommen werden. Vermutlich hat er die Freiungen bei Lehrnachfolgern geduldet, sie aber nicht empfohlen.

  • die drei formgebundenen Freiungen
    • erste Freiung: formhaft seiend, erblickt man Formen
    • zweite Freiung: innen ohne Formwahrnehmung erblickt man außen Formen
    • dritte Freiung: zur Schönheit geneigt
  • die vier formlosen Freiungen
    • vierte Freiung: Raumunendlichkeit
    • fünfte Freiung: Bewußtseinsunendlichkeit
    • sechste Freiung: Nichts
    • siebte Freiung: weder Wahrnehmung noch Nichtwahrnehmung
    • achte Freiung: Erlöschungszustand


11. Die sieben Faktoren der Erleuchtung

  • Achtsamkeit
  • Ergründen der Wirklichkeit
  • Tatkraft
  • Freude (Jubel, Verzückung)
  • Beruhigung
  • Einigung
  • Gleichmut


12. Die fünf abstrakten Versenkungen (Yoga-Jhana)

Gotama Buddha beherrschte die abstrakten Versenkungen, hat ihnen im Achtpfad aber keine Bedeutung beigemessen. Er hat sie bei Lehrnachfolgern geduldet, aber nicht empfohlen. Die Yoga-Jhana sind - ohne den Umweg über die Buddha-Jhana - unmittelbar vom gewöhnlichen Denken aus zugänglich (zum Erde-Zugang siehe M 121; M 106, M 111).

  • fünfte Versenkung: Raumunendlichkeit
  • sechste Versenkung: Bewußtseinsunendlichkeit
  • siebente Versenkung: Nichts
  • achte Versenkung: weder Wahrnehmung noch Nichtwahrnehmung
  • neunte Versenkung: Erlöschungszustand


13. Die fünf zu entwickelnden Heilsfähigkeiten

  • Weisheit (beherrscht die Vielheitswahrnehmung der Erscheinungswelt)
  • Einigung (beherrscht die Empfindungen)
  • Achtsamkeit (beherrscht die Wahrnehmung)
  • Tatkraft (beherrscht das Wirken in Gedanken, Worten und Werken)
  • Vertrauen (erfüllt das Bewußtsein)


14. Die zwei Früchte des Achtpfads

  • rechte Kenntnis
    • die acht Weisheitsdurchbrüche
      • im körperlichen Bereich
        • Wissensklarheit
        • Mentalleib
        • magische Macht
        • himmlisches Gehör
      • im geistigen Bereich
        • Herzenskunde
        • Rückerinnerung (erstes Wissen)
        • Verschwinden und Erscheinen (zweites Wissen)
        • Erkennen der Wahrheiten vom Leiden (dritten Wissens)
          • Erkennen des Leidens (erste Wahrheit)
          • Erkennen der Ursachen des Leidens (zweite Wahrheit)
          • Erkennen der Aufhebbarkeit des Leidens (dritte Wahrheit)
          • Erkennen des Wegs zur Leidensaufhebung (vierte Wahrheit)
    • die drei Welten mit ihren Existenzebenen
  • rechte Erlösung mit den alternativen Ausprägungen:
    • Veranschaulichung des dritten Wissens
    • Veranschaulichung aller drei Wissen (Dreiwissensmächtiger)
    • Realisierung aller acht Weisheitsdurchbrüche
    • Körperzeuge (drittes Wissen, Aufhebung der Wahrnehmung zu Lebzeiten)
    • Beiderseitserlöster (wie Körperzeuge und alle acht Weisheitsdurchbrüche)


15. Die vier Sicherheitsgrade

  • Stromeintritt
  • Einmalwiederkehr
  • Nichtwiederkehr
  • Erlösung


16. Vier Vorschaltlehren zum Achtpfad

  • Geben
  • Tugend
  • Jenseits
  • Mystik


17. Die sechs Laien-Andachten als Ersatz der kontinuierlichen Achtsamkeitsübungen

  • das erste Juwel: der Erwachte
  • das zweite Juwel: die Lehre
  • das dritte Juwel: die Lehrnachfolger
  • Tugend
  • Loslassen
  • Götter


18. Zufluchtnahme zu den drei Juwelen (in der DBU-Formulierung)

Ausgehend vom Wirken des historischen Buddha entwickelte sich der Buddhismus zu einer Weltreligion mit einer nunmehr zweieinhalbtausendjährigen ungebrochenen Überlieferung. Sie wendet sich an alle suchenden Menschen, unabhängig von Rasse und Nation, sozialer Herkunft und Geschlecht. Sie weist Wege aus Leid und Unvollkommenheit zu Harmonie und Glück. Die 'Vier Edlen Wahrheiten' bilden ihren Kern. Die wesentlichen Merkmale und Übungen dieses spirituellen Weges sind ethisches Verhalten, Meditation und tiefe Einsicht. Dabei stellt die Lehre des Buddha den Menschen immer in seine eigene Verantwortung. Sie zeichnet sich zudem durch Toleranz und Dialogbereitschaft, Dogmenfreiheit und Gewaltlosigkeit aus. Einen Anspruch auf allein gültige Wahrheiten erhebt sie nicht.
 
Die Inhalte und der gemeinsame Nenner der verschiedenen Gruppen und Traditionen sind im 'Buddhistischen Bekenntnis' niedergelegt, das wie folgt einen Teil der Satzung der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) darstellt:

"Ich bekenne mich zum Buddha als meinem unübertroffenen Lehrer, denn er hat die Vollkommenheiten verwirklicht und ist aus eigener Kraft den Weg zur Befreiung und Erleuchtung gegangen. Aus dieser Erfahrung hat er die Lehre dargelegt, damit auch wir die endgültige Leidfreiheit erlangen können.
Ich bekenne mich zur Lehre des Buddha, denn sie ist klar, zeitlos und lädt jeden ein, sie zu prüfen, sie im Leben anzuwenden und zu verwirklichen.
Ich bekenne mich zur Gemeinschaft der Jünger des Buddha, die sich ernsthaft um die Verwirklichung seiner Lehre bemühen, um die verschiedenen Stufen der inneren Erfahrung und des Erwachens zu verwirklichen. Sie dienen mir als Vorbild.
Ich habe festes Vertrauen zu den Vier Edlen Wahrheiten. Sie besagen:

  • Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Dies ist zu durchschauen.
  • Ursachen des Leidens sind Gier, Haß und Verblendung. Sie sind zu überwinden.
  • Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Dies ist zu verwirklichen.
  • Zum Erlöschen des Leidens führt ein Weg, der Edle Achtfache Pfad. Er ist zu gehen.

Ich bekenne mich zur Einheit aller Buddhisten, denn wir folgen unserem gemeinsamen Lehrer und sind bestrebt, seine Lehre zu verwirklichen: Ethisches Verhalten, Sammlung und Weisheit wollen wir entwickeln, um Befreiung zu erlangen. In diesem Bewußtsein begegne ich allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft mit Achtung und Offenheit.
Ich will mich bemühen, keine Lebewesen zu töten oder zu verletzen, Nichtgegebenes nicht zu nehmen, keine unheilsamen sexuellen Beziehungen zu pflegen, nicht zu lügen oder unheilsam zu reden, mir nicht durch berauschende Mittel das Bewußtsein zu trüben.
Zu allen Lebewesen will ich unbegrenzte Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut entfalten, im Wissen um das Streben aller Lebewesen nach Glück


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