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Die Apokryphen -

Verborgene Bücher der Bibel

Inhalt

Die verborgenen Bücher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . 007

Die Apokryphen zum Alten Testament . . . . . . . . . . . . . . . . . .007

Heiligenlegenden und Mahnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . 009

Das Leben Adams und Evas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . 009

Die Apokalypse des Moses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . 014

Die Schatzhöhle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . .016

Die Frömmigkeit der Essener . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 033

Die Testamente der 12 Patriarchen (Auswahl) . . . . . . . . . . . . 033

Die 18 Psalmen Salomos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . .042

Das Buch der Jubiläen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . .046

Joseph und Asenath . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . .074

Die alttestamentlichen Apokalypsen . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . .082

Das vierte Buch Esra . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . .083

Griechische Baruchapokalypse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .094

Das äthiopische Buch Henoch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 097

Werbeschriften in Ägypten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .111

Das dritte Buch Esra . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .112

Das vierte Makkabäerbuch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .114

Die Gemeinschaft von Qumran . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122

Das Buch der Regel der Einung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .122

Die Apokryphen zum Neuen Testament . . . . . . . . . . . . . . . . . 126

Die apokryphen Evangelien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .128

Das Petrusevangelium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129

Epistula Apostolorum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .130

Gnostische Evangelien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .135

Die Sophia Christi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135

Die Pistis Sophia . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135

Kindheitsevangelien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .136

Protevangelium des Jakobus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137

Kindheitserzählung des Thomas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142

Jüngere Kindheitsevangelien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .145

Arabisches Kindheitsevangelium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145

Armenisches Kindheitsevangelium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146

Pseudo-Matthäus Evangelium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146

Leben des Johannes nach Serapion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147

Die Abgarsage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148

Das Nikodemus-Evangelium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .149

Nikodemus Evangelium: Brief des Pontius Pilatus . . . . . . . . .157

Das Bartholomäus Evangelium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .158

Die Apokalyptik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .161

Die Himmelfahrt des Jesaja . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163

Das Martyrium des Jesaja . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166

Die Offenbarung des Petrus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .167

Das fünfte Buch Esra . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .169

Das sechste Buch Esra . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .170

Die Sibyllinischen Orakel (das vierte Buch) . . . . . . . . . . . . . .173

Die Oden Salomon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174

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Apokryphe Briefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177

Apokryphe Apostelgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .179

Paulus-Akten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .179

Die Apokryphen in Kunst und Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . .183

Quellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187

Zeittafel Israel

um 6000-5000 v. Chr.

Große Sintflut

um 3000 v. Chr.

Kleine Sintflut (Zweistromland)

In einer ersten Einwanderungswelle dringen in den Vorderen Orient akkadisch sprechende Semiten ein. Bald bahnen sich Beziehungen

zwischen Ägypten und Mesopotamien an. Auf Jahrtausende berühren und überschneiden sich hier die Einflußsphären der in den

angrenzenden Gebieten aufeinanderfolgenden Großreiche; sie bestimmen die wechselnde Geschichte des Landes zwischen Mittelmeer und

Syrischer Wüste Erfindung der Silbenschrift durch die Sumerer. Befestigte Städte: Ai, Beth-Jerach, Beth-Sean, Gezer, Megiddo

um 1780 v. Chr.

Hungersnot in Kanaan. Zug des Patriarchen Jakob nach Ägypten. Ansiedlung im Lande Gosen. Nach der Vertreibung der Hyksos beginnt die

Knechtschaft der in Ägypten lebenden hebräischen Stämme

1715-1580 v. Chr.

Die mit den Kanaanitern verwandten Hyksos erobern Palästina und Ägypten. Josef wird Vizekönig. Sein Vater Jakob erhält von Gott den

Beinamen Israel (1. Mose 32, 29)

um 1447-1230 v. Chr.

Exodus

1290-1223 v. Chr.

Ramses II. von Ägypten. Er wird oft als der Unterdrückungspharao der Israeliten bezeichnet

1270 v. Chr.

Ramses II. von Ägypten schließt nach der Schlacht von Kadesch (1285) Frieden mit dem Hethiterkönig Hattusilis III. Ramses behält

Palästina und den nördlich anschließenden Küstenstreifen; die Hethiter behaupten das amoritische Hinterland. Die Aramäer gründen mehrere

Kleinstaaten, u. a. (östlich von Jordan und Totem Meer) Ammon, Moab und Edom. Zwölfstämmeverband

1234-1220 v. Chr.

Merenptah. Feldzug in Palästina. Israel-Stele (erste Erwähnung des Namens Israel). In Byblos auf dem Sarkophag des Ahiram erste Inschrift

in phönizischem Alphabet

um 1200 v. Chr.

Auf der Flucht vor den Doriern dringen ägäische > Seevölker< ein; das jüngere Hethiterreich zerfällt. RamsesIII. von Ägypten bringt in der

Schlacht bei Pelusim den Vormarsch der Seevölker zum Stehen. Sie bleiben jedoch (als Philister) in Palästina und vermischen sich im

syrischen Küstenland mit den Kanaanitern zu den Phöniziern. Unabhängige Stadtstaaten (Tyros, Sidon, Askalon, Gaza, Ashdod u. a.)

entstehen. Die phönizische Kolonisation an den Mittelmeerküsten beginnt. Die Phönizier werden bald die Hauptfeinde der Israeliten

um 1200-1020 v. Chr.

Zeit der Richter, der politisch-religiösen Führer der Israeliten. Deborah, Gideon und Samson sind die bekanntesten. Kampf mit den Philistern

(Phöniziern)

um 1100 v. Chr.

Sieg von Deborah und Barak bei Taanach über Sisera, den Feldherrn Jabins von Hazor. Eroberung der Bundeslade durch die Philister.

Gründung der Aramäerreiche von Damaskus, Hamath und Zoba. Samuel

um 1040 v. Chr.

Kämpfe der Israeliten gegen die Kanaaniter, Philister und Beduinen

1030-1010 v. Chr.

Königszeit. Saul, der erste König Israels, besiegt die Ammoniter und Philister. Kurze Zeit der Freiheit Israels

1010-972 v. Chr.

König David. 1005 Einnahme Jerusalems, das die Hauptstadt wird. Größte Ausdehnung Israels

972-933 v. Chr.

3

König Salomo. Er baut den ersten Tempel in Jerusalem, der zum Mittelpunkt des religiösen Lebens wird; schließt einen Vertrag mit der

Königin Saba, dem heutigen Jemen. Aus diesen Handelsbeziehungen und den Kupferminen am Roten Meer stammt der sagenhafte Reichtum

Salomos. Die aramäischen Provinzen machen sich wieder selbständig. Damaskus erringt eine führende Stellung unter den aramäischen

Kleinstaaten Syriens. Nach Salomos Tod zerfällt das Reich in Israel (im Norden mit Sichern und seit 880 mit Samaria als Hauptstadt) und

Juda (mit Jerusalem als Hauptstadt). Unter Salomo Aufbau der Verwaltung, Ausbau des Handels, Despotie wie in Ägypten

881-871 v. Chr.

Omri, König von Israel. Sein Sohn Ahab führt das Königreich zum Höhepunkt seiner Macht. Der alte Glaube wird durch die Einführung des

phönizischen Baalskultes unter Joram schwer erschüttert. Joram verliert große Gebiete an die Aramäer und Moabiter

854-815 v. Chr.

Die Propheten Elias und Elisa schüren einen Aufstand gegen Joram. Der jahwetreue Armeeführer Jehu wird zum König ausgerufen und

rottet die Omri-Dynastie aus

745-727 v. Chr.

Tiglatpileser III. von Assur, Begründer des assyrischen Weltreiches, besetzt Israel. Juda wird den Assyrern tributspflichtig. Das Reich

Tiglatpilesers erstreckt sich über Damaskus bis nach Gaza

734-733 v. Chr.

Im syrisch-ephraimischen Krieg kämpfen Israel und Damaskus gegen das mit Assyrien verbündete Juda

722 v. Chr.

Sargon II. von Assur zerstört Samaria, die Hauptstadt des Nordreiches, vernichtet das Königreich Israel. Das Volk wird in die Verbannung

geschickt

701 v. Chr.

Der assyrische König Sanherib belagert vergeblich Jerusalem. Unter Manasse wird Juda völlig von Assyrien abhängig

639-562 v. Chr.

Nebukadnezar von Babylonien. Er zerstört 587 Jerusalem und führt ebenfalls große Teile der Bevölkerung in die »Babylonische

Gefangenschaft«, die erst unter Kyros, König von Persien, endet, als dieser Neubabylonien unterwirft und Palästina persische Provinz wird

626-605 v. Chr.

Nabupolassar von Babylon. Neubabylonien löst auch in Syrien und Palästina das Assyrische Reich ab

586-538 v. Chr.

Die Babylonier, unter Nebukadnezar, erobern und zerstören Jerusalem und den Tempel. Das Volk wird zum

dritten mal nach Babylon verschleppt. Unter den Verbannten wirkt der Prophet Ezechiel

559 v. Chr.

Der Perserkönig Kyros II. der Große, macht nach der Unterwerfung des Neubabylonischen Reiches Syrien und Palästina zu persischen

Provinzen. Die deportierten Juden kehren zurück. 538-515 wird der von Nebukadnezar zerstörte Tempel von Jerusalem wieder aufgebaut

521-486 v. Chr.

Darius I. von Persien

516 v. Chr.

Einweihung des Tempels von Jerusalem

458 v. Chr.

Zweite Rückkehr aus Babel

445 v. Chr.

Nehemias Statthalter in Juda. Wiederherstellung der Mauer Jerusalems

433 v. Chr.

Nehemias kehrt nach Susa/Babylon zurück. Nach der Rückkehr führt er in Jerusalem Reformen durch

400 v. Chr.

Der Schriftgelehrte Esra reist von Babylon nach Jerusalem und lehrt dem Volk wieder das Gesetz. Das Judentum entsteht

350 v. Chr.

Judäa autonomer Staat

336-325 v. Chr.

Alexander der Große. Nach den Schlachten bei Issus (333) und Gaugamela (331) fällt ihm ganz Vorderasien zu. Judäa kommt unter

griechische Herrschaft (Mazedonisches Weltreich)

320-168 v. Chr.

Nach dem Tode Alexander des Großen übernehmen 301-198 v. Chr. die Ptolemäer (Ägypten) die Herrschaft. Die Diadochenreiche

entstehen. Der Norden gehört zum Seleukidenreich (Antiochia), der Süden (mit Damaskus) zum Reich der Ptolemäer

250 v. Chr.

Beginn der Hellenisierung in Judäa

um 200 v. Chr.

4

Die Seleukiden besetzen Palästina. Unter Antiochos III. (242-187) erlangt das Seleukidenreich seine größte Ausdehnung. Die Seleukiden

entreißen Palästina den Ptolemäern

175-164 v. Chr.

Antiochos IV. (187-164), der letzte bedeutende Seleukide, erobert 170 Ägypten. Rom unterstützt den Aufstand der Hasmonäer Matthatias

und Judas Makkabäus gegen die Seleukidenherrschaft in Palästina. Der Zerfall des Seleukidenreiches beginnt

169-142 v. Chr.

Aufstand unter den Hasmonäern gegen die Herrschaft der Syrer. Simon, der Bruder des Judas, begründet die Dynastie der -auch Makkabäer

genannten- Hasmonäer, die für die Reinheit des jüdischen Glaubens kämpfen

160-142 v. Chr.

Bildung der Sekten der Pharisäer, Sadduzäer und Essener

76 v. Chr.

Alexandra macht die Pharisäer zur herrschenden Partei

73 v. Chr.

Herodes I. der Große, König der Juden, wird geboren. Vater: der Idumäer-Edomiter Antipas (Antipater), Mutter: die Nabatäerin Cypros

63 v. Chr.

Jerusalem wird von dem römischen Feldherrn Pompejus erobert. Palästina wird römische Provinz

63 v. - 325 n. Chr.

Herrschaft der Römer

57 und 53 v. Chr.

Jüdische Aufstände in Palästina

40 v. - 4 n. Chr.

Herodes der Große wird von den Römern zum »König der Juden« ernannt. Er baut in Jerusalem einen neuen Tempel

31 v. -14 n. Chr.

Octavianus als Cäsar Augustus erster römischer Kaiser. Alleinherrscher seit 31 v. Chr., nimmt 27 v. Chr. den Titel Augustus (der Erhabene)

an

30 v. Chr.

Herodes I. , rechtzeitig zu Octavian übergetreten, wird auch von Augustus als König bestätigt. Beginn des Baues der Burg Antonia

25-13 v. Chr.

Bau der Stadt Caesarea am Meer als Hafen und Residenz

23 v. Chr.

Bau des Herodes-Palastes am Westtor von Jerusalem

18 v. -64 n. Chr.

Bau des herodianischen Tempels, des dritten Tempels von Jerusalem

9 v. - 40 n. Chr.

Aretas (Hareth) IV., König von Arabien. Hauptstadt Petra, Schwiegervater des Herodes Antipas

7 v. Chr.

Jesus Christus wird am 12. April (?) zu Bethlehem geboren

ca. 5 v. Chr.

Flucht Jesu nach Ägypten

ca. 4 v. Chr.

Tod des Herodes des Großen in Jericho. Rückkehr Jesu aus Ägypten

7 n. Chr.

Jüdischer Aufstand

14 n. Chr.

Tod des Kaisers Augustus

14-37 n. Chr.

Kaiser Tiberius herrscht in Rom als Nachfolger

18 n. Chr.

Joseph Kaiphas, Schwiegersohn des Hohenpriesters Annas, wird von den Römern zum Hohenpriester ernannt

26-36 n. Chr.

Pontius Pilatus, römischer Statthalter (Prokurator) in Judäa, Samaria, Idumäa

ca. 26 n. Chr.

Beginn der Tätigkeit Johannes des Täufers. Taufe Jesu im Jordan

5

ca. 27 n. Chr

1.Osterfest. Jesus tritt in Jerusalem öffentlich auf. Tempelreinigung. Neunmonatige Tätigkeit Jesu in Judäa. Rückreise nach Galiläa

ca. 28. n. Chr.

2.Osterfest. Höhepunkt des Wirkens Jesu in Galiläa. Jesus auch im Ostjordanland

vor 30 n. Chr.

Johannes der Täufer wird auf Veranlassung der Herodias in der Grenzfeste Machaerus enthauptet, dort von seinen Jüngern begraben, später

wahrscheinlich in Samaria beigesetzt

ca. 30 n. Chr.

4.Osterfest. Letztes Abendmahl Jesus wird am 3. (7. ?) April in Jerusalem gekreuzigt. Im Mai, 50 Tage später, Gründung der ersten

christlichen Gemeinde in Jerusalem. Pfingstfest. Am 30. Mai öffentliches Auftreten der Apostel

37-100 (?) n. Chr.

Flavius Josephus, jüdischer Historiker

41-54 n. Chr.

Claudius, römischer Kaiser

41-44 n. Chr.

Herodes Agrippa I. König von Judäa

44 n. Chr.

Verfolgung der ersten Christengemeinde in Jerusalem

49 n. Chr.

Paulus erhält die Vollmacht, überallhin den Glauben zu tragen

50-100 n. Chr.

Das Neue Testament entsteht als Zeugnis des apostolischen Glaubens. Die mündliche Überlieferung von Jesus Christus wird in den

Evangelien festgehalten

54-68 n. Chr.

Nero, römischer Kaiser, veranlaßte die erste Christenverfolgung

58 n. Chr.

Paulus, der Apostel, wird in Jerusalem im Tempel verhaftet, zur Burg Antonia und dann nach Caesarea am Meer gebracht

58-60 n. Chr.

Haft des Apostels Paulus in Caesarea am Meer beim Prokurator Antonius Felix

60 n. Chr.

Verhör des Apostels Paulus. Berufung des Apostels auf Kaiser Nero

61 n. Chr.

Ankunft des Apostels Paulus in Rom

64 n. Chr.

Brand von Rom. Neros Christenverfolgung beginnt. Apostel Petrus wird in Rom gekreuzigt

66 n. Chr.

Beginn des jüdischen Krieges. Der Aufstand wuchs aus den Streitigkeiten zwischen Juden und Griechen in Caesarea am Meer und der

Grausamkeit und Habgier des Prokurators Gessius Florus. Niedermetzelung der römischen Garnison von Jerusalem trotz Übergabe. Die

Feste Masada wird von den Aufständischen erobert.

Gewarnt durch den Aufstand, verlassen die Christen Jerusalem und wandern nach der griechischen Stadt Pella, der Dekapolis im

Ostjordanland, aus.

Die Urgemeinde kehrt nach der Zerstörung Jerusalems allmählich wieder dorthin zurück

67-69 n. Chr.

Titus Flavius Vespasianus wird zur Niederwerfung des Aufstandes in Palästina mit Truppen betraut. Zuerst Feld

zug gegen Galiläa, dann Verschleppung des Kampfes wegen der Thronstreitigkeiten in Rom

67 n. Chr.

Paulus; der Apostel, wird in Rom enthauptet

69 n. Chr.

Der jüdische Oberbefehlshaber von Galiläa, Flavius Josephus, der spätere Historiker, gerät in der nordgaliläischen Feste Jotapata in

Gefangenschaft. Bleibt dann freiwillig bei Vespasian. Titus, Sohn des Vespasian, wird mit der Weiterführung des Feldzuges gegen die Juden

beauftragt

70 n. Chr.

Ostern: Beginn der Belagerung Jerusalems.16August: Eroberung und Zerstörung Jerusalems. September: Niederringung des letzten

Widerstandes im Westteil der Stadt. Johannes von Gischala und Simon Bar Giora kommen in Gefangenschaft. Oktober: Siegesfeiern des

Titus in Caesarea Philippi

nach 70 n. Chr.

Die Juden, die nicht nach Jerusalem zurückkehren dürfen, siedeln sich in Tiberias an, das nun Zentrum der Juden von Palästina wird

6

73 n. Chr.

Als letzte Widerstandszentren der Juden fallen Masada und Machaerus

79 -81 n. Chr.

Titus, römischer Kaiser

um 100 n. Chr.

Johannes, der letzte Apostel, stirbt in Ephessus

Die verborgenen Bücher

Wozu soll man neben der Bibel noch die »verborgenen«, die apokryphen Schriften lesen, die hier in einer Auswahl vorliegen? Ist nicht die

Bibel schon so um fangreich, daß man kaum mit ihrer Lektüre zu Rande kommt? Steht nicht schon alles, was wir Christen wissen sollten, in

der Heiligen Schrift? Diese Fragen

wird sich wohl der eine oder der andere, der dieses Buch in die Hand bekommt, stellen. Mit diesem Buch sollen diese Fragen gerade

beantwortet werden. Denn vieles was ganz selbstverständlich Teil unseres christlichen Lebens geworden ist, stammt gar nicht aus der Bibel,

sondern aus den Apokryphen. Das fängt schon an mit

dem Ochs und dem Esel an der Krippe des Jesuskindes, um ein bekanntes Beispiel zu nennen. Im NT werden

sie nirgendwo erwähnt. Ebensowenig werden dort die Namen der Heiligen Drei Könige verraten.

Auch vieles in der religiösen Kunst geht auf die Apokryphen zurück. Vor allem das Mittelalter hat seine Motive

aus dieser Literatur geschöpft. Besonders zu er wähnen sind Darstellungen der Verkündigung Mariens. Oft steht

neben der den Tempelvorhang spinnenden Maria ein Krug. Was es damit auf sich hat, er fahren wir, wenn wir das Protevangelium des

Jakobus lesen. Es liegen sich noch viele Beispiele nennen, aber der Leser wird sie selbst entdeckten, wenn er erst einmal angefangen hat, die

hier ausgewählten Schriften zu lesen. jede der Schriften ist mit einer kleinen Einleitung versehen, in der sich Hinweise auf das Fortwirken in

der Geschichte der Kirche finden. Es wurden in diese Auswahl nur Werke aufgenommen, deren Überlieferung es erlaubt, Erzählungen und

Geschichten in einem sinnvollen Zusammenhang wiederzugeben. Die Sprache der Übersetzungen (die meisten Schriften sind in orientalischen

Sprachen überliefert, manche auch in griechischer und lateinischer) versucht die Atmosphäre dieser längst vergangenen Zeit

nachzuempfinden. Die Apokryphen zum Alten Testament (AT) bringen zwar im Vergleich zu den biblischen Erzählungen außer einigen

Einzelheiten nicht viel Neues, sie ergreifen aber durch die Tiefe der Gedanken und den prophetischen Eifer. Der literarische Wert und das

hohe Niveau in Fragen des Glaubens und der Sitten stehen oft dem kanonisierten AT in keiner Weise nach, so daß die Frage offen bleibt

warum diese oder jene Apokryphe nicht zu den heiligen Schriften zählt. Die verborgenen Schriften zum NT sind im Vergleich zu jenen des

AT im allgemeinen weder in inhaltlicher noch in literarischer Hinsicht gleichwertig. Dafür bieten sie anderes, weswegen sie für uns von

höchstem Interesse sind.

Der Wert dieser Bücher

Ihr Ziel ist es vielfach, christliche Inhalte volkstümlich zu gestalten. Manches will sogar nur Erbauungs- und religiöse Unterhaltungsliteratur

sein. Doch erheben auch einige Werke den Anspruch, mit der Heiligen Schrift zu konkurrieren. Die Ernsthaftigkeit dieses Unterfangens zeigt

sich dadurch, daß vieles, was inzwischen als apokryph verworfen ist, lange Zeit weiteste Anerkennung in der Kirche fand.

Deswegen helfen besonders die neutestamentlichen Apokryphen, die geistige und religiöse Entwicklung des jungen Christentums zu

erhellen. Der häufig volkstümliche Charakter gibt einen Einblick in den Glauben vieler Menschen. Sie sind theologisch nicht so tiefsinnig

wie die Bücher eines Lukas oder Johannes. Ihren Ursprung haben sie in den vielen christlichen Gemeinden, die meist viele verschiedene

Auffassungen zum christlichen Glauben hatten. Irrlehren hatten sich ausgebildet, Unwesentliches wurde zum Wesentlichen gemacht und

Neues hinzuerfunden. Mit alldem hat sich die junge Kirche auseinandergesetzt, und es bedeutete einen langen und harten Kampf , bis der

reine und wahre Glaube in Form der uns überlieferten Heiligen Schrift vorlag. Diesen Prozeß ein wenig zu durchschauen, das könnte der

Hauptgewinn für den Leser der neutestamentlichen Apokryphen sein. Kontrastiv wird in den Einleitungen deswegen auf entsprechende

Schriften des NT eingegangen. Durch diesen Vergleich können wir vielleicht auch die Bibel selbst besser verstehen und ihren hohen religiösen

und sittlichen Wert schätzen lernen.

Das Apokryphe ...

Es war bis jetzt immer die Rede gewesen von der Unterscheidung zwischen Apokryphen und Heiliger Schrift. Was versteht man nun

eigentlich unter den Apokryphen?

»Apokryph« ist ein griechisches Wort und bedeutet verborgen, geheim. Auf Schriften wurde dieses Adjektiv zuerst von den Gnostikern

angewandt. Sie behaupteten, »bibloi apokryphoi« (verborgene Bücher) zu besitzen. Nach gnostischer Lehre durfte kein Außenstehender

Einblick in die »geheimen Bücher« nehmen. Ähnlich wie in den orientalischen Mysterienkulten sollten die Eingeweihten aufgrund von

Geheimwissen das Heil erlangen. Die Kirche lehnte die gnostischen apokryphen Bücher als Irrlehren ab. Von da ab übertrug sie den Begriff

apokryph auf alle religiösen Schriften, die sie nicht zur Lesung in den Gemeinden zuließ. Nachträglich wurden dann auch die Bücher, die

nicht ins AT aufgenommen worden waren, als apokryph bezeichnet.

Kanonisch und apokryph

Die Bücher des AT und NT, die öffentlich an den Kultstätten, seien es Tempel oder Kirchen, vorgelesen wurden,

erhielten auch die Benennung kanonisch. So kann man umgekehrt sagen, daß alles, was nicht kanonisch ist, apokryph ist. Kanonisch ist das

Adjektiv zu dem griechischen Wort Kanon. Es bedeutet Katalog oder Regel, Richtschnur. Kanonisch sind somit Schriften, die entsprechend

dem zweifachen Sinn des griechischen Begriffs entweder in den Katalog der heiligen Schriften aufgenommen wurden oder als Leitfaden des

Glaubens und der Sitten gelten konnten, da sie als von Gott inspiriert angesehen wurden.

Die Apokryphen zum Alten Testament

Die Meinung des heiligen Augustinus

7

Der große Kirchenlehrer Augustinus gesteht den Apokryphen zu, daß sie auch manches Wahre enthielten. Aber da in ihnen insgesamt doch

zu viele Irrtümer versammelt seien, besäßen sie kein kanonisches Ansehen. (De civitate Dei XV: In his autem apocryphis etsi invenitur

aliqua veritas, tamen propter multa falsa nulla est canonica auctoritas.) Wie erfolgte nun im AT die Unterscheidung in kanonische und

apokryphe Schriften? Die Kanonisierung der jüdischen Bibel geschah im wesentlichen in der Zeit zwischen 300 und 150 vor Christus. Wie

schon erwähnt, läßt sich nicht klären, nach welchen Kriterien so manches Buch als apokryph verworfen wurde, obwohl es sich mit

kanonischen Büchern durchaus messen konnte. Für die Katholiken wurde der biblische Kanon 1545 auf dem Konzil von Trient festgelegt. Er

umfaßt 45 Bücher, also sechs Bücher mehr als der jüdische Kanon, der nur 39 Bücher anerkennt. Die sechs von der hebräischen Bibel

verworfenen Bücher nennt die röm. -kath. Kirche deuterokanonisch, also »zweit«-kanonisch, da sie zum jüdischen Kanon noch

hinzukommen: Tobias, Judit, Buch der Weisheit, Jesus Sirach (Ecclesiasticus), Baruch und das 1. und 2. Buch der Makkabäer.

Auch Hieronymus, der das AT aus dem Hebräischen ins Lateinische übersetzte (die berühmte Vulgata), neigte persönlich dem engeren

jüdischen Kanon zu. Er hatte sich aber den Anordnungen des Papstes Damasus gefügt und die deuterokanonischen Bücher hinzugenommen,

die auch in der sogenannten »Septuaginta« (griechische Übersetzung der Bibel) standen. Luther ließ sich von der Einstellung des

Hieronymus beeindrucken und verbannte die deuterokanonischen Schriften aus der Heiligen Schrift. Ebenso wie die Juden bezeichnen die

Protestanten diese Bücher als Apokryphen. Die Apokryphen der Katholiken aber nennen sie Pseudoepigraphen, da fast alle der Verfasser

unter einem Pseudonym schrieben. Inhaltlich sind die von katholischer Seite Apokryphen und von evangelischer Seite Pseudoepigraphen

benannten Bücher identisch.

Die Entstehung der Apokryphen

Wie kam es zur Entstehung der alttestamentlichen Apokryphen? Um einen Einblick in diese Frage zu gewinnen, muß man sich die

Geschichte Israels in den fünf letzten vorchristlichen Jahrhunderten ansehen. In der Bibel finden wir nur sehr wenig Informationen aus dieser

Zeit. Von 538 an, als die Israeliten aus der babylonischen Gefangenschaft heimkehren durften, bis zur Zerstörung des Tempels (70 n. Chr.)

und der endgültigen Zerschlagung der jüdischen Nation unter Titus erfährt man nur wenig. Die letzten Propheten waren um 500 v. Chr.

Zacharias, Aggäus und Malachias. Aus dem Buch Esra-Nehemias erfahren wir die Ereignisse von etwa 400 vor unserer Zeitrechnung. Die

beiden Makkabäerbücher erzählen von dem verzweifelten Kampf der Juden gegen den griechischen Götterkult im 2. Jh. v. Chr. Die jüngste

Schrift des AT ist das Buch der Weisheit, das im 1. Jh. v. Chr. entstand und die Diasporajuden inmitten der griechischen Welt im Glauben

stärken soll.

Sollte dies nun alles sein, was in Israel in sechs Jahrhunderte seiner Geschichte geschrieben wurde? Israel, das vorher so reich war an

Erzählungen über Gott, über das Verhältnis des auserwählten Volkes zu seinem Gott, sollte nun nichts mehr zu sagen haben? Natürlich war

es nicht so. Aber alles, was außer den genannten Büchern in der Zeit von 538 an niedergeschrieben wurde, stufte man als apokryph ein. Die

kanonische Anerkennung wurde diesem Schriftwerk verweigert, obwohl es sich, um Glaubhaftigkeit zu gewinnen, auf große Gestalten

berief: Als Verfasser werden Esra genannt, Henoch, Isaias, Job, Salomo, ja sogar Adam und Eva.

Geschichtliche Einordnung

Die meisten dieser Apokryphen entstanden zwischen 300 vor und 100 nach Christus. Das Engagement, das sie für die jüdische Sache

ausdrücken, läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß sie von Juden verfaßt wurden. Diese Zeit war für Israel eine sehr bewegte Zeit, was

sich auch in den Schriften niedergeschlagen hat. Man kann sie nur verstehen, wenn sie auf dem Hintergrund der Zeitverhältnisse gelesen

werden. Deshalb ist ein kleiner historischer Überblick unabdingbar. Nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft hatte Jerusalem

wieder an Bedeutung zugenommen, sogar der Tempel war wieder auf -gebaut worden, wenn auch im Vergleich zum Tempel

Salomos in recht bescheidenen Ausmaßen. Der Perserkönig Kyros Il. hatte nach der Eroberung Babyloniens die Israeliten zwar heimkehren

lassen, aber sie unterstanden in Palästina einem Satrapen des Perserreiches. Doch war das keine drückende Herrschaft. Im Grunde regierte

der von den Juden gewählte Hohepriester über das Volk.

Alexander der Große

Nach 200 Jahren Perserherrschaft brach auch dieses Reich zusammen. Es konnte dem Ansturm des Heeres Alexanders des Großen nicht

widerstehen. Im Jahre 332 erreichte Alexander Palästina. Aber schon im Jahre 323 setzte der Tod den Welteroberungsplänen dieses

ungestümen Feldherrn ein Ende. Sein Reich zerfiel. Palästina geriet in den Diadochenkämpfen zwischen die Fronten der verfeindeten

Nachfolger Alexanders des Großen. Hatten die Ptolemäer eine relativ milde Schutzherrschaft ausgeübt, so waren die Juden unter den

Seleukiden, die im Jahre 200 die Ptolemäer in die Grenzen Ägyptens zurückdrängten, in harter Bedrängnis. Die Ptolemäer hatten sich mit

synkretistischen Bestrebungen zufriedengegeben. Das heißt, sie wollten den Gott der Juden in ihre Religion eingliedern. Die Seleukiden

dagegen versuchten, die jüdische Religion zu unterdrücken.

Die Makkabäer

Unter Antiochus IV. wurde der Tempel durch Aufstellung einer Statue des olympischen Zeus entweiht, es wurde verboten, die Thora zu

lesen, die Neugeborenen zu beschneiden und den Sabbat zu feiern. Diese Maßnahmen reizten die Juden zum Äußersten. Unter den

Makkabäern kam es zu einem allgemeinen Aufstand. In einem verzweifelten Kampf gelang es, die selenkidischen Heere zu schlagen. So

erlangten die Juden ihre religiöse Freiheit wieder und unter der Dynastie der Hasmonäer, den Nachkommen der Makkabäer, sogar die politische

Unabhängigkeit. Jetzt, so meint man, wird es den Juden endlich vergönnt sein, in Frieden ihre Religion auszuüben. Aber

eigenartigerweise blieben die Hasmonäer ihren Vätern nicht treu, sondern öffneten dem Hellenismus Tür und Tor. Nicht nur, daß sie selbst

ihre Sitten dem hellenistischen Vorbild anpaßten, sondern sie kämpften sogar gegen die frommen Anhänger des einen und wahren Gottes.

Unter Alexander Janneus kam es zum Aufstand, der aber blutig niedergeworfen wurde. Sechshundert Aufständische wurden gekreuzigt.

Unter römischer Herrschaft

Als im Jahre 64 Pompeius den Osten des römischen Reiches neu ordnete, wurden Pontus, Syria und Cilicia zu römischen Provinzen,

Armenia, Cappadocia, Galatia, Colchis und Judäa zu Klientelstaaten. Da natürlich nur solche Staatslenker geduldet wurden, die mit Rom

kollaborierten, sollte auch dieser neuen Epoche in der Geschichte der Juden harte Bedrückung und religiöse Vergewaltigung nicht erspart

bleiben. Herodes d. Gr. beispielsweise, der von 37-4 v. Chr. König von Judäa war (nach Ausrottung der Hasmonäer), achtete zwar die religiösen

Anschauungen seiner Untertanen, aber wegen seines Privatlebens, seiner Förderung des Hellenismus und der durch seine Bautätigkeit

bedingten hohen Steuern erregte er den Zorn seines Volkes. Nach seinem Tode wurde sein Sohn Herodes Antipas, nur noch Fürst über

Galiläa (Lk 3, 1). (Dieser Herodes war es auch, der Johannes den Täufer hinrichten lieg, weil er sein Verhältnis zur Frau seines Bruders

rügte. Und ihm schickte Pilatus Jesus zum Verhör, als er erfuhr, daß Jesus aus dem Machtbereich des Herodes, also aus Galiläa, kam

(Lk 23,8-12).

Im Jahre 70 nach Christus eroberte Titus das aufständische Juda und zerstörte den Tempel von Jerusalern; die Bevölkerung wurde deportiert.

Völlig vernichtet und in alle Winde zerstreut wird das jüdische Volk nach einem hoffnungslosen und unsinnigen Aufstand unter Bar-Kochba

im Jahre 135 n. Chr.

8

Zeugnis jüdischen Denkens

Von der Geschichte des jüdischen Volkes ist in den Apokryphen die Rede, wenn oft auch nur in Anspielungen und in verschlüsselter Form.

Im Buch Henoch lassen sich Hinweise auf die despotische Herrschaft des Alexander Janneus und Herodes des Großen herauslesen.

Im Buch der Sibylle wird wohl bei dem Weibe, »das die Zügel des Universums in ihren Händen halten wird«, auf Kleopatra angespielt. Die

Zerstörung Jerusalems durch Titus hat offensichtlich den Schmerz hervorgerufen, der im Vierten Buch Esras zum Ausdruck kommt.

Was war diese Geschichte anderes als eine Geschichte der Unterdrückung und der Drangsal? Und dennoch verzweifelten die Juden nicht an

ihrem Gott, der sie auserwählt hat. Vielmehr glaubten sie, daß ihre Sünden an ihrem Unglück Schuld seien, daß sie noch an ihrer sittlichen

Vervollkommnung zu arbeiten hätten. Die Testamente der zwölf Patriarchen sind ein deutliches Zeugnis für diese Einstellung.

Schließlich aber haben auch sie oder zumindest manche von ihnen die Hoffnung aufgegeben, daß diese Welt sich noch zum Guten wenden

könnte. Das Leid und die Bedrängnis waren zu manchen Zeiten so groß, daß sie nur noch ein baldiges Ende dieser Welt erhofften und

erwarteten.

Die Apokalypsen

Diese Haltung hat Schriftwerke hervorgebracht, die man Apokalypsen nennt. Das griechische Verb »apokalyptein« bedeutet entschleiern,

also etwas Verborgenes aufdecken. Das Verborgene, das aufgedeckt wird, ist das nahe Ende dieser Welt und der Anbruch einer neuen Welt

jenseits der grausamen Wirklichkeit. Die Apokalyptik war innerhalb der apokryphen Lit eratur so tonangebend, daß sich ihr Einfluß in

beinahe allen Schriften bemerkbar macht.

Legenden

Außer den Grundelementen, dem Geschichtlichen, den sittlichen Forderungen und dem Apokalyptischen, finden wir in den Apokryphen

noch interessante Einzelheiten. Wir erfahren Genaueres über das Ende des Propheten Isaias, der auf Befehl Nanasses in zwei Teile zersägt

wurde und dabei keinen Laut von sich gab. Im Aristeasbrief wird der Name der griechischen Bibelübersetzung erklärt. Die »Septuaginta« sei

in Ägypten in siebzig Tagen von siebzig (oder zweiundsiebzig) Gelehrten fertiggestellt worden.

Was die Apokryphen an Wissenschaftlichem (Kosmologie, Astronomie, Geographie) bieten, verdient nicht der Erwähnung. Interessant ist da

nur, daß im Buch Henoch das Mondjahr kritisiert und ein Sonnenjahr mit 364 Tagen ge fordert wird.

Einfluß aufs Christentum

Schließlich soll die Frage noch untersucht werden, ob die Apokryphen auf das Christentum Einfluß hatten, da sie ihm doch zeitlich

unmittelbar vorausgingen. Der Hauptpunkt, in dem eine gewisse Übereinstimmung vorliegt, kann mit dem Begriff »messianische

Erwartung« umschrieben werden. Hier wie dort ist es der Messias, der in schwerer Not als Retter und Heiland kommen wird. Ebenso wie im

NT wird er im Henochbuch noch deutlicher als bei Daniel auch als »Menschensohn« bezeichnet. Am Ende der Zeit wird der Menschensohn

nicht nur als Retter, sondern auch als Richter erscheinen. Die Lehre von der Vergeltung im jenseits hat im AT noch keinen Platz.

Für die Propheten gibt es nur eine irdische Vergeltung, die sich in Krankheit, Unglück und Not vollzieht. Es stellte sich damit aber das

Problem des Leiden5 Unschuldiger und des Glücks der Gottlosen. Die (apokryphe) Apokalyptik hat die Lösung in der jenseitigen Belohnung

und Bestrafung gesehen. Das NI spricht von der Vergeltung am Tag des Gerichtes (Mt 11,22-24). Da nun mit dem Kommen des Messias das

Gericht verbunden ist, wird in den Apokrypher zu Umkehr und Buge aufgerufen. Aber gerade das ist auch der Inhalt der Predigt des

Vorläufers Jesu: » So trat Johannes als Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Bekehrung zur

Vergebung der Sünden« (Mk 1,4). Somit sind Übereinstimmungen, die auf einen Einfluß der alttestamentlicher Apokryphen auf die

christliche Lehre schließen lassen unverkennbar. Dennoch sollte dieser Einfluß nicht überbewertet werden. Mag auch mancher Gedanke des

Christentums vorbereitet worden sein, Christus hat doch etwas entscheidend Neues gebracht. Denn der Kern des christlichen Glaubens, der

Tod und die Auferstehung des Erlösers, stellt einen radikalen Bruch mit dem Gedankengut der Apokryphen dar.

Trotz der unbestrittenen sittlichen und religiösen Größe und dem literarischen Wert der Apokryphen des AT sind sie in der Christenheit bei

weitem nicht s( berühmt und verbreitet wie die »verborgenen Schriften« zum NT. Das ist auch der Grund, warum sie in der mittelalterlichen

Kunst geringere Spuren hinter lassen haben. Besonders zu erwähnen ist hier die Himmelfahrt des Henoch, ein Motiv, dessen sich vor allem

die Gotik angenommen hat.

Heiligenlegenden und Mahnungen

Um Adam rankt sich eine Menge von Apokryphen. Davon sind jüdisch und ursprünglich hebräisch oder aramäisch geschrieben: »Das Leben

Adams und Evas« und, weithin wörtlich gleich, die sogenannte »Apokalypse Moses« eine »duftig-zarte Erzählung« von Adams und Evas

Buße, neuem Satanstrug und der Geburt Kains, Abels, und Seths; da Adam seinen Tod nahe schaut und erkrankt, suchen Eva und Seth

Lebensöl aus dem Paradies; Eva berichtet vom Sündenfall; endlich erhält Adam auf Bitten der Engel Vergebung und wird im Paradies

bestattet; ebenso Eva. Das Buch war im 14.-16. Jahrhundert weit verbreitet von England bis nach Rußland und Italien.

Christlich mit vielen alten jüdischen Stoffen ist das äthiopisch erhaltene »Leben Adams«, damit verwandt ist die »Schatzhöhle«; sie erzählt

schwung-, gefühl- und phantasievoll von der Erschaffung der Welt und des Menschen (aus Staub, Wasser, Luft und Feuer, damit alles dem

Menschen diene), von den Patriarchen, dann kurz von Moses, Richtern und Königen, Ezechias, Cyrus, Esra und Kap. 45-54 ausführlich vom

Leben des Messias.

Das »Testament Adams«, auch Apokalypse Adams oder Buße Adams genannt, verwandt mit der »Schatzhöhle«, schildert, wie alle

Geschöpfe zu allen Stunden der Nacht und des Tages sich ablösen in der Anbetung Gottes: Dämonen, Fische, Seraphim ... (zweimal wird das

Krankenöl erwähnt), ferner die Aufgaben der 9 Engelordnungen in der Welt, dazwischen vom Messias: Gott wird herabsteigen, aus einer

Jungfrau geboren, wandelt auf dem Meer, erweckt die Toten.

Textquelle: Das Leben Adams und Evas

Buße Adams und Evas. Zweite Verführung Evas durch den Satan. Erzählung des Teufels von seinem Fall.

Es beginnt das Leben Adams und Evas.

1Nachdem sie aus dem Paradiese vertrieben waren, bauten sie sich eine Hütte und verbrachten 7 Tage trauernd und klagend in großer

Betrübnis. Nach 7 Tagen aber bekamen sie Hunger und suchten nach Speise, sie zu essen, doch sie fanden keine. 2Da sprach Eva zu Adam:

Mein Herr, mich hungert. Geh, suche uns etwas zu essen! Vielleicht sieht Gott der Herr uns gnädig an, erbarmt sich unser und beruft uns

wieder an den Ort, wo wir früher waren. Und Adam machte sich auf und ging in 7 Tagen durch jenes ganze Land, fand aber keine Speise,

wie sie deren im Paradiese hatten. 3Und Eva sprach zu Adam: Mein Herr, willst du, so töte mich! Vielleicht führt dich dann Gott der Herr ins

Paradies zurück; ist doch Gott der Herr nur meinetwegen über dich in Zorn geraten. Willst du mich nicht umbringen, daß ich sterbe?

Vielleicht führt dich dann Gott der Herr ins Paradies, wurdest du doch von dort nur meinetwegen vertrieben! Adam antwortete: Eva, rede

nicht so, daß nicht etwa Gott der Herr abermals einen Fluch über uns verhängt! Wie könnte ich meine Hand gegen mein eigenes Fleisch erheben?

Wir wollen vielmehr uns aufmachen und uns etwas suchen, davon wir leben können, damit wir nicht hinschwinden. 4Und sie gingen

hin und suchten 9 Tage lang, fanden aber nichts der Art, wie sie im Paradiese gehabt hatten, sondern nur tierische Speise. Und Adam sprach

zu Eva: Das hat der Herr den Tieren und dem Vieh zur Speise gegeben, wir aber hatten Engelspeise. Aber recht und billig ist es, daß wir

9

trauern vor Gottes Angesicht, der uns erschaffen hat. Laß uns große Buße tun; vielleicht vergibt uns Gott der Herr, erbarmt sich unser und

weist uns etwas zu, davon wir leben können. 5Und Eva sprach zu Adam: Mein Herr, wieviel Buße gedenkst du zu tun? Habe ich dir doch

Mühe und Drangsal bereitet! 6Und Adam sprach zu Eva: Du kannst nicht so viel tun wie ich; aber tue so viel, als sich mit deiner Gesundheit

verträgt. Ich will 40 Tage fastend verbringen. Du aber mach dich auf und geh zum Tigris, nimm einen Stein und stelle dich darauf ins Wasser

bis an den Hals, da, wo der Fluß am tiefsten ist. Und keine Rede gehe aus deinem Mund hervor; denn wir sind unwürdig, den Herrn zu

bitten; denn unsere Lippen sind unrein vom unerlaubten und ... Baum. Und du bleibe im Wasser des Flusses 37 Tage lang stehen. Ich aber

will im Wasser des Jordan 40 Tage verbringen. Vielleicht erbarmt sich dann Gott der Herr unser. 7Und Eva ging zum Tigris und tat, wie ihr

Adam gesagt hatte. Desgleichen ging Adam zum Jordan und stellte sich auf einen Stein bis an den Hals ins Wasser. 8Und Adam sprach: Ich

sage dir, Wasser des Jordan, betrübe dich mit mir und versammle um mich alles schwimmende Getier, das in dir ist, daß sie mich umgeben

und mit mir trauern. Nicht sich sollen sie schlagen zum Zeichen der Trauer, sondern mich; denn nicht sie haben gesündigt, sondern ich!

Alsbald kamen alle Tiere, und umgaben ihn, und das Wasser des Jordan blieb stehen von Stund an, ohne weiterzulaufen.

9Und es vergingen 18 Tage; da geriet Satan in Zorn, er verwandelte sich in die Lichtgestalt der Engel, kam an den Tigris zu Eva und fand sie

weinend. Und der Teufel, als wenn er mit ihr betrübt sei, fing auch an zu weinen und sprach zu ihr: Steig aus dem Fluß und weine nicht

länger; laß nunmehr ab von Trauern und Klagen! Warum bist du und dein Mann Adam noch bekümmert? Gott der Herr hat eure Klage

gehört und eure Buße angenommen. Wir Engel haben alle den Herrn flehentlich für euch gebeten, und er hat mich gesandt, euch aus dem

Wasser zu holen und euch die Nahrung zu geben, die ihr im Paradiese hattet und um die ihr getrauert habt. Jetzt also steig aus dem Wasser;

ich will euch an einen Ort führen, wo Lebensunterhalt für euch bereit ist. 10Eva aber, die glaubte, was sie gehört hatte, ging aus dem Wasser

des Flusses, und ihr Leib war zitternd wie Gras von der Kälte des Wassers. Und als sie herauskam, fiel sie zur Erde; doch der Teufel richtete

sie auf und führte sie zu Adam. Als aber Adam sie sah und den Teufel bei ihr, rief er weinend also: Eva, Eva, wo ist nun dein Bußwerk? Wie

konntest du dich abermals von unserem Widersacher verführen lassen, durch den wir entfremdet wurden der Bewohnung des Paradieses und

geistlicher Freude? 11Als Eva dies hörte, erkannte sie, daß es der Teufel gewesen war, der ihr geraten, aus dem Flusse zu gehen. Und sie fiel

auf ihr Antlitz zur Erde, und ihr Schmerz, Klagen und Trauern verdoppelte sich. Und sie rief also: Wehe dir, Teufel, warum bekämpfst du

uns ohne Grund? Warum richtet sich deine Bosheit gegen uns? Haben wir dir etwa deine Herrlichkeit genommen und deine Ehre entzogen?

Warum verfolgst du, Feind, uns bis zum Tod in Haß und Neid?

12Und auf seufzend sprach der Teufel: Adam, meine ganze Feindschaft, Neid und Schmerz geht gegen dich, weil ich deinetwegen vertrieben

und entfremdet ward von meiner Herrlichkeit, die ich im Himmel inmitten der Engel hatte, und deinetwegen auf die Erde hinabgestoßen

ward. Adam antwortete: Was habe ich dir getan, und was ist meine Schuld dir gegenüber? Warum verfolgst du uns, da du von uns doch nicht

geschädigt oder verletzt worden bist? 13Der Teufel antwortete: Adam, was sagst du da zu mir? Um deinetwillen bin ich von dort verstoßen

worden. Als du gebildet wurdest, ward ich von Gottes Antlitz verstoßen und aus der Gemeinschaft der Engel verbannt. Als Gott den

Lebensodem in dich blies, und dein Gesicht und Gleichnis nach Gottes Bild geschaffen wurde, brachte dich Michael und gebot, dich

anzubeten im Angesichte Gottes, und Gott der Herr sprach: Siehe, Adam, ich schuf dich nach meinem Bild und Gleichnis.

14Und Michael kam herauf und rief alle Engel also: Betet Gottes des Herrn Ebenbild an, wie Gott der Herr es befohlen! Und Michael selbst

betete ihn zuerst an; dann rief er mich und sprach: Bete an das Ebenbild Gottes. Und ich antwortete: Ich brauche Adam nicht anzubeten. Und

da Michael mich drängte, anzubeten, sprach ich zu ihm: Warum drängst du mich? Ich werde doch den nicht anbeten, der geringer und jünger

ist als ich! Ich bin vor ihm erschaffen worden. Ehe er erschaffen ward, war ich erschaffen. Er sollte mich anbeten. 15Als dies die anderen

Engel hörten, die mir unterstanden, wollten sie ihn nicht anbeten. Und Michael sprach: Bete Gottes Ebenbild an! Tust du es aber nicht, so

wird Gott der Herr über dich in Zorn geraten. Und ich sprach: Wenn er über mich in Zorn gerät, werde ich meinen Sitz erheben über die

Sterne des Himmels und Gott dem Höchsten gleich sein. 16Und Gott der Herr geriet in Zorn über mich und verbannte mich mit meinen

Engeln von unserer Herrlichkeit, und so wurden wir uni deinetwillen aus unseren Wohnungen in diese Welt getrieben und auf die Erde

verstoßen. Und alsbald gerieten wir in Betrübnis, weil wir so großer Herrlichkeit entkleidet waren. Und dich in solcher Freude und Wonne

sehen zu müssen, das betrübte uns. Und mit List umgarnte ich dein Weib und brachte es dahin, daß du ihretwegen von deiner Freude und

Wonne vertrieben wurdest, gleichwie ich vertrieben ward von meiner Herrlichkeit. 17Als Adam den Teufel dies sagen hörte, rief er laut

weinend und sprach: Herr, mein Gott, in deinen Händen liegt mein Leben. Entferne diesen Widersacher von mir, der meine Seele ins

Verderben zu bringen sucht, und gib mir seine Herrlichkeit, die er selbst verloren hat! Und alsbald verschwand der Teufel von ihm. Adam

aber hielt aus in seiner Buße, 40 Tage lang im Wasser des Jordan stehend.

Geburt Kains und Abels. Evas Traum und Abels Tod. Geburt Seths und der übrigen Kinder.

18Und Eva sprach zu Adam: Bleibe du am Leben, mein Herr! Du darfst leben, denn du hast weder die erste noch die zweite Übertretung

begangen; ich aber habe übertreten und bin verführt worden, denn ich habe Gottes Gebot nicht gehalten. Und jetzt entferne mich vom Lichte

dieses Lebens! In Richtung Sonnenuntergang will ich gehen und dort bleiben, bis ich sterbe. Und sie zog nach den westlichen Gegenden und

begann zu trauern und unter lautem Seufzen bitterlich zu weinen. Und dort baute sie sich eine Wohnung, da sie schwanger war mit einer

Leibesfrucht von 3 Monaten. 19Und als die Zeit nahte, da sie gebären sollte, ward sie von Schmerzen befallen. Und sie rief zum Herrn also:

Erbarme dich meiner, Herr, und hilf mir! Aber sie ward nicht erhört, und Gottes Barmherzigkeit war nicht um sie. Und sie sprach bei sich:

Wer wird es meinem Herrn Adam verkünden? Euch, Himmelsleuchten, bitte ich: Wenn ihr zum Osten zurückkehrt, verkündet es meinem

Herrn Adam! 20In jener Stunde aber sprach Adam: Evas Klage ist zu mir gedrungen; vielleicht hat die Schlange abermals wider sie

gekämpft. Und da er hinging, fand er sie in tiefer Traurigkeit. Und Eva sprach: Als ich dich sah, war meine schmerzbewegte Seele erquickt.

Und jetzt bitte Gott den Herrn für mich, daß er dich erhöre und mich gnädig ansehe und von meinen argen Schmerzen befreie. Und Adam bat

den Herrn für Eva. 21Und siehe, 12 Engel und 2 Kräfte stellten sich Eva zur Rechten und zur Linken. Und Michael, der sich zur Rechten

gestellt, berührte sie vom Antlitz bis zur Brust und sprach zu Eva: Gesegnet seist du, Eva, um Adams willen. Weil seine Bitten und Gebete

groß sind, ward ich zu dir gesandt, daß du unsere Hilfe erfahrest. Auf jetzt, mache dich bereit zum Gebären! Und sie gebar einen Sohn, der

war lichtvoll. Und alsbald stand das Kind auf, lief fort und brachte in seinen Händen einen Halm und gab ihn seiner Mutter. Und er erhielt

den Namen Kain. 22Und Adam nahm Eva und den Knaben und führte sie gen Osten. Und Gott der Herr sandte durch den Engel Michael

verschiedene Samen, gab sie Adam und zeigte ihm, wie er die Erde bearbeiten und bebauen solle, damit sie Früchte hätten, von denen sie

und ihre Nachkommen leben könnten. Danach ward Eva schwanger und gebar einen Sohn, Namens Abel. Und Kain blieb mit Abel

zusammen.

Und Eva sprach zu Adam: Mein Herr, im Schlafe sah ich das Blut unseres Sohnes Abel in der Hand Kains, der es mit seinem Munde

verschlang; darum bin ich betrübt. Und Adam sprach: Wehe, daß nicht etwa Kain Abel erschlage! 23Doch laß uns sie von einander trennen

und jedem einen besonderen Aufenthalt geben. Und sie machten Kain zum Ackerbauer, Abel zum Hirten, damit sie von einander getrennt

wären. Und darnach erschlug Kain den Abel. Es war aber damals Adam 130 Jahre alt, und Abel wurde erschlagen im Alter von 122 Jahren.

24Und darnach wohnte Adam seinem Weibe bei, zeugte einen Sohn und nannte ihn Seth. Und Adam sprach zu Eva: Siehe, ich habe einen

Sohn gezeugt an Abels Statt, den Kain erschlug. Und nachdem Adam Seth gezeugt hatte, lebte er (noch) 800 Jahre und zeugte 30 Söhne und

30 Töchter, im Ganzen 63 (Kinder). Und sie verbreiteten sich über die Erde in ihren Völkern.

Adams Mitteilung von Geheimnissen an Seth.

25Und Adam sprach zu Seth: Höre, mein Sohn, ich will dir berichten, was ich gehört und gesehen habe. Nachdem wir aus dem Paradiese

getrieben waren, ich und deine Mutter, da kam, als wir beim Gebete waren, der Erzengel Michael zu mir, von Gott gesandt. Ich sah einen

Wagen dem Winde gleich, feurig waren seine Räder; und ich ward entrückt ins Paradies der Gerechtigkeit. Und ich sah den Herrn dasitzen;

10

sein Anblick war unerträgliches brennendes Feuer, und viele tausend Engel waren zur Rechten und zur Linken jenes Wagens. 26Als ich das

sah, ward ich bestürzt; Furcht ergriff mich, und ich fiel anbetend nieder vor Gott auf den Erdboden. Da sprach Gott zu mir: Siehe, du wirst

sterben. Denn du hast Gottes Gebot nicht gehorcht; du hast mehr auf die Stimme deines Weibes gehört, die ich doch in deine Gewalt gab,

daß du sie dir zu Willen hieltest. Aber du hast auf sie gehört und meinen Worten nicht gehorcht ! 27Als ich diese Gottesworte hörte, fiel ich

zur Erde, betete den Herrn an und sprach: Mein Herr, allmächtiger und barmherziger, heiliger und getreuer Gott, laß nicht unterge hen den

Namen, der deiner Majestät gedenkt, sondern bekehre meine Seele; denn ich muß sterben, und der Odem wird wieder aus meinem Munde

gehen. Verwirf mich nicht vor deinem Antlitz, den du aus Erdenkot gebildet hast, und entziehe mir, den du großgezogen hast, deine Gnade

nicht! Und siehe, ein dich betreffendes Wort kam über mich, und der Herr sprach zu mir: Weil .., darum soll es von deinem Samen bis in

Ewigkeit nicht genommen werden, daß er mir dient . 28Als ich diese Worte hörte, warf ich mich zur Erde und betete Gott den Herrn an:

Denn Du bist der ewige Gott und der Höchste; alle Geschöpfe bringen dir Preis und Lob. Du bist das alle Leuchten überstrahlende wahre

Licht, das lebendige Leben, die unbegreiflich große Kraft. Dir bringen Preis und Lob die Geister-Kräfte. Du wirkst am Menschengeschlecht

die Wunder deiner Barmherzigkeit! Nachdem ich den Herrn angebetet hatte, faßte mich alsbald Gottes Erzengel Michael bei der Hand und

trieb mich aus dem Paradiese der Heimsuchung und des Befehles Gottes. Und Michael berührte mit einer Rute in der Hand die Wasser, die

das Paradies umflossen, daß sie gefroren. 29Da ging ich hinüber und Michael mit mir, und er brachte mich wieder an den Ort, von dem er

mich entrückt hatte. Höre, mein Sohn Seth, noch andere zukünftige Geheimnisse, die mir offenbart worden, der ich, als ich vom Baume des

Wissens aß, erkannt und begriffen habe, was in diesem Zeitalter geschehen wird ...

Adams Krankheit und Erzählung vom Sündenfall. Aussendung Seths und Evas zum Paradies. Ihre Begegnung mit einem wilden Tier. Gottes

Bescheid und Rückkehr beider.

30Nachdem Adam 930 Jahre alt geworden war, sprach er, da er wußte, daß seine Tage zu Ende gingen: Alle meine Söhne sollen sich bei mir

versammeln, daß ich sie segne, bevor ich sterbe, und mit ihnen rede. Und sie versammelten sich in drei Teilen vor seinem Angesicht am

Bethaus, wo sie Gott den Herrn anzubeten pflegten. Und sie fragten ihn: Was ist dir, Vater, daß du uns versammelst? Warum liegst du in

deinem Bett? Da antwortete Adam und sprach: Meine Söhne, es ist mir übel vor Schmerzen. Und all seine Söhne sprachen zu ihm: Was ist

das, Vater, wenn es einem übel ist vor Schmerzen ? 31Darauf sagte sein Sohn Seth: Herr, vielleicht verlangst du nach der Paradiesfrucht, von

der du aßest, und liegst darum so betrübt da? Sage es mir, so will ich ganz nahe an die Pforten des Paradieses herangehen, Staub auf mein

Haupt streuen und mich vor den Toren des Paradieses zur Erde werfen, in laute Wehklage ausbrechen und den Herrn anflehen. Vielleicht

erhört er mich dann und sendet seinen Engel, daß er mir von der Frucht bringt, nach der du verlangst. Adam antwortete und sprach: Nein,

mein Sohn, ich verlange nicht danach, sondern Schwäche und großen Schmerz empfinde ich an meinem Leibe. Seth antwortete: Was ist

Schmerz, Herr Vater? ich weiß es nicht; aber verhehle es uns nicht, sondern sage es uns!

32Da antwortete Adam und sprach: Hört mich an, meine Söhne. Als Gott uns schuf, mich und eure Mutter, setzte er uns ins Paradies und gab

uns alle fruchtbringenden Bäume zu essen, aber er verbot uns: Vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen, der inmitten des Paradieses

steht, von dem dürft ihr nicht essen! Gott gab aber einen Teil des Paradieses mir und den anderen eurer Mutter: die Bäume des östlichen

Teils und >desjenigen<, der nach Norden gelegen ist, gab er mir, und eurer Mutter gab er den südlichen und den westlichen Teil. 33 Gott der

Herr gab uns zwei Engel zu unserer Bewachung. Die Stunde kam, da die Engel hinaufgingen, vor Gottes Angesicht um zu beten. Alsbald

benutzte der Widersacher, der Teufel, die Gelegenheit, da die Engel abwesend waren. Und der Teufel verführte eure Mutter, daß sie aß vom

unerlaubten Baum. Und als sie gegessen hatte, gab sie mir davon. 34Und alsbald geriet Gott in Zorn über uns und der Herr sprach zu mir:

Weil du von meinem Gebot abgewichen bist und mein Wort, das ich dir bekräftigt hatte, nicht gehalten hast, siehe, so will ich über deinen

Leib bringen 70 Plagen; mit mancherlei Schmerzen von Kopf, Augen und Ohren bis zu den Fußnägeln, an allen Gliedern sollt ihr gequält

werden. Dies hat Gott zur Geißelung bestimmt ... Dies alles aber hat Gott gesandt über mich und alle unsere Nachkommen.

35Als Adam dies allen seinen Söhnen sagte, ward er von heftigen Schmerzen ergriffen und sprach laut rufend: Was soll ich Unglücklicher

tun, von solchen Schmerzen befallen? Und als Eva ihn weinen sah, fing sie auch an zu weinen und sprach: Herr, mein Gott, auf mich

übertrage seinen Schmerz; denn ich war es, die gesündigt hat! Und zu Adam sprach Eva: Mein Herr, gib mir einen Teil deiner Schmerzen,

denn durch mich hast du dir diese Schuld zugezogen. 36Da sprach Adam zu Eva: Auf, geh mit meinem Sohne Seth in die Nähe des Paradieses;

streut Staub auf euer Haupt und werft euch zur Erde und klagt im Angesichte Gottes. Vielleicht erbarmt er sich dann und sendet seinen

Engel hinüber zum Baume seiner Barmherzigkeit, aus dem das Lebensöl fließt, und gibt euch etwas davon, daß ihr mich damit salbt, und ich

Ruhe habe vor den Schmerzen, die mich verzehren.

37 Da gingen Seth und seine Mutter zu den Toren des Paradieses. Und auf dem Wege dahin, kam plötzlich ein Tier, die Schlange, fiel Seth

an und biß ihn. Als das Eva sah, weinte sie und sprach: Wehe mir Armen! Ich bin verflucht, denn des Herrn Gebote habe ich nicht gehalten!

Und zur Schlange sprach Eva mit lauter Stimme: Verfluchtes Tier, warum fürchtest du dich nicht, dich auf Gottes Ebenbild zu werfen,

sondern wagtest es, wider dasselbe zu kämpfen? Warum erstarkten deine Zähne? 38Das Tier antwortete in Menschensprache: Eva, richtet

sich unsere Bosheit etwa nicht gegen euch? Richtet sich nicht gegen euch unsere Wut? Sage mir, Eva, warum öffnete sich dein Mund, daß du

aßest von der Frucht, die dir Gott der Herr zu essen verboten, und jetzt kannst du nicht standhalten, wenn ich anhebe, dich zu beschuldigen?

39Darauf sprach Seth zum Tiere: Gott der Herr schelte dich! Schweig, verstumme, halte deinen Mund, verfluchter Feind der Wahrheit,

verderblicher Verwirrer! Laß ab von Gottes Ebenbild bis zu dem Tage, da Gott der Herr dich zur Verantwortung ziehen lassen wird! Da

sprach das Tier zu Seth: Siehe, ich lasse ab, wie du sagtest, vom Angesichte des Ebenbildes Gottes. Alsbald ließ es von Seth, den es mit den

Zähnen verwundet hatte.

40Seth aber und seine Mutter gingen in die Gegend des Paradieses wegen des Öls der Barmherzigkeit, um den kranken Adam damit zu

salben. Als sie nun an die Tore des Paradieses gelangten, hoben sie Staub von der Erde auf und streuten ihn auf ihr Haupt, warfen sich aufs

Antlitz zur Erde und fingen laut an zu klagen und Gott den Herrn zu bitten, daß er sich Adams in seinen Schmerzen erbarme und seinen

Engel sende, ihnen Öl zu geben vom Baume seiner Barmherzigkeit. 41Als sie aber viele Stunden lang gebetet und gebeten hatten, da

erschien ihnen der Erzengel Michael und sprach: Ich bin zu euch vom Herrn gesandt; ich bin vom Herrn über den menschlichen Leib gesetzt.

Dir, Seth, Mann Gottes, sage ich: Weine nicht länger unter Beten und Bitten wegen des Öls vom Baume der Barmherzigkeit, um deinen

Vater Adam gegen die Schmerzen seines Leibes damit zu salben. 42Denn ich sage dir, du wirst keinesfalls davon erhalten, es sei denn in den

letzten Tagen, wenn 5500 Jahre um sind. Dann wird auf die Erde kommen der liebreiche König Christus, Gottes Sohn, Adams Leib und mit

ihm die Leiber der Toten aufzuerwecken. Gottes Sohn wird, wenn er kommt, selbst im Jordan getauft werden; nachdem er aus dem Jordan

gestiegen ist, dann wird er mit dem Öl seiner Barmherzigkeit alle salben, die an ihn glauben. Und das Öl der Barmherzigkeit wird von

Ewigkeit zu Ewigkeit denen zu teil werden, die aus Wasser und heiligem Geist ins ewige Leben wiedergeboren werden müssen. Dann fährt

der liebreiche Sohn Gottes, Christus, in die Erde hinab und führt deinen Vater Adam ins Paradies zum Baume der Barmherzigkeit.

43Du aber, Seth, geh zu deinem Vater Adam, denn seine Lebenszeit ist voll. Noch sechs Tage, dann wird die Seele aus seinem Leib gehen,

und wenn das geschehen, wirst du große Wunder sehen am Himmel, an der Erde und an den Himmelsleuchten. Nachdem er dies gesagt, ließ

Michael sogleich von Seth ab. Eva und Seth kehrten zurück. Und sie brachten Wohlgerüche mit: Narde, Safran, Kalmus und Zimt. 44Als nun

Seth und seine Mutter zu Adam gelangten, erzählten sie ihm, ein Tier, die Schlange, habe Seth gebissen. Da sprach Adam zu Eva: Was hast

du getan! Große Plage hast du über uns gebracht, Vergehen und Sünde über unser ganzes Geschlecht! Und das, was du getan, >berichte meinen

Söhnen< nach meinem Tode; denn, die von uns erstehen, werden von der Arbeit nicht befriedigt, sondern matt werden, uns verfluchen

11

und sagen: Alle Übel haben unsere Eltern über uns gebracht, die von Anbeginn waren! Als Eva dies hörte, hub sie an zu weinen und zu

seufzen.

Evas Erzählung vom Sündenfall.

15Da spricht Eva zu ihnen: Hört, alle meine Kinder und Kindeskinder! Ich will euch erzählen, wie uns der Feind verführt hat. Als wir das

Paradies, jedes von uns beiden den von Gott ihm zugewiesenen Teil bewohnten (ich bewachte als meinen Bezirk den Süden und Westen), da

ging der Teufel in Adams Bezirk, in dem die männlichen Tiere waren. Gott hatte nämlich die Tiere auf uns verteilt; alle männlichen hatte er

eurem Vater, mir aber die weiblichen gegeben, und jedes von uns hütete das Seine. 16Und der Teufel sprach zur Schlange: Auf, komm her

zu mir; ich will dir etwas sagen, davon du Nutzen haben wirst! Da kam die Schlange zu ihm, und der Teufel spricht zu ihr: Ich höre, du bist

klüger als alle anderen Tiere; ich kam nun, dich kennen zu lernen, da fand ich dich größer als die anderen Tiere ... Gleichwohl betest du den

weit Geringeren an! Warum ißt du vom Unkraut Adams und seines Weibes und nicht vielmehr von der Frucht des Paradieses? Auf, wohlan,

wir wollen es dahin bringen, daß er wegen seines Weibes aus dem Paradiese getrieben werde, wie auch wir seinetwegen vertrieben worden

sind. So spricht die Schlange zu ihm: Ich fürchte, der Herr wird über mich in Zorn geraten. Spricht der Teufel zu ihr: Fürchte dich nicht!

Werde nur mein Gefäß, so will ich durch deinen Mund ein Wort reden, womit es dir gelingen soll, ihn zu verführen.

17Und alsbald hing sich die Schlange an die Mauer des Paradieses. Um die Stunde, da die Engel Gottes hinaufkamen, Gott anzubeten, nahm

der Satan Engelsgestalt an und lobsang Gott wie die Engel. Und >er< bückte sich über die Mauer, daß ich ihn erblickte gleich einem Engel.

Da spricht er zu mir: Bist du Eva? Und ich sprach zu ihm: Ja, ich bins. Da spricht er zu mir: Was tust du im Paradies? Und ich sprach zu ihm:

Gott hat uns eingesetzt, es zu bewachen und von ihm zu essen. Der Teufel antwortete mir durch den Mund der Schlange: Ihr tut gut daran,

aber ihr eßt nicht von allen Bäumen! Und ich sage zu ihm: Doch, wir essen von allen Bäumen, nur einen allein ausgenommen, der inmitten

des Paradieses steht, betreffs dessen Gott uns verboten hat, von ihm zu essen, »sonst werdet ihr Todes sterben! « 18Da spricht die Schlange

zu mir: So wahr Gott lebt, ich bin euretwegen betrübt, weil ihr unvernünftig seid wie Vieh. Ich will euch nämlich nicht in Unkenntnis lassen,

sondern - auf, wohlan, höre auf mich und iß, so wirst du den Wert des Baums wahrnehmen! Ich aber sprach zu ihr: Ich fürchte, Gott wird

über mich in Zorn geraten, wie er uns gesagt hat. Und er spricht zu mir: Fürchte dich nicht; denn sobald du ißt, werden dir die Augen

aufgetan, und ihr werdet sein wie Götter in der Erkenntnis dessen, was gut und was böse ist. Gott aber, der dies weiß, daß ihr ihm gleich

werden würdet, hat nur aus Neid zu euch gesagt: Ihr dürft nicht von ihm essen! Du aber betrachte den Baum, so wirst du große Herrlichkeit

um ihn sehen. Da betrachtete ich den Baum und sah große Herrlichkeit um ihn. Ich sprach aber zu ihr: Er ist lieblich für die Augen

anzusehen! Doch fürchte ich mich, von seiner Frucht zu nehmen. Da spricht sie zu mir: Wohlan, ich will dir davon geben, folge mir! 19Ich

öffnete ihr nun, und sie trat hinein ins Paradies und ging vor mir her. Nachdem sie eine kleine Strecke Wegs gegangen war, wandte sie sich

um und sprach zu mir: Es reut mich wieder, ich will dir lieber nicht davon zu essen geben! Das sagte sie aber nur in der Absicht, mich

vollends zu berücken und ins Verderben zu stürzen. Und spricht zu mir: Schwöre mir, daß du auch deinem Manne davon geben willst! Da

sprach ich zu ihr: Ich weiß nicht, mit welchem Eid ich es dir schwören soll, doch was ich weiß, will ich dir sagen: Beim Herrscherthron, bei

den Keruben und dem Baume des Lebens: ich will auch meinem Manne davon zu essen geben! Als sie mir nun den Eid abgenommen hatte,

da kam sie und stieg auf den Baum. Sie tat aber an die Frucht, die sie mir zu essen gab, das Gift ihrer Bosheit, d. i. ihrer Begierde, denn

Begierde ist der Anfang aller Sünde. Und >sie< bog den Zweig zur Erde, da nahm ich von der Frucht und aß.

20Und zur selbigen Stunde wurden mir die Augen aufgetan, und ich erkannte, daß ich entblößt war von der Gerechtigkeit, mit der ich

bekleidet war. Da weinte ich und sprach: Warum hast du mir das angetan, daß ich entfremdet ward von meiner Herrlichkeit, mit der ich

bekleidet war? Ich weinte aber auch über den Eid. Da kam jene vom Baum herab und verschwand. Ich aber suchte in meinem Bezirke

Blätter, um meine Scham zu verhüllen - doch fand ich keine an den Bäumen des Paradieses. Denn sobald ich gegessen hatte, waren die

Blätter von allen Bäumen meines Bezirks abgefallen, den Feigenbaum ausgenommen. 21Da nahm ich Blätter von ihm und machte mir

daraus Gurte. Und gerade von >diesem Baum< hatte ich gegessen. Und ich rief mit lauter Stimme: Adam, Adam, wo bist du? Auf, komm her

zu mir, so will ich dir ein großes Geheimnis zeigen! Als nun euer Vater kam, redete ich zu ihm die gesetzwidrigen Worte, welche uns von

großer Herrlichkeit entfernt haben. Sobald er nämlich herbeigekommen war, tat ich meinen Mund auf, doch der Teufel redete aus mir; ich

hob an, ihn aufzufordern: Wohlan, Adam, mein Herr, höre auf mich und iß von der Frucht des Baums, von dem zu essen uns Gott verboten

hat, so wirst du sein wie Gott! Da antwortete euer Vater und sprach: Ich fürchte, Gott wird über mich in Zorn geraten. Ich aber sprach zu

ihm: Fürchte dich nicht,- denn sobald du davon ißt, wirst du Gut und Böse erkennen! Da hatte ich ihn nun bald überredet; er aß, und ihm

wurden die Augen aufgetan, daß auch er seine Blöße erkannte. Da spricht er zu mir: Du böses Weib, was hast du uns da angerichtet?

Entfremdet hast du mich von der Herrlichkeit Gottes!

22Und zur selbigen Stunde hörten wir den Erzengel Michael seine Trompete blasen und die Engel rufen: So spricht der Herr: Kommt mit mir

ins Paradies und hört den Spruch, mit dem ich Adam richten werde! Als wir nun den Erzengel trompeten hörten, dachten wir: Siehe, Gott

kommt ins Paradies, uns zu richten. Daher fürchteten und verbargen wir uns. Da fuhr Gott zum Paradies auf dem Kerubwagen, und die Engel

lobsangen ihm. In dem Augenblick, wo Gott ins Paradies einzog, schlugen alle Bäume sowohl in Adams Bezirk wie in meinem wieder aus,

und Gottes Thron ward beim Baume des Lebens >aufgerichtet<. 23Und Gott rief Adam: Adam, wo hältst du dich verborgen? Meinst du, ich

fände dich nicht? Kann sich denn ein Haus vor seinem Baumeister verbergen? Darauf antwortete euer Vater und sprach: Keineswegs, Herr,

verbergen wir uns in der Meinung, du könntest uns nicht finden; aber ich fürchte mich, weil ich bloß bin, und scheute deine Gewalt, du

Herrscher! Spricht Gott zu ihm: Wer hat dir gezeigt, daß du bloß bist? Du mußt von meinem Gebot abgewichen sein, das ich dir gegeben, es

zu halten! Da berief sich Adam auf das, was ich ihm gesagt hatte, als ich ihn verführen wollte: Ich will dich vor Gott sicherstellen. Und er,

Gott, wandte sich zu mir und sprach: Warum hast du das getan? Da berief ich mich wieder auf das Wort der Schlange und sprach: Die

Schlange hat mich verführt! 24Spricht Gott zu Adam: Weil du meinem Gebote nicht gehorcht, sondern auf dein Weib gehört hast, so sei die

Erde verflucht bei deiner Arbeit! Denn wenn du sie bearbeitest, soll sie dir ihre Kraft nicht geben; Dornen und Disteln soll sie dir tragen, und

im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen. In mancherlei Mühsal sollst du verfallen, sollst müde werden und doch keine Ruhe

finden; bedrückt von der Bitterkeit, sollst du doch keine Süßigkeit schmecken, bedrückt von Hitze und beengt von Kälte; sollst dich viel

plagen und doch nicht reich werden, sollst fett werden und doch zuletzt nicht mehr leben; und die T iere, deren du Herr warst, werden wider

dich aufstehen in Unbestand, weil du mein Gebot nicht gehalten hast. 25Und zu mir gewandt spricht der Herr: Weil du auf die Schlange

gehört, meinem Gebot aber nicht gehorcht hast, sollst du in ... und unerträgliche Qualen verfallen, sollst Kinder gebären unter vielen

>Schmerzen< und in einer Stunde wirst du >zum Gebären< kommen und dein Leben verlieren vor großer Not und Wehen. Da wirst du

bekennen und sagen: Herr, Herr, errette mich, so will ich mich nicht wieder der Fleischessünde zuwenden! Und darum werde ich auf dein

Wort dich richten der Feindschaft wegen, die der Feind dir eingegeben hat: denn du wirst dich doch wieder zu deinem Mann wenden, und er

soll dein Herr sein. 26Nachdem er mir dies gesagt hatte, sprach er zur Schlange in großem Zorn also: Weil du das getan hast und ein ... Gefäß

geworden bist, da du Arglose betörtest, so sei verflucht vor allem Vieh! Du sollst der Nahrung beraubt sein, die du aßest, und Staub fressen

alle Tage deines Lebens. Auf Brust und Bauch sollst du gehen und deiner Hände und Füße beraubt sein; nicht Ohr noch Flügel noch irgend

eines von deinen Gliedern soll dir bleiben, mit denen du sie in deiner Bosheit berückt und es dahin gebracht hast, daß sie aus dem Paradiese

getrieben wurden. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und zwischen seinem Samen: er wird dir nach dem Kopf und du ihm nach

der Ferse trachten bis zum Tage des Gerichts!

27Nachdem er dies gesagt, befiehlt er seinen Engeln, uns aus dem Paradiese zu treiben. Als wir nun unter Wehklagen fortgetrieben wurden,

flehte euer Vater Adam die Engel also an: Laßt mir ein wenig Zeit, daß ich Gott bitte, und er Mitleid habe und sich meiner erbarme, denn ich

allein habe gesündigt! Und da sie aufhörten, ihn fortzutreiben, schrie Adam weinend also: Verzeih mir, Herr, was ich getan! Da spricht der

Herr zu seinen Engeln: Warum hört ihr auf, Adam aus dem Paradiese fortzutreiben? Habe denn ich mich versündigt oder habe ich falsch

12

gerichtet? Da fielen die Engel zur Erde und beteten den Herrn an: Gerecht bist du, Herr, und recht sind deine Gerichte! Und zu Adam

gewandt sprach der Herr: Von jetzt an will ich dich nicht länger im Paradiese dulden! Da antwortete Adam und sprach: Herr, gib mir vom

Baume des Lebens zu essen, ehe ich hinausgetrieben werde. Darauf sprach der Herr zu Adam: Jetzt kannst du von ihm nicht mehr

bekommen; denn den Keruben und dem gewundenen Flammenschwert ist der Auftrag geworden, ihn vor dir zu hüten, damit du nicht von

ihm schmeckest und unsterblich seist in Ewigkeit, sondern den Kampf behaltest, den der Feind dir eingegeben hat. Aber wenn du, nachdem

du aus dem Paradiese herausgegangen, dich vor allem Bösen bewahrst, zu sterben bereit (?), will ich dich wieder auferwecken zur Zeit der

Auferstehung, und dann soll dir vom Baume des Lebens gegeben werden, daß du unsterblich seist in Ewigkeit!

29Nachdem der Herr dies gesagt, befahl er, uns aus dem Paradiese zu treiben. Euer Vater aber weinte vor den Engeln gegenüber dem

Paradiese. Da sagen die Engel zu ihm: Was sollen wir für dich tun, Adam? Euer Vater aber antwortete und sprach zu den Engeln: Siehe,

vertreibt mich! Ich bitte euch nur, laßt mich Wohlgerüche aus dem Paradiese mitnehmen, damit ich, nachdem ich herausgegangen, Gott

Opfer darbringen kann, daß Gott mich erhöre! Da nahten die Engel Gott und sprachen: Jael, ewiger König, befiehl, daß wir Adam

wohlriechendes Räucherwerk aus dem Paradiese geben! Und Gott befahl Adam zu kommen, damit er wohlriechendes Gewürz aus dem

Paradiese nehme >und Sämereien< zu seinem Unterhalt. Da ließen ihn die Engel sammeln beiderlei Arten: Safran, Narde, Kalmus und Zimt

und außerdem Sämereien zu seinem Unterhalt, mit diesen ging er aus dem Paradies. Und wir kamen auf die Erde. 30Nunmehr habe ich euch,

Kinder, eröffnet, in welcher Weise wir verführt wurden; ihr aber hütet euch, vom Guten abzuweichen!

Adams letzter Wille und Tod.

31Dies hatte sie inmitten ihrer Söhne gesagt, während Adam in seiner Krankheit darniederlag. Einen Tag, bevor er aus seinem Leibe gehen

sollte, spricht Eva zu ihm: Warum soll ich noch leben, während du stirbst? Wie viel Zeit habe ich nach deinem Tode noch zu verbringen?

Das sage mir! Da spricht Adam zu Eva: Sorge dich nicht darum; du wirst nicht säumen, mir nachzufolgen, sondern gleicherweise sterben wir

beide, und du wirst am selben Orte wie ich beigesetzt werden. Wenn ich aber gestorben bin, so laßt mich liegen, und niemand rühre mich an,

ehe der Engel des Herrn über mich bestimmt hat. Denn Gott wird meiner nicht vergessen, sondern nach seinem Gefäße verlangen, das er

selbst gebildet hat. Vielmehr: auf, bete zu Gott, bis ich meinen Geist zurückgegeben habe in die Hände des, der mir ihn gegeben! Wissen wir

doch nicht, wie es sein wird, wenn wir vor unserem Schöpfer erscheinen, ob er über uns in Zorn gerät oder sich uns erbarmend wieder

zuwendet. 32Da stand Eva auf und ging hinaus, fiel zur Erde und sprach: Gesündigt habe ich, Gott, gesündigt, Vater des Alls, gesündigt an

dir, gesündigt gegen deine auserwählten Engel, gesündigt gegen die Kerube >und Seraphe<, gesündigt gegen deinen unerschütterlichen

Thron, gesündigt, Herr, viel gesündigt, und alle Sünde ist durch mich in die Schöpfung gekommen. Während aber Eva noch auf den Knien

lag und betete, Siehe, da kam der Engel der Menschheit zu ihr und hieß sie aufstehen: Eva, steh auf von deiner Buße; siehe, Adam, dein

Mann, ist von Dir gegangen: sieh seinen Geist zu seinem Schöpfer auffahren, um vor ihm zu erscheinen!

Bitte der gesamten Engelwelt um Verzeihung für Adam.

33Da stand Eva auf und bedeckte mit der Hand ihr Gesicht; und der Engel spricht zu ihr: Erhebe dich vom Irdischen! Da blickte Eva zum

Himmel und sah einen Lichtwagen kommen, gezogen von vier glänzenden Adlern, deren Herrlichkeit kein von Mutterleibe Geborener

auszusprechen noch ihr Antlitz anzusehen vermochte, und Engel gingen dem Wagen voran. Als sie an den Ort kamen, wo euer Vater Adam

lag, hielt der Wagen und die Seraphe zwischen dem Vater und dem Wagen. Da sah ich goldene Räucherfässer und drei Schalen - und siehe,

alle Engel kamen mit dem Weihrauch, den Räucherfässern und den Schalen zum Opferaltar und bliesen sie an, daß der Dampf des

Räucherwerks die Vesten des Himmels verhüllte. Und die Engel fielen nieder und beteten Gott an, schrien und sprachen: Heiliger Jael,

verzeih ihm, denn er ist dein Ebenbild und deiner heiligen Hände Geschöpf! 34Und weiter sah ich, Eva, zwei große und furchtbare

Wundergestalten vor Gottes Angesichte stehen. Da weinte ich vor Furcht und rief meinem Sohn Seth zu: Steh auf, Seth, vom Leibe deines

Vaters Adam; komm her zu mir >und sieh<, was Niemandes Auge je gesehen. 36Da stand Seth auf, kam zu seiner Mutter und sprach zu ihr:

Was ist dir? Warum weinst du? Spricht sie zu ihm: Blicke hinauf mit eigenen Augen und sieh die 7 Vesten des Himmels offen und sieh mit

eigenen Augen, wie der Leib deines Vaters auf dem Antlitz liegt, und alle heiligen Engel für ihn mitbeten und sprechen: Verzeih ihm, Vater

des Alls, denn er ist dein Ebenbild! Nun denn, mein Kind Seth, was soll dies? Wann wird er übergeben werden in die Hände unseres

unsichtbaren Vaters und Gottes? Und wer mögen wohl die beiden Äthiopier sein, die deinem Vater im Gebete beistehen ? 36Da spricht Seth

zu seiner Mutter: Das sind Sonne und Mond - auch sie fallen nieder und beten für meinen Vater Adam. Eva spricht zu ihm: Wo ist denn ihr

Licht geblieben, und warum sehen sie so schwarz aus? Und Seth spricht zu ihr: >Ihr Licht haben sie nicht verloren<; aber sie können nicht

leuchten angesichts vom Lichte des Alls, >dem Vater der Lichter<; um deswillen verbarg sich das Licht von ihnen.

Gewährung der Bitte.

37Nachdem nun Seth dies zu seiner Mutter geredet hatte, >siehe, da blies einer der Engel die Trompete<, und alle Engel, die auf dem

Antlitze lagen, >standen auf< und schrieen mit furchtbarer Stimme also: Gepriesen sei die Herrlichkeit des Herrn von seinen Geschöpfen,

>denn< er hat sich erbarmt Adams, des Gebildes seiner Hände! Nachdem aber die Engel dies gerufen hatten, siehe, da kam der

sechsflügligen Seraphe einer, raffte Adam auf >und entführte ihm zum acherontischen See, >wusch ihn dreimal ab und brachte< ihn vor

Gottes Angesicht. Drei Stunden lag er da; >darnach streckte der Vater des Alls seine Hand aus<, auf seinem Throne sitzend, hob Adam auf

und übergab ihn dem Erzengel Michael mit den Worten: Erhebe ihn ins Paradies bis zum dritten Himmel und laß ihn dort bis zu jenem

großen und furchtbaren Tage >meiner Veranstaltung, die ich treffen< will mit der Welt. Da >erhob< der Erzengel Michael Adam >und ließ

ihn dort, wo< Gott es ihm geboten hatte. >Und alle Engel sangen einen Engellobgesang, sich verwundernd< über die Adam gewordene

Verzeihung.

Bitte der Engel um die Bestattung der Leiche Adams.

38 >Und nach dieser Äußerung der Freude über Adam< bat der Erzengel >Michael den Vater der Lichter< um die Beschickung der

Überreste Adams. Und Gott hieß alle Engel vor seinem Angesichte zusammenkommen, jeden nach seiner Ordnung. Da versammelten sich

alle Engel, die einen mit Räucherfässern >in den Händen<, andere mit Trompeten >und Schalen<. Und siehe, der Herr, >der Starke<, stieg

ein in den Wagen; >vier< Winde zogen ihn, die Kerube lenkten die Winde, und die Engel >vom< Himmel gingen ihm voran. Und sie kamen

>auf die Erde<, dahin, wo Adams Leib lag, und nahmen ihn mit. Als sie nun ins Paradies kamen, bewegten sich alle >Blätter< des

Paradieses, und alle >Menschen<, von Adam geboren, schlummerten vom Wohlgeruch ein, Seth >allein< ausgenommen ... 39Da spricht

Gott der Herr: Adam, warum hast du das getan? Hättest du mein Gebot gehalten, so freuten sich nicht, die dich an diesen Ort herabgebracht

haben. Aber ich sage dir: Ihre Freude will ich in Leid verkehren, dein Leid aber in Freude und >dich wieder bringen in deine Herrschaft und

setzen< auf den Thron deines Verführers; er aber soll in diesen Ort geworfen werden, >daß er dich sehe< sitzen über ihn selbst erhöht. Dann

soll er verdammt werden samt denen, die auf ihn hörten; und >er wird betrübt sein, wenn er< dich auf seinem Throne sitzen sieht.

Bestattung Adams und Abels im Paradies.

13

40Danach sprach Gott zum Erzengel Michael: >Breitet Linnen aus und bedeckt damit Adams Leichnam; bringt vom wohlriechenden Öl

herbei und gießt es auf ihn! Da bestatteten ihn die drei großen Engel. Als sie aber mit Adams Bestattung fertig waren, befahl Gott, auch

Abels Leichnam herbeizubringem<, Da brachten sie andere Linnen herbei und bestatteten auch ihn; denn er war unbestattet geblieben seit

dem Tage, da sein >böser< Bruder Kain ihn erschlagen hatte. Damals versuchte ihn Kain auf mancherlei Weise zu verbergen, vermochte es

aber nicht. Denn >sein Leichnam sprang aus der Erde wieder heraus<, und >eine Stimme drang aus der Erde<, die sprach: >In der Erde soll

kein anderes Gebilde verborgen werden, bis das erste Gebilde, das aus mir erstand, mir den Staub läßt, von der es genommen ward<. Die

Engel aber nahmen ihn damals und legten ihn >auf den Stein, bis sein Vater Adam begraben wurde<. >Und nach Adams Reinigung befahl

Gott, ihn in den Bereich des Paradieses zu tragen<, an den Ort, wo Gott den Staub gefunden hatte, >daraus er Adam bildete. Und er ließ den

Ort für zwei Leichen aufgraben< und sandte sieben Engel ins Paradies; die brachten viele Wohlgerüche herbei und legten sie in die Erde.

Dann nahmen sie beide Leichen und beerdigten sie an dem Ort, den sie aufgegraben hatten. 41Da rief Gott Adam und sprach: Adam, Adam!

Und der Leichnam antwortete aus der Erde und sprach: Hier bin ich Herr! Da spricht der Herr zu ihm: Ich sagte dir: Erde bist du und zur

Erde wirst du zurückkehren. Ich verheiße dir die Auferstehung: auferwecken will ich dich am letzten Tage bei der Auferstehung mit dem

ganzen >Menschengeschlecht<, das aus deinem Samen stammt. 42Nach diesen Worten machte Gott ein dreieckiges Siegel und versiegelte

das Grab, daß ihm niemand etwas anhabe während sechs Tagen, bis seine Seite zu ihm zurückkehren würde.

Evas Tod und Begräbnis.

Dann >gingen< der menschenfreundliche Gott und die heiligen Engel wieder an >ihren< Ort. >Und Eva entschlief gleichfalls, als die sechs

Tage voll wurden<. Sie hatte, als sie noch lebte, über >Adams Entschlafen bitterlich geweint: wußte sie doch nicht, wohin er gelegt worden

war. In dem Augenblick, da der Herr ins Paradies kam, um Adam zu beschicken, waren alle eingeschlafen, bis er befohlen, Adam zu

reinigen; daher wußte es niemand auf Erden< außer >seinem Sohne< Seth, so wie ich sagte. Als aber die Stunde ihres Endes nahte, bat Eva

darum, dort begraben zu werden, wo ihr Mann Adam sei, also sprechend: >Herr und Herrscher<, Gott aller Kräfte, entfremde mich, deine

Dienerin, nicht von Adams Leichnam, >aus dem du mich genommen hast, aus seinen Gliedern<, sondern würdige mich, die Unwürdige und

Sünderin, >zu seiner Behausung einzugehen<. Wie ich mit ihm zusammen im Paradiese war, >beide von einander ungeschieden<, wie >wir

bei der Übertretung betört wurden und dein Gebot übertraten ungeschieden<: also scheide uns, >Herr, auch jetzt< nicht! Nach diesem Gebete

blickte sie zum Himmel und >seufzte auf<, sich an die Brust schlagend und sprach: Gott des Alls, nimm meinen Geist auf! Und dann gab sie

Gott ihren Geist auf. 43>Da kam der Erzengel Michael und belehrte Seth, wie er Eva bestatten solle<. Und es kamen drei Engel, nahmen

ihren Leichnam und begruben ihn dort, wo der Leichnam >Adams und< Abels war. Danach sprach der Erzengel Michael zu Seth: Also

bestatte alle Menschen, die da sterben, bis zum Tage der Auferstehung! Nachdem er ihm dies Gesetz gegeben, sprach er zu ihm: Über sechs

Tage hinaus sollt ihr nicht trauern, sondern am siebten Tage ruhe und freue dich seiner; denn an ihm freuen sich Gott und wir Engel >mit<

der gerechten von der Erde abgeschiedenen Seele. Und nachdem er dies gesagt, kehrte der Erzengel Michael in den Himmel zurück,

lobpreisend und sprechend: Halleluja! >Sein ist die Herrlichkeit und die Kraft< in alle Ewigkeit. Amen.

Textquelle: Apokalypse des Moses Adam und Eva

1Dies ist die Geschichte und das Leben der Erstgeschaffenen, Adam und Eva. Sie ward von Gott seinem Diener Moses geoffenbart, als er die

Gesetzestafeln aus der Hand des Herrn empfing. Durch den Erzengel Michael wurde sie ihm übermittelt. Dies ist die Geschichte Adams und

Evas. Nachdem sie das Paradies verlassen, nahm Adam sein Weib Eva und zog gen Osten. Dort blieb er achtzehn Jahre und zwei Monate.

Dann empfing Eva und gebar zwei Söhne, den Diaphotos, der Kain hieß, und den Amilabes, der Abel genannt ward. -2Wie Adam und die

Eva beieinander waren und schliefen, erzählte Eva, Adam, ihrem Herrn: Mein Herr! Ich sah in dieser Nacht im Traume das Blut von meinem

Sohn Amilabes, der Abel heißt, im Munde seines Bruders Kain zusammenfließen, und dieser trank es ohne Erbarmen. Und jener bat, ein

wenig ihm davon zu lassen. Er aber hört nicht auf; er trinkt es ganz hinunter. Doch blieb es nicht in seinem Leib; aus seinem Munde floß es

wieder aus. Und Adam sprach zu Eva: Auf! Laßt uns hingehen! Wir wollen sehen, was mit ihnen geschah, daß nicht der Feind vielleicht mit

ihnen kämpft! 3So gingen beide hin und fanden Abel von seines Bruders Kain Hand erschlagen. Und Gott sprach zu dem Erzengel Michael:

Sag jetzt zu Adam: Erzähl nicht deinem Sohne Kain das Geheimnis, das du weißt! Er ist ein Sohn des Zornes. Betrüb dich nicht! Ich geb dir

einen anderen Sohn an seiner Statt. Und dieser offenbart dir alles, was du ihm tun sollst. Ihm aber sage nichts! Dies sprach der Erzengel zu

Adam. Und Adam wahrt das Wort im Herzen, mit ihm auch Eva, betrübt um Abel, ihren Sohn. 4Dann wohnte Adam seinem Weibe bei; sie

wurde schwanger und gebar den Seth. Und Adam spricht zu Eva: Wir haben einen Sohn gezeugt an Abels Statt, den Kain erschlug. Laßt uns

jetzt Lob und Opfer Gott darbringen! 5Und Adam zeugte weitere dreißig Söhne und dreißig Töchter. Und Adam lebte 930 Jahre. Da ward er

krank und rief mit lauter Stimme: Es sollen alle meine Söhne zu mir kommen, damit ich sie noch einmal sehe, bevor ich sterbe! Sie kamen

alle her; es war die Erde in drei Teilen bewohnt. Sie kamen alle zu dem Tor des Hauses, das er betrat, zu Gott zu beten. Da sprach zu ihm

sein Sohn Seth: Vater Adam! Was für eine Krankheit hast denn du? Er sprach: Ach meine Kinder! Mich quält große Pein. Sie fragten: Was

ist denn Pein und Krankheit? Dann sagte Seth zu ihm : 6Vater! Vielleicht denkst du an das, wovon du in dem Paradiese aßest, und bist

deswegen so betrübt? Ist's so, sag's mir! Ich geh und hol vom Paradiese dir die Frucht. Kot streu ich mir aufs Haupt und wein und bete, daß

mich der Herr erhört und seinen Engel sendet. Ich bringe dir die Frucht, daß dich die Pein verläßt. Darauf erwidert Adam: Nein, mein Sohn

Seth! Ich habe Pein und Krankheit. Spricht Seth zu ihm: Wie kamen diese über dich ? 7Da sagte Adam: Als Gott uns schuf, mich und die

Mutter, um deretwillen ich den Tod erleiden muß, gab er uns alle Paradiesesbäume; von einem einzigen verbot er uns, zu essen« wir würden

seinetwegen sterben. Als nun die Stunde kam, allwo die Engel, eurer Mutter Wächter, sich zu der Anbetung des Herrn hinaufbegaben, fand

sie der Feind allein und gab ihr von dem Baum zu essen; er wußte ja, daß weder ich noch heilige Engel in der Nähe waren. Sie gab auch mir

zu essen. 8Und Gott kam über uns in Zorn. Der Herrscher kommt ins Paradies, stellt seinen Thron hier auf. Dann rief er mir mit

fürchterlicher Stimme: Adam, wo bist du? Warum verbirgst du dich vor mir? Kann sich ein Haus vorm Baumeister verstecken? Er spricht zu

mir: Weil du von meinem Bunde wichest, so bring ich zweiundsiebzig Plagen über deinen Leib. Der ersten Plage Pein ist Augenleiden; der

zweiten Plage Pein ist Ohrenschmerz. So sollen alle Plagen der Reihe nach über alle deine Glieder kommen. 9Als Adam dieses seinen

Söhnen sagte, da seufzte er gar laut und sprach: Was soll ich tun? Ich bin in großer Trübsal. Da sagte Eva unter Tränen: Adam, mein Herr!

Gib von der Krankheit mir die Hälfte! Ich will sie auf mich nehmen; um meinetwillen widerfährt dir dies; in Mühen und in Peinen bist du

meinetwegen. Und Adam sprach zu Eva: Auf! Geh mit unserm Sohn Seth zum Paradies! Streut Erde euch aufs Haupt, weint, bittet Gott, er

möge meiner sich erbarmen, ins Paradies den Engel senden und mir vom Baum, woraus das Öl fließt, geben! Dann bring es mir, daß ich

damit mich salbe und Ruhe finde! Dann sag ich dir, wie wir das erste Mal in Täuschung fielen. 10Und Seth und Eva gingen in die

Paradiesesgegend. Und auf dem Weg dahin sah Eva, wie ihren Sohn ein Tier bekämpft. Und Eva rief mit Tränen aus. Weh mir! Weh mir!

Komm ich zum Auferstehungstag, dann fluchen alle Sünder mir und sagen: Eva hat Gottes Vorschrift nicht gehalten. Und Eva wandte sich

zum Tier und rief: 11Du böses Tier! Hast du denn keine Furcht, das Abbild Gottes zu bekämpfen! Warum hat sich dein Mund geöffnet?

Warum erstarkten deine Zähne? Weswegen hast du nicht bedacht, daß du dem Bilde Gottes unterworfen warst? Da rief das Tier: Eva! Nicht

uns trifft deine Anklage, dein Weinen. Nur dich allein! Ist doch der Tiere Herrschaft erst durch dich entstanden. Weswegen tat dein Mund

sich auf, vom Baum zu essen? Gott hat dir strengstens untersagt, von ihm zu essen. Auch unsere Natur hat sich dadurch verwandelt. Du

kannst dich nicht rechtfertigen, wenn ich beginn, dich anzuklagen. 12 Spricht Seth zum Tier: Halt deinen Mund und schweig! Laß ab von

Gottes Bild bis zu dem Tage des Gerichts! Da sagt das Tier zu Seth: Ich lasse ab von Gottes Ebenbild. Das Tier entfloh und ließ mit einer

Wunde ihn zurück und schlüpfte in sein Lager. 13Seth aber ging mit seiner Mutter zu dem Paradies. Dort weinten sie und baten Gott, er

möge seinen Engel senden und ihnen des Erbarmens Öl gewähren. Da sandte Gott den Erzengel Michael, und dieser sprach zu Seth: Mann

Gottes! Müh dich nicht ab mit Bitten und Beten um den Baum, woraus das Öl ausfließt, zur Salbung deines Vaters Adam! Noch wird's dir

14

nicht zuteil, erst in den letzten Zeiten. Alsdann erhebt sich alles Fleisch von Adam bis zu jenem großen Tag, sie alle, die ein heilig Volk sein

werden. Und ihnen wird die Paradieseswonne voll geschenkt, und Gott wird sein in ihrer Mitte. Sie sündigen nicht mehr vor ihm. Das böse

Herz wird ihnen fortgenommen und ihnen dann ein Herz gegeben, das auf das Gute sich versteht und darauf , Gott allein zu dienen. Geh nur

zu deinem Vater! Sein Lebensmaß wird in drei Tagen voll. Wenn seine Seele ihn verläßt, dann schaust du ihre fürchterliche Auffahrt. 14Der

Engel ging nach diesen Worten fort von ihnen. Nun kamen Seth und Eva zu der Hütte, in der Adam lag. Und Adam spricht zu Eva: Was

tatest du uns an und brachtest über uns den großen Zorn, den Tod, der unser ganz Geschlecht beherrscht? Er spricht zu ihr: Ruf alle unsere

Kinder her und Kindeskinder! Sag ihnen nur, wie wir gesündigt! 15Und Eva spricht zu ihnen: Hört, alle meine Kinder, meine Enkel: Ich will

euch jetzt erzählen, wie uns der Feind verführt. Als wir das Paradies bewachten, bewacht ein jegliches von uns den ihm von Gott bestimmten

Teil. Ich wachte über meinen Teil im Süden und im Westen. Da ging der Teufel in Adams Teil, in dem die männlichen Tiere waren. Gott

hatte die Tiere auch auf uns verteilt; die männlichen alle gab er eurem Vater und mir die weiblichen. So hütete ein jeder von uns das Seine.

16Da sprach der Teufel so zur Schlange: Auf! Komm zu mir! Ich will dir etwas sagen, davon du Nutzen haben wirst. Da kam zu ihm die

Schlange, und so spricht zu ihr der Teufel: Ich hör, du seiest klüger als die anderen Tiere; ich komm gerade, daß ich dich kennenlerne. Ich

finde dich bedeutender als alle anderen Tiere, die mit dir Umgang haben. Wie magst du doch den weit Geringeren verehren? Was issest du

vom Unkraut Adams und dem seines Weibes und nicht von jener Paradiesesfrucht? Wohlan! Wir wollen's dahin bringen, daß er des Weibes

wegen aus dem Paradies vertrieben wird, wie wir auch seinetwegen sind vertrieben worden. Die Schlange spricht zu ihm: Ich fürchte nur, der

Herr wird über mich in Zorn geraten. Da spricht zu ihr der Teufel: Hab keine Furcht! Werde mein Werkzeug jetzt! Dann rede ich durch

deinen Mund ein Wort; damit soll's dir gelingen, ihn zu verführen. 17 Die Schlange hing sich alsbald an die Paradiesesmauer. Und um die

Stunde, wo die Engel Gottes kamen, Gott anzubeten, nahm Satan die Gestalt des Engels an und lobte Gott, den Engeln gleich. Ich beug mich

über jene Mauer und seh ihn einem Engel gleich. Er fragt noch: Bist du es, Eva? Ich sagte: ja, ich bin's. Er fragt noch weiter: Was tust du in

dem Paradies? Ich sprach zu ihm: Gott setzte uns ein, es zu bewachen und auch davon zu essen. Da sprach der Teufel durch der Schlange

Mund zu mir: Gut tut ihr dran. Doch eßt ihr nicht von allen Bäumen. Ich sag zu ihm: Von allen Bäumen essen wir, nur einen ausgenommen,

und der steht in des Paradieses Mitte. Doch Gott verbot uns je davon zu essen- »Sonst müßt ihr sterben «. 18Da spricht zu mir die Schlange:

So wahr Gott lebt! Ich bin um euret willen recht betrübt; ihr seid ja unvernünftig wie das Vieh. Ich will euch nicht im Irrtum lassen. Nein!

Komm und hör auf mich und iß! Dann schätzest du den Wert des Baumes. Ich sprach zu ihr: Ich fürchte, Gott möcht auf mich zürnen, so,

wie er uns gedroht. Sie spricht zu mir: Hab keine Furcht! Sobald du davon issest, gehn dir die Augen auf. Ihr werdet sein wie Götter in der

Erkenntnis dessen, was gut und was böse ist. Gott aber weiß, daß ihr ihm gleichen würdet, und so hat er allein aus Neid zu euch gesagt: »Ihr

dürft nicht von ihm essen«. Schau nur den Baum erst an! Dann siehst du große Herrlichkeit um ihn, Ich sprach zu ihr: Es ist eine

Augenweide. Doch fürchtete ich mich, von seiner Frucht zu nehmen. Sie spricht zu mir: Wohlan, ich will dir davon geben. Folg mir! Ich

öffne ihr: sie tritt ins Paradies und geht voraus. 19Nach einer kleinen Strecke Wegs, kehrt sie sich um und spricht zu mir: Es reut mich

wieder; ich will dir lieber nichts davon zu essen geben. Das sagt sie aber nur in ihrer Absicht, mich vollends zu berücken und zu verderben.

Sie spricht zu mir: Schwör mir, du wolltest deinem Manne davon geben! Ich sprach zu ihr: Ich weiß ja nicht, mit welchem Eide ich dir's

schwören soll. Doch was ich weiß, will ich dir sagen: Beim Herrscherthrone, bei den Cherubim, beim Baum des Lebens! Ich will auch

meinem Mann zu essen geben. Als sie den Eid mir abgenommen, kam sie heran und stieg hinauf. Da tat sie an die Frucht, die sie mir zu

verspeisen gab, das Gift der Bosheit und der Gier. Begierde ist ja auch der Anfang aller Sünde. Ich bog den Zweig zur Erde, nahm von der

Frucht und aß. 20Zur selben Stunde wurden mir die Augen aufgetan, und ich erkannte: Ich bin entblößt von der Gerechtigkeit, womit ich

bekleidet war. Ich wein und sag: Warum hast du mir dieses angetan? Ich bin entfremdet meiner Herrlichkeit, womit ich bekleidet war? Und

ich beweinte auch den Eid. Sie aber stieg vom Baum und wurde unsichtbar. Ich such in meinem Teil nach Blättern, um meine Schande zu

verhüllen. Doch fand ich keine an den Paradiesesbäumen. Denn als ich aß, da ließen alle Bäume meines Teils die Blätter fallen, nur nicht der

Feigenbaum. 21Ich nahm von ihm die Blätter und macht' mir Schürzen draus. Von diesem Baume hatte ich gegessen. Ich rief mit lauter

Stimme: Adam, Adam, wo bist du? Auf! Komm zu mir! Ich zeig ein groß Geheimnis dir. Und euer Vater kam; ich sprach zu ihm die

frevelhaften Worte, die uns von großer Herrlichkeit entfernten. Als er herbeigekommen war, tat ich den Mund zwar auf, der Teufel aber

redete aus mir. Ich hob nun an, ihn aufzufordern: Wohlan, Adam, mein Herr! Hör jetzt auf mich! Iß von der Frucht des Baumes, von dem zu

essen Gott uns verboten hat! So wirst du sein wie Gott. Und euer Vater sprach: Ich fürchte, Gott zürnte über mich. Ich sprach zu ihm: Hab

keine Furcht! Sobald du davon issest, erkennst du Gut und Böse. Ich hatte ihn bald überredet - er aß. Da wurden ihm die Augen aufgetan -

auch er sah seine Blöße. Er spricht zu mir: Du böses Weib! Was hast du uns da angerichtet? Entfremdet hast du mich jetzt Gottes

Herrlichkeit. 22Zur selben Stunden hörten wir, wie der Erzengel Michael die Trompete blies und wie die Engel also riefen: So spricht der

Herr: Kommt in das Paradies mit mir und hört den Spruch, womit ich Adam richten werde! Als wir den Erzengel trompeten hörten, da

dachten wir: Gott kommt ins Paradies, um uns zu richten; deswegen fürchteten wir uns und suchten ein Versteck. Gott aber fuhr zum

Paradies auf einem Cherubwagen; die Engel aber priesen ihn. Als Gott das Paradies betrat, da schlugen alle Bäume wieder aus in dem

Bezirke Adams, wie im meinen, und Gottes Thron ward aufgestellt beim Lebensbaum. 23Und Gott rief Adam: Adam! Wo hältst du dich

verborgen? Glaubst du, ich fänd dich nicht? Kann sich ein Haus vorm Baumeister verbergen? Da sagte euer Vater: Herr! Wir verbergen uns

nicht in dem Glauben, du könntest uns nicht finden. Ich habe Angst; ich bin ja nackt und scheue mich vor deiner Macht, o Herr. So spricht

Gott zu ihm: Wer lehrte dich, du seiest nackt? Du mußt von meiner Vorschrift abgewichen sein, die ich dir zum Befolgen gab. Und da beruft

sich Adam auf die Worte, die ich zu ihm gesprochen, als ich ihn schnöd verführen wollte: »Ich will vor Gott dich sicher stellen.« Er aber

wandte sich zu mir und sprach: Warum hast du dies getan? Und ich berief mich wieder auf das Wort der Schlange und sprach: 24Verführt

hat mich die Schlange. Gott spricht zu Adam: Du hast nicht meinem Wort gehorcht; du hörtest auf dein Weib. So sei die Erde dir verflucht

bei deiner Arbeit! Bebaust du sie, versag sie dir die Ernte! Sie trage Dornen dir und Disteln! Dein Brot iß jetzt im Schweiße deines

Angesichts! Du sollst in manche Mühsal kommen, sollst müde werden und dennoch keine Ruhe finden. Bedrückt von Bitternis, sollst du

nichts Süßes kosten, bedrückt von Hitze, beengt von Kälte! Recht plagen sollst du dich und doch nicht reicher werden, und wirst du stark, So

darfst du doch nicht weiter leben! Die Tiere, deren Herr du warst, stehn gegen dich in Aufruhr auf, dieweil du mein Gebot nicht hieltest.

25Dann spricht der Herr zu mir gewandt: Du hörtest auf die Schlange und folgtest meinem Worte nicht. So sollst du nun Geburtsschmerzen

und andre fürchterliche Qualen leiden. Bring unter vielen Schmerzen deine Kinder zur Welt. In einer Stunde kommst du zum Gebären und

lässest schon vor großer Not und Pein dein Leben. Du wirst bekennend sagen: Herr, Herr! Errette mich! Ich wend mich nimmermehr der

Fleischessünde zu. Deswegen richt ich dich nach deinem Wort, der Feindschaft wegen, die der Feind dir eingegeben. Du wendest deinem

Mann dich wieder zu. Er soll ja dein Gebieter sein. 26Nachdem er mir dieses gesagt, sprach er in großem Zorn zur Schlange: Weil du dieses

tatest, als unerfreulich Werkzeug, indem du Arglose betörtest, so sei verflucht vor allem Vi eh! Der Speise, die du aßest, sei beraubt! Friß

Staub dein Leben lang! Kriech auf der Brust und auf dem Bauch, beraubt der Hände und der Füße! Nicht Ohr, noch Flügel bleibe dir, nicht

irgend eines deiner Glieder! In deiner Bosheit hast du sie damit berückt und es dahin gebracht, daß sie das Paradies verlassen müssen. Ich

setze Feindschaft zwischen dich und seinen Samen. Er trachtet dir nach deinem Kopf und du nach seiner Ferse bis zu dem Tage des Gerichts.

27Nachdem er dies gesagt, befiehlt er seinen Engeln, uns aus dem Paradies zu treiben. Wir wurden unter Weheklagen fortgetrieben. Da

flehte euer Vater Adam zu den Engeln: Laßt mir ein wenig Zeit, daß ich an Gott die Bitte richte, er möge Mitleid haben und meiner sich

erbarmen! Ich hatte ja allein gesündigt. Sie ließen ab, ihn fortzutreiben, und Adam schrie so unter Tränen: Verzeih mir, Herr, was ich getan!

Da spricht der Herr zu seinen Engeln: Warum treibt ihr Adam nicht weiter fort vom Paradies? Hab ich mich denn verfehlt, hab ich denn

falsch gerichtet? Da fallen jene Engel auf die Erde und beten so zum Herrn - Herr! Gerecht bist du und recht sind deine Gerichte . 28Da

sprach der Herr zu Adam: Ich dulde dich von dieser Stunde an nicht länger mehr im Paradies. Und Adam spricht: Herr! Gib mir von dem

Lebensbaum zu essen, bis daß ich ausgetrieben werde! Da spricht der Herr zu Adam: jetzt kannst du nichts davon bekommen. Den Cherubim

und dem gewundenen Flammenschwerte ward befohlen, vor dir ihn wohl zu hüten, daß du von ihm nicht issest und nicht unsterblich wirst in

15

Ewigkeit. Behalt den Kampf, den dir der Feind hat eingegeben! Doch gehst du aus dem Paradies und hütest dich vor allem Bösen und bist

zum Sterben du bereit, erweck ich dich zur Zeit der Auferstehung. Dann gibt man dir vom Baum des Lebens, daß du unsterblich seist in

Ewigkeit. 29Nach diesen Worten hieß der Herr uns aus dem Paradiese gehen. Und euer Vater weinte vor den Engeln, dem Paradiese

gegenüber. Die Engel fragten ihn: Was sollen wir, Adam, für dich tun? Da sagte euer Vater zu den Engeln: Seht, ihr vertreibet mich. Ich bitt

euch nur: Laßt aus dem Paradies mich Wohlgerüche mitnehmen, daß ich nach meinem Auszug Gott Opfer bringen kann, auf daß mich Gott

erhöre! Da nahten sich die Engel Gott und sprachen: Jael, ewiger König! Befiehl uns, Adam aus dem Paradies ein Räucherwerk,

wohlriechend, mitzugeben! Und Gott ließ Adam kommen; er durfte aus dem Paradies ein wohlriechend Gewürz mitnehmen und Sämereien

zu seinem Unterhalt. Da liegen ihn die Engel beide Arten sammeln: Safran, Narde, Kalmus, Zimt und Sämereien zu seinem Unterhalt. Mit

diesen ging er aus dem Paradies. Wir aber kamen auf die Erde. 30Nun, meine Kinder, hab ich euch gezeigt, wie wir verführt worden sind. Ihr

aber, hütet euch, vom Guten abzuweichen ! 31Dies sagte sie inmitten ihrer Söhne, während Adam schlief in seiner Krankheit. Und einen

Tag, bevor er sterben sollte, spricht Eva noch zu Adam: Was soll ich leben und du stirbst? Wie lang hab ich nach deinem Tode noch zu

leben? Sag mir's! Und Adam spricht zu Eva: Sorg dich nicht drum! Du säumest nicht, mir nachzufolgen. Wir sterben gleicherweise beide. Du

wirst am gleichen Orte beigesetzt, wie ich. Doch wenn ich tot bin, laßt mich liegen! Und niemand rühr mich an, bevor des Herren Engel über

mich verfügt! Gott vergißt nicht meiner. Nein! Er verlangt nach dem Gefäß, das er sich selbst gebildet. Steh auf und bete zu Gott, bis daß ich

meinen Geist zurückgegeben in seine Hände, ihm, der ihn mir geschenkt! Wir wissen nicht, wie's ist, wenn wir vor unseren Schöpfer kommen,

ob er wohl über uns in Zorn gerät oder uns sich, in Erbarmen, zuwendet. 32Eva stand auf und ging hinaus und fiel zur Erde mit den

Worten: Gesündigt hab ich, Gott, gesündigt, an dir gesündigt, Allvater, gesündigt gegen deine auserwählten Engel, gesündigt gegen

Cherubim und Seraphim, gesündigt gegen deinen unerschütterlichen Thron, gesündigt, Herr, gar viel gesündigt; durch mich kam alle Sünde

in die Schöpfung. - Und Eva lag noch auf den Knien im Gebet, da kam zu ihr der Menschheit Engel und hieß sie sich erheben: Eva! Steh auf

von deiner Buße! Adam, dein Mann, hat seinen Leib verlassen. Sieh, wie sein Geist zu seinem Schöpfer fährt und dort vor ihm erscheint ! 33

Eva erhebt sich und deckt mit ihrer Hand das Angesicht. Der Engel sprach zu ihr: Erheb dich aus dem Irdischen! Und Eva blickt zum

Himmel auf; da sieht sie einen Lichtwagen heranfahren, gezogen von vier glänzenden Adlern. Kein aus dem Mutterleib Geborener kann ihre

Herrlichkeit beschreiben, noch in ihr Antlitz schauen; voraus dem Wagen gingen Engel. Sie kamen zu dem Ort, wo Adam, euer Vater, lag.

Da hielt der Wagen und zwischen eurem Vater und dem Wagen waren Seraphim. Ich sehe goldne Räucherfässer und drei Schalen und die

Engel kommen mit dem Weihrauch, den Räucherfässern und den Schalen zum Opferaltar; sie blasen drein, so daß des Räucherwerkes Dampf

die Festen einhüllt. Die Engel fielen nieder und beteten Gott an und riefen laut: Heiliger Jael! Verzeih! Er ist dein Ebenbild und deiner

heiligen Hände Schöpfung. 34Und weiter sah ich, Eva, zwei große furchtbare Geheimnisse vor Gottes Angesicht stehen. Ich wein vor Furcht

und ruf zu meinem Sohne Seth: Steh auf vom Leichnam deines Vaters Adam, Seth! Komm her zu mir! Sieh, was noch nie ein Auge sah!

35Und Seth stand auf und kam zu seiner Mutter und sprach zur ihr: Was ist dir denn? Was weinest du? Spricht sie zu ihm: Blick mit den

eigenen Augen auf und sie die sieben Festen offen, und schau mit eignen Augen, wie deines Vater Leib auf seinem Antlitz liegt und alle

heiligen Engel für ihn mitbeten und sprechen: Verzeih ihm doch, Allvater! Er ist dein Ebenbild. Nun, Seth, mein Sohn, was soll denn dies?

Wann wird er in die Hände des unsichtbaren Vaters, des unsichtbaren Gottes, unseres Vaters, übergeben? Wer mögen wohl die beiden

Äthiopen sein, die deinem Vater im Gebete beistehen? 36 Da sagte Seth zu seiner Mutter: Das sind die Sonne und der Mond; auch diese

fallen nieder und beten hier für meinen Vater Adam. Und Eva spricht zu ihm: Wo blieb ihr Licht? Weswegen sehen sie so dunkel aus?

Spricht zu ihr Seth: Sie können vor dem Licht des Alls nicht leuchten, dort vor des Lichtes Vater. Deshalb versteckte sich das Licht an ihnen.

37Dies sagte Seth zu seiner Mutter. Da blies ein Engel die Trompete, und alle Engel, die auf ihrem Antlitz lagen, erhoben sich und schrieen

fürchterlich: Gepriesen sei die Herrlichkeit des Herrn an seinen Kreaturen! Er hat sich Adams, des Gebildes seiner Hände, jetzt erbarmt.

Nach diesem Engelsruf kam einer der sechsflügeligen Seraphim, nahm Adam auf und führte ihn zum acherontischen See. Er wusch ihn

dreimal ab und brachte ihn vor Gottes Angesicht. Drei Stunden lag er da; da streckt der Allvater die Hände aus, auf seinem Throne sitzend,

hebt Adam auf und übergibt ihn Michael, dem Erzengel, und spricht: Erheb ihn bis zum dritten Himmel in das Paradies und lag ihn dort bis

zu dem großen, fürchterlichen Tag, den ich der Welt noch geben werde! Und Michael, der Erzengel, nahm Adam und lieg ihn dort, wo Gott

es ihm geboten hatte. 38Hernach bat Michael, der Erzengel, um die Bestattung seiner Überreste. Und Gott ließ alle Engel vor sein Antlitz

kommen, nach seiner Ordnung einen jeden. Und alle Engel kamen, die einen mit den Rauchgefäßen, die andern mit Trompeten. Da stieg der

Herr der Heerscharen ein; die Winde zogen ihn, von Cheruben gelenkt; des Himmels Engel gingen ihm voran. Sie kamen zu dem Ort, wo

Adams Leichnam lag; da nahmen sie ihn mit. So kommen sie ins Paradies und alle Paradiesesbäume blühen und von dem Wohlgeruch

entschlummern die Adamskinder alle, mit Ausnahme des Seth. Es wollte ihm der Herr die Wunder zeigen, die er zu wirken im Begriffe

stand. 39Gott fragte Adam: Adam! Weswegen hast du das getan? Wärst du gehorsam meinem Wort gewesen, so freuten sich die nicht, die

dich an diesen Ort verbracht. Doch sag ich dir: Ich kehre ihre Freud in Leid, dein Leid in Freude und setz dich abermals in deine Herrschaft

ein, auf des Verführers Thron. Und jener kommt an diesen Ort, daß er dich sitzen sehe, hoch über ihm. 40Er wird verdammt samt denen, die

ihm folgten; er wird betrübt, schaut er auf seinem hehren Thron dich sitzen. Er sprach zu Michael, dem Erzengel: Geh in das Paradies im

dritten Himmel und hol für mich drei Linnen und drei Seidentücher! Dann sagte Gott zu Michael, Gabriel, Uriel und Raphael: Bedecket mit

den Tüchern Adams Leichnam! Bringt duftend Öl! Gießt's auf ihn aus! Und sie besorgten also seinen Leichnam. Dann sprach der Herr: Man

hol auch Abels Leichnam her! Und sie besorgten ihn mit andern Linnen. Er war ja nicht bestattet seit dem Tag, wo ihn sein Bruder Kain

erschlug. Es plante Kain, auf mannigfache Art ihn zu verbergen, vermochte es aber nicht. Die Erde nahm ihn nicht in ihren Schoß; sie

sprach: Ich nehme keinen andern Körper auf, bis der aus mir zuerst Gebildete zu mir zurückkehrt. So nahmen damals ihn die Engel und

legten ihn auf einen Stein , bis daß sein Vater Adam starb. So wurden beide in dem Paradies nach Gottes Anordnung begraben, an jenem Ort,

wo Gott den Staub gefunden, daraus er Adam bildete. Und sieben Engel sandte Gott ins Paradies; sie brachten viele Wohlgerüche mit und

legten diese auf den Boden. So nahmen sie die beiden Leichen und an dem Ort, den diese ausgebaut und ausgegraben, bestatteten sie sie.

41Und Gott rief: Adam! Adam! Da rief der Leichnam aus der Erde: Hier bin ich, Herr. Da spricht der Herr zu ihm: Ich sprach zu dir: »Du

bist aus Erde und zu der Erde kehrst du zurück. « Doch jetzt verheiß ich dir die Auferstehung. Ich will am letzten Tag dich auferwecken bei

jener Auferstehung mit allen Menschen, die aus dir entstammen. 42Nach diesen Worten machte Gott ein Siegel mit drei Ecken und siegelte

damit das Grab, daß niemand daran etwas mache in den sechs Tagen, bis seine Seite wieder zu ihm käme. Da ging der menschenfreundliche

Gott mit seinen heiligen Engeln wiederum an seine Stätte, und nach sechs Tagen starb auch Eva. Sie hatte noch im Leben bitterlich geweint

bei Adams Sterben, weil sie nicht wußte, wohin sein Leichnam gebracht wurde. Als man in Gegenwart des Herrn den Adam in dem Paradies

bestattete, schlief sie samt ihren Kindern ein, mit Ausnahme des Seth. Und Eva bat in ihrer letzten Stunde, man möge sie bei Adam, ihrem

Mann, begraben. Sie betete: Mein Herr und Herrscher! Gott aller Kräfte! Laß deine Sklavin nicht von Adams Leichnam ferne sein! Du

schufst mich ja aus seinen Gliedern. Halt mich für würdig, daß ich, die Unwürdige und Sünderin, mit ihm zusammen in dem Grabe ruhe! Ich

war mit ihm im Paradies und nach der Sünde ungetrennt beisammen. So scheid uns niemand! Nach dem Gebet blickt sie zum Himmel, seufzt

auf, schlägt an die Brust und spricht: Nimm meinen Geist auf, Gott des Alls! Und alsbald übergab sie Gott den Geist. 43Bei ihrem Tod war

Michael, der Erzengel, zugegen. Drei Engel kamen und nahmen ihren Leichnam. Und sie begruben ihn bei Adam und bei Abel. Dann sagte

Michael, der Erzengel, zu Seth: Bestatte alle Menschen bis zu dem Tag der Auferstehung! Nachdem er dies Gesetz gegeben, sprach er zu

ihm: Mehr als sechs Tage sollet ihr nicht trauern! Am siebten Tage feiere! Freu dich an ihm! Denn Gott freut sich an ihm, und ebenso wir

Engel, mit der gerechten, von der Welt geschiedenen Seele. So sprach der Erzengel Michael; dann ging er wieder in den Himmel mit

Lobpreis und mit Allelujasang.

Textquelle: Schatzhöhle

1. Kapitel: Erschaffung der Welt

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1Mit der Kraft unsers Herrn Jesus, des Messias, beginnen wir, die Schrift über die Ableitung der Stämme, d. h. die »Schatzhöhle«

niederzuschreiben; sie ist von dem heiligen Herrn Ephraem verfaßt. 2Herr! Unterstütze mich mit deiner Gnade! Amen. 3Am Anfang, am

ersten Tag, dem heiligen Sonntag, dem Anfang und Erstgeborenen aller Tage, schuf Gott Himmel und Erde, Wasser, Luft und Licht, d. h. die

Engel und Erzengel, die Thronen, Fürsten, Herrschaften, Machthaber, Kerube und Seraphe, alle Ordnungen und Heere der Geister, ferner die

Finsternis, das Licht, die Nacht, den Tag, die Winde und Stürme; alle diese wurden am ersten Tage erschaffen. 4An diesem Sonntag

schwebte der Heilige Geist, eine aus den Personen der Dreieinigkeit, über dem Wasser. 5Und durch sein Schweben auf des Wassers

Oberfläche wurde dieses gesegnet, So daß es schöpferisch ward. 6Die ganze Natur des Wassers wurde heiß und kochend, und damit ward der

Sauerteig der Schöpfung vereinigt. 7Wie ein Vogel seine jungen durch Ausbreiten der schützenden Flügel erwärmt, so daß sie in den Eiern

durch die Wärme des davon ausgehenden Feuers zu jungen gebildet werden, so wurde auch durch die Wirkung des Heiligen Geistes der

Sauerteig der Schöpfung an das Wasser gebunden, als er, der Paraklet, darüber schwebte. 8Am zweiten Tag schuf Gott den untern Himmel

und nannte ihn Firmament; dies zeigt, daß das Firmament nicht die Natur des oberen Himmels hat und in seinem Aussehen von dem Himmel

über ihm, d. h. vom obern, feuerigen Himmel, verschieden ist. 9Jener zweite Himmel ist aus Licht und dieser untere von fester Substanz; er

heißt Firmament, weil er eine dichte, wässerige Natur besitzt. 10Und Gott schied am zweiten Tag das Wasser von dem Wasser, d. h. das

obere von dem unteren Wasser. 11Und dieses stieg am zweiten Tag über den Himmel gleich einer dichten Nebelmasse empor; so erhob es

sich und stieg aufwärts und lagerte sich oberhalb des Firmaments in der Luft; aber nach keiner Seite hin ergießt und bewegt es sich. 12Am

dritten Tag befahl Gott dem Wasser unterhalb des Firmaments, es solle sich an einem Ort sammeln und das Trockene solle sichtbar werden.

13Als nun die Wasserdecke von der Erdoberfläche weggezogen wurde, zeigte sich, daß sie nicht festsitzend noch festgegründet war, sondern

eine feuchte, elastische Natur besaß. 14Das Wasser sammelte sich nun in die Meere, und zwar unterhalb der Erde, in und auf ihr. 14Und Gott

schuf inmitten der Erde, von unten her, Durchgänge, Adern und Kanäle für den Durchlauf des Wassers und für die Dünste, die aus der Erde

in diesen Adern und Durchgängen aufstiegen, sowie Wärme und Kälte zum Besten der Erde. 16Denn von unten ist Erde wie ein Schwamm

gemacht, weil sie auf Wasser ruht. 17Am gleichen dritten Tag befahl Gott der Erde, sie solle von unten Kraut aufkeimen lassen. 18Und so

ward sie in ihrem Innern schwanger mit Bäumen, Samen, Pflanzen und Wurzeln. 19Arn vierten Tag schuf Gott Sonne, Mond und Sterne.

20Und sobald sich die Sonnenwärme über die Erdoberfläche ausbreitete, erstarkte diese von ihrer Schlaffheit, weil des Wassers Feuchtigkeit

und Flüssigkeit von ihr genommen ward. 21Als nun der St aub der Erde erhitzt wurde, ließ sie alle Bäume, Pflanzen, Samen und Wurzeln

aufsprießen, die in ihrem Innern am dritten Tag empfangen waren. 22Am fünften Tag befahl Gott dem Wasser; da brachte es alle möglichen

Fische und Wassergewürm hervor, die Walfische, den Leviathan und andere fürchterlich aussehende Tiere, sowie die Luft- und Wasservögel.

23Am gleichen fünften Tage schuf Gott aus der Erde alles Vieh, die wilden Tiere und die Kriechtiere auf Erden, jedes einzelne nach seiner

Art. 24Am sechsten Tag, dem Freitag, formte Gott den Adam aus Staub und die Eva aus seiner Rippe. 25Am siebten Tag ruhte Gott von all

seinen Werken, und so ward derselbe Tag Sabbat genannt.

2. Kapitel: Erschaffung des Menschen

1Adams Erschaffung geschah auf folgende Weise. 2Als am sechsten Tag, dem Freitag, über allen Ordnungen der Gewalten Ruhe herrschte,

sprach Gott: 3 »Wohlan! Laßt uns den Menschen nach unserm Bild, nach unserm Gleichnis machen!« Damit meinte er die gepriesenen

Personen. 4Als die Engel dieses Wort vernahmen, waren sie in Furcht und Zittern und sprachen zueinander: 5 »Heute zeigt sich uns ein

großes Wunder, die Gestalt Gottes, unseres Schöpfers.« 6 Und sie sahen Gottes Rechte sich über die ganze Welt ausbreiten und ausstrecken,

und alle Geschöpfe versammelten sich in seiner rechten Hand. 7 Dann sahen sie, wie er aus der ganzen Erde ein Staubkörnchen nahm, von

allem Wasser ein Wassertröpfchen, von aller Luft oben ein Windlüftchen und von allem Feuer ein wenig Wärmehitze. 8Und die Engel sahen,

wie diese vier schwachen Elemente, Kälte, Wärme, Trockenheit und Feuchtigkeit, in seine hohle Handfläche gelegt wurden. 9Dann bildete

Gott den Adam. 10Zu welchem Zweck aber schuf Gott den Adam aus diesen vier Elementen, wenn nicht zu dem Zweck, daß dadurch ihm

alles in der Welt untertan sei? 11Er nahm ein Körnchen von der Erde, damit alle Naturen, die aus Staub sind, dem Adam dienten, einen

Tropfen aus dem Wasser, damit alles in den Meeren und Flüssen sein eigen sei, einen Hauch aus der Luft, damit alle Arten in der Luft ihm

anheimgegeben seien, und Hitze vom Feuer, damit alle Feuerwesen und Gewalten ihm Hilfe leisteten. 12Und Gott bildete Adam mit seinen

heiligen Händen nach seinem Bild und Gleichnis. 13Als nun die Engel sein herrliches Aussehen gewahrten, wurden sie von der Schönheit

seines Anblicks bewegt. 14 Denn sie sahen seines Angesichts Gebilde, wie es dem Sonnenballe gleich in herrlichem Glanz entflammt war,

dann seiner Augen Glanz, gleich dem der Sonne, und seines Körpers Licht, gleich dem des Kristalls. 15Und er dehnte sich und stand mitten

auf der Erde. 16 Und er setzte seine Füße auf den Platz, wo das Kreuz unsers Erlösers aufgerichtet wurde; darum ward Adam in Jerusalem

erschaffen. 18Dort zog er das Gewand des Königtums an, und dort ward ihm die Krone der Herrlichkeit aufs Haupt gesetzt. 18Dort ward er

zum König, Priester und Propheten gemacht; dort setzte ihn Gott auf den Thron seiner Glorie. 19Dort gab ihm Gott die Herrschaft über alle

Geschöpfe. 20Und da versammelten sich alle wilden Tiere, das Vieh und die Vögel und erschienen vor Adam; da gab er ihnen Namen und

sie beugten ihr Haupt vor ihm. 21Und alle ihre Naturen verehrten ihn und dienten ihm. 22Und die Engel und die Gewalten hörten die Stimme

Gottes, der zu ihm sprach: 23 »Adam! Ich mache dich jetzt zum König, Priester und Propheten sowie zum Herrn, Haupt und Führer aller

geschaffenen Wesen und Geschöpfe. 24 Dir dienen sie alle und sollen dein eigen sein; ich gab dir die Herrschaft über alles, was ich

geschaffen habe.« 25Als die Engel dies Wort hörten, beugten sie alle die Knie und verehrten ihn.

3. Kapitel: Adam und Eva im Paradies

1Als das Haupt der unteren Ordnung sah, welche Größe dem Adam gegeben worden war, beneidete es ihn vom gleichen Tage an, wollte ihn

nicht verehren und sprach zu seinen Mächten: 2 »Verehret ihn nicht und preiset ihn nicht mit den Engeln! Ihm ziemt es, mich zu verehren,

mich, der ich Feuer und Geist bin, und nicht mir, daß ich den Staub verehre, der aus einem Staubkörnchen gebildet ist.« 3 Solches brachte

der Empörer vor und ward ungehorsam; so trennte er sich nach seinem eigenen Willen und seiner Freiheit von Gott. 4 Da ward er gestürzt

und fiel, er und seine ganze Schar; am sechsten Tag in der zweiten Stunde geschah sein Fall aus dem Himmel. 5Es wurden ihnen die Kleider

ihrer Glorie genommen. Sein Name ward Satana genannt, weil er sich abgewandt hatte, und Scheda, weil er gestürzt worden war, und Daiwa,

weil er das Kleid seiner Glorie verlor. 7Von jenem Tag an bis heute sind sie, er und alle seine Heere, nackt, bloß und häßlich anzuschauen.

8Als der Satan vom Himmel gestoßen wurde, ward Adam erhöht, so daß er zum Paradies in einem feurigen Wagen hinauffuhr.

Während nun die Engel vor ihm lobsangen, die Seraphe ihn heiligten und die Kerube ihn segneten, fuhr Adam unter Jubel und Lobgesang

zum Paradies einpor. 9Als er hinaufkam, ward ihm vorgeschrieben, von welchem Baum er nicht essen dürfe. l0Zu der dritten Stunde des

Freitags erfolgte seine Auffahrt ins Paradies. 11Gott warf nun einen Schlaf über ihn und er schlief ein. 12 Da nahm Gott eine Rippe vom

Zwerchfell seiner rechten Seite und erschuf daraus die Eva. 13Als Adam beim Erwachen Eva erblickte, freute er sich recht über sie. 14Und

Adam und Eva waren drei Stunden im Paradies, mit Glorie bekleidet und in Herrlichkeit glänzend. 15Das Paradies aber war hoch oben und

überragte alle hohen Berge um drei Spannen nach dem Maß des Geistes. 16 Der Prophet Moses aber sprach: »Es pflanzte Gott das Paradies

mitten in Eden und setzte dorthin Adam, den er gebildet hatte.« 17Eden aber ist die heilige Kirche, und die Kirche ist Gottes Barmherzigkeit,

die Gott bereit hielt, um sie auf alle Menschen auszudehnen. 18Weil Gott nach seinem Vaterwissen wußte, was der Satan gegen Adam plane,

kam er ihm zuvor und nahm ihn in den Schoß seiner Barmherzigkeit auf, wie von ihm der fromme David in dem Psalm sagt: »0 Herr! Ein

Haus der Wohnung bist du uns für immer geworden«; das heißt: »Du ließest uns in deiner Barmherzigkeit wohnen. « 19Und als er Gott um

die Erlösung des Menschen anflehte, sprach er: »Sei eingedenk deiner Kirche, die du vordem gegründet hast! « 20Das heißt: deiner

Barmherzigkeit, die du bereitet hast, um sie auf unser schwaches Geschlecht auszugießen. 21Eden ist die heilige Kirche, und das Paradies ist

der Ort der Ruhe und das Erbteil des Lebens, das Gott für alle heiligen Menschen bereitet hat.

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4. Kapitel: Die Versuchung im Paradies

1Da Adam Priester, König und Prophet war, brachte ihn Gott ins Paradies hin auf, damit er in Ehren diene, wie der Priester in der heiligen

Kirche, wovon der fromme Moses Zeuge ist: »daß er es bebaue«, nämlich mit priesterlichem Dienst in Lobpreisungen, »und es bewahre«,

nämlich den ihm durch Gottes Barmherzigkeit übertragenen Befehl . 2Und Gott ließ Adam und Eva im Paradiese wohnen. 3 Wahr ist das

Wort und wahrheitskündend: Dieser Lebensbaum in der Mitte des Paradieses ist ein Vorbild des Erlösungskreuzes, des eigentlichen

Lebensbaumes, und dies ward mitten auf der Erde aufgerichtet. 4Als der Satan sah, wie Adam und Eva im Paradiese glänzten, wurde der

Empörer vor Neid verzehrt und ausgedörrt. 5Und so fuhr er in die Schlange hinein und wohnte darin; dann flog er mit ihr durch die Luft zu

des Paradieses Grenzen. 6Weshalb fuhr er in die Schlange und verbarg sich daselbst? 7Deshalb, weil er wußte, daß sein Antlitz häßlich war.

Hätte Eva seine Gestalt gesehen, dann wäre sie alsbald vor ihm geflohen. 8Wer einen Vogel die griechische Sprache lehrt, bringt einen großen

Spiegel her und stellt ihn zwischen sich und ihn; dann fängt er mit ihm zu reden an. Sobald der Vogel seine Stimme hört, dreht er sich

nach rückwärts; da sieht er seine eigene Gestalt im Spiegel und gerät alsbald in Freude darüber, daß der vermeintliche Genosse mit ihm

spricht. l0Und so neigt er in Ruhe sein Ohr 11 und hört die Worte des mit ihm Redenden an, merkt auf und lernt so griechisch sprechen.

12Ebenso fuhr der Satan in die Schlange und wohnte darin; dann gewahrte er den richtigen Zeitpunkt, als er Eva allein sah, und rief sie bei

13 ihrem Namen. Als sie sich zu ihm wandte, sah sie in ihm ihr Bild, und er redete mit ihr und täuschte sie mit seinen lügenhaften Worten;

denn die Natur des Weibes ist schwach. 14Als sie nun von ihm über den Baum gehört hatte, lief sie sogleich eilends hin und pflückte die

Frucht des Ungehorsams von dem Baum der Gebotsübertretung und aß. 15Sogleich ward ihre Schande bloß, und sie sah die Häßlichkeit ihrer

Nacktheit. 16Da lief sie nackt fort und verbarg sich unter einem anderen Baum; dann bedeckte sie ihre Nacktheit mit den Blättern dieses

Baumes. 17 Hierauf rief sie Adam, und er kam zu ihr; da reichte sie ihm die gleiche Frucht zum Essen hin, und auch er aß davon. 18Als er

gegessen hatte, ward auch seine Schande bloß. 19Da machten sie sich Schürzen aus Feigenblättern. 20Und sie waren drei Stunden mit den

Schürzen der Schmach bekleidet. 21Am Mittag empfingen sie das entscheidende Urteil. 22Und Gott machte ihnen Kleider von dem Fell, das

von den Bäumen abgezogen wurde, nämlich von den Baumrinden; denn an den Paradiesbäumen waren zarte Rinden, zarter als Linnen und

königliche Seidengewänder. 23Und er bekleidete sie mit diesem dünnen Fell, das ein Kleid um den Körper der Schmerzen bildete.

5. Kapitel: Vertreibung aus dem Paradies

1 In der dritten Stunde betraten sie das Paradies; drei Stunden erfreuten sie sich der Wohltaten: drei Stunden war ihre Schande bloß und in

der neunten Stunde erfolgte ihr Auszug aus dem Paradies. 2 Nachdem sie in Trauer hinausgegangen, redete Gott mit Adam, tröstete ihn und

sprach: 3 »Gräme dich nicht, Adam. Ich will a dein Erbteil wieder herstellen. Siehe, wie groß die Liebe zu dir ist! 4Ich verfluchte um

deinetwillen die ganze Erde; aber dich befreite ich von dem Fluch. 5 Der Schlange schloß ich die Füße in den Bauch, und gab ihr den Staub

der Erde zur Nahrung, und Eva tat ich ins Joch der Untertänigkeit. 6 Du übertratest zwar mein Gebot. So geh heraus; aber gräme dich nicht.

7Nach Erfüllung der von mir über euch verhängten Zeiten, wo ihr draußen auf der Welt des Fluches Fremdlinge sein sollet, will ich meinen

Sohn senden. 8Er kommt zu deiner Erlösung herab und wohnt in einer Jungfrau und zieht einen Leib an. 9Durch ihn wird deine Erlösung und

Rückkehr bewirkt. 10Aber befiehl deinen Kindern, sie sollen nach deinem Tod deinen Leichnam mit Myrrhen und Stakte salben und ihn in

die Höhle legen! Darin lasse ich euch wohnen von heute bis zu der Zeit, wo ihr aus der Umgebung des Paradieses auf die draußen liegende

Erde ziehen werdet. 11Und wer in jenen Tagen übrig ist, wird deinen Leichnam mit sich nehmen, ihn wegtragen und ihn in der Erdmitte, wo

ich es ihm zeigen werde, niedersetzen. 12Denn dort wird dir und allen deinen Kindern die Erlösung zuteil.«13Und Gott offenbarte Adam die

ganze Zukunft, auch, daß der Sohn an seiner Statt leiden werde. 14Nachdem Adam und Eva das Paradies verlassen hatten, wurde das

Paradiestor verschlossen und davor stand ein Kerub mit einem zweischneidigen Schwert. 15Adam und Eva stiegen nun über den

Paradiesberg herab; da fanden sie auf einem Berggipfel eine Höhle. 16Sie gingen in sie hinein und bargen sich darin; Adam und Eva waren

aber jungfräulich. 17Als Adam wünschte, Eva zu erkennen, nahm er von des Paradieses Grenzen Gold, Myrrhen und Weihrauch, setzte es in

die Höhle und segnete und weihte diese ein, daß sie sein und seiner Söhne Bethaus sei, und nannte sie »Schatzhöhle«. 18Dann stiegen Adam

und Eva von diesem heiligen Berg bis zu seinen Grenzen nach unten herab, und dort erkannte Adam sein Weib Eva. 19Sie ward schwanger

und gebar den Kain samt seiner Schwester Lebuda. 20Dann war sie abermals schwanger und gebar den Abel samt seiner Schwester Kelimat.

21Als die Kinder groß wurden, sprach Adam zu Eva: »Kain soll Kelimat, die mit Abel geboren ward, heiraten und Abel die mit Kain

geborene Lebuda!« 22 Da sprach Kain zu seiner Mutter Eva: Ich heirate meine Schwester und Abel soll die seinige nehmen; « Lebuda war

nämlich schön. 23 Als Adam diese Worte vernahm, ward er darüber sehr böse und sprach: 24 »Es ist eine Gebotsübertretung, wenn du deine

mit dir geborene Schwester heiratest . 25Nehmt euch aber von den Baumfrüchten und den jungen Schafen und besteigt den Gipfel des

heiligen Berges; dann geht in die Schatzhöhle hinein und bringt dort eure Opfer dar! 26 Betet dann vor Gott und verbindet euch hernach mit

euren Weibern!« 27Nachdem Adam, der erste Priester, mit seinen Söhnen Kain und Abel auf den Gipfel des Berges hinaufgegangen war,

fuhr der Satan in Kain, er solle seinen Bruder Abel wegen Lebuda töten, aber auch deswegen, weil sein Opfer von Gott verstoßen und nicht

angenommen ward, während Abels Opfer angenommen wurde. 28Und Kain steigerte seinen Neid gegen seinen Bruder Abel noch weiter. 29

Und als sie in die Ebene hinabstiegen, erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und tötete ihn durch einen Schlag mit einem Feldstein. 30

Sofort aber empfing er das Todesurteil. 31 Und so war er alle seine Lebenstage in Bedrängnis, und Gott vertrieb ihn ins Gefilde von Rod. 32

Da nahm er seine Schwester mit und wohnte daselbst.

6. Kapitel: Adams Tod

1 Adam und Eva betrauerten Abel hundert Jahre. 2 Dann erkannte Adam wiederum sein Weib Eva, und sie gebar den Seth, einen schönen,

riesengroßen, wie Adam vollkommenen Mann. 3 Dieser ist der Vater aller Riesen vor der Flut. 4 Dem Seth ward Enos geboren. 5 Enos

zeugte den Kenan und Kenan den Mahalaleel. Dies sind die Erzväter, die in Adams Tagen geboren wurden. 6 Adam lebte

neunhundertdreißig Jahre, bis zum einhundertfünfunddreißigsten Jahre Mahalaleels. 7 Dann nahte sich sein Sterbetag. 8 Da kam zu ihm sein

Sohn Seth mit Enos, Kenan und Mahalaleel; sie wurden von ihm gesegnet, und er betete über sie. 9Dann gebot er seinem Sohne Seth und

sprach zu ihm: »Mein Sohn Seth! Achte auf das, was ich dir heute anbefehle! "Du sollst es an deinem Sterbetag dem Enos anbefehlen und

Enos dem Kenau und Kenau dem Mahalaleel! Dieses Wort soll sich in allen Geschlechtern fortpflanzen! 11Wenn ich gestorben bin, dann

sollen sie mich mit Zimt und Stakte einbalsamieren und meinen Leichnam in die Schatzhöhle legen! 12 Wer von all euren Nachkommen

übrigbleibt, soll bei eurem Auszug aus diesem Land der Paradiesesnähe meinen Leichnam mitnehmen, ihn forttragen und in der Erde Mitte

niederlegen! 13 Denn dort wird mir die Erlösung zuteil, mir und allen meinen Nachkommen. 15 Und du, mein Sohn Seth, sei der Führer der

Söhne deines Volkes und leite sie in aller Gottesfurcht rein und heilig! Haltet aber eure Nachkommen fern von des Mörders Kain

Nachkommen! 15 Als man die Nachricht vom Sterben Adams vernahm, kamen zu ihm alle seine Nachkommen, sein Sohn Seth mit Enos,

Kenan und Mahalaleel, sie, ihre Weiber, Söhne und Töchter. 16 Da segnete er sie und betete über sie. 17 Und im Jahr neunhundertdreißig,

von der Schöpfung an gerechnet, schied Adam aus dieser Welt, am vierzehnten Nisan, in der neunten Stunde, an einem Freitag. 18 In der

gleichen Stunde, wo der Menschensohn am Kreuz seinen Geist dem Vater zurückgab, gab auch unser Vater Adam seine Seele seinem

Schöpfer zurück und schied aus dieser Welt. 19 Als Adam gestorben war, salbte ihn sein Sohn Seth mit Myrrhen, Zimt und Stakte nach

seinem Geheiß. 20 Weil er der erste Gestorbene auf Erden war, war die Trauer um ihn sehr groß . 21Sie trauerten über seinen Tod

einhundertvierzig Tage; dann brachten sie seinen Leichnam auf den Gipfel des Berges und begruben ihn in der Schatzhöhle. 22 Nachdem sie

Adam begraben hatten, trennten sich die Familien und Stämme der Kinder Seths von des Mörders Kain Kindern. Seth nahm seinen

Erstgeborenen Enos, mit Kenan und Mahalaleel und ihren Weibern und Kindern und brachte sie zu dem berühmten Berg, wo Adam

begraben war. 24 Kain aber blieb mit seinen Nachkommen unten in der Ebene, wo Kain den Abel getötet hatte.

18

7. Kapitel: Seth und sein Geschlecht

1Seth war nun der Leiter der Söhne seines Volkes, und er leitete sie in Reinheit und Heiligkeit . 2 Wegen ihrer Reinheit und Heiligkeit

empfingen sie einen Namen, der ehrenvoller als alle andern Namen für sie war; sie wurden nämlich »Kinder Gottes« genannt, sie, ihre

Weiber und Kinder. 3 So verblieben sie auf diesem Berg in aller Reinheit, Heiligkeit und Gottesfurcht. 4 An Stelle der Dämonenschar, die

vom Himmel gefallen war, stiegen sie hinauf zum Lobpreis an die Grenzen des Paradieses. 5 Sie waren dort in Ruhe und Muße und hatten

keine andere Arbeit und Beschäftigung, als Gott mit den Engelscharen zu loben und zu preisen; denn sie vernahmen fortwährend die Stimme

der Engel, die im Paradiese lobsangen . 6 Dieses war nicht viel höher als sie, nur ungefähr dreißig Spannen nach dem Maß des Geistes. 7 Sie

hatten dort keine Arbeit und Sorge und kannten weder Säen noch Ernten; vielmehr nährten sie sich von jenen lieblichen Früchten der

prächtigen Bäume aller Art und ergötzten sich am Rauche angenehm duftenden Wohlgeruches, der vom Paradies ausging. 8 Sie waren Heilige,

weil sie geheiligt waren, und ihre Weiber waren ehrbar, ihre Söhne lauter und ihre Töchter keusch und züchtig. 9 Unter ihnen gab es

weder Aufruhr, noch Neid, noch Jähzorn, noch Feindschaft, 10 unter ihren Weibern und Töchtern keine unreine Luft noch unzüchtige Rede.

11 Auch hörte man bei ihnen nie Fluchen noch Lügen; denn ihr ganzer Schwur war: »Bei Abels reinem Blut!« 12 Täglich gingen sie mit

ihren Weibern und Kindern in aller Frühe auf den Gipfel des heiligen Berges und beteten dort vor Gott an. 13 Sie wurden dann von ihres

Vaters Adam Leichnam gesegnet, erhoben ihre Augen, blickten zum Paradies hin und priesen Gott. 14 S0 taten sie alle Tage ihres Lebens. 15

Seth lebte neunhundertzwölf Jahre; da ward er sterbenskrank. 16 Da kam zu ihm sein Sohn Enos mit Kenan, Mahalaleel, Jared und Henoch

samt ihren Weibern und Kindern. 17 Da wurden sie von ihm gesegnet; er betete über sie, gab ihnen Aufträge, beschwor sie und sprach zu

ihnen: 18 »Ich beschwöre euch bei Abels reinem Blut, daß keiner von euch zu des Mörders Kain Kindern von diesem heiligen Berg

herabsteige; ihr kennt ja die Feindschaft, die wir mit ihnen haben, seit dem Tag, wo er Abel tötete. « 19 Dann segnete er seinen Sohn Enos,

gab ihm den Auftrag wegen Adams Leichnam 20 und machte ihn zum Führer der Kinder seines Volkes, indem er ihn bei Abels reinem Blut

beschwor, er solle sie in Reinheit und Heiligkeit leiten und vor Adams Leichnam geziemend dienen und sich nicht von ihm entfernen. 21

Dann starb Seth im Alter von neunhundertzwölf Jahren, am siebenundzwanzigsten des gesegneten Monats Ab, an einem Montag in der

dritten Stunde, im zwanzigsten Lebensjahre Henochs. 22 Sein erstgeborener Sohn Enos salbte seinen Leichnam ein und begrub ihn in der

Schatzhöhle bei seinem Vater Adam. 23 Sie betrauerten ihn vierzig Tage.

8. Kapitel: Kains Tod

1 Enos trat nun den Dienst vor Gott in der Sc hatzhöhle an, er war der Führer der Kinder seines Volkes und hielt alle ihm von seinem Vater

Seth gegebenen Gebote; so leitete er die Kinder seines Volkes in aller Reinheit und Heiligkeit, indem er sie zur Beharrlichkeit im Gebet

ermahnte. 2 In des Enos T agen, in seinem achthundertzwanzigsten Jahr, tötete Lamech, der Blinde, den Mörder Kain im Gefilde von Rod. 3

Also war sein Tod: Lamech stützte sich auf seinen Sohn, einen kleinen Knaben, und dieser Knabe lenkte ihm seinen Arm auf das Wild, so oft

er solches sah. 4 Nun hörte er die Stimme Kains, der im Wald umherstreifte, weil er nirgends Ruhe fand. 5 Lamech, der Blinde, aber hielt ihn

für ein Tier, das im Wald umherjagt . 6 So hob er seinen Arm, hielt seinen Bogen bereit, spannte ihn und schoß ihn gegen jenen Platz ab. 7

Da traf er den Kain zwischen die Augen, daß er hinfiel und starb. Lamech aber glaubte, ein Wild getroffen zu haben und sprach zu dem

Knaben: »Geh hin, daß wir das Wild sehen, das wir trafen!« 9 Als sie hinkamen und nachsahen, sprach zu ihm der Knabe, auf den er sich

stützte: »Wehe, mein Herr! Du hast Kain getötet. « 10 Da winkte er und schlug die Hände zusammen, dabei traf er den Knaben und tötete

ihn. 11 Enos lebte neunhundertfünf Jahre; da ward er sterbenskrank. 12 Da kamen alle Erzväter zu ihm, sein erstgeborener Sohn Kenan mit

Mahalaleel, Jared, Henoch und Metusala samt ihren Weibern und Kindern. 13 Da wurden sie von ihm gesegnet, und er betete über sie,

beschwor sie und sprach zu ihnen: »Ich beschwöre euch bei Abels reinem Blut, daß keiner von euch nach der Ebene ins Lager der Kinder des

Mörders Kain von diesem heiligen Berg hinabsteige, und daß ihr euch nicht mit ihnen vermischt. 14Hütet euch davor! Ihr kennt die

Feindschaft, die wir mit ihnen haben vom Tag an, wo er Abel tötete. « 15 Dann segnete er seinen Sohn Kenan, gab ihm Aufträge wegen

Adams Leichnam, er solle vor ihm alle seine Lebenstage dienen und die Kinder seines Volkes in Reinheit und Heiligkeit leiten. 16 Enos

starb im Alter von neunhundertfünf Jahren, am dritten Tag des ersten Tischri, an einem Samstag, im dreiundfünfzigsten Lebensjahr des

Metusala. 17 Dann salbte ihn sein Erstgeborener, Kenan, und begrub ihn in der Schatzhöhle bei Adam und seinem Vater Seth. 18 Und sie

betrauerten ihn vierzig Tage.

9. Kapitel: Kenan und Mahalaleel

1 Kenan trat nun den Dienst vor Gott in der Schatzhöhle an. 2 Es war ein ehrbarer und züchtiger Mann, leitete die Kinder seines Volkes in

aller Gottesfurcht und vollzog alle Aufträge seines Vaters Enos. 3 Kenan lebte neunhundertzwanzig Jahre; da ward er sterbenskrank. 4 Da

kamen zu ihm alle Erzväter, sein Sohn Mahalaleel mit Jared, Henoch, Metusala und Lamech samt ihren Weibern und Kindern. 5 Da wurden

sie von ihm gesegnet und er betete über sie; dann gab er ihnen Aufträge und sprach zu ihnen: »Ich beschwöre euch bei Abels reinem Blut,

daß keiner von euch ins Lager der Kinder des Mörders Kain hinabsteige. 6 Ihr alle kennt die Feindschaft, die wir mit ihnen haben, seit dem

Tag, wo er Abel tötete. «7 Dann segnete er seinen Sohn Mahalaleel, gab ihm Aufträge wegen Adams Leichnam und sprach zu ihm: 8 » Siehe

zu, mein Sohn Mahalaleel! Diene in Lauterkeit und Heiligkeit vor Gott in der Schatzhöhle und entfern dich nicht dein ganzes Leben von

Adams Leichnam! Sei du der Führer der Kinder deines Volkes und leite sie lauter und heilig! « 9 Kenan starb im Alter von

neunhundertzwanzig Jahren am dreizehnten Tag des Monats Heziran, an einem Mittwochmittag, im fünfundsechzigsten Lebensjahr

Lamechs, des Vaters von Noe. 10 Da salbte ihn sein Sohn Mahalaleel ein und begrub ihn in der Schatzhöhle. 11 Und sie betrauerten ihn

vierzig Tage.

10. Kapitel: Der Fall der Sethiden

1 Mahalaleel trat nun den Dienst vor Gott an Stelle seines Vaters Kenan an. Er verharrte im Gebet Tag und Nacht, und mahnte seines Volkes

Kinder eindringlich, die Heiligkeit und Lauterkeit zu bewahren und im Gebet auszuharren. 3 Mahalaleel lebte achthundertfünfundneunzig

Jahre; da kam sein Sterbetag heran, und er ward todkrank. 4 Da kamen zu ihm alle Erzväter, sein Erstgeborener Jared mit Henoch, Metusala,

Lamech und Noe samt ihren Weibern und Kindern. 5 Da wurden sie von ihm gesegnet und er betete über sie; dann beschwor er sie und

sprach zu ihnen: 6 » Ich beschwöre euch bei Abels reinem Blut, daß keiner von euch von diesem heiligen Berg herabsteige, und daß ihr

keinen eurer Nachkommen in die Ebene zu des Mörder Kains Kindern hinabsteigen lasset. 7 Ihr alle kennt ja die Feindschaft, die wir mit

ihnen haben, seit dem Tag, wo er Abel tötete. « 8 Dann segnete er seinen Erstgeborenen Jared, gab ihm Aufträge wegen Adams Leichnam

und offenbarte ihm, wohin zu gehen er sich anschicke, und gebot ihm, sich nie im Leben von Adams Leichnam zu entfernen; er solle vielmehr

der Führer der Söhne seines Volkes sein und sie in Ehrbarkeit und Lauterkeit leiten. 9 Mahalaleel starb im Alter von

achthundertfünfundneunzig Jahren, am zweiten Nisan, an einem Sonntag, um die dritte Stunde, im vierunddreißigsten Lebensjahr Noes. l0

Sein Erstgeborener Jared salbte ihn ein und begrub ihn in der Schatzhöhle. 11 Und sie betrauerten ihn vierzig Tage. 12 Dann trat Jared den

Dienst vor Gott an; er war ein vollendeter Mann und in allen Tugenden vollkommen und im Gebete bei Tag und Nacht überaus beharrlich.

13 Wegen seiner trefflichen Führerschaft ließ Gott sein Leben länger dauern als das all seiner Vorgänger. 14 In Jareds fünfhundertstem Jahr

übertraten Seths Kinder die Eidschwüre, womit ihre Väter sie beschworen hatten, und begannen vom heiligen Berg in der Schlechtigkeit

Lager in das der Kinder des Mörders Kain hinabzusteigen. 15 So vollzog sich der Fall der Kinder Seths. 16 Im vierzigsten Jahre Jareds war

das Ende des ersten Jahrtausends, das von Adam bis Jared reichte.

11. Kapitel: Verschlechterung der Menschheit

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1 In diesen Jahren erschienen Handlanger der Sünde und Schüler Satans; denn dieser war ihr Lehrer. 2 Er fuhr in sie, wohnte in ihnen und

goß in sie die Wirkung des Irrtums, wodurch der Fall der Kinder Seths bewirkt wurde. 3 Jubal. und Tubalkain, zwei Brüder und Söhne

Lamechs, des Blinden, der den Kain getötet hatte, machten alle Arten von Musik. 4 Jubal machte Flöten, Zithern und Pfeif en. 5 Da fuhren

die Dämonen in diese und wohnten darin. 6 Blies man hinein, dann sangen die Dämonen aus den Flöten heraus und spielte man auf den Zithern,

dann sangen die Dämonen daraus hervor. 7 Und Tubalkain macht Zymbeln, Klappern und Trommeln. 8 So vermehrte sich der

Kainskinder Lasterhaftigkeit und Unkeuschheit, und sie hatten keine andere Beschäftigung als allein die Unzucht. 9 Sie unterzogen sich auch

nicht mehr den Abgaben und hatten kein Haupt und keinen Führer. 10 Vielmehr herrschte nur Fressen, Saufen, Völlerei, Trunkenheit,

Tanzen, Singen, teuflisches Lachen und das Gelächter, das den Teufeln Ruhe bringt, sowie das wahnsinnige Geschrei der Männer, die hinter

Weibern her wieherten. 11 Und der Satan freute sich sehr darüber, daß er zu dieser Einwirkung des Irrtums Anlaß gefunden hatte; denn

dadurch brachte er die Kinder Seths vom heiligen Berg herab. 12 Dort hatten sie, statt jener abgefallenen Horde, gedient und waren von Gott

geliebt, bei den Engeln geehrt und Kinder Gottes genannt worden, wie der fromme David von ihnen in den Psalmen spricht: »Ich habe

gesagt, daß ihr Götter seid und allzumal Kinder des Höchsten. «

12. Kapitel: Lasterhafte Kainiten und Sethiten

1 Und es herrschte Unzucht unter den Töchtern Kains, und ohne Scheu liefen die Weiber den Männern nach. 2 Und sie vermischten sich

miteinander wie eine Herde in Wildheit; sie trieben voreinander Unzucht, offen, ohne Scham. 3 Zwei und drei Männer fielen über ein Weib

her; ebenso liefen die Weiber hinter den Männern her, weil dort in jenem Lager alle Teufel versammelt waren . 4 Die unreinen Geister waren

ja in die Weiber gefahren, und die alten von ihnen waren noch wütender als die jungen. 5 Die Väter und Söhne besudelten ihre Mütter und

Schwestern; die Söhne kannten ihre Väter nicht und die Väter unterschieden nicht ihre Söhne. 6 Der Satan war der Leiter dieses Lagers

geworden. 7 Sie bliesen unter Gejohl die Flöten, spielten die Zithern unter Einwirkung von Dämonen und schlugen die Trommeln und

Klappern unter Mitwirkung der bösen Geister. 8 Und der Lärm des Gelächters ward oben in der Luft vernommen und stieg über den heiligen

Berg empor. 9Als die Kinder Seths das mächtige Geschrei vernahmen und das Gelächter in dem Lager der Kinder Kains, da versammelten

sich von ihnen hundert starke, kräftige Männer und faßten den Beschluß, ins Lager der Kinder Kains hinabzusteigen. 10 Als Jared diesen

Beschluß vernahm, geriet er in große Aufregung, beschwor sie und sprach zu ihnen: 11 Ich beschwöre euch bei Abels reinem Blut, daß

keiner von euch von diesem heiligen Berg hinabsteige. 12 Denket an die Eidschwüre, womit uns unsere Väter beschworen: Seth, Enos,

Kenan und Mahalaleel!« 13 Dann redete Henoch zu ihnen: »Höret, ihr Kinder Seths! Jeder, der Jareds Gebot und die Eidschwüre unserer

Väter übertritt und von diesem Berg herabsteigt, soll niemals wieder hinaufsteigen können! « 14 Sie aber wollten weder auf Jareds Gebot,

noch auf Henochs Worte hören, sondern erdreisteten sich, das Gebot zu übertreten. 15 So stiegen hundert Männer, Recken an Kraft, hinab.

16 Da sahen sie Kains Töchter, die schön von Ansehen waren und ohne Scham ihre Schande entblößten. 17 Da stürzten sich Seths Söhne

durch die Unzucht mit Kains Töchtern ins Verderben. 18 Dann wollten sie wieder auf den heiligen Berg steigen, nachdem sie herabgestiegen

und gefallen waren. 19 Da waren aber in ihren Augen die Felsen des heiligen Berges wie Feuer. 20 Und Gott ließ sie nicht mehr nach dem

heiligen Ort hinaufsteigen, nachdem sie sich mit der Unzucht Schmutz verunreinigt hatten. 21 Und abermals erdreisteten sich viele andere

nach ihnen und stiegen herab; auch sie fielen.

13. Kapitel: Jared und Henoch

1 Jared lebte neunhundertsechzig Jahre; da nahte sich der Tag seines Hinscheidens. 2 Da kamen zu ihm alle Erzväter, sein Erstgeborener

Henoch, Metusala, Lamech und Noe mit ihren Weibern und Kindern. 3 Sie wurden von ihm gesegnet und er betete über sie und sprach zu

ihnen: »Ich beschwöre euch bei Abels reinem Blut, daß ihr nicht von diesem heiligen Berg nach unten steiget. Denn ich weiß, daß euch Gott

nicht länger mehr an diesem heiligen Ort wohnen läßt. 5 Ihr werdet ja das Gebot eurer Väter übertreten und so auf die draußen liegende Erde

verstoßen werden und nicht mehr an des Paradieses Grenzen wohnen dürfen. 6 Aber sorget, daß von euch der, der diesen heiligen Ort

verläßt, den Leichnam unseres Vaters Adam mit sich nehme, samt jenen Opferdingen, die in der Schatzhöhle sind, und ihn dahin bringe,

wohin es von Gott befohlen ist, und ihn dort niedersetze ! 7 Du, mein Sohn Henoch, entferne dich nicht von Adams Leichnam, sondern diene

vor Gott in reiner und heiliger Weise alle Tage deines Lebens! « 8 Jared starb im Alter von neunhundertsechzig Jahren, am dreizehnten ljjar,

an einem Freitag gegen Abend, im dreihundertsechsundsechzigsten Lebensjahr Noes. 9 Da salbte ihn sein Sohn Henoch ein und begrub ihn

in der Schatzhöhle. 10 Und sie betrauerten ihn vierzig Tage. 11 Da trat Henoch den Dienst vor Gott in der Schatzhöhle an. 12 Die Kinder

Seths aber irrten vom rechten Weg ab und wollten hinabsteigen. 13 Da trauerten um sie Henoch, Metusala, Lamech und Noe. 14 Und

Henoch hatte vor Gott fünfzig Jahre gedient, im dreihundertfünften Jahre Noes. 15 Als Henoch merkte, daß Gott ihn abrufen wollte, rief er

Metusala, Lamech und Noe zu sich und sprach zu ihnen: »Ich weiß, daß Gott diesem Geschlechte zürnt, und ein Gericht ohne Erbarmen wird

über sie ergehen. 16 Ihr seid die Häupter und zugleich der Überrest dieses Geschlechtes; 17 denn es wird auf diesem Berg kein anderer

Mensch mehr geboren werden, der das Haupt der Kinder seines Volkes wäre. 18 Aber sehet zu, daß ihr vor Gott in Reinheit und Heiligkeit

dient! « 19 Nachdem Henoch diese Worte gesprochen, versetzte ihn Gott in das Land des Lebens, in die lieblichen Wohnungen, die um das

Paradies liegen, in das Land, das über den Tod erhaben ist.

14. Kapitel: Noe

1Von allen Kindern Seths blieben nur diese drei Erzväter auf dem Berg der Triumphe übrig, Metusala, Lamech und Noe; der Rest war in das

Lager der Kinder Kains hinabgezogen. 2 Als Noe sah, daß die Sünde in seinem Geschlecht groß sei, bewahrte er in Jungfräulichkeit seine

Seele fünfhundert Jahre lang. 3Dann redete Gott mit ihm und sprach zu ihm: »Heirate die Haikal, die Tochter der Namos und Enkelin des

Henoch, des Bruders von Metusala! 4 Und Gott gab ihm eine Offenbarung über die Sintflut, die er herbeizuführen vorhatte. 5 Und Gott

redete mit ihm und sprach zu ihm: »Nach einhundertdreißig Jahren werde ich eine Sintflut veranlassen. 6 Baue dir einen Kasten zur

Errettung der Kinder deines Hauses! 7 Baue ihn aber unten im Lager der Kainskinder! Das Holz soll vom heiligen Berg geschlagen werden!

8 Er soll so beschaffen sein: Seine Länge sei dreihundert Ellen nach deiner Elle, seine Breite fünfzig Ellen und seine Höhe dreißig Ellen!

Oben sollst du bis zu einer Elle abnehmen! Mache darin drei Gelasse, das unterste für das Wild und das Vieh, das mittlere für die Vögel, und

im obersten sollst du mit deines Hauses Kindern sein! l0 Baue darin auch einen Raum für die Geräte und eine Kammer für die Speisen! 11

Mache dir auch eine Glocke von Ebenholz, das nicht wurmstichig ist! Ihre Länge sei drei und ihre Breite anderthalb Ellen! Von ihr soll ein

Hammer ausgehen! 12 Du sollst damit dreimal des Tages läuten, einmal morgens, daß sich die Werkleute zum Bau der Arche versammeln,

einmal des Mittags, damit sie essen, und einmal des Abends, daß sie sich zur Ruhe begeben! 13 Vernehmen sie dann den Schall der Glocke,

sobald du geläutet hast, und fragen sie dich: Was hast du da gemacht? so antworte ihnen: Gott wird eine Wasserflut herbeiführen. 14 Und

Noe tat, wie ihm der Herr gebot. 15 Es wurden ihm nun im Zeitraum von hundert Jahren drei Söhne geboren, Sein, Cham und Japhet, und er

nahm für sie Weiber von des Metusala Töchtern. 16 Larnech lebte siebenhundertsiebzig Jahre und starb bei Lebzeiten seines Vaters

Metusala, vierzig Jahre vor der Sintflut, am einundzwanzigsten Elul, an einem Donnerstag im achtundsechzigsten Lebensjahre Sems, des

Erstgeborenen Noes. 17 Da salbte ihn sein Erstgeborener Noe ein und sein Vater Metusala bettete ihn, und sie begruben ihn in der

Schatzhöhle und betrauerten ihn vierzig Tage.

15. Kapitel: Die Riesen

1 Nun blieben Metusala und Noe allein auf dem Berg, weil alle andern Kinder Seths von des Paradieses Grenzen nach der Ebene zu den

Kindern Kains hinabstiegen. 2 Da vermischten sich Seths Kinder, die Männer, mit den Töchtern Kains. 3 Da wurden diese schwanger und

gebaren ihnen riesenhafte Männer, ein Geschlecht von Riesen, Türmen gleich. 4 Deshalb begingen frühere Schriftsteller einen Irrtum, als sie

20

schrieben, die Engel seien vom Himmel gestiegen und hätten sich mit den Menschen begattet, und von ihnen seien jene Riesen erzeugt

worden. 5 Dies ist nicht wahr; denn sie sprachen so ohne Einsicht. 6 Sehet zu, meine Brüder, die ihr dies leset, und wisset, daß derlei nicht in

der Natur der Geisterwesen liegt! 7 Auch die unreinen Teufel, die Übeltaten vollbringen und den Ehebruch lieben, haben dies nicht in ihrer

Natur; denn es gibt unter ihnen keine männlichen und weiblichen Geschlechter; sie wurden ja seit ihrem Abfall auch nicht um einen

vermehrt. 8 Könnten sich die Dämonen mit den Weibern begatten, dann hätten sie keine einzige Jungfrau im ganzen Menschengeschlecht

unverderbt gelassen.

16. Kapitel: Noes Auftrag

1 Metusala lebte neunhundertneunundsechzig Jahre; da kam der Tag seines Hinscheidens. 2 Da kamen zu ihm Noe, Sem, Cham und Japhet

mit ihren Weibern. 3 Denn von Seths sämtlichen Nachkommen, die nicht hinabgezogen waren, waren nur noch diese acht Leute übrig, denn

vor der Sintflut wurden ihnen keine Kinder mehr geschenkt. 4 Diese versammelten sich bei Metusala und wurden von ihm gesegnet; er

umarmte sie und küßte sie voll Trauer, indem er über den Fall der Kinder Seths weinte. 5 Dann betete er über sie und sprach zu ihnen: Von

allen Familien und Geschlechtern unserer Väter ist nur dieser Rest von acht Menschen übriggeblieben. Der Herr, unserer Väter Gott, segne

euch ! 6 Der Gott, der unsern Vater Adam und Eva allein geschaffen hat - und sie waren fruchtbar und mehrten sich und so ward von ihnen

das ganze gesegnete Land der Paradiesesumgebung erfüllt - er mache euch fruchtbar und zahlreich, und die ganze Erde werde von euch

erfüllt, und ihr möget erlöst werden von dem gewaltigen Zorngericht, das über dieses herausfordernde Geschlecht verhängt wird ! 7 Er sei

mit euch und bewahre euch! Die Gabe, die Gott unserm Vater Adam verlieh, gehe mit euch von diesem heiligen Orte fort! 8 Und die drei Segensmaße,

die Gott eurem Vater Adam schenkte, sollen der Sauerteig sein, und er soll in euren und eurer Kinder Stamm geknetet werden,

nämlich das Königtum, das Priestertum und das Prophetentum. 9 Höre, Noe, du Gesegneter des Herrn! Ich scheide jetzt aus dieser Welt, wie

alle meine Väter. 10 Nur ihr allein sollt gerettet werden, du, deine Söhne, dein Weib und ihre Weiber. 11 Tue alles, was ich dir heute gebiete!

- Gott wird eine Sintflut kommen lassen. – 12 Aber, wenn ich gestorben bin, dann salbe meinen Leichnam und begrabe mich in der

Schatzhöhle bei meinen Vätern! 13 Nimm dein Weib, deine Söhne und deiner Söhne Weiber und steig von diesem heiligen Berg herab! 14

Nimm mit dir den Leichnam unseres Vaters Adam und diese drei Opfersachen, Gold, Myrrhen und Weihrauch, und lege Adams Leichnam

mitten in die Arche und oben darauf die Opfer! 15 Du sollst mit deinen Söhnen im östlichen Teil der Arche sein, dein Weib mit deiner Söhne

Weibern im westlichen! 16 Eure Weiber sollen nicht zu euch herübergehen, noch ihr zu ihnen! 17 Ihr sollt nicht mit ihnen essen und trinken

und euch nicht mit ihnen begatten, bis ihr die Arche verlassen werdet! 18 Denn dieses Geschlecht hat Gott zum Zorn gereizt, und sie sind

nicht würdig, Nachbarn des Paradieses zu sein und mit den Engeln zu lobsingen. 19 Verläuft sich aber das Wasser der Sintflut, verlasset ihr

die Arche und wohnt in jenem Land, dann sollst du, Noe, Gesegneter des Herrn, dich nicht von der Arche, von unseres Vaters Adam

Leichnam entfernen ! 20 Diene vielmehr Gott in der Arche in reiner und heiliger Weise alle Tage deines Lebens ! 21 Jene Opfer sollen im

Osten niedergelegt werden! 22 Befiehl deinem Erstgeborenen Sem, er solle nach deinem Tod den Leichnam unseres Vaters Adam mit sich

nehmen und ihn auf die Mitte der Erde verbringen ! 23 Dort lasse er einen Mann von seinen Nachkommen wohnen, daß er dort diene! 24

Dieser soll alle seine Lebenstage enthaltsam bleiben, kein Weib dort nehmen noch Blut vergießen; auch soll dort kein Wohnhaus sein! 25Er

soll dort keine Opfer von wilden Tieren oder Vögeln darbringen, sondern Brot und Wein Gott opfern! 26 Denn dort wird Adams und all

seiner Kinder Erlösung vollbracht. 27 Der Engel des Herrn wird vor ihm hergehen und ihm den Ort, der den Mittelpunkt der Erde bildet,

zeigen. 28 Und wer den Dienst vor Adams Leichnam antritt, soll als Kleid das Fell der Tiere tragen; er soll weder sein Haupthaar schneiden

noch seine Nägel abschneiden; er soll auch einsam bleiben, weil er ein Diener des höchsten Gottes ist.«

17. Kapitel: Noes Abschied

1 Als Metusala all dies dem Noe aufgetragen hatte, starb er mit Tränen in den Augen und Trauer im Herzen. 2 Er war im Alter von

neunhundertneunundsechzig Jahren, als er starb, am vierzehnten Adar, an einem Sonntag, im neunundsiebzigsten Lebensjahre Sems, des

Noesohnes. 3 Da salbte sein Enkel Noe den Leichnam Metusalas mit Myrrhen, Zimt und Stakte ein; dann begruben ihn Noe und seine Söhne

in der Schatzhöhle. 4 Und sie betrauerten ihn vierzig Tage. 5 Als die Tage der Trauer um ihn verflossen waren, ging Noe in die Schatzhöhle

hinein und umarmte unter Küssen die heiligen Leichname des Seth, Enos, Kenan, Mahalaleel, Jared und seines Vaters Lamech, indem seine

Augen in großem Leide weinten. 6 Dann nahm Noe den Leichnam unseres Vaters Adam und den der Eva; sein Erstgeborener Sem trug das

Gold, Cham die Myrrhen, und Japhet den Weihrauch; so verließen sie die Schatzhöhle. 7 Als sie vom heiligen Berg herabstiegen, brachen sie

in schluchzendes Weinen darüber aus, daß sie des heiligen Ortes und der Wohnung ihrer Väter beraubt wurden. 8 Sie erhoben ihre Augen

zum Paradies, weinten in Leid, wehklagten in Trauer und sprachen: »Ruhe im Frieden, du heiliges Paradies, du Wohnstätte unseres Vaters

Adam, der dich verließ, als er der Glorie beraubt ward und sich versündigt hatte! 9Siehe, auch in seinem Tod wird er aus deiner Umgebung

vertrieben und samt seinen Kindern in die Fremde verstoßen, ins Land der Laster, damit dort seine Kinder in Schmerzen, Krankheiten,

Arbeit, Mühsal und Ungemach umhergetrieben würden. Ruhe im Frieden, o Schatzhöhle! 10 Ruhe im Frieden, du Wohnstätte und Erbteil

unserer Väter! 11Ruhet im Frieden, ihr, unsere Väter und Erzväter! Betet über uns, die wir im Staube liegen, ihr Freunde und Lieblinge des

lebendigen Gottes! 12 Betet über den Rest, der übriggelassen ist von all euren Nachkommen! Bittet für uns in eurem Gebet, ihr Versöhner

Gottes! 13 Ruhe im Frieden, Seth, du Haupt der Väter! Ruhe im Frieden, Enos, du Lenker der Gerechtigkeit! 14 Ruhet im Frieden, Kenan,

Mahalaleel, Jared, Metusala, Lamech und Henoch, ihr Diener Gottes! Schreit in Leid um uns auf! 15 Ruhe im Frieden, du heiliger Berg!

Ruhe im Frieden, du Hafen und Hort der Engel! 16 O Väter, bittet für uns im Leid, darum, daß ihr des Verkehres mit uns beraubt werdet! 17

Wir aber wollen in Leid aufschreien, weil wir in unfruchtbares Land verstoßen werden, wo wir zusammen mit den wilden Tieren wohnen

müssen. « 18 Beim Herabsteigen vom heiligen Berg küßten sie seine Felsen und umarmten seine lieblichen Bäume. 19 So stiegen sie

hernieder, indem sie in großem Leid bittere Tränen vergossen. 20 Leidtragend stiegen sie in die Ebene hinab. 21 Dann ging Noe in die Arche

und setzte Adams Leichnam mitten darin nieder und die Opfer oben darauf. 22 In diesem Jahr, wo Noe die Arche betrat, war das Ende des

zweiten Jahrtausends; dieses reichte von Adams Nachkommenschaft bis zur Sintflut, wie uns jene siebzig weisen Schriftsteller überlieferten.

18. Kapitel: Die Sintflut

1An einem Freitag, am siebzehnten Tag des gesegneten Monats Ijjar betrat Noe die Arche. 2 Am Freitagmorgen gingen die wilden Tiere und

das Vieh in die untere Abteilung, am Mittag die Vögel und alles Gewürm in die mittlere, und am Abend ging Noe mit seinen Söhnen in den

östlichen Teil der Arche und sein 3 Weib mit den Weibern seiner Söhne in den westlichen Teil. Adams Leichnam ward in die Mitte gesetzt,

weil sie alle darin die Geheimnisse der Kirche darstellten. 4 Denn die Weiber sind in der Kirche westlich und die Männer östlich, damit die

Männer nicht das Gesicht der Weiber und die Weiber nicht das Gesicht der Männer sehen. 5 So waren auch in der Arche die Weiber auf der

Westseite und die Männer auf der Ostseite. 6Und wie die Kanzel in der Mitte ist, so war auch Adams Leichnam in der Mitte aufgestellt. 7

Und wie in der Kirche unter Männern und Weibern Ruhe herrscht, so herrschte auch in der Arche unter den wilden Tieren, den Vögeln und

dem Gewürm Ruhe. 8 Und wie dort Könige, Priester und Arme, Bettler in Gleichheit beisammen sind, nämlich in Eintracht des Friedens, so

waren auch in der Arche Löwen, Panther und andere reißende Tiere in völliger Ruhe mit dem Vieh zusammen, die Starken mit den

Niedrigen und Schwachen, der Löwe mit dem Stier, der Bär mit dem Lamm, des Löwen Junge mit dem Kalb, die Schlange mit der Taube,

der Habicht mit dem Sperling. 9 Als Noe mit seinen Söhnen, seinem Weib und den Weibern seiner Söhne in die Arche hineingegangen war,

am siebzehnten ljjar, am Abend, da ward die Türe der Arche verschlossen, und Noe befand sich mit seinen Söhnen in einem traurigen

Gefängnis. 10 Als nun die Türe der Arche verschlossen war, öffneten sich die Schleusen des Himmels, die Abgründe klafften und die

Massen des Okeanos, des großen Wassers, das die Erde umgibt. 11 Als sich die Schleusen des Himmels geöffnet und sich die Abgründe der

Erde aufgetan hatten, wurden die Winde losgelassen, die Stürme brachen los, und der Okeanos brauste und flog über. 12 Da liefen Seths

21

Kinder, mit dem Schmutz der Unzucht besudelt, zur Arche und flehten Noe an, ihnen die Türe der Arche zu öffnen. 13 Und als sie die Wassermassen

sahen, die sie umgaben und von allen Seiten umströmten, waren sie in großer Not und versuchten, auf die Berge des Paradieses

hinaufzusteigen,aber sie vermochten es nicht. 14Die Arche selbst war verschlossen und versiegelt und oben auf dem Dach stand der Engel

des Herrn als Steuermann. 15Als nun die Wasserflut gegen sie heranbrauste und sie in der aufgewühlten, fürchterlichen Masse zu ersticken

begannen, erfüllte sich an ihnen Davids Wort: »Ich habe gesagt: Ihr seid Götter und Kinder des Höchsten allzumal; da ihr aber dies tatet und

die Buhlerei mit Kains Töchtern liebtet, so werdet ihr, wie diese, zugrunde gehen und nach ihrer Weise sterben.«

19. Kapitel: Ende der Sintflut

1Die Arche ward durch die große Gewalt des Wassers von der Erde aufgehoben; da ertranken alle Menschen, ebenso die wilden Tiere, und

Vögel, das Vieh und Gewürm, überhaupt alles, was auf der Erde war. 2 Und das Wasser der Sintflut stieg über alle Gipfel der hohen Berge

fünfundzwanzig Ellen nach dem Maß des Geistes. 3Die Flut brauste heran und das Wasser hob die Arche empor, bis sie an die Grenzen des

Paradieses kam. 4 Als die Flut vom Paradies gesegnet und gereinigt worden war, drehte sie sich um, küßte des Paradieses Felsen und wandte

sich zur Verwüstung der ganzen Erde. 5 Und die Arche flog mit des Windes Flügeln über die Flut hin, von Ost nach West und von Nord

nach Süd und beschrieb so ein Kreuz auf dem Wasser. 6 Einhundertfünfzig Tage flog die Arche auf dem Wasser hin und kam an einen

Ruheort im siebten Monat, d. i. am siebzehnten Tischri, auf dem Berge Kardo. 7 Da hieß Gott das Wasser sich teilen, und die obern

Gewässer gingen an ihren Ort oben im Himmel, woher sie gekommen waren; die Gewässer, die von unten aus der Erde aufgestiegen waren,

wandten sich nach dem unteren Abgrund zurück, und die des Okeanos gingen wieder in ihn hinein. 8Auf der Erde blieben nur die Gewässer,

die ihr von Anfang an durch göttlichen Wink zu ihrem Bedürfnis gegeben waren; sie nahmen allmählich bis zum zehnten Monat, dem

Schebat, ab. 9 Am ersten Schebat kamen die Gipfel der hohen Berge zum Vorschein, und nach vierzig Tagen, am zehnten Adar, öffnete Noe

das östliche Fenster der Arche und schickte einen Raben hinaus, daß er ihm Botschaft brächte. 10 Er flog aus und kehrte nicht wieder. 11Als

das Wasser wieder etwas weniger auf Erden geworden war, sandte er eine Taube aus; aber sie fand für sich keinen Ruheort und kehrte zu

Noe in die Arche zurück. 12Nach sieben Tage schickte er wieder die Taube aus; sie kehrte zu ihm zurück, in ihrem Schnabel einen

Ölbaumzweig. 13 Diese Taube stellt uns die beiden Testamente vor; in dem ersten nämlich konnte der Geist, der in den Propheten redete, in

jenem Volk, das Gott zum Zorn reizte, keine Ruhe finden; im zweiten aber ließ er sich ruhig über den Völkern durch das Wasser der Taufe

nieder.

20. Kapitel: Der Bund mit Noe

1Im sechshundertsten Lebenjahr des Noe, am ersten Nisan, vertrocknete das Wasser auf der Oberfläche der ganzen Erde. 2 Im zweiten

Monat, d. i. im ljjar, im gleichen Monat, wo Noe in die Arche gegangen war, am siebzehnten ljjar, an einem heiligen Sonntag, fand ihr

Auszug aus der Arche statt. 3 Da gingen er, sein Weib, seine Söhne und ihre Weiber mit ihnen heraus. 4 Als sie die Arche betraten, gingen

sie getrennt hinein, Noe mit seinen Söhnen, seinem Weib und den Weibern seiner Söhne. 5 Und die Männer erkannten die Weiber nicht, bis

sie die Arche verließen. 6An diesem Tag gingen aus der Arche alle wilden Tiere, das Vieh, alle Vögel und alles Gewürm. 7 Nachdem sie die

Arche verlassen hatten, begann Noe mit der Urbarmachung des Landes. 8Sie bauten auch eine Stadt und hießen sie Temanon wegen der acht

Menschen, die aus der Arche gegangen waren. 9Dann baute Noe einen Altar und opferte darauf dem Herrn ein Opfer von reinen Tieren und

Vögeln, und Gott ward durch das Noe-Opfer beruhigt. 10 So machte er mit ihm einen Bund auf ewige Zeiten und schwor: »Ich will keine

Sintflut mehr kommen lassen. « 11Also war der Bund, den er mit ihm schloß; er entfernte das Geschoß des Zorns von dem Bogen in den

Wolken, löste von ihm die Sehne des Grimmes und spannte ihn in den Wolken auf; da war kein Geschoß und keine Sehne mehr an ihm. 12

Denn als er früher am Firmament gegen das Geschlecht der Kinder des Mörders Kain ausgespannt war, erblickten sie das Zornesgeschoß,

das auf die Sehne des Grimmes aufgelegt war.

21. Kapitel: Chams Verfluchung

1Nach der Sintflut und nach dem Verlassen der Arche säten sie Samen aus, pflanzten einen Weinberg und preßten den neuen Wein aus. 2 Da

kam Noe herbei und trank davon; sobald er aber davon getrunken hatte, ward er trunken. 3Als er schlief, ward seine Scham entblößt; da sah

sein Sohn Cham die Blöße seines Vaters, bedeckte sie aber nicht, sondern lachte und spottete darüber.4Er lief fort und rief seine Brüder

herbei, daß auch sie über ihren Vater spotten sollten. 5Als aber Sem und Japhet davon hörten, wurden sie sehr bestürzt, holten einen Mantel

und gingen rücklings hinein, indem sie ihr Antlitz abwandten, um ihres Vaters Blöße nicht zu sehen; dann warfen sie den Mantel über ihn

und deckten ihn zu. 6Als Noe vom Schlaf des Weines erwachte, erzählte ihm sein Weib alles, was sich ereignet hatte; auch er wußte von

selbst alles, was ihm begegnet war. 7Da ward er auf seinen Sohn Cham sehr zornig und sprach: »Verflucht sei Kanaan! Er sei der Knecht der

Knechte seiner Brüder! « 8Warum ward denn wegen Chams Schuld gerade Kanaan verflucht? 9Als er ein großer Jüngling war und zur

Vernunft gelangte, fuhr der Satan in ihn und ward sein Lehrmeister in der Sünde. 10 Er erneuerte das Werk des Kainshauses und verfertigte

Flöten und Zithern. 11 Da fuhren die Dämonen und Teufel hinein und wohnten darin; sobald der Wind darin sang, sangen die Dämonen

heraus und gaben eine gewaltige Stimme von sich. 12 Und wenn man auf den Zithern spielte, so wirkten die Dämonen von innen. 13 Als

Noe hörte, daß Kanaan dies getan habe, betrübte er sich sehr darüber, daß des Irrtums Wirkung, wodurch der Fall der Sethkinder bewirkt

worden, dadurch erneuert wurde. 14 Denn durch das Singen, Spielen und Rasen der Kainskinder hatte der Satan die »Kinder Gottes« zu Fall

gebracht. 15 Und durch das Flöten und Zitherspiel war in dem frühern Geschlecht die Sünde groß geworden, bis Gott ergrimmte und die

Sintflut schickte. 16 Weil sich nun Kanaan erdreistete und solches tat, ward er verflucht, und seine Nachkommenschaft ward der Knecht der

Knechte; das sind die Ägypter, Äthiopier und Mysier. 17 Und weil sich Cham erdreistete und seinen Vater verspottete, wurde er »der

Unzüchtige« bis zum heutigen Tage genannt. 18 Noe aber deutet durch seinen Schlaf im Rausch das Kreuz des Messias an, wie von ihm der

fromme David in den Psalmen sprach: »Der Herr wie ein Schläfer wachte auf und wie ein Mann, der seinen Wein erbrochen hat.« 19 Es

rasen die Häretiker, die sagen: »Gott ist gekreuzigt worden; « er nennt ihn hier »Herr«, wie der Apostel Petrus sagt: »Gott hat ihn zum Herrn

und Messias gemacht,« nämlich diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. 20 Er sagt nicht »Gott«, sondern »Herr«, indem er die Einheit der zwei

Hypostasen meint, die zu einer Sohnschaft vereint sind. 21 Als aber Noe von seinem Schlaf erwachte, verfluchte er den Kanaan und

erniedrigte seine Nachkommen zur Knechtschaft; dann zerstreute er seine Nachkommen unter die Völker. 22 Und als unser Herr von der

Behausung der Toten auferstand, verfluchte er die Juden und zerstreute ihre Nachkommen unter die Völker. 23Die Nachkommen Kanaans

aber waren, wie gesagt, die Ägypter; sie wurden auf der ganzen Erde zerstreut und dienten als Knechte der Knechte. 24 Und was war die

Knechtschaft der Knechtschaft ? 25 Diese Ägypter werden im ganzen Land umhergetrieben und tragen auf ihrem Nacken Lasten. 26 Die

andern, die ins Joch der Untertänigkeit gebracht wurden, gehen nicht zu Fuß, wenn sie von ihren Herren auf Reisen geschickt werden, und

tragen keine Lasten, sondern reiten auf Pferden in Ehrenhaftigkeit gleich ihren Herren. 27 Chams Nachkommen aber sind die Ägypter, die

Lasten tragen und zu Fuß auf Reisen gehen, wobei ihr Nacken von der Last niedergebeugt wird. So werden sie an den Türen der Kinder ihrer

Brüder umhergetrieben. 28 Diese Strafe ward über Chams Nachkommen wegen der Torheit Kanaans verhängt, so daß sie sogar der Knechte

Knechte wurden.

22. Kapitel: Noes Testament

1Noe lebte nach dem Auszug aus der Arche noch dreihundertfünfzig Jahre; da wurde er sterbenskrank. 2 Und es versammelten sich bei ihm

Sem, Cham, Japhet, Arpaksad und Sale. 3 Da rief Noe seinen Erstgeborenen Sem herbei und sprach heimlich zu ihm: » Beachte, mein Sohn,

was ich dir heute sage! Wenn ich gestorben bin, dann gehe in die Arche, worin ihr errettet wurdet, und hole den Leichnam unseres Vaters

Adam heraus! Aber kein Mensch darf dich bemerken. 4Dann nimm von hier Brot und Wein als Reisezehrung mit! Sodann nimm mit dir den

22

Melchisedech, des Malach Sohn! 5 Denn ihn erwählte Gott aus all deinen Nachkommen, daß er über dem Leichnam unseres Vaters Adam

vor ihm diene! 6 Danach zieh hinauf und setze ihn am Mittelpunkt der Erde nieder, und laß Melchisedech dort wohnen! 7 Der Engel des

Herrn geht dann vor euch her und zeigt euch den Weg, den ihr gehen sollt, ebenso den Ort, wo Adams Leichnam niedergesetzt werden soll,

nämlich den Mittelpunkt der Erde. 8 Dort hängen vier Enden miteinander zusammen; denn, als Gott die Erde schuf, lief vor ihm seine Kraft

her, und die Erde lief ihr von vier Seiten aus, gleich Winden und Säuseln, nach; dort aber blieb seine Kraft stehen und kam zur Ruhe. 9Dort

wird die Erlösung Adams und all seiner Kinder vollbracht werden. 10 Von Adam aber bis auf uns war in allen Geschlechtern diese

Geschichte überliefert: 11Adam gab dem Seth Aufträge, Seth dem Enos, dieser dem Kenan, dieser dem Mahalaleel, dieser dem Jared, dieser

dem Henoch, dieser dem Mutusala, dieser dem Lamech und Lamech mir, und so gebe ich dir heute diese Aufträge. 12 Diese Geschichte wird

zwar unter all euren Nachkommen nicht mehr erzählt werden. Du aber zieh hinauf und leg ihn heimlich da nieder, wo es Gott dir zeigt, bis

zum Tag der Erlösung! « 13 Nachdem Noe all dies seinem Sohne Sem aufgetragen hatte, starb er im Alter von neunhundertfünfzig Jahren,

am 2. ljjar, an einem Sonntag.

23. Kapitel: Adams Bestattung durch Sem auf Golgatha

1Nach Noes Tod tat Sem, wie ihm sein Vater geboten hatte. 2Er ging bei Nacht in die Arche, holte Adams Leichnam und versiegelte jene mit

seines Vaters Siegel, ohne daß es jemand bemerkte. 3Dann rief er Cham und Japhet und sprach zu ihnen: »Brüder! Mein Vater hieß mich

fortgehen und im Land bis zum Meer weiter wandern, damit ich sehe, wie das Land und die Flüsse beschaffen sind, und dann zu euch

zurückkehren. 4 Mein Weib und meines Hauses Kinder bleiben bei euch. Mögt ihr auf sie acht geben! 5 Da antworteten ihm seine Brüder:

»Nimm dir eine Anzahl aus der Schar der Männer mit! Denn die Gegend ist unfruchtbar und unbewohnt; auch sind wilde Tiere darin. « 6 Da

sprach Sem zu ihnen: »Der Engel Gottes geht mit mir und bewahrt mich vor allem Übel. « 7 Da sprachen seine Brüder zu ihm: »Zieh hin im

Frieden! Der Herr, unserer Väter Gott, sei mit dir! « 8Dann sprach Sem zu Malach, dem Sohn des Arpaksad und Vater des Melchisedech,

und zu seiner Mutter Jozadak: 9 »Gebt mir den Melchisedech, daß er mit mir ziehe und mir Unterhaltung auf der Reise biete! « l0 Da

sprachen sein Vater Malach und seine Mutter Jozadak zu ihm: »Nimm ihn und zieh im Frieden fort! « 11Dann gebot Sem seinen Brüdern

und sprach zu ihnen: »Brüder! Als mein Vater starb, beschwor er mich, daß weder ich noch sonst jemand von euren Nachkommen die Arche

betrete, und er verschloß sie mit einem Siegel. « 12 Dann sagte er zu ihnen: » Kein Mensch darf sich ihr nähern. « 13 Hierauf nahm Sem den

Leichnam Adams samt Melchisedech und verließ bei Nacht sein Volk. 14 Da erschien ihnen der Engel des Herrn und ging vor ihnen her, ihr

Weg war sehr leicht, weil sie der Engel des Herrn stärkte, bis sie an jenen Ort kamen. 15Als sie nun nach Golgatha, dem Mittelpunkt der

Erde kamen, zeigte der Engel diesen Ort dem Sem. 16Als Sein den Leichnam unseres Vaters Adam oberhalb dieses Ortes niedergesetzt hatte,

gingen vier Teile auseinander, und die Erde öffnete sich in Gestalt eines Kreuzes; da legten Sem und Melchisedech den Leichnam Adams

hinein. 17 Sobald sie ihn hineingelegt hatten, bewegten sich die vier Seiten und umschlossen den Leichnam unseres Vaters Adam; dann

schloß sich die Türe der äußeren Erde. 18 Und dieser Ort ward »Schädelstätte« genannt, weil dort das Haupt aller Menschen hingelegt

wurde, »Golgatha«, weil er rund war, »Hochpflaster«, weil darauf der Kopf der bösen Schlange, der Satan, zertreten ward und »Gabbatha«,

weil darin alle Völker versammelt wurden. 19 Da sprach Sem zu Melchisedech: »Du bist der Diener des allerhöchsten Gottes: denn dich

allein erwählte Gott, daß du vor ihm an diesem Orte dienest. 20 Bleibe für immer hier und entferne dich nie in deinem Leben von diesem Ort

! 21 Nimm auch kein Weib! Schneide deine Haare nicht! Vergieße kein Blut an diesem Ort! Opfere weder wilde Tiere, noch Vögel, vielmehr

stets Brot und Wein! 22 Errichte auch kein Gebäude an dieser Stelle! 23 Der Engel des Herrn wird stets zu dir herabsteigen und für dich

sorgen.« 24Dann umarmte Sem den Melchisedech unter Küssen und segnete ihn; hierauf kehrte er zu seinen Brüdern zurück. "Da fragten

Melchisedechs Vater Malach und seine Mutter Jozadak: »Wo ist der Knabe? « Er antwortete ihnen: » Er starb auf der Reise und ich begrub

ihn.« Da trauerten sie recht um ihn.

24. Kapitel: Sems Geschlecht

Sem lebte sechshundert Jahre; dann starb er. Sein Sohn Arpaksad, Sale und Eber begruben ihn. 2Arpaksad zeugte nämlich im Alter von

fünfunddreißig Jahren den Sale; sein Gesamtleben betrug vierhundertunddreigig Jahre. 3Er starb; da begruben ihn sein Sohn Sale, Eber und

Peleg in der Stadt Arpaksad, die er unter seinem Namen gebaut hatte. 4Sale zeugte im Alter von dreißig Jahren den Eber; sein ganzes Leben

betrug vierhundertunddreißig Jahre. 5Er starb; da begruben ihn sein Sohn Eber, Peleg und Regu in der Stadt Selichon, die er unter seinem

Namen gebaut hatte. 6Eber zeugte im Alter von vierunddreißig Jahren den Peleg; sein ganzes Leben betrug vierhundertvierundsechzig Jahre.

7 Er starb; da begruben ihn sein Sohn Peleg, Regu und Serug in der Stadt Eberin, die er unter seinem Namen gebaut hatte. 8Peleg zeugte im

Alter von dreißig Jahren den Regu, sein ganzes Leben betrug zweihundertneununddreißig Jahre, und er starb. 9 In Pelegs Tagen zogen alle

Stämme und Nachkommen der Kinder Noes von Osten herauf und fanden eine Ebene im Lande Sinear; sie wohnten dort und hatten einerlei

Sprache und Rede. 10Von Adam bis dahin redeten sie alle in dieser Sprache, nämlich in der syrischen Sprache, die die aramäische ist; denn

diese Sprache ist die Königin aller Sprachen.

11Die früheren Schriftsteller irren, wenn sie sagen, das Hebräische sei die erste Sprache gewesen, und hierbei mischten sie den Irrtum der

Unwissenheit in ihre Schriften. 10 Denn alle Sprachen der Welt gingen vom Syrischen aus, und alle Reden in den Büchern sind mit ihr

untermischt. 11 In der Schrift der Syrer dehnt die linke Seite die rechte aus, und der Rechten Gottes nähern sich alle Kinder der Linken. Die

Griechen, die Römer und die Hebräer; die rechte dehnt hier die linke aus. 12 In des Peleg Tagen wurde der Turm zu Babel gebaut; dort

wurden ihre Sprachen verwirrt, und von dort wurden sie über die ganze Welt zerstreut. 13 Dieser Ort hieß Babel, weil dort die Sprachen

verwirrt wurden. 14 Nach der Sprachentrennung starb Peleg in großer Trauer, mit Tränen in den Augen und Traurigkeit im Herzen, weil in

seinen Tagen die Erde verteilt worden war. 15Es begruben ihn sein Sohn Regu, Serug und Nachor in der Stadt Pelegin, die er unter seinem

Namen erbaut hatte. 16 Auf Erden gab es dann zweiundsiebzig Sprachen und zweiundsiebzig Stammhäupter, und jeder Sprachstamm machte

sich ein Haupt zum König. 17 Japhets Stamm umfaßte siebenunddreißig Völker und Reiche; Gomer, Javan, Madai, Tubal, Mesech und Tiras,

sowie alle Reiche der Alauäer; dies alles sind Kinder Japhets. 18Chams Kinder sind Kusch, Misraim, Put und Kanaan samt all ihren Kindern.

19Sems Kinder sind Elam, Assur, Arpaksad, Lud und Aram samt all ihren Kindern. 20 Die Kinder Japhets nehmen die Enden des Ostens

vom Berg Nod an den Ostgrenzen bis zum Tigris ein, und an den Grenzen des Nordens von Baktrien bis Gadir. 21 Die Söhne Sems wohnen

von Pars im Osten bis zum Meer im Westen; ihnen gehört der Mittelpunkt der Erde; sie besitzen das Reich und die Herrschaft. 22 Die Kinder

Chams nehmen den ganzen südlichen Teil und noch einen kleinen Teil im Westen ein. 23Regu lebte zweiunddreißig Jahre und erzeugte den

Serug. 24 In des Serug Tagen, in seinem einhundertdreißigsten Jahr, herrschte der erste König auf Erden, Nimrod, der Riese, der

neunundsechzig Jahre regierte; die Hauptstadt seines Reiches war Babel . 25Dieser erblickte etwas gleich einer Krone am Himmel; da berief

er den Weber Sisan und dieser flocht ihm eine ähnliche und setzte sie ihm aufs Haupt . 2'Deshalb sagt man, es sei die Krone vom Himmel zu

ihm herabgestiegen. 27 In des Regu Tagen ging das dritte Jahrtausend zu Ende.

25. Kapitel: Anfang des Götzendienstes

1In seinen Tagen machten sich die Mesräer, d. i. die Ägypter, den ersten König, namens Puntos; er herrschte achtundsechzig Jahre über sie. 2

In des Regu Tagen herrschte auch ein König in Saba, Ophir und Chavila.3In Saba regierten sechzig der Töchter Sabas und viele Jahre lang

regierten Weiber in Saba bis zum Königtum des Davidsohnes Salomo. 4Über die Kinder Ophirs herrschte der König Lephoron, der Ophir

aus goldenen Steinen baute; denn alle Steine in Ophir sind von Gold. 5Über Chavilas Kinder herrschte Chavil, der Chavila erbaute. 6Regu

starb im Alter von zweihundertneununddreißig Jahren, ihn begruben sein Sohn Serug, Nachor und Thare in der Stadt Orgin, die er unter

seinem Namen gebaut hatte. 7Serug lebte dreißig Jahre; da zeugte er den Nachor; sein ganzes Leben betrug zweihundertdreißig Jahre. 8 In

des Serugs Tagen kam die Furcht vor den Götzen in die Welt; in seinen Tagen nämlich begannen die Menschen, ihnen Bilder zu machen.

23

9Der Eintritt der Götzen in die Welt kam aber daher, daß die Menschen auf der ganzen Welt zerstreut waren und weder Lehrer, noch

Gesetzgeber besaßen, noch irgend jemand, der ihnen den Weg der Wahrheit zeigte, worauf sie wandeln sollten. 10 Deshalb verfielen sie in

dreisten Irrtum. 11 Einige von ihnen beteten in ihrem Irrtum die Sonne an, einige den Mond und die Sterne, einige die Erde und die wilden

Tiere, die Vögel, das Gewürm, die Bäume, Felsen, Meertiere, das Wasser und die Winde. 12 So blendete der Satan ihre Augen, daß sie in der

Finsternis des Irrtums wandelten, weil sie keine Hoffnung auf die Auferstehung hatten. 13 Starb einer von ihnen, so machten sie von ihm ein

Bild, das ihm ähnlich war, und setzten es auf sein Grab, damit sie die Erinnerung an ihn nicht aus den Augen verlören. 14Als der Irrtum auf

der ganzen Erde ausgesät war, wurde sie voll von Götzen aller Art, männlichen und weiblichen. 15Serug starb im Alter von

zweihundertdreißig Jahren, und ihn begruben sein Vater Nachor, Thare und Abraham in der Stadt Saregin, die er unter seinem Namen gebaut

hatte. 16Nachor erzeugte im Alter von neunundzwanzig Jahren den Thare. 17 In Nachors Tagen, in seinem siebzigsten Jahr, als Gott sah, daß

die Menschen die Götzen anbeteten, erfolgte ein großes Erdbeben; da taumelten sie alle, fielen hin und verloren die Besinnung; aber sie

mehrten nur abermals ihre Schlechtigkeit. 18 Nachor starb einhundertsiebenundvierzig Jahre alt; ihn begruben sein Sohn Thare und

Abraham. 19Thare erzeugte im Alter von fünfundsiebzig Jahren den Abraham.

26. Kapitel: Entstehung der Götzenbilder

1 In Thares Tagen, in seinem neunzigsten Jahr, erschien die Giftmischerei auf Erden in der Stadt Ur, die Horon, Ebers Sohn, gebaut hatte.

Darin lebte ein sehr reicher Mann; dieser starb in jener Zeit. 3 Da machte sein Sohn von ihm ein Bild aus Gold, setzte es auf sein Grab und

ließ hier einen Knaben wohnen, daß er es bewache. 4Da fuhr der Satan in das Bild und wohnte darin. 5Und der Satan redete mit dem

Jüngling durch seines Vaters Bild. 6Da kamen Diebe und trugen alles, was der Jüngling hatte, fort; nun ging er zu seines Vaters Grab und

weinte. 7Da redete der Satan mit ihm und sprach zu ihm: »Weine nicht vor mir, sondern geh hin, bring dein en kleinen Sohn und schlachte

ihn mir als Opfer! Dann wird dir alles, was du verloren hast, zurückerstattet. « 8Er tat sogleich, wie ihm der Satan gesagt hatte; er schlachtete

seinen Sohn und wusch sich in seinem Blut. 9 Da fuhr der Satan alsbald aus jenem Bild und in den Jüngling hinein und lehrte ihn

Giftmischerei, Zauberei, Wahrsagerei, die Chaldäerkunst, Schicksale, Zufälle und das Losen. 10 Damals begannen die Menschen, ihre

Kinder den Teufeln zu schlachten und die Götzen anzubeten, weil die Dämone in alle Bilder fuhren und darin wohnten. 11 In Nachors

hundertstem Jahr, als Gott sah, daß die Menschen ihre Kinder den Teufeln opferten und die Götzen anbeteten, öffnete Gott die Behälter der

Winde und das Tor der Stürme. Da ging ein Sturmwind über das ganze Land, riß die Bilder und des Teufels Opferstätten um, raffte die

Götzen, die Bilder und Opferhöhen zusammen und machte große Hügel darüber bis auf den heutigen Tag. 12 Diese Windsbraut nennen die

Lehrer die »Windflut«. 13 Es gibt aber Leute, die schwatzen, diese Hügel seien in den Tagen der Flut entstanden; wer solches sagt, irrt weit

von der Wahrheit ab. 14 Denn vor der Sintflut gab es auf Erden keine Götzen, und die Flut trat auch nicht wegen der Götzen ein, sondern

wegen der Unzucht der Kainstöchter. 15 Anderseits waren damals gar keine Menschen in jenem Land; es war vielmehr öde und wüst; denn

unsere Väter waren schon vorher in die Fremde vertrieben worden, weil sie nicht würdig waren, Nachbarn des Paradieses zu sein. 16 Sie

wurden ja durch die Arche nach den Bergen von Kardo getrieben und von dort über die ganze Erde zerstreut. 17 Diese Hügel aber entstanden

wegen der Götzen, und unter ihnen liegen alle Götzen der damaligen Zeit verborgen. 18Auch die Dämonen, die darin wohnten, sind in diesen

Hügeln; es gibt keinen einzigen Hügel, worin nicht Dämonen sind.

27. Kapitel: Entstehung des Feuerdienstes

1 In des Riesen Nimrod Tagen erschien ein Feuer, das aus der Erde stieg. 2 Da stieg Nimrod hinab, sah es und betete es an, dann stellte er

Priester an, die dort dienten und Weihrauch hineinwarfen. 3 Seit jener Zeit begannen die Perser bis auf den heutigen Tag das Feuer

anzubeten. 4Der König Sisan fand eine Quelle in Derogin; er machte ein weißes Pferd und stellte es oben darauf, und wer badete, betete

dieses Pferd an. Von da an begannen die Perser, dieses Pferd anzubeten. 6 Nimrod ging nach Jokdora, das Nod ist. 7Als er zum Meer kam,

fand er dort den Jonton, des Noe Sohn. 8 Er stieg hinab und wusch sich im gleichen Meer; dann opferte er und betete den Jonton an. 9 Da

sprach Jonton zu ihm: »Du bist König und betest mich an?« 10 Da antwortete ihm Nimrod: »Deinethalben kam ich herab. « 11 Da lehrte

Jonton den Nimrod die Weisheit und Orakelgelehrsamkeit und sprach zu ihm: »Komm nicht wieder zu mir!« 12 Als er östlich hinaufstieg

und dieses Orakel zu gebrauchen anfing, verwunderten sich viele über ihn. 13 Idascher, der Priester, diente jenem Feuer, das aus der Erde

emporstieg. Er sah nun, wie sich Nimrod mit jenen alten, hohen Künsten abgab. Da bat er den Dämon, der um das gleiche Feuer erschien, er

möge ihn Nimrods Weisheit lehren. 14 Und da die Dämonen gewohnt sind, alle, die sich ihnen nahen, durch die Sünde zu verderben, sagte

der Dämon zu diesem Priester: »Kein Mensch kann Priester oder Magier werden, wenn er sich nicht zuvor mit seiner Mutter, Tochter und

Schwester begattet.« 15Der Priester Idascher tat so. 16Von da an begannen die Priester, Magier und Perser ihre Mütter, Schwestern und

Töchter zu nehmen. 17 Dieser Magier Idascher begann zuerst die Sternbilder zu erforschen sowie die Schicksale, Lose, Zufälle, das

Augenblinzeln und alle derartigen Dinge der Chaldäerkunst. 18 Diese ganze Lehre des Irrtums gehört den Dämonen an, und wer sie ausübt,

wird mit den Dämonen bestraft. 19Dagegen jenes Orakel des Nimrod verwarf keiner der rechtgläubigen Lehrer, weil es Jonton ihn gelehrt

hatte; auch diese benützten es . 20 Die Perser nannten es Orakel, die Römer Astronomie. 21 Die Astrologie aber, die die Magier besitzen, ist

Giftmischerei und Lehre des Irrtums und der Dämonen. 22 Es gibt aber Leute, die sagen, daß es in Wirklichkeit Schicksale, Zufälle und Lose

gebe; diese irren . 23 Nimrod gründete im Osten starke Städte: Babel, Ninive, Resen, Seleucia, Ktesiphon und Aserbeidschan; auch machte

er drei Festungen.

28. Kapitel: Abraham

1Thare, Abrahams Vater, lebte zweihundertfünfzig Jahre; dann starb er. 2Es begruben ihn Abraham und Lot in Haran. 3Dort redete Gott mit

Abraham und sprach zu ihm: »Verlaß dein Land und das Haus deiner Familie und geh in das Land, das ich dir zeigen werde! « 4Da nahm

Abraham die Kinder seines Hauses, sein Weib Sara und seinen Brudersohn Lot und zog nach dem Land der Amoriter herauf. 5Er war

fünfundsiebzig Jahre alt, als er nach dem Westen des Euphrat ging. 6Achtzig Jahre war er alt, als er die Könige verfolgte und seinen Brudersohn

Lot befreite. 7 In jener Zeit aber hatte er keinen Sohn, weil Sara unfruchtbar war. 8Als er aus dem Krieg mit den Königen zurückkehrte,

berief ihn Gottes Fügung, und er ging auf den Berg von Jebus. 9 Da ging ihm Salems König, Melchisedech, der Priester des allerhöchsten

Gottes, entgegen. 10Als Abraham den Melchisedech sah, ging er eilends hin, fiel auf sein Antlitz und verehrte ihn; dann stand er von der

Erde auf, umarmte und küßte ihn; da wurde er von ihm gesegnet. 11Nachdem Melchisedech den Abraham gesegnet hatte, gab ihm Abraham

den Zehnten von allem, was er hatte, damit er ihn an den heiligen Mysterien teilnehmen lasse am Brot des Opfers und am Wein der Erlösung.

12 Nachdem ihn Melchisedech gesegnet und ihn der heiligen Mysterien teilhaftig ge macht hatte, redete Gott mit Abraham und sprach zu

ihm: 13 »Dein Lohn ist sehr groß; dich hat jetzt Melchisedech gesegnet und dir das Brot und den Wein mitgeteilt; nun will auch ich dich

segnen und deine Nachkommen zahlreich machen. « 14Als Abraham sechsundachtzig Jahre alt war, wurde ihm Ismael durch die Hagar

geboren. 15 Der Pharao hatte die Hagar der Sara als Magd gegeben. 16 Sara aber war Abrahams Schwester vom Vater her; denn Thare hatte

zwei Weiber genommen. 17 Als nämlich Jauna, Abrahams Mutter, gestorben war, nahm sich Thare ein Weib und nannte sie Naharjath, aus

ihr ward Sara geboren. 18 Deswegen sagte er: » Sie ist meine Schwester, die Tochter meines Vaters, aber nicht meiner Mutter.«

29. Kapitel: Isaaks Opferung

1Abraham war neunundneunzig Jahre alt; da ging Gott in sein Haus und schenkte Sara einen Sohn. 2 Abraham war hundert Jahre alt, als ihm

Isaak geboren wurde. 3 Isaak war zweiundzwanzig Jahre alt, als ihn sein Vater mitnahm und auf den Berg Jebus zu Melchisedech, dem

Diener des allerhöchsten Gottes, hinaufstieg. 4 Der Berg Jebus nämlich ist das Amoritergebirge und auf diesem Platz ward das Kreuz des

Messias errichtet. 5 Daselbst sproßte ein Baum auf, der das Lamm trug, das den Isaak rettete. 6 Dieser Ort ist der Mittelpunkt der Erde, das

24

Grab Adams, der Altar des Melchisedech, Golgatha, die Schädelstätte und Gabbatha. 7 Dort sah David den Engel, der das feurige Schwert

trug. 8 Und dort brachte Abraham seinen Sohn Isaak als Brandopfer dar; er sah das Kreuz des Messias und die Erlösung unseres Vaters

Adam. 9 Der Baum war ein Vorbild des Kreuzes unseres Herrn, des Messias, und das Lamm in seinen Zweigen das Geheimnis der

Menschwerdung des einzigen Wortes. 10 Deshalb rief Paulus aus und sprach: »Wären sie einsichtig gewesen, so hätten sie nicht den Herrn

der Glorie gekreuzigt.« Der Mund der Häretiker verstumme, die in ihrem Wahnsinn dem Ewigseienden Leiden beilegen! 11Als der Messias

acht Tage alt war, erhob sich Joseph, Mariens Verlobter, und beschnitt den Knaben nach dem Gesetz; er beschnitt ihn, wie es nach dem

Gesetz Brauch war. 12Und so brachte auch Abraham seinen Sohn zur Opferung hinauf, indem er dadurch den Kreuzestod des Messias

darstellte. 13 Deshalb verkündete der Messias offen vor den versammelten Juden: »Abraham, euer Vater, hat sich gesehnt, meine Tage zu

erleben; er hat sie gesehen und sich darüber gefreut. « 14Dort erschien dem Abraham der Tag der Erlösung Adams; er sah ihn und freute sich

darüber und es ward ihm geoffenbart, daß der Messias statt Adam leiden würde.

30. Kapitel: Jerusalems Gründung

1 Im gleichen Jahr, wo Abraham seinen Sohn zum Opfer brachte, ward Jerusalem gebaut. 2 Der Anfang seiner Erbarmung geschah also: Als

Melchisedech erschienen war und sich den Menschen gezeigt hatte, kamen zu ihm Abimelech, der König von Gedar, Amraphel, der König

von Sinear, Arioch, der König von Dalassar, Kedor Laomer, der König von Elam, Tarel, der König der Geläer, Bera, der König von Sodoma,

Birsa, der König von Gomorrha, Sineab, der König von Adama, Semair, der König von Seboim, Salach, der König von Bela, Tabik, der

König von Darsos, und Baktor, der König der Wüste. 3 Diese zwölf Könige kamen zu Melchisedech, dem König von Salem und Diener des

allerhöchsten Gottes. 4Als sie seine Gestalt sahen und seine Worte hörten, baten sie ihn, mit ihnen zu gehen. 5 Er sprach zu ihnen: »Ich darf

nicht von hier an einen anderen Ort ziehen.«

6 Da beeilten sie sich untereinander, ob sie ihm nicht eine Stadt bauen wollten, indem sie zueinander sprachen: »Er ist in Wahrheit der König

der ganzen Erde und Vater aller Könige.« 7 So bauten sie ihm eine Stadt und machten darin Melchisedech zum König. 8Melchisedech hieß

sie Jerusalem. 9 Als Magog, der König des Südens, davon hörte, kam er zu ihm, besah seine Gestalt und sprach mit ihm und gab ihm Opfer

und Geschenke. 10 So ward Melchisedech bei allen Völkern geehrt und »Vater der Könige« genannt. 11 Dies ist es, was der Apostel sagte:

»Seine Tage haben keinen Anfang und kein Ende.« 12 Den Unwissenden aber kam es vor, als ob er gar kein Mensch gewesen sei, und sie

behaupteten irrtümlich von ihm, er sei Gott. 13Durchaus nicht! Aber seine Tage haben weder Anfang noch Ende. 14 Denn, wie ihn Sem,

Noes Sohn, von seinen Eltern wegführte, wird kein Wort darüber gesagt, wie alt er gewesen sei, als er nach Osten hinaufzog, auch nicht, in

welchem Alter er aus dieser Welt schied. 15 Da er aber der Sohn des Malach und Enkel Arpaksads, des Semsohnes, war und nicht der Sohn

eines der Erzväter, so sagte der Apostel, daß kein Mensch vom Stamme seines Vaters vor dem Altare diente. 16 Der Name seines Vaters ist

in den Stammregistern nicht verzeichnet, weil die Evangelisten Matthäus und Lukas nur die Erzväter aufzeichneten; deshalb ist auch der

Name seines Vaters und seiner Mutter unbekannt. 17 Der Apostel sagte aber nicht, er habe keine Eltern, sondern nur, daß sie in den

Stammregistern von Matthäus und Lukas nicht aufgezeichnet seien. 18 Im hundertsten Jahre Abrahams gab es im Osten einen König,

namens Kumros; dieser baute Samosata und Claudias nach dem Namen seiner Tochter Kalod, sowie Perre nach dem seines Sohnes Poron. 19

In Regus fünfzigstem Jahr zog Nimrod herauf und baute Nisibis und Edessa. 20Haran, das Edessa ist, umgab er mit der Mauer der Haranith,

des Weibes des Dasan, des Priesters auf dem Berg. 21 Die Einwohner Harans errichteten ihr ein Bild und beteten es an. 22 Baltin ward dem

Tammuz gegeben, da aber Beelschemin sie liebte, floh Tammuz vor ihm; da legte sie Feuer an, und Haran verbrannte.

31. Kapitel: Isaak

1Als Sara, Abrahams Weib, gestorben war, nahm sich Abraham die Ketura, die Tochter des Baktor, Königs der Wüste, zum Weib. 2 Es

wurden ihm von ihr geboren Simron, Jaksan, Medan und Midian, Jesbak und Suach. Von diesen stammen die Araber ab. 3 Als Isaak vierzig

Jahre alt war, ging Eliezer, ein Nachkomme Abrahams, hinab und holte aus dem Osten Rebekka; Isaak nahm sie dann zum Weib. 4 Als

Abraham gestorben war, begrub ihn Isaak neben Sara. 5 Als Isaak sechzig Jahre alt war, ging Rebekka mit Esau und Jakob schwanger. 6 In

ihren Geburtsnöten ging sie zu Melchisedech; da betete er über sie und sprach zu ihr: »Zwei Völker sind in deinem Leib, und zwei Nationen

werden von deinen Lenden abgesondert, d. h. aus deinem Leib hervorgehen, und eine Nation wird stärker als die andere sein und der Ältere

soll dem Jüngern untertan sein,« d. h. Esau soll dem Jakob dienen. 7 Im siebenundsechzigsten Jahre Isaaks wurde Jericho von sieben

Königen erbaut, von dem Chittiterkönig, dem Amoriterkönig, dem Gergesiterkönig, dem Jebusiterkönig, dem Kanaaniterkönig, dem Hiviterkönig

und dem König der Phereziter. 8 Jeder einzelne von ihnen führte eine Mauer um die Stadt auf. 9 Vorher aber hatte schon der Sohn

des Ägypterkönigs Mesrin die Stadt Jericho erbaut. 10 In der Wüste hatte Ismael die Handmühle zu einer Mühle der Sklavenarbeit gemacht.

11 Im einhundertsten Lebensjahr Isaaks segnete er Jakob, der vierzig Jahre alt war. 12 Nachdem dieser seines Vaters Segen erhalten hatte,

stieg er nach Osten hinab. 13 Als er einen Tag in der Wüste Beerseba gegangen war, schlief er dort; beim Schlafengehen nahm er einen Stein

und legte ihn als Kopfkissen unter. 14 Da sah er im Traum ein Gesicht; da stand auf der Erde eine Leiter, und ihre Spitze reichte in den

Himmel; die Engel Gottes stiegen auf ihr auf und nieder, und oben auf ihr stand der Herr. 15 Da erwachte Jakob aus seinem Schlaf und

sprach: »Das ist fürwahr Gottes Behausung.« 16 Da nahm er den Stein seines Kopfkissens, baute einen Altar, salbte ihn mit Öl, tat ein

Gelübde und sprach: »Alles, was ich habe, will ich diesem Stein verzehnten. « 17 Für die Einsichtigen aber ist es offenkundig: Die Leiter, die

Jakob sah, stellt das Kreuz des Erlösers dar; die Engel, die auf- und niederstiegen, sind die Diener bei Zacharias, Maria, den Magiern und den

Hirten. 18 Der Herr, der oben an der Spitze der Leiter steht, ist der Messias, der an der Spitze des Kreuzes hängt, um in die Unterwelt

herniederzusteigen und uns zu erlösen. 19Als Gott dem frommen Jakob das Kreuz des Messias durch die Leiter und die Engel gezeigt hatte,

die Höllenfahrt des Messias zu unserer Erlösung, die Kirche, das Gotteshaus, und den Altar durch den Stein, die Opfer durch den Zehnten

und die Ölsalbung, da ging Jakob abermals weiter nach Osten hinab, und dort zeigte ihm Gott die Taufe. 20 Er erblickte nämlich drei

Herden, die an einem Brunnen lagerten. 20 Ein großer Stein lag auf der Brunnenöffnung; da ging Jakob hin, wälzte den Stein von dem

Brunnenloch und tränkte die Schafe seines Mutterbruders. 22 Als er die Schafe getränkt hatte, nahm er die Rachel und küßte sie. 23

»Brunnen« aber nennt man die Taufe, die den Geschlechtern und Stämmen verborgen war. 24Der fromme Jakob und die drei Schafherden,

die daran lagerten, geben uns ein Vorbild der drei Abteilungen bei der Taufe, der Männer, der Weiber und der Kinder. 25 Daß Jakob die

Rachel, die mit den Schafen kam, zwar sah, aber nicht umarmte und küßte, bis er den Stein vom Brunnen weggewälzt und bis die Schaf e

getrunken hatten, weist auf das Gesetz der Kinder der Kirche, wonach sie die Lämmer des Messias nicht früher umarmen und küssen, als bis

die Taufe vor sich geht und diese hinabsteigen und aus dem Wasser die Kraft anziehen und dann die Kinder der Kirche umarmen und küssen.

26 Jakob arbeitete bei Laban sieben Jahre und dann wurde ihm die, die er liebte, erst nicht gegeben; dies bedeutet, daß den Juden, die dem

Pharao, Ägyptens König, Knechtsdienste leisteten und dann Ägypten verließen, nicht das Testament der Kirche, der Braut des Messias,

gegeben wurde, sondern das alte, veraltete und verderbte. 17 Das bedeutet die erste Tochter, die Jakob erhielt; ihre Augen waren häßlich,

während Rachels Augen schön waren und ihr Antlitz strahlend. 28 Über das erste Testament war nämlich ein Schleier gebreitet, so daß die

Kinder Israels seine Schönheit nicht sahen, das zweite Testament aber ist eitel Licht.

32. Kapitel: Jakob und seine Söhne

1 Jakob war siebenundsiebzig Jahre alt, als er seines Vaters Isaaks Segen empfing. 2 Im Alter von neunundachtzig Jahren zeugte er mit Lea

seinen Erstgeborenen, Ruben. 3 Dies sind Jakobs Söhne: Ruben, Simon, Levi, Juda, Issachar und Zabulon; dies sind die Kinder der Lea:

4Joseph und Benjamin sind die Kinder der Rachel, Dan und Naphtali die der Bilha, Rachels Magd. 5 Nach zwanzig Jahren kehrte Jakob zu

seinem Vater Isaak zurück . 6 Das ganze Leben Isaaks währte einhundertachtzig Jahre bis zum einunddreißigsten Jahre Levis; er starb im

einhundertzwanzigsten Jahre Jakobs. 7 Dreiundzwanzig Jahre nach der Rückkehr Jakobs aus Haran wurde Joseph an die Midianiter verkauf

25

t; dies geschah noch zu Isaaks Lebzeiten, und sie trauerten um ihn. 8 Als Isaak gestorben war, begruben ihn Jakob und Esau und seine andern

Kinder bei Abraham und Sara. 9Sieben Jahre später starb Rebekka und wurde bei Abraham, Isaak und Sara begraben. 10 Auch Rachel starb

und ward bei ihnen begraben. 11 Juda, Jakobs Sohn, heiratete die Kanaaniterin Sua; da betrübte sich sein Vater Jakob darüber, daß er sich ein

Weib aus Kanaans Stamm genommen habe. 12 Da sprach Jakob zu Juda: »Der Gott unserer Väter Abraham und Isaak lasse nicht zu, daß

sich Kanaans Stamm mit meinen Nachkommen mische! 13 Dem Juda wurde von der Kanaaniterin Sua Ger, Onan und Sela geboren. 14 Juda

nahm für seinen Erstgeborenen Ger die Thamar als Weib; da er aber mit ihr in sodomitischem Beilager war, ließ ihn Gott sterben. 15 Dann

gab Juda die Thamar dem Onan; als aber sein Same warm wurde, daß er ihn in Thamar versenken konnte, verderbte er ihn außerhalb; da ließ

Gott auch ihn sterben. 16 So gestattete Gott dem Stamme Kanaans nicht, sich mit Jakobs Stamm zu mischen; denn Jakob hatte zum Herrn

gebetet, daß sich nicht der Stamm Kanaans, des Erstgeborenen Chams, »des Unzüchtigen«, mit den Nachkommen der Stämme der Väter

mische. 17 Gott trieb die Thamar auf die Straße, da schlief Juda bei ihr in unzüchtiger Weise. So ward sie schwanger und gebar Peres und

Zerach. 18 Jakob zog mit all seinen Nachkommen nach Ägypten zu Joseph herab, und war siebzehn Jahre in Ägypten. 19 Jakob starb einhundertsiebenundvierzig

Jahre alt; Joseph war sechsundfünfzig Jahre alt, als sein Vater starb, im zwölften Jahr des Kahat . 20 Die weisen

Ärzte des Pharao balsamierten ihn ein, und Joseph führte ihn hinauf und begrub ihn bei Abraham und seinem Vater Isaak.

33. Kapitel: Die Stämme Jakobs

1 Es gibt Schriftsteller, die behaupten, daß von Jakobs Tod an sich die Stämme untereinander ableiten und miteinander vermischen; dies tun

sie aber nicht im Licht der Wahrheit. 2 Denn es liegen zwei Geschlechterreihen vor: eine »der Stämme« und eine »der Kinder Israels«. 3

Denn als sie aus Ägypten zogen, erzeugte Juda den Peres, dieser den Hesron, dieser den Aram, Aram den Aminadab, dieser den Nahasson.

Nahasson war Fürst in Juda. 4Aminadab gab Nahassons Schwester dem Eleazar, dem Sohn des Priesters Aaron; von ihr war der Hohepriester

Piuechas geboren; dieser hielt durch Gebet die Pest ab. 5 Ich zeigte dir also, daß von Aminadab durch Nahassons Schwester das Priestertum

der Kinder Israels abgeleitet wurde und von ihrem Bruder Nahasson das Königtum. 6 So stammte also das Priestertum und das Königtum der

Kinder Israels von Juda ab. 7 Nahasson zeugte Selia und Selia zeugte Boas. 8Siehe, jetzt, wie von Boas und der Moabiterin Ruth das

Königtum ausgegangen ist, da nämlich Boas als Greis die Ruth heiratete, damit Lot, Abrahams Neffe, an der Reihe des Königtums teilhabe!

9 So versagte Gott nicht dem gerechten Lot den Lohn seiner Arbeit; denn in der Fremde hatte er sich mit Abraham abgemüht und Gottes

Engel in Frieden bei sich aufgenommen. 10 Lot, der Gerechte, wurde deshalb auch nicht gerügt, daß er bei seinen Töchtern geschlafen habe.

11 Gott verlieh dem Samen dieser beiden, daß daraus die Reihe der Könige abstamme. So ward aus dem Samen Lots und Abrahams der

Messias geboren. 12 Von der Moabiterin Ruth wurde nämlich Obed geboren, von Obed Isai, von Isai David, von David Salomo. Diese

stammen aus der Reihe der Moabiterin Ruth, der Tochter Lots. 13 Von der Ammoniterin Naema, einer andern Lotstochter, die Salomo zum

Weibe nahm, ward Rehabeam geboren, der nach Salomo König wurde. 14 Salomo nahm viele Weiber, siebenhundert Freie und dreihundert

Konkubinen; aber von den tausend Weibern, die er nahm, hatte er keinen Sohn, außer von der Ammoniterin Naema. 15 Warum schenkte ihm

Gott keinen Sohn von ihnen? 16 Damit nicht der schlechte Same der Kanaaniter, Jebusiter, Amoriter, Chittiter, Gergesiter und der andern

von Gott gehaßten Völker mit der Geschlechterreihe des Messias vermischt würde.

34. Kapitel: Moses

1Die Geschlechterreihe der Kinder Israels ist folgende: Levi, Amram, Moses, Josue, des Nun Sohn, und Kaleb, des Jephunne Sohn; diese

wurden in Ägypten geboren. 2 Als Moses geboren ward, wurde er im Flusse ausgesetzt. 3 Da nahm ihn die Ägypterin Sipor, des Pharaos

Tochter, auf, und er verblieb im Hause des Pharaos vierzig Jahre. 4 Darauf tötete er den Ägypter Phetkom, Pharaos Oberbäcker. 5 Als dies

der Hof des Pharaos erfuhr, nachdem Makri, des Pharaos Tochter, die »Ägyptens Trompete« hieß und die den Moses großgezogen hatte, gestorben

war, fürchtete er sich und floh nach Midian zu dem Kuschiten Reguel, dem Priester von Midian. 6Er nahm sich des Priesters Tochter,

die Kuschitin Sipora, zum Weib; von ihr wurden zwei Söhne geboren, Gerson und Eliezer. 7 In Moses zweiundfünfzigstem Lebensjahr ward

in Ägypten Josue, des Nun Sohn, geboren. 8Moses war achtzig Jahre alt, als Gott mit ihm aus dem Dornbusch redete, und wegen der Furcht

vor ihm ward seine Zunge schwer; deshalb sagte er zu Gott: »Siehe, mein Herr! Von dem Tag an, wo du mit mir sprachest, ist meine Zunge

schwer geworden.« 9Er war in Ägypten vierzig Jahre und vierzig im Haus des Priesters von Midian und vierzig an der Spitze des Volkes. 10

Er starb im Alter von einhundertzwanzig Jahren auf dem Berg Nebo. 11 Josue, des Nun Sohn, war der Führer der Kinder Israels

siebenundzwanzig Jahre lang. 12 Nach Josues Tod erhob sich über Israels Kinder achtzig Jahre lang Kusan, der Grausame. 13 Dann leitete

Athniel, des Kena Sohn und Bruder des Kaleb, des Jephunnesohnes, Israel vierzig Jahre. 14 Dann wurden die Kinder Israels den Moabitern

achtzehn Jahre lang untertan. 15 Dann führte Ehud, des Gera Sohn, die Israeliten achtzig Jahre an. 16 In seinem sechsundzwanzigsten Jahre

war das Ende des vierten Jahrtausends.

35. Kapitel: Die Richter, David und Salomo

1 Nabin, der Trockene, hatte dann zwanzig Jahre die Führerschaft, Debora und Barak vierzig Jahre. 2 Da wurden die Israeliten den

Midianitern sieben Jahre untertan, und Gott befreite sie durch Gideon; dieser leitete sie vierzig Jahre. Dann war sein Sohn Abimelech drei

Jahre König, Thola, des Pua Sohn, dreiundzwanzig Jahre und der Gileaditer Jair zweiundzwanzig. 4 Dann wurden abermals die Israeliten den

Ammonitern achtzehn Jahre untertan. Gott befreite sie durch Jephta, der seine Tochter opferte; er leitete sie sechs Jahre. 5 Ebzan, der

Nahasson ist, leitete sie dann sieben Jahre, Elon, der aus Zabulon stammte, zehn Jahre, und Adbon acht Jahre.

6 Dann wurden die Israeliten den Philistern vierzig Jahre untertan, Gott befreite sie durch Simson, und dieser führte sie zwanzig Jahre an. 7

Dann waren die Israeliten achtzehn Jahre ohne Führer; hernach stand ih nen der Priester Heli vor und leitete sie vierzig Jahre. 8Dann stand

ihnen Samuel vor und führte sie zwanzig Jahre an.

9 In des Samuels Tagen erzürnten die Israeliten Gott, der sie aus der Knechtschaft der Ägypter befreit hatte. l0Sie machten sich Saul, des Kis

Sohn, zum König, und er regierte sie vierzig Jahre. 11In Sauls Tagen lebte Goliath, der Riese der Philister; er zog heran, bedrängte Israel und

lästerte Gott. 12 Da tötete ihn David, des Isai Sohn. 13 Daraufhin ward David von den Töchtern Israels verherrlicht und folgte Saul nach. 14

Den Saul töteten die Philister, weil er den Herrn verlassen und seine Zuflucht zu den Dämonen genommen hatte. 15 David herrschte vierzig

Jahre über die Israeliten, nach ihm Salomo gleichfalls vierzig Jahre. 16Salomo tat große Wunder; er schickte auch nach Ophir und ließ von

den Goldbergen das Gold holen; sechsunddreißig Monate waren dabei die Schiffe unterwegs. 17 Er baute in der Wüste Tadmor und führte

dort große Wunderwerke aus. 18Als Salomo an die Grenzen des Gebirges, das Seir hieß, gelangte, fand er dort den Altar, den Pirozakar,

Pioraza und Jazdod erbaut hatten. 19Diese hatte nämlich der Riese Nimrod zu dem Priester des Berges Seir, Bileam, geschickt, weil er von

ihm gehört hatte, er forsche in den Sternbildern. 20Als sie an Seirs Grenzen kamen, bauten sie dort einen Altar der Sonne. 21Als ihn Salomo

sah, baute er dort eine Stadt und nannte sie Heliopolis, d. i. Sonnenstadt. 22 Er baute auch Aradus mitten im Meer. 23 Und er war berühmt

und gepriesen, bis das Gerücht seiner Weisheit nach allen Richtungen der Erde drang. 24Da zog die Königin von Saba ihm entgegen.

25Salomo liebte den König von Tyrus, Hiram, besonders. 26 Und Hiram herrschte fünfhundert Jahre in Tyrus, von den Tagen des

davidischen Königtums bis zum Königtum des Sedekia und aller israelitischen Könige, bis er vergaß, daß er ein Mensch sei, lästerte und

sprach: 27 » Ich bin Gott und sitze auf Gottes Sitz, mitten im Meer. «28 Ihn tötete der König Nebukadnezar.

36. Kapitel: Salomos Pracht

1In Hirams Tagen kam der Purpur als Gewand der Könige auf. 2Als ein Hund am Meeresufer vorüberging, sah er eine Purpurschnecke, die

aus dem Wasser hervorkam. 3 Da biß er in sie; sofort ward seine Schnauze mit dem Blut der Schnecke erfüllt. 4 Da sah ihn ein Hirte; dieser

holte Wolle und reinigte damit dem Hund die Schnauze. 5Von dieser Wolle aber machte er sich eine Krone und setzte sie sich aufs Haupt . 6

Als er in der Sonne umherging, glaubten alle, die ihn sahen, es sprühten Feuerfunken aus seinem Haupt. Als Hiram davon hörte, schickte er

26

nach ihm, und als er die Wolle sah, erstaunte und verwunderte er sich. 8Da kamen alle Färber zusammen und verwunderten sich darüber; sie

gingen hinaus, die Sache zu untersuchen, fanden solche Schnecken und freuten sich recht. 9Salomo ward sehr übermütig. 10Die Nahrung

seiner Tafel bestand täglich aus vierzig Stieren, hundert Schafen, dreißig Maß Weizenmehl, sechzig Maß anderes Mehl und dreihundert

Krügen Wein, abgesehen von Hirschen, Rehen, Damhirschen und der Jagdbeute des Feldes. 11Er ward dreist, übertrat das Gesetz und hörte

nicht auf seines Vaters Gebote. 12Er nahm sich tausend Weiber von all den Völkern, die Gott haßte. 13 In seinem Alter schenkte er sein Herz

den Weibern, die damit spielten; er hörte auf ihre Worte, tat ihren Willen und verleugnete seines Vaters David Gott. 14Er baute den Teufeln

Opferhöhen, opferte den Götzen und Bildern und betete das Werk von Menschenhänden an. 15 Da wandte Gott von ihm sein Angesicht, und

er starb. 16Er regierte in Jerusalem einundvierzig Jahre; nach ihm herrschte sein Sohn Rehabeam.

37. Kapitel: Rehabeam und seine Nachfolger

1Dieser kam einundvierzig Jahre alt zur Regierung. 2Er befleckte Jerusalem mit Unzucht, mit des Teufels Opferstätten und dem Geruch des

Heidentums. Und Davids Königreich ward entzweigespalten. 3Im fünften Jahr seiner Regierung zog Ägyptens König Sisak gegen Jerusalem

herauf und nahm alle Schätze für des Herrn Tempeldienst weg, sowie alle königlichen Schätze Davids und Salomos, die goldenen und

silbernen Gefäße, indem er sich brüstete und sprach: »Ich nehme nicht euer Eigentum, sondern nur die Reichtümer, die eure Väter aus

Ägypten fortnahmen.« 5Rehabeam starb in seines Vaters Salomo Gottlosigkeit; nach ihm herrschte sein Sohn Abia. 6 Er verderbte Jerusalern

in Unzucht und Gottlosigkeit, weil des Abisalom Tochter Maecha seine Mutter war. Er starb in seines Vaters Gottlosigkeit. 8Nach ihm

herrschte sein Sohn Asa vierzig Jahre in Jerusalem. 9Er tat, was vor dem Herrn gut war, verbannte die Unzucht aus Jerusalem und hielt von

seinem Volke Gottlosigkeit fern; denn er hielt Gottes Gebote. l0 So vertrieb er sie aus seinem Reich und verspottete sie vor allem Volk

wegen des Götzenopfers. 11Gegen ihn zog Zerach herauf; da erniedrigte ihn Gott vor Asa. 12 Asa starb in seiner Gerechtigkeit, wie sein

Ahne David. 13 Nach ihm herrschte sein Sohn Josaphat. 14 Dieser ging auf seines Vaters Asa Wegen und tat, was vor dem Herrn gut war. 15

Doch Gott ergrimmte über ihn, weil er das Haus Achabs liebte, deshalb gestattete ihm Gott nicht, von Ophir Gold zu holen. 16Er machte

Schiffe, um sie auszuschicken; aber sie zerschellten in Eseongeber. 17 Er war zweiunddreißig Jahre alt, als er zur Regierung kam; seine

Mutter war Asuba, Silchis Tochter. 18Josaphat starb in seiner Gerechtigkeit; nach ihm herrschte sein Sohn Joram. 19Er war zweiunddreißig

Jahre alt, als er zur Regierung kam, und regierte acht Jahre in Jerusalem; er tat nicht, was vor dem Herrn gut war. 20Er opferte den

Teufelsaltären und starb in Gottlosigkeit. 21Nach ihm regierte sein Sohn Achazja; er kam im Alter von zweiundzwanzig Jahren zur

Regierung und war ein Jahr in Jerusalem. 22Er tat in diesem einen Jahr Übles vor dem Herrn. 23Wegen der von ihm verübten Schlechtigkeit

und Gottlosigkeit überlieferte ihn Gott in die Hände seiner Feinde, und sie töteten ihn. 24 Nach seinem Tode tötete seine Mutter alle Kinder

aus dem königlichen Hause Davids; denn sie glaubte, auf diese Weise das Königtum der Judäer austilgen zu können. 25 Sie ließ vom

königlichen Haus keinen Sprossen übrig, den sie nicht tötete, bis auf Joas, den Joseba, die Tochter Jorams und Enkelin Josaphats, heimlich

weggenommen und bei sich im Hause verborgen hatte. 26 So herrschte Achabs Schwester sieben Jahre in Jerusalem und befleckte es mit Unzucht,

weil sie gebot, die Weiber sollten öffentlich ohne Furcht Unzucht treiben und die Männer mit den Weibern ihrer Nächsten Ehebruch

begehen, da ihnen keine Schuld beigemessen würde. 27Alle Unzucht Jezabels und die Gottlosigkeit des Achabhauses verübte sie in

Jerusalem.

38. Kapitel: Joas und seine Nachfolger

1 Nach sieben Jahren dachten die Kinder Jerusalems darüber nach, wen sie sich zum König machen sollten. 2Als der Priester Jojada davon

hörte, versammelte er sie im Hause des Herrn, dem von Salomo erbauten Tempel. 3Als alle versammelt waren, sprach der Priester Jojada zu

ihnen: »Wer, sagt ihr, soll König sein und auf Davids Thron sitzen, wenn nicht ein König und ein Königssohn?« 4Als er ihnen einen solchen

zeigte, freuten sie sich recht und zogen hinauf, die Obersten über Hundert und die über Tausend. 5Da führten die Läufer und Trabanten den

König in das Haus des Herrn und die bewaffneten Kriegerscharen umgaben ihn. 7Da setzte ihn der Priester Joiada auf den Thron seines

Vaters David. Er war sieben Jahre alt, als er König wurde. 8Er regierte vierzig Jahre in Jerusalem seine Mutter war Sibea von Beerseba;

Atalja aber wurde ermordet. 9Doch Joas mißachtete die Wohltat, die der Priester Jojada ihm erwiesen hatte; er vergoß nach seinem Tod das

unschuldige Blut seiner Söhne. 10 Joas starb, und nach ihm regierte sein Sohn Amasja. 11Er war fünfundzwanzig Jahre alt, als er zur Regierung

kam, und regierte neunundzwanzig Jahre in Jerusalem; seine Mutter hieß Joadan. 12Es starb Amasja; nach ihm regierte sein Sohn

Uzzia. 13Er war sechzehn Jahre alt, als er auf den Thron kam, und regierte fünfzig Jahre in Jerusalern; seine Mutter hieß Jechalja. 14 Er tat

Gutes vor dem Herrn. 15Er wurde aber dreist, betrat das Allerheiligste, nahm vom Priester Gottes die Weihrauchpfanne und räucherte im

Tempel des Herrn. 16Weil er das tat, ward Aussatz über ihn gebreitet. 17Und dem Propheten Isaias ward die Prophetengabe genommen, weil

er ihn nicht ermahnt hatte, bis Uzzia starb. 18Nach ihm herrschte sein Sohn Jothan; er war fünfundzwanzig Jahre alt, als er zur Regierung

kam, und herrschte sechzehn Jahre in Jerusalem; seine Mutter war Jerusa, des Sadok Tochter; er tat vor dem Herrn Gutes. 19 Jothan starb,

und nach ihm herrschte sein Sohn Achaz, er war zwanzig Jahre alt, als er zur Regierung kam. 20 Er herrschte sechzehn Jahre in Jerusalem;

seine Mutter war Aphin, Levis Tochter. 21Er tat Übles vor dem Herrn und opferte den Teufeln. 23Gegen ihn zog der König von Assyrien

Tiglatpilesar herauf. 23Achaz nannte sich selbst in einem Schreiben seinen Knecht, und so knechtete ihn der Assyrier. 24Er schickte dem

König von Assyrien Gold und Silber aus dem Haus des Herrn; während seines Königtums wurden die Israeliten in die Gefangenschaft

geführt . 25 Und der König schickte Leute nach Babel, daß sie an Stelle der Israeliten in diesem Land wohnten, da wollten Löwen sie töten.

26 Darauf hin sandte der König von Assyrien zu ihnen den Priester Uri, und er lehrte sie Gesetze.

39. Kapitel: Hizkia

1Achaz starb; da regierte nach ihm sein Sohn Hizkia. 2 Hizkia war fünfundzwanzig Jahre alt, als er zur Regierung kam, und er regierte

neunundzwanzig Jahre in Jerusalem; seine Mutter war Abi, des Zacharias Tochter. 3Er tat Gutes vor dem Herrn, zerbrach die Altäre, und

zerstörte die eherne Schlange, die Moses in der Wüste gemacht hatte, weil sie die Israeliten anbeteten, und verbannte in Jerusalern die

Gottlosigkeit . 4In seinem vierten Jahr zog Salmanassar, Assyriens König, herauf und führte den Rest Israels in die Gefangenschaft; er trieb

sie nach Medien jenseits Babels. 5Im zwanzigsten Jahre Hizkias zog der Assyrierkönig Sanherib herauf und nahm alle Städte und Dörfer

Judas ein; nur Jerusalem blieb durch Hizkias Gebet verschont. Er aber wurde sterbenskrank, betrübte sich und weinte. 7 Nun gibt es Leute,

die ihn tadeln; sie bemühen sich aber nicht, zu erfahren, weshalb er sich betrübte. 8Der Grund der Betrübnis des Hizkia war der, daß er

keinen Sohn hatte, der nach ihm regieren konnte, als er sterbenskrank war. 9Als er mit den Augen sein er Zeit ausschaute und sah, daß er

keinen Sohn habe, der nach ihm regieren konnte, ward er traurig, weinte und sprach: 10»Wehe mir! Ich sterbe kinderlos, und jene Segnung,

deren Gabe durch sechsundvierzig Geschlechter uns zuteil geworden, wird heute von mir genommen, und durch mich wird Davids Königtum

abgeschafft, mit mir wird heute die Geschlechtsreihe der Könige Judas abgeschlossen.« 11Dies war Hizkias Betrübnis. 14Nachdem er von

seiner Krankheit aufgestanden war, wartete er noch vierzehn Jahre; da ward ihm Manasse geboren. 13 Und Hizkia starb in großer

Beruhigung darüber, daß er einen Sohn hinterließ, der auf seines Vaters David Throne saß.

40. Kapitel: Manasse und seine Nachfolger

1Manasse war zwölf Jahre alt, als er zur Regierung kam, und regierte fünfundzwanzig Jahre in Jerusalem; seine Mutter hieß Hephsiba. Er

war schlechter und gottloser als alle seine Vorgänger, baute den Teufeln Opferhöhen, opferte den Götzen, erfüllte Jerusalem mit Frevel und

erzürnte Gott. 3Als ihn der Prophet Jesaias ermahnte, stellte er ihm nach und sandte gottlose Leute aus . 4 Diese zersägten den Propheten

Jesaias mit einer Säge auf einem Holzblock vom Kopf bis zu den Füßen. 5Er war einhundertzwanzig Jahre alt, als sie ihn zersägten, und

27

neunzig Jahre Gottes Prophet. 6Es reute aber den Manasse, als er Jesaias getötet hatte, er zog ein Bußgewand an, verhängte ein Fasten über

sich und aß das Brot unter Tränen sein ganzes Leben, weil er Übles getan und den Propheten getötet hatte. 7Es starb Manasse, und sein Sohn

Amon ward nach ihm König. 8Dieser war zweiundzwanzig Jahre alt, als er zur Regierung kam, und herrschte zwei Jahre in Jerusalem; seine

Mutter war Mesulemeth. 9Amon tat Übles vor dem Herrn und ließ seine Söhne durchs Feuer gehen. 10Er starb, und nach ihm herrschte sein

Sohn Josias. 11Er war acht Jahre alt, als er zur Regierung kam, und herrschte einunddreißig Jahre in Jerusalem; seine Mutter war Jedida, die

Tochter des Adaja von Baskat. 12 Er tat Gutes vor dem Herrn und wandelte ganz auf dem Weg, den sein Vater David gegangen war; er wich

weder rechts noch links ab.

13 Ihn tötete Pharao, der Lahme. 14 Nach seinem Tode herrschte sein Sohn Joachaz. 15 Er war dreiundzwanzig Jahre alt, als er zur

Regierung kam, und herrschte drei Monate in Jerusalem; seine Mutter war Hamutal, die Tochter des Jeremias aus Libna. 16Er tat Übles vor

dem Herrn, wie Manasse getan hatte. 17Ägyptens König, Pharao der Lahme, nahm ihn gefangen in Riblat im Lande Hemat, als er noch

König in Jerusalem war, und legte dem Land einen Tribut auf von hundert Talenten Silber und zehn Talenten Gold. 18Dann stellte Pharao,

der Lahme, den Eljakim auf, den Sohn des Josias, anstatt seines Vaters Josias als König und nannte seinen Namen Jojakim. 19 Den Joachaz

aber führte er fort; er kam nach Ägypten und starb daselbst. Jojakim gab dem Pharao Silber und Gold; er legte aber nach Pharaos Befehl das

Silber und Gold auf das Land um: jeder Mann vom Volk des Landes brachte, wie es ihm zukam, Silber und Gold nach dem Befehl Pharaos,

des Lahmen.

41. Kapitel: Jerusalems Fall

1Jojakim war fünfundzwanzig Jahre alt, als er zur Regierung kam, und herrschte elf Jahre in Jerusalem; seine Mutter war Sebuda, die

Tochter des Pedaja von Ruma. 2 Er tat vor dem Herrn Übles, wie seine Väter getan hatten. 3 In seinen Tagen zog Nebukadnezar, der König

von Babel, gegen Jerusalem herauf . 4 Jojakim ward ihm drei Jahre untertan. Da fiel er ab und erhob sich gegen ihn. Da ließ der Herr wegen

seiner Sünden Kriegsscharen gegen ihn kommen. 5 Jojakim entschlief dann zu seinen Vätern, und nach ihm herrschte sein Sohn Jojakin. 6

Der König von Ägypten aber zog nicht mehr aus seinem Land; denn der König von Babel hatte ihm alles genommen, was der ägyptische

König besessen hatte, vom Bach Ägyptens bis zum Euphratfluß. 7Jojakin war achtzehn Jahre alt, als er zur Regierung kam, und herrschte

drei Monate in Jerusalem; seine Mutter war Nechusta, die Tochter Elnatans aus Jerusalem. 8Er tat vor dem Herrn Übles, wie sein Vater getan

hatte. 9In dieser Zeit zog Nebukadnezar, der König von Babel, gegen Jerusalem herauf. 10 Und der König von Babel führte sein Volk im

achten Jahre seiner Regierung weg; er nahm auch von dort den ganzen Tempelschatz des Herrn, sowie den Schatz des königlichen Palastes

mit sich. 11Er führte nach Babel ganz Jerusalem, Jojakin, seine Mutter, seine Weiber, seine Großen und alle tüchtigen Krieger; diese brachte

der König von Babel in die Gefangenschaft nach Babel. 12Dann stellte der König von Babel seinen Oheim Matanja an seiner Statt als König

auf und nannte seinen Namen Sedekia. 13Sedekia war zwanzig Jahre alt, als er zur Regierung kam, und herrschte elf Jahre in Jerusalem;

seine Mutter war Hamutal, die Tochter des Jeremias aus Libua. 14 Er tat vor dem Herrn Übles, wie Jojakin getan hatte. 15So kam der Zorn

des Herrn über Jerusalem. 16 Und Sedekia empörte sich gegen den König von Babel. 17Da kam im neunten Jahre seiner Regierung

Nebukadnezar, der König von Babel, gegen Jerusalem herangezogen. 18Da wurde die Stadt bis zum elften Jahr des Königs Sedekia

eingeschlossen und belagert. 19Als man in die Stadt eindrang, flohen alle Kriegsleute aus der Stadt bei Nacht auf dem Weg zum flachen

Feld. 20 Das Heer der Chaldäer aber verfolgte den König und holte ihn in der Ebene von Jericho ein . 21 Da wurde sein ganzes Haus von

ihm getrennt, und so ergriffen sie den Sedekia und schleppten ihn zum König von Babel nach Riblat hinauf; da hielt dieser über ihn Gericht.

Die Söhne des Königs Sedekia ließ der Babelkönig vor seinen Augen schlachten; dann blendete er den Sedekia selbst, band ihn mit Ketten

und führte ihn nach Babel.

42. Kapitel: Cyrus

1 Da trug Simeon, der Hohepriester, dem Kriegsobersten eine Bitte vor, weil ihm bei diesem Redefreiheit gewährt war. Da gab er ihm alle

Bücher der Heiligen Schriften und verbrannte sie nicht . 3Da band sie Simeon, der Hohepriester, zusammen und warf sie in einen Brunnen.

Nun wurde Jerusalem zerstört und verwüstet, und niemand blieb darin mehr übrig als der Prophet Jeremias, der dort wohnte und Wehklagen

darüber zwanzig Jahre lang erhob. 5 Dann starb der Prophet Jeremias in Samaria; es begrub ihn der Priester Or in Jerusalem, wie ihn

Jeremias beschworen hatte . 6 Bis zur letzten Verwüstung Jerusalerns enthalten die Schriftsteller der Hebräer, Griechen und Syrer die

Wahrheit und sind imstand, die Geschlechterregister der Stämme und Völker aufzuzeigen. 7 Von der Zerstörung Jerusalems an dagegen ist

keine Wahrheit mehr in ihren Schrift werken, nur die Stammesväter sind dort verzeichnet, während jene nicht aufzeigen, woher die Reihe der

Priester stammt.

8 Jojakin war siebenunddreißig Jahre im Gefängnis, nach seiner Entlassung heiratete er Gulith, des Eljakim Tochter, und erzeugte von ihr in

Babel den Salathiel. 9 Jojakin starb; da heiratete Salathiel die Hetbath, des Helkana Tochter, und erzeugte von ihr den Zerubabel. 10

Zerubabel heiratete die Malkat, die Tochter des Schreibers Ezra; aber ihm ward von ihr in Babel kein Sohn mehr geboren. 11 Denn in den

Tagen Zerubabels, des Obersten von Juda, herrschte in Babel Cyrus, der Perser. 12 Cyrus heiratete Salathiels Tochter und Schwester

Zerubabels nach persischem Gesetz und machte sie zur Königin. 13 Da bat sie den Cyrus, den Israeliten die Rückkehr zu ermöglichen. 14

Weil Zerubabel ihr Bruder war, deshalb war sie so eifrig auf die Rückkehr aus der Gefangenschaft bedacht. 15 Cyrus liebte sein Weib wie

sich selbst und tat ihr den Willen. 16 Er ließ im ganzen Lande Babel Herolde ausgehen, daß sich alle Israeliten versammeln sollten. 17 Als

sie versammelt waren, sprach Cyrus zu Zerubabel, seines Weibes Bruder: »Erhebe dich und führe die Kinder deines Volkes heim! Zieht im

Frieden nach Jerusalem hinauf! Baue die Stadt deiner Väter wieder auf; wohne darin und herrsche über sie! « 18Weil Cyrus die Rückkehr

der Israeliten veranlaßte, sprach Gott: »Ich habe meinen Diener Cyrus bei der Rechten ergriffen. « 19Und Cyrus wird genannt »Mein Hirte,

der Gesalbte des Herrn«, darum, daß sein Same in Davids Samen durch Mesainat, Zerubabels Schwester, die er heiratete, aufgenommen

wurde. 20 Nun zogen die Israeliten von Babel herauf, während Zerubabel über sie König war und Hohepriester Josue, der Sohn des Josadak,

ein Nachkomme Aarons, 21 wie der Engel dem Propheten Zacharias zeigte und ihm sagte: »Dies sind Ölkinder. « 22 Als sie aus der

Gefangenschaft im zweiten Jahr des Cyrus zurückkehrten, war das Ende des fünften Jahrtausends.

43. Kapitel: Ezra und Zerubabel

1 Als sie hinaufzogen, hatten sie keine Schriften des Propheten. Da stieg der Schreiber Ezra in jenen Brunnen und fand eine mit Feuer

gefüllte Räucherpfanne und einen wohlriechenden Rauch, der daraus emporstieg. 3 Da nahm er dreimal von der Asche jener heiligen Bücher

und tat sie in seinen Mund. Da verlieh ihm Gott alsbald den Geist der Prophetie, und er erneuerte alle Schriften der Propheten. 5 Das Licht,

das sich in jenem Brunnen vorfand, war das Licht der Heiligkeit im Tempel des Herrn. 6 Zerubabel war nun König in Jerusalem, Josue, des

Josadak Sohn, Hohepriester und Ezra war der Schriftsteller des Pentateuch und der Propheten. 7 Als die Israeliten aus Babel zogen, feierten

sie ein Passa. 8 Diese drei Passa feierten die Israeliten in ihrem ganzen Leben: eines in Ägypten zu Moses Zeiten, das andere unter der

Regierung des Josias und das dritte, als sie von Babel fortzogen. 9Dann wurde von ihnen das Passa bis in die Ewigkeit abgeschafft. 10 Von

Jerusalems erster Gefangenschaft, wobei Daniel in die Gefangenschaft ging, bis zur Regierung des Persers Cyrus waren es nach Jeremias

Weissagung siebzig Jahre. 11 Die Israeliten begannen mit dem Tempelbau in den Tagen Zerubabels, Josues, des Josadaksohnes, und des

Schreibers Ezra. 12 Sein Wiederaufbau war in sechsundvierzig Jahren vollendet, wie es im heiligen Evangelium geschrieben steht. 13 Die

Geschlechterreihe aber ging den Schriftstellern wiederum verloren; sie können uns nicht aufzeigen, woher die Stammesväter ihre Weiber

nahmen, und nicht, woher diese stammten. 14 Ich aber habe die wahre Reihe erhalten und werde jedermann den wirklichen Sachverhalt

zeigen: 15 Als die Israeliten von Babel heraufzogen, zeugte Zerubabel von Malkat, der Tochter des Schreibers Ezra, den Abiud. 16 Abiud

heiratete die Sakiat, die Tochter des Priesters Josue, des Josadaksohnes, und zeugte von ihr den Eljakim. 17 EIjakirn heiratete die Halab,

28

Dornibs Tochter, und zeugte von ihr den Azor. 18Azor heiratete die Jalpat, der Hasor Tochter, und zeugte von ihr den Sadok. 19 Sadok

heiratete die Keltin, der Dornim Tochter, und zeugte von ihr den Achin. 20 Achin heiratete die Heskat, des Tail Tochter, und zeugte von ihr

den Eliud. 21 Eliud heiratete Bestin, des Hasol Tochter, und zeugte von ihr den Eleazar. 22 Eleazar heiratete die Dihat, des Tola Tochter, und

zeugte von ihr den Matthan. 23 Matthan heiratete die Sabrat, des Pinechas Tochter, und zeugte von ihr zwei Söhne in einem Leib, den Jakob

und den Jonakir. 24Jakob heiratete die Hadbit, des Eleazar Tochter, und zeugte von ihr den Joseph. 25 Jonakir heiratete die Dina, des Pachod

Tochter, und zeugte von ihr Maria, aus der der Messias geboren ward.

44. Kapitel: Nachexilische Geschlechtsregister

1 Da keiner der früheren Schriftsteller diese Geschlechterreihe der Nachkommen ihrer Väter fand, bedrängten die Juden die Kinder der

Kirche, sie sollten ihnen die Eltern der seligen Maria in der Reihe ihrer Stammregister nachweisen. 2 Sie forderten die Kinder der Kirche auf,

sie sollten die Reihe ihrer Väterstämme erforschen und ihnen den wahren Sachverhalt aufweisen. 3 Denn sie nannten Maria eine

Ehebrecherin. 4 Jetzt aber wird der Mund der Juden verstummen, und sie werden glauben, daß Maria aus dem Hause Davids und Abrahams

stammt. 5 Denn die Juden haben keine Geschlechterreihe, die ihnen den wahren Sachverhalt der Männer ihrer Väter aufzeigen könnte, weil

dreimal ihre Schriften im Feuer verbrannt sind: 6 einmal in den Tagen des Antiochus, der eine Verfolgung gegen sie erregte, den Tempel des

Herrn besudelte und sie zwang, den Götzen zu opfern; 7 zweitens in den Tagen ... ,drittens in den Tagen des Herodes, als Jerusalem zerstört

wurde. 8 Deshalb waren die Juden in großer Bedrängnis, weil sie keine wahre Geschlechterreihe der Nachkommen ihrer Väter hatten. 9 Sie

bemühten sich zwar schleunigst, auf der Wahrheit zu fußen; aber sie vermochten es nicht. 10 Sie hatten viele Schriftsteller; aber jeder von

ihnen schrieb, wie er wollte. 11 So stimmten sie nicht miteinander überein; denn sie konnten nicht auf dem Boden der Wahrheit stehen. 12

Auch unsere Schriftsteller, die Söhne der Kirche, waren nicht imstande, uns die sichere, feste Wahrheit aufzuzeigen, weder, wie Adams

Leichnam nach Golgatha hinaufgebracht ward, noch, woher die Eltern des Melchisedech waren, noch woher die Eltern der seligen Maria. 13

Als die Israeliten von der Kirche bedrängt wurden und die Wahrheit nicht fanden, wurden sie dreist und schrieben nach dem Geschwätz des

Irrtums und dies ... uns ... diese Reihe von dreiundsechzig Stämmen; sie reicht von Adam bis zum Messias. 14 Woher aber sich jeder

einzelne von ihnen ein Weib nahm, und wessen Tochter sie war, das konnten weder die griechischen, noch die hebräischen, noch die

syrischen Schriftsteller aufzeigen. 15 Weil nun jeder einzelne der göttlichen Lehrer in der Kirche eine wahrhafte Lehre als Fundament gab,-

und sie gaben den Gläubigen eine Waffe, um damit zu kämpfen und ihre Feinde zu bekriegen, - 16 so hat auch uns der Messias Gnade

verliehen, daß wir das, was jenen unmöglich war, in ihren reichen Schatz aufnehmen können. 17 Wir bemühten uns mit viel Sorgfalt, dies zu

tun, sowie es unser im Messias berühmter Bruder Nemesius liebt, daß wir das, was jenen unmöglich war. 18 Obwohl ich durch meine

Nachlässigkeit abgehalten werde, während du von der Liebe zur Lehre kein Auge abwendest, und zwar wegen deiner gütigen Zuneigung zu

mir, so war ich doch bestrebt, deine an mich gestellten Forderungen zu erfüllen und dir davon schriftlich zu berichten. 19 Höre, mein Bruder

Nemesius! Diese Geschlechterreihe, die ich dir schreibe, fand noch keiner von allen Lehrern . 20 Diese dreiundsechzig Geschlechter, von

denen des Messias Menschwerdung abgeleitet wird, leiten sich also ab:

21 Adam erzeugte den Set. Set heiratete die Kelimat, die mit Abel geboren ward, und zeugte von ihr den Enos. 23 Enos heiratete die Anna,

die Tochter der Jobal und Enkelin der Choch, der Tochter Sets, und zeugte von ihr den Kenan. 24 Kenan heiratete die Perjat, die Tochter der

Kotim und Enkelin des Jarbal, und zeugte von ihr den Mahalaleel. 25 Mahalaleel heiratete die Sechatpar, des Enos Tochter, und zeugte von

ihr den Jared . 26 Jared heiratete die Sebida, die Tochter der Kuchlon und Enkelin des Kenan, und zeugte den Henoch. 27 Henoch heiratete

die Sadkin, die Tochter der Topich und Enkelin des Mahalaleel, und zeugte von ihr den Metusala. 28Metusala heiratete die Sakut, die

Tochter der So kin und Enkelin des Henoch, und zeugte von ihr den Lamech . 29 Lamech heiratete die Kipa, die Tochter der Tautab und

Enkelin des Metusala, und zeugte von ihr den Noe. 30Noe heiratete die Haikal, die Tochter des Namos, und zeugte von ihr Sem, Cham und

Japhet. 31 Sem zeugte den Arpaksad, dieser den Sala, dieser den Eber, dieser den Peleg, dieser den Regu, dieser den Serug und zeugte den

Tare. 32 Tare heiratete zwei Weiber, die Jona und die Salmut; er zeugte aus der Jona den Abraham und aus der Salmut die Sara. 13 Abraham

heiratete die Sara und zeugte den Isaak. 34 Isaak heiratete die Rebekka und zeugte den Jakob. 35 Jakob heiratete die Lea und zeugte den

Juda. 36 Juda zeugte den Perez aus der Tamar. 37Perez zeugte den Hesron . 38Hesron zeugte den Aram, dieser den Aminadab, 39 dieser den

Nahasson, dieser den Salmon und Salmon zeugte den Boaz aus der Rahab. 40 Boas heiratete Ruth, die Tochter des Lot, und zeugte den

Obed. 41 Obed zeugte den Isai und Isai den König David. 42 David heiratete Batseba und zeugte aus ihr den Salomo. 43 Salomo zeugte den

Rehabeam, dieser den Abia, dieser den Asa, dieser den Josaphat, dieser den Joram, dieser den Achazja, 44 dieser den Joas, dieser den

Amasja, dieser den Uzzia, dieser den Jotam, dieser den Achaz, dieser den Hizkia, dieser den Manasse, dieser den Amon, dieser den Josias,

dieser den Jojakim, dieser den Jechonias, dieser den Salatiel, dieser den Nedabja, 45 dieser den Zerubabel, dieser den Abiud, dieser den

Eljakim, dieser den Azor, dieser den Sadok, dieser den Achin, dieser den Eliud, dieser den Eleazar, dieser den Matthan, dieser die Sibrat, die

Tochter des Pinechas; er erzeugte den Jakob und den Jonakir. 46 Jakob heiratete die Hadbit, des Eleazar Tochter, und zeugte den Joseph, den

Verlobten Mariens. 47 Jonakir heiratete die Dina, die Anna ist, des Pachod Tochter; sechzig Jahre nach ihrer Heirat gebar sie Maria, aus der

der Messias geboren ward. 48 Weil Joseph der Sohn des Oheims Mariens war, so wurde sie durch das Vorherwissen Gottes, der wußte, daß

Maria von den Juden verfolgt würde, dem Sohn ihres Oheims übergeben, daß er auf sie achte. 49 Sieh nun, Bruder Nemesius, wie von der

Geschlechterreihe der Davidsnachkommen die Eltern der seligen Maria abstammen. 50 Siehe! Dich stellte ich auf den Boden der Wahrheit,

worauf keiner der Schriftsteller fußen konnte. 51 Siehe, wie sich diese dreiundsechzig Stämme von Adam bis zur Geburt des Messias

ableiten! 52Auch für die Juden ist es eine Freude, die Nachkommen der Stämme ihrer Väter zu finden. 53 Sieh, Bruder Nemesius, wie in des

Cyrus Tagen das Ende des fünften Jahrtausends ist! 54 Von Cyrus bis zum Leiden unseres Erlösers sind fünfhundert Jahre gemäß der

Prophezeiung Daniels, der weissagte und sprach: »Nach zweiundsechzig Wochen wird der Messias getötet werden. « Diese Wochen sind

eben die fünfhundert Jahre. 55 Siehe, wie dadurch der Juden Mund verschlossen wird. 56 Weil sie sich erfrechten, zu sagen, es sei der

Messias bis jetzt noch nicht gekommen, müssen sie notwendig zwischen zwei Dingen wählen, entweder Daniels Weissagung anzunehmen

oder sie zu verwerfen. 57 Seine Weissagung hat sich ja erfüllt, und die Wochen sind vorübergegangen; der Messias ist getötet und die heilige

Stadt von Bespasian zerstört worden.

45. Kapitel: Der Messias

1 Sieh, jetzt, Liebhaber der Lehre, unser Bruder Nemesius, wie im zweiundvierzigsten Jahr der Regierung des Augustus der Messias zu

Bethlehem in Juda geboren wurde, wie es im heiligen Evangelium geschrieben steht. 2Zwei Jahre vor der Geburt des Messias erschien den

Magiern der Stern; sie sahen am Firmament einen Stern, der heller als alle andern Sterne strahlte. 3 In seiner Mitte war ein Mädchen, das

einen Knaben trug, und der auf seinem Haupte eine Krone hatte. 4 Es war nämlich eine Gewohnheit der frühern Könige und chaldäischen

Magier, alle ihre Zustände aus den Sternbildern zu erforschen. 5 Als jene den Stern sahen, gerieten sie in Verwirrung und Furcht und ganz

Persien ward erregt. 6 Die Könige, die Magier, Chaldäer und Weisen Persiens waren bestürzt und fürchteten sich erst vor diesem Zeichen,

das sie erblickten, und sprachen: 7 »Beschloß vielleicht der König von Ninive, mit dem Land des Nimrod Krieg anzufangen?« 8 Eilends

lasen die Magier und Chaldäer in ihren gelehrten Büchern; sie erreichten nun durch die Kraft der Weisheit ihrer Schriften ihren Zweck und

lernten, auf dem festen Boden der Wahrheit stehend. 9 Denn in Wahrheit wurde von den chaldäischen Magiern das gefunden, daß sie durch

den Lauf derjenigen Sterne, die sie Tierkreiszeichen nannten, im voraus die Wirklichkeit der Tatsachen erkannten, bevor diese selbst

eintraten. l0 Diese Erkenntnis wird auch den Seefahrern zuteil, so daß sie, bevor ein Wirbelwind eintritt oder sich ein Sturm gegen sie erhebt,

aus dem Lauf der Gestirne erkennen, daß gegen sie eine Gefahr im Anzug ist. 11 Als nun diese Magier in dem Orakel des Nimrod lasen,

fanden sie darin, daß in Juda ein König geboren würde. Und der ganze Weg der Heilsordnung des Messias wurde ihnen so geoffenbart. 12

Sofort verließen sie den Osten, gemäß der Tradition, die sie durch ihrer Väter Überlieferung erhalten hatten, zogen hinauf zu den Bergen von

Nod, die an den Eingängen zum Osten sich im Norden befinden, und nahmen von dort Gold, Myrrhen und Weihrauch mit. 13 Daraus magst

29

du ersehen, Bruder Nemesius, daß sie das ganze Amt der Heilsordnung unsers Erlösers kannten, eben aus jenen Opfergaben, die sie holten:

14 das Gold für den König, die Myrrhen für den Arzt und den Weihrauch für den Priester. 15 Sie erfuhren, wer er sei, und erkannten, daß er

König, Arzt und Priester wäre. 16 Denn, als der Sohn des Königs von Saba noch ein kleiner Knabe war, brachte ihn sein Vater zu einem

Rabbi, und da lernte er das Buch der Hebräer besser, als all seine Gefährten und Volksgenossen. 17 Er sagte seinen Dienern, daß auch in

allen Jubiläenbüchern geschrieben sei, der König werde in Bethlehem geboren werden. 18 Es sind die folgenden, die dem König die

Opfergaben darbrachten, Könige und Königssöhne: 19 Hormizd von Makozdi, Persiens König, der »König der Könige« hieß und in

Adhorgin unten wohnte, Jazdegerd, der König von Saba, und Peroz, der König von Seba, das im Osten liegt. 20 Als sie eben hinaufziehen

wollten, wurde das Reich der Riesen, ein starkes Heer, aufgeregt und unruhig; auch alle Städte des Ostens gerieten vor ihnen in Aufregung.

21 Auch Jerusalem und Herodes wurden von ihnen erschreckt, als sie hinaufzogen. Der letztere aber befahl ihnen: »Zieht im Frieden hin und

forscht eifrig nach dem Kindlein, 22 und habt ihr es gefunden, dann kommt und zeigt es mir an, daß auch ich hingehe, es anzubeten! « 23 Er

war aber insgeheim voll List in seinem Herzen, und mit seinem Munde heuchelte er nur Verehrung.

46. Kapitel: Die drei Weisen

1 Als die Magier hinaufzogen, war eben in Juda eine große Aufregung wegen des Erlasses des Kaisers Augustus, der befahl, es solle sich

jeder Mann in seiner Heimat und Vaterstadt schätzen lassen. 2 Deshalb erschrak Herodes so sehr und sprach zu den Magiern: »Zieht hin und

forscht nach ihm! « Sie hießen Magier wegen der Magiertracht, die alle Heidenkönige trugen; wenn sie nämlich opferten und ihren Göttern

Opfer darbrachten, dann legten sie zwei Trachten an, die des Königtums innen und außen die des Magiertums. So waren auch jene, als sie

zum Messias hinaufzogen, mit zwei Gewändern ausgerüstet, damit sie ihre Opfer darbringen könnten. 5Als sie aus Jerusalem und von

Herodes fortzogen, erschien ihnen der Stern, der ihnen ein Wegweiser auf der Reise war, und sie freuten sich recht. 6 Der Stern ging vor

ihnen her, bis sie in eine Höhle gingen; da sahen sie das Kindlein in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 7 Während sie

hinaufgingen, dachten sie auf dem Weg bei sich, sie würden großartige Wunder schauen, wenn sie dorthin kämen, die Gesetzesordnung und

staatliche Einrichtung einer Residenz. 8 Denn sobald der König geboren sei, meinten sie, fänden sie im Lande Israel einen königlichen Hof,

goldene Lagerstätten, die aufgeschlagen seien, den König und den Königssohn in Purpur gekleidet, Heere und Heeresabteilungen, die dem

König eilfertig dienten, am Hof Große, die ihn durch Geschenke ehrten, des Königs Speisetafeln hergerichtet und Leckerbissen darauf, und

Diener und Dienerinnen, die in Ehrfurcht aufwarteten. 9 Dies, meinten die Magier, würden sie sehen; aber sie sahen dies nicht, sondern weit

Herrlicheres als dies, sobald sie die Höhle betraten. 10 Sie sahen Joseph, der in Staunen dasaß, und Maria, die in Verwunderung war. 11

Aber es war kein kostbares Lager für sie ausgebreitet, keine Tafel gedeckt und kein einziges Zeichen königlicher Gewalt vorhanden. 12

Obwohl sie all diese Niedrigkeit und Armut sahen, zweifelten sie doch nicht in ihrem Herzen, sondern näherten sich in Furcht, beteten ihn in

Verehrung an und brachten ihm ihre Opfergaben dar: Gold, Myrrhen und Weihrauch. 13 Es betrübte Maria und Joseph recht, daß sie nichts

hatten, um es ihnen vorzusetzen; aber die Magier nährten sich von ihrer Wegzehrung. 14 Es war aber der Messias acht Tage alt, als die

Magier ihm die Opfer darbrachten. 15 Zur selben Zeit, wo Joseph den Messias beschnitt, empfing Maria die Opfergaben. 16 Denn Joseph

beschnitt ihn in Wirklichkeit nach dem Gesetz. 17 Er nannte es Beschneidung, während doch nichts von ihm weggeschnitten wurde. 18 Denn

wie ein Eisen, das durch eine Feuerflamme hindurchgeht und sie durchschneidet, aber sie selbst nicht schneidet, so wurde auch der Messias

beschnitten, ohne daß etwas von ihm weggenommen wurde. 19Als die Magier drei Tage bei ihm waren, sahen sie die himmlischen Mächte

beim Messias auf- und niedersteigen und hörten die Gesänge der Engel, die lobsangen und riefen: 20 »Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der

allmächtige Gott; von seinem Ruhm sind Himmel und Erde erfüllt. « 21 Da gerieten sie in große Furcht, glaubten in Wahrheit an den

Messias und sprachen: »Dieser ist der König, der vom Himmel kam und Mensch wurde. « 22 Und Peroz sprach zu ihnen: »Jetzt weiß ich,

daß des Isaias Weissagung wahr ist; denn, als ich in der Schule der Hebräer war, las ich im Isaias und fand darin folgendes: »Ein Kind ist uns

geboren; ein Sohn ist uns geschenkt; sein Name ist »Wunderbar, Rat, Gott, Ewiger, Held. «23 An einer anderen Stelle steht geschrieben:

»Siehe, eine Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und sein Name heißt Immanuel, d. i. Gott mit uns. « 24 Weil er aber wie ein

Mensch war und die Engel vom Himmel zu ihm herniederstiegen, so ist er in Wahrheit der Herr der Engel und der Menschen. 21 Und es

glaubten die Magier alle und sprachen: »Dieser ist in Wahrheit Gott; denn uns sind auf Erden schon so oft Könige, Helden und Heldensöhne

geboren worden; aber noch nie hat man gehört, daß die Engel zu ihnen herniedergestiegen waren.« 26 Alsbald standen sie alle auf und

verehrten ihn als Herrn und König des ganzen Weltalls; dann bereiteten sie ihre Wegzehrung und kehrten auf dem Wüstenweg wieder in ihr

Land zurück.

47. Kapitel: Herodes

1 Es gibt Leute, die darüber streiten, wo der Messias war, als die Kinder ermordet wurden. 2 Es steht aber geschrieben, er sei nicht im Lande

Juda gefunden worden. 3 Deshalb zog er nach Ägypten, damit das Schriftwort erfüllt würde: »Aus Ägypten berief ich meinen Sohn. « 4

Wisse! Als der Messias nach Ägypten kam, wurden alle Götzen dort niedergestreckt, fielen auf die Erde und zerbrachen, auf daß sich die

Schrift erfüllte: »Siehe, der Herr fuhr auf schnellen Wolken und kam nach Ägypten; da erzitterten vor ihm Ägyptens Götzen.« 5 Er kehrte

nicht aus Ägypten heim, sondern blieb dort, bis Herodes gestorben war; nach diesem herrschte sein Sohn Archelaus. 6 Erinnere dich nur

daran, Bruder Nemesius, daß ich sagte, alle Menschen, die dem Herodes untertan waren, seien in einer Schätzung gewesen! Diese wurde in

fünfzig Tagen zu Ende geführt. 7 Bis diese Schätzung vollendet und untersiegelt war und Herodes sie zugesiegelt und nach Rom an

Augustus geschickt hatte, wurde von Herodes nicht nach dem Messias geforscht, und bis dahin wurden die Kinder nicht ermordet; 8

vielmehr wurde während dieser Aufregung infolge der Schätzung der Messias geboren. 9 Als vierzig Tage nach seiner Geburt verflossen

waren, kam er zum Tempel des Herrn, wo ihn Simeon der Greis, der Sohn Josues und Enkel Josadaks, trug, in dessen Tagen die Gefangenen

von Babel heraufzogen; er war nämlich fünfhundert Jahre alt, als er den Messias auf seinen Armen trug. 10 Da sprach der Engel zu Joseph: »

Steh auf, nimm dein Kind und seine Mutter und fliehe nach Ägypten! « 11 Als nun die Schätzung vorbei war, wurden die Juden entlassen, so

daß jeder in sein Land und nach seinem Wohnort zurückkehrte. 12 Da forschte Herodes nach den Magiern, und man sagte ihm: »Sie sind in

ihr Land zurückgekehrt. « 13 Da ergrimmte er heftig, sandte sofort Leute aus und ließ alle Kinder von Bethlehem und allen Dörfern ringsum

töten. 14 Als er an den Kleinen vorüberging und darunter nicht den Johannes, des Zacharias Sohn, fand, sprach er: 15 »Wahrlich, sein Sohn

wird über Israel herrschen; « denn er hatte etwas von dem gehört, was dem Zacharias vom Engel gesagt worden war, als er ihm den Johannes

verhieß. 16 So sandte er zu Zacharias und ließ ihm sagen: »Bring mir den Johannes! « 17 Da sprach Zacharias: »Ich bin Priester und diene

im Tempel des Herrn; ich weiß nicht, wo das Kind und seine Mutter ist. « 18 Deshalb ward Zacharias zwischen den Stufen und dem Altar

ermordet. 19 Elisabeth aber nahm den Johannes und ging in die Wüste. 20 Den Herodes ereilte sofort das göttliche Strafgericht, das kein

Erbarmen kannte; er verfiel in eine Krankheit. 21 Sein Atem ward übelriechend und sein Leib von Würmern zerfressen; so ward er in großer

Qual gepeinigt, bis die Menschen wegen seines entsetzlichen Geruches ihm nicht mehr nahe kommen konnten. 22 In dieser bittern Qual raste

seine Seele zu äußerster Finsternis hin. 22 Aber selbst noch in seinem Tod richtete er viele zugrund, da er seinem Sohn Archelaus und seiner

Schwester Salome befohlen hatte: 24 »Sobald ich tot bin, sollen alle, die von mir gefangen Gesetzten getötet werden! « 25 Er hatte nämlich

aus jedem Haus eine Person eingesperrt und gesagt: »Ich weiß wohl, daß die Juden über meinen Tod eine große Freude haben werden. Damit

sie sich aber nicht freuen, während ihr traurig seid und weinet, sollen meine Gefangenen getötet werden, damit sie infolge meines Todes eine

Trauer halten, obschon sie es nicht wollen! « 26 Sie taten, wie er ihnen befahl . 27 Als das geschah, war nicht ein einziges Haus in ganz Juda

übrig, worin nicht Trauer herrschte, wie dies zu Moses Zeit in Ägypten der Fall war.

48. Kapitel: Taufe, öffentliches Leben und Tod des Messias

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1 Als Herodes tot war und Joseph von seinem Tod gehört hatte, kehrte er nach Galiläa zurück. 2 Als der Messias dreißig Jahre alt war, wurde

er von Johannes getauft. 3 Johannes war sein ganzes Leben in der Wüste und nährte sich von einer Wurzel, die Kamus hieß und wilder

Honig war. 4 Im zwölften Jahre der Regierung des Tiberius litt der Messias. 5 Erkenne nun, Bruder Nemesius, daß in des Jared Tagen, in

seinem vierzigsten Jahr, das Ende des ersten Jahrtausends war, 6 im sechshundertsten Jahr des Noe das Ende des zweiten Jahrtausends, im

vierundsiebzigsten Jahre des Regu das Ende des dritten Jahrtausends, im sechsundzwanzigsten Jahr des Eliud das Ende des vierten

Jahrtausends, 7 im zweiten Jahr des Cyrus das Ende des fünften Jahrtausends, und im fünfhundertsten Jahr des sechsten Jahrtausends litt der

Messias in seiner Menschheit! 8 Wisse auch, daß der Messias zu Nazareth in Maria wohnte, in Bethlehem geboren und in eine Krippe gelegt

wurde, von Simeon im Tempel Salomos getragen, in Galiläa erzogen und von Maria Magdalena gesalbt wurde! 9 Er aß das Passa im Haus

des Nikodemus, des Bruders von Joseph von Ramta; er ward im Haus des Hanan gefangen, im Haus des Kaiphas mit einem Rohr gehauen.

10 Er umklammerte im Prätorium des Pilatus die Säule und wurde mit einer Geißel gepeitscht. 11 An einem Freitag, am vierzehnten Nisan,

litt unser Erlöser. 12 In der ersten Stunde des Freitags bildete Gott den Adam aus Staub, und in der ersten Stunde des Freitags empfing der

Messias von den Kindern Adams ihren Speichel. 13 In der zweiten Stunde des Freitags versammelten sich die wilden Tiere, das Vieh und die

Vögel bei Adam, und er gab ihnen Namen, während sie vor ihm das Haupt beugten, 14 und in der zweiten Stunde des Freitags scharten sich

die Juden gegen den Messias, indem sie mit den Zähnen gegen ihn knirschten, nach dem Wort des frommen David: »Große Farren haben

mich umgeben, fette Ochsen mich umringt.« 15 In der dritten Stunde des Freitags ward die Glorienkrone auf Adams Haupt gesetzt, und in

der dritten Stunde des Freitags ward auf das Haupt des Messias die Dornenkrone gesetzt. 16 Drei Stunden war Adam im Paradies, wo er in

Glorie strahlte, und drei Stunden war der Messias im Richthaus, wo er mit Geißeln gepeitscht wurde. 17 In der sechsten Stunde stieg Eva auf

den Baum der Gebotsübertretung, und in der sechsten Stunde stieg der Messias ans Kreuz, den Baum des Lebens. 18 In der sechsten Stunde

gab Eva dem Adam die Frucht des bittern Todes, und in der sechsten Stunde gab die ungerechte Gemeinde dem Messias Essig und Galle. 19

Drei Stunden war Adam unter dem Baum seiner Scham entblößt, und drei Stunden war der Messias am Kreuzesstamme nackt . 20 Von

Adams rechter Seite ging Eva, die Mutter, deren Kind sterblich war, hervor, und von des Messias rechter Seite ging die Taufe aus, deren

Kinder unsterblich sind . 21 An einem Freitag sündigten Adam und Eva, und an einem Freitag ward ihre Sünde vergeben. 22 An einem

Freitag starben Adam und Eva, und an einem Freitag lebten sie wieder. 23 An einem Freitag bekam der Tod Gewalt über sie, und an einem

Freitag wurden sie von seiner Herrschaft erlöst. 24 An einem Freitag gingen Adam und Eva aus dem Paradies, und an einem Freitag stieg unser

Herr ins Grab. 25 An einem Freitag ward die Scham Adams und Evas entblößt, und an einem Freitag sandte der Messias aus und ließ sie

bekleiden. 26 An einem Freitag entblößte der Satan ihre Scham, und an einem Freitag entblößte der Messias den Satan und all seine

Gewalten und machte sie offenkundig zuschanden. 27 An einem Freitag ward des Paradieses Pforte geschlossen, und an einem Freitag ward

sie geöffnet, und hinein ging der Schächer. 28 An einem Freitag ward dem Kerub das zweischneidige Schwert gegeben, und an einem

Freitag siegte der Messias durch den Speer und zerbrach des Schwertes Schneide. 29 An einem Freitag ward Adam das Königtum,

Priestertum und Prophetentum gegeben, und an einem Freitag ward das Königtum, Priestertum und Prophetentum den Juden genommen. 30

In der neunten Stunde des Freitags stieg Adam zum flachen Land von des Paradieses Höhe hernieder, und in der neunten Stunde des Freitags

stieg der Messias von der Höhe des Kreuzes hinab zu den untern Örtern der Erde, zu denen, die im Staube lagen.

49. Kapitel: Golgatha

1 Wisse! In allem ward der Messias dem Adam gleich, wie es geschrieben steht. 2 An jenem Ort, wo Melchisedech als Priester diente, wo

Abraham seinen Sohn Isaak zur Opferung hinaufführte, dort ward der Stamm des Kreuzes errichtet. 3 Dieser Ort ist der Mittelpunkt der

Erde, und dort stoßen die vier Teile zusammen. 4 Denn als Gott die Erde schuf , lief seine Kraft vor ihr her, und die Erde lief hinter diesen

her. 5Dort auf Golgatha blieb Gottes Kraft stehen und kam zur Ruhe, und dort vereinigten sich die vier Enden der Welt; dieser Ort bildet die

Grenzen der Erde. 6 Als Sem den Leichnam Adams hinaufbrachte, war jener Ort die Pforte der Erde; sie öffnete sich. 7 Nachdem Sem und

Melchisedech den Leichnam Adams in den Mittelpunkt der Erde gelegt hatten, liefen die vier Teile zusammen und schlossen Adam ein. 8

Die Pforte schloß sich wieder, daß keiner der Kinder Adams sie öffnen konnte. 9 Als oberhalb von ihr das Kreuz des Messias errichtet

wurde, das Kreuz des Erlösers Adams und seiner Nachkommen, öffnete sich die Türe des Ortes über Adam. 10 Und als oberhalb derselben

der Kreuzesstamm eingerammt war und der Messias durch den Speer den Sieg errang, lief aus seiner Seite Blut und Wasser, flog hernieder in

Adams Mund und bildete für ihn die Taufe, und so ward er dadurch getauft. 11 Als die Juden den Messias an den Stamm des Kreuzes

hefteten, teilten sie unter dem Kreuz seine Kleider untereinander, wie geschrieben steht. 12 Sein Rock war von Purpur, der Gewandung eines

Königs. 13 Als sie ihm das Königsgewand auszogen, erlaubte Pilatus nicht, daß sie ihm ein einfaches Gewand anzögen, sondern eben ein

solches Königskleid, von Purpur oder Scharlach. 14 Aus diesem beiden ist ersichtlich, daß er ein König war. 15 Denn kein anderer Mensch,

als ein König, darf in Purpur gekleidet werden. 16 Es sagt einer der Evangelisten: »Sie bekleideten ihn mit einem Obergewand von Purpur«,

und dieses Wort ist wahr und recht glaubwürdig. 17 Ein anderer sagt von Scharlach; auch er verkündete die Wahrheit. 18 »Das von

Scharlach« zeigt uns das Blut an und »das von Purpur« das Wasser; das rote war wie Blut und das purpurne blaß wie Wasser. 19»Das von

Scharlach« verkündet uns die fröhliche und unsterbliche Natur, »das von Purpur« die traurige und sterbliche Menschheit. 20 Beachte, Bruder

Nemesius, daß der Scharlach das Leben versinnbildet! 21 Es sprachen die Kundschafter zur Buhlerin Rahab: »Hänge das Seil von Scharlach

zum Fenster heraus! «, eben das Seil, an dem sie herabgestiegen waren, nachdem sie bei ihr freundlich aufgenommen worden waren. 22 Dies

ist das Vorbild unsers Herrn, des Messias, und das Seil von Scharlach das seines kostbaren, lebensspendenden Blutes.

50. Kapitel: Die Erlösung

1 Sie flochten eine Krone aus Dornstacheln, setzten sie auf sein Haupt und zogen ihm königliche Kleider an; sie wußten aber nicht, was sie

taten. 2 Sie beugten die Knie, beteten ihn an und sprachen mit ihrem Mund, ohne dazu gezwungen zu sein: » Sei gegrüßt, du König der

Juden! « 3 Siehe, Bruder! Auch nach seinem Tod ward ihm nichts Königliches vorenthalten. 4 Die Juden und die Soldaten, die Bediensteten

des Herodes und des Pilatus, stritten darüber, wie sie den Rock des Messias zerschneiden und unter sich verteilen könnten, weil sie alle nach

der Schönheit seines Anblickes gelüstete. 5 Auch der Hauptmann, der das Kreuz bewachte, zeugte und sprach vor der ganzen Versammlung:

»Wahrlich, dieser Mann ist Gottes Sohn. « 6 Er sagte auch zu ihnen: »Mir erlauben die Gesetze nicht, daß ich das königliche Gewand

zerschneide. Werft das Los darüber, wen es trifft! « 7A1s die Juden und die Diener des Königs das Los darüber warfen, fiel es auf einen

Soldaten, der ein Krieger des Pilatus war. 8 Der Rock unseres Herrn aber war ungenäht, durch und durch von oben an gewirkt. 9Wenn nun

da, wo er lag und aufbewahrt wurde, Regenmangel eintrat, dann trug man den Rock ins Freie und in der gleichen Stunde, wo man ihn zum

Himmel emporhob, fiel starker Regen. 10 Auch der, der ihn durchs Los erhalten hatte, trug ihn hinaus, so oft die Stadt Regen benötigte, und

jener bewirkte das Wunder. 11 Er wurde ihm dann mit Gewalt von Pilatus abgenommen, und dieser sandte ihn dem König Tiberius. 12

Dieser Rock versinnbildet uns den wahren Glauben, den alle Völker nicht zu spalten vermögen. 13 Drei Ehrengaben, wie es keine

kostbareren gibt, waren früher den Juden geschenkt worden: das Königtum, das Priestertum und das Prophetentum. 14 Das Prophetentum

durch Moses, das Priestertum durch Aaron und das Königtum durch David. 15 Diese drei Gaben, wovon die Geschlechter und Stämme der

Israeliten jahrelang Gebrauch machten, wurden ihnen an Einem Tag genommen. 16 Sie gingen der drei Dinge verlustig und wurden ihnen

entfremdet, dem Prophetentum durch das Kreuz, dem Priestertum durch das Zerreißen des Rockes und dem Königtum durch die

Dornenkrone. 17 Auch der Versöhnung Geist, der im Tempel in dem Allerheiligsten wohnte, verließ sie, zog aus und zerriß den Vorhang des

Heiligen in zwei Stücke. 18 Auch das Passa floh und verließ sie; denn sie feierten kein weiteres Passa mehr. 19 Wisset, Brüder! Als Pilatus

sie nötigen wollte, das Rüsthaus zu betreten, sagten sie zu ihm: »Wir können das Prätorium nicht betreten, weil wir noch kein Passa gegessen

haben. « 20 Als ihnen von Pilatus betreffs der Hinrichtung unseres Herrn die Erlaubnis gegeben war, gingen sie eilends in das Heiligtum,

holten daraus die Bretter und die Bundeslade und machten davon das Kreuz für den Messias. 21 Wirklich! Ihnen ziemte es, auf den gleichen

31

Brettern, worauf sie das Testament getragen hatten, auch den Herrn des Testamentes zu tragen. 22 Das Kreuz des Messias bestand aus zwei

Hölzern, die eine und dieselbe Höhe, Tiefe, Länge und Breite hatten. 23 Der Apostel Paulus bemühte sich recht, auf daß die Völker wüßten,

welches die Kraft des Kreuzes sei, das die Höhe, Tiefe, Länge und Breite der Erde enthalte. 24 Als sie den Messias, das leuchtende Licht der

ganzen Erde, erhöhten und auf den Leuchter des Kreuzes setzten, erlosch und verdunkelte sich das Licht der Sonne, und ein Schleier der

Finsternis verbreitete sich über die ganze Erde. 25 Drei Nägel waren in den Leib unseres Erlösers geheftet, zwei in seine Hände und einer in

seine beiden Füße. 26 Der Schächer waren es zwei, einer zur Rechten und einer zur Linken.

51. Kapitel: Der Juden Schuld

1 Man reichte ihm Essig und Galle in einem Schwamm. Durch den Essig, den sie ihm gaben, ward ihnen angedeutet, daß sich ihr früherer

Wille umgewandelt hatte und sie sich vom rechten Weg zur Schlechtigkeit gewandt hatten, 3 und durch die Galle ward die Bitterkeit der

hartnäckigen Schlange angedeutet, die in ihnen war. 4 Sie zeugten, daß auch sie zu ihm gehört hatten, zu ihm, der der gute Weinberg ist,

wovon die Propheten und Könige und Priester die herzerfreuenden Weine tranken. 5 Aber, weil sie schlechte Erben waren, so wollten sie

nicht für den »Weinberg meines Lieben« arbeiten. 6 Anstatt der Trauben brachten sie Herlinge hervor, und der Wein, den sie aus den

Herlingen preßten, war sauer. 7 Als sie den Erben ans Kreuz geschlagen hatten, mischten sie ihm von dieser Hefe ihren schlechten Wein, und

gaben ihm von dem Wein des Weingartens der Völker zu trinken; aber er wollte nicht. 8 »Gebt mir von dem Weinstock, den mein Vater aus

Ägypten brachte! « 9 Es wußte der Messias, daß sich an ihm erfüllen würde die Weissagung des Moses, der über sie prophezeit und gesagt

hatte: 10 »Ihre Trauben sind bittere Trauben und ihre Beeren sind Galle; ihr Gift ist Drachengift und ihr Haupt das einer schlimmen Otter;

solches vergeltet ihr dem Herrn.« 11 Siehe, Bruder Nemesius, wie der fromme Moses mit dem Auge des Geistes voraussah, was dem

Messias in Zukunft geschehen würde: »Solches vergeltet ihr dem Herrn.« 12 Der Weinstock war ein Herling, nämlich die Gemeinde der

Kreuziger; ihre Töchter waren die bitteren Trauben und ihre Söhne die bitteren Beeren. 13 Kaiphas, ihr Haupt, die wütende Otter, sie alle

schlecht und voll von dem Gift des Satans, der der wilde Drache ist. 14 Statt des Wassers aus dem Felsen, der sie in der Wüste getränkt,

gaben sie ihm Essig zu trinken, statt Manna und Wachteln Galle. 15 Sie gaben ihm aber nicht in einem Becher zu trinken, sondern in einem

Schwamm, um zu zeigen, daß von ihnen der Segen ihrer Väter verschwunden war. 16 Dies bekundet folgendes: Wenn ein Gefäß leer ist und

kein Wein mehr darin, dann wäscht und reinigt man es mit einem Schwamm. 17 So entleerte auch der Messias, als die Juden ihn gekreuzigt

hatten, das Königtum, Priestertum und Prophetentum sowie die Messianität und nahm sie von ihnen. So blieben nur ihres Leibes Gefäße

übrig, die beraubt und leer waren. 18 Als das Gesetz und die Propheten erfüllt waren und als Adam auferweckt ward und die Quelle des

lebendigen Wassers sah, das zu seiner Erlösung herabgesandt war, siegte der Messias durch den Speer, und aus seiner Seite liefen Blut und

Wasser herab. 19 Aber sie waren nicht miteinander vermischt. Warum kam das Blut vor dem Wasser heraus ? 21 Aus zwei Gründen: einmal,

weil durch das Blut dem Adam das Leben gegeben werden sollte, und dann, nach dem Leben und der Auferstehung, das Wasser zu seiner

Taufe, und zweitens zeigte er durch das Blut, daß er unsterblich sei, durch das Wasser aber, daß er sterblich und leidensfähig sei. 22 Das Blut

und das Wasser flossen in Adams Mund herab, und so ward Adam erlöst und zog das Gloriengewand an. Der Messias schrieb den Brief

seiner Zurückführung mit seinem eigenen Blut und legte ihn in die Hände des Schächers.

52. Kapitel: Von Adam bis zum Messias

1 Als alles vollendet war, wurde der Gemeine ein Scheidebrief geschrieben, und sie ward verstoßen und des Gloriengewandes beraubt, wie

schon vorher von ihr David durch den Heiligen Geist geweissagt hatte: »Bis zu des Altares Hörnern, bis hieher werden die Feste der Juden

fortgeführt. « 2 Bis zu den Hörnern des Altars, d. h. bis zum Kreuz des Messias, nämlich: 3 Von Adam zu Seth, von Seth zu Enos, von Enos

zu Kenan, von Kenan zu Mahalaleel, von Mahalaleel zu Jared, von Jared zu Henoch, von Henoch zu Metusala, 4 von Metusala zu Lamech,

von Lamech zur Noe, von Noe zu Sem, von Sem zu Arpaksad, von Arpaksad zu Sale, von Sale zu Eber, von Eber zu Peleg, von Peleg zu

Regu, von Regu zu Serug, 5 von Serug zu Nachor, von Nachor zu Thare, von Thare zu Abraham, von Abraham zu Isaak, von Isaak zu Jakob,

von Jakob zu Juda, von Juda zu Perez, von Perez zu Hesron, 6 von Hesron zu Aram, von Aram zu Aminadab, von Aminadab zu Nahasson,

von Nahasson zu Salmon, von Salmon zu Boaz, von Boaz zu Obed, von Obed zu Isai, von Isai zu David, 7 von David zu Salomo, von

Salomo zu Rehabeam, von Rehabeam zu Abia, von Abia zu Asa, von Asa zu Josaphat, von Josaphat zu Joram, von Joram zu Achazja, von

Achazia zu Joas, 8 von Joas zu Amasja, von Amasja zu Uzzia, von Uzzia zu Jotham, von Jotham zu Achaz, von Achaz zu Hizkia, von Hizkia

zu Manasse, von Manasse zu Amon, von Amon zu Josias, 9 von Josias zu Joachaz, von Joachaz zu Jojakim, von Jojakim zu Jojakin, von

Jojakin zu Salathiel, von Salathiel zu Zerubabel, von Zerubabel zu Abiud, von Abiud zu Eliachim, 10 von Eliachim zu Azor, von Azor zu

Sadok, von Sadok zu Achin, von Achin zu Eliud, von Eliud zu Eleazar, von Eleazar zu Matthan, von Matthan zu Jakob und Jonakir, 11 von

Jonakir zu Maria, von Maria zur Krippe, von der Krippe zur Beschneidung, von der Beschneidung zum Tempel, vom Tempel nach Ägypten,

12 von Ägypten nach Galiläa, von Galiläa nach Jerusalem, von Jerusalem nach dem Jordan, vom Jordan in die Wüste, von der Wüste nach

Judäa, von Judäa zur Predigt, 13 von der Predigt zum Saal, vom Saal zum Passa, vom Passa zum Richthaus, vom Richthaus ans Kreuz, vom

Kreuz ins Grab, vom Grab zum Saal, vom Saal zum Himmel und vom Himmel auf den Thron, wo er sitzt zur Rechten seines Vaters. 14 Sieh,

Bruder Nemesius, wie die Geschlechter und Stämme abgeleitet werden! Von Adam bis zu den Juden und von den Juden, vom einen zum

andern, bis zum Kreuzestod des Messias. 15 Von da an hörten die Feste der Juden auf, wie schon der fromme David von ihnen sagte:

»Bindet die Feste mit Ketten bis zu den Hörnern des Altars. « 16 Die Ketten sind die Stämme, wovon einer an den andern knüpft; der Altar

ist das Kreuz des Messias. 17 Bis zum Kreuz des Messias werden die Feste der Juden im Priestertum, Königtum, Prophetentum und Passa

herabgeführt. 18 Vom Kreuzestod des Messias an sind sie alle den Juden genommen worden, wie ich gesagt habe, und über ihnen ist

fernerhin kein König, Priester, Prophet oder Passa mehr, wie von ihnen Daniel weissagte. 19 Nach zweiundsechzig Wochen wir der Messias

getötet und die heilige Stadt zerstört werden bis zum Ende des Krieges,« d. h. bis in Ewigkeit der Ewigkeiten.

53. Kapitel: Des Messias Begräbnis

1 Als das ganze Gesetz und die Propheten erfüllt waren und der Messias am Kreuze hing, gingen Joseph, der Bruder des Nikodemus und des

Kaliopha, zu Pilatus hinein; denn er trug des Pilatus Siegelring, war er doch Ratsherr und hatte große Redefreiheit bei ihm.2 Er bat um den

Leichnam unsers Erlösers, da befahl jener, daß er ihm gegeben würde. 3 Als er den Leichnam fortgetragen hatte, gebot Pilatus sofort, daß

ihm auch der Garten gegeben würde, worin das Grab unseres Erlösers war. 4 Dieses gehörte dem Joseph und war ihm durch Erbschaft zugefallen,

nämlich durch den Leviten Pinechas, den Vetter Josephs. 5 Auch Joseph war aus Jerusalem; aber er war in Ramtha Ratsherr

geworden; alle Briefe, die während der ganzen Regierung des Pilatus geschrieben wurden, wurden mit dem Siegel, das Joseph hatte,

gesiegelt. 6 Als er den Leichnam unsers Herrn vom Kreuz herabgenommen hatte, liefen die Juden hin, nahmen das Kreuz und trugen es nach

dem Tempel, weil es die Bretter der Bundeslade waren. 7 Nikodemus balsamierte den Leichnam unseres Herrn ein; Joseph wickelte ihn in

reine, neue Linnen und begrub ihn in einem neuen Grab, das für Josue, Nuns Sohn, für sein Begräbnis gemacht war. 8 Weil aber dieser mit

dem Auge des Geistes sah und ihm der Weg der Heilsordnung des Messias vorschwebte, nahm er den Stein, der mit den Israeliten in der

Wüste gewandelt war, und legte ihn vor die Grabestüre, deshalb wurde er nicht darin begraben. 9 Als Joseph, Nikodemus und Kaliopha den

Messias begraben hatten, legten sie diesen Stein vor die Türe des Begräbnishauses. 10 Dann gingen die Hohenpriester mit dem Gefolgedes

Pilatus hinaus und drückten Siegel oben auf das Grab und den Stein. 11 Jetzt, Bruder Nemesius, staune und preise Gott dafür, daß sich alle

Balken des Kreuzes des Messias an die Bretter der Lade des Gottesdienstes und an die Hülle des Heiligtums der Versöhnung anschlossen! 12

Diese war es, wovon Gott dem Moses geboten hatte, er solle einen Brustschild des Gerichtes und des Friedens machen, des Gerichtes für die

Juden, die ihn kreuzigten, und des Friedens, die an ihn glauben. 13 Sein Kreuz war vom Holz des Heiligtums und sein Grab war neu, indem

es für den Tod des Josue, des Nunsohnes bestimmt war. 14 Der Fels aber, der der Messias ist, hatte in der Wüste sechshunderttausend

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Menschen Wasser gespendet, jetzt ist er ein Altar und gibt allen Menschen Leben. 15 Dieses Wort des Apostels, daß dieser Fels der Messias

war, ist wahr und sehr glaubwürdig. 16 Joseph war nun zum Ratsherrn in Ramtha ernannt worden, Nikodemus zum Lehrer des Gesetzes in

Jerusalem und Kaliopha in Emaus zum Schriftsteller der Hebräer. 17 Nikodemus bereitete für den Messias in dem Saal alles vor, was zum

Passa nötig war. 18 Joseph wickelte ihn ein und begrub ihn in seinem Erbe, und Kaliopha nahm ihn in sein Haus auf. 19 Als er vom

Totenreich auferstanden war, waren ihm diese wie Brüder der Wahrheit und Lauterkeit . 20 Als ihn Joseph vom Kreuze abnahm, nahm er

auch die Schrift, die oben an seinem Haupt, d. h. oben am Kreuz des Messias angeheftet war; denn sie war von Pilatus auf Griechisch, Lateinisch

und Hebräisch abgefaßt . 21 Warum schrieb aber Pilatus kein Wort Sy risch darauf ? 22 Weil die Syrer keinen Anteil an dem Blut des

Messias hatten und weil Pilatus ein weiser und wahrheitsliebender Mann war. 23Er wollte keine Lüge niederschreiben, wie es ungerechte

Richter tun; er tat vielmehr, wie es im Gesetze Moses steht: »die, die Gerechten verdammen ... « 24Nach ihrem Namen als Gottesmörder

sollten sie zuerst dort Hand an ihn legen. 25 Pilatus schrieb es und heftete es oberhalb vom Messias an, den Herodes, der Grieche, Kaiphas,

der Jude, und der Römer Pilatus töteten. 26 Die Syrer aber haben keinen Anteil an seinem Tod; dafür ist Abgar, der König von Edessa

Zeuge. 27 Er wollte nach Jerusalem heraufziehen und es zerstören, weil die Juden den Messias gekreuzigt hatten.

54. Kapitel: Christi Höllenfahrt und Auferstehung

1 Die Niederfahrt des Messias zur Unterwelt war nicht vergeblich, sondern Ursache einer Menge von Wohltaten für unser Geschlecht. 2

Seine Niederfahrt zu den unteren Orten der Erde löste des Todes Herrschaft auf und spendete Vergebung denen, die ohne Gesetz gesündigt

hatten. 3 Sie zerstörte die Unterwelt, tötete die Sünde, beschämte den Satan, betrübte die Teufel, schaffte die Opfer und Brandopferhöhen ab,

bereitete dem Adam die Rückkehr und vereitelte die Feste der Juden. Als er am dritten Tag aus dem Grab auferstand, erschien er Kepha und

Johannes. 4 Als der Messias noch im Grabe war und die Wächter um das Grab herumsaßen, faßte Simon Kepha in seinem Herzen den

Entschluß, den Wächtern Wein zum Trinken zu geben, damit sie trunken würden und einschliefen; dann wollte er das Grab öffnen und

daraus des Messias Leichnam holen, ohne die Grabsiegel zu verletzen, damit nicht die Juden sagten: »Seine Jünger haben ihn gestohlen. « 5

Als die Wächter aßen und tranken, stand der Messias auf und zeigte sich dem Kepha, der in Wahrheit glaubte, daß er der Messias sei, der

Herr des Himmels und der Erde. 6 Kepha näherte sich nicht dem Grab. 6 Darnach erschien er den Wächtern offenkundig und ging zu seinen

Jüngern in den Saal; hier berührte ihn Thomas. 8 Dann erschien er ihnen auch am Meer. 9 Dafür, daß Simon Kepha ihn dreimal vor den

Juden verleugnete, bekannte er ihn dreimal vor den Jüngern. 10 Er übergab und überantwortete ihm in die Hände seine ganze Herde, indem

er zu ihm vor seinen Jüngern sprach: »Weide mir meine Lämmer, meine Schafe, meine Lämmer! « Das sind die Männer, Weiber und Kinder.

11 Vierzig Tage nach seiner Auferstehung übertrug er den Aposteln die Handauflegung der Priesterschaft, fuhr gen Himmel und setzte sich

zur Rechten seines Vaters. 12 Dann versammelten sich die Apostel und gingen in den Saal mit Maria, der heiligen Jungfrau, hinauf. 13

Simon Kepha taufte Maria, und Johannes, der Jüngling, nahm sie zu sich. 14 Sie beschlossen zu fasten, bis sie den Geist empfingen, den

Paraklet, an Pfingsten alle in gleicher Weise, da, wo sie versammelt waren. 15 Es wurden an sie Zungen ausgeteilt, und jeder von ihnen ging

hin und lehrte das Volk, dessen Sprache er empfangen hatte, so daß kein Streit bis in Ewigkeit unter ihnen war. 16 Ende der Schrift dieses

Buches über die Ordnung der Ableitung der Stämme von Adam bis auf den Messias. Es heißt »Schatzhöhle«. 17 Gott sei Ehre in Ewigkeit!

Amen.

Die Frömmigkeit der Essener

Die folgenden Schriften zeigen manches von der Frömmigkeit der Essener, zu denen wohl auch die Qumranleute gehören oder verwandt

sind. Über sie berichten uns der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus 100 nach Christus, der jüdische Philosoph Philon von

Alexandrien (13 vor- 45/50 nach Christus) und der Heide Plinius der Ältere (23-79 nach Christus); sie lebten, etwa um 4000, wie Mönche

ehelos, in Gütergemeinschaft und strenger Ordnung am Toten Meer und in Dörfern und Städten. Die Funde am Toten Meer gaben uns

überraschendes Licht.

Das »Testament Abrahams«, kurz vor oder nach Christus. Michael kündigt dem Abraham seinen Tod an zur Trauer Isaaks, zeigt ihm im

Paradies das Seelengericht und führt seine Seele in den Himmel.

Auch im »Testament Isaaks« zeigt sich essenischer Einfluß; es berichtet von Todesankündigung, Isaaks Mahnungen, letzte Worte und

Himmelfahrt.

Im » Testament Jobs« reizt Job den Satan durch Zerstörung eines Götzenbildes. Dann werden Jobs Gastfreundlichkeit, Armendienst,

Rechtlichkeit, Dankbarkeit, Frömmigkeit gerühmt, seine Heimsuchungen und Klage geschildert sowie die Reden seines Weibes und seiner

Freunde, endlich sein Glück, die Wundergürtel seiner Töchter und sein Tod. Essenisch ist die Engellehre und das Lob der Jungfräulichkeit;

manche Redensarten erinnern an das Neue Testament.

In den »Testamenten der XII Patriarchen« warnt 1. Ruben vor Unzucht (vgl. Gen 32,22; 49,4), 2. Simeon vor Neid; 3. Levi sieht die 7

Himmel, erhält Priestertum und -tracht, mahnt zu Gesetzesfurcht und Weisheit; er las im Buche Henoch vom Absinken des Priestertums,

doch kommt ein neuer Priester (der Messias); er wird getötet, aber steht auf, bringt Erkenntnis und Gnade auch den Heiden. (Zwei ältere

aramäische Bruchstücke aus der Synagoge von Kairo und ein griechisches - auch in Qumran fand man Stücke - enthalten genaue

Opferanweisungen und Mahnungen.) 4. Juda erzählt von seinen Abenteuern und warnt vor Rühmen, Wein, Weibern und Habsucht, sieht

Israels zukünftige Sünden und Strafen und den gerechten Herrscher (Messias). 5. Issachar empfiehlt die Einfalt, 6. Sebulon das Erbarmen, 7.

Dan warnt vor Zorn und Lüge, 8. Naphtali mahnt zu Reinheit und Güte, 9. Gad warnt vor Haß, 10. Ascher stellt Bosheit und Tugend

gegenüber, 11. Joseph empfiehlt Keuschheit, für die er kämpfte, 12. Benjamin ruft zur Güte auf. - Nach neueren Forschungen hat wohl ein

Judenchrist um 200 nach Christus das Ganze verfaßt oder zusammengefügt unter Verwendung der älteren Testamente Levi und Naphtali,

zahlreicher jüdischer Stoffe und hellenistischer Romanmotive, um christliche Lebensführung zu zeigen; nach andern sei das Werk um 100

vor Christus in Qumran entstanden und später mit christlichen (messianischen) Einschüben versehen worden. Auch der Jakobusbrief knüpft

ja seine sittlichen Mahnungen an die Namen der 12 Söhne Jakobs an.

In der »Himmelfahrt des Moses« sagt dieser Frevel und Strafen des Volkes voraus bis zur Herodeszeit (also wohl um Christi Geburt verfaßt;

daß des Herodes Söhne nur kurz regieren sollten, stimmt nicht). Der gesetzestreue Taxo-Ordner ist ähnlich dem mechoqeq in der essenischen

Damaskusschrift.

Temperamentvoller sind die 18 »Psalmen Salomos«. Die meisten sind wie die kanonischen Psalmen Lob und Dank, Klage und Lehre; aber

der Gegensatz: Fromme - Sünder ist scharf ausgeprägt. Ps 1 schildert Übermut und Greuel der Makkabäerfürsten, Pss 2 + 8 die Eroberung

des sündigen Jerusalem durch Pompejus im Jahre 63 und dessen Leichnam, zerstochen auf Ägyptens Bergen und auf den Meereswogen

getrieben. Pss 17 + 18 erbitten den Messias gegen die Heiden. Um 60-30 vor Christus von Pharisäern verfaßt, mit Betonung der kultischen

Reinheit und Enderwartung wie in Qumran, galten sie in der alten Kirche zum Teil als kanonisch und wurden der griechischen Bibel

angefügt.

Weniger kriegerisch, aber noch gesetzlicher ist das »Jubiläenbuch«, auch »Kleine Genesis«: eingeteilt in 50 Jubiläen zu je 7 x 7 Jahrwochen,

erzählt es die heilige Geschichte von Gen 1 bis Ex 14 weithin wörtlich nach. Gesetz, Bräuche und Feste galten schon von Anbeginn und

wurden von den Patriarchen beobachtet; diese will es einschärfen und hellenistische Sitten abwehren. Die Kämpfe der Makkabäer spiegeln

sich darin wider, ihre Dynastie wird anerkannt. Doch fanden sich in Qumran etwa 10 Bruchstücke. Verfaßt ist es in Palästina um 100 vor

Christus.

Ähnlich erzählt Philo (nicht de r Weise von Alexandrien) in den »Biblischen Altertümern« die Heilsgeschichte von Adam bis zu Sauls Tode

nach. Er will erbauen, hebt Vorsehung, Träume, Engel hervor. Da er von Opfern und Tempeldienst schweigt, ist er wohl Essener. Er bewahrt

viele alte Überlieferungen.

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Die kurzen 24 »Prophetenleben« sind wohl kurz vor Christus entstanden (Epiphanius und Dorotheus sind nur die Übersetzer) und christlich

überarbeitet.

Ein feinsinniges Gleichnis ist »Joseph und Asenath« (= Dienerin, Essenerin: sie übt Jungfräulichkeit und Feindesliebe). Asenath ist

Priestertochter, schön und reich, wird aber als Götzendienerin von Joseph zurückgewiesen; doch sie bekehrt und vermählt sich, wird von

Michael mit dem Lebensbrot gestärkt (essenische Liebesmahle!). Pharaos Sohn sucht eifersüchtig seinen Vater zu töten, wird aber

überwunden. - Asenath ist die Seele, im Leibe (Turm) eingeschlossen, Joseph ist der Messias, »Sohn Gottes« (4,7; 6,6), spendet den Geist

des Lebens, der Weisheit und Wahrheit (19,11); Jakob ist ähnlich dem hochbetagten Daniel.

Textquelle: Die Testamente der 12 Patriarchen (Auswahl)

Das Testament Rubens (über die Gesinnung).

1Abschrift des Testaments Rubens, was er seinen Söhnen auftrug vor seinem Tod im 125. Jahre seines Lebens. Zwei Jahre nach dem Tode

Josephs kamen, als er krank war, seine Söhne und Enkel zusammen, ihn zu besuchen. Und er sprach zu ihnen: » Meine Kindlein, ich sterbe

und gehe den Weg meiner Väter. «

Und als er dort Juda und Gad und Asser, seine Brüder, erblickte, sprach er zu ihnen: » Richtet mich auf, Brüder, damit ich meinen Brüdern

und meinen Kindern sage, was ich in meinem Herzen verborgen habe. Denn ich schwinde dahin von nun an. « Und er richtete sich auf und

küßte sie und sprach klagend: »Hört, meine Brüder; vernehmt Ruben, euren Vater, was ich euch auftrage! Und siehe, ich beschwöre euch bei

dem Gotte des Himmels heute, daß ihr nicht wandelt in Torheit der Jugend und Hurerei, welcher ich mich hingab und befleckte das Bett

meines Vaters Jakob. Ich sage euch nämlich, daß er, Gott, mich gewaltig schlug an meinen Lenden 7 Monate lang. Und wenn nicht unser

Vater Jakob für mich zum Herrn gebetet hätte, so wäre ich gestorben, weil der Herr mich hinwegraffen wollte. Ich war nämlich 20 Jahre alt,

als ich das, was böse war vor dem Herrn, beging. Und 7 Monate lang ward ich todkrank. Und ich tat in den Gedanken meiner Seele 7 Monate

lang Buße vor dem Herrn. Wein und starkes Getränk trank ich nicht, und Fleisch kam nicht in meinen Mund. Und kein Brot der Begierde

kostete ich, da ich trauerte über meine Sünde, denn sie war groß. So etwas möge in Israel nicht geschehen! 2 Und nun hört mich, Kinder, was

ich sah betreffs der sieben Geister des Irrtums, der Verführung in meiner Buße. Sieben Geister wurden dem Menschen von Beliar gegeben,

und sie sind das Haupt der Werke der Umwälzung. Und sieben Geister wurden ihm bei der Erschaffung gegeben, daß auf ihnen jegliches

Werk der Menschen beruhe. Der erste ist der Geist des Lebens, mit dem der Aufruhr ins Werk gesetzt wird. Der zweite der Geist des Blickes,

mit dem die Begierde geschieht. Der dritte ist der Geist des Gehörs, mit dem die Belehrung geschieht. Der vierte ist der Geist des Geruchs,

mit dem der Geschmack ist, der gegeben ist zum Einziehen der Luft und des Atems. Der fünfte ist der Geist der Rede, mit dem die

Erkenntnis geschieht. Der sechste ist der Geist des Geschmacks, mit dem das Essen, Genießen von Speisen und Getränken geschieht, und

wodurch die Kraft hergestellt wird; denn auf den Speisen beruht die Grundlage der Kraft. Der siebente ist der Geist des Samens und der

Beiwohnung, mit der die Sünde eingeht durch die Vergnügungssucht. Deshalb ist dieser der letzte der Erschaffung und der erste der Jugend

nach, denn er ist mit Torheit erfüllt, und diese führt den Jüngling wie einen Blinden zur Grube und wie ein Vieh zum Abgrund. 3 Bei allen

diesen ist als achter der Geist des Schlafs, mit dem die Verzückung der Natur geschaffen wurde und ein Bild des Todes. Diesen Geistern ist

der Geist des Irrtums beigemischt. Der erste, der der Hurerei, beruht auf der Natur und den Empfindungen. Der zweite ist der Geist der

Unersättlichkeit in dem Bauche. Der dritte der Geist des Streits in der Leber und der Galle. Der vierte der Geist der Gefallsucht und der

Zauberei, damit man durch Zauberkunst lieblich erscheine. Der fünfte der Geist des Hochmuts, damit Mensch in Aufregung kommt und stolz

tut. Der sechste der Geist der Lüge, im Verderben und Eifer, seinen Wert zu erdichten, weg von Geschlecht und Verwandten. Der siebente

der Geist des Unrechts, mit welchem Diebstahl und Fang geschehen, um die Vergnügungssucht seines Herzens zu befriedigen, der das

Unrecht wirkt mit den übrigen Geistern in Hinterlist. Zu allen diesen gesellt sich der Geist des Schlafs, der achte Geist, mit Irrtum und Einbildung.

Und so wird jeder Jüngling zu Grunde gerichtet, indem er den Verstand verfinstert weg von der Wahrheit, und er hat keine

Erkenntnis im Gesetze Gottes, noch gehorcht er den Ermahnungen seiner Väter. Gleichwie auch ich litt in meiner Jugend. Und nun, Kinder,

liebt die Wahrheit, so wird sie euch begleiten. Ich lehre euch, hört auf Ruben, euren Vater! Achtet nicht auf den Blick eines Weibes und seid

nicht allein mit einer verheirateten Frau und gebt euch nicht ab mit der Beschäftigung der Weiber. Wenn ich nämlich nicht die Balla gesehen

hätte, wie sie sich badete an einem geschützten Ort, so wäre ich nicht in die große Sünde hineingeraten. Denn nachdem mein Denken die

weibliche Nacktheit erfaßt hatte, ließ es mich nicht schlafen, bis ich die scheußliche Tat verrichtete. Denn als mein Vater Jakob zu seinem

Vater Isaak gegangen war, während wir uns in Gader befanden, nahe bei Ephratha vom Hause Bethlehem, da war Balla trunken und lag

schlafend unverhüllt in dem Schlafgemach. Und ich ging hinein und sah ihre Nacktheit und beging die Sünde und ging hinaus, indem ich sie

schlafend verließ. Und sogleich offenbarte der Engel Gottes meinem Vater Jakob meine Gottlosigkeit. Und als er zurückkam, trauerte er über

mich, ohne sie ferner anzurühren.

4 Achtet also nicht auf die Schönheit der Weiber und merkt nicht auf ihre Taten. Sondern wandelt in Einfalt des Herzens, in der Furcht des

Herrn und müht euch ab in Arbeiten und schweift umher in Wissenschaften und bei euren Herden, bis euch der Herr eine Genossin gibt,

welche er selbst will, damit ihr nicht leidet wie auch ich. Bis zum Ende unseres Vaters hatte ich keine Freudigkeit, in das Angesicht Jakobs

zu blicken oder mit einem von den Brüdern zu reden wegen der Schande. Und bis jetzt quält mich mein Gewissen wegen meiner Sünde. Und

doch tröstete mich mein Vater, weil er für mich zum Herrn betete, daß der Zorn des Herrn von mir ginge, wie mir der Herr zeigte. Seit jener

Zeit nun hütete ich mich und sündigte nicht mehr. Deswegen, meine Kinder, bewahrt alles, was ich euch auftrage, dann werdet ihr

nimmermehr sündigen. Denn ein Verderben für die Seele ist die Hurerei, indem sie von Gott trennt und zu den Götzenbildern hinführt. Denn

sie ist es, die den Verstand und die Erkenntnis verwirrt, und sie führt die Jünglinge in den Hades vor ihrer Zeit. Denn es hat auch die Hurerei

viele zu Grunde gerichtet. Denn wenn einer auch ein Greis ist oder hochgeboren, so macht sie ihn zur Schmach und zum Gespött bei Beliar

und den Menschenkindern. Denn da sich Joseph vor jedem Weib in acht nahm und seine Gedanken von aller Hurerei reinigte, so fand er

Gnade vor dem Herrn und den Menschen. Denn noch vieles tat ihm die Ägypterin, und sie rief die Zauberer herbei und brachte ihm

Zaubermittel. Und der Ratschluß seiner Seele nahm die böse Begierde nicht an. Deshalb errettete ihn der Gott meiner Väter von jedem

sichtbaren und verborgenen Tode. Wenn nämlich die Hurerei nicht den Sinn bezwingt, so wird euch auch Beliar nicht bezwingen. 5 Schlecht

sind die Weiber, meine Kinder; denn weil sie keine Macht oder Gewalt über den Mann haben, so handeln sie listig durch ihr Gebaren, wie sie

ihn zu sich ziehen sollen. Und wen sie nicht mit Gewalt zu bezwingen vermag, den bezwingt sie durch Betrug. Denn auch über sie redete der

Engel Gottes zu mir und belehrte mich, daß die Weiber dem Geiste der Hurerei mehr unterliegen als der Mann, und im Herzen hegen sie

tückische Anschläge gegen die Männer und durch den Schmuck verwirren sie zuerst ihre Gedanken und durch den Blick streuen sie das Gift

ein und dann nehmen sie sie durch die Tat gefangen. Denn nicht kann ein Weib einen Mann überwältigen. Flieht nun die Hurerei, meine

Kinder, und befehlt euren Weibern und den Töchtern, daß sie nicht ihre Häupter und ihre Angesichter schmücken; denn jedes Weib, welches

hierin listig handelt, ist zur Strafe der Ewigkeit aufbewahrt. So nämlich bezauberten sie die Wächter vor der Sintflut. Und jene sahen sie

beständig und gerieten in Begierde gegeneinander, und sie empfingen in der Gesinnung die Tat und verwandelten sich in Menschen und bei

der Beiwohnung ihrer Männer erschienen sie ihnen zugleich. Und jene, indem sie begierig wurden in ihrer Gesinnung nach ihren

Phantasiegestalten, gebaren Riesen. Denn es erschienen ihnen die Wächter bis zum Himmel reichend. 6 Hütet euch nun vor der Hurerei. Und

wenn ihr rein sein wollt in Gedanken, so hütet die Sinne vor jedem Weib. Jenen aber, befehlt auch, sich nicht zu verbinden mit Männern,

damit sie auch selbst rein seien in der Gesinnung. Denn die beständigen Zusammenkünfte sind, auch wenn die Sünde nicht zur Ausführung

kommt, für sie eine unheilbare Krankheit, für uns aber eine ewige Schmach vor Beliar. Denn die Hurerei hat weder Verstand noch Frömmigkeit

bei sich selbst, und jeder Eifer wohnt in ihrer Begierde. Deshalb werdet ihr den Söhnen Levis nacheifern und suchen, über sie erhöht zu

werden, aber ihr werdet es nicht vermögen. Denn Gott wird die Rache für sie vollziehen, und ihr werdet eines schlimmen Todes sterben.

Denn Levi gab der Herr die Herrschaft und Juda, mit ihnen auch mir, und Dan und Joseph, daß sie zu Herrschenden würden. Deshalb befehle

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ich euch, auf Levi zu hören; denn er wird das Gesetz des Herrn erkennen und wird anweisen zum Gericht und zu Opfern für ganz Israel bis

zur Vollendung der Zeiten des Hohenpriesters Christus, von welchem der Herr gesagt hat. Ich beschwöre euch bei dem Gotte des Himmels,

die Wahrheit zu tun, ein jeder gegen seinen Nächsten, und Levi naht euch in Demut des Herzens, damit ihr Segen aus seinem Mund

empfangt. Er selbst wird nämlich Israel segnen und Juda. Denn in ihm hat der Herr auserwählt zu herrschen über alle Völker. Und ihr sollt

niederfallen vor seinem Samen, denn er wird für euch sterben in sichtbaren und unsichtbaren Kriegen, und er wird unter -euch ein König in

Ewigkeit sein. « 7 Und Ruben starb, nachdem er seinen Söhnen Befehle gegeben hatte. Und sie legten ihn in einen Sarg, bis sie ihn aus

Ägypten heraufbrachten und in Hebron begruben in der Doppelhöhle, wo seine Väter begraben sind.

Das Testament Simeons (über den Neid).

1 Abschrift der Worte Simeons, was er zu seinen Söhnen redete, bevor er starb im 120. Jahre seines Lebens, in welchem Jahr auch Joseph

starb. Sie kamen nämlich, ihn zu besuchen, als er krank war, und indem er sich stark machte, setzte er sich aufrecht und küßte sie und sprach

zu ihnen: 2 »Hört, Kinder, hört Simeon, euren Vater, was ich in meinem Herzen habe! Ich wurde gezeugt von meinem Vater Jakob als der

zweite Sohn, und meine Mutter Lea nannte mich Simeon, weil der Herr ihr Gebet erhört hatte. Ich wurde sehr stark; ich scheute keine Tat

und fürchtete mich vor keinem Unternehmen. Denn mein Herz war hart, und meine Leber unbeugsam, und meine Eingeweide ohne Mitleid.

Denn auch die Tapferkeit ist vom Höchsten den Menschen gegeben in Seelen und in Leibern. Und in jener Zeit war ich eifersüchtig auf

Joseph, denn unser Vater liebte ihn. Und ich verhärtete gegen ihn meine Leber, ihn zu töten; denn der Herrscher des Irrtums, der den Geist

der Eifersucht sandte, verblendete meinen Verstand, daß ich nicht auf ihn acht hatte wie auf einen Bruder und meinen Vater Jakob nicht

schonte. Aber sein Gott und der Gott seiner Väter, der seinen Engel sandte, errettete ihn aus meinen Händen. Als ich nämlich nach Sichem

ging, Salbe für die Herden zu bringen, und Ruben nach Dotham, wo unser Bedarf war und die gesamte Niederlage an Lebensmitteln, da

verkaufte ihn unser Bruder Juda an die Ismaeliten. Und als Ruben kam, war er traurig. Denn er wollte ihn retten und zum Vater bringen. Ich

aber ward zornig gegen Juda, weil er ihn lebendig losließ. Und ich brachte fünf Monate im Zorne gegen ihn zu. Denn Gott band mich und

hinderte die Wirksamkeit meiner Hände. Denn meine rechte Hand war sieben Tage lang halb verdorrt. Und ich erkannte, Kinder, daß mir

dieses um Josephs willen geschah. Und ich tat Buße und klagte und bat den Herrn, daß er meine Hand wiederherstelle, und ich

zurückgehalten würde von aller Befleckung und Neid und von jeglicher Unbesonnenheit. Ich erkannte nämlich, daß ich eine böse Tat

überlegte vor dem Herrn und meinem Vater Jakob wegen meines Bruders Joseph, da ich ihn beneidete. 3 Und nun, Kinder, hütet euch vor

den Geistern des Irrtums und des Neides. Denn auch der Neid herrscht über die gesamte Gesinnung des Menschen und läßt ihn weder essen

noch trinken noch etwas Gutes tun. Allezeit redet er ihm ein, den Beneideten beiseite zu schaffen. Und der Beneidete blüht allezeit, der

Neider aber schwindet allmählich dahin. Zwei Jahre lang quälte ich in der Furcht des Herrn durch Fasten meine Seele. Und ich erkannte, daß

die Erlösung vom Neide durch die Furcht Gottes geschieht. Wenn einer zu dem Herrn seine Zuflucht nimmt, so läuft der böse Geist von ihm

fort, und sein Sinn wird leicht. Und im Übrigen hat er Mitleid mit dem Beneideten und verdammt die nicht, die ihn lieben, und so wird er

abgebracht vom Neid. Mein Vater befragte mich, weil er sah, daß ich mürrisch war, und ich sagte: »Ich leide an meiner Leber. « Denn ich

trauerte mehr als alle, weil ich die Ursache des Verkaufs Josephs war. Und als wir nach Ägypten hinabgingen und er mich band wie einen

Kundschafter, da erkannte ich, daß ich mit Recht litt, und betrübte mich nicht. Joseph aber war ein guter Mann und hatte den Geist Gottes in

sich; mitleidig und barmherzig trug er mir das Böse nicht nach, sondern liebte mich auch wie die anderen Brüder. Hütet euch nun, meine

Kinder, vor aller Eifersucht und Neid und wandelt in Einfalt der Seele und in gutem Herzen, indem ihr an eures Vaters Bruder denkt, damit

Gott auch euch Gnade gebe und Herrlichkeit und Segen über eure Häupter, wie ihr an ihm gesehen habt. Die ganzen Tage hindurch machte

er uns keine Vorwürfe wegen dieser Angelegenheit, sondern liebte uns wie seine Seele und mehr als seine Kinder. Und er ehrte uns und

schenkte uns allen Reichtum und Vieh und Früchte. Und ihr nun, meine geliebten Kinder, liebt ein jeglicher seinen Bruder aus gutem Herzen

und entfernt von euch den Geist des Neides! Denn dieser macht die Seele zornig und verdirbt den Leib, verursacht Zorn und Krieg in Bezug

auf das Denkvermögen und reizt in das Blut hinein und führt die Gedanken zur Zerrüttung und läßt den Verstand nicht in dem Menschen

mitwirken. Aber auch den Schlaf raubt er und bringt der Seele Verwirrung und Zittern dem Leibe. Denn auch im Schlaf berückt und verzehrt

ihn ein böser Eifer, und durch unreine Geister beunruhigt er seine Seele und versetzt seinen Leib in Schrecken und erregt den Verstand durch

Verwirrung, und wie wenn er einen bösen und vergiftenden Geist hätte, so erscheint er den Menschen. 5 Deswegen war Joseph lieblich von

Gestalt und schön von Angesicht, denn es wohnte in ihm nichts Böses. Denn aus der Verwirrung des Geistes offenbart sich das Angesicht.

Und nun, meine Kinder, macht gut eure Herzen vor dem Herrn und macht gerade eure Wege vor den Menschen, so werdet ihr Gnade finden

vor Gott und Menschen. Und hütet euch, daß ihr nicht Hurerei treibt. Denn die Hurerei ist die Mutter alles Übels, indem sie von Gott

scheidet und zu Beliar hinbringt. Ich habe nämlich in einer Abschrift der Schrift Henochs gesehen, daß eure Söhne mit euch durch Hurerei

umkommen werden, und an Levi werden sie übel handeln mit dem Schwert. Aber sie werden nichts gegen Levi vermögen, denn er wird den

Krieg des Herrn führen und wird jegliche Schlachtreihe von ihnen besiegen, und sie werden als sehr Wenige verteilt werden in Levi und Juda,

und von euch wird keiner zur Herrschaft gelangen, wie auch mein Vater Jakob in dem Segen geweissagt hat. 6 Siehe, ich habe euch alles

vorausgesagt, damit ich ohne Schuld sei an der Sünde eurer Seelen. Wenn ihr aber den Neid und jede Halsstarrigkeit von euch abtut, so

werden meine Gebeine in Israel wie eine Rose blühen, und wie eine Lilie mein Fleisch in Jakob, und es wird mein Geruch sein, wie der

Geruch des Libanon, und es werden sich mehren von mir die Nachkommen bis in Ewigkeit wie heilige Cedern, und ihre Zweige werden sich

weithin erstrecken. Dann wird der Same Kanaans umkommen und einen Rest wird Amalek nicht haben und alle Kappadoker werden

umkommen, und alle Chittäer werden ausgetilgt werden. Dann wird das Land Hams vergehen, und jedes Volk wird umkommen. Dann wird

das Land ganz ausruhen von Aufruhr und alles Land, was unter dem Himmel ist, vom Krieg. Dann wird Sem verherrlicht werden, weil der

Herr, der große Gott Israels, auf Erden erscheint wie ein Mensch und durch ihn die Menschheit rettet. Dann werden alle Geister des Irrtums

dahingegeben werden zur Zertretung, und Menschen werden herrschen über die bösen Geister. Dann werde ich mit Frohlocken auferstehen

und den Höchsten preisen ob seiner Wundertaten. Denn Gott hat, nachdem er einen Leib angenommen hat und mit den Menschen essend, die

Menschen errettet. 7 Und nun, meine Kindlein, gehorcht Levi, und durch Juda werdet ihr erlöst werden. Und erhebt euch nicht gegen diese

beiden Stämme, denn aus ihnen wird euch aufsprossen das Heil Gottes. Es wird nämlich der Herr aus Levi einen Hohenpriester erwecken

und aus Juda einen König, Gott und Mensch. Es wird er alle Heiden und das Geschlecht Israels erretten. Deshalb befehle ich euch alles,

damit auch ihr es euren Kindern befehlt, auf daß sie es bewahren auf ihre Geschlechter. « 8 Und Simeon vollendete seine Befehle an seine

Söhne und entschlief zu seinen Vätern, 120 Jahre alt. Und sie legten ihn in einen Sarg von Holz, das nicht fault, um seine Gebeine nach

Hebron hinaufzuführen. Und sie brachten sie heimlich hinauf im Kriege der Ägypter. Denn die Gebeine Josephs bewachten die Ägypter in

den Schatzkammern der Könige. Es sagten ihnen nämlich die Zauberer, daß bei einem Auszuge der Gebeine Josephs in ganz Ägypten

Finsternis sein würde und Dunkelheit und ein gewaltig großes Unglück für die Ägypter, so daß keiner, selbst mit der Laterne, seine Brüder

erkenne. Und die Söhne Simeons beklagten ihren Vater nach dem Gesetze der Trauer. Und sie waren in Ägypten bis zum Tage ihres

Auszugs aus Ägypten durch Mose.

Das Testament Judas (Über Tapferkeit, Habsucht und Hurerei).

1Abschrift der Worte Judas, was er redete zu seinen Söhnen, bevor er starb. Als sie sich versammelt hatten, kamen sie zu ihm, und er sprach

zu ihnen: »Ich war der vierte Sohn meines Vaters, und meine Mutter nannte mich Juda, indem sie sagte: »Ich danke dem Herrn, weil er mir

noch einen vierten Sohn gegeben hat. « Heftig war ich und wacker in meiner Jugend und gehorchte meinem Vater in jedem Wort. Und ich

pries meine Mutter und die Schwester meiner Mutter. Und es geschah, als ich ein Mann wurde, da verhieß mir mein Vater Jakob, indem er

sagte: »Du wirst ein König sein und gut fortkommen in allem! « 2 Und der Herr gab mir Gnade in allen meinen Werken, sowohl auf dem

Acker als auch im Hause. Als ich sah, daß ich mit der Hündin gleich laufen konnte, da ergriff ich sie auch und bereitete sie meinem Vater als

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Speise. Die Gazellen ergriff ich im Lauf und alles, was in der Ebene war, erfaßte ich. Eine wilde, trächtige faßte ich und ergriff und zähmte

sie. Und einen Löwen tötete ich und riß ein Böckchen aus seinem Rachen. Einen Bären faßte ich am Fuß und schleuderte ihn in den Abgrund.

Und jedes wilde Tier, wenn es sich gegen mich kehrte, zerriß ich wie einen Hund. Mit dem wilden Schwein lief ich gleich und

überholte es, während ich lief, und zerriß es. Ein Pardel sprang in Hebron auf den Hund. Und ich faßte ihn am Schwanz und schleuderte ihn

weg, und er zerbarst auf den Bergen Gazas. Einen wilden Stier, der auf dem Lande weidete, ergriff ich an den Hörnern und schwang ihn im

Kreise herum und blendete ihn, warf ihn hin und tötete ihn. 3 Und als die beiden Könige der Kanaaniter kamen, gepanzert gegen die Herden,

und viel Volk mit ihnen, da lief ich auch allein gegen den König Sur, faßte ihn und schlug ihn auf die Beinschienen und riß ihn nieder und so

tötete ich ihn. Und den anderen König, Taphue, der auf dem Pferde saß, den tötete ich und so zerstreute ich das ganze Volk. Den König

Achor, einen Riesen, der auf dem Pferde vorne und hinten Geschosse schleuderte, hob ich empor und schleuderte einen Stein von 60 Pfund

auf das Pferd und tötete es. Und ich bekämpfte den Achor zwei Stunden lang und tötete ihn und spaltete seinen Schild in zwei Teile und

schlug seine Füße zusammen. Während ich ihm aber den Panzer auszog, siehe, da fingen acht Männer, seine Gefährten, an, gegen mich zu

kämpfen. Ich wickelte nun mein Gewand in meine Hand, schleuderte mit Steinen auf sie und tötete vier von ihnen. Die anderen aber flohen.

Und Jakob, unser Vater, tötete Belisa, den König aller der Könige, einen Riesen an Kraft von 12 Ellen. Und es fiel Zittern auf sie, und sie

ließen ab von uns mit Kämpfen. Deshalb war mein Vater ohne Sorge in den Kämpfen, wenn ich unter meinen Brüdern war. Er sah nämlich

in einem Gesichte betreffs meiner, daß ein Engel der Macht mir folgte in allem, damit ich nicht unterläge. 4 Und nach Süden entstand uns ein

größerer Kampf als der in Sichem. Und ich stellte mich mit meinen Brüdern zum Kampf auf und verfolgte 1000 Männer und tötete von ihnen

200 Männer und vier Könige. Und ich stieg hinauf gegen sie auf der Mauer und tötete zwei andere Könige. Und so befreiten wir Hebron und

nahmen den Königen alle Gefangenen wieder ab. 5 Am folgenden Tage zogen wir nach Areta, einer mächtigen, mit Mauern

eingeschlossenen, unnahbaren Stadt, die uns den Tod drohte. Ich nun und Gad kamen von Norden der Stadt her heran, Ruben aber und Levi

von Westen und Süden. Und da die auf der Mauer meinten, daß wir allein seien, so zogen sie gegen uns heran. Und so stiegen die Brüder

heimlich von beiden Seiten auf die Mauer mit Hilfe von Pflöcken und kamen in die Stadt, ohne daß sie es merkten. Und wir nahmen sie mit

der Schärfe des Schwerts und die, welche sich in den Turm geflüchtet hatten, nahmen wir mit ihnen, nachdem wir den Turm in Brand

gesteckt hatten. Und als wir fortgingen, fielen die Männer von Thaphu über unsere Gefangenen her und nahmen sie mitsamt unseren Söhnen,

und wir wurden mit ihnen handgemein bis nach Thaphu hin. Und jene töteten wir und die Stadt zündeten wir an und raubten alles, was in ihr

war. 6 Und als ich an den Wassern von Chuzeba war, kamen die von Jobel gegen uns zum Kampf. Und wir wurden handgemein und

schlugen sie und die von Selom, ihre Bundesgenossen, töteten wir. Und wir gaben ihnen keinen Durchzug, daß sie zu uns kommen konnten.

Und die von Machir rückten gegen uns am fünften Tag, um unsere Gefangenen zu nehmen. Und wir rückten gegen sie und wurden ihrer Herr

in einer gewaltigen Schlacht, denn es waren eine Menge Mächtiger unter ihnen. Und wir töteten sie, ehe der Hinaufzug bewerkstelligt wurde.

Als wir aber an ihre Stadt kamen, da wälzten ihre Weiber gegen uns Steine von dem Gipfel des Bergs, auf welchem die Stadt lag. Und ich

und Simeon versteckten uns in ihrem Rücken und nahmen die Höhen und zerstörten die ganze Stadt. 7 Und am folgenden Tage wurde uns

gemeldet, daß die Städte der zwei Könige mit schwerer Heeresmasse gegen uns heranrückten. Ich nun und Dan brachten die Amoräer auf

unsere Seite, und wir kamen, als ob wir Bundesgenossen wären, in ihre Stadt. In tiefer Nacht aber öffneten wir den heranrückenden Brüdern

die Tore und vernichteten sie alle und ihre Habe, und nachdem wir all ihr Besitztum geplündert hatten, rissen wir ihre drei Mauern nieder.

Und wir kamen nahe an Thamna heran, wo alles Geflüchtete der feindlichen Könige war. Da ward ich zornig im Übermut und stürmte gegen

sie auf den Gipfel hinauf. Und jene schossen auf mich mit Steinen und Pfeilen. Und wenn nicht mein Bruder Dan mit mir zusammen

gekämpft hätte, so würden sie mich getötet haben. Wir rückten nun mit Mut gegen sie vor und alle flohen. Und sie gewannen auf einem

anderen Weg einen Durchgang und baten meinen Vater, und er machte Friede mit ihnen, und wir taten ihnen nichts Böses, sondern machten

einen Waffenstillstand mit ihnen und gaben ihnen sämtliche Gefangenen zurück. Und ich baute Thamna und mein Vater Rambael. Zwanzig

Jahre war ich alt, als dieser Kampf stattfand. Und die Kanaaniter fürchteten mich und meine Brüder. 8 Ich hatte aber viel Vieh. Und ich hatte

einen Oberhirten Iran aus Odolam. Zu ihm kam ich und sah den König Barsan von Odolam. Und er veranstaltete uns ein Gelage. Und er rief

mich und gab mir seine Tochter Bessue zum Weibe. Diese gebar mir den Er und Aunan und Silom. Von ihnen nahm der Herr die zwei ersten

kinderlos hinweg. Silom nämlich blieb am Leben, und ihr seid seine Kinder. 9 Achtzehn Jahre hielten wir Frieden, unser Vater und wir, mit

seinem Bruder Esau, und seine Söhne mit uns, nachdem wir aus Mesopotamien von Laban gekommen waren. Und als 18 Jahre um waren, im

40. Jahre meines Lebens, zog Esau gegen uns, der Bruder meines Vaters, mit schwerem und starkem Volk. Und er fiel durch einen Pfeil

Jakobs und wurde tot aufgehoben im Gebirge Seir. Und er ging oberhalb Jramna und starb. Wir aber verfolgten die Söhne Esaus. Sie hatten

aber eine Stadt mit eiserner Mauer und ehernen Toren. Und wir konnten nicht in sie hineinkommen und umzingelten und belagerten sie. Und

als sie nach 20 Tagen nicht öffneten, bringe ich unter ihren Augen eine Leiter heran und den Schild halte ich über meinem Kopf. Und ich

stieg hinauf, während ich Steine bis zu drei Talenten auffing. Und ich kam hinauf und tötete die vier Mächtigen von ihnen. Und am

folgenden Tage stiegen Ruben und Gad hinauf und töteten andere 60. Da bitten sie uns um Frieden. Und wir stimmten dem Rat unseres

Vaters zu und nahmen sie als tributpflichtig an. Und sie gaben uns 200 Kor Weizen, 500 Bath Öl, 1500 Maß Wein, bis wir nach Ägypten

hinabzogen. 10 Hierauf holt sich mein Sohn Er die Thamar aus Mesopotamien, eine Tochter Arams, zur Frau. Er war aber schlecht, und er

war in Verlegenheit betreffs der Thamar, weil sie nicht aus dem Lande Kanaan war. Und der Engel des Herrn tötete ihn am 3. Tag in der

Nacht, und er selbst erkannte sie nicht, zufolge einer List seiner Mutter; denn er wollte keine Kinder von ihr haben. Und in den Tagen des

Brautgemachs vermählte ich ihr den Aunan als Schwager. Und auch dieser erkannte sie nicht aus Schlechtigkeit, obwohl er mit ihr ein Jahr

lang lebte. Und als ich ihm drohte, kam er zwar mit ihr zusammen, aber er verderbte den Samen, indem er ihn auf die Erde fallen ließ, gemäß

dem Gebote seiner Mutter. Und auch dieser starb wegen seiner Schlechtigkeit. Ich wollte ihr aber auch den Silom geben, aber mein Weib

Bessue ließ es nicht zu. Denn sie war böse auf Thamar, weil sie nicht von den Töchtern Kanaans war, wie sie selbst. 11 Und ich wußte, daß

das Geschlecht Kanaans schlecht war, aber der Rat der Jugend verblendete mein Herz. Und ich sah sie, wie sie Wein einschenkte, und wurde,

da ich vom Weine trunken war, verführt und geriet an sie. Sie selbst ging, während ich abwesend war, fort, und Silom nahm sich ein Weib

aus dem Lande Kanaan. Als ich aber erfuhr, was er getan hatte, fluchte ich ihr im Schmerz meiner Seele. Und auch diese starb wegen der

Schlechtigkeit ihrer Kinder. 12 Nach dieser Begebenheit, während Thamar Witwe war, nach zwei Jahren, als sie hörte, daß ich hinaufzöge,

die Schafe zu scheren, schmückte sie sich mit bräutlichem Schmuck und setzte sich gerade gegenüber der Stadt an das Tor. Denn es ist ein

Brauch der Amoräer, daß sich die, welche sich verheiratet hat 7 Tage zur Hurerei an das Tor setzt. Da ich nun trunken geworden war an den

Wassern von Chuzeba, so erkannte ich sie nicht wegen des Weins. Und es täuschte mich ihre Schönheit durch ihre geschmückte Kleidung.

Und ich bog ab zu ihr und sagte: »Ich komme zu dir! « Und sie sprach zu mir: »Was willst du mir geben?« Und ich gab ihr meinen Stab und

den Gürtel und das Diadem des Königtums und kam zu ihr und sie empfing. Ohne zu wissen aber, was sie getan hatte, wollte ich sie töten.

Sie schickte aber im Geheimen die Unterpfänder und beschämte mich. Ich rief sie aber und hörte auch die geheimen Worte, die ich zu ihr

sprach, während ich in meiner Trunkenheit bei ihr schlief. Und ich konnte sie nicht töten, denn es war vom Herrn. Ich sagte aber, ob sie nicht

etwa betrügerisch gehandelt und von einem anderen das Unterpfand genommen habe. Allein ich näherte mich ihr fernerhin auch nicht einmal

bis zu meinem Tode, weil ich diese scheußliche Tat in ganz Israel verübt hatte. Und die in der Stadt sagten, es sei in der Stadt keine, die sich

bezahlen lasse. Denn aus einem anderen Orte war sie gekommen und hatte sich auf eine kurze Zeit an das Tor gesetzt. Und sie meinte, daß

niemand erfahren habe, daß ich zu ihr eingegangen sei. Und hierauf kamen wir nach Ägypten zu Joseph wegen der Hungersnot. Ich war 46

Jahre alt und lebte dort 73 Jahre. 13 Und nun, Kinder, hört auf euren Vater, was ich euch befehle, und bewahrt alle meine Worte, daß ihr alle

Vorschriften des Herrn tut und den Geboten Gottes des Herrn gehorcht. Und wandelt nicht nach euren Begierden und nicht in den Gedanken

eurer Erwägungen im Übermut eures Herzens und rühmt euch nicht der tapfern Taten eurer Jugend, denn auch dieses ist böse in den Augen

des Herrn. Denn da auch ich mich rühmte, weil mich in den Kämpfen nicht das Angesicht eines schönen Weibes berückte, so schmähte ich

meinen Bruder Ruben wegen der Balla, meines Vaters Weib, und der Geist des Eifers und der Hurerei rüstete sich in mir, bis ich an die

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Kanaaniterin Bessue geriet und an Thamar, die meinen Söhnen verlobt war. Und ich sprach zu meinem Schwiegervater: » Ich will mich mit

meinem Vater beraten, und so will ich deine Tochter nehmen. « Und er zeigte mir im Namen seiner Tochter eine unermeßliche Menge

Goldes. Denn er war ein König. Und er schmückte sie mit Gold und Perlen und ließ uns Wein einschenken bei dem Mahle, bei der Schönheit

der Weiber. Und der Wein verdrehte meine Augen, und die Lust verdunkelte mein Herz. Und aus leidenschaftlicher Liebe zu ihr geriet ich an

sie und übertrat das Gebot des Herrn und das Gebot meiner Väter und nahm sie zum Weibe. Und der Herr vergalt mir nach dem Rate meines

Herzens, denn ich erlebte keine Freude an ihren Kindern. 14 Und nun, meine Kinder, betrinkt euch nicht in Wein. Denn der Wein wendet

den Verstand von der Wahrheit ab und erregt zorniges Verlangen und führt die Augen in Verwirrung. Denn der Geist der Hurerei hat den

Wein wie einen Diener zu den Gelüsten des Sinnes, denn auch diese beiden rauben die Kraft des Menschen. Wenn nämlich einer Wein trinkt,

bis er trunken wird, so erregt er durch schmutzige Gedanken den Sinn zur Hurerei und erhitzt den Leib zum Beischlaf, und wenn der

Gegenstand der Begierde zugegen ist, so tut er die Sünde und schämt sich nicht. Derartig ist der Wein, meine Kinder, daß der Trunkene

niemanden scheut. Denn siehe, auch mich hat er verführt, daß ich mich nicht schämte vor der Menge in der Stadt. Denn vor den Augen aller

ging ich abseits zu Thamar und beging eine große Sünde und deckte die Decke der Unreinigkeit meiner Söhne auf. Nachdem ich Wein getrunken

hatte, hatte ich keine Scheu vor dem Gebote Gottes und nahm ein kanaanitisches Weib. Deshalb, meine Kinder, bedarf der, welcher

Wein trinkt, der Einsicht. Und dieses ist die Einsicht beim Weintrinken, daß er trinken kann, so lange er Schamgefühl hat. Wenn er aber

diese Grenze überschreitet, so erregt er den Verstand und schafft den Geist des Irrtums. Und er bewirkt, daß der Trunkene schmutzige Reden

führt und gottlos handelt und sich nicht schämt, sondern sich sogar der Schande rühmt und meint, es sei etwas Schönes. 15 Der, welcher hurt,

geht auch entblößt des Königtums verlustig, da er ein Knecht der Hurerei wird, wie auch ich entblößt wurde. Denn ich gab meinen Stab, das

ist die Stütze meines Stammes, dahin. Und meinen Gürtel, das ist die Gewalt. Und das Diadem, das ist die Herrlichkeit meines Königtums.

Und ich tat Buße dieserhalb und nahm nicht Wein noch Fleisch bis zum Alter und kannte keine Freude. Und der Engel Gottes zeigte mir, daß

bis in Ewigkeit die Weiber sowohl den König als auch den Bettler beherrschen und dem Könige die Herrlichkeit nehmen, dem Mannhaften

die Macht und dem Bettler die geringste Stütze der Armut. 16 Wahret nun, meine Kinder, die Grenze des Weins. Es sind nämlich in ihm vier

böse Geister: der Begierde, der sinnlichen Lust, der Unmäßigkeit, des schändlichen Gewinns. Wenn ihr Wein in Freude trinkt, mit der Furcht

Gottes von Scham erfüllt so werdet ihr leben. Wenn ihr nämlich ohne Scham trinkt, und es entweicht die Furcht Gottes, so entsteht im

Übrigen Trunkenheit, und es kommt hinzu die Schamlosigkeit. Wenn ihr euch aber auch nicht einmal völlig betrinkt, damit ihr nicht sündigt

mit Worten des Übermuts und des Kampfes und der Verleumdung und der Übertretung von Gottes Geboten, so werdet ihr auch vorzeitig

umkommen. Und die Geheimnisse Gottes und der Menschen enthüllt der Wein den Fremden, wie auch ich die Gebote Gottes und die

Geheimnisse meines Vaters Jakob der Kanaaniterin Bessue enthüllte, welche zu enthüllen mir Gott verboten hatte. Und der Wein wird die

Ursache des Kriegs und der Unruhe. 17 Ich befehle euch nun, meine Kinder, nicht das Geld zu lieben und nicht auf die Schönheit der Weiber

zu sehen. Denn auch durch das Geld und die Schönheit wurde ich irregeführt zu der Kanaaniterin Bessue hin. Denn ich weiß, daß mein

Geschlecht wegen dieser zwei Dinge ins Elend geraten wird; denn auch die weisen Männer unter meinen Söhnen werden sie umstimmen und

bewirken, daß das Reich Judas verkleinert werde, welches mir der Herr wegen des Gehorsams gegen meinen Vater gegeben hat. Denn

niemals betrübte ich mit einem Worte meinen Vater Jakob, weil ich alles tat, was er sagte. Und Abraham, der Ahn meines Vaters, segnete

mich, daß ich herrschen sollte in Israel. Und Isaak segnete mich auch ebenso. Und ich weiß, daß von mir das Königtum erstehen wird. 18

Denn ich las auch in den Büchern Henochs, des Gerechten, alles, was ihr in den letzten Tagen Böses tun werdet. Hütet euch nun, meine

Kinder, vor der Hurerei und der Habsucht; hört auf Juda, euren Vater. Denn dieses macht abwendig vom Gesetze Gottes und verblendet den

Rat der Seele und lehrt Übermut und läßt nicht zu, daß sich ein Mann seines Nächsten erbarmt. Es beraubt die Seele jeglichen Wohlwollens

und bedrängt ihn in Mühen und Beschwerden und raubt ihm den Schlaf und reibt sein Fleisch auf und hindert die Opfer Gottes und gedenkt

des Segens nicht und hört nicht auf die Rede des Propheten und ist unwillig über das fromme Wort. Denn wer den beiden Leidenschaften, die

den Geboten Gottes widerstreben, dient, kann Gott nicht gehorchen; denn sie haben seine Seele verblendet, und er geht am Tag einher wie in

der Nacht. 19 Meine Kinder, die Habsucht führt zu den Götzenbildern, denn in der durch das Geld verursachten Verblendung nennen sie

diejenigen Götter, die es nicht sind; und sie bewirkt, daß der, welcher sie hat, in Verzückung gerät. Wegen des Geldes verlor ich meine

Kinder und ohne die Buße meines Fleisches und die Demütigung meiner Seele und die Gebete meines Vaters Jakob hätte ich kinderlos

sterben können. Allein der Gott meiner Väter, der Barmherzige und Gnädige, erkannte, daß ich in Unwissenheit gehandelt hätte. Es

verblendete mich nämlich der Herrscher des Irrtums, und ich war unwissend wie ein Mensch und wie Fleisch, in Sünden verdorben. Und ich

erkannte meine eigene Schwachheit, da ich meinte, unbesiegbar zu sein. 20 Erkennet nun, meine Kinder, daß sich zwei Geister mit dem

Menschen abgeben, der der Wahrheit und der des Irrtums, und der mittlere ist der der Einsicht des Verstandes, wohin er neigen will. Und

sowohl das auf die Wahrheit als auch das auf den Irrtum Bezügliche ist auf die Brust des Menschen geschrieben; jedes von ihnen erkennt der

Herr. Und es gibt keine Zeit, in der die Werke des Menschen werden verborgen sein können, denn auf den Brustknochen ist sie selbst

eingeschrieben vor dem Herrn. Und der Geist der Wahrheit bezeugt alles und verklagt alle, und der Sünder ist aus dem eigenen Herzen

heraus entbrannt und kann das Angesicht nicht zu dem Richter aufheben. 21 Und nun, Kinder, liebt den Levi, damit ihr bleibet, und erhebt

euch nicht gegen ihn, damit ihr nicht vertilgt werdet. Mir nämlich gab der Herr das Königtum und jenem das Priestertum und er ordnete das

Königtum dem Priestertum unter. Mir gab er das auf der Erde, jenem das im Himmel. Wie der Himmel die Erde überragt, so überragt das

Priestertum Gottes das Königtum auf Erden. Denn der Herr hat ihn auch vor dir erwählt, ihm zu nahen und seinen Tisch zu essen und die

Erstlinge vom Mahle der Kinder Israel. Und du wirst ihnen sein wie ein Meer. Denn wie in ihm Gerechte und Ungerechte vom Sturm

umhergetrieben werden, die einen gefangen, die anderen reich werdend, so wird auch in dir jegliche Art von Menschen sein; die einen

werden in Gefahr sein, indem sie gefangen werden, die anderen werden reich werden vom Raub. Denn die Herrscher werden sein wie die

Meerungeheuer, Menschen wie Fische verschlingend; Töchter und freie Söhne werden sie zu Sklaven machen, Häuser, Äcker, Herden,

Schätze werden sie rauben und mit dem Fleische vieler Raben und Ibisse sättigen, und sie werden fortschreiten im Bösen, indem sie sich

überheben in Habsucht. Und sie werden falsche Propheten sein wie Sturmwinde und alle Gerechten verfolgen. 22 Es wird aber der Herr über

sie Spaltungen gegeneinander herbeiführen, und es werden beständige Kämpfe in Israel sein, und durch fremde Völker wird mein Königreich

vernichtet werden, bis das Heil Israels kommt, bis zur Erscheinung des Gottes der Gerechtigkeit, daß Jakob in Frieden ruht und alle Heiden.

Und er selbst wird die Macht meines Königreichs bewahren bis in Ewigkeit. Denn mit einem Eide hat mir der Herr geschworen, mein

Königtum nicht auszutilgen von meinem Samen alle Tage bis in Ewigkeit. 23 Viele Trauer aber habe ich, meine Kinder, wegen der

Ausschreitungen und Zaubereien und des Götzendienstes, die ihr vollführen werdet gegen das Königtum, indem ihr den Bauchrednern folgt

und den Stimmen und den Dämonen des Irrtums. Eure Töchter werdet ihr zu Tänzerinnen und öffentlichen Dirnen machen und werdet euch

vermischen mit den Greueln der Heiden. Dafür wird der Herr über euch Hunger und Pest bringen, Tod und Schwert, strafende Belagerung

und Hunde zur Zerfleischung durch die Feinde und Schmach der Freunde, Verderben und Entzündung der Augen, Mord der Kinder, Raub

der Gattinnen, Wegnahme der Habe, Verbrennung des Tempels Gottes, Verödung des Landes, Knechtschaft euer selbst unter den Heiden.

Und sie werden etliche von euch zu Eunuchen verschneiden für ihre Weiber, bis ihr umkehrt zum Herrn in Einfalt des Herzens, von Reue

ergriffen und wandelnd in allen Geboten Gottes, und der Herr euch heimsuchen wird in Erbarmen und euch zurückführen wird aus der

Gefangenschaft eurer Feinde. 24 Und darauf wird euch aufgehen ein Stern aus Jakob in Frieden und es wird aufstehen ein Mensch aus

meinem Samen wie die Sonne der Gerechtigkeit, welcher wandelt mit den Menschenkindern in Sanftmut und Gerechtigkeit, und keine Sünde

wird an ihm gefunden werden. Und es werden sich über ihn die Himmel öffnen, auszugießen den Segen des Geistes vom heiligen Vater; und

er selbst wird ausgießen den Geist der Gnade über euch, und ihr werdet seine Söhne in Wahrheit sein und werdet wandeln in seinen Geboten,

den ersten und letzten. Dieser ist der Sproß des höchsten Gottes, und dieses ist die Quelle zum Leben für alles Fleisch. Dann wird

aufleuchten das Szepter meines Königreichs, und an eurer Wurzel wird ein Schößling entstehen. Und durch ihn wird ein Szepter der

Gerechtigkeit für die Heiden aufgehen, zu richten und zu retten alle, die den Herrn anrufen. 25 Und hierauf werden Abraham und Isaak und

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Jakob zum Leben auferstehen, und ich und meine Brüder werden Herrscher unserer Szepter, Stämme in Israel sein, Levi zuerst, der zweite

ich, der dritte Jo seph, der vierte Benjamin, der fünfte Simeon, der sechste Issachar und so alle nach der Reihe. Und der Herr segnete den

Levi, der Engel des Angesichts mich; die Mächte der Herrlichkeit den Simeon, der Himmel den Ruben; den Issachar die Erde, das Meer den

Zabulon, die Berge den Joseph; das Zelt den Benjamin, die Sterne den Dan, das Wohlleben den Nephthalim, die Sonne den Gad, der Ölbaum

den Aser. Und es wird ein Volk des Herrn sein und eine Sprache; und es wird kein Geist des Irrtums des Beliar mehr sein; denn er wird in

das Feuer geworfen werden bis in Ewigkeit. Und die in Traurigkeit gestorben sind, werden in Freude auferstehen, und die arm geworden

sind, um des Herrn willen, werden reich gemacht werden, und die Hungrigen werden gesättigt werden, und die Schwachen werden stark

werden, und die um des Herrn willen gestorben sind, werden erwachen im Leben. Und die Hirsche Jakobs werden laufen mit Frohlocken,

und die Adler Israels werden fliegen in Freude; die Gottlosen aber werden trauern, und die Sünder werden klagen, und alle Völker werden

den Herrn preisen in Ewigkeit. 26 Bewahrt nun, meine Kinder, das ganze Gesetz des Herrn, denn es ist eine Hoffnung für alle, die seinen

Weg innehalten. « Und er sprach zu ihnen: »Ich sterbe heut e im Alter von 119 Jahren vor euren Augen. Keiner soll mich begraben in einem

kostbaren Gewand oder meinen Leib aufreißen; denn das sollen die Herrscher tun. Und nehmt mich mit euch hinauf nach Hebron. «Und

nachdem er dieses gesagt hatte, entschlief Juda. Und seine Söhne taten gemäß allem, was er ihnen befohlen hatte, und begruben ihn in

Hebron bei seinen Vätern.

Das Testament Naphthalis (über die natürliche Güte.)

1Abschrift des Testaments Naphthalis, was er verordnete zur Zeit seines Endes im 132. Jahre seines Lebens. Nachdem seine Söhne

zusammengekommen waren im 7. Monat, am vierten des Monats, während er gesund war, da veranstaltete er selbst ihnen ein Mahl und ein

Trinkgelage. Und nachdem er am Morgen aufgewacht war, sprach er zu ihnen: »Ich sterbe! « aber sie glaubten ihm nicht. Und er pries den

Herrn und versicherte es, daß er nach dem gestrigen Mahle sterben werde. Er fing nun an, seinen Söhnen zu sagen: »Hört, meine Kinder, ihr

Söhne Naphthalis, hört die Worte eures Vaters! ich wurde geboren von Balla. Und weil Rahel listig handelte und statt ihrer selbst dem Jakob

die Balla gab, so gebar sie auch auf den Hüften der Rahel; deshalb wurde ich Naphthali genannt. Und Rahel liebte mich, denn auf ihren

Hüften wurde ich geboren; und da ich zart war von Angesicht, so küßte sie mich und sagte: »Ich möchte deinen Bruder aus meinem Leibe

nach deinem Bilde sehen!« Daher war auch Joseph mir in allen Stücken ähnlich gemäß den Gebeten Rahels. Meine Mutter aber ist Balla,

eine Tochter des Rotheus, eines Bruders der Debora, der Amme der Rebekka, die an demselben Tage wie Rahel geboren wurde. Rotheus

aber war aus dem Geschlecht Abrahams, ein Chaldäer, gottesfürchtig, frei und edelgeboren. Und als er gefangen war, wurde er von Laban

gekauft. Und er gab ihm seine Sk lavin Aina zum Weibe. Sie gebar eine Tochter, die nannte er Zelpha nach dem Namen des Dorfs, in

welchem er gefangen wurde. Mit ihr erzeugte er die Balla, indem er sprach: »Strebsam ist meine Tochter, denn sogleich, nachdem sie geboren

war, strebte sie zu saugen. « 2 Und da ich leichtfüßig war , wie ein Hirsch, so bestimmte mich mein Vater Jakob zu jeder Sendung und

Botschaft; und er segnete mich auch wie einen Hirsch. Denn wie der Töpfer das Gefäß kennt, wie viel es faßt, und zu ihm Ton hinzuträgt, so

macht auch der Herr nach der Ähnlichkeit des Geistes den Leib, und nach der Kraft des Leibes setzt er den Geist ein; und es entspricht eins

dem anderen bis auf den dritten Teil eines Haars. Denn nach Gewicht und Maß und Regel ist jedes Geschöpf des Höchsten. Und wie der

Töpfer den Gebrauch jedes einzelnen kennt, wie es tauglich ist, so kennt auch der Herr den Leib, bis wohin er reicht im Guten, und wenn er

anfängt im Bösen. Denn es gibt kein Gebilde und keinen Gedanken, den der Herr nicht erkannt hat; denn jeden Menschen hat er nach seinem

Bilde geschaffen. Wie seine Kraft, so ist auch sein Werk; und wie sein Verstand, so ist auch sein Werk; und wie sein Vorsatz, so ist auch

seine Handlung; wie sein Herz, so ist auch sein Mund; wie sein Auge, so ist auch sein Schlaf; wie seine Seele, so ist auch sein Wort,

entweder ein Gesetz des Herrn oder ein Gesetz Beliars. Und wie geschieden ist zwischen Licht und Finsternis, zwischen Sehen und Hören,

so ist auch geschieden zwischen Mann und Mann und zwischen Weib und Weib. Und es ist nicht möglich, zu sagen, daß ... Denn alles hat

Gott in Ordnung gut gemacht; die fünf Sinne in dem Kopf, und den Hals fügte er zusammen mit dem Kopf und die Haare zum Schmuck,

dann ein Herz zum Denken, einen Bauch zur Absonderung des Magens, ein Rohr zur Gesundheit, eine Leber zum Zorn, eine Galle zur

Bitterkeit, zum Lachen eine Milz, Nieren zur List, Lenden zur Kraft, Seiten zum Liegen, eine Hüfte zur Kraft und so fort. So nun, meine

Kinder, seid geordnet zum Guten in der Furcht Gottes und tut nichts Unordentliches in Verachtung, auch nicht außer seiner Zeit. Denn wenn

du zu dem Auge sagst, es solle hören, so vermag es das nicht; so werdet ihr auch nicht in Dunkelheit Werke des Lichts vollbringen können.

Bemüht euch nun nicht, durch Habsucht eure Handlungen zu verschlimmern oder durch eitle Worte eure Seelen zu täuschen. Denn wenn ihr

schweigt in Reinheit des Herzens, werdet ihr es verstehen, den Willen Gottes festzuhalten und den Willen des Teufels zu verwerfen. Sonne,

Mond und Sterne verändern ihre Ordnung nicht; so sollt auch ihr das Gesetz Gottes nicht ändern durch Unordnung eurer Handlungen. Die

Heiden, welche verführt sind und den Herrn verlassen haben, haben ihre Ordnung geändert und sind Steinen und Hölzern gefolgt, das sie den

Geistern der Verführung folgten. Ihr aber nicht also, meine Kinder, die ihr erkannt habt an der Veste, an der Erde und am Meer und an allen

Werken den Herrn, der dieses alles gemacht hat, damit ihr nicht werdet wie Sodom, welches die Ordnung seiner Natur verkehrte. Ebenso

aber verkehrten die Wächter die Ordnung ihrer Natur, welche auch der Herr verfluchte bei der Sintflut, indem er ihretwegen die Erde von

Bewohnung und Früchten wüste machte. Dieses sage ich, meine Kinder, weil ich in einer heiligen Schrift Henochs las, daß auch ihr von dem

Herrn abfallen werdet, indem auch ihr wandelt gemäß aller Schlechtigkeit der Heiden, und daß ihr tun werdet gemäß jeglicher Sünde

Sodoms. Und der Herr wird über euch Gefangenschaft bringen, und ihr werdet dort euren Feinden dienen und mit jeglichem Verderben und

Trübsal bedeckt werden, bis der Herr euch alle vertilgt. Und nachdem ihr wenig geworden und gering geworden seid, werdet ihr euch

bekehren und den Herrn, euren Gott, erkennen; und er wird euch zurückbringen in euer Land nach seiner großen Barmherzigkeit. Und es

wird geschehen, wenn sie in das Land ihrer Väter kommen werden, so werden sie wiederum den Herrn vergessen und gottlos handeln, und

der Herr zerstreut sie auf der ganzen Erde, bis das Erbarmen des Herrn kommt, ein Mensch, welcher Gerechtigkeit übt und Barmherzigkeit

übt gegen alle, die fern und die nahe sind. 5 Denn im40. Jahr meines Lebens sah ich auf dem Ölberg gegen Osten von Jerusalem, daß die

Sonne und der Mond dastanden. Und siehe, Isaak, der Vater meines Vaters, sprach zu uns: » Lauft herzu und faßt ein jeder nach seiner Kraft,

und wer greift, soll die Sonne und den Mond haben! « Und wir liefen alle zusammen darauf los, und Levi faßte die Sonne, und Juda griff

zuvor den Mond, und beide wurden erhöht mit ihnen. Und als Levi wie die Sonne war, gibt ihm ein Jüngling 12 Palmenzweige. Und Juda

war glänzend wie der Mond, und unter seinen Füßen waren 12 Strahlen. Und Levi und Juda liefen auf einander zu und sahen sich gegenseitig.

Und siehe, ein Stier war auf der Erde mit zwei großen Hörnern, und Adlerflügel waren an seinem Rücken; und als sie ihn fassen

wollten, vermochten sie es nicht. Es kam nämlich Joseph zuvor und nahm ihn und er kam mit ihm in die Höhe. Und ich sah es, denn ich war

dort irgendwo; und siehe, eine heilige Schrift erschien uns, welche sagte: »Assyrier, Meder, Perser, Elimäer, Gelachäer, Chaldäer, Syrer

werden durch Gefangenschaft die 12 Szepter Israels ererben! « 6 Und wiederum nach 7 Monaten sah ich unseren Vater Jakob, wie er am

Meere von Jamnia stand und wir, seine Söhne, bei ihm. Und siehe, ein Fahrzeug kam angesegelt, voll von Gesalzenem, ohne Schiffer und

Steuermann. Und es sagt uns unser Vater: »Wir wollen einsteigen in unser Fahrzeug! « Als wir aber hineingegangen waren, entsteht ein

starkes Unwetter und ein großer Sturmwind, und es flog unser Vater von uns, der das Steuerruder hielt. Und wir wurden im Unwetter über

das Meer getrieben; und das Fahrzeug füllte sich mit Wasser, von den Wogen hin- und hergeworfen, so daß es auch zerschellte. Und Joseph

flieht auf einem Kahn; aber auch wir werden auf 10 Brettern getrennt. Levi aber und Juda waren dabei. Wir wurden nun alle zerstreut bis an

die äußersten Enden. Levi aber legte einen Sack um und bat für uns alle den Herrn. Als aber der Sturm aufgehört hatte, da kam der Kahn ans

Land wie in Frieden. Und siehe, unser Vater Jakob kam, und wir freuten uns einmütig. 7 Die beiden Träume sagte ich meinem Vater, und er

sagte zu mir: »Dieses muß zu seiner Zeit erfüllt werden, nachdem Israel viel erduldet hat. « Da spricht mein Vater zu mir: »Ich glaube, daß

Joseph lebt; ich sehe nämlich stets, daß der Herr ihn mit euch zählt. « Und klagend sprach er: »Du lebst, Joseph, mein Kind, und ich sehe

dich nicht, und du siehst Jakob nicht, der dich gezeugt hat! « Er rührte aber auch uns zu Tränen bei diesen seinen Worten. Und ich brannte in

meinem Herzen, offen zu sagen, daß er verkauft sei. Jedoch ich fürchtete meine Brüder. 8Siehe, meine Kinder, ich habe euch die letzten

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Zeiten gezeigt; denn alles wird sich zutragen in Israel. Und ihr nun, befehlt euren Kindern, daß sie sich einigen mit Levi und Juda. Denn

durch Juda wird Heil aufgehen für Israel, und in ihm wird Jakob gesegnet werden. Denn durch sein Szepter wird Gott erscheinen, unter

Menschen auf der Erde wohnend, zu erretten das Geschlecht Israels; und er wird Gerechte aus den Heiden herzuführen. Wenn ihr das Gute

tut, meine Kinder, so werden euch sowohl die Menschen als auch die Engel segnen, und Gott wird verherrlicht werden durch euch unter den

Heiden, und der Teufel wird von euch fliehen, und die wilden Tiere werden euch fürchten, und die Engel werden sich euer annehmen. Wie

wenn nämlich einer, der ein Kind gut großzieht, ein gutes Andenken hat, so ist auch bei dem guten Werk ein gutes Andenken bei Gott. Den

aber, der das Gute nicht tut, werden die Engel und die Menschen verfluchen, und Gott wird durch ihn geschmäht werden unter den Heiden,

und der Teufel wird ihn bewohnen wie sein eigenes Gefäß, und jedes wilde Tier wird über ihn herrschen, und der Herr wird ihn hassen. Denn

auch die Gebote des Gesetzes sind zwiefältig und werden mit Kunst erfüllt. Es gibt eine Zeit für das Zusammensein mit seinem Weibe und

eine Zeit des Sichenthaltens für sein Gebet. Und es gibt zwei Gebote, und wenn sie nicht in ihrer Ordnung gehalten werden, so bewirken sie

Sünde. So ist es auch bei den übrigen Geboten. Werdet nun weise in Gott und verständig, da ihr die Ordnung seiner Gebote wißt und die

Gesetze jeder Handlung, damit der Herr euch liebt! « 9 Und nachdem er ihnen vieles Derartige aufgetragen hatte, gebot er, daß sie seine

Gebeine nach Hebron hinüberbringen und bei seinen Vätern begraben sollten. Und nachdem er mit fröhlicher Seele gegessen und getrunken

hatte, verhüllte er sein Angesicht und starb. Und seine Söhne taten alles, was ihnen ihr Vater Naphthali befohlen hatte.

Das Testament Josephs (über die Keuschheit).

1 Abschrift des Testaments Josephs. Als er im Sterben lag, rief er seine Söhne und seine Brüder und sprach zu ihnen: »Meine Kinder und

Brüder, hört Joseph, den von Israel Geliebten; vernehmt, Söhne, euren Vater! Ich sah in meinem Leben den Neid und den Tod und ich irrte

nicht in der Wahrheit des Herrn. Diese meine Brüder haßten mich, aber der Herr liebte mich. Sie wollten mich töten, aber der Gott meiner

Väter bewachte mich; in eine Grube ließen sie mich hinab, aber der Höchste führte mich hinauf. Ich ward als Sklave verkauft, aber der Herr

machte mich frei; ich ward gefangengenommen, aber seine starke Hand half mir. Von Hunger ward ich gequält, aber der Herr selbst ernährte

mich; allein war ich, und Gott tröstete mich. Ich war krank, und der Höchste besuchte mich; ich war im Gefängnis, und der Erretter

begnadigte mich; in Banden, und er erlöste mich; in Verleumdungen, und er verteidigte mich; in bitteren Reden der Ägypter, und er errettete

mich; in Neid mit Arglist, und er erhöhte mich. 2 Und so vertraute mir Photimar, der Oberkoch Pharaos, sein Haus an. Und ich kämpfte

gegen sein schamloses Weib, das mich drängte, mit ihr zu sündigen. Allein der Gott Israels, meines Vaters, bewahrte mich vor der

brennenden Flamme. Ich ward ins Gefängnis geworfen, geschlagen, verspottet, und der Herr machte, daß sich der Gefangenenwärter meiner

erbarmte. Denn er verläßt gewiß nicht die, die ihn fürchten, nicht in Dunkelheit oder Banden oder Trübsal oder Not. Denn Gott schämt sich

nicht wie ein Mensch, noch zagt er wie ein Menschenkind, noch ist er schwach wie ein Erdgeborener, noch verstößt er. An allen Orten aber

ist er da und auf verschiedene Weisen tröstet er, wenn er eine kurze Zeit sich entfernt hat, um den Ratschluß der Seele zu prüfen. In zehn

Versuchungen fand er mich erprobt, und in ihnen allen bewies ich Langmut; denn ein großes Heilmittel ist die Langmut, und viel Gutes gibt

die Geduld. 3 Wie oft drohte die Ägypterin mir den Tod! Wie oft ließ sie mich rufen, um mich Züchtigungen zu übergeben und drohte mir,

wenn ich nicht mit ihr zusammenkommen wollte! Sie sagte mir aber: »Du sollst über mich herrschen und über all das Meine, wenn du dich

selbst mir hingibst, und du sollst wie unser Herrscher sein! « Ich nun gedachte an die Worte der Väter meines Vaters Jakob und ging in die

Kammer und betete zum Herrn, und ich fastete in jenen 7 Jahren und erschien dem Ägypter, als ob ich in Üppigkeit lebte; denn diejenigen,

welche um Gottes willen fasten, bekommen ein anmutiges Gesicht. Wenn er mir aber Wein gab, so trank ich ihn nicht und während dreier

Tage nahm ich meine Nahrung und gab sie Armen und Kranken. Und am Morgen wachte ich früh auf zum Herrn und klagte über die

Ägypterin aus Memphis, denn sie belästigte mich unaufhörlich sehr. Und des Nachts kam sie zu mir unter dem Vorwand eines Besuchs und

zuerst stellte sie sich, weil sie kein männliches Kind hatte, als wolle sie mich wie einen Sohn halten. Und ich betete zum Herrn, und sie gebar

ein männliches Kind. Eine Zeitlang nun umarmte sie mich wie einen Sohn, und ich merkte es nicht; zuletzt suchte sie mich zur Hurerei zu

verlocken. Und da ich es merkte, wurde ich betrübt bis zum Tod, und als sie hinausgegangen war, kam ich zu mir selbst und trauerte über sie

viele Tage; denn ich erkannte ihre List und die Verführung. Und ich sagte ihr Worte des Höchsten, ob sie vielleicht sich abwenden würde

von ihrer schlechten Begierde. Wie oft schmeichelte sie mir mit Worten als einem heiligen Mann, indem sie listig durch Reden meine

Keuschheit vor ihrem Mann lobte, während sie allein mich zu Falle bringen wollte! Sie pries mich öffentlich als keusch und im Geheimen

sprach sie zu mir: »Fürchte meinen Mann nicht, denn er ist auch von deiner Keuschheit überzeugt; denn auch wenn ihm einer etwas über uns

sagte, würde er es nicht glauben. « Bei alledem schlief ich auf der Erde in einem Sack und bat Gott, daß mich der Herr von der Ägypterin

erretten möge. Als sie aber nichts vermochte, kam sie wiederum unter dem Vorwande zu mir, Unterricht bei mir zu nehmen, um das Wort

des Herrn zu lernen. Und sie sprach zu mir: »Wenn du willst, daß ich die Götzen verlasse, so willfahre mir, und ich werde den Ägypter

überreden, daß er von den Götzen abfällt, und wir wollen im Gesetze deines Herrn wandeln. «Ich sage aber zu ihr: »Der Herr will nicht, daß

die, welche ihn fürchten, in Unreinigkeit wandeln, noch hat er an den Ehebrechern Gefallen.« Und jene schwieg still und verlangte, ich solle

ihre Begierde stillen. Und ich fastete und betete noch mehr, damit mich der Herr von ihr erretten möchte. 5 Wiederum aber zu einer anderen

Zeit spricht sie zu mir: »Wenn du nicht ehebrechen willst, so will ich den Ägypter töten und so will ich dich nach dem Gesetze zum Manne

nehmen!« Als ich nun dieses hörte, zerriß ich mein Gewand und sprach: »0 Weib, fürchte den Herrn und vollführe diese böse Tat nicht,

damit du nicht verderbt werdest; denn ich werde auch deine gottlose Absicht allen kundtun! « Jene fürchtete sich nun und bat, daß ich

keinem ihre Schlechtigkeit kundtun solle. Und sie ging fort und suchte mich mit Geschenken zu kirren und schickte mir allen Genuß der

Menschenkinder. 6 Und sie schickt mir eine Speise mit Zauberei vermischt. Und als der Verschnittene kam, der sie brachte, blickte ich auf

und sah einen furchtbaren Mann, der mir mit der Schüssel ein Schwert überreichte. Und ich merkte, daß ihre Geschäftigkeit auf Verführung

der Seele abzielte. Und als er hinausgegangen war, klagte ich und kostete weder jene noch irgend eine andere von ihren Speisen. Nach einem

Tage nun kam sie zu mir und erkannte die Speise und spricht zu mir: »Weshalb hast du nicht von der Speise gegessen?« Und ich sprach zu

ihr: »Weil du sie mit Tod angefüllt hast. Und wie hast du gesprochen: Ich nahe mich nicht den Götzen, sondern dem Herrn allein? jetzt nun

erfahre, daß mir der Gott meines Vaters durch einen Engel deine Schlechtigkeit enthüllt hat, und ich habe sie bewahrt, um dich zu

überführen, ob du sie vielleicht sehen und Buße tun möchtest. Damit du aber weißt, daß über die, welche in Keuschheit Gott fürchten, die

Bosheit der Gottlosen nichts vermag« - , so nahm ich vor ihren Augen und aß und sprach: »Der Gott meiner Väter und der Engel Abrahams

wird mit mir sein. « Sie aber fiel auf das Angesicht zu meinen Füßen und weinte; und ich richtete sie auf und ermahnte sie, und sie versprach,

diese Sünde nicht mehr zu begehen. 7 Als aber ihr Herz auf mich versessen war zur Unzucht, seufzte sie und verfiel. Als sie aber der Ägypter

sah, spricht er zu ihr: »Warum ist dein Angesicht verfallen?» Sie aber sprach: »Einen Herzenskummer leide ich, und die Seufzer meines

Geistes beengen mich. « Und er ließ sie ärztlich behandeln, obwohl sie nicht krank war. Da sprang sie zu mir, als ihr Mann noch draußen

war, und spricht zu mir: » Ich erdrossele mich oder ich stürze mich in einen Brunnen oder Abgrund, wenn du mir nicht zu Willen bist! «Und

ich merkte, daß der Geist Beliars sie beunruhige und betete zum Herrn und sprach zu ihr: »Weshalb wirst du erregt und aufgeregt die du in

Sünden verblendet bist? Bedenke, daß, wenn du dich selbst tötest, Sethon, das Kebsweib deines Mannes, deine Nebenbuhlerin, deine Kinder

schlagen und dein Andenken von der Erde vertilgen wird. « Und sie spricht zu mir: » Siehe, nun liebst du mich! Es genügt mir allein, daß du

dich um mein und meiner Kinder Leben bemühst; ich habe die Erwartung, die Stillung meiner Begierde zu genießen. «Und sie erkannte

nicht, daß ich Gottes wegen so zu ihr sprach und nicht ihretwegen. Wenn nämlich einer der Leidenschaft einer schlechten Begierde verfällt

und dieser dient wie jene, so nimmt er, auch wenn er etwas Gutes hört in Bezug auf die Leidenschaft, der er unterliegt, es zur Förderung der

schlechten Begierde auf. 8 Ich sage euch, Kinder, daß es ungefähr die sechste Stunde war, als sie von mir fortging. Und ich beugte das Knie

zum Herrn den ganzen Tag und die ganze Nacht noch dazu, gegen Morgen stand ich unter Tränen auf und flehte um Erlösung von der

Ägypterin. Zuletzt nun erfaßt sie meine Gewänder und sucht mich mit Gewalt zur Beiwohnung heranzuziehen. Als ich nun sah, daß sie in

Raserei mit Gewalt meine Gewänder festhielt, entfloh ich nackt. Und jene verleumdete mich bei ihrem Mann, und der Ägypter warf mich ins

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Gefängnis in seinem Hause. Und am folgenden Tage ließ mich der Ägypter geißeln und schickte mich in das Gefängnis des Pharao. Als ich

nun in Fesseln war, wurde die Ägypterin krank vor Trauer und sie hörte mich, wie ich den Herrn pries im Hause der Finsternis und mit

fröhlicher Stimme in Freude meinen Gott lobte, nur weil ich bei dieser Veranlassung von der Ägypterin befreit wurde. 9 Oft schickte sie zu

mir und sprach: »Willige ein, meine Begierde zu stillen, so will ich dich aus den Banden losmachen und dich aus der Finsternis befreien. «

Aber auch nicht in Gedanken neigte ich jemals zu ihr hin. Denn Gott liebt mehr den, der in der finsteren Grube fastet in Keuschheit als den,

der in Kammern schwelgt mit Ausschweifung. Denn der, welcher in Keuschheit lebt, will auch Ruhm, und wenn der Höchste weiß, daß es

ihm nützlich ist, so gewährt er ihm auch dieses wie auch mir. Wie oft kam sie, obwohl sie krank war, zu mir in tiefer Nacht und hörte meine

Stimme, wenn ich betete; ich vernahm aber ihre Seufzer und schwieg. Denn auch als ich in ihrem Hause war, entblößte sie ihre Arme und die

Brüste und die Waden, damit ich mich auf sie legen sollte; denn sie war sehr schön, gar herrlich geschmückt, mich zu verführen. Und der

Herr bewahrte mich vor ihren Anschlägen. 10 Seht nun, meine Kinder, wie Großes die Geduld bewirkt und Gebet mit Fasten. Und ihr nun,

wenn ihr der Keuschheit und der Reinheit nachgeht in Geduld und Herzensdemut, so wird der Herr unter euch wohnen, denn er liebt die

Keuschheit. Wo aber der Höchste wohnt, da errettet der Herr, der in ihm wohnt, auch wenn einer in Neid oder Knechtschaft oder

Verleumdung gerät, ihn nicht allein von dem Bösen wegen der Keuschheit, sondern er erhöht ihn auch und macht ihn herrlich wie auch mich.

Denn ganz und gar wird der Mensch bedrängt entweder durch Werk oder durch Wort oder durch Gedanken. Meine Brüder wissen, wie mich

mein Vater liebte. Und ich ward nicht übermütig in meinem Herzen; und obwohl ich jung war, hatte ich die Furcht Gottes in meinem Sinn.

Ich wußte nämlich, daß alles vergehen wird, und ich schätzte mich selbst ab und ehrte meine Brüder. Und aus Furcht vor ihnen schwieg ich,

als ich verkauft wurde, daß ich den Ismaeliten meine Herkunft nicht sagte, daß ich ein Sohn Jakobs bin, eines großen und mächtigen Mannes.

11Und ihr nun habt bei euren Handlungen die Furcht Gottes und ehrt eure Brüder. Denn jeder, der das Gesetz des Herrn tut, wird von ihm

geliebt werden. Als ich aber mit den Ismaeliten zu den Indokolpiten kam, fragten sie mich, und ich sagte, daß ich ein Haussklave sei, damit

ich meine Brüder nicht beschämte. Es sagt aber der Größere von ihnen: »Du bist kein Sklave, denn dein Aussehen verrät dich « - und er

drohte mir bis zum Tode. Ich aber sagte, daß ich ihr Sklave sei. Als sie aber nach Ägypten kamen, stritten sie um mich, wer Gold hinzugeben

und mich erhalten solle. Deshalb beschlossen alle, daß ich in Ägypten bei ihrem Kleinhändler sein solle, bis sie mit der Ware zurückkehrten.

Und der Herr gab mir Gnade in den Augen des Kleinhändlers, und er vertraute mir sein Haus an. Und der Herr segnete ihn durch meine Hand

und gab ihm viel Silber und Gold, und ich war bei ihm 3 Monate und 5 Tage. 12 In jener Zeit kam das Weib des Petephris aus Memphis

heran mit vielem Schmuck und warf ihre Augen auf mich; denn die Verschnittenen hatten zu ihr von mir gesprochen. Und sie redet zu ihrem

Manne von dem Kleinhändler, daß er durch die Hand eines jungen Hebräers reich geworden sei. »Man sagt aber, daß sie ihn aus dem Lande

Kanaan gestohlen haben. Jetzt nun halte Gericht mit ihm und nimm den Jüngling zu deinem Haushalter, so wird dich der Gott der Hebräer

segnen; denn Gnade vom Himmel ruht auf ihm. « 13 Petephris aber glaubte ihren Worten und befahl, daß der Kleinhändler vorgeführt

würde, und spricht zu ihm: »Was höre ich da, daß du die Seelen aus dem Lande der Hebräer stiehlst und sie als Sklaven verhandelst?« Der

Kleinhändler fiel nun auf sein Angesicht, bat und sprach: »Ich bitte dich, Herr, ich weiß nicht, was du sagst. « Er aber sprach: »Woher hast

du den hebräischen Sklaven?« Und er sprach: »Die Ismaeliten übergaben ihn mir, bis sie zurückkehren würden. « Und er glaubte ihm nicht,

sondern befahl, daß er nackend geschlagen werde. Da er aber darauf beharrte, spricht Petephris: »Der Jüngling soll vorgeführt werden. « Und

ich wurde hereingeführt und fiel vor dem Obersten der Verschnittenen nieder; denn er war der dritte an Würde bei dem Pharao, der Anführer

aller Verschnittenen, der ein Weib und Kinder und Kebsweiber hatte. Und er trennte mich von ihm und sprach zu mir: » Bist du ein Sklave

oder ein Freier?« Und ich sprach: »Ein Sklave. « Und er spricht zu mir: »Wessen Sklave bist du?« Und ich sage zu ihm: »Der Ismaeliten. «

Und wiederum spricht er zu mir: »Wie wurdest du ihr Sklave?« Und ich sprach: »Weil sie mich aus dem Lande Kanaan kauften. « Er aber

glaubte es nicht und sprach: » Du lügst! « und befahl, daß ich nackend geschlagen würde. 14 Die Memphierin aber sah durch die Tür, wie ich

geschlagen wurde, und sendet zu ihrem Mann und spricht: »Ungerecht ist dein Urteil, denn du strafst auch den Freien, der gestohlen wurde,

als ob er gefrevelt hätte. « Als ich aber die Aussage nicht veränderte, obwohl ich geschlagen wurde, befahl er, daß ich ins Gefängnis

geworfen würde, »bis« - sagt er –

» die Herren des Sklaven kommen. « Und sein Weib spricht zu ihm: »Weshalb hältst du den gefangenen und edelgeborenen Sklaven fest, da

er vielmehr freigelassen sein müßte, um dir zu dienen?« Denn sie wollte mich sehen in sündigem Verlangen, und ich war in Unwissenheit

bei alledem. Er aber sprach zu der Memphierin: »Es ist nicht erlaubt bei den Ägyptern, vor einer genauen Darlegung das Fremde

wegzunehmen. « Dieses sagte er von dem Kleinhändler und von mir, denn ich mußte eingekerkert bleiben. 15 Nach 24 Tagen aber kamen die

Ismaeliten, und als sie hörten, da ß mein Vater Jakob über mich trauere, sprachen sie zu mir: »Weshalb hast du dich selbst für einen Sklaven

ausgegeben? Und siehe, wir haben erfahren, daß du ein Sohn eines mächtigen Mannes in Kanaan bist; und dein Vater trauert im Sack! « Und

wiederum wollte ich weinen, aber ich hielt an mich, damit ich nicht meine Brüder beschämte. Und ich sprach: »Ich weiß es nicht; ich bin ein

Sklave. « Da beschließen sie, mich zu verkaufen, damit ich nicht in ihren Händen gefunden würde. Sie fürchteten nämlich Jakob, daß er nicht

an ihnen gefährliche Rache übte. Denn es verlautete, daß er mächtig sei bei dem Herrn und bei Menschen. Da spricht der Kleinhändler zu

ihnen: »Befreit mich von dem Gericht des Petephris!« Sie kamen nun herzu, baten mich und sprachen: »Sage, daß du um Geld von uns

gekauft wurdest, so wird uns jener freilassen. « 16Die Memphierin aber offenbarte ihrem Manne, daß sie mich kaufen wolle; »denn ich

höre,« sprach sie, »daß sie ihn verkaufen wollen.« Und sie sandte einen Verschnittenen zu den Ismaeliten und begehrte mich zu kaufen; und

da er nichts mit ihnen zu tun haben wollte, so ging er fort. Der Verschnittene aber, nachdem er sie ausgefragt, meldete seiner Herrin, daß sie

einen hohen Preis für den Sklaven verlangten. Sie aber sandte einen anderen Verschnittenen und sprach: »Wenn sie auch zwei Minen Goldes

begehren, so achte darauf, daß du das Gold nicht schonst, nur kaufe den Sklaven und bringt ihn! « Und er gab ihnen 80 Goldstücke für mich,

während er der Ägypterin sagte, es seien 100 für mich gegeben. Und obwohl ich es gesehen hatte, schwieg ich still, damit der Verschnittene

nicht ausgeforscht würde. 17 Seht, Kinder, wie Schweres ich erduldet habe, um meine Brüder nicht zu entehren. Und ihr nun liebt einander

und verbergt in Langmut eure gegenseitigen Fehler. Denn Gott freut sich über die Eintracht von Brüdern und über den Vorsatz eines

Herzens, welches in Ansehen steht in bezug auf die Liebe. Und als meine Brüder nach Ägypten kamen, da sie erkannten, daß ich ihnen das

Geld abgewendet hätte und sie nicht schmähte, sondern sie noch tröstete und sie nach dem Tode Jakobs um so mehr liebte und alles, was er

befohlen hatte, außerordentlich genau ausführte, da bewunderten sie es auch. Denn ich ließ nicht zu, daß sie gekränkt würden, auch nur im

Geringsten; und alles, was in meiner Hand war, gab ich ihnen. Ihre Söhne waren meine Söhne, und meine Söhne wie ihre Sklaven; ihre Seele

war meine Seele, und jeder Schmerz von ihnen mein Schmerz, und alle ihre Schwachheit war meine Krankheit. Mein Land ihr Land, mein

Rat ihr Rat, und nicht erhob ich mich unter ihnen in Großtuerei wegen meiner weltlichen Ehre, sondern ich war unter ihnen wie einer von

den Geringsten. 18 Wenn nun auch ihr, meine Kinder, in den Geboten des Herrn wandelt, so wird er euch hier erhöhen und wird euch mit

Gütern segnen in Ewigkeit. Und wenn einer euch Böses tun will, so betet für ihn durch Wohltun, so werdet ihr von allem Bösen durch den

Herrn erlöst werden. Denn siehe, ihr seht, daß ich wegen der Langmut sogar eine Tochter meines Herrn zum Weibe bekam. Und 100 Talente

Goldes sind mir mit ihr gegeben worden; denn der Herr machte sie mir dienstbar. Und er gab mir auch Schönheit wie die einer Blume mehr

als den Jünglingen Israels und erhielt mich bis zum Alter in Kraft und Schönheit, denn ich war in allen Dingen dem Jakob ähnlich. 19 Hört,

meine Kinder, auch die Träume, die ich sah. Zwölf Hirsche weideten, und neun wurden zertrennt und zerstreut auf der Erde; ebenso auch die

drei übrigen. Und ich sah, daß aus Juda eine Jungfrau geboren wurde, die ein Gewand aus Byssus trug, und aus ihr ging ein unbeflecktes

Lamm hervor, und zu seiner Linken war eine Gestalt, wie ein Löwe, und alle wilden Tiere bestürmten es, und das Lamm besiegte sie und

vernichtete sie, daß sie zertreten wurden. Und es freuten sich darüber die Engel und die Menschen und die ganze Erde. Dieses aber wird zu

seiner Zeit geschehen in den letzten Tagen. Ihr nun, meine Kinder, bewahrt die Gebote des Herrn und ehrt Juda und Levi, denn aus ihnen

wird euch aufgehen das Lamm Gottes, welches durch Gnade alle Heiden und Israel rettet. Denn sein Königreich wird sein, ein ewiges Königreich,

welches nicht vergehen wird. Mein Königreich aber wird unter euch zu Ende gehen wie eine Hütte im Weinberg; denn nach der

Ernte wird sie verschwinden. 20 Ich weiß, daß nach meinem Ende die Ägypter euch plagen werden; aber Gott wird Rache für euch

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vollziehen und wird euch in die Verheißung eurer Väter hineinführen. Jedoch ihr sollt meine Gebeine mit euch hinaufnehmen. Denn wenn

meine Gebeine hinaufgebracht werden, wird der Herr mit euch im Lichte sein, und Beliar wird in Finsternis mit den Ägyptern

sein. Auch eure Mutter Zelpha bringt hinauf und legt sie nahe bei Balla an der Rennbahn in der Nähe Rahels. « Und nachdem er dieses

gesagt hatte, streckte er seine Füße aus und schlief den ewigen Schlaf. Und es betrauerte ihn ganz Israel und das ganze Ägypten in großer

Trauer. Denn auch mit den Ägyptern hatte er Mitleid wie mit den eigenen Gliedern und tat ihnen Gutes und stand ihnen mit jeglichem Werk,

mit Rat und Tat zur Seite.

Das Testament Benjamins (über reine Gesinnung).

1 Abschrift der Worte Benjamins, die er seinen Söhnen vortrug, nachdem er 120 Jahre gelebt hatte. Und er küßte sie und sprach: »Wie Isaak

im 100. Jahre dem Abraham geboren wurde, so auch ich dem Jakob. Da nun Rahel, nachdem sie mich geboren hatte, gestorben war, hatte ich

keine Milch; an ihrer Sklavin Balla nun trank ich. Denn Rahel war, nachdem sie Joseph geboren hatte, 12 Jahre lang unfruchtbar. Und sie

betete zum Herrn mit Fasten 12 Tage lang; da empfing sie und gebar mich. Denn unser Vater liebte Rahel sehr und wünschte zwei Söhne von

ihr zu sehen. Deshalb wurde ich »Sohn der Tage« genannt, daß heißt Benjamin. 2 Als ich nun nach Ägypten kam, und mein Bruder Joseph

mich wiedererkannte, spricht er zu mir: »Was sagten sie unserem Vater, als sie mich verkauft hatten?« Und ich sprach zu ihm: »Sie

besudelten deinen Rock mit Blut und sandten ihn und sprachen: Sieh zu, ob dieses der Rock deines Sohnes ist!« Und er spricht zu mir: »ja,

Bruder; denn auch als mich die Ismaeliten nahmen, zog mir einer von ihnen den Rock aus und gab mir einen Schurz und geißelte mich und

hieß mich laufen. Während er aber hinging, mein Gewand zu verbergen, begegnete ihm ein Löwe und tötete ihn. Und so fürchteten sich seine

Genossen und verkauften mich an die anderen von ihnen. « 3Und ihr nun, meine Kinder, liebt den Herrn, den Gott des Himmels, und

bewahrt seine Gebote, indem ihr dem guten und frommen Joseph nachahmt. Und es soll euer Sinn auf das Gute gerichtet sein, wie ihr auch

von mir wißt. Wer eine gute Gesinnung hat, sieht alles richtig. Fürchtet den Herrn und liebt den Nächsten, und wenn die Geister des Beliar

euch zu jeder Schlechtigkeit der Unterdrückung reizen, so möge über euch keine Schlechtigkeit der Unterdrückung die Herrschaft gewinnen,

wie auch nicht über meinen Bruder Joseph. Wie viele Menschen wollten ihn töten, aber Gott beschirmte ihn. Denn wer Gott fürchtet und den

Nächsten liebt, kann nicht von dem in der Luft hausenden Geiste Beliars getroffen werden, da er von der Furcht Gottes beschirmt wird. Und

von der Nachstellung von Menschen oder wilden Tieren kann er nicht beherrscht werden, da ihm geholfen wird von der Liebe des Herrn, die

er zu dem Nächsten hat. Denn er bat auch unseren Vater Jakob, daß er für unsere Brüder beten möchte, damit es ihnen der Herr nicht

zurechne, wenn sie etwas Böses in betreff seiner geplant hätten. Und so rief Jakob: »0 Kind Joseph, du hast das Herz deines Vaters Jakob

überwunden. « Und er umfaßte ihn und küßte ihn zwei Stunden lang und sprach: »Es wird erfüllt werden an dir eine Weissagung des

Himmels über das Lamm Gottes und den Erretter der Welt, daß ein Unschuldiger für Gottlose wird dahingegeben werden und ein Sündloser

für Sünder sterben wird in dem Blute des Bundes, zur Errettung der Heiden und Israels, und daß er Beliar und seine Diener vernichten wird.

« 4 Ihr habt gesehen, Kinder, das Ende des guten Mannes. Ahmt seine Barmherzigkeit nach in guter Gesinnung, damit auch ihr Kränze der

Herrlichkeit tragt. Der gute Mensch hat kein finsteres Auge; denn er hat Erbarmen mit allen, auch wenn sie Sünder sind, ja auch wenn sie

über ihn beratschlagen zum Bösen. So besiegt der, welcher Gutes tut, den Bösen, da er von dem Guten beschirmt wird; die Gerechten aber

liebt er wie seine Seele. Wenn einer gepriesen wird, so neidet er nicht; wenn einer reich ist, so ist er nicht neidisch; wenn einer tapfer ist, so

lobt er ihn; den Keuschen preist er vertrauensvoll; des Armen erbarmt er sich; mit dem Kranken hat er Mitleid; Gott preist er laut; den, der

Gott fürchtet, beschützt er; dem, der Gott liebt, hilft er; den, der den Höchsten verachtet, warnt und bekehrt er und den, der die Gnade eines

guten Geistes hat, liebt er von ganzer Seele. 5 Wenn ihr eine gute Gesinnung habt, Kinder, so werden auch die schlechten Menschen mit

euch Frieden haben, und die Schwelger werden euch scheuen und zum Guten umkehren, und die Habsüchtigen werden nicht nur von der

Leidenschaft abstehen, sondern auch den Bedrückten den Gewinn zurückgeben. Wenn ihr Gutes tut, werden auch die unreinen Geister von

euch fliehen, und selbst die wilden Tiere werden aus Furcht vor euch fliehen. Denn wo Licht der guten Werke vorhanden ist in der

Gesinnung, da weicht die Finsternis vor ihm. Denn wenn jemand einen frommen Mann verhöhnt, so tut er Buße; denn der Fromme erbarmt

sich des Lästerers und schweigt. Und wenn jemand eine gerechte Seele verraten hat, und der Gerechte demütigt sich auf kurze Zeit im Gebet,

so erscheint er nach nicht langer Zeit weit glänzender, wie mein Bruder Joseph gewesen ist. 6 Der Rat des guten Mannes ist nicht in der

Hand des Geistes der Verführung Beliars. Denn der Engel des Friedens führt seine Seele. Er sieht nicht leidenschaftlich auf das

Vergängliche, noch sammelt er Reichtum für die Vergnügungssucht; nicht ergötzt er sich am Vergnügen, nicht betrübt er den Nächsten, nicht

überladet er sich mit Speise, nicht schweift er mit den Augen umher. Denn der Herr ist sein Teil. Der gute Rat nimmt nicht Ehre und

Schmach von Menschen an und alle List oder Lüge, Streit und Schmähung kennt er nicht; denn der Herr wohnt in ihm und erleuchtet seine

Seele und freut sich an allem zu jeder Zeit. Die gute Gesinnung hat nicht zwei Zungen, des Segens und des Fluchs, der Schande und der

Ehre, der Trauer und der Freude, der Ruhe und der Unruhe, der Heuchelei und der Wahrheit, der Armut und des Reichtums, sondern sie hat

nur einen lauteren, reinen Gemütszustand hinsichtlich aller. Sie hat kein doppeltes Gesicht noch Gehör; denn bei allem, was er tut oder redet

oder sieht, weiß er, daß der Herr seine Seele betrachtet und seine Gesinnung reinigt, damit er nicht verdammt wird von Gott und Menschen.

Von Beliar aber ist jedes Werk zwiefältig und hat keine Einfalt. 7 Deshalb, meine Kinder, flieht die Bosheit Beliars, denn sie gibt denen, die

ihr gehorchen, ein Schwert. Das Schwert aber ist die Mutter von 7 Übeln. Zuerst empfängt die Gesinnung durch den Beliar; es ist aber das

erste Neid, das zweite Verderben, das dritte Trübsal, das vierte Gefangenschaft, das fünfte Mangel, das sechste Unruhe, das siebente

Verwüstung. Deshalb ist auch Kain sieben Strafen von Gott übergeben; denn alle 100 Jahre brachte der Herr eine Strafe über ihn. 200 Jahre

leidet er, und im 900. Jahre wird er verjagt zur Zeit der Sintflut wegen seines gerechten Bruders Abel. In 700 Jahren wurde Kain gerichtet,

Lamech aber in 70 mal 7 Jahren; denn bis in Ewigkeit werden diejenigen, welche dem Kain gleichen in Neid, so daß sie den Bruder hassen,

mit derselben Strafe gerichtet werden. 8Und ihr nun, Kinder, entflieht der Bosheit, dem Neid und dem Bruderhaß und hangt der Güte und der

Liebe an! Wer eine reine Gesinnung in Liebe hat, sieht kein Weib zur Hurerei an; denn er hat keine Befleckung im Herzen, weil auf ihm der

Geist Gottes ruht. Denn wie die So nne nicht befleckt wird, wenn sie auf Mist und Schmutz scheint, sondern vielmehr beides trocknet und den

üblen Geruch vertreibt, so baut auch vielmehr der reine Sinn, wenn er in den Befleckungen der Erde festgehalten wird; er selbst aber wird

nicht befleckt. 9 Ich vermute aber, daß auch nicht gut Taten unter euch geschehen werden, aus den Worten Henochs, des Gerechten. Ihr

werdet nämlich Hurerei treiben wie Sodom und werdet beinahe untergehen und werdet in Weibern heftige Begierden wieder erwecken, und

das Reich des Herrn wird nicht unter euch sein, denn sogleich wird er selbst es nehmen. Allein in einem Teil von euch wird der Tempel

Gottes sein und er wird berühmter sein als der erste, und die 12 Stämme werden sich dort versammeln und alle Heiden, bis der Höchste sein

Heil sendet durch den Besuch des Eingeborenen. Und er wird hineingehen in den ersten Tempel, und dort wird der Herr geschmäht und

verachtet und am Holz erhöht werden. Und der Vorhang des Tempels wird zerreißen, und der Geist Gottes wird auf die Heiden herabsteigen

wie ausgegossenes Feuer. Und nachdem er aus der Unterwelt zurückgekehrt ist, wird er aufsteigen von der Erde zum Himmel. Ich erkannte

aber, wie würdig er sein wird auf Erden und wie herrlich im Himmel. 10 Als aber Joseph in Ägypten war, begehrte ich sein Bild und die

Gestalt seines Angesichts zu sehen, und durch die Gebete meines Vaters Jakob sah ich ihn, am Tage, während ich wach war, so, wie sein

ganzes Aussehen war. Wisset nun, meine Kinder, daß ich sterbe. Übt nun Wahrheit und Gerechtigkeit ein jeder an seinem Nächsten und

Gericht zur Bestätigung und bewahrt das Gesetz des Herrn und seine Gebote. Dieses nämlich lehre ich euch statt jeglichen Erbteils. Und ihr

nun gebt es euren Kindern zum ewigen Besitz. Denn dieses haben Abraham und Isaak und Jakob getan. Alles dieses haben sie uns vererbt,

indem sie sprachen: Bewahrt die Gebote Gottes, bis der Herr sein Heil allen Heiden offenbart. Dann werdet ihr Henoch, Noah und Sem und

Abraham und Isaak und Jakob sehen, wie sie auferstehen zur Rechten mit Frohlocken. Dann werden auch wir auferstehen, ein jeder zu

unserem Reich, anbetend den König des Himmels, der auf Erden erschienen ist in der Gestalt eines niedrigen Menschen. Und alle, welche an

ihn glaubten auf Erden, werden sich mit ihm freuen. Dann werden auch alle auferstehen, die einen zur Herrlichkeit, die anderen zur Schande.

Und der Herr wird zuerst Israel richten wegen der Gottlosigkeit gegen ihn, denn sie haben an den im Fleisch erschienenen Gott, den Erretter,

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nicht geglaubt. Und dann wird er alle Heiden richten, soviel nicht an ihn glaubten, als er auf Erden erschienen war; und er wird durch die

Auserwählten der Heiden Israel züchtigen, wie er Esau züchtigte durch die Mandinäer, die ihre Brüder verleiteten, daß sie in Hurerei gerieten

und in Götzendienst; und sie wurden Gott entfremdet, indem sie nicht Kinder wurden unter denen, die den Herrn fürchten. Wenn ihr aber in

Heiligkeit wandelt vor dem Angesicht des Herrn, so werdet ihr wiederum auf Hoffnung in mir wohnen; und es wird ganz Israel zum Herrn

versammelt werden. 11 Und ich werde nicht mehr ein räuberischer Wolf genannt werden wegen eurer Räubereien, sondern ein Arbeiter des

Herrn, der Nahrung austeilt denen, die das Gute tun. Und es wird erstehen aus meinem Samen in späteren Zeiten ein Geliebter des Herrn, der

auf Erden seine Stimme hört, der mit einer neuen Erkenntnis alle Heiden erleuchtet, der aufsteigt in Israel als ein Licht der Erkenntnis zum

Heil und wie ein Wolf von ihm raubt und es der Versammlung der Heiden gibt. Und bis zur Vollendung der Zeiten wird er in den Versammlungen

der Heiden sein und unter ihren Fürsten, wie ein wohlklingendes Lied in aller Munde. Und in heiligen Büchern wird er beschrieben,

sowohl sein Werk als auch sein Wort. Und er wird der Auserwählte Gottes sein in Ewigkeit. Und seinetwegen verständigte mich mein Vater

Jakob und sprach: »Er wird ausfüllen die Mängel deines Stammes.« 12 Und als er seine Reden vollendet hatte, sprach er: »Ich befehle euch,

meine Kinder: bringt meine Gebeine hinaus aus Ägypten und begrabt mich in Hebron, nahe bei meinen Vätern.« Und Benjamin starb mit

125 Jahren in schönem Alter; und sie legten ihn in einen Sarg. Und im 91. Jahre vor dem Auszug der Kinder Israels aus Ägypten brachten sie

und ihre Brüder die Gebeine ihrer Väter heimlich hinauf an den angegebenen Ort in Kanaan. Und sie begruben sie in Hebron zu den Füßen

ihrer Väter. Und sie selbst kehrten zurück aus dem Lande Kanaan und wohnten in Ägypten bis zum Tag ihres Auszugs aus dem Land

Ägypten.

Textquelle: Die 18 Psalmen Salomos

Die bittere Frucht des Makkabäerkriegs

1 Ich schrie zum Herrn in meiner äußersten Drangsal, zu Gott, als Sünder mir zuzusetzten. 2 Plötzlich drang mir Kriegsgeschrei in die Ohren;

>ich sprach<: Er hört mich, weil ich voll Gerechtigkeit bin. 3 Ich bildete mir ein, ich sei voll Gerechtigkeit, weil ich Glück hatte und reich an

Kindern ward . 4 Ihr Reichtum erfüllte alle Welt, und ihr Ruhm drang bis ans Ende der Erde. 5 Sie stiegen hinauf bis zu den Sternen,

dachten, sie könnten nicht zu Fall kommen. 6 Sie wurden übermütig in ihrem Glück und konnten es nicht ertragen. 7 Ihre Sünden geschahen

im Verborgenen, und ich wußte es nicht. 8 Ihre Greuel gingen über die Heiden vor ihnen; sie haben das Heiligtum des Herrn schändlich

entweiht.

Jerusalems Schmach und Pompejus Untergang. Ein Psalm Salomos über Jerusalem

1 In seinem Übermut stürzte der Sünder mit dem Widder feste Mauern und du hindertest es nicht. 2 Fremde Heiden bestiegen deinen Altar,

betraten ihn übermütig in ihren Schuhen, 3 dafür, daß die Söhne Jerusalems das Heiligtum des Herrn entweihten, die Opfer Gottes in

Gottlosigkeit schändeten. 4 Darum sprach er: Tut sie weit weg von mir, ich habe kein Gefallen an ihnen! 5 Ihre herrliche Schönheit war

nichts vor Gott, entehrt aufs Äußerste. Die Söhne und Töchter in schimpflicher Gefangenschaft, im Verschluß ihr Hals, bloßgestellt unter den

Heiden. 7 Nach ihren Sünden hat er ihnen getan, daß er sie preisgab in der Sieger Hände 8 denn mitleidlos hat er sein Antlitz von ihnen

abgewandt, jung und alt und ihre Kinder zumal, weil sie zumal Böses getan und nicht hören wollten. 9 So ward denn der Himmel unwillig,

und das Land spie sie aus; denn kein Mensch tat darin, was sie taten. 10 Und das Land erkannte alle deine gerechten Gerichte, o Gott! 11 Sie

machten Jerusalems Söhne zum Gespött wegen der >Hurerei< in ihr; jeder, der des Weges zog, konnte hinein am lichten Tag. 12 Sie trieben

Scherz mit ihrer Gottlosigkeit, so, wie sie selbst getan hatten am lichten Tag, so stellte man ihre Frevel zur Schau. 13 Und Jerusalems

Töchter wurden entehrt nach deinem Richterspruch, dafür, daß sie sich selbst befleckt hatten in greulicher Unzucht – 14 im tiefsten Innern tut

es mir weh! 15 Ich gebe dir recht, o Gott, mit aufrichtigem Herzen; denn in deinen Gerichten waltet deine Gerechtigkeit, o Gott! 16 Denn du

hast den Sündern nach ihren Taten vergolten und nach ihren gar üblen Sünden, 17 hast ihre Sünden an den Tag gebracht, damit dein Gericht

offenbar werde, hast ausgelöscht ihr Andenken von der Erde. 18 Gott ist ein gerechter Richter und huldigt keiner Person. 19 Heiden nämlich

haben Jerusalem verhöhnt und zertreten; ihre Schönheit ward vom stolzen Thron herabgezogen. 20 Sie mußte das Sackgewand anlegen statt

des Ehrenkleids, einen Strick um ihr Haupt statt des Kranzes, 21 nahm ab das herrliche Diadem, das Gott ihr aufgesetzt hatte: entehrt lag ihre

Zier, ward weggeworfen zur Erde. 22 Ich aber sah es und bat den Herrn eindringlich und sagte: Laß genug sein, Herr, daß deine Hand auf

Jerusalem lastet im Andrang der Heiden ! 23 Denn sie haben ihr Spiel getrieben und nicht geschont in Zorn und grimmem Wüten und sie

werden ihm den Garaus machen, wenn nicht du, Herr, sie in deinem Zorne schiltst. 24 Denn nicht im Eifer für dich haben sie gehandelt,

sondern in ihres Herzens Lust, um ihren Grimm über uns auszugießen in Plünderung. 25 Zögere nicht, Gott, ihnen auf ihr Haupt zu

vergelten, des Drachen Übermut in Schmach zu wandeln ! 26 Es dauerte nicht lange, da stellte mir Gott seinen Übermut dar, ihn selbst

durchbohrt an den Bergen Ägyptens, verachteter als der Geringste zu Land und zu Wasser, 27 seinen Leichnam umhergetrieben auf den

Wogen in gewaltiger Brandung, und niemand begrub ihn, denn er gab ihn der Verachtung preis. 28 Er hatte nicht bedacht, daß er ein Mensch

war, und hatte das Ende nicht bedacht, 29 hatte gemeint: Ich bin der Herr von Land und Meer, nicht erkannt, daß Gott groß ist, stark in seiner

gewaltigen Kraft. 30 Er ist König droben im Himmel und richtet Könige und Reiche. 31 Er erhebt mich zur Herrlichkeit und >führt< die

Hoffärtigen zum ewigen Verderben in Schmach, weil sie ihn nicht erkannten. 32 Nun denn, so seht, ihr Großen der Erde, auf des Herrn

Gericht, weil ein Großer König ist und ein Gerechter, der richtet den Erdboden! 33 Preiset Gott, die ihr den Herrn fürchtet in Einsicht, denn

des Herrn Erbarmen äußert sich gegen seine Verehrer beim Gericht, 34 daß er scheide zwischen Frommen und Gottlosen, den Gottlosen

ewig vergelte nach ihren Werken 35 und des Frommen sich erbarme gegenüber dem Drucke des Gottlosen und dem Gottlosen vergelte, was

er dem Frommen angetan. 36 Denn der Herr ist denen gnädig, die ihn in Geduld anrufen, und handelt nach seinem Erbarmen an den ihm

Ergebenen, daß sie allezeit vor ihm stehen mögen in Kraft. 37 Gelobt sei der Herr in Ewigkeit angesichts seiner Knechte!

Der Frommen und der Gottlosen Ergehen. Ein Psalm Salomos über Gerechte.

1 Was schläfst du, Seele, und lobst nicht den Herrn? Ein neues Lied singet Gott, dem Preiswerten! 2 Singe und erwache zu seinem Dienst,

denn Gott gefällt ein Psalm aus frommem Herzen. 3 Gerechte gedenken allezeit des Herrn; sie erkennen seine Gerichte als gerecht an. 4 Ein

Gerechter achtet es nicht gering, wenn er vom Herrn gezüchtigt wird; sein Wohlgefallen hat er doch allezeit. 5 Strauchelt der Gerechte, so

erkennt er des Herrn Gerechtigkeit an. Er fällt und sieht zu, was Gott ihm tun werde; er schaut aus, von wo ihm Hilfe komme. 6 Die Wahrheit

der Gerechten stammt von Gott, ihrem Erlöser; in des Gerechten Haus weilt nicht Sünde auf Sünde. 7Beständig durchforscht der

Gerechte sein Haus, um, wenn er sich vergangen, die Schuld zu tilgen. 8Irrtumssünden sühnt er mit Fasten und kasteit sich gründlich; der

Herr aber spricht jeden frommen Mann und sein Haus rein. 9 Strauchelt der Gottlose, so verflucht er sein Leben, den Tag seiner Zeugung

und der Mutter Wehen. l0 Er häuft Sünde auf Sünde, so lange er lebt; er fällt - ja böse ist sein Fall - und steht nicht mehr auf. 11Des Sünders

Verderben ist ewig, und sein wird nicht gedacht, wenn er die Frommen heimsucht. 12 Das ist das Teil der Sünder in Ewigkeit; aber die den

Herrn fürchten, werden auferstehen zum ewigen Leben, und ihr Leben verläuft im Licht, und das wird nimmer versiegen.

Heuchler im Hohen Rate. Ein Gedicht Salomos gegen die Menschenknechte.

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1 Was sitzest du Unheiliger im Rate der Frommen, da doch dein Herz weit ab ist vom Herrn, und du mit Übertretungen den Gott Israels

reizest? 2 An Worten und an Gebärden alle andern überragend, ist er mit harten Worten bereit, die Schuldigen im Gericht zu verurteilen. 3 Er

ist voran, Hand an ihn zu legen wie im frommen Eifer, während er doch selbst in vielfache Sünde und Unreinheit verstrickt ist. 4 Seine

Augen sind auf jedes Weib ohne Unterschied gerichtet, seine Zunge lügt, selbst beim eidlichen Vertrage. 5 Des Nachts und insgeheim

sündigt er, weil er sich ungesehen glaubt; durch die Augen hält er mit jedem Weibe sündige Verabredung. Hurtig dringt er in jedes Haus ein

- harmlos, als täte er nichts Arges. 6 Rotte, Gott, aus, die in Heuchelei leben unter den Frommen, durch siechen Leib und Armut raffe weg ihr

Leben! 7 Gott, decke auf die Werke der Menschenknechte! Zu Gelächter und Gespötte müssen werden ihre Taten, 8 so, daß die Frommen

ihres Gottes Gericht anerkennen, wann die Sünder den Gerechten aus den Augen hinweggetan werden, die Menschenknechte, die trügerisch

fromm reden. 9 Ihre Augen richten sich auf die Häuser der Leute, die noch feststehen, schlangengleich zu zerstören der >Frommen<

Weisheit durch gottlose Reden. l0 Seine Worte sind Trugschlüsse, um frevIes Gelüste auszuführen; er läßt nicht ab, bis er durchgesetzt, daß

er die Leute wie Waisen wegtreibe. 11So hat er denn Häuser verödet um seiner gottlosen Lust willen, führte trügerische Reden, als sehe und

höre es niemand. 12 Hat er die Gottlosigkeit an der einen satt, so richten sich seine Augen auf ein anderes Haus, es zu vernichten mit

verführerischen Reden. 13 Bei alledem ist, der Hölle gleich, unersättlich seine Gier. 14 Möchte, Herr, sein Teil vor dir in Schande sein, sein

Ausgang in Seufzen, sein Eingang in Fluch! 15 In Weh, Not und Mangel sein Leben, Herr, sein Schlaf in Trübsal und sein Erwachen in

Verzweiflung! 16 Seinen Lidern sei der Schlaf geraubt des Nachts, jedes Werk seiner Hände mißlinge ihm kläglich! 17 Mit leeren Händen

trete er in sein Haus ein, und sein Haus leide Mangel an allem, was seinen Hunger stillt. 18 Einsam und kinderlos sei sein Alter bis zu seinem

Heimgang! 19 Möge der Leib der Menschenknechte von den Tieren zerrissen werden, und die Gebeine der Gottlosen schmählich an der

Sonne bleichen! 20 Die Augen sollen die Raben den Heuchlern aushacken, weil sie viele Häuser schändlich verwüstet und durch ihre Lust

auseinandergebracht haben 21 und an Gott nicht dachten und Gott bei alledem nicht scheuten und Gott reizten und erzürnten. 22 Er rotte sie

aus von der Erde, weil sie arglose Seelen trügerisch irreführten. 23 Wohl denen, die den Herrn rechtschaffen fürchten! Der Herr wird sie

erlösen von arglistigen und gottlosen Menschen und wird uns erlösen aus allen Anschlägen der Gottlosen. 24 Gott mache zunichte, die im

Übermut jedes Unrecht tun, weil der Herr unser Gott ein großer und starker Richter ist in Gerechtigkeit. 25 Es walte, Herr, deine Gnade, über

alle, die dich lieb haben!

Gebet um Regen und Speise. Ein Psalm von Salomo.

1 Herr Gott, ich preise jubelnd deinen Namen inmitten derer, die deine gerechten Gerichte kennen. Denn du bist gütig und barmherzig, die

Zuflucht der Armen; wenn ich zu dir schreie, so schweige mir nicht ! 3 Denn nicht nimmt >man< einem Gewaltigen Raub ab, und wer sollte

von allem, das du geschaffen, etwas nehmen, du gebest es denn? 4 Denn ein Mensch und sein Teil ist bei dir abgewogen; er kann zu dem von

dir, Gott, Bestimmten nichts weiter hinzutun. 5 In unserer Drangsal rufen wir dich an um Hilfe, und du wirst unsere Bitte nicht abweisen,

denn du bist unser Gott. 6 Laß deine Hand nicht auf uns lasten, daß wir nicht durch die Not in Sünde fallen! 7 Auch wenn du uns nicht

erhörst, lassen wir nicht ab, sondern kommen zu dir. 8 Denn wenn ich hungere, schreie ich zu dir, o Gott, und du gibst mir. 9 Die Vögel und

die Fische nährst du, indem du der Steppe Regen gibst, damit das Gras sprossen kann. 10 Du schaffst Futter auf der Trift für alles Getier, und

wenn sie hungern, so erheben sie ihr Antlitz zu dir. 11 Die Könige, Fürsten und Völker nährst du, o Gott, und wer ist des Armen und

Dürftigen Hoffnung, wenn nicht du, Herr? 12 Du wirst hören, denn wer ist gütig und freundlich außer dir? Erfreue die Seele des Armen und

öffne erbarmend deine Hand! 13 Des Menschen Güte ist karg und nur um Lohn, und wenn einer sie ohne Murren zum zweiten Mal übt, ist

das zum Verwundern. 14 Aber deine Gabe ist groß, voll Freundlichkeit und reichlich, und wessen Hoffnung auf dich geht, der hat keinen

Mangel an Gaben. 15 Über die ganze Erde, Herr, reicht deine erbarmende Güte. 16 Wohl dem, dessen Gott in hinreichendem Maße gedenkt;

hat der Mensch Überfluß, so gerät er in Sünde. 17 Es genügt das Mittelmaß, ohne Schuld, und darin ruht des Herrn Segen, daß man satt

werde ohne Schuld. 18 Die den Herrn fürchten, dürfen sich des Segens freuen, und deine Güte komme über Israel in deinem Reich! 19

Gepriesen sei des Herrn Majestät, denn er ist unser König!

Segen des Gebets. In Hoffnung, von Salomo.

1 Wohl dem Manne, dessen Sinn bereit ist, des Herrn Namen anzurufen; wenn er des Namens des Herrn gedenkt, wird er errettet werden. 2

Seine Wege werden vom Herrn geebnet, und seiner Hände Werk vom Herrn, seinem Gotte bewacht. 3 Durch böse Traumgesichte wird seine

Seele nicht erschreckt; wenn er Flüsse durchschreitet und vom Strudel der Wellen wird er nicht geängstigt. 4 Er steht vom Schlaf auf und

preist des Herrn Namen; guter Dinge in seinem Herzen singt er dem Namen seines Gottes 5 und betet zum Herrn für sein ganzes Haus, und

der Herr erhört eines jeden gottesfürchtige Bitte 6 und jedes Begehren einer auf ihn hoffenden Seele erfüllt der Herr. Gepriesen sei der Herr,

der Gnade an denen übt, die ihn wahrhaftig lieben!

Erbarmen in großer Not. Von Salomo; um Wendung.

1 Ziehe nicht von uns weg, o Gott, damit nicht auf uns einbrechen, die uns ohne Ursache hassen! 2 Du hast sie ja verstoßen, o Gott; möge ihr

Fuß dein heiliges Erbe nicht zertreten dürfen! 3 Du züchtige uns nach deinem Willen, aber gib uns nicht den Heiden preis! 4 Denn wenn du

den Tod sendest, so gebietest du ihm doch über uns. 5 Bist du doch barmherzig und zürnst nicht so, daß du uns vernichtest. 6 Weil dein

Name unter uns wohnt, werden wir Erbarmen finden, und die Heiden werden uns nicht überwinden. 7 Denn du bist unser Schirmherr: wir

rufen dich an, und du wirst uns erhören. 8 Denn du wirst dich allezeit des Geschlechtes Israel erbarmen und wirst es nicht verstoßen. 9 Wir

stehen ja stets un ter deinem Joch und deiner Zuchtrute. 10 Du wirst uns zur Zeit deiner Hilfe aufrichten, daß du dich des Hauses Jakobs

erbarmest auf den Tag, für den du es ihnen verheißen hast.

Gerechtes Gericht durch Pompejus. Von Salomo; für den Musikmeister.

1 Gefahr und Kriegsgeschrei vernahm mein Ohr, Trompetengeschmetter, das Tod und Verderben verkündete, 2Tosen zahlreichen Volks,

gewaltigem Winde gleich, gleich gewaltigem Feuersturm, der durch die Steppe tobt. 3 Da dachte ich >bei< mir: >So< wird Gott uns >also<

Recht schaffen! 4 Ich vernahm ein Getöse in der Richtung der heiligen Stadt Jerusalem, meine Hüften brachen bei der Kunde zusammen. 5

Meine Knie wankten, mein Herz geriet in Angst, meine Glieder zitterten wie Flachs – 6 ich dachte: sie richten doch ihre Wege gerecht ein! 7

Nun überdachte ich Gottes Gerichte von der Erschaffung von Himmel und Erde an und mußte Gott in seinen Gerichten von ur an Recht

geben: 8 Gott brachte ihre Sünden ans Tageslicht, die ganze Welt mußte Gottes Gericht als gerecht erkennen. 9 In unterirdischen Klüften

übten sie freventlich ihre Greuel, trieben der Sohn mit der Mutter und der Vater mit der Tochter Unzucht. 10 Sie brachen die Ehe, ein jeder

mit seines Nächsten Weib, schlossen darüber unter sich eidliche Verträge ab. 11 Das Heiligtum Gottes raubten sie aus, als wäre kein Erbe

und Rächer da. 12 Sie betraten des Herrn Altar nach jeder Verunreinigung und in Blutfluß verunreinigten sie das Opfer wie gemeines

Fleisch, 13 liegen keine Sünde mehr übrig, die sie nicht schlimmer als die Heiden übten. 14 Darum goß ihnen Gott einen Geist der

Verblendung ein, schenkte ihnen einen Becher ungemischten Weins zur Berauschung ein. 15 Er führte heran den, der vom Ende der Erde

kam, den gewaltigen Stößer, verhängte Krieg über Jerusalem und sein Land. 16 Die Fürsten des Landes gingen ihm freudig entgegen,

sprachen zu ihm: Erwünscht ist dein Kommen, willkommen, tretet ein in Frieden! 17 Sie ebneten rauhe Wege vor seinem Einzug, öffneten

die Tore Jerusalems, bekränzten ihre Mauern. 18 Er zog ein wie ein Vater in seiner Kinder Haus mit Frieden, faßte mit großer Sicherheit

festen Fuß, 19 nahm ihre Turmfesten ein und Jerusalems Mauer; denn Gott führte ihn sicher, während sie verblendet waren. 20 Er richtete

ihre Führer hin und alle Weisen im Rate, vergoß das Blut der Bürger Jerusalems wie unreines Wasser, 21 führte ihre Söhne und Töchter fort,

die sie in Unzucht gezeugt hatten. 22 Sie taten in ihrer Unreinigkeit wie ihre Väter, entweihten Jerusalem, und was dem Namen Gottes heilig

ist. 23 Gott aber erwies sich gerecht in seinen Gerichten an den Völkern der Erde, und die Frommen Gottes sind unter ihnen wie unschuldige

Lämmer. 24 Gelobt sei der Herr, der die ganze Erde richtet in seiner Gerechtigkeit ! 25 Ja, Gott, du hast uns in deiner Gerechtigkeit dein Ge-

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richt gezeigt; unsere Augen sahen deine Gerichte, o Gott. 26 Wir priesen deinen in Ewigkeit herrlichen Namen gerecht; denn du bist der Gott

der Gerechtigkeit, richtest Israel durch Züchtigung. 27 Wende, Gott, dein Mitleid uns wieder zu und habe Erbarmen mit uns! 28 Bringedas

zerstreute Israel zusammen aus Mitleid und Güte, denn deine Treue ist mit uns! 29 Wohl haben wir uns halsstarrig bewiesen, aber du warst

unser Zuchtmeister. 30 Wende dich nicht von uns ab, unser Gott, damit uns die Heiden nicht verschlingen, ohne daß ein Retter ist! 31 Du bist

ja unser Gott von Anfang an, und auf dich steht unsere Hoffnung, Herr. 32 Und wir lassen nicht von dir, denn deine Satzungen über uns sind

gütig. 33 Uns und unseren Kindern bleibe die Gnade in Ewigkeit! Herr, unser Heiland, wir wollen ferner nicht wanken auf ewige Zeiten. 34

Gelobt sei der Herr wegen seiner Gerichte durch den Mund der Frommen und gesegnet Israel vom Herrn in Ewigkeit!

Vergebung für die Frommen. Von Salomo; zur Zurechtweisung.

1 Da Israel in Verbannung in ein fremdes Land weggeführt ward, als sie vom Herrn, ihrem Erlöser, abgefallen waren, da wurden sie von dem

Erbe, das der Herr ihnen gegeben, verstoßen. 2 Unter alle Heiden ward Israel zerstreut nach des Herrn Wort, damit du, o Gott, dich gerecht

erzeigst bei unseren Sünden nach deiner Gerechtigkeit; denn du bist ein gerechter Richter über alle Völker der Erde. 3 Denn vor deinem

Wissen bleibt niemand verborgen, der Unrecht tut, auch die Guttaten deiner Frommen sind dir bekannt, o Herr: wohin also sollte sich ein

Mensch vor deinem Wissen, o Gott, verbergen? 4 Unser Tun geschieht nach unseres Herzens Wahl und Willen, daß wir Recht und Unrecht

tun in unserer Hände Werk, und in deiner Gerechtigkeit suchst du die Menschenkinder heim. 5 Wer rechtschaffen handelt, erwirbt sich

Leben beim Herrn, und wer Unrecht tut, verwirkt selbst sein Leben in Verderben, denn des Herrn Gerichte sind gerecht gegen Person und

Haus. 6 Wem wolltest du gnädig sein, o Gott, wenn nicht denen, die den Herrn anrufen? Bei Sünden sprichst du den Menschen frei, wenn er

bekennt und beichtet; denn Scham liegt auf uns und unseren Gesichtern ob alledem. 7 Und wem wolltest du Sünden vergeben, wenn nicht

den Sündern? Gerechte segnest du und rügst nicht ihre Sünden, und deine Güte waltet über reuigen Sündern. 8 Und nun, du bist Gott und wir

das Volk, das du lieb hast; sieh her und habe Erbarmen, Gott Israels, denn dein sind wir, und wende dein Mitleid nicht von uns ab, damit sie

nicht auf uns eindringen! 9 Denn du hast den Samen Abrahams vor allen Völkern erwählt und deinen Namen auf uns gelegt, o Herr, und

wirst nicht ewig verstoßen. 10 In einem Bunde hast du unseren Vätern unserthalben verfügt, und wir hoffen auf dich, daß du unserem Herzen

Erleichterung schaffst. 11 Des Herrn ist das Erbarmen über das Haus Israel immer und ewig.

Der Frommen Preis. Ein Loblied; von Salomo.

1 Selig der Mann, dessen der Herr mit Zurechtweisung gedenkt und den er mit der Rute vom bösen Weg abwendet, damit er rein werde von

Sünde, sie nicht vollende. 2 Wer der Rute den Rücken darbietet, wird rein werden; denn der Herr ist denen gütig, die die Züchtigung auf sich

nehmen. 3 Denn er ebnet der Gerechten Wege und verschlingt sie nicht durch Züchtigung, und des Herrn Gnade waltet über denen, die ihn

aufrichtig lieben. 4Und der Herr gedenkt seiner Knechte in Gnaden. Denn er bezeugt sich im Gesetze des ewigen Bundes; der Herr bezeugt

sich an den Wegen der Menschen in Heimsuchung. 5 Gerecht und fromm ist unser Herr in seinen Gerichten ewiglich, und Israel lobe den

Namen des Herrn mit Freuden! 6 Und die Frommen mögen ihn preisen in der Volksgemeinde, weil Gott sich der Armen erbarmt zur Freude

Israels. 7 Denn gütig und barmherzig ist Gott in Ewigkeit, und die Versammlungen Israels preisen des Herrn Namen! 8 Des Herrn Werk ist

die Erlösung über das Haus Israel, zur ewigen Freude.

Sehnsucht nach Israels Erlösung. Von Salomo; auf Erwartung.

1»Posaunet in Zion mit der Lärmposaune für die Heiligen, laßt in Jerusalem des Siegesboten Stimme hören, denn Gott hat sich Israels

erbarmt, es heimgesucht! 2 »Tritt hin, Jerusalem, auf eine Warte und sieh deine Kinder, vom Aufgang und Niedergang zusammengebracht

vom Herrn! 3» Vom Norden kommen sie, frohlockend über ihren Gott; von den Gestaden fernher hat Gott sie vereint. »Hohe Berge hat er

ihnen zuliebe zur Ebene erniedrigt; die Hügel flohen vor den Heimziehenden weg. 5 »Die Wälder liehen ihnen Schatten auf ihrem Zug; allerlei

wohlduftende Hölzer ließ Gott ihnen aufsprießen, 6 »daß Israel dahinziehe unter dem Schirm der Herrlichkeit ihres Gottes. 7 »Ziehe an,

Israel, deine Ehrenkleider, lege zurecht dein heiliges Gewand;

denn Gott hat das Heil Israels beschlossen für immer und ewig! « 8 Es tue der Herr, was er verheißen über Israel und Jerusalem; es richte der

Herr Israel auf durch seinen herrlichen Namen! 9Des Herrn Werk ist das Erbarmen über Israel immer und ewig.

Tod den Verleumdern! Von Salomo; wider die Zunge der Gottlosen.

1 Herr, rette meine Seele vor den gottlosen und boshaften Menschen, vor der gottlosen und verleumderischen Zunge, die Lug und Trug redet.

2 Vielgewandt sind die Worte der Zunge eines boshaften Menschen, wie auf der >Tenne< das Feuer, das >Halme< verzehrt. 3 Er treibt sein

greuliches Wesen, indem er Häuser mit lügnerischer Zunge in Brand steckt, lustig grünende Bäume umhaut, von Bosheit entzündet, Häuser

in Krieg verwickelt mit giftigen Reden. 4 Möchte Gott, weg von den unschuldigen Leuten, die Lippen der Gottlosen in Verzweiflung stoßen,

und die Gebeine der Verleumder müssen fern von den Gottesfürchtigen zerstreut werden; im flammenden Feuer vergehe die verleumderische

Zunge fern von den Frommen! 5 Der Herr behüte die friedliche Seele, die die Ungerechten haßt, und der Herr richte auf den Mann, der

Frieden im Hause übt! 6 Des Herrn Werk ist die Erlösung über seinen Knecht Israel in Ewigkeit. Die Sünder mögen allzumal vor seinem

Antlitz vergehen, und des Herrn Fromme erleben des Herrn Verheißungen!

Dank für Rettung. Von Salomo; ein Psalm. Tröstung der Gerechten.

1 Die Rechte des Herrn beschütze mich, die Rechte des Herrn hat unser geschont. 2 Des Herrn Arm errettete uns vor dem Schwerte, das

umging, vor Hunger und dem Tode der Sünder. 3 Wilde Tiere haben sie angefallen, mit ihren Zähnen ihr Fleisch gerissen und mit ihren

Kinnbacken zermalmten sie ihre Knochen. 4 Aber aus dem allen hat uns der Herr befreit. 5 Der Gottesfürchtige geriet in Angst wegen seiner

Übertretungen, ob er nicht mit den Gottlosen weggerafft werde. 6 Denn der Fall des Gottlosen war erschütternd; aber den Gerechten trifft

von alledem nichts. 7 Denn die Züchtigung der Gerechten infolge ihrer Unwissenheit ist nicht zu vergleichen dem Falle der Gottlosen. 8 Der

Gerechte wird insgeheim gezüchtigt, damit sich der Gottlose nicht über den Gerechten freue. 9 Er warnt nämlich den Gerechten wie einen

geliebten Sohn und züchtigt ihn wie einen Erstgeborenen. 10Denn der Herr schont seiner Frommen, und ihre Übertretungen tilgt er durch

Züchtigung. 11 Denn der Gerechten Leben währt ewig; die Gottlosen dagegen werden ins Verderben geschafft, und ihr Andenken ist nicht

mehr zu finden. 12 Über die Frommen aber ergeht des Herrn Gnade, und über die, die ihn fürchten, sein Erbarmen.

Der Frommen und der Gottlosen Teil. Loblied von Salomo.

1Der Herr ist denen getreu, die ihn in Wahrheit lieb haben, die seine Züchtigung auf sich nehmen, 2 die in Gerechtigkeit wandeln seinen

Geboten gegenüber, im Gesetz, daß er uns zu unserem Leben geboten hat. 3 Des Herrn Fromme werden in ihm ewiges Leben haben; des

Herrn Paradies, die Bäume des Lebens, sind seine Frommen. 4 Ihre Pflanzung ist festgewurzelt in Ewigkeit; sie werden nicht ausgerottet

werden, so lange der Himmel steht: 5 Denn Gottes Teil und Erbe ist Israel. 6 Nicht also die Sünder und Gottlosen, die sich einen Tag lang

freuen im Genuß ihrer Sünden. 7 An ein bißchen Moder haben sie ihre Lust, aber Gottes gedenken sie nicht. 8 Denn die Wege der Menschen

sind ihm allezeit bekannt, und des Herzens Schrein kennt er, ehe etwas geschieht. 9 Darum ist ihr Erbe Hölle, Dunkel und Verderben, und

am Tage der Gnade über die Gerechten wird man sie nicht finden. l0 Des Herrn Fromme aber erben das Leben in Freuden.

Der Fromme zum Heil gezeichnet. Ein Psalm von Salomo mit Gesang.

1 In meiner Drangsal rief ich den Namen des Herrn an, auf die Hilfe des Gottes Jakobs hoffte ich und ward errettet; denn Hoffnung und

Zuflucht der Armen bist du, o Gott! 2 Denn wer vermag etwas anderes, o Gott, als daß er dich aufrichtig preist? Und wozu ist der Mensch im

Stande, als deinen Namen zu preisen? 3 Einen neuen Psalm mit Gesang aus fröhlichem Herzen, die Frucht der Lippen auf dem

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wohlgestimmten Instrumente der Zunge, den Erstling der Lippen aus frommen und gerechtem Herzen – 4 wer das bringt, wird nimmermehr

vom Unglück erschüttert werden; des Feuers Flamme und der Zorn über die Gottlosen wird ihn nicht erreichen, 5wenn er ausgeht über die

Gottlosen vom Antlitze des Herrn, zu vernichten der Gottlosen ganzes Wesen. 6 Denn die Frommen tragen Gottes Zeichen an sich, das sie

rettet. 7 Hunger, Schwert und Tod bleiben fern von den Gerechten, denn sie fliehen vor den Frommen wie in der Schlacht Verfolgte. 8 Aber

sie verfolgen die Gottlosen und fassen sie, und die Unrecht tun, entgehen nicht des Herrn Gericht. 9 Wie von kriegskundigen Feinden werden

sie erfaßt, denn das Zeichen des Verderbens ist auf ihrer Stirn. 10 Und der Sünder Erbe ist Verderben und Finsternis, und ihr Unrecht

verfolgt sie bis in die Hölle hinunter. 11 Ihr Erbteil geht ihren Kindern verloren, denn die Sünden veröden die Häuser der Sünder. 12 Und die

Sünder gehen am Gerichtstage des Herrn für ewig zu Grunde, wenn Gott die Erde mit seinem Gerichte heimsucht. 13 Die aber den Herrn

fürchten, finden dann Barmherzigkeit und leben in der Gnade ihres Gottes; die Sünder aber gehen ins ewige Verderben.

Dank eines aus dem Sündenschlaf Aufgerüttelten. Ein Lied von Salomo; den Frommen zum Beistand.

1 Da meine Seele schlummerte, uneingedenk des Herrn, wäre ich beinahe zu Falle gekommen, in tiefen Schlaf versunken, fernab von Gott. 2

Fast wäre meine Seele aufgelöst worden zum Tod, nahe den Pforten der Hölle, mit den Sündern zusammen, 3 weil sich meine Seele vom

Herrn, dem Gott Israels, entfernt hatte, - wenn nicht der Herr sich meiner angenommen hätte in seiner ewigen Gnade. 4 Er stachelte mich

auf, wie man ein Roß spornt, daß ich ihm diene; mein Heiland und Helfer hat mich allezeit errettet. 5 Ich preise dich, Gott, daß du dich

meiner zum Heil annahmst und mich nicht den Sündern beigezählt hast zum Verderben. 6 Laß, o Gott, deine Gnade nicht von mir weichen,

noch dein Gedächtnis aus meinem Herzen bis zum Tode! 7 Halte mich zurück, o Gott, von schlimmer Sünde und von jedem bösen Weibe,

das den Toren zu Falle bringt! 8 Auch betöre mich nicht die Schönheit eines gottlosen Weibes, oder wer überhaupt heilloser Sünde

unterlegen ist! 9 Meiner Hände Werk leite in deiner >Furcht< und bewahre meinen Wandel, daß ich an dich denke. l0 Meine Zunge und

meine Lippen umkleide mit Worten der Wahrheit; Zorn und sinnlosen Unmut halte fern von mir. 11 Murren und Kleinmut in Trübsal halte

fern von mir, wenn du mich, habe ich gesündigt, züchtigst zur Besserung. 12 In heiterer Zufriedenheit mache mein Herz fest: wenn du mir

den Mut stärkst, habe ich Genüge an dem, was mir zugeteilt ist. 13 Denn wenn du nicht Kraft gibst, wer mag es aushalten, daß er mit Armut

gestraft ist? 14 Wenn jemand mittels seines Moders gestraft wird, prüfst du am eigenen Fleisch und durch Drangsal der Armut. 15 Wenn der

Gerechte darin Stand hält, wird ihm Erbarmung vom Herrn.

Der entweihte Davidsthron vom Messias neu verherrlicht. Ein Psalm von Salomo mit Gesang; auf den Messias-König.

1Herr, du selbst bist unser König immer und ewig; in dir, o Gott, rühmt sich un sere Seele. 2 Was ist doch die Dauer von eines Menschen

Leben auf Erden? Ebenso lang ist auch seine Hoffnung auf ihn. 3 Wir aber hoffen auf Gott, unsern Heiland; denn die Macht unseres Gottes

währt ewig mit Erbarmen, und das Königtum unseres Gottes besteht ewig über die Völker durch Gericht. 4 Aber wegen unserer Sünden

erhoben sich Gottlose wider uns - fielen uns an und stießen uns an Leute, denen du keine Verheißung gegeben. Sie raubten mit Gewalt und

gaben nicht deinem herrlichen Namen die Ehre. 5 Prunkend setzten sie sich die Krone auf in ihrem Stolz, verwüsteten Davids Thron in

>prahlerischem< Übermut. 7 Du aber, Gott, warfst sie nieder und nahmst ihren Samen aus dem Lande hinweg, indem ein Ausländer gegen

sie auftrat, der nicht von unserem Geschlechte war. 8Nach ihren Sünden vergaltst du ihnen, Gott, daß ihnen zu teil ward, was sie verdient

haben. 9 Gott hat sich ihrer nicht erbarmt; er hielt Untersuchung in ihrem Geschlecht und ließ keinen von ihnen los. 10 Getreu ist der Herr in

allen seinen Gerichten, die er auf Erden übt. 12 Der Gottlose hat unser Land von seinen Bewohnern entblößt; Jung und Alt und ihre Kinder

zumal haben sie weggenommen. 12 In seinem grimmen Zorn schickte er sie weg bis ins Abendland und die Obersten des Landes gab er preis

der Verspottung schonungslos. 13 In seiner Barbarei tat der Feind Vermessenes, und sein Herz war ferne von unserem Gott. 14 Und alles,

was er in Jerusalem tat, war ganz, wie es die Heiden in den von ihnen bezwungenen Städten zu tun pflegen. 15 Ihnen hatten sich

angeschlossen die Bundeskinder inmitten der Mischvölker; es war keiner unter ihnen, der Erbarmen und Treue in Jerusalem geübt hätte. 16

Da flohen vor ihnen, die fromme Versammlungen lieb hatten, wie Sperlinge wurden sie aufgescheucht aus ihrem Nest. 17 Sie irrten in der

Wüste, ihre Seelen vom Verderben zu retten, und köstlich schien es den Heimatlosen, das nackte Leben vor ihnen zu retten. 18 Über die

ganze Erde wurden sie durch die Gottlosen zerstreut; denn der Himmel hielt an sich, Regen auf die Erde zu träufeln. 19 Quellen, die von

Ewigkeit her aus den Tiefen kommend von den hohen Bergen rinnen, wurden zurückgehalten, weil unter ihnen niemand war, der

Gerechtigkeit und Recht übte. 20 Vom Obersten unter ihnen bis zum Geringsten lebten sie in jeder Sünde; der König in Gottlosigkeit, der

Richter in Abfall, das Volk in Sünde. 21 Sieh' darein, o Herr, und laß ihnen erstehen ihren König, den Sohn Davids, zu der Zeit, die du

erkoren, Gott, daß er über deinen Knecht Israel regiere. 12 Und gürte ihn mit Kraft, daß er ungerechte Herrscher zerschmettere, Jerusalem

reinige von den Heiden, die es kläglich zertreten! 23 Weise und gerecht treibe er die Sünder weg vom Erbe, zerschlage des Sünders Übermut

wie Töpfergefäße. 24 Mit eisernem Stabe zerschmettere er all ihr Wesen, vernichte die gottlosen Heiden mit dem Worte seines Mundes, 25

daß bei seinem Drohen die Heiden vor ihm fliehen, und er die Sünder zurechtweise ob ihres Herzens Gedanken. 26 Dann wird er ein heiliges

Volk zusammenbringen, das er mit Gerechtigkeit regiert, und wird richten die Stämme des vom Herrn, seinem Gotte, geheiligten Volks. 27

Er läßt nicht zu, daß ferner Unrecht in ihrer Mitte weile, und niemand darf bei ihnen wohnen, der um Böses weiß; denn er kennt sie, daß sie

alle Söhne ihres Gottes sind. 28 Und er verteilt sie nach ihren Stämmen über das Land, und weder Bürger noch Fremder darf künftig unter

ihnen wohnen. 29 Er richtet die Völker oder Stämme nach seiner gerechten Weisheit.

Zwischenspiel.

30 Und er hält die Heidenvölker unter seinem Joch, daß sie ihm dienen, und den Herrn wird er verherrlichen offenkundig vor der ganzen

Welt und wird Jerusalem rein und heilig machen, wie es zu Anfang war, 31 so daß Völker vom Ende der Erde kommen, seine Herrlichkeit zu

sehen, bringend als Geschenk ihre erschöpften Söhne, und um zu schauen des Herrn Herrlichkeit, mit der sie Gott 32 verherrlicht hat. Er aber

herrscht als gerechter König, von Gott unterwiesen, über sie, und in seinen Tagen geschieht kein Unrecht unter ihnen, weil sie alle heilig

sind, und ihr König der Gesalbte des Herrn ist. 33 Denn er verläßt sich nicht auf Roß und Reiter und Bogen; auch sammelt er sich nicht Gold

und Silber zum Kriege und auf die Menge setzt er nicht seine Hoffnung für den Tag der Schlacht. 34 Der Herr selbst ist sein König, die

Hoffnung dessen, der durch die Hoffnung auf Gott stark ist, und alle Heiden wird er bebend vor ihn stellen. 35 Denn er zerschlägt die Erde

mit dem Worte seines Mundes für immer, segnet das Volk des Herrn mit Weisheit in Freuden. 36 Und er ist rein von Sünde, daß er herrschen

kann über ein großes Volk, in Zucht halten die Obersten und wegschaffen die Sünder mit mächtigem Wort. 37 Auch wird er nie in seinem

Leben straucheln gegen seinen Gott; denn Gott hat ihn st ark gemacht an heiligem Geist und weise an verständigem Rat mit Tatkraft und

Gerechtigkeit. 38 So ist des Herrn Segen mit ihm voll Kraft, und er wird nicht straucheln. 39 Seine Hoffnung steht auf den Herrn: wer

vermag da etwas gegen ihn? 40 Mächtig von Tat und stark in der Furcht Gottes hütet er des Herrn Herde treu und recht und läßt nicht zu, daß

eines von ihnen auf ihrer Weide strauchle. 41 Gerade leitet er sie alle, und unter ihnen ist kein Übermut, daß Gewalttat unter ihnen verübt

würde. 42 Das ist der Stolz des Königs Israels, den Gott erkoren, ihn über das Haus Israel zu setzen, daß er es zurechtweise. 43 Seine Worte

sind lauterer als das feinste kostbare Gold. In Volksversammlungen wird er des geheiligten Volkes Stämme richten; seine Worte sind gleich

Worten der Heiligen inmitten geheiligter Völker. 44 Selig, wer in jenen Tagen leben wird und schauen darf das Heil Israels in der

Vereinigung der Stämme, wie es Gott bewirkt! 45 Gott lasse bald seine Gnade über Israel kommen, er rette uns vor der Befleckung durch

unheilige Feinde! 46 Der Herr selbst ist unser König immer und ewig.

Der Messias. Ein Psalm von Salomo; noch einmal des über den? Gesalbten des Herrn.

1 Herr, deine Gnade über die Geschöpfe deiner Hände ist ewig, deine Güte mit reicher Gabe über Israel. 2 Deine Augen sehen auf sie, so daß

keines von ihnen Mangel leidet; deine Ohren hören auf des Ärmsten hoffende Bitte. 3 Deine Gerichte ergehen über die ganze Erde voll

45

Erbarmen, und deine Liebe auf den Samen Abrahams, die Kinder Israel. 4 Deine Züchtigung ergeht über uns wie über einen erstgeborenen,

einzigen Sohn, daß du folgsame Seelen von unbewußter Verirrung abbringest. 5 Gott, reinige Israel auf den Tag der heilsamen Gnade, auf

den Tag der Auswahl, wenn sein Gesalbter zur Herrschaft kommt. 6 Selig, wer in jenen Tagen leben wird und schauen darf das Heil des

Herrn, das er dem kommenden Geschlechte schafft 7 unter der Zuchtrute des Gesalbten des Herrn in der Furcht seines Gottes, in

geistgewirkter Weisheit, Gerechtigkeit und Stärke, 8 daß er leite einen jeglichen in Werken der Gerechtigkeit durch Gottesfurcht, sie allesamt

darstelle vor dem Antlitze des Herrn: 9 Ein gut Geschlecht voll Gottesfurcht in den Tagen der Gnade!

Zwischenspiel.

l0 Groß ist unser Gott und herrlich, der in der Höhe wohnt, der geordnet hat Leuchten in ihren Bahnen zur Bestimmung der Zeiten jahraus

jahrein, so daß sie nicht abgehen von dem Pfade, den du ihnen befohlen. 11 In der Furcht Gottes wandeln sie Tag für Tag, seitdem Gott sie

schuf, bis in Ewigkeit. 12 Und sie gingen nicht fehl, seitdem Gott sie erschuf, seit uralten Zeiten wichen sie nicht von ihren Wegen, es sei

denn, daß Gott es ihnen gebot durch den Befehl seiner Knechte.

Textquelle: Das Buch der Jubiläen - Buch der Einteilung.

Dies ist die Geschichte der Einteilung der Tage des Gesetzes und des Zeugnisses nach den Ereignissen der Jahre, gemäß ihrer Einteilung in

Jahrwochen und Jubiläen in allen Jahren der Welt; wie Gott zu Mose auf dem Berge Sinai geredet hat, als er hinaufgestiegen war, die

Steintafeln des Gesetzes und Gebots in Empfang zu nehmen nach dem Worte Gottes, wie er zu ihm sagte: Steige herauf auf den Gipfel des

Bergs!

Die Offenbarung Gottes an Mose auf dem Sinai

1 Und es geschah im ersten Jahre bei dem Auszuge der Kinder Israel aus Ägypten im 3. Monat am 16. Tage dieses Monats, da redete Gott zu

Mose, indem er sprach: Steige herauf zu mir auf den Berg, und ich werde dir die zwei Steintafeln des Gesetzes und Gebots geben; demgemäß

wie ich geschrieben habe, sollst du sie belehren. 2 Und Moses stieg auf den Berg Gottes, und die Herrlichkeit Gottes wohnte auf dem Berge

Sinai, und eine Wolke beschattete ihn sechs Tage. 3 Und er rief Mose am 7. Tage inmitten der Wolke, und der sah die Herrlichkeit Gottes

wie ein brennendes Feuer. 4 Und Mose war auf dem Berge 40 Tage und 40 Nächte, und Gott zeigte ihm die frühere und die künftige

Geschichte von der Einteilung aller Tage des Gesetzes und des Zeugnisses. 5 Und er sprach: Richte deinen Sinn auf jedes Wort, das ich dir

auf diesem Berge sagen werde, und schreib es in ein Buch, damit ihre Nachkommen sehen, daß ich sie nicht verlassen habe wegen all des

Bösen, das sie getan haben, indem sie die Ordnung auflösten, die ich heute auf dem Berge Sinai zwischen mir und dir anordne für ihre

Nachkommen. 6 Und es wird so geschehen: Wenn dieses alles über sie kommt, da werden sie erkennen, daß ich gerechter bin als sie mit all

ihrem Recht und allen ihren Taten; und sie werden erkennen, daß ich dauernd mit ihnen gewesen bin. 7 Du aber schreib dir alle diese Worte

auf, die ich dir heute kund tue; denn ich kenne ihre Widerspenstigkeit und Halsstarrigkeit, ehe ich sie in das Land bringe, das ich ihren Väter

zugeschworen habe, dem Abraham, Isaak und Jakob, indem ich sprach: Eurem Samen werde ich ein Land geben, das von Milch und Honig

fließt. Und sie werden essen und satt werden. 8 Und sie werden sich abwenden zu fremden Göttern, die sie nicht retten können aus aller ihrer

Not, und dies Zeugnis wird gehört werden zum Zeugnisse für sie. 9 Denn sie werden alle meine Gebote vergessen, die ich ihnen gebiete, und

werden den Heiden und ihrem Schmutz und ihrer Schmach nachlaufen und ihren Göttern dienen; die aber werden ihnen ein Anstoß sein zur

Bedrängnis, zur Qual und zum Fallstrick. 10 Und viele werden umkommen und werden ergriffen werden und in die Hand des Feindes fallen,

weil sie verlassen haben meine Ordnung, mein Gebot und die Feste meines Bundes und meine Sabbate und das mir Heilige, das ich mir unter

ihnen geheiligt habe, und mein Zelt und mein Heiligtum, das ich mir inmitten des Landes geheiligt habe, um meinen Namen in ihm wohnen

zu lassen. 11 Und sie werden sich Höhen machen und Haine und Schnitzwerke und werden Verschiedentliches anbeten in ihrem Irrwahn und

werden ihre Kinder den Dämonen opfern und allem Werke der Verwirrung ihres Herzens. 12 Und ich werde Zeugen zu ihnen senden, auf

daß ich ihnen Zeugnis ablege, doch sie werden nicht hören. Sie werden vielmehr die Zeugen töten, und auch die, welche das Gesetz suchen,

die werden sie vertreiben; und so werden sie alles abschaffen und anfangen, vor meinen Augen Böses zu tun. 13 Und ich werde mein Antlitz

vor ihnen verbergen und werde sie in die Hand der Heiden überliefern, zur Gefangenschaft und zur Beute und zur Vernichtung; ich werde sie

aus dem Lande vertreiben und unter die Heiden zerstreuen. 14 Und sie werden mein ganzes Gesetz, alle meine Gebote und mein ganzes

Recht vergessen; sie werden Neumond, Sabbat, Feste, Jubiläen und die Ordnung auflösen. 15 Und danach werden sie sich aus der Mitte der

Heiden zu mir wenden mit ihrem ganzen Herzen und mit ihrer ganzen Seele und mit ihrer ganzen Kraft, und ich werde sie zu mir sammeln

aus der Mitte aller Heiden. Sie werden mich aber suchen, damit ich mich von ihnen finden lasse; und wenn sie mich mit ihrem ganzen

Herzen und mit ihrer ganzen Seele gesucht haben, dann werde ich ihnen viel Heil in Gerechtigkeit eröffnen. 16 Und ich werde sie umändern

zu einer Pflanze der Gerechtigkeit mit meinem ganzen Herzen und mit meiner ganzen Seele, und sie werden zum Segen und nicht zum

Fluche sein und sie werden Haupt und nicht Schwanz sein. 17 Und ich werde mein Heiligtum in ihrer Mitte erbauen und mit ihnen wohnen

und werde ihnen ihr Gott sein, und sie werden mir mein Volk sein in Wahrheit und Gerechtigkeit. 18 Und ich werde sie nicht verlassen und

mich ihnen nicht entfremden, denn ich bin der Herr, ihr Gott. 19 Und Mose fiel auf sein Angesicht und betete und sprach: O Herr, mein Gott,

verlaß dein Volk und dein Erbe nicht, daß es in der Verirrung seines Herzens wandle, und überliefere sie nicht in die Hand der Heiden, damit

diese sie nicht beherrschen und sie nicht zwingen, vor dir zu sündigen. 20 Hoch sei, o Herr, dein Erbarmen über deinem Volk, und schaffe du

ihnen einen rechten Sinn, und der Geist des Belchor beherrsche sie nicht, um sie vor dir zu verklagen und sie von allen Wegen der

Gerechtigkeit wegzulocken, damit sie fern von deinem Antlitze verderben. 21 Und sie sind doch dein Volk und dein Erbe, das du mit deiner

großen Macht aus der Hand der Ägypter gerettet hast; schaffe ihnen ein reines Herz und einen heiligen Geist, und mögen sie nicht in ihrer

Sünde verstrickt werden von jetzt an bis in Ewigkeit ! 22 Und Gott sprach zu Mose: Ich kenne ihren Widerspruch und ihren bösen Sinn und

ihre Halsstarrigkeit, und sie werden auch nicht hören, bis sie ihre Sünde und die Sünden ihrer Väter erkennen. Und danach werden sie in aller

Aufrichtigkeit, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zu mir umkehren, und ich werde die Vorhaut ihres Herzens und die Vorhaut des

Herzens ihrer Nachkommen beschneiden und werde ihnen einen heiligen Geist schaffen und sie rein machen, so daß sie sich nicht mehr von

mir wenden von diesem Tag an bis in Ewigkeit. 24 Und ihre Seele wird mir folgen und meinem ganzen Gebot, und sie werden nach meinen

Gebote tun, und ich werde ihnen Vater sein und sie werden mir Kinder sein. 25 Und sie alle sollen Kinder des lebendigen Gottes heißen, und

alle Engel und alle Geister werden wissen und werden sie kennen, daß sie meine Kinder sind, und ich ihr Vater bin in Festigkeit und

Gerechtigkeit, und daß ich sie liebe. 26 Und du, schreib dir auf alle diese Worte, die ich dir auf diesem Berge kund tue, die ersten und die

späteren, die kommen werden, ganz in Einteilungen der Tage im Gesetz und in dem Zeugnisse, nach ihren Jahrwochen und Jubiläen bis in

Ewigkeit, bis daß ich hinabsteigen und mit ihnen in alle Ewigkeit wohnen werde.

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Gott gibt Befehl zur Aufzeichnung des Buchs der Einteilung.

27 Und er sagte zum Engel des Angesichts: Schreibe für Mose auf von Anfang der Schöpfung, bis wann mein Heiligtum unter ihnen gebaut

wird für alle Ewigkeit. 28 Und Gott wird dem Auge eines jeden erscheinen, und ein jeder wird erkennen, daß ich der Gott Israels bin und der

Vater aller Kinder Jakobs und der König auf dem Berge Zion in alle Ewigkeit; und Zion und Jerusalem werden heilig sein.

29 Und der Engel des Angesichts, der vor den Heerscharen Israels einherging, nahm die Tafeln der Einteilung der Jahre von der Schöpfung

des Gesetzes an und des Zeugnisses nach ihren Jahrwochen, nach den Jubiläen, nach den einzelnen Jahren, nach allen Zahlen der Jubiläen,

nach den einzelnen Jahren, vom Tage der neuen Schöpfung an, wann Himmel und Erde und alle ihre Kreatur erneuert werden wird wie die

Mächte des Himmels und wie die ganze Kreatur der Erde, bis wann das Heiligtum Gottes in Jerusalem auf dem Berge Zion geschaffen wird,

und alle Lichter erneuert werden zum Heil und Frieden und Segen für alle Erwählten Israels, und daß es so sei von diesem Tage bis zu allen

Tagen der Erde.

Der Engel des Angesichts verkündet Mose die Urgeschichte. Die Schöpfung der Welt; Einsetzung des Sabbats

1Und der Engel des Angesichts sprach zu Mose nach dem Worte Gottes, indem er sprach: Schreibe die ganze Geschichte der Schöpfung auf,

wie Gott der Herr am sechsten Tag alle seine Werke und alles, was er geschaffen hat, vollendete und am siebenten Tage Sabbat hielt und ihn

für alle Ewigkeiten heiligte und ihn zu einem Zeichen machte für all sein Werk. 2 Denn am ersten Tage schuf er die Himmel droben und die

Erde und die Wasser und alle Geister, die vor ihm dienen: Die Engel des Angesichts und die Engel der Heiligung und die Engel des

Feuergeistes und die Engel des Windgeistes und die Engel des Geistes der Wolken der Finsternis und des Schnees und des Hagels und des

Reifs und die Engel der Stimmen und der Donnerschläge und der Blitze und die Engel der Geister der Kälte und der Hitze und des Winters

und des Frühjahrs und der Erntezeit und des Sommers und aller Geister seiner Werke in den Himmeln und auf Erden und in allen Abgründen

der Tiefe und aller Geister der Finsternis und des Abends ... und des Lichts und der Morgenröte und des Morgens, was er mit dem Wissen

seines Herzens bereitet hat. 3 Und damals sahen wir sein Werk und segneten ihn (es?) und priesen vor ihm wegen aller seiner Werke; denn

sieben große Werke hatte er am ersten Tage gemacht. 4 Und am zweiten Tage machte er die Feste zwischen dem Wasser, und die Wasser

teilten sich an diesem Tage: ihre eine Hälfte stieg hinauf nach oben, und ihre andere Hälfte stieg hinab unter die Feste in der Mitte auf die

Oberfläche der ganzen Erde, und dies Werk allein machte er am zweiten Tage. 5 Und am dritten Tage tat er wie er sagte zu den Gewässern,

sie sollten weggehen von der Oberfläche der ganzen Erde an einen Ort und das Trockene sollte erscheinen. 6 Und die Gewässer taten so, wie

er zu ihnen sagte, und wichen von der Oberfläche der Erde an einen Ort außerhalb dieser Feste, und das Trockene erschien. 7 Und an diesem

Tage schuf er für sie alle Meere je nach ihren Sammelorten und alle Flüsse und die Sammelorte der Wasser auf den Bergen und auf der

ganzen Erde und alle Teiche und allen Tau der Erde und Samen, der gesät wird, und alles, das da sprießt, und die fruchttragenden Bäume und

die Haine und den Garten Eden in Eden zur Wonne und alle Pflanzen nach ihrer Art; diese vier großen Geschlechter machte Gott am dritten

Tage. 8 Und am vierten Tage machte er die Sonne, den Mond und die Sterne und setzte sie in die Feste des Himmels, daß sie über die ganze

Erde leuchteten, und um über Tag und Nacht zu herrschen und zwischen Licht und Finsternis zu scheiden. 9 Und Gott machte die Sonne zu

einem großen Zeichen über der Erde für Tage und für Sabbate und für Monate und für Feste und für Jahre und für Jahrwochen und für

Jubiläen und für alle Zeiten der Jahre. 10 Und sie schied zwischen Licht und Finsternis und zum Gedeihen, daß alles gediehe, was auf der Erde

sproßt und wächst; diese drei Arten machte er am vierten Tage. 11 Und am fünften Tage schuf er die großen Seeungeheuer zwischen den

Tiefen der Gewässer - denn diese wurden als die ersten Fleischeswesen von seinen Händen gemacht -, die Fische und alles, was sich in den

Wassern bewegt, und alle Vögel, die da fliegen, und alle ihre Arten. 12 Und die Sonne ging über sie auf zum Gedeihen und über alles, was

auf der Erde ist, alles, was aus der Erde sproßt, alle fruchttragenden Bäume und alles, was von Fleisch ist; diese drei Arten machte er am

fünften Tage. 13 Und am sechsten Tage machte er alle Tiere der Erde und alles Vieh und alles, was sich auf der Erde bewegt. 14 Und nach

dem allem machte er den Menschen, einen Mann und ein Weib machte er; und er machte ihn zum Herrn über alles, was auf der Erde und was

in den Meeren ist, und über alles, was fliegt, über die Tiere, über das Vieh, über alles, was sich auf der Erde bewegt, und über die ganze

Erde. Und über alles dies machte er ihn zum Herrn; und diese vier Werke machte er am sechsten Tage. 15 Und es waren im Ganzen 22

Arten. 16 Und er beendigte alle seine Werke am sechsten Tage, alles, was in dem Himmel und auf der Erde und in den Meeren und in den

Abgründen und im Licht und in der Finsternis und überall ist. 17 Und er gab uns zu einem großen Zeichen den Sabattag, auf daß wir sechs

Tage die Arbeit machten und am siebenten Tage Sabbat hielten von aller Arbeit. 18 Und allen Engeln des Angesichts und allen Engeln der

Heiligung, den beiden großen Geschlechtern, uns sagte er dies wir sollten mit ihm Sabbat halten im Himmel und auf der Erde. 19 Und er

sprach zu uns: Siehe, ich werde mir ein Volk aussondern aus allen Völkern; sie aber werden Sabbat halten, und ich werde sie mir zu meinem

Volke heiligen und werde sie segnen, wie ich den Sabbat geheiligt habe - und werde mir heiligen - und so werde ich sie segnen, und sie

werden mir mein Volk sein, und ich werde ihnen Gott sein. 20 Und ich habe den Samen Jakobs von dem, was ich gesehen habe, ganz

auserwählt und habe ihn mir aufgeschrieben als erstgeborenen Sohn und habe ihn mir geheiligt für alle Ewigkeit und den Sabbat werde ich

ihnen zeigen, auf daß sie an ihm Sabbat halten von aller Arbeit. 21 Und er machte an ihm ein Zeichen, gemäß welchem sie Sabbat halten

sollten mit uns am siebenten Tage, zu essen und zu trinken und den Allschöpfer zu segnen, wie er gesegnet und sich geheiligt hat das Volk,

das er sich zum Eigentum macht von allen Völkern, und daß sie Sabbat halten sollten zusammen mit uns. 22 Und er ließ seine Befehle

aufsteigen als einen süßen Duft, der alle Tage vor ihm angenehm wäre. 23 Zweiundzwanzig Häupter der Menschheit sind von Adam bis

Jakob, und zweiundzwanzig Arten von Werken wurden gemacht bis zum siebenten Tage; dieser ist gesegnet und heilig, und jener ist

gesegnet und heilig, und dieser mit jenem wurde zur Heiligkeit und zum Segen. 24 Und es wurde diesem gegeben, daß sie immerdar

Gesegnete und Heilige des ersten Zeugnisses und Gesetzes seien, wie der siebente Tag gesegnet und geheiligt war. 25 Er schuf Himmel und

Erde und alles, was er geschaffen hat, in sechs Tagen, und Gott machte den siebenten Tag heilig für all sein Werk. Deswegen gebot er in

betreff seiner: Jeder, der an ihm irgend eine Arbeit verrichtet, soll sterben; wer ihn aber verunreinigt, soll des Todes sterben. 26 Und du,

gebiete den Kindern Israel, sie sollen diesen Tag beobachten, daß sie ihn heiligen, und daß sie an ihm keine Arbeit verrichten, und daß sie sie

ihn nicht verunreinigen; denn er ist heiliger als alle anderen Tage. 27 Und jeder, der ihn entweiht, soll des Todes sterben, und jeder, der an

ihm irgend eine Arbeit verrichtet, soll des Todes sterben in Ewi gkeit, auf daß die Kinder Israel diesen Tag beobachten unter ihren

Nachkommen, und daß sie nicht ausgerottet werden aus dem Lande. Denn ein heiliger Tag ist er und ein gesegneter Tag ist er. 28 Und jeder

Mensch, der ihn beobachtet und an ihm Sabbat hält von all seiner Arbeit, heilig und gesegnet wird er sein in allen Tagen wie wir. 29 Tue

kund und sage den Kindern Israel die Rechtsbestimmung dieses Tags, und daß sie an ihm Sabbat halten sollen und ihn nicht verlassen in der

Verirrung ihrer Herzen, daß er nicht dazu da sei, an ihm Arbeit zu verrichten, die sich nicht geziemt, nämlich an ihm ihren eigenen Willen zu

tun, und daß sie an ihm nicht irgend etwas zubereiten, was gegessen und getrunken wird, noch Wasser schöpfen, noch an ihm irgend etwas,

was getragen wird, zu ihren Türen herein- oder hinaustragen, was sie sich nicht zubereitet haben in den sechs Tagen als Arbeit in ihren

Wohnungen. 30 Und sie sollen an diesem Tage weder herein- noch hinausbringen von Haus zu Haus- denn er ist heiliger und gesegneter als

alle Jubeltage der Jubeljahre; an ihm hielten wir Sabbat im Himmel, ehe es allem Fleische gezeigt ward, an ihm Sabbat zu halten auf der

Erde. 31 Und der Allschöpfer segnete, und er heiligt kein Volk noch Völker, Sabbat an ihm zu halten, außer Israel allein; ihm allein

gestattete er, zu essen und zu trinken und Sabbat an ihm zu halten auf der Erde. 32 Und der Allschöpfer segnete diesen Tag, den er

geschaffen hatte, zum 33 Segen und zur Heiligkeit und zur Herrlichkeit vor allen Tagen. Dies Gesetz und Zeugnis wurde den Kindern Israel

gegeben als ewiges Gesetz für ihre Nachkommen.

Das Paradies und der Sündenfall

1 Und in den sechs Tagen der zweiten Woche brachten wir nach dem Worte Gottes zu Adam alle Tiere und alles Vieh und alle Vögel und

alles, was sich auf der Erde bewegt, und alles, was sich im Wasser bewegt, je nach ihrer Art und je nach ihrer Ähnlichkeit; und zwar die

47

Tiere am ersten Tag und das Vieh am zweiten Tag und die Vögel am dritten Tag und alles, was sich auf der Erde bewegt, am vierten Tag und

was sich im Wasser bewegt, am fünften Tag. 2 Und Adam benannte sie alle mit je ihren Namen, und wie er sie nannte, so ward ihr Name. 3

Und in diesen fünf Tagen sah Adam alle diese, Männchen und Weibchen nach jeder Art, die auf der Erde war; er aber war allein und fand für

sich keinen, der ihm helfe, der wie er gewesen wäre. 4 Und Gott sprach zu uns: Es ist nicht gut, daß der Mann allein sei; laßt uns ihm einen

Helfer machen, der wie er ist. 5 Und der Herr, unser Gott, legte einen Schlaf auf ihn, und er schlief. Und er nahm das Weib, mitten aus

seinen Rippen eine Rippe, und diese Seite ist der Ursprung des Weibes mitten aus seinen Rippen, und er baute statt ihrer Fleisch hinein und

baute das Weib. 6 Und er weckte Adam aus seinem Schlafe auf, und als er aufgewacht war, erhob er sich am sechsten Tag; und er brachte sie

zu ihm, und er erkannte sie und sprach zu ihr: Dies jetzt ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; diese wird mein Weib

genannt werden, denn von ihrem Mann ist sie genommen ! 7Deswegen sollen Mann und Weib eins werden, und deswegen soll der Mann

seinen Vater und seine Mutter verlassen und mit seinem Weibe vereint werden, und sie werden ein Fleisch sein. 8 In der ersten Siebenten

wurde Adam geschaffen, und die Seite, sein Weib; und in der zweiten Siebenten zeigte er sie ihm. Und deswegen ist das Gebot gegeben,

sieben Tage zu halten für das männliche (Kind) und für das weibliche zwei(mal) sieben Tage in ihrer Unreinheit. 9 Und nachdem für Adam

40 Tage vollendet waren auf der Erde, wo er geschaffen war, brachten wir ihn in den Garten Eden, damit er ihn pflege und hüte; sein Weib

aber brachten sie am 80. Tage, und darauf kam sie in den Garten Eden. 10 Und deswegen ist das Gebot auf die himmlischen Tafeln geschrieben

betreffs der Gebärenden: Wenn sie ein Männliches geboren hat, soll sie sieben Tage in ihrer Unreinheit bleiben, gemäß den sieben

ersten Tagen, und 33 Tage soll sie in dem Blut ihrer Reinigung bleiben und soll nichts Heiliges anrühren noch in das Heiligtum kommen, bis

sie diese Tage, die bei einem Männlichen geboten sind, vollendet hat. 11 Und bei einem Weiblichen soll sie zwei Wochen gemäß der ersten

zwei Wochen in ihrer Unreinheit und 66 Tage in dem Blut ihrer Reinigung bleiben, und es sollen im Ganzen 80 Tage sein. 12Und nach

Beendigung dieser 80 Tage brachten wir sie in den Garten Eden; denn er ist heiliger als die ganze Erde, und jeder Baum, der in ihm gepflanzt

ist, ist heilig. 13 Deswegen sind für eine, die ein Männliches und für eine, die ein Weibliches gebärt, die Satzungen dieser Tage angeordnet:

nichts Heiliges soll sie berühren und in das Heiligtum soll sie nicht kommen, bis wann jene Tage für ein Männliches und für ein Weibliches

zu Ende sind. 14 Dies Gesetz und Zeugnis, das für Israel geschrieben ist, sollen sie alle Tage beobachten. 15 Und in der 1. Jahrwoche des 1.

Jubiläums, da waren Adam und sein Weib sieben Jahre im Garten Eden, indem er ihn pflegte und hütete. Und wir gaben ihm Arbeit und

lehrten ihn die Ausführung alles dessen, was sich auf die Pflege erstreckt. 16 Und er pflegte den Garten, indem er nackt war, ohne es zu

wissen und ohne sich zu schämen, und er hütete den Garten vor Vögeln und Tieren und Vieh. Er sammelte seine Früchte und aß; und den

Rest davon legte er für sich und sein Weib hin und legte einen Vorrat an. 17 Und nach Ablauf der sieben Jahre, die er dort vollendet hatte,

genau sieben Jahre, und zwar im 2. Monat, am 17. Tage, kam die Schlange und näherte sich dem Weib, und die Schlange sprach zum Weibe:

Hat von allen Bäumen, die im Garten sind, Gott euch geboten, indem er sprach: Esset nicht davon? 18 Und sie sprach zu ihr: Von allen

Früchten der Bäume, die im Garten sind, sagte uns Gott: Eßt! aber von den Früchten des Baums, der mitten im Garten ist, sagte uns Gott: Eßt

nicht davon, rührt ihn nicht an, sonst müßt ihr sterben! 19 Und die Schlange sprach zum Weibe: Durchaus nicht werdet ihr des Todes

sterben, sondern Gott weiß, daß an dem Tage, da ihr davon eßt, eure Augen geöffnet werden, und ihr wie die Götter sein und Gutes und

Böses wissen werdet. 20 Und das Weib sah den Baum, daß er lieblich war, und dem Auge gefalle, und daß seine Frucht gut zum Essen sei,

und sie nahm davon und aß. 21 Und sie bedeckte zuerst ihre Scham mit Feigenlaub und sie gab dem Adam, und er aß, und seine Augen

wurden geöffnet, und er sah, daß er nackt war. 22 Und er nahm Feigenlaub und nähte es zusammen und machte sich einen Schurz und

bedeckte seine Scham. 23 Und Gott verfluchte die Schlange und zürnte ihr in Ewigkeit und auch dem Weibe zürnte er, weil sie auf die

Stimme der Schlange gehört und gegessen hatte, und er sprach zu ihr: 24Gar viel machen will ich deine Betrübnis und deine Qual; in

Betrübnis sollst du Kinder gebären, und zu deinem Manne hin sei der Ort deiner Rückkehr, und er wird dich beherrschen. 25 Und auch zu

Adam sprach er: Weil du auf die Stimme deines Weibes gehört hast und von jenem Baume, von dem ich dir befohlen, daß du nicht davon

essen solltest, gegessen hast, sei die Erde verflucht deinetwegen. Dornen und Disteln mögen dir sprossen, und du sollst dein Brot im

Schweiße deines Angesichtes essen, bis du in die Erde zurückkehrst, von der du genommen bist; denn Erde bist du und in die Erde wirst du

zurückkehren! 26 Und er machte ihnen Kleider von Fell und bekleidete sie und schickte sie hinaus aus dem Garten Eden. 27 Und an diesem

Tag, an dem er aus dem Garten Eden hinausgegangen war, opferte Adam zu schönem Geruche ein Räucherwerk: Weihrauch, Galbanum,

Styrar und Narden am Morgen mit dem Aufgange der Sonne, von dem Tage an, da er seine Scham bedeckt hatte. 28 Und an diesem Tage

hörte der Mund aller Tiere und des Viehs und der Vögel und derer, die gehen und sich bewegen, auf zu sprechen; denn sie alle redeten, einer

mit dem andern, eine Lippe und eine Sprache. 29 Und er schickte aus dem Garten Eden alles Fleisch, das in dem Garten Eden war, und alles

Fleisch zerstreute sich je nach ihrer Art und je nach ihrer Natur an den Ort, der für sie geschaffen war. 30 Und dem Adam allein gab er, seine

Scham zu bedecken, von allen Tieren und allem Vieh. 31 Deswegen ist in den himmlischen Tafeln für alle, die das Urteil des Gesetzes

kennen, geboten, daß sie ihre Scham bedecken und sich nicht entblößen, wie sich die Heiden entblößen. 32 Und zur Zeit des Neumonds des

vierten Monats gingen Adam und sein Weib aus dem Garten Eden heraus und wohnten im Lande Elda, im Land ihrer Erschaffung. 33 Und

Adam nannte den Namen seines Weibes Eva. 34 Und sie waren ohne Kind bis zum Ende des ersten Jubiläums, und danach erkannte er sie.

35 Er aber bearbeitete die Erde, wie er es im Garten Eden gelernt hatte.

Kain und Abel, Adams Kinder

1 Und in der 3. Jahrwoche, im 2. Jubiläum, gebar sie den Kain und in der 4. gebar sie den Abel und in der 5. gebar sie Awan, seine Tochter.

2 Und im Anfange des 3. Jubiläums tötete Kain den Abel, weil Gott aus seiner Hand das Opfer genommen, aus der Hand Kains aber seine

Darbringung nicht angenommen hatte. 3 Und er tötete ihn auf dem Feld, und sein Blut schrie von der Erde zum Himmel, indem es über

seinen Mörder Klage führte. 4 Und Gott schalt den Kain wegen Abels, deswegen, weil er ihn getötet hatte, verbannte ihn wegen des Blutes

seines Bruders und verfluchte ihn auf der Erde. 5 Und deswegen steht auch in den himmlischen Tafeln geschrieben: Verflucht sei, wer seinen

Nächsten schlägt in Bösem, und alle, die es sehen und hören, sollen sagen: So sei es! und ein Mensch, der es sieht und nicht sagt: So sei es!

ist verflucht wie jener. 6 Und des wegen kommen wir und tun vor dem Herrn, unserem Gott, alle Sünden kund, die im Himmel und auf der

Erde und die im Licht und in der Finsternis und überall geschieht. 7 Und Adam und sein Weib trauerten um Abel vier Jahrwochen, und im 4.

Jahre der 5. Jahrwoche wurden sie wieder froh, und Adam erkannte wiederum sein Weib, und sie gebar ihm einen Sohn, und er nannte seinen

Namen Seth, denn er sprach: Gott hat uns Samen aufgerichtet auf der Erde, einen zweiten an Stelle des Abel, weil Kain ihn getötet hat. 8

Und in der 6. Jahrwoche zeugte er die Asura, seine Tochter. 9 Und Kain nahm sich seine Schwester Awan zum Weibe, und sie gebar ihm den

Henoch am Ende des 4. Jubiläums. Und im 1. Jahre in der 1. Jahrwoche des 5. Jubiläums wurden Häuser auf der Erde gebaut, und Kain baute

eine Stadt und benannte ihren Namen nach dem Namen seines Sohnes Henoch. 10 Und Adam erkannte die Eva, sein Weib, und sie gebar

ihm noch neun Kinder. 11 Und in der 5. Jahrwoche des 5. Jubiläums nahm sich Seth seine Schwester Asura zum Weibe, und im 4. Jahre

gebar sie ihm den Enos. 12 Er fing zuerst an, den Namen Gottes auf der Erde anzurufen.

Die Patriarchen von Adam bis Noah Leben und Bedeutung Henochs. Tod Adams und Kains.

13 Und im 7. Jubiläum in der 3. Jahrwoche nahm sich Enos seine Schwester Noam zum Weibe, und sie gebar ihm einen Sohn im 3. Jahre der

5. Jahrwoche, und er nannte seinen Namen Kenan. 14 Und am Ende des 8. Jubiläums nahm sich Kenan seine Schwester Mualelet zum

Weibe, und sie gebar ihm einen Sohn im 9. Jubiläum in der 1. Jahrwoche im 3. Jahr in dieser Jahrwoche, und er nannte seinen Namen

Malalel. 15 Und in der 2. Jahrwoche des 10. Jubiläums nahm sich Malalel die Dina, die Tochter Barakiels, Tochter der Schwester seines

Vaters, zum Weibe, und sie gebar ihm einen Sohn in der 3. Jahrwoche in ihrem 6. Jahre und er nannte seinen Namen Jared. Denn in seinen

Tagen stiegen die Engel Gottes, welche die Wächter heißen, auf die Erde herab, um die Menschenkinder zu lehren, Recht und Gerechtigkeit

auf der Erde zu üben. 16 Und im 11. Jubiläum nahm sich Jared ein Weib mit Namen Baraka, die Tochter Rasujals, Tochter der Schwester

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seines Vaters, in der 4. Jahrwoche dieses Jubiläums, und sie gebar ihm einen Sohn in der 5. Jahrwoche im 4. Jahre des Jubiläums, und er

nannte seinen Namen Henoch. 17 Dieser nun ist der erste von den Menschenkindern, von denen, die auf der Erde geboren sind, der Schrift

und Wissenschaft und Weisheit lernte und der die Zeichen des Himmels nach der Ordnung ihrer Monate in ein Buch schrieb, damit die

Menschenkinder die Zeit der Jahre wüßten nach ihren Ordnungen je nach ihrem Monate. 18 Er schrieb zuerst ein Zeugnis auf und bezeugte

den Menschenkindern unter dem Erdengeschlecht und die Jahrwochen der Jubiläen sagte er und die Tage der Jahre tat er kund und die Monate

ordnete er und die Sabbate der Jahre sagte er, wie wir ihm kund taten. 19 Und was gewesen ist und was sein wird, sah er in einem

Traumgesicht, wie es geschehen wird mit den Menschenkindern nach ihren Generationen bis zum Tode des Gerichts; alles sah und erkannte

er und schrieb sein Zeugnis und legte es zum Zeugnis auf die Erde nieder für alle Menschenkinder und für ihre Nachkommen. 20 Und im 12.

Jubiläum in der 7. Jahrwoche nahm er sich ein Weib mit Namen Edni, die Tochter Danels, Tochter der Schwester seines Vaters, und im 6.

Jahr in dieser Jahrwoche gebar sie ihm einen Sohn, und er nannte seinen Namen Methusalah. 21 Und er war nun bei den Engeln Gottes sechs

Jubiläen von Jahren, und sie zeigten ihm alles, was auf der Erde und in den Himmeln ist, die Herrschaft der Sonne, und er schrieb alles auf.

22 Und er zeugte von den Wächtern, die mit den Menschentöchtern sündigten; denn jene fingen an, den Menschentöchtern beizuwohnen, so

daß sie sich beschmutzten, und Henoch zeugte über sie alle. 23 Und er ward weggenommen unter den Menschenkindern, und wir führten ihn

in den Garten Eden zu Hoheit und Ehre und siehe, er schreibt dort das Gericht und das Urteil über die Welt und alle Bosheiten der

Menschenkinder. 24 Und seinetwegen brachte Gott die Sintflut über das ganze Land Eden; denn er war dort zum Zeichen gegeben und damit

er über alle Menschenkinder zeuge, damit er alles Tun der Generationen sage bis auf den Tag des Gerichts. 25 Und er brachte im Hause des

Heiligtums ein Räucheropfer dar, welches angenommen ward vor Gott auf dem Berge des Südens. 26 Denn vier Orte auf der Erde gehören

Gott: der Garten Eden und der Berg des Ostens und dieser Berg, auf dem du heute bist, der Berg Sinai, und der Berg Zion. Er wird geheiligt

werden in der neuen Schöpfung zur Heiligung der Erde; deswegen wird die Erde geheiligt werden von aller Sünde und von all ihrem

Schmutz unter den Generationen der Ewigkeit. 27 Und in dem Jubiläum, welches das 14. ist, nahm Methusalah zu seinem Weib die Edna,

die Tochter Asrials, Tochter der Schwester seines Vaters, in der 3. Jahrwoche des 1. Jahres dieser Jahrwoche, und er zeugte einen So hn und

nannte seinen Namen Lamech. 28 Und im 15. Jubiläum in der 3. Jahrwoche nahm sich Lamech ein Weib mit Namen Betenos, die Tochter

Barakiels, Tochter der Schwester seines Vaters, und in dieser Jahrwoche gebar sie ihm einen Sohn, und er nannte seinen Namen Noah, indem

er sprach: Dieser wird mich trösten über meine Trauer und über all mein Tun und auch über die Erde, die Gott verflucht hat. 29 Und am

Ende des 19. Jubiläums in der 7. Jahrwoche in ihrem 6. Jahre starb Adam, und sie alle seine Kinder begruben ihn im Lande seiner

Erschaffung, und er ist der erste, der in der Erde begraben ist. 30 Und 70 Jahre fehlten an 1000 Jahren. Denn 1000 Jahre sind wie ein Tag im

Zeugnisse der Himmel; und deswegen steht geschrieben von dem Baum der Erkenntnis: An dem Tage, da ihr davon eßt, werdet ihr sterben!

Deshalb hat er die Jahre dieses Tags nicht vollendet, sondern ist an ihm gestorben. 31 Am Ende dieses Jubiläums wurde Kain getötet ein Jahr

nach ihm; sein Haus fiel auf ihn, und er starb mitten in seinem Hause und ward durch dessen Steine getötet; denn mit einem Stein hatte er

Abel getötet, mit einem Stein wurde auch er getötet nach gerechtem Gerichte. 32 Und deswegen ist angeordnet in den himmlischen Tafeln:

Mit dem Geräte, mit dem ein Mann seinen Nächsten tötet , mit dem soll er getötet werden; wie er ihn verwundet hat, so soll man ihm tun. 33

Und im 25. Jubiläum nahm sich Noah ein Weib mit Namen Emsara, die Tochter Rakeels, Tochter der Schwester seines Vaters, im 1. Jahr in

der 5. Jahrwoche, und im 3. Jahre gebar sie ihm den Sem, und im 5. Jahr gebar sie ihm den Ham und im 1. Jahre der 6. Jahrwoche gebar sie

ihm den Japhet.

Die Ehen der Engel mit den Töchtern der Menschen; die Ankündigung der Sintflut Bestrafung der gefallenen Engel und ihrer Kinder.

1 Und es geschah, als die Menschenkinder anfingen, sich zu mehren auf der Oberfläche der Erde, und ihnen Töchter geboren wurden, da

sahen die Engel Gottes sie in einem Jahre dieses Jubiläums, daß sie schön anzuschauen waren, und sie erwählten sich einige aus ihren

Weibern und diese gebaren ihnen Kinder, und dies sind die Riesen. 2 Und die Gewalttätigkeit nahm zu auf der Erde, und alles Fleisch

verderbte seinen Wandel vom Menschen bis zum Vieh und bis zu den Tieren und bis zu den Vögeln und bis zu allem, das auf der Erde

wandelt. Sie alle verderbten ihren Wandel und ihre Sitte und begannen, sich gegenseitig zu verschlingen, und die Gewalttätigkeit nahm zu

auf der Erde, und alle Gedanken des Erkennens aller Menschen waren so böse alle Tage. 3 Und Gott sah die Erde, und siehe, sie war

verderbt, und alles Fleisch hatte seine Sitte verderbt, und alle handelten böse vor seinen Augen, alles, was auf der Erde war. 4 Und er sprach:

Ich will die Menschen vertilgen und alles Fleisch auf der Oberfläche der Erde, die er geschaffen hat. 5 Und Noah allein hatte die Gnade

gefunden vor den Augen Gottes. 6 Und auf die Engel, die er auf die Erde geschickt hatte, zürnte er gewaltig. Und er gebot, sie auszurotten

aus ihrer ganzen Herrschaft, und er sagte uns, wir sollten sie binden in den Tiefen der Erde, und siehe, sie sind mitten darin gebunden und

allein geblieben. 7 Und über ihre Kinder erging das Wort von seinem Angesicht, er wolle sie mit dem Schwert durchbohren und vertreiben

unter dem Himmel. Und er sprach: 8 Mein Geist wird nicht in Ewigkeit auf den Menschen bleiben, denn sie sind Fleisch, und ihre Tage

sollen 120 Jahre sein. 9 Und er schickte sein Schwert unter sie, damit einer den andern töte, und sie fingen an, einer den andern zu töten, bis

sie alle durchs Schwert gefallen und von der Erde vertilgt waren. 10 Ihre Väter aber sahen zu, und danach wurden sie in den Tiefen der Erde

gebunden bis in Ewigkeit, bis zum Tage des großen Gerichts, wann ein Gericht stattfindet über alle, die ihren Wandel und ihre Werke Gott

verderbt haben. 11 Und er vertilgte sie alle von ihrem Ort, und nicht einer blieb von ihnen übrig, den er nicht gerichtet hätte wegen aller ihrer

Bosheit. 12 Und er machte allen seinen Geschöpfen eine neue und gerechte Natur, daß sie nach ihrer ganzen Natur bis in Ewigkeit nicht

mehr sündigten und gerecht wären, jeder in seiner Abstammung alle Tage. 13 Und das Gericht über alle ist angeordnet und auf die

himmlischen Tafeln geschrieben ohne Ungerechtigkeit und über alle, die abweichen von seinem Wege, der ihnen angeordnet ist, daß sie auf

ihm wandeln. Und wenn sie nicht auf ihm wandeln, so ist das Urteil geschrieben für jede Kreatur und für jedes Geschlecht. 14 Und nichts

kann entgehen, was im Himmel und was auf der Erde und was im Licht und was in der Finsternis ist und in der Unterwelt und in der Tiefe

und am düstern Ort; und alle ihre Strafe ist angeordnet, geschrieben und eingegraben. 15 Es betrifft alle: den Großen richtet er gemäß seiner

Größe und auch den Kleinen gemäß seiner Kleinheit, und jeden einzelnen gemäß seinem Wandel. 16 Und er ist nicht einer, der die Person

ansieht, und er ist nicht einer der Geschenke nimmt, wenn er sagt, er wolle über jeden einzelnen Gericht halten. Wenn einer alles gibt, was

auf der Erde ist, so nimmt er kein Geschenk und sieht die Person nicht an und nichts nimmt er aus seiner Hand an, denn er ist ein gerechter

Richter. 17 Und über die Kinder Israels ist geschrieben und angeordnet: Wenn sie sich in Gerechtigkeit zu ihm bekehren, so wird er all ihr

Vergehen vergeben und alle ihre Sünde verzeihen. 18 Es ist geschrieben und angeordnet: Er wird barmherzig sein gegen alle, die sich von

aller ihrer Verschuldung einmal im Jahre bekehren. 19 Und allen, die ihren Wandel und ihren Sinn verderbt haben vor der Sintflut, wurde

ihre Person nicht angesehen, außer dem Noah allein; denn ihm wurde seine Person angesehen wegen seiner Söhne, die Gott seinetwegen aus

der Sintflut gerettet hat. Denn sein Herz war gerecht auf allen seinen Wegen, wie ihm darüber geboten war, und er hat nichts übertreten,was

ihm angeordnet war. 20 Und Gott sagte, er werde alles, was auf dem Festland ist, Vertilgen vom Menschen bis zum Vieh, bis zu den Tieren

und bis zu den Vögeln des Himmels und bis zu dem, was lebt auf Erden.

Der Bau der Arche. Die Sintflut

21 Und er gebot dem Noah, er solle sich einen Kasten machen, damit er ihn aus dem Wasser der Sintflut rette. 22Und Noah machte sich

einen Kasten ganz so, wie er ihm geboten, im 26. Jubiläum der Jahre in der 5. Jahrwoche in ihrem 5. Jahre. 23 Und er ging hinein in ihrem 6.

Jahr im 2. Monat am Neumonde des 2. Monats bis zum 16., es gingen hinein er und alles, was wir ihm in den Kasten hineinbrachten, und

Gott schloß ihn von draußen am 27. Abends. 24 Und Gott öffnete die sieben Schleusen des Himmels und die Öffnungen der Quellen der

großen Tiefe, in sieben Öffnungen an der Zahl. 25 Und die Schleusen begannen Wasser vom Himmel herabströmen zu lassen 40 Tage und

40 Nächte, und auch die Quellen der Tiefe ließen Wasser heraufsteigen, bis die ganze Welt von Wasser voll geworden war. 26 Und das

Wasser stieg auf der Erde; fünfzehn Ellen erhoben sich die Wasser über alle hohen Berge, und der Kasten hob sich von der Erde und fuhr

49

dahin auf der Oberfläche der Wasser. 27 Und die Wasser standen auf der Oberfläche der Erde fünf Monate, 150 Tage. 28 Und der Kasten

fuhr dahin und hielt an auf dem Gipfel des Lubar, eines von den Bergen des Ararat. 29 Und im 4. Monat schlossen sich die Quellen der

großen Tiefe, und die Schleusen des Himmels taten sich zu, und am Neumond des 7. Monats wurden alle Öffnungen der Tiefen der Erde

aufgemacht, und die Gewässer fingen an, in die Tiefe drunten hinabzusteigen. 30 Und am Neumond des 10. Monats erschienen die Gipfel

der Berge, und am Neumond des 1. Monats erschien die Erde. 31 Und die Wasser verschwanden von der Erde in der 5. Jahrwoche in ihrem

7. Jahr, und am 16. Tag im 2. Monat war die Erde trocken. 32 Und an seinem 27. Tag öffnete er den Kasten und schickte die Tiere und das

Vieh und die Vögel, und was sich regt, aus ihm hinaus.

Noahs Opfer. Der Bund Gottes mit Noah.

Anweisung an Mose über Blutgenuß, Wochenfest und Jahreseinteilung.

1 Und am Neumond des 3. Monats ging er aus dem Kasten und baute einen Altar auf jenem Berg. 2 Und er sühnte die Erde und nahm einen

Ziegenbock und sühnte mit seinem Blut alle Sünden der Erde; denn alles, was auf ihr gewesen war, war vernichtet, außer denen, die mit

Noah im Kasten waren. 3 Und er brachte sein Fett auf den Altar und nahm ein Rind und einen Widder und ein Lamm und Ziegen und Salz

und eine Turteltaube und eine junge Taube und brachte ein Ganzopfer auf den Altar und goß darüber ein Opfer, in Öl gekocht, und sprengte

Wein und streute Weihrauch über alles und ließ einen schönen Duft aufsteigen, der vor Gott gefiel. 4Und Gott roch den schönen Duft und er

schloß mit ihm einen Bund, daß es keine Sintflut mehr geben solle, die die Erde verderbe; daß alle Tage der Erde Aussaat und Ernte nicht

aufhören solle, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht ihre Ordnung nicht ändern und in Ewigkeit nicht aufhören sollten. 5 Ihr

aber wachset und mehrt euch auf der Erde und seid zahlreich auf ihr und seid zum Segen auf ihr; Furcht vor euch und Schrecken vor euch

will ich verbreiten über alles, was auf der Erde und im Meer ist. 6 Und siehe, ich habe alle Tiere und alles, was fliegt, und alles, was sich auf

der Erde regt, und in den Wassern die Fische und alles euch zur Nahrung gegeben; wie das grüne Kraut habe ich euch alles zum Essen

gegeben. 7 Und nur das Fleisch, das noch mit seiner Seele und mit seinem Blut verbunden ist, dürft ihr nicht essen - denn die Seele alles

Fleisches ist im Blute -, damit nicht euer Blut in euren Seelen gefordert werde. Aus der Hand eines jeden Menschen, aus der Hand eines

jeden will ich das Blut des Menschen fordern. 8 Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden; denn nach

dem Bilde Gottes hat er den Adam gemacht. 9 Ihr aber wachset und seid zahlreich auf der Erde! 10 Und Noah und seine Söhne schwuren,

daß sie kein Blut essen wollten, das in irgend welchem Fleische sei. Und er schloß einen Bund vor Gott, dem Herrn, in Ewigkeit, durch alle

Generationen der Erde, in diesem Monate. 11 Deswegen hat er zu dir gesagt, daß du einen Bund schließen sollest, du mit den Kindern Israel

in diesem Monat auf dem Berge mit einem Schwur, und über sie Blut sprengen sollst wegen aller der Worte des Bundes, den Gott mit ihnen

für alle Tage geschlossen hat. 12 Und dies Zeugnis ist über euch geschrieben, damit ihr es alle Tage beobachtet. 13 Und du gebiete den

Kindern Israel, sie sollen kein Blut essen, damit ihr Name und ihr Same vor dem Herrn, unserem Gott, alle Tage bestehe. 14 Und für dieses

Gesetz gibt es kein Ende der Tage, sondern es gilt für ewig, und sie sollen es bewahren auf ihre Nachkommen, daß sie für euch mit Blut vor

dem Altar sühnen; an jedem Tag, und zwar zur Morgen- und Abendstunde, sollen sie für euch immer vor Gott Vergebung suchen, damit sie

es bewahren und nicht ausgerottet werden. 15 Und er gab dem Noah und seinen Kindern ein Zeichen, daß keine Sintflut mehr auf der Erde

sein solle. 16 Seinen Regenbogen setzte er in das Gewölk zum Zeichen des ewigen Bundes, daß keine Sintflut mehr auf der Erde sein solle

zu ihrer Vernichtung alle Tage der Erde. 17 Deswegen ist angeordnet und aufgeschrieben in den himmlischen Tafeln, daß sie in diesem

Monat das Wochenfest begehen sollten einmal im Jahr, zur Erneuerung des Bundes in jedem einzelnen Jahr. 18 Und dieses ganze Fest wurde

im Himmel begangen vom Tage der Schöpfung an bis zu den Tagen Noahs 26 Jubiläen und 5 Jahrwochen, und Noah und seine Kinder

beobachteten es 7 Jubiläen und 1 Jahrwoche bis zum Todestage Noahs; und vom Todestage Noahs an handelten seine Kinder verderbt bis zu

den Tagen Abrahams und aßen Blut. 19 Abraham aber allein beobachtete es, und Isaak und Jakob und seine Kinder beobachteten es bis zu

deinen Tagen, und in deinen Tagen haben es die Kinder Israel vergessen, bis ich es ihnen bei diesem Berg erneuert habe. 20 Du nun gebiete

den Kindern Israel, sie sollen dies Fest in allen ihren Geschlechtern als ein Gebot für sie beobachten, einen Tag des Jahres, in diesem Monat

sollen sie an ihm das Fest begehen. 21 Denn es ist das Fest der Wochen und es ist das Fest der Erstlingsfrucht; zwiefach und von zweierlei

Art ist dieses Fest, wie über dasselbe seine Bestimmung geschrieben und eingegraben ist. 22 Denn ich habe in dem Buche des ersten

Gesetzes geschrieben, in dem, was ich dir aufgeschrieben habe, du sollest es je zu seiner Zeit einen Tag des Jahres begehen; und auch sein

Opfer habe ich dir gesagt, damit die Kinder Israel eingedenk sind und es unter ihren Geschlechtern in diesem Monat begehen einen Tag in

jedem Jahr. 23 Und am Neumond des 1. Monats und am Neumond des 4. Monats und am Neumond des 7. Monats und am Neumond des 10.

Monats sind die Gedenktage und die Tage der Zeitbestimmung in den vier Abteilungen des Jahrs; sie sind geschrieben und angeordnet zu

einem Zeugnisse für ewig. 24 Und Noah bestimmte sie sich zu Festen für die Nachkommen in Ewigkeit, denn an ihnen war für ihn eine

Gedächtnisfeier. 25 Und zwar am Neumond des 1. Monats war ihm gesagt, er solle einen Kasten machen, und an ihm war die Erde trocken

geworden, und er hatte aufgemacht und die Erde gesehen. 26 Und am Neumond des 4. Monats waren die Öffnungen der Tiefen des

Abgrunds drunten geschlossen. Und am Neumond des 7. Monats waren alle Öffnungen der Tiefen der Erde geöffnet und hatten die Wasser

angefangen, darin hinabzufließen. 27 Und am Neumond des 10. Monats waren die Gipfel der Berge erschienen, und Noah hatte sich gefreut.

28 Und deswegen bestimmte er sie sich zu Festen, zu einem Gedächtnis bis in Ewigkeit, und so sind sie angeordnet. 29 Und sie bringen sie

auf die himmlischen Tafeln. Dreizehn Wochen enthält jede einzelne Periode von ihnen; von einem Fest bis zum andern geht ihr Gedächtnis:

vom ersten bis zum zweiten; und vom zweiten bis zum dritten; und vom dritten bis zum vierten. 30 Und alle Tage der Gebote sind 52

Wochen an Tagen, und sie alle geben ein volles Jahr. 31 So ist eingegraben und angeordnet auf den himmlischen Tafeln, und es findet keine

Überschreitung statt, weder eines einzelnen Jahrs, noch von Jahr zu Jahr. 32 Du aber gebiete den Kindern Israel, sie sollen die Jahre halten

nach dieser Zahl: 364 (julianisch = 365,25) Tage, und dies ist ein volles Jahr, un d sie sollen seine Zeit nicht verderben von seinen Tagen und

von seinen Festen. Denn alles kommt zurecht in ihnen gemäß ihrem Zeugnisse, und sie sollen keinen Tag auslassen und kein Fest vernichten.

33 Und wenn sie übertreten und sie nicht nach seinem Gebote halten, dann werden sie alle ihre Zeiten verderben, und auch ihre Jahre werden

sich aus dieser Ordnung fortbewegen und ihre Zeiten werden sie verderben, die Jahre aber werden sich fortbewegen, und sie werden ihre

Ordnung übertreten. 34 Und alle Kinder Israel werden den Weg der Jahre vergessen und nicht finden und werden Neumond und Zeit und

Sabbat vergessen, und in aller Ordnung der Jahre werden sie irren. 35 Denn ich weiß und von jetzt ab will ich es dir kund tun, und zwar nicht

aus meinem eigenen Herzen, sondern ein Buch ist vor mir geschrieben, und auf den himmlischen Tafeln ist die Einteilung der Tage

angeordnet, auf daß sie die Feste des Bundes nicht vergessen, und sie werden in den Festen der Heiden wandeln unter ihrer Verirrung und

hinter ihrer Unkenntnis her. 36 Und es wird Leute geben, die den Mond genau beobachten; denn dieser verdirbt die Zeiten und geht von Jahr

zu Jahr zehn Tage vor. 37 Deswegen werden ihnen Jahre kommen, wo sie den Tag des Zeugnisses verderben und zu einem verachteten Tage

machen und einen unreinen Tag zum Fest, und alles werden sie vermengen, die heiligen Tage mit unreinen und den unreinen Tag mit einem

heiligen Tag. Denn sie werden Monate und Sabbate und Feste und Jubiläen auflösen. 38Deswegen gebiete ich dir und lege dir Zeugnis ab,

damit du ihnen bezeugst; denn nach deinem Tode werden deine Kinder verderbt handeln, daß sie das Jahr nicht zu nur 364 Tagen halten, und

deswegen werden sie Neumond und Zeit und Sabbat und Feste auflösen und alles Blut mit allem Fleische essen.

Noah opfert. Die Verfluchung Kanaans

Die Söhne und Enkel Noahs und ihre Bauten. Mahnrede Noahs.

1 Und in der 7. Jahrwoche, in ihrem 1. Jahr in diesem Jubiläum, pflanzte Noah Weinstöcke an dem Berg, auf dem der Kasten gehalten hatte,

mit Namen Lubar von den Bergen des Ararat, und sie brachten Frucht im vierten Jahr, und er hütete ihre Frucht und pflückte sie in diesem

Jahr im 7. Monat ab. 2 Und er machte Wein daraus und tat ihn in ein Gefäß und bewahrte ihn auf bis zum 5. Jahre, bis zum 1. Tag am

Neumond des 1. Monats. 3 Und er machte diesen Tag in Freude zu einem Fest, und er bereitete ein Ganzopfer für Gott, ein junges Rind und

50

einen Widder und sieben Schafe, jedes ein Jahr alt, und einen Ziegenbock, damit er dadurch sich und seine Kinder sühne. 4 Und er bereitete

zuerst den Bock und tat etwas von seinem Blut auf das Fleisch des Altars, den er gemacht hatte, und alles Fett brachte er auf den Altar, wo er

das Ganzopfer, das Rind und den Widder und die Schafe bereitete, und er brachte all ihr Fleisch auf den Altar. 5 Und er legte ihr ganzes

Speise-Opfer, in Öl zurechtgemacht, darauf, und danach sprengte er Wein in das Feuer, das er zuvor auf dem Altar gemacht, und legte

Weihrauch auf den Altar und ließ einen süßen Duft aufsteigen, der vor dem Herrn, seinem Gott, gefiel. 6Und er freute sich und trank von

diesem Wein, er und seine Kinder in Freude. 7 Und es ward Abend, und er ging in sein Zelt und berauscht legte er sich schlafen und schlief

und entblößte sich in seinem Zelte, während er schlief. 8 Und Ham sah seinen Vater Noah nackt und ging hinaus und sagte es seinen beiden

Brüdern draußen. 9Und Sem nahm sein Kleid, und er und Japhet erhoben sich und legten das Kleid auf ihre Schultern und rückwärts gehend

bedeckten sie die Scham ihres Vaters, während ihr Gesicht abgewandt war. 10 Und Noah erwachte aus seinem Schlafe und erfuhr alles, was

sein jüngster Sohn an ihm getan hatte, und er verfluchte seinen Sohn und sprach: Verflucht sei Kanaan, ein dienender Knecht sei er seinen

Brüdern! 11 Und er segnete Sem und sprach: Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems, und Kanaan sei sein Knecht! 12 Gott schaffe Weite dem

Japhet und Gott wohne in der Wohnung Sems, und Kanaan sei sein Knecht! 13 Und Ham erfuhr, daß sein Vater seinen jüngsten Sohn

verflucht hatte, und es war schimpflich für ihn, daß er seinen Sohn verflucht hatte, und er trennte sich von seinem Vater, er und seine Söhne

mit ihm, Kusch und Mastarem und Put und Kanaan. 14 Und er baute sich eine Stadt und nannte ihren Namen nach dem Namen seines

Weibes Neelatamauk. 15 Und Japhet sah es und wurde eifersüchtig auf seinen Bruder und auch er baute sich eine Stadt und nannte ihren

Namen nach dem Namen seines Weibes Adataneses. 16 Sem aber wohnte bei seinem Vater Noah und baute eine Stadt neben seinem Vater

am Berg und auch er nannte ihren Namen nach dem Namen seines Weibes Sedeketelbab. 17 Und siehe, jene drei Städte sind nahe beim

Berge Lubar; Sedeketelbab vor dem Berg im Osten von ihm und Neeltamauk nach der Südseite, Adataneses gegen Westen. 18 Und dies sind

die Söhne Sems: Elam, Assur, Arpachsad - dieser wurde geboren zwei Jahre nach der Sintflut - und Lud und Aram. 19 Die Söhne Japhets

sind Gomer, Magog, Madai, Javan, Tubal, Mesech und Tiras; dies sind die Söhne Noahs. 20 Und im 28. Jubiläum begann Noah den Kindern

seiner Kinder die Ordnungen und die Gebote und alles Recht, das er kannte, zu gebieten, und er ermahnte seine Kinder, Gerechtigkeit zu

üben und die Scham ihres Fleisches zu bedecken und den zu segnen, der sie geschaffen, und Vater und Mutter zu ehren und ein jeder seinen

Nächsten zu lieben, und sich der Hurerei und Unreinheit und aller Ungerechtigkeit zu hüten. 21 Denn aus diesen drei Gründen war die

Sintflut über die Erde gekommen, nämlich wegen der Hurerei, in der die Wächter gegen die Vorschriften ihrer Rechtsbefugnis mit den

Menschentöchtern gehurt und sich zu Weibern genommen hatten von allen, die sie sich erwählt; und so machten sie den Anfang der

Unreinheit. 21 Und sie zeugten Kinder, die Nephilim; und sie waren alle ungleich und fraßen einer den andern, und es tötete Jerbach den

Nephil, und Nephil tötete den Eljo, und Eljo die Menschenkinder, und ein Mensch den andern. 23 Und ein jeder wandte sich dazu,

Ungerechtigkeit zu verüben und viel Blut zu vergießen, und die Erde war voll von Ungerechtigkeit. 24 Und danach sündigten sie an den

Tieren und Vögeln und allem, was sich regt, und was auf der Erde geht. Und es wurde viel Blut auf der Erde vergossen, und alle Gedanken

und Wünsche der Menschen dachten Eitles und Böses in allen Tagen. 25 Und Gott vertilgte alles von der Oberfläche der Erde; wegen der

Bosheit ihres Tuns und wegen des Blut, das sie mitten auf der Erde vergossen hatten, vertilgte er alles. 26 Und wir blieben übrig, ich und ihr,

meine Kinder, und alles, was mit mir in den Kasten gekommen ist, und siehe, ich sehe vor mir euer Tun, daß ihr nicht in Gerechtigkeit

wandelt, sondern auf dem Wege der Verderbnis habt ihr angefangen zu wandeln und euch von einander zu trennen und auf einander

eifersüchtig zu sein, und so wird es kommen, daß ihr keine Gemeinschaft habt, meine Kinder, ein jeder mit seinem Bruder. 27 Denn ich sehe,

wie böse Geister euch und eure Kinder zu verführen begonnen haben; jetzt aber fürchte ich bereits, daß ihr wenn ich gestorben bin,

Menschenblut auf der Erde vergießt, und daß auch ihr von der Oberfläche der Erde vertilgt werdet. 28 Denn jeder, der Menschenblut

vergießt, und jeder, der von irgend einem Körper Blut trinkt, sie alle werden von der Erde vertilgt. 29 Und kein Mensch, der Blut trinkt und

Menschenblut auf Erden vergießt, wird übrig bleiben, noch wird ihm Same und Nachkommenschaft unter dem Himmel bleiben, sondern in

die Unterwelt werden sie gehen und an den Ort des Gerichts hinabsteigen und in die Finsternis der Tiefe werden sie alle entweichen durch

einen schaurigen Tod. 30Kein Blut werde an euch gesehen von irgend welchem Blute, das dasein wird in allen Tagen, da ihr irgend welches

Vieh und Getier, und was da fliegt auf der Erde, schlachtet. Und übt Mitleid mit euch selbst, indem ihr begrabt, was auf der Oberfläche der

Erde vergossen wird. 31 Und seid nicht wie einer, der das Fleisch mit Blut ißt, und müht euch, daß sie nicht vor euch Blut essen. Begrabt das

Blut! Denn so ist mir geboten, daß ich euch bezeuge und auch euren Kindern, samt allem Fleisch. 32 Und gebt nicht der Seele von dem Blute

zu essen, damit nicht euer eigenes Blut gefordert werde von der Hand alles Fleisches, das es auf Erden vergießt. 33 Denn die Erde wird nicht

rein von dem Blute, das auf ihr vergossen ist, sondern nur durch das Blut dessen, der es vergossen hat, wird die Erde rein in allen ihren

Generationen. 34 Jetzt aber, meine Kinder, hört, übt Recht und Gerechtigkeit, auf daß ihr in Gerechtigkeit auf der Oberfläche der ganzen

Erde gepflanzt werdet, und euer Ruhm hoch werde vor meinem Gotte, der mich aus der Sintflut gerettet hat. 35 Und siehe, ihr werdet

hingehen und euch Städte bauen und in ihnen alle Pflanzung, die auf Erden ist, und alle Bäume, die Frucht tragen, pflanzen . 36 Drei Jahre

lang wird keine Frucht abgepflückt werden von allen eßbaren Gewächsen; und im vierten Jahre wird seine Frucht abgepflückt werden, und

man wird die erste Frucht darbringen, daß sie angenommen werde vor Gott, dem Höchsten, der Himmel und Erde und alles geschaffen hat,

auf daß man mit dem Besten das Erste des Weins und Öls als Erstlingsfrucht auf Gottes Altare darbringe, den er annimmt, und was übrig

bleibt, sollen die Diener des Hauses Gottes vor dem Altare, den er annimmt, essen. 37 Und im fünften Jahre macht einen Erlaß, auf daß ihr es

erlasset in Gerechtigkeit und in Aufrichtigkeit, und ihr werdet gerecht sein, und alle eure Pflanzung wird gedeihen. 38 Denn so hat Henoch,

euer Großvater, dem Methusalah, seinem Sohne, geboten, und Methusalah seinem Sohne Lamech, und Lamech hat mir alles geboten, was

ihm seine Väter geboten hatten. 39Und auch ich gebiete euch, meine Kinder, wie Henoch seinem Sohne geboten hat, im 1. Jubiläum; als er

lebte, in seinem Geschlechte der siebente, gebot und bezeugte er seinen Kindern und den Kindern seiner Kinder bis zu seinem Todestage.

Genealogie der Nachkommen Sems und ihrer Frauen. Abgrenzung der Gebiete des Sem, Ham und Japhet

1 Und im 29. Jubiläum, in der 1. Jahrwoche in ihrem Anfang, nahm sich Arpachsad ein Weib mit Namen Rasuja, die Tochter Susans,

Tochter Elams, und sie gebar ihm einen Sohn im 3. Jahr in dieser Jahrwoche, und er nannte seinen Namen Kainam. 2 Und der Sohn ward

groß, und sein Vater lehrte ihn die Schrift, und er ging, sich einen Ort zu suchen, wo er sich eine Stadt einnehmen könnte. 3 Und er fand eine

Schrift, welche die Vorväter in einen Felsen eingegraben hatten, und er las, was in ihr stand, und schrieb sie ab. Und er ersah aus ihr, daß in

ihr die Lehre der Wächter war, durch die sie die Zauberlehre von der Sonne und dem Mond und den Sternen in allen Zeichen des Himmels

machten. 4 Und er schrieb sie auf und redete nicht darüber; denn er fürchtete sich, zu Noah darüber zu reden, damit er nicht deswegen auf ihn

zürne. 5 Und im 30. Jubiläum, in der 2. Jahrwoche in ihrem 1. Jahre, nahm er sich ein Weib mit Namen Melka, die Tochter Abadais, des

Sohnes Japhets, und im 4. Jahre gebar sie ihm einen Sohn, und er nannte seinen Namen Selah, denn er sprach: Gesandt bin ich worden. 6

Und im 4. Jahre war Selah geboren und er ward groß und nahm sich ein Weib mit Namen Muak, die Tochter Kesebs, des Bruders seines

Vaters, im 31. Jubiläum in der 5. Jahrwoche in ihrem ersten Jahre. Und sie gebar ihm einen Sohn im 5. Jahre derselben Jahrwoche, und er

nannte seinen Namen Eber. Und er nahm sich ein Weib mit Namen Azurad, die Tochter des Nebrod, im 32. Jubiläum in der 7. Jahrwoche in

ihrem 3. Jahre. 8 Und in ihrem 6. Jahre gebar sie ihm einen Sohn, und er nannte seinen Namen Peleg. Denn in den Tagen, da er geboren

wurde, begannen die Kinder Noahs, sich die Erde zu verteilen; deswegen nannte er seinen Namen Peleg. 9 Und sie teilten sie sich in Bösem

untereinander und sagten es Noah. 10 Und es war im Anfange des 33. Jubiläums, da teilten sie die Erde in drei Teile dem Sem und dem Ham

und dem Japhet, je nach seinem Erbe, im 1. Jahr in der 1. Jahrwoche, indem einer von uns, die wir zu ihnen geschickt waren, dablieb. 11 Und

er rief seine Kinder, und sie kamen nahe zu ihm, sie und ihre Kinder, und er teilte die Erde durch Verlosung, was seine drei Söhne erhalten

sollten. Und sie streckten ihre Hand aus und nahmen jeder einen Zettel aus dem Busen Noahs, ihres Vaters. 12 Und es ging hervor auf dem

Zettel als das Los Sems die Mitte der Erde, die er zu seinem Erbe und für seine Kinder für das Geschlecht in Ewigkeit erhielt, von der Mitte

des Berges Rafa, von dem Ausgangsorte des Wassers vom Flusse Tina an, und sein Teil geht nach Westen mitten durch diesen Fluß und er

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dehnt sich aus, bis man zu dem Wasser der Abgründe kommt, von wo dieser Fluß ausgeht, und er ergießt seine Wasser ins Meer Meat, und

dieser Fluß geht in das große Meer. Und alles, was nach Norden liegt, gehört dem Japhet, und alles, was nach der Südseite liegt, dem Sem.

13 Und er geht, bis er nahe an Karaso kommt, welches an dem Busen der Landzunge liegt, die nach Süden schaut. 14Und sein Teil läuft an

dem großen Meere hin und er geht gerade aus, bis er sich dem Westen der Zunge nähert, die nach Süden schaut. Denn dieses Meer - sein

Name ist die Zunge des ägyptischen Meers. 15 Und er neigt sich von hier nach Süden nach der Mündung des großen Meers an den Küsten

der Gewässer und er geht nach Westen von Afra und geht, bis er sich dem Wasser des Flusses Gihon nähert, und südlich vom Wasser des

Gihon an dem Ufer dieses Flusses entlang. 16 Und er geht gen Morgen, bis er sich dem Garten Eden nähert südlich davon nach Süden und

vom Osten des ganzen Landes Eden und des ganzen Ostens, und er wendet sich nach Osten und kommt, bis er sich dem Osten des Berges

nähert, dessen Name Rafa ist, und er steigt nach dem Rande des Ausgangsorts des Flusses Tina hinab. 17 Dieser Teil kam heraus auf dem

Lose Sems und seiner Kinder, ihn zu besitzen bis in Ewigkeit, für seine Nachkommen bis in Ewigkeit. Und Noah freute sich, daß dieser Teil

für Sem und seine Nachkommen herausgekommen war, und er erinnerte sich alles dessen, was er mit seinem Mund in seiner Weissagung

geredet hatte, denn er sprach: Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems, und Gott wohne in der Wohnung Sems! 19 Und er erkannte, daß der

Garten Eden das heiligste der Heiligtümer und die Wohnung Gottes war, und der Berg Sinai der Mittelpunkt der Wüste, und der Berg Zion

der Mittelpunkt des Nabels der Erde. Diese drei sind, eins dem andern gegenüber, zu Heiligtümern geschaffen. 20 Und er pries den Gott der

Götter, der die Rede Gottes in seinen Mund gelegt hatte, und Gott bis in Ewigkeit. 21 Und er erkannte, daß ein Erbteil des Segens und der

Segnung gekommen war für Sem und für seine Kinder, für die Geschlechter der Ewigkeit, das ganze Land Eden und das ganze Land des

erythräischen Meers und das ganze Land des Ostens und Indien und im erythräischen Meere und seine Berge und das ganze Land Basa und

das ganze Land Libanon und die Inseln von Kaphthor und das ganze Gebirge Sanir und Amana und das Gebirge von Assur im Norden und

das ganze Land Elam, Assur und Babel und Susa und Madai und das ganze Gebirge Ararat und das ganze Land jenseits des Meers, das

jenseits des Gebirges Assur, das gegen Norden liegt - ein gesegnetes und weites Land und alles, was in ihm, sehr schön. 22 Und für Ham

ging hervor der zweite Teil jenseits des Gihon nach Süden auf der rechten Seite vom Garten, und er geht nach Süden und geht zum ganzen

Feuergebirge und geht nach Westen zum Meer Atel und geht westlich, bis er sich dem Meere Mauk nähert, welches das ist, worin alles, was

hinabfährt, umkommt. 23 Und er kommt im Norden an die Grenze von Gadir und kommt zur Küste des Wassers des Meeres zu den Wassern

des großen Meeres, bis er sich dem Gihonflusse nähert, und es geht der Gihonfluß, bis er sich der rechten Seite des Garten Eden nähert. 24

Und dies ist das Land, das für Ham bei der Teilung herauskam, das er in Ewigkeit für sich und für seine Kinder besitzen sollte, für ihre

Geschlechter bis in Ewigkeit. 25 Und für Japhet kam als dritter Teil heraus das jenseitige Ufer des Tinaflusses nach den nördlichen

Gegenden des Ausgangsorts seiner Wasser, und er geht nach Nordosten zu dem ganzen Gebiete von Gog und allen östlichen Ländern

desselben. 24 Und er erstreckt sich nördlich gegen Norden und geht zu den Bergen von Kelt nach Norden und zum Meere Mauk und er

kommt nach dem Osten von Gadir bis gegen die Seite des Wassers des Meeres. 27 Und er geht, bis er sich dem Westen von Freg nähert, und

er kehrt um nach Aserag und geht nach Osten nach dem Wasser des Meeres Meat. 28 Und er geht nach der Seite des Tinaflusses gegen

Nordosten, bis er sich der Grenze seiner Wasser nähert gegen das Gebirge von Rasa hin, und er geht herum nach Norden. 29 Dies ist das

Land, das für Japhet und für seine Kinder bei der Teilung seines Erbes herauskam, das er einnehmen sollte für sich und seine Kinder, für ihre

Geschlechter bis in Ewigkeit; fünf große Inseln und ein großes Land im Norden. 30 Jedoch es ist kalt; das Land des Ham aber ist Hitze, das

Land Sems aber ist weder Hitze, noch Kälte, sondern es ist gemischt aus Kälte und Wärme.

Die Gebiete der Söhne Hams, Sems und Japhets

1 Und Ham teilte unter seinen Söhnen, und es kam der erste Teil heraus für Kusch nach Osten, und der Westen davon für Mizraim, und der

Westen davon für Put, und der Westen davon für Kanaan und zwar westlich davon am Meere. 2 Sem aber teilte ebenfalls unter seinen

Söhnen, und der erste Teil kam heraus für Elam und für seine Söhne, gegen Osten vom Tigris-Flusse, bis er sich dem Osten des ganzen

Landes Indien nähert, und am erythräischen Meer an seiner Küste, und die Wasser von Dedan und das ganze Gebirge von Mebri und Ela und

das ganze Land Susa und alles, was an der Seite vom Pharnak bis zum erythräischen Meer und bis zum Tina-Flusse liegt. 3 Für Assur aber

kam heraus als zweiter Teil das ganze Land Assur und Nineve und Sinear und bis in die Nähe von Indien, und es steigt hinauf zum Flusse

Wadasa. 4 Und für Arpachsad kam heraus als dritter Teil das ganze Land des Gebiets der Kaldäer, gegen Osten vom Euphrat, der nahe dem

erythräischen Meer, und alle Wasser der Wüste bis nahe der Meereszunge, die nach Ägypten schaut, das ganze Land des Libanon und Sanir

und Amana bis in die Nähe des Euphrat. 5 Und für Aram kam heraus als vierter Teil das ganze Land Mesopotamien zwischen Tigris und

Euphrat, nördlich von den Kaldäern bis nahe zum Gebirge Assur und dem Land Arara. 6 Und für Lud kam heraus als fünfter Teil das

Gebirge Assur und alles, was dazu gehört, bis es sich dem großen Meere nähert, und sich gegen Osten seinem Bruder Assur nähert. 7 Und

Japhet teilte ebenfalls sein Erbland unter seine Söhne. 8 Und so kam der erste Teil heraus für Gomer gegen Osten, von der Nordseite her bis

zum Tina-Flusse. Und im Norden kamen für Magog heraus die ganzen inneren Gebiete des Nordens, bis man sich dem Meere Meat nähert. 9

Und für Madai kam als sein Teil heraus, daß er das Land vom Westen seiner beiden Brüder bis zu den Inseln und bis zu den Rändern der

Inseln einnehme. 10 Und für Javan kamen heraus als vierter Teil alle Inseln, und zwar die Inseln, die gegen die Seite des Lud hin liegen. 11

Und auch für Tubal kam als fünfter Teil heraus die Mitte der Zunge, die sich der Seite des Teiles Lubs nähert, bis zur zweiten Zunge, an das

jenseitige Ufer der zweiten Zunge, hinein in die dritte Zunge. 12 Und für Mesech kam heraus als sechster Teil das ganze jenseitige Uf er der

dritten Zunge, bis man gegen Osten von Gadir kommt. 13 Und für Tiras kamen als siebenter Teil heraus vier große Inseln mitten im Meer,

die sich dem Teile Hams nähern, und die Inseln von Kamaturi kamen für die Kinder des Arpachsad durch Verlosung als sein Erbe heraus. 14

Und so verteilten die Söhne Noahs unter ihren Kindern vor Noah, ihrem Vater, und er ließ sie alle schwören, indem er mit einem Fluche

jeden einzeln verfluchte, der einen Teil nehmen wollte, der nicht für ihn durch sein Los herausgekommen sei. 15 Und sie sprachen alle: Es

geschehe, es geschehe, für sich und für ihre Kinder bis in Ewigkeit in ihren Geschlechtern bis zum Tage des Gerichts, an dem sie Gott, der

Herr, mit Schwert und mit Feuer richtet wegen aller Bosheit der Unreinheit ihrer Vergehen, daß sie die Erde mit Verbrechen und Unreinheit

und Hurerei und Sünde angefüllt haben.

Verführung der Enkel Noahs durch böse Geister; Gebet Noahs. Der Fürst Masterna. Tod Noahs

1 Und in der dritten Jahrwoche dieses Jubiläums begannen unreine Dämonen die Kinder der Söhne Noahs zu verführen und sie zu betören

und zu verderben. 2 Und die Söhne Noahs kamen zu Noah, ihrem Vater, und sprachen zu ihm von den Dämonen, die seine Kindeskinder

verführten und blendeten und töteten. 3 Und er betete vor Gott, seinem Herrn, und sprach: Gott der Geister, die in allem Fleische sind, der du

an mir Barmherzigkeit geübt und mich und meine Kinder vor der Sintflut gerettet hast und mich nicht hast umkommen lassen, wie du den

Kindern des Verderbens getan hast - denn groß war deine Güte über mir, und groß war dein Erbarmen über meiner Seele -:erheben möge

sich deine Güte über meine Kindeskinder, und die bösen Geister mögen nicht über sie herrschen, damit sie sie nicht verderben hinweg von

der Erde. 4 Und du, segne mich und meine Kinder, daß wir wachsen und zahlreich seien und die Erde erfüllen. 5 Und du weißt, wie deine

Wächter, die Väter dieser Geister, in meinen Tagen gehandelt haben; und diese Geister, die im Leben sind - schließe sei ein und halte sie fest

am Orte der Verdammnis, damit sie nicht die Kindeskinder deines Knechtes verderben, mein Gott. Denn schaurig sind sie und sind

geschaffen, um zu verderben. 6 Und laß sie nicht herrschen über die Geister der Lebenden, denn du allein kennst ihr Gericht. Und laß sie

keine Gewalt haben über die Kinder der Gerechten von jetzt an und bis in Ewigkeit. 7 Und der Herr, unser Gott, befahl uns, daß wir sie alle

binden sollten. 8 Und der Fürst der Geister, Mastema, kam und sprach: 0 Herr, Schöpfer, laß einige von ihnen übrig vor mir, daß sie auf

meine Stimme hören und alles tun, was ich ihnen sage; denn wenn nicht für mich einige von unter ihnen übrig bleiben, kann ich die

Herrschaft meines Willens an den Menschenkindern nicht ausüben. Denn sie sind zum Verderben und zum Verführen vor meinem Gerichte;

denn groß ist die Bosheit der Menschenkinder. 9 Und er sprach: Es soll vor ihm der zehnte Teil von ihnen übrig bleiben, und neun Teile soll

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man hinabbringen an den Ort der Verdammnis. 10 Und zu einem von uns sagte er: Wir wollen Noah alle ihre Heilung lehren; denn er wußte,

daß sie nicht in Geradheit wandeln und nicht in Gerechtigkeit streiten würden. 11Und wir taten gemäß allen seinen Worten; alle Bösen, die

ungerecht waren, bannten wir an dem Orte der Verdammnis, und den zehnten Teil von ihnen ließen wir übrig, daß sie vor dem Satan auf der

Erde dienten. 12Und alle Heilung ihrer Krankheit sagten wir Noah samt ihren Verführungskünsten, damit er durch die Bäume der Erde heile.

13 Und Noah schrieb alles, wie wir es ihn gelehrt hatten, in ein Buch, über alle Arten der Heilungen, und die bösen Geister wurden

abgeschlossen von hinter den Kindern Noahs. 14 Und er gab alles, was er geschrieben hatte, Sem, seinem ältesten Sohne; denn ihn liebte er

am meisten von allen seinen Söhnen. 15Und Noah entschlief mit seinen Vätern und wurde auf dem Berge Lubar im Lande Ararat begraben.

16) 950 Jahre hatte er in seinem Leben vollendet, 19 Jubiläen und 2 Jahrwochen und 5 Jahre, 17) er, der in seinem Leben auf der Erde die

Menschenkinder an Gerechtigkeit, in der er vollkommen war, übertraf außer Henoch. Denn das Werk Henochs war geschaffen zum

Zeugnisse für die Geschlechter der Welt, auf daß er den Geschlechtern der Geschlechter alles Tun sagte bis zum Tage des Gerichts.

Der Turm zu Babel; die Sprachverwirrung

18 Und im 33. Jubiläum, im 1. Jahr in der 2. Jahrwoche, nahm sich Peleg ein Weib mit Namen Lomna, die Tochter Sinears, und sie gebar

ihm einen Sohn im 4. Jahre dieser Jahrwoche. Und er nannte seinen Namen Regu, denn er sagte: Siehe, die Menschenkinder sind böse

geworden durch den gottlosen Plan, sich im Lande Sinear eine Stadt und einen Turm zu bauen. 19 Denn sie wanderten aus dem Land Ararat

gen Osten in das Land Sinear. Denn in seinen Tagen bauten sie die Stadt und den Turm, indem sie sprachen: Kommt, wir wollen auf ihm in

den Himmel steigen! 20 Und sie fingen an zu bauen- und in der 4. Jahrwoche brannten sie Ziegel mit Feuer, und es dienten ihnen Ziegel als

Steine, und als Ton, womit sie tünchten, Asphalt, der aus dem Meere kommt und aus den Wasserquellen im Lande Sinear. 21 Und sie bauten

ihn; vierzig Jahre und drei Jahre bauten sie an ihm, Ziegel in der Breite waren 203 an ihm, und die Höhe eines Ziegels war das Drittel von

einem. 5433 Ellen stieg seine Höhe empor und 2 Handbreiten und 13 Stadien. 22 Und der Herr, unser Gott, sprach zu uns: Siehe, sie sind ein

Volk und haben zu handeln begonnen, und jetzt ist nichts mehr unerreichbar für sie. Kommt, laßt uns hinabsteigen und ihre Sprachen

zusammenschütten, daß keiner die Rede des andern verstehen Soll, und sie werden zerstreut werden in Städte und in Völker, und ein Sinn

wird nicht mehr unter ihnen herrschen bis zum Tage des Gerichts. 23 Und Gott stieg hinab, und wir stiegen mit ihm hinab, um die Stadt und

den Turm zu sehen, den die Menschenkinder gebaut hatten. 24 Und Gott schüttete ihre Sprachen zusammen, und keiner verstand mehr die

Rede des andern; und sie hörten nunmehr auf, die Stadt und den Turm zu bauen. 25 Und deswegen wurde das ganze Land Sinear Babel

genannt; denn hier schüttete Gott alle Sprachen der Menschenkinder zusammen, und von hier aus zerstreuten sie sich in ihre Städte, je nach

ihren Sprachen und je nach ihren Völkern. 26 Und Gott schickte einen heftigen Wind gegen den Turm und zerstörte ihn auf der Erde, und

siehe, er war zwischen Assur und Babilon im Lande Sinear; und man nannte seinen Namen Trümmer. 27 In der 4. Jahrwoche, im 1. Jahr in

seinem Anfang, im 34. Jubiläum wurden sie aus dem Lande Sinear zerstreut.

Die Kinder Noahs ziehen in die ihnen bestimmten Gebiete.

Kanaan nimmt, trotz des angedrohten Fluchs, unrechtmäßigerweise Palästina.

28 Und es gingen Ham und seine Kinder in das Land, das er erhalten hatte, das er durch seinen Anteil bekommen hatte, in das Südland. 29

Und Kanaan sah das Land des Libanon bis zum Flusse Ägyptens, daß es sehr schön war, und er ging nicht in das Land seines Erbes westlich

vom Meer, sondern wohnte im Lande des Libanon von Osten und von Westen, von der Seite des Jordans und von der Seite des Meers. 30

Und Ham, sein Vater, und Kusch und Mizraim, seine Brüder, sprachen zu ihm: Du wohnst in einem Lande, das nicht dein ist und das durch

die Lose nicht für uns herausgekommen ist. Tue nicht so! Denn wenn du so tust, so werdet ihr, du und deine Kinder, in dem Lande fallen,

und zwar als Verfluchte, durch eine Empörung; denn durch eine Empörung habt ihr euch niedergelassen, und durch eine Empörung werden

deine Kinder fallen, und du wirst ausgerottet werden in Ewigkeit. 31 Wohne nicht im Lande Sems; denn für Sem und für seine Kinder ist es

durch ihr Los herausgekommen. 12 Verflucht bist du und verflucht wirst du sein von allen Kindern Noahs durch den Fluch, zu dem wir uns

vor dem heiligen Richter und vor unserem Vater Noah eidlich verpflichtet haben. 33 Aber er hörte nicht auf sie und wohnte im Lande des

Libanon von Hamath bis zu dem Eingangspunkt Ägyptens, er und seine Söhne bis auf diesen Tag. 34 Und deswegen ist dies Land Kanaan

genannt. 35 Japhet aber und seine Kinder gingen nach dem Meere zu und wohnten im Land ihres Anteils und Madai sah das Land des Meers,

und es gefiel ihm nicht, und er erbat von dem Bruder seines Weibes einen Teil von Elam und Assur und Arpachsad und wohnte im Lande

Medekin nahe bei dem Bruder seines Weibes bis auf diesen Tag. 36 Und er nannte seine Wohnstätte und die Wohnstätte seiner Kinder

Medekin nach dem Namen ihres Vaters Madai.

Geschichte der Patriarchen von Regu bis Abraham. Die Verderbnis der Menschen.

1 Und im 35. Jubiläum, in der 3. Jahrwoche in ihrem 1. Jahre, nahm sich Regu ein Weib mit Namen Ora, die Tochter des Ur, des Sohnes des

Kesed, und sie gebar ihm einen Sohn und er nannte seinen Namen Seroch im 7. Jahre dieser Jahrwoche in diesem Jubiläum. 2 Und die Söhne

Noahs fingen an zu kämpfen, um einander gefangen zu nehmen und zu töten und Menschenblut auf der Erde zu vergießen und Blut zu essen

und feste Städte und Mauern und Türme zu bauen und einen Menschen über das Volk zu erheben und den Anfang des Königtums zu machen

und in den Krieg zu ziehen, Volk gegen Volk und Völker gegen Völker und Stadt gegen Stadt, und alles Böse zu tun und Waffen zu

erwerben und ihre Kinder den Krieg zu lehren. Und sie fingen an, Einwohner von Städten gefangen zu nehmen und sie als Sklaven und

Sklavinnen zu verkaufen. 3 Und Ur, der Sohn des Kesed, baute die Stadt Ara der Kaldäer und nannte ihren Namen nach seinem Namen und

dem Namen seines Vaters. 4 Und sie machten sich Gußbilder und beteten an, ein jeder den Götzen, den er für sich selbst als Gußbild

gemacht hatte. Und sie fingen an, Schnitzbilder und unreine Bildwerke zu machen, und die bösen Geister halfen und verführten sie, daß sie

Sünde und Unreinigkeit begingen. 5 Und der Fürst Mastema strengte sich an, dies alles zu tun, und er schickte andere Geister, die unter seine

Hand gegeben waren, um allerlei Übeltat und Sünde und alles Vergehen auszuführen, zu verderben und zu vernichten und Blut zu vergießen

auf der Erde.6 Und deswegen nannte er den Namen Serochs Serug, denn alles hatte sich abgewandt, um lauter Sünde und Vergehen zu tun. 7

Und er ward groß und wohnte in Ur der Kaldäer nahe bei dem Vater der Mutter seines Weibes und er betete die Götzen an. Und er nahm sich

ein Weib im 36. Jubiläum, in der 5. Jahrwoche in ihrem 1. Jahre, mit Namen Milka, die Tochter Kabers, die Tochter des Bruders seines

Vaters. 8 Und sie gebar ihm den Nahor im 1. Jahre dieser Jahrwoche, und er ward groß und wohnte in Ur der Kaldäer, und sein Vater lehrte

ihn die Lehre der Kaldäer, zu weissagen und zu zaubern nach den Zeichen des Himmels. 9 Und im 37. Jubiläum, in der 6. Jahrwoche in

ihrem 1. Jahre, nahm er sich ein Weib mit Namen Jiska, die Tochter Nestags von den Kaldäern. 10 Und sie gebar ihm den Tharah im 7. Jahre

dieser Jahrwoche. 11 Und der Fürst Mastema schickte Raben und Vögel, damit sie die Saat, die auf der Erde gesät war, fraßen, um die Erde

zu verderben, um den Menschenkindern den Ertrag ihrer Arbeit zu rauben. Ehe sie den Samen einpflügten, lasen ihn die Raben von der

Oberfläche der Erde auf. 12 Und deswegen nannte er seinen Namen Tharah, weil die Raben und die Vögel sie arm machten und ihnen ihren

Samen fraßen. 13 Und die Jahre fingen an, unfruchtbar zu werden wegen der Vögel, und alle Baumfrucht fraßen sie von den Bäumen - mit

großer Mühe geschah es, wenn sie ein wenig von aller Frucht der Erde in ihren Tagen retten konnten. 14 Und in diesen 39. Jubiläum, in der

2. Jahrwoche in ihrem 1. Jahre, nahm sich Tharah ein Weib mit Namen Edna, die Tochter des Abram, Tochter der Schwester seines Vaters.

15 Und im 7. Jahre dieser Jahrwoche gebar sie ihm einen Sohn, und er nannte seinen Namen Abram nach dem Namen des Vaters seiner

Mutter; denn er war gestorben, ehe seine Tochter mit einem Sohne schwanger ward.

Gotteserkenntnis und Wunderkraft des jungen Abraham.

16 Und der Knabe fing an, die Verirrung der Erde zu erkennen, wie alles hinter Schnitzwerken und hinter Unreinigkeit her irrte, und sein

Vater lehrte ihn die Schrift, als er zwei Jahrwochen alt war, und er trennte sich dann von seinem Vater, um nicht mit ihm die Götzen

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anzubeten. 17 Und er fing an, vor dem Allschöpfer zu beten, daß er ihn von der Verirrung der Menschenkinder errette, und daß sein Los

nicht in der Verirrung hinter Unreinigkeit und Greuel her falle. 18Und es kam die Zeit der Aussaat, um das Land zu besäen, und sie zogen

alle zusammen hinaus, um ihre Saat vor den Raben zu schützen, und Abraham zog hinaus mit den anderen, die hinauszogen, und der Knabe

war 14 Jahre alt. 19 Und eine Wolke von Raben kam, um den Samen zu fressen, und Abram lief ihnen entgegen, ehe sie sich auf die Erde

setzten, und schrie sie an, ehe sie sich auf die Erde setzten, um den Samen zu fressen, und sagte: »Kommt nicht herab, kehrt zurück an den

Ort, von wo ihr ausgegangen! « und da kehrten sie um. 20 Und an diesem Tage kehrten die Wolken der Raben siebzig Mal zurück; aber es

blieb von allen Raben auf irgend einem Felde, wo Abram war, nicht ein einziger. 21 Und alle, die mit ihm waren auf allen Feldern, sahen

ihn, wie er schrie, und alle Raben umkehrten, und sein Name war groß im ganzen Lande der Kaldäer. 22 Und in diesem Jahre kamen alle, die

säen wollten, zu ihm und er ging mit ihnen, bis die Erntezeit zu Ende war, und sie besäten ihr Land und brachten in diesem Jahre genügend

Korn ein, und sie aßen und wurden satt. 23 Und im 1. Jahre der 5. Jahrwoche belehrte Abram die, welche die Geräte für das Zugvieh machten,

die Holzkünstler, und sie machten ein Gefäß über der Erde gegenüber dem Krummholz des Pflugs, um darauf den Samen zu legen, und

der Same daraus fiel auf das Ende des Pflugs und wurde in der Erde geborgen, und sie fürchteten sich nicht mehr vor den Raben. 24 Und so

machten sie an allen Krummhölzern der Pflüge ein Gefäß über der Erde und säten und bearbeiteten alles Land, wie sie Abram geheißen

hatte, und fürchteten sich nicht mehr vor den Vögeln.

Abraham sucht seinen Vater zu bekehren. Die Familie Tharahs. Abraham verbrennt die Götzen. Tod Harans

1 Und es geschah in der 6. Jahrwoche in ihrem 7. Jahre, da sagte Abram zu Tharah, seinem Vater, indem er sprach: Vater! und er sagte: Hier

bin ich, mein Sohn! 2 Und er sagte: Was für Hilfe und Vorteil kommt uns von diesen Götzen, die du verehrst und vor denen du niederfällst?

3 Denn in ihnen ist kein Geist, sondern sie sind stumm, und eine Verirrung des Herzens sind sie; verehrt sie nicht! 4 Verehrt den Gott des

Himmels, der Regen und Tau auf die Erde herabbringt und alles auf der Erde macht und alles durch sein Wort geschaffen hat, und von

dessen Angesicht alles Leben ausgeht! 5 Weshalb verehrt ihr die, in denen kein Geist ist? Denn sie sind der Hände Werk, und auf euren

Schultern tragt ihr sie, und von ihnen kommt euch keine Hilfe, sondern große Schmach denen, die sie machen, und Verirrung des Herzens

denen, die sie verehren; verehrt sie nicht! 6 Und sein Vater sprach zu ihm: Auch ich weiß es, mein Sohn; aber was soll ich mit dem Volke

machen, das mich gezwungen hat, vor ihnen zu dienen? 6 Und wenn ich ihnen die Wahrheit sage, so töten sie mich. Denn ihre Seele folgt

ihnen, daß sie sie verehren und preisen; schweig, mein Sohn, damit sie dich nicht töten! 8Und er sagte diese Rede seinen beiden Brüdern,

und sie zürnten auf ihn, und er schwieg. 9Und im 40. Jubiläum, in der 2. Jahrwoche, in ihrem 7. Jahre nahm sich Abram ein Weib mit Namen

Sora, die Tochter seines Vaters, und sie ward ihm zum Weibe. 10 Und sein Bruder Haran nahm sich ein Weib im 3. Jahre der 3. Jahrwoche

und sie gebar ihm einen Sohn im 7. Jahre dieser Jahrwoche, und er nannte seinen Namen Lot. 11 Und sein Bruder Nahor nahm sich ein

Weib. 12 Und im 60. Jahre des Lebens Abrams, das ist die 4. Jahrwoche, in ihrem 4. Jahre, erhob sich Abram bei Nacht und verbrannte das

Haus der Götzen und verbrannte alles, was in dem Hause war, und es war kein Mensch, der es wußte. 13 Und sie erhoben sich bei Nacht und

wollten ihre Götter mitten aus dem Feuer retten. 14 Und Haran eilte herbei, um sie zu retten, aber das Feuer brannte über ihm. Und er

verbrannte im Feuer und starb in Ur der Kaldäer vor Tharah, seinem Vater, und sie begruben ihn in Ur der Kaldäer.

Familie Tharahs in Haran. Abrahams dortige Erlebnisse; sein Zug nach Kanaan

15 Und Tharah ging fort aus Ur der Kaldäer, er und seine Söhne, um in das Land des Libanon und ins Land Kanaan zu kommen, und er

wohnte im Lande Haran, und Abram wohnte mit Tharah, seinem Vater, zwei Jahrwochen in Haran. 16 Und in der 6. Jahrwoche, in ihrem 5.

Jahre, saß Abram bei Nacht, am Neumonde des 7. Monats, um die Sterne zu beobachten vom Abend bis zum Morgen, um zu sehen, wie es in

diesem Jahr mit den Regenschauern sein werde, und er war allein, als er saß und beobachtete. 17 Und ein Wort kam in sein Herz und sagte:

Alle Zeichen der Sterne und die Zeichen der Sonne und des Mondes, alle sind in der Hand Gottes -wozu erforsche ich sie? 18Wenn er will,

läßt er regnen, zu jeder Zeit; und wenn er Will, läßt er Regen nicht herabkommen, und alles ist in seiner Hand. 19 Und er betete in dieser

Nacht und sprach: Mein Gott, höchster Gott, du allein bist mir Gott und du hast alles geschaffen, und deiner Hände Werk ist alles, was ist,

und dich und dein Reich habe ich erwählt. 20 Rette mich aus der Hand der bösen Geister, die über die Gedanken des Menschenherzens

herrschen, und laß sie mich nicht in die Irre führen von dir hinweg, mein Gott, und mach, daß ich und mein Same in Ewigkeit nicht in die

Irre gehen, von jetzt an und bis in Ewigkeit! 21 Und er sprach: Soll ich zurückkehren nach Ur der Kaldäer, die mein Antlitz suchen, daß ich

zu ihnen zurückkehre, oder soll ich hier bleiben an diesem Ort? Den rechten Weg, ihn laß gedeihen in der Hand deines Knechtes, daß er

danach tue, und ich nicht in der Verirrung meines Herzens wandle, mein Gott! 22 Und er vollendete die Rede und das Gebet, und siehe, das

Wort Gottes ward durch mich zu ihm geschickt, indem er sprach: Komm du aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem

Hause deines Vaters in ein Land, das ich dir zeigen werde, und ich werde dich zu einem großen und zahlreichen Volke machen. 23 Und ich

werde dich segnen und deinen Namen groß machen, und du wirst gesegnet sein auf der Erde, und in dir werden alle Völker der Erde

gesegnet werden; und die dich segnen, die werde ich segnen, und die dich verfluchen, die werde ich verfluchen. 24 Und ich werde dir und

deinem Sohn und dem Sohne deines Sohnes und all' deinem Samen Gott sein. Fürchte dich nicht: von jetzt an und bis auf alle Generationen

der Erde bin ich dein Gott! 25 Und Gott, der Herr, sprach zu mir: Öffne seinen Mund und seine Ohren, daß er höre und mit seinem Munde

spreche in der Sprache, die offenbart wird; denn verschwunden ist sie aus dem Mund aller Menschenkinder seit dem Tage des Falls. 26 Und

ich öffnete seinen Mund und seine Lippen und fing an, auf hebräisch mit ihm zu reden, in der Sprache der Schöpfung. 27 Und er nahm die

Bücher seiner Väter, und sie waren hebräisch geschrieben, und er schrieb sie ab und fing von da ab an, sie zu lernen, und ich tat ihm alles

kund, was er nicht verstand, und er lernte sie in den sechs Regenmonaten. 28Und es geschah im 7. Jahre der 6. Jahrwoche, da redete er mit

seinem Vater und tat ihm kund, daß er Haran verlassen werde, um in das Land Kanaan zu gehen, daß er es sehe, um dann zu ihm

zurückzukehren. 29Und sein Vater Tharah sprach zu ihm: Geh in Frieden! Der ewige Gott leite deinen Weg und Gott sei mit dir und schütze

dich vor allem Bösen und er gebe dir Güte und Erbarmen und Gnade vor denen, die dich sehen, und kein Menschenkind möge Macht über

dich bekommen, Böses an dir zu tun; geh in Frieden! 30 Und wenn du ein Land siehst, das deinen Augen gefällt, in ihm zu wohnen, komm

und nimm mich mit dir und nimm Lot mit dir, den Sohn deines Bruders Haran, dir zum Sohne; Gott sei mit dir! 31 Und deinen Bruder Nahor

laß bei mir, bis du in Frieden zurückkehrst, und wir alle zusammen mit dir ziehen werden.

Abraham mit Lot in Kanaan und Ägypten. Abraham trennt sich von Lot

1 Und Abram ging aus Haran und nahm die Sorai, sein Weib, und Lot, den Sohn seines Bruders Haran, mit nach dem Lande Kanaan und er

kam nach Assur und zog bis nach Sichern und wohnte bei einer hohen Eiche. 2 Und er sah, wie das Land sehr schön war von dem

Eingangspunkte bei Hamath bis zu der hohen Eiche. 3 Und Gott sprach zu ihm: Dir und deinem Samen werde ich dieses Land geben! 4 Und

er erbaute hier einen Altar und brachte auf ihm dem Gotte, der ihm erschienen war, ein Ganzopfer dar. 5 Und er brach auf von dort nach dem

Gebirge Bethel, das er gegen Westen hatte und Ai gegen Osten, und schlug hier sein Zelt auf. 6 Und er sah, wie das Land sehr weit und gut

war, und alles in ihm sproßte: Weinstöcke und Feigen und Granatäpfel, der Baum Balan und Ders und Terebinthen und Ölbäume und Cedern

und Cypressen und Libanosbäume und alle Bäume des Feldes, und Wasser war auf den Bergen. Und er pries den Gott, der ihn aus Ur der

Kaldäer herausgeführt und in dieses Land gebracht hatte. 8 Und es geschah im 1. Jahre in der 7. Jahrwoche am Neumonde des ersten Monats,

da baute er einen Altar auf diesem Berg und rief den Namen Gottes an: Du, mein Gott, bist der ewige Gott! 9 Und er brachte auf dem Altare

Gott ein Ganzopfer dar, daß er mit ihm sei und ihn nicht verlassen möge alle Tage seines Lebens. 10 Und er brach von dort auf und ging

nach Süden und kam nach Hebron, und Hebron war damals erbaut, und er wohnte dort zwei Jahre und ging nach dem Südlande bis Boa-Lot,

und es herrschte Unfruchtbarkeit auf der Erde. 11 Und Abram ging nach Ägypten im 3. Jahre der Jahrwoche und wohnte in Ägypten fünf

Jahre, ehe ihm sein Weib geraubt wurde. 12 Und Tanais von Ägypten wurde damals gebaut, im 7. Winter nach Hebron. 13 Und es geschah,

als Pharao die Sorai, das Weib Abrams, geraubt hatte, züchtigte Gott den Pharao und sein Haus mit großer Züchtigung wegen der Sora, des

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Weibes Abrams. 14 Und Abram war sehr begütert an Schafen und Rindern und Eseln und Pferden und Kamelen und Knechten und Mägden

und an Silber und Gold gar sehr, und auch Lot, der Sohn seines Bruders, war begütert. 15 Und Pharao brachte die Sora, das Weib Abrams,

zurück und ließ ihn fortziehen aus Ägyptenland, und er ging zu dem Orte, wo er sein Zelt zuerst aufgeschlagen hatte an dem Orte des Altars,

wo er Ai im Osten und Bethel im Westen hatte, und er pries den Herrn, seinen Gott, der ihn in Frieden zurückgeführt hatte. 16 Und es

geschah im 41. Jubiläum, im 3. Jahre der 1. Jahrwoche, da kehrte er an diesen Ort zurück und brachte auf ihm ein Ganzopfer dar und rief den

Namen Gottes an und sprach: Du bist der höchste Gott, mein Gott in alle Ewigkeit! 17 Und im 4. Jahre dieser Jahrwoche trennte sich Lot von

ihm, und Lot wohnte in Sodom, und die Leute von Sodom waren große Sünder >und handelten böse in ihrem Herzen ... " 18 Und er war betrübt<,

daß sich der Sohn seines Bruders von ihm getrennt hatte; denn er hatte keine Kinder. 19 In diesem Jahre, als Lot gefangen weggeführt

wurde, sprach Gott zu Abram, nachdem sich Lot von ihm getrennt hatte, im 4. Jahre dieser Jahrwoche, und sagte zu ihm: Hebe deine Augen

von dem Orte, wo du dich befindest, gegen Norden und Süden und Westen und Osten. 20 Denn alles Land, das du siehst, werde ich dir und

deinem Samen geben für ewig und ich werde deinen Samen zahlreich machen wie den Sand des Meeres; wenn auch ein Mensch den Sand

der Erde zählen kann, so soll doch dein Same nicht gezählt werden. 21 Erhebe dich, geh in seine Länge und seine Breite und sieh alles; denn

deinem Samen werde ich es geben! Und Abram ging nach Hebron und wohnte dort.

Der Feldzug des Kedorlaomer

22 Und in diesem Jahre kam Kedorlaomer, der König von Elam, und Amraphel, der König von Sinear, und Arioch, der König von Selasar,

und Tergal, der König der Völker, und sie töteten den König von Gomorra, und es floh der König von Sodom, und viele fielen durch

Verwundung im Tale Siddim am Salzmeer. 21 Und sie eroberten Sodom und Adam und Zeboim und nahmen auch Lot, den Sohn des

Bruders Abrams, gefangen und all' seinen Besitz und zogen bis nach Dan. 24 Und es kam einer, der sich gerettet hatte, und sagte dem

Abram, daß der Sohn seines Bruders gefangen Sei. 25 Und ein Sklave seines Hauses bereitete ... über Abram und über seinen Samen den

Zehnten der Erstlinge Gottes, und Gott bestimmte ihn zu einer Satzung für ewig, daß sie ihn den Priestern, die vor ihm dienten, geben

sollten, damit sie ihn in Ewigkeit erhielten. 26 Und dieses Gesetz hat keine Beschränkung der Tage, sondern für ewige Geschlechter hat er es

angeordnet, daß sie den Zehnten von allem Gott gäben, von der Saat und vom Wein und vom Öl und von den Kindern und von den Schafen.

27 Und er gab seinen Priestern zu essen und zu trinken in Freuden vor ihm. 28 Und der König von Sodom kam zu ihm und fiel vor ihm

nieder und sprach: Unser Herr Abram, schenke uns die Seelen, die du gerettet hast; die Beute aber sei dein! 29Und Abram sprach zu ihm: Ich

erhebe meine Hände zum höchsten Gott: weder einen Faden noch einen Schuhriemen werde ich von allem, was dein ist, nehmen, damit du

nicht sagen könntest: Ich habe den Abram bereichert! Indes nur, was die Jünglinge gegessen haben, und der Anteil der Männer, die mit mir

gegangen sind, Aunan, Eskol und Mamre - die werden ihren Teil nehmen.

Der Bund Jahwes mit Abraham

1 Und nach diesen Dingen im 4. Jahre dieser Jahrwoche am Neumonde des 3. Monats erging das Wort Gottes an Abram im Traum, indem er

sprach: Fürchte dich nicht, Abram; ich bin dein Schützer, und dein Lohn wird gar reichlich sein. 2 Und er sprach: Herr, Herr, was wirst du

mir geben, während ich doch ohne Kinder einhergehe, und der Sohn der Masek, der Sohn meiner Sklavin, das ist Damaskus, Elieser, der

wird mich beerben; mir aber hast du keinen Samen gegeben! 3 Und er sprach zu ihm: Dieser wird dich nicht beerben, sondern einer, der von

deinem Leibe kommen wird, der wird dich beerben! 4 Und er führte ihn hinaus und sprach zu ihm: Schaue zum Himmel und zähle die

Sterne, ob du sie zu zählen vermagst! 5 Und er schaute den Himmel an und sah die Sterne, und er sprach zu ihm: So soll dein Same sein! 6

Und er glaubte Gott, und es ward ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. 7 Und er sprach zu ihm: ich bin der Gott, der dich aus Ur der Kaldäer

herausgeführt hat, damit ich dir das Land der Kanaaniter gäbe, es in Ewigkeit zu besitzen, und ich werde dir Gott sein und deinem Samen

nach dir. 8 Und er sprach: Herr, Herr, woran werde ich es erkennen, daß ich es erben werde? 9Und er sprach zu ihm: Nimm mir ein

dreijähriges Rind und eine dreijährige Ziege und ein dreijähriges Schaf und eine Turteltaube und eine Taube. 10 Und er nahm diese alle in

der Mitte des Monats, während er bei der Eiche von Mamre, die nahe bei Hebron ist, wohnte. 11 Und er erbaute hier einen Altar und

schlachtete diese alle und goß ihr Blut auf den Altar und teilte sie in der Mitte und legte sie darauf einander gegenüber; aber die Vögel

zerteilte er nicht. 12 Und Vögel kamen herab auf das Ausgebreitete, und Abram verscheuchte sie und ließ die Vögel sie nicht anrühren. 13

Und es geschah bei Sonnenuntergang, da befiel den Abram Furcht, und siehe, ein Schrecken, dichte Finsternis befiel ihn, und es wurde zu

Abrarn gesagt: Wisse wohl, daß dein Same Fremdling sein wird in einem fremden Land, und daß sie sie unterwerfen und bedrücken werden

400 Jahre. 14 Die Leute aber, denen sie unterworfen sein werden, die werde ich richten, und danach werden sie von dort ausziehen mit

großem Besitz. 15 Und du wirst in Frieden zu deinen Vätern gehen und wirst begraben werden in schönem Alter. 16 Und in der vierten

Generation werden sie hierher zurückkehren; denn die Sünde der Amoriter ist bis jetzt noch nicht voll. 17 Und er erwachte aus seinem Schlaf

und erhob sich, und die Sonne war untergegangen; und es entstand eine Flamme, und siehe, ein Ofen rauchte, und eine Feuerflamme ging

mitten durch das Ausgebreitete. 18 Und an diesem Tage schloß Gott einen Bund mit Abram, indem er sprach: Deinem Samen werde ich

dieses Land geben vom Strome Ägyptens bis zum großen Strome, dem Euphratstrome, die Keniter, die Kenissiter, die Kadmoniter, die

Pheresiter, die Rephaiter, die Phakoriter, die Heviter, die Amoriter, die Kanaaniter, die Girgasiter und die Jebusiter. 19 Und dieser Tag ging

hin, und Abram brachte die ausgebreiteten Stücke und die Vögel und das zu ihnen gehörende Frucht- und Trankopfer dar, und das Feuer verzehrte

sie. 20 Und an diesem Tage schlossen wir einen Bund mit Abram, wie wir ihn in diesem Monate mit Noah geschlossen hatten, und

Abram erneuerte das Fest und die Satzung für sich bis in Ewigkeit.

Hagar gebiert Abraham den Ismael

21 Und Abram freute sich und tat dieses alles der Sora, seinem Weibe, kund, und er glaubte, daß ihm Same zuteil werden würde; sie aber

gebar nicht. Und Sora riet Abram, ihrem Manne, und sprach zu ihm: Geh ein zur Hagar, meiner ägyptischen Magd; vielleicht, daß ich dir aus

ihr Nachkommenschaft erwecke ! 23 Und Abram hörte auf das Wort der Sora, seines Weibes, und sprach zu ihr: Tue so! Und Sora nahm die

Hagar, ihre ägyptische Magd, und gab sie Abram, ihrem Manne, daß sie ihm zum Weibe sei. 24Und er ging zu ihr ein, und sie ward

schwanger und gebar einen Sohn, und er nannte seinen Namen Ismael im 5. Jahre dieser Jahrwoche; und das war das 86. Jahr im Leben

Abrams.

Feier des Festes der Erstlinge der Getreideernte. Die Beschneidung.

Verheißung der Geburt Isaaks Beschneidungsgebot für Israel.

1 Und im 5. Jahre der 4. Jahrwoche dieses Jubiläums, im 3. Monat in der Mitte des Monats, feierte Abram das Fest der Erstlinge der

Getreideernte. Und er brachte als ein neues Opfer auf dem Altare Gott die Erstlingsfrüchte dar: ein Rind und einen Widder und ein Schaf auf

dem Altar als ein Ganzopfer für Gott; das zu ihnen gehörende Frucht- und Trankopfer brachte er auf dem Altare mit Weihrauch dar. 3 Und

Gott erschien dem Abram und sprach zu ihm: Ich bin der Gott Saddai; und erwirb Gefallen vor mir und sei vollkommen. 4 Und ich werde

meinen Bund machen zwischen mir und zwischen dir und werde dich sehr groß machen. 5 Und Abram fiel auf sein Angesicht, und Gott

redete mit ihm und sprach: 6 Siehe, meine Ordnung ist mit dir, und du wirst ein Vater vieler Völker sein. 7 Und dein Name soll nicht mehr

Abram genannt werden, sondern dein Name sei von jetzt an und bis in Ewigkeit Abraham; denn zum Vater vieler Völker habe ich dich

gemacht. 8 Und ich werde dich sehr groß machen und dich zu Völkern machen, und Könige werden aus dir hervorgehen. 9 Und ich werde

meinen Bund aufrichten, zwischen mir und zwischen dir und zwischen deinen Samen nach dir, in ihren Geschlechtern, zu einer ewigen

Ordnung, daß ich dir Gott sei und deinem Samen nach dir. 10 Und ich werde dir und deinem Samen nach dir das Land geben, wo du als

Fremdling geweilt hast, das Land Kanaan, das du in Ewigkeit beherrschen wirst, und ich werde ihnen Gott sein. 11 Und Gott sprach zu

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Abraham: Du aber wahre meinen Bund, du und dein Same nach dir, und beschneidet euch alles Männliche unter euch und beschneidet euch

eure Vorhaut! Und das wird ein Zeichen des ewigen Bundes zwischen mir und zwischen euch sein. 12 Und die Kinder sollt ihr am achten

Tage beschneiden, alles Männliche nach euren Geschlechtern, den Sohn des Hauses und wen ihr um Geld erkauft habt von allen Kindern der

Fremde, den ihr erworben habt, der nicht aus deinem Samen stammt. 13 Beschnitten soll werden der Sklave deines Hauses, und die du um

Geld erkauft hast, sollen beschnitten werden, und mein Bund wird an eurem Fleische sein zu einer Ordnung für ewig. 14 Und ein

unbeschnittener Mann, der am Fleische seiner Vorhaut nicht beschnitten ist am achten Tage, - diese Seele soll ausgerottet werden aus ihrer

Verwandtschaft; denn meinen Bund hat er gebrochen. 15 Und Gott sprach zu Abraham: Sora, dein Weib, - ihr Name soll nicht mehr Sora

genannt werden, sondern Sara soll ihr Name sein. 16 Und ich werde sie segnen und werde dir aus ihr einen Sohn geben und ich werde ihn

segnen, und er wird zu einem Volke werden, und Könige von Völkern werden von ihm abstammen. 17 Und Abraham fiel auf sein Angesicht

und freute sich und sprach in seinem Herzen: Sollte einem Hundertjährigen noch ein Sohn geboren werden, und sollte auch Sara, die 90

Jahre alt ist, noch gebären? 18 Und Abraham sprach zu Gott: 0 daß doch Ismael vor dir am Leben bliebe! 19 Und Gott sprach: ja! aber auch

Sara wird dir einen Sohn gebären, und du wirst seinen Namen Isaak nennen, und ich werde meinen Bund mit ihm aufrichten als einen ewigen

Bund, und für seinen Samen nach ihm. 20 Und was Ismael betrifft, habe ich dich erhört, und siehe, ich werde ihn segnen und ihn zu einem

großen Volke machen. 21 Aber meinen Bund werde ich aufrichten in Isaak, den dir Sara in diesen Tagen im folgenden Jahre gebären wird.

12Und als er aufgehört hatte, mit ihm zu reden, da fuhr Gott auf von über Abraham. 23 Und Abraham tat, wie Gott zu ihm gesagt hatte. Und

er nahm Ismael, seinen Sohn, und alle Sklaven seines Hauses und auch die er um Geld erkauft hatte, alles Männliche, das in seinem Hause

war, und beschnitt das Fleisch ihrer Vorhaut. 24 Und zur Zeit dieses Tags wurde Abraham beschnitten, und alle Leute seines Hauses und die

Sklaven seines Hauses und auch alle, die er von den Kindern der Fremden um Geld erkauft hatte, wurden mit ihm beschnitten. 25 Dies

Gesetz gilt für alle Geschlechter der Ewigkeit, und es gibt keine Beschneidung der Tage, und es gibt keine Übertretung eines Tags von den

acht Tagen; sondern eine ewige Ordnung ist es, angeordnet und geschrieben auf den himmlischen Tafeln. 26 Und alles Geborene, das an dem

Fleische seiner Scham nicht beschnitten ist bis zum achten Tage, gehört nicht zu den Kindern des Bundes, den Gott mit Abraham

geschlossen hat, sondern von den Kindern des Verderbens ist er; und an ihm ist nicht mehr das Zeichen, daß er Gott gehört, sondern er

verfällt dem Verderben und der Vernichtung von der Erde und der Ausrottung von der Erde, weil er den Bund des Herrn, unseres Gottes,

gebrochen hat. 27 Denn alle Engel des Angesichts und alle Engel der Heiligung - dies ist ihre Natur vom Tage ihrer Schöpfung an, und in

Gegenwart der Engel des Angesichts und der Engel der Heiligung hat er Israel geheiligt, daß sie mit ihm seien und mit seinen heiligen

Engeln. 28 Du aber, gebiete den Kindern Israel, daß sie das Zeichen dieses Bundes bewahren sollen für ihre Geschlechter als eine ewige

Ordnung, und dann werden sie nicht ausgerottet werden von der Erde. 29 Denn das Gebot ist angeordnet für den Bund, daß sie ihn in

Ewigkeit bewahren über allen Kindern Israel. 30 Denn den Ismael und seine Kinder und seine Brüder und den Esau hat sich Gott nicht nahe

gebracht und hat sie nicht erwählt, weil sie Kinder Abrahams sind, weil er sie kennt; Israel aber hat er erwählt, daß es ihm zum Volke sei. 31

Und er hat es geheiligt und aus allen Menschenkindern gesammelt; denn viel sind die Völker und zahlreich die Leute, und sie alle gehören

ihm, und er hat den Geistern Macht über alle gegeben, damit sie sie von hinter ihm abirren machten. 12 Über Israel aber hat er keinem Engel,

noch Geiste Macht gegeben; sondern er allein ist ihr Herrscher und er behütet sie und fordert sie für sich aus der Hand seiner Engel und aus

der Hand seiner Geister und aus der hand aller seiner Mächte, damit er sie behüte und sie segne, und sie ihm gehören, und er ihnen gehöre

von jetzt an und bis in Ewigkeit. 33 jetzt aber verkünde ich dir, daß die Kinder Israel gegen diese Ordnung treulos sein und ihre Kinder nicht

beschneiden werden gemäß diesem ganzen Gesetze; denn an dem Fleisch ihrer Beschneidung werden sie bei der Beschneidung ihrer Söhne

Unterlassung begehen, und alle Söhne Beliars werden ihre Söhne ohne Beschneidung lassen, wie sie geboren sind. 34 Und es wird ein Zorn

ausgehen über die Kinder Israel, ein großer von bei Gott, weil sie seinen Bund verlassen haben und von seinem Wort abgewichen sind und

ihn zum Zorne gereizt und gelästert haben, indem sie die Ordnung dieses Gesetzes nicht halten; denn sie haben ihre Glieder gemacht wie die

Heiden, so daß sie vertrieben und ausgerottet werden von der Erde. Und sie haben keinen Erlaß und keine Vergebung mehr, so daß ihnen

vergeben und erlassen würde von aller Sünde dieser Verirrung in Ewigkeit.

Die Engel erscheinen bei Abraham in Hebron. Isaak wird nochmals verheißen.

Die Zerstörung Sodoms. Lots Errettung und Verbrechen

1 Und am Neumond des 4. Monats erschienen wir dem Abraham bei der Eiche von Mamre, und wir redeten mit ihm und taten ihm kund, daß

ihm aus der Sara, seinem Weibe, ein Sohn gegeben werden würde. 2 Und Sara lachte, da sie hörte, daß wir dieses Wort mit Abraham

redeten, und wir schalten sie, und sie fürchtete sich und leugnete, daß sie über das Wort gelacht habe. 3 Und wir sagten ihr den Namen ihres

Sohnes, wie sein Name auf den himmlischen Tafeln festgesetzt und geschrieben steht, Isaak. 4 Und wann wir zur bestimmten Zeit zu ihr

zurückkehren würden, dann hätte sie einen Sohn empfangen. 5 Und in diesem Monate vollzog Gott das Gericht über Sodom und Gomorrha

und Zeboim und das ganze Jordanland und verbrannte sie mit Feuer und Schwefel und vernichtete sie bis auf diesen Tag, wie ich dir all' ihr

Tun kund getan habe, wie sie ungerecht und sehr sündhaft seien und sich verunreinigten und mit ihrem Leibe hurten und Unreines auf der

Erde taten. 6 Und ebenso wird Gott das Gericht vollziehen an Orten, wo sie nach der Unreinigkeit Sodoms gehandelt haben, gemäß dem

Gericht über Sodom. 7 Und Lot sollten wir retten; denn Gott gedachte des Abrahams und führte ihn mitten aus der Zerstörung heraus. 8 Aber

auch er und seine Töchter taten eine Sünde auf der Erde, die noch nicht auf der Erde geschehen war von den Tagen Adams bis zu jener Zeit;

denn der Mann schlief bei seinen Töchtern. 9Und siehe, es wurde über all' seinen Samen auf den himmlischen Tafeln geboten und

eingegraben, sie hinwegzuraffen und sie auszurotten und das Gericht an ihnen zu vollziehen gemäß dem Gericht über Sodom und ihm keinen

menschlichen Samen auf der Erde übrigzulassen am Tage des Gerichts.

Abraham beim Brunnen des Schwurs. Geburt Isaaks Einsetzung und Feier des Laubhüttenfestes.

10 Und in diesem Monate zog Abraham von Hebron fort und ging und wohnte zwischen Kades und Sur auf dem Gebirge Gerar. 11 Und in

der Mitte des 5. Monats zog er von hier fort und wohnte beim Brunnen des Schwurs. 12 Und in der Mitte des 6. Monats suchte Gott die Sara

heim und tat ihr, wie er gesagt. 13 Und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn im 3. Monat, und zwar in der Mitte des Monats, in den

Tagen, die Gott zu Abraham gesagt hatte; am Feste der Ernteerstlinge wurde Isaak geboren. 14 Und Abraham beschnitt seinen Sohn am achten

Tage; er wurde zuerst beschnitten gemäß dem Bunde, der für ewig festgesetzt ist. 15 Und im 6. Jahre der 4. Jahrwoche kamen wir zu

Abraham beim Brunnen des Schwurs und erschienen ihm, wie wir zu Sara gesagt, daß wir zu ihr zurückkehren würden, während sie einen

Sohn empfangen hätte. 16 Und wir kehrten um im 7. Monat und fanden Sara schwanger vor uns. Und wir segneten ihn und verkündeten ihm

alles, was über ihn beschlossen war, daß er nicht eher sterben werde, als bis er noch sechs Söhne gezeugt haben werde, und er werde sie

sehen, ehe er sterbe, aber in Isaak werde ihm Namen und Same genannt werden. 17 Und aller Same seiner Söhne werde zu Völkern werden,

und sie würden zu den Völkern gerechnet werden, und von den Söhnen Isaaks werde einer zu einem heiligen Samen werden und werde auch

nicht unter die Völker gerechnet werden. 18 Denn ein Erbteil des Höchsten werde er sein, und unter das, was Gott besitzt, sei all' sein Same

herabgekommen, damit er Gott zu einem Volke des Erbes sei vor allen Völkern und damit er ein priesterliches Königtum und ein heiliges

Volk sei. 19 Und wir gingen unseren Weg und verkündeten der Sara alles, was wir ihm gesagt hatten, und die beiden hatten sehr große

Freude. 20 Und er baute hier einen Altar dem Gotte, der ihn gerettet hatte, und dem, der ihn erfreute im Lande seiner Fremdlingschaft, und er

feierte ein Freudenfest in diesem Monate sieben Tage in der Nähe des Altars, den er beim Brunnen des Schwurs erbaut hatte. 21 Und er

baute Hütten für sich und für seine Knechte an diesem Fest und feierte als erster das Fest der Hütten auf der Erde. 22 Und in diesen sieben

Tagen opferte er an jedem einzelnen Tag auf dem Altar ein Ganzopfer für Gott, zwei Kinder (?), zwei Widder, sieben Schafe, einen

Ziegenbock wegen der Sünde, damit er dadurch sich und seinen Samen sühne. 23 Und zum Heilsopfer sieben Widder und sieben Böcke und

auch die zu ihnen gehörenden Frucht- und Trankopfer, und all' ihr Fett räucherte er auf dem Altar, ein auserwähltes Opfer für Gott zu

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schönem Geruche. 24 Und am Morgen und Abend räucherte er als Räucherwerk Weihrauch, Galbanum und Styrax und Narden und Myrrhen

und Ähren und Costus; all' diese sieben opferte er zerstoßen, gleich, gleichmäßig gemischt, rein. 25 Und er feierte dieses Fest sieben Tage,

indem er sich mit seinem ganzen Herzen und mit seiner ganzen Seele freute, er und alle, die in seinem Hause waren, und es war kein

Fremder mit ihm, noch irgend einer, der nicht beschnitten war. 26 Und er pries seinen Schöpfer, der ihn geschaffen hatte, in seinem

Geschlechte. Denn nach seinem Gutdünken hatte er ihn erschaffen; denn er wußte und erkannte, daß von ihm die Pflanze der Gerechtigkeit

für ewige Geschlechter, und von ihm ein heiliger Same ausgehen würde, daß er sei wie der, welcher alles gemacht hat. 27 Und er pries und

freute sich und nannte den Namen dieses Festes Fest Gottes, Freude des Wohlgefallens des höchsten Gottes. 28 Und wir segneten ihn für

ewig und seinen Samen nach ihm in allen Geschlechtern der Erde, weil er dieses Fest zu seiner Zeit feierte gemäß dem Zeugnisse der

himmlischen Tafeln. 29 Und deswegen ist auf den himmlischen Tafeln über Israel angeordnet, daß sie im 7.Monate das Fest der Hütten

sieben Tage in Freude feiern sollen, das vor Gott angenommen werde, ein Gesetz für ewig, nach ihren Geschlechtern, in jedem einzelnen

Jahre. 30 Und dieses hat keine Beschränkung der Tage, sondern für ewig ist es über Israel angeordnet, daß sie es begehen und in Hütten

wohnen und daß sie Kränze auf ihr Haupt legen und Laubzweige und Weiden vom Bache nehmen. 31 Und Abraham nahm grüne Palmenzweige

und schöne Baumfrüchte, und an jedem einzelnen Tage ging er mit Zweigen um den Altar herum siebenmal >des Tags und< am

Morgen lobte er und dankte demütig seinem Gott für alles in Freuden.

Die Austreibung Hagars und Ismaels

1 Und im 1. Jahre der 5. Jahrwoche in diesem Jubiläum wurde Isaak entwöhnt, und Abraham veranstaltete im 3. Monat am Tage, da sein

Sohn Isaak entwöhnt wurde, ein großes Mahl. 2 Und Ismael, der Sohn der Ägypterin Hagar, war vor dem Angesichte seines Vaters Abraham

an seinem Ort, und Abraham freute sich und pries Gott, daß er seine Söhne noch gesehen und nicht kinderlos gestorben war. 3 Und er

gedachte seines Worts, das er zu ihm geredet hatte an dem Tage, da sich Lot von ihm trennte, und er freute sich, daß Gott ihm Samen auf der

Erde gegeben, daß er die Erde erbe, und er pries mit seinem ganzen Munde den Allschöpfer. 4 Und Sara sah Ismael, wie er spielte und

tanzte, Abraham aber, wie er sich sehr freute, und sie wurde eifersüchtig auf Ismael und sprach zu Abraham: jage diese Magd da und ihren

Sohn fort; denn der Sohn dieser Magd da soll nicht mit meinem Sohn Isaak erben! 5 Und dieses Wort war betrübend vor den Augen

Abrahams um seiner Magd und um seines Sohnes willen, daß er sie von sich treiben sollte. 6 Und Gott sprach zu Abraham: Es sei keine

Betrübnis vor deinen Augen wegen des Knaben und wegen der Magd; alles, was Sara dir gesagt hat, - höre auf ihre Rede und tue danach;

denn in Isaak wird dir Name und Same genannt werden. 7 Was aber den So hn dieser Magd betrifft, so will ich ihn zu einem großen Volke

machen, weil er aus deinem Samen ist. 8 Und Abraham machte sich früh am Morgen auf und nahm Brote und einen Schlauch Wasser und

lud es der Hagar auf die Schulter und den Knaben und entließ sie. 9 Und sie ging und irrte umher in der Wüste von Beerseba, und das Wasser

aus dem Schlauche ging zu Ende, und den Knaben dürstete, und er konnte nicht mehr gehen und fiel hin. 10 Und seine Mutter nahm ihn und

warf ihn unter einen Ölbaum und sie ging und setzte sich ihm gegenüber, einen Schuß weit; denn sie sprach: Ich will den Tod meines

Knaben nicht sehen! Und wie sie da saß, weinte sie. 11 Und ein Engel Gottes, einer von den Heiligen, sprach zu ihr: Was weinst du, Hagar?

Mache dich auf, nimm den Knaben und fasse ihn mit deiner Hand; denn Gott hat deine Stimme gehört und den Knaben gesehen. 12 Und sie

öffnete ihre Augen und sah einen Wasserbrunnen, und sie ging und füllte ihren Schlauch mit Wasser und tränkte ihren Knaben; und sie

machte sich auf und ging nach der Wüste Paran. 13 Und der Knabe ward groß und wurde ein Schütze, und Gott war mit ihm, und seine

Mutter nahm ihm ein Weib von den Töchtern Ägyptens. 14 Und sie gebar ihm einen Sohn, und er nannte seinen Namen Nebajoth; denn sie

sprach: Nahe war mir Gott, als ich ihn rief.

Mastema veranlaßt Gott, Abraham auf die Probe zu stellen.

15 Und es geschah in der 7. Jahrwoche in ihrem 1. Jahr im 1. Monat in diesem Jubiläum, am 12. Tage dieses Monats, da waren Stimmen im

Himmel über Abraham, daß er gläubig sei in allem, was er mit ihm rede, und daß er Gott liebe und in aller Bedrängnis gläubig sei. 16 Und es

kam der Fürst Mastema und sprach vor Gott: Siehe, Abraham liebt seinen Sohn Isaak und hat sein Gefallen an ihm vor allem. Sage ihm, er

solle ihn als Brandopfer auf den Altar bringen, und du wirst sehen, ob er diesen Befehl ausführt, und wirst erkennen, ob er gläubig ist in allem,

womit du ihn verfluchst! 17 Und Gott wußte, daß Abraham in aller seiner Bedrängnis gläubig war; denn er hatte ihn versucht durch sein

Land und durch die Hungersnot und er hatte ihn versucht durch den Reichtum der Könige und er hatte ihn ferner versucht durch sein Weib,

als sie ihm geraubt wurde, und durch die Beschneidung und er hatte ihn versucht durch Ismael und durch Hagar, seine Magd, als er sie

fortschickte. 18Und in allem, worin er ihn versucht hatte, war er als gläubig erfunden, und seine Seele war nicht ungeduldig gewesen, und er

hatte nicht gezaudert, es zu tun; denn er war gläubig und Gott liebend.

Die Opferung Isaaks

1 Und Gott sprach zu ihm: Abraham! Abraham! und er sagte: Hier bin ich ! 2 Und er sagte: Nimm deinen geliebten Sohn, den du lieb hast,

den Isaak, und geh in das Hochland und bringe ihn als Brandopfer dar auf einem der Berge, den ich dir kund tun werde! 3 Und er machte

sich des Morgens früh auf und bepackte seinen Esel und nahm seine beiden Diener mit sich und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum

Brandopfer und ging nach dem Ort in drei Tagen und sah den Ort von ferne. 4 Und er kam zu einem Wasserbrunnen und sprach zu seinen

Dienern: Bleibt hier bei der Eselin, während ich und der Knabe gehen, und wenn wir angebetet haben, werden wir zu euch zurückkehren. 5

Und er nahm das Holz zum Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf die Schulter und er nahm das Feuer und das Schlachtmesser in

seine Hand, und die beiden gingen mit einander bis zu jenem Orte. 6 Und Isaak sprach zu seinem Vater: Vater! und er sprach: Hier bin ich,

mein Sohn! Und er sprach zu ihm: Siehe, da ist das Feuer und das Schlachtmesser und das Holz, aber wo ist das Schaf zum Brandopfer,

Vater? 7 Und er sprach: Gott wird sich ein Schaf zum Brandopfer ersehen, mein Sohn! Und er näherte sich dem Orte des Berges Gottes. 8

Und er erbaute einen Altar und legte das Holz auf den Altar und band seinem Sohn Isaak und legte ihn auf das Holz, das auf dem Altar war,

und streckte seine Hand aus, das Messer zu nehmen, damit er seinen Sohn Isaak schlachte. 9 Und ich erhob mich vor ihm und vor dem

Fürsten Mastema, und Gott sprach: Sage ihm, er solle seine Hand nicht an den Knaben legen und solle ihm nichts zu leide tun; denn ich habe

erkannt, daß er gottesfürchtig ist. 10 Und ich rief ihn vom Himmel her und sprach: Abraham, Abraham! und er erschrak, und sagte: Hier bin

ich! 11 Und ich sagte zu ihm: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tue ihm nichts zuleide; denn jetzt habe ich erkannt, daß du

gottesfürchtig bist und daß du mir deinen erstgeborenen Sohn nicht verweigert hast. 12 Und der Fürst Mastema wurde beschämt -und

Abraham hob seine Augen auf und sah, und siehe, ein Widder war festgehalten mit seinen Hörnern, und Abraham ging und nahm den

Widder und brachte ihn anstatt seines Sohnes als Brandopfer dar. 13 Und Abraham nannte diesen Ort: Gott hat gesehen! So daß man sagt:

Gott hat gesehen, das ist der Berg Zion. 14 Und Gott rief den Abraham bei seinem Namen zum zweiten Male vom Himmel her, dadurch, daß

wir erschienen, um im Namen Gottes mit ihm zu reden. 15 Und er sprach: Bei mir selbst habe ich geschworen, spricht Gott: weil du dies

getan und deinen erstgeborenen Sohn, den du lieb hast, mir nicht verweigert hast, will ich dich reichlich segnen und will deinen Samen

überaus zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie den Sand der Meeresküste, und dein Same soll die Städte seiner Feinde

erben. 16 Und in deinem Namen sollen alle Völker der Erde dafür gesegnet werden, daß du auf mein Wort gehört hast. Und ich habe es allen

kund getan, daß du mir treu bist in allem, was ich dir gesagt habe. Geh hin in Frieden! 17 Und Abraham ging zu seinen Dienern, und sie

machten sich auf und gingen mit einander nach Beerseba, und Abraham wohnte beim Brunnen des Schwurs. 18 Und er feierte dieses Fest in

allen Jahren sieben Tage in Freuden und nannte es Fest Gottes gemäß den sieben Tagen, in denen er gegangen und in Frieden zurückgekehrt

war. 19 Und so steht es festgesetzt und geschrieben auf den himmlischen Tafeln über Israel und über seinen Samen, dieses Fest sieben Tage

in Festesfreude zu begehen.

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Saras Tod und Begräbnis

1 Und im 1. Jahre der 1. Jahrwoche im 42. Jubiläum kehrte Abraham zurück und wohnte gegenüber von Hebron, das ist Kirjath Arba, zwei

Jahrwochen. 2 Und im 1. Jahre der 3. Jahrwoche dieses Jubiläums gingen die Lebenstage Saras zu Ende, und sie starb in Hebron. 3 Und

Abraham ging, sie zu beweinen und zu begraben, und wir versuchten ihn, um zu sehen, ob sein Geist geduldig, und er nicht unwillig sei in

den Worten seines Mundes. Und er wurde hierin geduldig erfunden und ließ sich nicht außer Fassung bringen. 4 Denn in Geduld des Geistes

redete er mit den Kindern Heths, daß sie ihm eine Stätte gäben, damit er an ihr seinen Toten begrübe. 5 Und Gott gab ihm Gnade vor allen,

die ihn sahen, und er bat in Milde die Kinder Heths, und sie gaben ihm das Land einer doppelten Höhle gegenüber von Mamre, das ist

Hebron, um 40 Silbersekel. 6 Und sie baten ihn, in dem sie sprachen: Wir werden es dir umsonst geben! Aber er nahm es nicht umsonst aus

ihrer Hand, sondern gab den Preis der Stätte, das volle Geld, und verneigte sich vor ihnen zweimal und danach begrub er seinen Toten in der

Doppelhöhle. 7 Und es waren alle Lebenstage Saras 127 Jahre, das sind zwei Jubiläen und vier Jahrwochen und ein Jahr; dies sind die Tage

der Lebensjahre Saras. 8 Dies ist die zehnte Versuchung, mit der Abraham versucht wurde, und er wurde als gläubig und geduldigen Geistes

befunden. 9 Und er sagte kein Wort über die Verheißung betreffs des Landes, daß Gott gesagt habe, er werde es ihm und seinem Samen nach

ihm geben, sondern er erbat hier eine Stätte, um seinen Toten zu begraben. Denn er ward als gläubig befunden und wurde als Freund Gottes

auf die himmlischen Tafeln geschrieben.

Isaaks Heirat und Abrahams andere Ehe Die Geburt Esaus und Jakobs

10 Und im 4. Jahre nahm er seinem Sohne Isaak ein Weib mit Namen Rebeka, die Tochter Bethuels, des Sohnes Nahors, des Bruders

Abrahams, die Schwester Labans und Tochter Bethuels, und Bethuel war der Sohn der Milka, des Weibes des Nahor, des Bruders Abrahams.

11 Und Abraham nahm sich ein drittes Weib mit Namen Ketura von den Kindern seiner Haussklaven; denn Hagar war vor Sara gestorben.

12 Und sie gebar ihm sechs Söhne, den Simran, Joksan, Midian, Medan, Jisbak und Suah, in zwei Jahrwochen. 13 Und in der 6. Jahrwoche

in ihrem 2. Jahre gebar Rebekka dem Isaak zwei Kinder, Jakob und Esau. Jakob aber war vollkommen und rechtschaffen, und Esau war ein

rauher, wilder und haariger Mann; und Jakob wohnte in Zelten. 14 Und die Jünglinge wuchsen heran, und Jakob lernte die Schrift, Esau aber

lernte sie nicht. Denn er war ein wilder Mann und ein Jäger und lernte den Krieg, und all sein tun war rauh.

Abraham liebt den Jakob und segnet ihn

15 Und Abraham liebte den Jakob, Isaak den Esau. 16 Und Abraham sah das Tun Esaus und erkannte, daß ihm in Jakob Name und Same

genannt werden würde. Und er rief Rebekka und gab ihr Befehl betreffs Jakobs; denn er erkannte, daß sie Jakob mehr als Esau liebte. 17 Und

er sprach zu ihr: Meine Tochter, bewahre meinen Sohn Jakob; denn er wird an meiner Statt auf der Erde sein und zum Segen unter den

Menschenkindern und allem Samen Sems zum Ruhme. 18 Denn ich weiß, daß Gott sich ihn erwählen wird zum Volke, das bestehen wird

von allen Völkern, die auf der Oberfläche der Erde sind. 19 Und siehe, mein Sohn Isaak liebt Esau mehr als Jakob; aber ich sehe dich, wie du

Jakob wahrhaftig liebst. 20 Tue noch mehr Gutes an ihm und laß deine Augen in Liebe über ihm sein; denn er wird uns zum Segen sein auf

der Erde von jetzt an und bis in alle Geschlechter der Erde. 21 Deine Hände seien fest, und dein Herz freue sich an deinem Sohne Jakob;

denn ihn habe ich mehr geliebt als alle meine Söhne. Bis in Ewigkeit wird er gesegnet sein, und sein Same wird die ganze Erde erfüllen. 22

Wenn ein Mensch den Sand der Erde zählen kann, so wird auch sein Same gezählt werden. 23 Und alle Segnungen, mit denen Gott mich und

meinen Samen gesegnet hat, sollen für Jakob und seinen Samen gelten alle Tage. 24 Und in seinem Samen wird mein Name und der Name

meiner Väter Sem, Noah, Henoch, Mahalalel, Enos, Seth und Adam gepriesen werden. 21 Und sie sollen berufen sein, den Himmel zu

gründen und die Erde zu festigen und alle Lichter zu erneuern, die an der Feste sind. 26 Und er rief Jakob vor den Augen seiner Mutter

Rebekka und küßte ihn und segnete ihn und sprach: 27 Jakob, mein geliebter Sohn, den meine Seele liebt, dich segne Gott von über der Feste

und er gebe dir alle Segnungen, mit denen er Adam, Henoch, Noah und Sem gesegnet hat, und alles demgemäß, wie er zu mir geredet hat,

und alles demgemäß, wie er es mir zu geben versprochen hat, lasse er haften an dir und an deinem Samen für immer, gemäß den Tagen des

Himmels über der Erde. 28 Und nicht sollen herrschen über dich und über deinen Samen die Geister Mastemas, dich fern zu halten von

hinter Gott, welcher dein Herr ist von jetzt an und bis in Ewigkeit. 29 Und Gott der Herr sei dir ein Vater, und auch du sei ihm ein

erstgeborener Sohn und zum Volk alle Tage; geh, mein Sohn, in Frieden! 30 Und die beiden gingen miteinander hinaus von bei Abraham. 31

Und Rebekka liebte Jakob mit ihrem ganzen Herzen und mit ihrer ganzen Seele, viel mehr als Esau. Und Isaak liebte Esau mehr als Jakob.

Abrahams letzte Worte an Kinder und Kindeskinder

1 Und im 42. Jubiläum, im 1. Jahre der 7. Jahrwoche, rief Abraham den Ismael und seine zwölf Kinder und den Isaak und seine beiden

Kinder und die sechs Kinder der Ketura und ihre Söhne. 2 Und er gebot ihnen, daß sie den Weg Gottes innehielten, daß sie Gerechtigkeit

übten, und ein jeder seinen Nächsten liebe, und daß sie so seien in allen Kriegen, damit ein jeder gegen sie zöge, um Recht und Gerechtigkeit

auf der Erde zu üben. 3 Daß sie ihre Kinder beschnitten nach dem Bunde, den er mit ihnen geschlossen, und daß sie nicht nach rechts, noch

nach links von allen Wegen abwichen, die Gott uns geboten; und daß wir uns hüteten vor aller Hurerei und Unreinheit, und daß wir aus

unserer Mitte alle Hurerei und Unreinheit abtäten. 4 Und wenn unter euch irgend ein Weib oder wenn ein Mädchen hurt, so verbrennt sie mit

Feuer, und sie sollen nicht mit ihr huren ihren Augen und auch ihren Herzen nach und sollen sich kein Weib nehmen von den Töchtern

Kanaans; denn der Same Kanaans wird ausgerottet werden von der Erde. 5 Und er erzählte ihnen das Gericht über die Riesen und das

Gericht über die Sodomiten, wie sie gerichtet wurden wegen ihrer Bosheit und wegen ihrer Hurerei und Unreinheit und ihrer gegenseitigen

hurerischen Verderbnis starben. 6 Ihr aber hütet euch vor aller Hurerei und Unreinheit und vor aller Befleckung durch Sünde, damit ihr nicht

unseren Namen dem Spotte preisgebt und euer ganzes Leben ... und alle eure Söhne dem Verderben durchs Schwert und nicht verflucht seiet

wie Sodom, noch alle eure Nachkommen wie die Kinder von Gomorrha. 7 Ich mache euch zu Zeugen, meine Kinder: liebt den Gott des

Himmels und hängt an allen seinen Geboten und geht nicht hinter ihren Götzen und hinter ihrer Unreinheit her. 8 Und macht euch keine

Götter aus Gußwerk, noch Schnitzwerke, denn sie sind nichtig und haben keinen Geist, denn der Hände Werk sind sie, und alle, die auf sie

vertrauen - auf ein Nichts vertrauen sie alle. Verehrt sie nicht und betet sie nicht an, 9 sondern verehrt den höchsten Gott und betet ihn an

immerdar und hofft auf sein Antlitz zu jeder Zeit und übt Recht und Gerechtigkeit vor ihm, damit er an euch Gefallen habe und euch seine

Barmherzigkeit gewähre und für euch herabkommen lasse Regen des Morgens und des Abends und segne alle eure Arbeit, die ihr auf der

Erde verrichtet, und segne dein Brot und dein Wasser und segne den Samen deines Leibes und den Samen deines Landes und deine

Rinderherden und deine Schafherden! 10 Und ihr werdet zum Segen auf der Erde sein, und alle Völker der Erde werden an euch Gefallen

haben und werden eure Kinder segnen in meinem Namen, daß sie gesegnet seien gleichwie ich. 11 Und er gab Ismael und seinen Söhnen und

den Söhnen der Ketura Gaben und schickte sie fort von seinem Sohne Isaak und alles gab er seinem Sohne Isaak. 12 Und Ismael und seine

Söhne und die Söhne der Ketura und ihre Söhne gingen miteinander und wohnten von Pharmon bis zum Eingange von Babylon in dem

ganzen Lande nach der Ostseite, nach der Wüste zu. 13 Und sie vermischten sich, diese mit jenen, und ihr Name wurde genannt Araber und

Ismaeliter bis auf diesen Tag.

Abrahams letzte Worte an Isaak.

1 Und im 6. Jahre der 7. Jahrwoche dieses Jubiläums rief Abraham seinen Sohn Isaak und gebot ihm, indem er sprach: Ich bin alt geworden

und weiß nicht den Tag meines Todes und bin meiner Lebens-Tage satt. 2 Und siehe, ich bin 175 Jahre alt, und an allen Tagen meines

Lebens bin ich Gottes eingedenk gewesen und mit meinem ganzen Herzen mich bestrebend, seinen Willen zu tun und richtig auf allen seinen

Wegen zu wandeln. 3'Die Götzen hat meine Seele gehaßt, damit ich darauf achtete, den Willen meines Schöpfers zu tun. 4 Denn ein

lebendiger Gott ist er und heilig ist er und treu und gerecht ist er von allen, und bei ihm gibt es kein Ansehen der Person, noch Annehmen

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von Geschenken. Sondern er ist ein gerechter Gott und Gericht haltend an allen, die sein Gebot übertreten, und an denen, die seinen Bund

verachten. 5 Du aber, mein Sohn, beachte sein Gebot und seine Ordnung und sein Gericht und gehe nicht hinter den Unreinen und hinter den

Schnitzbildern und hinter den Gußbildern her. 6 Und eßt gar kein Blut von Tieren und Vieh und allen Vögeln, die am Himmel fliegen. 7 Und

wenn du ein Opfer zum Friedensopfer, das genehm ist, schlachtest, so schlachtet es und ihr Blut gießt aus auf den Altar, und alles Fett des

Ganzopfers bringe auf dem Altare mit Feinmehl dar und das Opfer in Öl gekocht; mit seiner Trankspende bringe es alles auf dem Opferaltare

dar: ein süßer Duft ist es vor Gott. 8 Wie das Fett des Heilsopfers, so wirst du es auf das Feuer, das über dem Altar ist, legen, und zwar das

Fett, das über dem Bauche ist, und alles Fett, das über den Eingeweiden und den beiden Nieren ... 9 Und bringe dies alles dar zu einem

schönen Dufte, der vor Gott genehm ist, mit seinem Frucht- und mit seinem Trankopfer zu schönem Duft als ein Brot des Opfers für Gott. 10

Und sein Fleisch iß an diesem Tag und am zweiten Tag, und die Sonne soll nicht darüber untergehen am zweiten Tage, bis es gegessen wird,

und nichts soll übrigbleiben für den dritten Tag. Denn er nimmt es nicht an, weil es nicht angenehm ist, und du sollst es nicht mehr essen,

und alle, die es essen, laden Sünde auf sich. Denn so habe ich geschrieben gefunden in dem Buche meiner Vorväter und in den Worten

Henochs und in den Worten Noahs. 11 Und auf alle deine Opfer streue Salz, und der Bund des Salzes höre nicht auf bei allen deinen Opfern

vor Gott. 12 Und in betreff des Opferholzes hüte dich, daß du nicht anderes Holz für den Altar darbringst außer folgenden: Cypresse,

Wacholder, Mandel, Fichte, Ceder, Ceven, Palme, Ölbaum, Myrhe, Lorbeer, Zitrone, Juniperus und Balsambaum. 13 Und von diesen

Bäumen lege unter das Ganzopfer auf dem Altar solche, deren Aussehen geprüft ist, und lege kein gespaltenes oder dunkles Holz hin,

sondern feste Hölzer, an denen kein Flecken ist, vollkommenes und neues Gewächs. Und lege kein altes Holz hin, denn sein Duft ist

verschwunden; denn der Duft ist nicht mehr an ihm wie zuerst. 14 Außer diesen Hölzern sollst du kein anderes hinlegen; denn sein Duft ist

fort, und der Geruch seines Duftes steigt nicht zum Himmel empor. 15Beobachte dieses Gesetz und tue es, mein Sohn, damit du recht

handelst in all' deinem Werk. 16 Und zu jeder Zeit sei rein an deinem Leibe und wasche dich mit Wasser, ehe du gehst, um auf dem Altare

zu opfern, und wasche deine Hände und deine Füße, ehe du an den Altar herantrittst; und wenn du mit dem Opfern fertig bist, so wasche dir

wiederum deine Hände und deine Füße. 17 Und an euch zeige sich kein Blut, noch an euren Kleidern. Hüte dich, mein Sohn, mit dem Blute,

hüte dich sehr, begrabe es in der Erde! 18 Und iß also kein Blut, denn es ist die Seele; und iß gar kein Blut. 19 Und nimm kein Geschenk für

irgendwelches Menschenblut, damit es nicht ungesühnt ohne Strafe vergossen werde; denn das Blut, das vergossen wird, macht die Erde

sündigend, und die Erde kann nicht rein werden vom Menschenblut außer durch das Blut dessen, der es vergossen hat. 20Und nimm kein

Geschenk und keine Gabe für Menschenblut: Blut für Blut, damit du genehm seiest vor dem Herrn, dem höchsten Gott. Und er wird ein

Hüter des Guten sein, und damit du vor allem Bösen behütet werdest, und damit er dich vor allem Tode rette. 21 Ich sehe, mein Sohn, alle

Werke der Menschenkinder, wie sie Sünde und Bosheit sind, und alle ihre Werke sind Unreinheit und Verwerfung und Befleckung, und

keine Gerechtigkeit ist bei ihnen. 22 Hüte dich, daß du nicht auf ihrem Wege gehest, noch in ihren Spuren trittst, und daß du in keine

Verirrung zum Tode gerätst vor dem höchsten Gott, und sonst wird er sein Antlitz vor dir verbergen und wird dich in die Hand deiner Sünde

überliefern und wird dich hinwegtilgen von der Erde und auch deinen Samen unter dem Himmel, und dein Name und dein Same wird untergehen

von der ganzen Erde. 23 Halte dich fern von all' ihrem Tun und von all' ihrer Unreinheit und beobachte die Satzung des höchsten

Gottes und tue seinen Willen und handle in allem recht. 24 Und er wird dich segnen in all' deinem Tun und wird aus dir eine Pflanze der

Gerechtigkeit erwecken auf der ganzen Erde durch alle Geschlechter der Erde. Und mein Name und dein Name wird nicht vergessen werden

unter dem Himmel alle Tage. 25 Geh, mein Sohn, in Frieden; der höchste Gott, mein Gott und dein Gott, festige dich, seinen Willen zu tun,

und er segne all' deinen Samen und den Rest deines Samens für ewige Geschlechter mit aller rechten Segnung, damit du ein Segen seiest auf

der ganzen Erde! 26 Und er ging fort von ihm in Freuden.

Isaak, Ismael und Jakob zum letzten Male vor Abraham. Gebet Abrahams.

1 Und es geschah in der 1. Jahrwoche im 44. Jubiläum im 2. Jahre, das ist das Jahr, in dem Abraham starb, da kamen Isaak und Ismael von

dem Brunnen des Schwurs, um bei ihrem Vater Abraham das Fest der Wochen zu feiern, das ist das Fest der Ernteerstlinge; und Abraham

freute sich, daß seine beiden Söhne gekommen waren. 2Denn Isaak hatte vielen Besitz in Beerseba und Isaak pflegte hinzugehen und seinen

Besitz zu besichtigen und dann zu seinem Vater zurückzukehren. 3 Und in diesen Tagen kam Ismael, seinen Vater zu sehen, und die beiden

kamen zusammen, und Isaak schlachtete ein Opfer zum Brandopfer und brachte es auf dem Altare seines Vaters dar, den er in Hebron

gemacht hatte. 4 Und er opferte ein Heilsopfer und bereitete vor seinem Bruder Ismael ein Freudenmahl; und Rebekka bereitete frische

Kuchen von frischem Getreide und gab sie ihrem Sohne Jakob, daß er seinem Vater Abraham von der Erstlingsfrucht des Landes brächte,

damit er äße und den Allschöpfer priese, ehe er stürbe. 5 Und auch Isaak seinerseits schickte durch die Hand Jakobs dem Abraham ein vortreffliches

Heilsopfer, daß er zu sich nahm. 6 Und er aß und trank und pries den höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen und alles

Fett der Erde gemacht und den Menschenkindern gegeben hat, zu essen und zu trinken und ihren Schöpfer zu preisen. 7 Jetzt aber danke ich

demütig dir, mein Gott, daß du mich diesen Tag hast sehen lassen: Siehe, ich bin 175 Jahre alt, ein Greis und satt an Tagen, und alle meine

Tage sind mir Frieden gewesen. 8 Das Schwert des Feindes hat mich nicht besiegt in allem, was du mir und meinen Söhnen gegeben hast alle

Tage meines Lebens bis zu diesem Tag. 9 Mein Gott, deine Güte und dein Friede sei über deinem Knecht und über dem Samen seiner Söhne

damit er dir ein auserwähltes Volk sei und ein Erbe aus allen Völkern der Erde von jetzt an und bis in alle Tage der Geschlechter der Erde in

alle Ewigkeiten!

Abrahams letzte Worte an Jakob. Segen über Jakob.

10 Und er rief Jakob und sprach zu ihm: Mein Sohn Jakob, dich segne der Gott aller und mache dich stark, Gerechtigkeit und seinem Willen

vor ihm zu tun, und er erwähle dich und deinen Samen, daß ihr ihm zu einem Volke seines Erbes seiet gemäß seinem Willen in allen Tagen!

Du aber, mein Sohn Jakob, komm nahe und küsse mich 11 Und er kam nahe und küßte ihn, und er sprach: Gesegnet seien mein Sohn Jakob

und alle seine Söhne von dem höchsten Gott in alle Ewigkeiten. Gott gebe dir einen Samen der Gerechtigkeit und von deinen Söhnen heilige

er einige mitten auf der ganzen Erde. Völker mögen dir dienen, und alle Nationen mögen vor deinem Samen anbeten. 12 Sei stark vor den

Menschen und ein Herrscher über allen Samen Seths; dann werden deine Wege gerecht sein und die Wege deiner Kinder, auf daß sie ein

heiliges Volk seien. 13 Der höchste Gott gebe dir alle Segnungen, mit denen er mich gesegnet hat und mit denen er Noah und Adam

gesegnet hat, daß sie ruhen auf dem heiligen Scheitel deines Samens für alle Geschlechter der Geschlechter und bis in Ewigkeit. 14 Und er

reinige dich von aller Ungerechtigkeit und Unreinheit, daß du Verzeihung erlangest von allen Sünden, die du in Unkenntnis verschuldet hast,

und er mache dich stark und segne dich, und du mögest die ganze Erde erben. 15Und er erneuere seinen Bund mit dir, daß du ihm zum Volke

seines Erbes seiest in alle Ewigkeiten, und er sei dir und deinem Samen Gott in Wahrheit und in Gerechtigkeit in allen Tagen der Erde. 16

Du aber, mein Sohn Jakob, gedenke meiner Worte und halte die Gebote deines Vaters Abraham; trenne dich von den Völkern und iß nicht

mit ihnen und handle nicht nach ihrem Tun und sei nicht ihr Genosse. Denn ihr Werk ist Unreinheit, und alle ihre Wege sind Befleckung,

Verwerfung und Abscheulichkeit. 17 Ihre Opfer schlachten sie den Toten und beten die Dämonen an und auf den Gräbern essen sie, und all'

ihr Werk ist eitel und vergeblich. 18 Und sie haben kein Herz, nachzudenken, und ihre Augen sehen nicht, was ihr Werk ist, und wie sehr sie

irren, indem sie zum Holze sage: du bist mein Gott, und zum Steine: du bist mein Herr und du bist mein Erlöser! während sie doch kein Herz

haben. 19 Du aber, mein Sohn Jakob, der höchste Gott helfe dir, und der Gott des Himmels segne dich und halte dich fern von ihrer

Unreinheit und von all' ihrer Verirrung. 20 Hüte dich, mein Sohn Jakob, daß du nicht ein Weib nehmest von irgendwelchen Samen der

Töchter Kanaans; denn all' sein Same ist zur Ausrottung von der Erde bestimmt . 21 Denn in der Sünde Hams hat sich Kanaan vergangen,

und all' sein Same wird ausgerottet werden von der Erde und alle seine Nachkommen, und kein Abkömmling von ihm wird gerettet werden

am Tage des Gerichts. 22 Und für alle, die Götzen anbeten, und für die Verhaßten ist gar keine Hoffnung im Lande der Lebenden; sondern in

die Unterwelt werden sie hinabsteigen und zu dem Orte des Gerichts werden sie gehen und sie haben kein Andenken auf der Erde. Wie die

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Kinder Sodoms von der Erde hinweggenommen sind, so werden alle hinweggenommen werden, die Götzen anbeten. 23 Fürchte dich nicht,

mein Sohn Jakob, und erschrick nicht. Sohn Abrahams; der höchste Gott möge dich behüten vor dem Verderben und von allen Irrwegen

möge er dich befreien. 24 Dieses Haus habe ich mir erbaut, daß ich meinen Namen darauf lege in dem Lande, das dir und deinem Samen für

ewig gegeben ist, und es wird Haus Abrahams genannt werden. Es ist dir und deinem Samen für ewig gegeben; denn du wirst mein Haus

erbauen und wirst meinen Namen vor Gott aufrichten. Bis in Ewigkeit wird dein Same und dein Name bestehen in allen Geschlechtern der

Erde. 25 Und er hörte auf, ihm zu gebieten und ihn zu segnen. 26 Und die beiden schliefen zusammen in einem Bett, und Jakob schlief am

Busen seines Großvaters Abraham, und er küßte ihn siebenmal, und seine Liebe und sein Herz freute sich über ihn. 27 Und er segnete ihn mit

seinem ganzen Herzen und sprach: Der höchste Gott, der Gott aller und Schöpfer aller, der mich aus Ur der Kaldäer herausgeführt hat, um

mir dieses Land zu geben, damit ich es für immer erbte und damit ich einen heiligen Samen erweckte, auf daß der Höchste werde in Ewigkeit

gepriesen! 28Und er segnete Jakob und sprach: Mein Sohn, der in meinem ganzen Herzen und in meiner Liebe ist, er ist es, an dem ich

meine Freude habe; und es sei deine Güte und deine Barmherzigkeit lange über ihm und über seinem Samen alle Tage. 29 Und verlaß ihn

nicht und vernachlässige ihn nicht von jetzt an und bis in die Tage der Ewigkeit, und deine Augen seien geöffnet über ihm und über seinem

Samen, daß du ihn hütest und daß du ihn segnest und daß du ihn heiligst zum Wohle deines Erbes. 30 Und segne ihn mit allen deinen

Segnungen von jetzt an und bis in alle Tage der Ewigkeit und erneuere deinen Bund und deine Gnade mit ihm und mit seinem Samen nach

deinem ganzen Willen in allen Geschlechtern der Erde.

Abrahams Tod und Begräbnis. Das abnehmende Alter und die zunehmende Verderbnis der Menschen. Eschatologischer Ausblick.

1 Und er legte die zwei Finger Jakobs auf seine Augen und pries den Gott der Götter und bedeckte sein Antlitz und streckte sein Füße aus

und entschlief den ewigen Schlaf und ward zu seinen Väter versammelt. 2 Und bei alledem lag Jakob an seinem Busen, ohne zu wissen, daß

sein Großvater tot war. 3 Und Jakob erwachte aus seinem Schlaf, und siehe, Abraham war kalt wie Eis, und er sprach: Vater! Vater! doch er

sagte nichts, und da erkannte er, daß er tot war. 4 Und er erhob sich von seinem Busen und lief und sagte es seiner Mutter Rebekka. Und

Rebekka ging zu Isaak bei Nacht und sagte es ihm, und sie gingen zusammen hin, während Jakob mit ihnen war und eine Leuchte in seiner

Hand trug. Und als sie hineinkamen, fanden sie Abraham als Leichnam daliegen. 5 Und Isaak fiel auf das Antlitz seines Vaters und weinte

und küßte ihn. 6 Und das Wort wurde im Hause Abrahams gehört, und sein Sohn Ismael erhob sich und ging zu seinem Vater Abraham und

weinte um seinen Vater Abraham, er und das ganze Haus Abrahams, und sie weinten laut. 7 Und seine Söhne Isaak und Ismael begruben ihn

in der Doppelhöhle bei seinem Weibe Sara, und 40 Tage lang beweinten ihn alle Leute seines Hauses und Isaak und Ismael und alle ihre

Söhne und alle Söhne der Ketura an ihrem Ort, und es ging zu Ende das Weinen um Abraham. 8 Und drei Jubiläen hatte er gelebt und vier

Jahrwochen, 175 Jahre, und er vollendete die Tage seines Lebens, alt und satt an Tagen. 9 Denn die Tage der Vorväter - es waren ihres

Lebens 19 Jubiläen, und nach der Sintflut fingen sie an, weniger als 19 Jubiläen zu leben >und weniger zu haben an Jubiläen und schnell zu

altern und ihrer Tage satt zu werden< wegen des vielen Leidens und durch die Bosheit ihrer Wege, ausgenommen Abraham. 10 Denn

Abraham aber war vollendet in all' seinem Tun gegenüber Gott und wohlgefällig in Gerechtigkeit alle Tage seines Lebens. Und siehe, er

vollendete nicht vier Jubiläen in seinem Leben, bis er alt ward, wegen der Bosheit, und er war seiner Tage satt. 11 Und alle Geschlechter, die

erstehen werden von jetzt an bis zum Tage des großen Gerichts, werden schnell altern, ehe sie zwei Jubiläen vollenden, und es wird

geschehen, wenn sie ihre Kenntnis wegen ihres Alters verläßt, >dann wird alle ihre Kenntnis schwinden<. 12 Und wenn in jenen Tagen ein

Mensch ein Jubiläum und die Hälfte der Jahre lebt, werden sie von ihm sagen: Er hat ein langes Leben gehabt; und das Meiste seiner Tage ist

Leid und Mühe und Betrübnis, und es ist kein Friede! 13 Denn es ist Plage über Plage und Wunde über Wunde und Betrübnis über Betrübnis

und böses Gerücht über böses Gerücht und Krankheit über Krankheit und alle dergleichen schlimme Strafen, eins nach dem andern,

Krankheit, Vernichtung, Reif, Hagel, Schnee, >Fieber, Kälte<, Erstarrung, Dürre, Tod, Schwert, Gefangenschaft und alle Plagen und Leiden.

14 Und alles dies wird über das böse Geschlecht kommen, das auf der Erde sündigt; Unreinheit und Hurerei und Befleckung und

Abscheulichkeit ist ihr Werk. 15 Dann werden sie sagen: der Voreltern Tage waren viel, bis zu tausend Jahren und schön; aber siehe, die

Tage unseres Lebens - wenn ein Mensch ein langes Leben hat sind es 70 Jahre, und wenn es stark ist, 80 Jahre, und alle sind böse, und es ist

kein Friede in den Tagen dieses bösen Geschlechts. 16 Und in diesem Geschlechte werden die Kinder ihre Eltern und ihre alten Leute

schelten wegen der Sünde und wegen der Ungerechtigkeit und wegen des Geredes ihres Mundes und wegen der großen Bosheiten, die sie

verüben, und weil sie den Bund verlassen, den Gott zwischen ihnen und zwischen sich geschlossen hat, daß sie alle seine Gebote und seine

Ordnungen und alle seine Gesetze beobachteten und hielten, ohne nach rechts oder links abzuweichen. 17 Denn sie alle haben böse

gehandelt, und jeder Mund redet Sünde, und all' ihr Werk ist Unreinheit und Abscheulichkeit, und alle ihre Wege sind Befleckung,

Unreinheit und Verderben. 18 Siehe, die Erde wird wegen all' ihres Tuns untergehen, und es wird kein Same von Wein und kein Öl mehr

sein; denn lauter Untreue ist ihr Tun, und sie alle werden miteinander umkommen, wilde Tiere und zahmes Vieh und Vögel und alle Fische

des Meeres wegen der Menschenkinder. 19 Und sie werden streiten, diese mit jenen, Jünglinge mit alten Leuten, alte Leute mit Jünglingen,

der Arme mit dem Reichen, der Niedrige mit dem Großen, der Bettler mit dem Mächtigen wegen des Gesetzes und wegen des Bundes. Denn

sie haben Gebot und Bund und Fest und Monat und Sabbat und Jubiläen und alle Rechtsbestimmung vergessen. 20 Und sie werden in Bogen

und Schwertern und Krieg stehen, um sie auf den Weg zurückzubringen; aber sie werden nicht umkehren, bis viel Blut auf der Erde

vergossen wird, von diesen an jenen. 21 Und die sich gerettet haben, werden nicht auf den Weg der Wahrheit von ihrer Bosheit umkehren;

sondern sie alle werden sich zu Betrug und zu Reichtum erheben, daß ein jeder all' seines Nächsten Gut nehme, und sie werden den großen

Namen und nicht in Wahrheit, noch in Gerechtigkeit nennen, und das Allerheiligste werden sie durch ihre Unreinheit und durch die Verderbnis

ihrer Befleckung beschmutzen. 22 Und es wird eine große Züchtigung über das Werk dieses Geschlechts von Gott ausgehen, und er wird

sie dem Schwert und dem Gericht und der Gefangenschaft und der Plünderung und der Vernichtung preisgeben. 23Und er wird wider sie die

Sünder der Heiden erwecken, bei denen kein Erbarmen und keine Gnade ist, und die auf niemanden Rücksicht nehmen, weder auf alt, noch

auf jung, auf niemanden; denn böser sind sie und stärker, Böses zu tun, als alle anderen Menschenkinder. Und sie werden gegen Israel

Gewalt üben und gegen Jakob Sünde, und es wird viel Blut auf der Erde vergossen werden, und es ist keiner, der sammelt, und keiner, der

begräbt. 24 In jenen Tagen werden sie schreien und rufen und beten, daß sie aus der Hand der sündigen Völker gerettet würden, aber keiner

ist, der gerettet wird. 25 Und die Häupter der Kinder werden weiß werden im Greisenhaar, und ein Kind von drei Wochen wird alt

erscheinen wie ein Hundertjähriger, und ihre Gestalt wird durch Unglück und Qual vernichtet werden. 26 Und in jenen Tagen werden die

Kinder anfangen, die Gesetze zu suchen und das Gebot zu suchen und auf den Weg der Gerechtigkeit umzukehren. 27 Und die Tage werden

anfangen, viel zu werden und zu wachsen unter jenen Menschenkindern von Geschlecht zu Geschlecht und von Tage zu Tage, bis ihre Tage

nahe kommen an 1000 Jahre und zwar an mehr Jahre als die frühere Menge der Tage. 28 Und es gibt keinen Alten und keine, der seiner Tage

satt ist, sondern sie werden alle Knaben und Kinder sein. 29 Und alle ihre Tage werden sie in Frieden und in Freude vollenden und leben,

indem es keinen Satan und keinen Bösen gibt, der sie verdirbt, sondern alle ihre Tage werden Tage des Segens und Heils sein. 30Und dann

wird Gott seine Knechte heilen, und sie werden sich erheben und werden tiefen Frieden schauen und werden ihre Feinde vertreiben, und die

Gerechten werden zuschauen und danken und sich freuen bis in alle Ewigkeit in Freude und werden an ihren Feinden all' ihr Gericht und all'

ihren Fluch sehen. 31 Und ihre Gebeine werden in der Erde ruhen, und ihr Geist wird viel Freude haben, und sie werden erkennen, daß Gott

es ist, der Gericht hält und Gnade übt an Hunderten und an Tausenden und zwar an allen, die ihn lieben. 32 Du aber, Mose, schreibe diese

Worte auf; denn so steht es geschrieben und bringen sie hinauf auf die himmlischen Tafeln zum Zeugnisse für ewige Geschlechter.

Isaak nach Abrahams Tode. Esau verkauft seine Erstgeburt.

1 Und es geschah nach dem Tode Abrahams, da segnete Gott seinen Sohn Isaak, und er machte sich auf von Hebron und ging und wohnte

beim Brunnen des Gesichts im 1. Jahre der 3. Jahrwoche dieses Jubiläums sieben Jahre lang. 2 Und im 1. Jahre der 4. Jahrwoche entstand

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eine Dürre im Land, eine andere als die erste Dürre, die in den Tagen Abrahams gewesen war. 3 Und Jakob kochte ein Linsengericht, und

Esau kam hungrig vom Feld und sprach zu seinem Bruder Jakob: Gib mir von diesem Weizengericht! Und Jakob sprach zu ihm: Gib mir

zurück dein Erstgeburtsrecht, und ich werde dir Brot und auch etwas von diesem Linsengerichte geben. 4 Und Esau sprach in seinem Herzen:

Ich werde doch sterben; wozu nützt mir da die Erstgeburt? Und er sprach zu Jakob: Ich gebe sie dir! 5 Und Jakob sprach: Schwöre es mir

heute! Und er schwur es ihm. 6 Und Jakob gab seinem Bruder Esau Brot und das Gericht, und er aß, bis er satt war, und Esau verfluchte

seine Erstgeburt; und deswegen wurde >der Name Esau< Edom genannt, wegen des Weizengerichts, das ihm Jakob für die Erstgeburt

gegeben hatte. 7 Und Jakob ward der Ältere, Esau aber wurde von seiner Größe herab erniedrigt.

Isaaks Aufenthalt in Gerar und Vertrag mit Abimelech.

8 Und die Dürre herrschte im Land, und Isaak kam, um nach Ägypten hinabzuziehen im zweiten Jahre dieser Jahrwoche, und er ging zum

Könige der Philister nach Gerar, zu Abimelech. 9 Und Gott erschien ihm und sprach zu ihm: Ziehe nicht nach Ägypten hinab; bleibe in dem

Lande, das ich dir sagen werde, und weile als Fremdling in diesem Land, und ich werde mit dir sein und dich segnen. 10 Denn dir und

deinem Samen werde ich dieses ganze Land geben, und ich werde meinen Schwur aufrecht erhalten, den ich deinem Vater Abraham

geschworen habe, und ich werde deinen Samen zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und werde deinem Samen dieses ganze Land

geben. 11 Und in deinem Samen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden dafür, daß dein Vater auf mein Wort gehört und meine

Weisung und meine Gebote und meine Gesetze und meine Ordnung und meinen Bund beobachtet hat. jetzt aber höre auf mein Wort und

wohne in diesem Lande! 12 Und er wohnte in Gerar drei Jahrwochen. 13 Und Abimelech gebot in betreff seiner und in betreff aller der

Seinen, indem er sprach: Jeder Mensch, der ihn und alles, was ihm gehört, anrührt, soll des Todes sterben! 14 Und Isaak wurde groß unter

den Philistern und bekam vielen Besitz: Kinder, Schafe, Kamele, Esel und viel Besitz. 15 Und er säte im Lande der Philister und fuhr

hundertfältig Ähren ein und Isaak ward sehr groß, und die Philister wurden auf ihn eifersüchtig. 16 Und alle Brunnen, welche die Sklaven

Abrahams bei Lebzeiten Abrahams gegraben hatten, verschütteten die Philister nach dem Tode Abrahams und füllten sie mit Erde. 17 Und

Abimelech sprach zu Isaak: Geh fort von uns; denn du bist viel größer geworden als wir! Und Isaak ging im 1. Jahre der 7. Jahrwoche von

dort weg und weilte als Fremdling in den Tälern von Gerar. 18 Und sie gruben die Wasserbrunnen wieder auf, welche die Sklaven seines

Vaters Abraham gegraben und welche die Philister nach dem Tode seines Vaters Abraham verschüttet hatten, und er nannte ihre Namen, wie

sie sein Vater Abraham benannt hatte. 19 Und die Sklaven Isaaks gruben Brunnen im Tal und fanden lebendiges Wasser, und die Hirten von

Gerar gerieten in Streit mit den Hirten Isaaks, indem sie sprachen: Unser ist dieses Wasser! Und Isaak nannte diesen Brunnen

»Schwierigkeit«, wegen des Streites. 20 Und sie gruben einen zweiten Brunnen, und sie stritten sich auch um ihn, und er nannte ihn »Enge«.

Und er machte sich auf von dort, und sie gruben einen anderen Brunnen, aber um ihn stritten sie sich nicht, und er nannte ihn »Weite«, und

Isaak sagte: jetzt hat uns Gott Weite geschafft, und wir sind groß geworden auf der Erde ! 21 Und er zog von dort hinauf zum Brunnen des

Schwurs im 1. Jahre der 1. Jahrwoche im 44. Jubiläum. 22 Und Gott erschien ihm in dieser Nacht am Neumonde des 1. Monats und sprach

zu ihm: Ich bin der Gott deines Vaters Abraham; fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir, und ich werde dich segnen und deinen Samen gar

zahlreich machen wie den Sand der Erde um Abrahams, meines Knechtes, willen. 23 Und er baute dort den Altar wieder auf, den sein Vater

Abraham zuerst gebaut hatte, und rief den Namen Gottes an und brachte dem Gotte seines Vaters Abraham ein Opfer dar. 24 Und sie gruben

einen Brunnen und fanden lebendiges Wasser. 25 Aber die Sklaven Isaaks gruben einen anderen Brunnen und fanden kein Wasser, und sie

gingen hin und sagten zu Isaak, daß sie kein Wasser gefunden hätten. Und Isaak sprach: Ich habe an diesem Tage den Philistern geschworen,

und uns ist dieses alles zuteil geworden. 26 Und er nannte den Namen jenes Ortes Brunnen des Schwurs; denn dort hatte er dem Abimelech

und Ahusat, seinem Genossen, und Pichol, seinem Heerführer, geschworen. 27 Und Isaak erkannte an diesem Tage, daß er gezwungen ihnen

geschworen hatte, Frieden mit ihnen zu halten.

Isaak verflucht die Philister.

28 Und Isaak verfluchte an diesem Tage die Philister und sprach: Verflucht seien die Philister bis zum Tage des Zorns und Grimms mitten

unter allen Völkern; und Gott überliefere sie zum Spott zum Fluch und zum Zorn und zum Grimm in die Hand der sündigen Völker und in

die Hand der Hethiter. 29 Und wer sich rettet vor dem Schwerte des Feindes und vor den Hethitern, die soll das gerechte Volk durch ein

Gericht von unter dem Himmel hinwegtilgen. Denn Feinde und Hasser werden sie meinen Kindern sein in ihren Tagen auf der Erde. 30Und

ihnen soll kein Rest übriggelassen werden, und keiner, der sich rettet am Tage des Zorns des Gerichts. Denn zur Vernichtung und zur

Ausrottung und zur Vertreibung von der Erde ist aller Same der Philister bestimmt, und allen Leuten von Kaphthor wird kein Name mehr

sein, der übrigbleibt, noch Same auf der Erde. 31 Denn wenn er auch bis zum Himmel hinaufsteigt, wird er doch von dort herabsteigen

müssen; und wenn er sich auch in der Erde festsetzt, so wird er von dort herausgerissen werden; und wenn er sich auch inmitten der Völker

verbirgt, so wird er auch von dort hinweggetilgt werden, und wenn er auch in die Unterwelt hinabsteigt, so wird auch dort seine Strafe groß

sein, und auch dort wird er gar keinen Frieden haben. 32 Und wenn er auch in die Gefangenschaft geht, in die Hand derer, die nach seiner

Seele trachten, so werden sie ihn mitten auf dem Wege töten, und man wird ihm weder Name noch Same übriglassen auf der ganzen Erde,

sondern er wird in die ewige Verfluchung eingehen. 33 Und es steht geschrieben und eingegraben über ihn auf den himmlischen Tafeln, also

ihm zu tun am Tage des Gerichts, daß er von der Erde hinweggetilgt werde.

Rebekka verpflichtet Jakob, keine Kanaaniterin zu heiraten, und segnet ihn.

1 Und im 2. Jahre dieser Jahrwoche in diesem Jubiläum rief Rebekka ihren Sohn Jakob und redete zu ihm, indem sie sprach: Mein Sohn,

nimm dir kein Weib von den Töchtern Kanaans, wie dein Bruder Esau, der sich zwei Weiber von den Töchtern Kanaans genommen hat; und

sie haben meinen Geist erbittert durch all' ihr unreines Tun. Denn all' ihr Tun ist Hurerei und Ausschweifung, und gar keine Gerechtigkeit ist

bei ihnen, sondern böse sind sie. 2 Und ich, mein Sohn, ich liebe dich gar sehr, und mein Herz und meine Liebe segnen dich zu jeder Tageszeit

und Nachtwache. 3 Jetzt aber, mein Sohn, höre auf mein Wort und tue den Willen deiner Mutter und nimm dir kein Weib von den

Töchtern dieses Landes, sondern nur aus dem Hause meines Vaters und nur aus dem Geschlechte meines Vaters. Nimmst du dir ein Weib

aus dem Hause meines Vaters, so wird dich der höchste Gott segnen, und deine Söhne werden ein Geschlecht der Gerechtigkeit und ein

heiliger Same sein. 4Und darauf redete Jakob mit Rebekka, seiner Mutter, und sprach zu ihr: Sieh, Mutter, ich bin neun Jahrwochen alt und

kenne noch kein Weib; weder habe ich eins angerührt, noch mich verlobt, und denke nicht daran, mir ein Weib von den Töchtern Kanaans zu

nehmen. 5 Denn ich gedenke, Mutter, der Rede unseres Vaters Abraham, weil er mir geboten hat, kein Weib von den Töchtern Kanaans zu

nehmen; sondern von dem Samen des Hauses meines Vaters werde ich mir ein Weib nehmen und aus meinem Geschlechte. 6 Ich habe von

früher gehört, daß deinem Bruder Laban Töchter geboren sind, und auf sie habe ich mein Herz gerichtet, daß ich von ihnen ein Weib nähme.

7 Und deswegen habe ich mich in meinem Geiste gehütet, daß ich nicht sündigte und mich verdürbe auf allen meinen Wegen in allen Tagen

meines Lebens; denn über Ausschweifung und Hurerei hat mein Vater Abraham mir viel geboten. 8 Und bei alledem, was er mir geboten hat,

streitet mein Bruder diese 22 Jahre mit mir und redet viel mit mir und sagt: Mein Bruder, nimm eine von den Schwestern meiner beiden

Weiber zum Weibe! Ich aber will nicht tun, wie er getan hat. 9 Ich schwöre, Mutter, vor dir, daß ich mir alle Tage meines Lebens kein Weib

von den Töchtern des Samens Kanaans nehmen will und nicht böse handeln werde, wie mein Bruder getan hat. 10 Fürchte dich nicht,

Mutter; und vert raue mir, daß ich deinen Willen tun und recht wandeln und in Ewigkeit meine Wege nicht verderben werde! 11 Und darauf

erhob sie ihr Angesicht zum Himmel und breitete die Finger ihrer Hände aus und tat ihren Mund auf und pries den höchsten Gott, der

Himmel und Erde geschaffen hat, und erstattete ihm Dank und Preis. 12 Und sie sprach: Gepriesen sei Gott, der Herr, und gepriesen sei sein

heiliger Name in alle Ewigkeit, der mir Jakob gegeben hat, einen reinen Sohn und einen heiligen Samen! Denn dein ist er, und dir gehöre

sein Same bis in alle Tage und in allen Geschlechtern bis in Ewigkeit. 13 Segne ihn, o Herr, und lege in meinen Mund wahrhaftigen Segen,

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daß ich ihn segne! 14 Und zur selbigen Zeit, nachdem der Geist der Wahrheit in ihren Mund herabgekommen war, legte sie ihre beiden

Hände auf das Haupt Jakobs und sprach: 15 Gepriesen seiest du, Herr der Wahrheit und Gott der Ewigkeiten. Dich aber segne er vor allen

Menschengeschlechtern. Er gebe dir, mein Sohn, den rechten Weg und deinem Samen eröffne er die Wahrheit. 16 Und er mache deine

Kinder viel in deinem Leben, und sie mögen erstehen nach der Zahl der Monate des Jahrs. Und ihre Kinder mögen zahlreich und groß sein;

mehr als die Sterne des Himmels und als der Sand des Meers sei ihre Zahl. 17 Und er gebe ihnen dieses schöne Land, wie er gesagt hat, er

wolle es dem Abraham geben und seinem Samen nach ihm in allen Tagen, und sie sollten es besitzen als ewigen Besitz. 18Und möge ich von

dir, mein Sohn, gesegnete Kinder bei meinen Lebzeiten sehen, und ein gesegneter und heiliger Same sei all' dein Same. 19 Und wie du den

Geist deiner Mutter in ihrem Leben von Mutterleibe an erquickt hast, so segnet dich meine Liebe, und meine Brüste segnen dich, und mein

Mund und meine Zunge preist dich sehr. 20 Und wachse und breite dich aus auf der Erde, und dein Same sei vollkommen in alle Ewigkeit in

Freude des Himmels und der Erde; und dein Same freue sich und am Tage des großen Friedens habe er Frieden. 21 Dein Name und dein

Same bestehe bis in alle Ewigkeiten, und der höchste Gott sei ihnen Gott und der wahrhaftige Gott wohne bei ihnen, und unter ihnen werde

sein Heiligtum gebaut in alle Ewigkeiten. 22 Wer dich segnet, sei gesegnet, und alles Fleisch, das dir flucht in Lüge, sei verflucht! 23 Und sie

küßte ihn und sprach zu ihm: Der Herr der Welt liebe dich, wie das Herz und die Liebe deiner Mutter sich in dir freut und dich segnet! Und

sie hörte auf zu segnen.

Jakob erschleicht den Erstgeburtssegen.

1 Und im 7. Jahre dieser Jahrwoche rief Isaak den Esau, seinen ältesten Sohn, und sprach zu ihm: Mein Sohn, ich bin alt geworden, und

siehe, meine Augen sind stumpf geworden zu sehen, und ich weiß nicht den Tag meines Todes. 2 Jetzt aber nimm dein Jagdgerät, deinen

Köcher und deinen Bogen, und geh hinaus aufs Feld und jage mir und fange mir etwas, mein Sohn, und bereite mir ein Essen, wie es meine

Seele liebt, und bringe es mir, damit ich esse und meine Seele dich segnet, ehe ich sterbe! 3 Aber Rebekka hörte, wie Isaak zu Esau redete.

4Und Esau ging frühmorgens aufs Feld, um zu jagen und etwas zu fangen und seinem Vater zu bringen. 5 Und Rebekka rief ihren Sohn

Jakob und sprach zu ihm: Siehe, ich habe deinen Vater Isaak gehört, wie er mit deinem Bruder Esau redete, indem er sprach: jage für mich

und bereite mir ein Essen und bringe es mir, ich will es essen und dich segnen vor Gott, ehe ich sterbe. 6 Darum aber höre jetzt, mein Sohn,

auf mein Wort, das ich dir gebieten werde. Geh zu deiner Herde und hole mir zwei schöne Ziegenböckchen, und ich will sie für deinen Vater

zu einem Essen bereiten, wie er es liebt, und du sollst es deinem Vater bringen, und er soll es essen und dich vor Gott segnen, ehe er stirbt,

und du sollst gesegnet sein! 7 Und Jakob sprach zu seiner Mutter Rebekka: Mutter, ich werde nicht sparen in allem, was mein Vater ißt, und

was ihm gefällt; nur fürchte ich, meine Mutter, daß er meine Stimme nicht kennt und daß er mich nicht wird betasten wollen. 8 Du weißt

doch, daß ich glatt bin, und mein Bruder Esau behaart ist, und ich würde vor seinen Augen wie ein Übeltäter erscheinen und würde etwas

tun, was er mir nicht geboten hat, und er würde mir zürnen, und ich würde über mich Fluch bringen und nicht Segen. 9 Und Rebekka, seine

Mutter, sprach zu ihm: Über mich komme dein Fluch, mein Sohn; höre nur auf mein Wort! 10 Und Jakob hörte auf das Wort seiner Mutter

Rebekka und ging und nahm zwei schöne und fette Ziegenböckchen und brachte sie zu seiner Mutter, und seine Mutter bereitete sie zu einem

Essen, wie er es liebte. 11 Und Rebekka nahm die Kleider ihres ältesten Sohnes Esau, die besten, die bei ihr im Hause waren, und bekleidete

damit ihren jüngeren Sohn Jakob, und die Felle der Ziegenböckchen legte sie auf seine Hände und auf seinen nackten Hals. 12 Und sie gab

ihm das Gericht und Brot, das sie bereitet hatte, in die Hand ihres Sohnes Jakob. 13 Und Jakob kam zu seinem Vater und sprach: Ich bin dein

Sohn; ich habe getan, wie du mir gesagt hast. Setze dich auf und iß von dem, was ich gefangen habe, Vater, daß mich deine Seele segne! 14

Und Isaak sprach zu seinem Sohne: Wie hast du so rasch etwas gefunden, mein Sohn? 15 Und Jakob sprach: Weil dein Gott vor mir mich

finden ließ! 16 Und Isaak sprach: Komm heran, damit ich dich betaste, mein Sohn, ob du mein Sohn Esau bist oder nicht bist. 17 Und Jakob

kam heran zu seinem Vater Isaak, und er betastete ihn und sagte: 18 Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände. Und

er erkannte ihn nicht, weil es eine Schickung vom Himmel war, ihn nicht zu erkennen. Und Isaak erkannte ihn nicht; denn seine Hände

waren wie die Hände Esaus behaart, so daß er ihn segnete. 19 Und er sprach: Bist du mein Sohn Esau? Und er sprach: Ich bin dein Sohn!

Und er sprach: Bringe es mir her, damit ich esse von dem, was du gefangen hast, mein Sohn, damit dich meine Seele segne! 20Und er

brachte es ihm, und er aß, und er brachte ihm Wein, und er trank. 21Und sein Vater Isaak sprach zu ihm: Tritt herzu und küsse mich, mein

Sohn! Und er trat herzu und küßte ihn. Und er roch den Geruch des Duftes seiner Kleider und segnete ihn und sprach: Siehe, der Duft meines

Sohnes ist wie der Duft des Feldes, das Gott gesegnet hat. 23 Und Gott gebe dir, und er gebe viel von dem Tau des Himmels und von dem

Tau der Erde, und Überfluß an Korn und Öl gebe er dir reichlich; es sollen Völker dir untertan werden und Nationen sich vor dir beugen. 24

Sei ein Herr über deine Brüder, und vor dir sollen sich beugen die Söhne deiner Mutter. Und alle Segnungen, mit denen Gott mich gesegnet

und meinen Vater Abraham gesegnet hat, mögen dir und deinem Samen bis in Ewigkeit zu teil werden; wer dir flucht, sei verflucht, und wer

dich segnet, sei gesegnet ! 25 Und es geschah, nachdem Isaak aufgehört hatte, seinen Sohn Jakob zu segnen, und es geschah, nachdem Jakob

von seinem Vater Isaak fortgegangen war, da verbarg er sich, aber sein Bruder Esau kam von seiner Jagd. 26 Und auch er bereitete ein Essen

und brachte es seinem Vater und sprach zu seinem Vater: Mein Vater erhebe sich und esse von meiner Beute, damit mich deine Seele segne!

27 Und sein Vater Isaak sprach zu ihm: Wer bist du? Und er sprach zu ihm: Ich bin dein Erstgeborener, dein Sohn Esau; ich habe getan, wie

du mir geboten hast. 28 Und Isaak erstaunte über alle Maßen und sprach: Wer ist dieser, der gejagt und gefangen und mir gebracht hat? Und

ich habe gegessen von allem, ehe du kamst, und habe ihn gesegnet: gesegnet solle er sein und all' sein Same bis in Ewigkeit! 29Und es

geschah, als Esau die Rede seines Vaters Isaak gehört hatte, da schrie er mit sehr lauter und kläglicher Stimme und sprach zu seinem Vater:

Segne auch mich, Vater! 30 Und er sprach zu ihm: Dein Bruder ist mit List gekommen und hat deine Segnungen weggenommen! Und er

sprach: jetzt weiß ich, weshalb sein Name Jakob genannt ist. Siehe, er hat mich jetzt zum zweiten Male betrogen: mein Erstgeburtsrecht hat

er genommen, jetzt hat er auch meinen Segen genommen! 31 Und er sprach: Hast du keinen Segen mehr für mich übrig, Vater? Und Isaak

antwortete und sprach zu Esau: Siehe, zum Herrn habe ich ihn für dich gesetzt und alle seine Brüder habe ich ihm gegeben, daß sie ihm

Knechte seien, und Überfluß an Korn und Wein und Öl habe ich ihm bestimmt, und für dich, was kann ich da jetzt noch tun, mein Sohn? 32

Und Esau sprach zu seinem Vater Isaak: Besitzest du denn nur einen einzigen Segen, o Vater? Segne auch mich, Vater! Und Esau erhob

seine Stimme und weinte. 33 Und Isaak antwortete und sprach zu ihm: Siehe, fern vom Tau der Erde soll dein Wohnen sein und fern vom

Tau des Himmels droben. 34 Und von deinem Schwerte sollst du leben und deinem Bruder untertan sein. Und es wird geschehen, wenn du

dich weigerst und sein Joch von deinem Halse abschüttelst, dann wirst du eine völlige Todsünde begehen, und dein Same wird hinweggetilgt

werden unter dem Himmel! 35 Und Esau bedrohte Jakob wegen des Segens, mit dem ihn sein Vater gesegnet hatte, und er sprach in seinem

Herzen: Jetzt mögen die Tage der Trauer um meinen Vater kommen, und dann will ich meinen Bruder Jakob töten!

Rebekka veranlaßt Isaak, den Jakob nach Mesopotamien zu senden. Jakobs Traum und Gelübde zu Bethel.

1 Und es wurde der Rebekka im Traume das Wort ihres ältesten Sohnes Esau gesagt, und Rebekka schickte und rief ihren jüngeren Sohn

Jakob und sprach zu ihm: 2 Siehe, dein Bruder Esau sinnt auf Rache an dir, um dich zu töten. 3 Jetzt aber, mein Sohn, höre auf mein Wort

und mache dich auf und fliehe zu meinem Bruder Laban nach Haran und bleibe einige Tage bei ihm, bis sich der Zorn deines Bruders

wendet, und er von seinem Zorne gegen dich abläßt und alles, was du ihm getan hast, vergißt. Und dann will ich hinschicken und dich von

dort holen lassen. 4 Und Jakob sprach: Ich fürchte mich nicht; wenn er mich töten will, werde ich ihn töten! 5 Und sie sprach zu ihm: Ich

möchte nicht meine beiden Kinder an einem Tage verlieren! 6 Und Jakob sprach zu seiner Mutter Rebekka: Siehe, du weißt, daß unser Vater

alt ist und nicht mehr sehen kann, weil seine Augen stumpf geworden sind; und wenn ich ihn verlasse, so ist es böse vor seinen Augen, daß

ich ihn verlasse und von euch gehe, und mein Vater wird mir zürnen und mich verfluchen. Ich werde nicht gehen. Wenn er mich entläßt, nur

dann werde ich gehen! 7 Und Rebekka sprach zu Jakob: Ich werde hineingehen und mit ihm reden, und er wird dich entlassen. 8 Und

Rebekka ging hinein und sprach zu Isaak: Ich bin meines Lebens überdrüssig wegen der beiden Hethiterinnen, die sich Esau zu Weibern

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genommen hat; und wenn auch Jakob ein Weib nimmt von den Töchtern des Landes, die wie jene sind, wozu lebe ich dann noch? Denn böse

sind die Töchter Kanaans! 9 Und Isaak rief den Jakob und segnete ihn und ermahnte ihn und sprach zu ihm: 10 Nimm dir kein Weib von

allen Töchtern Kanaans! Mache dich auf und geh nach Mesopotamien zum Hause Bethuels, des Vaters deiner Mutter, und nimm dir ein

Weib von dort, von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter. 11 Und der allmächtige Gott segne dich und mache dich groß und viel,

daß du zu einem Haufen von Völkern werdest, und er gebe dir die Segnungen meines Vaters Abraham, dir und deinem Samen nach dir,

damit du das Land deiner Fremdlingschaft erbest und alles Land, das Gott Abraham gegeben hat. Geh, mein Sohn, in Frieden! 12 Und Isaak

entließ den Jakob, und er ging nach Mesopotamien zu Laban, dem Sohne Bethuels, des Syrers, des Bruders der Rebekka, der Mutter Jakobs.

13 Und es geschah, nachdem sich Jakob aufgemacht hatte, nach Mesopotamien zu gehen, da ward der Geist Rebekkas betrübt um ihren

Sohn, und sie weinte. 14 Und Isaak sprach zu Rebekka: Meine Schwester, weine nicht wegen meines Sohnes Jakob. Denn in Frieden wird er

gehen und in Frieden heimkehren. 15 Der höchste Gott wird ihn vor allem Bösen behüten und mit ihm sein; denn er wird ihn in allen seinen

Tagen nicht verlassen. 16 Denn ich weiß, daß er seine Wege lenken wird in allem, wo er geht, bis er in Frieden zu uns zurückkehrt, und wir

ihn in Frieden sehen. 17 Fürchte seinetwegen nicht, meine Schwester, denn sein Weg ist der rechte, und er ist ein vollkommener Mann und

ist gläubig und wird nicht umkommen; weine nicht! 18 Und Isaak tröstete die Rebekka über ihren Sohn Jakob und segnete ihn. 19 Und Jakob

zog fort vom Brunnen des Schwures, um nach Haran zu ziehen, im 1. Jahre der 2. Jahrwoche des 44. Jubiläums. Und er kam nach Lus im

Gebirge, das ist Bethel, am Neumonde des 1. Monats dieser Jahrwoche, und er gelangte zu dem Orte des Abends und wich in dieser Nacht

vom Wege ab westlich von der Straße; und er schlief dort, denn die Sonne war untergegangen. 20 Und er nahm einen von den Steinen jenes

Orts und legte ihn zu seinen Häupten unter jenen Baum - und er reiste allein - und schlief ein. 21 Und er träumte in dieser Nacht, wie eine

Leiter auf die Erde gestellt war, deren Spitze den Himmel berührte, und wie die Engel Gottes auf ihr auf und abstiegen, und wie Gott auf ihr

stand. 22 Und er redete mit Jakob und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du

schläfst, werde ich dir und deinem Samen nach dir geben. 23 Und dein Same wird wie der Sand der Erde sein und wird zahlreich sein nach

West und Ost und Nord und Süd, und es werden alle Länder der Völker in dir und in deinem Samen gesegnet werden. 24 Und siehe, ich

werde bei dir sein und dich hüten überall, wo du gehst, und werde dich in Frieden heimführen in dieses Land. Denn ich werde dich nicht

verlassen, bis daß ich alles tue, was ich dir gesagt habe. 25 Und Jakob erwachte aus seinem Schlaf und sprach: Wahrlich, das Haus Gottes ist

dieser Ort, und ich wußte es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Schauerlich ist diese Stätte, die nichts anderes ist als das Haus Gottes,

und dies ist das Tor des Himmels! 26 Und Jakob machte sich des Morgens früh auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt

hatte, und stellte ihn auf als Malstein zum Zeichen und goß Öl oben darauf. Und er nannte den Namen dieser Stätte Bethel; vorher aber hieß

sie Lus nach dem Namen des Landes. 27 Und Jakob tat Gott ein Gelübde, indem er sprach: Wenn Gott mit mir ist und mich behütet auf

diesem Wege, auf dem ich jetzt reise, und mir Brot zu essen und mir Kleider anzuziehen gibt, und ich in Frieden zum Hause meines Vaters

zurückkehre, so soll mir der Herr mein Gott sein; auch soll dieser Stein, den ich als Malstein zum Zeichen an dieser Stätte aufgestellt habe,

ein Haus Gottes sein, und alles, was du mir gegeben hast, werde ich dir verzehnten, mein Gott!

Jakobs Verheiratung mit Lea und Rahel; seine Kinder und sein Reichtum.

1 Und er machte sich auf den Weg und ging nach dem Ostlande zu Laban, dem Bruder Rebekkas, und war bei ihm und diente ihm um seine

Tochter Rahel eine Jahrwoche. 2 Und im 1. Jahre der 3. Jahrwoche sprach er zu ihm: Gib mir mein Weib, um das ich dir sieben Jahre gedient

habe! Und Laban sprach zu Jakob: Ich werde dir dein Weib geben. 3 Und Laban bereitete ein Festmahl und nahm die Lea, seine ältere

Tochter, und gab sie Jakob zum Weibe; und er gab ihr seine Sklavin Silpa zur Leibmagd. Jakob aber wußte es nicht, sondern Jakob glaubte,

daß es Rahel sei. 4 Und er ging zu ihr ein, und siehe, es war Lea. Und Jakob zürnte auf Laban und sprach zu ihm: Warum hast du so an mir

gehandelt? Habe ich dir nicht um Rahel gedient und nicht um Lea? Warum hast du unrecht an mir gehandelt? Nimm deine Tochter, und ich

werde gehen, weil du böse an mir gehandelt hast! 5Denn Jakob liebte Rahel mehr als Lea, weil die Augen der Lea blöde waren; nur ihre

Gestalt war sehr schön, während Rahel schöne Augen hatte und eine sehr schöne und hübsche Gestalt. 6 Und Laban sprach zu Jakob: Es ist

nicht so in unserem Lande Sitte, die jüngere Tochter vor der älteren fortzugeben. Und es ist nicht recht, so zu tun; denn es steht so festgesetzt

und geschrieben auf den himmlischen Tafeln, daß man nicht die jüngere Tochter vor der älteren fortge ben soll; sondern man gibt zuerst die

ältere und nach ihr die jüngere. Und ein Mann, der nicht so handelt - über den berichten sie eine Sünde im Himmel, und wer dies nicht tut, ist

nicht gerecht, sondern dieses Werk ist böse vor Gott! 7 Du aber gebiete den Kindern Israel, daß sie dies nicht tun sollen. Sie sollen die jüngere

weder nehmen, noch geben, ehe sie die ältere haben vorgehen lassen; denn es ist sehr böse. 8 Und Laban sprach zu Jakob: Laß die

sieben Tage des Festes vorübergehen, und dann werde ich dir die Rahel geben, damit du mir noch andere sieben Jahre dienst, daß du meine

Schafe weidest, wie du in der ersten Jahrwoche getan hast. 9 Und zur Zeit, als die sieben Tage des Festes der Lea vorüber waren, gab Laban

dem Jakob die Rahel, damit er ihm andere sieben Jahre diene; und er gab Rahel die Bilha, die Schwester der Silpa, zur Leibmagd. 10 Und er

diente wiederum sieben Jahre um Rahel; denn Lea war ihm umsonst gegeben. 11 Und Gott öffnete den Schoß Leas, und sie ward schwanger

und gebar dem Jakob einen Sohn, und er nannte seinen Namen Ruben, am 14. Tage des 9. Monats im 1. Jahre der 3. Jahrwoche. 12 Der

Schoß Rahels aber war verschlossen; denn Gott hatte gesehen, daß Lea gehaßt, Rahel aber geliebt war. 13 Und Jakob ging wiederum zu Lea

ein, und sie ward schwanger und gebar dem Jakob einen zweiten Sohn, und er nannte seinen Namen Simeon, am 21. des 10. Monats im 3.

Jahre dieser Jahrwoche. 14 Und Jakob ging wiederum zu Lea ein, und sie ward schwanger und gebar ihm einen dritten Sohn, und er nannte

seinen Namen Levi, am Neumonde des 1. Monats im 6. Jahre dieser Jahrwoche. 15 Und Jakob ging wiederum zu ihr ein, und sie ward

schwanger und gebar ihm einen vierten Sohn, und er nannte seinen Namen Juda, am 15. des 3. Monats im 1. Jahre der 4. Jahrwoche. 16 Und

wegen alles dessen wurde Rahel eifersüchtig auf Lea, weil sie nicht gebar, und sprach zu Jakob: Gib mir Kinder! Und Jakob sagte: Habe ich

etwa von dir die Frucht deines Leibes zurückgehalten? Habe ich dich etwa verlassen? 17 Und als Rahel sah, daß Lea dem Jakob vier Kinder

geboren hatte, Ruben und Simeon und Levi und Juda, sprach sie zu ihm: Gehe zu meiner Leibmagd Bilha ein, und sie wird schwanger

werden und mir einen Sohn gebären. 18 Und sie gab ihm ihre Leibmagd Bilha, daß sie ihm zum Weibe sei. Und er ging zu ihr ein, und sie

ward schwanger und gebar ihm einen Sohn, und er nannte seinen Namen Dan, am 9. des 6. Monats, im 6. Jahre der 3. Jahrwoche. 19 Und Jakob

ging wiederum zu Bilha ein, und sie ward schwanger und gebar dem Jakob einen zweiten Sohn, und Rahel nannte seinen Namen

Naphthali, am 5. des 7. Monats im 2. Jahre der 4. Jahrwoche. 20 Und als Lea sah, daß sie unfruchtbar geworden war und nicht gebar, wurde

sie eifersüchtig auf Rahel; und auch sie gab Jakob ihre Leibmagd, die Silpa, zum Weibe. Und sie ward schwanger und gebar einen Sohn, und

Lea nannte seinen Namen Gad, am 12. des 8. Monats im 3. Jahre der 4. Jahrwoche. 21 Und er ging wiederum zu ihr ein, und sie ward

schwanger und gebar ihm einen zweiten Sohn, und Lea nannte seinen Namen Asser, am 2. des 11. Monats im 5. Jahre der 4. Jahrwoche. 22

Und Jakob ging zu Lea ein, und sie ward schwanger und gebar ihm einen Sohn, und nannte seinen Namen Issachar, am 4. des 5. Monats im

4. Jahre der 4. Jahrwoche, und sie gab ihn der Amme. 23 Und Jakob ging wieder zu ihr ein, und sie ward schwanger und gebar Zwillinge,

einen Sohn und eine Tochter. Und sie nannte den Namen des Sohnes Sebulon und den Namen der Tochter Dina, am 7. des 7. Monats des 6.

Jahres der 4. Jahrwoche. 24 Und Gott war der Rahel gnädig und öffnete ihren Schoß, und sie ward schwanger und gebar einen Sohn und

nannte seinen Namen Joseph, am Neumonde des 4. Monats im 6. Jahr in dieser 4. Jahrwoche. 25 Und zu der Zeit, da Joseph geboren wurde,

sprach Jakob zu Laban: Gib mir meine Weiber und meine Kinder, und ich will zu meinem Vater Isaak ziehen und mir ein Haus bauen. Denn

ich habe die Jahre zu Ende gebracht, die ich dir um deine beiden Töchter gedient habe, und will zum Hause meines Vaters ziehen. 26 Und

Laban sprach zu Jakob: Bleibe bei mir um deinen Lohn und hüte mir wieder meine Herde und nimm deinen Lohn. 27 Und sie machten unter

einander ab, daß er ihm als Lohn gäbe alle Lämmer von Schafen und Ziegen, die >schwarz und scheckig< und weiß geworfen würden, die

sollten sein Lohn sein. 28 Und alle Schafe warfen >scheckige und mit bunten Flecken und bunt gesprenkelte< junge, und die warfen wieder

Lämmer, die ihnen gleich waren; und alles mit Flecken gehörte dem Jakob und das ohne Flecken dem Laban. 29Und der Besitz Jakobs ward

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sehr groß, und er erwarb Rinder und Schafe und Esel und Kamele und Sklaven und Sklavinnen. 30 Und Laban und seine Söhne wurden

eifersüchtig auf Jakob, und Laban zog seine Schafe von ihm zurück und sann auf Böses wider ihn.

Jakobs Flucht mit seiner Familie. Sein Vertrag mit Laban.

1 Und es geschah, nachdem Rahel den Joseph geboren hatte, da ging Laban hin, seine Schafe zu scheren; sie waren nämlich drei Tagereisen

von ihm entfernt. 2 Und Jakob sah, daß Laban hinging, seine Schafe zu scheren, und Jakob rief Lea und Rahel und redete ihnen ins Herz, daß

sie mit ihm kommen sollten nach dem Lande Kanaan. 3 Er sagte ihnen nämlich, wie er alles im Traume gesehen, und alles, was er mit ihm

geredet hatte, daß er in das Haus seines Vater zurückkehren solle. Und sie sagten: An jeden Ort, wohin du gehst, werden wir mit dir gehen! 4

Und Jakob pries den Gott seines Vaters Isaak und den Gott seines Großvaters Abraham und machte sich auf und lud seine Weiber und seine

Kinder auf und nahm seine ganze Habe und zog über den Fluß und kam in das Land Gilead. Und Jakob hatte dem Laban seinen Entschluß

verborgen und ihm nichts gesagt. 5 Und im 7. Jahre der 4. Jahrwoche wandte sich Jakob nach Gilead, im 1. Monat am 21. Tage. Und Laban

verfolgte ihn und traf Jakob im Gebirge Gilead, im 3. Monat am 13. Tage. 6 Und Gott ließ nicht zu, daß er dem Jakob Böses tat; denn er war

ihm bei Nacht im Traum erschienen. Und Laban redete mit Jakob. Und am 15. dieser Tage bereitete Jakob dem Laban und allen, die mit ihm

gekommen waren, ein Festmahl, und Jakob schwur dem Laban an diesem Tag und auch Laban dem Jakob, daß sie nicht einer zum anderen

in böser Absicht über das Gebirge Gilead hinaus gehen wollten. 8 Und er errichtete hier einen Steinhaufen zum Zeugnisse; und deswegen

wurde der Name jener Stätte »Steinhaufen des Zeugnisses« genannt wie dieser Hügel. 9 Früher aber nannte man das Land Gilead Land der

Rephaiter; denn das Land der Rephaiter ist dies, und dort sind die Rephaiter geboren, die Riesen, die zehn Ellen und neun Ellen und acht

Ellen bis herunter zu sieben Ellen lang waren. 10 Und ihre Wohnungen waren vom Lande der Kinder Ammon bis zum Berge Hermon, und

der Sitz ihrer Herrschaft waren Karnain und Astaroth und Edrei und Misur und Beon. 11 Und Gott vernichtete sie wegen der Bosheit ihres

Tuns; denn sie waren sehr gewalttätig. Und es wohnten statt ihrer die bösen und sündigen Amoriter, und es gibt heute kein Volk, das alle seine

Sünden so zum Äußersten getrieben hat, und sie haben kein langes Leben mehr auf Erden. 12 Und Jakob entließ den Laban, und er ging

nach Mesopotamien, dem Ostlande. Und auch Jakob kehrte um nach dem Lande Gilead.

Jakob versöhnt sich mit Esau, wohnt in Kanaan und unterstützt seine Eltern.

13 Und er zog über den Jabbok im 9. Monat am 11. Tage. Und an diesem Tage kam sein Bruder Esau zu ihm, und er versöhnte sich mit ihm,

und er ging fort von ihm in das Land Seir, Jakob aber wohnte in Zelten. 14 Und im 1. Jahre der 5. Jahrwoche in diesem Jubiläum zog er über

den Jordan und wohnte jenseits des Jordan und weidete seine Schafe vom Salz-Meere bis nach Beth Sean und bis nach Dothain und bis zum

Walde von Akrabbim. 15 Und er schickte seinem Vater Isaak von all' seinem Besitze: Kleider und Nahrung und Fleisch und Trank und

Milch und Öl und Käse und Datteln des Tales. 16 Und so auch seiner Mutter Rebekka, viermal des Jahres zwischen den Zeiten der Monate,

zwischen Pflügezeit und Ernte und zwischen Herbst und Regenzeit und zwischen Winter und Frühling zum Turine des Abraham. 17 Denn

Isaak war vom Brunnen des Schwurs umgekehrt und zum Turme seines Vaters Abraham hinaufgewandert und wohnte dort fern von seinem

Sohn Esau. 18 Denn in den Tagen, da Jakob nach Mesopotamien gegangen war, hatte sich Esau Mahalath, die Tochter Ismaels, zum Weibe

genommen und hatte alle Herden seines Vaters und seine Weiber zu sich versammelt und war hinaufgezogen und wohnte auf dem Gebirge

Seir und hatte seinen Vater Isaak beim Brunnen des Schwurs allein gelassen. 19 Und Isaak zog hinauf vom Brunnen des Schwurs und

wohnte im Turme seines Vaters Abraham auf dem Gebirge von Hebron. 20 Und dorthin schickte Jakob alles, an seinen Vater und seine

Mutter, allen ihren Bedarf, und sie segneten Jakob mit ihrem ganzen Herzen und mit ihrer ganzen Seele.

Die Schändung der Dina. Das Blutbad zu Sichern. Gesetze über die Ehe zwischen Isrealiten und Heiden. Erwählung Levis.

1 Und im 1. Jahre der 6. Jahrwoche zog er in Frieden hinauf nach Salem, das gegen Osten von Sichern liegt, im 4. Monate. 2 Und dort

raubten sie Dina, die Tochter Jakobs, in das Haus Sichems, des Sohnes des Hevithers Hemor, des Landesfürsten, und er schlief mit ihr und

verunreinigte sie; sie aber war ein kleines Mädchen von zwölf Jahren. 3 Und er bat ihren Vater und ihre Brüder, daß sie ihm zum Weibe

gegeben würde; und Jakob und seine Söhne zürnten auf die Männer von Sichern, weil sie ihre Schwester Dina verunreinigt hatten, und sie

redeten mit ihnen in verräterischer Absicht und übe rlisteten und betrogen sie. 4 Und Simeon und Levi zogen plötzlich nach Sichern und

hielten Gericht über alle Männer von Sichern und töteten jeden Mann, den sie darin fanden, und ließen darin auch nicht einen übrig; alle

töteten sie unter Qualen, weil sie ihre Schwester Dina verunreinigt hatten. 5 Und so soll hinfort nicht mehr getan werden, daß eine Tochter

Israels verunreinigt werde; denn im Himmel ist über sie die Strafe angeordnet, daß sie mit dem Schwert alle Männer von Sichern

vernichteten, weil sie eine Schandtat in Israel verübt hatten. 6 Und Gott überlieferte sie in die Hand der Söhne Jakobs, damit sie sie mit dem

Schwert ausrotteten und Gericht über sie hielten, und damit es nicht mehr so geschehe in Israel, daß eine israelitische Jungfrau verunreinigt

werde. 7 Und wenn ein Mann unter Israel ist, der seine Tochter oder seine Schwester irgend einem Manne aus dem Samen der Heiden geben

will, der soll des Todes sterben, und man soll ihn steinigen, denn er hat eine Schandtat in Israel verübt. Andererseits sollen sie das Weib mit

Feuer verbrennen, weil es den Namen des Hauses seines Vaters verunreinigt hat, und es soll aus Israel hinweggetilgt werden. 8 Und es soll

keine Ehebrecherin und keine Unreinheit in Israel gefunden werden alle Tage der Geschlechter der Erde; denn Israel ist Gott geheiligt, und

jeder Mann, der es verunreinigt, soll des Todes sterben, und man soll ihn steinigen. 9 Denn so steht angeordnet und geschrieben auf den

himmlischen Tafeln über allen Samen Israels, wer es verunreinigt, soll des Todes sterben und gesteinigt werden. 10 Und für dieses Gesetz

gibt es keine Beschränkung der Tage und keine Vergebung und keine Verzeihung; sondern vielmehr soll der Mann hinweggetilgt werden,

der seine Tochter verunreinigt hat inmitten von ganz Israel, weil er von unter seinem Samen dem Moloch gegeben und die Sünde begangen

hat, es zu verunreinigen. 11 Du aber, Mose, gebiete den Kindern Israel und bezeuge ihnen, daß sie von ihren Töchtern nicht den Heiden

geben und selbst nicht von den Töchtern der Heiden Weiber nehmen; denn verworfen ist dies vor Gott. 12 Und deswegen habe ich dir in den

Worten des Gesetzes alles Tun der Sichemiten aufgeschrieben, das sie an Dina verübt haben, und wie die Söhne Jakobs sprachen, indem sie

sagten: Wir werden unsere Tochter nicht einem Manne geben, der eine Vorhaut hat; denn das wäre eine Schmach für uns. 13 Und eine

Schmach ist es für Israel, für die, die geben, und für die, die von den Töchtern der Heiden Weiber nehmen; denn unrein und verworfen ist es

für Israel. 13 Und Israel wird nicht rein werden von dieser Unreinheit, wenn es ein Weib hat von den Töchtern der Heiden, und wenn unter

seinen Töchtern eine ist, die es einem Manne von irgendwelchen Heiden gegeben hat. 15 Sondern Plage über Plage bringt das, und Fluch

über Fluch und allerlei Strafe und Plage und Fluch wird kommen, sowohl wenn es dies tut, als auch, wenn es seine Augen zudrückt vor

denen, die Unreinheit tun, und vor denen, die das Heiligtum Gottes entweihen, und vor denen, die seinen heiligen Namen beflecken; dann

wird alles Volk gemeinsam wegen all' dieser Unreinheit und Befleckung gerichtet werden. 16 Und es wird kein Ansehen der Person sein und

es wird keine Berücksichtigung der Person sein, und aus seinen Händen werden nicht angenommen Früchte und Opfer und Brandopfer und

Fett und Räucherung schönen Geruchs, daß er es annehme. Sondern jeder Mann und jedes Weib, die solches getan in Israel sollen Entweiher

seines Heiligtums sein.17Deswegen habe ich dir geboten, indem ich sprach: Bezeuge dies Zeugnis über Israel! Sieh', wie es den Sichemiten

und ihren Kindern ergangen ist, wie sie in die Hand der beiden Söhne Jakobs überliefert wurden, und sie sie unter Qualen töteten, und es

gereichte ihnen zur Gerechtigkeit, und es wurde ihnen zur Gerechtigkeit angeschrieben. 18 Und der Same Levis ward zum Priestertum

erwählt und zu Leviten, daß sie vor Gott dienen, wie wir alle Tage, und daß Levi und seine Söhne in Ewigkeit gesegnet werden. Denn er

eiferte, daß er Gerechtigkeit und Gericht und Rache an allen übe, die sich gegen Israel erheben. 19 Und so berichten sie für ihn zum

Zeugnisse auf den himmlischen Tafeln Segen und Gerechtigkeit vor dem Gott aller. 20 Und wir gedenken der Gerechtigkeit, die ein Mensch

in seinem Leben geübt hat. Zu allen Zeiten des Jahres, bis zu tausend Geschlechtern, berichten sie es, und demgemäß wird ihm und seinen

Geschlechtern nach ihm geschehen, und er ist als Freund und Gerechter auf den himmlischen Tafeln aufgeschrieben. 21 Alles dies habe ich

dir aufgeschrieben und dir geboten, daß du den Kindern Israel sagest, sie sollten keine Sünde tun und die Ordnung nicht überschreiten und

den Bund nicht brechen, der ihnen angeordnet ist, damit sie ihn halten und als Freunde aufgeschrieben werden. 22 Wenn sie ihn aber

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überschreiten und auf lauter Wegen der Unreinheit wandeln, werden sie auf den himmlischen Tafeln als Feinde aufgeschrieben und aus dem

Buche des Lebens getilgt und in das Buch derer, die umkommen werden, geschrieben werden und zusammen mit denen, die von der Erde

hinweggetilgt werden. 23 Und an dem Tage, da die Söhne Jakobs die Sichemiten töteten, kam für sie eine Schrift in den Himmel, daß sie

Gerechtigkeit und Recht und Rache an den Sündern geübt, und es wurde zum Segen aufgeschrieben. 24 Und sie führten ihre Schwester Dina

aus dem Hause Sichems heraus und nahmen alles, was in Sichern war, als Beute mit: ihre Schafe, ihre Kinder, ihre Esel, alle ihre Herden und

all' ihren Besitz und brachten alles zu ihrem Vater Jakob. 25 Und er redete mit ihnen darüber, daß sie die Einwohner der Stadt getötet hatten,

denn er fürchtete sich vor denen, die im Lande wohnten, vor den Kanaanitern und den Pheresitern. 26Und es lag ein von Gott gewirkter

Schrecken auf allen Städten in der Umgebung von Sichern, und sie erhoben sich nicht, die Kinder Jakobs zu vertreiben; denn Schrecken hatte

sie befallen.

Jakobs Zug über Bethel nach Hebron. Isaak segnet Levi und Juda.

1 Und am Neumonde des ... Monats redete Jakob mit allen Leuten seines Hauses, indem er sprach: Reinigt euch und wechselt eure Kleider;

und wir wollen uns aufmachen und hinauf nach Bethel ziehen, wo ich an dem Tage, da ich vor dem Angesicht meines Bruders Esau floh,

eine Gelübde tat dem, der mit mir war und mich in dieses Land in Frieden heimkehren ließ. Schafft die fremden Götter hinweg, die unter

euch sind! 2 Und sie nahmen die fremden Götter, und was an ihren Ohren und an ihrem Halse war, weg, und die Götzen, die Rahel ihrem

Vater Laban gestohlen hatte, gab sie alle dem Jakob, und er verbrannte, zerstieß, vernichtete und verbarg sie unter der Eiche, die im Lande

von Sichern war. 3 Und er zog am Neumonde des 7. Monats gen Bethel hinauf. Und er erbaute einen Altar an der Stätte, wo er geschlafen

hatte, und errichtete dort einen Malstein und schickte zu seinem Vater Isaak, er möchte zu ihm zu seinem Altare kommen, und auch zu seiner

Mutter Rebekka schickte er. 4 Und Isaak sprach: Mein Sohn Jakob komme, und ich will ihn sehen, ehe ich sterbe! 5 Und Jakob ging zu

seinem Vater Isaak und zu seiner Mutter Rebekka nach dem Hause seines Vaters Abraham, indem er zwei von seinen Söhnen, Levi und

Juda, mit sich nahm, und kam zu seinem Vater Isaak und zu seiner Mutter Rebekka. 6Und Rebekka kam aus dem Turm heraus an die Türe

des Turms, um Jakob zu küssen und zu umarmen, denn ihr Geist war wieder aufgelebt, als sie hörte: Siehe, dein Sohn Jakob ist gekommen!

und sie küßte ihn. 7 Und sie sah seine beiden Söhne und erkannte sie und sprach zu ihm: Das sind deine Söhne, mein Sohn? Und sie

umarmte sie und küßte sie und segnete sie, indem sie sprach: In euch werde der Same Abrahams berühmt, und ihr werdet zum Segen sein auf

der Erde! 8 Und Jakob ging hinein zu seinem Vater Isaak in sein Gemach, in dem er schlief, während seine beiden Kinder bei ihm waren,

und er ergriff die Hand seines Vaters und sich niederbeugend küßte er ihn, und Isaak hing am Halse seines Sohnes Jakob und weinte an

seinem Halse. 9 Und der Schatten wich von den Augen Isaaks, und er sah die beiden Söhne Jakobs, Levi und Juda, und sprach: Sind dies

deine Söhne, mein Sohn? denn sie gleichen dir! 10 Und er sagte zu ihm, daß sie in Wahrheit seine Söhne seien; und wahr hast du gesehen,

daß sie wahrhaftig meine Söhne sind. 11 Und sie traten zu ihm heran, und er wandte sich um und küßte sie und umarmte sie beide zugleich.

12 Und der Geist der Weissagung kam in seinen Mund herab, und er faßte Levi mit seiner rechten Hand und Juda mit seiner linken Hand. 13

Und er wandte sich zuerst zu Levi und fing an, ihn zuerst zu segnen, und sprach zu ihm: Dich segne der Gott aller, er, der Herr aller

Ewigkeiten, dich und deine Söhne in alle Ewigkeiten. 14 Und Gott gebe dir und deinem Samen Größe und großen Ruhm und dich und

deinen Samen bringe er sich nahe von allem Fleische, damit sie in seinem Heiligtume dienen wie die Engel des Angesichts und wie die

Heiligen. Und wie sie wird der Same deiner Söhne sein zum Ruhm und zur Größe und zur Heiligung, und er mache sie groß in alle

Ewigkeiten! 15 Und Fürsten und Richter und Herrscher werden sie sein allem Samen der Kinder Jakobs; das Wort Gottes werden sie in

Wahrheit verkünden und all' sein Gericht in Gerechtigkeit richten und sie werden meine Wege Jakob künden und meine Pfade Israel. Der

Segen Gottes wird in ihren Mund gegeben werden, daß sie allen Samen des Geliebten segnen. 16 Dich hat deine Mutter Levi mit deinem

Namen genannt und in Wahrheit hat sie deinen Namen so genannt; Gott anhangend wirst du sein und ein Genosse aller Söhne Jakobs; sein

Tisch möge dein sein, und du und deine Kinder esset von ihm, und in alle Geschlechter sei dein Tisch voll, und deine Speise fehle nie in alle

Ewigkeiten. 17 Und alle, die dich hassen, sollen vor dir fallen, und alle deine Feinde sollen hinweggetilgt werden und umkommen, und wer

dich segnet, sei gesegnet, und jedes Volk, das dir flucht, sei verflucht! 18 Und auch zu Juda sprach er: Gott gebe dir Kraft und Stärke, daß du

alle niedertretest, die dich hassen! Sei ein Fürst, du und einer von deinen Söhnen, über die Söhne Jakobs. Dein Name und der Name deiner

Söhne gehe aus und verbreite sich über die ganze Erde und in allen Ländern. Dann werden sich die Völker vor deinem Antlitze fürchten, und

alle Völker werden bestürzt und alle Nationen werden bestürzt werden. 19 In dir sei die Hilfe Jakobs, und in dir werde das Heil Israels

gefunden. 20 Und wann du auf dem Throne des Ruhms deiner Gerechtigkeit sitztest, wird tiefer Friede über allem Samen der Kinder des

Geliebten herrschen. Wer dich segnen wird, sei gesegnet, und alle, dich dich hassen und dich quälen und auch die dir fluchen, sollen von der

Erde hinweggetilgt und vernichtet werden und sollen verflucht sein. 21 Und sich wendend, küßte er ihn wiederum und umarmte ihn und

freute sich sehr, daß er die echten Söhne seines Sohnes Jakob gesehen hatte. 22 Und er ging hervor zwischen seinen Füßen und fiel nieder

und neigte sich vor ihm, und er segnete sie, und er ruhte hier nahe bei seinem Vater Isaak in dieser Nacht, und sie aßen und tranken in

Freude. 23 Und er ließ die beiden Söhne Jakobs, den einen zu seiner Rechten und den andern zu seiner Linken schlafen, und das ward ihm

zur Gerechtigkeit gerechnet. 24 Und Jakob erzählte seinem Vater bei Nacht alles, wie Gott ihm große Gnade erwiesen und wie er alle seine

Wege habe gedeihen lassen und ihn vor allem Bösen geschützt habe. 25 Und Isaak pries den Gott seines Vaters Abraham, der sein Erbarmen

und seine Gerechtigkeit an dem Sohne seines Knechtes Isaak nicht hatte aufhören lassen.

Rebekka zieht mit Jakob nach Bethel.

26 Und am Morgen sagte Jakob seinem Vater Isaak das Gelübde, das er Gott gelobt, und das Gesicht, das er gesehen hatte, und daß er den

Altar gebaut habe, und alles bereit sei, um das Opfer, wie er gelobt, vor Gott darzubringen, und daß er gekommen sei, ihn auf einem Esel zu

laden. 27 Und Isaak sprach zu seinem Sohne Jakob: Ich kann nicht mit dir kommen. Denn ich bin alt und kann die Reise nicht aushalten;

geh, mein Sohn, in Frieden! Denn ich bin heute 165 Jahre alt, ich kann nicht mehr reisen. Lade deine Mutter auf, daß sie mit dir gehe. 28

Und ich weiß ja, mein Sohn, daß du meinetwegen gekommen bist, und dieser Tag sei gesegnet, an dem du mich noch lebend gesehen hast,

und auch ich dich gesehen habe, mein Sohn. 29 Mit Glück führe das Gelübde, das du gelobt hast, aus und zögere nicht mit deinem Gelübde,

sondern suche das Gelübde auszuführen; jetzt aber mühe dich, es auszuführen, und der Allschöpfer, dem du das Gelübde gelobt hast, habe

Gefallen daran! 30 Und er sprach zu Rebeka: Geh mit deinem Sohne Jakob! Und Rebekka ging mit ihrem Sohne Jakob, während Debora bei

ihr war, und sie kamen nach Bethel. 31 Und Jakob gedachte des Gebets, mit dem sein Vater ihn und seine beiden Söhne Levi und Juda

gesegnet hatte, und er freute sich und pries den Gott seiner Väter Abraham und Isaak. 32 Und er sprach: jetzt weiß ich, daß ich eine ewige

Hoffnung habe und auch meine Kinder vor dem Gott aller; und so ist es angeordnet über die beiden, und sie berichten für sie in ewigem

Zeugnis auf den himmlischen Tafeln, wie Isaak sie gesegnet hat.

Jakob in Bethel, Levi träumt, Jakob opfert, setzt Levi zum Priester ein und bestimmt den Zehnten.

1 Und er blieb diese Nacht in Bethel, und Levi träumte, daß sie ihn eingesetzt und zum Priester des höchsten Gottes gemacht hätten, ihn und

seine Söhne bis in Ewigkeit. Und er erwachte aus seinem Schlaf und pries Gott. 2 Und Jakob machte sich früh am Morgen auf, am 14. Tage

dieses Monats, und verzehntete alles, was mit ihm gekommen war, vom Menschen bis zum Vieh, vom Golde bis zu allem Geräte und

Kleidung, und er verzehntete alles. 3 Und in diesen Tagen ward Rahel mit ihrem Sohne Benjamin schwanger. Und Jakob zählte von ihm ab

seine Söhne aufwärts, und das Los Gottes traf Levi, und sein Vater bekleidete ihn mit priesterlichen Kleidern und füllte seine Hände. 4 Und

am 15. (Tage) dieses Monats brachte er auf den Altare 14 Stiere von Rindern, 28 Widder, 49 Schafe, 60 Böcke und 29 Ziegenböcke als

Ganzopfer auf den Altar, ein wohlgefälliges Opfer zu schönem Dufte vor Gott. 5 Dies war seine Gabe nach dem Gelübde, in dem er gelobt

hatte, zu zehnten, samt ihrem Frucht- und ihrem Trankopfer. 6 Und als das Feuer es verzehrt hatte, räucherte er Weihrauch oben über dem

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Feuer und zum Heilsopfer 2 Stiere, 4 Widder, 4 Schafe, 4 Böcke, 2 einjährige Schafe und 2 Ziegenböcke; so tat er täglich sieben Tage lang. 7

Und er und alle seine Söhne und seine Leute aßen dort in Freuden sieben Tage, und er pries und dankte Gott, der ihn aus aller seiner

Bedrängnis gerettet und der ihm sein Gelübde erfüllt hatte. 8 Und er verzehntete alles reine Vieh und machte ein GanzOpfer, und alles

unreine Vieh gab er seinem Sohne Levi und die Menschenseelen gab er ihm alle. 9 Und Levi ward Priester in Bethel vor seinem Vater Jakob,

im Vorzug vor seinen zehn Brüdern, und war dort Priester, und Jakob gab sein Gelübde. So zehntete er wiederum Gotte den Zehnten, und er

heiligte ihn, und er wurde ihm heilig. 10 Und deswegen ist aus den himmlischen Tafeln als ein Gesetz angeordnet, den zweiten Zehnten zu

zehnten, ihn Jahr für Jahr vor Gott an dem Orte zu essen, der erwählt ist, daß sein Name auf ihm wohne, und für dieses Gesetz gibt es keine

Beschränkung der Tage immerdar. 11 Diese Ordnung ist aufgeschrieben, daß sie Jahr für Jahr erfüllt werde: den Zehnten zweimal vor Gott

an dem Orte zu essen, der erwählt ist, und man darf nichts von ihm von diesem Jahr aufs folgende Jahr übriglassen. 12 Sondern in seinem

Jahr soll der Same gegessen werden während der Tage der Einsammlung des Samens dieses Jahres und Wein während der Tage des Weins,

und das Öl während der Tage seiner Zeit. 13 Und alles, was von ihm übrigbleibt, und was alt wird, werde als befleckt angesehen; es

verbrenne im Feuer, denn es ist unrein. 14 Und so sollen sie es gemeinsam im heiligen Hause essen und sollen es nicht alt werden lassen.

15Und alle Zehnten von Rindern und Schafen sollen Gott heilig sein und seinen Priestern gehören, die sie vor ihm Jahr für Jahr essen; denn

so steht es über den Zehnten auf den himmlischen Tafeln angeordnet und eingegraben.

Visionen Jakobs; Geburt Beniamins und Tod Rahels.

16 Und in der folgenden Nacht, am 22. Tage dieses Monats, beschloß Jakob, diese Stätte zu bebauen und den Hof mit einer Mauer zu

umziehen und ihn zu heiligen und ihn heilig zu machen auf immer für ihn und seine Söhne nach ihm. 17 Und Gott erschien ihm bei Nacht

und segnete ihn und sprach zu ihm: Dein Name soll nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel soll man deinen Namen nennen. 18 Und er

sprach wiederum zu ihm: Ich bin der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; und ich werde dich gar sehr groß und zahlreich machen,

und Könige werden aus dir hervorgehen, und sie werden herrschen überall, wohin der Fuß der Menschenkinder getreten ist. 19 Und ich

werde deinem Samen die ganze Erde, die unter dem Himmel ist, geben und sie werden über alle Völker herrschen, wie sie wollen, und

danach werden sie die ganze Erde besitzen und sie erben in Ewigkeit. 20 Und er hörte auf, mit ihm zu reden, und fuhr auf von ihm, und

Jakob sah, bis er in den Himmel hinaufgefahren war. 21 Und er sah in einem Nachtgesichte, wie ein Engel mit sieben Tafeln in seinen

Händen vom Himmel herabkam, und er gab sie Jakob, und er las sie und las, alles, was darauf geschrieben war, was ihm und seinen Söhnen

in alle Ewigkeiten geschehen werde. 22 Und er zeigte ihm alles, was auf den Tafeln geschrieben stand, und sagte zu ihm: Bebaue diese Stätte

nicht und mache sie nicht zu einem Heiligtume für immer und wohne hier nicht; denn dies ist nicht der Ort! Geh zum Hause deines Vaters

Abraham und wohne bei deinem Vater Isaak bis zum Todestage deines Vaters. 23 Denn in Ägypten wirst du in Frieden sterben, und hier in

diesem Lande wirst du in Ehren in den Grabstätten deiner Väter mit Abraham und Isaak begraben werden. 24Fürchte dich nicht! Denn wie

du gesehen und gelesen hast, so wird alles sein; du nun schreibe alles auf, wie du es gesehen und gelesen hast! 25 Und Jakob sprach: 0 Herr,

wie kann ich das alles behalten, was ich gelesen und gesehen habe? Und er sprach zu ihm: Ich will machen, daß du alles behältst. 26 Und er

fuhr auf von ihm, und er erwachte aus seinem Schlaf und erinnerte sich an alles, was er gelesen und auch gesehen hatte, und schrieb alle

Dinge auf, die er gelesen und die er gesehen hatte. 27 Und er hielt hier noch einen Fest -Tag und opferte an ihm ganz so, wie er in den ersten

Tagen geopfert hatte, und nannte seinen Namen »Zusatz«, denn dieser war hinzugesetzt; und die ersten nannte er »Fest«. 28 Und so war es

offenbar, daß es geschehen solle, und es steht auf den himmlischen Tafeln geschrieben, und deswegen ist ihm offenbart, daß er den Tag

feiern und ihn zu den sieben Tagen des Festes hinzufügen Solle. 29 Und sein Name ward »Zusatz« genannt, als der, welcher hinzukommt ...

der Festtage gemäß der Zahl der Tage des Jahrs. 30 Und in der Nacht, am 23. Tage dieses Monats, starb Debora, die Amme der Rebeka, und

sie begruben sie unterhalb der Stadt unter der Eiche eines Flusses, und er nannte den Namen dieser Stätte »Fluß der Debora« und die Eiche

»Eiche der Klage um Debora« . 31 Und Rebeka ging und kehrte in ihr Haus zurück zu seinem Vater Isaak, und Jakob schickte durch sie

Widder und Schafe und Böcke, damit sie seinem Vater eine Speise bereite, wie er sie wünschte. 32 Und er ging hinter seiner Mutter, bis er

sich dem Lande Kabratan näherte, und dort blieb er. 33 Und Rahel gebar bei Nacht einen Sohn und nannte seinen Namen »Sohn meines

Schmerzes«, denn sie hatte eine schwere Geburt. Sein Vater aber nannte seinen Namen Benjamin, am 11. Tage des 8. Monats im 1. Jahre der

6. Jahrwoche dieses Jubiläums. 34Und Rahel starb dort und wurde im Lande Ephrata, das ist Bethlehem, begraben, und Jakob baute auf dem

Grabe der Rahel einen Malstein, am Wege über ihrem Grabe.

Rubens Versündigung mit Bilha. Gesetzliche Bestimmungen darüber. Die Kinder Jakobs.

1 Und Jakob zog aus und wohnte gen Süden in Magdaladraef. Und er zog zu seinem Vater Isaak, er und sein Weib Lea, am Neumonde des

10. Monats. Und Ruben sah die Bilha, die Leibmagd der Rahel, das Kebsweib seines Vaters, wie sie sich im Verborgenen im Wasser badete,

und er gewann sie lieb. 3 Und in der Nacht kam er heimlich in das Haus der Bilha und fand sie schlafend in ihrem Bette allein in ihrem

Hause. 4 Und er schlief mit ihr, und sie erwachte und sah, wie Ruben mit ihr auf dem Lager schlief, und sie deckte ihren Zipfel auf und hielt

ihn und schrie und erkannte, daß es Ruben war. 5 Und sie schämte sich vor ihm und ließ ihre Hand von ihm, und er floh. 6 Und sie klagte

deswegen Sehr, sagte es aber keinem Menschen. 7 Und als Jakob kam und sie suchte, sprach sie zu ihm: Ich bin nicht rein für dich, weil ich

dir befleckt bin; denn Ruben hat mich verunreinigt und bei Nacht mit mir geschlafen, während ich schlief und nichts wußte, bis er meinen

Zipfel aufdeckte und mit mir schlief. 8 Und Jakob wurde sehr böse auf Ruben, daß er mit Bilha geschlafen hatte; denn er hatte die Decke

seines Vaters aufgedeckt. 9 Und Jakob nahte ihr nicht mehr, weil Ruben sie verunreinigt hatte. Und jeder Mensch, der die Decke seines

Vaters aufdeckt, denn sehr böse ist sein Tun; denn verworfen ist es vor Gott. 10Deswegen steht geschrieben und angeordnet auf den

himmlischen Tafeln, daß kein Mensch mit dem Weibe seines Vaters schlafen und daß er nicht die Decke seines Vaters aufdecken dürfe, denn

das ist unrein. Des Todes sollen sterben sowohl der Mann, der mit dem Weibe seines Vaters schläft, als auch das Weib; denn Unreines haben

sie auf Erden getan. 11 Und es sei keine Unreinheit mehr vor unserem Gott innerhalb des Volkes, das er sich zum Eigentum erwählt hat. 12

Und wiederum ist ferner geschrieben: Verflucht sei, wer mit dem Weibe seines Vaters schläft; denn er hat die Scham seines Vaters entblößt!

Und alle Heiligen Gottes sprachen: Es geschehe! Es geschehe! 13 Du aber, Mose, gebiete den Kindern Israel, daß sie dieses Wort beachten.

Denn eine Todsünde ist es und Unreinheit ist es, und es gibt keine Verzeihung, den Mann zu sühnen, der dies getan hat, in Ewigkeit, sondern

er ist zum Tode zu bringen und zu töten und zu steinigen und hinwegzutilgen aus der Mitte des Volkes unseres Gottes. 14 Denn jedem

Menschen, der das in Israel tut, wird es nicht vergönnt sein, einen Tag auf der Erde zu leben, da er verworfen und unrein ist! 15 Und man soll

nicht sagen: Ruben erhielt Leben und Verzeihung, nachdem er mit dem Kebsweibe seines Vaters geschlafen hatte, während sie noch einen

Mann hatte, und während ihr Mann, sein Vater Jakob, noch am Leben war. 16 Sondern die Ordnung und das Gericht und das Gesetz waren

bis dahin noch nicht vollkommen allen offenbart; denn erst in deinen Tagen ist es wie ein Gesetz der Zeit und der Tage und ein ewiges

Gesetz für die ewigen Geschlechter. 17 Und es gibt für dieses Gesetz keine Vollendung der Tage und keinerlei Verzeihung dafür, außer daß

sie beide hinweggetilgt werden inmitten des Volkes: an dem Tag, an dem sie es getan haben, soll man sie töten. 18 Du aber, Mose, schreibe

es auf für Israel, damit sie es beachten und nach diesem Worte tun und nicht in Todsünden irren; denn ein Richter ist der Herr, unser Gott,

der die Person nicht ansieht und kein Geschenk annimmt. 19 Und sage ihnen diese Rede des Bundes, daß sie hören und sich hüten und auf

der Hut sind davor und nicht umkommen, noch von der Erde hinweggetilgt werden. Denn Unreinheit, Abscheulichkeit, Befleckung und

Entweihung sind alle, die das auf Erden tun, vor unserem Gott. 20 Und es gibt keine größere Sünde als die Hurerei, wie sie auf Erden

umgeht. Denn ein heiliges Volk ist Israel seinem Gott, seinem Herrn, und ein Volk des Erbes ist es und ein priesterliches Volk ist es und ein

königliches Volk ist es und ein Besitz ist es, und es soll nicht sein, daß dergleichen Unreines inmitten des heiligen Volks erscheint. 21 Und

im 3. Jahre dieser 6. Jahrwoche zogen Jakob und alle seine Söhne aus und wohnten im Hause Abrahams nahe bei seinem Vater Isaak und

seiner Mutter Rebeka. 22 Und dies sind die Namen der Kinder Jakobs: sein Erstgeborener Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issachar, Gebulon, die

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Söhne der Lea. Und die Söhne der Rahel: Joseph und Benjamin. Und die Söhne der Bilha: Dan und Naphthali. Und die Söhne der Silpa: Gad

und Asser. Und Dina, die Tochter der Lea, sie war die einzige Tochter Jakobs. 23 Und sie gingen hin und verneigten sich vor Isaak und

Rebekka, und als sie sie sahen, segneten sie Jakob und alle seine Kinder. Und Isaak freute sich sehr, daß er die Kinder seines jüngeren

Sohnes Jakob sah, und segnete sie.

Kampf der Amoriterkönige gegen Jakob und seine Söhne. Verkauf Josephs nach Ägypten. Tod Bilhas und Dinas.

1 Und im 6. Jahre dieser Jahrwoche von diesem 44. Jubiläum schickte Jakob seine Söhne aus, seine Schafe zu hüten, und auch seine Knechte

mit ihnen auf das Gefilde von Sichern. 2 Und es sammelten sich wider sie die sieben Könige der Amoriter, um sie zu töten, indem sie sich

unter einem Busche versteckten, und um

ihr Vieh zu erbeuten. 3 Und Jakob, Levi, Juda und Joseph waren zu Hause bei ihrem Vater Isaak; denn sein Geist war ihm betrübt, und sie

konnten ihn nicht verlassen. Und Benjamin war der jüngste und war deswegen bei seinem Vater geblieben. 4 Und es kamen der König von

Thappuah, der König von Aresa, der König von Saragan, der König von Silo, der König von Gaas, der König von Beth-Horon und der König

von Maanisakir und alle, die in diesem Gebirge wohnten, die im Wald im Lande Kanaan wohnten. 5 Und man berichtete Jakob, indem man

sagte: Siehe, die Könige der Amoriter haben deine Söhne umzingelt und auch ihre Herden haben sie geraubt. 6 Und er machte sich auf von

seinem Hause, er und seine drei Söhne und alle Knechte seines Vaters und seine Knechte, und zog wider sie mit 6000 Mann, die Schwerter

trugen. 7 Und er tötete sie auf dem Gefilde von Sichern und verfolgte, die geflohen waren, und tötete sie mit der Schärfe des Schwertes, und

zwar tötete er Aresa, Tafu, Saregan, Silo, Amanisakir und Gagaas. 8 Und er sammelte seine Herden und gewann die Oberhand über sie und

legte ihnen Tribut auf, daß sie ihm ein Fünftel der Frucht ihres Landes als Tribut gäben, und er erbaute Ruben und Tamnatares. 9 Und er

kehrte in Frieden um und machte Frieden mit ihnen, und sie wurden ihm Knechte bis zu dem Tage, da er und seine Kinder nach Ägypten

hinabzogen. 10 Und im 7. Jahre dieser Jahrwoche schickte er Joseph, damit er sich nach dem Wohlergehen seiner Brüder erkundige, von

seinem Hause nach dem Lande Sichem, und er fand sie im Lande Dothain. 11 Und sie handelten tückisch an ihm und machten einen

Anschlag wider ihn, daß sie ihn töteten; aber indem sie ihren Sinn änderten, verkauften sie ihn an ismaelitische Kaufleute, und sie führten ihn

nach Ägypten hinab und verkauften ihn an Potiphar, einen Eunuchen des Pharao, den Oberkoch, den Priester der Stadt Elew. 12 Und die

Söhne Jakobs schlachteten einen Ziegenbock und bespritzten das Kleid Josephs mit seinem Blut und schickten es zu ihrem Vater Jakob am

10. Tage des 7. Monats. 13 Und er klagte diese ganze Nacht - sie hatten es nämlich am Abende zu ihm gebracht - und fieberte in der Trauer

über seinen Tod und sprach: Ein wildes Tier hat Joseph gefressen. Und es klagten mit ihm alle Leute seines Hauses an diesem Tag und sie

trauerten und klagten mit ihm diesen ganzen Tag. 14 Und seine Söhne und seine Tochter erhoben sich, ihn zu trösten, aber er ließ sich nicht

trösten über seinen Sohn. 15 Und an diesem Tage hörte Bilha, daß Joseph umgekommen sei, und sie starb, indem sie ihn beklagte, während

sie in Kafratet war; und auch seine Tochter Dina starb, nachdem Joseph umgekommen war. Und es kamen über Israel diese drei Klagen in

einem Monat. 16 Und sie begruben Bilha gegenüber dem Grabe der Rahel und auch seine Tochter Dina begruben sie dort. 17 Und er klagte

um Joseph ein Jahr und er sagte nur: Ich will ins Grab fahren, klagend um meinen Sohn. 18 Und deswegen ist angeordnet über die Kinder

Israel, daß sie trauern am 10. des 7. Monats, an dem Tage, da die Nachricht, die ihn um Joseph weinen ließ, zu seinem Vater Jakob kam,

damit sie sich an ihm durch einen jungen Ziegenbock sühnen, am 10. des 7. Monats, einmal des Jahres, wegen ihrer Sünde; denn sie haben

die Liebe ihres Vaters um seinen Sohn Joseph betrübt gemacht. 19 Und dieser Tag ist angeordnet, daß sie ihm über ihre Sünde und über alle

ihre Vergehen und über alle ihre Verirrungen betrübt seien, auf daß sie sich an diesem Tage reinigen, einmal des Jahrs.

Die Weiber der Söhne Jakobs.

20 Und nachdem Joseph verloren war, nahmen sich die Söhne Jakobs Weiber. Das Weib Rubens hieß Ada; das Weib Simeons hieß Adibaa,

die Kanaaniterin; das Weib Levis hieß Milka von den Töchtern Arams aus dem Samen der Söhne Tharahs; das Weib Judas hieß Bathsua, die

Kanaaniterin; das Weib Issachars hieß Hesaka; das Weib Sebulons hieß Niiman; das Weib Dans hieß Egla; das Weib Naphthalis hieß Rasuu,

aus Mesopotamien; das Weib Gads hieß Maka; das Weib Assers hieß Jona; das Weib Josephs hieß Asnath, die Ägypterin, das Weib

Benjamins hieß Jiska. 21 Und Simeon bekehrte sich und nahm ein zweites Weib aus Mesopotarnien, wie seine Brüder.

Letzte Reden und Tod Rebekas.

1 Und im 1. Jahre der 1. Jahrwoche des 45. Jubiläums rief Rebekka ihren Sohn Jakob und gebot ihm in betreff seines Vaters und in betreff

seines Bruders, daß er sie alle Tage des Lebens Jakobs ehren solle. 2 Und Jakob sprach: Ich werde alles tun, wie du mir befohlen; denn Ehre

und Größe ist das für mich und Gerechtigkeit mir vor Gott, daß ich sie ehre. 3 Du aber, o Mutter, kennst von dem Tage an, da ich geboren

bin, bis auf diesen Tag all' mein Tun und alles, was in meinem Herzen ist, wie ich alle Tage gegen alle Gutes denke. 4 Und wie sollte ich dies

nicht tun, was du mir geboten hast, daß ich meinen Vater und meinen Bruder ehren sollte? 5 Sage mir, o Mutter, welche Verkehrtheit du an

mir gesehen hast, und ich werde davon ablassen, und mir wird Güte zu teil werden! 6 Und sie sprach zu ihm: Mein Sohn, in allen meinen

Tagen habe ich an dir gar kein verkehrtes Werk gesehen, sondern nur rechtes. Aber ich werde dir die Wahrheit sagen, mein Sohn. Ich werde

in diesem Jahre sterben und dieses Jahr nicht überleben. Denn ich habe im Traume den Tag meines Todes gesehen, daß ich nicht länger als

155 Jahre leben werde. Und siehe, ich habe alle Tage meines Lebens vollendet, die ich zu leben hatte. 7 Und Jakob lachte über die Rede

seiner Mutter, daß seine Mutter zu ihm sagte, sie werde sterben, während sie doch in ihrer Kraft vor ihm saß, ohne daß sie an ihrer Kraft

schwach geworden war. Denn sie ging ein und aus und sah, und auch ihre Zähne waren fest, und gar keine Krankheit hatte sie berührt alle

Tage ihres Lebens. 8 Und Jakob sprach zu ihr: Glücklich bin ich, o Mutter, wenn meine Tage den Tagen deines Lebens nahe gekommen

sind, und meine Kraft dann noch ebenso in mir ist, wie jetzt deine Kraft. Und du wirst nicht sterben, sondern vergeblich redest du eitles

Geschwätz mit mir über deinen Tod. 9 Und sie ging hinein zu Isaak und sagte zu ihm: Eine Bitte erbitte ich von dir. Laß Esau schwören, daß

er Jakob nichts Böses tun und ihn nicht in Haß vertreiben wolle. Denn du kennst Esaus Sinn, daß er rauh ist von seiner Jugend an; und in ihm

ist keine Tugend, sondern er will ihn nach deinem Tode töten! 10 Und du weißt alles, was er von dem Tage an, da sein Bruder Jakob nach

Haran ging, bis auf diesen Tag getan hat; wie er uns mit seinem ganzen Herzen verlassen und Böses an uns getan hat: deine Herden hat er an

sich gezogen und all' deinen Besitz hat er geraubt vor deinem Antlitz. 11 Und als wir ihn baten und flehten um das, was unser war, tat er wie

ein Mann, der Barmherzigkeit an uns übte. 12 Und er wurde erbittert über dich deswegen, weil du deinen Sohn Jakob, den vollkommenen

und rechtschaffenen, gesegnet hast, weil an ihm nichts Schlechtes war, sondern nur Tugend. Und seitdem er von Haran gekommen ist, bis

auf diesen Tag hat er es uns an nichts fehlen lassen, sondern bringt uns je nach seiner Zeit an jedem Tag und freut sich mit seinem ganzen

Herzen, wenn wir es aus seiner Hand annehmen, und segnet uns und hat sich nicht von uns getrennt, seit er von Haran gekommen ist, bis auf

diesen Tag und bleibt immer bei uns im Hause, indem er uns ehrt. 13 Und Isaak sprach zu ihr: Auch ich weiß und sehe, was Jakob an uns tut,

wie er uns mit seinem ganzen Herzen ehrt; aber ich liebte Esau früher mehr als Jakob, weil er zuerst geboren war. jetzt jedoch liebe ich Jakob

mehr als Esau, denn der hat viel böses Werk getan, und es ist keine Gerechtigkeit an ihm, sondern alle seine Wege sind Ungerechtigkeit und

Gewalttat, und keine Gerechtigkeit ist um ihn. 14 Jetzt aber ist mein Herz in Aufregung wegen all' seiner Taten, und er und sein Same ist

nicht zu retten, sondern sie sind solche, die untergehen werden von der Erde und die hinweggetilgt werden unter dem Himmel. Denn den

Gott Abrahams hat er verlassen und ist hinter seinen Weibern und hinter ihrer Unreinheit und hinter ihrer Verirrung hergegangen, er und

seine Kinder. 15 Du aber sagst zu mir, ich solle ihn schwören lassen, daß er seinen Bruder Jakob nicht töte; wenn er nun auch schwört, so

wird er seinen Schwur nicht halten und wird keine Tugend üben, sondern Bosheit. 16 Aber wenn er seinen Bruder Jakob töten will, so wird

er in die Hand Jakobs gegeben werden und wird aus seiner Hand nicht entkommen, sondern wird in seine Hand fallen. 17 Du aber fürchte

dich nicht in betreff Jakobs; denn der Hüter Jakobs ist größer, mächtiger, geehrter und gepriesener als der Hüter Esaus! 18 Und Rebekka

schickte hin und rief Esau, und er kam zu ihr. Und sie sprach zu ihm: Ich habe eine Bitte, mein Sohn, um die ich dich bitte, und versprich

mir, daß du sie erfüllen willst, mein Sohn. 19 Und er sprach: Ich werde alles tun, was du mir sagst, und werde dir deine Bitte nicht

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abschlagen. 20 Und sie sprach zu ihm: Ich bitte dich, daß du mich an dem Tage, da ich sterbe, fortbringst und nahe bei Sara, der Mutter

deines Vaters, begräbst, und daß ihr euch untereinander liebt, du und Jakob, und keiner gegen seinen Bruder nach Bösem trachte, sondern

nur nach gegenseitiger Liebe, - so werdet ihr Glück haben, meine Söhne, und geehrt sein mitten auf der Erde, und kein Feind wird sich über

euch freuen, und ihr werdet zum Segen und zur Barmherzigkeit sein vor den Augen aller, die euch lieben. 21 Und er sprach: Ich werde alles

tun, was du mir gesagt hast, und werde dich am Tage deines Todes nahe bei Sara, der Mutter meines Vaters, begraben, wie du es wünschest,

daß ihre Gebeine deinen Gebeinen nahe seien. 22 Und auch meinen Bruder Jakob werde ich mehr lieben als alles Fleisch; und ich habe ja

keinen Bruder auf der ganzen Erde außer allein diesen. Und das ist für mich nichts Großes, wenn ich ihn lieb habe. Denn er ist mein Bruder,

und zusammen sind wir gesäet in deinem Leib und zusammen sind wir aus deinem Schoße gekommen, und wenn ich meinen Bruder nicht

liebe, wen soll ich dann lieben? 23 Und gerade ich bitte dich, daß du Jakob mahnest in betreff meiner und in betreff meiner Kinder, denn ich

weiß, daß er über mich und meine Kinder sicherlich herrschen wird, weil an dem Tage, da mein Vater ihn segnete, er ihn hoch und mich

niedrig gemacht hat. 24 Und ich schwöre dir, daß ich ihn lieben und nie nach Bösem wider ihn trachten werde alle Tage meines Lebens,

sondern nur nach Gutem. Und er beschwor ihr alle diese Worte. 25 Und sie rief Jakob vor die Augen Esaus und gebot ihm gemäß den

Worten, die sie mit Esau geredet hatte. 26 Und er sprach: Ich werde tun, was dir gefällt; vertraue mir, daß Böses von mir und meinen

Kindern nicht ausgehen wird gegen Esau, und daß ich in nichts vorangehen werde, außer nur in gegenseitiger Liebe. 27 Und sie aßen und

tranken, sie und ihre Kinder in dieser Nacht, und sie starb, drei Jubiläen und eine Jahrwoche und ein Jahr alt, in dieser Nacht, und ihre beiden

Söhne Esau und Jakob begruben sie in der Doppelhöhle nahe bei Sara, der Mutter ihres Vaters.

Letzte Reden und Tod Isaaks.

1 Und im 6. Jahre dieser Jahrwoche rief Isaak seine beiden Söhne Esau und Jakob, und sie kamen zu ihm, und er sprach zu ihnen: Meine

Kinder, ich werde den Weg meiner Väter gehen, in das Haus der Ewigkeit, wo meine Väter sind. 2 Begrabt mich nun nahe bei meinem Vater

Abraham in der Doppelhöhle auf dem Felde des Hethiters Ephron, die Abraham zu einem Grabdenkmal erworben hat; dort in dem Grabe,

das ich mir selbst gegraben habe, dort begrabt mich! 3 Und dies gebiete ich euch, meine Kinder, daß ihr Gerechtigkeit und Recht übt auf der

Erde, auf daß Gott alles über euch kommen lasse, wie Gott es dem Abraham und seinem Samen zu tun versprochen hat. 4 Und liebt, meine

Söhne, untereinander eure Brüder, wie einer der sich selbst liebt, und sucht einer dem anderen Gutes zu tun und gemeinsam zu handeln auf

der Erde, und sie sollen sich untereinander lieben wie sich selbst. 5 Und in betreff der Götzen gebiete ich euch und ermahne ich euch, daß ihr

sie verwerft und sie haßt und daß ihr sie nicht liebt; denn von Verführung voll sind sie für die, welche ihnen dienen, und für die, welche sie

anbeten. 6 Gedenkt, meine Söhne, des Herrn, des Gottes Abrahams, eures Vaters, und wie auch ich ihn verehrt und ihm gedient habe in

Gerechtigkeit und in Freude, auf daß er euch zahlreich mache und euren Samen anwachsen lasse wie die Sterne des Himmels an Menge und

euch pflanze im Land als eine Pflanze der Gerechtigkeit, die nicht ausgerottet wird für alle Geschlechter in Ewigkeit. 7 Jetzt aber beschwöre

ich euch mit einem großen Schwure - denn es gibt keinen größeren Schwur als diesen! - bei dem gelobten, geehrten, großen, glänzenden,

wunderbaren und mächtigen Namen, der Himmel und Erde und alles zusammen gemacht hat: daß ihr ihn fürchtet und ihm dienet, 8 und daß

ein jeglicher seinen Bruder liebe in Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, und keiner dem anderen Böses wünsche von jetzt an bis in Ewigkeit

alle Tage eures Lebens, damit ihr Glück habt in all' eurem Tun und nicht umkommt. 9 Und wenn einer ist, der von euch wider seinen Bruder

nach Bösem trachtet, so wisset von jetzt ab, daß jeder, der wider seinen Bruder nach Bösem trachtet, in seine Hand fallen und aus dem Lande

der Lebendigen hinweggetilgt werden wird, und daß auch sein Name unter dem Himmel untergehen wird. l0 Und am Tage der Verwirrung

und des Fluchs und des Grimms und des Zorns, dann wird er in brennendem, verzehrendem Feuer, wie er Sodorn verbrannt hat, so sein Land

und seine Stadt und alles, was sein ist, verbrennen, und er wird ausgetilgt werden aus dem Buche der Ermahnung der Menschenkinder und

wird nicht aufgezeichnet werden im Buche des Lebens, sondern in dem der zum Untergange Bestimmten, und wird entweichen zum ewigen

Fluche, damit für jeden Tag ihr Gericht in Schmach und in Fluch und in Zorn und in Qual und in Grimm und in Plage und in Krankheit

ewiglich erneuert werde. 11 Ich sage und bezeuge euch, meine Söhne, wie das künftige Gericht über den Menschen stattfinden wird, der an

seinem Bruder Unrecht tun will. 12 Und er teilte an diesem Tage allen Besitz, den er hat te, unter die beiden und er gab den größeren Teil

dem Manne, der zuerst geboren war, und zwar: den Turm und seine ganze Umgebung und alles, was Abraham bei dem Brunnen des Schwurs

erworben hatte. 13 Und er sprach: Diesen größeren Teil mache ich groß dem Manne, der zuerst geboren ist. 14 Und Esau sprach: Ich habe

mein Erstgeburtsrecht dem Jakob verkauft und dem Jakob gegeben. Und es wird ihm gegeben, und ich habe gar kein Wort darüber zu sagen;

denn es gehört ihm. 15 Und Isaak sprach: Auf euch ruhe Segen, o meine Söhne, und auf eurem Samen an diesem Tage! Denn ihr habt mich

beruhigt, und mein Herz ist nicht mehr betrübt in betreff der Erstgeburt, daß du nämlich ihretwegen kein Unrecht tun willst. 16 Gott, der

Höchste, segne den Mann, der Gerechtigkeit übt, ihn und seinen Samen bis in Ewigkeit! 17 Und er hörte auf, ihnen zu gebieten und sie zu

segnen, und sie aßen und tranken zusammen vor ihm, und er freute sich, daß Einigkeit unter ihnen war, und sie gingen fort von ihm und

legten sich schlafen an diesem Tag und schliefen. 18 Und Isaak schlief auf seinem Bett an diesem Tag, indem er sich freute. Und er

entschlief den ewigen Schlaf und starb 180 Jahre alt; 25 Jahrwochen hatte er vollendet und 5 Jahre. Und seine Söhne, Esau und Jakob,

begruben ihn. 19 Und Esau ging nach dem Land Edom auf das Gebirge Seir und wohnte dort. 20 Und Jakob wohnte auf dem Gebirge Hebron,

im Turme des Landes der Fremdlingschaft seines Vaters Abraham, und er diente Gott mit seinem ganzen Herzen und gemäß den

sichtbaren Geboten, ... 21 Und sein Weib Lea starb im 4. Jahre der 2. Jahrwoche des 45. Jubiläums, und er begrub sie in der Doppelhöhle

nahe bei seiner Mutter Rebekka zur Linken des Grabes der Sara, der Mutter seines Vaters. 22 Und es kamen alle ihre Söhne und seine Söhne,

um Lea, sein Weib, mit ihm zu beweinen und ihn über sie zu trösten, da er sie beklagte. 23 Denn er liebte sie gar sehr, seitdem ihre

Schwester Rahel gestorben war, weil sie vollkommen war und recht auf allen ihren Wegen und Jakob ehrte. Und in allen Tagen, die sie mit

ihm lebte, hörte er kein rauhes Wort aus ihrem Munde, sondern sie besaß Milde und Frieden und Recht und Ehre. 24 Und er gedachte aller

ihrer Taten, die sie bei ihren Lebzeiten getan, und beklagte sie sehr, denn er liebte sie mit seinem ganzen Herzen und mit seiner ganzen Seele.

Esau und seine Söhne ziehen in den Kampf gegen Jakob.

1 Und an dem Tag, an dem Isaak, der Vater Jakobs und Esaus, starb, hörten die Söhne Esaus, daß Isaak dem Jakob, seinem jüngeren Sohne,

das Erstgeburtsrecht gegeben habe, und sie wurden sehr zornig. 2 Und sie stritten mit ihrem Vater, indem sie sprachen: Warum hat dein

Vater, während du doch der Ältere bist, und während Jakob jünger ist, dem Jakob das Erstgeburtsrecht gegeben und dich übergangen? 3 Und

er sprach zu ihnen: Weil ich selbst dem Jakob mein Erstgeburtsrecht um ein geringes Linsengericht verkauft habe. Und an dem Tag, an dem

mich mein Vater ausschickte, zu jagen und etwas zu fangen und ihm zu bringen, damit er esse und mich segne, da kam er listiger Weise und

brachte meinem Vater Speise und Trank, und mein Vater segnete ihn und mich tat er unter seine Hand. 4 Jetzt aber hat uns unser Vater

schwören lassen, mich und ihn, daß wir untereinander nicht nach Bösem trachten sollen, einer wider den anderen, und daß wir in

gegenseitiger Liebe und in Frieden seien, einer mit dem andern, und unsere Wege nicht verderben sollen. 5 Und sie sprachen zu ihm: Wir

werden nicht auf dich hören, Frieden mit ihm zu halten; denn unsere Macht ist stärker als seine Macht, und wir sind stärker als er. Wir

werden gegen ihn ziehen und ihn töten und ihn vernichten, ihn und seine Söhne. Und wenn du nicht mit uns ziehst, werden wir auch dir

Übles antun. 6 Jetzt aber höre auf uns: und wir wollen nach Aram schicken und zu den Philistern und nach Moab und nach Ammon und

wollen uns auserlesene Leute erwählen, die mutig im Kampfe sind, und wollen gegen ihn ziehen und mit ihm streiten und ihn aus dem Lande

hinwegtilgen, ehe er Macht gewinnt. 7 Und ihr Vater sprach zu ihnen: Zieht nicht aus und führt nicht Krieg mit ihm, damit ihr nicht vor ihm

fallet. 8 Und sie sprachen zu ihm: Das ist ja gerade dein Tun von deiner Jugend an bis auf diesen Tag, und du bringst deinen Nacken unter

sein Joch; wir aber werden nicht auf diese Rede hören! 9 Und sie schickten nach Aram und zu Aduram, zu dem Freunde ihres Vaters, und

warben bei ihnen 1000 streitbare Leute, kampftüchtige und auserlesene, an. 10 Und es kamen zu ihnen aus Moab und von den Kindern

Ammon, die angeworben waren, 1000 Auserlesene und von den Philistern 1000 auserlesene Kämpen und aus Edom und von den Choräern

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1000 auserlesene Streiter und von den Hethitern starke, kampftüchtige Mannen. 11 Und sie sprachen zu ihrem Vater: Ziehe aus mit ihnen

und führe sie; wo nicht, so werden wir dich töten! 12 Und er ward voller Zorn und Grimm, als er sah, wie ihn seine Söhne mit Gewalt

zwingen wollten, daß er voranziehe, sie gegen seinen Bruder Jakob zu führen. 13 Und darauf gedachte er all' des Bösen, das in seinem

Herzen gegen seinen Bruder Jakob verborgen war, und gedachte nicht mehr des Schwurs, den er seinem Vater und seiner Mutter geschworen

hatte, nämlich daß er alle seine Tage nach keinerlei Bosheit wider seinen Bruder Jakob trachten wolle. 14 Und bei alledem wußte Jakob

nicht, daß sie wider ihn zum Streite kamen, sondern er betrauerte sein Weib Lea, bis sie mit 4000 kampftüchtigen Leuten und auserlesenen

Streitern ganz nahe an den Turm herangekommen waren. 15 Und die Leute von Hebron schickten zu ihm, indem sie sagten: Siehe, dein

Bruder ist gegen dich herangekommen, dich zu bekämpfen, mit 4000 Mann, die mit Schwertern gegürtet sind und Schilde und Waffen

tragen. Weil sie Jakob mehr liebten als Esau, sagten sie es ihm; denn Jakob war ein milderer und barmherzigerer Mann als Esau. 16 Aber

Jakob glaubte es nicht, bis sie ganz in die Nähe des Turms gerückt waren. 17 Und er verschloß die Tore des Turms und trat auf die Zinne und

redete mit seinem Bruder Esau und sprach: Ein schöner Trost, mit dem du gekommen bist, mich zu trösten über mein Weib, das gestorben

ist! Ist das der Schwur, den du deinem Vater und deiner Mutter zweimal geschworen hast, ehe sie starben? Du hast den Schwur gebrochen

und in der Stunde, da du deinem Vater geschworen hast, bist du gerichtet! 18 Und zur selben Zeit hob Esau an und sprach zu ihm: Nicht

schwören die Menschenkinder und die Tiere des Feldes einen Schwur, den sie geschworen haben, bis in alle Ewigkeit; sondern an jedem

Tage trachten sie einer gegen den anderen nach Bösem und danach, wie ein jeder seinen Hasser und seinen Widersacher töte! 19 Und auch

du hassest mich und meine Söhne bis in Ewigkeit, und mit dir ist keine Bruderliebe zu halten. 20 Höre dieses mein Wort, das ich zu dir rede:

Wenn das Schwein seine Haut ändert und auch seine Borsten zart macht wie Wolle, und wenn es auf seinem Kopfe Hörner sprossen läßt wie

die Hörner des Hirsches und der Schafe, dann werde ich mit dir Bruderliebe halten; >die Brüste sind getrennt von ihrer Mutter, denn du bist

mir nicht Bruder gewesen<. 21 Und wenn die Wölfe Frieden machen mit den Lämmern, daß sie sie nicht fressen und daß sie ihnen kein Leid

antun, und wenn ihre Herzen in ihnen nur darauf gerichtet sind, einander Gutes zu tun, dann wird in meinem Herzen gegen dich Friede sein.

22 Und wenn der Löwe der Freund des Stieres wird und wenn er sich mit ihm an ein Joch spannen läßt und mit ihm pflügt und Frieden mit

ihm macht, dann werde ich mit dir Frieden machen. 23 Und wenn Raben weiß werden wie der Rasa, dann wisse, daß ich dich wieder

liebgewonnen habe und mit dir Frieden machen werde. Du sollst hinweggetilgt werden, und deine Söhne sollen hinweggetilgt werden, und

du sollst keinen Frieden haben! 24 Und als Jakob sah, daß er ihm von seinem Herzen übel wollte und von seiner ganzen Seele, ihn zu töten,

und daß er gekommen war, springend wie ein Wild, das in die Lanze fährt, die es durchbohrt und es tötet, und nicht vor ihr flieht, 25 da sagte

er zu den Seinen und zu seinen Knechten, daß sie ihn und alle seine Genossen angreifen sollten.

Der Kampf zwischen Esau und Jakob am Turme zu Hebron.

1 Und darauf redete Juda mit seinem Vater Jakob und sprach zu ihm: Spanne, Vater, deinen Bogen und entsende deine Pfeile und durchbohre

den Feind und töte den Widersacher, und mögest du die Kraft dazu haben; denn wir werden deinen Bruder nicht töten ... 2 Alsbald spannte

Jakob seinen Bogen und entsandte einen Pfeil und durchbohrte seinen Bruder Esau an seiner rechten Brustwarze und streckte ihn nieder. 5

Und wiederum entsandte er einen Pfeil und traf den Aramäer Adoran an seiner linken Brustwarze und vertrieb ihn und tötete ihn. 4 Und

danach zogen die Söhne Jakobs aus, sie und ihre Knechte, indem sie sich auf die vier Seiten des Turms verteilten. 5 Und Juda zog zuvörderst

aus und Naphthali und Gad mit ihm und 50 Knappen mit ihm auf der Südseite des Turms, und sie töteten jeden, den sie vor sich trafen, und

keiner entkam ihnen, auch nicht einer. 6 Und Levi und Dan und Asser zogen aus auf der Ostseite des Turms und 50 Mann mit ihnen, und sie

töteten die Kämpfer von Moab und Ammon. 7 Und Ruben und Issachar und Sebulon zogen aus auf der Nordseite des Turms und 50 Mann

mit ihnen, und sie töteten die Streiter der Philister. 8 Und Simeon und Benjamin und Henoch, der Sohn Rubens, zogen aus auf der Westseite

des Turms und 50 Mann mit ihnen, und sie töteten von Edom und den Choräern 400 starke und kampftüchtige Männer. Und sechshundert

Mann flohen, und die vier Söhne Esaus flohen mit ihnen und ließen ihren Vater tot liegen, wie er gefallen war, auf dem Hügel, der in

Aduram ist. 9 Und die Söhne Jakobs jagten hinter ihnen her bis zum Gebirge Seir. Jakob aber begrub seinen Bruder auf dem Hügel, der in

Aduram ist, und kehrte nach Hause zurück. 10 Und die Sö hne Jakobs bedrängten die Kinder Esaus auf dem Gebirge Seir und beugten ihren

Hals, daß sie den Söhnen Jakobs Knechte würden. 11 Und sie schickten zu ihrem Vater, ob sie Frieden mit ihnen machen oder sie töten

sollten. 12 Und Jakob schickte zu seinen Söhnen, sie sollten Frieden machen. Und sie machten Frieden mit ihnen und legten ihnen das Joch

der Knechtschaft auf, daß sie Jakob und seinen Söhnen alle Tage Tribut zahlen sollten. 13 Und sie zahlten Jakob dauernd Tribut bis auf den

Tag, da er Jakob nach Ägypten hinabzog. 14 Und die Söhne Edoms sind nicht abgefallen von dem Joche der Knechtschaft, das ihnen die

zwölf Söhne Jakobs auferlegt haben, bis auf diesen Tag.

Die Könige Edoms.

15 Und dies sind die Könige, die in Edom herrschten, bevor ein König über die Kinder Israel herrschte, bis auf diesen Tag, im Land Edom.

16 Und es herrschte in Edom Balak, der Sohn des Beor, und der Name seiner Hauptstadt war Dinhaba. 17 Und es starb Balak, und es ward

König an seiner Statt Jakob, der Sohn des Serah von Bosra. 18 Und es starb Jakob, und es ward König an seiner Statt Husam vom Gebirge

Theman. 19 Und es starb Husam, und es ward König an seiner Statt Hadad, der Sohn des Barad, der auf dem Gefilde von Moab die

Midianiter schlug; und der Name seiner Hauptstadt war Awith. 20 Und es starb Hadad, und es wurde König an seiner Statt Salman von

Masreka. 21 Und es starb Salman, und es wurde König an seiner Statt Saul von Rehoboth am Flusse. 22 Und es starb Saul, und es wurde

König an seiner Statt Baal-hanan, der Sohn des Achbor. 23 Und es starb Baal-hanan, der Sohn des Achbor, und es wurde König an seiner

Statt Adat, und der Name, seines Weibes war Mehetabeel, die Tochter der Matred, der Tochter Mesahabs. 24 Dies sind die Könige, die im

Land Edom, geherrscht haben.

Josephs Dienst bei Potiphar, seine Keuschheit und Gefängnis.

1 Und Jakob wohnte in dem Lande der Fremdlingschaft seines Vaters, dem Lande Kanaan. 2 Dies sind die Geschlechter Jakobs. Und sie

führten den Joseph im Alter von 17 Jahren nach Ägypten hinab, und Potip har, der Eunuch des Pharao, der Oberkoch, kaufte ihn. 3 Und er

setzte Joseph über sein ganzes Haus, und es war der Segen Gottes in dem Hause des Ägypters um Josephs willen, und alles, was er tat, ließ

Gott ihm wohl gelingen. 4 Und der Ägypter überließ dem Joseph alles; denn er sah, daß Gott mit ihm war und daß Gott ihm alles, was er tat,

wohlgelingen ließ. 5 Und Joseph war schön von Angesicht, und gar hübsch war sein Angesicht, und das Weib seines Herrn hob ihre Augen

auf und sah Joseph und gewann ihn lieb und bat ihn, daß er ihr beiwohnen möge. 6 Er aber gab sich ihr nicht hin; und er gedachte an Gott

und an die Worte, die sein Vater Jakob aus den Worten Abrahams zu lesen pflegte, daß keiner von den Menschen huren dürfe mit einem

Weibe, daß einen Mann hat, und daß für ihn im Himmel vor Gott dem Höchsten die Todesstrafe festgesetzt sei, und die Sünde in betreff seiner

in den Büchern aufgezeichnet werde, die für ewig zu allen Zeiten vor Gott sind. 7 Und Joseph gedachte dieser Worte und wollte ihr nicht

beiwohnen. 8 Und sie bat ihn ein Jahr lang; aber er weigerte sich und wollte ihr nicht gehorchen. 9 Und sie umarmte ihn und faßte ihn im

Hause, um ihn zu zwingen, daß er ihr beiwohne. Und sie verschloß die Haustür und faßte ihn; und er ließ sein Kleid in ihrer Hand und

zerbrach den Riegel und entkam vor ihr nach draußen. 10 Und als jenes Weib sah, daß er ihr nicht beiwohnen werde, verleumdete sie ihn bei

seinem Herrn, indem sie sprach: Mich hat dein hebräischer Sklave, den du liebst, zwingen wollen, daß er mir beiwohne, und es geschah, als

ich meine Stimme erhob, da floh er und ließ sein Kleid in meiner Hand, als ich ihn faßte, und zerbrach den Riegel. 11 Und der Ägypter sah

das Kleid Josephs und den Riegel zerbrochen und hörte auf die Rede seines Weibes und warf Joseph in das Gefängnis, an den Ort, wo sich

die Gefangenen befanden, die der König gefangen gesetzt hatte. 12 Und er war dort im Gefängnis. Und Gott schenkte Joseph Gnade vor dem

Oberwärter des Gefängnisses und Erbarmen vor ihm; denn er sah, daß Gott mit ihm war und daß Gott ihm alles, was er tat, wohlgelingen

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ließ. 13 Und er überließ ihm alles, und der Oberwärter des Gefängnisses kümmerte sich neben ihm um nichts; denn Joseph machte alles, und

Gott vollführte es. Und er blieb hier zwei Jahre.

Joseph deutet zwei Gefangenen ihre Träume.

14 Und in jenen Tagen ward der Pharao, der König von Ägypten, zornig über zwei seiner Eunuchen, über den Obermundschenk und über

den Oberbäcker, und warf sie ins Gefängnis in das Haus des Oberkochs, in das Gefängnis, wo Joseph gefangen gehalten wurde. 15 Und der

Oberwärter des Gefängnisses trug Joseph auf, ihnen zu dienen; und er diente vor ihnen. 16 Und es träumten die beiden, der Obermundschenk

und der Oberbäcker, einen Traum und sie erzählten ihn dem Joseph. 17 Und wie er ihn ihnen auslegte, so geschah ihnen: und den

Obermundschenk setzte Pharao wieder in sein Amt ein, aber den Bäcker ließ er töten, wie ihnen Joseph ausgelegt hatte. 18 Und der

Obermundschenk vergaß den Joseph im Gefängnis, obgleich er ihm kund getan hatte, was ihm geschehen werde. Und er dachte nicht daran,

dem Pharao kund zu tun, wie Joseph ihm gesagt hatte; denn er hatte es vergessen.

Die Träume des Pharao. Josephs Erhöhung.

1 Und in jenen Tagen träumte der Pharao zwei Träume in einer Nacht über eine Heimsuchung, die über das ganze Land kommen sollte, und

er wachte aus seinem Schlafe auf und rief alle Traumdeuter, die in Ägypten waren, und auch die Zauberer und sagte ihnen seine beiden

Träume; aber sie konnten sie nicht erklären. 2 Und darauf dachte der Obermundschenk an Joseph und erzählte von ihm beim Könige, und der

ließ ihn aus dem Gefängnis herausholen und erzählte vor ihm seine beiden Träume. 3 Und er sprach vor dem Pharao, daß seine beiden

Träume eins seien, und er sprach zu ihm: Sieben Jahre wird Überfluß eintreten in ganz Ägyptenland und danach sieben Jahre der Not,

dergleichen Not noch nicht gewesen ist auf der ganzen Erde. 4 Jetzt aber verordne der Pharao im ganzen Lande Ägypten ..., und man möge

Speise sammeln von Stadt zu Stadt in den Tagen der Jahre des Überflusses, und dann wird Speise vorhanden sein für die sieben Jahre der

Not, und das Land wird nicht zu Grunde gehen wegen der Not; denn sie wird sehr heftig sein. 5 Und Gott schenkte Joseph Gnade und Erbarmen

vor den Augen des Pharao, und der Pharao sprach zu seinen Dienern: Wir werden keinen so weisen und einsichtigen Mann finden,

wie dieser Mann ist; denn der Geist Gottes ist mit ihm. Und er setzte ihn als zweiten in seinem ganzen Reiche ein und machte ihn zum

Aufseher in ganz Ägypten und ließ ihn auf seinem zweiten Wagen, dem des Pharao, fahren. 7 Und er kleidete ihn in ein Kleid von Byssus

und legte eine goldene Kette an seinen Hals und machte ihn zum Herrn über sein ganzes Haus und machte ihn groß und sprach zu ihm: Ich

bin nicht größer als du, außer allein um den Thron! 8 Und Joseph wird Herr über ganz Ägyptenland, und alle Fürsten des Pharao und alle

seine Diener und alle, die die Geschäfte des Königs verrichteten, gewannen ihn lieb. Denn in Rechtschaffenheit wandelte er, und es gab bei

ihm keinen Hochmut, noch Überheben, noch Ansehen der Person, noch gab es Annehmen von Geschenken, sondern in Rechtschaffenheit

richtete er alle Völker des Landes. 9 Und das Land Ägypten hatte Frieden vor dem Pharao um Josephs willen; denn Gott war mit ihm und

gab ihm Gnade und Erbarmen für sein ganzes Geschlecht vor allen, die ihn kannten, und denen, die Kunde von ihm hörten. Und das Reich

des Pharao war in Ordnung, und es war kein Widersacher, noch Böser da. l0 Und der König nannte den Namen Josephs Sesantisanes und gab

Joseph die Tochter des Potiphar, die Tochter des Priesters von Heliopolis, des Oberkochs, zum Weibe. 11 Und an dem Tage, da Joseph vor

dem Pharao stand, war er 30 Jahre alt. 12 Und in diesem Jahre starb Isaak. Und es kam, wie Joseph in betreff der Deutung seiner beiden

Träume gesagt hatte: und es waren sieben Jahre des Überflusses im ganzen Land Ägypten, und das Land Ägypten brachte viel Frucht hervor.

13 Und Joseph sammelte Speise von Stadt zu Stadt, bis die Speicher voll waren von Getreide, bis man es wegen seiner Menge nicht mehr

zählen und messen konnte.

Judas Blutschande mit Thamar; seine Reue und Buße.

1 Und im 45. Jubiläum, in der 2. Jahrwoche am 2. Tage, nahm Juda für Ger, seinen Erstgeborenen, ein Weib von den Töchtern Arams mit

Namen Thamar. 2 Aber er haßte sie und wohnte ihr nicht bei, weil seine Mutter von den Töchtern Kanaans war, und er wollte sich ein Weib

vom Stamme seiner Mutter nehmen; aber sein Vater Juda hatte es nicht erlaubt. 3 Und dieser Ger, der Erstgeborene Judas, war böse, und

Gott tötete ihn. 4 Und Juda sprach zu Onan, dessen Bruder: Gehe ein zum Weibe deines Bruders und vollziehe die Schwagerehe mit ihr und

erwecke deinem Bruder Samen. 5 Und Onan wußte, daß der Same nicht sein wäre, sondern seines Bruders und ging hinein in das Haus des

Weibes seines Bruders und goß den Samen auf die Erde, und er war böse vor den Augen Gottes, und der tötete ihn. 6 Und Juda sprach zu

seiner Schwiegertochter Thamar: Bleibe im Hause deines Vaters als Witwe, bis mein Sohn Sela heranwächst, und ich dich ihm zum Weibe

gebe. 7 Und er wuchs heran, aber Bathsua, das Weib Judas, ließ nicht zu, daß ihr Sohn Sela sie heirate; und Bathsua, das Weib Judas, starb

im 5. Jahre dieser Jahrwoche. 8 Und im 6. Jahre zog Juda hinauf nach Thimna, um seine Schafe zu scheren; und man sagte zu Thamar:

Siehe, dein Schwiegervater zieht herauf nach Thimna, um seine Schafe zu scheren. 9 Und sie legte die Kleider ihrer Witwenschaft ab und

legte einen Schleier an und machte sich schön und setzte sich an das Tor auf der Straße nach Thimna. 10 Und während Juda dahinging, traf

er sie und hielt sie für eine Hure und sprach zu ihr: Ich will zu dir eingehen! Und sie sprach zu ihm: Komm herein! Und er ging hinein. 11

Und sie sprach zu ihm: Gib mir meinen Buhlerlohn! Und er sprach zu ihr: Ich habe nichts in meiner Hand außer meinem Ring an meinem

Finger und meiner Halskette und meinem Stabe, der in meiner Hand ist. 12 Und sie sprach zu ihm: Gib sie mir, bis du mir meinen

Buhlerlohn schickst! Und er sprach zu ihr: Ich werde dir einen Ziegenbock schicken! Und gab sie ihr, und sie ward schwanger von ihm. 13

Und Juda ging zu seinen Schafen; sie aber ging in das Haus ihres Vaters. 13 Und Juda schickte einen Ziegenbock durch die Hand seines

Hirten, eines Adullamiten; doch er fand sie nicht und fragte die Leute der Gegend, indem er sprach: Wo ist die Hure, die hier war? Und sie

sprachen zu ihm: Es gibt aber hier bei uns keine Hure! 15 Und er kehrte um und zeigte ihm an, >daß er sie nicht habe finden können, und

sprach zu ihm<: Ich habe auch die Leute der Gegend gefragt, doch sie sprachen zu mir: Es gibt aber hier keine Hure! Und er sprach: Sie mag

es behalten, damit wir nicht zum Gespötte werden! 16 Und als ihr drei Monate verflossen waren, zeigte es sich, daß sie schwanger war. Und

sie sagten es Juda, indem sie sprachen: Siehe, deine Schwiegertochter Thamar ist durch Hurerei schwanger geworden. 17 Und Juda ging in

das Haus ihres Vaters und sprach zu ihrem Vater und zu ihren Brüdern: Führt sie heraus, daß man sie verbrenne, weil sie in Israel etwas

Unreines getan hat! 18 Und als man sie herausführte, um sie zu verbrennen, schickte sie ihrem Schwiegervater den Ring und die Halskette

und den Stab, indem sie sagen ließ: Siehe zu, wessen dies ist; denn von ihm bin ich schwanger! 19 Und Juda erkannte es und sprach: Thamar

ist gerechter als ich, und man soll sie also nicht verbrennen! 20 Und deswegen wurde sie nicht dem Sela gegeben, und er näherte sich ihr nun

auch nicht mehr. 21 Und darauf gebar sie zwei Kinder, den Perez und den Serah, im 7. Jahre dieser 2. Jahrwoche. 22 Und darauf gingen die

sieben Jahre der Fruchtbarkeit zu Ende, von denen Joseph dem Pharao gesprochen hatte. 23 Und Juda erkannte, daß es eine böse Tat sei, die

er getan, weil er seiner Schwiegertochter beigewohnt hatte, und hielt sie für schlecht vor seinen Augen und erkannte, daß er gesündigt und

sich vergangen hatte, weil er die Decke seines Sohnes aufgedeckt hatte, und er begann zu klagen und vor Gott wegen seiner Sünde um Gnade

zu flehen. 24 Und wir sagten ihm im Traume, daß ihm vergeben werde, weil er so sehr flehte und weil er trauerte und es nicht mehr tat. 25

Und es ward ihm Vergebung, weil er sich von seiner Sünde und von seiner Unwissenheit bekehrte; denn er hatte sich schwer versündigt vor

unserem Gott. Und jeder, der so tut, jeder, der seiner Schwiegertochter beiwohnt - den soll man mit Feuer verbrennen, daß er darin

verbrenne. Denn Unreinheit und Befleckung liegt auf ihnen; mit Feuer soll man sie verbrennen. 26 Du aber gebiete den Kindern Israel, daß

keine Unreinheit unter ih nen sein soll. Denn jeder, der seiner Schwiegertochter oder Schwiegermutter beiwohnt, hat eine Unreinheit

begangen. Mit Feuer soll man den Mann verbrennen, der ihr beigewohnt hat, und auch das Weib; und er wird dann Zorn und Plage von Israel

entfernen. 27 Dem Juda aber haben wir gesagt, daß, weil seine beiden Söhne ihr nicht beigewohnt haben, und deshalb sein Same zu einem

anderen Geschlecht erweckt wurde, und daß es nicht hinweggetilgt werden wird. 28 Denn in seiner Frömmigkeit war er hingegangen und

hatte die Strafe gefordert; denn nach dem Rechte Abrahams, das er seinen Söhnen geboten, hatte sie Juda mit Feuer verbrennen wollen.

Die beiden Reisen der Söhne Jakobs nach Ägypten.

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1 Und im 1. Jahre der 3. Jahrwoche des 45. Jubiläums begann die Unfruchtbarkeit über die Erde zu kommen, und Regen wurde nicht mehr

der Erde gegeben; denn nichts kam mehr herab. Und die Erde ward unfruchtbar, und nur im Lande Ägypten gab es Speise, weil Joseph in

den sieben Jahren der Fruchtbarkeit Samen für das Land gesammelt und ihn aufbewahrt hatte. 3 Und die Ägypter kamen zu Joseph, daß er

ihnen Speise gebe, und er öffnete die Vorratshäuser, wo das Getreide des ersten Jahres war, und verkaufte es den Leuten des Landes um

Gold. 4 Und Jakob hörte, daß es in Ägypten Speise gebe, und schickte seine zehn Söhne, daß die ihm Speise in Ägypten holten; den

Benjamin aber schickte er nicht mit. Und sie kamen nach Ägypten die zehn Kinder Jakobs mit den Reisenden. 5 Und Joseph erkannte sie,

aber sie erkannten ihn nicht. Und er redete mit ihnen und fragte sie und sprach zu ihnen: Seid ihr nicht Spione und gekommen, um die Spur

des Landes auszukundschaften? Und er sperrte sie ein. 6 Und darauf ließ er sie wieder frei und behielt allein den Simeon und seine neun

Brüder entließ er. 7 Und er füllte ihre Säcke mit Getreide und legte ihnen auch ihr Geld in ihre Säcke, ohne daß sie es wußten. 8 Und er gebot

ihnen, daß sie ihren jüngsten Bruder bringen sollten; denn sie hatten ihm gesagt, daß ihr Vater und ihr jüngster Bruder noch am Leben seien.

9 Und sie zogen aus dem Land Ägypten hinauf und kamen in das Land Kanaan und erzählten ihrem Vater alles, was sie betroffen hatte, und

wie der Fürst des Landes hart mit ihnen geredet und Simeon gefangen gesetzt habe, bis sie ihm den Benjamin brächten. l0 Und Jakob sprach:

Ihr habt mich also kinderlos gemacht: Joseph ist nicht mehr, und auch Simeon ist nicht mehr, und auch Benjamin wollt ihr mir nehmen - über

mich also ist eure Schlechtigkeit gekommen! 11 Und er sprach: Mein Sohn wird nicht mit euch ziehen; vielleicht könnte er krank werden.

Denn zwei hat ihre Mutter geboren: und der eine ist umgekommen, und auch diesen wollt ihr mir nehmen! Vielleicht könnte er auf dem

Wege das Fieber bekommen, und dann würdet ihr mir mein Greisenalter in Kummer zum Tode bringen. 12 Denn er sah, daß ihr Geld

zurückgekommen war einem jeden in seinem Bündel, und darum fürchtete er sich, ihn zu entsenden. 13 Die Not aber ward groß und heftig

im Lande Kanaan und auf der ganzen Erde außer im Lande Ägypten. Denn viele von den Ägyptern hatten ihren Samen gesammelt zur

Speise, seitdem sie gesehen, daß Joseph den Samen sammelte und in die Vorratskammern legte und für die Jahre der Not bewahrte. 14 Und

die Leute von Ägypten nährten sich so im ersten Jahr ihrer Not. 15 Und als Israel sah, daß die Not gar stark wurde im Lande, und daß es

keine Rettung gab, sprach er zu seinen Kindern: Geht wiederum hin und holt uns Speise, damit wir nicht sterben! 16 Und sie sprachen: Wir

werden nicht gehen; wenn unser jüngster Bruder nicht mit uns kommt, werden wir nicht gehen! 17 Und Israel sah, daß sie, wenn er ihn nicht

mit ihnen schickte, wegen der Hungersnot alle umkommen würden. 18 Und Ruben sprach: Gib mir ihn in meine Hand! Und wenn ich ihn dir

nicht zurückbringe, so töte meine beiden Söhne für seine Seele! Und er sprach zu ihm: Er wird nicht mit dir gehen. 19 Und Juda trat heran

und sprach: Schicke ihn mit mir! Und wenn ich ihn dir nicht zurückbringe, so will ich alle Tage meines Lebens vor dir ein Bösewicht sein!

20 Und er schickte ihn mit ihnen im 2. Jahre dieser Jahrwoche, am ersten Tage des Monats. Und sie kamen nach Ägyptenland mit allen, die

dahin zogen, und mit ihren Geschenken in ihren Händen: mit Stacte und Mandeln und Terebinthennüssen und reinem Honig. 21 Und sie

kamen und traten hin vor Joseph, und er sah seinen Bruder Benjamin und erkannte ihn und sprach zu ihnen: Ist dies euer jüngster Bruder?

Und sie sprachen zu ihm: Er ist es. Und er sprach: Gott sei dir gnädig, mein Sohn! 22 Und er schickte ihn in sein Haus und auch Simeon

brachte er zu ihnen heraus und machte ihnen ein Mahl, und sie überreichten ihm das Geschenk, das sie in ihren Händen mitgebracht hatten.

23 Und sie aßen vor ihm, und er gab ihnen allen einen Teil; und das Teil Benjamins war siebenmal größer als die Teile aller andern. 24 Und

sie aßen und tranken und standen auf und blieben bei ihren Eseln. 25 Und Joseph ersann einen Plan, wodurch er ihre Gedanken erkenne, ob

Friedensgedanken unter ihnen herrschten. Und er sprach zu seinem Hausverwalter: Fülle ihnen alle ihre Säcke mit Korn und auch ihr Geld

gib ihnen wieder in ihre Behälter und meinen Becher, aus dem ich trinke, den silbernen Becher, lege in den Sack des Jüngsten und entlasse

sie!

Die letzte Prüfung für die Brüder Josephs. Joseph gibt sich seinen Brüdern zu erkennen.

1 Und er tat, wie ihm Joseph gesagt hatte, und füllte ihnen ihre Säcke ganz mit Speise und auch ihr Geld legte er in ihre Säcke und den

Becher legte er in den Sack Benjamins. 2 Und früh am Morgen zogen sie aus; und es geschah, als sie von dort weggegangen waren, da

sprach Joseph zu seinem Hausverwalter: Jage ihnen nach, lauf und schilt sie, indem du sprichst: Gutes habt ihr ja mit Bösem vergolten; ihr

habt ja den silbernen Becher gestohlen, aus dem mein Herr trinkt! Und bringe mir ihren jüngsten Bruder zurück und führe ihn eilends her,

ehe ich hinausgehe zu meinem Amtshause. 3 Und er lief ihnen nach und sprach zu ihnen gemäß dieser Rede. 4 Und sie sprachen zu ihm: Das

sei fern von deinen Knechten! Sie tun doch ein solches Ding nicht stehlen keinerlei Habe aus dem Hause deines Herrn; und auch das Geld,

das wir das erste Mal in unseren Säcken fanden, haben wir, deine Knechte, aus dem Lande Kanaan zurückgebracht. 5 Wie sollten wir nun

irgendwelche Habe stehlen? Siehe, hier sind sowohl wir wie unsere Säcke; suche nach, und wo du den Becher im Sacke irgend eines Mannes

von uns findest, - der soll getötet werden, und wir sowohl, wie unsere Esel wollen deinem Herrn dienen! 6 Und er sprach zu ihnen: Nicht so!

Bei wem ich ihn finde, den allein werde ich als Sklaven mitnehmen,- ihr aber könnt in Frieden nach eurem Hause ziehen. 7 Und indem er in

ihren Geräten nachsuchte, begann er beim Ältesten und endete beim jüngsten, und der Becher ward im Sacke Benjamins gefunden. 8 Und,

sie zerrissen ihre Kleider und packten ihre Esel und kehrten in die Stadt zurück und kamen in das Haus Josephs und fielen alle vor ihm nieder

auf ihr Antlitz zu Boden. 9 Und Joseph sprach zu ihnen: Ihr habt Böses getan! Und sie sprachen: Was sollen wir sagen und womit sollen wir

uns verteidigen? Unser Herr hat die Sünde seiner Knechte gefunden: Siehe, wir sind die Knechte unseres Herrn und auch unsere Esel. l0 Und

Joseph sprach zu ihnen: Ich aber fürchte Gott; geht ihr aber nach euren Häusern. Aber euer Bruder soll ein Knecht sein, denn ihr habt Böses

gethan! Wißt ihr nicht, daß einer Gefallen hat an seinem Becher wie ich an diesem Becher, und den habt ihr mit gestohlen? 11 Und Juda

sprach: Auf mir, o Herr! Möge ich, dein Knecht, ein Wort reden dürfen zu Ohren meines Herrn! Zwei Brüder hat seine Mutter deinem

Knecht, unserem Vater; geboren. Der eine ist fortgegangen und verloren und nicht wiedergefunden; und er ist nun allein noch übrig von

seiner Mutter, und daher liebt ihn auch dein Knecht, unser Vater, sein Leben aber ist an das Leben dieses Knaben gebunden. 12 Und es wird

geschehen, wenn wir zu deinem Knecht, unserem Vater, kommen, und wenn dann der Jüngling nicht bei uns ist, so wird er sterben, und wir

werden unseren Vater durch Trauer vernichten bis zum Tode. 13 Ich aber, dein Knecht, will anstatt des Knaben als Knecht meines Herrn

bleiben; und der Jüngling möge mit seinen Brüdern gehen, denn ich habe mich für ihn bei deinem Knecht, unserem Vater, verbürgt. Und

wenn ich ihn nicht zurückbringe, wird dein Knecht unserem Vater alle Zeit schuldig sein! 14 Und Joseph sah, daß sie alle untereinander ein

gleiches Herz für das Gute hatten, und er konnte nicht mehr an sich halten und sagte ihnen, daß er Joseph sei. 15 Und er redete mit ihnen in

hebräischer Zunge und faßte sie um den Hals und weinte; aber sie erkannten ihn nicht und fingen an zu weinen. 16 Und er sprach zu ihnen:

Weinet nicht meinetwegen! Eilt und bringt meinen Vater zu mir ... 17 Denn siehe, dies ist das zweite Jahr der Teuerung, und es sind noch

fünf Jahre, daß es keine Ernte und keine Frucht der Bäume und kein Ackern gibt. 18 Kommt eilends herab, ihr und eure Häuser, damit ihr

durch die Teuerung nicht umkommt und euch um euren Besitz nicht zu sorgen braucht; denn um Vorsorge zu treffen, hat mich Gott vor euch

vorausgeschickt, damit viel Volk am Leben bleibe. 19 Und berichtet meinem Vater, daß ich noch am Leben bin; und auch ihr, siehe, ihr seht,

daß Gott mich eingesetzt hat wie zum Vater des Pharao, und damit ich in seinem Haus und über das ganze Land Ägypten herrsche. 20 Und

berichtet meinem Vater alle meine Herrlichkeit und alles, wie Gott mir Reichtum und Herrlichkeit gegeben hat. 21 Und er gab ihnen nach

dem Worte des Mundes des Pharao Wagen und Zehrung für den Weg und er gab ihnen allen farbige Kleider und Silber. 22 Und auch ihrem

Vater schickte er Kleider und Silber und zehn Esel, die Getreide trugen, und entließ sie. 23 Und ihr Vater glaubte es nicht; denn er war

erschrocken in seinen Gedanken. Und darauf sah er die Wagen, die Joseph geschickt hatte, und sein Geist gewann neues Leben, und er

sprach: Es ist genug für mich, wenn Joseph am Leben ist! Ich will hinabziehen und ihn sehen, ehe ich sterbe.

Jakobs Reise nach Ägypten. Verzeichnis seiner Nachkommen.

1 Und Israel machte sich auf von Haran, aus seinem Hause, am Neumonde des 3. Monats und zog auf dem Wege zum Schwurbrunnen und

brachte dem Gotte seines Vaters Isaak am 7. dieses Monats Opfer dar. 3 Und Jakob gedachte des Traums, den er in Bethel geträumt hatte,

und fürchtete sich, nach Ägypten hinabzuziehen. Und indem er daran dachte, zu Joseph zu schicken, daß er zu ihm kommen möge, und daß

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er nicht selbst hinabziehen wolle, blieb er dort sieben Tage, ob es vielleicht sei, daß er ein Gesicht sähe, ob er bleiben oder ob er hinabziehen

solle. 4 Und er feierte das Fest der Ernte, der Erstlingsfrucht, von altem Getreide, da es im ganzen Lande Kanaan keine einzige Handvoll

Samen im Lande gab; denn dies war eine Teuerung für alle Tiere, für das Vieh und für die Vögel und auch für die Menschen. 5 Und am 16.

Tag erschien ihm Gott und sprach zu ihm: Jakob, Jakob! Und er sprach: Hier bin ich! Und er sprach zu ihm: Ich bin der Gott deiner Väter,

der Gott Abrahams und Isaaks! Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen, denn zu einem großen Volke, werde ich dich dort machen.

6 Ich werde mit dir hinabziehen und werde dich führen, und in diesem Lande wirst du begraben werden, und Joseph wird seine Hand auf

deine Augen legen. Fürchte dich nicht, ziehe hinab nach Ägypten! 7 Und sie machten sich auf, seine Kinder und die Kinder seiner Kinder,

und sie luden ihren Vater und ihre Habe auf die Wagen. 8 Und Israel machte sich auf vom Schwurbrunnen am 16. dieses 3. Monats und zog

nach Ägyptenland. 9 Und Israel schickte den Juda vor sich her zu seinem Sohne Joseph, damit er das Land Gosen besehe; denn dorthin, hatte

Joseph seinen Brüdern gesagt, sollten sie kommen, dort zu wohnen, damit sie ihm nahe wären. l0 Dies aber war ein gutes Land im Land

Ägypten >für alle und auch für das Vieh< und nahe bei ihm. 11 Und dies sind die Namen der Söhne Jakobs, die mit ihrem Vater Jakob nach

Ägypten zogen: 12 Ruben, der Erstgeborene Israels, und dies sind die Namen seiner Söhne: Hanoch, Pallu, Hezron, Karmi. 13 Simeon und

seine Söhne; und dies sind die Namen seiner Söhne: Jemuel, Jamin, Ohad, Jachin, Zohar, Saul, der Söhne der ... 14 Levi und seine Söhne;

und dies sind die Namen seiner Söhne: Gerson, Kahath und Merari. 15 Juda und seine Söhne; und dies sind die Namen seiner Söhne: Sela,

Perez und Serah. 16 Issachar und seine Söhne; und dies sind die Namen seiner Söhne: Thola, Pua, Jasub und Simron. 17 Sebulon und seine

Söhne; und dies sind die Namen seiner Söhne: Sered, Elon und Jahleel. 18 Und dies sind die Söhne Jakobs mit ihren Söhnen, die Lea dem

Jakob in Mesopotamien geboren hatte, sechs und eine Tochter, Dina, ihre Schwester. Und alle Seelen der Söhne Leas und ihrer Söhne, die

mit ihrem Vater Jakob nach Ägypten kamen, waren 29, und ihr Vater Jakob dazu; so waren es 30. 19 Und die Söhne der Silpa, der Magd

Leas, des Weibes Jakobs, die dem Jakob Gad und Asser gebar. 20 Und dies sind die Namen ihrer Söhne, die mit ihm nach Ägypten kamen;

die Söhne Gads: Sephjon, Haggi, Suni, Ezbon, ... Aroli und Arodi . 21 Und die Söhne Assers: Jimna, Jisva, Bria und

ihre eine Schwester Serah. 22 Alle Seelen: 14; und es waren alle Kinder der Lea 44. 23 Und die Söhne der Rahell des Weibes Jakobs, waren

Joseph und Benjamin. 24 Und dem Joseph wurden in Ägypten, ehe sein Vater nach Ägypten kam, Söhne geboren, die ihm Asnath, die

Tochter Potiphars, des Priesters von Heliopolis, gebar: Manasse und Ephraim. 25 Und die Söhne Benjamins: Bela, Becher, Asbel, Gera,

Naaman, Ehi, Ros, Muppim, Huppim und Ard. 26 Und es waren alle Seelen der Kinder Rahels. 27 Und die Kinder der Bilha, der Magd

Rahels, des Weibes Jakobs, die sie Jakob gebar, waren Dan und Naphthali. 28 Und dies sind die Namen ihrer Söhne, die mit ihnen nach

Ägypten kamen; und die Söhne Dans: Husim, Samon, Asudi, Jaka und Salomon. 29 Und sie starben in demselben Jahre, da sie in Ägypten

ankamen, und es blieb dem Dan nur Husim. 30 Und dies sind die Namen der Söhne Naphthalis: Jahzeel, Guni, Jezer, Sillem und Iw. 31 Und

es starb Iw in Ägypten, der nach dem ersten Jahre der Notzeit geboren war. 32 Und es waren alle Seelen der Kinder Rahels. 33 Und dies sind

nun seine Kinder und die Kinder seiner Kinder, alle zusammen 70; und fünf, die in Ägypten starben, ehe sie heirateten und ohne Kinder zu

haben. 34 Und im Lande Kanaan waren dem Juda zwei seiner Söhne gestorben, Ger und Onan, ohne Kinder zu haben. Und die Kinder Israel

begruben die, welche umkamen, und sie wurden unter die siebzig Leute gerechnet.

Empfang durch Joseph. Die Verwaltung Agyptens durch Joseph. Jakobs Tod.

1Und Israel kam nach Ägyptenland in das Land Gosen am Neumonde des 4. Monats im 2. Jahre der 3. Jahrwoche des 45. Jubiläums. 2 Und

Joseph kam seinem Vater Jakob entgegen im Lande Gosen und fiel seinem Vater um den Hals und weinte. 3 Und Israel sprach zu Joseph:

Jetzt will ich sterben, nachdem ich dich gesehen habe; und jetzt auch sei gepriesen der Herr, der Gott Israels, der Gott Abrahams und der

Gott Isaaks, der seinem Knechte Jakob seine Gnade und sein Erbarmen und seine Gnade nicht vorenthalten hat. 4 Es ist mir genug, daß ich

dein Antlitz gesehen habe bei meinen Lebzeiten. Ja, wahrhaftig ist das Gesicht, das ich in Bethel gesehen habe; gepriesen sei der Herr, mein

Gott, in alle Ewigkeit, und gepriesen sei sein Name! 5 Und Joseph und seine Brüder aßen vor ihrem Vater Brot und tranken Wein. Und Jakob

freute sich gar sehr, daß er Joseph sah, wie er mit seinen Brüdern vor ihm aß und trank, und er pries den Allschöpfer, der ihn behütet und ihm

seine 12 Söhne behütet hatte. 6 Und Joseph gab seinem Vater und seinen Brüdern als Geschenk, daß sie im Lande Gosen wohnten und in

Ramses und seiner ganzen Umgebung ihnen, worüber er vor Pharao herrschte. Und Israel und seine Söhne wohnten im Lande Gosen, dem

besten Teile von Ägypten; Israel aber war 130 Jahre alt, als er nach Ägypten kam. 7 Und Joseph ernährte seinen Vater und seine Brüder und

auch ihren Besitz mit Brot, wie es ihnen genügte für die sieben Jahre der Not. 8 Und das Land Ägypten litt durch die Not; und Joseph zog

überall im Land Ägypten für den Pharao ein um Korn, und zwar erwarb er Menschen wie Vieh und überhaupt alles dem Pharao. 9 Und die

Jahre der Not gingen zu Ende, und Joseph gab den Leuten, die im Lande waren, Samen und Nahrung, damit sie säten im 8. Jahre; denn der

Fluß hatte das ganze Land Ägypten überschwemmt. l0 Denn in den 7 Jahren der Not war er nicht gestiegen und hatte nur wenige Orte am

Ufer des Flusses überschwemmt, jetzt aber stieg er, und die Ägypter besäten das Land, und es gab viel Getreide in diesem Jahre. 11 Und

dieses Jahr war das 1. der 4. Jahrwoche des 45. Jubiläums. 12 Und Joseph nahm von dem Korn, das sie gesät hatten, den fünften Teil für den

König und vier Teile ließ er ihnen zur Nahrung und zur Aussaat. Und Joseph machte dies zum Gesetz für das Land Ägypten bis auf diesen

Tag. 13 Und Israel lebte im Lande Ägypten 17 Jahre, und es waren alle Tage, die er lebte, drei Jubiläen, 147 Jahre; und er starb im 4. Jahre

der 5. Jahrwoche des 45. Jubiläums. 14 Und Israel segnete seine Kinder, ehe er starb, und sagte ihnen alles, was ihnen im Lande Ägypten

begegnen würde; und in den letzten Tagen, wie es ihnen da ergehen würde, tat er ihnen kund und segnete sie und gab Joseph zwei Erb-Teile

im Lande. 15 Und er entschlief zu seinen Vätern und wurde in der Doppelhöhle im Lande Kanaan nahe bei seinem Vater Abraham begraben,

in dem Grabe, das er sich selbst in der Doppelhöhle im Lande Hebron gegraben hatte. 16 Und er gab alle seine Schriften und die Schriften

seiner Väter seinem Sohne Levi, damit er sie bewahre und sie erneuere für seine Söhne bis auf diesen Tag.

Josephs Tod. Jakobs Bestattung zu Hebron. Die Bedrückung der Israeliten in Ägypten.

1 Und es geschah, nachdem Jakob gestorben war, wurden die Kinder Israel zahlreich im Lande Ägypten und wurden viele Leute. Und sie

waren alle einig in ihrem Sinne, daß einer den andern liebte und daß einer dem andern beistand. Und sie wurden sehr zahlreich und

vermehrten sich stark, und zehn Jahrwochen lang, alle Tage des Lebens Josephs. 2 Und es war kein Widersacher und nichts Böses alle Tage

des Lebens Josephs, die er nach seinem Vater Jakob lebte; denn alle Ägypter ehrten die Kinder Israel alle Tage des Lebens Josephs. 3 Und

Joseph starb 110 Jahre alt; und zwar war er 17 Jahre im Lande Kanaan gewesen und zehn Jahre hatte er gedient und drei Jahre im

Gefängnisse und 80 Jahre war er unter dem Könige Herr gewesen über das ganze Land Ägypten. 4 Und er starb und alle seine Brüder und

jenes ganze Geschlecht. 5 Und er gebot den Kindern Israel, ehe er starb, daß sie seine Gebeine fortführen sollten zur Zeit, wann sie aus dem

Lande Ägypten wegziehen würden. 6 Und er ließ sie schwören, betreff s seiner Gebeine; denn er wußte, daß die Ägypter sie nicht wieder

hinausbringen und im Lande Kanaan begraben würden, weil Makamaron, der König von Kanaan, während er im Lande Assur wohnte, mit

dem Könige von Ägypten im Tale kämpfte und ihn dort tötete und hinter den Ägyptern herjagte bis zu dem Tore von Ermon. 7 Und er

konnte nicht hineinkommen; denn ein anderer neuer König war über Ägypten zur Herrschaft gelangt, und der war stärker als er. Und er

kehrte um nach dem Lande Kanaan, und das Tor Ägyptens ward geschlossen, und keiner kam hinaus und keiner kam herein nach Ägypten. 8

Und Joseph starb im 46. Jubiläum in der 6. Jahrwoche im 2. Jahre, und sie begruben ihn im Lande Ägypten, und alle seine Brüder starben

nach ihm. 9 Und der König von Ägypten zog aus, um mit dem Könige von Kanaan zu kämpfen, in diesem 47. Jubiläum in der 2. Jahrwoche

im 2. Jahre, und die Kinder Israel brachten die Gebeine der Söhne Jakobs alle hinaus außer den Gebeinen Josephs und begruben sie auf dem

Felde in der Doppelhöhle im Gebirge. l0 Und die meisten kehrten nach Ägypten zurück; aber einige von ihnen blieben im Gebirge Hebron,

und dein Vater Amram blieb bei ihnen. 11 Und der König von Kanaan besiegte den König von Ägypten, und er verschloß das Tor von

Ägypten. 12 Und er erdachte einen bösen Plan gegen die Kinder Israel, sie zu plagen, und sprach zu den Ägyptern: 13 Siehe, das Volk der

Kinder Israel ist herangewachsen, und sie sind zahlreicher geworden als wir. Wohlan, wir wollen ihnen gegenüber schlau sein, ehe sie zu

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zahlreich werden, und wollen sie mit Sklavenarbeit plagen, ehe ein Krieg über uns kommt, und ehe sie gegen uns kämpfen. Wenn aber nicht,

so werden sie sich mit dem Feinde verbinden und werden aus unserem Land ausziehen; denn ihr Herz und ihr Blick ist nach dem Lande

Kanaan gerichtet. 14 Und er setzte Aufseher über sie ein, sie mit Sklavenarbeit zu plagen, und sie erbauten feste Städte für den Pharao,

Pithom und Ramses, und bauten alle Mauern und alle Wände, die in den Städten Ägyptens eingefallen waren, wieder auf. 15 Und sie

unterdrückten sie mit Gewalt, und je mehr Übel sie ihnen taten, desto mehr und desto zahlreicher wurden sie. 16 Und die Ägypter hielten die

Kinder Israel für unrein.

Die Jugendgeschichte Moses.

1 Und in der 7. Jahrwoche im 7. Jahre im 47. Jubiläum kam dein Vater aus dem Lande Kanaan, und du wurdest geboren in der 4. Jahrwoche

im 6. Jahre im 48. Jubiläum, welches eine Zeit der Trübsal für die Kinder Israel war. 2 Und der Pharao, der König von Ägypten, erließ ein

Gebot über sie, daß man alle ihre männlichen Kinder, die ihnen geboren würden, in den Fluß werfen solle. 3 Und man warf sie hinein, sieben

Monate lang, bis zu dem Tage, da du geboren wurdest. Und deine Mutter verbarg dich drei Monate lang, und man machte Anzeige wegen

ihr. 4 Und sie machte dir ein Kästchen und verklebte es mit Pech und Asphalt und legte es in das Gras am Ufer des Flusses und legte dich

hinein sieben Tage. Und deine Mutter kam des Nachts und säugte dich, und bei Tage hütete dich deine Schwester Miriam vor den Vögeln. 5

Und in jener Zeit kam Tarmut, die Tochter des Pharao, um sich im Flusse zu baden. Und sie hörte deine Stimme, wie du weintest, und sprach

zu ihren Hebräerinnen, sie sollten dich bringen; und sie brachten dich zu ihr. 7 Und sie nahm dich aus dem Kasten heraus und hatte Mitleid

mit dir. 7 Und deine Schwester sprach zu ihr: Soll ich hingehen und dir eine von den Hebräerinnen rufen, daß sie dir den Knaben pflege und

säuge? Und sie sprach: Geh! 8 Und sie ging und rief deine Mutter Jochebed, und sie gab ihr Lohn, und sie pflegte dich. 9 Und darnach, als du

herangewachsen warst, führten sie dich in das Haus des Pharao, und du wurdest sein Sohn, und dein Vater Amram lehrte dich die Schrift.

Und nachdem du drei Jahrwochen vollendet hattest, brachten sie dich an den Hof des Reichs. 10 Und du warst am Hof e drei bis zur der Zeit,

da du aus dem Hofe des Reichs hinausgingst und den Ägypter sahst, wie er deinen Nächsten von den Kindern Israel schlug. Und du tötetest

ihn und verbargst ihn im Sande. 11 Und am nächsten Tage trafst du zwei Leute von den Kindern Israel, wie sie sich stritten, und du sprachst

zu dem, der Unrecht tat: Warum schlägst du deinen Bruder? 12 Und er ward zornig und grimmig und sprach: Wer hat dich zum Fürsten und

Richter über uns gesetzt? Willst du mich etwa auch töten, wie du gestern den Ägypter getötet hast? Und du fürchtetest dich und flohst wegen

dieser Rede.

Von Moses Flucht bis zum Auszuge der Israeliten.

1 Und im 6. Jahre der 3. Jahrwoche des 49. Jubiläums gingst du und wohntest dort 5 Jahrwochen und ein Jahr; und du kehrtest nach Ägypten

zurück in der 2. Jahrwoche im 2. Jahre im 50. Jubiläum. 2 Und du selbst weißt, was er mit dir geredet hat auf dem Berge Sinai, und was der

Fürst Mastema mit dir hat tun wollen, als du nach Ägypten zurückkehrtest auf dem Wege ... 3 Wollte er dich nicht mit aller deiner Macht

töten und die Ägypter aus deiner Hand retten, als er sah, daß du zu den Ägyptern geschickt warst, Gericht und Rache zu üben? 4 Und ich

habe dich aus seiner Hand errettet, und du hast Zeichen und Wunder getan, die du gesandt warst in Ägypten zu tun gegen den Pharao und

gegen sein ganzes Haus und gegen seine Knechte und gegen sein Volk. 5 Und Gott übte an ihnen schwere Rache wegen Israels und schlug

sie mit Blut und mit Fröschen und mit Mücken und mit Hundsfliegen und mit bösen Geschwüren, die in Blattern hervorbrachen, und ihr

Vieh durch Tod. Und durch Hagel dadurch vernichtete er alles, was ihnen wuchs, und mit Heuschrecken, die den Rest fraßen, der ihnen vom

Hagel übrig geblieben war, und mit Finsternis. Und an ihrer Erstgeburt von Menschen und Vieh und an allen ihren Götzen übte Gott Rache

und verbrannte sie mit Feuer. 6 Und alles wurde durch deine Hand geschickt, damit du es tätest ... , und es stand dir bevor, daß du redetest

mit dem König von Ägypten vor allen seinen Dienern und vor seinem Volke. 7 Und alles geschah durch dein Wort; zehn große und

furchtbare Gerichte kamen über das Land Ägypten, damit du an ihm Rache übtest für Israel. 7 Und alles tat Gott Israels wegen und gemäß

seinem Bunde, den er mit Abraham geschlossen, damit er sich an ihnen räche, wie sie sie mit Gewalt unterdrückt hatten. 9 Und der Fürst

Mastema erhob sich wider dich und wollte dich in die Hand des Pharao fallen lassen und half immer den Zaubereien der Ägypter, und sie

traten auf und übten sie vor dir aus. l0 Das Böse nun ließen wir sie tun; aber die Heilungen erlaubten wir ihnen nicht, daß sie durch ihre

Hände geschähen. 11 Und Gott schlug sie mit bösen Geschwüren, und sie konnten nicht widerstehen. Denn wir richteten sie zu Grunde, daß

sie kein einziges Zeichen tun konnten. 12 Und bei all' diesen Zeichen und Wundern schämte sich der Fürst Mastema nicht, bis er seine Kraft

anstrengte und den Ägyptern zurief, sie sollten dich verfolgen mit aller Streit -Macht Ägyptens, mit ihren Wagen und mit ihren Rossen und

mit der ganzen Menge der Völker Ägyptens. 13 Und ich stellte mich zwischen die Ägypter und zwischen dich und zwischen Israel und

rettete Israel aus seiner Hand und aus der Hand seines Volks, und Gott führte sie hinaus mitten durch das Meer wie durch trockenes Land. 14

Und alles Volk, das er zur Verfolgung Israels hinausgeführt hatte, warf der Herr, unser Gott, mitten ins Meer, in die Tiefen des Abgrunds,

statt der Kinder Israel. Dafür, daß die Ägypter deren Kinder in den Strom geworfen hatten, nahm er an Millionen von ihnen Rache; und

tausend kräftige und mutige Männer kamen um für einen Säugling, den sie mitten in den Fluß geworfen hatten von den Kindern deines

Volks. 15 Und am 14. Tag und am 15. und am 16. und am 17. und am 18. war der Fürst Mastema gebunden und eingesperrt hinter den

Kindern Israel, damit er sie nicht anklage. 16 Und am 19. Tage ließen wir ihn los, damit er den Ägyptern helfe und damit sie hinter den

Kindern Israel herjagten. 17 Und er verstockte ihre Herzen und verhärtete sie, und ihm wurde von dem Herrn, unserem Gott, eingegeben, die

Ägypter zu schlagen und sie mitten ins Meer zu stürzen. 18 Und am 17. Tag banden wir ihn, daß er die Kinder Israel nicht anklage an dem

Tage, wo sie die Geräte und Kleider von den Ägyptern erbaten, die silbernen Geräte und die goldenen Geräte und die ehernen Geräte, und

damit sie die Ägypter plünderten dafür, daß sie ihnen gedient hatten, indem sie sie mit Gewalt bedrückten. 19 Und wir haben die Kinder

Israel nicht leer aus Ägypten herausgeführt.

Das Passah.

1 Gedenke des Gebots, das Gott dir geboten hat wegen des Passah, daß du es haltest am 14. des 1. Monats, daß du es schlachtest, ehe es

Abend wird, und daß man es esse in der Nacht, am Abende des 15. von der Zeit des Sonnenuntergangs an. 2 Denn in dieser Nacht ist der

Anfang des Festes und der Anfang der Freude; ihr aßt das Passah in Ägypten, während alle Streitkräfte des Mastema entsandt waren, alle

Erstgeburt im Lande Ägypten zu töten, von der Erstgeburt des Pharao an bis zu der Erstgeburt der kriegsgefangenen Magd, die an der Mühle

und

auch bis zum Vieh. 3 Und dies ist das Zeichen, das ihnen Gott gab: in jedes Haus, an dessen Türe sie das Blut von einem jährigen Schafe

sahen - in das Haus sollten sie nicht eintreten, um zu töten, sondern sollten vorübergehen, damit alle, die im Hause waren, gerettet würden,

weil das Blutzeichen an seiner Türe war. 4 Und die Mächte Gottes taten alles, wie es ihnen Gott befohlen hatte; und sie gingen vorbei an

allen Kindern Israel und die Plage kam nicht über sie, um von ihnen irgend eine Seele zu vernichten, weder Vieh noch Menschen noch

Hunde. 5 Und die Plage war in Ägypten gar gewaltig, und es gab kein Haus in Ägypten, in dem nicht ein Leichnam war und Weinen und

Wehklagen. 6 Und ganz Israel saß in Ruhe, indem es das Passahfleisch aß und indem es Wein trank und lobte und pries und dem Herrn, dem

Gott seiner Väter, dankte und bereit war, vom Joche der Ägypter und aus der bösen Knechtschaft fortzuziehen. 7 Du aber gedenke dieses

Tags alle Tage deines Lebens und halte ihn von Jahr zu Jahr alle Tage deines Lebens, einmal im Jahr, an seinem Tage, gemäß seinem ganzen

Gesetz, und lasse keinen Tag aus von den Tagen und von Monat zu Monat. 8 Denn es ist eine ewige Ordnung und eingegraben in die Tafeln

des Himmels für die Kinder Israel, daß sie es in jedem einzelnen Jahr an seinem Tage halten, einmal des Jahrs, in allen Geschlechtern. Und

es gibt da keine Grenze der Zeiten, sondern für ewig ist es festgesetzt. 9 Und wenn ein Mann rein ist und nicht kommt, es an seinem Tage zu

halten, ein wohlgefälliges Opfer vor Gott darzubringen und am Tage seines Festes vor Gott zu essen und zu trinken, dieser Mann, der rein

und nahe ist, soll ausgerottet werden, weil er das Opfer Gottes nicht dargebracht hat zu seiner Zeit; die Sünde wird dieser Mann für sich

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selbst tragen. l0 Die Kinder Israel sollen kommen und das Passah halten zu seiner Zeit am 14. des ersten Monats um die Zeit des

Sonnenuntergangs, vom dritten Teile des Tags bis zum dritten Teile der Nacht; denn zwei Teile des Tages sind dem Lichte gegeben und der

dritte dem Abend. 11 Dies ist es, das dir Gott geboten hat, du sollest es halten »zwischen Abend«. 12 Und sein Schlachten soll nicht

stattfinden zu jeder Zeit des Lichts, sondern nur in der Grenzzeit des Abends, und man soll es essen in der Abendzeit bis zum dritten Teile

der Nacht. Und was von all' seinem Fleische vom dritten Teile der Nacht an und weiterhin übrigbleibt, das soll man mit Feuer verbrennen. 13

Und man soll es nicht in Wasser kochen und nicht roh essen, sondern am Feuer gebraten soll man es essen in Sorgfalt. Seinen Kopf mit

seinen Eingeweiden und mit seinen Füßen soll man am Feuer braten und kein Bein in ihm zerbrechen; denn es soll von den Kindern Israel

kein Bein zerbrochen werden. 14 Deswegen hat Gott den Kindern Israel geboten, daß sie das Passah halten sollen am Tage seiner Zeit, und

es soll kein Bein von ihm gebrochen werden. Denn ein Festtag ist es und ein vorgeschriebener Tag ist es, und man darf davon nicht abgehen

von Tag zu Tag und von Monat zu Monat; denn an seinem Festtage soll es gehalten werden. 15 Du aber gebiete den Kindern Israel, daß sie

das Passah halten in ihren Tagen in jedem Jahr, einmal im Jahr, am Tage seiner Zeit. Und es wird gereichen zu einem Gedächtnisopfer, das

vor Gott wohlgefällig ist, und keine Plage wird in diesem Jahr über sie kommen, sie zu töten und zu schlagen, wenn sie das Passah zu seiner

Zeit ganz nach seinem Gebote halten. 16 Und es ist nicht erlaubt, es außerhalb des Heiligtums Gottes zu essen, sondern nur im Angesichte

des Heiligtums Gottes, und die gesamte Gemeinde Israels soll es zu seiner Zeit halten. 17 Und jedermann, der an seinem Tage kommt, soll es

im Heiligtum eures Gottes vor dem Herrn essen, vom 20. Jahre an und aufwärts; denn so ist es geschrieben und verordnet, daß sie es im Heiligtume

Gottes essen sollen. 18 Und wenn die Kinder Israel in das Land kommen, das sie besitzen sollen, in das Land Kanaan, und das Zelt

Gottes mitten im Land in einer von ihren Scharen aufpflanzen, bis wann das Heiligtum Gottes im Lande gebaut wird, dann sollen sie

kommen und das Passah mitten im Zelte Gottes halten und sollen es von Jahr zu Jahr vor Gott schlachten. 19 Und in der Zeit, wann das Haus

im Namen Gottes im Land ihres Erbteils gebaut ist, sollen sie dorthin gehen und das Passah schlachten am Abend, wenn die Sonne untergeht,

am dritten Teile des Tages. 20 Und sie sollen sein Blut an die Schwelle des Altars bringen und sein Fett sollen sie über das Feuer legen, das

auf dem Altar ist, und sollen sein Fleisch, am Feuer gebraten, im Hofe des Heiligtums im Namen Gottes essen. 21 Und sie werden das

Passah nicht halten können in ihren Städten und an allen Orten, außer vor dem Zelte Gottes oder vor seinem Hause, in dem sein Name

Wohnung genommen hat, und sie sollen nicht irren hinter Gott weg. 22 Du aber, Mose, gebiete den Kindern Israel, sie sollen die

Passah-Ordnung halten. Wie dir befohlen ist, sage ihnen sein Jahr je nach dem Jahr und seinen Tag je nach den Tagen, und das Fest des

ungesäuerten Brots, daß sie sieben Tage ungesäuertes Brot essen, daß sie sein Fest halten und daß sie sein Opfer bringen Tag für Tag in

jenen sieben Tagen der Freude vor dem Herrn auf dem Altar eures Gottes. 23 Denn dieses Fest habt ihr in Eile gefeiert, als ihr aus Ägypten

auszogt, bis ihr in die Wüste Sur kamt; denn am Ufer des Meers habt ihr es vollendet.

Gebote über Jubiläen und Sabbat.

1 Und nach diesem Gesetze habe ich dir die Sabbattage kund getan in der Wüste Sinai, die zwischen Elom und dem Sinai liegt. 2 Und auch

die Sabbate des Landes habe ich dir auf dem Berge Sinai gesagt und auch die Jubiläenjahre habe ich dir gesagt in den Jahressabbaten; aber

sein Jahr habe ich dir nicht gesagt, bis ihr in das Land kommt, das ihr besitzen Sollt. 3 Und auch das Land soll seine Sabbate feiern, wenn sie

darin wohnen, und das Jubeljahr sollen Sie erfahren. 4 Deswegen habe ich dir festgesetzt Jahrwochen und Jahre und Jubiläen: 49 Jubiläen

sind es von den Tagen Adams bis auf diesen Tag und 1 Jahrwoche und 2 Jahre; und es sind noch 40 Jahre weit, um die Gebote Gottes zu

erfahren, bis wann sie auf die andere Seite des Landes Kanaan hinüberziehen, indem sie den Jordan nach Westen zu überschreiten. 5 Und die

Jubiläen werden vergehen, bis wann Israel rein ist von aller Sünde der Hurerei und der Unreinigkeit und der Befleckung und der Schuld und

der Verirrung und im ganzen Lande wohnt, indem es sicher ist, und ohne daß es irgend einen Widersacher und ohne daß es irgend einen

Bösen hat. Und das Land wird rein sein von da an bis in alle Zeiten. 6 Und siehe, auch das Sabbatgebot habe ich dir aufgeschrieben und alle

Rechte seiner Satzungen. 7 Sechs Tage sollst du dein Werk tun, aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, eures Gottes. Tut an ihm

keinerlei Arbeit, ihr und eure Kinder und eure Knechte und eure Mägde und all' euer Vieh und auch die Fremden, die bei euch sind. 8 Und

ein Mensch, der an ihm irgend eine Arbeit tut, soll sterben, - jeder Mann, der diesen Tag befleckt, der seinem Weibe beiwohnt, und auch, wer

irgend eine Sache beredet, an ihm zu tun, daß er an ihm eine Reise mache wegen allerlei Verkauf und Kauf; und auch, wer an ihm Wasser

schöpft, das er nicht vorbereitet hat am 6. Tage, und auch, wer allerlei aufhebt zu tragen, um es aus seinem Zelt oder aus seinem Hause zu

bringen, soll sterben. 9 Und tut am Sabbattage keinerlei Arbeit, ohne daß ihr sie euch am 6. Tage vorbereitet habt, zu essen und zu trinken

und zu ruhen und von aller Arbeit an diesem Tage Sabbat zu feiern und den Herrn, euren Gott, zu preisen, der euch den Festtag und den

heiligen Tag gegeben hat. Und ein Tag des heiligen Reichs für ganz Israel ist dieser Tag unter ihren Tagen immerdar. l0 Denn groß ist die

Ehre, die Gott Israel erwiesen hat, daß sie an diesem Festtag essen und trinken und sich sättigen und an ihm ruhen sollen von aller Arbeit, die

zu menschlicher Arbeit gehört, außer daß sie Rauchwerk räuchern und Gabe und Opfer vor Gott darbringen für die Tage und die Sabbate. 11

Diese Arbeit allein soll an den Sabbattagen im Heiligtume des Herrn, eures Gottes, getan werden, damit sie beständig Tag für Tag das

Sühnopfer für Israel darbringen, zum Gedächtnis, das vor Gott angenehm ist, und damit er sie annimmt für ewig Tag für Tag, wie dir geboten

ist. 12 Und jedermann, der an ihm eine Arbeit tut und auch, wer einen Weg geht, und auch, wer sein Grundstück besorgt, sei es zu Hause

oder an irgend einem anderen Ort, und auch, wer Feuer anzündet, und auch, wer irgend ein Tier bepackt, und auch, wer ein Tier oder einen

Vogel schlachtet, und auch, wer etwas fängt, sei es Feld-Tier oder Vogel oder Fisch, und auch, wer am Sabbat fastet und Krieg führt: 13 ein

Mensch, der irgend etwas von diesem am Sabbattage tut, soll sterben, damit die Kinder Israel Sabbat feiern gemäß den Geboten der Sabbate

des Landes, wie in den himmlischen Tafeln geschrieben ist, die er mir in meine Hände gegeben hat, damit ich dir die Ordnungen der Zeit und

die Zeit je nach der Einteilung ihrer Tage auffschreibe.

Hier ist zu Ende die Rede von der Einteilung der Tage.

Textquelle: Joseph und Asenath

1. Kapitel: Asenath

1 Am fünften Tag des zweiten Monats, im ersten Jahr der sieben fetten Jahre bestellte Pharao den Joseph zu einem Rundgang durch

Ägyptens Lande insgesamt. 2 So kam er denn am achtzehnten des vierten Mondes des ersten Jahrs in das Gebiet von Heliopolis und

sammelte das Korn der Gegend ein, dem Sand am Meere gleich. 3 Da war ein Mann in jener Stadt mit Namen Pentephres; der war ein

Priester zu Heliopolis und ein Satrap des Pharao und Oberhaupt all der Satrapen und der Fürsten Pharaos. Und dieser Mann war unermeßlich

reich, klug,

milde, des Pharao Berater, als Klügster aller Fürsten Pharaos. 4 Er hatte eine Tochter Asenath mit Namen, Jungfrau von achtzehn Jahren,

schlank, blühend, viel schöner als des Landes Jungfrauen all. 5 Ja, Asenath glich keinesfalls ägyptischen Jungfrauen; sie glich vielmehr den

Töchtern der Hebräer allenthalben; sie war so schlank wie Sara, so blühend wie Rebekka, so schön wie Rachel. 6 Und ihrer Schönheit Ruf

erging ins ganze Land, ja bis zum End der Welt; der Großen und Satrapen Söhne alle begehrten sie deshalb zu freien, ja selbst die

Königssöhne, die jungen und die kräftigen, und ihretwegen war ein großer Streit bei ihnen und sie versuchten, gegenseitig sich schon zu

bekämpfen. 7 Des Pharao Erstgeborener hörte auch von ihr. Er bat den Vater, diese ihm zum Weib zu geben. Er sprach zu ihm: Mein Vater!

Gib zum Weib mir Asenath, die Tochter Pentephres, des ersten Mannes zu Heliopolis! 8 Da sprach sein Vater Pharao zu ihm: Warum suchst

du ein Weib dir aus, das tiefer steht als du, zumal du König dieses ganzen Landes wirst? 9 Ist nicht des Moabkönigs Joakim Tochter dir

verlobt? Ja, die gibt eine Königin, ist sie doch über alle Maßen schön. Die nimm dir doch zum Weib!

2. Kapitel: Asenaths Schmuck und Wohnung

74

1 Doch Asenath war jeder Mann zum Ekel und zuwider in ihrem unnahbaren Stolz; kein Mann bekam sie je zu sehen; denn Pentephres besaß

an seinem Hause einen Turm, gar groß und hoch, und oben auf dem Turme war ein Söller mit zehn Zimmern. 2 Das erste Zimmer war gar

groß und prächtig, mit Purpursteinen ausgelegt; aus edlen, bunten Steinen. waren seine Wände; des Zimmers Decke war aus Gold. 3 Zahllose

Götter der Ägypter, goldene und silberne, befanden sich in diesem Zimmer und Asenath verehrte diese alle voller Furcht und brachte ihnen

täglich Opfer dar. 4 Im zweiten Zimmer war der ganze Schmuck der Asenath samt den Behältern; drin war viel Gold und Silber, unzählig

goldgewirkte Kleider und auserlesene, kostbare St eine und feine leinene Gewänder; auch aller andre Jungfrauenschmuck war hier. 5 Die

Vorratskammer Asenaths war in dem dritten Zimmer, das alle Güter dieser Welt enthielt. 6 Und in den andern sieben Zimmern wohnten

sieben Jungfrauen, die Asenath bedienten, und jede hatte ein besonderes Zimmer; sie aber waren gleichen Alters, mit Asenath in einer Nacht

geboren; sie liebte sie gar sehr; sie waren wunderschön, den Himmelssternen gleich; nie sprach ein Mann mit ihnen, noch ein Knabe. 7 Drei

Fenster waren in dem großen Zimmer Asenaths, wo ihre Jungfrauschaft gehegt ward und gepflegt; das erst Fenster war sehr groß, und

schaute auf den Hof nach Osten, das zweite nach dem Süden, das dritte auf die Straße. 8 Ein golden Bett stand in dem Zimmer gegen Osten;

das Lager war mit goldgewirktem Purpur ausgelegt, aus Scharlach und aus feinem Linnenstoff gewoben. 9 In diesem Bett schlief Asenath

allein; nie lag ein Mann darin, noch je ein andres Weib, als Asenath allein. l0 Ein großer Hof lief um das Haus herum und um den Hof ging

eine hohe Mauer, erbaut aus großen Quadersteinen. 11 Vier Pforten waren in dem Hof, mit Eisen wohl beschlagen; an diesen wachten

achtzehn junge, kräftige Bewaffnete und in dem Hofe an der Mauer wuchsen Bäume, kostbare aller Art und alle früchtereich, zur Erntezeit

mit reifen Früchten. 12 Zur Rechten in dem Hof war eine reiche Wasserquelle und unter diesem Quell war ein Behälter, gar nicht klein, der

dieser Quelle Wasser in sich nahm, von wo er, einem Flusse gleich, durch jenes Hofes Mitte floß und jenes Hofes Früchte all bewässerte.

3. Kapitel: Josephs Ankunft

1 Am achtundzwanzigsten des vierten Mondes im ersten Jahr der sieben fetten Jahre kam Joseph ins Gebiet von Heliopolis und sammelte das

Korn der Gegend ein. 2 Als Joseph dieser Stadt sich näherte, entsandte er zwölf Männer vor sich her zu Pentephres, dem Priester von

Heliopolis, und ließ ihm sagen: Ich kehre heute bei dir ein, dieweil es Mittag ist und Zeit zum Speisen; auch ist die Sonnenhitze groß; drum

möcht ich unter deines Hauses Dache mich erquicken. 3 Als Pentephres dies hörte, freut er sich sehr und spricht: Gepriesen sei der Herr, der

Gott des Joseph! Mein Herr! Für würdig hält mich Joseph. 4 Und Pentephres berief den Aufseher des Hauses und sprach zu ihm: Setz schnell

mein Haus instand und richt ein Gastmahl her, weil Joseph, Gottes Held, heut zu uns kommt! 5 Als Asenath vernahm, der Vater und die

Mutter kämen von dem Erbgut heim, sprach sie voll Freude: Ich gehe und will den Vater und die Mutter sehen, weil sie von unserm Erbgut

kommen; es war zur Erntezeit. 6 Dann eilte Asenath ins Zimmer, wo ihre Kleider lagen, und zog ein feines Linnenkleid, aus Scharlach und

aus Gold gewirkt, sich an, mit einem goldnen Gürtel, und an den Armen trug sie Spangen, und an den Beinen goldne Binden und um den

Hals wertvollen Schmuck und seltene Steine, die allseitig geschliffen waren, dazu die Namen der ägyptischen Götter trugen, die allenthalben

eingegraben waren auf Spangen und auf Steinen. Sie setzte einen Turban sich aufs Haupt, band um die Schläfen sich ein Diadem, verhüllte

ihren Kopf mit einem Schleier.

4. Kapitel: Asenath und ihre Eltern

1 So ging sie aus dem Söller auf der Treppe schnell hinab und kam zu Vater und zu Mutter und grüßte sie; da freute Pentephres mit seinem

Weibe sich über ihre Tochter Asenath gar sehr, weil sie sie sahen so geschmückt und so geziert, wie eine Gottesbraut. 2 Da holten sie hervor,

was sie aus ihrem Erbgut Gutes eingeheimst, und schenkten dieses ihrer Tochter, und Asenath erfreute sich an all dem Guten, am Obst, an

Trauben, Datteln, an Tauben, an Granaten und an Feigen; sie waren alle reif und wohlschmeckend. 3 Alsdann sprach Pentephres zu seiner

Tochter Asenath: » 0 Kind! « Sie sprach: Ja, Herr! 4 Er sprach zu ihr: Setz dich hier zwischen uns! Ich will dir sagen, was ich denke. 5 Sie

setzt sich zwischen ihren Vater und die Mutter; ihr Vater Pentephres ergreift mit seiner Rechten ihre Rechte, küßt sie und spricht: 0 liebes

Kind ! 6 Sie sprach zu ihm: Ja, Herr und Vater ! 7 Darauf sprach Pentephres zu ihr: Sieh, Joseph, Gottes Held, kommt heut zu uns; er ist der

Herrscher über ganz Ägyptenland. Der König Pharao bestellte ihn zum Herrscher über unser ganzes Land und diesem ganzen Lande gibt er

Nahrung und rettet dieses vor der künftigen Hungersnot. Ein gottesfürchtiger Mann ist Joseph, jungfräulich, wie du's heute bist, und klug, ein

Mann, an Weisheit und an Wissen stark; in ihm ist Gottes Geist; des Herren Gnade ist in ihm. 8 Komm, teures Kind! Ich geb dich ihm zum

Weib und du wirst seine Braut; für alle Zeit wird er dein Bräutigam. 9 Als Asenath von ihrem Vater diese Worte hörte, bedeckte sich ihr

Angesicht mit vielem Schweiß und sie geriet in großen Zorn, schaut von der Seite hin zu ihrem Vater und spricht: Was redest du, mein Herr

und Vater, solche Dinge? Willst du mich einem fremden Mann gefangen übergeben, der flüchtig war und den man gar verkaufte? 10 Ist er

nicht eines Hirten Sohn aus Kanaan? Ist er denn nicht von ihm verlassen worden? Ist er nicht der, der bei der Herrin ruhte und den sein Herr

in dunklen Kerker werfen ließ und den aus seinem Kerker Pharao entließ, weil er ihm seinen Traum erklärte, so wie's die alten Weiber der

Ägypter machen? 11 Nein! Lieber heirat ich den erstgeborenen Sohn des Königs, weil dieser König in dem ganzen Lande wird. 12 Alsdieses

Pentephres vernahm, verging ihm alle Lust, mit seiner Tochter Asenath noch weiter über Joseph sich zu unterhalten, weil sie mit stolzem

Zorne ihm erwidert hatte.

5. Kapitel: Josephs Besuch

1 Da sprang ein Jüngling aus der Dienerschaft des Pentephres herbei und sprach zu ihm: Schon steht vor unseres Hofes Pforten Joseph. 2 Als

Asenath dies hörte, floh sie von ihrem Vater und der Mutter weg, stieg auf den Söller, betrat ihr Zimmer, stellt sich ans große Fenster, das

gegen Morgen schaut, um Joseph sehen zu können, wenn er das väterliche Haus beträte. 3 Da gingen Pentephres und seine Frau hinaus, um

Joseph zu begrüßen, mit allen den Verwandten und der Dienerschaft. 4 Wie sich des Hofes Pforten, die nach Osten schauten, öffneten, fuhr

Joseph auf des Pharao zweitem Wagen ein; es zogen ihn vier Pferde, weiß wie der Schnee, mit goldnen Zügeln; der Wagen aber war aus

reinem Gold gefertigt. 5 Und Joseph war mit einem weißen, seltnen Rock bekleidet und seines Umhangs Kleid war purpurn, aus feinem

golddurchwirktem Linnen. Auf seinem Haupt ein goldner Kranz, zwölf auserlesene Steine um den Kranz und goldne Strahlen auf den

Steinen; in seiner Rechten trug er einen Königsstab und einen Ölzweig, der viel Früchte trug. 6 Als Joseph in den Hof getreten und sich die

Pforten schlossen, da mußte jeder Mann und alle fremden Weiber außerhalb des Hofes bleiben; der Pforten Wächter schlossen diese ab. 7 Da

kamen Pentephres und seine Frau und die Verwandten alle, nur Asenath, die Tochter, nicht, und warfen sich vor Joseph auf die Erde nieder.

Und Joseph stieg von seinem Wagen; mit Handschlag grüßt er sie.

6. Kapitel: Josephs Eindruck auf Asenath

1 Wie Asenath den Joseph sah, ward sie in ihrer Seele stark bewegt; es ward ihr Herz erschüttert und ihre Kniee wankten; sie zitterte am

ganzen Leib und hatte große Angst. 2 Sie seufzt und spricht in ihrem Herzen: Weh mir Unseligen! Wohin soll ich, Unglückliche, jetzt

fliehen? Wo mich vor seinem Angesicht verbergen? Wie wird doch Joseph, dieser Gottessohn, mich anschauen, da ich so schlimm von ihm

gesprochen ? 3 Weh mir Unseligen! Wo soll ich hingehen und mich bergen? Er sieht ja jegliches Versteck, weiß alles und nichts

Verborgenes entgehet ihm des großen Lichtes wegen, das er in sich trägt. 4 Nun sei des Joseph Gott mir gnädig, daß ich unwissentlich so

75

Schlimmes wider ihn geredet! Was soll ich tun, ich Elende? 5 Hab ich denn nicht gesagt, daß Joseph, eines Hirten Sohn, aus Kanaan

gekommen sei? Nun kommt er gleich der Himmelssonne zu uns auf seinem Wagen und heut betritt er unser Haus, erhellt es, wie das Licht

der Erde. 6 Ich aber war so töricht und so dreist, daß ich ihn so verachtete und Schlimmes von ihm sprach und wußte nicht, daß Joseph ist ein

Gottessohn. 7 Denn welcher Mensch auf Erden zeugt je solche Schönheit und welches Weibes Schoß gebiert ein solches Licht? Ich war so

unselig und töricht, daß ich so schlimme Worte meinem Vater gab. 8 Gib mich zur Magd dem Joseph, Vater, zur Sklavin noch viel lieber!

Ich will ihm ewig Sklavin sein.

7. Kapitel: Josephs Eintritt ins Haus ihrer Eltern

1 Und Joseph ging ins Haus des Pentephres und setzte sich auf einen Thron; sie wuschen ihm die Füße, bereiteten ihm eine eigene Tafel,

weil Joseph nicht zusammen mit Ägyptern speiste; denn dies war ihm ein Greuel. 2 Da blickte Joseph auf und sah die Asenath, wie sie

verstohlen blickte, und sprach zu Pentephres: Wer ist dies Weib, des an des Söllers Fenster steht? Sie geh aus diesem Hause fort! Denn

Joseph dachte voller Furcht: Sie möchte mich behelligen! 3 Denn alle Weiber und die Töchter von den ägyptischen Fürsten und Satrapen

behelligten ihn mit dem Wunsche des Zusammenseins; jedoch auch viele andere Weiber der Ägypter und deren Töchter, die Joseph sahen,

litten schwer durch seine Schönheit. 4 Die Boten aber, die die Weiber zu ihm sandten mit Gold und Silber, wertvollen Geschenken, verjagte

Joseph voller Zorn mit Drohungen, indem er sprach: Ich werde nimmer sündigen vor Gott dem Herrn und vor dem Angesichte meines Vaters

Israel. 5 Es hatte nämlich Joseph immerdar vor Augen Gott und dachte immerfort an seines Vaters Mahnungen; es hatte Jakob oft gesagt und

seinem Sohne Joseph und allen seinen anderen Söhnen es ans Herz gelegt: Kinder! Hütet euch vor fremden Weibern! Laßt euch doch nicht

mit ihnen ein! Ihr Umgang ist Verderben und Vernichtung. 6 Deshalb sprach Joseph: Es geh doch jenes Weib aus diesem Hause fort! 7

Darauf erwiderte ihm Pentephres: Mein Herr! Die dort, die du im Söller stehen siehst, ist keine Fremde; es ist dies unsere Tochter, die jeden

Mann verschmäht; sie hat kein anderer Mann, als du allein, bis heut gesehen; doch willst du Herr, wird sie erscheinen und dich anreden; denn

unsere Tochter ist wie deine Schwester. 8 Da freute Joseph sich gar herzlich, weil Pentephres gesagt, sie sei ja eine Jungfrau, die jeden Mann

verschmäht, und Joseph sprach zu Pentephres und seinem Weib: Wenn diese eure Tochter ist und Jungfrau, dann soll sie kommen! Dann ist

sie meine Schwester; ich liebe sie von heute an als meine Schwester.

8. Kapitel: Josephs Begegnung mit Asenath

1 Darauf stieg ihre Mutter in den Söller und führte Asenath zu Joseph, und Pentephres sprach dann zu ihr: Begrüße deinen Bruder! Er ist

jungfräulich wie auch du bis heute, und er verschmäht ein jedes fremde Weib, wie du die fremden Männer all. 2 Darauf sprach Asenath zu

Joseph. Willkommen, Herr, Gesegneter des höchsten Gottes! 3 Und Joseph sprach zur ihr: Jungfrau! Dich segne Gott, der alles in das Leben

ruft! 4 Darauf sprach Pentephres zu seiner eignen Tochter Asenath: Komm! Küsse deinen Bruder! 5 Als Asenath den Joseph küssen wollte,

legt Joseph seine rechte Hand auf ihre Brust und Joseph spricht: Nicht ziernt es sich für einen gottesfürchtigen Mann, der mit dem Munde

den lebendigen Gott verherrlicht und der geweihtes Lebensbrot genießt und der Unsterblichkeit geweihten Trank einnimmt und mit der

Unverweslichkeit geweihtem Salböl wird gesalbt, daß einen Kuß er einem fremden Weibe gebe, das mit dem Munde tote, stumme Götzen

preist, von ihrem Tisch erwürgte Speis genießt, von ihrem Opfertrank den Kelch des Truges nimmt und sich mit des Verderbens Salbe salbt.

6 Der gottesfürchtige Mann vielmehr küßt seine Mutter und seine Schwester, seiner Mutter Kind, und seine Schwester aus dem gleichen

Stamm und seine Gattin, die sein Lager teilt, die mit dem Munde den lebendigen Gott verherrlichen. 7 Dergleichen ziemt es einem

gottesfürchtigen Weibe nicht, dem fremden Manne einen Kuß zu geben; denn dieses ist vor Gott, dem Herrn, ein Greuel. 8 Als Asenath von

Joseph solche Worte hörte, ward sie gar sehr betrübt und seufzte, und wie sie offnen Auges Joseph fest betrachtet, füllt sich ihr Aug mit

Tränen. Als Joseph sie so weinen sah, bedauert er sie sehr, weil sie so sanft und gütig und gottesfürchtig war. 9 Er legte seine Rechte ihr aufs

Haupt und sprach: Herr, Gott des Vaters Israel! Du höchster, starker Gott, der du das All belebst und aus dem Dunkel es ins Licht berufst und

aus dem Irrtum zu der Wahrheit und aus dem Tod zum Leben, ach, segne du auch diese Jungfrau! Belebe sie; erneure sie durch deinen

heiligen Geist; laß sie dein Lebensbrot genießen und trinken aus dem Kelche deiner Segnung und zähl sie deinem Volke bei, das du erwählt,

bevor das All geworden! Führ sie zu deiner Ruhestatt, die deinen Auserwählten du bereitet! Laß sie in deinem ewigen Leben ewig leben!

9. Kapitel: Josephs Abreise

1 Da ward durch Josephs Segen Asenath gar hoch erfreut und eilends geht sie in den Söller und fällt hier kraftlos auf ihr Lager nieder; denn

in ihr herrschten Freude, Trauer und viel Angst. Viel Schweiß ergoß sich über sie, als sie von Joseph diese Worte hörte und wie er in des

höchsten Gottes Namen zu ihr sprach. 2 Dann brach sie in ein lautes, bitterliches Weinen aus und wandte sich voll Reue von ihren Göttern

ab, die sie verehrte, und von den Götzenbildern, die sie schmähte, und blieb dort, bis es Abend ward. 3 Und Joseph aß und trank; dann hieß

er seine Knechte ihre Pferde an die Wagen spannen, die ganze Gegend zu befahren.4 Da sprach zu Joseph Pentephres: Mein Herr, bleib heute

hier! Zieh morgen deines Weges weiter! 5 Doch Joseph sprach: Nein, heute will ich gehen; denn dieses ist der Tag, an dem mit der

Erschaffung aller Dinge Gott begonnen. Am achten Tag kehr ich zu euch zurück und bleib dann hier.

10. Kapitel: Asenaths Reue

1 Wie Joseph nun das Haus verließ, ging Pentephres mit allen den Verwandten in ihr Erbgut. Nur Asenath blieb ganz allein mit sieben

Jungfrauen zurück, ganz teilnahmslos, in Tränen aufgelöst, bis zu der Sonne Untergang. Sie aß kein Brot und trank kein Wasser, und

während alles schlief, blieb sie allein noch wach und schlug in Tränen häufig ihre Brust. 2 Hernach erhob sich Asenath von ihrem Lager und

stieg die Treppe von dem Söller ganz gefaßt hinunter, und wie sie zu der Pforte kam, traf sie die Hüterin mit ihren Kindern schlafend an; da

nimmt sie von der Türe schnell das Vorhangsfell, füllt es mit Asche, trägt diese in den Söller und streut sie auf den Boden. 3 Dann schloß sie

selbst die Türe ab und schob den Eisenriegel von der Seite her und seufzte unter vielem Stöhnen, mit vielen starken Tränengüssen. 4 Die

Jungfrau, die da Asenath vor allen anderen Jungfrauen liebte, vernahm ihr Seufzen. Schnell steht sie auf und geht zur Türe, nachdem sie auch

die anderen Jungfrauen geweckt; sie fand sie fest verschlossen. 5 Sie hört das Seufzen Asenaths und ihren Jammer; da sagte sie, die außen

stand, zu ihr: Was gibt es, meine Herrin? Was macht dich so betrübt? Was ist, das dich bedrückt? Schließ auf, daß wir dich sehen! 6 Darauf

sprach Asenath, die innen eingeschlossen war: Gar großes, schweres Leid ist auf mein Haupt gekommen; ich ruhe nun auf meinem Lager;

doch kann ich nimmer mich erheben und euch öffnen, weil ich an allen meinen Gliedern leide. 7 Geht nun, in ihre Kammer jegliche von

euch, und ruhet; mich aber laßt allein! 8 Wie nun die Jungfrauen in ihre Kammern gingen, erhob sich Asenath und öffnete die Türe ihres

Schlafgemachs ganz ruhig, ging in ihr zweites Zimmer, wo die Behälter ihres Schmuckes waren, und öffnete die Truhe. Und sie entnahm ein

Kleid, ganz schwarz und düster, worin sie sich gekleidet, als ihr erstgeborener Bruder starb. 9 Sie nimmt dies Unterkleid, trägt's auf ihr

Zimmer, verschließt dann wieder fest die Türe und schiebt den Riegel von der Seite vor. 10 Dann legte Asenath die königlichen Kleider ab

und zog das Trauerkleid sich an, löst ihren goldnen Gürtel, mit einem Stricke sich umgürtend, legt ihren Turban oder ihre Mütze ab, sowie

das Diadem; die Spangen von den Armen und den Füßen, all das wird auf den Boden hingelegt. 11 Dann nimmt sie ihr erlesen Kleid, den

goldnen Gürtel, den Turban und ihr Diadem und wirft sie durch das Fenster, das nach Norden sah, den Armen zu. 12 Dann nimmt sie alle

ihre Götter, die sich in ihrem Zimmer fanden, die goldenen und silbernen, gar nicht zu zählen, zerbricht in kleine Stücke sie, und wirft sie

durch das Fenster den Bettlern und Bedürftigen zu. 13 Alsdann nimmt Asenath ihr königliches Mahl, gemästet Fleisch und Fisch und Kälberbraten

und alle Opfer ihrer Götter, sowie die Sachen für die Weintrankspende und wirft dies alles durch das Fenster, das nach Norden sah

zum Fraß den Hunden vor. 14 Hernach nahm sie das Fell mit Asche und schüttete sie auf den Boden aus; alsdann nahm sie ein Bußgewand

und gürtete es um die Hüften; sie löste auch ihr Haargeflecht und streute Asche auf ihr Haupt. 15 Sie streut auch Asche auf den Boden, setzt

sich so in die Asche und schlägt sich häufig ihre Brust mit Fäusten, weint bitterlich die ganze Nacht mit Seufzen bis zum Morgen. 16 Als

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Asenath am Morgen sich erhob, da sah sie, daß die Asche unter ihr von ihren Tränen war zu Schmutz geworden; da fiel sie wiederum mit

ihrem Antlitz in die Asche, bis daß die Sonne unterging. 17 So tat nun sieben Tage Asenath und aß nicht das Geringste.

11. Kapitel: Asenaths Bekehrung

1 Am achten Tage, als das Frührot kam und schon die Vögel sangen und Hunde Wandernde anbellten, erhob sich Asenath ein wenig von

dem Boden und aus dem Aschenstaub, worin sie saß; sie war erschöpft und ihrer Glieder nimmer mächtig ob des vielen Fastens; denn

Asenath war kraftlos und schwach geworden und ihre Kraft dahingeschwunden. So lehnte sie sich an die Wand, indem sie unter dem Fenster

saß, das da nach Osten sah. 2 Ihr Haupt ließ sie in ihren Busen sinken, die Finger ihrer rechten Hand ums rechte Knie gelegt; geschlossen

war ihr Mund; sie hatte ihn in sieben Tagen, sowie in sieben Nächten ihres Fastens nimmer aufgetan. 3 Sie sprach in ihrem Herzen, ohne

ihren Mund zu öffnen: Was soll ich Arme tun? Wo soll ich hingehen? Zu wem mich flüchten? Mit wem soll ich nur sprechen, ich hilflose,

vereinsamte, von allen ganz verlassene, mißachtete Jungfrau? 4 Sie alle achten mich nunmehr gering, mit ihnen auch der Vater und die

Mutter, weil ihre Götter ich verabscheute und sie zerstörte und sie den Armen gab, um sie durch Menschen zu vernichten. 5 Es sagten ja der

Vater und die Mutter: Das ist nicht unsere Tochter Asenath; auch alle die Verwandten hassen mich und alle anderen Menschen; denn ihre

Götter habe ich vernichtet. 6 Hab ich doch gleichfalls jeden Mann gehaßt und alle meine Freier; so werd ich auch in dieser meiner Schwäche

jetzt von allen wohl mißachtet; sie freuen sich an meiner Trübsal. 7 Der Herr und Gott des Helden Joseph aber haßt all die Götzenbildanbeter,

ist er ja doch ein eifersüchtiger, fürchterlicher Gott, wie ich ge hört, für alle, die da fremde Gottheiten verehren. 8 So hat er

denn auch mich gehaßt, weil tote, stumme Götzenbilder ich verehrte und sie pries. 9 Nun aber meid ich ihre Opfer; mein Mund ward ihrem

Tisch entfremdet; doch hab ich keinen Mut, den Herrn, den Gott des Himmels, anzurufen, den Höchsten und den Mächtigen des Helden

Joseph; es wurde ja mein Mund befleckt von Götzenopfern. 10 Ich habe aber viele sagen hören, ein wahrer Gott sei der Hebräer Gott und ein

lebendiger Gott und ein barmherziger Gott, mitleidig, nachsichtig, erbarmungsvoll und milde, der nicht die Sünde eines Armen anrechnet,

der sich zumeist unwissentlich verging, und der nicht rechtet ob der Schuld zur Zeit der Trübsal eines Menschen, der in Nöten. 11 Nun wag's

auch ich, ich Arme, und kehr zu ihm zurück und flüchte mich zu ihm, bekenn ihm alle meine Sünden und gieß mein Flehen vor ihm aus und

er wird meines Elends sich erbarmen. 12 Wer weiß, ob er nicht meiner sich erbarmt, sieht er mich jetzt verdemütigt und meine Seele so

vereinsamt? 13 Und sieht er, wie ich, Jungfrau, bin in meiner Not verlassen, dann schützt er mich, weil, wie ich höre, er der Waisen Vater ist,

der Tröster der Betrübten, der Helfer der Verfolgten. 14 So wag ich's denn, ich Arme, und ruf zu ihm. 15 Und Asenath erhob sich von der

Wand, woran sie saß, und richtete sich auf die Kniee gegen Osten und schaut zum Himmel auf und öffnet ihren Mund und spricht zu Gott.

12. Kapitel: Asenaths Gebet

1 Gebet und Bekenntnis der Asenath: - 0 Herr, Gott der Gerechten, der du die Welten schufst und allem Leben gabst, der du den Geist des

Lebens jeglichem Geschöpf verliehest, der du das Unsichtbare in das Licht gebracht, 2 der du das All geschaffen, das Unsichtbare sichtbar

hast gemacht, der du den hohen Himmel schufest, die Erde auf die Wasser gründetest, der du die großen Steine auf der Wassertiefe festigtest,

die nicht versinken können, die vielmehr bis zum Ende deinen Willen tun, weil du, o Herr, befahlst und alles ward. Dein Wort, o Herr, ist

Leben ja für alle deine Schöpfungen. 3 Zu dir nun flieh ich, Herr, mein Gott: von jetzt an ruf ich, Herr zu dir und dir bekenn ich meine

Sünden; vor dir schütt ich mein Flehen aus, o Herr; vor dir enthüll ich meine Sündenschulden. Schon meiner, Herr! Verschone! Denn viel

hab ich an dir gesündigt und gefrevelt, gottlos gehandelt, Abscheuliches, was schlecht in deinen Augen, ausgesprochen. 5 Befleckt ist, Herr,

mein Mund von Götzenopfern der Ägypter, von ihren Göttermahlen. Ich hab gesündigt, Herr, ich hab vor dir gesündigt; ich habe wissentlich

wie auch unwissentlich gottlos gehandelt, ich hab ja tote, stumme Götzenbilder angebetet. Ich bin nicht würdig, meinen Mund, o Herr, zu dir

zu öffnen, ich arme Asenath, die Tochter Pentephres, des Priesters, Jungfrau und Königin, ich, die ich einstmals stolz und übermütig, durch

meinen elterlichen Reichtum glücklicher als alle Menschen war, ich, die ich nunmehr einsam und verwaist, von allen Menschen ganz

verlassen bin. 6 Zu dir, Herr, fliehe ich; dir trag ich meine Bitte vor; ich ruf zu dir: 7 Errette mich von den Verfolgern, Herr, eh' ich von ihnen

werd ergriffen! 8 So wie ein kleines Kind, das jemand fürchtet, zum Vater und zur Mutter flieht, der Vater aber seine Hand ausstreckt und es

an seiner Brust hinreißt, so streck auch du, mein Herr, die reinen und die furchtbaren Hände nach mir aus, gleichwie ein Vater, der die

Kinder liebt, und reiß mich aus der Hand des geistigen Feindes! 9 Denn sieh: der alte, wilde, rohe Löwe verfolgt mich, weil er der Vater der

ägyptischen Götter ist, und seine Kinder sind die Götter der vom Götzendienst Besessenen; ich aber haßte und zerstörte sie, weil sie des

Löwen Kinder sind. So warf ich alle Götter der Ägypter von mir fort, zerstörte sie. 10 Der Löwe aber, der Teufel ist's, ihr Vater, versucht,

voll Wut auf mich, mich zu verschlingen. 11 Du aber, Herr, befreie mich aus seinen Händen, dann bleib ich seinem Mund entrissen, daß er

mich nicht zerfleische, nicht in die Feuerglut mich werfe und dann das Feuer mich dem Sturme überlasse und mich der Sturm in Finsternis

versenke und mich gar in des Meeres Tiefe schleudre und mich das große, alte Ungeheuer hier verschlinge und ich für alle Zeit verloren sei!

12 Errett mich, Herr, eh' mich dies alles trifft! Errette, Herr, die Einsame und Schutzlose, weil mich der Vater und die Mutter schon

verleugneten; Sie sprachen: »Das ist nicht unsere Tochter Asenath«, dieweil ich ihre Götter hab zerbrochen und vernichtet, da ich sie

gänzlich haßte. 13 Nun bin ich ganz verwaist und einsam; ich habe keine andere Hoffnung mehr als dich, mein Herr, und keine andere

Zuflucht mehr als dein Erbarmen, du Menschenfreund. Nur du bist ja der Waisen Vater, der Schützer der Verfolgten, der Helfer der Bedrückten.

14 Erbarm dich meiner, Herr! Schütz mich, die reine Jungfrau, die so verwaist, verlassen ist! Nur du, Herr, bist ein süßer, guter,

milder Vater. 15 Wer wäre sonst ein Vater, Herr, so süß und gut, wie du? Sieh: alle die Geschenke meines Vaters Pentephres, die er mir zum

Besitze gab, sind zeitlich und vergänglich; doch deines Erbes Gaben, Herr, sind unvergänglich, ewiglich.

13. Kapitel: Asenaths Gebet

1 Sieh, Herr, mein Elend an! Erbarm dich meiner, der Verwaisten! Hab Mitleid doch mit mir, der Tiefgebeugten! Sieh, Herr, ich floh vor

allen und flüchtete zu dir, dem einzigen Menschenfreund. 2 Die Erde, Güter all hab ich verlassen und bin zu dir geflüchtet, Herr, in Sack und

Asche, nackt und bloß. 3 Ich hab mein königlich Gewand aus feinstem Linnen und aus Scharlach, goldgewirkt, von mir getan und hab ein

schwarzes Trauerkleid mir angelegt. 4 Ich löste meinen goldenen Gürtel, warf ihn weg und nahm zum Gürtel einen Strick, ein Bußgewand. 5

Mein Diadem und meinen Turban riß ich mir vom Haupt, bestreute mich mit Asche. 6 Der Boden meines Zimmers, mit bunten und mit

Purpursteinen ausgelegt, der einst mit Ölen war befeuchtet, mit feinen Linnen abgerieben, ist feucht von meinen Tränen, mit Asche

überstreut, befleckt. 7 Mein Herr! Aus Asche und aus meinen Tränen entstand ein großer Schmutz in meinem Zimmer, gleichwie auf breiter

Straße. 8 Mein Herr! Mein königliches Mahl und die Gerichte gab ich den Hunden. 9 O Herr! Ich bin jetzt sieben Tage und sieben Nächte

nüchtern; ich aß kein Brot und trank kein Wasser; mein Mund ist trocken so wie eine Trommel, und meine Zunge wie ein Horn und meine

Lippen gleichen einer Scherbe; mein Antlitz ist ganz eingefallen und meine Augen konnten nimmer weinen. l0 Du Herr, mein Gott, erlöse

mich von meinen vielen Schulden! Verzeih mir unerfahrenen Jungfrau, daß ich so geirrt! 11 Nun habe ich erkannt, daß alle diese Götter, die

ich unwissend ehedem verehrte, nur stumme, tote Götzenbilder waren. So schlug ich sie zusammen und ließ sie von der Menschen Fuß

zertreten; es konnten Diebe sie ja stehlen, sie, die aus Silber und aus Gold bestanden. 12 Zu dir, Herr Gott, bin ich geflohen, dem einzigen,

mitleidsvollen Menschenfreund. 13 Verzeih mir, Herr, daß ich unwissentlich an dir soviel gesündigt und Frevelhaftes gegen Joseph, meinen

Herrn, geredet! Ich Arme wußte nicht, daß er dein Sohn, Herr, ist; denn schlechte Menschen sagten mir in ihrem Neid, ein Hirtensohn aus

Kanaan sei Joseph. Ich Arme glaubt es ihnen; ich ließ mich täuschen; ich schätzte ihn gering, und sprach von ihm gar schlecht, wußt ich doch

nicht, daß er dein Sohn. 14 Wer von den Menschen brachte solche Schönheit je zur Welt? Wer könnte sie je bringen? Wer sonst ist also

weise und so mächtig, wie dieser wunderschöne Joseph? 15 Doch dir, mein Herr, vertrau ich's an, daß ich ihn mehr als meine Seele liebe.

Erhalte ihn in deiner Gnade Weisheit und gib mich ihm zur Dienerin und Sklavin, damit ich seine Füße wasche und ihm sein Lager richte

und ihn bediene und ihm Sklavenarbeit tue und so ihm Sklavin alle Tage meines Lebens sei!

77

14. Kapitel: Des Erzengels Michael Besuch

1 Als Asenath mit ihrer Beichte vor dem Herrn zu Ende war, ging auch der Morgenstern am Himmel gegen Osten auf, es sah ihn Asenath

und freute sich und sprach: Hat wohl mein Flehen Gott, der Herr, erhört, weil dieser Stern ein Bote und ein Herold des Lichts des großen

Tages ist? 2 So spaltete sich bei dem Morgenstern der Himmel, und es erschien ein unaussprechlich großes Licht. 3 Wie Asenath dies sah,

fiel sie aufs Antlitz in die Asche; da kam zu ihr gar schnell ein Mensch vom Himmel, der Lichtstrahlen entsandte, und stellte sich zu ihren

Häupten. 4 Da sie noch auf dem Antlitz lag, sprach sie der Gottesbote an: Erheb dich, Asenath ! 5 Sie aber sprach: Wer ist es, der mir ruft, ist

meines Zimmers Tür doch fest verschlossen, der Turm so hoch? Wie kann man in mein Zimmer kommen? 6 Er rief zum andern Mal zu ihr:

Asenath! Asenath! 7 Sie sprach: ja, Herr, vermeld mir, wer du bist! 8 Er sprach: Ich bin des Herr-Gotts Oberführer, des Heers des Höchsten

Führer. Steh auf! Stell dich auf deine Füße, damit ich meine Worte an dich richten kann! 9 Sie hob darauf ihr Angesicht empor und schaute;

da stand ein Mann, in allem Joseph ähnlich an Tracht und Kranz und königlichem Stab; nur glich sein Antlitz einem Blitz und seine Augen

waren wie der Sonnenglanz, sein Haupthaar wie ein Fackelfeuerbrand und seine Hände samt den Füßen glichen glühendem Eisen, wie denn

auch Funken von den Händen und den Füßen fuhren. 10 Als Asenath dies sah, fiel sie voll Furcht auf das Gesicht, sie konnte nimmer auf den

Füßen stehen; denn all ihre Glieder zitterten vor übergroßer Angst. 11 Da sprach zu ihr der Mann: Sei guten Mutes, Asenath, habe keine

Angst! Steh auf! Stell dich auf deine Füße, damit ich meine Worte an dich richten kann! 12 Darauf erhob sich Asenath und stellte sich auf

ihre Füße; dann sprach zu ihr der Engel: Geh in dein zweites Zimmer ungesäumt! Leg ab das schwarze Kleid, worin du dich gehüllt, und tu

das Bußgewand von deiner Hüfte! Entfern von deinem Haupt die Asche! Wasch dir die Hände und das Angesicht mit reinem Wasser und leg

ein weißes, unberührtes Kleid dir an! Gürt deine Hüfte mit dem reinen Gürtel der Jungfräulichkeit, dem doppelten! 13 Alsdann komm

wiederum zu mir, damit ich meinen Auftrag dir ausrichte, weswegen mich zu dir der Herr gesandt! 14 Darauf ging Asenath voll Eile in ihr

zweites Zimmer, worin sich die Behälter ihres Schmucks befanden. Sie öffnet ihre Truhe, entnimmt ein weißes, feines, unberührtes Kleid

und zieht es an; zuvor zieht sie das schwarze Kleid sich aus, nimmt auch den Strick sowie das Bußgewand von ihrer Hüfte und gürtet sich

mit feinem Doppelgürtel der Jungfräulichkeit; den einen legt sie an, die Hüfte, den anderen an die Brust. 15 Alsdann entfernt sie von dem

Haupt die Asche, wäscht ihre Hände und das Angesicht mit reinem Wasser, sie nimmt auch einen feinen, äußerst schönen Schleier, ihr Haupt

damit verhüllend.

15. Kapitel: Michaels Aussprache

1 Dann geht sie zu dem Gottesführer, vor ihn tretend. Da spricht zu ihr des Herren Engel: Entfern von deinem Haupt den Schleier, weil eine

reine Jungfrau du heut bist; es gleicht dein Haupt dem eines Jünglings. 2 Da nahm ihn Asenath von ihrem Haupt und wieder spricht zu ihr

der Gottesbote: Sei guten Mutes, reine Jungfrau Asenath! Es hat ja Gott der Herr vernommen, was du bekannt, was du erfleht. 3 Er sah auch

die Erniedrigung und Not der sieben Tage deines Fastens, dieweil durch deine Tränen hier auf dieser Asche ein großer Schmutz vor dir

entstand. 4 Hab nunmehr guten Mut, du reine Jungfrau Asenath! Dein Name ward ja in das Buch des Lebens eingetragen und wird in

Ewigkeit nicht mehr daraus getilgt. 5 Von heut an wirst du neu geschaffen und gebildet und neu belebt; du issest ein gesegnet Brot des

Lebens und trinkst den Becher, mit Unsterblichkeit gefüllt, wirst mit geweihtem Salböle der Unverweslichkeit gesalbt. 6 Sei guten Muts, du

reine Jungfrau Asenath! Heut gab dich Gott der Herr zur Braut dem Joseph; er wird dein Bräutigam für ewig sein. 7 Auch heißt du nicht

mehr Asenath von heute ab; dein Name ist jetzt Zufluchtsstadt; denn viele Völker fliehen zu dir und rasten unter deinen Flügeln, und viele

Völker finden durch dich Schutz. In deinen Mauern fühlen sich gesichert, die sich dem höchsten Gott in Reue hingegeben; denn Reue ist des

Höchsten Tochter, und sie erweicht den höchsten Gott zu jeder Zeit für dich und alle anderen Bereuenden, ist er ja doch der Reue Vater und

sie der Schlußstein und der Hort der Jungfrauen allen. Sie liebt euch recht und bittet stets für euch den Höchsten und allen den Bereuenden

gewährt sie einen Ruhort in den Himmeln, und sie erneuert jeglichen Bereuenden. 8 Es ist die Reue wunderschön, jungfräulich, rein und

milde, sanft; drum liebt sie auch der höchste Gott, und alle Engel ehren sie. Auch ich lieb sie gar sehr, dieweil sie meine Schwester ist, und

wie sie euch, die Jungfrauen, liebt, so lieb ich euch. 9 Ich gehe jetzt zu Joseph und sage über dich ihm alles das. Er kommt noch heut zu dir

und freut sich über deinen Anblick und wird von Lieb zu dir erfüllt. Er wird dein Bräutigam und du wirst seine liebe Braut für alle Zeiten. l0

Nun hör mich, Asenath, an! Bekleide dich mit deinem Hochzeitskleid, dem ältesten und ersten, das schon seit langer Zeit in deiner Kammer

liegt! Leg allen deinen auserlesenen Schmuck dir an! Schmück dich wie eine rechte Braut und sei bereit, ihm zu begegnen! Er kommt ja

selber heut zu dir und wird sich über deinen Anblick freuen. 11 Wie nun des Herren Engel in der menschlichen Gestalt bei Asenath mit

diesen Reden fertig war, wird sie voller Freude über alle seine Worte und fällt zur Erde auf ihr Angesicht, küßt seine Füße mit den Worten:

12 Gepriesen sei der Herr, dein Gott, der dich gesandt, mich aus der Finsternis zu retten und mich aus tiefstem Abgrund an das Licht zu

führen! Dein Name auch sei ewiglich gepriesen! 13 Fand ich, mein Herr, vor deinem Antlitz Gnade soll ich erfahren, daß all deine Worte

wirklich sich erfüllten, von denen du vor mir gesprochen, sie würden in Erfüllung gehen, dann möchte deine Sklavin mit dir sprechen. 14

Der Engel sprach zu ihr: So sprich! Sie sprach: Ich bitte, Herr. Setz dich ein wenig hier auf dieses Lager! Es ist dies Lager rein und

unbefleckt, dieweil noch nie ein andrer Mann, noch eine andre Frau darauf gesessen. Ich setz dir einen Tisch mit Broten vor; dann magst du

essen. Ich bring dir alten guten Wein, des Duft zum Himmel steigt. Trink auch davon! Hernach zieh deines Wegs! 5 Er sprach zu ihr: Mach

schnell und bring es unverweilt!

16. Kapitel: Die wunderbare Speise

1 Da stellte Asenath schnell einen leeren Tisch vor ihn; doch wie sie ging, das Brot zu holen, da sprach zu ihr der Gottesengel: Bring mir

auch eine Honigwabe! 2 Da stand sie still und ward verlegen und betrübt, weil sie in ihrer Vorratskammer keine Honigwabe hatte. 3 Da

sprach zu ihr der Gottesengel: Was stehst du Still? 4 Sie sprach: Mein Herr! Ich will ein Mädchen in die Vorstadt schicken; mein

Erbgrundstück ist in der Nähe. Sie kommt damit schnell wieder her; dann setz ich dir es vor. 5 Da sprach zu ihr der Gottesengel: Geh nur in

deine Vorratskammer! Du findest auf dem Tisch dort eine Honigwabe. Die nimm und bring sie her! 6 Sie sprach: In meiner Vorratskammer

gibt es keine Honigwabe, Herr! 7 Er sprach: Geh nur! Du findest schon. 8 Und Asenath ging in die Vorratskammer und fand hier auf dem

Tische eine Honigwabe; die Wabe aber war groß und weiß wie Schnee, voll Honig, und dieser Honig war wie Himmelstau, sein Duft wie

Lebensduft. 9 Darauf sprach Asenath erstaunt bei sich: Stammt diese Wabe aus dem Munde dieses Mannes selbst? 10 Und Asenath nimmt

diese Wabe mit und legt sie auf den Tisch. Da sprach zu ihr der Engel: Was sagtest du: In meinem Haus gibt's keine Honigwaben? Du

bringst mir hier ja eine solche. 11 Sie sprach: Herr! Niemals hab ich eine Honigwabe in mein Haus gebracht; doch wie du davon sprachst, ist

sie entstanden. Ging sie denn nicht aus deinem Mund hervor, dieweil ihr Duft dem Duft des Balsams gleicht? 12 Da lächelte der Mann ob

des Verstands des Weibes. 13 Er rief sie zu sich her und streckte, als sie kam, die Rechte aus, erfaßte sie am Haupt, bewegte mit der Rechten

ihren Kopf. Doch vor der Hand des Engels fürchtete sich Asenath; denn Strahlen gingen von den Händen aus wie von geschmolznem Eisen.

So schaute sie die ganze Zeit mit vieler Angst und zitternd auf die Engelshand. 14 Er aber lächelte und sprach: O selig bist du, Asenath.

Denn Gottes unaussprechliche Geheimnisse sind dir enthüllt. Und selig sind, die Gott dem Herrn in Reue anhängen, weil sie von dieser

Wabe essen werden! Denn diese Wabe ist der Geist des Lebens, und diese fertigten des Wonneparadieses Bienen aus Tau der Lebensrosen in

dem Paradiese Gottes und jeder andern Blüte. Von ihr genießen auch die Engel und all die Auserwählten Gottes, sowie des Höchsten Söhne

all. Wer davon ißt, stirbt nicht in Ewigkeit. 15 Der Gottesengel streckte seine Rechte aus, nahm von der Wabe einen kleinen Teil und aß.

Dann legte er der Asenath mit eigner Hand das andere in den Mund und sprach zu ihr: So iß! Sie aß. 16 Da spricht zu ihr der Engel: Jetzt hast

du Lebensbrot gegessen, sowie den Becher der Unsterblichkeit getrunken, bist auch mit Öl der Unverweslichkeit gesalbt. Dein Fleisch läßt

aus des Höchsten Born jetzt Lebensblumen sprießen und dein Gebein gedeiht den Zedern im Wonneparadiese Gottes gleich und frische

Kräfte werden dich erfüllen. Alsdann wird deine Jugend nimmermehr das Alter schauen und deine Schönheit nie erlöschen. Du wirst für alle

eine Stadt, gar wohlbefestigt. 17 Da rieb der Engel an der Wabe, und viele Bienen kamen aus den Zellen dieser Wabe; die Zellen aber waren

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ohne Zahl, zehntausende und hunderttausende. 18 Die Bienen waren weiß wie Schnee und ihre Flügel purpurfarbig, Scharlach, wie

Karmesin; sie hatten scharfe Stacheln; doch t aten sie kein Leid. 19 Die Bienen setzten alle sich an Asenath, vom Kopf bis zu den Füßen und

andere große Bienen, ihren Königinnen gleich, erschienen aus den Waben und setzten ihr sich ins Gesicht und auf die Lippen und fertigten in

ihrem Munde eine Wabe, auch auf den Lippen eine solche, die jener Wabe glich, die vor dem Engel lag. 20 Und all jene Bienen zehrten von

der Wabe, die sich im Munde Asenaths befand. Dann sprach der Engel zu den Bienen: Geht jetzt an euren Platz! 21 Alsdann erhoben sich die

Bienen alle und flogen fort und gingen in den Himmel. 22 Die aber Asenath gar wehtun wollten, sie fielen alle leblos auf den Boden. Der

Engel streckte über diese toten Bienen seinen Stab und sprach zu ihnen: Erhebet euch und geht auch ihr an euren Platz! 23 Da standen alle

toten Bienen auf und flogen in den Hof am Haus der Asenath und blieben in den Fruchtbäumen. 24 Dann streckt der Engel seine Hand mit

seinem Zeigefinger aus, rührt damit an der Wabe Ecke gegen Osten; da wird des Fingers Bahn zu Blut. 25 Er streckt die Hand zum zweiten

Male aus, rührt an der Wabe Ecke gegen Norden; da wird des Fingers Bahn zu Blut. Und Asenath stand da zu seiner Linken, sah alles, was

der Engel tat.

17. Kapitel: Michaels Segen

1 Dann sprach zu Asenath der Engel: Hast du dies jetzt gesehen? Sie sagte: Ja, mein Herr. Ich hab alles gut gesehen. 2 Da spricht zu ihr der

Gottesengel: So wird's mit allen meinen Reden sein, die ich an dich schon heut gerichtet habe. 3 Zum dritten Male streckt des Herren Engel

seine Rechte aus, rührt an der Wabe eine Ecke an. Da flammte aus dem Tisch geschwind ein Feuer auf und dieses fraß die Wabe auf; dem

Tische aber tat es nichts. 4 Dem Wabenbrand entstieg ein süßer Wohlgeruch, erfüllte ganz das Zimmer. Da sprach zum Gottesengel Asenath:

Ich habe sieben Jungfrauen, Herr, mit mir von meiner Kindheit an gemeinsam aufgezogen, in einer Nacht mit mir geboren, die mich

bedienen und die ich alle lieb wie meine Schwestern. Ich möchte sie jetzt rufen, damit du diese segnest, So, wie du mich gesegnet hast. 5 Da

sprach zu ihr der Engel: Ja, rufe sie! 6 Und Asenath rief diese sieben Jungfrauen und stellte sie dem Engel vor; der Engel sprach zu ihnen: Es

segne euch der Herr, der höchste Gott, und ihr sollt sieben Zufluchtssäulen sein in sieben Städten und die in jener Stadt der Auserlesenen

zusammenwohnen, sie sollen auf euch ruhen in alle Ewigkeit! 7 Der Gottesengel sprach hiernach zu Asenath: Nimm diesen Tisch hinweg! 8

Und wie sich Asenath umwandte, den Tisch hinwegzunehmen, verschwand er schnell aus ihren Augen. Und Asenath bemerkte, daß etwas

wie ein Wagen mit vier Pferden gegen den Himmel fuhr; der Wagen aber war wie eine Feuerflamme, die Pferde glichen einem Blitz; der

Engel aber stand auf jenem Wagen. 9 Da sagte Asenath: Wie töricht und wie albern bin ich Arme, daß ich geredet, als etwas wie ein Mensch

vom Himmel in mein Zimmer kam. Ich wußte nicht, daß hier ein göttlich Wesen kam. Nun geht es in den Himmel wiederum an seinen Ort.

l0 Sie sprach bei sich: Sei deiner Sklavin gnädig, Herr! Schone deiner Dienerin, daß ich vor dir unwissentlich Vermessenes gesprochen!

18. Kapitel: Josephs und Asenaths Verlobung

1 Als solches Asenath bei sich bedachte, kommt schon ein Jüngling von der Dienerschaft des Joseph und meldete: Zu euch kommt heute

Joseph, Gottes Held. 2 Und Asenath rief schnell den Hausverwalter und sprach zu ihm: Schmück schnell mein Haus und richt ein schönes

Gastmahl her! Denn Joseph, Gottes Held, kommt heut zu uns. 3 Da sah sie der Verwalter an - ihr Angesicht war nänilich eingefallen vor Not

und Weinen und dem siebentägigen Fasten. - Da seufzte er betrübt, nahm ihre rechte Hand und küßte sie und sprach: Was ist dir, meine

Herrin? Dein Antlitz ist so eingefallen. 4 Sie sprach: Es kam viel Kummer auf mein Haupt und meine Augen floh der Schlaf. 5 Darauf

entfernte sich der Hausverwalter und schmückte Haus und Tafel. Doch Asenath denkt an des Engels Worte und seine Weisungen, geht

eilends in ihr zweites Zimmer, worin sich die Behälter ihres Schmucks befanden, und macht die große Truhe auf. Daraus nahm sie ihr erstes

Kleid, das einem Blitze glich, und zog es an. 6 Sie legte einen reinen, königlichen Gürtel um; der war aus Gold und Edelsteinen. Und goldne

Spangen legte sie an ihre Arme und an die Beine goldne Binden, an ihren Hals wertvollen Schmuck und setzte einen goldnen Kranz sich auf

das Haupt. Und in dem Kranze über ihrer Stirne war ein großer Saphir, rund um den großen Stein sechs seltne Steine; ihr Haupt verhüllte sie

mit einem wunderbaren Schleier. 7 Dann dachte Asenath an des Verwalters Worte, daß er gesagt, ihr Angesicht sei eingefallen. Da seufzte

sie betrübt und sprach: O weh mir Armen, daß mein Angesicht so eingefallen! Sieht mich so Joseph, werd ich von ihm verschmäht. 8 Sie

sprach zu ihrer Dienerin: Bring reines Wasser aus dem Brunnen! 9 Sie brachte es. Sie gießt es in ein Becken und beugt sich drüber, um ihr

Angesicht zu waschen. Da sah sie sonnengleich ihr eigen Antlitz leuchten und ihre Augen wie den Morgenstern bei seinem Aufgang und ihre

Wangen wie des Himmels Sterne. Und ihre Lippen glichen roten Rosen; ihr Haupthaar glich dem Weinstock, der in dem Paradiese Gottes

reich an Früchten wuchs; ihr Hals glich einer wohlbehauenen Zypresse. 10 Wie Asenath das sieht, erstaunt sie bei sich selber über die

Erscheinung und wird von großer Freud erfüllt. Sie wusch nicht mehr ihr Angesicht; sie sagte: Ich könnte sonst die große, blühende

Schönheit abwaschen. 11 Da kommt der Hausverwalter wieder, ihr zu sagen: Wie du befohlen, ist geschehen. Als er sie sah, ward er von

großer Furcht erfüllt und zitterte gar heftig und fiel zu ihren Füßen nieder mit den Worten: Was ist dies, meine Herrin? Was ist das doch für

eine Schönheit, die dich umfängt, so groß und wunderbar? Hat dich der Herr, der Gott des Himmels, für Joseph, seinen Sohn, zur Braut gar

auserwählt?

19. Kapitel: Josephs zweiter Besuch

1 Als sie noch drüber sprachen, kam schon ein Knabe, der Asenath vermeldete: » Sieh, Joseph steht schon vor den Pforten unsres Hofes! « 2

Darauf stieg Asenath die Treppe von dem Söller mit ihren sieben Jungfrauen hinab, um Joseph zu begegnen, und stellte sich in ihres Hauses

Halle auf. 3 Als Joseph in den Hof getreten, schloß man die Tore ab und alle Fremden mußten draußen bleiben. 4 Und Asenath ging Joseph

aus der Halle entgegen; er staunt bei ihrem Anblick ob der Schönheit und spricht zu ihr: Wer bist du, Jungfrau? Sag's mir schnell! 5 Sie

sprach zu ihm: Ich bin, Herr, deine Sklavin Asenath; die Götzenbilder all hab ich von mir entfernt; sie sind nicht mehr. Da kam vom Himmel

heut zu mir ein Mensch und reichte mir das Lebensbrot; ich aß und trank auch den geweihten Kelch. Er sprach zu mir: Ich habe Joseph dich

zur Braut gegeben; er wird dein Bräutigam für alle Zeiten sein. Auch heißt du nicht mehr Asenath, vielmehr die Stadt der Zuflucht und Gott

der Herr wird über viele Völker herrschen; durch dich ja nehmen ihre Zuflucht sie zum höchsten Herrn. 6 Es sagte auch der Mensch: Ich geh

zu Joseph, ihm in die Ohren meine Worte über dich zu sagen. 7 Nun weißt du, Herr, ob jener Mensch zu dir gekommen, ob er von mir bei dir

gesprochen hat. 8 Und Joseph spricht zu Asenath: Du bist gesegnet, Weib, vom höchsten Gott. Gepriesen ist dein Name ewiglich. Denn Gott

der Herr hat deine Mauern wohl gegründet. Die Söhne des lebendigen Gottes bewohnen deine Zufluchtsstadt, und Gott der Herr wird über

sie in alle Zukunft herrschen. 9 Ja, jener Mensch kam heut zu mir vom Himmel; er sagte jene Worte über dich zu mir. So komm denn her zu

mir, du reine Jungfrau! Was bleibst du in der Ferne stehen? 10 Dann streckte Joseph seine Arme aus, umarmte Asenath und Asenath den

Joseph, und beide küssen sich gar lang. Und beide lebten wiederum in ihrem Geiste auf. 11 Und Joseph küßte Asenath und er verlieh ihr

Lebensgeist. Dann gab er ihr zum zweiten auch der Weisheit Geist. Zum dritten küßte er sie zärtlich und schenkte ihr den Geist der

Wahrheit.

20. Kapitel: Das Gastmahl

1 Und wie sie sich so lang umarmt und ihre Hände fest verschlungen hatten, sprach Asenath zu Joseph: Wohlan, Herr, geh in unser Haus! Ich

ließ dir unser Haus mit einem großen Mahle herrichten. 2 Sie faßt ihn an der rechten Hand, führt ihn ins Haus und heißt ihn auf dem Throne

ihres Vaters Pentephres sich niedersetzen. Zum Waschen seiner Füße läßt sie Wasser bringen. 3 Und Joseph sprach: Es komm doch eine von

den Jungfrauen und wasche mir die Füße! 4 Darauf sprach Asenath zu ihm: Nein, Herr! Denn jetzt bist du mein Herr, ich deine Dienerin.

Was suchest du zum Waschen deiner Füße eine andere Jungfrau aus? Denn deine Füße sind ja meine Füße und deine Hände meine Hände

und deine Seele meine Seele. Keine andre wasche dir die Füße! So wusch ihm Asenath, ihn nötigend, die Füße; dann faßte Joseph sie bei

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ihrer rechten Hand und küßte sie gar minniglich. Dann küßte Asenath sein Haupt; er setzte sie darauf zu seiner Rechten. 6 Da kam ihr Vater

und die Mutter und alle die Verwandten von dem Erbgrundstücke heim und sahen sie bei Joseph sitzen im Hochzeitskleid. 7 Sie

wunderten sich über ihre Schönheit; sie freuten sich, und priesen Gott, der Tote wiederum lebendig macht. 8 So aßen sie und tranken und alle

freuten sich. Da sprach zu Joseph Pentephres: Ich rufe morgen alle Großen und Satrapen aus ganz Ägypterland und richt für euch die

Hochzeit her. Dann nimmst du meine Tochter Asenath zum Weib. 9 Darauf sprach Joseph: Ich gehe morgen zu dem König Pharao, weil er

mein Vater ist und mich zum Fürsten über dieses ganze Land bestellt. Ich sprech mit ihm von Asenath; er soll sie mir zum Weibe geben. 10

Darauf sprach Pentephres zu ihm: Zieh hin im Frieden!

21. Kapitel: Josephs und Asenaths Hochzeit

1 Und Joseph blieb an jenem Tag bei Pentephres; doch ging er nicht zu Asenath; er sagte sich: Es schickt sich nicht für einen

gottesfürchtigen Mann, vor seinem Hochzeitstag bei seinem Weib zu sein. 2 Und Joseph stand am anderen Morgen auf und ging zu Pharao

und sprach zu ihm: Gib mir die Asenath, die Tochter Pentephres, des Priesters von Heliopolis, zum Weib! 3 Da freute sich der Pharao und

sprach zu Joseph: Ist sie dir nicht von Ewigkeit zum Weib schon anverlobt? Nun sei sie jetzt dein Weib von nun an bis in Ewigkeit! 4 Da

sandte Pharao und ließ den Pentephres herbeirufen. Und Pentephres erschien mit Asenath, um Pharao sie vorzustellen und wie sie Pharao

erblickt, erstaunt er über ihre Schönheit. Er spricht: Es segne dich der Herr und Josephs Gott, mein Kind, und diese deine Schönheit währt für

immer! Der Herr und Josephs Gott hat dich zur Braut ihm auserwählt. Denn Joseph gleichet einem Sohn des Höchsten und du bist seine

Braut von nun an bis in Ewigkeit. 5 Hernach nahm Pharao den Joseph und die Asenath und setzte ihnen goldne Kränze auf ihr Haupt, die in

dem Haus seit alters und seit langem waren. Und Pharao stellt Asenath zur rechten Seite Jo sephs. 6 Dann legte Pharao die Hände ihnen auf

das Haupt und sprach: Es segne euch der Herr, der höchste Gott! Er mehre und erhöhe und verherrliche euch in Ewigkeit 17 Dann wandte

Pharao sie mit dem Angesicht einander zu und brachte ihren Mund einander näher; da küßten sie einander. 8 Dann richtete für Joseph Pharao

die Hochzeit her, ein großes Mahl und viel Getränk für sieben Tage und lud dazu Ägyptens Fürsten alle ein und alle Könige der Völker, er

ließ in dem Ägypterland verkünden: »Wer immer an den sieben Tagen der Hochzeit Josephs und der Asenath arbeitet, der soll des Todes

sterben! « 9 Nach dieser Hochzeitsfeier und nach Beendigung des Mahles ging Joseph zu der Asenath, und Asenath empfing von Joseph und

sie gebar Manasses und seinen Bruder Ephraim in Josephs Haus.

22. Kapitel: Asenath bei Jakob

1 Als nun die sieben fetten Jahr zu Ende gingen, begannen sieben Hungerjahre. 2 Und da erhielt von seinem Sohne Joseph Jakob Kunde, So

zog er mit der ganzen Sippe nach Ägypten im zweiten Hungerjahr, am einundzwanzigsten des zweiten Monats, und wohnte in dem Lande

Gesem. 3 Da sprach zu Joseph Asenath: Ich möchte deinen Vater sehen, dieweil dein Vater Israel mir wie mein Vater ist und Gott. 4 Und

Joseph sprach zu ihr: Du ziehst mit mir, dann siehst du meinen Vater. 5 Und Joseph kam mit Asenath zu Jakob in das Land von Gesem. Und

Josephs Brüder gingen ihnen hier entgegen, vor ihnen auf den Boden niederfallend. 6 Und beide gingen hin zu Jakob, und Jakob saß auf

seinem Lager; er aber war ein Greis in gutem Alter. 7 Als Asenath ihn sah, erstaunt sie über seine Schönheit; denn Jakobs Aussehen war gar

schön; sein Alter glich der Jugend eines reifen Mannes; sein Haupt jedoch war völlig weiß wie Schnee. Die Haare seines Hauptes waren alle

dicht und stark; sein Bart war weiß und reichte bis zur Brust; die Augen waren froh und funkelnd; die Sehnen und die Schultern, die Arme

glichen denen eines Engels, die Schenkel und die Beine und seine Füße glichen denen eines Riesen. 8 Wie Asenath ihn sieht, wird sie

erstaunt und fällt vor ihm auf ihr Gesicht zur Erde nieder. Und Jakob spricht zu Joseph: Ist diese meine Tochter, deine Frau? Gesegnet sei sie

von dem höchsten Gott! 9 Dann rief sie Jakob zu sich her, gab ihr den Segen, küßte sie. Und Asenath streckt ihre Arme aus, umfaßt den

Nacken Jakobs, hängt sich an seinen Hals und küßt ihn zärtlich. 10 Dann aßen sie und tranken; hernach gin g Joseph mit der Asenath nach

Haus. 11 Und Simeon und Levi, Lias Söhne, sie gaben ihnen einzig das Geleite, die Söhne Ballas und der Zelpha, der Mägde Lias und der

Rachel, aber nicht, weil sie sie beneideten und haßten. 12 Und Levi ging zur Rechten Asenaths und Simeon zur Linken. 13 Da faßte Asenath

den Levi an der Hand, weil sie ihn mehr als alle Brüder Josephs liebte, als einen Seher, als gottesfürchtig und den Herren fürchtend, war er ja

doch ein kluger Mann und ein Prophet des Höchsten; er sah auch selbst am Himmel Schreibezeichen; er las sie und enthüllte diese insgeheim

der Asenath. Deswegen liebte Levi auch die Asenath gar innig und schaute ihren Ruheort in Himmelshöhen.

23. Kapitel: Asenaths Bedrohung

1 Als Joseph mit der Asenath vorüberzog, wie sie zu Jakob reisten, sah sie der erstgeborene Sohn des Pharao von der Mauer aus und wie er

Asenath erblickte, ward er durch ihre wundersame Schönheit ihretwegen toll. 2 Es schickte Boten Pharaos Sohn und ließ den Simeon und

Levi zu sich rufen, und als sie kamen und vor ihn sich stellten, spricht so der erstgeborene Sohn des Pharao zu ihnen: Ich weiß: Ihr seid noch

heute starke Männer, mehr als die Menschen dieses Landes all. Durch diese eure rechte Hand ward einst der Sichemiten Stadt zerstört;

durch eure beiden Schwerter wurden an 30000 Krieger hingemetzelt. 3 Auch ich möcht euch mir heute zu Genossen nehmen; ich würd euch

Gold und vieles Silber geben und Knechte, Mägde, Häuser und großen Grundbesitz, wollt ihr auf meine Seite treten und mir Gefälligkeit

erweisen. Von eurem Bruder Joseph ward ich schnöd behandelt, da er die Asenath zum Weib sich nahm, die mir doch längst versprochen

war. 4 Nun kommt mit mir! Ich will mit Joseph kämpfen, ihn mit dem Schwerte töten und Asenath zum Weibe nehmen. Ihr sollt mir dann zu

Brüdern und zu treuen Freunden sein. 5 Doch stimmt ihr mir nicht zu, dann töte ich euch mit meinem Schwert. 6 Kaum hat er dies gesagt,

entblößt er schon sein Schwert und zeigt es ihnen. 7 Doch Simeon war ein kühner und verwegener Mann; er dachte schon daran, die Rechte

an den Griff des Schwerts zu legen und aus der Scheide es zu ziehen und dann den Sohn des Pharaos zu erschlagen, dieweil er Unerträgliches

zu ihnen sprach. 8 Doch seines Herzens Sinnen merkte Levi, war er doch ein Prophet. So stieß er denn mit seinem Fuß den rechten Simeons

und drängte ihn, ihm zu verstehen gebend, er soll von seinem Zorne lassen. 9 Und Levi sprach zu Simeon in Ruhe: Was zürnst du diesem

Mann? Wir sind doch gottesfürchtige Männer; uns ziemt es nicht, mit Bösem Böses zu vergelten. 10 Darauf sprach Levi zu dem Sohn des

Pharao mit Freimut, doch mit Herzensmilde: Was redet unser Herr nur solche Sachen? Wir sind doch gottesfürchtige Männer, und unser

Vater ist ein Freund des höchsten Gottes und unser Bruder gleichet einem Gottessohn. 11 Wie könnten wir da solche Schlechtigkeit begehen,

zu sündigen vor unserm Gott und unserm Vater Israel und unserm Bruder Joseph? 12 Hör meine Worte: Nicht ziemt es einem gottesfürchtigen

Mann, auf irgendeine Weise einem Menschen wehzutun. Will aber jemand einem gottesfürchtigen Manne wehe tun, so schützt sich jener

Gottesfürchtige doch nicht vor ihm, dieweil kein Schwert in seinen Händen ist. 13 Nimm dich in acht, von unserm Bruder Joseph dies zu

reden! Bleibst du jedoch bei deinem schlimmen Plan, dann werden unsere Schwerter gegen dich gezogen. 14 Und Simeon und Levi zogen

ihre Schwerter aus ihren Scheiden mit den Worten: Siehst du hier diese Schwerter? Mit diesen beiden Schwertern hat der Herr den Übermut

der Sichemiten schwer gerächt. Denn Sichem, Emmors Sohn, befleckte unsre Schwester Dina und damit hatten sie die Söhne Israels

beleidigt. 15 Als nun der Sohn des Pharao die gezogenen Schwerter sah, erschrak er sehr und zitterte am ganzen Leib, weil sie wie

Feuerflammen blitzten, und seine Augen wurden dunkel; dann fiel er aufs Gesicht zur Erde nieder vor ihre Füße. 16 Da streckte Levi seine

Rechte aus und faßt ihn mit den Worten: Steh auf, sei ohne Furcht! Nur hüte dich, von unserm Bruder Joseph noch ein schlimmes Wort zu

reden! 17 Und also gingen Simeon und Levi von ihm weg.

24. Kapitel: Verschwörung gegen das junge Paar

1 Da blieb nun Pharaos Sohn voll Furcht und Trauer, weil er die Brüder Josephs fürchtete; doch wieder war er toll, weil Asenath so schön; so

härmt er sich darum noch mehr. 2 Da flüstern seine Knechte ihm ins Ohr: »Die Söhne Ballas und die Söhne Zelphas, der Mägde Lias und der

Rachel, der Weiber Jakobs, sie hassen Joseph und die Asenath und sie verabscheuen sie; die werden dir in allem wohl zu Willen sein. « 3

Auf dieshin sandte Pharaos Sohn gar eilig Boten an sie ab und ließ sie rufen. Und in der ersten Stunde in der Nacht erschienen sie vor ihm

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und traten vor ihn hin; er sprach zu ihnen: Von vielen habe ich erfahren, daß ihr tapfere Männer seid. 4 Darauf erwiderten ihm Dan und Gad,

die ältere Brüder: Es rede unser Herr mit seinen Knechten, was er wünscht, damit es deine Knechte hören und wir nach deinem Wunsche

tun! 5 Da freute sich des Pharao Sohn und sprach zu seinen Dienern: Entfernet euch auf kurze Zeit von mir! Ich möcht mit diesen Männern

ein geheimes Wörtlein reden. 6 Darauf entfernten sie sich alle. 7 Dann lügt der Sohn des Pharao und spricht zu ihnen: Seht, Segen oder

Fluch liegt hier vor eurem Angesicht! Wählt lieber Segen als den Tod! Ihr seid ja tapfre Männer und wollt nicht wie Weiber sterben. Seid

vielmehr tapfer! Rächt euch an euren Feinden! 8 Ich hab auch selbst gehört, wie Joseph, euer Bruder, einst zu meinem Vater Pharao sprach:

Dan, Gad und Nephthalim und Aser sind nicht meine Brüder; sie sind vielmehr die Mägdekinder meines Vaters. Ich warte nur den Hingang

meines Vaters ab, dann tilg ich von der Erde sie und ihre ganze Sippe. Sie sollen nimmer mit uns erben, dieweil sie Mägdekinder sind! 9

Auch haben sie mich an die Ismaeliten einst verkauft, und so vergelt ich ihnen ihren Übermut, womit sie gegen mich gefrevelt. Nur soll mein

Vater vorher sterben. 10 Da lobte ihn mein Vater Pharao darob und sprach zu ihm: Gar gut gesprochen, Kind! Nun nimm von mir doch

starke Männer! Alsdann belange sie nach dem, was sie dir angetan! Ich will dabei dein Helfer sein. 11 Als dieses Dan und Gad vom Sohne

Pharaos vernahmen, da wurden sie betrübt und ängstlich; sie sagten ihm: Wir bitten, Herr, dich: Leist uns Hilfe! Von jetzt an sind wir deine

Diener, deine Sklaven, und wollen mit dir sterben. 12 Da sprach der Sohn des Pharao: Ich werde euer Helfer sein, wenn ihr auf meine Worte

hört. 13 Da sprachen sie zu ihm: Befiehl uns, was du willst! Wir tun nach deinem Willen. 14 Da sprach der Sohn des Pharao zu ihnen: Ich

werde meinen Vater Pharao in dieser Nacht noch töten, weil Pharao zu Joseph wie ein Vater ist und weil er ihm versprochen, gegen euch zu

helfen. Ihr aber tötet Joseph; dann nehme ich mir Asenath zum Weib. Ihr werdet meine Brüder sein, Miterben all des Meinen. Nur tuet so! 15

Da sprachen Dan und Gad zu ihm: Wir sind heute deine Knechte und wir tun alles, was du uns befiehlst. Wir hörten aber Joseph so zu

Asenath sprechen: Geh morgen doch in unser Erbgut; es ist ja Erntezeit! Er sandte auch sechshundert Krieger mit ihr aus und fünfzig leicht

Bewaffnete. 16 Nun hör uns an! Wir möchten jetzt mit unserm Herren reden! 17 Da redeten mit ihm sie alles insgeheim. 18 Und den vier

Brüdern gab der Sohn des Pharao fünfhundert Mann und machte sie zu ihren Obersten und Führern. 19 Da sprachen Dan und Gad zu ihm:

Wir sind heut deine Knechte und wir tun alles, was du uns befiehlst; wir ziehen in der Nacht noch fort und legen in der Schlucht uns in den

Hinterhalt und bergen uns im Röhrendickicht. Nun nimm auch du mit dir berittene Bogenschützen, so fünfzig an der Zahl! Zieh lange vor

uns her! Und kommt dann Asenath, fällt sie in unsere Hände. Wir hauen dann die Männer bei ihr all zusammen. Flieht sie nach vorn auf

ihrem Wagen, so fällt sie dir in deine Hände. Dann kannst du mit ihr tun, was nur dein Herz begehrt. Nach diesem töten wir auch Joseph, der

Asenath betrauern wird. Auf gleiche Weise töten wir vor seinen Augen seine Kinder. Als dies der erstgeborene Sohn des Pharao vernahm,

ward er mit großer Freud erfüllt und er entließ sie mit 2000 Kriegern. 20 Sie kamen zu der Schlucht und bargen sich im Röhrendickicht; sie

teilten sich auch in vier Teile und lagerten sich vorne an der Schlucht, auf jeder Seit des Weges je fünfhundert Mann. Die andern blieben

ebenso hier an der Schlucht und lagerten sich in dem Röhrenwald; auf jeder Seit des Weges je fünfhundert Mann; doch zwischen ihnen blieb

ein breiter und bequemer Weg.

25. Kapitel: Attentat auf Pharao

1 Alsdann erhob sich in der gleichen Nacht der Sohn des Pharao und ging zu seines Vaters Schlafgemach; er wollte diesen mit dem Schwerte

töten. Doch seines Vaters Wächter ließen ihn nicht zu dem Vater gehen; sie fragten ihn: Was ist, Herr, dein Befehl? 2 Es sprach der Sohn des

Pharao zu ihnen: Ich will nur meinen Vater sehen, dieweil ich gehe, um meinen neugepflanzten Weinberg abzuernten. 3 Die Wächter aber

sagten ihm. Dein Vater leidet Schmerzen; der Schlaf floh ihn die ganze Nacht. Nun kann er ruhen; drum sagte er zu uns, wir sollten niemand

bei ihm einlassen, selbst nicht den erstgebornen Sohn. 4 Als er dies hörte, ging er zornig fort und nahm geschwind berittene Bogenschützen

mit, so fünfzig an der Zahl und zog vor ihnen her, wie Dan und Gad es ihn geheißen. 5 Die jüngern Brüder Nephthalim und Aser sprachen zu

ihren ältern, Dan und Gad: Warum nur handelt ihr an eurem Vater Israel, sowie an eurem Bruder Joseph abermals so schlecht? Und diesen

hütet Gott doch wie des Auges Apfel. Habt ihr nicht Joseph schon einmal verkauft, und heute ist er König über ganz Ägypterland, ein

Heiland und ein Nahrungsspender? 6 Wollt ihr an ihm jetzt wieder schnöde handeln, wird er zum Höchsten rufen, und dieser sendet Feuer

aus dem Himmel, das euch verzehren wird, und Gottes Engel werden mit euch kämpfen. 7 Da wurden ihre ältern Brüder auf sie zornig; sie

sprachen: Wir sollen wohl wie Weiber sterben? Das sei ferne! 8 Sie zogen also fort, den Joseph und die Asenath zu treffen.

26. Kapitel: Asenaths Rettung

1 Und Asenath stand in der Frühe auf und sprach zu Joseph: Ich will auf unser Erbgut gehen, wie du gesagt; doch meine Seele ist voller

Angst, weil du nicht bei mir bist. 2 Und Joseph sprach zu ihr: Sei guten Muts, hab keine Angst! Geh vielmehr freudig hin! Hab doch vor

niemand Angst! Der Herr ist ja mit dir und er behütet dich wie einen Augapfel vor allem Ungemach. 3 Auch ich geh jetzt zu meiner

Kornverteilung und geb dort allen Leuten in der Stadt Getreide, daß niemand im Ägypterland Hungers sterben muß. 4 Alsdann begab sich

Asenath auf ihren Weg, und Joseph ging zu seiner Kornverteilung. 5 Und Asenath kam an die Schlucht mit den 600 Männern; da sprangen

plötzlich die beim Sohne Pharaos aus ihrem Hinterhalt und kämpften mit den Männern bei der Asenath und hieben sie mit ihren Schwertern

all zusammen und töteten all ihre Leichtbewaffneten und Asenath ergriff die Flucht mit ihrem Wagen. 6 Doch da erkannte Levi, Lias Sohn,

all das im Geist, wie ein Prophet, und meldet seinen Brüdern die Gefahr der Asenath. Schnell nimmt ein jeglicher sein Schwert an seine

Hüfte und ihre Schilder an die Arme und Lanzen in die rechte Hand und laufen hinter Asenath in schnellem Laufe her. 7 Und wie nun

Asenath nach vorne floh, zog ihr der Sohn des Pharao mit seinen fünfzig Reitern schon entgegen. 8 Als Asenath ihn sah, ward sie von Furcht

erfüllt und zitternd rief sie ihres Gottes und Herren Namen an.

27. Kapitel: Der Kampf

1 Und Benjamin saß ihr zur Rechten auf dem Wagen und Benjamin war ein gar kräftiger Bursch von neunzehn Jahren; er war von einer

wunderbaren Schönheit und einer Stärke, wie ein Löwenjunges; er war sehr gottesfürchtig. 2 Da sprang vom Wagen Benjamin herab, nahm

aus dem Bache einen runden Stein, legt ihn in seine Hand und schleudert ihn auf Pharaos Sohn und trifft ihn an die linke Schläfe und schlägt

ihm eine schwere Wunde. 3 Halbtot fällt er vom Pferd zu Boden. 4 Und gleich darauf läuft Benjamin auf einen Felsen und ruft dem Wagenlenker

Asenaths zu: Hol aus dem Bach mir Steine! 5 Er gab ihm fünfzig Steine; so tötete nun Benjamin mit Steinwürfen die fünfzig

Männer bei dem Sohn des Pharao, die Steine drangen all durch ihre Schläfen. 6 Alsdann verfolgten Lias Söhne, Ruben, Simeon und Levi,

Juda, und Issachar mit Zabulon die Männer, die der Asenath aufgelauert, und überfielen sie ganz unversehens; sie hieben allesamt sie nieder,

und die sechs Männer töteten 2706. Die Söhne Ballas und der Zelpha flohen vor ihnen mit den Worten: »Zugrunde gehen wir durch unsere

Brüder, und Pharaos Sohn starb durch die Hand des jungen Benjamin, und all die Seinen fielen durch die Hand des Knaben Benjamin. 8 Nun

also kommt! Wir wollen Asenath und Benjamin erschlagen und dann in diesen Rohrwald fliehen! « 9 Sie gingen mit gezückten Schwertern

voller Blut zu Asenath. 10 Als Asenath sie sah, ward sie von Furcht erfüllt und rief: Herr, Gott! Du hast das Leben mir geschenkt und mich

befreit von Götzenbildern, von tödlichem Verderben, hast mir verheißen, es werde meine Seele ewig leben. Befrei mich jetzt von diesen

bösen Männern! 11 Und Gott der Herr erhört die Stimme Asenaths, und augenblicklich fielen ihrer Feinde Schwerter aus ihrer Hand zu

Boden und wurden Staub.

28. Kapitel: Asenaths Großmut

1 Als Ballas und der Zelpha Söhne dieses seltsame Wunder sahen, da sprachen sie voll Furcht: »Es kämpft der Herr zugunsten Asenaths jetzt

gegen uns. « 2 Da fielen sie auf ihr Gesicht zur Erde und warfen sich der Asenath zu Füßen mit den Worten: » Erbarm dich unser, deiner

Sklaven, dieweil du unsere Herrin bist und unsere Königin! 3 Wir handelten an dir gar schlimm, sowie an unserem Bruder Joseph; der Herr

jedoch vergalt uns schon nach unseren Werken. 4 Deswegen flehen wir dich an, wir deine Sklaven: Hab Mitleid mit uns Armen, Elenden!

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Schütz uns vor unserer Brüder Hand! Sie mögen nicht als Rächer auftreten, daß wir dich unterdrücken wollten! Nicht mögen ihre Schwerter

gegen uns sich wenden! 5 Wir wissen ja, daß unsre Brüder gottesfürchtige Männer sind und keinem Menschen Böses tun für Böses. 6 Schütz

deine Sklaven vor jenen, ach du unsre Herrin!« 7 Da sprach zu ihnen Asenath: »Seid guten Muts, habt keine Furcht vor euren Brüdern! Sie

sind ja gottesfürchtige Männer und voller Furcht des Herrn. Geht aber in den Rohrwald dort, bis ich zu euren Gunsten sie hab umgestimmt

und ihren Zorn beschwichtigt für das, was ihr so schrecklich gegen sie gewagt! Indessen sieht's der Herr und richtet zwischen mir und euch.

« 8 Da flohen in den Rohrwald Dan und Gad; doch ihre Brüder, Lias Söhne, eilten, wie die Hirsche, gar eifrig gegen sie heran. 9 Da stieg

von ihrem überdachten Wagen Asenath herab und reichte unter Tränen ihnen ihre Rechte; sie aber warfen huldigend vor ihr sich hin und

brachen in ein lautes Weinen aus und fragten nach den Brüdern, nach den Mägdesöhnen, um sie zu töten. 10 Da sprach zu ihnen Asenath:

»Ich bitt euch: Schonet eure Brüder! Vergeltet ihnen nimmer für das Böse Böses! Der Herr hat mich vor ihnen ja gerettet. Denn er zerbrach

in ihren Händen ihre Degen, ihre Schwerter; sie schmolzen hin und wurden Asche, wie Wachs vorm Feuer, und dies ist uns genug, daß selbst

der Herr mit ihnen kämpft zu unsern Gunsten. 11 Nun schonet eure Brüder! Sie sind ja eure Brüder, von eures Vaters Israel Blut. 12 Darauf

erwiderte ihr Simeon: »Warum spricht unsere Herrin gute Worte zugunsten ihrer Feinde? 13 Nein! Lieber wollen wir sie Glied um Glied mit

unsern Schwertern jetzt zusammenhauen. Sie planten Schlimmes gegen unsern Bruder Joseph und unsem Vater Israel und gegen dich heut,

unsere Herrin. « 14 Da streckte Asenath die Rechte aus, berührte Simeons Bart und küßte ihn und sprach: »In keiner Weise, Bruder, darfst du

deinem Nächsten für Böses auch Böses vergelten. Der Herr würde eine solche Überhebung rächen. Sie sind nun einmal eure Brüder und

eures Vaters Israel Geschlecht; sie flohen ja auch weit von euch hinweg. Verzeihet ihnen doch! « 15 Da trat nun Levi auf sie zu und küßte ihr

die rechte Hand; er sah, daß sie vor ihrer Brüder Zorn die Männer retten wollte, daß diese sie nicht töteten. 16 Und diese selber waren in der

Nähe in dem Röhrendickicht. 17 Obgleich ihr Bruder Levi dieses wußte, verriet er es den Brüdern aber nicht; er fürchtete, in ihrem Zorne

würden sie die Brüder niederschlagen.

29. Kapitel: Ende

1 Der Sohn des Pharao erhebt sich von dem Boden und setzt sich hin und speit das Blut aus seinem Mund; denn von der Schläfe lief ihm in

den Mund das Blut. 2 Und Benjamin lief zu ihm hin, ergriff sein Schwert und zog's dem Pharaosohne aus der Scheide; denn Benjamin trug

keine Wehr an seiner Seite. Er wollte Pharaos Sohn die Brust durchbohren. 3 Auf ihn lief Levi zu, ergriff ihn bei der Hand und sprach: An

keiner Weise, Bruder, darfst du dieses tun; wir sind ja gottesfürchtige Männer, und einem gottesfürchtigen Manne ziemt es nicht, für Böses

Böses zu vergelten, noch einen Hingestürzten vollends zu zertreten, noch seinen Feind zum Tode zu zermalmen. Bring wiederum dein

Schwert an seinen Platz! Komm mir zu helfen! Wir wollen ihn von dieser Wunde heilen, und bleibt er leben, wird er unser Freund und

Pharao, sein Vater, unser Vater. « 5 Alsdann hob Levi Pharaos Sohn vom Boden auf und wusch das Blut ihm vom Gesicht, verband die

Wunde, setzt ihn auf sein Pferd und brachte ihn zu seinem Vater Pharao, und er erzählte alles das Geschehene und Vorgefallene. 6 Darauf

stand Pharao von seinem Throne auf und fiel vor Levi auf den Boden, ihn lobpreisend. 7 Am dritten Tage starb der Sohn des Pharao am

Steinwurf Benjamins. 8 Und Pharao betrauerte den erstgeborenen Sohn so sehr, daß durch die Trauer Pharao in eine Krankheit fiel und 109

Jahr alt verstarb. Er hinterließ sein Diadem dem wunderschönen Joseph. 9 So war denn Joseph in Ägypten alleinig Herrscher 48 Jahre lang.

Hernach gab Joseph Pharaos jüngstem Sprößlinge das Diadem; er war beim Tod des alten Pharao ein Säugling noch gewesen. Und Joseph

war von da an wie ein Vater zu dem jüngsten Sohn des Pharao im Ägypterland. Er lobte Gott und pries ihn bis zu seinem Ende.

Die alttestamentlichen Apokalypsen

Die Apokalypsen (»Enthüllungen«, Offenbarungen) wollen einen Einblick geben in die dem Menschen unzugängliche Welt der Geheimnisse

der Natur (Himmelsräume, Kammern des Regens, Unterwelt usw. mit Naturbeobachtungen und Phantasie) und mehr noch des Jenseits

(Paradies, Hölle) und der Zukunft, besonders des Weltendes und der ihm vorausgehenden Drangsale.

Mit dem jüdischen Glauben an gerechte Vergeltung und Gottes allwirksame Weltregierung suchen sie die Rätsel der Geschichte zu vereinen:

Übermacht und Übermut der Heiden und Sünder, Zerstörung des Tempels und der Heiligen Stadt, Leiden der Gerechten. Das Alte

Testament, besonders die Königsbücher und die Chronik, hatten das schon geschichtlich versucht, Job theologisch. Die Apokalypsen bohren

weiter. Wenn auch die Bücher nur in kleineren Kreisen verbreitet waren, so zeigen sie uns doch Angst und Hoffnungen der Volksmassen.

In der »Apokalypse Abrahams« sieht dieser, wie die Götzen, die sein Vater Therach gemeißelt oder gehobelt hat, lächerlich zerbrechen und

verbrennen, und erhält eine Offenbarung des Schöpfers (vgl. Is 44,12 - 20). Von einem Engel geleitet, opfert er am Horeb (vgl. Gen 15,7-

21), darf Gott hören und anbeten: Du durch dich selbst Gewordener, Selbstvervollkommener, Selbstleuchtender, Menschenliebender!; er

schaut den Cherubenthron, Engel auf den Firmamenten, die Erde und das auserwählte Volk, Paradiessünde, Verderbtheit und Götzendienst

und fragt immer wieder: Ewiger, Starker, Einziger! (Er schaut einen Mann, geschlagen und dann angebetet: »Das ist die Nachlassung von

den Heiden« [wohl der Messias, christliches Stück].) Er sieht die Heiden, Israel plündernd, mit zehn Plagen bestraft und in die Hölle

gestürzt.

In der Sophonias-Apokalypse sieht dieser Engel an der Himmelspforte, Strafengel die die guten Werke aufschreiben, mit Pantherköpfen und

Feuergeißeln, das Höllenmeer mit Feuerschlamm, später Bestecher in Fesseln und Wucherer in Feuermatten; die Patriarchen beten für die

Bestraften. Er bittet zitternd um Rettung und sieht die Schriftenrolle mit seinen Sünden: Unterlassung von Krankenbesuchen, Fasten, Beten. -

Der Stil ist mitleidig, etwas einfach.

Die ergreifendste und echteste unter den Apokalypsen ist das 4. Buch Esra, quellend aus traurigen Erfahrungen eines tiefen Gemüts durch die

Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 nach Chr., dem Sealtiel, dem Vater des Serubabel, im Exil in den Mund gelegt, der kühn gleichgesetzt

wird mit dem Schriftgelehrten Esra. Im 1. -4. Gesicht schaut er, wie Sion, jetzt vernichtet und trauernd, herrlich sein wird in der kommenden

Weltzeit (Kap. 3-10). Im 5. Gesicht steigt ein Adler aus dem Meere; seine Flügel und Häupter = Könige bedrücken die ganze Erde, aber er

wird verbrannt vor dem Löwen = Messias. Im 6. Gesicht (Kap. 13) kommt aus dem sturmgepeitschten Meer ein Mensch (Messias) herauf,

vernichtet das riesige Feindheer durch Flammenhauch und schirmt Israel. Im 7. Gesicht stellt Esra die heiligen Schriften wieder her, 24

kanonische, 70 Apokalypsen nur für die Weisen. -Die Gesichte sind vielleicht echt, doch gedeutet und mit Überliefertem bereichert, manches

vor Christi Geburt, das Ganze um 90 oder 120 nach Christus wohl in Rom hebräisch verfaßt, in viele alte Sprachen übertragen und in treuer

lateinischer Übersetzung im Anhang der Vulgata erhalten.

Verschieden davon ist die Apokalypse des Esra. Da rechtet er mit Gott: Besser nicht geboren als bestraft zu werden; du rettest oder

vernichtest, wen du willst; aber Gott antwortet: Ich habe keinen Grund, mich der Sünder zu erbarmen. Esra schaut dann in der Hölle

Bestrafte (Herodes auf dem Feuerthron ist christlicher Einschub, ebenso der Antichrist mit ellenbreitem Mund und Sichelfingern). Noch sieht

er im Osten Henoch, Elias, Moses und alle Gerechten (die Schilderung des Sterbens ist wiederum christlich).

Tiefer und sprachlich schöner erwägt Sedrach (Freund Daniels oder andere Form für > Esra<) in seiner Apokalypse das Problem des Übels.

In den 3. Himmel geführt, fragt er Gott: Warum überließest du den Menschen dem Untergang, erziehst ihn in Feuer und Pein? Warum hast

du den Teufel nicht getötet, bevor er Adam verführte? Gott antwortet: Adam, dem ich alles übergab, ward seinem Vater untreu; Gott allein

weiß die Zahl der Menschen, Blätter, Tropfen ... (vgl. Job 38). Da Sedrach sterben soll, nimmt er Abschied von seinem Leibe: »O Haupt, du

Sonnenhellster! Dem Adler gleicht dein Haar ... dein Rufen gleicht dem Donner, dein Hirn ist eine kleine Welt ... Ihr Hände, wohlgeformt ...

gut treffend ... Ihr Füße, prächtig laufend ... ! Ihr Augen, feuersprühend! « Noch erreicht er, daß zur Buße nicht nur 3 Jahre, sondern auch 20

Tage genügen bei wahrer Reue. (Christlich ist das Lob der Liebe am Anfang, der Sohn statt Michael, der die Seele heimholt, u. a.).

In der »syrischen« (syrisch erhaltenen) Apokalypse wird dem Baruch, dem Gefährten Jeremias', angeblich im Jahre 591 vor Christus die

Zerstörung Jerusalems angekündigt; Gott selbst sprengt durch Engel mit Fackeln die Mauern, nachdem die heiligen Geräte der Erde

anvertraut sind; Baruch klagt (Kap. 1-12). Er muß hören: Sion wurde zuerst gestraft, später die andern Völker; die Sünder fehlten

82

wissentlich, für die Gerechten ist die kommende Weltzeit (13-20). Zwölf Drangsale treffen die Welt, nicht das Heilige Land; der Messias

bringt Fruchtzeit, die Toten erstehen, Sion, nochmals zerstört, wird erbaut (21-34). Ein Nachtgesicht: Ein großer Wald (4 Weltreiche) mit

einer Zeder (dem letzten Herrscher) wird überflutet von einer Quelle (dem Messias, der als Weinstock wächst); die Zeder verbrennt. Baruch

mahnt zur Gesetzesbefolgung (35-46). Die erstandenen Toten werden nach dem Gericht herrlich oder schrecklich verwandelt (47-52).

Gesicht: Aus einer Wolke (Weltzeit) fließt wechselnd Schwarzwasser (Adams und der Engel Sünde, Sintflut; Manasse) und helles (Abraham

. . . Josia ... ), Jerusalems Aufbau, End-Unheil, der Blitz ist der Messias, Friedensfürst (53-76). Abschluß: Mahnungen und Trostbrief. -Wie 4

Esra, ist auch dies Werk abhängig von Philos (nicht des bekannten Philosophen) > Biblischen Altertümern« und wohl 100-130 nach Christus

verfaßt. Die Klage zum Beispiel (Kap. 10) ist sehr lyrisch.

In der »griechischen« Baruch-Apokalypse klagt Baruch auch zunächst, daß Gott Jerusalem dem Nabuchodonosor preisgab. Aber dann zeigt

ein Engel ihm die Geheimnisse von 5 Himmeln: Menschen, zur Strafe für den Turmbau in Tiere verwandelt; den Wagen des Helios (Sonne),

vom Phönix begleitet, und den der Selene (Mond) - das sind griechische Vorstellungen. Der Emmanuel und der Rebensaft, der zum Blute

Gottes wird (4,15), ist christlich. Die Urform entstand wohl um 200 nach Christus.

Ähnlich beginnt »Der Rest der Worte Baruchs« (oder Jeremias') mit einer Klage des Jeremias und erzählt, wie Abimelech, Feigen für die

Kranken holend, auf dem Rückweg durch 66jährigen Schlaf bewahrt wurde vor Zerstörung der Stadt und Verbannung. Durch einen Adler

schickt er nach Babylon Bericht an Jeremias. Dieser kehrt heim, warnt vor Frauen aus Babylon und wird nach einer Weissagung über > Jesus

Christus, Gottes Sohn< vom Volk fast gesteinigt.

Die Elias-Apokalypse setzt die des Sophonias fort: sie beginnt mit Mahnungen, nicht die Welt zu lieben, durch reines Fasten Sünden zu

tilgen, beim Beten nicht zu zweifeln (ein christlicher Einschub: Gott sandte seinen Sohn in diese Welt, daß er aus der Gefangenschaft uns

rette; er ist Vater, hält Throne bereit). Kap. 25-31 folgen dunkle Weissagungen über Ägypten [wo das Buch wahrscheinlich entstand]: Ein

Frevelskönig wird getötet von einem > Friedenskönig<, der aber Kinder verbrennt, dann herrschen Perser in Ägypten. Der »Gesalbte« (Antichrist)

kommt mit Tauben und Kreuz, heilt Kranke, aber erweckt keine Toten. Er ermordet die Jungfrau Tabitha, die ihn schilt, sowie

Henoch und Elias, aber sie erstehen wieder. Er sticht Heiligen die Augen aus und reißt ihnen Nägel ab, andere fliehen. Als er 60 Gerechte

verbrennen will, fallen viele von ihm ab. Der wahre Gesalbte läßt durch 64000 Engel die von ihm Gesiegelten entführen. Auf Erden entsteht

Beben, Finsternis, Hunger, Empörung: der Antichrist weint und kämpft nochmals mit den Engeln. Im Weltgericht wird auch er von Henoch

und Elias aufgelöst wie Eis. Der wahre Gesalbte schafft Himmel und Erde neu und herrscht mit den Heiligen tausend Jahre. - Die jüdische

Grundschrift (Tempel, Antichrist) entstand wohl zwischen 100 vor und 100 nach Christus in Ägypten und wurde christlich überarbeitet; die

Bestandteile sind kaum zu trennen. Auch die Offenbarung des heiligen Johannes enthält ja viel Alttestamentliches.

Das >Buch des Elias< schildert stückweise seine Himmelsreise, den Antichrist, den Auszug aus Babel und in einer Schau Abrahams den

Messias und 40 fruchtbare Jahre; mit ihm erniedrigt Gott die Heiden und erhöht Israel. Dann folgt der Jüngste Tag und das neue Sion.

Zwischen vielen Prophetenstellen steht eine Beschreibung der Kriege der Sassaniden (Perserkönige) gegen Rom, 256-259 nach Christus, also

ein sehr spätes Stück.

Das Henoch-Buch, ganz nur äthiopisch erhalten, ist wohl die umfangreichste, interessanteste und umstrittenste unter den Apokalypsen,

»bizarr, doch voll kühnen Glaubens an den Sieg des Guten«. Von den 5 Büchern, den 5 Büchern Moses nachgebildet, schildert das

Engelbuch Fall und Strafe der Engel (vgl. Gen 6,4) und Henochs Reisen durch Erde und Unterwelt; er sieht da Blitze, Ströme, Feuer, den

Strafort der gefallenen Engel (Sterne), die Unterwelt der Verstorbe nen, der Sünder; Edelsteinberge und Täler mit Duftbäumen, Tore für

Winde, Regen, Sterne. Das astronomische Buch. Henoch sieht Sonne, Mond, Schalttage, Sterne, Windrose; beide Bücher bieten altes Wissen

aus Babylon und griechische Gedanken über Naturordnung und gehen wohl zurück bis über 150 vor Christus, da sie im Jubiläenbuch, 4,17

ff. vorausgesetzt sind. Das Geschichtsbuch beschreibt in 2 Traumgeschichten die Sintflut: die Weltgeschichte in Tiersinnbildern von weißen

Farren = Adam bis zum weißen Büffel = Messias. Das Mahnbuch weist hin auf Strafen und Lohn und fordert auf zum Aushalten; Geschichts-

und Mahnbuch mit den Gegensätzen der Frommen und Gottlosen [Pharisäer-Sadduzäer] spiegeln die Verhältnisse zwischen 135

und 63 vor Christus wider. Im Messiasbuch schaut Henoch die Wohnungen der Gerechten, dann das Messiasreich (ähnlich Daniel 7): das

Gericht des » Menschensohnes«, der »auserwählt« ist vor der Schöpfung, Retter der Gerechten, Licht der Völker, geistbegabt; dann die

Auferstehung der Toten, Marterwerkzeuge für die Mächtigen, Ansturm der Heiden und in der 3. Bilderrede den Menschensohn, wie er auf

dem Throne seiner (Gottes oder gottgleicher) Herrlichkeit sitzend, alle Werke der Heiligen richtet und alle Sünder mit seines Mundes Rede

tötet; alle Könige und Erdbesitzer flehen ihn um Barmherzigkeil an. Es kam jenes hochbetagte Haupt ... mit Engeln ohne Zahl und ... sprach:

Du bist der Mannessohn, der zur Gerechtigkeit geboren ist ... und die Gerechtigkeit des betagten Hauptes verläßt Dich nicht ... Heil der

zukünftigen Welt wird Dir zuteil immerdar ... Und so wird langes Leben sein bei jenem Menschensohn.

»Menschensohn« ist semitisch soviel wie Mensch. Daniel (7,1-28) sieht, wie aus dem Ur-(Chaos-)Meere 4 Tiere aufsteigen: ein Löwe =

Reich der Babylonier, ein Bär = Meder, Panther = Perser, ein ganz furchtbares = Griechen, das heißt Alexanders Nachfolger in Syrien = die

Seleukiden, besonders Antiochus IV. Epiphanes 175-164, der Judenverfolger (1 Makk 1,41ff.); dies 4. Tier wird getötet, die andern

entmachtet. Von dem Hochbetagten (dem ewigen Richter) auf dem Flammenthrone wird einem, der »auf den Wolken des Himmels kommt

wie ein Menschensohn«, ewige Macht gegeben und Herrschaft über alle Völker, das heißt »dem Volke der Heiligen des Höchsten«; er ist

also Sinnbild des auserwählten Volkes und, da Volk und König im Orient zusammengehören, des Messias.

Da Henoch ein Mensch ist, kein menschgewordenes Himmelswesen, ist diese Gleichsetzung mit dem vorweltlich existierenden

Menschensohn für uns unvorstellbar; doch wurde auch im Alten Ägypten der verstorbene König als Gott Osiris begrüßt. Nach jüdischer

Meinung existierten auch Tempel und Thora (Gesetz) schon vor der Schöpfung. Die Vorstellung von Henoch als Weltenrichter entstand

wohl aus der Ansicht, daß er die Schrift erfand und nach seiner Entrückung im Himmel die Sünden der Menschen aufschrieb. Die slawische

Übersetzung des Henochbuches ist inhaltlich der äthiopischen verwandt. Die Urform wurde wohl noch vor der Zerstörung des Tempels (70)

geschrieben, vielleicht griechisch von einem alexandrischen Juden. Die heutige Form ist eine christliche Überarbeitung aus dem 7.

Jahrhundert.

Textquelle: Das vierte Buch Esra

Erstes Gesicht.

1 Im dreißigsten Jahre nach dem Untergange der Stadt verweilte ich, Salatiel, der auch Esra heißt in Babel, und als ich einmal auf meinem

Bette lag, geriet ich in Bestürzung, und meine Gedanken gingen mir zu Herzen, 2 weil ich Zion verwüstet, Babels Bewohner aber im

Überfluß sah. 3 Da ward mein Gemüt heftig erregt, und in meiner Angst begann ich zum Höchsten zu reden.

Das Problem: Woher kommt die Sünde und das Elend dieser Welt?

4 Ich sprach: Herr Gott, bist du es nicht, der im Anfang, als du die Erde bildetest, gesprochen, du ganz allein, und dem Staube befohlen hast,

5 daß er dir Adam hervorbrachte als leblosen Körper; aber auch der war ein Gebilde deiner Hände. Du hauchtest ihm den Odem des Lebens

ein, daß er vor dir lebendig ward. 6 Dann führtest du ihn ins Paradies, das deine Rechte gepflanzt hatte, ehe die Erde ward, 7 und legtest ihm

ein einziges Gebot von dir auf; er aber übertrat es. Danach verordnetest du über ihn den Tod, wie über seine Nachkommen. -Aus ihm wurden

geboren Völker und Stämme, Nationen und Geschlechter ohne Zahl. 8 Aber jedes Geschlecht wandelte nach seinem eigenen Willen; sie

handelten gottlos vor dir und fielen ab: du aber hast sie nicht gehindert! 9 Wiederum aber, als die Zeit gekommen, brachtest du die Sintflut

über >die Erde und< die Bewohner der Welt und vertilgtest sie; 10 über sie alle kam der Untergang mit einem Male. Wie über Adam der

Tod, so kam über sie die Flut. -11 Einen aber von ihnen hast du verschont, Noah samt seinem Hause, alle Frommen, die von ihm stammten.

12 Als nun die Erdenbewohner sich zu mehren begannen und viele Kinder, ja Völker und zahlreiche Geschlechter erzeugten, da begannen sie

83

wiederum gottlos zu handeln, mehr als die Geschlechter vor ihnen. 13 Als sie nun so böse vor dir lebten, erwähltest du dir einen von ihnen;

der hieß Abraham. 14 Den hattest du lieb und offenbartest ihm allein das Ende der Zeiten, im Geheimen bei Nacht; 15 du schlossest mit ihm

einen ewigen Bund und versprachst ihm, seinen Samen niemals zu verlassen. Du schenktest ihm Isaak, Isaak aber schenktest du Jakob und

Esau. 16 Und du erkorst dir Isaak, Esau aber verschmähtest du. Und Jakob wurde zu einem großen Heer. -17 Als du aber seinen Samen aus

Ägypten führtest und sie an den Berg Sinai brachtest, 18 da neigtest du die Himmel, >bewegtest< die Erde und erschüttertest den Weltkreis,

daß die Tiefen erbebten und >die Äonen< erschraken. 19 Dann ging deine Herrlichkeit durch die vier Tore, des Feuers, Erdbebens, Sturms

und Hagels, um dem Samen Jakobs Gesetz zu geben und dem Geschlechte Israels Gebot. 20 Aber du nahmst das böse Herz nicht von ihnen,

daß dein Gesetz, in ihnen Frucht trüge. 21 Denn um seines bösen Herzens willen geriet der erste Adam in Sünde und Schuld, und ebenso

alle, die von ihm geboren sind. 22 So ward die Krankheit dauernd: das Gesetz war zwar im Herzen des Volkes, aber zusammen mit dem

schlimmen Keime. So schwand, was gut ist; aber das Böse blieb. - 23 Als aber die Zeiten um waren und die Jahre zu Ende, da erwecktest du

dir einen Knecht Namens David. 24 Du befahlst ihm, die Stadt, die nach dir heißt, zu bauen und dir darinnen von deinem Eigentum Opfer zu

bringen; 25 und so geschah es lange Jahre. - Die Bürger der Stadt aber sündigten 26 und handelten in allem wie Adam und alle seine

Nachkommen, denn sie hatten ja selber das böse Herz. 27 Da gabst du deine Stadt deinen Feinden preis. 28 Damals aber sprach ich bei mir:

Handeln etwa Babels Bewohner besser? Hat er deshalb Zion >verworfen<? - 29 Als ich dann hierher kam und die Gottlosigkeiten ohne Zahl

sah, und meine Seele viele sündigen sah, nun schon dreißig Jahre, da entsetzte sich mein Herz; 30 denn ich sah, wie du sie, die Sünder, trägst

und die Gottlosen >verschonst<, wie du dein Volk vernichtet und deine Feinde erhalten hast, 31 und niemand offenbart hast, wie dieser dein

Weg geändert werden soll. >Hat< Babel besser gehandelt als Zion? 32 Hat dich ein anderes Volk erkannt außer Israel? oder welche Stämme

haben so deinen Bündnissen geglaubt wie die Jakobs? 33 deren Lohn nicht erschienen, deren Mühsahl keine Frucht getragen! Denn ich habe

die Völker hin und her durchwandert und sie im Glück gesehen, obwohl sie deine Gebote vergessen hatten. 34 Nun aber wäge unsere Sünden

und die der Weltbewohner auf der Wage, daß sich zeige, wohin der Ausschlag des Balkens sich neigt. 35 Oder wann hätten die Bewohner

der Welt vor dir nicht ge sündigt? oder welches Geschlecht hätte so deine Gebote erfüllt? 36 Einzelne zwar, mit Namen zu nennen, wirst du

wohl finden, die deine Gebote gehalten, Völker aber findest zu nicht!

Die göttliche Antwort: Gottes Wege sind unerkennbar. Der menschliche Geist vermag nur Weniges zu erfassen.

1 Da antwortete mir der Engel, der zu mir gesandt war, mit Namen Uriel, zund sprach zu mir: Dein Herz entsetzt sich über diese Welt, und

du wünschest, die Wege des Höchsten zu begreifen? Ich sprach: Ja, Herr! - Er antwortete mir und sprach: Drei Wege bin ich gesandt, dir zu

weisen und drei Gleichnisse dir vorzulegen; 4 kannst du mir eins davon kundtun, so will auch ich dir die Wege, die du zu schauen begehrst,

zeigen und dich belehren, woher das böse Herz kommt. 5 Ich sprach: Rede, Herr! - Er sprach zu mir: Nun, so wäge mir das Gewicht des

Feuers oder miß mir das Maß des Windes oder ruf mir den gestrigen Tag zurück. 6 Ich erwiderte und sprach: Welchem Weibgeborenen wäre

das möglich, daß du mich nach solchen Dingen fragst?- 7 Er sprach zu mir: Hätte ich dich ge fragt, wieviel Wohnungen im Herzen des Meers

seien, wieviel Quellen am Grunde der Tiefe, oder wieviel Wege über der Veste, >wo die Tore des Hades seien, oder wo der Weg gehe ins

Paradies<, 8 so hättest du mir vielleicht geantwortet: in die Tiefe bin ich nicht hinabgestiegen, noch in den Hades bisher >gedrungen<, noch

bin ich je in den Himmel hinaufgekommen, >noch hab ich das Paradies gesehen. 9 Nun habe ich dich nur über das Feuer, den Wind und den

>gestrigen< Tag gefragt, alles Dinge, ohne die du nicht sein kannst; und du hast mir darüber keine Antwort gegeben! -10 Und er sprach

weiter zu mir: Du kannst, was dein ist, was mit dir verwachsen ist, nicht erkennen, 11 wie wirst du dann das Gefäß sein können, das des

Höchsten Walten faßt? >Denn des Höchsten Wege sind als ewige erschaffen<; du aber, ein sterblicher Mensch, der im vergänglichen Äon

lebt, wie kannst du das Ewige begreifen?<

Töricht ist es, Widernatürliches zu begehren.

Als ich das gehört hatte, fiel ich auf mein Antlitz 12 und sprach zu ihm: Besser wäre es, wir wären nie auf die Welt gekommen, als nun in

Sünden zu leben und zu leiden und nicht zu wissen, weshalb! -13 Er antwortete mir und sprach: >Einst gingen die Wälder der Bäume des

Feldes hin< und hielten Rat: 14 wohlan, wir wollen hin und gegen das Meer Krieg führen, daß es vor und zurücktrete und wir uns >einen

neuen Wald< schaffen! 15 Ebenso hielten die Wogen des Meeres Rat: wohlan, wir wollen hinauf und den Wald des Feldes bekriegen, damit

wir uns auch dort ein neues Gebiet erobern! 16 Aber des Waldes Plan ward vereitelt, denn das Feuer kam und verzehrte ihn; 17 ebenso auch

der Plan der Wogen des Meeres, denn der Sand trat hin und hielt sie zurück. 18 Wenn du nun ihr Richter wärest, wem würdest du Recht

geben und wem Unrecht? 19 Ich antwortete und sprach: Beide haben eitlen Rat gehalten; denn das Land ist dem Walde gegeben, der Raum

des Meeres aber ist bestimmt, seine Wogen zu tragen. 20 Er antwortete mir und sprach: Du hast richtig geurteilt; warum aber hast du dir

nicht selbst das Urteil gesprochen? 21 Denn wie das Land dem Walde gegeben ist, und das Meer seinen Wogen, ebenso können die

Erdenbewohner nur das Irdische erkennen und nur die Himmlischen das, was in Himmelshöhen ist.

Aber schmerzlich ist es, das Notwendigste nicht zu wissen.

22 Ich antwortete und sprach: Herr, ich flehe dich an, weshalb ist mir dann überhaupt das Licht der Vernunft gegeben? 23 Denn ich wollte

dich nicht über Dinge fragen, die uns zu hoch sind, sondern über solche, die uns selber betreffen, jeden Tag aufs Neue: >Weshalb< ist Israel

den Heiden hingegeben zur Schmach, dein geliebtes Volk den gottlosen Stämmen? Das Gesetz unserer Väter ist vernichtet, die

geschriebenen Satzungen sind nicht mehr; 24 wir schwinden aus der Welt wie Heuschrecken, unser Leben ist ein Rauch. Wir freilich sind

nicht einmal wert, Erbarmung zu erfahren; 25 aber was wird er für seinen Namen tun, der über uns ausgesprochen ist? Das war's, wonach ich

fragte.

Der kommende Äon gibt die Lösung.

26 Er antwortete mir und sprach: Wenn du bleiben wirst, wirst du's schauen; und wenn du lange leben wirst, wirst du erstaunen. Denn der

Äon eilt mit Macht zu Ende.

Warum dieser Äon vorher zu grunde gehen muß.

27 Er vermag es ja nicht, die Verheißungen, die den Frommen für die Zukunft gemacht sind, zu ertragen; denn dieser Äon ist voll von Trauer

und Ungemach. 28 Denn gesät ist das Böse, wonach du mich fragst, und noch ist seine Ernte nicht erschienen. 29 Ehe das Gesäte also noch

nicht geerntet, und die Stätte der bösen Saat nicht verschwunden ist, kann der Acker, da das Gute gesät ist, nicht erscheinen. 30 Denn ein

Körnchen bösen Samens war im Anfang in Adams Herzen gesät, aber welche >Frucht< der Sünde hat das bis jetzt getragen und wird weiter

tragen, bis daß die Tenne erscheint. 31 Ermiß >also< selber: wenn schon ein Körnchen bösen Samens solche Frucht der Sünde getragen hat,-

32 wenn einst Ähren >des Guten< gesät werden ohne Zahl, welche große Ernte werden die geben!

Wann soll das geschehen?

33 Ich antwortete und sprach: Wie lange noch, wann soll das geschehen? Unser Leben ist >ja< so kurz und elend. 34 Er aber antwortete und

sprach: Du willst doch nicht mehr eilen als der Höchste? Denn du willst Eile um deiner selbst willen, der Höchste aber für Viele.

Das Ende kommt, wann die Zahl der Gerechten voll ist.

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35 Diese deine Frage haben schon die Seelen der Gerechten in ihren Kammern getan; die sprachen: Wie lange >sollen wir< noch >hier<

bleiben? Wann erscheint endlich die Frucht auf der Tenne unseres Lohns? 36 Aber ihnen hat der Erzengel Jeremiel geantwortet und

gesprochen: wann die Zahl von Euresgleichen voll ist! Denn Er hat auf der Waage den Äon gewogen, 37 Er hat die Stunden mit dem Maße

gemessen und nach der Zahl die Zeiten gezählt. Er stört sie nicht und weckt sie nicht auf, bis das angesagte Maß erfüllt ist. 38 Ich antwortete

und sprach: Herr, mein Gebieter, aber auch wir sind voller Sünden. 39 Wird nicht vielleicht unseretwegen die Tenne der Gerechten

aufgehalten, um der Sünden der Erdenbewohner willen? 40 Er antwortete mir und sprach: Geh hin, frage die Schwangere, ob ihr Schoß,

wenn ihre neun Monate um sind, noch das Kind bei sich behalten kann? 41 Ich sprach: Gewiß nicht, Herr. Er sprach zu mir: Die Wohnungen

der Seelen im Hades sind dem Mutterschoße gleich; 42 denn wie ein gebärendes Weib der Schmerzen der Geburt möglichst bald sich zu

entledigen >strebt<, so streben auch sie danach, möglichst bald das zurückzugeben, was ihnen im Anfang vertraut ist. 43 Dann wird man dir

zeigen, was du zu schauen begehrst.

Das Ende kommt bald.

44 Ich antwortete und sprach: Wenn ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, wenn es möglich ist, und wenn ich dazu fähig bin, 45 so

zeige mir auch dies: ob noch längere Zeit, als schon vergangen ist, uns bevorsteht, oder ob wir bereits das Meiste hinter uns haben? 46 Denn

wieviel vergangen ist, weiß ich wohl; aber die Zukunft kenne ich nicht. 47 Er sprach zu mir: Tritt nach rechts, so will ich dir den Sinn eines

Gleichnisses erklären. 48 Als ich nun hintrat, da sah ich, wie ein glühender Ofen an mir vorüberfuhr; und als das Feuer vorüber war, sah ich,

wie noch Rauch zurückblieb. 49 Danach zog eine Wolke, voll Wassers, an mir vorüber; die ließ einen mächtigen Regenguß herab. Als aber

der Regenguß vorüber war, blieben noch einzelne Tropfen darin zurück. 50 Da sprach er zu mir: Nun überlege selbst: wie des Regens mehr

ist als der Tropfen und des Feuers mehr ist als des Rauchs, so ist das Maß der Vergangenheit bei Weitem größer gewesen; zurück aber sind

nur noch geblieben - Tropfen und Rauch.

Dem Ende gehen folgende Zeichen voraus.

51 Ich flehte und sprach: Glaubst du, daß ich leben werde bis zu jenen Tagen? >Was< wird in jenen Tagen geschehen? - 52 Er antwortete

mir und sprach: Die Zeichen, nach denen du fragst, kann ich dir zum Teil sagen; über dein Leben aber dir etwas zu sagen, bin ich nicht

gesandt und weiß es selber nicht. 1 Die Zeichen aber sind: Siehe, Tage kommen, da werden die Erdenbewohner von gewaltigen Schrecken

erfaßt, das Gebiet der Wahrheit wird verborgen sein, und das Land des Glaubens ohne Frucht. 2 Da wird der Ungerechtigkeit viel sein, mehr

noch, als du jetzt selber siehst, und als du von früher gehört hast. 3 Das Land aber, das du jetzt herrschen siehst, wird wegelose Wüste sein;

man wird es verlassen sehen: 4 fristet dir der Höchste das Leben, so wirst du es nach dreien Zeiten in Verwirrung sehen. Da wird plötzlich

die Sonne bei Nacht scheinen und der Mond am Tage. 5 Von Bäumen wird Blut träufeln; Steine werden schreien. Die Völker kommen in

Aufruhr, die >Ausgänge< in Verwirrung; 6 und zur Herrschaft kommt, den die Erdenbewohner nicht erwarten. Die Vögel wandern aus; 7 das

Mehr von Sodom bringt Fische hervor und brüllt des Nachts mit einer Stimme, die viele nicht verstehen, aber alle vernehmen. 8 An vielen

Orten tut sich der Abgrund auf, und lange Zeit bricht das Feuer hervor. Da verlassen die wilden Tiere ihr Revier. Weiber gebären

Mißgeburten. 9 Im süßen Wasser findet sich salziges. Freunde bekämpfen einander plötzlich. Da verbirgt sich die Vernunft, und die Weisheit

flieht in ihre Kammer; 10 viele suchen sie und finden sie nicht. Der Ungerechtigkeit aber und Zuchtlosigkeit wird viel sein auf Erden. 11

Dann fragt ein Land das andere und spricht: Ist et wa die Gerechtigkeit, die das Rechte tut, durch dich gekommen? und es wird antworten:

nein! 12 In jener Zeit werden die Menschen hoffen und nicht erlangen, sich abmühen und nicht zum Ziele kommen. -13 Diese Zeichen dir zu

sagen, ist mir erlaubt worden; wenn du aber nochmals betest und wie heute weinst und sieben Tage lang fastest, wirst du aufs Neue Dinge

erfahren, die größer sind als diese.

Schluß.

14 Da erwachte ich: mein Leib schauderte gewaltig, und meine Seele ward ohnmächtig vor Ermattung. 15 Aber der Engel, der mir

erschienen war, der mit mir sprach, hielt mich fest, stützte mich und stellte mich auf die Füße. 16 In der folgenden Nacht aber kam der Fürst

des Volkes, Phaltiel, zu mir und sprach zu mir: Wo warst du? Weshalb ist dein Antlitz so verstört? 17 Oder weißt du nicht, daß Israel im

Lande seiner Verbannung dir anvertraut ist? 18 Steh also auf, iß >einen Bissen< Brot und laß uns nicht im Stich, dem Hirten gleich, der seine

Herde den bösen Wölfen preisgibt! 19 Ich sprach zu ihm: Verlaß mich und komm vor sieben Tagen nicht wieder; wenn du dann

zurückkehrst, >will ich dir Aufschluß geben<. Als er dies hörte, verließ er mich.

Zweites Gesicht.

20 So fastete ich sieben Tage unter vielen Klagen und Tränen, wie mir der Engel Uriel geboten hatte. 21Als aber die sieben Tage um waren,

begannen die Gedanken meines Herzens mich mächtig zu bedrängen. 22 Da bekam meine Seele den Geist der Einsicht, und ich begann

nochmals vor dem Höchsten Worte zu sprechen:

Warum hat Gott sein einziges, außerwähltes Volk den Heiden preisgegeben?

23 Ich sprach: Ach Herr Gott, aus allem Walde der Erde und all seinen Bäumen hast du >dir< den einen Weinstock erwählt, 24 aus allen

Ländern der Welt die eine Pflanzgrube >ausgesucht<, aus allen Blumen des Erdkreises die eine Lilie >erkoren<, 25 vor allen Tiefen des

Meeres hast du Wachstum gegeben dem einen Bach, aus allen Städten, die je gebaut sind, nur Zion dir selber geheiligt, 26 aus allen Vögeln,

die du geschaffen, die eine Taube dir berufen, aus allen Tieren, die du gebildet, das eine Schaf ersehen, 27 aus allen Völkern, deren so viel

ist, das eine Volk dir erworben und das Gesetz, das du >unter< allen ausgesucht, hast du dem Volke, das du begehrt hast, verliehen. - 28 Jetzt

aber, Herr, weshalb hast du das Eine den Vielen preisgegeben, hast den einen Sproß vor den anderen >in Schmach gebracht< und dein

einziges Eigentum unter die Vielen zerstreut? 29 Weshalb haben, die deinen Verheißungen widersprochen haben, die niedertreten dürfen, die

deinen Bündnissen geglaubt haben? 30 Ja, wenn du deinem Volk auch gram geworden wärest, so >hättest du es doch züchtigen müssen< mit

eigener Hand!

Dennoch liebt Gott Israel noch immer.

31 Als ich diese Worte gesprochen hatte, ward der Engel zu mir gesandt, der schon in verflossener Nacht zur mir gekommen war. 32 Er

sprach zu mir: Höre mir zu, so will ich dich lehren; merk auf mein Wort, so will ich weiter zu dir sprechen. 33 Ich sprach: Rede, Herr! Er

sprach zu mir: Die Sinne vergehen dir über Israels Geschick? Hast du es denn mehr lieb als sein Schöpfer?

Dies Problem ist für Menschen unlösbar.

34 Ich sprach: Nein, Herr; aber vor Schmerzen habe ich reden müssen; denn jede Stunde aufs Neue blutet mir das Herz, wenn ich die Wege

des Höchsten erfassen möchte und seines Gerichtes >Spruch< erspähen! 35 Er sprach zu mir: Das kannst du nicht. Ich sprach: Warum, Herr?

Weshalb ward ich dann geboren? Warum ist meiner Mutter Schoß nicht mein Grab geworden, daß ich Jakobs Elend nicht brauchte zu sehen

und die Not des Geschlechtes Israel? - 36 Er sprach zu mir: So nenne mir die Zahl der Zukünftigen, sammle mir zerstreute Tropfen des

Regens wieder ein, mach vertrocknete Blumen wieder grün, 37 öffne mir die verschlossenen Kammern und lag die Winde, die sie enthalten,

heraus, >sage mir, wie Gesichter aussehen, die du nie gesehen hast<, oder zeige mir die Gestalt des Tons; so will ich dir das Rätsel lösen, das

du zu schauen begehrst. 38 Ich sprach: Herr, mein Gebieter, wer könnte sich auf dergleichen verstehen, außer denen, die nicht unter

Menschen wohnen? 39 Ich aber habe nicht Wissen >noch Macht<; wie könnte ich solche Fragen beantworten? 40 Er sprach zu mir: So

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wenig du von alledem, was ich nannte, auch nur Eines zu tun vermagst, so wenig vermagst du mein Gericht zu erfassen oder das Ziel der

Liebe, die ich meinem Volke zugesagt.

Über die Stellung der verschiedenen Generationen im göttlichen Weltplan.

Gilt Gottes Verheißung nur dem letzten Geschlecht?

41 Ich sprach: Ach, aber Herr, dein Segen gilt nur denen, die das Ziel erleben; was sollen aber unsere Vorfahren, wir selbst und unsere

Nachkommen tun? 42 Er sprach zu mir: Einem Reigen soll mein Gericht gleich werden; darin sind die Letzten nicht zurück und die Ersten

nicht voran.

Verschiedene, aufeinander folgende Generationen sind in dieser Welt notwendig.

43 Ich antwortete und sprach: Konntest du nicht alle Geschlechter der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf einmal Schaffen, damit

dein Gericht um so schneller erscheine? 44 Er antwortete mir und sprach: Die Schöpfung darf dem Schöpfer nicht vorgreifen; auch könnte

die Welt alle Geschaffenen auf einmal nicht ertragen. 45 Ich sprach: Wie aber stimmt das zu dem Worte, das du eben zu deinem Knechte

gesagt hast, daß du einst die ganze Schöpfung auf einmal zum Leben erwecken würdest? Wenn sie einst alle auf einmal leben werden, und

die Schöpfung das ertragen kann, wäre sie doch auch jetzt schon im Stande, alle auf einmal zu tragen. 46 Er sprach zu mir: Frage den

Mutterschoß und sprich zu ihm: Wenn du zehn Kinder bekommst, warum bekommst du sie, jedes zu seiner Zeit? Fordere ihn auf, zehn auf

einmal zu zeugen. 47 Ich sprach: Unmöglich kann er das, sondern nur jedes zu seiner Zeit. 48 Er sprach zu mir: So habe auch ich >die Erde<

zum Mutterschoße gemacht für die, die jedes zu seiner Zeit, von ihr empfangen werden. 49 Denn wie das Kind nicht gebiert, noch die

Greisin mehr, so habe ich auch in der Welt, die ich geschaffen, >ein bestimmtes Nacheinander< festgesetzt.

Die Welt ist alt geworden.

50 Ich fragte >ihn< und sprach: Da du mir nun die Wege gewiesen, so laß mich weiter vor dir sprechen. Ist unsere Mutter, von der du

gesprochen, noch jung oder schon dem Alter nahe? 51 Er antwortete mir und sprach: Frage die Gebärerin, die kann dirs sagen; 52 sprich zu

ihr: Weshalb sind deine jüngsten Kinder ihren älteren Geschwistern nicht gleich, sondern weniger kräftig? 53 so wird sie selber dir

antworten: Anders sind die, die in der Blüte der Kraft erzeugt sind, anders die Kinder des Alters, als der Schoß die Kraft verloren hatte. 54

Nun ermiß du selber, daß ihr weniger kräftig seid als eure Vorfahren; 55 so auch eure Nachkommen weniger kräftig als ihr. Denn die

Schöpfung wird schon alt und ist über die Jugendkraft schon hinaus.

Der Jüngste Tag kommt durch Gott allein.

56 Ich sprach: Ach Herr, wenn ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, so zeige deinem Knecht, durch wen du deine Schöpfung

heimsuchen wirst. 1 Er sprach zu mir: Im Anfange der Welt, ehe des Himmels Pforten standen, ehe der Winde >Stöße< bliesen; 2 ehe der

Donner Schall ertönte, ehe der Blitze Leuchten st rahlte; ehe die Grundlagen des Paradieses gelegt, 3 ehe >die Schönheit seiner Blumen< zu

schauen war; ehe die Mächte der Bewegung bestellt, ehe die zahllosen Heere der Engel gesammelt; 4 ehe die Höhen der Lüfte sich erhoben,

ehe die >Räume< des Himmels Namen trugen; ehe Zions Schemel bestimmt war, 5 ehe die Jahre der Gegenwart berechnet; ehe die

Anschläge der Sünder verworfen, aber, die Schätze des Glaubens sammeln, versiegelt: 6 damals habe ich dies alles vorbedacht, und durch

mich und niemand weiter ward es erschaffen; so auch das Ende durch mich und niemand weiter!

Die Scheidung der Zeiten.

7 Ich antwortete und sprach: Wie wird die Scheidung der Zeiten geschehen? wann wird das Ende des ersten Äon sein und der Anfang des

zweiten? 8 Er sprach zu mir: von Abraham bis Abraham. Denn von ihm stammen Jakob und Esau; die Hand Jakobs aber hielt im Anfang die

Ferse Esaus. 9 Die >Ferse< des ersten Äon ist Esau; die >Hand< des Zweiten ist Jakob. 10 Der Anfang des Menschen ist die Hand, sein Ende

die Ferse. >Zwischen Ferse und Hand nichts weiter! - Das überlege, Esra<

Die Zeichen der letzten Zeit und das Ende.

11 Ich antwortete und sprach: Herr, mein Gebieter, wenn ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, 12 so zeige deinem Knecht die letzten

deiner Zeichen, von denen du mir in vergangener Nacht einen Teil gezeigt hast. 13 Er antwortete und sprach zu mir: Stelle dich fest auf deine

Füße, so wirst du eine gewaltig laute Stimme vernehmen; 14 und wenn der Ort, da du stehst, beim Erschallen dieser Stimme mächtig

schwankt, 15 so ängstige dich nicht: denn die Stimme redet vom Ende; die Tiefen der Erde aber werden es verstehen, 16 daß von ihnen

selber die Rede ist. Sie werden zittern und schwanken, denn sie wissen, daß an ihnen beim Ende eine Verwandlung geschehen soll. 17 Als

ich das vernommen hatte, trat ich fest auf meine Füße und horchte auf: da ertönte eine Stimme, die scholl wie der Schall großer Wasser. 18

Die sprach: Siehe, Tage werden sein, wann ich komme zu nahen, um heimzusuchen die Erdenbewohner, 19 wann ich komme zu rächen >den

Frevel< der bösen Frevler, wann Zions Erniedrigung voll ist 20 und der Äon, der dahingeht, versiegelt, da will ich folgende Zeichen geben:

Bücher werden aufgetan im Angesichte der Veste, die werden alle auf einmal sehen. 21 Jährige Kinder werden ihre Stimme erheben und

reden; Schwangere gebären Frühgeburten im dritten und vierten Monat; die aber bleiben am Leben und laufen umher. 22 Plötzlich werden

besäte Felder ohne Frucht erscheinen, und volle Scheunen werden plötzlich leer erfunden. 23 Die Drommete wird laut erschallen; alle

Menschen vernehmen sie plötzlich und erbeben. 24 In jener Zeit werden Freunde einander als Feinde bekämpfen, daß die Erde samt ihren

Bewohnern sich davor entsetzt. Wasserquellen stehen still und laufen nicht drei Stunden lang. 25 Wer aber übrigbleibt aus alledem, was ich

dir vorausgesagt, der wird gerettet werden und mein Heil und das Ende meiner Welt schauen. 26 Da >erscheinen< die Männer, die einst

emporgerafft sind, die den Tod nicht geschmeckt haben seit ihrer Geburt. Dann wird das Herz der Erdenbewohner verändert und zu neuem

Geiste verwandelt. 27 Dann ist das Böse vertilgt, und der Trug vernichtet; 28 der Glaube in Blüte, das Verderbnis überwunden; und die

Wahrheit wird offenbar, die so lange Zeit ohne Frucht geblieben ist.

Schluß.

29 Während er so zu mir sprach, erbebte die Stätte, wo ich stand, mehr und mehr. 30 Er aber sprach zu mir: Dies sollte ich dir zeigen, und

noch in der nächsten Nacht; 31 wenn du nun weiter flehst und weiter fastest, sieben Tage lang, will ich dir Weiteres, das größer ist als dieses,

bei Tage offenbaren. 32 Denn dein Gebet ist beim Höchsten erhöhrt; der Allmächtige hat deine Gerechtigkeit gesehen und die Frömmigkeit,

die du von Jugend auf geübt hast, erkannt. 33 Deshalb hat er mich gesandt, um dir dies alles zu offenbaren und dir zu sagen: Fasse Mut, verzage

nicht; 34 hege nicht allzu ängstlich eitle Gedanken über diese Zeit, daß du nicht Angst erdulden müßtest in der letzten Zeit.

Drittes Gesicht.

35 Danach weinte ich aufs Neue und fastete wie früher, sieben Tage lang, daß die drei Wochen, die mir befohlen waren, voll würden. 36 In

der achten Nacht aber ward mein Herz aufs Neue in mir bewegt, und ich hob an, vor dem Höchsten zu reden; 37 denn mein Geist geriet

gewaltig in Erregung und meine Seele in Angst.

Warum besitzt Israel nicht jetzt schon die Welt, die ihm gehört?

38 Ich sprach: Herr, du hast im Anfange der Schöpfeng am ersten Tage gesprochen: es werde Himmel und Erde! und dein Wort hat das Werk

vollbracht. 39 Damals war nur schwebender Geist, Finsternis ringsumher und Schweigen; noch war der Klang der Menschenstimme vor dir

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nicht erschollen. 40 Dann befahlst du, einen Strahl des Lichtes aus deinen Kammern zu holen, daß deine Werke sichtbar würden. - 41 Am

zweiten Tage wiederum schufst du den Geist der Veste und befahlst ihm, zu scheiden und Scheidung zu machen zwischen Wassern >und

Wassern<, daß ein Teil davon nach oben ginge, ein Teil unten verbliebe. - 42 Am dritten Tage gabst du den Wassern Befehl, sich am

siebenten Teile der Erde zu sammeln; sechs Siebentel aber legtest du trocken und bestimmtest sie, daß ein Teil davon vor dir bebaut werden

sollte, der von Gott selbst besät und bepflanzt war. 43 Kaum war >aber< dein Wort ergangen, so geschah das Werk sogleich: 44 Da

entsproßten plötzlich Früchte in unendlicher Menge, tausendfach verschieden an süßem Geschmack, Blumen in mannigfaltigen Farben,

>Bäume von verschiedenartigstem Wuchs< und Würzkräuter mit wunderbarem Duft. Dies geschah am dritten Tage. - 45 Am vierten Tage

aber befahlst du, daß der Glanz der Sonne werde, das Licht des Mondes und die Ordnung der Sterne, 46 und trugst ihnen auf, dem Menschen,

den du bilden wolltest, zu dienen. - 41 Am fünften Tage gebotest du dem siebenten Teil, da das Wasser sich gesammelt hat te, lebendige

Wesen hervorzubringen, Vögel und Fische. 48 So geschah es, daß das sprachlose und unbeseelte Wasser nach deinem Befehl beseelte Wesen

hervorbrachte, damit die Völker so deine Wunderwerke preisen sollten. 49 Damals hast du dir zwei der Wesen, >die du geschaffen<,

vorbehalten; das eine nanntest du Behemoth, das andere Leviathan. 50 Du trenntest sie aber voneinander, denn der siebente Teil, wo das

Wasser sich gesammelt hatte, konnte sie nicht fassen. 51 Du gabst Behemoth zur Wohnung einen der T eile, der am dritten Tage trocken

geworden war, dort, wo die tausend Berge sind; 52 dem Leviathan aber gabst du das feuchte Siebentel. Du behieltest sie dir vor, daß sie

verzehrt werden sollten, von wem und wann du willst. - 53 Am sechsten Tage aber befahlst du der Erde, vor dir Vieh, Wild und Gewürm

hervorzubringen; 54 dazu noch den Adam, den du zum Herrn machtest über alle Geschöpfe, die du >vor ihm< geschaffen. Von dem

stammen wir alle ab, die du zu deinem Volk erwählt hast. 55 Dies Alles habe ich vor dir, Herr, gesprochen, weil du gesagt hast, daß du um

unsertwillen diese erste Welt geschaffen habest, 56 die übrigen Völker aber, die von Adam abstammen, hast du für Nichts erklärt: sie seien

dem Speichel gleich; mit dem Tropfen am Eimer hast du ihren Überschwang verglichen. 57 Nun aber, Herr: eben jene Völker, die für Nichts

geachtet sind, überwältigen und >zertreten< uns; 58 wir aber, dein Volk, das du deinen Erstgeborenen, deinen einzigen Sohn, deinen

Anhänger und Freund genannt hast, wir sind in ihre Hand gegeben! 59 Wenn aber die Welt unsertwegen geschaffen ist, warum haben wir

nicht diese unsere Welt im Besitz? Wie lange soll es so bleiben?

Die arge Welt ist der notwendige Durchgang für die kommende gute.

1 Als ich diese Worte beendet, kam der Engel zu mir, der schon in den früheren Nächten zu mir gesandt war. 2 Der sprach zu mir: Stehe auf,

Esra, und höre die Worte, da ich gekommen bin, mit dir zu reden. 3 Ich sprach: Rede, Herr! Er sprach zu mir: Es gibt ein Meer, das liegt in

der Weite, so daß es sich rings in die Breite erstreckt; 4 der Eingang aber dazu >liegt< in der Enge, so daß er wie ein Fluß aussieht. 5 Wenn

>nun< jemand in das Meer kommen will, es zu besehen oder zu >befahren<, wie wird der die Weite erreichen, wenn er nicht vorher die Enge

durchschifft hat? -6 Oder ein anderes Gleichnis: Es gibt eine >erbaute< Stadt, die ist in einer Ebene gelegen und ist alles Guten voll; 7 der

Eingang aber dazu ist eng und führt an Abgründen hin, wo rechts Feuer, links tiefes Wasser droht; 8 und nur einen einzigen Pfad gibt es

zwischen beiden, zwischen Feuer und Wasser, und dieser Pfad ist so schmal, daß er nur eines Menschen Fußspur fassen kann. 9 Wenn nun

jene Stadt jemandem zum Erbteil gegeben wird, wie wird der Erbe sein Erbteil in Besitz nehmen können, wenn er nicht vorher den

gefährlichen Weg dahin durchschritten hat? - 10 Ich sprach: Gewiß, Herr! Er sprach zu mir: So ist auch Israels Teil: 11 ihnen habe ich zwar

den Äon geschaffen; als aber Adam meine Gebote übertrat, ward die Schöpfung gerichtet: 12 Da sind die >Wege< in diesem Äon schmal

und traurig und mühselig geworden, >elend< und schlimm, voll von Gefahren und nahe an großen Nöten; 13 die >Wege< des großen Äons

aber sind breit und sicher und tragen die Früchte des Lebens. 14 Wenn die Lebenden also in diese Engen und Eitelkeiten nicht eingegangen

sind, können sie nicht erlangen, was ihnen aufbewahrt ist. 15 Warum betrübst du dich also, >daß< du vergänglich bist? warum erregst du

dich, >daß< du sterblich bist? 16 Warum nimmst du dir nicht die Zukunft zu Herzen, sondern nur die Gegenwart?

Das Schicksal der Sünder. Das Schicksal der Sünder ist traurig, aber wohlverdient.

17 Ich antwortete und sprach: Herr Gott, du hast ja in deinem Gesetze bestimmt, nur die Gerechten würden dies Erbteil bekommen, aber die

Gottlosen sollten ins Verderben gehen. 18 So können die Gerechten die Enge wohl ertragen, da sie die Weite hoffen; die Gottlosen aber

haben die Enge erduldet und werden die Weite nicht sehen! 19 Er sprach zu mir: >Du< bist doch kein Richter über Gott und kein Weiser

über den Höchsten? 20 Mögen lieber die Meisten der Lebenden ins Verderben gehen, als >daß< Gottes Gebot und Vorschrift verachtet

werde! 21 Denn Gott hat den Lebenden, sobald sie zum Leben kamen, feierlich erklärt, was sie tun sollten, um das Leben zu erwerben, und

was sie halten sollten, um nicht der Strafe zu verfallen. 22 Sie aber waren ungehorsam und widersprachen ihm; 23 sie erdachten sich eitle

Gedanken und ersannen sich ruchlose Lügen; dazu behaupteten sie, daß der Höchste nicht sei, und kümmerten sich um seine Wege nicht; 24

sein Gesetz verachteten sie, seine Bündnisse leugneten sie; seinen Geboten glaubten sie nicht, seine Werke vollbrachten sie nicht. 25 Darum,

o Esra, Eitles den Eitlen, Fülle den Vollkommenen!

Das Weltgericht.

26 Denn siehe, Tage kommen, wann die Zeichen, die ich dir früher gesagt, eintreffen, da wird die >unsichtbare< Stadt erscheinen und das

verborgene Land sich zeigen; 27 und jeder, der aus den Plagen, die ich dir vorausgesagt, gerettet ist, der wird meine Wunder schauen. 28

Denn mein Sohn, >der Christus<, wird sich offenbaren samt allen bei ihm und wird den Übergebliebenen Freude geben, 400 Jahre lang. 29

Nach diesen Jahren wird mein Sohn, der Christus, sterben und alle, die Menschenodem haben. 30 Dann wird sich die Welt zum Schweigen

der Urzeit wandeln, sieben Tage lang, wie im Uranfang, so daß niemand überbleibt. 31 Nach sieben Tagen aber wird der Äon, der jetzt

schläft, erwachen und die Vergänglichkeit selber vergehen. 32 Die Erde gibt wieder, die darinnen ruhen, der Staub >läßt los<, die darinnen

schlafen, die Kammern erstatten die Seelen zurück, die ihnen anvertraut sind. - 33 Der Höchste erscheint auf dem Richterthron: >dann

kommt das Ende<, und das Erbarmen vergeht, >das Mitleid ist fern, die Langmut verschwunden; 34 mein Gericht allein wird bleiben, die

Wahrheit bestehen, der Glaube triumphieren; 35 der Lohn folgt nach, die Vergeltung erscheint; die guten Taten erwachen, die bösen schlafen

nicht mehr. - 36 Dann erscheint die Grube der Pein und gegenüber der Ort der Erquickung; der Ofen der Gehenna wird offenbar und

gegenüber das Paradies der Seligkeit. 37 Da wird der Höchste sprechen zu den Völkern, die erweckt sind: Nun schaut und erkennet den, den

ihr geleugnet, dem ihr nicht gedient, dessen Gebote ihr verachtet! 38 Schaut nun hinüber und herüber: hier Seligkeit und Erquickung, dort

Feuer und Pein! Diese Worte >wird er< zu ihnen am Tage des Gerichts sprechen. -

39 Jener Tag ist so, daß er Sonne nicht hat, nicht Mond, nicht Sterne, 40 nicht Wolken, nicht Donnern, nicht Blitz; nicht Wind, nicht Regen,

nicht Nebel; nicht Dunkel, nicht Abend, nicht Morgen; 41 nicht Sommer, nicht Frühling, nicht Hitze; nicht Winter, nicht Eis, nicht Frost;

nicht Hagel, nicht Wetter, nicht Tau; 42 nicht Mittag, nicht Nacht, nicht Dämmerung; nicht Glanz, nicht Helle, nicht Leuchten, sondern ganz

allein den Glanz der Herrlichkeit des Höchsten, wobei alle das schauen können, was ihnen bestimmt ist. 43 Jener Tag dauert eine Jahrwoche.

44 So ist mein Gericht und seine Ordnung; dir allein habe ich dies kundgetan.

Traurig ist, daß der Geretteten so wenig sind; aber diese wenigen sind um so kostbarer.

45 Ich antwortete und sprach: Schon einmal, Herr, habe ich gesagt und sage nochmals: Selig sind, die in die Welt kommen und deine Gebote

halten! 46 Aber worüber ich schon damals flehte: wer ist unter den Lebenden, der nicht gesündigt? wer unter den Weibgeborenen, der nicht

deinen Bund gebrochen? 47 Jetzt erkenne ich, daß die zukünftige Welt Wenigen Erquickung bringen >wird<, Vielen aber Pein. - 48 Denn

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erwachsen ist in uns das böse Herz; das hat uns diesem entfremdet und der Vernichtung nahegebracht; >es hat uns des Todes Wege gewiesen<

und des Verderbens Pfade gezeigt und uns vom Leben fernegeführt; und dies nicht etwa wenige, nein, fast alle, die geschaffen sind!

49 Er antwortete mir und sprach: Höre mir zu, so will ich dich belehren und dich nochmals zurechtweisen. 50 Eben deshalb hat der Höchste

nicht einen Äon geschaffen, sondern zwei. - 51 Nun hast du geklagt, der Gerechten seien nicht viele, sondern wenige; der Gottlosen aber

seien viele. So höre dagegen: 52 Nimm an, du besäßest ganz wenige kostbare Steine, würdest du sie dir >mit Blei und Ton<

zusammenlegen? Des Bleis aber und Tones ist viel. 53 Ich sprach: Herr, wie ginge das? 54 Er sprach zu mir: Und weiter, frage auch die

Erde, die kann dir's sagen; gib ihr gute Worte, sie wird es dir künden. 55 Sprich zu ihr: Du bringst Gold und Silber und Erz hervor, aber auch

Eisen, Blei und Ton; 56 Silber aber gibt es mehr als Gold, Erz mehr als Silber, Eisen mehr als Erz, Blei mehr als Eisen, Ton mehr als Blei. 57

So erwäge nun du selber, was kostbar und wertvoll sei: wovon es viel gibt, oder was selten >vorkommt<? 58 Ich sprach: Herr, mein

Gebieter, das Häufige ist weniger wert, das Seltene ist kostbarer. 59 Er antwortete mir und sprach: Nun schließe aber weiter aus deinen

eigenen Gedanken: Wer das Seltene besitzt, hat größere Freude als der, der die Fülle hat. 60 So wird es auch in dem >Gerichte< sein, das ich

verheißen: ich will an den Wenigen, die gerettet werden, meine Freude haben - sie sind es ja, die auch schon jetzt meinen Ruhm befestigen,

durch die auch schon jetzt mein Name mit Preis genannt wird - 61 und will keine Trauer hegen über die Menge derer, die verloren gehn, - sie

sind es ja, die auch schon jetzt dem Dampfe vergleichbar sind, dem Feuer >ähnlich<, wie Rauch geachtet: sie haben gebrannt, geglüht, sind

erloschen!

Qual und Verantwortlichkeit der Vernunft.

62 Ich antwortete und sprach: O Erde, was hast du gezeugt, wenn die Vernunft aus dem Staub entstanden ist, wie jede andere Kreatur! 63

Besser wäre es gewesen, der Staub selber wäre niemals entstanden, daß die Vernunft nicht daraus gekommen wäre. 64 Nun aber wächst die

Vernunft mit uns auf, und dadurch leiden wir Pein, daß wir mit Bewußtsein ins Verderben gehen. 65 So traure der Menschen Geschlecht, die

Tiere des Feldes mögen sich freuen! Mögen alle Weibgeborenen jammern, das Vieh aber und Wild soll frohlocken! 66 Ihnen ergeht's ja viel

besser als uns; denn sie haben kein Gericht zu erwarten, sie wissen nichts von einer Pein, noch von einer Seligkeit, die ihnen nach dem Tode

verheißen wäre. 67 Wir aber, was nützt es uns, daß wir einst zur Seligkeit kommen können, aber in Wirklichkeit in Martern fallen? 68 Denn

alle, die geboren sind, sind von Gottlosigkeiten >entstellt<, voll von Sünden mit Schuld beladen. 69 Und viel besser wäre es für uns, wenn

wir nach dem Tode nicht ins Gericht müßten!

70 Er antwortete mir und sprach: Ehe der Höchste die Welt schuf, Adam und alle seine Nachkommen, hat er vorher das Gericht, und was

zum Gerichte gehört, bereitet. 71 Nun aber lerne aus deinen eigenen Worten. Du sagtest ja: die Vernunft wachse mit euch auf. 72 Eben

deshalb verfallen, die auf Erden weilen, der Pein, weil sie trotz der Vernunft, die sie doch besaßen, gottlos gehandelt, weil sie die Gebote, die

sie doch erhalten, nicht beobachtet und das Gesetz, das ihnen auch gegeben, trotzdem sie es empfangen, gebrochen haben. 73 Was werden

sie beim Gericht zu sagen vermögen? Was werden sie am Jüngsten Tag erwidern können? 74 Lange genug hat doch der Höchste Langmut

gehabt mit den Bewohnern der Welt - freilich nicht um ihretwillen, sondern der Zeiten wegen, die er festgesetzt hatte!

Über die siebenfältige Pein und die siebenfältige Freude des Zwischenzustands.

75 Ich antwortete und sprach: Wenn ich Gnade vor dir, Herr, gefunden, so zeige deinem Knecht auch dies: ob wir nach unserem Tode, wenn

wir unsere Seele zurückgeben müssen, einstweilen in Frieden bewahrt werden, bis jene Zeiten kommen, in denen du die Schöpfung erneuern

wirst, oder ob wir sofort der Pein verfallen? 76 Er antwortete mir und sprach: Ich will dir auch dies offenbaren. Du aber vermenge dich nicht

selbst mit den Verächtern, noch rechne dich zu denen, die gepeinigt werden. 77 Denn du hast einen Schatz guter Werke, der dir beim

Höchsten aufbewahrt bleibt; der soll dir freilich erst am jüngsten Tag offenbar werden.

78 Über den Tod aber habe ich dir zu sagen: wenn der entscheidende Spruch von dem Höchsten ergeht, daß der Mensch sterben soll, wo sich

der Geist vom Körper trennt und zu dem zurückkehrt, der ihn gegeben hat, um zunächst vor der Herrlichkeit des Höchsten anzubeten: 79 hat

er nun zu den Verächtern gehört, die die Wege des Höchsten nicht bewahrt, die sein Gesetz verschmäht und die Gottesfürchtigen gehaßt, 80

solche Seelen gehen nicht in die Ruhekammern ein, sondern müssen sogleich qualvoll umherschweifen, unter ständigem Seufzen und

Trauern, in siebenfältiger Pein.

81 Die erste Pein ist, daß sie des Höchsten Gesetz verachtet; 82 die zweite, daß sie die wahre Buße zum Leben nicht mehr tun können; 83 die

dritte, daß sie den Lohn sehen, der denen aufbewahrt ist, die des Höchsten Zeugnissen geglaubt haben; 84 die vierte, daß sie die Pein

schauen, die ihnen selbst für die letzte Zeit >bevorsteht<; 85 die fünfte, daß sie sehen, wie Engel die Wohnungen der anderen >Seelen< in

tiefem Frieden bewachen; 86 die sechste, daß sie sehen, daß sie schon jetzt in die Pein hinüber müssen; 87 die siebente, schlimmer als alle

genannten Martern, daß sie vor Scham vergehen, >vor Angst< sich verzehren und vor Furcht erschlaffen, daß sie die Herrlichkeit des

Höchsten schauen müssen, vor dem sie im Leben gesündigt, und von dem sie am jüngsten Tage gerichtet werden sollen!

88 Denen aber, die des Höchsten Wege bewahrt haben, gilt diese Ordnung, wenn sie sich trennen dürfen von diesem sterblichen Gefäß. 89

Damals, als sie noch darinnen lebten, haben sie dem Höchsten unter Mühsalen gedient und haben stündlich Gefahren erduldet, um das

Gesetz dessen, der es gegeben, vollkommen zu halten. 90 Deshalb gilt ihnen diese Verheißung: 91 Zuerst schauen sie mit lautem Frohlocken

die Herrlichkeit dessen, der sie zu sich nimmt; dann gehen sie in die Ruhe ein zu siebenfacher Freude. 92 Die erste Freude ist, daß sie in

schwerem Streite gekämpft haben, den ihnen anerschaffenen bösen Sinn zu besiegen, daß er sie nicht vom Leben zum Tode verführe; 93 die

zweite, daß sie die wirren Wege schauen, auf denen die Seelen der Gottlosen umherirren müssen, und die Strafe, die >jener< harrt. 94 Die

dritte, daß sie das Zeugnis sehen, das ihr Schöpfer ihnen bezeugt hat, daß sie im Leben das Gesetz, das ihnen anvertraut war, gehütet haben;

95 die vierte, daß sie die Ruhe kennen, die sie schon jetzt, in ihren Kammern versammelt, unter dem Schutze von Engeln in tiefem Frieden

genießen dürfen, und die Herrlichkeit, die ihrer zuletzt noch wartet. 96 Die fünfte, daß sie frohlocken, jetzt der Vergänglichkeit entflohen zu

sein und die Zukunft zu ererben; ferner, daß sie auf die Enge und die vielen Mühsale hinblicken, wovon sie erlöst sind, und auf die Weite,

>die< sie ererben sollen in seliger Unsterblichkeit. 97 Die sechste, daß ihnen gezeigt wird, wie ihr Antlitz einst wie die Sonne leuchten soll,

und wie sie dem Sternenlichte gleichen sollen, von nun an wie diese nicht mehr vergänglich. 98 Die siebente Freude, höher als alle genannten,

ist die, daß sie zuversichtlich frohlocken, sicher vertrauen und furchtlos sich freuen; denn sie eilen herzu, das Antlitz besser zu

schauen, dem sie im Leben gedient, und von dem sie Lob und Lohn empfangen sollen. 99 Das sind die Freuden der Seelen der Gerechten,

die ihnen schon für jetzt verheißen sind; die Martern aber, von denen ich sprach, sind es, denen die Sünder schon jetzt verfallen. -

100 Ich antwortete und sprach: Es wird also den Seelen, nachdem sie sich von ihren Leibern getrennt haben, eine Frist verstattet, das zu

schauen, was du mir geschildert hast? 101 Er sprach zu mir: Sieben Tage haben sie Freiheit, um sich in diesen sieben Tagen das, wovon ich

gesprochen, zu betrachten; danach werden sie in ihre Kammern versammelt.

Gibt es Fürbitte beim Jüngsten Gericht?

102 Ich antwortete und sprach: Wenn ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, so zeige mir, deinem Knechte, noch dies: ob die

Gerechten am Tage des Gerichts für die Gottlosen eintreten und dem Höchsten für sie bitten dürfen: 103 Väter für Söhne, Söhne für die

Eltern, Brüder für Brüder, Verwandte für ihre Vettern, Freunde für ihre Genossen? 104 Er antwortete mir und sprach: Weil du Gnade vor

meinen Augen gefunden hast, so will ich dir auch dies zeigen. Der Tag der Entscheidung ist >wie der Gerichtsbote< und zeigt allen das

Siegel der Wahrheit. Wie schon jetzt kein Vater den Sohn, kein Sohn den Vater, kein Herr den Knecht, kein Freund den Genossen senden

kann, daß er für ihn >krank sei<, schlafe, esse oder sich heilen lasse, 105 so wird >auch dann< keineswegs jemand für irgend wen bitten

>noch jemanden anklagen< dürfen; dann trägt ein jeder ganz allein seine Ungerechtigkeit oder Gerechtigkeit.

88

106 Ich antwortete und sprach: Wie finden wir aber jetzt geschrieben, daß schon Abraham für die Leute von Sodom gebetet hat, Mose für

unsere Väter, als sie in der Wüste sündigten, l07 Josua nach ihm für Israel in den Tagen Achans, l08 Samuel >in den Tagen Sauls<, David

wegen der Plage, Salomo für die, die am Heiligtume beten, l09 Elias für die, die den Regen empfingen, und für den Toten, daß er lebe, l10

Hiskia für das Volk in den Tagen Sanheribs und viele andere für viele? 111 Wenn also jetzt, da die Verderbnis gewachsen und der

Ungerechtigkeit viel geworden ist, Gerechte für Sünder gebetet haben, warum kann das nicht auch dann geschehen? -112 Er antwortete mir

und sprach: Die gegenwärtige Welt ist nicht das Ende, ihre Herrlichkeit bleibt >nicht< beständig; deshalb haben Starke für Schwache beten

dürfen. 113 Der Tag des Gerichts aber ist das Ende dieser Welt und >der Anfang< der kommenden ewigen Welt; darinnen ist die Verderbnis

vorüber, 114 die Zuchtlosigkeit ausgetrieben, der Unglaube vertilgt; die Gerechtigkeit aber erwachsen und die Wahrheit entsprossen. 115

Dann also wird sich niemand dessen erbarmen dürfen, der im Gericht unterlegen ist, noch den stürzen können, der dann gesiegt hat.

Was nützt den Sündern die Verheißung? Aber sie haben ihr Geschick verdient.

116 Ich antwortete und sprach: Dies bleibt mein erstes und letztes Wort: Besser wäre es, die Erde hätte Adam nie hervorgebracht, oder sie

hätte ihn wenigstens von der Sünde ferngehalten. 117 Denn was hilft es uns allen, daß wir jetzt in Trübsal leben müssen und nach dem Tode

noch auf Strafe zu warten haben? 118 Ach Adam, was hast du getan! Als du sündigtest, kam dein Fall nicht nur auf dich, sondern auch auf

uns, deine Nachkommen! 119 Denn was hilft es uns, daß uns die Ewigkeit versprochen ist, wenn wir Werke des Todes getan haben? 120 daß

uns eine unvergängliche Hoffnung verheißen ist, wenn wir so traurig der Eitelkeit verfallen sind? 121 daß uns Stätten voll Genesung und

Frieden bereitet sind, wenn wir im Elend dahingegangen sind? 122 daß einst des Höchsten Herrlichkeit die beschirmen soll, die sich rein

erhalten haben, wenn wir auf schändlichen Wegen gewandelt haben? 123 daß das Paradies erscheinen soll, dessen Früchte ewig bleiben, die

Sättigung und Heilung verleihen, 124 wenn wir doch niemals hineinkommen, weil wir an scheußlichen Orten verweilt haben? 125 daß

das Antlitz der Reinen heller als Sonnenglanz strahlen wird, wenn unser eigenes Antlitz finsterer sein wird als die Nacht? 126 Denn ach, wir

haben im Leben, da wir Sünde taten, der Leiden nicht gedacht, die uns nach dem Tode bevorstehen! 127 Er antwortete und sprach: Das ist

der Sinn des Kampfes, den jeder kämpfen muß, der auf Erden als Mensch geboren ist, 128 daß er, wenn besiegt, zu leiden hat, wovon du

gesprochen; siegt er aber, so empfängt er, was ich dir >verkündet<. 129 Denn das ist der Weg, von dem schon Mose, als er noch lebte, zum

Volke gesagt hat: Wähle dir das Leben, daß du Leben habest! 130 Sie glaubten ihm aber nicht, noch den Propheten nach ihm, noch auch mir

selber, der ich zu ihnen gesprochen. 131 Deshalb >wird< keine Trauer sein über ihren Untergang, sowie Freude herrschen wird über >das

Heil der Gläubigen<.

Bedenken gegen die Verdammnis so vieler, vom Gottesbegriff aus. Wie verträgt sich die Verdammnis so vieler Menschen mit Gottes

Erbarmen?

132 Ich antwortete und sprach: Herr, ich weiß doch, daß der Höchste gegenwärtig der Barmherzige heißt, weil er sich derer erbarmt, die noch

nicht in die Welt gekommen sind, 133 der Gütige, weil er gegen die, die nach seinem Gesetze wandeln, gütig ist; 134 der Langmütige, weil

er den Sündern als seinen Geschöpfen Langmut erweist; 135 der Mildtätige, weil er lieber schenken als fordern will; 136 der Gnadenreiche,

weil er gegen Lebende, Vergangene und Zukünftige an Gnaden so reich ist; 137 und wäre er es nicht, so käme die Welt samt ihren Bewohnern

niemals zum Leben, 138 der Freundliche, denn wenn er nicht freundlich verstattete, daß die Sünder ihrer Sünden los und ledig

würden, so könnte nicht der zehntausendste Teil der Menschen zum Leben gelangen; 139 und der >Verzeihende<, >denn< wenn er nicht den

Geschöpfen seines Wortes verziehe und die Fülle ihrer Übertretungen tilgte, so würden vielleicht aus der unzählbaren Menge überbleiben nur

ganz wenige!

1 Er antwort ete mir und sprach: Diese Welt hat der Höchste um vieler willen geschaffen, aber die zukünftige nur für wenige. 2 Ich will dir

ein Gleichnis sagen, Esra. Wenn du die Erde fragst, so wird sie dir sagen, daß sie viel mehr Ton hervorbringt, woraus man Geschirr macht,

aber ganz wenig Staub, woraus Gold wird. So ist auch diese Welt geordnet: 3 viele sind geschaffen, wenige aber sind gerettet!

Wie kann Gott sein so mühsam gebildetes Geschöpf dem Verderben preisgeben?

4 Ich antwortete und sprach: Meine Seele schlürfe Vernunft, >mein Herz< schlinge Verstand! 5 Du bist >ungefragt< gekommen und >mußt<

wider Willen scheiden, denn Freiheit ist dir nur gegeben eine kurze Lebenszeit. - 6 Ach Herr, der über uns waltet, gestatte deinem Knechte,

vor dir >zu beten<; gib Samen in unser Herz und unserer Vernunft Pflege, daß Frucht erwachse, damit zum Leben gelangen alle Sterblichen,

die Menschenbild >getragen<. Denn du bist der einzige, und wir sind das einzige Gebilde, >das Werk< deiner Hände, wie du selbst gesagt

hast.

8 Jetzt gibst du ja unserem Leibe, den du im Mutterleibe bildest, das Leben und verleihst ihm seine Glieder: in Feuer und Wasser wird ein

Geschöpf erhalten; neun Monate trägt dein Gebilde das Geschöpf, das du darinnen geschaffen hast. 9 Das Verwahrende selbst aber und das

Verwahrte, beide >werden< durch deine Verwahrung verwahrt. Und wenn die Mutter zurückgibt, was darinnen erschaffen ist, 10 so hast du

ihren eigenen Gliedern, d. h. den Brüsten, befohlen, Milch, das Erzeugnis der Brüste, darzubieten, 11 damit dein Geschöpf gewisse Zeit lang

genährt werde.

12 Dann >hast< du ihm Leitung gegeben >in< deiner Barmherzigkeit und Nahrung >in< deiner Gerechtigkeit; Unterricht durch dein Gesetz

und Belehrung in deiner Weisheit. 13 Du magst es töten, es ist ja dein Geschöpf; oder es am Leben erhalten, es ist ja dein Werk!

14 Wenn du aber, was unter so vielen Mühen gebildet ist, durch deinen Befehl mit einem raschen Worte zu nichte machst, wozu ist es dann

überhaupt entstanden? -

15 Doch ich will zugeben: was die Menschen alle betrifft, magst du es besser wissen; aber was angeht dein Volk, das mir leid tut, 16 dein

Erbe, um das ich klage, Israel, für das ich traure, den Samen Jakobs, um den ich sorge!

17 Darum will ich anheben, vor dir für mich und sie zu beten; denn ich sehe uns alle, die wir auf Erden leben, tief in Sünden 18 und habe

>jetzt< von dem Ernste des kommenden Gerichts gehört.

19 Deshalb höre meine Stimme, merke auf meine Worte und laß mich vor dir reden!

Das Gebet Esras um Erbarmen und die göttliche Antwort.

20 Herr, der du im Himmel wohnst, dessen Augen hoch oben, dessen Gemach in den Lüften; 21 dessen Thron >unbeschreibbar<, dessen

Herrlichkeit unfaßbar; vor dem der Engel Heer mit Zittern steht, deren Chor sich wandelt in Sturm und Feuer; 22 dessen Wort fest bleibt,

dessen Befehle gültig, 23 dessen Gebot gewaltig, dessen Geheiß gefürchtet; dessen Blick die Tiefen vertrocknet, dessen Dräuen die Berge

zerschmilzt; dessen Wahrheit >ewig bleibt<, - 24 erhöre deines Knechtes Gebet, vernimm mit den Ohren das Flehen deines Gebildes und

merke auf meine Worte! 25 Denn solange ich lebe, muß ich reden, solang ich denken kann, erwidern. - 26 Schau nicht auf deines Volkes

Sünden, sondern auf die, die dir wahrhaft gedient; 27 blicke nicht auf die Taten der Frevler, sondern auf die, die deine Bündnisse in Leiden

bewahrt; 28 gedenke nicht derer, die vor dir mit Trug gewandelt, sondern halt im Gedächtnis, die sich um deinen Dienst von Herzen

gekümmert; 29 richte die nicht zu Grunde, die wie das Vieh dahingelebt, sondern nimm dich derer an, die dein Gesetz lauter gelehrt; 30

zürne nicht denen, die schlimmer als Tiere erachtet sind, sondern beweise denen deine Liebe, die allezeit deiner Herrlichkeit vertraut. -

31 Denn wir und unsere Väter haben in Werken des Todes dahingelebt, du aber bist gerade, weil wir Sünder sind, der Barmherzige genannt.

32 Denn gerade weil wir nicht Werke der Gerechtigkeit haben, wirst du, wenn du einwilligst, uns zu begnadigen, der >Gnädige< heißen. 33

Denn die Gerechten, denen viele Werke bei dir bewahrt sind, werden aus eigenen Werken den Lohn empfangen. -

34 Was ist >aber< der Mensch, daß du ihm zürnen solltest, was das sterbliche Geschlecht, daß du ihm so grollen könntest?

35 Denn in Wahrheit niemand ist unter den Weibgeborenen, der nicht gesündigt, niemand der >Lebenden<, der nicht gefehlt.

36 Denn dadurch wird deine Gerechtigkeit und Güte, Herr, offenbar, daß du dich derer erbarmst, die keinen Schatz von guten Werken haben.

89

37 Er antwortete mir und sprach: Manches hast du richtig gesagt, und es soll geschehen, wie du gesprochen. 38 Denn wirklich will ich mich

nicht kümmern um das, was die Sünder sich bereitet haben, um Tod, Gericht und Verderben, 39 sondern vielmehr will ich mich an dem

erfreuen, was die Gerechten sich erworben, an >Heimkehr<, Erlösung und Lohnempfang. 40 Also wie >du< gesprochen hast, so ist es.

Der Mensch gleicht dem Samen des Landmanns.

41 Denn wie der Landmann vielen Samen auf die Erde sät und eine Menge Pflanzen pflanzt, aber nicht alles Gesäte zur Zeit bewahrt bleibt

und nicht alles Gepflanzte Wurzel schlägt, so werden auch die, die in der Welt gesät sind, nicht alle bewahrt bleiben.

42 Ich antwortete und sprach: Wenn ich Gnade vor dir gefunden, so laß mich reden! 43 Der Same des Landmanns, wenn er deinen Regen

nicht zur rechten Zeit bekommen hat und dann nicht aufgegangen ist, oder wenn er durch zu viel Regen verdorben ist, 44 geht freilich so zu

Grunde; aber >das Menschenkind<, das durch deine Hände gebildet, das dein Ebenbild genannt ist, weil es >dir< gleich geschaffen ist, >um

dessentwillen< du alles geschaffen hast, das hast du dem Samen des Landmanns gleichgestellt?! - 45 Nein Herr, unser Gott, schone dein

Volk, erbarme dich deines Erbes, du hast ja Mitleid mit deinem Geschöpf!

Die göttliche Antwort: Du gehörst zu den Seligen; denk an deine eigene Seligkeit und vergiß die Sünder,

die ihr Schicksal verdient haben!

46 Er antwortete und sprach: Heute den Heutigen, Einst den Einstigen!

47 Denn viel fehlt dir, daß du meine Schöpfung mehr lieben könntest als ich! -

Du aber hast dich oft den Sündern gleichgestellt; nimmermehr! 48 Vielmehr wirst du auch darum vor dem Höchsten Ruhm empfangen, 49

weil du dich, wie dir zukommt, erniedrigt und dich nicht zu den Gerechten gezählt hast; dann wirst du um so größere Ehre haben. 50 Denn

>durch viele schlimme Demütigungen< müssen in der letzten Zeit die Erdenbewohner gedemütigt werden, weil sie in schlimmem Übermute

gewandelt sind. 51 Du aber denke lieber >an dein eigenes Los< und forsche nach der Herrlichkeit, die deine Brüder ererben sollen. 52 Denn

für euch ist das Paradies eröffnet, der Lebensbaum gepflanzt; der zukünftige Äon zugerüstet, die Seligkeit vorher bestimmt; die Stadt erbaut,

die Heimat auserwählt; die guten Werke geschaffen, die Weisheit bereitet; 53 der Keim vor euch versiegelt, die Krankheit vor euch getilgt;

>der Tod< verborgen, der Hades entflohen; die Vergänglichkeit vergessen, 54 die Schmerzen vorüber; aber des Lebens Schätze sind euch am

Ende offenbar.

55 So forsche nicht weiter nach der großen Zahl derer, die ins Verderben gehen; 56 denn sie haben aus eigenem freiem Entschluß den

Höchsten verachtet, sein Gesetz verworfen, seine Wege verlassen, 57 dazu seine Frommen zertreten; 58 und haben in ihren Herzen

gesprochen, es sei kein Gott; und alles dies, obwohl sie sehr wohl wußten, daß sie sterben müßten. 59 >Deshalb<, wie euer die Verheißungen

warten, so ihrer Durst und Pein, die ihnen bereitet sind.60 Denn nicht der Höchste hat gewollt, daß Menschen verloren gehen; vielmehr die

Geschöpfe selber haben den Namen dessen, der sie doch geschaffen, verunehrt und Undankbarkeit bewiesen gegen den, der ihnen doch das

Leben bereitet hat. 61 Deshalb naht mein Gericht jetzt bald heran. - 62 Dies habe ich nicht vielen kundgetan, sondern nur dir und wenigen dir

Gleichen.

Die Endvollendung und ihre Zeichen.

Ich antwortete und sprach: 63 Du hast mir, Herr, eine Fülle von Zeichen bereits offenbart, die du in der letzten Zeit tun willst, hast mir aber

nicht offenbart, zu welcher Zeit, 1 Er antwortete mir und sprach: Das ermesse bei dir selber; und wenn du siehst, daß ein Teil der

angekündigten Zeichen vorüber ist, 2 dann wirst du erkennen, daß nun die Zeit gekommen ist, da der Höchste die Welt, die er geschaffen hat,

heimsuchen will. 3 Wenn in der Welt erscheinen werden Empörung in den Ländern, Verwirrung in den Völkern, Anschläge unter den Nationen;

Unruhen unter den Fürsten, Gährung unter den Herrschern, 4 dann wirst du erkennen, daß dies die Dinge sind, über die der Höchste seit

den Tagen geredet hat, die im Anfange zuvor gewesen sind. 5 Denn wie alles, was in der Welt geschehen ist, einen verborgenen Anfang hat

im Wort, aber ein offenkundiges Ende, 6 so sind auch des Höchsten Zeiten: ihr Anfang in Wort und Vorzeichen, ihr Ende aber in Taten und

Wundern.

7 Alle aber, die dann gerettet sind, und die dann entrinnen konnten, um ihrer Werke willen oder des Glaubens wegen, den sie bewahrt haben,

8 die sind es, die aus allen Gefahren, die ich dir verkündet, überbleiben: die werden mein Heil schauen in meinem Land und auf meinem

Gebiet, das ich mir seit Ewigkeit her geheiligt. 9 Dann lernen Ehrfurcht, die jetzt meine Wege mißachtet; dann weilen sie selber in den

Martern, die sie verachtet und verspottet haben. 10 Denn alle, die mich im Leben nicht erkannt, als sie noch Wohltaten von mir empfingen,

11 die mein Gesetz verschmäht, als sie noch die Freiheit hatten, 12 die die Tür der Buße, die ihnen und damals noch offenstand, nicht

bedacht, sondern verschmäht haben, die sollen nach dem Tode zur Erkenntnis kommen.

13 Du also frage nicht weiter, wie die Gottlosen gemartert, sondern forsche darüber, wie die Gerechten erlöst werden sollen, wem der Äon

gehöre, um wessentwillen er sei und zu welcher Zeit.

Nochmals das traurige, aber wohlverdiente Los der Sünder.

14 Ich antwortete un d sprach: 15 Einst habe ich gesagt und sage jetzt und werde es immer wieder sagen:

Mehr sind der Verlorenen als der Erlösten, 16 wie die Flut mehr ist als ein Tropfen!

17 Er antwortete mir und sprach: Wie der Boden, so die Saat, wie die Blumen, so die Farbe; wie die Arbeit, so das Werk; wie der Landmann,

so die Ernte. l8 Denn es gab eine Zeit im Äon - da bereitete ich dem gegenwärtigen Geschlecht, >das damals noch nicht da war<, die Welt

zur Wohnung; und damals widersprach mir niemand, denn niemand war vorhanden. 19 Nun aber sind sie, die ich gesetzt hatte in diese Welt,

die ich bereitet hatte, an einen ewigen Tisch, auf eine geheimnisvolle >Weide<, nun sind diese in all' ihrem Tun entartet.

20 Da schaute ich meine Welt an: siehe, sie war verderbt; und meine Erde: siehe, sie war in Gefahr der Anschläge >derer< wegen, die darein

gekommen waren. 21 Das sah ich und verschonte davon mit Müh' und Not und rettete eine Beere aus der ganzen Traube und einen Sproß aus

dem großen >Walde<. 22 So gehe nun dahin die Menge, die für nichts geboren ist; gerettet aber bleibe meine Beere, mein Sproß, die ich mit

vieler Mühsal bereitet!

Schluß.

23 Wenn du aber noch sieben Tage weiter wartest - faste aber an ihnen nicht, 24 sondern geh auf ein Gefilde voller Kräuter, wo noch kein

Haus erbaut ist, und genieße dort allein Pflanzen des Feldes; koste kein Fleisch, trinke keinen Wein, sondern iß allein Pflanzen, 25 und bete

ohne Unterlaß zum Höchsten -, so will ich zu dir kommen und mit dir reden.

Viertes Gesicht. Zions Trauer und Herrlichkeit.

26 So ging ich, wie er mir befohlen hatte, auf das Gefilde Ardaf und setzte mich dorthin unter die Kräuter; von den Pflanzen des Feldes aß

ich und wurde satt von dieser Nahrung. 27 Als ich aber nach sieben Tagen einmal im Grase lag, ward mein Herz bewegt wie zuvor. 28 Da tat

sich mein Mund auf, und ich begann, vor dem Höchsten zu reden.

Wo bleibt Israels Herrlichkeit?

Ich sprach: 29 Herr, du hast unter uns deine Offenbarung gestiftet, an unsere Vä ter in der Wüste, als sie aus Ägypten kamen und durch die

ungangbare und unfruchtbare Wüste zogen; damals hast du gesprochen:

90

30 Du Israel, höre auf mich; Same Jakobs, merkt auf meine Worte: 31 Heute säe ich mein Gesetz in euer Herz, das wird in euch Frucht

bringen und ihr sollt dadurch ewige Herrlichkeit erwerben. - 32 So empfingen unsere Väter das Gesetz, aber sie bewahrten es nicht; die

Satzungen, >aber< hielten sie nicht. So ging zwar des Gesetzes Frucht nicht verloren -gewiß, denn es stammt ja von dir -; 33 sie aber, die es

empfangen, gingen verloren, weil sie nicht bewahrt hat ten, was in sie gesät war. - 34 Nun aber ist doch die Regel: wenn die Erde Samen

aufnimmt oder das Meer ein Schiff oder ein Gefäß Speise und Trank, und dann das Gesäte oder Hineingelassene oder Hineingetane zu

Grunde geht, 35 so bleibt doch auch dann die Stätte, dahinein es getan ist, erhalten. Bei uns >aber< ist es ganz anders geschehen: 36 wir, die

das Gesetz empfangen, müssen wegen unserer Sünden verloren gehen samt unserem Herzen, in das es getan ist; 37 das Gesetz aber geht

nicht verloren, sondern bleibt in seiner Herrlichkeit.

Das Gesicht: Zions Klage.

38 Als ich dies im Herzen sprach, schaute ich mit den Augen hinter mich und erblickte zur Rechten ein Weib; die klagte und jammerte mit

lauter Stimme und war tief bekümmert. Ihre Kleider waren zerrissen, und Staub lag auf ihrem Haupt. 39 Da ließ ich die Gedanken fahren,

denen ich bisher nachgehangen hatte, wandte mich nach ihr um und sprach zu ihr: 40 Was weinst du? warum bist du so tief betrübt? 41 Sie

sprach zu mir: Ach Herr, laß mich mein Leid beweinen und weiter klagen, denn ich bin in bitterer Not und tiefem Leid. 42 Ich sprach zu ihr:

Was ist dir geschehen? sage es mir! Sie sprach zu mir: 43 Deine Magd war unfruchtbar und hatte nicht geboren, obwohl sie dreißig Jahre

verheiratet war. 44 In diesen dreißig Jahren habe ich stündlich und täglich zum Höchsten gebetet, bei Nacht und Tag. 45 Endlich, nach

dreißig Jahren, erhörte Gott deine Magd und sah meine Schmach an; er achtete auf meine Not und schenkte mir einen So hn. Da freute ich

mich sehr über ihn samt meinem Mann und allen Bürgern der Stadt, und wir gaben dem Allmächtigen die Ehre. 46 Dann zog ich ihn mit

vieler Mühe auf. 47 Als er nun herangewachsen, schickte ich mich an, ihm ein Weib zu nehmen, und richtete ihm die Hochzeit aus. 1 Als

aber mein Sohn die Kammer betrat, fiel er nieder und war tot. 2 Da stießen wir alle die Lichter um. Alle Nachbarn aber standen auf, mich zu

trösten; ich aber sagte kein Wort bis zur zweiten

Nacht. 3 Als sie sich nun alle zur Ruhe begeben und abgelassen, mir zuzureden, >im Glauben, ich sei beruhigt<, da erhob ich mich bei

Nacht, floh und kam, wie du siehst, auf dieses Feld. 4 Und nun denke ich, nicht mehr in die Stadt zurückzukehren, sondern hier zu bleiben

und nicht >zu essen< noch >zu trinken<, sondern ohn' Unterlaß zu klagen und zu fasten, bis ich sterbe.

5 Da ließ ich die Reden, die mich bisher beschäftigt hatten, antwortete ihr im Zorn und sprach: 6 Du Törichte vor allen Weibern, siehst du

nicht unsere Trauer und unser Unglück? 7 Ist doch Zion, unser aller Mutter, selber in tiefer Trauer, in schwerem Leid, in bitterer Klage.

8 Jetzt >ist es wohl Zeit, zu klagen< - wir sind ja alle >im Elend< - und >betrübt zu sein< - wir sind ja alle in Trübsal; du aber klagst allein

um deinen Sohn! 9 Frage >aber< die Erde, sie wird dir's sagen, daß sie es ist, die über so viele klagen müßte, die auf ihr entsprossen sind. 10

Aus ihr haben wir alle den Anfang genommen, andere werden aus ihr kommen: fast alle aber gehen ins Verderben; ihre Menge wird

vernichtet. 11 Wer sollte also mehr klagen: nicht sie, die solche Menge verloren hat? etwa du, die du nur um den Einen Leid trägst? -12 Oder

wirst du erwidern: Mein Jammer ist dem der Erde nicht gleich; ich habe meines Leibes Frucht verloren, die ich in Mühen gekreißt und mit

Schmerzen geboren. 13 Der Erde aber ergeht es nur nach ihrer Natur: die Menge, die auf ihr lebte, ist dahingegangen, wie sie gekommen ist.

Aber ich entgegne dir: 14 Wie du mit Schmerzen gekreißt hast, ebenso hat auch die Erde im Anfang ihrem Schöpfer ~ihre Frucht, den

Menschen, hervorgebracht.

15 So halte deinen Schmerz zurück und ertrage standhaft dein Unglück. 16Denn wenn du Gottes Beschlüssen Recht gibst, wirst du deinen

Sohn zur rechten Zeit wiederbekommen und Ehre haben unter den Weibern. 17 Geh also in die Stadt zu deinem Manne zurück. Sie sprach zu

mir: 18 Das tue ich nicht; in die Stadt gehe ich nicht, sondern hier will ich sterben. 19 Da fuhr ich nochmal fort, zu ihr zu reden, und sprach:

20 >Nein, Weib! nein, Weib!< so darfst du nicht tun; sondern laß dich willig bereden um Zions Unglück, laß dich trösten durch Jerusalems

Schmerz.

21 Du siehst doch, wie unser Heiligtum verwüstet ist, unser Altar niedergerissen; unser Tempel zerstört, >unser Gottesdienst aufgehoben<;

22 unsere Harfe in den Staub geworfen, unser Jubellied verstummt, unser Stolz gebeugt; unseres Leuchters Licht erloschen, unseres Bundes

Lade geraubt; unsere Heiligtümer verunehrt, der Name, nach dem wir heißen, geschändet; unsere Edlen mit Schmach bedeckt, unsere

Priester verbrannt, unsere Leviten gefangen; unsere Jungfrauen befleckt, unsere Weiber vergewaltigt; unsere Greise verunehrt, unsere

Gerechten fortgeführt; unsere Kinder >geraubt<, unsere Jünglinge zu Sklaven geworden und unsere Helden schwach.

23 Und schlimmer als alles dieses: Dem Siegel Zions ist jetzt seine Ehre versiegelt und ist unseren Hassern in die

Hand gegeben. 24 So schüttle deine tiefe Traurigkeit ab, laß die Fülle der Schmerzen fahren, daß der Allmächtige sich dir versöhne und der

Höchste dir Ruhe schenke, Trost von deinem Gram!

Zions Herrlichkeit.

25 Als ich noch so zu ihr sprach, siehe da erglänzte ihr Angesicht plötzlich, und ihr Aussehen ward wie Blitzes Schein, so daß ich vor großer

Furcht nicht wagte, >ihr nahe zu kommen, und sich mein Herz gewaltig entsetzte. - >Während ich noch< überlegte, was dies zu bedeuten

habe, 26 schrie sie plötzlich mit lauter, furchtbarer Stimme, daß die Erde vor diesem Schrei erbebte. 27 Und als ich hinblickte, da war das

Weib nicht mehr zu sehen, sondern eine >erbaute< Stadt, und ein Platz zeigte sich mir auf gewaltigen Fundamenten. Da erschrak ich und

schrie mit lauter Stimme und sprach: 28 Wo ist der Engel Uriel, der im Anfange zu mir gekommen war? Er selber hat mich ja in die Fülle

dieser Schrecknisse gesandt; nun ist meine Absicht vereitelt, meine Bitte abgeschlagen!

Die Deutung.

29 Als ich noch so sprach, siehe, da kam der Engel zu mir, der schon im Anfange zu mir gekommen war; und als er mich sah 30 wie einen

Toten daliegen mit entschwundenen Sinnen, da faßte er mich an der Rechten, stärkte mich und stellte mich auf die Füße. Und er sprach zu

mir: 31 Was fehlt dir? was entsetzt dich so? warum ist dein Gemüt so bestürzt und deines Herzens Sinn! Ich sprach: 32 Wei1 du mich im

Stiche gelassen! Ich habe nach deinen Worten gehandelt und bin aufs Feld gegangen, und ach, hier sah ich und sehe, was ich nicht erklären

kann. Er sprach zu mir: 33 Tritt hin wie ein Mann, so will ich dich belehren. Ich sprach: 34 Rede, Herr; nur verlaß mich nicht, daß ich nicht

schuldlos sterbe. 35 Denn ich habe gesehen, was ich nicht verstand, und gehört, was ich nicht begreife. 36 Oder täuschen sich meine Sinne?

und träumt meine Seele? 37 Nun flehe ich dich an: erkläre deinem Knechte dies Schrecknis! Er antwortete mir und sprach: 38 Höre mir zu,

so will ich dich belehren und dir kundtun, wovor du erschrickst; denn der Höchste hat dir große Geheimnisse offenbart. 39 Denn er hat

deinen treuen Sinn erkannt, wie du ohn' Unterlaß um dein Volk getrauert und tiefes Leid um Zion getragen hast.

40 Dies ist der Sinn des Gesichts: das Weib, das dir vor Kurzem erschienen ist, 41 das du trauern gesehen und zu trösten begonnen hast, 42

das dir jetzt aber nicht mehr in Weibesgestalt erscheint, sondern als eine >erbaute< Stadt, 43 und das dir vom Unfall ihres Sohnes erzählt hat,

davon lautet die Deutung: 44 dies Weib, das du gesehen hast, ist Zion, das du jetzt als erbaute Stadt schaust. 45 Wenn sie dir gesagt, sie sei

dreißig Jahre unfruchtbar gewesen: weil in der Welt drei Jahre vergangen sind, ehe Opfer darinnen geopfert worden sind; 46 erst nach drei

Jahren hat Salomo die Stadt gebaut und Opfer geopfert: damals gebar die Unfruchtbare einen Sohn. - 47 Wenn sie dir erzählt hat, sie habe

ihn mit Mühe aufgezogen: das war die Zeit, da Jerusalem bewohnt war. - 48 Und wenn sie dir erzählt hat, >ihr< Sohn sei, als er die

Brautkammer betreten, gestorben: >dieser Unfall, der sich ihr ereignet hat<, ist die Zerstörung Jerusalems, die du erlebt hast. - 49 Nun hast

du sie im Bilde gesehen, wie sie um ihren Sohn trauert, und du selber hast schon begonnen, sie in ihrem Unglück zu trösten.

50 Nun hat der Höchste gesehen, daß du im Innern betrübt bist und aus ganzem Herzen um sie trauerst; darum hat er dir ihren strahlenden

Glanz gezeigt und ihre wundervolle Herrlichkeit.

91

51 Eben deshalb hatte ich dir befohlen, auf dem Gefilde zu bleiben, wo noch kein Haus gebaut ist; 52 denn ich wußte wohl, der Höchste

werde dir dies >Alles< offenbaren. 53 Darum befahl ich dir, auf das Feld zu gehen, wo noch kein Grund zu einem Bau gelegt ist; 54 denn es

darf kein menschliches Bauwerk da bestehen, wo die Stadt des Höchsten sich offenbaren soll. - 55 Du also fürchte dich nicht, dein Herz

erschrecke nicht; sondern geh hinein und besieh dir die Pracht und Herrlichkeit des Baus, so viel nur deine Augen fassen und schauen

können! 56 Darnach wirst du hören, so viel deine Ohren fassen und hören können.

57 >Denn< du bist selig vor vielen und hast vor dem Höchsten einen Namen wie wenige!

58 Bleibe aber noch morgen Nacht hier; 59so wird dir der Höchste in Traumgesichten zeigen, was der Höchste in den letzten Tagen den

Erdenbewohnern tun will.

Fünftes Gesicht. Der Adler aus dem Meere. Das Gesicht.

60 So schlief ich jene Nacht und auch noch die folgende, so wie er mir geboten. 1 In der zweiten Nacht sah ich einen Traum: Da stieg ein

Adler aus dem Meer empor; der hatte zwölf befiederte Flügel und drei Häupter. 2 Und ich schaute, wie er seine Flügel über die ganze Erde

ausbreitete, und wie alle Winde des Himmels auf ihn einbliesen, und >die Wolken sich um ihn< sammelten. 3 Darnach schaute ich, wie aus

seinen Flügeln Gegen-Flügel entstanden, die wurden kleine und geringe Fluglein. 4 Die Häupter aber schliefen; das mittlere Haupt war

größer als die beiden anderen, aber schlief ebenso wie sie. 5 Dann schaute ich, wie der Adler mit seinen Flügeln dahinflog, um über die Erde

und ihre Bewohner die Herrschaft zu gewinnen. 6 Und ich schaute, wie alles unter dem Himmel ihm unterworfen ward, und niemand ihm

widerstand, keines von allen Geschöpfen der Erde. 7 Dann schaute ich, wie sich der Adler auf seinen Krallen aufrichtete und zu seinen

Flügeln also sprach: 8 Wachet ihr nicht alle mit einem Male, sondern schlafet jeder an seiner Stätte und wacht zu eurer Zeit; 9 die Häupter

aber sollen bis zuletzt warten. 10 Und ich schaute, daß diese Stimme nicht aus seinen Häuptern, sondern mitten aus seinem Leibe hervorging.

11 Ich zählte die Gegen-Flügel: sieh, es waren ihrer acht. 12 Dann schaute ich, wie der erste Flügel auf der rechten Seite erwachte und über

die ganze Erde regierte. 13 Als er aber regiert hatte, ging es mit ihm zu Ende: da war er verschwunden, so daß auch seine Stätte nicht zu

sehen war. - Da erwachte der Zweite und regierte, und dieser hielt lange Zeit inne. 14 Als er regiert hatte, ging es mit ihm zu Ende, so daß er

nicht mehr zu sehen war, wie der Vorige. 15 Und sieh, es erscholl eine Stimme, die zu ihm sprach: 16 Höre du, der du diese ganze Zeit

hindurch die Erde behauptet hast; dies verkünde ich dir, bevor du nicht mehr sein wirst: 17 nach dir wird niemand so lange herrschen wie du,

ja nicht einmal halb so lange! -18 Dann richtete sich der Dritte empor und führte das Regiment wie seine Vorgänger; dann verschwand auch

er. -19 Und so erging's auch den übrigen Flügeln allen, der Reihe nach das Regiment zu haben und dann zu verschwinden. - 20 Dann schaute

ich, sieh, da erhoben sich zu ihrer Zeit auch die folgenden Flügel auf der rechten Seite, um das Regiment zu führen; unter ihnen waren

einige, die es führten, aber sofort wieder verschwanden. 21 Andere aber von ihnen erhoben sich, aber behaupteten nicht das Regiment. - 22

Darnach schaute ich, da waren die zwölf Flügel verschwunden und zwei der Flüglein; 23 und am ganzen Leibe des Adlers war nichts mehr

übrig als nur noch die ruhenden Häupter und sechs Flüglein. 24 Dann schaute ich, wie sich von den sechs Flüglein zwei trennten und >sich

unter das rechte Haupt begaben<; die übrigen vier beharrten an ihrem Ort. 25 Dann schaute ich, wie diese vier Gegen-Flügel planten, sich

aufzurichten und das Regiment zu führen. 26 Ich schaute, siehe da, der erste von ihnen richtete sich auf, aber verschwand sofort wieder; 27

so auch der zweite: der verschwand noch rascher als der erste. 28 Dann schaute ich, wie auch die beiden übrigen planten, zur Herrschaft zu

kommen. - 29 Während sie aber dies noch planten, siehe, da wachte das erste der ruhenden Häupter auf; es war das mittlere, das größer als

die beiden anderen Häupter war. 30 Dann schaute ich, wie es die beiden Häupter mit sich verband; 31 und siehe da, das Haupt mit seinen

Verbündeten wandte sich und fraß die beiden Gegenflügel, die geplant hatten, zu herrschen. 32 Dies Haupt hielt die ganze Erde im Zaum und

drangsalierte ihre Bewohner mit großer Bedrängnis und führte die Herrschaft über den Erdkreis gewaltiger als alle Flügel vor ihm. 33

Darnach schaute ich und siehe, das mittlere Haupt war plötzlich verschwunden, ebenso wie vorher die Flügel. 34 So blieben nur noch die

beiden Häupter übrig; die herrschten nun selber über die Erde und ihre Bewohner. 35 Danach schaute ich und siehe, das rechte Haupt

verschlang das linke. 36 Da hörte ich eine Stimme, die zu mir sprach: Blicke gerade aus und betrachte genau, was du schaust. 37 Da schaute

ich, siehe da, es kam ein Löwe, der aus dem Walde mit Gebrüll hervorstürzt; ich hörte, wie er Menschenstimme gegen den Adler von sich

ließ. Er sprach aber also: 38 Höre, du Adler, so will ich zu dir reden. Der Höchste spricht zu dir: 39 Du bist ja das letzte der vier Tiere, die

ich bestimmt hatte, daß sie in meiner Welt herrschen sollten, und daß durch sie das Ende meiner Zeiten kommen sollte. 40 >Du aber<, das

vierte, das gekommen ist, >hast< alle früheren Tiere überwunden, du hast die Welt mit großem Schrecken, >du hast< die ganze Erde mit

schwerer Drangsal beherrscht; >du hast< den Erdkreis so lange Zeit mit Trug bewohnt 41 und die Erde nicht mit Wahrheit gerichtet: 42 denn

du hast die Sanftmütigen bedrückt und die Friedfertigen vergewaltigt; du hast die Wahrhaftigen gehaßt und die Lügner geliebt; du hast den

Fruchtbringenden die >Burgen< zerstört und denen, die dir nichts Böses getan, die Mauern eingerissen. - 43 Aber dein Frevel ist vor den

Höchsten, deine Hoffart vor den Allmächtigen gekommen. 44 Da sah der Höchste seine Zeiten an: siehe, sie waren zu Ende, und seine

Äonen: sie waren voll. 45 Darum wirst du Adler verschwinden samt deinen schrecklichen Flügeln, deinen bösartigen Flüglein, deinen

ruchlosen Häuptern, deinen grausamen Klauen und deinem ganzen frevlerischen Leib! 46 So wird die ganze Welt, von deiner Gewalt befreit,

erleichtert aufatmen, um dann des Gerichtes und der Gnade ihres Schöpfers zu harren. 1 Während der Löwe diese Worte zum Adler sprach, 2

schaute ich, wie auch das letzte Haupt verschwand. Da richteten sich die beiden Flügel auf, die sich zu ihm begeben hatten, und erhoben

sich, um zu herrschen; aber ihre Herrschaft war schwach und stürmisch. 3 Dann schaute ich, wie auch diese verschwanden, und der ganze

Leib des Adlers in Flammen aufging: da staunte die Erde gewaltig.

Die Deutung.

Da erwachte ich vor mächtigem Schrecken und großer Furcht, und ich sprach zu meinem Geiste: 4 Du hast mir dies eingebracht, weil du

nach des Höchsten Wegen grübelst. 5 Nun aber ist meine Seele matt, und mein Geist ganz geschwächt, und keine Kraft ist mir geblieben

wegen der großen Furcht, die diese Nacht über mich gekommen ist. 6 Darum will ich jetzt zum Höchsten beten, daß er mich kräftige bis zum

Ende. 7 So sprach ich: Herr Gott, wenn ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, wenn ich bei dir vor vielen gerechtfertigt bin, wenn

mein Gebet wirklich vor dein Angesicht gekommen ist, 8 so kräftige mich und zeige deinem Knechte die Deutung und Erklärung dieses

schrecklichen Gesichts und tröste meine Seele ganz! 9 Du hast mich ja für würdig erachtet, mir das Ende der Zeiten und den Schluß der

>Stunden< zu zeigen. 10 Da sprach er zu mir: Dies ist die Deutung des Gesichts, das du gesehen hast. 11 Der Adler, den du vom Meer hast

aufsteigen sehen, das ist das vierte Weltreich, das deinem Bruder Daniel im Gesicht erschienen ist; 12 ihm freilich ist es nicht so gedeutet,

wie ich dir jetzt deuten will oder schon gedeutet habe. -13 Siehe, Tage kommen, da wird sich ein Reich über die Erde erheben, das wird

furchtbarer sein als alle Reiche, die vor ihm gewesen sind. -14 Darin werden zwölf Könige herrschen, einer nach dem anderen; 15 der zweite,

der herrschen soll, der ist die längste Zeit unter den zwölfen gewesen. 16 Das ist die Deutung der zwölf Flügel, die du gesehen hast. -17 Und

wenn du die Stimme, die gesprochen hat, nicht aus seinen Häuptern, sondern mitten aus seinem Leibe hervorgehen hörtest, l8 so ist dies die

Deutung: >mitten während< der Zeit dieses Reichs werden gewaltige Streitigkeiten entstehen, und es wird in Gefahr kommen, zu fallen; aber

zu jener Zeit wird es noch nicht fallen, sondern wieder zu seiner ursprünglichen Macht gelangen. - 19 Und wenn du acht Gegen-Flügel

gesehen hast, die neben den Haupt-Flügeln entstanden waren, 20 so ist dies die Deutung: es werden sich darin acht Könige erheben, deren

Zeiten flüchtig, deren Jahre schnell vorübergehen; zwei davon gehen schon zu Grunde, 21 wann die Mitte des Reiches naht; vier werden für

jene Zeit aufgespart, wann seine Stunde, da es endigt, herannaht, zwei aber werden fürs Ende selber aufgespart. - 22 Wenn du drei Häupter

hast ruhen sehen, 23 so bedeutet das: um sein Ende wird der Höchste drei >Könige< erwecken, >die werden< darinnen vieles erneuern und

über die Erde 24 und über ihre Bewohner zu großem Unheil herrschen, mehr als alle, die vor ihnen gewesen sind. Deshalb heißen sie

Häupter des Adlers, 25 weil sie es sein werden, die seine Frevel auf den Hauptpunkt bringen und sein Äußerstes vollführen. 26 Wenn du das

große Haupt hast verschwinden sehen: der erste von ihnen wird auf seinem Bett sterben, aber doch unter Qualen. 27 Die beiden Übrigen aber

92

wird das Schwert fressen. 28 Denn des Ersten Schwert wird den Andern fressen; doch wird auch dieser in der letzten Zeit durchs Schwert

fallen. - 29 Wenn du zwei Gegen-Flügel zu dem rechten Haupt hast hinübergehen sehen, 30 so bedeutet das: das sind die, die der Höchste für

sein Ende vorbehalten: ihre Herrschaft >wird< schwach und stürmisch sein, 31wie du gesehen hast. Der Löwe aber, der vor deinen Augen

mit Gebrüll aus dem Walde hervorgestürzt ist, der zum Adler gesprochen und ihm seine Sünden vorgehalten hat, mit allen den Worten, die

du gehört hast: 32 das ist der Christus, den der Höchste bewahrt für das Ende >der Tage, der aus dem Samen Davids erstehen und auftreten

wird, um zu ihnen zu reden<; er wird ihnen die Gottlosigkeiten vorhalten, die Ungerechtigkeiten >strafen<, die Frevel vor Augen führen. 33

Denn er wird sie zunächst lebendig vor Gericht stellen; dann aber, nachdem er sie überwiesen, wird er sie vernichten. 34 Den Rest meines

Volkes aber, die in meinem Lande übriggeblieben sind, wird er gnädig erlösen und ihnen Freude verleihen, bis das Ende, der Tag des

Gerichtes, kommt, über den ich zu dir am Anfang gesprochen habe. 35 Dies ist der Traum, den du gesehen, und dies ist seine Deutung. 36

Du allein bist würdig gewesen, dies Geheimnis des Höchsten zu erfahren. 37 So schreibe dies Alles, was du gesehen hast, in ein Buch und

bewahre es an verborgenem Ort; 35 und lehre es die Weisen deines Volks, von denen du sicher bist, daß ihre Herzen diese Geheimnisse fassen

und bewahren können. 39 Du selber harre hier noch sieben Tage aus, daß du die Offenbarung empfangest, die der Höchste dir noch zu

offenbaren geruhen mag. 40 So ging er von mir.

Schluß.

Als nun das Volk gehört hatte, daß die sieben Tage vorüber, aber ich noch immer nicht wieder in der Stadt sei, da kam alles Volk, Klein und

Groß, zusammen und ging zu mir heraus; sie sprachen zu mir also: 41 Was haben wir gegen dich begangen, was haben wir dir Übles getan,

daß du uns so ganz verlassen und dich an diesem Orte niedergelassen hast! 42 Du bist uns ja von allen Propheten allein übergeblieben wie

eine Traube aus der ganzen Lese, wie eine Leuchte an dunklem Ort, >wie ein Rettungshafen für das Schiff im Sturm<. 43 Oder ist der Leiden

noch nicht genug, die uns betroffen haben? Willst du uns noch verlassen, so wäre uns viel besser, wir wären im Brande Zions mit verbrannt!

45 Wir sind ja nicht besser als jene, die dabei umgekommen sind. Und sie weinten laut. Da antwortete ich ihnen und sprach: 46 Fasse Mut,

Israel; sei nicht traurig, Jakobs Haus! 47 Denn vor dem Höchsten wird euer gedacht, der Allmächtige hat euch nicht >für immer< vergessen.

48 Ich >aber< habe euch nicht verlassen, noch >will ich von euch scheiden<, sondern ich bin hierhergegangen, um für Zions Verwüstung zu

beten und um Erbarmen zu flehen für >unseres< Heiligtums Schmach. 49 Nun aber geht alle in eure Häuser zurück, so will ich nach jenen

Tagen zu euch kommen. 50 Da ging das Volk in die Stadt, wie ich ihnen geboten hatte. 51 Ich aber blieb sieben Tage lang im Gefilde, nach

seinem Befehl. Ich aß aber ganz allein von den Kräutern des Feldes; meine Speise waren Pflanzen in jenen Tagen.

Sechstes Gesicht. Der Mensch, der Welterlöser Das Gesicht.

1 Nach den sieben Tagen geschah es, da träumte ich des Nachts einen Traum: 2 siehe, da stieg ein >gewaltiger< Sturm vom Meere auf und

erregte alle seine Wogen. 3 Ich schaute, siehe da führte jener Sturm aus dem Herzen des Meeres etwas wie einen Menschen hervor; ich

schaute, siehe dieser Mensch flog mit den Wolken des Himmels. Und wohin er sein Antlitz wandte und hinblickte, da erbebte alles, was er

anschaute; 4 und wohin die Stimme seines Mundes erging, da >zerschmolzen< alle, die seine Stimme vernahmen, wie Wachs zerfließt, wenn

es Feuer spürt. - 5 Danach schaute ich, siehe, es kam von den vier Winden des Himmels her ein unzählbares Heer von Menschen zusammen,

um den Menschen, der aus dem Meer emporgestiegen war, zu bekämpfen. 6 Da schaute ich, wie er sich einen großen Berg losschlug und auf

ihn flog. 7 Ich aber bestrebte mich, Gegend oder Ort zu erkennen, woraus der Berg losgeschlagen war; aber ich vermochte es nicht. 8 Danach

schaute ich, siehe, alle, die sich gegen ihn zum Kriege versammelt hatten, gerieten in große Furcht, wagten aber doch den Kampf. 9 Als er

aber den Ansturm des Heeres, das auf ihn loskam, sah, da erhob er keine Hand, noch führte er ein Schwert oder eine andere Waffe, sondern

ich sah nur, sowie er von seinem Munde etwas wie einen feurigen Strom ausstieß, von seinen Lippen einen flammenden Hauch, und von

seiner Zunge ließ er hervorgehen stürmende Funken: alle diese aber vermischten sich ineinander: der feurige Strom, der flammende Hauch

und der gewaltige Sturm. 11 Das fiel über das anstürmende Heer, das zum Kampfe bereit war, und entzündete sie alle, so daß im selben

Augenblick von dem unzählbaren Heer nicht anderes zu sehen war außer dem Staube der Asche und dem Dunste des Rauchs. Als ich das

sah, entsetzte ich mich. -12 Danach schaute ich, wie jener Mensch vom Berge herabstieg und ein anderes friedliches Heer zu sich rief. 13 Da

nahten sich ihm Gestalten von vielen Menschen, die einen frohlockend, die anderen traurig; einige waren in Banden, einige führten andere

als Opfergaben mit sich.

Ist es besser, die Endzeit zu erleben oder nicht zu erleben?

Da erwachte ich vor gewaltigem Schrecken. Dann flehte ich zum Höchsten und sprach: 14 Du hast von Anfang an deinem Knechte solche

Wunder offenbart und mich würdig erachtet, mein Flehen anzunehmen. 15 So offenbare mir nun noch die Deutung dieses Traums. -16 Denn

wie ich denke in meinem Sinn: wehe denen, die überbleiben in jener Zeit! aber noch viel mehr: wehe denen, die nicht überbleiben! 17 Denn

die nicht überbleiben, müssen traurig sein; 18 denn sie kennen zwar die Freuden, die für die letzte Zeit bereit stehen, werden aber selbst nicht

dazu gelangen. 19 Aber wehe auch denen, die überbleiben; >deshalb, weil< sie große Drangsale und viele Nöte schauen müssen, wie diese

Träume zeigen. 20 Und doch ist es >besser<, dies, wenn auch durch Gefahren, zu erlangen, als wie eine Wolke aus der Welt zu schwinden

und die Dinge der Endzeit nicht zu sehen. 21 Er antwortete mir und sprach: Ich will dir die Deutung des Gesichtes zeigen und will dir auch

über deine Erwägungen Aufschluß geben. 22 Wenn du über die Überbleibenden >und Nicht-Überbleibenden< gesprochen, davon ist dies die

Lösung: 23 derselbe, der in jener Zeit die Drangsal bringt, der wird auch die in Drangsal Gefallenen bewahren, wenn sie Werke haben und

Glauben an den >Allerhöchsten und< Allmächtigen. 24 So wisse also, daß die Überbleibenden bei Weitem seliger sind als die Gestorbenen.

Die Deutung.

25 Die Deutungen des Gesichtes sind diese: wenn du einen Mann aus dem Herzen des Meeres hast emporsteigen sehen: 26 das ist derjenige,

den der Höchste lange Zeiten hindurch aufspart, >durch den< er die Schöpfung erlösen will; der wird selber unter den Übergebliebenen die

neue Ordnung schaffen. 27 Wenn du gesehen hast, wie aus seinem Munde Sturm und Feuer und Wetter hervorging, 28 wie er kein Schwert

noch eine Waffe führte >und doch< den Ansturm jenes Heers, das wider ihn zu Felde zog, vernichtete, das bedeutet: 29 siehe, Tage kommen,

da der Höchste die Erdenbewohner erlösen wird. 30 Da wird gewaltige Erregung über die Erdenbewohner fallen, 31 daß sie Kriege wider

einander planen, >Stadt< gegen Stadt, Ort gegen Ort, Volk gegen Volk, Reich gegen Reich. 32 Dann, wann dies geschieht und wann die

Zeichen eintreffen, die ich dir vorausgesagt, dann wird mein Sohn erscheinen, den du als Mann, der emporsteigt, gesehen hast. 33 Dann,

wann alle Völker seine Stimme vernehmen, werden sie alle ihre Länder und wechselseitigen Kriege lassen; 34 so wird sich ein unzählbares

Heer an einem Punkte sammeln, wie du gesehen hast, daß sie von sich aus herankamen und ihn angriffen. - 35 Er selbst aber wird auf den

Gipfel des Zinnberges treten; 36 Zion aber wird erscheinen und allen offenbar werden, vollkommen erbaut, wie du gesehen hast, daß ein

Berg ohne Menschenhände losgelöst ward. 37 Er aber, mein Sohn, wird den Völkern, die wider ihn gezogen sind, ihre Sünden strafen - die

sind dem Wetter gleich -; er wird ihnen ihre bösen Anschläge und ihre künftigen Qualen vorhalten. - 38 die sind wie das Feuer -, dann wird

er sie mühelos vernichten >durch< sein Geheiß - das gleicht der Flamme. 39 Wenn du ihn aber ein anderes, friedliches Heer zu sich hast

>rufen und< sammeln sehen, 40 das sind die zehn Stämme, die aus ihrem Lande fortgeführt sind in den Tagen König Josias, >die<

Salmanassar, König der Assyrier, gefangen genommen hat; er brachte sie über den Fluß, so wurden sie in ein anderes Land verpflanzt. 41 Da

faßten sie selber den Plan, die Menge der Heiden zu verlassen und in ein Land, noch weiter in die Ferne zu ziehen, wo noch nie das

menschliche Geschlecht gewohnt hatte, 42 damit sie dort wenigstens ihre Satzungen bewahrten, die sie im eigenen Lande nicht gehalten. 43

So zogen sie durch schmale Furten des Euphratflusses ein. Denn der Höchste tat Wunder an ihnen und hielt die Quellen des Flusses an, bis

sie hinüber waren. 45 Zu jenem Lande >aber< war der Weg anderthalb Jahre weit; das Land aber heißt Arzaret. 46 Daselbst haben sie dann

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gewohnt bis in die letzte Zeit; jetzt aber, >da sie abermals kommen sollen<, 47 >wird< der Höchste abermals die Quellen des Flusses

>anhalten<, damit sie herüberkönnen. Deshalb hast du ein Heer, friedlich gesammelt, gesehen. -48 Zugleich aber sind es auch diejenigen, die

übergeblieben sind aus deinem Volke, die sich auf meinem heiligen Gebiete finden. 49 Dann also, wann er das Heer der versammelten

Heiden vernichten wird, wird er das Volk (Israel), so viel davon übrig ist, beschirmen. 50 Dann wird er ihnen noch viele große Wunder zeigen.

51 Da sprach ich: Herr Gott, zeige mir, weshalb ich den Mann aus dem Herzen des Meeres habe aufsteigen sehen. Er sprach zu mir: 52

Wie niemand erforschen noch erfahren kann, was in des Meeres Tiefen ist, so kann niemand der Erdenbewohner meinen Sohn schauen noch

seine Gefährten, es sei denn zur Stunde >seines< Tags. 53 Dies ist die Deutung des Traums, den du gesehen hast. Deshalb aber ist dir, dir

ganz allein, dies offenbart, 54 weil du das Eigene verlassen, dich dem Meinigen gewidmet und nach meinem Gesetze geforscht hast; 55 du

verwandtest dein Leben auf Weisheit und nanntest Vernunft deine Mutter. 56 Deshalb habe ich dir dies gezeigt, denn es gibt einen Lohn bei

dem Höchsten. -Nach drei Tagen >aber< will ich weiter mit dir sprechen und dir schwierige und wunderbare Dinge erklären.

Schluß.

57 So ging ich von dannen und wandelte durch die Felder, voll Lob und Preis gegen den Höchsten, auch um der Wunder willen, die er zu

seiner Zeit >wirkt<: 58 er regiert ja die Stunden, und was in den Stunden geschieht. So blieb ich dort noch drei Tage.

Siebentes Gesicht. Die Wiederherstellung der heiligen Schriften. Das Gebot, diese Gesichte geheim zu halten.

1 Am dritten Tage, als ich unter einer Eiche saß, 2 siehe, da kam eine Stimme aus einem Dornbusch mir gegenüber hervor; die sprach: Esra,

Esra! Ich sprach: Hier bin ich, Herr! Und ich erhob mich und trat auf meine Füße. Da sprach er zu mir: 3 Ich habe mich schon einmal am

Dornbusch offenbart und habe zu Moses geredet, als mein Volk in Ägypten dienstbar war. 4 Damals habe ich ihn ausgesandt, >habe< mein

Volk aus Ägypten geführt und es dann an den Berg Sinai gebracht. Daselbst behielt ich ihn viele Tage bei mir; 5 ich teilte ihm viel Wunderbares

mit, zeigte ihm die Geheimnisse der Zeiten, und >wies ihm< das Ende der Stunden. Dann habe ich ihm also befohlen: 6 Diese Worte

sollst du veröffentlichen, jene geheimhalten. 7 Nun aber sage ich dir: 8 Die Zeichen, die ich dir offenbart, die Träume, die du gesehen, und

die Deutungen, die du gehört, die bewahre in deinem Herzen!

Ankündigung der Entrückung.

9 Du aber sollst aus den Menschen entrückt werden und wirst fürderhin bei meinem Sohn und bei deinen Genossen verweilen, bis die Zeiten

um sind. 10 Denn die Welt hat ihre Jugend verloren, die Zeiten nähern sich dem Alter. 11 Denn in zwölf Teile ist die Weltgeschichte geteilt;

>gekommen ist sie bereits zum zehnten, zur Hälfte des zehnten; 12 überbleiben aber zwei nach der Hälfte des zehnten. -13 Nun also bestelle

dein Haus, ermahne dein Volk; tröste seine Geringen, >lehre seine Weisen<. Du selber entsage dem vergänglichen Leben, 14 laß fahren die

sterblichen Sorgen; wirf ab die Bürde der Menschlichkeit, zieh aus die schwache Natur; laß die quälenden Fragen beiseite und eile, hinüber

zu wandern aus dieser Zeitlichkeit! 15 Denn viel schlimmere Leiden, als die du selber erlebt hast, sollen noch geschehen. 16 Denn je

schwächer die Welt vor Alter wird, um so mehr wird der Leiden, die über ihre Bewohner ergehen. 17 Die Wahrheit muß sich noch mehr

entfernen und die Lüge sich nähern. Denn schon eilt der Adler heran, den du im Gesichte gesehen hast.

Gebet um Wiederherstellung der heiligen Schriften nebst der göttlichen Antwort.

18 Ich antwortete und sprach: >Laß mich, Herr, vor dir sprechen<! 19 Ich scheide jetzt, wie du mir befohlen, und will das Volk, das jetzt

lebt, noch einmal unterweisen. Aber die später Geborenen, wer wird die belehren? 20 Denn die Welt liegt in Finsternis, ihre Bewohner sind

ohne Licht. 21 Denn dein Gesetz ist verbrannt; so kennt niemand deine Taten, die du getan hast und die du noch tun willst. 22 Wenn ich

>also< Gnade vor dir gefunden habe, so verleihe mir den heiligen Geist, daß ich alles, was seit Anfang in der Welt geschehen ist, niederschreibe,

wie es in deinem Gesetz geschrieben stand, damit die Menschen deinen Pfad finden, und damit, die das ewige Leben begehren, es

gewinnen können. 23 Er antwortete mir und sprach: Wohlan, so versammle das Volk und sage zu ihnen, sie sollten dich vierzig Tage lang

nicht suchen. 24 Du aber mache dir viele Schreibtafeln fertig; nimm zu dir Saraja, Dabria, Selemia, Ethan und Asiel, diese fünf Männer,

denn sie verstehen schnell zu schreiben, 25 und dann komm hierher. So will ich in deinem Herzen die Leuchte der Weisheit entzünden, die

nicht erlöschen wird, bis zu Ende ist, was du schreiben sollst. 26 Wenn du aber damit fertig bist, so sollst du das Eine veröffentlichen, das

Andere aber den Weisen im Geheimen übergeben. Morgen um diese Zeit sollst du mit Schreiben beginnen.

Esras letzte Worte.

27 So ging ich hin, wie er mir befohlen, versammelte alles Volk und sprach: 28 Höre, Israel, diese Worte: 29 Unsere Väter sind am Anfang

Fremdlinge in Ägypten gewesen und von dort erlöst. 39 Da empfingen sie das Gesetz des Lebens, aber hielten es nicht; und auch ihr nach

ihnen habt es übertreten. 31 Dann ward euch das Land zum Erbe gegeben im Gebiete von Zion; aber ihr und eure Väter tatet Sünde und

bliebt nicht auf den Wegen, die euch der Höchste befohlen. 32 Wei1 er aber ein gerechter Richter ist, nahm er euch zu seiner Zeit wieder,

was er geschenkt. 33 Und nun seid ihr an diesem Ort, und eure Brüder sind noch tiefer im Lande drinnen. 34 Wenn ihr also euren Trieben

Befehl gebt und eure Herzen in Zucht nehmt, so werdet ihr zu Lebzeiten bewahrt bleiben und nach dem Tode Gnade erlangen. 35 Denn es

gibt ein Gericht nach dem Tode, wann wir zu neuem Leben gelangen; da wird der Name der Gerechten kund, der Frevler Taten werden

offenbar. - 36 Zu mir aber komme niemand; man soll mich vierzig Tage lang nicht suchen.

Die Wiederherstellung der heiligen Schriften

37 So nahm ich die fünf Männer mit mir, wie er mir befohlen; wir gingen aufs Feld und blieben daselbst. 38 Am folgenden Tag aber, horch,

da rief mir eine Stimme zu also: Esra, tu den Mund auf und trinke, womit ich dich tränke! 39 Da tat ich den Mund auf, und sieh, ein voller

Kelch ward mir gereicht; der war gefüllt wie von Wasser, dessen Farbe aber dem Feuer gleich war. 40 Den nahm ich und trank; und als ich

getrunken, entströmte meinem Herzen Einsicht, meine Brust schwoll von Weisheit, meine Seele bewahrte die Erinnerung. 41 Da tat sich mir

der Mund auf und schloß sich nicht wieder zu. Der Höchste aber gab den fünf Männern Einsicht; so schrieben sie der Reihe nach das

Diktierte in Zeichen auf, die sie nicht verstanden. So saßen sie vierzig Tage: sie schrieben am Tage 43 und aßen des Nachts ihr Brot; ich aber

redete am Tage und verstummte nicht des Nachts. 44 So wurden in den vierzig Tagen niedergeschrieben >vierundneunzig< Bücher. 45 Als

aber die vierzig Tage voll waren, da sprach der Höchste zu mir also: Die >vierundzwanzig< Bücher, die du zuerst geschrieben, sollst du

veröffentlichen, den Würdigen und Unwürdigen zum Lesen; 46 die letzten siebenzig aber sollst du zurückhalten und nur den Weisen deines

Volkes übergeben. 47 Denn in ihnen fließt der Born der Einsicht, der Quell der Weisheit, der Strom der Wissenschaft. 48 So tat ich, >im

siebenten Jahre der sechsten Woche, 5000 Jahre 3 Monate 12 Tage nach der Schöpfung der Welt.

Schluß des Buches.

49 Damals ist Esra entrückt und an die Stätte seiner Genossen aufgenommen worden, nachdem er dies alles geschrieben. 50 >Er heißt der

Schreiber der Wissenschaft des Höchsten in Ewigkeit.<

Textquelle: Griechische Baruchapokalypse

94

Offenbarung des Baruch, der, weinend über die Gefangenschaft Jerusalems, an den Fluß >Kibron< trat, damals, als auch Abimelech hin zu

dem Landgute des Agrippa durch die Hand Gottes gerettet wurde. Und so setzte er sich an die schönen Pforten, wo das Allerheiligste lag.

Ankündigung der Offenbarung der Geheimnisse an Baruch.

1 Ich, Baruch, weinte in meinem Sinn und >war betrübt< über das Volk, und daß es dem Könige Nebukadnezar von Gott gestattet worden

war, seine Stadt zu zerstören, indem ich folgendermaßen redete: > O Herr! Wozu hast du deinen Weinberg angezündet und ihn verödet?

Warum hast du das getan? Und warum, o Herr, hast du uns nicht einer andern Züchtigung dahingegeben, sondern hast uns solchen Heiden

preisgegeben, daß sie nun uns schmähend sagen können: > Wo ist nun ihr Gott?< Und siehe, während ich weine und solches sage, sehe ich

einen Engel des Herrn herbeikommen und zu mir sagen: > Vernimm, o Mensch, du Mann meines Wohlgefallens, und sorge dich nicht so

sehr um die Errettung Jerusalems. Denn dies sagt Gott, der allmächtige Herr, - er hat mich nämlich vor dein Angesicht hergesandt, damit ich

dir alle Dinge Gottes künde und zeige. Denn dein Gebet ist erhört worden vor ihm und ist in die Ohren Gottes des Herrn eingedrungen! <

Und als er dies zu mir gesagt hatte, schwieg ich still. Und es spricht der Engel weiter zu mir: > Höre auf, Gott zum Zorne zu reizen, und ich

will dir andere Geheimnisse zeigen, die noch größer sind als diese. < Da sprach ich, Baruch, also: > So wahr Gott der Herr lebt! Wenn du

mir's zeigen willst, und ich etwas von dir hören werde, so will ich nicht fortfahren noch reden, Gott möge am Tage des Gerichts fortfahren,

mich zu richten, wenn ich noch weiter rede. < Und es sagte zu mir der Engel der Kraft: »Wohlan, so will ich dir denn die Geheimnisse Gottes

zeigen. «

Der erste Himmel.

2 Und er nahm mich und brachte mich dahin, wo der Himmel befestigt ist, und wo ein Strom war, den niemand zu überschreiten vermag,

auch nicht der fernste Windhauch, von allen den Winden, die Gott geschaffen hat. Und er nahm mich und brachte mich zum ersten Himmel

und zeigte mir ein gewaltig großes Tor. Und er sprach zu mir: > Laßt uns durch dasselbe hineingehen! < Und wir gingen hinein, wie von

Flügeln getragen, eine Wegstrecke von ungefähr 30 Tagereisen. Und er zeigte mir inwendig im Himmel eine Ebene. Und es wohnten

Menschen auf ihr, die Gesichter wie Kinder und Hörner wie Hirsche und Füße wie Ziegen und Hüften wie Lämmer hatten. Und ich, Baruch,

fragte den Engel: »Künde mir, bitte, wie groß die Dicke des Himmels ist, in dem wir gewandert sind, oder wie groß sein Abstand ist, oder

wie groß diese Ebene ist, damit auch ich es den Menschenkindern kundtun kann.« Da sprach zu mir der Engel mit Namen >Phanuel<; >

Dieses Tor, das du siehst, ist das Himmelstor, und ebenso groß, wie der Abstand von der Erde bis zum Himmel ist, ist auch seine Dicke; und

ebenso groß, >wie der Abstand vom Norden bis zum Süden ist, ist weiter auch die Ausdehnung der Ebene, die du siehst.< Und weiter spricht

zu mir der Engel der Kraft: > Wohlan, ich will dir noch größere Geheimnisse zeigen. < Ich aber sagte: > Ich bitte dich, zeige mir, was das für

Menschen sind. < Und er sprach zu mir: > Das sind die, die den Turm des Kampfes gegen Gott erbaut hatten, und es vertrieb sie der Herr von

ihrer Stätte. <

Der zweite Himmel.

3 Und der Engel nahm mich und brachte mich in einen zweiten Himmel. Und er zeigte mir auch dort ein Tor, ähnlich dem ersten und sprach:

>Laßt uns durch dasselbe hineingehen!< Und wir gingen von Flügeln emporgehoben eine Wegstrecke von etwa 60 Tagen hinein. Und er

zeigte mir auch dort eine Ebene, und sie war angefüllt von Menschen, deren Aussehen dem von Hunden glich, und die Hirschfüße hatten.

Und ich fragte den Engel: > Ich bitte dich, o Herr, sage mir, was das für Leute sind. < Und er sprach: > Das sind die, die den Rat gegeben

haben, den Turm zu bauen. Sie nämlich, die du hier siehst, trieben eine große Menge von Männern und Weibern hinaus, um Ziegel zu

streichen. Unter ihnen war ein ziegelstreichendes Weib, der man in der Stunde, wo sie zum Gebären kam, nicht gestattete wegzugehen;

sondern ziegelstreichend gebar sie, und indem sie ihr Kind in einem Leintuche trug, strich sie weiter Ziegel. Und es erschien ihnen der Herr

und veränderte ihre Sprachen, nachdem sie den Turm bis auf 363 Ellen erbaut hatten. Und sie nahmen einen Bohrer und bemühten sich, den

Himmel anzubohren, indem sie sagten: > Laßt uns sehen, ob der Himmel tönern ist oder ehern oder eisern! < Als dies Gott sah, gestattete er

es ihnen nicht länger, sondern schlug sie mit Blindheit und mit Sprachenveränderung und brachte sie in den Zustand, in welchem du sie jetzt

siehst. «

Der dritte Himmel.

4 Und ich, Baruch, sprach: > Siehe, o Herr! Großes und Wunderbares hast du mir bereits gezeigt. Und nun zeige mir jetzt alles um des Herrn

willen.< Und der Engel sprach zu mir: »Wohlan, laßt uns hindurchgehen!« Und ich ging mit dem Engel von jenem Ort etwa 185 Tagereisen

weiter hinein. Und er zeigte mir eine Ebene und eine Schlange, die etwa 200 Plethra [= 6 Kilometer] lang zu sein schien. Und er zeigte mir

den Hades, und sein Aussehen war finster und abscheulich. Und ich sprach: > Was ist das für ein Drache, und was ist das für ein Ungeheuer,

das um ihn herumliegt?« Und der Engel sprach: > Der Drache ist der, welcher die Leiber derer frißt, die ihr Leben schlecht verbracht haben,

und er nährt sich von ihnen. Und das ist der Hades, der ihm auch seinerseits so ziemlich ähnlich ist, indem er auch von dem Meer ungefähr

eine Elle trinkt, ohne daß dieses etwas abnimmt. < Baruch sprach: > Und wie geht das zu?< Und der Engel sprach: >Höre zu! Gott der Herr

hat 360 Ströme gemacht, von denen die allerersten Alphias und Abyros und der Gerikos sind. Und infolge deren nimmt das Meer nicht ab. <

- Und ich sprach: > Ich bitte dich, zeige mir, was für ein Baum den Adam verführt hat!< Und der Engel sprach: »Der Weinstock ist es, den

der Engel >Samael< gepflanzt hatte, worüber Gott der Herr zornig wurde. Und er versuchte ihn und das von ihm gepflanzte Gewächs, das er

deshalb auch dem Adam nicht zu berühren gestattete; und darum verführte ihn der Teufel aus Neid durch seinen Weinstock.« Da sprach ich,

Baruch: > Und da nun der Weinstock so großes Unheil hervorgerufen hat und von Gott dem Fluch unterworfen und die Ursache der Tötung

des ersten Menschen geworden ist, wie darf er da noch immer so viel verwendet werden?« Und es sprach der Engel: »Mit Recht fragst du.

Als Gott die Sintflut über die Erde brachte und alles Fleisch vernichtete und auch die 4090000 Giganten, und das Wasser noch fünfzehn

Ellen höher stieg als die höchsten Berge, da drang das Wasser auch in das Paradies hinein und vernichtete alle Blüten; die Rebe des

Weinstocks aber rieß es ganz und gar heraus und spülte sie weg. Und als die Erde von dem Wasser wieder frei und sichtbar geworden war,

und Noah aus der Arche herausstieg, da begann er von den Gewächsen, die sich vorfanden, anzupflanzen. Er fand aber auch die Rebe, und

indem er sie nahm, dachte er bei sich: Was ist denn das? Und ich trat hinzu und sagte ihm, was es für eine Bewandtnis mit jener habe. Und er

sprach: »Darf ich sie nun pflanzen oder was soll ich tun, da doch Adam durch sie ins Verderben kam, damit ich nicht etwa auch selber dem

Zorne Gottes durch sie verfalle?< Und nachdem er dies gesagt hatte, betete er, Gott möge ihm in Bezug auf sie offenbaren, was er tun solle.

Und nachdem er vierzig Tage lang das Gebet verrichtet hatte, sprach er unter eifrigem Flehen und Weinen: »O Herr! Ich rufe dich an, damit

du mir offenbarest, was ich rücksichtlich dieser Pflanze tun soll.« Gott aber sandte seinen Engel, den Sarasael, und der sprach zu ihm: »Steh

auf, o Noah, pflanze die Rebe; denn so spricht der Herr: Das Bittere daran wird verwandelt werden in Süßes, und der Fluch, der daran haftet,

wird zum Segen werden, und das, was von ihr gewonnen wird, wird zum Blute Gottes werden; und wie durch sie das Menschengeschlecht

die Verdammung davongetragen hat, so werden sie hinwiederum durch Jesus Christus, den Immanuel, in ihr die Berufung nach Oben

empfangen und den Eingang ins Paradies.« So wisse denn nun, o Baruch, daß, gleichwie Adam durch dieses Gewächs die Verdammnis

davongetragen hat und der göttlichen Herrlichkeit entkleidet worden ist, so auch die jetzigen Menschen, wenn sie den Wein, der von ihm

gewonnen wird, übermäßig >trinken<, schlimmer als Adam die Übertretung verüben und sich weit weg von der göttlichen Hoheit entfernen

und sich selber dem ewigen Feuer überliefern. Denn >keinerlei< Gutes stammt von ihm. Denn die, welche ihn den Wein bis zum Übermaße

trinken, tun alles das Folgende: Nicht erbarmt sich der Bruder seines Bruders, noch auch der Vater seines Sohns, noch auch die Kinder ihrer

Eltern; vielmehr kommt durch das >Weintrinken< alles Schlimme, wie Totschlag, Ehebruch, Buhlerei, Meineid, Diebstahl und dem

Ähnliches. Dagegen kommt durch ihn schlechterdings nicht Gutes zu Stande.

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5 Und ich, Baruch, sprach zum Engel: »Ich lege dir nur noch eine Frage vor, o Herr! Da du mir gesagt hast, daß der Drache aus dem Meer

eine Elle trinkt, so sage rnir auch, wie groß sein Bauch ist.« Und der Engel sprach: »Sein Bauch ist der Hades; und soweit eine Bleikugel

>von< 300 Männern geschleudert wird, so groß ist sein Bauch. Komm nun, damit ich dir größere Dinge als diese zeige.« 6 Und er nahm

mich und brachte mich dorthin, wo die Sonne ihren Ausgangspunkt hat, und zeigte mir einen vierrädrigen Wagen, unter welchem Feuer loderte,

und auf dem Wagen saß ein Mann, der eine Feuerkrone trug. Und der Wagen wurde von vierzig Engeln in Bewegung gesetzt. Und

siehe, ein Vogel lief mit herum vor der Sonne her, wie neun Berge groß. Und ich sagte zu dem Engel: >Was ist das für ein Vogel?< Und er

sagte zu mir: > Das ist der Wächter des Erdkreises.< Und ich sagte: > O Herr, inwiefern ist das der Wächter des Erdkreises? Mache mich

damit bekannt!< Und der Engel sagte zu mir: > Dieser Vogel läuft neben der Sonne her, und indem er dabei seine Flügel ausbreitet, fängt er

ihre Strahlen auf, die feuerähnlich sind. Wenn er sie nämlich nicht auffangen würde, so würde weder das Menschengeschlecht am Leben

bleibcn noch irgend ein anderes Lebewesen. Aber Gott hat eben diesen Vogel dazu angestellt.< Und er breitete seine Flügel aus, und ich sah

auf seinem rechten Flügel gewaltig große Buchstaben, so groß, wie eine Tenne Platz einnimmt, die Raum hat für ungefähr viertausend

Modien. Und es waren goldene Buchstaben. Und der Engel sprach zu mir: »Lies sie!« Und ich las, und sie lauteten so: > Weder die Erde

bringt mich hervor noch auch der Himmel, sondern die Feuerflügel bringen mich hervor.< Und ich sprach: > O Herr, was ist das für ein

Vogel, und welches ist sein Name?< Und der Engel sagte zu mir: > Phönix heißt sein Name.< Und ich sprach: >Und was frißt er?< Und er

sagte zu mir: > Das Manna des Himmels und den Tau der Erde.< Und ich sprach: >Gibt der Vogel auch Kot von sich?< Und er sprach zu

mir: > Er gibt als Kot einen Wurm von sich, und der Kot des Wurms wird der Zimmet, den die Könige und die Fürsten verwenden. Warte

aber noch eine Weile, so wirst du die Herrlichkeit Gottes schauen.< Und während er so mit mir redete, entstand wie ein Donnerschlag, und es

erbebte der Ort, auf dem wir standen. Und ich fragte den Engel: »O mein Herr! Was ist das für ein Schall?« Und der Engel sprach zu mir:

>Gerade jetzt öffnen die Engel die 365 Tore des Himmels, und es scheidet sich das Licht von der Finsternis.< Und es kam eine Stimme, die

sprach: »Lichtspender, spende der Welt den Lichtglanz!« Und als ich das Rauschen des Vogels hörte, fragte ich: > O Herr! Was ist das für

ein Rauschen?< Und er sagte: »Dieses Rauschen weckt die Hähne auf der Erde aus ihrem Schlaf auf. Gleichwie nämlich die Menschen

>durch den Mund<, so macht sich auch der Hahn den anderen Wesen in der Welt in seiner ihm eigentümlichen Sprache verständlich. Denn

wenn die Sonne von den Engeln zurechtgemacht wird, so kräht der Hahn.«

7 Und ich sprach: >Und wo begibt sich die Sonne an ihre Tagesarbeit, nachdem der Hahn gekräht hat?< Und der Engel sprach zu mir: »Höre

mir zu, o Baruch! Alles, was ich dir gezeigt habe, ist im ersten und zweiten Himmel. Und im dritten Himmel wandelt die Sonne entlang und

spendet der Erde das Licht. Doch harre aus, so wirst du die Herrlichkeit Gottes schauen.« Und während ich so mit ihm rede, sehe ich den

Vogel, und er wurde zuvörderst sichtbar, und nach und nach wuchs er und endlich wurde er vollständig sichtbar. Und hinter ihm sehe ich die

Sonne hervorblitzen und mit ihr die Engel, wie sie zogen, und eine Krone auf ihrem Haupte, ein Anblick, auf den wir nicht die Augen richten

und hinsehen konnten. Und gleichzeitig damit, daß die Sonne erstrahlte, breitete auch der Phönix seine Flügel aus. Als ich aber diese

großartige Herrlichkeit schaute, ward ich infolge des gewaltigen Schrecks ganz erschöpft, und ich floh hinweg und verbarg mich in den

Flügeln des Engels. Und der Engel sprach zu mir: »Fürchte dich nicht, Baruch, sondern harre aus, so wirst du auch ihren Untergang schauen.

«

8 Und er nahm mich und brachte mich nach Sonnenuntergang. Und als die Zeit kam zum Untergehen, da sehe ich wieder gerade vor mir den

Vogel kommen. Und gleichzeitig damit, daß er kam, sehe ich die Engel, und sie nahmen ihm die Krone vom Haupte ab. Der Vogel aber

stand ganz erschöpft und mit zusammengezogenen Flügeln da. Und als ich dies sah, sagte ich: >O Herr! Warum haben sie die Krone vom

Haupte der Sonne abgenommen, und warum ist der Vogel so sehr erschöpft?« Und der Engel sprach zu mir: > Die Krone der Sonne nehmen,

wenn sie den Tag durchlaufen hat, vier Engel in Empfang und tragen sie in den Himmel hinauf und erneuern sie, dieweil sie und ihre

Strahlen auf der Erde befleckt worden sind. Übrigens wird sie so an jedem Tag erneuert.« Und ich, Baruch, sprach: >O Herr! Und warum

werden ihre Strahlen auf der Erde befleckt?< Und der Engel sprach zu mir: »Weil sie die Gesetzübertretungen und die Sünden der Menschen

mit ansehen muß, als da sind Buhlerei, Ehebruch, Diebstähle, Raub, Götzendienst, Trunkenheit, Totschlag, Streitereien, Eifersucht,

Verdächtigungen, Murren, Ohrenbläserei, Wahrsagerei und dem Ähnliches, was Gott nicht wohlgefällt. Um deswillen wird sie befleckt und

um deswillen muß sie erneuert werden. Betreffs des Vogels aber fragst du, wie es kommt, daß er so erschöpft ist? Weil er dadurch, daß er die

Strahlen der Sonne abhält, durch das Feuer und die Hitze den ganzen Tag über, durch dies beides so mitgenommen wird. Denn wenn seine

Flügel nicht, wie wir vorher gesagt haben, die Strahlen der Sonne ringsrum bedeckten, so könnte keine Seele mehr am Leben bleiben.«

9 Und als diese, die Sonne und der Vogel, sich zurückgezogen hatten, da brach die Nacht herein, und zugleich mit ihr kam >der Wagen< des

Mondes samt den Sternen. Da sprach ich, Baruch: O Herr! Zeige mir auch diesen, darum bitte ich dich, wie er hervorgeht, und wo er hingeht,

und auf welche Weise er einherwandelt. Und der Engel sprach: »Warte, so wirst du auch ihn gar bald sehen. « Und am folgenden Morgen

sehe ich auch ihn in Gestalt eines Weibes und auf einem Wagen mit Rädern sitzend. Und vor ihm her waren Rinder und Lämmer an dem

Wagen und eine große Zahl von Engeln in ähnlicher Weise. Und ich sprach: O Herr! Was sind das für Rinder und für Lämmer? Und er sagte

zu mir: Engel sind auch diese. Und weiter frage ich: Und wie verhält es sich damit, daß er bald zunimmt, bald aber abnimmt? Und er sagte zu

mir: »Höre zu, o Baruch! Er, den du da siehst, war schön gezeichnet vom Herrn, wie kein anderer. Und bei der Übertretung durch Adam hielt

er sich in der Nähe des Samael, damals, als dieser die Schlange als Gewand anlegte. Und er hielt sich nicht versteckt, sondern nahm noch zu,

und Gott ergrimmte über ihn und drückte ihn zusammen und kürzte seine Tage ab.« Und ich sprach: > Und wie kommt es, daß er nicht auch

allezeit leuchtet, sondern nur in der Nacht? Und der Engel sprach: Höre mir zu! Wie angesichts des Königs die Hofleute nicht ihre Meinung

offen äußern dürfen, so können auch der Mond und die Sterne nicht angesichts der Sonne glänzen. Denn die Sterne hängen zwar immer da,

doch werden sie von der Sonne verdeckt; und der Mond, obwohl er unversehrt bleibt, wird doch von der Hitze der Sonne völlig aufgezehrt.«

Der vierte Himmel.

10 Als ich nun dies alles von dem Erzengel erfahren hatte, nahm er mich und brachte mich in einen >vierten< Himmel. Und ich sah eine

einförmige Ebene und mitten in ihr einen Teich voll von Wasser. Und es war in ihm eine große Menge von Vögeln aller Arten, aber nicht

ähnlich denen hier auf der Erde. Aber ich sah einen Kranich so groß wie große Rinder; und alle übertrafen an Größe die Vögel auf der Erde.

Und ich fragte den Engel: »Was ist das für eine Ebene, und was für ein Teich, und was für eine Menge von Vögeln rund um ihn herum?«

Und der Engel sprach: »Höre mir zu, Baruch: Die Ebene, die den Teich umschließt und alles das andere Wunderbare auf ihr, ist der Ort, wo

die Seelen der Gerechten hingehen, wenn sie zusammenkommen, um in Chören zusammen zu leben. Das Wasser aber ist das, welches die

Wolken erhalten, um es auf die Erde regnen zu lassen, und wovon die Früchte wachsen.« Und ich sprach weiter zu dem Engel des Herrn:

Was sind das aber für Vögel?« Und er sprach zu mir: »Das sind die, die immerwährend dem Herrn lobsingen.« Und ich sprach: > O Herr!

Und wie können die Menschen sagen, daß das Wasser, welches auf die Erde herabregnet, vom Meere stammt?« Und der Engel sprach: »Das

Wasser das herabregnet, -auch dieses stammt vom Meer und von den Gewässern auf Erden her; das aber, das die Früchte hervorbringt,

stammt nur von diesen hier. Wisse weiter nun auch dies, daß von diesen das Wasser herstammt, das man den Tau des Himmels nennt.«

Der fünfte Himmel.

10 Und von diesem nahm mich der Engel und brachte mich in einen fünften Himmel. Und das Tor war zugeschlossen. Und ich sprach: > O

Herr! Wird dieses Tor nicht geöffnet, daß wir hineingehen können ?< Und der Engel sprach zu mir: »Wir können nicht eher hineingehen, als

bis Michael, der Schlüsselbewahrer des Himmelreichs, herbeikommt. Aber warte nur, so wirst du die Herrlichkeit Gottes schauen.« Und es

entstand ein gewaltiges Geräusch wie Donner. Und ich sprach: > O Herr! Was ist das für ein Geräusch?< Und er sprach zu mir: Gerade jetzt

steigt der Engelfürst Michael hinab, um die Gebete der Menschen entgegenzunehmen.« Und siehe, eine Stimme ließ sich vernehmen: >Die

Tore sollen geöffnet werden!< Und man öffnete, und es entstand ein Knarren so laut wie Donnerschall. Und es kam Michael, und der Engel,

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der mir beigegeben, ging ihm entgegen und kniete vor ihm nieder und sprach: >Sei gegrüßt, du mein Erzengel und der unserer ganzen

Abteilung!< Und der Engelfürst Michael sprach: >Auch du mögest dich freuen, o unser Bruder, und der du die Offenbarungen denen auslegst,

die die Lebenszeit gut verbringen.< Und nachdem sie sich so einander begrüßt hatten, standen sie still. Und ich sah, wie der Engelfürst

Michael eine gewaltig große Schale hielt, deren Tiefe so groß war wie vom Himmel bis zur Erde, und deren Breite so groß war wie vom

Norden bis zum Süden. Und ich sprach: >Herr! Was ist das, was der Erzengel Michael hält?< Und er sprach zu mir: »In diese Schale

kommen alle die Tugenden der Gerechten und die guten Werke, die sie tun, welche dann vor den himmlischen Gott hergebracht werden.«

12 Und während ich mich mit ihnen unterhielt, siehe, da kamen Engel herbei, die Körbchen voll von Blumen trugen. Und sie reichten sie

dem Michael hin. Und ich fragte den Engel: »O Herr! Wer sind diese, und was ist das, was von seiten derselben hierhergebracht wird?« Und

er sprach zu mir: >Das sind die Engel, die bei den >Gerechten< sind.« Und der Erzengel nahm die Körbchen und warf sie in die Schale

hinein. Und der Engel spricht zu mir: >Diese Blumen sind die Tugenden der Gerechten.< Und ich sah, wie andere Engel leere Körbchen

trugen, die nicht angefüllt waren. Und sie kamen betrübt herbei und wagten nicht, näherzutreten, dieweil sie die Kampfesprämien nicht

vollzählig hatten. Und Michael rief laut und sprach: »Tretet auch ihr herzu, ihr Engel! Tragt her, was ihr herbeigebracht habt!« Und Michael

ward sehr betrübt und auch der Engel bei mir, dieweil sie die Schale nicht gefüllt hatten.

13 Und hierauf kamen in gleicher Weise andere Engel, weinend und jammernd und furchtsam fragend: »Sieh, wie wir tief betrübt sind, o

Herr, weil wir schlechten Menschen zugewiesen worden sind; und darum wollen wir uns von ihnen zurückziehen.« Und Michael sprach: »Ihr

könnt euch nicht von ihnen zurückziehen, damit nicht schließlich der Feind die Oberhand gewinne. Aber sagt mir, um was ihr bittet!« Und

sie sagten: »Wir bitten dich, o Michael, unser Engelfürst, versetze uns von ihnen weg, da wir es bei den schlechten und unverständigen

Menschen nicht länger aushalten können, weil es bei ihnen nichts Gutes gibt, sondern nur jegliche Ungerechtigkeit und Habsucht. Denn wir

sahen sie niemals in die Kirche gehen, noch auch zu den geistlichen Vätern, noch auch zu irgend einem guten Werke. Sondern, wo ein Mord

verübt wird, da sind auch sie mitten darunter; und wo es Buhlerei, Ehebruch, Diebstähle, Verdächtigungen, Meineid, Neid, Trunkenheit,

Streitigkeiten, Eifersucht, Murren, Ohrenbläserei, Götzendienst, Wahrsagerei und dem ähnliches gibt, da sind sie auch dabei als solche, die

Derartiges und noch Schlimmeres als das verüben. Darum bitten wir, daß wir von ihnen fortgehen dürfen.« Und Michael sagte zu den Engeln:

»Wartet, bis ich vom Herrn erfahren habe, was geschehen soll!«

14 Und um eben diese Stunde ging Michael fort, und die Tore wurden geschlossen. Und es entstand ein Getöse wie Donner. Und ich fragte

den Engel: >Was ist das für ein Geräusch?< Und er sprach zu mir: »Gerade jetzt bringt Michael die Tugenden der Menschen Gott dar.« 15

Und um eben diese Stunde stieg Michael hinab, und das Tor wurde geöffnet. Und er trug Öl. Und den Engeln, die die Körbchen voll

gebracht hatten, füllte er sie mit Öl, indem er sprach: » Tragt es fort; gebt hundertfältigen Lohn unseren Freunden und denen, die mühsam die

guten Werke vollbracht haben. Denn die gut säen, ernten auch gut!« Und er spricht auch zu denen, die die halbleeren Körbchen brachten:

>Tretet auch ihr herzu, empfangt den Lohn gemäß dem, was ihr gebracht habt, und übergebt ihn den Menschenkindern.< Hierauf sagt er

sowohl zu denen, die die vollen gebracht haben, als auch zu denen mit den halbleeren also: »Geht hin und segnet unsere Freunde und sagt zu

ihnen: So spricht der Herr: Über Wenigem seid ihr treu, über Vieles will >ich< euch setzen! Geht ein zu eures Herrn Freude!«

16 Nachdem er sich nun umgewendet hatte, spricht er auch zu denen, die nichts gebracht hatten: » So spricht der Herr: Macht kein trauriges

Gesicht und weinet nicht; laßt aber auch nicht die Menschenkinder fahren ... Aber nachdem sie mich mit ihren Werken erzürnt haben, sollt

ihr hingehen und sie eifersüchtig machen und erzürnen und erbittern gegen ein Nichtvolk, gegen ein unverständiges Volk. Außerdem schickt

auch noch aus gegen sie Raupen und ungeflügelte Heuschrecken und Mehltau und gewöhnliche Heuschrecken und Hagel samt Blitzen und

Zorn und zerschneidet sie mitten entzwei mit dem Schwert und tötet sie mit Pest und ihre Kinder mit Dämonen. Denn sie haben nicht auf

meine Stimme gehört, haben auch nicht meine Gebote beachtet noch sie gehalten, sondern haben sich als Verächter meiner Gebote erwiesen

und haben die Priester, die ihnen meine Worte verkündigten, mißhandelt.«

Die Heimkehr.

17 Und während er noch redete, wurde das Tor geschlossen, und wir machten uns auf den Rückweg. Und der Engel nahm mich und brachte

mich an den Ort zurück, wo ich anfangs gewesen war. Und als ich zu mir selbst kam, brachte ich Gott Lobpreis dar, weil er mich solcher

Ehre gewürdigt hatte. Um deswillen sollt auch ihr, meine Brüder, die ihr einer derartigen Offenbarung teilhaftig geworden seid, Gott

verherrlichen, damit auch er euch jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit verherrliche. Amen!

Textquelle: Das äthiopische Buch Henoch.

Einleitungsrede zum ganzen Buch.

Henochs Bilderrede vom künftigen Weltgericht.

1 Die Segensrede Henochs, mit der die auserwählten Gerechten segnete, die am Tage der Trübsal vorhanden sein werden, wenn man alle

gottlosen Sünder beseitigt. 2 Da hob Henoch, ein gerechter Mann, seine Bilderrede an und sprach. Ein Gesicht war ihm von Gott enthüllt,

und er schaute ein heiliges und himmlisches Gesicht, das mir die heiligen Engel zeigten. Von ihnen hörte und erfuhr ich alles, was ich sah.

Nicht für das gegenwärtige Geschlecht dachte ich nach, sondern für das künftige. 3 Ich spreche nun über die Auserwählten und habe meine

Bilderrede über sie angehoben: Der große Heilige wird von seinem Wohnort ausziehen, 4 und der Gott der Welt wird von da auf den Berg

Sinai treten, mit seinen Heerscharen sichtbar werden und in der Stärke seiner Macht vom Himmel der Himmel her erscheinen. 5 Da werden

alle Menschen sich fürchten, die Wächter werden erbeben, und große Furcht und Angst wird sie bis an die Enden der Erde erfassen. 6 Die

hohen Berge werden erschüttert werden, fallen und zergehen, die ragenden Hügel sich senken und in der Flamme wie Wachs vor dem Feuer

schmelzen. 7 Die Erde wird gänzlich zerschellen und alles auf ihr Befindliche umkommen, und ein Gericht wird über alle stattfinden. 8 Mit

den Gerechten aber wird er Frieden schließen und die Auserwählten behüten. Gnade wird über ihnen walten, und sie werden alle Gott

angehören. Sie werden sein Wohlgefallen haben und gesegnet sein, und das Licht Gottes wird ihnen scheinen. Und siehe, er kommt mit

Myriaden Heiliger, um über alle Gericht zu halten, und er wird alle Gottlosen vernichten und alles Fleisch zurechtweisen wegen all der

gottlosen Werke, die die gottlosen Sünder begangen, und wegen all der heftigen Reden, die sie gesprochen, und wegen all' dessen, was sie

über ihn Übles geredet haben.

2 Beobachtet, wie alle Werke am Himmel ihre Bahnen nicht ändern, und wie die Lichter am Himmel alle auf- und untergehen, ein jedes nach

bestimmter Ordnung zu ihrer festgesetzten Zeit, und an ihren Festtagen erscheinen und ihre besondere Ordnung nicht übertreten! 2 Betrachtet

die Erde und beachtet die Werke, die von Anfang bis Ende auf ihr geschehen, wie sich keins von ihnen auf Erden verändert, sondern alle

Werke Gottes zum Vorschein kommen. 3 Betrachtet den Sommer und den Winter, wie im Winter die ganze Erde voll Wasser ist, und

Wolken, Tau und Regen sich über ihr lagern.

1 Beobachtet und seht, wie im Winter alle Bäume aussehen, als ob sie verdorrt wären, und wie alle ihre Blätter abgefallen sind, außer bei

vierzehn Bäumen, die ihr Laub nicht abwerfen, sondern das alte zwei bis drei Jahre lang behalten, bis das neue kommt.

2 Beobachtet alsdann, wie in der Sommerszeit die Sonne über ihr, der Erde, ihr gegenüber steht! Ihr sucht dann kühle Plätze und Schatten

gegen die Sonnenhitze auf, und auch die Erde ist infolge der sengenden Glut brennend heiß, so daß ihr weder auf den Erdboden noch auf

einen Stein wegen seiner Hitze treten könnt.

1 Beobachtet, wie sich die Bäume mit Blättergrün bedecken und jede Frucht von ihnen zu Ehr und Ruhm Gottes dient. Achtet und merkt auf

alle seine Werke, so werdet ihr erkennen, daß der lebendige Gott sie so gemacht hat und bis in alle Ewigkeit lebt. [?] 2 Alle seine Werke, die

er gemacht hat, geschehen von Jahr zu Jahr immerdar so, und alle Werke, die ihm den Dienst verrichten, ändern sich auch nicht in ihrem

Tun, sondern sowie Gott befiehlt, geschieht alles. 3 Seht, wie das Meer und die Flüsse in gleicher Weise den Dienst verrichten und ihr Tun

seine Worte nicht ändert. 4 Ihr aber habt nicht ausgeharrt und das Gesetz des Herrn nicht erfüllt, sondern ihr seid abgefallen und habt durch

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hochmütige und trotzige Worte aus eurem unreinen Mund seine Majestät geschmäht! Weil ihr mit euren Lügenreden gelästert habt, so

werdet ihr Hartherzigen keinen Frieden haben! 5 Darum werdet ihr eure Tage verfluchen und eurer Lebensjahre verlustig gehen und die

Jahre eurer Verdammnis sollen durch einen ewigen Fluch vermehrt werden, und ihr werdet keine Gnade finden! 6 In jenen Tagen werdet ihr

euren Namen zur Nennung bei einem ewigen Fluch für alle Gerechten hergeben; sie, die Gerechten, werden bei euch, all ihr Verfluchten,

fluchen und bei euch, all ihr' Sünder und Gottlosen, schwören. 7 Den Auserwählten aber wird Licht, Freude und Friede zu teil werden, und

sie werden das Land erben! Euch aber, ihr Gottlosen, wird Fluch treffen. 8 Danach wird den Auserwählten Weisheit verliehen werden; alle

diese werden leben und nicht mehr sündigen, weder aus Versehen noch aus Übermut und in dem erleuchteten Menschen wird Licht und in

dem verständigen Verstand sein. Sie werden sich nicht verschulden, 9 noch sich versündigen alle ihre Lebenstage und auch nicht durch die

Zornglut Gottes sterben, sondern sie werden die Zahl ihrer Lebenstage vollenden. Ihr Leben wird in Frieden gedeihen, und die Jahre ihrer

Wonne werden in ewigem Jubel und Frieden während all ihrer Lebenstage viele sein.«

Der erste Teil: Das angelologische Buch.

Der Fall der Engel, ihre vorläufige und endgültige Abstrafung.

1 Nachdem die Menschenkinder sich gemehrt hatten, wurden ihnen in jenen Tagen schöne und liebliche Töchter geboren. 2 Als aber die

Engel, die Himmelssöhne, sie sahen, gelüstete es sie nach ihnen, und sie sprachen untereinander: »Wohlan, wir wollen uns Weiber unter den

Menschentöchtern wählen und uns Kinder zeugen. 3 Semjasa aber, ihr Oberster, sprach zu ihnen: Ich fürchte, ihr werdet wohl diese Tat nicht

ausführen wollen, so daß ich allein eine große Sünde zu büßen haben werde. 4 Da antworteten ihm alle und sprachen: Wir wollen alle einen

Eid schwören und durch Verwünschungen uns untereinander verpflichten, diesen Plan nicht aufzugeben, sondern dies beabsichtigte Werk

auszuführen. 5 Da schwuren alle zusammen und verpflichteten sich untereinander durch Verwünschungen dazu. Es waren ihrer im Ganzen

200, 6 die in den Tagen Jareds auf den Gipfel des Berges Hermon herabstiegen. Sie nannten aber den Berg Hermon, weil sie auf ihm

geschworen und durch Verwünschungen sich untereinander verpflichtet hatten. 7 Dies sind die Namen ihrer Anführer: Semjasa, ihr Oberster,

Urakib, Arameel, [Sammael], Akibeel, Tamiel, Ramuel, Danel, Ezeqeel, Saraqujal, Asael, Armers, Batraal, Anani, Zaqebe, Samsaveel, Sartael,

Tumael [?], Tutel, Jomjael, Arasjal. 8 Dies sind ihre Dekarchen. 1 Diese und alle übrigen mit ihnen nahmen sich Weiber, jeder von

ihnen wählte sich eine aus, und sie begannen zu ihnen hineinzugehen und sich an ihnen zu verunreinigen; sie lehrten sie Zaubermittel,

Beschwörungsformeln und das Schneiden von Wurzeln und offenbarten ihnen die heilkräftigen Pflanzen. 2 Sie wurden aber schwanger und

gebaren 3000 Ellen lange Riesen, 3 die den Erwerb der Menschen aufzehrten. Als aber die Menschen ihnen nichts mehr gewähren konnten, 4

wandten sich die Riesen gegen sie und fraßen sie auf, 5 und die Menschen begannen sich an den Vögeln, Tieren, Reptilien und Fischen zu

versündigen, das Fleisch voneinander aufzufressen, und tranken das Blut. 6 Da klagte die Erde über die Ungerechten.

1 Asasel lehrte die Menschen Schlachtmesser, Waffen, Schilde und Brustpanzer verfertigen und zeigte ihnen die Metalle samt ihrer

Verarbeitung und die Armspangen und Schmucksachen, den Gebrauch der Augenschminke und das Verschönern der Augenlider, die

kostbarsten und auserlesensten Steine und allerlei Färbemittel. 2 So herrschte viel Gottlosigkeit, und sie trieben Unzucht, gerieten auf

Abwege und alle ihre Pfade wurden verdorben. 3 Semjasa lehrte die Beschwörungen und das Schneiden der Wurzeln, Armaros die Lösung

der Beschwörungen, Baraqel das Sternschauen, Kokabeel die Astrologie, Ezeqeel die Wolkenkunde, Arakiel die Zeichen der Erde,

Samsaveel die Zeichen der Sonne, Seriel die Zeichen des Mondes. 4 Als nun die Menschen umkamen, schrieen sie, und ihre Stimme drang

zum Himmel.

1 Da blickten Michael, Uriel, Raphael und Gabriel vom Himmel und sahen das viele Blut, das auf Erden vergossen wurde, und all das

Unrecht, das auf Erden geschah. 2 Sie sprachen untereinander: Von der Stimme ihres und der Menschen Geschrei hallt die menschenleere

Erde bis zu den Pforten des Himmels wider. 3 Die Seelen der Menschen klagen, indem sie sprechen: Bringt unsere Streitsache vor den

Höchsten! 4 Da sprachen sie, die Erzengel, zum Herrn: Du bist der Herr der Herren, der Gott der Götter und der König der Könige; der

Thron deiner Herrlichkeit besteht durch alle Geschlechter der Welt; dein Name ist heilig und in aller Welt gepriesen. 5 Denn du hast alles

gemacht und die Herrlichkeit über alles ist bei dir. Alles ist vor dir aufgedeckt und offenbar; du siehst alles, und nichts kann sich vor dir

verbergen. 6 Du hast gesehen, was Asasel getan hat,

wie er allerlei Ungerechtigkeit auf Erden gelehrt und die himmlischen Geheimnisse der Urzeit geoffenbart hat, die die Menschen kennen zu

lernen sich haben angelegen sein lassen. 7 Die Beschwörungen hat Semjasa gelehrt, dem du die Vollmacht gegeben hast, die Herrschaft über

seine Genossen zu üben. 8 Sie sind zu den Menschentöchtern auf der Erde gegangen, haben bei ihnen geschlafen und mit den Weibern sich

verunreinigt und haben ihnen alle Sünden geoffenbart. 9 Die Weiber aber gebaren Riesen, und dadurch wurde die ganze Erde von Blut und

Ungerechtigkeit voll. 10 Nun, siehe, schreien die Seelengeister der Verstorbenen und klagen bis zu den Pforten des Himmels. Ihr Geseufze

ist emporgestiegen und kann angesichts der auf Erden verübten Gottlosigkeit nicht aufhören. 11 Du aber weißt alles, bevor es geschieht. Du

siehst dies und lassest sie gewähren und sagst uns nicht, was wir deswegen mit ihnen tun sollen.

1 Darauf sprach der Höchste, und der große Heilige ergriff das Wort und sandte Uriel zu dem Sohne Lamechs und sprach zu ihm: 2 Sage ihm

in meinem Namen: Verbirg dich! und offenbare ihm das bevorstehende Ende. Denn die ganze Erde wird untergehen und eine Wasserflut ist

im Begriff, über die ganze Erde zu kommen, und alles auf ihr Befindliche wird untergehen. 3 Belehre ihn, damit er entrinne, und seine

Nachkommenschaft für alle Geschlechter der Welt erhalten bleibe. 4 Zu Raphael sprach der Herr: Feßle den Asasel an Händen und Füßen

und wirf ihn in die Finsternis; mache in der Wüste in Dudael ein Loch und wirf ihn hinein. 5 Lege unter ihn scharfe und spitze Steine und

bedecke ihn mit Finsternis. Er soll für ewig dort wohnen, und bedecke sein Angesicht mit Finsternis, damit er kein Licht schaue. 6 Aber am

Tage des großen Gerichts soll er in den Feuerpfuhl geworfen werden. 7 Heile die Erde, welche die Engel verdorben haben, und tue die

Heilung des Schlages kund, damit sie hinsichtlich des Schlages geheilt werden[?], und nicht alle Menschenkinder durch das ganze

Geheimnis umkommen, das die Wächter verbreitet und ihren Söhnen gelehrt haben. 8 Die ganze Erde wurde durch die Werke der Lehre

Asasels verdorben, und ihm schreibe alle Sünden zu. 9 Zu Gabriel sprach der Herr: Ziehe los gegen die Bastarde, die Verworfenen und die

Hurenkinder, tilge die Söhne der Wächter von den Menschen hinweg und lasse sie gegeneinander los, daß sie sich untereinander im Kampfe

vernichten; denn langes Leben soll ihnen nicht zu teil werden. 10 Jede Bitte soll ihren Vätern für sie ihre Kinder nicht gewährt werden,

obwohl sie hoffen, ein ewiges Leben zu leben, und daß ein jeder von ihnen 500 Jahre lebe. 11 Zu Michael sprach der Herr: Geh, binde

Semjasa und seine übrigen Genossen, die sich mit den Weibern vermischt haben, um sich bei ihnen durch ihre Unreinheit zu beflecken. 12

Wenn sich ihre Söhne untereinander erschlagen, und wenn sie, die Väter, den Untergang ihrer geliebten Söhne gesehen haben werden, so

binde sie für 70 Geschlechter unter die Hügel der Erde bis zum Tag ihres Gerichts und ihrer Vollendung, bis das ewige Endgericht vollzogen

wird. 13 In jenen Tagen wird man sie in den Abgrund des Feuers abführen, >und< sie werden in der Qual und im Gefängnis immerdar

eingeschlossen werden. 14 Wer immer verurteilt und von jetzt an mit ihnen zusammen vernichtet wird, wird bis zum Ende aller Geschlechter

gebunden gehalten werden. 15 Vernichte alle Geister der Verworfenen und die Söhne der Wächter, weil sie die Menschen mißhandelt haben.

16 Tilge alle Gewalttat von der Erde hinweg; jedes schlechte Werk soll ein Ende nehmen, und erscheinen soll die Pflanze der Gerechtigkeit

und der Wahrheit, und die Arbeit wird zum Segen gereichen. Gerechtigkeit und Wahrheit werden in Freuden für immer gepflanzt werden. 17

Und nun werden alle Gerechten entfliehen und sie werden leben, bis sie 1000 Kinder zeugen, und alle Tage ihrer Jugend und ihres Alters

werden sie in Frieden vollenden. 18 In jenen Tagen wird die ganze Erde in Gerechtigkeit bestellt, ganz mit Bäumen bepflanzt werden und

voll von Segensgaben sein. 19 Allerlei liebliche Bäume werden auf ihr gepflanzt werden; Weinstöcke wird man auf ihr pflanzen, und die auf

ihr gepflanzten Weinstöcke werden Wein in Überfluß tragen, und von allem Samen, der auf ihr gesät wird, wird ein Maß tausend tragen, und

ein Maß Oliven wird zehn Kufen Öl geben. 20 Und du reinige die Erde von aller Gewaltthat, von aller Ungerechtigkeit, von aller Sünde, von

aller Gottlosigkeit und von aller Unreinigkeit, die auf der Erde verübt wird; vertilge sie von der Erde. 21 Alle Menschenkinder sollen gerecht

sein, alle Völker sollen mich verehren, mich preisen und sie alle werden mich anbeten. 27 Die Erde wird rein sein von aller Verderbnis, von

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aller Sünde, von aller Plage und von aller Qual, und ich werde nicht abermals eine Flut über sie senden von Geschlecht zu Geschlecht und

bis in Ewigkeit.

1 In jenen Tagen werde ich die himmlischen Vorratskammern des Segens öffnen, um sie auf die Erde, auf das Werk und die Arbeit der

Menschenkinder herabkommen zu lassen. 2 Und dann werden Heil und Recht alle Tage der Welt und alle Geschlechter der Menschen

hindurch sich paaren.

Henochs Traumgesicht über die erste und zweite Abstrafung der gefallenen Engel und ihrer Kinder.

1 Vor diesen Begebenheiten war Henoch verborgen, und niemand von den Menschenkindern wußte, wo er verborgen war, wo er sich

aufhielt, und was mit ihm geworden war. 2 Alles, was er während seines Lebens unternahm, geschah mit den Wächtern und mit den

Heiligen. 3 Da erhob ich, Henoch, mich, indem ich den Herrn der Erhabenheit und den König der Welt pries. Siehe, da riefen die Wächter

des großen Heiligen mich, Henoch, den Schreiber, und sagten zu mir: 4 Henoch, du Schreiber der Gerechtigkeit, geh hin, verkünde den

Wächtern des Himmels, die den hohen Himmel, die heilige ewige Stätte verlassen, mit den Weibern sich verdorben, wie die Menschenkinder

tun, getan, sich Weiber genommen und sich in großes Verderben auf der Erde gestürzt haben: 5 Sie werden keinen Frieden noch Vergebung

finden. So oft sie sich über ihre Kinder freuen, 6 werden sie die Ermordung ihrer geliebten Söhne sehen und über den Untergang ihrer Kinder

seufzen; sie werden immerdar bitten, aber weder Barmherzigkeit noch Frieden erlangen.

1 Henoch aber ging hin und sagte zu Asasel: Du wirst keinen Frieden haben; ein großer Urteilsspruch ist über dich ergangen, dich zu binden.

2 Du wirst keine Nachsicht und Fürbitte erlangen, wegen der Gewalttaten, die du gelehrt, und wegen all der Werke der Lästerung, Gewalttat

und Sünde, die du den Menschen gezeigt hast. 3 Dann ging ich hin und redete zu ihnen allen insgesamt, und sie fürchteten sich alle, und

Furcht und Zittern ergriff sie. 4 Da baten sie mich, eine Bittschrift für sie zu schreiben, damit ihnen Vergebung zu teil werde, und ihre

Bittschrift vor dem Herrn des Himmels vorzulesen. 5 Denn sie konnten nicht mehr mit ihm reden, noch ihre Augen zum Himmel erheben aus

Scham über ihre Sünden, derentwegen sie gestraft wurden. 6 Darauf verfaßte ich ihre Bitt- und Flehschrift in betreff ihrer Geister und ihrer

einzelnen Handlungen und in betreff dessen, worum sie baten, damit ihnen Vergebung und Nachsicht zu teil würde. 7 Und ich ging hin und

setzte mich an die Wasser von Dan im Lande Dan, das südlich von der Westseite des Hermon liegt, und ich las ihre Bittschrift Gott vor, bis

ich einschlief. 8 Siehe da überkamen mich Träume, und Gesichte überfielen mich; ich sah Gesichte eines Strafgerichts, und eine Stimme

drang zu mir und rief, daß ich es den Söhnen des Himmels anzeigen und sie schelten solle. 9 Als ich erwacht war, kam ich zu ihnen, und sie

saßen alle versammelt in Abel..., das zwischen dem Libanon und Senir liegt, trauernd, mit verhüllten Gesichtern. 10 Da erzählte ich vor

ihnen alle Gesichte, die ich im Schlafe gesehen hatte, und ich begann jene Worte der Gerechtigkeit zu reden und die himmlischen Wächter zu

schelten.

1 Dies Buch ist das Wort der Gerechtigkeit und der Zurechtweisung der ewigen Wächter, wie der große Heilige in jenem Gesichte befohlen

hatte. 2 Ich sah in meinem Schlafe, was ich jetzt mit Fleischeszunge und mit dem Odem meines Mundes erzählen werde, den der Große den

Menschen verliehen hat, daß sie damit reden und mit dem Herzen es verstehen sollen. 3 Wie er die Menschen geschaffen und ihnen verliehen

hat, die Worte der Erkenntnis zu verstehen, so hat er auch mich geschaffen und mir verliehen, die Wächter, die Söhne des Himmels zu rügen.

4 Ich hatte eure Bitte aufgeschrieben, aber in meinem Gesichte wurde mir dies gezeigt, daß eure Bitte nimmermehr erfüllt werden wird, daß

das Gericht über euch vollzogen ist, und euch nichts gewährt werden wird. 5 Fortan werdet ihr nimmermehr in den Himmel hinaufsteigen,

und es ist befohlen, euch mit Fesseln auf der Erde für alle Geschlechter der Welt zu binden. 6 Zuvor aber sollt ihr die Vernichtung eurer

geliebten Söhne ansehen. Es wird euch keiner von ihnen übrig bleiben, sondern sie werden vor euch durchs Schwert fallen.

7 Eure Bitte für sie wird euch nicht gewährt werden, noch auch jener Bitte für euch; trotz Weinen und Bitten sollt ihr auch nicht die

Erfüllung eines Wortes aus der Schrift erlangen, die ich verfaßt habe. 8 Mir wurde im Gesichte folgende Erscheinung: Siehe, Wolken luden

mich ein im Gesicht, und ein Nebel forderte mich auf; der Lauf der Sterne und Blitze trieb und drängte mich, und Winde gaben mir Flügel im

Gesicht und hoben mich empor. 9 Sie trugen mich hinein in den Himmel. Ich trat ein, bis ich mich einer Mauer näherte, die aus

Kristallsteinen gebaut und von feurigen Zungen umgeben war; und sie begann mir Furcht einzujagen. 10 Ich trat in die feurigen Zungen

hinein und näherte mich einem großen, aus Kristallsteinen gebauten Hause. Die Wände jenes Hauses glichen einem mit Kristallsteinen

getäfelten Fußboden, und sein Grund war von Kristall. 11 Seine Decke war wie die Bahn der Sterne und Blitze, dazwischen feurige Kerube,

und ihr Himmel bestand aus Wasser. 12 Ein Feuermeer umgab seine Wände, und seine Türen brannten von Feuer. 13 Ich trat ein in jenes

Haus, das heiß wie Feuer und kalt wie Schnee war. Da war keine Lebensluft vorhanden; Furcht umhüllte mich, und Zittern erfaßte mich. 14

Da ich erschüttert war und zitterte, fiel ich auf mein Angesicht und schaute Folgendes im Gesichte: 15 Siehe, da war ein anderes Haus,

größer als jenes; alle seine Türen standen vor mir offen, und es war aus feurigen Zungen gebaut. 16 In jeder Hinsicht, durch Herrlichkeit,

Pracht und Größe zeichnete es sich so aus, daß ich euch keine Beschreibung von seiner Herrlichkeit und Größe geben kann. 17 Sein Boden

war von Feuer; seinen oberen Teil bildeten Blitze und kreisende Sterne, und seine Decke war loderndes Feuer. 18 Ich schaute hin und

gewahrte darin einen hohen Thron. Sein Aussehen war wie Reif; um ihn herum war etwas, das der leuchtenden Sonne glich und das

Aussehen von Keruben hatte. 19 Unterhalb des Throns kamen Ströme lodernden Feuers hervor, und ich konnte nicht hinsehen. 20 Die große

Majestät saß darauf; sein Gewand war glänzender als die Sonne und weißer als lauter Schnee. 21 Keiner der Engel konnte in dieses Haus

eintreten und sein Antlitz vor Herrlichkeit und Majestät schauen. Kein Fleisch konnte ihn sehen. 22 Loderndes Feuer war rings um ihn; ein

großes Feuer verbreitete sich vor ihm, und keiner der Engel näherte sich ihm. Ringsherum standen zehntausendmal Zehntausende vor ihm,

und alles, was ihm beliebt, das tut er. 23 Und die Heiligen der Heiligen, die in seiner Nähe stehen, entfernten sich nicht bei Nacht oder bei

Tage, noch gingen sie weg von ihm. 24 Bis dahin war ich auf mein Angesicht gefallen und zitterte. Da rief mich der Herr mit seinem Mund

und sprach zu mir: Komm hierher, Henoch, und höre mein Wort! 25 Da kam einer von den Heiligen zu mir, weckte mich auf, ließ mich

aufstehen und brachte mich bis zu dem Tor; ich aber senkte mein Antlitz.

1 Da versetzte er und sprach zu mir, und ich hörte seine Stimme: Fürchte dich nicht, Henoch, du gerechter Mann und Schreiber der

Gerechtigkeit; tritt herzu und höre meine Rede. 2 Geh hin und sprich zu den Wächtern des Himmels, die dich gesandt haben, um für sie zu

bitten: Ihr solltet eigentlich für die Menschen bitten, und nicht die Menschen für euch. 3 Warum habt ihr den hohen, heiligen und ewigen

Himmel verlassen, bei den Weibern geschlafen, euch mit den Menschentöchtern verunreinigt, euch Weiber genommen und wie die Erdenkinder

getan und Riesensöhne gezeugt? 4 Obwohl ihr heilig und ewig lebende Geister wart, habt ihr durch das Blut der Weiber euch befleckt,

mit dem Blute des Fleisches Kinder gezeugt, nach dem Blute der Menschen begehrt und Fleisch und Blut hervorgebracht, wie jene tun, die

sterblich und vergänglich sind. 5 Deshalb habe ich ihnen Weiber gegeben, damit sie sie besamen und mit ihnen Kinder zeugen, so daß ihnen

also nichts auf Erden fehlt. 6 Ihr aber seid zuvor ewig lebende Geister gewesen, die alle Geschlechter der Welt hindurch unsterblich sein

sollten. 7 Darum habe ich für euch keine Weiber geschaffen, denn die Geister des Himmels haben im Himmel ihre Wohnung. 8 Aber die

Riesen nun, die von den Geistern und Fleisch gezeugt worden sind, wird man böse Geister auf Erden nennen, und auf der Erde werden sie

ihre Wohnung haben. 9 Böse Geister gingen aus ihrem Leibe hervor, weil sie von Menschen geschaffen wurden, und von den heiligen

Wächtern ihr Ursprung und erste Grundlage herrührt; böse Geister werden sie auf Erden sein und böse Geister genannt werden. 10 Die

Geister des Himmels haben im Himmel ihre Wohnung, und die Geister der Erde, die auf der Erde geboren wurden, haben auf der Erde ihre

Wohnung. 11 Die Geister der Riesen werden böse handeln [?] Gewalttaten begehen, Verderben stiften, angreifen, kämpfen, Zertrümmerung

auf Erden anrichten und Kummer bereiten; sie werden nicht essen, sondern hungern und dürsten und Anstoß erregen. 12 Und diese Geister

werden sich gegen die Söhne der Menschen und gegen die Weiber erheben, weil sie von ihnen ausgegangen sind.

1 Seit den Tagen der Niedermetzelung, des Verderbens und des Todes der Riesen, als die Geister aus der Seele ihres Fleisches herausgingen,

um Verderben anzurichten, ohne daß ein Gericht sie trifft, - in solcher Weise werden sie Verderben anrichten bis zum Tage des großen

Endgerichts, an dem der große [?] Weltlauf sich vollendet. 2 Und nun sprich zu den früher im Himmel befindlichen Wächtern, die dich

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gesandt haben, um für sie zu bitten: 3 Ihr seid im Himmel gewesen, und obwohl euch alle Geheimnisse noch nicht geoffenbart waren, wußtet

ihr ein nichtswürdiges Geheimnis und habt dies in eurer Herzenshärtigkeit den Weibern erzählt; durch dieses Geheimnis richten die Weiber

und Männer viel Übel auf Erden an. 4 Sage ihnen also: Ihr werdet keinen Frieden haben!

Henochs Reisen durch Erde und Unterwelt. Der erste Reisebericht.

1 Sie nahmen mich fort und versetzten mich an einen Ort, wo die dort befindlichen Dinge wie flammendes Feuer sind, und wenn sie wollen,

erscheinen sie wie Menschen. 2 Sie führten mich an den Ort des Sturmwinds und auf einen Berg, dessen äußerste Spitze in den Himmel

reicht. 3 Ich sah die Örter der Lichter, die Vorratskammern der Blitze und des Donners und in der äußersten Tiefe einen feurigen Bogen,

Pfeile samt ihrem Köcher, ein feuriges Schwert und sämtliche Blitze. 4 Sie versetzten mich an die lebendigen Wasser und an das Feuer des

Westens, das die jedesmal untergehende Sonne empfängt. 5 Ich kam bis zu einem Feuerstrome, dessen Feuer wie Wasser fließt, und der sich

in ein großes Meer im Westen ergießt. 6 Ich sah die großen Ströme und gelangte bis zu dem großen Fluß und bis zu der großen Finsternis

und ging dahin, wohin alles Fleisch wandert. 7 Ich sah die Berge der schwarzen Winterwolken und den Ort, wohin sich alle Wasser der Tiefe

ergießen. 8 Ich sah die Mündung aller Ströme der Erde und die Mündung der Tiefe.

1 Ich sah die Behälter aller Winde und ich sah, wie er mit ihnen die ganze Schöpfung ausgeschmückt hat, und ich sah die Grundfesten der

Erde. 2 Ich sah den Eckstein der Erde und ich sah die vier Winde, die die Erde und die Feste des Himmels tragen. 3 Ich sah, wie die Winde

die Höhe des Himmels ausspannen und ihre Stellung zwischen Himmel und Erde haben: das sind die Säulen des Himmels. 4 Ich sah die

Winde der Himmel, die die Sonnenscheibe und alle Sterne bewegen und herumschwingen. 5 Ich sah die Winde, die über der Erde die

Wolken tragen; ich sah die Wege der Engel, und ich sah am Ende der Erde die Himmelsfeste oberhalb der Erde. 6 Ich ging weiter und sah

einen Ort brennend Tag und Nacht, da, wo die sieben Berge aus Edelsteinen sind, drei in der Richtung nach Osten und drei in der Richtung

nach Süden. 7 Von denen in der Richtung nach Osten ist einer aus farbigem Stein, einer aus Perlstein und einer aus Topas; die in der

Richtung nach Süden sind aus rotem Stein. 8 Der mittlere, der bis zum Himmel reicht, ist wie der Thron Gottes aus Rubinstein, und die

Spitze des Throns ist aus Saphir. 9 Ich sah ein loderndes Feuer. Hinter diesen Bergen 10 ist ein Ort, jenseits des großen Landes; dort sind die

Himmel vollendet.

Der vorläufige und endgültige Strafort der gefallenen Engel (Sterne).

11 Ich sah einen tiefen Abgrund mit Säulen himmlischen Feuers, und ich sah unter ihnen Feuersäulen herabfallen; sie waren weder nach

Tiefe noch nach Höhe zu messen. 12 Hinter diesem Abgrund sah ich einen Ort, wo weder die Himmelsfeste darüber, noch die festgefugte

Erde darunter, noch Wasser unter ihm war, noch gab es dort Vögel, sondern ein Ort war es, wüste und grausig. 13 Ich sah dort sieben Sterne

wie große brennende Berge. Als ich mich danach erkundigte, 14 sagte der Engel: Dies ist der Ort, wo Himmel und Erde zu Ende sind; ein

Gefängnis ist dies für die Sterne und für das Heer des Himmels. 15 Die Sterne, die über dem Feuer dahinrollen, das sind die, welche beim

Beginn ihres Aufgangs den Befehl Gottes übertreten haben; denn sie kamen nicht zu ihrer Zeit hervor. 16 Da wurde er zornig über sie und

band sie 10000 Jahre bis zu der Zeit, da ihre Sünde vollendet ist.

1 Da sagte zu mir Uriel: Hier werden die Engel stehen, die sich mit den Weibern vermischt haben; und ihre Geister verunreinigten, vielerlei

Gestalten annehmend, die Menschen und verführen sie, den Dämonen wie Göttern zu opfern; sie werden hier stehen bis zum Tage des

großen Gerichts, an dem sie bis zu ihrer völligen Vernichtung gerichtet werden. 2 Aber die Weiber der abgefallenen Engel werden zu

Sirenen werden. 3 Ich, Henoch, habe allein das Geschaute, den Anblick der Enden von allen Dingen, gesehen, und kein Mensch hat sie so

gesehen, wie ich sie gesehen habe.

Der zweite Reisebericht. Namen und Geschäfte der sechs Erzengel.

1 Dies sind die Namen der heiligen Engel, welche wachen: 2 Uriel ist einer der heiligen Engel, nämlich der über das Engel-Heer und den

Tartarus gesetzte Engel. 3 Raphael, heißt ein zweiter der heiligen Engel, der über die Geister der Menschen gesetzt ist; 4 Raguel heißt ein

dritter der heiligen Engel, der Rache übt an der Welt der Lichter; 5 Michael heißt ein vierter der heiligen Engel, nämlich über den besten Teil

der Menschen gesetzt, über das Volk Israel; 6 Sariel heißt ein fünfter der heiligen Engel, der über die Geister, die gegen den Geist sündigen,

gesetzt ist; 7 Gabriel heißt ein sechster der heiligen Engel, der über das Paradies, die Schlangen und die Kerube gesetzt ist.

Der vorläuf ige und endgültige Strafort der gefallenen Engel (Sterne).

1 Ich wanderte ringsherum, bis ich an einen Ort kam, wo kein Ding war. 2 Dort sah ich etwas Fürchterliches: ich sah keinen Himmel oben

und kein festgegründetes Land unten, sondern einen öden und grausigen Ort. 3 Dort sah ich sieben Sterne des Himmels gefesselt und in ihn

hineingestoßen, wie große Berge, und brennend im Feuer. 4 Darauf sprach ich: Um welcher Sünde willen sind sie gebunden, und weshalb

sind sie hierher verstoßen? 5 Da sagte zu mir Uriel, einer von den heiligen Engeln, der bei mir war und ihr Führer ist, und sprach: Henoch,

weshalb fragst du und weshalb bekümmerst du dich eifrig, die Wahrheit zu erfahren? 6 Dies sind diejenigen Sterne des Himmels, die den

Befehl Gottes übertreten haben, und sie sind hier gebunden, bis 10000 Jahre, die Zeit ihrer Sünden, vollendet sind. 7 Von da ging ich weiter

an einen anderen Ort, der noch grausiger als jener war. Ich sah dort etwas Schreckliches: ein großes Feuer war dort, das loderte und flammte;

der Ort hatte Einschnitte bis zum Abgrund und war ganz voll von großen herabfahrenden Feuersäulen. Seine Ausdehnung und Breite konnte

ich nicht erblicken, noch war ich imstande, sie zu ermitteln. 8 Da sagte ich: Wie schrecklich ist dieser Ort und wie fürchterlich, ihn

anzuschauen! 9 Da antwortete mir Uriel, einer von den heiligen Engeln, der mit mir war, und sagte zu mir: Henoch, warum fürchtest du dich

und erschrickst du so? Ich antwortete: Wegen dieses schrecklichen Orts und >wegen dieses gräßlichen Anblicks. 10 Da sprach er zu mir:

Dieser Ort ist das Gefängnis der Engel, und hier werden sie bis in Ewigkeit gefangen gehalten.

Die vierteilige Unterwelt im Westen

1 Von hier ging ich weiter an einen anderen Ort, und er zeigte mir im Westen ein großes und hohes Gebirge und starre Felsen. 2 Vier

geräumige Plätze befanden sich in ihm dem Gebirge, in die Tiefe und Breite sich erstreckend und sehr glatt; drei von ihnen waren dunkel und

einer hell, und eine Wasserquelle befand sich in seiner Mitte. Da sagte ich: Wie glatt sind diese Hohlräume, wie tief und dunkel für den

Anblick ! 3 Da antwortete mir Raphael, einer von den heiligen Engeln, der bei mir war, und sagte zu mir: Diese hohlen Räume sind dazu

bestimmt, daß sich zu ihnen die Geister der Seelen der Verstorbenen versammeln. Dafür sind sie geschaffen, damit sich hier alle Seelen der

Menschenkinder versammeln. 4 Diese Plätze hat man zu Aufenhaltsorten für sie gemacht bis zum Tag ihres Gerichts, bis zu einer gewissen

Frist und festgesetzten Zeit, zu der das große Gericht über sie stattfinden wird. 5 Ich sah den Geist eines verstorbenen Menschenkindes

klagen, und seine Stimme drang bis zum Himmel und klagte. 6 Da fragte ich den Engel Raphael, der bei mir war, und sagte zu ihm: Wem

gehört dieser klagende Geist an? Wessen ist die Stimme da, die bis zum Himmel dringt und klagt? 7 Da antwortete er mir und sagte: Dieser

Geist ist der, der von Abel ausging, den sein Bruder Kain erschlug, und er Abel klagt über ihn, bis seine Nachkommenschaft von der

Oberfläche der Erde hinweggetilgt ist, und seine Nachkommen unter den Nachkommen der Menschen verschwunden sind. 8 Da fragte ich

den Engel in betreff all der Hohlräume und sagte: Weshalb ist einer vom andern getrennt? 9 Er antwortete mir und sagte: Diese drei Räume

sind gemacht, um die Geister der Toten zu trennen; und so ist eine besondere Abteilung gemacht für die Geister der Gerechten da, wo eine

helle Wasserquelle ist. 10 Ebenso ist ein besonderer Raum für die Sünder geschaffen, wann sie sterben und in die Erde begraben werden, und

ein Gericht bei ihren Lebzeiten über sie nicht eingetroffen ist. 11 Hier werden ihre Geister für diese große Pein abgesondert bis zum großen

100

Tage des Gerichts, der Strafen und der Pein für die bis in Ewigkeit Verdammten, und der Vergeltung für ihre Geister; dort bindet er sie bis in

Ewigkeit. 12 Ebenso ist eine besondere Abteilung für die Geister der Klagenden, die über ihren Untergang Kunde geben, da sie in den Tagen

der Sünder umgebracht wurden. l3 Diese Abteilung ist so geschaffen für die Geister der Menschen, die nicht gerecht, sondern Sünder, oder

ganz und gar gottlos und Genossen der Bösen waren; ihre Geister werden am Tage des Gerichts nicht bestraft werden, aber sie werden auch

nicht von hier mit auferweckt werden. 14 Da pries ich den Herrn der Herrlichkeit und sagte: Gepriesen bist du, >o Herr, du gerechter Herrscher

der Welt!

Fortsetzung der Reise nach Westen.

1 Von dort ging ich weiter an einen anderen Ort in der Richtung nach Westen bis zu den Enden der Erde. 2 Ich sah ein loderndes Feuer, das

rastlos hin und her lief und von seinem Laufe weder bei Tage noch bei Nacht abließ, sondern sich gleichblieb. 3 Da fragte ich, indem ich

sagte: Was ist dies da, das keine Ruhe hat? 4 Darauf antwortete mir Raguel, einer von den heiligen Engeln, der bei mir war, und sagte zu mir:

Dieses rotierende Feuer, das du in der Richtung nach Westen gesehen hast, ist das Feuer, das alle Lichter des Himmels in Bewegung setzt.

1 Von dort ging ich weiter an einen anderen Ort der Erde, und er zeigte mir ein Gebirge von Feuer, das Tag und Nacht brennt. 2 Ich ging

jenseits desselben und sah sieben herrliche Berge, einen jeden vom anderen verschieden; ferner herrliche und schöne Steine, und jeder war

herrlich und prächtig an Aussehen und von schönem Äußeren: drei von den Bergen lagen gegen Osten, einer über dem anderen befestigt, drei

gegen Süden, einer über dem anderen, und dazwischen tiefe, gewundene Schluchten, von denen keine an die andere grenzte. 3 Der siebente

Berg lag zwischen diesen und einem Thronsitz ähnlich überragte er alle an Höhe; es bedeckten ihn rings wohlriechende Bäume. 4 Unter

ihnen befand sich ein Baum, wie ich noch niemals einen gerochen hatte. Weder einer von ihnen, noch andere Bäume waren ihm gleich. Er

verbreitete mehr Duft als alle Wohlgerüche; seine Blätter und Blüten und sein Holz welken nimmermehr, seine Früchte aber sind wie die

Trauben der Palme. 5 Da sprach ich: Wie schön ist dieser Baum und wie wohlriechend und lieblich seine Blätter und wie sehr ergötzlich

seine Blüten für den Anblick! 6 Darauf antwortete mir Michael, einer von den heiligen und geehrten Engeln, der bei mir war, ihr Führer, 1

und sagte zu mir: Henoch, was fragst du mich und wunderst dich über den Geruch dieses Baumes und suchst die Wahrheit zu erfahren? 2 Da

antwortete ich, Henoch, ihm, indem ich sagte: Über alles möchte ich etwas erfahren, ganz besonders aber über diesen Baum. 3 Er antwortete

mir, indem er sprach: Dieser hohe Berg, den du gesehen hast, dessen Gipfel dem Throne Gottes gleicht, ist sein Thron, wo der große Heilige,

der Herr der Herrlichkeit, der König der Welt, sitzen wird, wenn er herabkommt, um die Erde mit Gutem heimzusuchen. 4 Diesen

wohlriechenden Baum hat kein Fleisch die Macht anzurühren, bis zu dem großen Gericht, an welchem er an allen Rache nimmt, und die

Vollendung für immer stattfindet; dann wird er den Gerechten und Demütigen übergeben werden. 5 Seine Frucht wird den Auserwählten

zum Leben dienen, und er wird zur Speise an den heiligen Ort bei dem Hause Gottes, des Königs der Ewigkeit, verpflanzt werden. 6 Dann

werden sie sich überaus freuen und fröhlich sein und in das Heiligtum eingehen, indem sein Duft ihre Gebeine erfüllt. Sie werden ein

längeres Leben auf Erden führen, als das welches deine Väter gelebt haben, und in ihren Tagen wird weder Trübsal noch Leid, oder Mühe

und Plage sie berühren. 7 Da pries ich den Herrn der Herrlichkeit, den König der Ewigkeit, daß er solches für die gerechten Menschen

zubereitet, solches geschaffen und verheißen hat, es ihnen zu geben.

Die Reise nach der Mitte der Erde.

1 Von hier ging ich nach der Mitte der Erde und sah einen gesegneten Ort, wo sich Bäume befanden mit Zweigen, die aus einem

abgehauenen Baume hervortrieben und sproßten. 2 Dort schaute ich einen heiligen Berg und unterhalb des Berges ein Wasser, das östlich

davon in der Richtung nach Süden floß. 3 Gegen Osten sah ich einen anderen Berg, höher als diesen, und zwischen beiden eine tiefe, aber

nicht breite Schlucht; auch durch sie strömte ein Wasser unterhalb des Bergs. 4 Westlich von diesem war ein anderer Berg, niedriger als

jener und nicht hoch; zwischen ihnen war eine tiefe und trockene Schlucht und eine andere tiefe und trockene Schlucht (befand sich) am

Ende von den drei Bergen. 5 Alle Schluchten sind tief und aus starrem Felsgestein; kein Baum ist in ihnen gepflanzt. 6 Ich wunderte mich

über die Felsen, staunte über die Schlucht und verwunderte mich sehr.

1 Da sagte ich: Wozu ist dieses gesegnete Land, das ganz voll von Bäumen ist, und wozu ist diese verfluchte Schlucht dazwischen? 2 Da

anwortete mir Uriel, einer von den heiligen Engeln, der bei mir war, und sagte zu mir: Diese verfluchte Schlucht ist für die bis in Ewigkeit

Verfluchten bestimmt; hier werden versammelt alle die, welche mit ihrem Mund unziemliche Reden gegen Gott führen und über seine

Herrlichkeit frech sprechen. Hier werden sie gesammelt, und hier ist ihr Aufenthaltsort. 3 In der letzten Zeit werden sie zum Schauspiel eines

gerechten Gerichts vor den Gerechten dienen bis in alle Ewigkeit; hier werden die, welche Erbarmung fanden, den Herrn der Herrlichkeit,

den König der Ewigkeit, preisen. 4 In den Tagen des Gerichts über sie, die Gottlosen, werden sie, die Gerechten, ihn preisen wegen der

Barmherzigkeit, die er ihnen erwiesen hat. 5 Da pries ich den Herrn der Herrlichkeit und verkündete seinen Ruhm und stimmte einen

geziemenden Lobgesang an.

Die Reise nach Osten.

1 Von hier ging ich in der Richtung nach Osten mitten in das Gebirge der Wüste und ich sah eine Steppe und vereinsamte Gegend, 2 voll von

Bäumen. Aus ihren Samenfrüchten rieselte Wasser von oben herab; 3 es erschien wie ein reichlich fließender Wasserstrom, der, wie nach

Norden so nach Westen, von allen Seiten her Wasser und Tau heraufführt.

1 Von dort ging ich an einen anderen Ort in der Wüste und machte mich auf in der Richtung nach Osten von jenem Gebirge. 2 Ich sah

Duftbäume duftend von Weihrauch und Myrrhe, und die Bäume ähnelten Mandelbäumen.

1 Danach ging ich weiter nach Osten zu und sah einen anderen großen Platz und eine Wasserschlucht; 2 auf ihm befand sich auch ein Baum,

der das Aussehen von Würzbäumen hatte ähnlich dem Mastix. 3 An den Seiten jener Täler sah ich den wohlriechenden Zimtbaum; danach

ging ich weiter nach Osten 1 und sah andere Berge und auf ihnen Haine von Bäumen, aus denen Nektar floß, den man auch Balsam und

Galbanum nennt. 2 Hinter jenen Bergen sah ich einen anderen Berg im Osten der Enden der Erde, und auf ihm befanden sich Aloebäume;

alle Bäume waren voll von Ladanum ähnlichen Mandeln. 3 Wenn man jene Frucht zerreibt, übertrifft sie an Duft alle Gerüche.

1 Nach diesen Wohlgerüchen sah ich, als ich nach Norden über die Berge hinblickte, sieben Berge voll von köstlicher Narde, Mastix, Zimt

und Pfeffer. 2 Von da ging ich über die Gipfel aller jener Berge hin fern nach dem Osten der Erde und zog weiter über das Erythräische Meer

und ich entfernte mich weit von diesem und zog über den Zotiel [?]. 3 Da kam ich in den Garten der Gerechtigkeit und schaute fern von

jenen Bäumen viele und große Bäume, die dort wuchsen, wohlduftend, groß, sehr schön und herrlich und ich sah den Baum der Weisheit,

von dessen Frucht die Heiligen essen und großer Weisheit kundig werden. 4 Jener Baum gleicht dem Wuchse nach einer Fichte; sein Laub

ähnelt dem des Johannisbrotbaums; seine Frucht ist wie die Weintraube, sehr gut. Der Duft jenes Baumes verbreitet sich und dringt weithin.

5 Da sagte ich: Wie schön ist dieser Baum, und wie ergötzlich sein Anblick! 6 Da antwortete mir der heilige Engel Raphael, der bei mir war,

und sagte zu mir: Dies ist der Baum der Weisheit, von dem dein greiser Vater und deine betagte Mutter, die vor dir waren, gegessen haben;

da erkannten sie die Weisheit, und ihre Augen wurden aufgetan, und sie erkannten, daß sie nackend waren, und wurden aus dem Garten

fortgetrieben. 1 Von da ging ich weiter bis an die Enden der Erde und sah dort große Tiere, eins vom anderen verschieden; auch Vögel sah

ich, verschieden nach Aussehen, Schönheit und Stimme, einen vom anderen verschieden. 2 Östlich von diesen Tieren sah ich die Enden der

Erde, worauf der Himmel ruht, und die Tore des Himmels waren offen. 3 Ich sah, wie die Sterne des Himmels hervorkommen, zählte die

Tore, aus denen sie hervorkommen, und schrieb alle ihre Ausgänge auf und zwar von jedem einzelnen Stern besonders, nach ihrer Zahl,

ihren Namen, Verbindungen, Stellungen, Zeiten und Monaten, so wie der Engel Uriel, der bei mir war, es mir zeigte. 4 Er zeigte mir alles

und schrieb es auf; auch ihre Namen schrieb er für mich auf, ebenso auch ihre Gesetze und Verrichtungen.

101

Die Reise nach Norden.

1 Von da ging ich in der Richtung nach Norden an den Enden der Erde hin und dort sah ich ein großes und herrliches Wunder an den Enden

der ganzen Erde. 2 Hier sah ich drei offene Himmelstore am Himmel; durch jedes derselben kommen Nordwinde hervor. Wenn sie wehen,

gibt es Kälte, Hagel, Reif, Schnee, Tau und Regen. 3 Aus dem einen Tore wehen sie zum Guten; wenn sie aber durch die zwei anderen Tore

wehen, geschieht es mit Heftigkeit, und es kommt dann Not über die Erde, wenn sie heftig wehen.

1 Von da ging ich in der Richtung nach Westen an den Enden der Erde hin und ich sah dort drei offene Tore, so wie ich sie im Osten sah, die

gleichen Tore und Ausgänge sah ich.

Die Reise nach Süden.

1 Von da ging ich in der Richtung nach Süden an den Enden der Erde hin und ich sah dort drei offene Himmelstore; daraus kommt der

Südwind hervor, sowie Tau und Regen und Wind. 2 Von da ging ich weiter in der Richtung nach Osten an den Enden der Erde hin und ich

sah dort die drei östlichen Himmelstore geöffnet, und über ihnen befanden sich kleine Tore. 3 Durch jedes jener kleinen Tore gehen die

Sterne des Himmels hindurch und wandeln gegen Westen auf dem Wege, der ihnen gezeigt ist. 4 Als ich es sah, pries ich ihn und zu jeder

Zeit preise ich den Herrn der Herrlichkeit, der die großen und herrlichen Wunderwerke geschaffen hat, um die Größe seines Werkes seinen

Engeln und den Seelen der Menschen zu zeigen, damit sie sein Werk und seine ganze Schöpfung preisen, damit sie das Werk seiner Macht

sehen und das große Werk seiner Hände preisen und ihn rühmen bis in Ewigkeit.

Der zweite Teil: Die Bilderreden.

1 Das Gesicht, das schaute, das zweite Gesicht der Weisheit, das schaute Henoch, der Sohn Jareds, des Sohnes Mahalalels, des Sohnes

Kainans, des Sohnes Enos, des Sohnes Seths, des Sohnes Adams. 2 Dies aber ist der Anfang der Weisheitsreden, die ich die Stimme

erhebend den Bewohnern des Festlandes mitteilen und erzählen will. Hört, ihr Urväter, und vernehmt, ihr Nachkommen, die heiligen Reden,

die ich vor dem Herrn der Geister vortragen werde. 3 Es wäre besser, sie nur den Urvätern zu erzählen; aber auch den Nachkommen wollen

wir die wahre Weisheit nicht vorenthalten. 4 Bis jetzt ist niemals von dem Herrn der Geister solche Weisheit einem Menschen verliehen

worden, wie ich sie nach meiner Einsicht und nach dem Wohlgefallen des Herrn der Geister empfangen habe, von dem mir das Los des

ewigen Lebens beschieden worden ist. 5 Drei Bilderreden wurden mir zu teil, und ich habe meine Stimme erhoben, sie den Bewohnern des

Festlandes zu erzählen.

Die erste Bilderrede. Das zukünftige Gottesreich. Die Wohnstätten der seligen Gerechten.

Tätigkeiten und Seligkeiten der Engelwelt.

1 Die erste Bilderrede. Wann die Gemeinde der Gerechten sichtbar werden wird, und die Sünder für ihre Sünden gestraft und von der

Oberfläche des Festlandes vertrieben werden, 2 und wenn der Gerechte vor den auserwählten Gerechten erscheinen wird, deren Werke von

dem Herrn der Geister aufbewahrt sind, und das Licht den auf dem Festland wohnenden auserwählten Gerechten leuchten wird, - wo wird

dann die Wohnung der Sünder und wo die Ruhestätte derer sein, die den Herrn der Geister verleugnet haben? Es wäre ihnen besser, sie wären

nie geboren worden! 3 Wenn die Geheimnisse der Gerechten offenbar werden, dann werden die Sünder gestraft und die Bösen vor den

auserwählten Gerechten hinweggetrieben werden. 4 Von nun an werden die, welche die Erde besitzen, nicht mehr mächtig, noch erhaben

sein und sie werden das Antlitz der Heiligen nicht anzuschauen vermögen, weil der Herr der Geister sein Licht auf das Angesicht der

Heiligen und auserwählten Gerechten strahlen läßt. 5 Die Könige und Machthaber werden in jener Zeit vernichtet und in die Hand der

Gerechten und Heiligen übergeben werden. 6 Von da an wird keiner von den Bösen bei dem Herrn der Geister um Gnade bitten können, weil

ihr Leben zu Ende ist.

1 In diesen Tagen werden etliche von den auserwählten und heiligen Kindern der hohen Himmel herabsteigen, und ihr Same wird sich mit

den Menschenkindern vereinigen. 2 In jenen Tagen empfing Henoch Schriften des Eifers und Zorns und Schriften der Unruhe und

Bestürzung. Barmherzigkeit wird ihnen nicht zu teil werden, sprach der Herr der Geister. 3 In jener Zeit rafften mich eine Wolke und ein

Wirbelwind von der Erde hinweg und setzten mich an dem Ende der Himmel nieder. 4 Hier schaute ich ein anderes Gesicht: Die Wohnungen

der Gerechten und die Lagerstätten der Heiligen. 5 Hier schauten meine Augen ihre Wohnungen bei den Engeln und ihre Lagerstätten bei

den Heiligen; sie baten, legten Fürsprache ein und beteten für die Menschenkinder. Gerechtigkeit floß wie Wasser vor ihnen, und

Barmherzigkeit wie Tau auf der Erde: also ist es unter ihnen von Ewigkeit zu Ewigkeit. 6 An jenem Orte schauten meine Augen den

Auserwählten der Gerechtigkeit und der Treue; Gerechtigkeit wird in seinen Tagen walten und unzählige auserwählte Gerechte werden für

immer vor ihm sein. 7 Ich sah seine Wohnung unter den Fittichen des Herrn der Geister. Alle Gerechten und Auserwählten vor ihm glänzen

wie Feuerschein; ihr Mund ist voll von Segensworten, ihre Lippen preisen den Namen des Herrn der Geister, und Gerechtigkeit hört nimmer

vor ihm auf. 8 Hier wünschte ich zu wohnen, und meine Seele hatte Verlangen nach jener Wohnung. Hier ist mein Erbteil schon früher

gewesen, denn also ist es vor dem Herrn der Geister über mich beschlossen worden. 9 In jenen Tagen lobte und erhob ich den Namen des

Herrn der Geister mit Segensworten und Lobliedern, weil er das Segnen und Rühmen nach dem Wohlgefallen des Herrn der Geister für mich

bestimmt hat. 10 Geraume Zeit betrachteten meine Augen jenen Ort, und ich segnete und erhob ihn, indem ich sagte: Gesegnet und gepriesen

sei er von Anfang und bis in Ewigkeit! 11 Vor ihm gibt es kein Aufhören. Er weiß, was die Welt ist, bevor sie geschaffen wurde, und was

sein wird von Geschlecht zu Geschlecht. 12 Dich preisen die nie Schlafenden; sie stehen vor deiner Herrlichkeit, preisen, rühmen und

erheben dich, indem sie sprechen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Geister; er erfüllt die Erde mit Geistern. 13 Hier sahen meine Augen,

wie alle die nie Schlafenden vor ihm stehen, preisen und sprechen: Gepriesen seist du und gesegnet sei der Name des Herrn bis in alle

Ewigkeit! 14 Da verwandelte sich mein Angesicht, bis ich nicht mehr zu sehen vermochte.

Die vier Angesichtsengel.

1 Darnach sah ich tausendmal Tausende und zehntausendmal Zehntausende, eine unzählige und unberechenbare Menge, vor dem Herrn der

Geister stehen. 2 Ich sah und erblickte zu den vier Seiten des Herrn der Geister vier Gesichter, die von den nie Schlafenden verschieden sind.

Ich erfuhr ihre Namen; denn der Engel, der mit mir ging, teilte mir ihre Namen mit und zeigte mir alle verborgenen Dinge. 3 Ich hörte die

Stimme jener vier Angesichtsengel, wie sie vor dem Herrn der Herrlichkeit lobsangen. 4 Die erste Stimme preist den Herrn der Geister immerdar.

5 Die zweite Stimme hörte ich preisen den Auserwählten und die Auserwählten, die bei dem Herrn der Geister aufbewahrt sind. 6

Die dritte Stimme hörte ich bitten und beten für die Bewohner des Festlandes und Fürbitte einlegen im Namen des Herrn der Geister. Die

vierte Stimme hörte ich, wie sie die Satane abwehrte und ihnen nicht gestattete, vor den Herrn der Geister zu treten, um die Bewohner des

Festlandes anzuklagen. 8 Darauf fragte ich den Engel des Friedens, der mit mir ging und mir alles Verborgene zeigte, und ich sagte zu ihm:

Wer sind diese vier Gesichter, die ich gesehen, deren Worte ich gehört und aufgeschrieben habe? 9 Da sagte er zu mir: Der erste da ist der

barmherzige und langmütige Michael; der zweite, der über alle Krankheiten und über alle Wunden der Menschenkinder gesetzt ist, ist

Raphael; der dritte, der allen Kräften vorsteht, ist Gabriel, und der vierte, der über die Buße und die Hoffnung derer gesetzt ist, die das ewige

Leben ererben, heißt Phanuel. Dies sind die vier Engel des Herrn der Geister, und die vier Stimmen habe ich in jenen Tagen gehört.

1 Danach sah ich alle Geheimnisse der Himmel, wie das zukünftige Reich verteilt wird, und wie die Handlungen der Menschen auf der

Waage gewogen werden. 2 Dort sah ich die Wohnungen der zukünftigen Auserwählten und die Wohnungen der Heiligen. Dort schauten

meine Augen, wie alle Sünder von dort vertrieben werden, die den Namen des Herrn verleugneten, und wie man sie wegschleppt. Sie können

dort infolge der Strafe nicht bleiben, die von dem Herrn der Geister ausgeht.

Astronomische Geheimnisse.

102

3 Dort sahen meine Augen die Geheimnisse der Blitze und des Donners, die Geheimnisse der Winde, wie sie sich verteilen, um über die Erde

zu wehen, und die Geheimnisse der Wolken und des Taus. Dort sah ich, von wo sie an jenem Platz ausgehen und wie von da aus der Staub

der Erde gesättigt wird. 4 Dort sah ich verschlossene Behälter, aus denen die Winde verteilt werden, den Behälter des Hagels und den

Behälter des Nebels, und dessen, des Nebels Wolke lagert über der Erde seit Ewigkeit. 5 Ich sah die Behälter der Sonne und des Mondes,

von wo sie ausgehen und wohin sie zurückkehren; ferner sah ich ihre herrliche Wiederkehr, wie eins vor dem anderen den Vortritt hat, ihre

prächtige Bahn, wie sie die Bahn nicht überschreiten, ihrer Bahn nichts hinzufügen, auch nichts davon tun und einander Treue bewahren, an

dem Eidschwur haltend. 6 Zuerst tritt die Sonne hervor und vollendet ihren Weg nach dem Befehle des Herrn der Geister, und sein Name ist

mächtig immerdar. 7 Danach beginnt der unsichtbare und der sichtbare Weg des Mondes, und er legt den Lauf seines Wegs an jenem Orte

bei Tag und bei Nacht zurück. Eins steht dem andern gegenüber vor dem Herrn der Geister; sie danken und preisen unaufhörlich, denn für sie

ist ihr Danken Ruhe. 8 Denn die Sonne macht viele Wendungen zum Segen oder zum Fluch, und die Wandelbahn des Mondes ist Licht für

die Gerechten und Finsternis für die Sünder; dies geschieht im Namen des Herrn, der zwischen dem Licht und der Finsternis eine Trennung

schuf, die Geister der Menschen teilte und die Geister der Gerechten stärkte im Namen seiner Gerechtigkeit. 9 Denn weder ein Engel noch

eine Gewalt vermag es zu hindern, weil er einen Richter für sie alle bestimmt, und er richtet sie alle vor ihm.

Die Wohnstätte der himmlischen Weisheit.

1 Da die Weisheit keinen Platz fand, wo sie wohnen sollte, wurde ihr in den Himmeln eine Wohnung zu teil. 2 Als die Weisheit kam, um

unter den Menschenkindern Wohnung zu nehmen, und keine Wohnung fand, kehrte die Weisheit an ihren Ort zurück und nahm unter den

Engeln ihren Sitz. 3 Als die Ungerechtigkeit aus ihren Behältern hervortrat, fand sie die, die sie nicht suchte, und ließ sich unter ihnen nieder,

so willkommen wie der Regen in der Wüste und wie der Tau auf durstigem Lande.

Astronomische Geheimnisse. (2)

1 Abermals sah ich Blitze und die Sterne des Himmels, und ich sah, wie er sie alle bei ihren Namen rief, und wie sie auf ihn hörten. 2 Ich

sah, wie sie mit einer gerechten Waage gewogen wurden nach ihrer Lichtstärke, nach der Weite ihrer Räume und dem Tag ihres Erscheinens,

und wie ihr Umlauf Blitze erzeugt; ich sah ihren Umlauf nach der Zahl der Engel, und wie sie sich untereinander Treue bewahren. 3 Da

fragte ich den Engel, der mit mir ging und mir das Verborgene zeigte: Was sind diese? Er sagte zu mir: Ihre sinnbildliche Bedeutung hat dir

der

Herr der Geister gezeigt. Dies sind die Namen der Heiligen, die auf dem Festlande wohnen und an den Namen des Herrn der Geister

immerdar glauben.

1 Noch anderes sah ich in bezug auf die Blitze, z. B. wie einige von Sternen aufsteigen, zu Blitzen werden und ihre neue Gestalt nicht

aufgeben können.

Die zweite Bilderrede. Das messianische Gericht und seine Folgen für Gerechte und Ungerechte.

Der messianische Richter.

1 Dies ist die zweite Bilderrede über die, welche den Namen der Wohnung der Heiligen und den Namen des Herrn der Geister leugnen. 2 Sie

werden in den Himmel nicht hinaufsteigen und auf die Erde nicht gelangen. So beschaffen wird das Schicksal der Sünder sein, die den

Namen des Herrn der Geister leugnen, die darum für den Tag des Leidens und der Trübsal aufbewahrt werden. 3 An jenem Tage wird mein

Auserwählter auf dem Throne der Herrlichkeit sitzen und unter ihren der Menschen Taten eine Auslese treffen und ihre Wohnungen werden

zahllos sein. Ihr Geist wird in ihrem Inneren erstarken, wenn sie meinen Auserwählten und die sehen, die meinen herrlichen Namen angefleht

haben. 4 An jenem Tage werde ich in ihrer Mitte meinen Auserwählten wohnen lassen und ich werde den Himmel verwandeln und ihn

einem ewigen Segen und Licht machen. 5 Ich werde die Erde verwandeln, sie zu einem Segen machen und meine Auserwählten auf ihr

wohnen lassen; aber die, welche Sünde und Missetat begehen, sollen sie nicht betreten. 6 Denn ich habe meine Gerechten gesehen und sie

mit Heil gesättigt und sie vor mich gestellt; aber für die Sünder steht bei mir das Gericht bevor, um sie von der Oberfläche der Erde zu

vertilgen.

1 Ich sah dort den, der ein betagtes Haupt hat, und sein Haupt war weiß wie Wolle; bei ihm war ein anderer, dessen Antlitz wie das Aussehen

eines Menschen war, und sein Antlitz war voll Anmut gleichwie eines von den heiligen Engeln. 2 Ich fragte den Engel, der mit mir ging und

mir alle Geheimnisse zeigte, über jenen Menschensohn, wer er sei, woher er stamme, und weshalb er mit dem betagten Haupte gehe? Er

antwortete mir und sagte zu mir: Dies ist der Menschensohn, der die Gerechtigkeit hat, bei dem die Gerechtigkeit wohnt, und der alle Schätze

dessen, was verborgen ist, offenbart; denn der Herr der Geister hat ihn auserwählt, und sein Los hat vor dem Herrn der Geister alles durch

Rechtschaffenheit in Ewigkeit übertroffen. 4 Dieser Menschensohn, den du gesehen hast, wird die Könige und die Mächtigen von ihren

Lagern und die Starken von ihren Thronen sich erheben machen; er wird die Zügel der Starken lösen und die Zähne der Sünder zermalmen. 5

Er wird die Könige von ihren Thronen und aus ihren Königreichen verstoßen, weil sie ihn nicht erheben, noch preisen, oder dankbar

anerkennen, woher ihnen das Königtum verliehen worden ist. 6 Er wird das Angesicht der Starken verstoßen, und Schamröte wird sie

erfüllen. Finsternis wird ihre Wohnung und Gewürm ihre Lagerstätte sein; sie dürfen nicht hoffen, daß sie sich von ihren Lagerstätten

erheben werden, weil sie den Namen des Herrn der Geister nicht erheben. 7 Dies sind jene, die die Sterne des Himmels richten und ihre

Hände gegen den Höchsten erheben, die Erde niedertreten und auf ihr wohnen, alle, deren Taten Ungerechtigkeit offenbaren, und alle, deren

Taten Ungerechtigkeit ist, deren Macht sich auf ihren Reichtum stützt, und de ren Glaube sich Göttern zuwendet, die sie mit ihren Händen

verfertigt haben, während sie den Namen des Herrn der Geister verleugnet haben. 8 Sie werden aus den Häusern seiner Versammlungen und

der Gläubigen vertrieben werden, die da aufbewahrt sind bei dem Namen des Herrn der Geister.

1 In jenen Tagen wird das Gebet der Gerechten und das Blut des Gerechten vor den Herrn der Geister aufsteigen. 2 In diesen Tagen werden

die Heiligen, die oben in den Himmeln wohnen, einstimmig fürbitten, beten, loben, danken und preisen den Namen des Herrn der Geister

wegen des Bluts der Gerechten und wegen des Gebets der Gerechten, daß es vor dem Herrn der Geister nicht vergeblich sein möge, daß das

Gericht für sie vollzogen, und der Verzug desselben für sie nicht ewig dauere. 3 In jenen Tagen sah ich, wie sich der Betagte auf den Thron

seiner Herrlichkeit setzte, und die Bücher der Lebendigen vor ihm aufgeschlagen wurden, und sein ganzes Heer, das oben in den Himmeln

und um ihn herum ist, vor ihm stand. 4 Die Herzen der Heiligen waren von Freude erfüllt, weil die Zahl der Gerechtigkeit nahe, das Gebet

der Gerechten erhört, und das Blut des Gerechten vor dem Herrn der Geister gerächt war.

1 An jenem Orte sah ich einen Brunnen der Gerechtigkeit, der unerschöpflich war. Rings umgaben ihn viele Brunnen der Weisheit; alle

Durstigen tranken daraus und wurden voll von Weisheit, und sie hatten ihre Wohnungen bei den Gerechten, Heiligen und Auserwählten. 2

Zu jener Stunde wurde jener Menschensohn bei dem Herrn der Geister und sein Name vor dem Betagten genannt. 3 Bevor die Sonne und die

Tierkreis-Zeichen geschaffen, und bevor die Sterne des Himmels gemacht wurden, wurde sein Name vor dem Herrn der Geister genannt. 4

Er wird ein Stab für die Gerechten und Heiligen sein, damit sie sich auf ihn stützen und nicht fallen; er wird das Licht der Völker und die

Hoffnung derer sein, die in ihrem Herzen betrübt sind. 5 Alle, die auf dem Festlande wohnen, werden vor ihm niederfallen und anbeten und

preisen, loben und lobsingen dem Namen des Herrn der Geister. 6 Zu diesem Zwecke war er auserwählt und verborgen vor (Ihm) Gott, bevor

die Welt geschaffen wurde, und er wird bis in Ewigkeit vor Ihm sein. Die Weisheit des Herrn der Geister hat Ihn (Jesus) den Heiligen und

Gerechten geoffenbart; denn er bewahrt das Los der Gerechten, weil sie diese Welt der Ungerechtigkeit gehaßt und verachtet und alle ihre

Taten und Wege im Namen des Herrn der Geister gehaßt haben; denn in seinem Namen werden sie gerettet, und er ist der Rächer ihres

Lebens. 8 In jenen Tagen werden die Könige der Erde und die Starken, die das Festland besitzen, wegen der Taten ihrer Hände

niedergeschlagenen Antlitzes sein; denn am Tage ihrer Angst und Not werden sie ihre Seele nicht retten. 9 Ich werde sie in die Hände meiner

Auserwählten übergeben; wie Stroh im Feuer und wie Blei im Wasser, so werden sie vor dem Angesichte der Gerechten brennen und vor

103

dem Angesichte der Heiligen untersinken, so daß keine Spur von ihnen gefunden werden wird. 10 Am Tage ihrer Not wird Ruhe auf Erden

werden; sie werden vor ihm niederfallen und nicht mehr aufstehen. Niemand wird da sein, der sie in seine Hände nähme und aufrichtete, weil

sie den Herrn der Geister und seinen Gesalbten verleugnet haben. Der Name des Herrn der Geister sei gepriesen!

1 Denn Weisheit ist wie Wasser ausgegossen, und Herrlichkeit hört nimmer vor ihm auf von Ewigkeit zu Ewigkeit. 2 Denn er ist mächtig

über alle Geheimnisse der Gerechtigkeit, und Ungerechtigkeit wird wie ein Schatten vergehen und keine Dauer haben. Denn der Auserwählte

steht vor dem Herrn der Geister, und seine Herrlichkeit ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und seine Macht von Geschlecht zu Geschlecht. 3 In

ihm wohnt der Geist der Weisheit und der Geist dessen, der Einsicht gibt, und der Geist der Lehre und Kraft und der Geist derer, die in

Gerechtigkeit entschlafen sind. 4 Er wird die verborgenen Dinge richten und Niemand wird eine nichtige Rede vor ihm führen können; denn

auserwählt ist er vor dem Herrn der Geister nach seinem Wohlgefallen.

1 In jenen Tagen wird eine Umwandlung für die Heiligen und Auserwählten stattfinden; das Tageslicht wird über ihnen wohnen, und

Herrlichkeit und Ehre werden sich den Heiligen zukehren. 2 Am Tage der Not wird sich das Unheil über den Sündern versammeln, und die

Gerechten werden siegreich sein im Namen des Herrn der Geister, und er wird es die anderen sehen lassen, damit sie Buße tun und von dem

Tun ihrer Hände ablassen. 3 Sie werden keine Ehre vor dem Herrn der Geister erlangen, jedoch durch seinen Namen gerettet werden. Und

der Herr der Geister wird sich ihrer erbarmen, denn seine Barmherzigkeit ist groß. 4 Er ist gerecht in seinem Gericht, und vor seiner

Herrlichkeit und in seinem Gerichte wird keine Ungerechtigkeit Bestand haben: Wer aber keine Buße vor ihm tut, der wird untergehen. 5

Von nun an aber will ich mich ihrer nicht mehr erbarmen, spricht der Herr der Geister.

Die Totenauferstehung.

1 In jenen Tagen wird die Erde die, welche in ihr angesammelt sind, zurückgeben und auch die Scheol wird wiedergeben, was sie empfangen

hat und die Hölle wird, was sie schuldet, herausgeben. 2 Er wird die Gerechten und Heiligen unter ihnen auswählen, denn der Tag ihrer

Erlösung ist nahe. 3 Der Auserwählte wird in jenen Tagen auf meinem Throne sitzen und alle Geheimnisse der Weisheit werden aus den

Gedanken seines Mundes hervorkommen, denn der Herr der Geister hat es ihm verliehen und hat ihn verherrlicht. 4 In jenen Tagen werden

die Berge wie Widder springen und die Hügel wie Lämmer hüpfen, die mit Milch gesättigt sind. Alle werden Engel im Himmel werden. 5 lhr

Antlitz wird vor Freude leuchten, weil in jenen Tagen der Auserwählte sich erhoben hat, die Erde wird sich freuen, die Gerechten werden auf

ihr wohnen und die Auserwählten werden auf ihr gehen und wandeln.

1 Nach jenen Tagen, an jenem Orte, wo ich alle Gesichte über das Verborgene gesehen hatte - ich war nämlich durch einen Wirbelwind

entrückt und nach Westen geführt worden -, 2 dort sahen meine Augen alle die verborgenen Dinge des Himmels, die da geschehen sollen auf

der Erde: einen eisernen Berg, einen von Kupfer, einen von Silber, einen von Gold, einen von weichem Metall und einen von Blei. 3 Da

fragte ich den Engel, der mit mir ging, indem ich sagte: Was sind das für Dinge, die ich im Verborgenen gesehen habe? 4 Er sprach zu mir:

Alles dies, was du gesehen hast, dient dem Erweis der Herrschaft seines Gesalbten, damit er mächtig und stark auf Erden sei. 5 Jener Engel

des Friedens antwortete mir, indem er sprach: Warte ein wenig, und alles Verborgene, was der Herr der Geister gepflanzt hat, wird dir

geoffenbart werden. 6 Jene Berge, die deine Augen gesehen haben: der Berg von Eisen, der von Kupfer, der von Silber, der von Gold, der

von weichem Metall und der von Blei, sie alle werden vor dem Auserwählten wie Wachs vor dem Feuer sein und wie Wasser, das von oben

her über jene Berge herabfließt; sie werden schwach vor seinen Füßen sein. 7 In jenen Tagen wird keiner sich retten, weder mit Gold noch

mit Silber, noch wird einer entfliehen können. 8 Es wird kein Eisen für den Krieg geben noch einen Kleiderstoff zur Anfertigung für einen

Brustpanzer. Erz wird nichts nütze sein, noch Zinn etwas frommen oder geschätzt sein, und Blei wird nicht begehrt werden. 9Alle diese

Dinge werden vernichtet und von der Oberfläche der Erde vertilgt werden, wenn der Auserwählte vor dem Angesichte des Herrn der Geister

erscheint.

1 Dort schauten meine Augen ein tiefes Tal mit offenem Schlund, und alle, welche auf dem Festlande, dem Meer und den Inseln wohnen,

werden ihm Gaben, Geschenke und Huldigungszeichen herbeibringen, aber jenes Tal wird davon nicht voll werden. 2 Sie begehen

Verbrechen mit ihren Händen und allen Erwerb der Gerechten verschlingen die Sünder verbrecherischerweise, und so werden die Sünder vor

dem Angesichte des Herrn der Geister umkommen und von der Oberfläche seiner Erde beständig in alle Ewigkeit fortgejagt werden? 3 Denn

ich habe gesehen, wie die Plagengel sich dort aufhielten und allerlei Marter-Werkzeuge dem Satan zurechtmachten. 4 Da fragte ich den

Engel des Friedens, der mit mir ging: Für wen bereiten sie jene Marter- Werkzeuge? 5 Er sagte zu mir: Jene sind für die Könige und die

Mächtigen der Erde, daß sie damit vernichtet werden. 6 Danach wird der Gerechte und Auserwählte das Haus seiner Versammlung

erscheinen lassen; von nun an wird sie nicht mehr gehindert werden im Namen des Herrn der Geister. 7 Diese Berge aber werden nicht so

feststehen wie die Erde vor seiner Gerechtigkeit, und die Hügel werden eine Wasserquelle sein, und die Gerechten werden vor der

Bedrückung der Sünder Ruhe haben.

1 Ich blickte auf und wandte mich einem anderen Teile der Erde zu; dort sah ich ein tiefes Tal mit loderndem Feuer. 2 Sie brachten die

Könige und Mächtigen und warfen sie in dieses tiefe Tal. 3 Dort sahen meine Augen, wie sie als Marter- Werkzeuge für sie eiserne Ketten

von unermeßlichem Gewichte machten. 4 Ich fragte den Engel des Friedens, der mit mir ging, indem ich sagte: Für wen werden diese

Marter-Werkzeuge bereitet? 5 Er sagte zu mir: Diese werden für die Scharen des Asasel zubereitet, um sie zu ergreifen und in den Abgrund

der vollkommenen Verdammnis zu werfen; mit rauhen Steinen werden sie ihre Kinnbacken bedecken, so wie der Herr der Geister befohlen

hat. 6 Michael, Gabriel, Raphael und Phanuel werden sie an jenem großen Tage packen und an jenem Tag in den brennenden Feuerofen

werfen, damit der Herr der Geister Rache nehme für ihre Ungerechtigkeit, dafür, daß sie dem Satan untertan wurden und die Erdenbewohner

verführten.

Die Sintflut

7 In jenen Tagen wird das Strafgericht des Herrn der Geister anheben und alle Behälter der Wasser, welche oberhalb des Himmels sind,

außerdem die Brunnen, die sich unterhalb der Himmel und unterhalb der Erde befinden, werden geöffnet werden. 8 Alle Wasser werden sich

mit den Wassern oberhalb der Himmel mischen; das Wasser oberhalb der Himmel aber ist das männliche, und das unterirdische Wasser ist

das weibliche. 9 Alle Bewohner des Festlandes und unter den Enden des Himmels werden vernichtet werden. 10 Dadurch werden sie ihr

Unrecht erkennen, daß sie auf Erden verübt haben, und durch dasselbe zu Grunde gehen.

1 Danach empfand der Betagte Reue und sagte: Vergeblich habe ich alle Bewohner des Festlandes verdorben. 2 Da schwor er bei seinem

großen Namen: Von nun an will ich nicht mehr also allen Bewohnern des Festlandes tun, und ich will ein Zeichen an die Himmel setzen; es

soll zwischen mir und ihnen ein Unterpfand der Treue bis in Ewigkeit sein, so lange als der Himmel über der Erde ruht. 3 Dann geschieht es

auf meinen Befehl, wenn ich wünsche, daß sie durch die Hand der Engel gepackt werden am Tage der Trübsal und des Leidens, infolge

dieses meines Zorns und Strafgerichts, so wird mein Zorn und Strafgericht über ihnen bleiben, spricht Gott, der Herr der Geister. 4 Ihr

Könige und Mächtigen, die ihr auf dem Festlande wohnen werdet, ihr sollt meinen Auserwählten sehen, wenn er auf dem Throne meiner

Herrlichkeit sitzen und den Asasel, seine ganze Genossenschaft und alle seine Scharen im Namen des Herrn der Geister richten wird.

Der letzte Ansturm der Heiden gegen Jerusalem.

1 Ich sah dort Scharen von Strafengeln einhergehen und Peitschen und Ketten von Eisen und Erz halten. 2 Ich fragte den Engel des Friedens,

der mit mir ging, indem ich sagte: Zu wem gehen diese, die da Peitschen tragen? 3 Er sagte zu mir: Ein jeder geht zu seinen Auserwählten

und Geliebten, damit sie in den tiefsten Abgrund des Tals geworfen werden. 4 Dann wird sich jenes Tal von ihren Auserwählten und

Geliebten füllen; der Tag ihres Lebens wird vollendet sein, und der Tag ihrer Verführung von nun an nicht mehr gezählt werden. 5 In jenen

Tagen werden die Engel sich versammeln und sich nach Osten hin zu den Parthern und Medern wenden, um ihre Könige anzureizen, daß ein

104

Geist der Unruhe über sie kommt, und sie von ihren Thronen aufjagen, daß sie wie Löwen von ihren Lagern und wie hungrige Wölfe unter

ihre Herde hervorbrechen. 6 Sie werden heraufziehen und das Land seiner Auserwählten betreten, und das Land seiner Auserwählten wird

vor ihnen wie eine Dreschtenne und ein festgetretener Pfad sein. 7 Aber die Stadt meiner Gerechten wird ein Hindernis für ihre Rosse sein;

sie werden untereinander das Morden beginnen, und ihre Rechte wird gegen sie selbst erstarken. Ein Mann wird nicht seinen Bruder, noch

der Sohn seinen Vater oder seine Mutter kennen, bis ihre Leichen durch ihr Morden unzählbar geworden sind, und ihr Strafgericht wird nicht

vergeblich sein. 8 In jenen Tagen wird die Scheol ihren Rachen aufsperren; Die Scheol wird die Sünder vor dem Angesichte der

Auserwählten verschlingen.

Die Heimkehr der jüdischen Diaspora.

1 Danach sah ich wiederum eine Schar von Wagen, in denen Menschen fuhren, und sie kamen auf Windesflügeln von Osten und Westen

zum Süden. 2 Man hörte den Lärm ihrer Wagen, und als dieses Getümmel entstand, da bemerkten es die Heiligen vom Himmel her, und die

Grundpfeiler der Erde wurden von ihrem Platze bewegt, und man hörte das Gelärm von einem Ende des Himmels zu dem anderen einen

ganzen Tag hindurch. Sie werden alle niederfallen und den Herrn der Geister anbeten. Dies ist das Ende der zweiten Bilderrede.

Die dritte Bilderrede. Das Endgericht des Menschensohns über alle Geschöpfe, besonders aber über die Großen der Erde; die Seligkeiten der

auserwählten Gerechten.

1 Da fing ich an, die dritte Bilderrede über die auserwählten Gerechten zu reden. 2 Selig seid ihr Gerechten und Auserwählten, denn herrlich

wird euer Los sein! 3 Die Gerechten werden im Lichte der Sonne und die Auserwählten im Lichte des ewigen Lebens sein; ihre Lebenstage

haben kein Ende, und die Tage der Heiligen sind unzählig. 4 Sie werden das Licht suchen und Gerechtigkeit bei dem Herrn der Geister

finden; die Gerechten werden im Namen des Herrn der Welt Frieden haben. 5 Danach wird zu den Heiligen gesagt werden, daß sie im

Himmel die Geheimnisse der Gerechtigkeit, das Los des Glaubens, suchen sollen; denn es ist wie Sonnenschein auf dem Festlande hell

geworden, und die Finsternis ist gewichen. 6 Unaufhörlich wird das Licht sein, und unzählbar werden die Tage sein, in die sie kommen, denn

die frühere Finsternis wird vernichtet, und das Licht wird vor dem Herrn der Geister kräftig sein, und das Licht der Rechtschaffenheit wird

für immer vor dem Herrn der Geister kräftig leuchten.

Die Wirkungsweise von Blitz und Donner.

1 In jenen Tagen sahen meine Augen die Geheimnisse der Blitze und der Lichter und ihr Gesetz. Sie blitzen zum Segen oder zum Fluch, wie

der Herr der Geister will. 2 Dort sah ich die Geheimnisse des Donners und wie, wenn er oben im Himmel ertönt, der Schall davon unten

gehört wird. Sie ließen mich die Wohnstätten des Festlandes sehen und den Schall des Donners, wie er zum Heil und Segen oder zum Fluche

vor dem Herrn der Geister dient. 3 Danach wurden mir alle Geheimnisse der Lichter und Blitze gezeigt, wie sie zum Segen blitzen und zur

Sättigung der Erde.

Das Sintflutgericht.

1 Im Jahre 500, im 7. Monat, im 14. des Monats im Leben >Noahs<. In jener Bilderrede sah ich, wie der Himmel der Himmel gewaltig

erbebte, und das Heer des Höchsten, die Engel, tausendmal Tausende und zehntausendmal Zehntausende in große Aufregung kamen. 2 Der

Betagte saß auf dem Throne seiner Herrlichkeit, während die Engel und die Gerechten um ihn herumstanden. 3 Da erfaßte mich ein

gewaltiges Zittern. Furcht ergriff mich; meine Hüfte krümmte und löste sich, mein ganzes Ich schmolz dahin, und ich fiel auf mein

Angesicht. 4 Da sandte Michael einen anderen Engel von den Heiligen und er richtete mich auf. Als er mich aufgerichtet hatte, kehrte mein

Geist zurück; denn ich war nicht imstande gewesen, den Anblick jenes Engel-Heeres, die Erschütterung und das Erbeben des Himmels

auszuhalten. 5 Da sagte Michael zu mir: Was für ein Anblick hat dich so verwirrt? Bis heute dauerte der Tag seiner Barmherzigkeit, und war

er barmherzig und langmütig gegen die Bewohner des Festlandes. 6 Aber wenn der Tag der Gewalt, der Strafe und des Gerichts kommt, den

der Herr der Geister denen bereitet hat, die das Gesetz der Gerechtigkeit beugen, das gerechte Gericht leugnen und seinen Namen

mißbrauchen, so ist jener Tag zubereitet für die Auserwählten ..., aber für die Sünder als ein Tag der Heimsuchung. 7 An jenem Tage werden

zwei Ungeheuer verteilt werden: ein weibliches, Namens Leviathan, um in der Tiefe des Meeres über den Quellen der Wasser zu wohnen; 8

das männliche aber heißt Behemoth, das mit seiner Brust eine unübersehbare Wüste, Namens Dendain, einnimmt, im Osten des Gartens, wo

die Auserwählten und Gerechten wohnen, wohin mein Großvater aufgenommen wurde, der siebente von Adam her, dem ersten Menschen,

den der Herr der Geister geschaffen hatte. 9 Ich bat jenen anderen Engel, mir die Macht jener Ungeheuer zu zeigen, wie sie an einem Tage

geschieden, das eine in die Tiefe des Meeres und das andere auf das öde Festland versetzt wurden. 10 Er sprach zu mir: Du Menschensohn

willst hier wissen, was verborgen ist. 11 Da sprach zu mir der andere Engel, der mit mir ging und mir zeigte, was verborgen ist, das Erste und

das Letzte, im Himmel, in der Höhe, unter der Erde, in der Tiefe, an den Enden des Himmels, auf dem Grunde des Himmels und in den

Behältern der Winde; 12 und wie Geister verteilt sind, wie man wägt und berechnet die Quellen und die Winde, ein jedes nach der Kraft des

Geistes, die Kraft des Mondlichts, und wie es eine Kraft der Gerechtigkeit ist, und die Abteilungen der Sterne nach ihren Namen und alle

Abteilungen, die gemacht werden, 13 und die Donnerschläge nach ihren Orten, wohin sie fallen, und alle Abteilungen, die unter den Blitzen

gemacht werden, damit es blitze, und ihre Scharen, damit sie sogleich gehorchen. 14 Denn der Donner hat feste Regeln für die Dauer des

Schalls, die ihm bestimmt ist. Donner und Blitz sind niemals getrennt; durch den Geist getrieben fahren beide hin und trennen sich nicht. 15

Denn wenn der Blitz blitzt, läßt der Donner seine Stimme erschallen; während des Schlags macht der Geist seine Anordnungen und teilt die

Zeit in gleiche Teile unter ihnen. Denn der Vorrat ihrer Schläge ist so zahlreich wie der Sand, und ein jeder von ihnen wird bei seinem

Schlage mit einem Zügel gehalten, und sie werden durch die Kraft des Geistes umgewendet und ebenso fortgestoßen, je nach der Menge der

Erdgebiete. 16 Der Geist des Meeres ist männlich und stark; gemäß der Macht seiner Stärke zieht er es mit einem Zaum zurück, und ebenso

wird es fortgestoßen und unter alle Berge der Erde zerstreut. 17 Der Geist des Reifs ist ein besonderer Engel, und der Geist des Hagels ist ein

guter Engel. 18 Den Geist des Schnees hat er wegen seiner Stärke entlassen, und der Schnee besitzt einen besonderen Geist; was daraus

hervorgeht, ist wie Rauch und heißt Frost. 19 Der Geist des Nebels ist nicht mit ihnen, Schnee, Reif und Frost in ihren Behältern vereint,

sondern hat einen besonderen Behälter. Denn er tritt auf am frühen Morgen, bei Licht und Finsternis, im Winter und Sommer; sein Behälter

ist das Licht, und der Geist ist sein Engel. 20 Der Geist des Taus hat an den Enden des Himmels seine Wohnung, die mit den Behältern des

Regens zusammenhängt. Er tritt im Winter und Sommer auf, und seine Wolken und die des Nebels stehen im Zusammenhang; einer gibt dem

anderen Kraft. 21 Wenn sich der Geist des Regens aus seinem Behälter herausbewegt, kommen die Engel und öffnen den Behälter und lassen

ihn heraus, ebenso wenn er über das Festland hin zerstreut wird und so oft er sich mit dem Wasser auf der Erde verbindet. 22 Denn die

Wasser sind für die Erdenbewohner da; denn der Höchste, der im Himmel ist, hat sie zur Ernährung für das Festland bestimmt. Deshalb ist

für den Regen ein Maß vorhanden, und die Engel nehmen es in Empfang. 23 Alle diese Dinge sah ich bis zu dem Garten der Gerechten. 24

Da sprach der Engel des Friedens, der bei mir war, zu mir: >Diese zwei Ungeheuer sind gemäß der Größe Gottes dazu da, verspeist zu werden,

... damit das Strafgericht Gottes nicht umsonst sei, und Söhne werden mit ihren Müttern und Kinder mit ihren Vätern getötet werden. 21

Wenn das Strafgericht des Herrn der Geister über ihnen ruhen wird, wird es ruhen, damit das Strafgericht des Herrn der Geister nicht

vergeblich über jene komme. Danach wird das Gericht nach seiner Barmherzigkeit und Geduld stattfinden. 'Ich sah, wie in jenen Tagen jenen

Engeln lange Schnüre gegeben wurden, und sie nahmen sich Flügel, flogen und wandten sich nach Norden zu.

1 Ich fragte den Engel, indem ich sagte: Warum haben jene lange Schnüre genommen und sind weggegangen? Er sprach zu mir: Sie sind

weggegangen, um zu messen. 3 Der Engel, der mit mir ging, sagte zu mir: Diese bringen für die Gerechten die Maße der Gerechten und die

Schnüre der Gerechten, damit sie sich für immer und ewig auf den Namen des Herrn der Geister stützen. 4 Die Auserwählten werden

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anfangen, bei den Auserwählten zu wohnen, und dies sind die Maße, die dem Glauben gegeben werden und das Wort der Gerechtigkeit

festigen. 5 Diese Maße werden alle Geheimnisse in der Tiefe der Erde offenbaren und die, welche in der Wüste umgekommen sind, oder von

den Fischen des Meeres und von den Tieren verschlungen wurden, damit sie wiederkehren und sich auf den Tag des Auserwählten stützen;

denn keiner wird vor dem Herrn der Geister umkommen und keiner wird umkommen können. 6 Alle oben im Himmel befindlichen Kräfte

erhielten einen Befehl und eine Stimme und ein Licht, dem Feuer gleich. Sie priesen jenen den Messias einstimmig, erhoben und lobten ihn

mit Weisheit und zeigten sich selbst weise in der Rede und im Geiste des Lebens. 8 Der Herr der Geister setzte den Auserwählten auf den

Thron seiner Herrlichkeit, und er wird alle Werke der Heiligen oben in den Himmeln richten und mit der Waage ihre Taten wägen. 9 Wenn

er sein Angesicht erheben wird, um ihre verborgenen Wege nach dem Worte des Namens des Herrn der Geister und ihren Pfad nach dem

Wege des gerechten Gerichts des Herrn der Geister zu richten, dann werden alle mit einer Stimme reden, preisen, erheben und loben den

Namen des Herrn der Geister. 10 Er wird rufen das ganze Heer der Himmel, alle Heiligen in der Höhe, das Heer Gottes, die Cherubim,

Seraphim und Ophanim, alle Engel der Gewalt, alle Engel der Herrschaften, die Auserwählten und die anderen Mächte, die auf dem

Festlande und über dem Wasser sind. 11 Und Sie werden an jenem Tage mit einer Stimme anheben, preisen, rühmen, loben und erheben im

Geiste des Glaubens, der Weisheit, der Geduld, der Barmherzigkeit, des Rechts, des Friedens und der Güte, und alle werden mit einer

Stimme sprechen: Preis ihm, und der Name des Herrn der Geister werde bis in alle Ewigkeit gepriesen! 12 AlIe, die oben im Himmel nicht

schlafen, werden ihn preisen, alle Heiligen, die im Himmel sind, werden ihn preisen, ebenso alle Auserwählten, die in dem Garten des

Lebens wohnen, jeder Geist des Lichts, der imstande ist, zu preisen, zu rühmen, zu erheben und zu heiligen deinen gepriesenen Namen, und

alles Fleisch, das über die Maßen deinen Namen preisen und rühmen wird in Ewigkeit. 13 Denn groß ist die Barmherzigkeit des Herrn der

Geister, und er ist langmütig; alle seine Werke und allen Umfang seiner Werke hat er den Gerechten und Auserwählten geoffenbart im

Namen des Herrn der Geister.

1 Also befahl der Herr den Königen, den Mächtigen, den Hohen und denen, die die Erde bewohnen und sprach: Öffnet eure Augen und

erhebt eure Hörner, wenn ihr imstande seid, den Auserwählten zu erkennen. 2 Der Herr der Geister setzte ihn auf den Thron seiner

Herrlichkeit. Der Geist der Gerechtigkeit war über ihn ausgegossen; die Rede seines Mundes tötete alle Sünder, und alle Ungerechten

wurden vor seinem Angesichte vernichtet. 3 Alle Könige, Mächtige, Hohe und die, welche das Festland besitzen, werden sich an jenem Tage

erheben, ihn sehen und erkennen, wie er auf dem Throne seiner Herrlichkeit sitzt, und gerecht wird vor ihm gerichtet, und kein Lügenwort

vor ihm gesprochen. 4 Auch da wird Schmerz über sie kommen, wie über ein Weib, das in Wehen ist, und dem das Gebären schwer wird,

wenn sein Sohn in den Muttermund tritt, und das Schmerzen beim Gebären hat. 5 Ein Teil von ihnen wird den anderen anflehen; sie werden

erschrecken, ihren Blick senken, und Schmerz wird sie ergreifen, wenn sie jenen Mannessohn auf dem Throne seiner Herrlichkeit sitzen

sehen werden. 6 Die Könige und die Mächtigen und alle, die die Erde besitzen, werden rühmen, preisen und erheben den, der über Alles

herrscht, der verborgen war. 7 Denn der Menschensohn war vorher verborgen, und der Höchste hat ihn vor seiner Macht aufbewahrt und ihn

den Auserwählten geoffenbart. 8 Die Gemeinde der Heiligen und Auserwählten wird gesät werden, und alle Auserwählten werden an jenem

Tage vor ihm stehen. 9 Alle Könige und Mächtige, Hohe und die, welche das Festland beherrschen, werden vor ihm auf ihr Angesicht fallen

und anbeten, ihre Hoffnung auf jenen Menschensohn setzen, ihn anflehen und Barmherzigkeit von ihm erbitten. 10 Jener Herr der Geister

wird sie nun drängen, daß sie sich schleunigst aus seinem Angesicht entfernen; ihre Angesichter werden von Scham erfüllt werden, und

Finsternis wird man auf ihr Angesicht häufen. 11 Die Strafengel werden sie in Empfang nehmen, um an ihnen Rache dafür zu nehmen, daß

sie seine Kinder und Auserwählten mißhandelt haben. 12 Sie werden für die Gerechten und seine Auserwählten ein Schauspiel abgeben; sie

werden sich über sie freuen, weil der Zorn des Herrn der Geister auf ihnen ruht, und sein Schwert sich an ihrem Blute berauscht hat. 13 Die

Gerechten und Auserwählten werden an jenem Tage gerettet werden und von nun an das Angesicht der Sünder und Ungerechten nicht mehr

sehen. 14 Der Herr der Geister wird über ihnen wohnen, und sie werden mit jenem Menschensohn essen, sich niederlegen und erheben bis in

alle Ewigkeit. 15 Die Gerechten und Auserwählten werden sich von der Erde erheben und aufhören, ihren Blick zu senken, und werden mit

dem Kleide der Herrlichkeit angetan sein. 16 Und dies soll euer Kleid sein, ein Kleid des Lebens bei dem Herrn der Geister: eure Kleider

werden nicht veralten und eure Herrlichkeit wird nicht vergehen vor dem Herrn der Geister.

1 In jenen Tagen werden die Mächtigen und die Könige, die das Festland besitzen, seine Strafengel, denen sie überliefert sind, anflehen, daß

man ihnen ein wenig Ruhe gewähre, damit sie niederfallen und anbeten vor dem Herrn der Geister und ihre Sünden vor ihm bekennen. 2 Sie

werden preisen und loben den Herrn der Geister und sprechen: Gepriesen sei er, der Herr der Geister, der Herr der Könige, der Herr der

Mächtigen, der Herr der Herrscher, der Herr der Herrlichkeit und der Herr der Weisheit, vor dem jedes Geheimnis offenbar ist. 3 Deine

Macht ist von Geschlecht zu Geschlecht und deine Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit; tief und unzählig sind alle deine Geheimnisse,

und deine Gerechtigkeit ist unberechenbar. 4 Nun haben wir eingesehen, daß wir den Herrn der Könige und den Herrscher über alle Könige

rühmen und preisen sollen. 5 Auch werden sie sagen: Wer gönnt uns Ruhe, daß wir rühmen, danken und preisen und unseren Glauben vor

seiner Herrlichkeit bekennen? 6 Jetzt wünschen wir uns ein wenig Ruhe, aber erlangen sie nicht; wir werden vertrieben und erreichen sie

nicht; das Licht ist vor uns verschwunden und Finsternis unsere Wohnstätte immerdar. Denn wir haben unseren Glauben vor ihm nicht

bekannt, den Namen des Herrn der Geister nicht gerühmt und den Herrn wegen all' seines Tuns nicht gepriesen. Unser Vertrauen ruhte auf

dem Zepter unseres Reichs und auf unserem Ruhm. 8 Am Tage unserer Not und Trübsal rettet er uns nicht, und wir finden keinen Aufschub,

daß wir unseren Glauben bekennen, daß unser Herr in allem seinem Tun, Richten und Rechten wahrhaftig ist, und seine Gerichte die Person

nicht ansehen. 9 Wir werden um unserer Werke willen vor seinem Angesichte vergehen, und alle unsere Sünden sind genau gezählt. 10 Jetzt

werden sie zu ihnen sagen: Unsere Seele ist von ungerechtem Mammon gesättigt, aber das hindert nicht, daß wir hinabfahren in die Flamme

der höllischen Pein. 11 Danach wird sich ihr Angesicht mit Finsternis und Scham vor jenem Menschensohn erfüllen; sie werden aus seinem

Angesichte hinweggetrieben werden, und das Schwert wird unter ihnen vor seinem Angesichte hausen. 12 Also sprach der Herr der Geister:

Dies ist das von dem Herrn der Geister festgesetzte Gericht über die Mächtigen, die Könige, die Hohen und die, welche das Festland

besitzen.

1 Auch sah ich noch andere Gestalten an jenem Platz, im Verborgenen. 2 Ich hörte die Stimme des Engels, indem er sprach: Das sind die

Engel, die vom Himmel auf die Erde herabgestiegen sind, das Verborgene den Menschenkindern offenbart und sie verführt haben, Sünde zu

begehen.

Das Flutgericht und die Errettung Noahs.

1 In jenen Tagen sah Noah, wie sich die Erde senkte, und ihr Verderben nahe war. 2 Da hob er seine Füße auf von dort, wanderte bis zu den

Enden der Erde und schrie zu seinem Großvater Henoch. Dreimal sprach Noah mit trauriger Stimme: Höre mich, höre mich, höre mich! 3 Er

sagte zu ihm: Sage mir, was ist denn auf der Erde los, daß sie so müde und erschüttert ist? Daß ich nur nicht selbst mit ihr untergehe! 4

Allsogleich fand ein großes Erdbeben statt; eine Stimme ließ sich vom Himmel her hören, und ich fiel auf mein Angesicht. 5 Da kam mein

Großvater Henoch, trat neben mich und sagte zu mir: Warum hast du so traurig und mit weinender Stimme zu mir geschrien? 6 Ein Befehl ist

von dem Angesichte des Herrn über die ausgegangen, die das Festland bewohnen, daß dies ihr Ende sein soll, weil sie alle Geheimnisse der

Engel und jede Gewalttat der Satane kennen, sowie alle verborgenen Kräfte und alle Kräfte derer, die Zaubereien treiben, und die Kraft der

Beschwörungen und die Kraft derer, die für die ganze Erde Gußbilder gießen; endlich auch, wie das Silber aus dem Erdstaube gewonnen

wird, und wie das weiche Metall auf der Erde entsteht. 8 Denn Blei und Zinn wird nicht aus der Erde gewonnen wie das erste; eine Quelle ist

es, die sie erzeugt, und ein Engel steht in ihr und jener Engel ist vorzüglich. 9 Darauf faßte mich mein Großvater Henoch mit seiner Hand,

richtete mich auf und sagte zu mir: Geh, denn ich habe den Herrn der Geister wegen dieses Erdbebens befragt. 10 Er sagte zu mir: Wegen

ihrer Ungerechtigkeit ist das Gericht über sie die Sünder endgültig beschlossen, und ich zähle nicht mehr die Monate, die sie erforscht und

wodurch sie erfahren haben, daß die Erde mit ihren Bewohnern untergehen werde. 11 Für diese ist keine Umkehr in Ewigkeit möglich, weil

106

sie die Engel ihnen das Verborgene offenbarten, sondern sie werden gerichtet. Aber was dich anbetrifft, mein Sohn, so weiß der Herr der

Geister, daß du rein und erhaben über diesen Vorwurf in Bezug auf die verratenen Geheimnisse bist. 12 Er hat deinen Namen unter den

Heiligen ewige Dauer verliehen; er wird dich unter den Bewohnern des Festlandes bewahren; er hat deine Nachkommen in Gerechtigkeit zu

Herrschern und zu großen Herrlichkeiten bestimmt, und aus deinem Samen wird eine Quelle von zahllosen Gerechten und Heiligen

immerdar hervorbrechen.

1 Danach zeigte er, Henoch mir die Strafengel, die bereit sind, zu kommen und alle Kräfte des unterirdischen Wassers loszulassen, um

Gericht und Verderben über alle zu bringen, die auf dem Festlande weilen und wohnen. 2 Der Herr der Geister gab den Engeln, die nun

ausgingen, Befehl, ihre Hände nicht zu erheben, sondern abzuwarten; denn jene Engel waren über die Kräfte der Wasser gesetzt. 3 Da ging

ich weg aus dem Angesicht Henochs.

1 In jenen Tagen erging das Wort Gottes an mich, und er sprach zu mir: »Noah, siehe dein Verhalten ist vor mich gekommen, ein tadelloses

Verhalten, ein Verhalten der Liebe und Rechtschaffenheit. 2 Und nun werden die Engel ein hölzernes Gebäude zurecht machen, und wenn

sie mit jener Arbeit fertig sind, werde ich meine Hand darauf legen und es bewahren. Ein Same des Lebens wird daraus hervorgehen; die

Erde wird sich verwandeln, damit sie nicht menschenleer bleibe. 3 Ich werde deinen Nachkommen vor mir ewige Dauer geben und ich habe

nicht im Sinn, die bei dir Wohnenden über die Oberfläche der Erde zu zerstreuen; sondern deine Nachkommenschaft wird gesegnet sein und

sich mehren über die Erde hin im Namen des Herrn.

Die Bestrafung der gefallenen Engel, ein Exempel für die Könige und Mächtigen der späteren Zeit.

4 Er wird jene Engel, die die Ungerechtigkeit gezeigt haben, in jenem brennenden Tal einschließen, das mir mein Großvater Henoch zuvor

gezeigt hatte, im Westen bei den Bergen des Goldes und Silbers, des Eisens, weichen Metalls und Zinns. 5 Ich sah jenes Tal, in dem ein

großes Wogen und Schwellen der Gewässer stattfand. 6 Als alles dieses geschah, erzeugte sich aus jenem feurigen flüssigen Metall und der

Bewegung, wodurch sie die Gewässer bewegt wurden, an jenem Ort ein Schwefelgeruch und verband sich mit jenen Wassern; jenes Tal der

Engel, die die Menschen verführten, brennt unterirdisch weiter. 7 Durch die Täler desselben Landes kommen Feuerströme hervor, da, wo

jene Engel gerichtet werden, die die Bewohner des Festlandes verführt haben. 8 Jene Wasser aber werden in jenen Tagen den Königen,

Mächtigen, Hohen und denen, die auf dem Festlande wohnen, zur Heilung des Leibes und zur Bestrafung des Geistes dienen, da ihr Geist

voll Wollust ist, damit sie an ihrem Leibe gestraft werden. Denn sie haben den Herrn der Geister verleugnet und obwohl sie täglich ihr Gericht

sehen, glauben sie nicht an seinen Gottes Namen. 9 In demselben Verhältnis, als das Brennen ihres Leibes zunimmt, wird eine

Veränderung des Geistes in ihnen vorgehen von Ewigkeit zu Ewigkeit; denn Niemand darf vor dem Herrn der Geister ein eitles Wort

sprechen. 10 Denn das Gericht kommt über sie, weil sie an die Wollust ihres Fleisches glauben und den Geist des Herrn verleugnen. 11 Jene

selben Wasser erfahren in jenen Tagen eine Veränderung. Denn wenn jene Engel in jenen Wassern gestraft werden, ändert sich die

Temperatur jener Wasserquellen, und wenn die Engel aufsteigen, wird jenes Wasser der Quellen sich ändern und abkühlen. 12 Ich hörte

Michael anheben und sagen: Dieses Gericht, womit die Engel gerichtet werden, ist ein Zeugnis für die Könige, die Mächtigen und die,

welche das Festland besitzen. 13 Denn diese Wasser des Gerichts dienen zur Heilung des Leibes der Könige und zur Lust ihres Körpers; aber

sie wollen es nicht einsehen und glauben, daß sich jene Wasser verändern und zu einem ewig lodernden Feuer werden können.

1 Darauf gab mir mein Großvater Henoch in einem Buche die Zeichen aller Geheimnisse, sowie die Bilderreden, die ihm gegeben worden

waren, und er stellte sie für mich in den Worten des Buchs der Bilderreden zusammen. 2 An jenem Tag antwortete Michael dem Raphael,

indem er sagte: Die Kraft des Geistes reißt mich fort und erregt mich; was aber die Härte des Gerichts wegen der verratenen Geheimnisse,

des Gerichts über die Engel, betrifft- wer kann die Härte des Gerichts, das vollzogen wird und bleibt, ertragen, ohne davor zu vergehen? 3

Abermals versetzte und sprach Michael zu Raphael: Wessen Herz würde nicht darüber erweichen, und wessen Nieren nicht beunruhigt

werden vor diesem Worte des Gerichts, das über sie ergangen ist, über die, welche sie also hinausgeführt haben? 4 Als er aber vor dem Herrn

der Geister stand, sprach Michael also zu Raphael: Ich werde nicht für sie eintreten unter dem Auge des Herrn; denn der Herr der Geister ist

über sie ergrimmt, weil sie tun, als ob sie dem Herrn gleich wären. 5 Darum kommt das bisher verborgene Gericht über sie immerdar; denn

weder Engel noch Mensch wird seinen Anteil davon erhalten, sondern sie allein werden ihr Gericht von Ewigkeit zu Ewigkeit erhalten.

1 Nach diesem Gericht werden sie ihnen Schrecken und Angst einjagen, weil sie diese Geheimnisse den Bewohnern des Festlandes gezeigt

haben.

Der Fall der Engel und die Geheimnisse, die sie den Menschen verrieten.

2 Siehe da die Namen jener Engel: und dies sind ihre Namen: Der erste von ihnen ist Semjasa, der zweite Arestigifa, der dritte Armen, der

vierte Kakabael, der fünfte Turel, der sechste Rumjal, der siebente Danel, der achte Ruqael, der neunte Baraqel, der zehnte Asasel, der elfte

Armers, der zwölfte Batarjal, der dreizehnte Basasael, der vierzehnte Ananel, der fünfzehnte Turjal, der sechzehnte Simapisiel, der

siebzehnte Jetarel, der achtzehnte Tumael, der neunzehnte Tarel, der zwanzigste Rumael, der einundzwanzigste Iseseel. 3 Dies sind die

Häupter ihrer Engel und die Namen ihrer Anführer über hundert, fünfzig und zehn. Der Name des ersten ist Jequn; das ist der, welcher alle

Kinder der Engel verführte, sie auf das Festland herabbrachte und durch die Menschentöchter verführte. 5 Der zweite heißt Asbeel; dieser

erteilte den Kindern der Engel böse Ratschläge, daß sie ihre Leiber durch die Menschentöchter verdarben. 6 Der dritte heißt Gadreel; das ist

der, der den Menschenkindern allerhand todbringende Schläge zeigte. Auch verführte er die Eva und zeigte den Menschenkindern die

Mordinstrumente, den Panzer, den Schild, das Schlachtschwert und überhaupt allerhand Mordinstrumente. 7 Von seiner Hand haben sich die

Waffen zu den Bewohnern des Festlandes ausgebreitet von jener Stunde an bis in Ewigkeit. 8 Der vierte heißt Penemue; dieser hat den

Menschenkindern das Unterscheiden von Bitter und Süß gezeigt und ihnen alle Geheimnisse ihrer Weisheit kundgetan. 9 Er hat die

Menschen das Schreiben mit Tinte und auf Papier gelehrt, und dadurch haben sich viele seit Ewigkeit bis in Ewigkeit und bis auf diesen Tag

versündigt. 10 Denn dazu sind die Menschen nicht geschaffen worden, daß sie in dieser Weise durch Griffel und Tinte ihre Treue

bekräftigen. 11 Denn die Menschen sind nicht anders als die Engel geschaffen worden, damit sie gerecht und rein bleiben, und der alles

vernichtende Tod hätte sie nicht be rührt, aber durch dieses ihr Wissen gehen sie zu Grunde und durch diese Kraft verzehrt er der Tod mich.

12 Der fünfte heißt Kasdeja; dieser hat die Menschenkinder allerlei böse Schläge der Geister und Dämonen gelehrt, die Schläge des Embryo

im Mutterleib, damit er abgehe, die Schläge der Seele, den Schlangenbiß, die Schläge, die durch die Mittagshitze entstehen, den Sohn der

Schlange, der Tabat heißt.13 Dies ist die Zahl des Kesbeel, der den Heiligen den Hauptschwur zeigte, als er hoch oben in Herrlichkeit

wohnte, und er heißt Beqa. 14 Dieser, Kesbeel, sagte zu Michael, daß er ihnen den verborgenen Namen zeigen möchte, damit sie jenen

verborgenen Namen sehen und ihn bei Eid erwähnen könnten, so daß die, welche den Menschenkindern alles Verborgene zeigten, vor

diesem Namen und Eide zurückbeben. 15 Dies ist die Kraft dieses Eids, denn er ist stark und kräftig; er Gott legte diesen Eid Aqae in die

Hand Michaels nieder. 16 Dies sind die Geheimnisse dieses Eids: Durch seinen Eid wurde der Himmel befestigt und aufgehängt, bevor die

Welt geschaffen wurde und bis in Ewigkeit. 17 Durch ihn wurde die Erde über dem Wasser gegründet, und kommen aus den verborgenen

Gegenden der Berge schöne Wasser von der Schöpfung der Welt an und bis in Ewigkeit. 18 Durch jenen Eid wurde das Meer geschaffen,

und er legte ihm als Grund für die Zeit seiner Wut den Sand; es darf nicht darüber hinausgehen seit der Schöpfung der Welt und bis in

Ewigkeit. 19 Durch jenen Eid sind die Abgründe befestigt und stehen unbeweglich an ihrem Ort von Ewigkeit und bis in Ewigkeit. 20 Durch

jenen Eid vollenden Sonne und Mond ihren Lauf und gehen nicht über die ihnen vorgeschriebene Bahn hinaus von Ewigkeit und bis in

Ewigkeit. 21 Durch jenen Eid vollenden die Sterne ihren Lauf; er ruft sie bei Namen, und sie antworten ihm von Ewigkeit zu Ewigkeit; 22

ebenso die Geister des Wassers, der Winde und aller Lüfte und Wege aller Verbindungen der Geister. 23 In ihm werden die Stimme des

Donners und das Licht des Blitzes bewahrt; in ihm werden die Behälter des Hagels und Reifs, die Behälter des Nebels und die Behälter des

Regens und Taus bewahrt. 24 Alle Dinge bekennen ihren Glauben und danken vor dem Herrn der Geister und loben mit all ihrer Kraft. Ihre

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Speise besteht aus lauter Danken; sie danken, loben und erheben den Namen des Herrn der Geister von Ewigkeit zu Ewigkeit. 25 Dieser Eid

ist mächtig über sie; sie werden durch ihn bewahrt. Auch ihre Wege werden bewahrt, und ihr Lauf wird nicht verdorben.

26 Große Freude herrschte unter ihnen, und sie segneten, lobten, priesen und erhoben, weil ihnen der Name jenes Menschensohnes

geoffenbart wurde. 27 Er der Menschensohn setzte sich auf den Thron seiner Herrlichkeit, und die Summe des Gerichts wurde ihm, dem

Menschensohn, übergeben, und er läßt die Sünder und die, welche die Welt verführt haben, von der Oberfläche der Erde verschwinden und

vertilgt werden. 28 Mit Ketten werden sie gebunden und an dem Sammelort ihrer Vernichtung eingeschlossen; alle ihre Werke verschwinden

von der Erdoberfläche. 29 Von jetzt an aber wird nichts Verderbliches mehr da sein. Denn jener Mannessohn ist erschienen und hat sich auf

den Thron seiner Herrlichkeit gesetzt, und alles Böse wird vor seinem Angesichte verschwinden und vergehen; aber das Wort jenes

Mannessohns wird kräftig sein vor dem Herrn der Geister.

Dies ist die dritte Bilderrede Hennochs.

Heuochs Aufnahme in das Paradies.

1 Danach wurde sein, Henochs, Name bei Lebzeiten hinweg von den Bewohnern des Festlandes zu jenem Menschensohn und zu dem Herrn

der Geister erhöht. 2 Er wurde auf Wagen des Geistes erhoben, und sein Name verschwand unter ihnen, den Menschen. 3 Von jenem Tage

an wurde ich nicht mehr unter ihnen gezählt, und er setzte mich zwischen zwei Himmelsgegenden, zwischen Norden und Westen, da, wo die

Engel die Schnüre nahmen, um für mich den Ort für die Auserwählten und Gerechten zu messen. 4 Dort sah ich die Erzväter und die Gerechten,

welche seit undenklicher Zeit an jenem Orte wohnen.

Henochs Himmelfahrt und Einsetzung zum Menschensohn.

1 Danach war mein Geist verborgen und stieg in den Himmel auf. Ich sah die Söhne der heiligen Engel auf Feuerflammen treten; ihre

Kleider waren weiß und ihr Gewand und Antlitz leuchteten wie Schnee. 2 Ich sah zwei Feuerströme, und das Licht jenes Feuers glänzte wie

Hyazinth. Da fiel ich auf mein Angesicht vor dem Herrn der Geister. 3 Der Engel Michael aber, einer von den Erzengeln, ergriff mich bei der

rechten Hand, richtete mich auf und führte mich hinaus zu allen Geheimnissen der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. 4 Er zeigte mir alle

Geheimnisse der Enden des Himmels und alle Behälter aller Sterne und Lichter, von wo sie vor den Heiligen hervorkommen. 5 Da entrückte

der Geist den Henoch in den Himmel der Himmel und ich sah dort in der Mitte jenes Lichts einen Bau aus Kristallsteinen und zwischen

jenen Steinen Zungen lebendigen Feuers. 6 Mein Geist sah, wie ein Feuer rings um jenes Haus lief, an seinen vier Seiten Ströme voll

lebendigen Feuers, die jenes Haus umgaben. 7 Ringsherum waren Seraphim, Kerubim und Ophanim; dies sind die nimmer Schlafenden, die

den Thron seiner Herrlichkeit bewachen. 8 Ich sah unzählige Engel, tausendmal Tausende und zehntausendmal Zehntausende, jenes Haus

umgeben; Michael, Gabriel, Raphael und Phanuel und die heiligen, oben in den Himmeln befindlichen Engel gehen in jenem Hause ein und

aus. 9 Aus jenem Hause traten Michael, Gabriel, Raphael und Phanuel und viele unzählige heilige Engel. 10 Und mit ihnen kam der Betagte;

sein Haupt war weiß und rein wie Wolle und sein Gewand unbeschreibbar. 11 Da fiel ich auf mein Angesicht; mein ganzer Leib schmolz zusammen,

und mein Geist verwandelte sich. Ich schrie mit lauter Stimme, mit dem Geiste der Kraft, und segnete, pries und erhob ihn. 12

Diese Lobpreisungen aber, die aus meinem Munde hervorkamen, waren wohlgefällig vor jenem Betagten. 13 Jenes betagte Haupt kam mit

Michael, Gabriel, Raphael und Phanuel und tausendmal Tausenden und zehntausendmal Zehntausenden unzähliger Engel. 14 Er kam zu mir,

grüßte mich mit seiner Stimme und sprach zu mir: Du bist der Mannessohn, der zur Gerechtigkeit geboren wird; Gerechtigkeit wohnt über

dir und die Gerechtigkeit des betagten Hauptes verläßt dich nicht. 15 Dann sagte er zu mir: Er ruft dir Frieden zu im Namen der zukünftigen

Welt; denn von dort geht hervor der Friede seit der Schöpfung der Welt, und also wird dir geschehen in Ewigkeit und von Ewigkeit zu

Ewigkeit. 16 Alle, die auf deinem Wege wandeln werden - du, den die Gerechtigkeit nimmer verläßt -, deren Wohnungen und Erbteil werden

bei dir sein, und sie werden sich bis in alle Ewigkeit nicht von dir trennen. 17 So wird Länge der Tage bei jenem Menschensohne sein und

die Gerechten werden Frieden haben und seinen geraden Weg wandeln im Namen des Herrn der Geister von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Das Geschichtsbuch. Die Entwicklung der Weltgeschichte. Das erste Traumgesicht.

Das kommende Sintflutgericht.

1 Und nun, mein Sohn Methusalah, will ich dir alle meine Gesichte zeigen, die ich geschaut habe, indem ich sie vor dir erzähle. 2 Zwei

Gesichte schaute ich, bevor ich ein Weib nahm. Das eine davon war dem anderen unähnlich. Zum ersten Male, als ich die Schrift lernte, und

zum anderen Male, bevor ich deine Mutter nahm, sah ich ein schreckliches Gesicht und um ihretwillen flehte ich zum Herrn. 3 Als ich mich

im Hause meines Großvaters Mahalalel niedergelegt hatte, schaute ich im Gesichte, wie der Himmel zusammenbrach, schwand und zur Erde

niederfiel. 4 Als er aber zur Erde niederstürzte, sah ich, wie die Erde in einem großen Abgrunde verschlungen wurde, Berge auf Berge

niederragten, Hügel auf Hügel sich niedersenkten, hohe Bäume von ihren Stammwurzeln sich losrissen, hinabwirbelten und in der Tiefe

versanken. 5 Darauf drang eine Rede in meinen Mund, und ich erhob meine Stimme, indem ich schrie und sagte: Untergegangen ist die Erde!

6 Da weckte mich mein Großvater Mahalalel auf, da ich bei ihm lag, und sagte: Warum schreist du so, mein Sohn, und warum jammerst du

so? 7 Da erzählte ich ihm das ganze Gesicht, das ich geschaut hatte, und er sagte zu mir: Was du gesehen hast, mein Sohn, ist schrecklich,

und dein Traumgesicht ist von hoher Bedeutung für die Geheimnisse aller Sünden der Erde: sie muß in den Abgrund hinuntersinken und

einen großen Untergang erleiden. 8 Und nun, mein Sohn, erhebe dich und flehe zu dem Herrn der Herrlichkeit - da du gläubig bist -, daß ein

Rest auf Erden übrig bleibe, und er nicht die ganze Erde vertilge. 9 Alles dies, mein Sohn, wird vom Himmel her über die Erde kommen, und

eine große Zerstörung wird auf Erden stattfinden. 10 Darauf erhob ich mich, betete und flehte und schrieb mein Gebet für die Geschlechter

der Erde nieder, und ich will dir alles, mein Sohn Methusalah, zeigen. 11 Als ich unten ins Freie getreten war und den Himmel sah und die

Sonne im Osten aufgehen und den Mond im Westen untergehen und einige Sterne und die ganze Erde und alles, wie er es von Anfang an

bestimmt hat, da pries ich den Herrn des Gerichts und erhob ihn, weil er die Sonne aus den Fenstern des Ostens aufgehen ließ, daß sie an der

Außenseite des Himmels aufsteigt, aufgeht, aufbricht und den Pfad zieht, der ihr gezeigt ist.

1 Ich erhob meine Hände in Gerechtigkeit und pries den großen Heiligen und redete mit dem Odem meines Mundes und mit der

Fleischeszunge, die Gott den Kindern des Menschenfleisches gemacht hat, daß sie damit untereinander reden, und er gab ihnen den Odem,

die Zunge und den Mund, daß sie damit untereinander reden. 2 Gepriesen bist du, o Herr, König, groß und mächtig in deiner Größe, Herr der

ganzen Schöpfung des Himmels, König der Könige und Gott der ganzen Welt! Deine Macht, Königsherrschaft und Größe bleibt in alle

Ewigkeit, und deine Herrschaft durch alle Geschlechter; alle Himmel sind dein Thron in Ewigkeit und die ganze Erde der Schemel deiner

Füße immerdar. 3 Denn du hast alles geschaffen und regierst es; nichts ist dir zu schwer. Keinerlei Weisheit entgeht dir, noch wendet sie sich

weg von deinem Thron oder von deinem Angesicht; du weißt, siehst und hörst alles, und da ist nichts, das vor dir verborgen wäre, denn du

siehst alles. 4 Und nun sündigen die Engel deiner Himmel, und über dem Menschenfleisch ruht dein Zorn bis zu dem Tage des großen

Gerichts. 5 Und nun, o Gott, Herr und großer König, flehe und bitte ich, daß du mir meine Bitte erfüllst, mir eine Nachkommenschaft auf

Erden übrig zu lassen und nicht alles Fleisch der Menschen zu vertilgen und die Erde nicht menschenleer zu machen, so daß ein ewiges

Verderben entstünde. 6 Und nun, mein Herr, vertilge von der Erde das Fleisch, das dich erzürnt hat; aber das Fleisch der Gerechtigkeit und

Rechtschaffenheit richte auf als eine ewige Samenpflanze und verbirg nicht dein Angesicht vor der Bitte deines Knechtes, o Herr!

Das zweite Traumgesicht; Abriß der Weltgeschichte von Anfang bis zur Aufrichtung des messianischen Reichs.

1 Danach sah ich einen anderen Traum, und ich will dir den ganzen Traum erklären, mein Sohn. 2 Da begann Henoch und sagte zu seinem

Sohne Methusalah: Zu dir, mein Sohn, will ich sprechen; höre meine Rede und neige dein Ohr zu dem Traumgesichte deines Vaters. 3 Bevor

ich deine Mutter Edna nahm, sah ich ein Gesicht auf meinem Lager, und siehe, ein Farre kam aus der Erde hervor und jener Farre war weiß,

108

und nach ihm kam ein weibliches Rind hervor, und zugleich mit diesem kamen zwei Rinder hervor; eines davon war schwarz und das andere

rot. 4 Jenes schwarze Rind stieß das rote und verfolgte es auf der Erde, und allsogleich vermochte ich jenes rote Rind nicht mehr zu sehen. 5

Jenes schwarze Rind wuchs heran, und ein weibliches Rind kam zu ihm, und ich sah, wie viele Farren von ihm hervorgingen, die ihm glichen

und folgten. 6 Jene erste Kuh aber entfernte sich aus dem Gesichtskreise jenes ersten Farren, um jenes rote Rind zu suchen, und als sie es

nicht fand, erhob sie sogleich ein großes Wehgeschrei und suchte es. 7 Ich blickte hin, bis jener erste Farre zu ihr kam und sie

beschwichtigte, und von jener Stunde an schrie sie nicht mehr. 8 Darauf gebar sie einen anderen weißen Farren und nach ihm gebar sie noch

viele schwarze Farren und Kühe. 9 Ich sah in meinem Schlafe, wie jener weiße Stier gleichfalls heranwuchs und ein großer weißer Stier

wurde, und von ihm gingen viele weiße Farren hervor, die ihm glichen. 10 Sie fingen an, viele weiße Farren zu erzeugen, die ihnen glichen,

einer dem anderen folgend.

1 Weiter sah ich mit meinen Augen, während ich schlief, und ich sah den Himmel oben, und siehe, ein Stern fiel vom Himmel herab, und als

er sich von seinem Fall erhoben hatte, fraß und weidete er zwischen jenen Farren. 2 Danach sah ich, wie die großen und schwarzen Farren

alle ihre Ställe, Weideplätze und Rinder wechselten und miteinander zu leben begannen. 3 Weiter sah ich im Gesicht und zum Himmel

blickend sehr viele Sterne herabfallen und sich vom Himmel zu jenem ersten Sterne herabstürzen, und sie wurden zu Farren unter jenen

Rindern und weideten bei ihnen in ihrer Mitte. 4 Als ich sie erblickte, sah ich, wie sie alle ihre Schamglieder wie die Rosse herausstreckten

und auf die Kühe der Farren hinaufstiegen, und sie wurden alle trächtig und warfen Elefanten, Kamele und Esel. 5 Alle Farren aber

fürchteten sich und erschraken vor ihnen, und sie begannen mit ihren Zähnen zu beißen und zu verschlingen und mit ihren Hörnern zu

stoßen. 6 Dann begannen sie jene Farren aufzufressen, und siehe, alle Kinder der Erde fingen an, vor ihnen zu zittern, zu beben und zu

fliehen.

1 Weiter sah ich, wie sie anfingen, einander zu stoßen und zu verschlingen, und die Erde begann zu schreien. 2 Da erhob ich abermals meine

Augen zum Himmel und sah im Gesichte, wie aus dem Himmel Wesen, die weißen Menschen glichen, hervorkamen; einer von ihnen kam

aus jenem Ort hervor und drei mit ihm. 3 Jene drei, die zuletzt hervorgekommen waren, ergriffen mich bei der Hand, nahmen mich von dem

Geschlechte der Erde hinweg und brachten mich hinauf an einen hohen Ort und zeigten mir einen Turm hoch über der Erde, und alle Hügel

waren niedriger. 4 Sie sagten zu mir: Bleibe hier, bis du alles siehst, was über jene Elefanten, Kamele und Esel, über die Sterne und über alle

Farren kommt.

1 Ich sah, wie einer von jenen vier, die vorhin herausgekommen waren, jenen Stern, der zuerst vom Himmel gefallen war, an Händen und

Füßen fesselte und in einen Abgrund warf; jener Abgrund aber war eng und tief, grausig und finster. 2 Einer von ihnen zog sein Schwert und

gab es jenen Elefanten, Kamelen und Eseln; da fingen sie an, einander zu schlagen, so daß die ganze Erde ihrethalben zitterte. 3 Als ich im

Gesichte weiter sah, siehe, da warf einer von jenen vier, die hervorgekommen waren, ... vom Himmel, und >man< sammelte und nahm alle

jene großen Sterne, deren Schamglieder wie die Schamglieder der Rosse waren, fesselte alle an Händen und Füßen und warf sie in einen Abgrund

der Erde.

1 Einer von jenen vier ging hin zu jenem weißen Farren und lehrte ihn ein Geheimnis, während er, der Farre, zitterte. Er war als Farre

geboren worden und wurde nun ein Mensch, zimmerte sich ein großes Fahrzeug und ließ sich darin nieder, und drei Farren ließen sich mit

ihm in jenem Fahrzeuge nieder, und es wurde über ihnen zugedeckt. 2 Da hob ich abermals meine Augen zum Himmel auf und sah ein hohes

Dach mit sieben Schleusen daran, und jene Schleusen ließen in einen Hof viel Wasser strömen. 3 Als ich weiter sah, siehe da öffneten sich

Quellen über der Erde in jenem großen Hof, und jenes Wasser fing an, aufzuwallen und sich über die Erde zu erheben, und es ließ jenen Hof

verschwinden, bis der ganze Boden von ihm mit Wasser bedeckt war. 4 Und das Wasser, die Finsternis und der Nebel nahmen über ihm zu.

Als ich die Höhe jenes Wassers betrachtete, erhob es sich über die Höhe jenes Hofs und strömte über den Hof und blieb auf der Erde stehen.

5 Alle Farren jenes Hofs waren dicht zusammengedrängt, so daß ich sah, wie sie untersanken und verschlungen wurden und in jenem Wasser

umkamen. 6 Jenes Fahrzeug aber schwamm auf dem Wasser, während alle Farren, Elefanten, Kamele und Esel samt allem Vieh zu Boden

sanken, so daß ich sie nicht mehr sehen konnte. Sie waren nicht im stande, herauszukommen, sondern kamen um und versanken in die Tiefe.

7 Weiter sah ich im Gesichte, bis jene Schleusen von jenem hohen Dach entfernt, die Klüfte der Erde ausgeglichen wurden, und andere

Abgründe sich auftaten. 8 Das Wasser aber fing an, in sie hineinzulaufen, bis die Erde zum Vorschein kam. Jenes Fahrzeug aber setzte sich

auf der Erde fest, die Finsternis wich zurück, und Licht erschien. 9 Jener weiße Farre aber, der ein Mann geworden war, ging mit den drei

Farren aus jenem Fahrzeuge heraus. Einer von den drei Farren war weiß, ähnlich jenem Farren, einer von ihnen war rot wie Blut und einer

schwarz; jener weiße Farre entfernte sich von ihnen. 10 Da fingen sie an, wilde Tiere und Vögel zu erzeugen, so daß sich aus ihnen allen ein

Haufen von Arten entwickelte: Löwen, Tiger, Hunde, Wölfe, Hyänen, Wildschweine, Füchse, Kaninchen, Schweine, Falken, Geier, Weihen,

Adler und Raben; und unter ihnen wurde ein weißer Farre geboren. 11 Alsdann fingen sie an, sich untereinander eins mit dem andern zu beißen.

Jener weiße Farre aber, der unter ihnen geboren worden war, zeugte einen Wildesel und außer ihm einen weißen Farren; der Wildesel

aber mehrte sich. 12 Jener Farre aber, der von ihm gezeugt worden war, zeugte ein schwarzes Wildschwein und ein weißes Schaf, und jenes

Wildschwein zeugte viele Schweine, jenes Schaf aber zeugte zwölf Schafe. 13 Als jene Schafe herangewachsen waren, übergaben sie eins

von ihnen den Eseln, und diese Esel wiederum übergaben jenes Schaf den Wölfen, und so wuchs jenes Schaf unter den Wölfen auf. 14 Da

brachte der Herr die zwölf Schafe, daß sie bei ihm wohnten und bei ihm mitten unter den Wölfen weideten, und sie mehrten sich und wurden

zu vielen Schafherden. 15 Da begannen sich die Wölfe vor ihnen zu fürchten und bedrückten sie, bis sie ihre, der Schafe, Jungen

umbrachten. Und sie warfen ihre Jungen in einen wasserreichen Fluß; jene Schafe aber begannen wegen ihrer Jungen zu schreien und zu

ihrem Herrn zu klagen. 16 Ein Schaf, das vor den Wölfen gerettet worden war, entfloh und entkam zu den Wildeseln; und ich sah, wie die

Schafe wehklagten, schrieen und ihren Herrn aus allen Kräften baten, bis jener Herr der Schafe auf das Geschrei der Schafe aus einem hohen

Gemach herabstieg, zu ihnen kam und sie weidete. l7 Da rief er jenem Schafe, das den Wölfen entronnen war, und sprach mit ihm in betreff

der Wölfe, daß er sie ermahnen solle, die Schafe nicht anzurühren. 18 Das Schaf aber ging auf Befehl des Herrn zu den Wölfen, und ein

anderes Schaf traf mit jenem Schafe zusammen, ging mit ihm, und sie beide traten zusammen in die Versammlung jener Wölfe, sprachen mit

ihnen und ermahnten sie, fortan die Schafe nicht anzurühren. 19 Darauf sah ich, wie die Wölfe die Schafe noch mehr mit aller Gewalt

unterdrückten, und die Schafe schrieen. 20 Da kam ihr Herr zu den Schafen und fing an, jene Wölfe zu schlagen. Da begannen die Wölfe zu

wehklagen; die Schafe aber wurden ruhig und schrieen allsogleich nicht mehr. 21 Ich sah, bis daß die Schafe von den Wölfen auszogen; die

Augen der Wölfe aber wurden von Finsternis gehalten, so daß sich jene Wölfe mit aller ihrer Macht zur Verfolgung der Schafe aufmachten.

22 Der Herr der Schafe zog als ihr Führer mit ihnen, und alle seine Schafe folgten ihm; sein Antlitz war glänzend und herrlich und furchtbar

anzuschauen. 23 Die Wölfe aber fingen an, jene Schafe zu verfolgen, bis sie sie bei einem Wassersee trafen. 24 Jener Wassersee teilte sich,

und das Wasser stand vor ihnen zu beiden Seiten; ihr Herr aber, der sie führte, trat zwischen sie und die Wölfe. 25 Da jene Wölfe die Schafe

noch nicht sahen, zogen sie in die Mitte jenes Wassersees hinein, und die Wölfe folgten den Schafen, und jene Wölfe liefen in dem

Wassersee hinter ihnen her. 26 A1s sie aber den Herrn der Schafe sahen, machten sie kehrt, um vor seinem Angesichte zu fliehen. Aber jener

Wassersee zog sich zusammen und nahm plötzlich seine ursprüngliche Gestalt wieder an; das Wasser schwoll und hob sich, bis es jene

Wölfe bedeckte. 27 Ich sah, daß alle Wölfe, die jene Schafe verfolgten, umkamen und versanken. 28 Die Schafe aber entrannen jenem

Wasser und gelangten in eine wasser- und graslose Wüste. Da fingen sie an, ihre Augen aufzumachen, und ich sah, wie der Herr der Schafe

sie weidete und ihnen Wasser und Gras gab, und wie jenes Schaf ging und sie führte. 29 Jenes Schaf bestieg den Gipfel jenes hohen Bergs,

und der Herr der Schafe schickte es darauf wieder zu ihnen. 30 Danach sah ich den Herrn der Schafe vor ihnen stehen, und sein Aussehen

war furchtbar und hehr; als alle jene Schafe ihn sahen, erschraken sie vor seinem Angesicht. 31 Sie fürchteten sich alle und zitterten vor ihm

und schrieen zu jenem Schafe, das bei ihnen war, das unter ihnen war: Wir können vor unserem Herrn nicht standhalten und ihn nicht

ansehen! 32 Da bestieg jenes Schaf, das sie führte, abermals den Gipfel jenes Felsens. Die Schafe aber begannen, blind zu werden und von

dem Weg abzuirren, den es ihnen gezeigt hatte; jenes Schaf aber wußte nichts davon. 33 Da wurde der Herr der Schafe sehr zornig über sie,

109

und als jenes Schaf es erfuhr, stieg es vom Gipfel des Felsens herab, kam zu den Schafen und fand den größten Teil von ihnen verblendet

und abgefallen. 34 A1s sie es sahen, fürchteten sie sich, zitterten vor ihm und verlangten, nach ihrer Herde zurückzukehren. 35 Jenes Schaf

aber nahm andere Schafe zu sich und kam zu jenen abgefallenen Schafen; darauf fing es an, sie zu töten; da fürchteten sich die Schafe vor

ihm, und jenes Schaf brachte jene abgefallenen Schafe zurück, und sie kehrten zu ihren Herden zurück. 36 Ich sah in diesem Gesicht, daß

jenes Schaf ein Mann wurde und dem Herrn der Schafe ein Haus baute und alle jene Schafe in jenes Haus eintreten ließ. 31 Ich sah, daß

jenes Schaf, das mit jenem die Schafe führenden Schafe zusammengetroffen war, entschlief. Ich sah, daß alle großen Schafe umkamen und

kleinere an ihrer Stelle sich erhoben; sie kamen zu einem Weideplatz und näherten sich einem Wasserflusse. 38 Da trennte sich jenes

führende Schaf, das ein Mann geworden war, von ihnen und entschlief; alle jene Schafe suchten es und erhoben seinetwegen ein großes

Geschrei. 39 Ich sah, daß sie von dem Geschrei um jenes Schaf abließen, und sie überschritten jenen Wasserfluß, und es traten immer andere

Schafe, die sie führten, an die Stelle der Entschlafenen und führten sie. 40 Ich sah, daß die Schafe an einen Ort ins liebliche und herrliche

Westjordanland kamen, und ich sah, daß jene Schafe satt wurden, und jenes Haus stand unter ihnen in dem lieblichen Lande. 41 Manchmal

waren ihre Augen offen, manchmal blind, bis sich ein anderes Schaf erhob, sie führte und sie alle zurückbrachte und ihre Augen geöffnet

wurden. 42 Die Hunde, Füchse und Wildschweine fingen an, jene Schafe zu fressen, bis der Herr der Schafe ein anderes Schaf einen Widder

aus ihrer Mitte erweckte, der sie führte. 43 Jener Widder fing an, nach beiden Seiten hin jene Hunde, Füchse und Wildschweine zu stoßen,

bis er viele umgebracht hatte. 44 Da wurden die Augen jenes Schafs geöffnet, und es sah, wie jener Widder, der unter den Schafen war, seine

Würde verleugnete und jene Schafe zu stoßen anfing, sie trat und ohne Anstand wandelte. 45 Da sandte der Herr der Schafe das Schaf zu

einem anderen Schaf und stellte es als Widder und Führer an Stelle jenes Widders auf, der seine Würde vergessen hatte. 46 Es ging zu ihm

und sprach mit ihm allein und erhob es zum Widder und machte es zum Fürsten und Führer der Schafe; aber während alledem bedrängten

jene Hunde die Schafe. 47 Der erste Widder verfolgte jenen zweiten Widder; jener zweite Widder erhob sich und flüchtete vor ihm, und ich

sah, daß jene Hunde den ersten Widder zu Falle brachten. 48 Jener zweite Widder aber erhob sich und führte die Schafe, und jener Widder

zeugte viele Schafe und entschlief; ein kleines Schaf aber wurde Widder an seiner Statt und Fürst und Führer jener Schafe. 49 Jene Schafe

wuchsen und mehrten sich; alle Hunde, Füchse und Wildschweine fürchteten sich und flohen vor ihm. Jener Widder aber stieß und tötete alle

Raubtiere, und jene Raubtiere verübten keine Gewalt mehr unter den Schafen und raubten ihnen nichts weiter. 50 Jenes Haus aber wurde

groß und breit, und ein hoher und großer Turm wurde für jene Schafe gebaut; er wurde auf das Haus für den Herrn der Schafe gebaut. Jenes

Haus war niedrig, aber der Turm war ragend und hoch, und der Herr der Schafe stand auf jenem Turm, und man setzte ihm einen vollen

Tisch vor. 51 Ich sah weiter, wie jene Schafe wiederum abfielen, auf vielerlei Wegen wandelten und jenes ihr Haus verließen. Der Herr der

Schafe aber rief einige von den Schafen und schickte sie zu den Schafen, und die Schafe fingen an, sie zu töten. 52 Eins von ihnen rettete

sich und wurde nicht getötet, entsprang und schrie über die Schafe, und sie wollten es töten; aber der Herr der Schafe rettete es aus der

Gewalt der Schafe, brachte es zu mir herauf und ließ es da wohnen. 53 Auch schickte er viele andere Schafe zu jenen Schafen, um sie zu

ermahnen und über sie zu klagen. 54 Danach sah ich, daß sie alle, als sie das Haus des Herrn der Schafe und seinen Turm verlassen hatten,

abfielen und blind wurden; ich sah, wie der Herr der Schafe viel Blutvergießen unter ihnen in ihren einzelnen Herden anrichtete, daß jene

Schafe solches Blutvergießen noch herausforderten und seinen Ort verließen. 55 Da gab er sie preis den Löwen, Tigern, Wölfen, Hyänen,

Füchsen und allen Raubtieren; jene Raubtiere aber fingen an, jene Schafe zu zerreißen. 56 Ich sah, daß er jenes ihr Haus und ihren Turm

verließ und sie alle den Löwen preisgab, um sie zu zerreißen und zu verschlingen, allen Raubtieren. 57 Da fing ich an, aus allen meinen

Kräften zu schreien und den Herrn der Schafe anzurufen und ihm betreffs der Schafe Vorstellungen zu machen, daß sie von allen Raubtieren

verschlungen würden. 58 Als er es sah, blieb er ruhig und freute sich, daß sie verschlungen, gefressen und geraubt wurden, und überließ sie,

um verschlungen zu werden, der Gewalt aller Raubtiere. 59 Er rief 70 Hirten und verstieß jene Schafe, um sie zu weiden, und sprach zu den

Hirten und ihren Genossen: Jeder einzelne von euch soll von jetzt an die Schafe weiden, und alles, was ich euch befehlen werde, tut! 60 Und

ich will sie euch genau abgezählt übergeben und werde euch sagen, wer von ihnen umgebracht werden soll, - und diese bringt um! Da

überließ er ihnen jene Schafe. 61 Er rief einen anderen und sprach zu ihm: Gib acht und siehe auf alles, was die Hirten an diesen Schafen tun

werden; denn sie werden mehr unter ihnen umbringen, als ich ihnen befohlen habe. 62 Jede Überschreitung und Vernichtung, die durch die

Hirten angerichtet werden wird, schreibe auf, wie viele sie nach meinem Befehl umbringen, und wie viele sie nach ihrer Willkür umbringen,

und schreibe jedem einzelnen Hirten alles, was er vernichtet, an. 63 Lies es mir der Zahl nach vor, wie viele sie nach ihrer Willkür

umbrachten und wieviel sie der Vernichtung preisgaben, damit mir dies zum Zeugnis gegen sie sei, und ich alles Tun der Hirten weiß, so daß

ich, wenn ich sie abwäge, sehe, was sie tun, ob sie dem von mir gegebenen Befehle treu geblieben sind oder nicht. 64 Aber sie sollen es nicht

wissen und du sollst es ihnen nicht mitteilen, noch sie ermahnen, sondern schreibe von jedem einzelnen die Vernichtung auf, die die Hirten,

ein jeder zu seiner Stunde, anrichten, und lege mir alles vor! 65 Ich sah, bis daß jene Hirten, ein jeder zu seiner Stunde, weideten; und sie

fingen an, zu töten und umzubringen mehr, als ihnen befohlen worden war, und sie gaben jene Schafe den Löwen preis. 66 Die Löwen und

Tiger fraßen und verschlangen den größeren Teil jener Schafe, und die Wildschweine fraßen mit ihnen, und sie steckten jenen Turm in Brand

und zerstörten jenes Haus. 67 Da wurde ich sehr traurig wegen jenes Turms, weil jenes Haus der Schafe zerstört worden war, und danach

konnte ich nicht mehr sehen, ob jene Schafe in jenes Haus hineingingen. 68 Die Hirten aber und ihre Genossen übergaben jene Schafe allen

Raubtieren, um sie zu fressen; jeder einzelne von ihnen empfing zu seiner Stunde eine bestimmte Zahl, und von jedem einzelnen von ihnen

schrieb der andere in ein Buch, wie viele von ihnen er umbrachte. 69 Jeder tötete und brachte mehr um, als ihnen vorgeschrieben worden

war. Da begann ich wegen jener Schafe zu weinen und gar sehr zu wehklagen. 70 In dieser Weise sah ich im Gesichte, wie jener Schreiber

jeden einzelnen, der durch jene Hirten umkam, Tag für Tag aufschrieb und das ganze Buch dem Herrn der Schafe hinaufbrachte, vorlegte

und alles zeigte, was sie getan und alle, die ein jeder von ihnen beseitigt hatte, und alle, die sie zur Vernichtung übergeben hatten. 71 Das

Buch wurde dem Herrn der Schafe vorgelesen, und er nahm das Buch aus seiner Hand, las es, versiegelte es und legte es beiseite. 72 Danach

sah ich, wie die Hirten zwölf Stunden lang weideten, und siehe, drei von jenen Schafen kehrten zurück, kamen, traten heran und begannen

alle Ruinen jenes Hauses aufzubauen; aber die Wildschweine hielten sie ab, so daß sie nichts auszurichten vermochten. 73 Da begannen sie

wiederum wie zuvor zu bauen und führten jenen Turm auf, und man nannte ihn den hohen Turm; sie begannen wiederum einen Tisch vor

den Turm zu stellen, aber alles Brot auf ihm war befleckt und unrein. 74 Trotz alledem waren die Augen dieser Schafe, und ebenso der

Hirten, blind, so daß sie nicht sahen, und sie wurden in großer Menge ihren Hirten zum Umbringen übergeben, und sie traten die Schafe mit

ihren Füßen und verschlangen sie. 75 Der Herr der Schafe aber blieb ruhig, bis sich alle Schafe über das Feld zerstreuten und sich mit ihnen,

den Raubtieren, vermischten; und sie, die Hirten, retteten sie nicht aus der Gewalt der Raubtiere. 76 Jener aber, der das Buch schrieb, brachte

es hinauf, zeigte und las es vor dem Herrn der Schafe, legte Fürbitte für sie ein und bat ihn, indem er ihm alles, was die Hirten getan hatten,

zeigte und vor ihm gegen alle Hirten Zeugnis ablegte. 77 Dann nahm er das Buch, legte es bei ihm nieder und ging weg.

1 Ich sah eine Zeitlang, bis in dieser Weise 35 Hirten weideten, und alle vollendeten jeder seine Zeit wie die früheren, und andere bekamen

sie in ihre Gewalt, um sie zu ihrer Zeit zu weiden, jeder Hirte zu seiner Zeit. 2 Danach sah ich im Gesicht alle Vögel des Himmels kommen:

die Adler, Geier, Weihen und Raben; die Adler aber führten alle Vögel, und sie fingen an, jene Schafe zu fressen, ihnen die Augen

auszuhacken und ihr Fleisch zu verzehren. 3 Die Schafe aber schrieen, weil ihr Fleisch von den Vögeln verzehrt wurde, und als ich es sah,

wehklagte ich in meinem Schlaf über jenen Hirten, der die Schafe weidete. 4 Ich sah, daß jene Schafe von den Hunden, Adlern und Weihen

gefressen wurden, und sie ließen an ihnen weder Fleisch noch Haut noch Sehnen übrig, bis nur noch ihr Skelett dastand; aber auch ihr Skelett

fiel zu Boden und so verringerten sich die Schafe. 5 Ich sah so lange, bis 23 Hirten die Weide übernahmen, und sie vollendeten, je zu ihrer

Zeit, 23 Zeiten. 6 Von jenen weißen Schafen aber wurden kleine Lämmer geboren, und sie fingen an, ihre Augen aufzumachen, zu sehen und

zu den Schafen zu schreien. 7 Aber die Schafe schrieen ihnen nicht zu und hörten nicht, was sie ihnen erzählten, sondern waren über die

Maßen taub, und ihre Augen waren überaus sehr verblendet. 8 Ich sah im Gesichte, wie Raben auf jene Lämmer losflogen, eins von jenen

Lämmern ergriffen und die Schafe zerstückelten und verschlangen. 9 Ich sah, bis daß jenen Lämmern Hörner sproßten, und die Raben ihre

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Hörner niederwarfen; ich sah, bis daß ein großes Horn bei einem von jenen Schafen hervorsproßte, und ihre Augen wurden geöffnet. 10 Es

weidete sie, und ihre Augen öffneten sich, und es schrie nach den Schafen; als aber die Böcke es sahen, liefen ihm alle zu. 11 Trotz alledem

zerrissen jene Adler, Geier, Raben und Weihen immerzu die Schafe, flogen auf sie los und verschlangen sie. Die Schafe jedoch verhielten

sich ruhig, aber die Böckchen wehklagten und schrieen. 12 Jene Raben kämpften und fochten mit ihm und suchten sein Horn zu beseitigen,

hatten aber keine Gewalt über es. 13 Ich sah, daß die Hirten und Adler, jene Geier und Weihen kamen, und sie schrieen den Raben zu, daß

sie das Horn jenes Böckchens zerbrechen sollten; sie kämpften und fochten mit ihm, und es stritt mit ihnen und schrie, daß seine Hilfe ihm

kommen möge. 14 Ich sah, daß jener Mann kam, der die Namen der Hirten aufschrieb und sie dem Herrn der Schafe vorlegte, und er half

jenem Böckchen und zeigte ihm alles, und daß er, um ihm zu helfen, gekommen sei. 15 Ich sah, daß jener Herr der Schafe im Zorn zu ihnen

kam, und alle, die ihn sahen, flohen, und alle fielen in Finsternis vor seinem Angesicht. 16 Alle Adler, Geier, Raben und Weihen versammelten

sich, brachten alle Schafe des Feldes mit sich, kamen alle zusammen und halfen einander, jenes Horn des Böckchens zu brechen.

17 Ich sah, daß jener Mann, der das Buch auf den Befehl des Herrn schrieb, jenes Buch der Vertilgung öffnete, die jene 12 letzten Hirten

angerichtet hatten, und er legte vor dem Herrn der Schafe dar, daß sie weit mehr als ihre Vorgänger umgebracht hatten. 18 Ich sah, daß der

Herr der Schafe zu ihnen kam, seinen Zornstab in die Hand nahm und die Erde schlug, so daß sie zerbarst, und alle Tiere und Vögel des

Himmels glitten von jenen Schafen herunter und versanken in die Erde, die sich über ihnen schloß. 19 Ich sah, daß den Schafen ein großes

Schwert überreicht wurde, und die Schafe zogen gegen alle Tiere des Feldes, um sie zu töten, und alle Tiere und Vögel des Himmels flohen

vor ihnen. 20 Ich sah, bis daß ein Thron in dem lieblichen Land errichtet wurde, und der Herr der Schafe sich darauf setzte, und der andere

nahm die versiegelten Bücher und öffnete jene Bücher vor dem Herrn der Schafe. 21 Der Herr rief jene sieben ersten Weißen und befahl, vor

ihn zu bringen, beginnend mit dem ersten Sterne, der zuerst herausgegangen war, alle Sterne, deren Schamglieder wie die der Rosse gewesen

waren, und sie brachten sie alle vor ihn. 22 Er sprach zu jenem Manne, der vor ihm schrieb, der einer von den sieben Weißen war, und sagte

zu ihm: Nimm diese 70 Hirten, denen ich die Schafe übergeben habe, und indem sie sie nahmen, töteten sie mehr von ihnen, als ich ihnen

befohlen hatte. 23 Siehe, ich sah alle gebunden und vor ihm stehen. 24 Das Gericht begann bei den Sternen, und sie wurden gerichtet, für

schuldig befunden und kamen an den Ort der Verdammnis, und man warf sie in einen Abgrund voll Feuer, flammend und voll Feuersäulen.

25 Auch jene 70 Hirten wurden gerichtet, für schuldig befunden und in jenen Feuerpfuhl geworfen. 26 Ich sah in jener Zeit, wie sich ein

ähnlicher Abgrund inmitten der Erde öffnete, voll von Feuer. Man brachte jene verblendeten Schafe; alle wurden gerichtet, für schuldig

befunden und in jenen Feuerpfuhl geworfen und brannten; dieser Abgrund befand sich zur Rechten jenes Hauses. 27 Ich sah jene Schafe und

ihr Gebein brennen. 28 Ich stand auf, um zu sehen, bis daß er jenes alte Haus einwickelte. Man schaffte alle Säulen hinaus; alle Balken und

Verzierungen jenes Hauses wurden mit ihm eingewickelt. Man schaffte es hinaus und legte es an einen Ort im Süden des Landes. 29 Ich sah,

daß der Herr der Schafe ein neues Haus brachte, größer und höher als jenes erste, und es an dem Orte des ersten aufstellte, das eingewickelt

worden war. Alle seine Säulen waren neu, auch seine Verzierungen waren neu und größer als die des ersten alten, das er hinausgeschafft

hatte; und der Herr der Schafe war darin. 30 Ich sah, wie alle übriggebliebenen Schafe und alle Tiere auf der Erde und alle Vögel des

Himmels niederfielen, jene Schafe anbeteten, sie anflehten und ihnen in jedem Worte gehorchten. 31 Darauf nahmen mich jene drei weiß

Gekleideten, die mich zuvor hinaufgebracht hatten, bei der Hand, und indem die Hand jenes Böckchens mich ergriff, brachten sie mich

hinauf und setzten mich inmitten jener Schafe nieder, bevor das Gericht begann. 32 Jene Schafe aber waren alle weiß, und ihre Wolle war

reichlich und rein. 33 Alle die umgebracht oder zerstreut worden waren, alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels versammelten

sich in jenem Hause, und der Herr der Schafe freute sich sehr, weil alle gut waren und in sein Haus zurückkehrten. 34 Ich sah, daß sie jenes

Schwert, das den Schafen gegeben war, niederlegten, in sein Haus zurückbrachten und es vor dem Angesichte des Herrn versiegelten. Alle

Schafe wurden in jenes Haus eingeladen, und es faßte sie nicht. 35 Aller Augen waren geöffnet, daß sie das Gute sahen, und keiner war unter

ihnen, der nicht sehend gewesen wäre. 36 Ich sah, daß jenes Haus groß, geräumig und sehr voll war. 37 Ich sah, daß ein weißer Farre mit

großen Hörnern geboren wurde. Alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels fürchteten ihn und flehten ihn an alle Zeit. 38 Ich sah, bis

daß alle ihre Geschlechter verwandelt und alle weiße Farren wurden; der erste unter ihnen wurde ein Büffel, und jener Büffel wurde ein

großes Tier und bekam auf seinem Kopfe große und schwarze Hörner. Der Herr der Schafe aber freute sich sehr über sie und über alle

Farren. 39 Ich hatte in ihrer Mitte geschlafen; da wachte ich auf und sah alles. 40 Dies ist das Gesicht, das ich im Schlafe sah. Als ich

erwacht war, pries ich den Herrn der Gerechtigkeit und stimmte ihm einen Lobgesang an. 41 Darauf brach ich in lautes Weinen aus, und

meine Tränen hörten nicht auf, bis ich es nicht mehr auszuhalten vermochte. So oft ich hinsah, rannen sie herab wegen dessen, was ich sah.

Denn alles wird eintreffen und sich erfüllen; alles Tun der Menschen ist mir der Reihe nach gezeigt worden. 42 In jener Nacht erinnerte ich

mich meines ersten Traums; auch seinetwegen weinte ich und war bestürzt, weil ich jenes Gesicht gesehen hatte.

Textquelle: Werbeschriften in Ägypten

In der letzten Zeit vor Christus lebten weit mehr Juden in der Diaspora (Zerstreuung) als in Palästina (vielleicht 6:1 Millionen; vgl. Apg 2,5

ff.; 1 Makk 15,22f); in Alexandrien bewohnten sie 2 von 5 Stadtteilen, in ganz Ägypten waren sie 1 von 7 Millionen (Einwohnerzahlen im

Altertum sind meist nur grob geschätzt). Die Juden in Ägypten und anderswo, manchmal bedrückt (vgl. 3 Makk, S. 31), doch der

Überlegenheit ihrer Offenbarungsreligion über die heidnische wohl bewußt (vgl. Is 44; Jer 10; Weish 13-15), rühmten ihre großen Männer:

Abraham, eigentlich Henoch, erfand die Astrologie und lehrte sie die Phönizier und ägyptischen Priester; Moses wurde gefeiert von

Aristobul und Eupolemus (um 160 vor Christus) und einem Unbekannten, Ezechiel dem Tragiker und Artapanus (im 1. Jahrhundert vor

Christus) als Quelle griechischer Weisheit ja als Begründer der ganzen ägyptischen Kultur: Erfinder von Schiffen, Transport - und

Bewässerungsmaschinen, Feldherr und Staatsordner.

Das Testament Salomos erzählt von der Macht dieses großen Königs: ein Dämon quält Tempelbauarbeiter, ein anderer die Araber mit

Glutwind; Salomo bezwingt beide mit einem gottgeschenkten Siegelring und zwingt sogar einen Dämon zur Mithilfe am Tempelbau, aber

fällt später ab. Die Schrift ist wohl jüdisch und später christlich überarbeitet.

Wertvoller war die Empfehlung der wahren Weisheit und Sammlung von Lebensregeln in den beiden kanonischen Büchern der Weisheit und

des Jesus Sirach (diese wurde in der Alten Kirche zum Sittenunterricht benutzt, daher Ecclesiasticus = kirchlich). Daneben gab es unter

anderem ein Mahngedicht, dem Phokylides von Milet zugeschrieben (um 540 vor Christus), das noch in byzantinischer Zeit als Schulbuch

gebraucht wurde, und die Sprüche Menanders (attischer Dichter um 300 vor Christus, in Wirklichkeit aus der Römerzeit).

Eine Empfehlung der griechischen Übersetzung der 5 Bücher Moses', der Thora, des Grundbuchs des Judentums, und der jüdischen

Weisheit, zugleich eine Sinnerklärung der jüdischen Speisegesetze ist der Aristeasbrief, angeblich verfaßt von Aristeas, einem Beamten

Ptolemäos' II. Philadelphos (285-246): auf Anregung des Bibliothekars Demetrios in Alexandrien habe A. die 5 Bücher Moses und je 6 aus

den 12 Stämmen, rund 70 Übersetzer aus Jerusalem geholt; Jerusalem, Opfer und Tempel werden beschrieben; wieder in Alexandrien, werden

in ausgedehnten Tischgesprächen Weisheitssprüche vorgetragen; bei der Übersetzung suchen die 70 (danach heißt sie Septuaginta) durch

gegenseitiges Vergleichen zu einem einheitlichen Wortlaut zu kommen und werden in 72 Tagen fertig. Tatsächlich ist der Brief wohl gegen

80 vor Christus mit Benutzung historischer Quellen verfaßt, besonders des weitgereisten Hekataios von Milet (geboren um 540 vor Chr.),

und bezeugt uns die Entstehung der griechischen Bibelübersetzung der Bücher Moses im 3. Jahrhundert durch Juden in Alexandrien.

Die Bedeutung der Septuaginta (Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische) kann kaum überschätzt werden. Schon an sich ist sie

eine großartige Leistung für die damalige Zeit bei der großen Verschiedenheit semitischen und griechischen Denkens und Ausdrucks;

allerdings beherrschten die Übersetzer wohl beide Sprachen lebendig. Sie war gewiß ein Hauptmittel zur Gewinnung von Proselyten

(Herzugekommene = Judengenossen) und so auch eine Vorbereitung der Predigt Pauli und anderer (Apg 13,43; 16,14;, 17,4).

Im Neuen Testament zitieren Apostel und Apostelschüler in der Regel nach der Septuaginta. Sie wurde im christlichen Gottesdienst

vorgelesen in Ägypten, Palästina (das Judenchristentum verschwindet ja bald), Kleinasien, in Griechenland bis heute, in Rom bis ins 3.

111

Jahrhundert; sie wird verwendet von Justin, in Alexandrien von Klemens, ausführlich erklärt von Origenes, Cyrill, Athanasius; Gregor von

Nyssa und vor allem Chrysostomus, betrachtet von den Mönchen des heiligen Basilius und lag bis 1945 der lateinischen Übersetzung der

Psalmen auch im Brevier zugrunde.

Durch ein eingelegtes Weisheitsgespräch ist auch bemerkenswert 3 Esra, das sonst über Heimkehr und Tempelbau meist wörtlich berichtet

nach 2 Chr. 35 f. ; 1 Esra 1-10; Neh 7,73-8,13; 3 Esra 3 + 4 gibt den Wettstreit dreier Leibwächter am Hof des Darius wieder; mächtiger als

Wein, König, Weiber sei doch die Wahrheit. Es ist wohl vor 100 vor Christus griechisch verfaßt. Das 3. Makkabäerbuch ist

Begründungslegende für ein Freudenfest der Juden in Alexandrien Anfang Juli zum Dank für Errettung: Ptolemaios IV. Philopator wollte aus

Zorn darüber, daß er 217 nach seinem Sieg über Antiochus III. den Tempel nicht betreten konnte, die Juden in Alexandrien zum

Dionysoskult bringen und, da dies mißlang, von Elefanten zertrampeln lassen; aber die Vorsehung rettete sie dreimal, und durch himmlische

Erscheinungen wurde der König ihr Beschützer (nach des Flavius Josephus Bericht [Gegen Apion 1152 ff.] war es Ptolemaios VII.

Physkon). Geschrieben ist das Buch kurz vor Christus auf griechisch. Das 4. Makkabäerbuch, eine philosophische Rede zum

Tempelweihfest, mahnt hellenisierte Juden zur Treue zum Gesetz, denn dies erziehe zu den 4 Grundtugenden griechischer Weisheit, und für

die stoische Apathie, > Herrschaft der Vernunft über die Triebe<, seien herrliche Beispiele Joseph, Moses, Jakob, David, besonders Eleazar

und die 7 Makkabäischen Brüder mit ihrer Mutter, deren Martyrien und Reden es in moderner Stilkunst weit ausführt. 3 + 4 Makk stehen im

Anhang der griechischen Bibel.

Textquelle: Das dritte Buch Esra

Die Passahfeier des Josia.

1 Darauf feierte Josia seinem Herrn in Jerusalem das Passahfest und schlachtete das Passahlamm am vierzehnten Tage des ersten Monats, 2

indem er die Priester je nach dem Dienst in ihrer Amtstracht im Heiligtume des Herrn aufstellte. 3 Den Leviten aber, den Tempeldienern

Israels, befahl er, daß sie sich dem Herrn heiligen sollten, wenn sie die heilige Lade des Herrn in dem Hause niedersetzten, das der König

Salomo, der Sohn Davids, erbaut hatte. 4 Ihr sollt sie nicht mehr auf den Schultern tragen! Dienet nun dem Herrn, eurem Gott, und bedient

sein Volk Israel und richtet die Passahlämmer zu nach euren Geschlechtern und Gruppen nach der Vorschrift Davids, des Königs von Israel,

und nach der vorgeschriebenen Pracht seines Sohnes Salomo. 5 Indem ihr in dem Heiligtume nach eurer Geschlechtereinteilung, nach der

Einteilung der Leviten nämlich, die euren Volksgenossen, den Israeliten, zu dienen haben, auf dem Posten steht, 6 schlachtet die

Passahlämmer, richtet die Opferstücke für eure Volksgenossen zu und haltet das Passahfest nach dem Befehle des Herrn, der Mose gegeben

wurde.

7 Darauf lieferte Josia dem anwesenden Volke 30000 Schaf- und Ziegenlämmer, 3000 junge Stiere; diese wurden gemäß einer Zusage aus

dem königlichen Vermögen dem Volke, den Priestern und den Leviten gegeben. 8 Ferner gaben Hilkia, Sacharja und Hasiel, die Vorsteher

des Heiligtums, den Priestern zum Passah 2600 Schafe, 300 junge Stiere. 9 Und die Obersten Jechonja, Semaja, sein Bruder Nathanael,

Hasabja, Ochiel und Joram gaben den Leviten zum Passah 5000 Schafe, 700 junge Stiere. 10 Was nun geschah, war folgendes: die Priester

und die Leviten mit den ungesäuerten Broten standen in stattlichem Schmuck je nach ihren Gruppen und Geschlechtereinteilungen vor dem

Volk, um dem Herrn nach den Vorschriften im Buche Moses zu opfern, und ebenso verfuhren sie beim Morgenopfer. 11 Dann brieten sie die

Passahlämmer, wie es sich gehört, am Feuer und kochten die Opferstücke in Töpfen und Kesseln unter Wohlgerüchen und brachten sie allen

aus dem Volk. 12 Danach aber richteten sie für sich selbst und für die Priester, ihre Genossen, die Aaroniden, zu. 13 Denn die Priester hatten

die Fettstücke bis spät in die Nacht darzubringen; so richteten die Leviten für sich selbst und für die Priester, ihre Genossen, die Aaroniden,

zu. 14 Die Tempelsänger, die Leute Asaphs, standen auf ihrem Posten nach den Anordnungen, die David und die königlichen Beamten

Asaph, Sacharja und Eddinus gegeben hatten. 15 Auch die Thorwächter standen bei jedem Thor; keiner brauchte seinen Dienst im Stiche zu

lassen, denn ihre Genossen, die Leviten, richteten ihnen zu. 16 So wurden an jenem Tage die Geschäfte beim Opfer des Herrn vollzogen,

nämlich, daß das Passahfest gefeiert, und daß die Opfer auf dem Altare des Herrn nach dem Befehl des Königs Josia dargebracht wurden. 17

Die Israeliten, die zu jener Zeit anwesend waren, feierten das Passahfest und das Fest der ungesäuerten Brote sieben Tage lang. 18 Ein

solches Passah ist in Israel seit der Zeit des Propheten Samuel nicht gefeiert worden. 19 Auch alle Könige Israels haben ein solches Passah

nicht gefeiert, wie es Josia und die Priester, die Leviten, die Judäer und alle Israeliten, die in ihrem Wohnort, in Jerusalem, anwesend waren,

gefeiert haben. 20 Im achtzehnten Jahre der Regierung Josias wurde dies Passahfest gefeiert.

Josias Ende.

21 Was Josia tat, hatte Erfolg vor seinem Herrn um seines von Frömmigkeit erfüllten Sinnes willen. 22 Eine Geschichte ist in früheren

Zeiten aufgeschrieben worden, wie man gegen den Herrn gesündigt und gefrevelt hatte mehr als irgend ein Volk und Reich, wie man

außerdem ihn gekränkt hatte, und wie die Worte des Herrn an Israel in Erfüllung gingen. 23 Und nach allen diesen Geschichten des Josia

begab es sich, daß Pharao, der König von Ägypten, herbeizog, um bei Karkemis am Euphrat Krieg zu führen. Da zog Josia aus ihm entgegen.

24 Und der König von Ägypten sandte folgende Botschaft an ihn: Was habe ich mit dir zu schaffen, König von Juda? 25 Ich bin nicht gegen

dich von Gott dem Herrn entboten worden, sondern nach dem Euphrat richtet sich mein Kriegszug. Nun ist der Herr mit mir, und der Herr,

der mit mir ist, treibt mich zur Eile an. Stehe ab und tritt nicht dem Herrn entgegen! 26 Aber Josia wandte sich nicht um zu seinem Wagen,

sondern unternahm es, gegen ihn zu kämpfen, indem er sich nicht an die Worte des Propheten Jeremi die aus dem Munde des Herrn kamen,

kehrte; 27 sondern er bot ihm den Kampf an in der Ebene von Magiddo. Da schossen die Bogenschützen auf den König Josia, 28 und der

König befahl seinen Dienern: Bringt mich aus der Schlacht hinweg, denn ich bin schwer verwundet! Da brachten ihn seine Diener sofort aus

der Schlachtordnung hinaus, 29 und er bestieg seinen zweiten Wagen, und als er nach Jerusalem zurückgekehrt war, starb er und wurde in

dem Grabe seiner Väter beigesetzt. 30 In ganz Juda trauerte man um Josia, und der Prophet Jeremia dichtete ein Klagelied auf Josia, und die

Sänger, sowie die Frauen pflegen ihm bis auf diesen Tag Klagelieder zu singen. Und es erging der Befehl, daß solches dauernd bis auf alle

Geschlechter Israels geschehen solle. 31 Dies aber ist im Buche der Geschichten von den Königen Judas aufgeschrieben; und die einzelnen

Taten der Geschichte, der Macht und der Kenntnis Josias vom Gesetze des Herrn, sowohl was früher von ihm getan wurde, als auch die

ersten erwähnten Dinge, sind im Buche der Könige von Israel und Juda erzählt.

Die Nachfolger Josias bis zur Zerstörung Jerusalems.

32 Darauf nahm die Landbevölkerung Jechonja, den Sohn des Josia, und rief ihn anstatt seines Vaters Josia zum König aus, als er

dreiundzwanzig Jahre alt war. 33 Er war drei Monate lang König über Israel und Jerusalem. Dann setzte ihn der König von Ägypten ab, so

daß er nicht mehr König in Jerusalem blieb, 34 und legte dem Volk eine Geldbuße von hundert Talenten Silber und einem Talente Gold auf.

35 Darauf rief der König von Ägypten den König Jojakim, seinen Bruder, zum König über Juda und Jerusalem aus. 36 Und Jojakim legte die

Obersten in Fesseln, aber seinen Bruder >Joahas< nahm er mit sich und brachte ihn nach Ägypten. 37 Jojakim war fündundzwanzig Jahre alt,

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als er über Juda und Jerusalem König wurde, und tat, was dem Herrn mißfiel. 38 Gegen ihn zog Nebukadnezar, der König von Babel, heran,

legte ihn in Ketten und führte ihn nach Babel ab. 39 Auch nahm Nebukadnezar einen Teil der heiligen Geräte des Herrn, schleppte sie weg

und legte sie in seinem Tempel in Babel nieder. 40 Was aber von ihm und seinen Schandtaten und seiner Gottlosigkeit erzählt wurde, das ist

in der Chronik der Könige aufgeschrieben.

41 An seiner Statt wurde sein Sohn Jojakim König. Als er ausgerufen wurde, war er achtzehn Jahre alt. 42 Er war drei Monate und zehn

Tage lang König in Jerusalem und tat, was dem Herrn mißfiel. 43 Als das Jahr um war, ließ ihn der König Nebukadnezar nach Babel

bringen, zugleich mit den heiligen Geräten des Herrn, wund rief Zedekia zum König von Juda und Jerusalem aus, der 21 Jahre alt war. Er

regierte elf Jahre 45 und tat, was dem Herrn mißfiel, und hatte keine Scheu vor den Worten, die von dem Propheten Jeremia gesprochen

wurden, die aus dem Munde des Herrn kamen. 46 Obwohl er von dem König Nebukadnezar bei dem Namen des Herrn in Eid genommen

war, fiel er als ein Eidbrüchiger ab und übertrat in Hartnäckigkeit und Verstocktheit die Gebote des Herrn, des Gottes Israels. 41 Sogar die

Obersten des Volks und der Priester begingen viele Gottlosigkeiten, und zwar über alle Schandtaten aller Heiden hinaus und verunreinigten

den geheiligten Tempel des Herrn in Jerusalem. 48 Wohl ließ ihnen der Gott ihrer Väter durch seinen Boten Verwarnungen zukommen, da er

mit ihnen und mit seiner Wohnung Mitleid hatte. 49 Aber sie verhöhnten seine Boten, und so oft der Herr redete, verspotteten sie seine

Propheten, bis er, voll Zorn gegen sein Volk wegen seiner Gottlosigkeiten, befahl, daß die Könige der Chaldäer gegen sie heranrücken

sollten. 50 Diese töteten ihre junge Mannschaft mit dem Schwerte rings um seinen heiligen Tempel und verschonten weder Jünglinge nach

Jungfrauen, weder Greise noch Kinder, sondern überlieferten alle in ihre Gewalt. 51 Sie nahmen alle heiligen Geräte des Herrn, die großen

wie die kleinen, und die Schatzladen des Herrn und die königlichen Kleinode und schleppten sie weg nach Babel. 52 Dann verbrannten sie

das Haus des Herrn, rissen die Mauern Jerusalems nieder, verbrannten seine Paläste 53 und machten alle seine Schätze zunichte. Wer übrig

blieb, den führte er mit dem Schwerte nach Babel. 54 Sie blieben seine und seiner Söhne Knechte bis zur Herrschaft der Perser, damit das

Wort des Herrn, das durch den Mund Jeremias erging, erfüllt würde: 55 Bis das Land hinsichtlich seiner Sabbatjahre befriedigt ist, die ganze

Zeit lang, in der es wüste liegt, soll es Sabbatjahre feiern, bis daß siebzig Jahre voll werden.

Cyrus befiehlt den Neubau des Tempels in Jerusalem.

1 Im ersten Jahre der Regierung des Perserkönigs Cyrus, damit das Wort des Herrn, das durch den Mund Jeremias ergangen war, in

Erfüllung ginge, 2 bewegte der Herr den Sinn des Perserkönigs Cyrus, so daß er in seinem ganzen Reiche ausrufen und zugleich durch

Ausschreiben bekannt machen ließ: 3 Folgendes befiehlt der Perserkönig Cyrus: Mich hat der Herr Israels, der höchste Herr, zum Könige der

Erde ausgerufen 4 und hat mir geboten, ihm ein Haus in Jerusalem in Juda zu bauen. 5 Wer von euch nun irgend zu seinem Volke gehört, der

ziehe, von seinem Herrn geleitet, nach Jerusalem in Juda und baue das Haus des Herrn Israels. Das ist der Herr, der in Jerusalem seine

Wohnung aufgeschlagen hat. 6 So viele nun an den einzelnen Orten wohnen, die sollen von den Leuten ihres Orts durch Gold und Silber,

durch Schenkung von Reittieren und Lasttieren unterstützt werden, samt den andern Gegenständen, die infolge von Gelübden für das

Heiligtum des Herrn in Jerusalem hinzugefügt worden sind.

7 Infolge dessen setzten die Geschlechtshäupter des Stammes Juda und Benjamin, ferner die Priester und Leviten, sowie alle, deren Sinn der

Herr bewegte, den Heimzug fest, um dem Herrn in Jerusalem ein Haus zu bauen. 8 Und ihre Umgebung unterstützte sie mit Sachen jeder

Art, mit Silber und Gold, mit Reittieren und Lasttieren und mit zahllosen Weihgeschenken vieler, deren Sinn bewegt wurde. 9 Dazu ließ der

König Cyrus die heiligen Geräte des Herrn, die Nebukadnezar aus Jerusalem weggenommen und in seinem Götzentempel niedergelegt hatte,

- 10 der Perserkönig Cyrus ließ sie hervorholen und an seinen Schatzmeister Mithridates übergeben. 11 Durch diesen aber wurden sie an

Sanabazar, den Landeshauptmann von Juda, übergeben. 12 Ihre Zahl betrug: 1000 goldene Becken, 1000 silberne Becken, 29 silberne

Räucherfässer, 30 goldene Becher, 2410 silberne Becher und 1000 andere Geräte. 13 Alle die Geräte, 5469 goldene und silberne, kamen

zurück - 14 wurden von Sanabazar zugleich mit den Exulanten von Babel nach Jerusalem gebracht.

Unterbrechung des Tempelbaus bis auf Darius.

15 Zur Zeit des Perserkönigs Artaxerxes schrieben an ihn, als Beschwerde wider die Bewohner von Juda und Jerusalem, Belemus,

Mithridates, Tabellius, Rathymus, Beeltethmus und der Schreiber Semellius und ihre übrigen Ratsgenossen, die in Samarien und den übrigen

Orten wohnten, den nachstehenden Brief: 16An den König Artaxerxes, den Herrn, deine Knechte, der Chronist Rathymus und der Schreiber

Semellius, sowie die übrigen Mitglieder ihres Rats und Richter in Cölesyrien und Phönicien u.s.w. 17 Es sei dem Herrn Könige kund getan,

daß die Juden, die aus eurer Nähe aufgebrochen sind, zu uns nach Jerusalem gelangt sind und die aufrührerische und böse Stadt wieder

befestigen, ihre Marktgassen und Mauern ausbessern und den Grund zu einem Tempel legen. 18 Wenn nun diese Stadt befestigt und ihre

Mauern vollendet werden sollten, so werden sie es sich durchaus nicht mehr gefallen lassen, Tribut zu zahlen, sondern werden sich auch

gegen den König erheben. 19 Und da die Angelegenheiten des Tempels betrieben werden, so halten wir es für geziemend, dergleichen nicht

zu übersehen, sondern dem Herrn Könige zu berichten, damit man, wenn es dir beliebt, in den von deinen Vätern herrührenden Büchern

nachforsche. 20 Dann wirst du in den Denkwürdigkeiten die Aufzeichnungen über diese finden und erfahren, daß jene Stadt eine

aufrührerische gewesen ist und Könige wie Städte beunruhigte, daß die Juden aufrührerisch gewesen sind und seit alter Zeit Belagerungen in

ihr anstifteten, weshalb diese Stadt auch zerstört wurde. 21 Daher geben wir dir, o Herr König, zu verstehen, daß du, falls diese Stadt

befestigt und ihre Mauern wieder aufgerichtet werden sollten, keinen Zugang mehr nach Cölesyrien und Phönicien haben wirst.

22 Damals schrieb der König zurück an den Chronisten Rathymus, an Beeltethmus, an den Schreiber Semellius und an die übrigen

Ratsgenossen, die in Samarien, Syrien und Phönicien wohnen, wie hier folgt: 23 Ich habe den Brief, den ihr an mich geschickt habt, gelesen.

Als ich nun Befehl gab, nachzuforschen, da wurde gefunden, daß sich jene Stadt von Alters her feindlich wider Könige erhoben, Mund daß

die Leute Aufstände und Kriege in ihr ausgeführt haben. Mächtige und harte Könige haben in Jerusalem geherrscht und Cölesyrien wie

Phönicien

Tribut auferlegt. 25 Daher befehle ich hiermit, jene Männer an der Befestigung der Stadt zu hindern und dafür zu sorgen, daß nichts gegen

diesen Befehl geschehe und die Übelstände nicht weiter vorschreiten, so daß sie Könige beunruhigen.

26 Nachdem das von dem König Artaxerxes eingelaufene Schreiben vorgelesen worden war, begaben sich damals Rathymus, der Schreiber

Semellius und ihre Ratsgenossen eiligst mit Reiterei und Kriegsvolk nach Jerusalem und begannen, die Bauenden zu hindern. Und der Bau

des Heiligtums in Jerusalem stand still bis zum zweiten Jahre der Regierung des Perserkönigs Darius.

Der Wettstreit der Leibpagen vor Darius.

1 Der König Darius veranstaltete ein großes Gelage für alle seine Untergebenen, für alle seine Haussklaven, für alle Vornehmen von Medien

und Persien, 2 für alle Satrapen, Heerführer und Statthalter, die unter ihm standen, von Indien an bis nach Äthiopien in den 127 Satrapien. 3

Sie aßen und tranken, und als sie voll waren, zogen sie sich zurück. Der König Darius aber zog sich in sein Schlafgemach zurück; er schlief

ein und wachte wieder auf. 4 Da sagten die drei jungen Leibwächter die den Leib des Königs zu bewachen hatten zu einander: 5 Wir wollen

doch ein jeder einen Spruch darüber machen, was das mächtigste ist; und wessen Wort weiser als das des anderen erscheint, dem soll der

König Darius große Geschenke und große Siegespreise geben; 6 der soll in Purpur gekleidet werden, der soll aus goldenen Bechern trinken

und auf goldenem Bette schlafen, der soll einen Wagen mit goldenen Zügeln und einen Turban aus Byssus und ein Halbsband haben; 7 der

soll wegen seiner Weisheit auf dem ersten Platz neben Darius sitzen und zum Vetter des Darius ernannt werden. 8 Nachdem sie nun ein jeder

seinen Spruch aufgeschrieben hatten, versiegelten sie ihn, legten ihn unter das Kopfkissen des Königs Darius 9 und sagten: Wenn der König

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erwacht, wird man ihm das Schriftstück übergeben, und dem, dessen Spruch der König und die drei Vornehmsten Persiens als den weisesten

ansehen, soll der Sieg zuerkannt werden, wie es niedergeschrieben worden ist. 10 Der erste schrieb: Der Wein ist am mächtigsten. 11 Der

zweite schrieb: Der König ist am mächtigsten. 12 Der dritte schrieb: Die Weiber sind am mächtigsten, über alles aber siegt die Wahrheit.

13 Als der König erwachte, nahm man das Schriftstück und übergab es ihm, und er las es. 14 Darauf ließ er alle Vornehmen von Persien und

Medien, Satrapen und Heerführer, Statthalter und Oberste, berufen. Als er sich im Staatssaal niedergesetzt hatte, wurde das Schriftstück vor

ihm verlesen. 15 Darauf befahl er: Ruft die Jünglinge, sie sollen selbst ihre Sprüche erklären! Sie wurden gerufen, und als sie eingetreten

waren, 16 befahl man ihnen: Gebt uns Kunde über das Aufgeschriebene! Da begann der erste, der von der Macht des Weins gesprochen

hatte, un d redette also: 17 Ihr Männer, ich will euch sagen, warum der Wein am mächtigsten ist. Allen Menschen, die von ihm trinken,

verwirrt er die Sinne. 18 Die Sinne eines Königs und eines Waisenknaben macht er gleich, die Sinne eines Sklaven und eines Freien, die

Sinne eines Bettlers und eines Reichen. 19 A1le Sinne verwandelt er in Lustigkeit und Fröhlichkeit; er läßt alle Trauer und alle Schulden

vergessen. 20 Alle Herzen macht er reich, er läßt Könige und Satrapen vergessen und alle Reden läßt er sich in Talenten ergehen. 21 Freunde

und Brüder läßt er, wenn sie von ihm trinken, die Freundschaft vergessen und nicht lange, so zücken sie die Schwerter. 22 Wenn sie aber

vom Weinrausch erwachen, so erinnern sie sich nicht mehr dessen, was sie getan haben. 23 O, ihr Männer! Ist nicht der Wein am

mächtigsten, weil er so zu handeln zwingt? Nachdem er so gesprochen, schwieg er.

1 Da begann der zweite zureden, der von der Macht des Königs gesprochen hatte: 2 O, ihr Männer, sind nicht die Menschen am mächtigsten,

da sie sich die Erde und das Meer und alles, was darinnen ist, unterwerfen? 3 Der König aber ist der mächtigste von ihnen; er beherrscht sie

und gebietet über sie, und sie gehorchen ihm in allem, was er ihnen befiehlt. 4 Wenn er ihnen befiehlt, gegeneinander Krieg zu führen, so tun

sie es. Wenn er sie gegen Feinde aussendet, so marschieren sie und bezwingen Berge, Mauern und Burgen; 5 sie morden und lassen sich

morden und handeln nicht gegen den Befehl des Königs. Wenn sie aber siegen, so bringen sie alles zum Könige, und wenn sie plündern,

ebenso das andere ohne Ausnahme. 6 Und soviele nicht Kriegsdienste tun und nicht kämpfen, sondern das Land bebauen, bringen wiederum,

nachdem sie geerntet, wenn sie gesäet haben, dem Könige Gaben; ja sie nötigen sich gegenseitig, dem Könige die Abgaben zu bringen. 7 Er

allein ist einzig! Befiehlt er zu töten, so töten sie. Befiehlt er frei zu lassen, so lassen sie frei. 8 Befiehlt er zu schlagen, so hauen sie. Befiehlt

er zu verwüsten, so verwüsten sie. Befiehlt er zu bauen, so bauen sie. 9 Befiehlt er auszurotten, so rotten sie aus. Befiehlt er zu pflanzen, so

pflanzen sie. 10 Sein ganzes Volk und seine Heere gehorchen ihm. Dabei setzt er sich selbst an den Tisch, ißt und trinkt und schläft. 11 Sie

dagegen halten rings um ihn Wache; keiner von ihnen darf sich davon machen und seine eigenen Geschäfte betreiben, noch ihm den

Gehorsam verweigern. 12 O, ihr Männer, wie sollte nicht der König am mächtigsten sein, weil ihm so Gehorsam geleistet wird? Darauf

schwieg er.

13 Nun begann der dritte zu reden, der von den Weibern und der Wahrheit gesprochen hatte - nämlich Serubabel: 14 Ihr Männer, ist nicht der

König groß? Sind die Menschen nicht zahlreich? Ist der Wein nicht mächtig? Wer ist nun ihr Gebieter? Wer ihr Herrscher? Sind es nicht die

Weiber? 15 Weiber haben den König und alle die Leute hervorgebracht, die das Meer und die Erde beherrschen; 16 von ihnen wurden

geboren und aufgezogen, die die Weinberge angepflanzt haben, von denen der Wein herkommt. 17 Sie sind es, die die Kleidung der Menschen

anfertigen; sie, die den Menschen Zierrat verschaffen. Die Menschen können nicht leben ohne die Weiber! 18 Wenn sie Gold und

Silber und allerlei prächtige Dinge zusammengebracht haben und dann ein einziges Weib sehen, das reizend ist durch Gestalt und Schönheit,

19 so lassen sie das alles liegen, von Begierde nach ihr getrieben, und betrachten sie mit offenem Munde; alle ziehen sie bei weitem vor, sei

es dem Golde oder dem Silber oder allerlei prächtigen Dingen. 20 Der Mensch verläßt seinen Vater, der ihn aufzog, und seine Heimat und

hängt an seinem eigenen Weibe. 21 Das Weib im Herzen stirbt er, ohne an seinen Vater oder seine Mutter oder an die Heimat zu denken. 22

Daran müßt ihr erkennen, daß die Weiber euch beherrschen. Arbeitet und quält ihr euch nicht, um alles den Weibern zu geben und zu

bringen? 23 Der Mensch nimmt sein Schwert und bricht auf, um auszurücken und zu rauben und zu stehlen, das Meer und die Ströme zu

befahren; 24 er sieht dem Löwen ins Auge und wandert im Finstern -und wenn er gestohlen und geplündert und Straßenraub getrieben hat, so

bringt er es der Geliebten. 25 Der Mensch liebt sein eigenes Weib mehr als Vater und Mutter. 26 Viele sind um der Weiber willen um ihre

Sinne gekommen und um ihretwillen Sklaven geworden; 27 viele sind zu Grunde gegangen und ins Unglück geraten und Verbrecher

geworden um der Weiber willen. 28 Glaubt ihr mir darum nicht? Ist der König nicht groß durch seine Gewalt? Hüten sich nicht alle Länder,

ihn auch nur anzurühren? 29 Und doch schauten sie ihn und Apame, die Tochter des bewunderten Bartakes, das Kebsweib des Königs, wie

sie zur Rechten des Königs saß, 30 das Diadem vom Haupte des Königs nahm und sich selbst aufsetzte, und mit der Linken gab sie dem

König einen Backenstreich, 3l während der König mit offenem Munde dabei saß und sie anschaute! Wenn sie ihn anlacht, so lacht er; wenn

sie ihm böse ist, so schmeichelt er ihr, damit sie ihm wieder gut werde. 32 O, ihr Männer, wie sollten die Weiber nicht mächtig sein, weil sie

so handeln?

33 Und da, als der König und die Vornehmen einander ansahen, begann er von der Wahrheit zu reden: 34 Ihr Männer, sind die Weiber nicht

mächtig? Groß ist die Erde und hoch der Himmel und schnell im Lauf ist die Sonne, weil sie das Himmelsgewölbe umkreist und wieder an

ihren Ort an einem einzigen Tage zurückläuft! 35 Ist nicht groß, wer solches tut? Aber die Wahrheit ist größer und mächtiger als alles! 36

Die ganze Erde ruft nach der Wahrheit, der Himmel preist sie, alles Geschaffene erbebt und zittert: nichts, gar nichts Unrechtes ist an ihr. 37

Der Wein ist ungerecht, der König ist ungerecht, die Weiber sind ungerecht, alle Menschenkinder sind ungerecht, und alle ihre Werke sind

ungerecht, alles, was derartig ist. Wahrheit ist nicht in ihnen, und vermöge ihrer Ungerechtigkeit gehen sie zu Grunde. 38 Aber die Wahrheit

bleibt und behält Macht auf ewig, sie lebt und behält Kraft in alle Ewigkeiten. 39 Auch ist bei ihr kein Ansehen der Person und keine

Parteilichkeit, sondern sie tut, was recht ist, im Unterschied von allen Ungerechten und Bösen. Alle haben Wohlgefallen an ihren Werken. 40

In ihrem Urteil ist auch nicht das geringste Unrecht. Ihr gehört die Macht und die Herrschaft und die Gewalt und die Herrlichkeit aller

Zeiten! Gepriesen sei der Gott der Wahrheit!

41 Als er damit aufhörte zu reden, da rief die ganze Versammlung laut, und da sprachen sie: Die Wahrheit ist groß, sie ist am mächtigsten!

42 Darauf sprach der König zu ihm: Bitte dir aus, was du willst, noch mehr als aufgeschrieben worden ist; wir wollen es dir geben, weil du

als der weiseste erfunden worden bist. Du sollst den Platz neben mir haben und zu meinem Vetter ernannt werden. 43 Darauf sprach er zu

dem Könige: Gedenke des Gelübdes, das du damals, als du deine Krone erlangtest, getan hast, nämlich Jerusalem wieder zu befestigen 44

und alle die Geräte, die aus Jerusalem weggenommen wurden, zurückzusenden, die Cyrus ausschied, als er gelobte, Babel zu zerstören, und

dorthin zurückzusenden gelobte. 45 Auch gelobtest du, den Tempel wieder zu bauen, den die Idumäer in Brand steckten, als Juda von den

Chaldäern verwüstet wurde. 46 Das ist es nun, was ich fordere, o Herr König, und um was ich dich bitte! Das ist die herrliche Tat, die von dir

geschehen möge! Ich flehe, du mögest das Gelübde erfüllen, dessen Erfüllung du dem Könige des Himmels mit deinem Munde gelobtest.

47 Da stand der König Darius auf, küßte ihn und schrieb ihm die nötigen Briefe an alle Amtleute und Statthalter, Heerführer und Satrapen,

daß sie ihm und allen, die mit ihm hinaufziehen würden, um Jerusalem wieder zu befestigen, freies Geleit geben sollten. 48 Auch gab er allen

Statthaltern in Cölesyrien und Phönicien, sowie denen im Libanon schriftliche Befehle, daß sie Cedernstämme vom Libanon nach Jerusalem

schaffen und ihm bei der Befestigung der Stadt helfen sollten. 49 Ferner gab er allen Juden, die aus dem Reiche nach Juda hinaufzogen,

Freibriefe, nämlich daß kein Herrscher oder Satrap oder Statthalter oder Beamter vor ihre Tore rücken dürfe, 50 daß ihnen das ganze Land,

dessen sie sich bemächtigen würden, abgabenfrei gehören solle, sowie daß die Idumäer die Ortschaften zu räumen hätten, die sie von den

Judäern in Besitz genommen hatten; 51 ferner, daß zum Bau des Heiligtums jährlich, bis es gebaut wäre, zwanzig Talente auszuzahlen seien;

52 ferner, daß, um auf dem Altare täglich Brandopfer zu opfern - wie sie das Gebot haben, siebzehn darzubringen - jährlich zehn andere

Talente auszuzahlen seien; 53 ferner, daß alle, die aus Babylonien zuwandern würden, um die Stadt neu zu gründen, frei sein sollten, sie und

ihre Nachkommen, desgleichen alle Priester, die zuwandern würden. 54 Er gab aber auch den schriftlichen Befehl, den Unterhalt der Priester

und die priesterlichen Gewänder, in denen sie den Dienst verrichten, zu liefern. 55 Ferner befahl er, den Leviten den Unterhalt zu gewähren

bis zu dem Tag, an dem der Tempel und die Befestigung Jerusalems vollendet sein würde. 56 Ferner befahl er, allen Wächtern der Stadt

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Grundbesitz und Gold zu gewähren. 57 Auch sandte er alle Geräte, die Cyrus aus Babel ausgeschieden hatte; alles, was Cyrus versprochen

hatte zu tun, das gab er nun Befehl zu tun und nach Jerusalem zu senden.

58 Als der Jüngling hinausging, erhob er sein Antlitz in der Richtung auf Jerusalem zum Himmel, pries den König des Himmels und sprach:

59 Von dir kommt der Sieg, von dir kommt die Weisheit! Dein ist die Ehre, und ich bin dein Knecht! 60 Gepriesen seist du, der mir Weisheit

gab! Dir bekenne ich es, Herr der Väter! 61 Dann nahm er die Briefe in Empfang, ging fort, begab sich nach Babel und meldete es allen

seinen Volksgenossen. 62 Und sie priesen den Gott ihrer Väter, daß er ihnen Erlaubnis und Freiheit geschenkt hatte, 63 heimzukehren und

Jerusalem, sowie den Tempel, der nach seinem Namen genannt war, wieder zu bauen. Dann hielten sie sieben Tage lang Gelage mit

fröhlichem Gesang.

Textquelle: Das vierte Makkabäerbuch. Prolog.

1 Echt philosophisch ist die Ansprache, die ich über die Frage halten will, ob die fromme Vernunft Selbstherrscherin der Triebe ist. Darum

darf ich Euch wohl mit Recht den Rat geben, auf diese Philosophie aufmerksam zu achten. 2 Ist doch die Ansprache so, daß ein jeglicher sich

mit ihr vertraut machen muß, und enthält sie doch in besonderer Weise der größten Tugend, ich meine der Einsicht, Lobpreis! 3 Ist es also

klar, daß die Vernunft die der Besonnenheit hindernd entgegenstehenden Triebe, Freßsucht und Gier, beherrscht? - 4 Aber auch, daß sie über

die die Gerechtigkeit hemmenden Triebe, wie die Bosheit, gebietet und über die die Mannhaftigkeit hemmenden Triebe, Erregung, Schmerz

und Furcht?

5 Wie kommt es nun, könnten vielleicht einige einwenden, daß die Vernunft, wenn sie über die Triebe herrscht, über Vergessen und

Unwissenheit nicht regiert? 6 Was sie damit sagen wollen, ist etwas Lächerliches: Denn nicht über ihre eigenen feindlichen Triebe herrscht

die Vernunft, sondern über die der Gerechtigkeit, der Mannhaftigkeit, der Besonnenheit und der Einsicht feindlichen, und auch über diese

nicht so, daß sie dieselben ausrottet, sondern so, daß sie ihnen nicht nachgibt.

7 An mancherlei Beispielen hierher und dorther könnte ich Euch nun zeigen, daß die fromme Vernunft Selbstherrin der Triebe ist. 8 Am

Allerbesten aber glaube ich es beweisen zu können, ausgehend von der wackeren Männlichkeit derer, die der Tugend zuliebe den Tod

erlitten, des Eleazaros, der Sieben Brüder und ihrer Mutter. 9 Denn indem diese der Schmerzen bis zum Tod allesamt nicht achteten, zeigten

sie, daß die Vernunft über die Triebe Gewalt hat.

10 So liegt mir denn ob, wegen ihrer Tugenden die Männer zu preisen, die der Tugend zuliebe um diese Zeit mit ihrer Mutter gestorben sind.

Um ihrer Ehren willen aber möchte ich sie selig preisen: 11 Denn ob ihrer Mannhaftigkeit und Ausdauer nicht nur von allen Menschen,

sondern auch von ihren Peinigern bewundert, sind sie die Ursache gewesen, daß die auf dem Volke lastende Tyrannei zunichte gemacht

wurde, indem sie den Tyrannen durch die Ausdauer besiegten also, daß durch sie das Vaterland geläutert wurde. 12 Aber hierüber zu reden

wird mir sogleich vergönnt sein, nachdem ich, wie ich das zu tun gewohnt bin, die Betrachtung des Lehrsatzes an den Anfang gestellt haben

werde. Dann werde ich mich zur Betrachtung ihrer Geschichte wenden, Ehre gebend dem allweisen Gott.

Erster Hauptteil. Philosophische Betrachtung des Lehrsatzes.

13 Wir untersuchen also jetzt die Frage, ob die Vernunft Selbstherrin der Triebe ist. 14 Da wollen wir bestimmen, was denn Vernunft ist und

was Trieb, ferner wie viele Arten von Trieben es gibt, und ob diese alle die Vernunft beherrscht. 15 Vernunft also ist Verstand, der mit

richtiger Überlegung das Leben der Weisheit erwählt. 16 Weisheit aber ist Erkenntnis göttlicher und menschlicher Dinge und ihrer Gründe.

17 Diese wieder ist näher zu bestimmen als die durch das Gesetz erlangte Bildung, durch die wir das Göttliche in würdiger und das Menschliche

in fördernder Weise erlernen. 18 Der Weisheit Arten stellen dar Einsicht, Gerechtigkeit, Mannhaftigkeit und Besonnenheit. 19 Die

vorzüglichste von allen aber ist die Einsicht; ist sie es doch, von der aus die Vernunft die Triebe beherrscht.

20 Unter den Trieben aber sind zwei Gewächse die wesentlichsten, Lust und Schmerz, die beide auch die Seele umwachsen. 21 Nun umgibt

die Lust und den Schmerz auch ein zahlreiches Gefolge von Trieben: 22 Vor der Lust her geht die Gier, hinter der Lust die Freude. 23 Vor

dem Schmerz her geht die Angst, hinter dem Schmerz der Kummer. 24 Ein der Lust und dem Schmerze gemeinsamer Trieb ist die Erregung,

was sich zeigt, wenn man über sie nachsinnt, sobald sie einen befallen hat. 25 Unter den Begriff Lust fällt ferner der vielgestaltigste von allen

Trieben, jene sittliche Verkommenheit, 26 die sich an der Seele als Prahlerei, Geldgier, Ehrgeiz, Zanksucht und Klatschsucht äußert, 27 an

dem Leibe als nimmersattes Fressen, Schlingen und Alleinprassen. 28 Wie nun Lust und Schmerz gleichsam zwei Pflanzen des Leibes und

der Seele sind, so gibt es viele Nebensprößlinge dieser Triebe. 29 Diese alle putzt die Allgärtnerin Vernunft entweder aus oder beschneidet

sie, umwickelt sie, begießt sie oder leitet das Wasser ganz fort und veredelt so die Natur der Stimmungen und Triebe. 30 Denn die Vernunft

ist der Tugenden Führerin, aber der Triebe Selbstherrin.

Seht denn nun fürs erste durch die Betrachtung der der Besonnenheit hindernd entgegenstehenden Dinge, daß die Vernunft Selbstherrin der

Triebe ist. 31 Besonnenheit ist Beherrschung der Begierden. 32 Von den Begierden aber sind die einen seelisch, die anderen leiblich, und daß

diese beiden die Vernunft beherrscht, ist klar. 33 Denn wie käme es sonst, daß wir uns zu den verbotenen Nahrungsmitteln zwar hingezogen

fühlen, die von ihnen verheißenen Freuden aber verabscheuen? Liegt da nicht die Tatsache vor, daß die Vernunft imstande ist, die Gelüste zu

beherrschen? Ich für mein Teil glaube es. 34 Deshalb, wenngleich es uns nach Wassertieren gelüstet und nach Vögeln und Vierfüßlern, kurz,

nach den mancherlei Speisen, die uns nach dem Gesetz untersagt sind, so sind wir doch enthaltsam vermöge der Übermacht der Vernunft. 35

Denn entgegengehalten werden die durch den besonnenen Verstand umgewandelten gelüstenden Triebe, und geknebelt werden alle

Regungen des Leibes durch die Vernunft.

1 Ferner: was braucht man sich darüber zu verwundern, daß auch bis zu einer Vereinigung mit der Schönheit drängenden Begierden der

Seele ihre Kraft verlieren? 2 Der besonnene Joseph wenigstens wird doch deshalb gelobt, weil er durch Überlegung Gewalt erlangte über die

Wollust. 3 Denn obschon ein Jüngling in voller Reife für den Verkehr, entkräftete er doch durch die Vernunft die Brunst der Triebe. 4 Es ist

übrigens klar, daß die Vernunft nicht nur die Brünstigkeit der Wollust beherrscht, sondern eine jede Begierde. 5 Es sagt wenigstens das

Gesetz: Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes noch alles, das dein Nächster hat. 6 Doch aus der Tatsache, daß das untrügliche

Gesetz es ist, das den Ausspruch getan hat, wir sollten uns nicht gelüsten lassen, glaube ich Euch noch viel überzeugender als durch das

einzelne Beispiel des Joseph dartun zu können, daß die Vernunft im Stande ist, über die Begierden zu herrschen.

So auch über die der Gerechtigkeit hindernd entgegenstehenden Triebe. 7 Denn wie könnte sonst jemand, der ein gewohnheitsmäßiger

Alleinprasser, Fresser und Säufer ist, umerzogen werden, wenn nicht offenbar die Vernunft Gebieterin der Triebe wäre? 8 Ein Mensch

jedenfalls, der nach dem Gesetze wandelt, bezwingt, auch wenn er geldgierig sein sollte, auf der Stelle sein eigentliches Wesen; er borgt den

Bedürftigen ohne Zinsen, trotzdem er dereinst, wenn die Siebentjahre kommen, sogar des verliehenen Kapitals verlustig geht. 9 Und wenn

jemand auch sparsam ist, so läßt er sich doch durch die Vernunft von dem Gesetze beherrschen und hält weder Fruchtnachlese auf den

abgeernteten Feldern noch Traubennachlese in den Weinbergen.

Auch an anderen Tatsachen ist zu erkennen, daß die Vernunft über die Triebe herrscht. 10 Denn einmal herrscht das Gesetz über die

Zuneigung zu den Eltern: es gibt selbst um ihretwillen die Tugend nicht preis. 11 Weiter beherrscht es die Liebe zur Gattin: im Fall eines

Vergehens weist es sie zurecht. 12 Ferner gebietet es über die Liebe zu den Kindern: im Fall einer Schlechtigkeit bestraft es sie. Endlich

regiert es auch über die Anhänglichkeit an die Freunde: im Fall einer Bosheit gibt es ihnen einen Verweis. 13 Ihr braucht übrigens nicht zu

wähnen, daß dies alles etwas Unglaubliches sei: ist doch die Vernunft imstande, durch das Gesetz sogar den Feindeshaß zu beherrschen! 14

Sie unterläßt es, im Kriege die Nutzpflanzungen der Feinde durch Umhauen der Bäume zu verwüsten; sie nimmt sich des verirrten Viehs, das

etwa den persönlichen Gegnern entlaufen ist, rettend an und hilft dem unter seiner Last zusammengebrochenen Vieh des persönlichen

Gegners wieder auf.

115

15 Aber auch, daß die Vernunft über die roheren Triebe herrscht, ist klar nämlich über die Herrschsucht, die Eitelkeit, die Prahlerei, die

Hoffart und die Klatschsucht. 16 Alle diese unsittlichen Triebe verabscheut der besonnene Verstand ebensosehr wie die Erregung, über die er

ja auch regiert. 17 Moses wenigstens in seiner Erregung über Dathan und Abiron unterließ es, im Zustande der Erregung etwas gegen sie zu

unternehmen; er zügelte vielmehr seine Erregung durch die Vernunft. 18 Denn der besonnene Verstand ist, wie gesagt, fähig, im Kampfe

wider die Triebe den Sieg zu erringen und sie teils umzustimmen, teils zu entkräften. 19 Was wäre sonst der Grund dafür, daß unser allweiser

Vater Jakob den Symeon und den Levi samt ihren Leuten der vernunftlosen Massenabschlachtung der Sikimiten mit dem Worte beschuldigt:

Verflucht sei ihre Zornes-Erregung? 20 Denn wäre die Vernunft nicht im Stande, über die Erregungen zu herrschen, so hätte er nicht in

dieser Weise gesprochen. 21 War es doch Gott, der bei der Schöpfung des Menschen dessen Triebe und Stimmungen um ihn her pflanzte, 22

der jedoch über sie alle den hehren Herrscher Verstand durch die Sinne auf den Thron setzte 23 und ihm ein Gesetz gab, dessen Verfolgung

ihm eine Königsherrschaft voll Besonnenheit, Gerechtigkeit, Güte und Mannhaftigkeit verhieß.

24 Wie kommt es nun, könnte da jemand einwenden, daß die Vernunft, wenn sie über die Triebe herrscht, über Vergessen und Unwissenheit

nicht herrscht?

1 Es ist das aber ein recht lächerliches Wort. Denn es ist klar, daß die Vernunft nicht ihre eigenen feindlichen Triebe beherrscht, sondern die

der Gerechtigkeit, der Mannhaftigkeit, der Besonnenheit und der Einsicht feindlichen, und auch diese nicht so, daß sie dieselben ausrottet,

sondern so, daß sie ihnen nicht nachgibt. 2 So kann zum Beispiel die Gier niemand unter Euch ausrotten, aber daß man nicht zum Sklaven

der Gier wird, das kann die Vernunft gewähren. 3 Niemand kann unter Euch die Erregung aus der Seele ausrotten, aber der Erregung zu

helfen, das ist möglich. 4 Die Bosheit kann niemand unter Euch ausrotten, aber daß man sich von der Bosheit niederzwingen läßt, dagegen

kann doch wohl die Vernunft mitkämpfen. 5 Denn nicht Entwurzlerin, sondern Bekämpferin der Triebe ist die Vernunft.

6 Man kann sich nun diese Wahrheit an der Geschichte von dem Durste des Königs David noch etwas deutlicher machen. 7 Es hatte einmal

David einen vollen Tag mit den Welschen gekämpft und mit Hilfe der Krieger seines Volks viele von ihnen getötet. 8 Als es dann Abend

geworden war, ging er schweißbedeckt und sehr ermüdet zum königlichen Zelt, um welches sich das ganze Heer der - d.h. unserer -

Vorfahren gelagert hatte. 9 Nun waren die anderen alle beim Essen. 10 Der König aber, obwohl heftigsten Durst leidend, und trotzdem die

Quellen, die er in der Nähe hatte, gar nicht kärglich waren, vermochte es nicht über sich zu gewinnen, an ihnen den Durst zu stillen. 11

Vielmehr dörrte ihn eine unvernünftige Gier nach dem Wasser bei den Feinden aus, die sich immer mehr steigerte und ihn mit ihrer

erschlaffenden Glut verzehrte. 12 Da legten, als die Schildträger über die Gier des Königs zu murren anfingen, zwei Jünglinge, starke

Krieger, in ehrfurchtsvoller Rücksichtnahme auf die ungestillte, peinigende Gier des Königs ihre ganze Rüstung an, nahmen ein Gefäß und

stiegen über die Palissaden der Feinde. 13 Von den Torwächtern nicht bemerkt, schlichen sie findig im ganzen Lager der Feinde umher, 14

machten so voll Mut die Quelle ausfindig und füllten aus ihr in das Gefäß den Trunk für den König. 15 Der aber, obwohl vom Durste

verbrannt, überlegte, ein als gleichwertig mit kostbarem Menschen-Blute dereinst beim Gerichte vor Gott angerechneter Trunk sei eine ganz

furchtbare Gefahr für die Seele. 16 Daher stellte er der Gier die Vernunft gegenüber und spendete den Trank durch Ausgießen Gott. 17 Denn

der besonnene Verstand ist fähig, den Drang der Triebe zu überwinden und die Flammen der Brunst zu löschen, 18 die Schmerzen des

Körpers, mögen sie auch über die Maßen stark sein, niederzukämpfen und durch die Tugend der Vernunft allen Herrschaftsgelüsten der

Triebe mit Verachtung zu begegnen.

Zweiter Hauptteil. Erweis des Lehrsatzes aus der Geschichte.

19 Doch die gegenwärtige festliche Zeit mahnt uns jetzt zur Erzählung der Geschichte der besonnenen Vernunft.

20 Tiefen Frieden hatten vor Zeiten unsere Väter infolge ihrer guten Gesetze und lebten in Wohlstand so, daß selbst der König von Asien

Seleukos Nikanor ihnen sogar Geldmittel zum Besten des heiligen Tempel-Dienstes aussetzte und ihre Verfassung anerkannte. 21 Da störten

einige Neuerer die allgemeine Eintracht, wofür sie freilich mancherlei Unheil zu kosten bekamen.

1 So zum Beispiel ein gewisser Simon. Er war mit Onias, dem damaligen Inhaber der Hohenpriesterwürde auf Lebenszeit, einem

tugendhaften Manne, politisch verfeindet. Da er ihm nun trotz aller erdenklichen Verleumdungen um des dem Onias anhängenden Volkes

willen nicht zu schaden vermochte, ging er flüchtig, um sein Vaterland zu verraten. 2 So kam er zu Apollonios, dem Strategen von Syrien,

Phönikien und Kilikien, und sprach: 3 Ich bin ein königstreuer Mann und komme deshalb mit der Anzeige, daß in den Schatzhäusern zu

Jerusalem viele Millionen privater Gelder angesammelt liegen, die mit dem Tempel-Vermögen nichts zu schaffen haben, sondern dem

Könige Seleukos zukommen. 4 Als dann Apollonios alles Nähere hierüber ermittelt hatte, belobte er Simon wegen seines Interesses für den

König, eilte zu Seleukos hinauf und zeigte ihm den Geldschatz an. 5 Da erhielt er in dieser Sache Vollmacht, rückte eilig mit dem

verfluchten Simon und einem sehr starken Heer in unser Vaterland 6 und verkündigte nach seiner Ankunft, er komme auf königlichen

Befehl, um die privaten Gelder des Schatzhauses zu holen. 7 Das Volk widersprach murrend diesem Vorhaben; man hielt es für etwas ganz

Furchtbares, wenn diejenigen, die dem hehren Schatz ihre Spareinlagen anvertraut hätten, beraubt würden, und so suchte man ihn, solange es

ging, zu hindern. 8 Jedoch Apollonios rückte unter einer Drohung in den Tempel. 9 Da flehten die Priester mit Weibern und Kindern im

Tempel zu Gott, er möge über die mißachtete Stätte seinen Schild halten. 10 Und als Apollonios mit gewappnetem Heere losging, um das

Geld zu rauben, erschienen vom Himmel her auf Rossen Engel mit blitzenden Waffen und jagten ihnen gewaltige Furcht ein und Zittern. 11

Da stürzte Apollonios im Allvölkerhof des Tempels halbtot nieder, streckte die Hände zum Himmel und bat die Hebräer unter Tränen, sie

möchten für ihn betend das himmlische Heer besänftigen. 12 Aber noch mehr: denn er bekannte sich als Sünder, der den Tod verdient habe;

da er aber mit dem Leben davongekommen sei, werde er allen Menschen von der Wunderkraft der hehren Stätte ein Lied singen. 13 Durch

diese Worte bewogen, betete der Hohepriester Onias, obwohl sonst in religiösen Dingen vorsichtig, für ihn, damit der König Seleukos nicht

am Ende die Meinung erhielte, Apollonios sei durch einen menschlichen Anschlag hinweggerafft worden, nicht aber durch göttliche

Gerechtigkeit. 14 So zog der wider Erwarten Gerettete davon, um dem Könige zu berichten, was ihm zugestoßen war.

15 Als aber der König Seleukos gestorben war, folgte ihm in der Herrschaft sein Sohn Antiochos Epiphanes, ein übermütiger, gewalttätiger

Mann.

16 Der entsetze den Onias des Hohenpriestertums und machte dessen Bruder Jason zum Hohenpriester. 17 Denn dieser hatte sich ihm

verpflichtet, wenn er ihm die Würde übertrüge, jährlich 3660 Talente zu zahlen, 17 und so übertrug ihm jener das Amt des Hohenpriesters

und des Regenten über das Volk. 19 Der nun gewöhnte das Volk an eine andere Lebenshaltung und an eine andere Verfassung, kurz, an jede

Gesetzwidrigkeit. 20 So errichtete er nicht nur ein Gymnasion, noch dazu auf der Burghöhe unseres Vaterlandes, sondern richtete auch den

Tempeldienst zu Grunde. 21 Ergrimmt darob, führte die göttliche Gerechtigkeit freilich gerade den Antiochos zum Krieg herbei. 22 Als

dieser nämlich in Ägypten mit Ptolemaios Krieg führte, hörte er, daß auf ein Gerücht hin, er sei gestorben, sich die Jerusalemiten ganz über

die Maßen gefreut hätten, da war er rasch entschlossen gegen diese aufgebrochen. 23 Und nachdem er sie überwältigt hatte, gab er den Erlaß:

wer von ihnen nachweisbar das väterliche Gesetz befolge, der solle sterben. 24 Da er nun auf keine Weise die Gesetzestreue des Volks durch

die Erlasse unwirksam zu machen vermochte, vielmehr alle seine Drohungen und Strafen unwirksam sah, 25 also daß sogar Frauen, weil sie

ihre Knäblein beschnitten hatten, sich mitsamt den Säuglingen freiwillig in die Tiefe stürzten - wußten sie doch im voraus, daß sie dies

ohnehin erleiden würden, - 26 da also seine Erlasse von der Nation mißachtet wurden, suchte er persönlich einen jeden einzelnen des Volks

durch Folterqualen zu zwingen, unreine Speisen zu kosten und dadurch das Judentum abzuschwören.

Das Martyrium des Eleasar.

1 So hielt denn der Tyrann Antiochos mit seinen Beisitzern auf einer hochgelegenen Stätte öffentlich Gericht, rings umgeben von seinen

unter den Waffen stehenden Truppen, 2 und er befahl den Speerträgern, jeden einzelnen der Hebräer heranzuschleppen und ihn zu zwingen,

Schweine- und Götzenopferfleisch zu kosten; 3 die sich aber etwa weigerten, Unreines zu essen, die sollten durch Rädern umgebracht

116

werden. 4 Als nun schon viele gewaltsam herbeigeführt worden waren, da wurde als erster aus der Menge ein Hebräer nahe vor ihn

hingestellt, mit Namen Eleazaros, seiner Abstammung nach Priester, seiner Bildung nach Gesetzesgelehrter und von vorgeschrittenem Alter,

vielen in der Umgebung des Tyrannen wegen seiner Philosophie wohlbekannt.

5 Als Antiochos ihn sah, sprach er: 6 Ich für mein Teil, bevor ich die Foltern an dir beginnen lasse, Alter, möchte dir den Rat geben, dich

durch Kosten des Schweinefleisches zu retten; denn ich habe Achtung vor deinem Alter und deinem Graukopf, wiewohl mir jemand, der ihn

schon so lange wie du trägt und sich immer noch zur Judenreligion hält, gerade nicht als Philosoph vorkommt. 7 Denn warum verabscheust

du, wo doch die Natur die gnädige Spenderin ist, den Genuß des vorzüglich schmeckenden Fleisches dieses Tieres da? 8 Es ist doch

wahrhaftig ein Unsinn, dieses Nichtgenießen der unschuldigsten Freuden; ja es ist ein Unrecht, die Gnadenspenden der Natur

zurückzuweisen. 9 Du aber, du scheinst mir einen noch größeren Unsinn zu begehen, wenn du etwa in deiner hohlen Meinung über das

Wahre 10 auch noch mich mißachtest zu deinem eigenen Schaden. Willst du nicht noch erwachen aus euerer albernen Philosophie, 11

deinem Quark den Abschied geben, Vernunft annehmen, wie sie zu deinem Alter paßt und meinetwegen über die Wahrheit philosophieren,

die etwas nutzt? 12 Willst du nicht Ehrfurcht haben vor meinem menschenfreundlichen Zureden und Mitleid mit deinem Greisenalter? 13

Denn bedenke doch: wenn über dieser euerer Religion wirklich eine beaufsichtigende Macht waltet, dann wird sie dir doch gewiß jede dir

aufgezwungene Gesetzesübertretung verzeihen. 14 Während so der Tyrann zum gesetzeswidrigen Fleischgenuß ermunterte, bat Eleazaros

ums Wort 15 und begann, als er die Erlaubnis zu reden erhalten hatte, folgendermaßen mit lauten Worten: 16 Wir, Antiochos, die wir ein

göttliches Gesetz gehorsam befolgen, sind der Meinung, einen stärkeren Zwang gebe es nicht als den treuen Gehorsam gegen unser Gesetz.

17 Deshalb halten wir es in keinem einzigen Falle für recht, gegen das Gesetz zu handeln. 18 Ja sogar wenn unser Gesetz, wie du annimmst,

in Wahrheit nicht ein göttliches wäre, wir aber der Meinung wären, es sei göttlich, selbst dann dürften wir unsere Ansicht über die

Frömmigkeit nicht außer Geltung setzen. 19 Darum glaube du ja nicht, es sei das eine kleine Sünde, wenn wir Unreines essen würden. 20

Denn kleine und große Gesetzesübertretungen sind gleich ernst; 21 wird doch in beiden Fällen mit gleichem Übermut gegen das Gesetz

gefrevelt. 22 Du spottest über unsere Philo sophie, als sei es ein Mangel an vernünftiger Überlegung, daß wir in ihr leben. 23 Wahrhaftig, du

hast recht; denn Besonnenheit lehrt sie uns, so daß wir über alle Lüste und Begierden herrschen; in Mannhaftigkeit übt sie uns, so daß wir

jeden Schmerz freiwillig erdulden; 24 in Gerechtigkeit erzieht sie uns, so daß wir in allen wechselnden Stimmungen gleichmäßig handeln; in

Frömmigkeit unterweist sie uns, so daß wir allein den Gott, der ist, mit dem ihm gebührenden Glanze verehren. 25 Deshalb essen wir nichts

Unreines; denn obwohl wir glauben, daß das Gesetz eine Sache Gottes ist, so wissen wir doch, daß der Schöpfer der Welt als Gesetzgeber

seiner Natur nach mit uns empfindet. 26 Was unserer Seele verwandt sein werde, das gestattete er uns zu essen; den Genuß widerlichen

Fleisches aber verbot er. 27 Tyrannisch dagegen ist es von dir, uns zu zwingen, nicht nur gegen das Gesetz zu handeln, sondern auch noch

außerdem deshalb zu essen, damit du über die uns tief verhaßte Esserei dieses Unreinen lachen kannst. 28 Über mich freilich sollst du dieses

Lachen nicht lachen, 29 noch will ich wahrlich die hehren Eidesgelübde der Vorfahren, das Gesetz zu halten, brechen, 30 selbst dann nicht,

wenn du mir die Augen ausreißen und die Eingeweide schmelzen wirst. 31 So greisenhaft unmännlich bin ich denn doch nicht, daß sich

meine Vernunft, wo es sich um die Frömmigkeit handelt, nicht verjüngen könnte. 32 Gegen diese Mächte magst du die Folterräder rüsten,

magst du das Feuer noch heftiger anfachen! 33 So stark wird mein Mitleid mit meinem Greisenalter denn doch nicht sein, daß ich aus eigner

Machtvollkommenheit das väterliche Gesetz zu nichte machen könnte. 34 Nicht belügen will ich dich, Erzieher Gesetz, nicht als Flüchtling

dich verlassen, Freundin Selbstbeherrschung, 35 nicht dich schänden, weisheitliebende Vernunft, nicht dich verleugnen, hochwürdiges

Priesteramt und Gesetzesverständnis! 36 Und nicht beflecken sollst du, Mund, durch das Essen des Unreinen mein ehrwürdiges Alter und die

Neige eines gesetzestreuen Lebens! 37 Fehllos sollen mich die Väter im Himmel zu sich aufnehmen, und ohne daß ich gebebt hätte vor

deinen Todesmartern. 38 Gottlose sind es, über die du Tyrann sein magst; über meine Gedanken von der Frömmigkeit wirst du weder mit

Worten regieren noch mit Taten!

1 Als Eleazaros derart den zuredenden Worten des Tyrannen Gegenrede getan hatte, schleppten ihn die dabeistehenden Speerträger voll

Roheit zu den Foltergeräten. 2 Zunächst zogen sie den Greis vollständig aus; reich geschmückt freilich blieb er durch jenen Adel, der die

Frömmigkeit umwaltet. 3 Dann banden sie ihm von beiden Seiten die Hände auf den Rücken und peinigten ihn mit Geißelhieben, 4 während

von einer anderen Seite ein Herold ihm zubrüllte: Gehorche den Geboten des Königs! 5 Er aber, der Hochgemute und Edelgeborene, im wahren

Sinne des Namens ein Eleazaros, kehrte sich nicht im Mindesten daran, gerade als träume er nur von den Foltern; 6 vielmehr die Augen

hoch zum Himmel richtend, ließ sich der Greis das Fleisch in Stücken vom Leibe geißeln, ließ sich von Blut überströmen und die Seiten mit

Wunden bedecken. 7 Und als er am Zusammenbrechen war, weil sein Körper die Schmerzen nicht mehr ertrug, da hielt er doch aufrecht und

ungebeugt die Vernunft. 8 Einer der rohen Speerträger sprang ihm in die Weichen und gab ihm einen Fußtritt, damit er, der Zusammenbrechende,

sich wieder aufrecht stelle. 9 Er aber hielt die Schmerzen aus, verachtete den Zwang und ertrug die Mißhandlungen, 10 und

wie ein braver Athlet sich schlagend überwand der Greis seine Peiniger. 11 Selbst von diesen wurde er, schweißbedeckten Antlitzes und

schwer keuchend, wegen seinen wackeren Mutes angestaunt.

12 Teils aus Mitleid mit seinem Greisenalter, 13 teils aus Teilnahme für ihren Bekannten, teils aus Bewunderung seiner Standhaftigkeit

traten da einige vom Hofe des Königs zu ihm und sprachen: 14 Warum willst du dich wegen dieser erbärmlichen Geschichten unvernünftig

zu Grunde richten, Eleazar? 15 Wir wollen dir von der gekochten reinen Speise zu essen geben; du aber tue, als kostetest du von dem

Schweinefleisch, und rette dich dadurch!

16 Doch Eleazaros, als sei er durch diesen Rat noch roher gepeinigt worden, schrie auf: 17 Nein! Von so schlechter Gesinnung wollen wir

nicht sein, wir Söhne Abrahams, daß wir mit weichlicher Seele eine unser unwürdige Komödie spielen. 18 Ja, das wäre unvernünftig, wenn

wir, die wir unser Leben lang bis zum

Greisenalter im Verkehr mit der Wahrheit gelebt und unsere Ansicht hierüber mit gesetzestreuem Ernste vertreten haben, - wenn wir jetzt

umschlagen würden 19 und wenn wir in eigner Person der Jugend ein Urbild der Gottlosigkeit würden, um als Beispiel dafür zu dienen, daß

man Unreines genießen darf. 20 Ja eine Schande wäre es, wenn wir während des vielleicht nur kurzen Restes unseres Lebens von allen

wegen unserer Feigheit ausgelacht 21 und von dem Tyrannen als unmännlich verachtet würden, unser göttliches Gesetz aber nicht bis in

den Tod beschirmt hätten. 22 Solchen Zumutungen gegenüber geht ihr, ihr Söhne Abrahams, voll adeliger Gesinnung im Dienste der

Frömmigkeit in den Tod! 23 Ihr aber, ihr Speerträger des Tyrannen, was zaudert ihr?

24 Als sie ihn den Zwangsmitteln gegenüber so hochgemut und selbst ihrem Mitleide gegenüber so unbeugsam sahen, schleppten sie ihn auf

das Feuer, 25 legten neues Brennholz unter, brannten ihn mit grausam ersonnenen Werkzeugen und gossen ihm stinkende Brühe in die

Nasenlöcher. 26 Er aber, schon bis auf die Knochen verbrannt und nahe daran, das Leben auszuhauchen, hob seine Augen auf zu Gott und

sprach: 27 Du, o Gott, weißt es: ich hätte mich retten können, aber unter des Feuers Qualen sterbe ich um des Gesetzes willen. 28 Sei gnädig

deinem Volke, laß dir genügen die Strafe, die wir um sie erdulden! 29 Zu einer Läuterung laß ihnen mein Blut dienen und als Ersatz für ihre

Seele nimm meine Seele! 30 Nach diesen Worten starb der hehre Mann voll adeliger Gesinnung in den Martern: bis zu den Todesmartern

konnte er durch die Vernunft Widerstand leisten um des Gesetzes willen.

31 So ist es denn sonnenklar, daß Herrin der Triebe die fromme Vernunft ist. 32 Denn wenn in dem Martyrium des Eleazar die Triebe über

die Vernunft geherrscht hätten, dann hätte ich ihnen wohl das Zeugnis gegeben, daß sie die Übermacht haben. 33 Nun aber hat die Vernunft

über die Triebe gesiegt, folglich gestehen wir ihr mit Fug und Recht den Anspruch auf die Oberleitung zu. 34 Und es ist in der Ordnung, daß

wir bekennen, die Macht gebühre der Vernunft, da sie ja selbst die äußeren Schmerzen beherrscht als lächerliche Dinge. 35 Zudem zeige

ich ja, daß die Vernunft nicht nur über die Schmerzen geherrscht hat, sondern auch, daß sie über die Lüste herrscht, ohne ihnen zu weichen.

1 Lenkte doch wie ein trefflicher Steuermann die Vernunft unseres Vaters Eleazaros mit dem Steuer in der Hand das Schiff der Frömmigkeit

im Meer der Triebe, 2 und umstürmt von den Drohungen des Tyrannen und überflutet von den Wogenmassen der Martern, 3 wandte sie die

Steuerruder der Frömmigkeit nicht um Haaresbreite vom Ziele weg, bis sie eingelaufen war in den Hafen des unsterblichen Siegs. 4 Noch

117

niemals leistete eine mit zahlreichen Maschinen jeder Art belagerte Stadt einen solchen Widerstand wie jener Allheilige. An seiner hehren

Seele durch hochnotpeinliche Feuerqualen bedrängt, zwang er die Belagerer zum Abzuge, weil über ihn den Schild hielt die fromme

Vernunft. 5 Wie an einer ins Meer ragenden Felsenspitze, so ließ der Vater Eleazaros an seiner Überlegung die wütenden Wogen der Triebe

sich brechen. 6 Ja, du des Priestertums würdiger Priester, nicht besudelt hast du die hehren Zähne, noch den Leib, der nur Gottesfurcht und

Reinhaltung in sich schloß, gemein gemacht durch Genuß des Unreinen! 7 O du mit dem Gesetze zusammenklingende Seele und du

Philosoph eines göttlichen Lebens! 8 So sollten alle die sein, die sich mit dem Gesetz amtlich zu beschäftigen haben: mit eigenem Blut und

mit edlem Schweiß wider die bis in den Tod dauernden Triebe den Schild über das Gesetz haltend! 9 Du, Vater, hast unserer Gesetzestreue

ruhmvolles Recht durch deine Ausdauer erwiesen, hast unsere heiligen Bräuche mit würdiger Sprache vor der Vernichtung geschützt und

hast durch die Taten bewiesen, daß die Worte der Philosophie zuverlässig sind, 10 du Greis, stärker als Foltern, du Alter, mächtiger als

Feuer, du Großkönig über die Triebe, Eleazar! 11 Wie der Vater Aaron, mit der Räucherpfanne gerüstet, durch die Volksmenge eilte und den

Brandengel überwand, 12 so blieb der Aaronide Eleazaros, von des Feuers Schmelzhitze verzehrt, unerschüttert in seiner Vernunft. 13 Was

aber das Wunderbarste war: er, der Greis, wurde, als die Sehnen seines Körpers bereits erschlafft waren, seine Fleischteile sich überall gelöst

hatten, und seine Muskeln gelähmt waren, wieder jung 14 durch den Geist der Vernunft und machte durch die isakische Vernunft die

vielköpfige Folter unwirksam. 15 O über das glückselige Greisenalter und das ehrwürdige Silberhaar und das gesetzestreue Leben, dem der

Tod das Echtheitssiegel der Vollendung aufdrückte!

16 Wenn nach alledem ein Greis die Martern bis zum Tod aus Frömmigkeit verachten konnte, so ist die fromme Vernunft sonnenklar die

Führerin der Triebe. 17 Vielleicht möchten da aber einige einwenden: Über die Triebe haben nicht alle Menschen Gewalt, weil ja nicht bei

allen die Vernunft verständig ist. 18 Aber wer immer sich um die Frömmigkeit von ganzem Herzen kümmert, der, aber auch, nur der ist

imstande, über die Triebe des Fleisches zu herrschen, 19 in dem Glauben, daß man, wie auch unsere Erzväter Abraham, Isaak und Jakob,

Gotte nicht stirbt, sondern Gotte lebt. 20 Also widerspricht unserem Satz in keiner Weise die offenbare Tatsache, daß einige, weil ihre

Vernunft geschwächt ist, von den Trieben beherrscht werden. 21 Denn ist es wirklich möglich, daß jemand der nach dem unverkürzten Maße

der Philosophie fromm philosophiert, der gottesgläubig ist 22 und weiß, daß es Glückseligkeit ist, um der Tugend willen jedes Ungemach zu

erdulden, - um der Frömmigkeit willen über die Triebe keine Gewalt bekommt? 23 Ist doch einzig der Weise und Besonnene der mannhafte

Herr über die Triebe.

Das Martyrium der Sieben Brüder.

24 So konnten denn auch junge Burschen kraft ihrer Philosophie der frommen Vernunft noch grausigerer Martern Herr werden.

1 Der Tyrann nämlich, der bei dem ersten Versuch eine offenbare Niederlage erlitten hatte, da es ihm nicht gelungen war, einen Greis zum

Essen des Unreinen zu zwingen, 2 befahl nun in heftigster Leidenschaft, andere nämlich dieses Mal aus der Jugend der Hebräer vorzuführen:

wenn sie Unreines genießen würden, dann seien sie nach dem Genusse freizulassen; wenn sie sich aber weigerten, dann seien sie noch

peinlicher zu foltern. 3 Auf dieses Gebot des Tyrannen wurden samt ihrer alten Mutter sieben Brüder vorgeführt, schön, bescheiden, edel und

in jeder Beziehung anmutig.

4 Als der Tyrann sie erblickte, wie sie gleichsam im Chore die Mutter umringten, erhielt er einen günstigen Eindruck von ihnen und,

betroffen von ihrem Anstand und Adel, lächelte er ihnen zu, rief sie näher und sagte: 5 Ihr jungen Männer, ich bin einem jeden einzelnen von

euch wohlgeneigt und bewundere euere Schönheit, habe auch einen großen Respekt vor einer so stattlichen Zahl von Brüdern. Darum gebe

ich euch nicht nur den Rat, doch nicht dieselbe Verrücktheit zu begehen wie der eben gefolterte Greis, 6 sondern ich fordere euch auch auf,

mir insgesamt nachzugeben und euch dadurch den Genuß meiner Freundschaft zu erwerben. Denn zu beidem bin ich imstande: die meinen

Geboten nicht Gehorsamen zu bestrafen und den Treugehorsamen Wohltaten zu erweisen. 7 Verlaßt euch darauf, ihr sollt in meinem

Staatsdienst in leitende Stellungen kommen, wenn ihr den Brauch euerer väterlichen Verfassung aufgebt. 8 Nehmt doch hellenische

Lebensart und andere Gewohnheiten an und genießt eure Jugend! 9Andernfalls, wenn ihr mich durch euren Ungehorsam zornig macht,

zwingt ihr mich, euch nach schweren Strafen Mann für Mann peinlich hinrichten zu lassen. 10 Habt denn Mitleid mit euch selbst, die ihr

sogar mich persönlich, eueren Feind, wegen eurer Jugend und Wohlgestalt dauert! 11 Wollt ihr denn nicht bedenken, daß bei einem etwaigen

Ungehorsam nur eins für euch herauskommt: der Foltertod?

12 Nach diesen Worten befahl er, um sie durch die Furcht zum Genusse des Unreinen zu bewegen, die Folterwerkzeuge an Ort und St elle zu

holen. 13 So holten denn die Speerträger Räder und Gliedverrenker; Marterzeug und Schleifhaken und Schwingen und Kessel, Pfannen und

Fingerschrauben und eiserne Hände und Keile und Feuerblasebälge. Der Tyrann aber hob von Neuem an und sprach: 14 Ihr Bürschchen,

geratet nur in Angst! Die Gerechtigkeit Gottes, die ihr verehrt, wird euch gnädig sein, weil die Gesetzesübertretung euch nur aufgezwungen

worden ist.

15 Sie aber, die so Verlockendes hörten und so Grausiges schauten, gerieten nicht nur nicht in Angst, sondern leisteten dem Tyrännen in

Philosophenrede Widerstand und machten durch die Vernunft ihrer Überlegung seine Tyrannei zu nichte. 16 Trotzdem wollen wir zunächst

einmal den Fall überlegen, daß einige unter ihnen feige gesinnt und unmännlich gewesen wären. Was für Worte hätten sie dann wohl gehabt?

Nicht die folgenden?: 17 O wir Armen mit unserer großen Thorheit ! Ein König ermahnt uns und ruft uns zu einer Wohltat; sollten wir uns

da nicht von ihm überreden lassen? 18 Warum unsere Freude haben an leeren Launen und uns erkühnen zu todbringendem Ungehorsam? 19

Wollen wir nicht, Männer und Brüder, der Furcht vor den Foltergeräten Raum geben und die angedrohten Folterqualen bedenken, nicht

diesem leeren Wahn und dieser verderbenbringenden Prahlerei entrinnen? 20 Wir wollen Mitleid haben mit unserer eigenen Jugend und

Erbarmen mit dem Alter unserer Mutter 21 und beherzigen, daß auf unserem Ungehorsam der sichere Tod steht! 22 Verzeihen wird uns ja

auch die göttliche Gerechtigkeit, weil wir nur dem Zwange nachgebend den König gefürchtet haben. 23 Warum uns dem so lieben Leben

entziehen und uns der süßen Welt berauben? 24 Wir wollen nicht Gewalt wider Zwang setzen und nicht einen Wahn des Ruhms in unserer

Marter suchen ! 25 Auch das Gesetz verdammt uns nicht zum Tode, wenn wir unfreiwillig handeln, nur aus Furcht vor den Foltern. 26

Woher stammt sie überhaupt, diese Rechthaberei, die wir uns in den Kopf gesetzt haben, und diese Hartnäckigkeit, die uns gefällt, aber auch

den Tod bringt, während es uns doch freisteht, dem Könige zu gehorchen und ein geruhiges Leben zu führen?

27 Doch nichts von alledem sprachen oder dachten auch nur die vor der Folter stehenden Jünglinge. 28 Waren sie doch kraft ihrer Gesinnung

über die Triebe erhaben und Selbstherrscher über die Schmerzen. 29 Und so sprachen sie denn, als der Tyrann mit seinem Zureden, sie

möchten Unreines genießen, zu Ende war, alle zusammen einstimmig, wie aus einer Seele heraus, also:

1 Was zauderst du, Tyrann? Sind wir doch eher zu sterben bereit, als unsere väterlichen Gebote zu übertreten. 2 Schämen müßten wir uns ja

füglich vor unseren Vorfahren, wenn wir den treuen Gehorsam gegen das Gesetz und Mose als Ratgeber beiseite ließen. 3 Du aber, Tyrann,

du Ratgeber der Ungesetzlichkeit, unterlasse es, uns selbst an Mitleid mit uns übertreffen zu wollen, da du uns doch hassest. 4 Denn härter

als selbst der Tod deucht uns dein Mitleid zu sein, das uns zu einer Rettung durch Gesetzesübertretung verführen möchte. 5 Du meinst,

indem du uns den peinlichen Tod androhst, uns erbeben zu machen, gerade als hättest du vorhin von Eleazaros keine Lehre empfangen. 6

Und doch, wenn der Hebräer Greise um der Frömmigkeit willen selbst mit Erduldung von Folterqualen in den Tod gehen konnten, dann

dürfen wir, die Jungen, doch wohl mit noch größerem Recht in den Tod gehen, nicht ansehend die Qualen deiner Zwangsmittel, die selbst ein

Greis wie unser Erzieher überwunden hat. 7 So stelle denn, Tyrann, auf die Probe! Daß du uns auch an unseren Seelen mit deiner Folter

einen Schaden zufügst, wenn du uns um der Frömmigkeit willen töten wirst, das glaube nicht! 8 Denn wir, wir werden durch dieses

geduldige Ertragen des Leidens die Siegespreise der Tugend erhalten und bei Gott sein, um dessentwillen wir dieses leiden; 9 du aber wirst

um unserer Ermordung willen, mit der du dich beflecktest, durch die göttliche Gerechtigkeit eine entsprechende ewige Qual zu erdulden

haben.

118

10 Als sie so sprachen, ergrimmte der Tyrann nicht nur über ihren Ungehorsam, sondern er ward auch zornig über ihre Undankbarkeit. 11 So

schleppten denn auf sein Geheiß die Geißler den Ältesten von ihnen herbei, zerrissen sein Gewand und banden ihm die Hände und Arme auf

beiden Seiten mit Riemen fest. 12 A1s sie sich aber an ihm müde gegeißelt hatten, ohne doch etwas auszurichten, warfen sie ihn auf das Rad.

13 Um dieses wurde der edelgeborene Jüngling gespannt, so daß seine Glieder sich ausrenkten. 14 Als so seine sämtlichen Glieder

gebrochen waren, brach er in die Anklage aus: 15 Du schmutzigster der Tyrannen, du Widersacher der himmlischen Gerechtigkeit und du

Grausamer, nicht weil ich einen Menschen gemordet hätte, folterst du mich so, oder weil ich wider Gott gefrevelt hätte, sondern weil ich vor

ein göttliches Gesetz den Schild halte. 16 Da sagten die Speerträger zu ihm: Willige doch ein und iß, damit du der Foltern ledig wirst! 17 Er

aber sprach: Euer Rad ist nicht so mächtig, ihr schmutzigen Knechte, daß es meine Vernunft erdrosseln könnte. Zerschneidet meine Glieder,

verbrennet mein Fleisch in einzelnen Stücken, verrenkt meine Gelenke! 18 Bei allen diesen Foltern will ich euch zeigen, daß einzig die

Söhne der Hebräer im Kampfe für die Tugend unbesiegbar sind. 19 Während er noch so redete, machten sie unter ihm ein Feuer an und

spannten unter fortwährendem Anfachen das Rad immer mehr an. 20 Überall wurde da das Rad mit Blut befleckt, die aufgehäuften

glühenden Kohlen verlöschten durch das viele herabtröpfelnde Blutwasser, und die Fleischstücke fuhren umher um die Aschen-Enden der

Maschine. 21 Aber trotzdem ihm bereits das Knochengerüst überall zu schmelzen begann, seufzte der hochgemute und abramäische Jüngling

nicht. 22 Vielmehr, als wäre ihm im Feuer durch Verwandlung Unzerstörbarkeit verliehen worden, ertrug er voll Adel die Foltern: 23 Folgt

meinem Beispiele, Brüder, so rief er, desertiert nicht aus meiner Kämpferschar, schwört nicht ab, sondern beweist, daß auch im wackeren

Mut ein Bruderbund zwischen euch und mir besteht. Kämpft einen hehren und edlen Kampf um die Frömmigkeit, 24 durch den die gerechte,

von unseren Vätern verehrte Vorsehung unserem Volke gnädig sein und den verruchten Tyrannen bestrafen wird! 25 Als der

hochehrwürdige Jüngling dies gesagt hatte, hauchte er seine Seele aus.

26 Doch während sich noch alle über seine Seelenstärke verwunderten, schleppten die Speerträger schon den Zweitältesten heran, legten sich

die eisernen Hände an und schlossen ihn mit den spitzen Krallen an die Maschinen und die Schwinge an. 27 Als sie aber vor der Folterung

auf die Frage, ob er essen wolle, die Antwort von Adel vernommen hatten, 28 krallten ihm die Pantherbestien in der ganzen Gegend von den

Nackensehnen bis zum Kinn die eisernen Hände ins Fleisch, zogen an und rissen ihm die Kopfhaut ab. Er jedoch ertrug voll Stärke diesen

Schmerz und sprach: 29 Wie süß ist doch, in jeder Form, der um der Frömmigkeit unserer Väter willen erlittene Tod! Zu dem Tyrannen aber

sprach er: 30 Glaubst du nicht selbst, du rohester aller Tyrannen, daß du in diesem Augenblicke schlimmer gefoltert wirst als ich? Mußt du es

doch mit ansehen, wie deine übermütige Tyrannenvernunft gedemütigt wird durch unsere Standhaftigkeit um der Frömmigkeit willen. 31

Denn ich, ich fühle durch die die Tugend begleitenden Freuden meinen Schmerz gemildert. 32 Du aber, du wirst mitten in deinen gottlosen

Drohungen gefoltert und wirst, du schmutzigster der Tyrannen, den Strafen des göttlichen Zornes nicht entrinnen!

1 Als er dann den Ruhmestod standhaft ertragen hatte, wurde der Dritte herangeschleppt, von vielen inständig ermahnt, doch zu essen und

sich so zu retten. 2 Er aber schrie auf: Wisset ihr denn eigentlich gar nicht, daß mich derselbe Va ter erzeugt hat, wie die Getöteten, daß mich

dieselbe Mutter geboren hat, daß ich auf dem Grunde derselben Lehrsätze erzogen bin? 3 Ich schwöre ihn nicht ab, den adelsverwandten

Bruderbund! 4 Wenn ihr gegen diese Macht ein Strafmittel habt, nur heran damit, aber nur an meinen Körper! Meine Seele werdet ihr, selbst

wenn ihr diese Absicht hättet, nicht antasten! 5 Jene aber, erbittert über den Freimut des Mannes, renkten ihm mit Gliederverrenkmaschinen

Hände und Füße aus, hoben die einzelnen Glieder aus den Gelenken 6 und zerbrachen ihm Finger, Arme, Schenkel und Ellenbogen. 7 Da sie

aber in keiner Weise sein Leben zu ersticken vermochten, zerrten sie ihm die ganze Haut mitsamt den äußersten Fingerspitzen herunter,

skalpierten ihn nach Skythenart und legten ihn dann sofort auf das Rad. 8 Um dieses herumgebunden, sah er, während ihm vom Wirbel an

die einzelnen Glieder zerstückelt wurden, wie sein Fleisch zerfetzt wurde, und an seinen Eingeweiden die Blutstropfen herabrannen. 9 Da, im

Augenblicke des Todes sprach er: 10 Wir, du schmutzigster der Tyrannen, wir erdulden solches um der gottgefälligen Zucht und Tugend

willen; 11 du aber wirst um der Gottlosigkeit und Blutschuld willen unaufhörliche Martern erdulden!

12 Nachdem auch er seiner Brüder würdig gestorben war, führten sie den Vierten herbei und sprachen: 13 Sei du doch nicht derselbe Narr,

wie deine Brüder, sondern gehorche dem König und rette dich! 14 Er aber erwiderte ihnen: So heiß brennt das Feuer, das ihr wider mich

angesteckt habt, nicht, daß ich ein feiger Mann werden müßte. 15 Bei dem glückseligen Tode meiner Brüder und dem ewigen Verderben des

Tyrannen und dem ruhmvollen Leben der Frommen, ich will den adeligen Bruderbund nicht verleugnen! 16 Ersinne nur, Tyrann, Martern:

auch durch sie sollst du nur lernen, daß ich der Bruder der vor mir Gemarterten bin! 17 Als dies der blutdürstige, mordgierige und

allerschmutzigste Antiochos hörte, befahl er, ihm die Zunge auszuschneiden. 18 Er aber erwiderte: Wenn du mir auch das Werkzeug der

Sprache raubst, Gott hört auch die Stummen. 19 Siehe, herausgestreckt ist meine Zunge! Schneide sie ab! Du wirst deswegen doch nicht

unserer Vernunft die Zunge abschneiden. 20 Gern lassen wir uns für Gott die Glieder des Leibes verstümmeln. 21Vor dich aber wird in

kurzer Frist Gott hintreten; denn die Zunge, die du abschneidest, ist der Gotteshymnen Sängerin!

1 Als nun auch dieser den Foltertod erlitten hatte, sprang der Fünfte vor und rief 2 Ich gedenke, Tyrann, mich zu der für die Tugend zu

erduldenden Folterqual nicht erst nötigen zu lassen, 3 sondern von selbst bin ich selbständig vorgetreten, damit du, auch mich tötend, dir

Frevel, derentwegen du der himmlischen Gerechtigkeit Strafe schuldest, noch mehr anhäufst. 4 Du Tugend- und Menschenhasser, was haben

wir begangen, daß du uns derart vergewaltigst? 5 Oder kommt es dir etwa als etwas Böses vor, daß wir den Schöpfer des Alls fromm

verehren und nach seinem Tugendgesetze leben? 5 Aber ein solches Verhalten ist doch der Ehren und nicht der Foltern wert, 7 wenn anders

du ein Gefühl für die Sehnsuchtsgedanken des Menschen und eine Hoffnung auf ein Heil bei Gott hättest. 8 Tatsächlich aber bist du Gott

entfremdet und streitest wider die, welche voll Frömmigkeit sind gegen Gott! 9 Während er noch so sprach, banden ihn die Speerträger und

zerrten ihn zur Schwinge, 10 banden ihn mit den Knieen darauf, spannten diese in eiserne Fußschellen und beugten seine Hüfte um den

Radkeil hernieder. Hierum wie ein Skorpion auf das Rad zurückgebogen, wurde er Glied für Glied zerstückelt. 11 In diesem Zustande sprach

er, beengten Atems und erstickenden Körpers: 12 Herrlich sind, Tyrann, wider deinen Willen die Gnaden, mit denen du uns begnadest;

herrlich, weil du es uns vergönnst, durch die edelsten Leiden die Stärke unserer Gesetzestreue zu zeigen!

13 So starb auch dieser. Als aber der sechste junge Bursche vorgeführt wurde und der Tyrann sich erkundigte, ob er essen und freigelassen

werden wolle, da erwiderte dieser: 14 Ich, ich bin an Alter jünger als meine Brüder, an Überlegung aber ihr Altersgenosse. 15 Denn für die

gleiche Sache geboren und erzogen, sind wir für die gleiche Sache in gleicher Weise schuldig zu sterben. 16 Deshalb, wenn du es für gut

befindest, die zu foltern, die den Genuß des Unreinen ablehnen, so foltere nur! 17 Nach diesen seinen Worten führten sie ihn zum Rade. 18

Auf dieses wurde er regelrecht gespannt; dann wurden ihm die Wirbel ausgerenkt, während er von unten langsam verbrannt wurde. 19

Endlich machten sie spitze Spieße glühend, hielten sie ihm an den Rücken und verbrannten ihm, durch die Seiten stechend, noch die

Eingeweide. 20 Er aber rief in seinen Folterqualen: O wie hochwürdig ist der Wettkampf, bei welchem wir, einen solche Brüderschar, um

der Frömmigkeit willen zu schmerzensreicher Übung berufen und nicht besiegt worden sind! 21 Denn unbesiegbar ist, du Tyrann, die

fromme Bildung. 22 Mit Tugend gewappnet, will auch ich mit meinen Brüdern sterben 23 und dadurch auch für mein Teil einen Gewaltigen

über dich bringen, der deine Blutschuld ahndet, du Erfinder von Foltern, du Feind des wahrhaftigen Frommen!

24 Sechs junge Bürschchen sind wir und haben deine Tyrannei zunichte gemacht. 25 Denn daß du außer Stande warst, unsere Vernunft

umzustimmen und uns zum Genusse des Unreinen zu zwingen, ist das nicht dein Sturz? 26 Dein Feuer ist kühl für uns, schmerzlos sind deine

Schwingen und kraftlos deine Gewalt. 27 Denn nicht eines Tyrannen, sondern eines göttlichen Gesetzes Speerträger stehen vor uns. Deshalb

ist unsere Vernunft unbesiegbar!

1 Nachdem auch dieser glückselig verschieden war - man hatte ihn in einen Kessel geworfen -, trat der Siebente vor, der Allerjüngste. 2 Mit

ihm hatte der Tyrann, obwohl er von dessen Brüdern furchtbar gepeinigt worden war, Mitleid. 3 Und als er sah, daß man ihm schon die

Fesseln anlegte, ließ er ihn näherkommen und versuchte ihm durch folgende Worte zuzureden: 4 Wie deiner Brüder Wahnsinn endet, das

siehst du: um ihres Ungehorsams willen sind sie peinlich hingerichtet worden. Du, wenn du nicht gehorchst, wirst ebenfalls grauenvoll

gefoltert werden und einen vorzeitigen Tod sterben. 5 Gehorchst du aber, so sollst du Freund sein und an den Regierungsgeschäften

119

teilnehmen. 6 Unter solchen Mahnworten ließ er die Mutter des Knaben näher herankommen, um sie, der schon so viele Söhne geraubt

waren, durch sein Mitleid dazu zu bringen, den übriggebliebenen Sohn zum rettenden Gehorsam zu bewegen. 7 Der aber, als die Mutter ihn

in hebräischer Sprache ermahnt hatte -wovon wir gleich noch reden werden -, 8 sagte: Laßt mich los! Ich habe dem König und allen

Freunden in seinem Gefolge etwas zu sagen. 9 Hocherfreut über die Ankündigung des Knaben, ließen sie ihn da eiligst los. 10 Und er sprang

in die Nähe der Pfannen und rief: 11 Du frevelhafter Tyrann, du gottlosester aller Schlechten, du scheutest dich nicht, nachdem du Güter und

Herrschaft von Gott empfangen hast, dessen Diener zu töten und die der Frömmigkeit sich Widmenden zu martern. 12 Zur Vergeltung dafür

hebt dich die göttliche Gerechtigkeit für ein stärkeres und ewiges Feuer auf und für Qualen, die dich in alle Ewigkeit nicht loslassen werden.

13 Du scheutest dich nicht, trotzdem du ein Mensch bist, du viehisches Scheusal, den Wesen, die dasselbe empfinden und die aus denselben

Stoff gebildet sind wie du, die Zunge auszuschneiden und auf so schändliche Weise Qualen und Martern zu bereiten. 14 Sie freilich haben

durch ihren adeligen Tod ihre Frömmigkeit gegen Gott zur Vollendung gebracht; 15 du aber sollst noch elendiglich darüber jammern, daß du

die Tugendkämpfer ohne Grund gemordet hast. 16 Deshalb will auch ich, fuhr er fort, dem Tode zwar ins Auge blickend, 17 der Sache nicht

abtrünnig werden, für die meine Brüder Zeugnis abgelegt haben. 18 Ich rufe den Gott der Väter an, daß er meinem Geschlechte gnädig sei.

19 Dich aber soll er in diesem Leben und nach deinem Tode bestrafen! 20 Nach diesem Gebete stürzte er sich selbst in die Pfannen und gab

seinen Geist auf.

1 Wenn nach alledem die Sieben Brüder die Schmerzen bis in den Tod verachtet haben, so dürfen wir von der Wahrheit des Satzes, daß

Selbstherrscherin der Triebe die fromme Vernunft ist, ebenso völlig überzeugt sein, 2 wie wir ja auch, angenommen, sie hätten, von den

Trieben zu Sklaven gemacht, Unreines gegessen umgekehrt zugeben müßten, sie seien von den Trieben besiegt worden. 3 Nun ist aber dies

Letztere nicht der Fall. Vielmehr durch die bei Gott in hohem Ansehen stehende Vernunft waren sie stärker als die Triebe. 4 Auch die

Oberherrschaft ihrer Überlegung kann nicht übersehen werden: beherrschten sie doch den Trieb und die Leiden. 5 Wie sollte man da die der

vernünftigen Überlegung zustehende Herrschaft über die Triebe denen nicht zuerkennen, die sich um des Feuers Pein nicht kümmerten? 6

Wie nämlich die ins Meer hinausgebauten Hafentürme die dräuenden Wogen zurückwerfen und den Einfahrenden einen ruhigen Ankerplatz

gewähren, 7 so war die siebentürmige vernünftige Überlegung der Jünglinge ein Bollwerk für den Hafen der Frömmigkeit und überwand die

Zügellosigkeit der Triebe. 8 War es doch ein hehrer Chor der Frömmigkeit, den sie darstellten. Ermunterten sie einander doch mit solchen

Worten: 9 Brüderlich laßt uns, Brüder, für das Gesetz sterben! Laßt uns nachahmen den Drei Jünglingen in Syrien, die den Ofen verachteten,

obschon er ihnen die den unserigen gleichen Martern bereitete! 10 Laßt uns nicht feige sein, wo es gilt, den Beweis der Frömmigkeit zu

führen! 11 Getrost, Bruder! rief einer; ein anderer: Wacker ausgehalten! 12 wieder ein anderer: Gedenket daran, von wem ihr abstammt!

oder: Wer war doch der Vater, durch dessen Hand sich schlachten zu lassen Isaak um der Frömmigkeit willen geduldig bereit war? 13 Mann

für Mann blickten sie sich aber auch insgesamt strahlend und hochgemut an und sprachen: Von ganzem Herzen wollen wir uns dem Gotte

weihen, der die Seelen gab, und unsere Leiber dahingeben als Schutzwehr um das Gesetz. 14 Wir wollen uns vor dem nicht fürchten, der da

meint, er könne töten. 15 Denn schwer ist der Seele Kampfesmühe und Gefahr, die in der ewigen Qual aufbehalten ist denen, die das Gebot

Gottes übertreten haben. 16 So wollen wir uns denn wappnen mit der triebbeherrschenden göttlichen Vernunft! 17 Wenn wir in dieser Kraft

gelitten haben, dann werden uns Abraham, Isaak und Jakob aufnehmen und die Väter alle uns Lob spenden! 18 Einem jeden einzelnen der

Brüder überdies, der weggeschleppt wurde, riefen die zurückbleibenden zu: Mache uns keine Schande, Bruder, und die in den Tod

vorausgegangenen mache nicht zu Lügnern!

19 Aber ihr wißt es ja selbst recht wohl, über welche Zauberkräfte die Bruderliebe verfügt. Ist es doch die göttliche und allweise Vorsehung,

die sie bei der Zeugung den Kindern durch die Väter zuerteilte und durch den Mutterleib einpflanzte. 20 In diesem wohnte dann jeder Bruder

gleichlange Zeit, entwickelte sich in gleichlanger Zeit, erhielt von dem gleichen Blute sein Gedeihen und von der gleichen Seele seine Reife,

2l wurde dann nach Ablauf einer gleichlangen Zeit zur Welt gebracht und trinkt Milch aus den gleichen Quellen: kurz, so kommt es, daß die

Seelen schon von Tragekindern sich voll Bruderliebe eng aneinander schließen. 22 Sie wachsen dann mehr und mehr heran unter

gemeinsamer Zucht, unter täglichem Zusammensein, unter den übrigen Bildungseinflüssen und bei uns unter der Übung im Gesetze Gottes.

23 Da es nun um die Innigkeit der Bruderliebe überhaupt so bestellt ist, so hatten auch die Sieben Brüder untereinander ein recht inniges,

einmütiges Verhältnis. 24 Denn in demselben Gesetz erzogen und in denselben Tugenden geübt und in der gerechten Lebensführung zusammen

groß geworden, liebten sie sich stärker und stärker. 25 Steigerte doch ihr gemeinsamer Eifer für die Tugend ihre Einmütigkeit

untereinander. 26 Vermehrte doch in Gemeinschaft mit der Frömmigkeit die Vernunft die Inbrunst ihrer Bruderliebe. 27 Und obwohl durch

Natur, Zusammenleben und tugendhafte Gesinnung die Zauberkräfte ihrer Bruderliebe gestärkt wurden, hielten gleichwohl um der

Frömmigkeit willen die Überlebenden bei den Qualen ihrer Brüder aus, trotzdem sie mit ansehen mußten, daß sie zu Tode gefoltert wurden;

1 ja sie feuerten sie noch an, die Qual auf sich zu nehmen. So haben sie nicht nur die Schmerzen verachtet, sondern auch die Triebe der

Bruderliebe beherrscht.

2 O Vernunftgedanken, königlicher als ein König und freier als Freie! 3 O über die hehre und harmonische Übereinstimmung der Sieben

Brüder in der Frömmigkeit ! 4 Kein einziger der sieben jungen Burschen zagte oder zauderte, als es zum Sterben ging, Ssondern alle liefen

mit einer Eile zu dem peinlichen Tod, als seien sie auf dem Wege zur Unsterblichkeit. 6 Denn wie sich Hände und Füße harmonisch nach

den Weisungen der Seele bewegen, so waren jene hehren Knaben kraft der Unsterblichkeit ihrer frommen Seele einmütig in dem

Entschlusse, für die Frömmigkeit zu sterben. 7 O allheilige Siebenzahl gleichgestimmter Brüder! Denn wie die sieben Schöpfungstage um

die heilige Siebenzahl, 8 so kreisten die jungen Knaben im Chor um die Frömmigkeit und machten die Furcht vor den Martern zu nichte. 9

Wir, wenn wir heute von den Leiden der Jünglinge hören, schaudern; sie aber waren weder bloße Augen- noch bloße Ohrenzeugen, als der

sofort auszuführende Drohbefehl gegeben wurde, sondern sie mußten seine Ausführung erdulden und, was noch mehr heißen will, sie

wurden durch die Qualen des Feuers erst recht standhaft. 10 Und was wäre wohl schmerzhafter als diese? Zerstört doch des Feuers scharfe

und schnelle Macht rasch die Leiber.

Das Martyrium der Mutter.

11 Und doch, für etwas besonders Wunderbares braucht ihr es nicht zu halten, daß die Vernunft über jene Männer in den Martern Gewalt

hatte: hat doch selbst eines Weibes Verstand noch ganz andere Schmerzen verachtet. 12 Ich meine die Mutter der Sieben Jünglinge:

erduldete sie doch die Folterqualen eines jeden einzelnen ihrer Kinder! 13 Nun überlegt euch aber einmal, wie vielgeflochten das Liebesband

der Liebe zu den Kindern ist, das alle anderen Triebe an das Mitgefühl des Herzens kettet, 14 selbst den unvernünftigen Tieren, die ja das

gleiche liebende Mitgefühl mit ihren Jungen haben, wie die Menschen. 15 Zum Beispiel bei den Vögeln. Da beschirmen die zahmen ihre

Jungen dadurch, dass sie unter den Dächern der Häuser nisten; 16 die anderen hindern das Herankommen, indem sie auf den Gipfeln der

Berge und in Felsenabhängen und in Baumlöchern oder -Wipfeln brütend ihre Jungen hecken. 17 Wenn es ihnen aber trotzdem einmal nicht

gelingt, jemanden fernzuhalten, so flattern sie in liebevollem Schmerz um sie herum, rufen sie zwitschernd zu sich herbei und leisten dadurch,

so gut sie es eben können, den Jungen Hilfe. 18 Doch was braucht man das Mitgefühl der unvernünftigen Tiere mit ihren Jungen noch

erst zu erweisen, 19 wo doch auch die Bienen in der Zeit des Wabenbaus die sich Nähernden abwehren, mit ihrem Stachel wie mit eiserner

Waffe die ihrer Brut sich Nähernden verwunden und so bis in den Tod abwehren? 20 Aber nicht so die dem Abraham an Gesinnung

gleichende Mutter der Jünglinge! Sie ließ sich durch das Mitgefühl mit ihren Kindern nicht umstimmen.

1 O über die Vernunft von Kindern, die der Triebe Gebieterin geworden! O über die Frömmigkeit, die einer Mutter teurer war als selbst ihre

so überaus vortrefflichen Kinder! 2 Eine Mutter, welche die Wahl hatte zwischen zwei Möglichkeiten, der Frömmigkeit und der zeitlichen

Rettung ihrer sieben Söhne nach des Tyrannen Verheißung, - 3 sie liebte die Frömmigkeit mehr, die ins ewige Leben rettet nach Gottes

Verheißung! 4 O mit welchen Worten könnte ich das innerste Wesen jener Triebe schildern, kraft deren Eltern ihre Kinder lieben? Den

Stempel der Ähnlichkeit mit unserer eigenen Seele und Gestalt drücken wir dem zarten Kindeswesen wunderbar auf, ganz besonders die

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Mütter, weil sie für die von ihnen Geborenen ein innigeres Mitgefühl haben als die Väter. 5 Denn so schwach die so häufigen Krisen

ausgesetzten Mütter ihrer Natur nach sind, so viel lieber als die Väter haben sie die Kinder. 6 Von allen Müttern aber hatte die Mutter der

Sieben ihre Kinder am liebsten, - sie, der in sieben Schwangerschaften die zärtliche Liebe zu ihnen eingepflanzt 7 und der durch die vielen

Wehen bei einem jeden einzelnen das Mitgefühl mit ihnen aufgezwungen worden war, 'die aber trotzdem um der Gottesfurcht willen die

zeitliche Rettung ihrer Kinder außer acht ließ. 8 Doch nein! die Gründe ihrer einzigartigen Mutterliebe sind noch nicht erschöpft, vielmehr

war ihre zärtliche Liebe zu ihren Söhnen auch wegen ihrer Tugend und ihres treuen Gehorsams gegen das Gesetz noch inniger: 10 Waren sie

doch gerecht, besonnen, mannhaft, hochherzig, voll Bruderliebe und von solcher Liebe zu ihrer Mutter, daß sie ihr durch Befolgung der Verordnungen

bis in den Tod Gehorsam leisteten. 11 Aber trotz alledem, obschon so starke Gründe der Liebe zu den Kindern die Mutter an das

Mitgefühl ketteten, vermochten doch die allerverschiedensten Martern ihre Vernunft bei keinem einzigen ihrer Söhne vom rechten Wege zu

bringen, 12 sondern jeden einzelnen ihrer Söhne und alle zusammen ermunterte sie, die Mutter, zu dem Tode der Frömmigkeit. 13 O du

hehre Natur, o ihr Zauberkräfte der Eltern, o Schöpfung, du liebevolle Erzieherin, o ihr unbezwingbaren Muttertriebe! 14 Einen Sohn nach

dem anderen sah die Mutter gefoltert und gebrannt, aber sie blieb fest um der Frömmigkeit willen. 15 Das Fleisch ihrer Kinder sah sie in

Stücken auf dem Feuer schmelzen, wie Zehen und Finger auf der Erde zucken, die Fleischteile des Kopfes eines jeden bis zur Kinngegend

wie Masken daliegen. 16 O Mutter, wie viel bitterer als die Wehen bei ihrer Geburt sind die Schmerzen, durch die du jetzt versucht wurdest!

17 O Weib, du einzige, welche die vollkommene Frömmigkeit zur Welt geboren hat! 18 Vom rechten Wege brachte dich nicht ab der

Erstgeborene, als er seinen Geist aufgab, nicht der Zweite, als er in seinen Qualen dich Ärmste anblickte, nicht der Dritte, als er seine Seele

aushauchte. 19 Du aber, du sahst die Augen eines jeden einzelnen in seinen Qualen stieren Blicks auf ihre Folterung starren und ihre Nüstern

die Nähe des Todes anzeigen, aber du weintest nicht. 20 Du sahst das Fleisch deiner Kinder in immer neuen Stücken verbrennen, sahst wie

ihnen Hand um Hand abgeschnitten, Kopf um Kopf abgehauen wurde und Leiche auf Leiche stürzte, sahst den Ort, wo deine Kinder standen,

um ihrer Qualen willen von einer gaffenden Menschenmasse besetzt, aber du hattest keine Tränen. 21 So verlocken nicht die Lieder der

Sirenen, noch die Stimmen der Schwäne die Hörer zur Aufmerksamkeit wie die Stimmen von gequälten Kindern, die nach der Mutter

schreien. 22 Wie schlimm und arg müssen doch die Qualen gewesen sein, von denen sie, die Mutter, da gequält wurde, als ihre Söhne mit

Rädern und Brennwerkzeugen gequält wurden! 23Aber mitten in den Trieben war es die fromme Vernunft, die ihr das Herz mutig dem Entschlusse

zuwandte, die zeitliche Mutterliebe außer acht zu lassen, 24 trotzdem diese den Untergang von sieben Kindern und der Foltern

vielfältige Fülle schaute: sie alle machte die edle Mutter kraft ihres Glaubens an Gott zu nichte. 25 Als stünde sie im Rathause, so schaute sie

in ihrer Seele die gestrengen Ratsherren Natur, Schöpfung, Liebe zu den Kindern und Folterung der Kinder, 26 so hielt sie, die Mutter, zwei

Stimmsteinchen in der Hand, ein todbringendes und ein die Kinder errettendes: 27 und doch wollte sie von der Rettung von sieben Kindern

auf kurze Zeit nichts wissen, 28 sondern der Standhaftigkeit des gottesfürchtigen Abraham gedachte seine Tochter. 29 Ja, du Mutter des

Volks, du Rächerin des Gesetzes und Beschirmerin der Frömmigkeit, du Preisgekrönte des Kampfes, bei dem das Herz zu ringen hat, 30 in

der Standhaftigkeit warst du edler als Mannen und in der Ausdauer mannhafter als Männer! 31 Wie die Arche Noahs, in der

weltüberschwemmenden Flut die Welt in sich bergend, die gewaltigen Wogen aushielt, 32 So hast du, du Gesetzeswächterin, von allen

Seiten in der Flut der Triebe umbrandet und von gewaltigen Winden, den Qualen deiner Söhne, bedräut, den über die Frömmigkeit

brausenden Stürmen wacker standgehalten.

1 Wenn nach alledem ein Weib, noch dazu Greisin und Mutter von sieben Söhnen, den Todesqualen ihrer Söhne zusehen und doch

standhalten konnte, so ist die fromme Vernunft sonnenklar Selbstherrin der Triebe. 2 Den Beweis habe ich jedenfalls erbracht, nicht nur, daß

Männer ihre Begierden beherrschten, sondern auch, daß ein Weib die größten Qualen verachtete. 3 ja so grimmig waren nicht die Löwen um

Daniel, noch des Misael aufs Gierigste brennender Feuerofen wie die natürliche Mutterliebe, die jene Frau bei dem Anblick ihrer sieben

gefolterten Söhne umzüngelte. 4 Doch mit der Frömmigkeit der Vernunft löscht selbst sie, die Mutter, die so gewaltigen und so heftigen

Triebe aus.

5 Ihr könnt euch ja auch einmal den Fall des Gegenteils überlegen: angenommen, die Frau wäre, obwohl sie Mutter war, feige gesinnt

gewesen, dann hätte sie doch wohl um jene gejammert und vielleicht folgendermaßen geredet: 6 O ich Elende und immer wieder dreimal

Unglückselige! Sieben Söhne habe ich geboren und bin doch jetzt die Mutter nicht eines einzigen! 7 O vergeblich sind sieben

Schwangerschaften gewesen, unnütz siebenmal zehn Monde, fruchtlos die Jahre der Pflege, unheilvoll die Zeiten, da ich mit meiner Milch

sie nährte! 8 Umsonst ist's, ihr Söhne, daß ich euretwegen so viele Wehen erduldet habe und die noch schwereren Sorgen des Großziehens! 9

O über meine Söhne! Die einen unvermählt, die anderen unnütz vermählt! Nicht darf ich von euch Kinder schauen, nicht Großmutter heißen

und mich deswegen glücklich preisen lassen! 10 O, daß ich die Mutter so vieler und so schöner Söhne bin und doch eine Witwe und

Verlassene voller Tränen! Und wenn ich gestorben bin, dann werde ich keinen Sohn haben, der mich begräbt! 11 Doch mit nichten

bejammerte die hehre und gottesfürchtige Mutter mit solcher Klage auch nur einen einzigen, 12 mahnte auch keinen einzigen vom Sterben ab

und betrauerte auch nicht die Getöteten. 13 Im Gegenteil: als hätte sie einen stählernen Sinn, und als gälte es, die Vollzahl ihrer Söhne

wiederzugebären in die Unsterblichkeit, ermahnte sie diese vielmehr im Interesse der Frömmigkeit flehentlich zum Tode. 14 O Mutter, du

Streiterin Gottes um der Frömmigkeit willen, obwohl nur eine Greisin und ein Weib! Mit Standhaftigkeit besiegtest du selbst den Tyrannen

und wurdest in Taten und Worten mächtiger als er erfunden, obwohl nur eine Witwe! 15 Als du mitsamt deinen Knaben ergriffen wurdest,

nicht wahr, da standest du unter dem Eindruck der Martern des Eleazaros und sagtest zu deinen Knaben auf hebräisch: 16 Knaben, das ist ein

edler Kampf; werdet ihr zu ihm berufen, um Zeugnis abzulegen für das Volk, so kämpft getrost für das väterliche Gesetz! 17 Das wäre ja

eine Schande, wenn ihr, wo doch dieser Greis die Schmerzen um der Frömmigkeit willen erträgt, als die Jüngeren vor den Qualen

zurückschrecken wolltet. 18 Gedenket daran, daß Gott es ist, durch den ihr an der Welt teilhabt und euch des Lebens erfreut. 19 Deshalb seid

ihr schuldig, um Gottes willen jede Mühsal zu erdulden. 20 Um seinetwillen geschah es, daß auch unser Vater Abraham eilte, seinen Sohn,

den Völkervater, zu schlachten, und daß Isaak, als er die schwertbewaffnete väterliche Hand auf sich niederzucken sah, nicht erschrak. 21

Daniel der Gerechte wurde in die Löwengrube geworfen, Ananias, Azarias und Misael wurden in den Feuerofen geschleudert: und sie

harrten aus um Gottes willen. 22 Darum auch ihr, die ihr den selben Glauben an Gott habt: seid nicht betrübt! 23 Denn das wäre doch unvernünftig,

sich auf die Frömmigkeit zu verstehen und doch unfähig zu sein, den Leiden Widerstand zu leisten!

24 Mit diesen Worten mahnte die Mutter der Sieben jeden einzelnen ihrer Söhne und bewog ihn, eher zu sterben als das Gebot Gottes zu

übertreten, 25 zumal sie ja auch außerdem wußten, daß sie, wenn sie um Gottes willen stürben, Gotte leben würden, wie Abraham, Isaak und

Jakob und alle Erzväter.

1 Es erzählten übrigens noch einige der Speerträger, daß sie, als auch sie zum Tode geschleppt werden sollte, sich selbst in den

Scheiterhaufen gestürzt habe, damit niemand ihren Leib berühre.

2 O Mutter, die du mitsamt deinen Sieben Knaben die Gewalt des Tyrannen zu nichte gemacht, seine bösen Anschläge vereitelt und den

Adel des Glaubens erwiesen hast! 3 Denn wie ein Dach, stark gestützt auf deine Knaben als Säulen, so hieltest du die Erschütterung durch

das Erdbeben der Martern aus, ohne zu wanken. 4 Getrost deshalb, du Mutter mit der hehren Seele! Ist dir doch die Hoffnung auf Gott, die

dich ausharren ließ, verbürgt! 5 So erhaben steht nicht der Mond am Himmel mitsamt den Sternen, wie du, die du deine sternengleichen

Sieben Knaben den Lichtesweg zur Frömmigkeit geführt, bei Gott in Ehren stehst und samt ihnen im Himmel eine feste Stätte hast! 6 War es

doch der Vater Abraham, nach dem du dich im Werke der Kinderzucht gerichtet hattest.

Schluß.

7 Wenn es uns aber möglich wäre, wie auf einem Gemälde die Geschichte deiner Frömmigkeit zu malen, würde dann nicht ein Schauder alle

die ergreifen, die eine Mutter von sieben Kindern um der Frömmigkeit willen die mannigfachsten Qualen erdulden sähen? 8 Ja, es wäre auch

in der Ordnung, auf eben dieses Grabgemälde auch folgende Worte zum Gedächtnis für die Volksgenossen zu schreiben: 9 Hier sind

121

bestattet ein greiser Priester, ein greises Weib und Sieben Knaben durch die Gewalt eines Tyrannen, der Willens war, der Hebräer

Verfassung zu vernichten. 10 Sie haben das Volk gerettet, zu Gott aufblickend und den Folterqualen bis in den Tod standhaltend.

11 Ja wahrhaftig, ein göttlicher Kampf war es, der von ihnen gekämpft wurde. 12 Die Kampfespreise dabei hatte die Tugend ausgesetzt, und

diese fällte die Entscheidung nach der von den Kämpfern an den Tag gelegten Ausdauer. Der Sieg war die Unvergänglichkeit in einem lange

dauernden Leben. 13 Eleazar war der Vorkämpfer, die Mutter der Sieben Knaben stand ringend dabei, die Brüder kämpften. 14 Der Tyrann

war der Gegner im Kampfe, die Welt und die Menschheit waren die Zuschauer. 15 Siegerin aber blieb die Gottesfurcht, die dann ihren

Athleten den Kranz reichte. 16 Wer sollte sie nicht anstaunen, die Athleten der göttlichen Gesetzgebung? Wer sollte vor ihnen nicht erbeben?

17 Er selbst wenigstens, der Tyrann, und der ganze Rat staunten ihre Ausdauer an ... 18 um derentwillen sie jetzt auch dem göttlichen Throne

nahestehen und die glückselige Ewigkeit leben. l9 Sagt doch auch Moses: Und alle Geheiligten sind unter deinen Händen. 20 Diese um

Gottes willen Geheiligten sind nun geehrt, nicht nur mit dieser himmlischen Ehre, Sonden auch dadurch, daß um ihretwillen die Feinde über

unser Volk keine Macht mehr hatten, 21 der Tyrann bestraft und das Vaterland geläutert wurde; 22 sind sie doch gleichsam ein Ersatz

geworden für die durch die Sünde befleckte Seele des Volks. Durch das Blut jener Frommen und ihren zur Sühne dienenden Tod hat die

göttliche Vorsehung das vorher schlimm bedrängte Israel gerettet.

23 Denn auf die Mannhaftigkeit ihrer Tugend und auf ihre Standhaftigkeit in den Folterqualen hatte der Tyrann sein Augenmerk gerichtet,

und so geschah es, daß Antiochos seinen Soldaten durch Herolde die Standhaftigkeit jener Leute als Vorbild verkünden ließ. 24 Und wirklich

hatte er in ihnen fortan wackere und mannhafte Leute im Feld- und Belagerungskrieg und besiegte und vernichtete alle seine Feinde.

1 O ihr Nachkommen des Abrahamssamens, Israeliten, folgt diesem Gesetz und seid in allen Stücken fromm, 2 in der Erkenntnis, daß der

Triebe Herrin die fromme Vernunft ist, und zwar nicht nur der von innen, sondern auch der von außen kommenden Schmerzen.

3 Wei1 jene um der Frömmigkeit willen ihre Leiber den Schmerzen preisgegeben haben, wurden sie nicht nur von den Menschen bewundert,

sondern auch der Teilhaberschaft am Göttlichen gewürdigt.

4 Und um ihretwillen erhielt das Volk Frieden, und man schlug, als man sich im Vaterlande mit neuer Treue zum Gesetze hielt, die Feinde in

die Flucht. 5 Und der Tyrann Antiochos - er ist auf Erden bestraft worden und wird auch nach seinem Tode noch gezüchtigt. Als er nämlich

die Jerusalemfiten nicht im Allergeringsten zu zwingen vermocht hatte, welsche Sitten anzunehmen und die väterlichen Satzungen mit einer

anderen Lebenshaltung zu vertauschen, 6 da war er von Jerusalem abgerückt und wider die Perser gezogen.

Es redete aber die Mutter der Sieben Söhne, die Gerechte, auch Folgendes zu ihren Kindern: 7 Ich war eine keusche Jungfrau und überschritt

nicht die Schwelle meines Vaterhauses; vielmehr hütete ich die erbaute Seite. 8 Nicht schändete mich ein Verderber an einsamen Ort, ein

Schänder auf dem Felde; auch verdarb mir nicht die Keuschheit meiner Jungfrauschaft ein Verderber durch Betrug, eine Schlange. In der

Zeit meiner Jugendblüte blieb ich mit meinem Manne verbunden. 9 Als diese aber groß wurden, da starb der Vater. Glückselig ist er deswegen

zu preisen; hat er doch die Zeit des Kindersegens sich ausgesucht und brauchte deshalb die Stunde der Kinderlosigkeit nicht zu

erleben. 10 Er pflegte euch, als er noch bei uns war, das Gesetz und die Propheten zu lehren. 11 Die Ermordung Abels durch Kain pflegte er

uns vorzulesen und die Brandopferung Isaaks und Joseph im Gefängnis. 12 Zu sprechen pflegte er mit uns von dem Eiferer Phinees und euch

zu belehren über Ananias, Azarias und Misael im Feuer, 13 zu rühmen und glückselig zu preisen Daniel in der Löwengrube, 14 euch die

Schrift des Jesaia einzuprägen, die da sagt: Und wenn du auch durchs Feuer gehst, so soll dich die Flamme doch nicht verbrennen, 15 pflegte

uns den Hymnendichter David zu singen, der da sagt: Viel sind der Leiden der Gerechten, 16 und den Spruchredner Salomo anzuführen, der

da sagt: Einen Baum des Lebens haben alle, die seinen Willen tun. 17 Dem Hesekiel pflegte er recht zu geben, der da sagt: Werden diese

verdorrten Gebeine wieder aufleben? 18 Auch den Gesang, den Moses gelehrt hat, vergaß er nicht, der da lehrt: Ich werde töten und werde

lebendig machen. 19 Dies ist euer Leben und die Länge eurer Tage.

20 O jenes furchtbaren und doch nicht furchtbaren Tags, als der furchtbare Hellenentyrann, unter den grausigen Kesseln Feuer mit Feuer

löschend, heißen Grimms die Sieben Knaben der Abrahamitin zur Schwinge und von Neuem zu seinen Foltern schleppte, 21 ihre Augäpfel

durchbohrte, ihre Zungen ausschnitt und sie unter den mannigfachsten Folterqualen mordete! 22 Dafür hat die göttliche Gerechtigkeit den

Verruchten gestraft und wird ihn in der Ewigkeit strafen. 23 Die abrahamiäischen Knaben aber samt der preisgekrönten Mutter sind dem

Chore der Väter zugesellt, nachdem sie reine und unsterbliche Seelen empfangen haben von Gott, 24 welchem sie die Ehre in die Ewigkeiten

der Ewigkeiten! Amen.

Textquelle: Die Gemeinschaft von Qumran

In einem Querschnitt durch die bis in die jüngste Zeit bekanntgewordene apokryphe Literatur lassen sich einige Züge der Widerstandskraft

und des Lebenswillens Israels inmitten verschiedenartigster Zwangslagen und Verfolgungen feststellen. Nun ist uns seit 18 Jahren auf

besonders nahe und lebendige Art eine jener Gemeinschaften frommer Juden erstanden, eines der kleinen Überbleibsel von Israel, das sich

für besonders auserwählt hielt, inmitten der abtrünnigen Masse in Treue zum Bund zwischen dem Herrn und Abraham, dem Vater der

Gläubigen zu stehen. Die Geschichte der Entdeckung der Texte vom Toten Meer und zugleich der Gemeinschaft von Qumran ist bekannt.

Über die Gemeinde selbst unterrichten uns ihre Regel und die Hymnen.

Man beachte den Willen zur Weltabgeschiedenheit im Gegensatz zur Auffassung des erwählten Volkes, wodurch die Gedankenwelt und die

Geschichte der Juden bestimmt wurde. In der Bibel ist das ganze Volk dem Herrn zu eigen, und die Belehrung wie auch die Verkündigungen

der Propheten sind an alle gerichtet. Hier hingegen erfolgt die Trennung des jüdischen Volkes in Gute und Böse, wobei es sich nicht mehr

um eine Wahl durch Jahwe handelt, sondern um die Wahl, die die Menschen unter sich treffen. Der Bewerber stellt sich selbst zur Wahl und

wird durch die anderen aufgenommen oder abgelehnt. Der der hellenistischen Welt nahestehende Sektierergeist hat sich sogar der Reinsten

der Reinen bemächtigt. Nebenbei bemerkt man eine weitere Infiltration des Heidentums: der Herr wird als Gott der Erkenntnisse bezeichnet.

Das ist eine platonische oder gnostische Terminologie, die jedoch absolut nicht der Schrift entspricht. Was die Lehre der zwei Geister

betrifft, so ist die Verwandtschaft mit dem mazdaischen Dualismus unverkennbar. Es besteht zwar nicht wie bei den Persern der Begriff von

einem Gott des Guten und einem Gott des Bösen; jedoch ist im Alten Testament nirgends von zwei Prinzipien die Rede, die sich in die Welt

teilen. Nun bleibt uns noch der Hinweis auf eine allein den Gerechten vorbehaltene Geheimlehre, die der feststehenden Tradition der

Heiligen Schrift widerspricht und dem Geist der hellenistischen Sekten vergleichbar ist.

Anders ist die Denkart der Essener. In ihrer Verachtung der militaristischen Mittel der makkabäischen Sektierer und der erfolglosen

politischen Ränke, in denen sich die Pharisäer erschöpften, in ihrer Überzeugung, daß die Zeichen der Zeit auf den baldigen Anbruch des

Tages Jahwes und die Ankunft des Messias hinweisen, hatten sie sich von der bösen Welt zurückgezogen, festen Glaubens, daß sie der Herr

zu jeder Zeit abgrenzt, um einen kleinen Rest Getreuer zu erhalten. Sie hatten kein anderes Bestreben, als den Geist und den Buchstaben des

Gesetzes strengstens einzuhalten. Sämtliche Ruinen des Klosters von Qumran zeugen übrigens von einem Gebäude, das zum Zweck eines

streng rituellen Lebens errichtet wurde.

Textquelle: Buch der Regel der Einung

1. Ziel und Vorschriften der Gemeinschaft

... sein Leben .. in der Ordnung der Einung Gott (?) zu suchen ... das Gute zu tun und das Rechte vor Ihm, wie Er es befohlen durch Mose

und all Seine Knechte, die Propheten. Alles zu lieben, was Er erwählt und alles zu hassen, was Er verworfen. Sich fernzuhalten von allem

Bösen und anzuhangen allen Werken des Guten. Treue, Gerechtigkeit und Recht zu üben im Lande, nicht mehr zu wandeln in der

Verstocktheit schuldhaften Herzens und mit den Augen der Unzucht, um lauter Böses zu tun. Alle Willigen herbeizubringen, die Gesetze

Gottes im Gnadenbund zu erfüllen, in Einung zu leben in Gottes Gemeinde und vor Ihm vollkommen zu wandeln nach allem Offenbarten zu

122

den Zeiten ihrer Bezeugungen. Alle Söhne des Lichtes zu lieben, jeden nach seinem Los, in Gottes Gemeinde und alle Finsternissöhne zu

hassen, jeden nach seiner Verschuldung, in Gottes Rache. Und alle Willigen für Seine Wahrheit sollen all ihre Kenntnis und ihre Kraft und

ihr Vermögen in die Einung Gottes bringen, um ihre Kenntnis in der Wahrheit der Satzungen Gottes zu reinigen, ihre Kraft einzusetzen nach

der Vollkommenheit Seiner Wege und all ihr Vermögen nach dem Ratschluß seiner Gerechtigkeit. Kein einziges von allen Worten Gottes zu

überschreiten in ihren Zeitabschnitten, ihre Zeiten nicht vorzuverlegen und sich nicht zu verspäten mit allen ihren Terminen. Nicht

abzuweichen von den Gesetzen seiner Wahrheit, um nach rechts oder links zu gehen.

2. Aufnahme-Zeremonien

Und alle, die in die Ordnung der Einung eintreten, sollen vor Gott einen Bundesschluß eingehen, zu handeln gemäß allem, was Er befohlen,

und nicht von Ihm zu weichen, durch keinerlei Schrecken, Furcht und Not ... unter Belials Herrschaft. Und wenn sie in den Bund treten,

sollen die Priester und die Leviten den Gott der Heilstaten preisen und alle Werke Seiner Treue. Und alle, die in den Bund eintreten,

sprechen nach ihnen: Amen, Amen! Und die Priester zählen die Erweise der Gerechtigkeit Gottes durch Seine Machttaten auf und verkünden

alle Gnadenerweise der Barmherzigkeit an Israel. Und die Leviten zählen die Vergehen der Israeliten auf und all ihre schuldhaften

Freveltaten und ihre Sünden unter der Herrschaft Belials. Und alle, die in den Bund eintreten, bekennen nach ihnen: Wir haben uns

vergangen, wir haben gesündigt, wir haben gefrevelt, wir und unsere Väter vor uns, indem wir wandelten ... Wahrheit und Gerechtigkeit ...

Sein Gericht an uns und unseren Vätern... das Erbarmen Seiner Gnade erwies Er uns von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und die Priester segnen alle

Männer des Loses Gottes, die vollkommen wandeln auf all Seinen Wegen und sprechen: Er segne dich mit allem Guten und bewahre dich

vor allem Bösen. Er erleuchte dein Herz mit dem Verstande des Lebens und begnade dich mit dem ewigen Wissen, und Er erhebe sein

gnädigs Antlitz auf dich zu ewigem Frieden.

Und die Leviten verfluchten alle Männer des Loses Belials und heben an zu sprechen: Verflucht seist du in allen Freveltaten deiner

Verschuldung! Gott gebe dir Schrecken durch alle, die Rache ausüben und verordne dir die Vernichtung durch alle, die Vergeltung

heimzahlen. Verflucht seist du ohne Erbarmen gemäß der Finsternis deiner Werke, und verdammt seist du in der Dunkelheit ewigen Feuers.

Gott sei dir nicht gnädig, wenn du Ihn anrufst, und Er vergebe dir nicht, dein Vergeh'n zu entsühnen. Er erhebe Seines Zornes Antlitz zur

Rache an dir, und kein Friede sei dir im Munde aller Fürsprecher! Und alle, die in den Bund eintreten, sprechen nach denen, die segnen und

verfluchen: Amen, Amen. Und die Priester und Leviten fahren fort und sprechen: Verflucht sei, wenn er mit den Götzen seines Herzens den

Bundesschluß begeht, der in diesen Bund eintritt und den Anstoß zu seinem Vergehen vor sich hinstellt, um abtrünnig zu werden dadurch.

Und wenn er, die Worte dieses Bundes hörend, sich in seinem Herzen glücklich preist: Es wird mir schon gut gehen, wenn ich auch in der

Verstocktheit meines Herzens wandle, so werde sein Geist dahingerafft, das Trockene samt dem Bewässerten, ohne Vergebung. Gottes Zorn

und der Eifer Seiner Gerichte sollen wider Ihn zu ewiger Vernichtung entbrennen. Es haften an ihm alle Flüche dieses Bundes, und Gott

sondere ihn zum Unheil aus, und er werde ausgerottet aus der Mitte aller Söhne des Lichts in seinem Abfall von Gott! Wegen seinen Götzen

und dem Anstoß seines Vergehens gebe er ihm sein Los inmitten der ewig Verfluchten! Und alle, die in den Bund eintreten, heben an und

sagen nach ihnen: Amen, Amen.

So sollen sie es Jahr für Jahr, die ganze Zeit der Herrschaft Belials halten. Die Priester sollen zuerst den Bundesschluß begehen, in der

Rangordnung nach ihren Geistern, einer nach dem andern. Und die Leviten begehen nach ihnen den Bundesschluß, und das ganze Volke

begeht ihn an dritter Stelle, in der Rangordnung, einer nach dem andern, nach Tausendschaften und Hundertschaften und Fünfzigergruppen

und Zehnergruppen, auf daß jeder einzelne Israelit seinen Posten kenne in der Einung Gottes für die ewige Gemeinde. Keiner sei niedriger

als sein Rang oder erhebe sich über den Ort seines Loses. Denn alle sollen in wahrhafter Einung, gütiger Demut, liebevoller Verbundenheit

und in rechtem Denken sich einer gegenüber seinem Nächsten verhalten in der Gemeinde der Heiligkeit und als Söhne der ewigen

Gemeinschaft.

Und jeder, der es ablehnt, in den Bund zu kommen, um in der Verstocktheit seines Herzens zu wandeln, komme nicht in die Einung Seiner

Wahrheit, denn es verabscheute seine Seele die verpflichtende Erkenntnis der gerechten Satzungen. Nicht hielt er sich an den, der sein Leben

wendet, und zu den Rechtschaffenen wird er nicht gerechnet. Seine Kenntnis, seine Kraft und sein Vermögen dürfen nicht in die

Gemeinschaft der Einung kommen, denn nach böser > Untat< steht sein Streben, und Befleckung ist an seiner Umkehr. Er wird nicht gerecht

in der Verirrung der Verstocktheit seines Herzens, und Finsternis schaut er für Wege des Lichts, >und mit< den Vollkommenen wird er nicht

gerechnet. Nicht wird er schuldlos durch Sühneriten, kann sich nicht reinigen durch Reinigungswasser. Nicht kann er sich heiligen in Seen

und Flüssen, noch sich reinigen in jeglichem Wasser der Waschung. Unrein, unrein bleibt er, solang er die Satzungen Gottes verachtet, sich

nicht unter Zucht stellt in der Einung seines Rates. Denn durch den Geist des wahrhaften Ratschlusses Gottes werden die Wege des

Menschen entsühnt, alle seine Vergehen, um das Licht des Lebens zu schauen. Durch heiligmäßigen Geist für die Einung in seiner Wahrheit

wird er gereinigt von all seinen Sünden, durch rechtschaffenen Geist und durch Demut wird sein Vergehen gesühnt. Durch seine

Unterwerfung unter alle Gesetze Gottes wird gereinigt sein Fleisch, so daß er sich besprengen kann mit Reinigungswasser und sich heiligen

mit Wasser der Reinheit. Er setze seine Schritte fest, um vollkommen zu wandeln auf allen Wegen Gottes, sowie Er es befohlen zu den

Zeiten Seiner Bezeugungen, nicht nach rechts oder links zu weichen und kein einziges von all seinen Worten zu überschreiten. Dann wird er

Wohlgefallen finden durch angenehme Sühneriten vor Gott, und es wird ihm zum Bunde der ewigen Einung gereichen.

3. Kampf zwischen Licht und Finsternis, Gut und Böse

Für den Unterweiser, um zu unterweisen und zu belehren alle Söhne des Lichts: in der Herkunft aller Menschen nach allen Arten ihrer

Geister, in ihren Kennzeichen entsprechend ihren Werken in ihren Generationen nach der Heimsuchung ihrer Plagen mit den Zeiten ihres

Heils. Vom Gott der Erkenntnisse stammt alles Sein und Geschehen, und bevor sie ins Dasein getreten, setzte Er ihren ganzen Plan fest.

Wenn sie zu ihrer Bestimmung kommen entsprechend dem Plan Seiner Herrlichkeit, erfüllen sie ihre Aufgabe, und nichts (gibt es) zu ändern.

In Seiner Hand sind die Normen für alles, und Er versorgt es in allen Seinen Belangen. Er schuf den Menschen zur Beherrschung der Welt

und setzte ihm zwei Geister, um in ihnen zu wandeln bis zur festgesetzten Zeit Seiner Heimsuchung. Das sind die Geister der Wahrheit und

des Unrechts. An der Stätte des Lichts ist der Ursprung der Wahrheit und aus der Quelle der Finsternis der Ursprung des Unrechts. In der

Hand des Fürsten der Lichter liegt die Herrschaft über alle Söhne des Rechts, auf den Wegen des Lichts wandeln sie.

In der Hand des Engels der Finsternis liegt alle Herrschaft über die Söhne des Unrechts, auf den Wegen der Finsternis wandeln sie. Durch

den Engel der Finsternis geschehen die Verirrungen aller Söhne des Rechts, all ihre Sünden, ihre Vergehen, ihre Verschuldung und ihre

treulosen Taten geschehen durch seine Herrschaft, gemäß Gottes Geheimnis, im Verlauf seiner Zeit. All ihre Plagen und die Zeiten ihrer

Bedrängnisse kommen durch die Herrschaft seiner Anfeindung. Alle Geister seines Loses suchen die Söhne des Lichtes zu Fall zu bringen,

doch der Gott Israels und der Engel seiner Wahrheit hilft allen Söhnen des Lichts. Er schuf die Geister des Lichts und der Finsternis und

gründete auf ihnen jegliches Werk ...

Den einen (Geist) liebt Gott für alle ewigen Zeiten, und an all seinen Werken hat Er Gefallen für immer. Den anderen - Er verabscheut sein

Wesen und all seine Wege haßt er für immer. Und dies sind ihre Wege in der Welt: Zu erleuchten das Herz des Menschen und zu ebnen vor

ihm alle Wege wahrhaften Rechtes. Sein Herz zu erschrecken durch die Gerichtstaten Gottes. Demütige Gesinnung und Langmütigkeit, Fülle

des Erbarmens und dauernder Güte, Verstand und Einsicht und kraftvolle Weisheit, die auf alle Taten Gottes vertraut und sich stützt auf die

Fülle seiner Gnade. Ein Geist der Erkenntnis im Plan jedes Tuns und Eifer für die gerechten Gesetze. Heiligmäßiges Denken in festem Sinn

und reiche Verbundenheit gegen alle Söhne der Wahrheit. Herrliche Reinheit, verabscheuend alle unreinen Götzen. Behutsamer Umgang in

Klugheit mit allem und getreuliches Verbergen der Geheimnisse der Erkenntnis. Dies sind die Ratschläge des Geistes für die Söhne der

Wahrheit in der Welt. Und die Heimsuchung all derer, die darin wandeln führt: zu Heilung und reichlichem Frieden in langer Lebenszeit, zu

123

Samensfrucht mit jeglichem dauerndem Segen und ewiger Freude in einem langwährenden Leben und zur Krone der Herrlichkeit mit dem

Kleide der Pracht im ewigen Licht.

Dem Geiste des Unrechts eignen Unersättlichkeit und lässige Hände beim Dienste des Rechts. Frevel und Lüge, Stolz und hochfahrender

Sinn, Leugnung, grausamer Trug und viel Heuchelei. Jähzorn und reichliche Torheit und vermessener Eifer, abscheuliche Taten im Geiste

der Unzucht und greuliche Wege in der Unreinheit Dienst. Lästerzunge, Blindheit der Augen und Taubheit der Ohren, Halsstarrigkeit und

Verstocktheit des Herzens, um auf allen Wegen der Finsternis zu wandeln und in bösartiger List. Und die Heimsuchung all derer, die darin

wandeln führt: Zu einer Menge von Plagen durch alle Verderberengel zu ewiger Vernichtung durch Gottes rächenden Zorngrimm, zu

dauerndem Schrecken und ewiger Schmach mit der Schande der Vernichtung in finsterem Feuer. All ihre Zeiten nach ihren Geschlechtern

verlaufen in schmerzlicher Trauer und bitterem Unglück, in Schrecknissen der Finsternis bis zu ihrer Vernichtung, ohne daß ihnen Rest noch

Entronnenes bleibt. Darin liegt die Herkunft aller Menschen, und an ihren Klassen haben Anteil all ihre Gruppen nach ihren Geschlechtern.

Auf ihren Wegen wandeln sie, und all ihrer Taten Werk geschieht in ihren Klassen, entsprechend dem Anteil eines jeden, ob mehr oder

weniger, für alle ewigen Zeiten. Denn Gott setzte sie zu gleichen Teilen bis zur letzten Zeit und setzte ewige Feindschaft zwischen ihre

Klassen. Der Wahrheit ein Greuel ist unrechtes Handeln, und ein Greuel sind dem Unrecht alle Wege der Wahrheit. Eifer des Streites liegt

über all ihrem Verhalten, denn sie wandeln nicht gemeinschaftlich. Und Gott in den Geheimnissen seines Verstandes und seiner herrlichen

Weisheit bestimmte eine Zeit für den Bestand des Unrechts.

4. Zusammenleben

Dies ist die Ordnung für die Männer der Einung, die sich willig erweisen, umzukehren von allem Bösen und festzuhalten an allem, was er

nach seinem Willen befohlen; sich abzusondern von der Gemeinde der Männer des Unrechts und zur Einung in (bezug auf) Gesetz und

Besitz zu werden; verantwortlich gegenüber den Zadokiten, den Priestern, den Wahrern des Bundes und gegenüber der Menge der Männer

der Einung, die festhalten am Bunde. Von ihnen aus ergeht die Ordnung des Loses hinsichtlich jeglicher Sache, für Gesetz, für Besitz und

Recht, um Treue zu pflegen, Einung und Demut, Gerechtigkeit, Recht und liebevolle Verbundenheit und behutsamen Umgang auf allen ihren

Wegen. Keiner aber wandle in der Verstocktheit seines Herzens, um seinem Herzen nachzuirren und seinen Augen und dem Sinnen seines

schuldhaften Wesens. Er beschneide vielmehr in der Einung den unbeschnittenen Sinn und die Halsstarrigkeit, um ein Fundament zu

gründen für Israel, zur Einung des ewigen Bundes. Um alle Willigen zu entsühnen, zu einem Heiligtum in Aaron und einem Haus der

Wahrheit in Israel, und die sich ihnen anschließen für Einung, Rechtsstreit und Recht, auf daß sie alle Übertreter des Gesetzes verurteilen.

5. Eid

Und dies ist die Ordnung ihrer Wege aufgrund all dieser Gesetze, wenn sie sich zur Einung sammeln. Jeder, der

in die Gemeinschaft der Einung eintritt, trete vor den Augen aller Willigen in Gottes Bund ein. Und er soll sich eidlich verpflichten,

umzukehren zum Gesetz des Mose, gemäß allem, was Er hat befohlen, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele, entsprechend allem, was

von ihm offenbar wird den Zadokiten, den Priestern, den Wahrern des Bundes und Erforschern Seines Willens, sowie der Menge der Männer

ihres Bundes, die sich in der Einung willig erweisen für Seine Wahrheit und zum Wandeln in Seinem Willen. Er soll sich durch den

Bundesschluß verpflichten, sich abzusondern von allen Männern des Unrechts, die auf dem Wege der Bosheit wandeln, denn sie werden

nicht zu seinem Bunde gerechnet, da sie nicht suchten und nicht forschten in Seinen Gesetzen nach der Erkenntnis des Verborgenen,

hinsichtlich dessen sie irrten zu ihrer Verschuldung und behandelten das Offenbarte mit erhobener Hand, führen somit Zorn fürs Gericht

herauf und den Vollzug der Rache, durch die Bundesflüche, so daß gewaltige Gerichte an ihnen vollstreckt werden, zu ewiger Vernichtung,

ohne Rest.

Er komme nicht ins Wasser, die Reinheit der heiligen Männer anzutasten, denn man wird nicht rein, außer man kehrt um von seiner Bosheit,

weil Unreines an allen Übertretern Seines Wortes haftet. Man soll mit ihm keine Gemeinschaft eingehen hinsichtlich seiner Arbeit und seines

Besitzes, damit man ihm nicht Sündenschuld auflade, sondern man halte sich fern von ihm in jeglicher Sache, denn so ist es geschrieben:

Von jeder betrügerischen Sache halte dich fern (Ex 23,7). Keiner von den Männern der Einung soll beantworten auf ihre Veranlassung hin,

was immer Gesetz und Recht betrifft. Keiner esse etwas aus ihrem Besitz und trinke nicht(s), noch nehme er irgend etwas aus ihren Händen,

was nicht durch Kauf erworben ist, wie es geschrieben steht: Lasset doch fahren den Menschen, in dessen Nase nur ein Hauch ist! Denn

wofür ist er zu achten? Denn alle, die nicht zu Seinem Bund gerechnet werden, sind abzusondern, sie und alles, was ihnen angehört. Nicht

stütze sich der heilige Mann auf irgendein nichtiges Werk! Denn nichtig sind alle, die Seinen Bund nicht (an)erkennen. Alle Verächter seines

Wortes wird er vertilgen aus der Welt, all ihre Taten gelten als Unflat vor Ihm, und Unreinheit haftet an all ihrem Reichtum.

6. Überprüfung, Zurechtweisung, Vorrang der Priester

Wenn er in den Bund tritt, um nach all diesen Vorschriften zu handeln und um sich der Einung zur Bildung der heiligen Gemeinde

anzuschließen, so soll man seinen Geist in der Einung untereinander nach Maßgabe seines Verständnisses und seiner Taten im Gesetz

erforschen: Nach der Weisung der Aaroniden, die willens sind, in der Einung Seinen Bund aufzurichten und zu achten, daß all Seine Gesetze,

die Er befohlen, erfüllt werden und nach der Weisung der Menge Israels, die willens sind, umzukehren in der Einung zu Seinem Bund. Man

soll sie in die Rangordnung eintragen, einen nach dem andern, entsprechend seinem Verständnis und seinen Werken, so daß jeder seinem

Nächsten gehorche, der Geringere dem Höheren. Sie sollen ihren Geist und ihre Werke Jahr für Jahr überprüfen, um einen jeden

entsprechend seinem Verständnis und der Vollkommenheit seines Wandels aufrücken zu lassen oder ihn gemäß seiner Verkehrtheit

zurückzusetzen. So weise einer den andern zurecht in Wahrheit und Demut und liebevoller Verbundenheit untereinander. Er soll zu ihm nicht

im Zorn sprechen oder mit Murren oder in Halsstarrigkeit und im Geiste des Frevels. Er hasse nicht [den, . . . ] seines Herzens, sondern am

selben Tag noch weise er ihn zurecht und lade nicht seinethalben Schuld auf sich. Es soll keiner gegen seinen Nächsten vor der

Vollversammlung eine Sache vorbringen, ohne vorherigen Verweis vor Zeugen. Darin sollen sie wandeln an all ihren Aufenthaltsorten in

allem, was sich ergibt untereinander und sollen gehorchen, der Geringere dem Höheren, was Arbeit und Besitzangelegenheiten betrifft.

Gemeinschaftlich sollen sie essen, gemeinschaftlich sollen sie lobpreisen und gemeinschaftlich sollen sie beraten.

An keinem Orte, wo sich zehn Männer von der Gemeinschaft der Einung befinden, weiche vor ihnen ein Mann priesterlichen Standes. Sie

sollen jeder nach seiner Rangstufe vor ihm sitzen, und so sollen sie nach ihrem Rate gefragt werden bezüglich jeglicher Sache. Wenn sie den

Tisch bereiten, um zu essen oder den Wein zu trinken, strecke der Priester zuerst die Hand aus, am Anfang das Brot zu segnen und den Wein

zum Trinken. Nicht fehle an ein em Ort, wo sich zehn befinden, ein Mann, der im Gesetz studiert und zwar Tag und Nacht, ständig einer den

anderen »abwechselnd«. Die Vollmitglieder sollen gemeinschaftlich ein Drittel aller Nächte des Jahres wachen, um aus dem Buche zu lesen,

Recht zu erforschen und gemeinschaftlich zu lobpreisen.

7. Sitzungen

Dies ist die Ordnung für die Sitzung der Vollmitglieder, jeder in seinem Rang. Die Priester sitzen an erster, die Ältesten an zweiter Stelle und

die übrige ganze Mannschaft, sie sitzen jeder in seinem Rang. So sollen sie nach Recht fragen und nach jeglichem Rat und jeder Sache, die

Angelegenheit der Vollversammlung ist, so daß jeder sein Wissen der Gemeinschaft der Einung zugute kommen läßt. Keiner rede mitten in

die Worte seines Nächsten hinein, bevor noch sein Bruder zu sprechen aufgehört hat. Auch spreche er nicht vor dem Range dessen, der vor

ihm aufgeschrieben ist, der gefragte Mann spreche, wenn die Reihe an ihm ist. Bei der Sitzung der Vollmitglieder bringe keiner irgend etwas

vor, was nicht Sache der Vollversammlung ist - und wenn es auch der Aufseher über die Vollmitglieder ist. Jedermann, der etwas der

124

Vollversammlung zu sagen hat, sich aber nicht im Stande dessen befindet, der die Gemeinschaft der Einung befragen kann, der stehe auf und

spreche: > Ich habe der Vollversammlung etwas zu sagen.< Wenn sie es ihm sagen, so möge er sprechen.

8. Vorbereitungsstufen

Jedermann von Israel, der willig ist, sich der Gemeinschaft der Einung anzuschließen, den soll der Mann, der an die Spitze der

Vollversammlung gesetzt ist, nach seinem Verständnis und seinen Werken untersuchen. Wenn er Zucht annimmt, bringe er ihn in den Bund,

daß er umkehre zur Wahrheit und weiche von allem Unrecht. Er unterweise ihn in allen Vorschriften der Einung. Danach, wenn er dazu

kommt, vor die Vollversammlung zu treten, werden alle über seine Angelegenheiten befragt. Und je nachdem die Entscheidung (das Los) auf

Beschluß der Vollversammlung ausfällt, rücke er vor oder trete er zurück. Wenn er der Gemeinschaft der Einung näherrückt, rührte er doch

nicht die Reinheit der Vollmitglieder an, bis daß sie seinen Geist und seine Taten untersucht haben, sobald er ein volles Jahr vollendet hat.

Auch nehme er nicht teil am rituell reinen Besitz der Vollmitglieder. Hat er ein Jahr inmitten der Einung vollendet, so werden die

Vollmitglieder über seine Angelegenheiten gemäß seinem Verständnis und seinen Taten im Gesetz befragt. Wenn die Entscheidung für ihn

dazu ausfällt, der Gemeinschaft der Einung näherzukommen nach der Weisung der Priester und der Menge der Männer ihres Bundes, dann

lasse man auch seinen Besitz und seine Erwerbstätigkeit zu und zwar zur Verfügung des Aufsehers über die Wirtschaftsangelegenheiten der

Vollmitglieder und der schreibe es ihm auf ein Konto gut, aber gebe es nicht für die Vollmitglieder aus. Er darf das Getränk der

Vollmitglieder nicht anrühren, bis er ein zweites Jahr inmitten der Männer der Einung vollendet hat. Und nachdem er das zweite Jahr erfüllt

hat, soll man ihn durch die Vollversammlung prüfen. Wenn ihm die Entscheidung dazu ausfällt, in die Einung einzutreten, dann schreibe

man ihn in die Ordnung seiner Rangstufe unter seinen Brüdern ein, für Gesetz, Recht, Reinheit und die Beteiligung seines Vermögens, und

es komme sein Rat und sein Rechtsentscheid der Einung zugute.

9. Strafen

Dies sind die Satzungen, nach denen sie in gemeinschaftlicher Untersuchung den Sachverhalten gemäß entscheiden sollen. Falls sich unter

ihnen jemand findet, der in einer Vermögensangelegenheit lügt und er um den wahren Sachverhalt weiß, so sondere man ihn von der

Reinheit der Vollmitglieder für ein Jahr aus, und er werde um ein Viertel seiner Nahrung bestraft. Wer seinem Nächsten in Halsstarrigkeit

antwortet, in Jähzorn spricht und so das Fundament seines Gefährten ... indem er sich der Weisung seines Nächsten, der vor ihm eingetragen

ist, widersetzt, der hat sich selbst unrechtmäßig geholfen, und er büßt ein Jahr ... Wer eine Sache erwähnt im Hochgeehrten Namen ...

Wenn einer flucht - sei es, daß er sich schreckt vor Drangsal oder was immer er für einen Grund hat - während er im Buche liest oder betet,

so sondere man ihn aus, und er kehre nicht wieder zur Gemeinschaft der Einung zurück. Wenn einer gegen einen von den im Buche

verzeichneten Priestern im Zorn spricht, dann büßt er ein Jahr und wird für sich abgesondert von der Reinheit der Vollmitglieder. Wenn er es

irrtümlich sagte, büßt er sechs Monate. Wer wissentlich etwas leugnet, der büßt sechs Monate. Derjenige, welcher seinen Nächsten bewußt

zu Unrecht schmäht, büßt ein Jahr und wird abgesondert. Derjenige, welcher seinem Nächsten betrügerisch redet oder wissentlich einen

Betrug begeht, büßt sechs Monate. Wenn er an seinem Nächsten fahrlässig handelt, büßt er drei Monate und wenn er am Vermögen der

Einung fahrlässig handelt, so daß es verloren geht, so erstatte er es persönlich zurück. Falls er es nicht zu ersetzen vermag, büßt er sechzig

Tage. Wer seinem Nächsten zu Unrecht zürnt, büßt sechs Monate und desgleichen der, welcher sich auf eigene Faust für irgend etwas Rache

schafft. Wer mit seinem Munde ein törichtes Wort ausspricht, büßt drei Monate und dem, der seinem Nächsten ins Wort fällt, gebühren 10

Tage. Wer sich hinlegt und schläft bei der Sitzung der Vollversammlung, büßt dreißig Tage. Desgleichen büßt einer, der in der Sitzung der

Vollmitglieder weggeht, ohne Beschluß und ohne Grund bis zu dreimal bei einer Sitzung, zehn Tage. Falls sie stehen, und er geht weg, büßt

er dreißig Tage. Wer vor seinem Nächsten nackt herum geht, ohne dazu genötigt zu sein, büßt sechs Monate. Einer, der mitten in die Sitzung

der Vollmitglieder spuckt, büßt dreißig Tage. Wer seine Hand aus seinem Gewand zieht und es flattert weht, und seine Blöße wird sichtbar,

der büßt dreißig Tage. Wer in Torheit laut schallend lacht, büßt dreißig Tage. Wer seine linke Hand herauszieht, um damit zu gestikulieren,

büßt zehn Tage. Jemanden, der seinen Nächsten verleumdet, sondert man ein Jahr von der Reinheit der Vollmitglieder aus, und er wird

bestraft. Und einer, der die Vollmitglieder verleumdet, der ist fortzuschicken von ihnen, und er kehre nicht wieder zurück. Jemanden, der

gegen die Grundlage der Einung murrt, schicke man fort, und er kehre nicht mehr zurück. Wenn er gegen seinen Nächsten murrt, ohne im

Recht zu sein, büßt er sechs Monate. Jemand, dessen Geist abweicht von der Grundlage der Einung, so daß er abfällt von der Wahrheit und

in der Verstocktheit seines Herzens wandelt, wenn er umkehrt, büßt er zwei Jahre. Im ersten rühre er die Reinheit der Vollmitglieder nicht

an. Im zweiten rühre er den Trank der Vollmitglieder nicht an, und hinter allen Männern der Einung sitze er. Wenn er erfüllt hat die zwei

Jahre, werden die Vollmitglieder über seine Angelegenheit befragt und wenn sie ihn zulassen, so werde er in seine Rangstufe eingetragen,

und danach wird er wieder um Rechtsentscheid befragt. Jedermann in der Gemeinschaft der Einung, sobald er zehn Jahre vollendet hat und

seine Gesinnung wendet sich, so daß er abfällt von der Einung und weg geht von den Vollmitgliedern, um in der Verstocktheit seines

Herzens zu wandeln, der kehre nicht wieder zur Gemeinschaft der Einung zurück. Einer von den Männern der Einung, welcher Gemeinschaft

hält mit ihm hinsichtlich seiner Rein heit oder in bezug auf Vermögen, was ... der Vollmitglieder, dessen Urteil sei gleich seinem:

fortzuschicken ist er.

10. Die Mitgliedschaft

Im Folgenden wird das von der Gemeinschaft angestrebte Ziel klar und bündig wiederholt: die Aufnahmebedingungen und die Ordnung der

Mitglieder. Dabei stößt man auf einen merkwürdigen Text:

Wenn diese in der Gemeinschaft der Einung zwei Jahre lang in vollkommenem Wandel feststehen, sondern sie sich als ein Heiliges inmitten

der Gemeinschaft der Männer der Einung ab. Keine Sache, die vor Israel verborgen war und von jemandem gefunden wird, der forscht,

verberge er vor diesen aus Angst vor einem abtrünnigen Geist.

Schließlich wird erneut und in zahlreichen Einzelheiten die Bestrafung der Ungetreuen vorgesehen.

Darauf folgt der positive, der geistliche Teil. Die strenge Ordnung soll ihre Früchte tragen in Weisheit und Gerechtigkeit.

11. Unterscheidung der Geister

Dies sind die Vorschriften für den Verständigen, nach denen zu verfahren ist mit allem, was lebt, gemäß der Ordnung der jeweiligen Zeit und

nach dem Gewicht des einzelnen Mannes. Den Willen Gottes zu tun gemäß allem Offenbarten für die jeweilige Zeit; alle die Erkenntnis zu

lernen, die entsprechend den Zeiten sich findet. Das Gesetz der Zeit zu unterscheiden und die Söhne der Gerechtigkeit zu wägen nach ihren

>Geistern<. Sie fest zu den Erwählten der Zeit zu halten, entsprechend seinem Willen, wie er es befohlen. Über jeden nach seinem »Geist«

die Entscheidung zu fällen und jeden nach der Reinheit seiner Hände nahe zu bringen, gemäß seinem Verständnis ihn nahen zu lassen und so

seine Liebe wie seinen Haß. Nicht zu disputieren und zu streiten mit den Männern des Verderbens. Zu verbergen den Rat des Gesetzes

inmitten der Männer des Unrechts, aber aufzuweisen die wahre Erkenntnis und das richtige Recht gegenüber denen, die den Weg erwählen,

jedem nach seinem Geist, gemäß der Ordnung der Zeit, ihnen Anteil zu geben am Wissen und so zu unterweisen in den wunderbaren, wahren

Geheimnissen inmitten der Männer der Einung, daß jeder vollkommen wandle gegenüber seinem Nächsten in allem, was ihnen offenbar ist.

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Dies ist die Zeit der Wegbereitung durch die Wüste. Sie zu lehren alles, was es gibt, das getan werden muß in dieser Zeit, sich abzusondern

von jedem Menschen und seinen Wandel nicht ändern durch jegliches Unrecht.

12. Gottes Wille, Gebet morgens, abends, an Festen

Dies sind die Bestimmungen des Weges für die Verständigen in diesen Zeiten, für seine Liebe wie für seinen Haß: Ewigen Haß gegen alle

Männer des Verderbens im Geiste des Verbergens. Ihnen den Besitz zu lassen und den Erwerb der Hände wie ein Knecht dem, der ihm

gebietet und der dem Demut erweist, der über ihm herrscht. Jeder sei mit Eifer bedacht auf das Gesetz und auf seine Zeit, auf den Tag der

Rache, darauf, (Gottes) Willen zu tun in allem Beginnen der Hände und in all seiner Herrschaft, wie Er es befohlen. Mit allem, was an ihm

geschieht, sei er willig zufrieden, aber außer Gottes Willen gefalle ihm nichts. An allen Worten seines Mundes habe er Gefallen und begehre

nicht, was er nicht befohlen. Nach dem Gericht Gottes schaue er ständig aus, durch Opfer preise er seinen Schöpfer. In allem, was geschieht,

Lippen preise er Ihn, mit den Zeiten, die er festgelegt hat: Am Beginn der Herrschaft des Lichts, bei seiner Wende und bei seiner Rückkehr

zur Stätte seiner Bestimmung. Am Anfang der Wachen der Finsternis, wenn Er ihren Verwahrungsort öffnet und sie über die Erde legt und

bei ihrer Wende, da sie sich zurückzieht vorm Licht; beim Erscheinen der Lichter von der heiligen Wohnstatt, mit ihrem Rückzug zur Stätte

der Majestät. Beim Eintritt der Festzeiten nach den Tagen des Monats zusammen mit ihren Wenden bei ihrer Aufeinanderfolge; wenn sie

erneuern den großen Tag für das Allerheiligste und das verläßliche Zeichen für die Eröffnung seiner ewigen Gnaden. Zum Beginn der

Festzeiten in aller Zeit, am Beginn der Monde nach ihren Zeiten und der heiligen Tage in ihrer Ordnung. Am Anfang der Jahre und der

Wende ihrer Termine, da sie das Gesetz ihrer Ordnung erfüllen, Tag für Tag seine Norm: Die Zeit der Ernte zur Obstlese hin, die Zeit der

Saat hin zur Zeit des Grünens die festen Zeiten der Jahre bis zu ihren Wochen und am Anfang ihrer Wochen bis zum Freijahr hin. Solange

ich bin, sei das eingravierte Gesetz auf meiner Zunge als Frucht des Gebetes und als Teil meiner Lippen! [Jahreswochen bis zum Jobeljahr,

Lev 25.]

13. Gott loben allezeit

Mit Verständnis will ich lobsingen, all mein Lied gilt Gottes Ehre. Meiner Harfe Saiten stimmen zu seiner heiligen Ordnung, und meiner

Lippen Flöte leg ich an die Norm Seiner Satzung. Mit dem Eintritt des Tages und der Nacht will auch ich in Gottes Bund treten, mit Anbruch

des Abends und Morgens will ich sprechen Seine Gesetze. In ihrem Bestand setze ich meine Grenze, um nicht wieder abzufallen. Sein

Gericht will ich gerecht heißen gemäß meiner Verkehrtheit, und mein Frevel sei mir vor Augen wie eingraviertes Gesetz. Zu Gott will ich sagen:

> meine Gerechtigkeit < und zum Höchsten: »Begründung meiner Tugend«, Quell der Erkenntnis und Stätte der Heiligkeit, Höhe der

Majestät und Macht über alles, zu ewiger Verherrlichung. Ich will erlesen, was er mich wird lehren, will zufrieden sein, wie er mich auch

richtet. Wenn ich beginne, die Hände und Füße zu regen, will ich seinen Namen preisen. Am Anfang von Ausgang und Eingang, vorm Sitzen

und Stehen, beim Liegen auf meinem Bette, will ich Ihm jubeln und Ihn preisen, als Hebopfer von meinen Lippen aus der Reihe der

Menschen. Bevor ich meine Hände erhebe, um mich gütlich zu tun am herrlichen Ertrage der Welt, am Anfang von Schrecken und Furcht,

am Ort der Bedrängnis und Öde, will ich Ihn preisen, das Wunderbare bekennend, seine Macht will ich bedenken und auf seine Gnadenweise

mich stützen den ganzen Tag.

Ich weiß, daß in seiner Hand das Gericht über alles, was lebt und daß wahrhaftig all seine Taten. Wenn Bedrängnis losbricht, will ich Ihn

loben und bei seiner Hilfe jubeln zuhauf. Keinem will ich vergelten das Böse, mit Gutem will ich den Menschen verfolgen, denn bei Gott ist

das Gericht über alles, was lebt, und er wird ihm die Vergeltung heimzahlen. Ich will nicht eifern im Geiste des Frevels, und nach Besitz

durch Gewalttat soll mein Verlangen nicht sein. Den Streit mit den Männern des Verderbens will ich nicht aufgreifen bis zum Tage der

Rache. Meinen Zorn will ich nicht abwenden von den Männern der Bosheit und nicht zufrieden sein, bis er das Gericht hat bestimmt. Ich will

nicht zornvoll grollen denen, die von dem Abfall umkehren, doch mich all derer nicht erbarmen, die vom Wege abweichen, will die

Zerknirschten nicht trösten, bis ihr Wandel vollkommen.

Belial will ich nicht in meinem Herzen bewahren, und nicht werde in meinem Munde Torheit gehört. Schuldhafte Leugnung und Trug und

Lügen sollen sich nicht finden auf meinen Lippen, vielmehr heilige Furcht soll auf meiner Zunge, und Greuel sollen auf ihr nicht sein! Ich

will mit Lobgesang meinen Mund auftun, Gottes gerechte Taten künde meine Zunge beständig und die Missetat der Menschen bis zum Ende

ihres Frevels. Leeres Geschwätz will ich tilgen von meinen Lippen, Unreines und Verdrehtes aus meinem Sinn. Im Rate der Einsicht will ich

die Erkenntnis verbergen und mit bewußter Klugheit will ich sie verwahren, ein fester Bereich, um Treue zu wahren und starkes Recht nach

Gottes Gerechtigkeit. Ich befestige Gesetz an der Maßschnur der Zeiten an der Waage der Gerechtigkeit. Liebevolle Verbundenheit für die

Demütigen und eine starke Hand den Unschlüssigen, um zu lehren den Wankelmütigen Einsicht und den Murrenden Vernunft beizubringen.

In Demut zu antworten den Hochfahrenden und mit zerbrochenem Geist den Bedrückern, die mit dem Finger zeigen und ruchlos reden und

Güter erwerben. Denn meine Rechtfertigung, sie liegt bei Gott und in seiner Hand mein vollkommener Wandel mit meines Herzens

Redlichkeit, durch seine Gerechtigkeit wird mein Frevel getilgt! Denn aus der Quelle Seiner Erkenntnis eröffnete er Sein Licht, auf seine

Wunder blickte mein Auge und mein Verstandeslicht auf das Geheimnis des Gewordenen und des ewigen Seins. Stütze meiner Rechten auf

festem Fels, Weg meines Fußes, wegen nichts wird er wanken, denn Gottes Wahrheit, sie ist meines Fußes Fels, und seine Macht ist der Stab

meiner Rechten. Aus seiner Gerechtigkeit Born strömt sein Recht als Licht in mein Herz aus seiner Geheimnisse Wunder.

14. Gott der Allweise - der Mensch: Staub

Gepriesen seist du, mein Gott, der du der Erkenntnis öffnest das Herz deines Knechtes! Bereite in Gerechtigkeit all seine Werke und erfülle

dem Sohn deiner Wahrheit, wie du es willst für die Erwählten der Menschheit: zu stehen vor dir für immer! Denn ohne dich wird kein

Wandel vollkommen, und ohne deinen Willen geschieht gar nichts. Du hast alle Erkenntnis gelehrt, und alles Gewordene ward durch deinen

Willen. Kein anderer ist außer dir, zu antworten auf deinen Ratschluß, zu verstehen deinen ganzen heiligen Plan und deiner Geheimnisse

Tiefe zu schauen, einzusehen all deine Wundertaten mit der Kraft deiner Macht. Wer vermag deine Herrlichkeit zu erfassen? Wer ist er auch

schon, der Mensch, unter deinen Wunderwerken und der Weibgeborene, >was gilt er< vor dir? Er, seine Form ist aus Staub und Nahrung der

Würmer seine Gestalt. Er, ein Gebilde, bloß geformter Lehm, und zum Staube hin zieht es ihn wieder! Was sollte Lehm antworten und das

Gebilde der Hand, und was versteht er in bezug auf den Ratschluß?

Die Apokryphen zum Neuen Testament

Was nicht im Evangelium steht

Von Kindheit an sind wir mit den Personen und Schauplätzen des Evangeliums vertraut und glauben daher, das Evangelium zu kennen.

Vielleicht aber hat die Gewohnheit unseren Blick getrübt. Ein wenig Aufmerksamkeit, eine neue Einstellung dazu, und schon stünden wir

vor tausend und einer Frage. Und wirklich haben die ersten Christen sich diese Frage gestellt, und zwar mit einer Schärfe, die wir uns heute

kaum vorstellen können. Das Evangelium hatte nämlich nicht alles über Jesus, Maria und die Apostel gesagt. Es war daher verlockend, mehr

über ihre Person, ihr Leben und ihre Botschaft zu erfahren. Überdies ergaben sich aus dem Stillschweigen oder aus der allzu großen

Zurückhaltung der heiligen Bücher eine Menge Fragen: Wie stand es um die Geburt und die Jugend des Kindes Maria, das nach dem Willen

Gottes, Mutter seines Sohnes wurde und zugleich Jungfrau blieb? Wie hat die Vorsehung bei der jungfräulichen Geburt des Messias gewirkt?

126

Erlebte Unsere Liebe Frau am Ende ihres irdischen Daseins jene Art von Tod, die wir, sterbliche Sünder, erleiden müssen? Und wie stand es

um das Jesuskind; hatte es schon in seiner frühen Jugend durch seine Weisheiten und seine Wundertaten der Welt seine Gottheit enthüllt;

wurden abgesehen von dem, was uns die Evangelisten aufgezeichnet haben, noch andere Worte des Meisters gesammelt, noch irgendeine

andere geheime Offenbarung aufbewahrt? Was geschah mit dem lebendigen Erlöser nach seinem menschlichen Tod? Wie war seine

Auferstehung vor sich gegangen? Wo hatten die Apostel gepredigt? Welcher Tod war ihnen am Ende ihrer missionarischen Tätigkeit beschieden?

Wie lebten die Auserwählten und die Verdammten im Jenseits?

Man könnte nun einwenden, daß einige dieser Fragen von einer etwas eitlen Neugier zeugen. Viele von ihnen entspringen in der Tat der

blühenden Phantasie jenes einfachen Volks, aus dem das Christentum seine ersten Anhänger gewann. Aber betrachten wir doch einmal

eingehender den glühenden Glauben dieser ersten Christen. Ihre Gemeinden fanden Freude daran, über die weltbewegenden Ereignisse der

Geburt des Messias, seiner Erlösertätigkeit und der Geschichte der von ihm gegründeten Kirche nachzudenken. Von Mund zu Mund wurden

die kostbaren Erinnerungen der Augenzeugen des Lebens Christi, der Jünger der ersten Stunde, weitergegeben. Waren es doch immer die

Worte des Meisters, die in der Kette jener Stimmen widerhallten.

Während man also leidenschaftlich jene Auswahl von Worten und Taten des Erlösers, die Evangelien, las, bestanden bei der großen Menge

mündliche Überlieferungen mit fort, deren Ursprung nur zum Teil feststellbar war. Diese Überlieferungen schlugen sich bald in Schriften

nieder; die eine Menge von Fragen bebeantworteten

Kanonisch oder nicht

Zunächst wollen wir uns der Frage zuwenden, welche Gründe ausschlaggebend waren, daß die einen Schriften des Neuen Testamentes als

kanonische, die anderen aber als apokryphe eingestuft wurden? Ganz ohne Zweifel wurde als wahr das angesehen, was direkt auf Jesus

Christus zurückging. Anfangs wurden wohl hauptsächlich die Herrenworte gepredigt und sicherlich auch schriftlich fixiert (Spruchquelle).

Die christlichen Gemeinden verbreiteten sich rasch, so daß unmittelbare Augenzeugen nicht mehr allein in der Lage waren, die Botschaft des

Lebens und der Auferstehung Jesu zu verkünden. Für eine authentische Verkündigung wurde eine schriftliche Fixierung unabdingbar. Als

Ersatz für die mündlichen Berichte entstanden somit im 7. und 8. Jahrzehnt die Evangelienbücher, die bald als heilige Schriften anerkannt

wurden.

Als Autorität für die Christenheit wurden alle Apostelberichte angesehen. Wie weit sie sich selber als authentische Interpreten der Botschaft

Christi verstanden haben, läßt sich nicht sagen. In nachapostolischer Zeit (zwischen 70 und 140) fanden sie jedenfalls höchste Anerkennung.

Wenn es um Fragen ging, die für die Kirche wichtig waren, berief man sich auf die Apostel.

Eine entscheidende Epoche in der Kanonbildung ist die Zeit von 140 bis 200. Justin kann man als Zeugen für den Stand der Dinge um 150 in

Rom ansehen. Für ihn haben die Evangelien kanonische Geltung. Es ist aber zweifelhaft, ob er das Johannes-Evangelium schon dazugezählt

hat. Jedenfalls belegt er, daß sich zuerst die vom Herrn erzählenden Schriften, also die Evangelienbücher, durchgesetzt haben. Probleme

ergeben sich in der 2.Hälfte des 2. Jahrhunderts wegen der vierfachen Überlieferung. Tatian versuchte das Problem durch eine

Evangelienharmonie, das heißt durch eine Reduktion auf eine Version, zu lösen. In seinem >Diatesseron< wurden die vier Evangelien so

zusammengestellt, daß sie ein einheitliches Werk bildeten. Um die Wende vom 2. zum 3. Jh. steht dann aber doch fest, daß die Vierzahl der

Evangelien beibehalten wird. Die Apostelschriften, die aus den Paulusbriefen und einigen anderen Schriften bestehen, sind zu dieser Zeit

noch nicht abgesichert. Immerhin stimmen Irenäus, Tertullian und Clemens von Alexandrien, die damals bedeutendsten Kirchenväter, in

dem überein, was sie als kanonisch ansehen: die vier Evangelien, dreizehn Paulusbriefe, der 1. Petrusbrief, der 1. Johannesbrief, die

Apostelgeschichte des Lukas und die Johannesapokalypse.

Unterschiedliche Entwicklung

Die Entwicklung des Kanons ist in Ost und West verschieden verlaufen. Manche Schriften, die im Westen abgelehnt wurden, fanden im

Osten bis ins 4. Jh. große Wertschätzung und wurden in einzelnen Gemeinden sogar als kanonisch angesehen. Darunter zählen Schriften wie

der Barnabasbrief, der Hirte von Hermas, die Petrusapokalypse und die Didache.

Wie wurde nun im Osten das Problem der neutestamentlichen Kanonbildung angegangen? Origines hat ein System gefunden, nach dem er

kanonische und nichtkanonische Schriften einteilt. Da gibt es erstens allgemein anerkannte Schriften, zweitens die lügnerischen, die von

Heuchlern verfaßt wurden, und drittens Schriften, deren Echtheit und Apostolizität bezweifelt wird (z. B. der 2. Petrusbrief und die

katholischen Briefe, von Hermas). Diese Einteilung zeigt, daß die Entwicklung noch in vollem Gange war, da es noch eine Gruppe gab, die

die einen annahm, die anderen aber ablehnte.

In der griechischen Kirche des 3. Ih. stand nicht eindeutig fest, ob das Neue Testament 21 (d. h. ohne Johannes-Apokalypse und die

Mehrzahl der katholischen Briefe) oder 26 (alle Schriften, die auch heute gelten, aber ohne Johannes-Apokalypse) umfaßte. Aber schon 367

nimmt Athanasius von Alexandrien in seinem berühmten Osterfestbrief 27 Bücher in den Kanon auf. Vom 4. Jh. an wird die Dreiteilung des

Origines in zunehmendem Maße aufgegeben. Wenn man nur zwischen kanonischen und häretischen Schriften unterscheidet, so bedeutet

dies, daß der Kanon schon ziemlich gefestigt war. Trotzdem haben sich die 7 katholischen Briefe erst im 5. und 6. Jh. durchgesetzt, die

Offenbarung des Johannes scheint gar im 9. Jh. noch in einzelnen Gemeinden als nichtkanonisch angesehen worden zu sein.

Die Kanonbildung im Westen

Etwas schneller erfolgte die Kanonisierung im Westen. Nach dem Zeugnis des Hieronymus und des Augustinus war das NT mit 27 Büchern,

(der heutige Stand) um 400 offiziell anerkannt. Aber auch hier bestanden vereinzelt Zweifel, allerdings weniger über die Kanonizität der

Bücher als vielmehr über ihre Echtheit. Beispielsweise wurde die paulinische Herkunft des Hebräerbriefes geleugnet.

Die röm.-kath. Kirche hat den Kanon der Bibel im Jahre 1546 auf dem Konzil von Trient (Tridentinum) endgültig festgelegt. Man entschied

im Sinne des 4. Jh. und auch ohne das Echtheitsproblem der einzelnen Schriften zu lösen.

Dokumente der Kanonbildung

An dieser Stelle seien drei frühe Dokumente der Kanonbildung zitiert. Origines (185-254) bezeugt die Kanonisierung der vier Evangelien.

>Durch Überlieferung habe ich über die vier Evangelien, die allein in Gottes unter dem Himmel ausgebreiteter Kirche keinen Widerspruch

finden, folgendes erfahren: Zuerst wurde das Evangelium nach dem früheren Zöllner und späteren Apostel Matthäus, der es für die

Gläubigen aus dem Judentum herausgebracht hat, in hebräischer Schrift verfaßt; als zweites das Evangelium nach Markus, der sich nach den

Anweisungen des Petrus gerichtet hat; als drittes dasjenige nach Lukas, der das von Paulus gepriesene Evangelium für die Gläubigen aus den

Heiden verfaßt hat; nach allen das Evangelium nach Johannes.< Ein umfassendes Verzeichnis der heiligen Schriften (NT) bietet der Canon

Muratori, der vermutlich um 200 in Rom entstanden ist: »Das dritte Evangelienbuch nach Lukas. Dieser Arzt Lukas hat es, da ihn Paulus als

des Weges (der Lehre) Kundigen herangezogen hatte, unter seinem Namen nach dessen Meinung verfaßt. Das vierte der Evangelien, des

Johannes, (eines) von den Jüngern ... Die Briefe aber des Paulus, welche von Paulus selbst sind, von welchen Orten und aus welchem Anlaß

sie geschrieben sind, erklären das denen, die es wissen wollen, selbst. «

Im Osterbrief spricht Athanasius von Alexandrien von 27 Büchern des NT,- in diesem Umfang stellt das NT sich auch heute dar. Nachdem

Athanasius die alttestamentlichen Schriften aufgezählt hat, fährt er fort:

»Ohne Bedenken sind die Schriften des Neuen Testamentes zu nennen: Die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes,

ebenso danach die Apostelgeschichte und die sieben sogenannten katholischen Briefe der Apostel, der des Jakobus, zwei des Petrus, drei des

Johannes und einer des Judas. Dazu kommen vierzehn Briefe des Apostels Paulus, der erste an die Römer, zwei an die Korinther, der an die

127

Galater, die Epheser, an die Philippen der an die Kolossen zwei an die Thessalonicher, der Brief an die Hebräer, zwei an Timotheus, einer an

Titus und als letzter der eine an Philemon. Ferner noch die Offenbarung des Johannes. «

Zeugnis für Christus

Die Hauptauseinandersetzung um den Kanon spielte sich in der Zeit von 200 bis 400 ab. Zunächst war es natürlich so, daß man die

Unterscheidung zwischen kanonischen und apokryphen Schriften gar nicht kannte. Das Bedürfnis, ein Zeugnis für Christus abzulegen, das an

keine örtlichen oder zeitlichen Grenzen gebunden war, führte zur schriftlichen Fixierung der christlichen Lehre in Form von Evangelien und

Briefen.

In gewisser Weise kanonisiert wurde manches dadurch, daß es in den meisten Gemeinden gelesen und geschätzt wurde, anderes dagegen

konnte sich nicht durchsetzen. Auch in der Zeit, in der in den Gemeinden um die Entscheidung gestritten wurde, welche Schriften anerkannt

werden, wurde noch Neues verfaßt.

Schließlich entstanden Apokryphen auch noch in der Zeit, als der Kanon unangefochten feststand. Sie wurden bewußt in Anschluß an die

literarische Form der kanonischen Schriften verfaßt und waren von vornherein als literarische Fiktionen gedacht.

Ergänzung der kanonisierten Bücher

Man kann sagen, daß die literarischen Formen der Apokryphen in Anknüpfung, Übernahme und Weiterbildung des NT entstanden sind. In

der Zeit vor der Kanonbildung sind außerdem viele später kanonisierte Evangelien entstanden. Es ist wahrscheinlich, daß diese Gattung vom

Markus-Evangelium ausgegangen ist. Die Paulusbriefe haben ziemlich am Anfang der schriftlichen Verkündigung gestanden. Alle weiteren

Briefe sind dann sicherlich von diesem Vorbild angeregt worden.

Das Hauptmotiv für die Entstehung apokrypher Schriften ist ohne Zweifel das der Ergänzung. Man hielt die neutestamentlichen Schriften

nicht für ausreichend, denn es fehlte ihnen vieles, was man gerne wissen wollte. Die apokryphen Apostelgeschichten berufen sich zwar auf

die kanonische Apostelgeschichte, aber diese scheint in ihrer Form den Ansprüchen nicht genügt zu haben. Jedenfalls stehen die

>Apostelakten< der griechischen Roman- und Volkserzählungsliteratur näher.

Die überlieferten Texte wurden häufig einfach inhaltlich erweitert. Man nahm Teile heraus und erzählte sie weiter. Freilich ließ man dabei

der Phantasie freien Lauf. Besonders bot sich die Kindheit Jesu zur Ergänzung an. Da über dieses Thema in den Evangelien so gut wie nichts

steht, hat man diesem Umstand mit teilweise haarsträubenden, völlig unglaubwürdigen Wundergeschichten abzuhelfen versucht.

Die apokryphen Schriften kann man entsprechend den literarischen Formen des NT einteilen, denen diese in irgendeiner Form immer

verpflichtet sind, sei es inhaltlich oder formal. An erster Stelle sind die apokryphen Evangelien zu nennen, das sind Schriften, die an die

Stelle der vier Evangelien des Kanons oder in Erweiterung neben sie treten wollten. Darüber hinaus gibt es die pseudepigraphischen Briefe,

denen meist ein Apostelname verangestellt wurde, um ihnen mehr Autorität zu verleihen. Die apokryphen Apostelgeschichten stellen eine

Ergänzung zum NT dar, näherhin natürlich zum Leben der Apostel. Sehr beliebt war zu dieser Zeit die literarische Gattung der Apokalypsen,

die in großer Zahl entstanden sind und verbreitet wurden.

Die apokryphen Evangelien!

Zum Begriff Evangelium

Beim Begriff Evangelium denken wir sofort an ein schriftlich abgefaßtes Werk. Es ist ein griechisches Wort, und es bedeutet eine mündlich

überbrachte Botschaft, ist also zunächst etwas Unliterarisches. Das griechische Wort muß auch auf dem Hintergrund der griechischen Kultur

erklärt werden. Im Kaiserkult und in den hellenistisch- orientalischen Erlösungsreligionen ist Evangelium die Kunde von der

Thronbesteigung eines >Heilands< . Dieser Begriffszusammenhang, der in der Zeit des hellenistischen Christentums vor Paulus vorlag, kam

den ersten Christen selbstverständlich sehr gelegen, um die Heilsbotschaft Jesu Christi kurz und prägnant zu bezeichnen. Wenn Markus im 1.

Kapitel vom >Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohne Gottes< (Mk 1,1) spricht, so hat er mit »Evangelium« sicherlich nicht

das von ihm verfaßte Werk gemeint, sondern die Heilsbotschaft, die Jesus Christus verkündigte. Jesus selbst hat diesen Begriff

beziehungsweise einen entsprechenden aramäischen Ausdruck mit Sicherheit nicht gekannt.

Auch Paulus, der Evangelium 56 mal in seinen Briefen nennt, hat damit noch nicht an ein Buch oder an eine Urkunde gedacht. Das Wort

begegnet uns bei ihm immer im Zusammenhang mit Ausdrücken des Redens und Hörens, d. h. es geht immer um einen Inhalt und nicht um

dessen schriftliche Fixierung. Erst im Laufe der Kanonbildung wird Evangelium zur Bezeichnung eines Buches oder besser gesagt, zur

Bezeichnung der vier anerkannten Evangelien. Denn trotz der Vierzahl sind sie doch Zeugnis von dem einen Evangelium, von der einen

Botschaft Jesu Christi.

Die Entstehung der Evangelien

Wie wir schon gesehen haben, sind die Evangelienbücher deswegen entstanden, weil Augenzeugen und Garanten der Wahrheit der

Verkündigung nicht mehr in allen Gemeinden auftreten konnten. Die Gefahr der Verfälschung ist bei einer rein mündlichen Überlieferung

sehr groß. Immer wieder könnte und wird wohl auch einer eigene Schwerpunkte setzen, eigene Deutungen einbringen oder nach Gutdünken

Wichtiges weglassen. Dennoch stimmen Matthäus, Markus und Lukas, die sogenannten Synoptiker, weitgehend überein. Wie ist das zu

erklären? Man geht heute von der Zweiquellen-Theorie aus. Sie besagt, daß Markus das älteste Evangelium verfaßte. Matthäus und Lukas

haben von diesem ersten Zeugnis abgeschrieben, verwerteten aber noch eine weitere Quelle, die sogenannte Spruch-Quelle (= Q). Außerdem

haben sie noch jeweils Sondergut eingebracht, von dem nicht gesagt werden kann, woher es stammt. Alle Evangelisten haben also aus

Vorhandenem geschöpft, natürlich auch Markus, wenn bei ihm auch nicht sicher ist, ob ihm etwas Schriftliches vorgelegen hat.

Ursprüngliche Form

Was war wohl die ursprüngliche Form der Evangelien? Man glaubt, daß als ältester Kern zunächst die Passionsgeschichten entstanden sind.

Denn Tod und Auferstehung Jesu sind die Ereignisse, die die Menschen von damals am meisten erschütterten. An zweiter Stelle kam dann

erst das Leben Jesu, das durch Wundergeschichten veranschaulicht wurde. Schließlich fügte man noch Worte Jesu ein, denn er sollte auch als

Lehrer dargestellt werden. In den Gemeinden spielte das Wort, die Verkündigung eine große Rolle. Da war es wichtig, über authentische

Worte des Herrn zu verfügen. Die Evangelien ruhten also am Ende ihrer Entwicklung auf drei Säulen: Passion, Wundergeschichten und Herrenworte.

Jeder der Evangelisten hat sich dieser drei Grundelemente bedient und sie so umgestaltet und ergänzt, daß sie seinen Intentionen

entsprachen. Markus beispielsweise hat sein Evangelium für die Heidenmission verfaßt. Er konzentriert sich auf die Passion; Jüdisches ist für

ihn nebensächlich, Ihn interessiert nur die Frage: Wie kommt der Heide zum Kreuz, zum Glauben. Matthäus dagegen schreibt für ein

Publikum, das in Auseinandersetzung mit dem Judentum steht. Entsprechend konzentriert er sich auf die Probleme: Jesus und die Juden;

Jesus der Gottessohn und die gesamte Menschheit.

Die Frage ist nun, ob es auch hinsichtlich der literarischen Gattung Vorbilder gegeben hat. Man hat immer wieder versucht, Beziehungen

herzustellen zu vor- oder außerchristlichen Literaturformen, aber ohne Erfolg. Das Evangelium als literarische Gattung ist ganz und gar eine

Schöpfung des Urchristentums. Das Johannesevangelium nimmt eine Sonderstellung ein. Zwar finden sich auch bei ihm Ähnlichkeiten mit

den Synoptikern, aber es ist nicht zu entscheiden, ob Johannes direkt aus den Synoptikern geschöpft hat oder ob sie nur eine gemeinsame

Quelle benutzt haben. Jedenfalls ist das Johannesevangelium in Aufriß und Inhalt deutlich anders. Offensichtlich ist ein vorliegender Stoff so

ausgewählt und zusammengestellt worden, daß etwas Neues entstanden ist. Dieses Vorgehen ist auch für die Verfasser der apokryphen

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Schriften zutreffend, denn ähnlich wie Johannes seine Vorlagen in seinem Sinne umgestaltet hat, so haben auch diese die notwendigen

Veränderungen vorgenommen, um ihre Ideen einzubringen.

Typen apokrypher Evangelien

Wie schon bei den kanonischen Evangelien Unterschiede aufgrund verschiedener theologischer Intentionen vorliegen, so sind auch bei den

apokryphen Evangelien Tendenzen und Zielrichtungen ersichtlich. Es lassen sich drei Typen unterscheiden. Zunächst sind da Schriften, die

offensichtlich in engem Zusammenhang mit den kanonischen Evangelien stehen. Es ist allerdings schwerlich zu entscheiden, ob die

apokryphen Evangelien beispielsweise sich an die Synoptiker angelehnt haben oder ob beide von vorsynoptischem Traditionsgut abhängig

sind. Vielleicht ist es aber auch so, daß eine mündliche Überlieferung einerseits in einem kanonischen Werk schriftlich fixiert wurde,

andererseits trotzdem noch mündlich weitertradiert wurde. Dieser mündliche Überlieferungsstrang wurde im Laufe der Zeit sicherlich

verändert, wohl auch mit außerkanonischem Stoff ergänzt, und fand schließlich ebenfalls einen schriftlichen Niederschlag. Zu dieser Gruppe

apokrypher Evangelien gehören der Papyrus Oxyrrhynchos, die judenchristlichen Evangelien, das Petrusevangelium und das

Ägypterevangelium.

Der zweite Typ liegt in Werken vor, die gnostische Tendenzen aufweisen. Die Schriften dienen der Erläuterung der Gnosis, einer Lehre, die

Erkenntnisse über Anfang, Weg und Ziel des Kosmos und des Menschen offenbaren will. In diesen interessiert Jesus nur insoweit, als er den

Lehren der Gnosis Glaubhaftigkeit verleihen soll. Der historische Jesus kommt nicht in Betracht. Es werden hauptsächlich Visionen und

Gespräche Jesu mit seinen Jüngern wiedergegeben. Dabei handelt es sich aber nicht um wirkliche Dialoge. Die Jünger stellen nur Fragen und

geben so Anlaß zu Offenbarungsreden des Erlösers. Diese kurze Charakterisierung läßt schon ersehen, daß diese Werke mit der Form der

kanonischen Evangelien wenig zu tun haben. Vielleicht haben sie die Bezeichnung Evangelien erhalten, weil man so Schriften nannte, die in

gottesdienstlichem Gebrauch waren.

Werke wie das >Apokryphon des Johannes<, die >Sophia Jesu Christi<, der Dialog des Erlösers und das Thomasevangelium haben noch

eine gewisse Ähnlichkeit mit den kanonischen Evangelien. Ohne Zusammenhang mit diesen sind dagegen das Evangelium der Wahrheit und

das Evangelium nach Philippus.

Schließlich gibt es noch die Gattung der legendären Evangelien. Sie sind durch das Motiv der Ergänzung charakterisiert. Bestimmte

Episoden werden aus dem Leben Jesu herausgenommen und an Hand von Legenden, die in der Volksliteratur begegnen, weitergesponnen.

Diese Schriften zählen zur erbaulichen Literatur. Aber sie drücken nicht nur die Volksfrömmigkeit ihrer Entstehungszeit aus, sondern sie

haben auch die Volksfrömmigkeit der Nachwelt weitgehend geprägt. Zu dieser Gruppe zählen vor allem die Kindheitsevangelien, das

Nikodemusevangelium und die Pilatusliteratur.

Das Petrusevangelium

Petrus wird als Verfasser dieses Evangeliums bezeichnet. Es ist aber offensichtlich, daß hier eine Weiterentwicklung der vier kanonischen

Evangelien vorliegt. Die Ungenauigkeit der Zitate läßt darauf schließen, daß dieser Text aus dem Gedächtnis verfaßt wurde. Der Autor stützt

sich hauptsächlich auf Sondergut von Matthäus, z. B. Händewaschung; Bewachung des Grabes; Versuch, die Auferstehung zu vertuschen.

Von Johannes ist die Datierung des Todestages, das Zerbrechen der Schenkel, die Erscheinung des Auferstandenen am See. Aus Lk ist die

Beteiligung des Herodes an der Verurteilung Jesu und die Episode mit dem Schächer entnommen. Man sagt, daß diese Vorlagen vor allem in

gnostischer Richtung weiterentwikkelt wurden.

Es wird darauf verwiesen, daß Jesus am Kreuz sagt: »Meine Kraft, o Kraft, du hast mich verlassen.« Warum hat der Autor hier Gott mit

Kraft ausgetauscht? Es ist wohl anzunehmen, daß er geglaubt hat, Jesus als Gottessohn könne sich kaum von Gott verlassen fühlen.

Sicherlich wollte er diese Stelle nur entschärfen. Es ist also nicht nötig, etwas Gnostisches in diese Stelle hineinzudeuten. Aber eindeutig

verweist das wandelnde und redende Kreuz bei der Auferstehung auf Kreuzesspekulationen, wie sie in der Gnosis üblich waren.

Es gibt weiterhin auch andere wesentliche Unterschiede, die weniger in Irrlehren bestehen als in einer Verkehrung des wahren Geistes der

Evangelien. Anstelle der Herausforderung an den Glauben, versucht man handfeste Beweise zu stellen. So vollzieht sich die Auferstehung

Jesu in aller Öffentlichkeit, und die heidnischen Soldaten und jüdischen Oberen sind Augenzeugen. Durch so eine massive Beweisführung

wird aber eher das Gegenteil erreicht. Völlig in das Reich der Legende und des Mythos wird die Auferstehung versetzt, wenn aus dem Grabe

drei Gestalten heraustreten, von denen zwei zum Himmel reichen, der dritte aber diese noch überragt.

Textquelle: Das Petrusevangelium

Von den Juden aber wusch sich keiner die Hände, weder Herodes noch einer seiner Richter. Und als sie sich die Hände nicht waschen

wollten, stand Pilatus auf. Da befiehlt der König Herodes, den Herrn abzuführen, indem er ihnen sagt: »Was ich euch befohlen habe, an ihm

zu tun, das tut.«

Es stand aber Joseph dabei, der Freund des Pilatus und des Herrn, und als er sah, daß sie ihn kreuzigen würden, kam er zu Pilatus und bat um

den Leib des Herrn zum Begräbnis. Pilatus sandte zu Herodes und bat um seinen Leib. Herodes sprach: >Bruder Pilatus, auch wenn niemand

um ihn gebeten hätte, würden wir ihn begraben, da ja auch der Sabbat aufleuchtet. Denn es steht im Gesetz geschrieben, die Sonne dürfe

nicht über einem Getöteten untergehen.< Und er übergab ihn dem Volke am Tage vor den ungesäuerten Broten, ihrem Feste.

Sie nahmen den Herrn und stießen ihn hinaus und sprachen: »Lasset uns den Sohn Gottes schleifen, da wir Gewalt über ihn bekommen

haben.« Sie legten ihm ein Purpurgewand um und setzten ihn auf den Richtstuhl und sprachen: >Richte gerecht, o König Israels!< Einer von

ihnen brachte einen Dornenkranz und setzte ihn auf das Haupt des Herrn. Andere aber, die dabei standen, spieen ihm ins Angesicht, andere

schlugen ihm auf die Wangen, andere stießen ihn mit einem Rohr, und etliche geißelten ihn und sprachen: >Mit solcher Ehre wollen wir den

Sohn Gottes ehren.<

Und sie brachten zwei Übeltäter und kreuzigten den Herrn zwischen ihnen. Er aber schwieg, wie wenn er keinen Schmerz empfände. Als sie

das Kreuz aufgerichtet hatten, schrieben sie darauf: Dies ist der König Israels. Sie legten die Kleider vor ihm nieder und teilten sie unter sich

und warfen das Los über sie. Einer aber von den Übeltätern schalt sie und sprach: >Wir leiden um der Freveltaten willen, die wir begangen

haben. Dieser aber, der der Heiland der Menschen geworden ist, was hat er euch zu Leide getan?< Sie aber wurden zornig über ihn und

befahlen, daß ihm die Schenkel nicht gebrochen würden, damit er unter Qualen sterbe.

Es war Mittag und eine Finsternis bedeckte ganz Judäa. Sie gerieten in Angst und Unruhe darüber, daß die Sonne schon untergegangen sei,

obwohl er noch am Leben war. Denn es steht geschrieben, die Sonne dürfe nicht über einem Getöteten untergehen. Einer unter ihnen sprach:

>Gebt ihm Galle mit Essig zu trinken.< Und sie mischten es und gaben ihm zu trinken. Sie erfüllten alles und machten das Maß der Sünden

über ihr Haupt voll. Viele aber gingen mit Lichtern umher, und da sie meinten, es sei Nacht, begaben sie sich zur Ruhe. Und der Herr schrie

auf und rief: > Meine Kraft, o Kraft, du hast mich verlassen!< Indem er dies sagte, wurde er aufgenommen. Zu derselben Stunde riß der Vorhang

des Tempels zu Jerusalem entzwei.

Da zogen die Juden die Nägel aus den Händen des Herrn und legten ihn auf die Erde. Die ganze Erde erbebte und große Furcht entstand. Da

leuchtete die Sonne wieder, und es fand sich, daß es die neunte Stunde war. Die Juden freuten sich und gaben seinen Leib dem Joseph, damit

er ihn beerdige, da er ja all das Gute geschaut hatte, das Jesus getan hatte. Er nahm den Herrn, wusch ihn, hüllte ihn in eine Leinwand und

brachte ihn in sein eigenes Grab, genannt Josephs Garten. Da erkannten die Juden und die Ältesten und die Priester, welch großes Übel sie

sich selbst zugefügt hatten, und begannen zu klagen und zu sagen: »Wehe über unsere Sünden, das Gericht und das Ende Jerusalems ist nahe

herbeigekommen. Ich aber trauerte mit meinen Gefährten, und verwundeten Sinnes verbargen wir uns. Denn wir wurden von ihnen gesucht

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als Übeltäter und solche, die den Tempel anzünden wollten. Wegen all dieser Dinge fasteten wir und saßen trauernd und weinend da Nacht

und Tag bis zum Sabbat.

Als sich aber die Schriftgelehrten und Pharisäer und Ältesten miteinander versammelten und hörten, daß das ganze Volk murre und sich an

die Brust schlage und sage: >Wenn bei seinem Tode diese überaus großen Zeichen geschehen sind, so sehet, wie gerecht er war!< Da

fürchteten sie sich und kamen zu Pilatus, baten ihn und sprachen: >Gib uns Soldaten, damit wir sein Grab drei Tage lang bewachen, damit

nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen, und das Volk glaube, er sei von den Toten auferstanden, und uns Böses antue.< Pilatus gab ihnen

den Hauptmann Petronius mit Soldaten, um das Grab zu bewachen. Mit diesen kamen Älteste und Schriftgelehrte zum Grabe. Alle, die

dort waren, wälzten zusammen mit dem Hauptmann und den Soldaten einen großen Stein herbei und legten ihn vor den Eingang des Grabes

und legten sieben Siegel an, schlugen ein Zelt auf und hielten Wache.

Frühmorgens, als der Sabbat anbrach, kam ein Volkshaufe aus Jerusalem und der Umgebung, um das versiegelte Grab zu sehen. In der Nacht

aber, in welcher der Herrntag aufleuchtete, als die Soldaten, jede Ablösung zu zweit, Wache standen, erscholl eine laute Stimme am Himmel,

und sie sahen die Himmel geöffnet und zwei Männer in einem großen Lichtglanz von dort herniedersteigen und sich dem Grabe nähern.

Jener Stein, der vor den Eingang des Grabes gelegt war, geriet von selbst ins Rollen und wich zur Seite, und das Grab öffnete sich, und beide

Jünglinge traten ein.

Als nun jene Soldaten dies sahen, weckten sie den Hauptmann und die Ältesten - auch diese waren nämlich bei der Wache zugegen. - Und

während sie erzählten, was sie gesehen hatten, sehen sie wiederum drei Männer aus dem Grabe herauskommen und die zwei den einen

stützen und ein Kreuz ihnen folgen und das Haupt der zwei bis zum Himmel reichen, dasjenige, des von ihren an der Hand geführten aber die

Himmel überragen. Und sie hörten eine Stimme aus den Himmeln rufen: »Du hast den Entschlafenen gepredigt«, und es wurde vom Kreuze

her die Antwort laut: > Ja<.

Jene erwogen nun miteinander, hinzugehen und dies dem Pilatus zu melden. Während sie noch beratschlagten, sieht man wieder, wie die

Himmel sich öffnen und ein Mensch heruntersteigt und ins Grab hineingeht. Als die Leute um den Hauptmann dies sahen, eilten sie in der

Nacht zu Pilatus und verließen das Grab, das sie bewachten, und erzählten alles, was sie gesehen hatten, voller Unruhe und sprachen:

»Wahrhaftig, es war Gottes Sohn.« Pilatus antwortete und sprach: »Ich bin rein am Blute des Sohnes Gottes, ihr habt solches beschlossen. Da

traten alle zu ihm, baten und ersuchten ihn dringend, dem Hauptmann und den Soldaten zu befehlen, niemandem zu sagen, was sie gesehen

hatten. >Denn es ist besser für uns<, sagten sie, >uns der größten Sünde vor Gott schuldig zu machen, als in die Hände des Judenvolkes zu

fallen und gesteinigt zu werden.< Pilatus befahl nun dem Hauptmann und den Soldaten, nichts zu sagen.

In der Frühe des Herrntages nahm Maria Magdalena, die Jüngerin des Herrn -aus Furcht vor den Juden, da diese vor Zorn brannten, hatte sie

am Grabe des Herrn nicht getan, was die Frauen an den von ihnen geliebten Sterbenden zu tun pflegten - mit sich ihre Freundinnen und kam

zum Grabe, wo er hingelegt worden war. Und sie fürchteten, die Juden würden sie sehen, und sprachen: »Wenn wir auch an jenem Tage, da

er gekreuzigt wurde, nicht weinen und klagen konnten, so wollen wir das wenigstens jetzt an seinem Grabe tun. Wer aber wird uns auch den

Stein, der an den Eingang des Grabes gelegt ist, wegwälzen, damit wir hineingelangen, uns neben ihn setzen und tun, was sich gehört? -

Denn der Stein war groß - und wir fürchten, daß uns jemand sieht. Und wenn wir es nicht können, so wollen wir wenigstens am Eingang

niederlegen, was wir zu seinem Gedächtnis mitbringen, wollen weinen und klagen, bis wir wieder heimgehen.« Und als sie hingingen,

fanden sie das Grab geöffnet. Und sie traten herzu, bückten sich nieder und sahen dort einen Jüngling sitzen mitten im Grabe, anmutig und

bekleidet mit einem hell leuchtenden Gewande, welcher zu ihnen sprach: >Wozu seid ihr gekommen? Wen sucht ihr? Doch nicht jenen

Gekreuzigten? Er ist auferstanden und weggegangen. Wenn ihr aber nicht glaubt, so bückt euch hierher und sehet den Ort, wo er gelegen hat,

denn er ist nicht da. Denn er ist auferstanden und dorthin gegangen, von woher er gesandt worden ist.< Da flohen die Frauen voller

Entsetzen.

Es war aber der letzte Tag der ungesäuerten Brote, und viele gingen weg und wandten sich nach Hause, da das Fest zu Ende war. Wir aber,

die zwölf Jünger des Herrn, weinten und trauerten, und ein jeder, voller Trauer über das Geschehene, ging nach Hause. Ich aber, Simon

Petrus, und mein Bruder Andreas nahmen unsere Netze und gingen ans Meer.

Epistula Apostolorum

Dieses Werk wird als ein Rundschreiben der 11 Apostel an alle Christen eingeführt. Nach einer kurzen Darstellung des Lebens Jesu wird ein

Gespräch zwischen Jesus und den Jüngern in der Zeit zwischen Auferstehung und Himmelfahrt wiedergegeben. Mit der Briefform hat nur

die Einleitung zu tun. Ansonsten handelt es sich um Offenbarungen des Auferstandenen, und zwar in einer Form, wie es in gnostischen

Evangelien üblich war.

Inhaltlich allerdings steht es im Gegensatz zum Gnostizismus, ja es ist geradezu eine Kampfansage an die gnostische Verdrehung des

Christentums. Der Gegensatz zur Gnosis veranlaßt die Exegeten, diesen Apostelbrief ins 2. Jh. zu datieren (um 170?).

Bekenntnis zu Gott als dem Schöpfer

Daß dieses »Rundschreiben« mit einem Bekenntnis zu Gott als Schöpfer beginnt, ist gegen ein Hauptargument des Gnostizismus gerichtet.

In der Gnosis gibt es zwei Welten, die Welt des Lichts und die Welt der Finsternis, die obere und die untere Welt. In der oberen Welt

herrscht der wahre Gott. Die Welt der Materie und der Finsternis, in der wir leben, hat mit ihm ganz und gar nichts zu tun. Diese untere Welt

ist vielmehr das Werk einer untergeordneten Demiurgengestalt. Und dem wiederspricht die katholische Lehre und die Epistula Apostolorum

mit Nachdruck. Der So hn und der Vater sind Gott, und Gott ist der Schöpfer der Welt. Die Gnostiker mußten aufgrund ihrer Lehre die Welt

verachten, ganz anders die Christen, die die Welt und sich selbst von dem einen Gott geschaffen wußten und deswegen gar nicht anders

konnten, als diese Welt zu lieben. Diese Liebe kommt auch im nachstehenden Text zum Ausdruck, der in geradezu poetischen Worten von

der Schöpfung spricht. Im Gegensatz zur völligen Trennung des Lichtgottes der Gnostiker von der materiellen Welt hat der Gott der Christen

es nicht verabscheut, in diese Welt zu kommen, und zwar als wahrer Mensch. In der Irrlehre des Marcion, in der gnostisches Gedankengut

übernommen wurde, nimmt Jesus nur einen Scheinleib an. Er lebte und litt in einem Scheinleib, um seine Anhänger aus dieser Welt zu

befreien. Wohl auch gegen die Annahme eines Scheinleibes hat der Autor der Epistula Apostolorum betont, daß Jesus im Schoße der

Jungfrau Maria getragen wurde und Fleisch wurde.

Jesu Wundertaten

Das Leben Jesu wird nur ganz kurz mit einer Zusammenfassung seiner Wunder nach den 4 Evangelien erzählt. Am Ende der Wunderberichte

fragen die Apostel nach der Bedeutung der Fünfzahl der Brote, die Jesus vermehrte. Sie werden belehrt, daß auch der Glaube auf fünf Säulen

ruhe. Demgemäß wird ein altes Glaubenssymbol (= Glaubensbekenntnis) angefügt, das aus 5 Punkten besteht.

Auferstehung

Der Auferstehungsbericht stimmt weitgehend mit den kanonischen Evangelien überein. Nur jene Stelle, wo es um den Beweis geht, daß

Jesus kein Gott ist, sondern aus Fleisch und Blut, wird weiter ausgebaut. Nicht nur Thomas, der bei (Joh. 20,27) seine Hand in seine Seite

legt, überzeugt sich vom wirklichen Leib Jesu, auch Petrus und Andreas sind aufgerufen, sich zu überzeugen. Petrus soll die Wundmale an

den Händen prüfen, Andreas soll nachsehen, ob Jesus wirklich auf dem Boden steht, oder ob er wie ein Geist in der Luft schwebt.

Auch hier wird wieder deutlich, daß die Beweisführung mit Nachdruck gegen die Gnostiker gerichtet ist, die erst recht nach Jesu

Auferstehung in der Erscheinung nur einen Geist sehen können, wenn er schon vor seinem Tod in einem Scheinleib auf Erden wandelte.

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Die Menschwerdung

Das Kommen Jesu vom Himmel her wird beschrieben. Er hat die Weisheit und die Kraft des Vaters angenommen und hat unerkannt die

Himmel durchschritten, indem er die Gestalten der Engel annahm. Auf Erden erschien er Maria in der Gestalt des Engels Gabriel. Maria

glaubte und nahm ihn in sich auf. So ist das Wort Fleisch geworden.

Trotz der Bekämpfung des Gnostizismus sind auch Gedanken der Gegner im Apostelbrief aufgenommen worden. Ein Beispiel dafür stellt

dieser wunderliche Bericht der Menschwerdung dar. Nach gnostischen Vorstellungen benötigt man jeweils ein Losungswort, um an den

Pforten der verschiedenen Himmel (Äonen) durchgelassen zu werden. Jesus umgeht das, indem er die Gestalten der Engel der

entsprechenden Himmel annahm. So hat niemand ihn aufgehalten.

In der Beschreibung, die Jesus dann von seiner Wiederkunft gibt, ist einiges Gnostische eingeflossen.

Die Wiederkunft

Nach der Erzählung der Menschwerdung wird ohne Überleitung die Befreiung des Petrus in der Paschanacht berichtet (und zwar eine

verkürzte Fassung der Erzählung in der Apg 12,3 ff.). Petrus kann dadurch an der Agape und der Eucharistiefeier teilnehmen. Die Apostel

schließen daran die Frage, ob sie immer wieder das >Trinken des Pascha< nachvollziehen müßten. Jesus antwortete: > Ja, bis ich komme

vom Vater mit meinen Wunden. <

Schon beim Petrusevangelium wurde gezeigt, daß das Auftreten des Kreuzes wohl von der gnostischen Kreuzesspekulation herrührt. Wenn

dort das Kreuz dem Auferstandenen folgt, so geht es ihm hier voran. Zwar erscheint auch bei Matthäus (24,30) das Kreuz bei der

Wiederkunft, allerdings etwas dezenter als ein Zeichen am Himmel. Gnostisch gefärbt ist weiterhin die beinahe völlige Identität mit dem

Vater.

Ruferweckung und Gericht

Jesus verkündet den Aposteln, daß sie im Fleische auferstehen. Denn auch er, der doch das Fleisch in seiner Menschwerdung erst angezogen

hat, ist im Fleische auferstanden.

Eine gnostische Formulierung liegt im folgenden Ausdruck vor: »... damit ich die in Finsternis Befindlichen ins Licht zurückführe ... «. Dies

ist aber ohne besondere Bedeutung, denn auch in den kanonischen Evangelien sind solche Wendungen häufig anzutreffen, besonders aber bei

Johannes. (Z. B. Joh 1, 5 Das Licht leuchtet in der Finsternis, die Finsternis aber hat es nicht ergriffen.) Die Gnosis hatte demnach eine so

große Wirkung und eine so weite Verbreitung, daß sich offensichtlich niemand ihrem Sprachgebrauch entziehen konnte.

Die Wiederkunft ist mit dem Endgericht verbunden. Auffällig ist dabei, daß Jesus darauf hinweist, daß die Reichen und die Armen gleich

bestraft werden. Zwar genießen die Reichen keine Vorzüge mehr, aber ebensowenig können die Armen hoffen, daß man sich ihrer erbarmt,

nur weil sie arm sind. Aus dieser Argumentation kann man entnehmen, daß für die damalige Kirche der Gegensatz von reich und arm

problematisch war, daß er Anlaß zur Diskussion gegeben hat.

Textquelle: Epistula Apostolorum

Wir, Johannes und Thomas und Petrus und Andreas und Jakobus und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Nathanael und Judas

Zelotes und Kephas, wir haben geschrieben an die Kirchen des Ostens und des Westens, nach Norden und Süden. Das wissen wir: unser Herr

und Heiland Jesus Christus ist Gott, Sohn Gottes, der gesandt worden ist von Gott, dem Herrscher der ganzen Welt, dem Schaffer und

Schöpfer dessen, was mit jedem Namen benannt wird, der über allen Herrschaften ist, als Herr der Herren und König der Könige, der

Gewaltige der Gewaltigen, der Himmlische, der über Cherubim und Seraphim ist und zur Rechten des Thrones des Vaters sitzt, der durch

sein Wort den Himmeln gebot und die Erde und, was auf ihr ist, erbaute und das Meer begrenzte, daß es nicht seine Grenze überschreite, und

machte, daß Tiefen und Quellen sprudeln und auf der Erde fließen Tag und Nacht; der die Sonne, den Mond und die Sterne am Himmel

gründete und der Licht und Finsternis schied, der der Hölle gebot und im Augenblick entbietet den Regen zur Winterszeit und Nebel, Reif

und Hagel und die Tage zu ihrer Zeit; der erschüttert und festigt; der den Menschen nach seiner Gestalt und seinem Bilde geschaffen hat; der

durch die Patriarchen und Propheten in Bildern geredet hat und in Wahrheit durch den, den die Apostel verkündigt und die Jünger betastet

haben. Und Gott, der Herr, der Sohn Gottes - wir glauben: das Wort, welches aus der heiligen Jungfrau Maria Fleisch wurde, wurde in ihrem

Schoße verursacht vom heiligen Geiste, und nicht durch Lust des Fleisches, sondern durch den Willen Gottes wurde es geboren und wurde in

Bethlehem in Windeln gewickelt und offenbart und daß es großgezogen wurde und heranwuchs, indem wir es sahen.

Darauf war eine Hochzeit in Kana von Galiläa. Und man lud ihn ein mit seiner Mutter und seinen Brüdern. Und Wasser machte er zu Wein,

und Tote weckte er auf und machte, daß die Lahmen gingen; dem die Hand verdorrt war, streckte er sie wieder aus, und die Frau, welche

zwölf Jahre an Blutfluß litt, berührte den Saum seines Gewandes und ward sofort gesund; und indem wir nachdachten und uns wunderten

über die Wundertat, welche er vollbrachte, sagte er zu uns: >Wer hat mich berührt?< Und wir sagten zu ihm: »O Herr, das

Menschengedränge hat dich angerührt.« Und er antwortete und sagte zu uns: >Ich habe gemerkt, daß eine Kraft von mir ausgegangen ist.«

Zu der Zeit trat vor ihn jenes Weib, antwortete ihm und sagte zu ihm: >Herr, ich habe dich berührt.< Und er antwortete und sagte zu ihr:

»Geh, dein Glaube hat dich gesund gemacht.« Dann machte er die Tauben hören und die Blinden sehen, und die Besessenen trieb er aus, und

die Aussätzigen reinigte er. Und der Dämon Legion, den ein Mann hatte, begegnete Jesus, schrie und sagte: >Bevor der Tag unseres Verderbens

herangekommen ist, bist du gekommen, um uns zu vertreiben.« Der Herr Jesus aber schalt ihn und sprach zu ihm: >Geh aus diesem

Manne heraus, ohne ihm irgend etwas zuzufügen!< Und er ging in die Säue hinein und versenkte sie im Meer, und sie erstickten. Darauf

wandelte er auf dem Meer, und es bliesen die Winde, und er schalt sie, und die Wogen des Meeres beruhigten sich. Und als wir, seine Jünger,

keinen Denar hatten, sagten wir zu ihm: >Meister, was sollen wir machen hinsichtlich des Steuereinnehmers?< Und er antwortete und sagte

zu uns: > Einer von euch werfe die Angel, die Reuse, in die Tiefe und ziehe einen Fisch heraus, und er wird in ihm einen Denar finden. Den

gebt dem Steuereinnehmer für mich und für euch!« Als wir darauf kein Brot außer fünf Broten und zwei Fischen hatten, gebot er den Leuten

sich zu lagern, und es belief sich ihre Zahl auf 5000 außer den Kindern und Frauen, denen wir Brotstückchen vorlegten; und sie wurden satt,

und es blieb davon übrig, und wir trugen zwölf volle Körbe von Brocken weg, indem wir fragten und sagten: »Welche Bewandtnis hat es mit

diesen fünf Broten?« Sie sind ein Bild unseres Glaubens betreffs des großen Christentums und d. h. an den Vater, den Herrscher der ganzen

Welt, und an Jesum Christum, unsern Heiland, und an den heiligen Geist, den Parakleten, und an die heilige Kirche und an die Vergebung

der Sünden.

Diesen, für den wir Zeugen sind, kennen wir als den, der gekreuzigt ist in den Tagen des Pontius Pilatus und des Fürsten Archelaus, der

zwischen zwei Räubern gekreuzigt ist, und mit ihnen zusammen hat man ihn vom Holz des Kreuzes abgenommen, und er ist begraben an

einem Orte, der qaranejo (Schädelstätte) heißt, wohin drei Frauen: Sara und Martha und Maria Magdalena gingen. Sie trugen Salbe, um sie

auszugießen auf seinen Leib, indem sie weinten und trauerten. Und sie näherten sich dem Grabe und fanden den Stein da, wohin man ihn

abgewälzt hatte vom Grabe, und sie öffneten seine Tür und fanden seinen Leib nicht.

Und wie sie trauerten und weinten, erschien ihnen der Herr und sprach zu ihnen: > Weinet nicht mehr! Ich bin's, den ihr suchet. Es gehe aber

eine von euch zu euren Brüdern und sage: Kommet, unser Meister ist auferstanden von den Toten.« Und Maria kam zu uns und sagte es uns.

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Und wir sprachen zu ihr: »Was ist uns und dir, o Weib? Wer gestorben und begraben ist, kann denn der wieder leben?« Und wir glaubten ihr

nicht, daß unser Heiland von den Toten auferstanden wäre.

Darauf ging sie zu unserm Herrn zurück und sprach zu ihm: >Niemand von ihnen hat mir geglaubt in betreff deiner Auferstehung.< Und er

sprach zu ihr: > Es möge eine andere von euch hingehen, indem sie dies wiederum zu ihnen sagt.< Und Sara kam und tat uns dasselbe kund,

und wir beschuldigten sie der Lüge. Und sie kehrte zu unserm Herrn zurück und sprach zu ihm wie Maria. Darauf sprach der Herr zu Maria

und zu ihren Schwestern: >Lasset uns zu ihnen gehen! < Und er kam und fand uns drinnen verhüllt. Und wir zweifelten und glaubten nicht.

Wie ein Gespenst kam er uns vor, und wir glaubten nicht, daß er es wäre. Aber er war es. Und also sprach er zu uns: »Kommet, fürchtet euch

nicht! Ich bin euer Lehrer, den du, Petrus, ehe der Hahn krähte, dreimal verleugnet hast, und jetzt verleugnest du wiederum?« Und wir

gingen zu ihm, indem wir dachten und zweifelten, ob er es auch wäre. Und er sprach zu uns: >Weshalb zweifelt ihr und seid ihr ungläubig?

Und damit ihr erkennet, daß ich es bin, so lege, Petrus, deine Hand und deine Finger in das Nägelmal meiner Hände und du, Thomas, in

meine Seiten und du auch, Andreas, sieh, ob mein Fuß auf die Erde tritt und dabei eine Spur hat. Denn es steht geschrieben im Propheten:

Ein Gespenst, ein Dämon aber hat keine Spur auf der Erde.< Wir aber nun betasteten ihn, daß er wahrhaftig im Fleisch auferstanden wäre.

Und darauf fielen wir vor ihm auf unser Angesicht, baten ihn um Verzeihung und flehten ihn dafür an, daß wir ihm nicht geglaubt hatten.

Darauf sprach unser Herr und Heiland zu uns: >Steht auf, und ich werde euch offenbaren, was auf Erden und was oberhalb der Himmel ist,

und eure Auferstehung, die im Himmelreich, um derentwillen mein Vater mich gesandt hat, daß ich euch und die, welche an mich glauben,

hinaufführe.

Und was er offenbar hat, ist dies, wie er zu uns sprach: >Während ich vom Vater des Alls her kam, indem ich an den Himmeln vorüberging,

wobei ich die Weisheit des Vaters anzog und in seiner Kraft von seiner Kraft her mich kleidete, war ich in den Himmeln. Und indem ich an

den Engeln und Erzengeln vorüberging in ihrer Gestalt und wie einer von ihnen, ging ich vorüber an den Klassen, Herrschaften und Fürsten,

indem ich das Maß der Weisheit des Vaters, der mich gesandt hat, besaß. Und die Erzengel Michael und Gabriel, Raphael und Uriel folgten

mir bis zum fünften Himmelsfirmament, indem ich ihnen vorkam wie einer von ihnen. Derartige Kraft ist mir vom Vater gegeben. Dann

machte ich, daß die Erzengel mit der Stimme außer sich gerieten und hingingen zum Altar des Vaters und dem Vater dienten in ihrem Werk,

bis daß ich zu ihm zurückkehre.

Dieses tat ich so in der Gestalt seiner Weisheit. Denn ich ward in jedem alles bei ihnen, damit ich den Willen des Erbarmens des Vaters ...

und die Herrlichkeit dessen, der mich gesandt hat, vollende und zu ihm zurückkehre. Wisset ihr, daß der Engel Gabriel gekommen ist und

der Maria Botschaft brachte?« Und wir sprachen zu ihm: »Ja, o Herr.« Und er antwortete und sprach zu uns: >Erinnert ihr euch nicht, daß ich

vordem euch gesagt habe, daß ich den Engeln wie ein Engel geworden bin?« Und wir sprachen zu ihm: >Ja, o Herr.< Und er sprach zu uns:

>Damals erschien ich in der Gestalt des Erzengels Gabriel der Jungfrau Maria und redete mit ihr, und ihr Herz nahm mich auf, sie glaubte

und lachte, und ich, das Wort, ging in sie ein und wurde Fleisch, und ich selbst war für mich selbst Diener und in der Gestalt eines

Engelsbildes, so werde ich tun, nachdem ich zu meinem Vater gegangen bin. Und ihr begeht also das Gedächtnis meines Todes, d. h. das

Pascha, dann wird man einen von euch um meines Namens willen ins Gefängnis werfen, und er wird sehr betrübt und traurig sein, weil,

während ihr das Pascha feiert, er, der in Gewahrsam ist, es nicht mit euch gefeiert hat. Und ich werde meine Kraft in der Gestalt eines Engels

senden, und das Tor des Gefängnisses wird sich öffnen, und er wird herauskommen und zu euch kommen, um mit euch zu wachen und zu

ruhen. Und wenn ihr beim Hahnenschrei meine Agape und mein Gedächtnis vollendet, so wird man ihn wiederum nehmen und ihn zum

Zeugnis ins Gefängnis werfen, bis daß er herausgeht, um zu predigen, wie ich euch befohlen habe. Und wir sprachen zu ihm: »O Herr, hast

du denn nicht das Trinken des Pascha vollendet? Obliegt es uns denn, es wiederum zu tun?« Und er sprach zu uns: »Ja, bis daß ich komme

vom Vater mit meinen Wunden.«

Und wir sprachen zu ihm: >O Herr, groß ist dies, was du uns sagst und offenbarst. In was für einer Kraft und Gestalt steht es dir bevor zu

kommen?< Und er sprach zu uns: »Wahrlich, ich sage euch, ich werde kommen, wie die Sonne, die erglänzt, so werde ich, indem ich

siebenmal mehr als sie in Herrlichkeit leuchte, während ich auf dem Flügel der Wolke getragen werde in Glanz und indem mein Kreuz vor

mir einhergeht, auf die Erde kommen, daß ich richte die Lebendigen und die Toten.«

Und wir sprachen zu ihm: >O Herr, wieviel Jahre noch?< Und er sprach zu uns: >Wenn das hundertundfünfzigste Jahr vollendet ist,

zwischen Pfingsten und Pascha wird stattfinden die Ankunft meines Vaters.< Und wir sprachen zu ihm: >O Herr, jetzt hast du zu uns gesagt:

Ich werde kommen - und wiederum hast du gesagt: es wird kommen, der mich gesandt hat.< Und er sprach zu uns: >Ich bin ganz im Vater

und der Vater in mir.< Darauf sprachen wir zu ihm: >Wirst du uns wirklich bis zu deiner Ankunft verlassen? Wo werden wir einen Lehrer

finden?< Und er antwortete und sprach zu uns: >Wisset ihr nicht, daß ich bis jetzt sowohl hier als dort war bei dem, der mich gesandt hat?<

Und wir sprachen zu ihm: >O Herr, ist es denn möglich, daß du sowohl hier als dort seiest?< Und er sprach zu uns: >Ganz bin ich im Vater

und der Vater in mir nach seinem Bilde und nach seiner Gestalt und nach seiner Kraft und nach seiner Vollkommenheit und nach seinem

Lichte, und ich bin sein vollkommenes Wort.<

Aber siehe, ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet und gehorchet einander und daß beständig Friede zwischen

euch herrsche. Liebet eure Feinde, und was ihr nicht wollt, daß man euch tue, das tut auch ihr keinem andern. Denn wahrlich, ich sage euch:

wie mich der Vater von den Toten auferweckt hat, gleicherweise werdet auch ihr im Fleisch auferstehen, und er wird euch emporsteigen

lassen über die Himmel an den Ort, von dem ich von Anfang an zu euch geredet habe, den euch bereitet hat, der mich gesandt hat. Und

deshalb habe ich alle Barmherzigkeit vollendet: ohne gezeugt zu werden, bin ich von Menschen geboren und, ohne Fleisch zu haben, habe

ich Fleisch angezogen und bin aufgewachsen, damit ich euch, die ihr im Fleisch gezeugt werdet, wiedergebäre und ihr in der Wiedergeburt

die Auferstehung in eurem Fleisch erhaltet, einem Gewande, das nicht vergehen wird, mit allen, die hoffen und glauben an den, der mich

gesandt hat; denn so hat mein Vater an euch Wohlgefallen gefunden, und denen, welchen ich will, gebe ich die Hoffnung des Reiches.«

Darauf sprachen wir zu ihm: >Groß ist, wie du hoffen läßt und redest.< Er antwortete und sprach zu uns: >Glaubt ihr, daß alles, was ich euch

sage, geschehen wird?< Und wir antworteten ihm und sprachen zu ihm: >Ja, o Herr.< Und er sprach zu uns: >Wahrlich, ich sage euch, daß

ich alle Gewalt von meinem Vater empfangen habe, damit ich die in Vergänglichkeit Befindlichen in die Unvergänglichkeit und die im

Irrtum Befindlichen in die Gerechtigkeit und die im Tode Befindlichen ins Leben zurückführe und damit die in Gefangenschaft Befindlichen

entfesselt werden, wie das, was von Seiten der Menschen unmöglich ist, von Seiten des Vaters möglich ist. Ich bin die Hoffnung der Hoffnungslosen,

der Helfer derer, die keinen Helfer haben, der Schatz der Bedürftigen, der Arzt der Kranken, die Auferstehung der Toten.<

Nachdem er dies zu uns gesagt hatte, sprachen wir zu ihm: > O Herr, steht es wirklich dem Fleisch bevor, mit der Seele und dem Geist

zusammen gerichtet zu werden, und wird die eine Hälfte davon im Himmelreich ruhen und die andere ewiglich gestraft werden?< Und er

sprach zu uns: >Wie lange noch fragt und forscht ihr?< Und wir sprachen wiederum zu ihm: >O Herr, es ist aber nötig, weil du uns befohlen

hast, daß wir predigen, verkünden und lehren, damit wir, indem wir genau von dir hören, gute Verkündiger werden und sie lehren, daß sie an

dich glauben. Deshalb befragen wir dich.< Er antwortete und sagte zu uns: »Wahrlich, ich sage euch, das Fleisch jedes Menschen wird

auferstehen mit seiner Seele und seinem Geiste.«

Darauf sprach er zu uns: >Fällt das Fleisch oder Geist hin?< Und wir sprachen zu ihm: »Das Fleisch.« Und er sprach zu uns: >Was nun

hingefallen ist, wird auferstehen, und was krank ist, wird gesund werden, damit daran mein Vater gepriesen werde; wie er an mir getan hat,

so werde ich tun an euch und an allen, die an mich glauben.< Wahrlich ich sage euch: >Das Fleisch wird auferstehen mit der Seele lebendig,

damit sie bekennen und gerichtet werden mit dem Werk, was sie getan haben, es sei Gutes oder Böses, es werde zu einer Auswahl und

Darstellung für die, welche geglaubt und getan haben das Gebot meines Vaters, der mich gesandt hat. Darauf wird das gerechte Gericht

stattfinden; denn so will es mein Vater, und er sprach zu mir: Mein Sohn, am Tage des Gerichts sollst du dich vor dem Reichen nicht scheuen

und des Armen nicht erbarmen, sondern übergib einen jeden gemäß seiner Sünde ewiger Bestrafung. Denjenigen aber, die mich geliebt

haben und mich lieben und welche mein Gebot getan haben, werde ich Ruhe im Leben verleihen im Reiche meines himmlischen Vaters. Sie-

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he, schaut, was für eine Macht er mir verliehen hat, und er hat mir gegeben, daß, ... was ich will und wie ich gewollt habe, ... und denen ich

Hoffnung erweckt habe. Und deswegen bin ich hinabgestiegen und habe geredet zu Abraham und Isaak und Jakob, zu euren Vätern, den

Propheten, und habe ihnen Botschaft gebracht. Wer aber an mich glaubt und mein Gebot nicht tut, hat, obwohl er an meinen Namen glaubt,

keinen Nutzen davon. Vergeblich ist er einen Lauf gelaufen. Sein Ende ist für das Verderben und für die Strafe großen Schmerzes bestimmt,

denn er hat gesündigt gegen mein Gebot. Euch aber habe ich gegeben, daß ihr Kinder des Lichtes in Gott seid und rein seid von aller Bosheit

und aller Macht der Fürsten und denjenigen, die durch euch an mich glauben, will ich ebenso tun, und wie ich euch gesagt und verheißen

habe, daß er aus dem Gefängnis herausgehen und aus den Fesseln und den Lanzen und dem schrecklichen Feuer befreit werden soll.< Und

wir sprachen zu ihm: > O Herr, in jeder Hinsicht hast du uns erfreut und uns Ruhe gegeben; denn in Treue und Zuverlässigkeit hast du

unseren Vätern und den Propheten und ebenso uns und jedem verkündigt.< Und er sprach zu uns: >Wahrlich, ich sage euch: euch und alle,

die glauben, und auch die, welche noch glauben werden an den, der mich gesandt hat, werde ich aufsteigen lassen in die Himmel, an den Ort,

welchen zubereitet hat den Auserwählten und Auserwähltesten der Vater, der geben wird die Ruhe, die er verheißen hat, und das ewige

Leben. Diejenigen aber, die gegen mein Gebot gesündigt haben, anders lehren, abziehen und hinzufügen und für ihre eigene Ehre wirken,

indem sie abwendig machen diejenigen, welche recht an mich glauben, werde ich dem Verderben übergeben.< Und wir sprachen zu ihm: >O

Herr, wird denn eine andere Lehre existieren?< Und er sprach zu uns: > Wie die Guten und Schönes Vollbringenden werden auch die Bösen

offenbar. Und dann wird eintreten ein gerechtes Gericht nach ihrem Werk gemäß dem, wie sie gehandelt haben, und man wird sie dem

Verderben übergeben.< Und wir sprachen zu ihm: > Selig sind wir, die wir dich sehen und hören, wie du zu uns redest, und deren Augen

solche Krafttaten gesehen haben, die du getan hast.< Und er antwortete und sprach zu uns: »Aber vielmehr selig werden die sein, welche

mich nicht sehen und doch an mich glauben, denn sie werden Kinder des Reiches genannt werden und werden Vollkommene in dem

Vollkommenen sein; diesen werde ich werden, ewiges Leben im Reiche meines Vaters.< Und wir sprachen wiederum zu ihm: »O Herr, wie

wird es möglich sein, zu glauben, daß du uns verlassen wirst, wie du sagst: es kommt Zeit und Stunde, wo es dir bevorsteht, daß du zu

deinem Vater gehst?« Er antwortete und sprach zu uns: > Gehet und predigt den zwölf Stämmen Israels und den Heiden und Israel und dem

Lande Israels nach Osten und Westen, Norden und Süden, und viele werden an mich, den Sohn Gottes, glauben.< Und wir sprachen zu ihm:

»O Herr, wer wird uns glauben und wer wird auf uns hören und wie können wir tun und lehren und erzählen die Wunder und Zeichen und

Krafttaten, wie du sie getan hast?« Und er antwortete und sprach zu uns: > Geht und predigt die Barmherzigkeit meines Vaters; wie mein

Vater getan hat durch mich, werde ich auch tun durch euch, indem ich mit euch bin, und ich werde euch geben meinen Frieden und meinen

Geist und meine Kraft, damit es euch widerfahre, daß sie glauben. Auch ihnen wird diese Kraft gegeben und vererbt werden, damit sie sie

den Heiden geben. Und siehe, ihr werdet einen Mann treffen, dessen Name Saul ist, d. i. verdolmetscht Paulus. Er ist Jude, beschnitten nach

der Vorschrift des Gesetzes, und er wird meine Stimme vom Himmel her hören mit Schrecken, Furcht und Zittern; und seine Augen werden

verfinstert und durch eure Hand mit Speichel bekreuzt werden. Und alles tut ihm, wie ich euch getan habe. Und dieser Mann - sobald seine

Augen aufgetan werden - wird Gott, meinen himmlischen Vater, preisen. Und er wird stark werden unter den Völkern und wird predigen und

lehren, und viele werden erfreut werden, wenn sie hören, und werden gerettet werden. Darauf wird man ihn hassen und in die Hand seines

Feindes ausliefern, und er wird vor sterblichen Königen bekennen, und die Vollendung des Bekenntnisses zu mir wird über ihn kommen;

dafür, daß er mich verfolgt und gehaßt hatte, wird er zu mir bekehren und predigen und lehren, und er wird unter meinen Auserwählten sein,

ein auserwähltes Rüstzeug und eine Mauer, die nicht fällt. Der Letzte der Letzten wird Prediger für die Heiden werden, vollkommen im

Willen meines Vaters. Wie ihr aus den Schriften erfahren habt, daß eure Väter, die Propheten, über mich geredet haben und es an mir erfüllt

ist - dieses Wahrhaftige sprach er - so werdet auch ihr ihnen zum Führer! Und jedes Wort, welches ich zu euch geredet habe und welches ihr

über mich geschrieben habt, daß ich das Wort des Vaters bin und der Vater in mir ist, werdet ihr auch an jenen Mann weitergeben. Lehret

und erinnert ihn, was in den Schriften über mich gesagt und erfüllt worden ist, und dann wird er den Heiden zum Heil sein.

Und wir sprachen zu ihm: »O Meister, haben wir mit ihnen zusammen eine Hoffnung auf das Erbe?« Er antwortete und sprach zu uns: >

Sind die Finger der Hand gleich oder die Ähren auf dem Felde, oder geben die fruchttragenden Bäume gleiche Frucht? Bringen sie nicht je

nach ihrer Natur Frucht?< Und wir sprachen zu ihm: >O Herr, redest du wieder im Gleichnis zu uns?< Und er sprach zu uns: > Seid nicht

betrübt! Wahrlich ich sage euch, meine Brüder seid ihr, Genossen im Himmelreich bei meinem Vater, denn so hat es ihm gefallen. Wahrlich,

ich sage euch, auch denjenigen, die ihr gelehrt haben werdet und die an mich gläubig geworden sein werden, werde ich diese Hoffnung

geben.<

Und wir sprachen wiederum zu ihm: > Wann, Herr, werden wir jenen Mann treffen, und wann wirst du zu deinem Vater und auch unserem

Gott und Herrn gehen?< Und er antwortete und sprach zu uns: > Jener Mann wird aus dem Lande Cilicien ausziehen nach Damaskus in

Syrien, um die Kirche, die euch zu schaffen obliegt, zu zerreißen. Ich bin es, der durch euch zu ihm reden wird, und er wird eilends kommen.

In diesem Glauben wird er sein, damit erfüllt werde das Wort des Propheten, der da spricht: Siehe, aus dem Lande Syrien will ich zu rufen

anfangen ein neues Jerusalem, und Zion will ich mir unterwerfen und es wird gefangen werden, und die Unfruchtbare, die keine Kinder hat,

wird kinderreich sein und wird Tochter meines Vaters genannt werden, mir aber meine Braut, denn also hat es gefallen dem, der mich

gesandt hat. Jenen Mann aber werde ich abwenden, daß er nicht hingeht und den bösen Plan vollbringt, und durch ihn wird Ehre meines

Vaters eintreten. Denn nachdem ich fortgegangen bin und bei meinem Vater weile, werde ich vom Himmel her mit ihm reden, und es wird

alles geschehen, wie ich es euch über ihn vorhergesagt habe.<

Und wir sprachen wiederum zu ihm: >O Herr, so Bedeutsames hast du zu uns geredet und uns verkündigt und hast uns nie ausgesprochenes

Großes offenbart und in jeder Hinsicht hast du uns beruhigt und hast dich uns gnädig erwiesen. Denn nach deiner Auferstehung offenbartest

du uns dies alles, damit wir wirklich gerettet würden. Du sagtest uns aber nur, daß Zeichen und Wunder am Himmel und auf Erden

geschehen würden, ehe das Ende der Welt einträte. Daß wir es also erkennen, lehre uns! < Und er sprach zu uns: > Euch werde ich lehren

und zwar nicht nur, was an euch geschehen wird, sondern auch an denjenigen, die ihr lehren werdet und die glauben werden, und es gibt

solche, die hören und an mich glauben werden. In jenen Jahren und in jenen Tagen wird dies geschehen.< Und wir sprachen wiederum zu

ihm: > O Herr, was ist denn das, was geschehen wird?< Und er sprach zu uns: > Dann werden die Gläubigen und auch die, welche nicht

glauben werden, ein Horn am Himmel sehen und das Gesicht großer Sterne, die während es Tag ist, sichtbar sind, und einen Drachen, indem

er vom Himmel bis zur Erde reicht und indem Sterne, die wie Feuer sind, herabfallen und große Hagelschlossen von heftigem Feuer, und wie

Sonne und Mond miteinander streiten, und beständig der Schrecken von Donner und Blitzen, Donnerkrachen und Erdbeben, wie Städte

einstürzen und bei ihrer Zerstörung Menschen sterben, beständig Dürre infolge des Ausbleibens des Regens, eine große Pest und ein

ausgebreitetes und häufiges schnelles Sterben, so daß denen, die sterben, das Begräbnis fehlen wird; und es wird das Hinausgetragenwerden

von Kindern und Verwandten auf einer Bahre geschehen. Und der Verwandte wird sich seinem Kinde nicht zuwenden noch die Kinder ihrem

Verwandten, und ein Mensch wird sich seinem Nächsten nicht zuwenden. Die Verlassenen aber, welche verlassen wurden, werden

auferstehen und die sehen, welche sie verlassen haben, indem sie sie hinausbrachten, weil Pest war. Alles ist Haß und Bedrängnis und

Eifersucht, und dem einen wird man nehmen und dem anderen schenken, und schlimmer wie dies wird sein, was nach diesem kommt.

Beklagt die, welche seinem Gebot nicht gehorcht haben! Dann wird mein Vater wegen der Bosheit der Menschen in Zorn geraten; denn

zahlreich sind ihre Versündigungen, und der Schauder vor ihrer Unreinheit ist sehr wider sie in der Verderbnis ihres Lebens.< Und wir

sprachen zu ihm: > Was, Herr, was wird denen zuteil, die auf dich hoffen?< Und er antwortete und sprach zu uns: > Wie lange seid ihr weiter

trägen Herzens? Wahrlich, ich sage euch, wie der Prophet David über mich und die Meinigen gesprochen hat, so will er es auch über die,

welche an mich glauben werden. Es werden aber in der Welt Betrüger und Feinde der Gerechtigkeit sein, und sie wird treffen die

Prophezeiung Davids, der sagte: >Ihre Füße sind eilend zum Blutvergießen, und ihre Zunge flicht Betrug, und Schlangengift ist unter ihren

Lippen. Und ich sehe dich, wie du mit einem Dieb umherläufst und mit einem Hurer ist dein Anteil. Indem du ferner dasitzt, schmähst du

deinen Bruder und indem du legst einen Fallstrick dem Sohne deiner Mutter. Was meinst du, soll ich sein wie du?< Und nun sehet, wie der

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Prophet Gottes über alles geredet hat, damit erfüllt werde alles, was zuvor gesagt worden ist. Und wiederum sprachen wir zu ihm: > O Herr,

werden dann nicht die Heiden sagen: Wo ist ihr Gott?< Er antwortete und sprach zu uns: »Daran werden die Auserwählten offenbar werden,

daß sie, nachdem sie durch eine solche Not bedrängt worden sind, hinausgehen.« Und wir sprachen zu ihm: > Wird ihr Ausgang aus der Welt

eintreten durch eine Pest, die sie gequält hat?< Und er sprach zu uns: > Nein, sondern, wenn sie Qual leiden, wird ihnen solches Leiden zu einer

Prüfung werden, ob sie Glauben haben und ob sie dieses meines Wortes gedenken und mein Gebot tun. Diese werden auferstehen, und

ihr Verweilen wird wenige Tage dauern, damit gepriesen werde, der mich gesandt hat, und ich mit ihm. Denn er hat mich zu euch gesandt.

Dieses sage ich zu euch. Ihr aber sagt es Israel und den Heiden, damit sie hören; auch sie sollen gerettet werden und an mich glauben und der

Not der Pest entgehen. Und wer der Not des Todes entgangen ist, einen solchen wird man nehmen und ihn im Gefängnis verwahren unter

Peinigung wie der eines Diebes.< Und wir sprachen zu ihm: >O Herr, werden sie gleich werden den Ungläubigen, und wirst du ebenso die

bestrafen, welche der Pest entgangen sind?< Und er sprach zu uns: »An meinen Namen glaubend, haben sie das Werk der Sünder getan, wie

Ungläubige haben sie gehandelt. « Und wir sprachen wiederum zu ihm: > O Herr, haben die, welche entgangen sind, in diesem Teil kein

Leben?< Er antwortete und sprach zu uns: »Wer die Verherrlichung meines Vaters getan hat, der ist die Wohnung meines Vaters.«

Und wir sprachen zu ihm: >O Herr, lehre uns, was nach diesem geschehen wird!< Und er sprach zu uns: »In jenen Jahren und Tagen wird

Krieg über Krieg sein und die vier Ecken der Welt werden erschüttert werden und werden sich gegenseitig bekriegen. Und darauf wird

eintreten eine Wolkenbewegung, Finsternis und Dürre und Verfolgung derer, die an mich glauben, und der Auserwählten. Darauf

Uneinigkeit, Streit und Bosheit des Handelns gegeneinander. Darunter gibt es solche, die an meinen Namen glauben und trotzdem der

Bosheit folgen und eitle Lehre lehren. Und diesen wird man folgen und wird sich ihrem Reichtum, ihrer Verworfenheit, ihrer Trunksucht und

ihrem Bestechungsgeschenk unterwerfen, und Ansehen der Person wird unter ihnen herrschen. Diejenigen aber, welche das Antlitz Gottes

schauen wollen und welche die Person der sündigen Reichen nicht berücksichtigen und sich nicht scheuen vor den Menschen, die sie

verführen, sondern sie tadeln - diese werden beim Vater gekrönt sein, wie auch die, welche ihre Nächsten tadeln, gerettet werden. Dieser ist

ein Sohn der Weisheit und des Glaubens. Wenn er aber nicht ein Sohn der Weisheit geworden ist, so wird er hassen und verfolgen und sich

nicht zuwenden seinem Bruder und wird ihn verachten und ihn abweisen. Die aber, welche wandeln in Wahrheit und in der Erkenntnis des

Glaubens an mich und die Erkenntnis der Weisheit haben und Geduld um der Gerechtigkeit willen, indem man sie, die nach Armut streben,

verachtet und sie trotzdem aushalten, groß ist ihr Lohn. Die man schmäht, quält und verfolgt, indem sie bloß sind und indem man hochmütig

gegen sie ist und indem sie hungern und dürsten und weil sie ausgehalten haben - selig werden sie sein in den Himmeln und werden immerdar

mit mir sein. Wehe denen, die sie hassen und verachten! Und ihr Ende ist für das Verderben.<

Und wir sprachen zu ihm: > O Herr, wird dies allen widerfahren?< Und er sprach zu uns: > Wie wird das Gericht der Gerechtigkeit

geschehen, den Sündern und den Gerechten?< Und wir sprachen zu ihm: »Wird man an jenem Tage nicht zu dir sagen: Du hast führen lassen

zu Gerechtigkeit und Sünde und hast geschieden Finsternis und Licht, Böses und Gutes?« Und er sprach zu uns: > Adam ist die Macht

gegeben worden, daß er von den zweien, was er wollte, erwähle, und er wählte das Licht und streckte seine Hände aus und nahm es und ließ

die Finsternis und entfernte sich von ihr. Ebenso ist jeder Mensch ermächtigt, zu glauben an das Licht, dies ist das Leben des Vaters, der

mich gesandt hat. Und wer an mich geglaubt hat, wird leben, wenn er das Werk des Lichtes getan hat. Wenn er aber bekennt, daß das Licht

ist, und tut das der Finsternis, so hat er weder etwas, was er zur Verteidigung wird sagen können, noch wird er das Antlitz erheben können

und anblicken den Sohn, der ich bin. Und ich werde zu ihm sagen: Du hast gesucht und gefunden, hast gebeten und empfangen. Was tadelst

du uns? Weshalb hast du dich von mir und meinem Reiche entfernt? Du hast mich bekannt und dann doch verleugnet. Nun also sehet, daß

jeder ermächtigt ist, sowohl zu leben als zu sterben. Und wer mein Gebot tut und bewahrt, wird ein Sohn des Lichtes, d. h. meines Vaters,

sein. Und denen die bewahren und tun, um derentwillen bin ich herabgestiegen vom Himmel, ich, das Wort, bin Fleisch geworden und bin

gestorben, indem ich lehrte und überführte, daß die einen gerettet werden, die andern aber ewiglich zugrundegehen werden, indem sie im

Feuer gestraft werden am Fleisch und am Geist.<

Und wir sprachen zu ihm: »O Herr, wir sind wahrlich betrübt ihretwegen.« Und er sprach zu uns: > Ihr tut gut daran, denn also sind besorgt

die Gerechten um die Sünder und beten und flehen zu Gott und bitten ihn.< Und wir sprachen zu ihm: > O Herr, fleht dich niemand an?<

Und er sprach zu uns: > Ja, ich werde hören die Bitte der Gerechten für sie.< Und wir sprachen zu ihm: > O Herr, dies alles hast du uns

gelehrt und hast uns belebt und dich uns gnädig erwiesen. Und wir werden es denen, denen es gebührt, predigen. Wird uns aber bei dir Lohn

zuteil werden?<

Und er sprach zu uns: > Geht und predigt und werdet gute Diener und Knechte!<

Und wir sprachen zu ihm: »O Herr, du bist unser Vater. « Und er sprach zu uns: > Sind alle Väter und alle Diener, alle Lehrer?< Und wir

sprachen zu ihm: »O Herr, hast du nicht gesagt: Nicht nennt jemanden auf Erden Vater und Meister, denn einer ist euer Vater und Lehrer: der

in den Himmeln! Jetzt sagst du uns, daß wir wie du vielen Kindern Väter werden sollen und auch Lehrer und Diener. « Und er antwortete

und sprach zu uns: > Ihr habe recht gesagt. Wahrlich, ich sage euch: alle, die auf euch gehört und an mich geglaubt haben, werden erhalten

das Licht des Siegels, das in meiner Hand ist, und durch mich werdet ihr werden Väter und Lehrer. <

Und wir sprachen zu ihm: »O Herr, wie ist es möglich, daß dies drei an Einem werde?« Und er antwortete und sprach zu uns: »Wahrlich,

wahrlich, ich sage euch: Väter werdet ihr genannt werden, weil ihr liebreich und barmherzig ihnen offenbart habt, was im Himmelreich ist ...,

weil sie durch meine Hand empfangen werden die Taufe des Lebens und die Vergebung der Sünde. Und Lehrer: weil ihr ihnen mein Wort

überliefert ohne Schmerz und sie zurechtgewiesen habt und sie sich bekehrt haben in dem, worin ihr sie getadelt habt. Und vor ihrem

Reichtum habt ihr euch nicht gescheut und habt nicht die Person berücksichtigt, sondern ihr habt das Gebot des Vaters bewahrt und es getan.

Und ihr habt Lohn bei meinem himmlischen Vater; und jenen wird Sündenvergebung und ewiges Leben und Anteil am Reich zuteil werden.

« Und wir sprachen zu ihm: > O Herr, wenn sie einen zehntausendfachen Mund hätten, würden sie dir nicht danksagen können, wie es sich

geziemt.< Und er antwortete und sprach zu uns: > Dies sage ich euch, damit ihr tut, wie ich euch getan habe; und seid wie die klugen

Jungfrauen, die Licht angezündet und nicht geschlummert haben und die mit ihren Lampen dem Herrn, dem Bräutigam, entgegengegangen

und mit ihm in das Bräutigamsgemach eingegangen sind. Die Törichten aber, die mit ihnen redeten, vermochten nicht zu wachen, sondern

schliefen ein.<

Und wir sprachen zu ihm: »O Herr, wer sind die Klugen und wer die Törichten?« Und er sprach zu uns: > Die Klugen sind diese fünf, die der

Prophet Töchter Gottes nennt, deren Namen man höre.< Wir aber waren traurig und betrübt und weinten über die, welche ausgeschlossen

worden waren. Und er sprach zu uns: > Die fünf Klugen sind diese: der Glaube, die Liebe, die Freude, der Friede, die Hoffnung. Sobald die,

welche an mich glauben, diese haben, werden sie denen, die an mich und an den, der mich gesandt hat, glauben, Führer sein. Ich bin der Herr

und ich bin der Bräutigam, mich haben sie empfangen und mit mir sind sie hineingegangen in das Haus des Bräutigams und haben sich mit

dem Bräutigam zu Tisch niedergelegt und sich erfreut. Die fünf Törichten aber haben geschlafen und, als sie erwachten, kamen sie zum Haus

des Bräutigams und klopften an die Türen, denn man hatte sie verschlossen; und sie weinten, weil sie verschlossen waren.< Und wir

sprachen zu ihm: > O Herr, diese ihre klugen Schwestern nun, die im Hause sind, öffnen sie ihnen nicht und sind sie ihretwegen nicht

traurig?< Und er sprach zu uns: > Ja, sie sind traurig und bekümmert ihretwegen und flehen den Bräutigam an und konnten noch nicht etwas

erlangen ihretwegen.< Und wir sprachen zu ihm: > O Herr, wann werden sie um ihrer Schwestern willen hineingehen?< Und er sprach zu

uns: > Wer ausgeschlossen ist, der ist ausgeschlossen.< Und wir sprachen zu ihm: > O Herr, ist diese Sache entschieden? Wer sind nun diese

Törichten?< Und er sprach zu uns: > Höret: Einsicht, Erkenntnis, Gehorsam, Geduld, Barmherzigkeit. Diese haben geschlafen unter denen,

welche geglaubt und mich bekannt haben.

Und indem die, welche geschlafen haben, mein Gebot nicht tun, werden sie außerhalb des Reiches und der Hürde des Schafhirten stehen;

und wer außerhalb der Hürde stehengeblieben ist, den wird der Wolf fressen. Und obwohl er hört, wird er gerichtet werden und sterben, und

viel Leiden und Mühsal und Geduld wird auf ihm sein, und obwohl er böse gequält wird und obwohl er zerstückelt und mit langer und

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schlimmer Strafe zerfleischt wird, wird er doch nicht schnell sterben können.< Und wir sprachen zu ihm: > O Herr, schön hast du uns alles

offenbart.< Und er sprach zu uns: > Versteht und begreift diese Worte!< Und wir sprachen zu ihm: »O Herr, diese fünf sind es, durch die sie

die Aussicht haben, in dein Reich einzugehen, und fünf, die ausgeschlossen sind, wodurch sie außerhalb deines Reiches sein werden. Jedoch

sie, welche gewacht haben und mit dem Herrn, dem Bräutigam, hineingegangen sind, werden sich nicht freuen wegen derer, die geschlafen

haben. « Und er sprach zu uns: > Sie werden sich freuen, daß sie hineingegangen sind mit dem Herrn, und werden betrübt sein um derer

willen, die geschlafen haben, denn sie sind ihre Schwestern. Und diese Töchter Gottes sind zehn.< Und wir sprachen zu ihm: »O Herr, deiner

Größe entspricht es, daß du ihren Schwestern Gnade erzeigest.« Und er sprach zu uns: > Diese Sache ist nicht die eurige, sondern dessen, der

mich gesandt hat, indem auch ich mit ihm übereinstimme. Ihr aber, indem ihr hingeht, predigt und lehret wahr und recht, indem ihr

niemandes Person anseht und fürchtet, besonders aber nicht die der Reichen, an denen etwas gefunden wird, die mein Gebot nicht tun, die in

ihrem Reichtum schwelgen.< Und wir sprachen zu ihm: > O Herr, sprichst du allein von den Reichen zu uns?< Und er sprach zu uns: > Auch

jener, der nicht reich ist, kann ein Almosen an die Armen und Bedürftigen nicht verweigern.

Wenn aber einer seine Last d. i. die Sünde, die er gegen die Person seines Nächsten getan hat, tragend fällt, so soll sein Nächster zur

Vergeltung für das, was er seinem Nächsten Gutes getan hat, ihn zurechtweisen. Und wenn ihn sein Nächster zurechtgewiesen hat und er

sich bekehrt hat, so wird er gerettet werden, und der, welcher ihn zurechtgewiesen hat, wird das ewige Leben erlangen. Wenn er aber sieht,

wie dieser, der ihm etwas erweist, sündigt, und begünstigt ihn, ein solcher wird in einem großen Gericht gerichtet werden. Denn ein Blinder,

der einen Blinden führt, die beiden werden in eine Grube fallen. Ebenso werden der Begünstiger, der die Person ansieht, und auch der, den er

begünstigt und dessen Person er ansieht, beide mit einer Strafe gestraft werden, wie der Prophet gesagt hat: Wehe den Begünstigern, die den

Sünder um eines Bestechungsgeschenkes willen gerecht sprechen, deren Gott ihr Bauch ist! Seht ihr, wie das Gericht ist? Wahrlich ich sage

euch: An jenem Tage werde ich mich vor dem Reichen nicht scheuen und mit dem Armen kein Erbarmen haben.

Wenn du mit deinen Augen gesehen hast, wie einer sündigt, so züchtige ihn, du allein unter vier Augen. Wenn er auf dich hört, so hast du ihn

gewonnen. Wenn er aber nicht auf dich hört, so tritt zu zweit oder höchstens zu dritt auf, züchtige deinen Bruder! Wenn er aber auch dann

nicht auf dich hört, so soll er dir wie ein Heide und Zöllner sein.<

Wenn du eine Sache hörst, so schenke keinen Glauben gegen deinen Bruder und verleumde nicht und liebe es nicht, Verleumdung

anzuhören. Denn so steht ge schrieben: > Laß dein Ohr nichts gegen deinen Bruder anhören, sondern nur wenn du gesehen hast, tadele,

züchtige und bekehre ihn.< Und wir sprachen zu ihm: »Herr, du hast uns in allem gelehrt und ermahnt. Aber, Herr, soll denn unter den

Gläubigen, die unter ihnen an die Predigt deines Namens glauben werden, Entzweiung und Streit und Eifersucht und Verwirrung und Haß

und Bedrängnis sein? Denn du hast doch gesagt: sie werden einander tadeln, ohne die Person angesehen zu haben. Sündigen diese, die da

hassen den, der sie gezüchtigt hat?« Und er antwortete und sprach zu uns: > Warum wird nun das Gericht stattfinden? Damit man den

Weizen in seine Scheuern lege und seine Spreu ins Feuer werfe.<

>... Welche also hassen, und wer mich liebt und wer die tadelt, die mein Gebot nicht tun, diese werden also gehaßt und verfolgt werden, und

man wird sie verachten und verspotten. Man wird auch absichtlich sagen, was nicht wahr ist, und es wird zu einer Zusammenrottung

kommen gegen die, welche mich lieben. Diese aber werden sie tadeln, damit sie gerettet werden. Und diejenigen, welche sie tadeln und

züchtigen und ermahnen werden, wird man hassen und absondern und verachten, und die ihnen Gutes zu tun wünschen, werden daran gehindert

werden. Aber diese, welche so erduldet haben, werden beim Vater als Märtyrer gelten, weil sie um die Gerechtigkeit geeifert haben

und nicht mit verderblichem Eifer geeifert haben. < Und wir sprachen zu ihm: >Wird, Herr, solches auch in unserer Mitte eintreten?< Und er

sprach zu uns: > Fürchtet euch nicht vor dem, was nicht bei vielen, sondern nur bei wenigen eintreten wird!< Und wir sprachen zu ihm: »

Sage uns, auf welche Weise! « Und er sprach zu uns: »Es wird eine andere Lehre und Streit kommen, und indem sie ihre eigene Ehre wollen

und eine nichtsnutzige Lehre hervorbringen, wird dabei ein Ärgernis des Todes eintreten, und sie werden lehren und selbst die, welche an

mich glauben werden, von meinem Gebot abwenden und sie aus dem ewigen Leben herausbringen. Wehe aber denen, die dies mein Wort

und mein Gebot zum Vorwand benutzen, und auch denen, die auf sie hören, und denen, die sich entfernen vom Leben der Lehre, denen, die

sich entfernen vom Gebot des Lebens, sie werden mit ihnen ewiglich gestraft werden. «

Und nachdem er dies gesagt und das Gespräch mit uns beendigt hatte, sprach er wiederum zu uns: > Siehe, nach drei Tagen und drei Stunden

wird der, welcher mich gesandt hat, kommen, damit ich mit ihm gehe.< Und wie er sprach, trat Donner und Blitz und Erdbeben ein, und die

Himmel spalteten sich, und eine lichte Wolke kam und nahm ihn fort. Und die Stimme vieler Engel hörten wir, wie sie sich freuten und

priesen und sprachen: >Versammle uns, Priester, im Licht der Herrlichkeit!< Und als er sich dem Firmament des Himmels genähert hatte,

hörten wir ihn sagen: > Gehet hin in Frieden! <

Gnostische Evangelien.

Die Sophia Christi

Es ist nicht eindeutig geklärt, was Sophia bedeutet. Einige wollen diesen Begriff mit > Weisheit Jesu Christi« übersetzen. Dieser Titel würde

nur besagen, daß der Inhalt die Unterweisung Jesu ist, d. h. die den Jüngern offenbarte > Weisheit<. Andere dagegen wollen Sophia

unübersetzt stehen lassen; dann ist So phia der Name eines Lichtwesens, eines Wesens also, das in der Tat, > hier, als weiblicher Aspekt der

schöpferischen Kraft eine große Rolle< spielt.

Die Sophia Jesu Christi ist offensichtlich nach dem üblichen Modell gnostischer Evangelien aufgebaut: Die Handlung spielt auf einem Berg,

und der Heiland erscheint in einer übernatürlichen Lichtgestalt. Die Zuhörer, hier die 12 Apostel und 7 Frauen, geraten in Erstaunen und

Furcht. Es bahnt sich dann ein Dialog an, in dessen Verlauf der verklärte Christus Geheimnisse offenbart, Mysterien enthüllt und alle bis

jetzt noch dunklen und quälenden Probleme löst.

Textquelle: Sophia Christi

Nachdem Jesus auferstanden war von den Toten, kamen die zwölf Jünger und sieben Frauen, die ihm als Jünger gefolgt waren, hinauf nach

Galiläa, auf den Berg, den man »Ort der Reifezeit und Freude« nennt, wobei sie nun im unklaren waren über das wahre Wesen des Alls, den

Heilsplan, die heilige Vorsehung, die Trefflichkeit der Gewalten, über alles, was der Erlöser mit ihnen tut und die Geheimnisse des heiligen

Heilsplanes. Dort erschien ihnen der Erlöser, nicht in seiner ursprünglichen Gestalt, sondern im unsichtbaren Geist. Sein Aussehen war das

Aussehen eines großen Engels des Lichtes. Seine Gestalt aber werde ich nicht beschreiben können. Kein sterbliches Fleisch würde ihn

ertragen können, sondern nur ein reines und vollkommenes Fleisch in seiner Art, wie er sich uns zeigte auf dem Berge, den man in Galiläa

>den der Oliven< nennt. Er sagte: >Der Friede sei mit euch! Den Frieden, der der meine ist, gebe ich euch.< Und sie wunderten sich alle und

fürchteten sich. Der Erlöser lächelte und sprach zu ih nen: >Worüber denkt ihr nach oder worüber seid ihr im unklaren oder wonach

sucht ihr? Siehe, ich habe euch den Namen des Vollkommenen gelehrt, den ganzen Willen der heiligen Engel und der Mutter, damit sie hier

vollende die männliche Schar, damit sie erscheinen in allen Äonen von den Grenzenlosen bis zu denen, die im unerforschlichen Reichtum

des großen, unsichtbaren Geistes entstanden sind; damit sie alle empfangen von seiner Güte und dem Reichtum ihrer Ruhestätte, über den es

keine Herrschaft gibt. Ich aber bin vom Ersten gekommen, der gesandt wurde, damit ich euch offenbare, was von Anfang an ist, wegen der

Überheblichkeit des Widersachers und seiner Engel, daß sie nämlich von sich sagen, sie seien Götter. Ich aber bin gekommen, um sie

herauszuführen aus ihrer Blindheit, damit ich allen den Gott zeige, der über dem All ist. Ihr aber, zerstreut ihre Gräber, unterdrückt ihre

Klugheit, zerbrecht ihr Joch und erweckt, was mein ist! Denn ich habe euch die Gewalt aller Dinge gegeben als Kinder des Lichtes, um ihre

Kraft mit euren Füßen zu zertreten.< Das sagte der selige Erlöser und entschwand von ihnen. Sie gerieten in große, unbeschreibliche Freuden

im Geiste. Von diesem Tag an begannen seine Jünger das Evangelium Gottes zu predigen, des ewigen Vaters des bis in Ewigkeit Unvergänglichen.

135

Die Pistis Sophia

Der Titel dieses gnostischen Evangeliums ist schwer zu deuten. Pistis bedeutet Glaube und Sophia Weisheit. In welcher Beziehung stehen

diese zwei Wörter zueinander? Möglicherweise stand ursprünglich anstelle des Substantivs Pistis das entsprechende Adjektiv, so daß also die

»gläubige Weisheit« zu übersetzen wäre. Die Pistis Sophia könnte dann eine Wesenheit sein, die an der Seite Gottes lebt und bei der

Weltschöpfung tätig wird. Kurz zusammengefaßt, handelt das Buch von folgenden Themen: Jesus belehrte die Jünger ll Jahre lang, im 12.

und letzten Jahr seiner Verweilung auf Erden soll ihnen das größte Geheimnis offenbart werden. Jesus erzählt weiterhin, daß er auf seiner

Reise, von der er gerade zurückgekehrt ist, die Pistis Sophia >ganz allein<, betrübt und trauernd, > unterhalb des dreizehnten Äons<

angetroffen habe. Maria, die sich unter den Zuhörern befindet, erkundigt sich, warum sie denn trauere und betrübt sei. Jesus berichtet nun,

daß sie vom 13. Äon in die Materie gefallen sei. Er habe sich aber ihrer erbarmt und sie wieder an ihren ursprünglichen Wohnort

zurückgebracht. Es folgen Wechselreden über andere Themen: über die Mysterien des Lichts, über die Entstehung der Sünde in der Welt,

über die Notwendigkeit der Buße und über die Bestrafung des Sünders im Jenseits. Es ist auffällig, daß dabei Maria Magdalena die meisten

Fragen stellte. Ihr ist in dieser Schrift neben Johannes eine hervorragende Stelle unter den Jüngern zugewiesen.

Textquelle: Pistis Sophia

Es geschah aber, nachdem Jesus von den Toten auferstanden war, da verbrachte er 11 Jahre, indem er sich mit seinen Jüngern unterredete

und sie nur bis zu den Orten des ersten Gebotes belehrte und bis zu den Orten des ersten Mysteriums ... , welches ist das letzte Mysterium, d.

h. das 24ste.

Es geschah nun, als die Jünger beieinander auf dem Ölberge saßen, indem sie diese Worte sprachen und hoch erfreut waren und sehr jubelten

und zueinander sprachen: »Wir sind glückselig vor allen Menschen auf der Erde, weil der Erlöser uns dieses offenbart hat, und wir die Fülle

und die gesamte Vollendung empfangen haben«, - dieses sprachen sie zueinander, während Jesus ein wenig entfernt von ihnen saß.

Es geschah aber am 15ten des Mondes im Monat Tybi, welches ist der Tag, an welchem der Mond voll wird, an jenem Tage nun, als die

Sonne auf ihrer Bahn herausgekommen war, kam hinter ihr eine große Lichtkraft heraus, gar sehr leuchtend, und es war kein Maß für das ihr

anhaftende Licht. Denn sie kam aus dem Licht der Lichter, und sie kam aus dem letzten Mysterium, welches ist das 24ste Mysterium von

innen nach außen, - diese 24. Mysterien, welche sich in den Ordnungen des zweiten Raumes des ersten Mysteriums befinden. Jene Lichtkraft

aber kam herab über Jesus und umgab ihn ganz, während er entfernt von seinen Jüngern saß, und er hatte gar sehr geleuchtet, und es war kein

Maß für das Licht, welches an ihm war. Und die Jünger hatten Jesus nicht gesehen infolge des großen Lichtes, in welchem er sich befand,

oder welches an ihm war. Ihre Augen waren verdunkelt infolge des großen Lichtes, in dem er sich befand, und sie sahen nur das Licht, das

viele Lichtstrahlen aussandte. Die Lichtstrahlen waren einander nicht gleich, und das Licht war von verschiedener Art. Es war von

verschiedener Form von unten bis oben, indem ein Strahl vorzüglicher war als der andere; es reichte von unten der Erde bis hinauf zum

Himmel. - Und als die Jünger jenes Licht sahen, gerieten sie in große Furcht und große Aufregung.

Als jene Lichtkraft über Jesus herabgekommen war, umgab sie ihn allmählich ganz. Da fuhr Jesus auf und flog in die Höhe. Er war sehr

leuchtend geworden und strahlte in einem unermeßlichen Lichte. Und die Jünger blickten ihm nach und keiner von ihnen sprach, bis er zum

Himmel gelangt war. Sie alle verhielten sich in großem Schweigen. Dieses nun geschah am 15ten des Mondes, an dem Tage, an welchem er

im Monat Tybi voll wird.

Als Jesus nach drei Stunden zum Himmel gelangt war, da gerieten alle Kräfte der Himmel in Aufregung und zitterten miteinander, sie und

alle ihre Äonen und alle ihre Örter und alle ihre Ordnungen, und die ganze Erde bewegte sich und alle, die auf ihr wohnen. Und es gerieten

alle Menschen in Aufregung und auch die Jünger, und alle dachten: Vielleicht wird die Welt zusammengerollt werden. Alle in den Himmeln

befindlichen Kräfte waren in Aufregung und sie bewegten sich alle gegeneinander von der dritten Stunde des 15ten des Mondes Tybi bis zur

neunten Stunde des folgenden Tages. Und alle Engel und ihre Erzengel und alle Kräfte der Höhe priesen den Innern der Inneren, so daß die

ganze Welt ihre Stimme hörte, ohne daß sie abgelassen haben bis zur neunten Stunde des folgenden Tages.

Die Jünger saßen aber beieinander in Furcht, und sie waren gar sehr aufgeregt; sie fürchteten sich wegen des großen Erdbebens, welches

stattfand, und weinten miteinander, indem sie sprachen: > Was wird denn geschehen? Vielleicht wird der Erlöser alles zerstören.<

Während sie nun dieses sagten und gegeneinander weinten, da taten sich die Himmel um die neunte Stunde des folgenden Tages auf, und sie

sahen Jesus herabkommen, gar sehr leuchtend, und es war kein Maß für sein Licht, in welchem er sich befand. Denn er leuchtete mehr als zu

der Stunde, da er zu den Himmeln hinaufgegangen war, so daß die Menschen auf der Welt das Licht, welches an ihm war, nicht beschreiben

konnten, und es sandte Lichtstrahlen sehr viele aus, und es war kein Maß für seine Strahlen, und sein Licht war nicht untereinander gleich,

sondern es war von verschiedener Art und von verschiedener Form, indem einige Strahlen unzählige Male die anderen übertrafen; und das

ganze Licht war beieinander, es war von dreierlei Art, und eine übertraf die andere unzählige Male; die zweite, welche in der Mitte, war

vorzüglicher als die erste, welche unterhalb, und die dritte, welche oberhalb von ihnen allen, war vorzüglicher als die beiden, welche

unterhalb; und der erste Strahl, der unterhalb von ihnen allen, war ähnlich dem Lichte, welches über Jesus gekommen war, bevor er

hinaufgegangen war zu den Himmeln, und war gleich nur sich in seinem Lichte. Und die drei Lichtweisen waren von verschiedener Lichtart

und sie waren von verschiedener Form, wobei einige andere unzählige Male übertrafen.

Es geschah aber, als die Jünger dieses sahen, fürchteten sie sich sehr und gerieten in Aufregung. Jesus nun, der Barmherzige und

Mildherzige, als er seine Jünger sah, daß sie in großer Aufregung sich befanden, sprach er mit ihnen, indem er sagte: > Seid getrost; ich bin

es, fürchtet euch nicht<.

Als die Jünger dieses Wort gehört hatten, sprachen sie: > O Herr, wenn Du es bist, so ziehe Deinen Lichtglanz an Dich, auf daß wir stehen

können, sonst sind unsere Augen verdunkelt und wir sind aufgeregt, und auch die ganze Welt ist aufgeregt infolge des großen Lichtes,

welches an Dir ist.<

Da zog Jesus den Glanz seines Lichtes an sich; und als dieses geschehen war, faßten alle Jünger Mut, traten vor Jesus, fielen alle zugleich

nieder, beteten ihn an in großer Freude, und sprachen zu ihm: > Rabbi, wohin bist Du gegangen oder was ist Dein Dienst, in welchem Du

gegangen bist, oder warum vielmehr waren alle diese Erregungen und alle diese Erdbeben, welche stattgefunden haben?<

Da sprach zu ihnen Jesus, der Barmherzige: > Freuet euch und jubelt von dieser Stunde ab, denn ich bin zu den Orten, aus welchen ich

gekommen war, gegangen. Von heute ab werde ich mit euch in Offenheit vom Anfang der Wahrheit bis zu ihrer Vollendung reden, und ich

werde mit euch von Angesicht zu Angesicht ohne Gleichnis reden; nicht werde ich euch von dieser Stunde an etwas von dem Wesen der

Höhe und dem Wesen des Ortes der Wahrheit verbergen. Denn mir ist durch den Unaussprechlichen und durch das erste Mysterium von

allen Mysterien die Macht gegeben, mit euch vom Anfang bis zur Vollendung und von innen bis außen und von außen bis innen zu reden.

Höret nun, auf daß ich euch alle Dinge sage. <

»Aber Maria Magdalena und Johannes, der Jungfräuliche, werden überragen alle meine Jünger und alle Menschen, die Mysterien in dem

Unaussprechlichen empfangen werden, werden zu meiner Rechten und zu meiner Linken sein, und ich bin sie und sie sind ich, und sie

werden mit euch in allen Dingen gleich sein, nur vielmehr werden eure Throne den ihrigen überragen und mein eigener Thron wird den

eurigen überragen und den aller Menschen, die das Wort des Unaussprechlichen finden werden. «

Es antwortete aber Maria und sprach: > Mein Herr, was das Wort anbetrifft, das Deine Kraft durch David prophezeit hat: >Die Gnade und

die Wahrheit begegneten einander, die Gerechtigkeit und der Friede küßten einander. Die Wahrheit sproßte aus der Erde hervor und die

Gerechtigkeit blickte vom Himmel herab<, so hat einst Deine Kraft dieses Wort über Dich prophezeit. Da Du klein warst, bevor der Geist

über Dich gekommen war, kam, während Du Dich mit Joseph in einem Weingarten befandest, der Geist aus der Höhe und kam zu mir in

mein Haus, Dir gleichend, und nicht hatte ich ihn erkannt, und ich dachte, daß Du es wärest. Und es sprach zu mir der Geist: >Wo ist Jesus,

136

mein Bruder, damit ich ihm begegne?< Und als er mir dieses gesagt hatte, war ich in Verlegenheit und dachte, es wäre ein Gespenst, um

mich zu versuchen. Ich nahm ihn aber und band ihn an den Fuß des Bettes, das in meinem Hause, bis daß ich zu euch, zu Dir und Joseph, auf

das Feld hinausginge und euch im Weinberge fände, indem Joseph den Weinberg bepfählte. Es geschah nun, als Du mich das Wort zu Joseph

sprechen hörtest, begriffst Du das Wort, freutest Dich und sprachst: >Wo ist er, auf daß ich ihn sehe, sonst erwarte ich ihn an diesem Orte. <

Es geschah aber, als Joseph Dich diese Worte hatte sagen hören, wurde er bestürzt, und wir gingen zugleich hinauf, traten in das Haus und

fanden den Geist an das Bett gebunden. Und wir schauten Dich und ihn an und fanden Dich ihm gleichend; und es wurde der an das Bett

Gebundene befreit, er umarmte Dich und küßte Dich, und auch Du küßtest ihn, und ihr wurdet eins. <

Kindheitsevangelien

Das Interesse an Jesus Christus beschränkte sich in den Anfängen des Christentums auf Tod und Auferstehung und auf die Lehr- und

Wundertätigkeit. So kennt auch das älteste Evangelium, das Markusevangelium, keine Kindheitsgeschichte Jesu. Der Bericht setzt mit dem

Auftreten Johannes des Täufers ein. Auch im Johannesevangelium, dem letzten der kanonischen Evangelien (entstanden gegen Ende des 1.

Jh. ), wird mit keinem Wort die Kindheit Jesu erwähnt, obwohl er über den Anfang mit Johannes dem Täufer hinaus bis zum

Schöpfungsanfang zurückgeht (Joh 1,1: Im Anfang war der Logos, und der Logos war bei Gott und Gott war der Logos).

Wie kam es aber dann zu den, wenn auch sehr knappen Kindheitsevangelien bei Matthäus und Lukas? Aus einer natürlichen Wißbegierde

heraus sind ohne Zweifel in den Gemeinden schon früh manche Erzählungen des ersten Abschnittes des Lebens Jesu in Umlauf gewesen,

wobei wohl bereits einige niedergeschrieben waren.

Die Ursache aber für die Aufnahme ins Evangelium liegt vor allem an dem theologischen Interesse, das Matthäus und Lukas hatten. Durch

das Einfügen ausgewählter Kindheitsgeschichten, suchten sie Erklärungen für brennende Probleme zu liefern.

Für das Christentum stand die Willens- und Wesenseinheit zwischen Gott und Christus fest. Wie aber konnte dann Joseph der Vater Jesu

sein? Eine Lösung bot sich an mit der Jungfrauengeburt aus dem heiligen Geist.

Es mußte dann auch eine Verbindung mit dem Alten Testament hergestellt werden. Dort heißt es nämlich, der Messias komme aus dem

Stamme Davids. Deswegen finden sich bei Matthäus und Lukas die voneinander abweichenden Stammbäume, die die Herkunft Jesu aus dem

Hause Davids beweisen wollen. Außerdem haben die Propheten geweissagt, der Messias komme aus Bethlehem. Von Jesus weiß man aber,

daß er aus Nazareth kommt. Matthäus und Lukas bieten verschiedene Lösungsmöglichkeiten an.

Bei Lukas kommt Jesus von Nazareth nur wegen der Schätzung durch den Kaiser Augustus (Lk 2,1) in Bethlehem zur Welt. Daß sich die

Geburt in einem ärmlichen Rahmen abspielt, und umgeben von Hirten, Angehörigen der untersten Schicht, entspricht der theologischen

Betonung des Armutsideals im Lukasevangelium. Für Matthäus ist die Armut nicht wichtig. Bei ihm heißt es nur, Jesus sei in Bethlehem

geboren worden, und zwar ganz normal in einem Hause. Denn die Magier folgten dem Stern, und > sie gingen in das Haus, fanden das Kind

mit Maria, seiner Mutter ... Sie taten auch ihre Schätze auf ... < (Mt 2,11). Statt von Armut ist hier sogar von >Schätzen< die Rede.

Ebenso sind die Darstellung des Jesuskindes im Tempel und das Auftreten des Zwölfjährigen im Tempel theologisch zu deuten. Diese

Ereignisse verweisen auf die Erfüllung des Priestertums in Christus. Die Huldigung durch die Magier aus dem Morgenlande zeigen den

theologischen Gedanken des universalen Königtums Christi. In die gleiche Richtung geht die Geschichte der Flucht nach Ägypten.

Diese Kindheitsgeschichten, die -wie wir gesehen haben- Absichten verfolgen, die für die Gesamtdeutung des jeweiligen Evangeliums

tragend sind, werden nun in der apokryphen Literatur aus ihrer ursprünglichen Funktion herausgenommen und zu eigenständigen

Geschichten weitergesponnen.

Weiterbildung der Kindheitsgeschichte in den Apokryphen

Bei den apokryphen Geburts- und Kindheitsgeschichten stehen nicht mehr theologische Interessen im Vordergrund, sondern vielfach die

Lust am Erzählen. Die Vorlage aus dem NT bildet nur den Rahmen, der mit Legenden phantasiereich ausgeschmückt wird. Was es an

Erzählungen über Götterknaben und Wunderkinder gab, wurde ohne die geringsten Skrupel auf Jesus übertragen. Auch Maria und Joseph,

die im Neuen Testament untergeordnete Bedeutung haben, rücken in den Apokryphen in den Blickpunkt des Interesses. Von Marias Eltern

wird erzählt, ihre eigene Geburt wird dargestellt und ihre dauernde Jungfrauenschaft wird bewiesen. Von Joseph, dem Zimmermann, wird

berichtet, er sei ein alter Witwer, der aus erster Ehe Söhne mitgebracht habe. Dadurch ist das Problem der Brüder Jesu gelöst, die im Neuen

Testament erwähnt werden, obwohl Maria doch Jungfrau geblieben ist.

Dies ist nun eine etwas umständliche Lösung, die nach neuerer Forschung gar nicht nötig gewesen wäre. Denn im jüdischen Sprachgebrauch

werden unter Brüdern auch entferntere Verwandte, ja sogar der Nächste verstanden.

Die Abstammung Jesu von David über den Stammbaum des Joseph wurde nicht für gegeben angesehen, denn Maria hat ja vom hl. Geist

empfangen. Die Adoptio -Vaterschaft hielt man offenkundig nicht für eine ausreichende Erklärung, so ließ man ganz einfach auch Maria von

David abstammen. Diese Berichte über Nebenpersonen und über phantastische Wundertätigkeiten des Jesusknaben haben sehr großes

Interesse gefunden. Man kann sogar sagen, daß sie im Altertum, im Mittelalter und in der Renaissance größeren Einfluß auf Literatur und

Kunst gewonnen haben als die kanonischen Schriften.

Das Protevangelium des Jakobus

Das Original des Protevangelium des Jakobus ist in griechischer Sprache geschrieben. Der Verfasser gibt sich

selbst als Jakobus aus, der Bruder Jesu, ein Sohn aus Josephs erster Ehe. Das Werk setzt aber die kanonischen Kindheitsgeschichten voraus,

so daß es nicht vor 150 entstanden ist. Dennoch scheint aber die Kanonbildung noch nicht abgeschlossen gewesen zu sein, denn der Autor

gibt die Geschichten aus dem Neuen Testament nur ungenau wieder. Es ist also wahrscheinlich, daß er sich auf eine mündliche Tradition

stützt. Verschiedene Teile des Protevangeliums lassen darauf schließen, daß der Text keine Einheit bildet, sondern daß vielmehr ein

Kernstück vorgelegen hat, zu dem anderes hinzugefügt wurde. Zum Beispiel spricht Joseph bei der Geburt plötzlich in der ersten Person. Das

könnte also ein anderweitig überliefertes Stück sein, das dann eingefügt wurde. Die in den Kap 22-24 berichtete Ermordung des Zacharias

scheint Origines noch nicht bekannt gewesen zu sein. Sie dürfte also später hinzugefügt worden sein.

Das Werk ist als eine Verherrlichung Marias gedacht. Die Geschichten sind großteils mit viel Takt (abgesehen von der

Hebammengeschichte) und Diskretion dargestellt. Die meisten mariologischen Themen kommen schon zur Sprache. Bei der

Jungfrauengeburt Jesu wird Wert auf die Unverletztheit Marias gelegt. Die >unbefleckte Empfängnis< der Gottesmutter kennt man zwar

noch nicht, doch es wird schon von einer wunderbaren Geburt gesprochen.

Das Protevangelium des Jakobus genoß im Osten schon immer hohes Ansehen; im Westen wurde es zwar verurteilt und nie als kanonisch

angesehen, trotzdem hatte es große Bedeutung für die dogmengeschichtliche Entwicklung im Katholizismus.

Die Erzählung des Jakobus. Die wunderbare Geburt Mariens

In den kanonischen Evangelien findet sich nichts über die Jugendzeit Mariens. Auch von ihren Eltern ist nirgends die Rede. Diese Lücke

schließt nun das Protevangelium des Jakobus. Wir erfahren, daß die Eltern Joachim und Anna hießen und daß sie reich und fromm waren.

Nur Kinder hatten sie nicht. Nun muß man wissen, daß nach Auffassung der Juden Gott den Gerechten mit einer großen Nachkommenschaft

auszeichnet. Joachim wird deswegen auch beim Opfern angesprochen und zurückgewiesen. Die Mitmenschen scheinen wegen ihrer

Kinderlosigkeit an seiner Tugendhaftigkeit gezweifelt zu haben. Schließlich aber empfängt Anna doch und gebiert eine Tochter. Diese lange

Kinderlosigkeit, die aber durch das Eingreifen Gottes beseitigt wird, kommt uns sicherlich bekannt vor. Genauso ist es Abraham und Sara

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(Gen 18,10-15) ergangen. Weniger bekannt dürfte die Geburt des Propheten Samuel sein, den der Herr ebenfalls auf Bitten einer Frau mit

Namen Anna nach langer Kinderlosigkeit den betagten Eltern doch noch geschenkt hat.

>Mit Kummer im Herzen betete sie zum Herrn und weinte bitterlich. Sie tat ein Gelübde und sprach: >Herr der Heerscharen, wenn du das

Elend deiner Magd ansiehst, meiner gedenkest . .. und deiner Magd Samen schenkst, so will ich ihn dem Herrn weihen sein Leben lang.< <

(1 Sam, 1,10-11). Der Herr erhörte ihr Gebet: »Am Jahresende war Anna gesegneten Leibes; sie gebar einen Sohn und nannte ihn Samuel. «

(1 Sam 1,20)

Die dritte Parallele kennen wir aus dem Lukasevangelium. Elisabeth und Zacharias > waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in

allen Geboten und Satzungen des Herrn. Sie hatten aber kein Kind!< (Lk 1,6-7) Durch das Eingreifen Gottes gebar Elisabeth doch noch in

hohem Alter, ihren Sohn nannte sie Johannes.

Diese drei Begebenheiten haben folgendes gemeinsam: Fromme und gottesfürchtige Ehegatten bleiben lange kinderlos. Doch sie flehen zu

Gott, ihr Gebet wird erhört, ein Kind wird geboren. Das Wunderbare daran ist aber, daß es nicht irgendein Kind ist, vielmehr spielt es immer

eine große Rolle im Heilsplan Gottes. Daß nun die Geburt Mariens im gleichen Rahmen sich abspielt, ist kein Zufall. Der Autor verbindet

damit eine bestimmte Absicht; er will die Bedeutung Marias allen Schriftkundigen eindringlich vor Augen führen. Dieser Bericht zeigt,

welche Hochschätzung die Mutter Jesu von Anfang an im Urchristentum erfahren hat.

Maria wird in den Tempel des Herrn geführt

Maria wird als frühentwickeltes Kind dargestellt. Mit sechs Monaten konnte sie bereits laufen. Dies sollte vielleicht darauf vorbereiten, daß

sie schon als dreijähriges Kind den Priestern zum Tempeldienst übergeben werden kann. Auch das steht wieder in Parallele zum Propheten

Samuel, der ebenfalls wegen des Gelübdes der Mutter schon als Kind in den Tempel gebracht wurde (1 Sam 1,22; 28).

Wenn es am Schluß heißt, das Kind tanzte vor Freude mit seinen Füßchen, so ist das nicht nur kindliches Benehmen. Wie bei vielen

Religionen, so war auch bei den Juden Tanz eine Form des Gebetes. Sogar von David wird berichtet, daß er vor der Bundeslade zur Ehre

Jahwes tanzte.

Vermählung Marias

Bei Lukas steht der lapidare Satz: Maria war > verlobt mit einem Manne aus dem Hause Davids, namens Joseph< (Lk 1,27). Dem Verfasser

des Protevangeliums Jakobus war das zu wenig. Ein so wichtiges Ereignis bedurfte eines gewichtigen Hintergrundes. So wurde Maria durch

göttliche Erwählung dem Joseph verlobt. Aus seinem Stab flog eine Taube so wurde ihr der von Gott erwählte Verlobte angezeigt. Bei dieser

Geschichte denkt man sofort an den Stab Aarons, der ergrünte und dadurch zum Zeichen für seine Erwählung zum Gehilfen seines Bruders

Moses wurde. Wohl im Anklang.an die Taufe am Jordan, wurde hier eine Taube als Erkennungszeichen gewählt.

Die > Josephsehe<

Joseph hatte Maria nur zu sich nach Hause geführt, um dann gleich zu >seinen Bauten< wegzugehen. Offensichtlich war der Beruf eines

Zimmermanns ideal für eine Josephsehe, denn diese zogen weit im Lande umher. So eine Runde konnte man sicherlich auch einmal auf

sechs Monate ausdehnen, wie Joseph es tat. Vielleicht gab eine Sitte, die wahrscheinlich im zweiten Jahrhundert aufkam, den Anstoß, diese

seltsame Art der Ehe für Maria und Joseph zu erfinden. Damals wurde es nämlich üblich, daß junge Mädchen, die ein Gelübde der Enthaltsamkeit

abgelegt hatten, sich in den Schutz eines Mannes stellten, der ebenfalls zölibatär leben wollte. Maria hat demnach im Hause

Josephs ein klösterliches Leben geführt bzw. ein Leben, wie sie es auch im Tempel gewohnt war. Die Priester hatten sie auserwählt, den

Vorhang für den Tempel zu spinnen.

Verkündigung und Besuch bei Elisabeth

Einmal nun war Maria am Brunnen, um Wasser zu holen. Als sie eine Stimme mit dem > englischen Gruß< anspricht, läuft sie erschreckt

nach Hause. Dort nun wird ihr die Verkündigung zuteil. Es fallen Unterschiede zur Erzählung des Lukas auf. Bei Lukas steht nichts von

einem Brunnen. Dieser ist wohl eingefügt worden, um biblische Motive anklingen zu lassen. An einem Wasserbrunnen begegnete der Knecht

Isaak zuerst Rebekka: >... sie trug auf ihrer Schulter einen Krug. Das Mädchen aber sah sehr schön aus; als Jungfrau hatte sie noch keinen

Mann erkannt< (Gen 24,15-16). Jesus offenbarte sich der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4).

Der wichtigste Unterschied zu Lukas besteht aber wohl darin, daß Maria sich in der apokryphen Darstellung mehr für ihre körperliche

Unversehrtheit interessiert als für die wunderbare Natur ihrer Mutterschaft. Das ist aus den verschiedenen theologischen Absichten der

beiden Schriften heraus zu erklären. Während Lukas ein christologisches Interesse verfolgt, steht die Mariologie in der apokryphen Schrift

ganz im Vordergrund. Sie dient hauptsächlich der Darstellung der Jungfrau Maria. Die Szene der Erscheinung, in der Maria den Vorhang des

Tempels spinnt und neben sich den Krug stehen hat, mit dem sie gerade am Brunnen war, hat im Mittelalter als eines der beliebtesten Motive

gedient.

Mit dem Besuch bei Elisabeth scheint auf eine Eigenschaft Mariens besonders Wert gelegt zu sein: ihre Bescheidenheit. Was der Engel ihr

Großes angekündigt hat, hat sie offenbar wieder vergessen, denn sie verwundert sich sehr, daß alle Frauen sie glücklich preisen. Wie

selbstbewußt tritt da doch dagegen Maria im Lukasevangelium auf: > Denn siehe von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Ja,

Großes hat an mir getan der Mächtige.< (Lk, 1,48-49)

Schwangerschaft Mariens

Als Joseph nach sechs Monaten zurückkommt, findet er Maria schwanger vor. Seltsamerweise kommt Maria nicht darauf, ihm von der

Verkündigung des Engels zu erzählen. Nach jüdischem Gesetz hätte Joseph sie wegen Ehebruchs anzeigen müssen, und sie wäre gesteinigt

worden (vgl. Ich 8,1-11 Jesus und die Ehebrecherin). Doch ein Engel des Herrn klärt ihn in einem Traum über die Pracht des Leibes Mariens

auf. Daß Engel Frauen befruchten können, weiß Joseph sicherlich aus der Bibel. Dort heißt es nämlich, daß > die Söhne der Götter<, (Engel)

in Urzeiten herabgestiegen waren, um >Töchter der Menschen zu Weibern zu nehmen< (Gen 6,1-4).

Dem Autor des Protevangeliums genügt der Traum Josephs noch nicht. Er läßt auch noch ein > Gottesurteil< sprechen, um einen

aufsehenerregenden Beweis für die jungfräuliche Empfängnis Mariens zu erbringen. Maria wird vor Gericht gezerrt, wo sie nach dem

Gesetze Moses einer Prüfung unterzogen wird, die jeder des Ehebruchs verdächtigen Frau auferlegt wird. In Numeri 5,11-31 heißt es: > Der

Priester ... gieße heiliges Wasser in ein irdenes Gefäß und nehme ein wenig von dem Staub, der den Boden der Wohnstätte bedeckt, und

streue ihn in das Wasser ... Der Priester beschwöre sie und spreche zu dem Weibe: >Wenn niemand dir beigewohnt hat und du dich nicht

durch Untreue gegen deinen Mann vergangen hast in Unreinheit, so schade dir dieses bittere Fluchwasser nicht. Hast du dich in Untreue

gegen deinen Mann verfehlt ... dann dringe dieses fluchbringende Wasser in deine Eingeweide, daß dein Bauch anschwelle und deine Hüften

einfallen!<< (Num, 5,11-31).

Man glaubte, dieses bittere Getränk habe von Gott aus die Kraft, verborgene Sünden zu enthüllen, das ehebrecherische Weib würde

unfruchtbar: ihre Hüften würden einfallen. Der unschuldigen Frau aber würde dieses an sich schädliche Getränk nichts anhaben können.

Maria und Joseph haben die Probe bestanden. Wieder einmal ist durch diese ausführliche Gerichtsszene das Hauptgewicht nicht auf die

Frucht des Leibes Mariens gelegt worden, sondern auf den Nachweis der Jungfräulichkeit vor der Geburt.

Die jungfräuliche Geburt

138

Eines Beweises der Jungfräulichkeit Mariens hätte es an sich nicht bedurft, da diese ja im NT eindeutig festgestellt wird: > Er (Joseph) nahm

seine Braut zu sich, und er erkannte sie nicht, bis sie gebar einen Sohn, und er nannte seinen Namen Jesus« (Mt, 1,24-25). Somit blieb Maria

bis zur Geburt unberührt, denn unter >erkennen< wurden nach jüdischem Sprachgebrauch eheliche Beziehungen verstanden. Doch in den

Apokryphen wollte man die dauernde Jungfräulichkeit beweisen, d. h. daß Maria auch bei der Geburt unverletzt blieb. Daß Maria nach ihrem

>erstgeborenen Sohn< Jesus noch weitere Kinder gehabt haben soll (im Evangelium ist von Brüdern und Schwestern Jesu die Rede: Mk,

6,3), hat man dadurch zurückweisen können, daß Maria einen alten Witwer geheiratet hat. Die Brüder Jesu sind dann eben die Söhne Josephs

aus der ersten Ehe Josephs. Auch eine solche Beweisführung wäre an sich nicht nötig gewesen; bei den Juden verstand man unter Brüdern

auch Vettern, Enkel oder überhaupt den Nächsten. Außerdem findet sich im NT ein weiteres Indiz dafür, daß die Gottesmutter keine Kinder

mehr hatte. Am Kreuz empfiehlt Jesus seine Mutter dem Johannes mit den Worten: »Siehe deine Mutter! « (Joh 19,27) Wäre es nötig

gewesen, daß der Apostel die Mutter Jesu zu sich nimmt, wenn sie noch andere Kinder gehabt hätte?

Nach den Apokryphen ereignete sich die Geburt Jesu in einer Höhle. So wird sie auch in der Kunst dargestellt, und heute noch werden an

Weihnachten »Krippen« in dieser Form aufgebaut. Aus dem NT erfahren wir ja nur, daß das Jesuskind in Windeln gewickelt und in eine

Krippe gelegt wurde (Lk 2,7). Nach den Evangelien (Lk/Mt) muß man annehmen, daß die Geburt in Bethlehem stattfand. Die Höhle aber lag

noch ein gutes Stück vor Bethlehem.

Die unbefleckte Niederkunft vollzog sich auf wunderbare Weise. Eine Wolke erfüllte die Grotte, dann zog sich diese Wolke zurück, ein

Licht erschien, und aus diesem Licht heraus kam das Kind. Was hat es mit dieser Wolke auf sich? Das ist ein Zeichen für die Gegenwart

Gottes, wie es in der Bibel häufig gezeigt wird (z. B. Ex 40,35). Das ist eine schöne und durchaus biblische Erzählung. Jetzt aber wird es

geradezu peinlich. Das Zeugnis einer Hebamme reicht noch nicht aus, denn nach der Bibel beruht eine gerechte Sache mindestens auf zwei

Zeugen. Eine zweite Hebamme wird herbeigerufen, die dann ihren Finger angelegt hat, um ganz sicher zu gehen. Vielleicht ließ sich der

Verfasser von der Neutestamentlichen Erzählung vom > ungläubigen Thomas< (Joh 20,24-29) inspirieren, der erst glaubte, nachdem er seine

Hand in die Seite des Auferstandenen gelegt hatte.

In der Lehre der Kirche spielte die dauernde Jungfräulichkeit Mariens in den ersten Jahrhunderten noch keine Rolle, wiewohl sie bei den

Gläubigen sicherlich schon weiteste Anerkennung fand. Die apokryphen Schriften legen dafür ein klares Zeugnis ab.

Die Magier

Die Magier sind ein persischer Volksstamm, die in der persischen Religion das Priesteramt innehatten. Außerdem verfügten sie über

astrologische Kenntnisse. Im Anschluß an diese sind unter den Magiern im Neuen Testament und in den Apokryphen sternenkundige

Gelehrte zu verstehen. Im Protevangelium des Jakobus verläuft die Geschichte mit huldigenden Magiern genau wie bei Matthäus. Das

Interesse des Herodes, den König der Juden zu finden und zu töten, verlagert sich aber seltsamerweise auf Johannes. Über das Schicksal des

Jesuskindes erfährt man nichts mehr, wohl aber von einer abenteuerlichen Flucht Elisabeths mit ihrem Sohn und von der Ermordung des

Zacharias.

Textquelle: Protevangelium des Jakobus

Die Kinderlosigkeit der Ehe Joachims

1 In den >Geschichten der 12 Stämme Israels< war die Rede von Joachim, der war sehr reich und brachte seine Gaben im Tempel stets

doppelt dar, indem er sagte: > Was dabei zuviel ist, mag dem ganzen Volk zugute kommen, und was auf meine Vergebung der Sünden

entfällt, das gehöre dem Herrn zur Sühne für mich.< 2 Der Große Tag des Herrn war aber herbeigekommen, und die Kinder Israel brachten

ihre Gaben dar. Da trat Rubim vor ihn hin und sprach: »Du hast keinen Anspruch, als erster deine Gabe darzubringen, weil du keine

Nachkommenschaft in Israel geschaffen hast.« 3 Und Joachim wurde sehr betrübt und ging fort zum Zwölf-Stämme-Buch Israels mit dem

Gedanken: >Ich will doch das Zwölf-Stämme-Buch Israels einmal ansehen, ob ich ganz allein keine Nachkommenschaft in Israel geschaffen

habe.< Und er forschte nach und stellte von allen Gerechten fest, daß sie Nachkommenschaft in Israel hatten erstehen lassen. Und es kam

ihm vom Erzvater Abraham in den Sinn, daß Gott ihm wenigstens noch am letzten Tage einen Sohn, den Isaak, gegeben hatte. 4 Und

Joachim wurde sehr betrübt und zeigte sich seinem Weibe gar nicht, sondern begab sich ohne Abschied in die Wüste: dort schlug er sein Zelt

auf und fastete 40 Tage und 40 Nächte. Er sprach bei sich: >Ich will nicht hinabsteigen weder zu Speise noch zu Trank, bis mich der Herr

mein Gott gnädig heimgesucht hat; so lange soll das Gebet mir Speise und Trank sein.<

Die Ankündigung der Geburt Marias

1 Sein Weib Anna aber stimmte zweifache Trauerweise an und hielt zweifache Klage: »Klage halten will ich über mein Witwenlos, Klage

halten will ich über meine Kinderlosigkeit.« 2 Der Große Tag des Herrn aber kam herbei, und Judith, ihre Magd, sagte: > Wie lange willst du

deine Seele in Trauer niederbeugen? Siehe, herbeigekommen ist der Große Tag des Herrn. Da darfst du doch nicht trauern! Nimm lieber dies

Kopfband, das mir die frühere Arbeitsherrin geschenkt hat! Mir steht nicht an, es umzubinden, weil ich nur eine Magd bin, und es hat doch

königliches Gepräge.« 3 Und Anna sagte: > Geh, bleib mir damit weg! Das tue ich auf gar keinen Fall. Der Herr hat mich ja schon genug

gebeugt. Vielleicht hat ein geriebener Bursche mit dem du eine Liebschaft gehabt hast dir's geschenkt, und du bist nur gekommen, mich in

deine Sünde mit hineinzuziehen.< Da sagte Judith: > Was sollte ich dir noch Unglück wünschen, wo dich der Herr doch genug gestraft und

deinen Mutterleib verschlossen hat, um dir keine Leibesfrucht in Israel zu geben?< 4 Und Anna wurde sehr betrübt. Sie legte ihre

Trauerkleider ab, wusch ihr Haupt und zog ihre Brautkleider an, und um die neunte Stunde ging sie in den Garten hinab, um etwas hin und

her zu wandern. Da sah sie einen Lorbeerbaum und setzte sich unter ihn und flehte zum Herrn und sprach: > Gott meiner Väter, segne mich

und erhöre meine Bitten, wie du den Mutterleib Sarahs gesegnet und ihr einen Sohn, den Isaak, geschenkt hast!< 3,1 Und als sie zum

Himmel schaute, sah sie ein Sperlingsnest im Lorbeerbaum. Da stimmte sie bei sich eine Trauerweise an und sang:

> Weh mir! Wer hat mich gezeugt, welch ein Mutterleib mich hervorgebracht? Denn als Fluch bin ich geboren vor den Kindern Israel und

bin mit Schimpf angetan, und mit Spott haben sie mich belegt hinaus zum Tempel des Herrn.

2 Weh mir! Wem kann ich mich vergleichen? Nicht kann ich mich vergleichen den Vögeln des Himmels, denn auch die Vögel des Himmels

erben sich fort vor dir, Herr!

Weh mir! Wem kann ich mich vergleichen? Nicht kann ich mich vergleichen den Tieren der Erde, denn auch die Tiere der Erde erben sich

fort vor dir, Herr!

3 Weh mir! Wem kann ich mich vergleichen? Nicht kann ich mich vergleichen diesen Wassern hier, denn auch diese Wasser erben sich fort

vor dir, Herr!

Weh mir! Wem kann ich mich vergleichen? Nicht kann ich mich vergleichen diesem Lande hier, denn auch dieses Land bringt seine Früchte

zu seiner Zeit und preiset dich, Herr!< 4,l Und siehe, ein Engel des Herrn trat herzu und sprach zu ihr: >Anna, Anna! Erhört hat der Herr

deine Bitte: du sollst empfangen und sollst gebären, und dein Same soll in aller Welt genannt werden.< Und Anna sagte: > So wahr der Herr

mein Gott lebt, wenn ich dann gebären werde, ob männlich oder weiblich, will ich es dem Herrn meinem Gott als Gabe darbringen, und es

soll ihm alle Tage seines Lebens nach Priesterart dienen.<

Joachims Heimkehr zu Anna

2 Und siehe, da kamen zwei Boten und meldeten ihr: > Siehe, Joachim, dein Mann, ist im Anmarsch mit seinen Herden.< Ein Engel des

Herrn nämlich war zu ihm hinabgestiegen und hatte ihm gesagt: > Joachim, Joachim! Erhört hat der Herr Gott deine Bitte. Geh hinab von

hier! Denn siehe: dein Weib Anna wird schwanger werden.< 3 Und Joachim war hinabgezogen und hatte seine Hirten gerufen und geheißen:

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> Bringet mir zehn Lämmer hierher, ohne Makel und Fehl! Die sollen dem Herrn meinem Gott gehören. Und bringt mir zwölf zarte Kälber!

Die sollen für die Priester und die Ältestenschaft sein. Und hundert Ziegenböcke für das ganze Volk! 4 Und siehe, Joachim kam mit seinen

Herden gezogen, und Anna stand an der Tür und sah Joachim kommen. Da lief sie und hängte sich an seinen Hals und sagte: »Jetzt weiß ich,

daß der Herr Gott mich reichlich gesegnet hat. Denn siehe, die Witwe ist keine Witwe mehr, und ich Kinderlose soll schwanger werden. «

Und Joachim gab sich den ersten Tag der Ruhe hin in seinem Hause.

5,1 Am andern Tag aber brachte er seine Gaben im Tempel dar und sprach bei sich: > Wenn der Herr Gott mir gnädig geworden ist, dann

soll mir das Stirnblatt des Priesters es offenbar machen.< Und Joachim brachte seine Gaben dar und gab acht auf das Stirnblatt des Priesters,

als er zum Altar des Herrn hinzutrat, und er sah keine Sünde an sich. Da sprach Joachim: > Jetzt weiß ich, daß der Herr mir gnädig geworden

ist und alle meine Sünden vergeben hat.< Und er ging hinab aus dem Tempel des Herrn gerechtfertigt und kehrte heim in sein Haus.

Geburt und früheste Kindheit der Maria

2 Es gingen aber ihre Monate vorüber: im neunten Monat dann gebar Anna. Und sie sagte zur Hebamme: »Was habe ich geboren?« Die

sagte: > Ein Mädchen.< Da sprach Anna: »Erhoben ist meine Seele an diesem Tage. « Und sie legte es nieder und bettete es. Als aber die

Tage um waren, wusch sich Anna und gab dem Kinde die Brust und nannte seinen Namen Maria.

6,1 Tag um Tag aber wurde das Kind kräftiger. Als es sechs Monate alt geworden war, stellte seine Mutter es auf die Erde, um zu probieren,

ob es stehe. Und es lief sieben Schritte und kam zu ihrem Schoß zurück. Und sie nahm es hoch und sagte: > So wahr der Herr mein Gott lebt,

du sollst nicht auf dieser Erde einhergehen, bis ich dich in den Tempel des Herrn bringen werde.< Und sie richtete in ihrem Schlafgemach

ein Heiligtum her einen kleinen heiligen Bezirk zum dauernden Aufenthalt für das Kind und duldete nicht, daß irgend etwas Gemeines oder

Unreines an Nahrung ihm eingegeben wurde. Und sie rief die Töchter der Hebräer, die unbefleckten, herzu; die brachten ihm Abwechslung.

2 Das Kind aber vollendete das erste Jahr. Da veranstaltete Joachim ein großes Mahl und lud ein die Priester und die Schriftgelehrten und die

Ältestenschaft und das ganze Volk Israel. Und Joachim brachte das Kind den Priestern, und die segneten es und sprachen: >Gott unserer

Väter! Segne dieses Kind und gib ihm einen Namen, hochberühmt für ewige Zeiten unter allen Geschlechtern! < Und alles Volk sprach: >

Mög' es geschehen! Mög' es geschehen! Amen!< Und er brachte es den Hohepriestern, und die segneten es und sprachen: > Gott in der

Höhe! Blick herab auf dieses Kind und verleih ihm letzten endgültigen, vollkommenen Segen, auf den kein anderer, der ihn überbieten

könnte, folgt!< 3 Und seine Mutter nahm es fort ins Heiligtum in ihrem Schlafgemach und gab ihm die Brust. Und Anna stimmte Gott dem

Herrn ein Lied an und sprach:

> Ich will singen ein Lied dem Herrn, meinem Gott. Denn er hat mich gnädig heimgesucht und hat von mir genommen den Schimpf meiner

Feinde. Geschenkt hat mir der Herr eine Frucht seiner Gerechtigkeit, einzig in der Art und zugleich vielgestaltig vor ihm. Wer wird's den

Söhnen Rubims melden, daß Anna zu stillen hat? Höret, höret, ihr zwölf Stämme Israels, daß Anna zu stillen hat!<

Und sie brachte es das Kind zur Ruhe in ihrem Schlafgemach mit dem Heiligtum und ging hinaus zu den Gästen und wartete ihnen bei

Tische auf. Als aber die Mahlzeit beendet war, da zogen sie die Gäste hinab und waren dabei voller Freude und priesen den Gott Israels.

Maria im Tempel des Herrn

2 Dem Kinde aber mehrten sich seine Monate. Es wurde das Kind zweijährig. Und Joachim sagte: >Wir wollen es zum Tempel des Herrn

hinaufbringen, um das Versprechen einzulösen, das wir abgegeben haben. Sonst schickt der Gebieter Gott zu uns um es zu holen, und unsere

Gabe wird als eine in diesem Fall erzwungene nicht genehm sein.< Und Anna sagte: »Wir wollen das dritte Jahr zuwarten, damit das Kind

nicht bei früherer Trennung nach Vater und Mutter Verlangen trägt.« Und Joachim sagte: »Dann wollen wir warten. «

2 Und das Kind wurde dreijährig. Da sagte Joachim: > Rufet die Töchter der Hebräer, die unbefleckten, als Begleiterinnen herbei! Sie sollen

je eine Fackel nehmen, und die sollen zur Ablenkung für das Kind brennen, damit das Kind sich nicht nach hinten umdreht und sein Herz

nicht verführt wird weg vom Tempel des Herrn.< Und sie hielten es so, bis sie zum Tempel des Herrn hinaufkamen. Und der Priester nahm

Maria in Obhut, küßte und segnete sie und sprach: »Groß gemacht hat der Herr deinen Namen unter allen Geschlechtern. An dir wird am

Ende der Tage der Herr sein Lösegeld den Kindern Israel offenbaren.« 3 Und er hieß sie sich auf der dritten Stufe des Altars niedersetzen,

und der Herr Gott legte Anmut auf sie. Da begann sie auf ihren Füßen zu tanzen, und das ganze Haus Israel gewann sie lieb. 8,1 Und ihre

Eltern zogen wieder hinab, waren voller Staunen, und sie lobten Gott den Gebieter dafür, daß das Kind sich nicht ihnen zugewandt hatte um

bei ihnen zu bleiben. Maria aber war im Tempel des Herrn, wie eine Taube mit ganz wenig Speise sich beköstigend, und empfing Nahrung

aus der Hand eines Engels.

Die Verbindung Marias mit Joseph

2 Als sie aber zwölfjährig wurde, besprachen sich die Priester und sagten: >Siehe, Maria ist zwölfjährig geworden im Tempel des Herrn.

Was sollen wir nun mit ihr machen, damit sie nicht das Heiligtum des Herrn befleckt?< Und sie sagten zum Hohenpriester: >Du hast deinen

Platz am Altar des Herrn. So geh hinein und bete um sie! Und was der Herr dir offenbaren wird, das wollen wir dann tun.< 3 Und es ging

der Hohepriester im Ornat mit den zwölf Schellen hinein ins Allerheiligste und betete um sie. Und siehe, ein Engel des Herrn trat herzu und

sprach zu ihm: > Zacharias, Zacharias! Geh wieder hinaus und biete die Witwer des Volkes auf! Und sie sollen je einen Stab mitbringen, und

wem der Herr ein Zeichen erteilt, dessen Weib soll sie sein.< Es zogen aber die Herolde aus in das ganze Gebiet von Judäa, und es erdröhnte

die Posaune des Herrn, und alle liefen herzu. 9,1 Joseph aber warf mitten in der Arbeit das Beil hin und machte sich auf, sich mit den

anderen Witwern zu treffen. Und als sie beieinander waren, zogen sie hin zum Hohenpriester und brachten die Stäbe mit. Er aber nahm allen

die Stäbe ab und ging in den Tempel hinein und betete. Als er das Gebet beendet hatte, nahm er die Stäbe und ging wieder hinaus und

überreichte sie ihnen. Und irgendein Zeichen war an ihnen beim Austeilen nicht zu beobachten. Den letzten Stab aber erhielt Joseph, und

siehe, eine Taube kam aus dem Stab heraus und flatterte auf das Haupt Josephs. Da sprach der Priester zu Joseph: > Du bist dazu erlost, die

Jungfrau des Herrn heimzuführen, um sie dir jungfräulich zu behüten.< 2 Und Joseph widersprach und sagte: >Söhne habe ich bereits und

bin ein alter Mann, sie aber ist ein junges Mädchen. Ich möchte den Kindern Israel nicht zum Gespött werden.< Da sagte der Priester zu

Joseph: »Fürchte dich vor dem Herrn, deinem Gott! Und denke daran, was Gott Dathan und Abiram und Korah angetan hat, wie die Erde

sich spaltete und sie verschlungen wurden wegen ihrer Widerrede! Und jetzt müßtest du befürchten, Joseph, daß derartiges in deinem Hause

eintritt.« 3 Und Joseph bekam Furcht und führte sie heim, um sie zu behüten. Und Joseph sprach zu Maria: > Siehe, ich habe dich in

Empfang genommen aus dem Tempel des Herrn, und jetzt lasse ich dich daheim in meinem Hause und gehe fort, um meine Bauten

auszuführen, und dann werde ich wieder zu dir kommen. Der Herr wird dich inzwischen bewahren.<

Die Ankündigung der Geburt Jesu

1 Die Priester aber besprachen sich und sagten: > Wir wollen einen Vorhang für den Tempel des Herrn anfertigen lassen.< Und es sprach der

Priester: »Rufet mir unbefleckte Jungfrauen aus dem Stamme Davids!« Und die Diener gingen hin und machten sich auf die Suche und

fanden sieben Jungfrauen. Und es erinnerte sich der Priester an die kleine Maria, daß sie ja aus dem Stamme Davids war und unbefleckt war

vor Gott. Und die Diener gingen hin und brachten sie Maria. 2 Und sie führten sie die sieben Jungfrauen und Maria hinein in den Tempel des

Herrn, und es sprach der Priester: >Stellt mir durchs Los fest, wer das Gold spinnen soll und den Bergflachs und die Baumwolle und die

Seide und das Hyazinthenfarbige und das Scharlachfarbige und den echten Purpur! < Und auf Maria entfiel dabei der echte Purpur und das

Scharlachfarbige, und sie nahm's und ging heim in ihr Haus. Zu jener Zeit aber wurde Zacharias stumm, und an seine Stelle trat Samuel, bis

Zacharias wieder redete. Maria aber nahm das Scharlachfarbige und widmete sich dem Spinnen.

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11,1 Und sie nahm den Krug und ging hinaus, um Wasser zu schöpfen. Und siehe, eine Stimme sprach: »Sei gegrüßt, du Begnadete! Der

Herr sei mit dir, du Gepriesene unter den Frauen! « Und sie blickte sich um nach rechts und nach links, woher diese Stimme wohl käme. Und

es kam sie ein Zittern an. Da ging sie heim

in ihr Haus und stellte den Krug ab. Dann nahm sie den Purpur und setzte sich auf ihren Sessel und zog ihn zu Fäden. 2 Und siehe, ein Engel

des Herrn trat vor sie hin und sprach: > Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade gefunden vor dem Gebieter über alles, und du sollst

empfangen aus seinem Wort.< Als sie das aber hörte, bekam sie bei sich Zweifel und sagte: »Soll ich empfangen vom lebendigen Gott her

und gleichwohl gebären, wie jede Frau gebiert?« 3 Und es sprach der Engel des Herrn: > Nicht so, Maria! Denn Kraft des Herrn wird dich

überschatten. Deswegen wird auch das, was von dir geboren wird, heilig, nämlich Sohn des Höchsten genannt werden. Und du sollst seinen

Namen Jesus nennen; denn er wird sein Volk erretten von seinen Sünden.< Und Maria sprach: > Siehe, des Herrn Magd will ich gern sein

vor ihm; mir geschehe, wie du gesagt hast!<

Besuch der Maria bei Elisabeth

1 Und sie fertigte den Purpur und das Scharlachfarbige und lieferte es dem Priester ab. Und es segnete sie der Priester und sprach: > Maria,

groß gemacht hat der Gott deinen Namen, und du wirst gepriesen sein unter allen Geschlechtern der Erde.< 2 Maria aber wurde von Freude

erfaßt, und sie ging fort zu Elisabeth, ihrer Verwandten. Und sie klopfte an die Türe. Als Elisabeth es hörte, legte sie das Scharlachfarbige an

dem sie gerade arbeitete eilig fort und lief zur Türe und machte sie auf. Und als sie Maria erblickte, wünschte sie ihr Segen und sprach: >

Woher kommt mir diese Ehre, daß die Mutter meines Herrn mich besucht? Denn siehe, das Kind in mir hüpfte und wünschte dir Segen.<

Maria aber hatte die Geheimnisse längst vergessen, von denen der Erzengel Gabriel ihr gesprochen hatte, und blickte auf zum Himmel und

sprach: > Wer bin ich, Herr, daß alle Geschlechter der Erde mir Segen wünschen?< 3 Und sie verbrachte drei Monate bei Elisabeth. Tag um

Tag aber wurde ihr Leib stärker, und Maria fürchtete sich und ging heim in ihr Haus und verbarg sich vor den Kindern Israel. Sie war aber

sechzehn Jahre, als diese Geheimnisse sich begaben.

Nach der Rückkehr Josephs

1 Sie war aber im sechsten Monat, und siehe, da kam Joseph von seinen Bauten wieder zurück. Und als er in sein Haus eintrat, mußte er bei

ihrem Anblick feststellen, daß sie in anderen Umständen war. Und er schlug sich voller Unmut ins Gesicht und warf sich zu Boden auf die

Decke und weinte bitterlich und sagte: > Mit was für einem Gesicht soll ich nun hingehen zu dem Herrn, meinem Gott? Was soll ich wohl

beten wegen dieses Mädchens? Denn als Jungfrau habe ich sie aus dem Tempel des Herrn, meines Gottes, übernommen und habe sie nicht

behütet. Wer mag der sein, der mich hintergangen hat? Wer hat diese Schandtat in meinem Hause begangen und die Jungfrau befleckt? Hat

sich an mir etwa die Geschichte von Adam wiederholt? Denn wie zu der Stunde, da er dem Lobpreis Gottes sich widmete, die Schlange kam

und Eva allein antraf und ihren Betrug ausführte, so ist's auch mir ergangen. < 2 Und er stand auf von der Decke und rief Maria herbei und

sagte zu ihr: »Du für Gott in Obhut Genommene, warum hast du das getan? Hast du den Herrn deinen Gott ganz vergessen? Warum hast du

deine Seele so erniedrigt, du, die im Allerheiligsten auferzogen worden ist und Nahrung empfangen hat aus der Hand eines Engels?« 3 Sie

aber weinte bitterlich, und sie sagte: > Rein bin ich und weiß von keinem Mann.< Und Joseph sagte zu ihr: > Woher ist dann das in deinem

Leibe?< Sie aber sagte: > So wahr der Herr mein Gott lebt, ich weiß nicht, woher ich es habe.< 14,1 Und Joseph bekam gewaltige Angst, und

er ließ sie in Ruhe und überlegte, was er mit ihr anfangen solle. Und Joseph sagte bei sich: > Wenn ich ihre Sünde verberge, dann stehe ich

da als einer, der gegen das Gesetz des Herrn streitet, und andererseits, wenn ich sie, Maria, den Kindern Israel anzeige, dann muß ich

befürchten, daß das, was in ihr ist, vielleicht von Engeln stammt und ich als einer dastehen werde, der unschuldig Blut der Verurteilung zum

Tod ausliefert. Was soll ich also mit ihr anfangen? Ich werde sie in aller Stille fortschicken von mir.< Und, während er so überlegte, überfiel

ihn die Nacht. 2 Und siehe, ein Engel des Herrn erscheint ihm im Traum und spricht: > Hab keine Angst wegen dieses Mägdleins! Denn was

in ihr ist, das stammt vom heiligen Geist. Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen; denn er wird sein

Volk erretten von seinen Sünden. < Und Joseph erhob sich vom Schlaf und pries den Gott Israels, der ihm diese Gnade geschenkt hatte, und

war weiter um sie besorgt.

Das Verhör vor dem Hohenpriester

1 Es besuchte ihn aber der Schriftgelehrte Hannas und sagte zu ihm: > Weswegen hast du dich nicht in unserer Versammlung gezeigt?< Und

es sagte Joseph zu ihm: > Weil ich müde war von der Reise und den ersten Tag habe ausruhen müssen.< Und Hannas drehte sich um und sah

Maria in anderen Umständen. 2 Und er ging geschwind hin zum Priester und sagte zu ihm: >Joseph, den du als Zeuge kennst, hat schwer

gegen das Gesetz verstoßen.< Und der Priester sagte: > Inwiefern denn?< Und er sagte: > Die Jungfrau, die er aus dem Tempel zur Obhut

übernommen hat, die hat er befleckt. Er hat die Hochzeit mit ihr erstohlen und es den Kindern Israel nicht vorher zur Anzeige gebracht.< Da

gab der Priester zur Antwort und sprach: > Joseph sollte das getan haben?< Und der Schriftgelehrte Hannas sagte: »Schick Diener hin, und

du wirst feststellen, daß die Jungfrau in anderen Umständen ist. « Und die Diener gingen hin und fanden es so, wie er's gesagt hatte, und

führten sie zusammen mit Joseph vor das Gericht. 3 Und der Priester sprach: »Maria, warum hast du das getan? Warum hast du deine Seele

so erniedrigt und den Herrn, deinen Gott, ganz vergessen? Du, die im Allerheiligsten auferzogen worden ist und Nahrung empfangen hat aus

der Hand eines Engels und die Gesänge im Tempel hat hören dürfen und zu ihnen, tanzen vor ihm Gott? Warum hast du das getan?« Sie aber

weinte bitterlich und sagte: > So wahr der Herr mein Gott lebt, ich bin rein vor ihm und weiß von keinem Mann.< 4 Und es sagte der Priester

zu Joseph: »Warum hast du das getan? Und Joseph sagte: > So wahr der Herr mein Gott lebt, frei von Schuld bin ich an ihr.< Und der

Priester sprach: > Leg kein falsches Zeugnis ab, sondern sag die Wahrheit! Du hast die Hochzeit mit ihr gestohlen und es den Kindern Israel

nicht vorher zur Anzeige gebracht und hast dein Haupt nicht vorher unter die gewaltige Hand Gottes gebeugt, damit dein Same gesegnet

wäre. < Und Joseph schwieg dazu. 16,1 Und der Priester sprach: > Gib die Jungfrau wieder her, die du aus dem Tempel des Herrn

empfangen hast! < Und Joseph brach in heftige Tränen aus. Darauf antwortete der Priester: > Ich werde euch das Prüfungswasser des Herrn

zu trinken geben, und er, der Herr, wird eure Sünden in euren Augen offenbaren. < 2 Und der Priester nahm's und gab's dem Joseph zu

trinken und schickte ihn ins Gebirge, und er kam später unversehrt wieder zurück. Er gab's aber auch der Maria zu trinken und schickte sie

ins Gebirge, und sie kam später unversehrt wieder zurück. Und es wunderte sich das ganze Volk, daß keine Sünde an ihnen zum Vorschein

gekommen war. 3 Und es sagte der Priester: > Wenn der Herr Gott eure Sünde nicht offenbart hat, dann richte auch ich euch nicht. < Und

entließ sie. Und Joseph nahm Maria mit sich und ging heim in sein Haus und war dabei voller Freude und pries den Gott Israels.

Die Geburt Jesu

1 Es erging aber ein Befehl vom König Augustus, es sollten alle Leute in Bethlehem in Judäa sich in eine Liste eintragen lassen. Und Joseph

sagte bei sich: »Ich werde meine Söhne eintragen lassen. Wie aber soll ich es mit diesem Mägdlein machen? Wie soll ich sie eintragen

lassen? Als meine Ehefrau? Ich habe eine gewisse Scheu davor. Oder als Tochter? Aber es wissen doch alle Kinder Israel, daß sie nicht

meine Tochter ist. Der Tag des Herrn selbst wird es machen, wie der Herr will.« 2 Und er sattelte den Esel und setzte sich darauf, und sein

Sohn zog den Esel vorn, und Joseph ging hinterdrein. Und sie hatten sich bis auf 3 Meilen Bethlehem genähert. Da wandte sich Joseph um

und sah sie traurig und sprach bei sich: > Vielleicht macht ihr das zu schaffen, was in ihr ist. < Und ein ander Mal wandte sich Joseph um

und sah sie lachen. Da sagte er zu ihr: > Maria, was ist dir, daß ich dein Gesicht das eine Mal lachen sehe, das andere Mal traurig?< Und

141

Maria sagte zu Joseph: »Weil ich zwei Völker mit meinen Augen sehe, eines, das weint und wehklagt, und eines, das sich freut und jubelt.« 3

Sie hatten den halben Weg zurückgelegt, da sagte Maria zu ihm: > Nimm mich herab vom Esel! Denn was in mir ist, drückt mich und will

hervorkommen.< Da nahm er sie vom Esel herab und sagte zu ihr: > Wohin soll ich dich führen und dich in deinem unschicklichen Zustand

in Schutz bringen? Denn die Gegend ist einsam.< 18,1 Und er fand dort eine Höhle und geleitete sie hinein, und er ließ seine Söhne ihr zur

Seite und zog aus, um eine hebräische Hebamme in der Gegend von Bethlehem zu suchen. 2 Ich aber Joseph ging umher und ging wiederum

nicht umher und blickte nach oben in die Luft und sah die Luft erstarrt und blickte nach oben an das Himmelsgewölbe und sah es stillstehen

und die Vögel des Himmels ohne Bewegung. Und ich blickte auf die Erde und sah eine Schüssel am Boden und Arbeiter um sie gelagert,

und ihre Hände waren in der Schüssel, und die beim Kauen waren, kauten doch nicht, und die Speise nahmen, brachten sie doch nicht in die

Höhe, und die Speise an ihren Mund führten, brachten sie doch nicht heran, sondern ihrer aller Gesichter blickten unverwandt nach oben.

Und siehe, Schafe wurden dahergetrieben und kamen keinen Schritt vorwärts, sondern blieben stehen, und der Hirt erhob seine Hand, um sie

mit dem Stecken zu schlagen, und seine Hand blieb oben stehen. Und ich blickte auf die Flut des Flusses und sah die Mäuler der Böcke

darauf auf der Oberfläche des Wassers liegen und doch nicht trinken - und auf ein Mal ging alles wieder nach seinem gewohnten Lauf

weiter. 19,1 Und siehe, eine Frau kam vom Gebirge herab, die sagte zu mir: »Mann, wohin bist du unterwegs?« Und ich sagte zu ihr: > Ich

suche eine hebräische Hebamme.< Und sie gab zur Antwort und sagte zu mir: »Bist du aus Israel?« Und ich sagte zu ihr: »Ja. « Sie aber

sagte: > Und wer ist die, die in der Höhle gebären soll?< Und ich sagte: > Meine Verlobte.< Da sagte sie zu mir: > Dann ist sie also nicht

dein Weib?< Und ich sagte zu ihr: > Es ist Maria, die im Tempel des Herrn auferzogen worden ist; sie hatte ich mir zum Weibe erlost, und

gleichwohl ist sie nicht mein Weib, sondern Empfängnis hat sie erhalten vom heiligen Geist.< Da sagte die Hebamme zu ihm: > Das soll

wahr sein?< Und Joseph sagte zu ihr: > Komm und sieh! < Und die Hebamme ging mit ihm hin. 2 Und sie standen an dem Platz, wo die

Höhle war, und siehe, eine lichte Wolke hüllte die Höhle in Schatten. Da sagte die Hebamme: > Erhoben ist heute meine Seele. Denn meine

Augen haben Wunderbares gesehen; denn für Israel ist Heil geboren worden.< Und sogleich verzog sich die Wolke aus der Höhle, und es

erschien ein gewaltiges Licht in der Höhle, so daß unsere Augen es nicht ertragen konnten. Und nach kurzer Zeit verschwand jenes Licht, bis

das Kind zu sehen war; und es kam und nahm die Brust von seiner Mutter Maria. Und die Hebamme schrie auf und rief: »Groß ist der Tag

heute für mich, daß ich dieses neue Schauspiel habe sehen dürfen!« 3 Und die Hebamme verließ die Höhle. Da begegnete ihr Salome, und

sie sagte zu ihr: > Salome, Salome! Ein neues Schauspiel habe ich dir zu erzählen: eine Jungfrau hat geboren, was doch ihre Natur gar nicht

erlaubt!< Da sagte Salome: > So wahr der Herr, mein Gott, lebt, wenn ich meinen Finger nicht anlege und ihren Zustand untersuche, so

glaube ich nicht, daß eine Jungfrau geboren hat.<

Die Feststellung der Jungfräulichkeit Marias

1 Und die Hebamme ging hinein und sagte zu Maria: > Lege dich zurecht! Denn kein geringfügiger Streit ist um dich im Gange.< Und

Salome untersuchte unter Anlegen ihres Fingers ihren Zustand. Dann stieß sie Klagerufe aus und rief: »Wehe über mein Unrecht und meinen

Unglauben! Denn ich habe den lebendigen Gott versucht. Siehe da, meine Hand fällt verbrannt von mir ab!« 2 Und sie beugte ihre Knie vor

dem Gebieter und sprach: >Gott meiner Väter! Gedenke meiner, daß ich Same Abrahams und Isaaks und Jakobs bin! Gib mich nicht vor den

Kindern Israel der Schande preis, sondern gib mich den Armen wieder Denn du weißt, Gebieter, daß ich auf deinen Namen hin meinen

Dienst an Armen und Kranken ohne Entgelt ausübe und meinen Lohn dafür von dir empfing.< 3 Und siehe, ein Engel des Herrn trat herzu

und sprach zu ihr: »Salome, Salome! Erhört hat dich der Herr. Leg deine Hand an das Kindlein und trage es! Rettung und Freude wird dir

zuteil werden.« 4 Und Salome trat heran und trug es und sagte dabei: > Ich will ihm meine Verehrung darbringen, denn als großer König für

Israel ist es geboren worden.< Und siehe, sogleich war Salome geheilt, und sie verließ die Höhle gerechtfertigt. Und siehe, eine Stimme

sprach: >Salome, Salome! Erzähle nicht weiter, was du alles Wunderbares gesehen hast, bis der Knabe nach Jerusalem hineinkommt!<

Die Weisen aus dem Morgenlande und der Kindermord in Bethlehem

1 Und siehe, Joseph machte sich bereit, fortzuziehen nach Judäa. Da entstand eine große Unruhe in Bethlehem in Judäa. Es kamen nämlich

Weise, die sagten: »Wo ist der König der Juden, der kürzlich geboren worden ist. Wir haben nämlich seinen Stern im Aufgehen gesehen und

sind gekommen, um ihm zu huldigen.« 2 Und als Herodes das zu Ohren bekam, geriet er in Erregung und sandte einen Diener zu den Weisen

und ließ die Hohenpriester holen und befragte sie und sprach: »Wie heißt es in der Schrift von dem Christus? Wo wird er geboren?« Sie

sagten zu ihm: > In Bethlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben.< Und er entließ sie. Dann fragte er die Weisen und sagte: > Was für

ein Zeichen habt ihr gesehen, das sich auf den kürzlich geborenen König bezieht?< Und die Weisen sagten: > Wir haben einen ganz großen

Stern gesehen, der unter diesen anderen Sternen allen leuchtete und sie in ihrem Glanze dämpfte, so daß es war, als ob die anderen Sterne gar

nicht scheinen würden. Wir aber gelangten so zu der Erkenntnis, daß ein König für Israel geboren worden ist, und sind gekommen, um ihm

zu huldigen.< Und Herodes sprach: > Geht hin und suchet das Kind! Und wenn ihr es gefunden habt, so meldet es mir, damit ich dann auch

hingehen und ihm huldigen kann.< 3 Und die Weisen zogen von dannen. Und siehe, der Stern, den sie im Aufgehen gesehen hatten, ging

ihnen voran, bis sie in die Höhle eintraten; da blieb er stehen zu Häupten der Höhle. Und es sahen die Weisen das Kindlein mit seiner Mutter

Maria, und sie entnahmen ihrer Reisetasche Geschenke, Gold und Weihrauch und Myrrhe. 4 Und da sie von dem Engel Weisung erhielten,

nicht nach Judäa zu ziehen, so reisten sie auf einem anderen Wege in ihr Land.

22,1 Als Herodes erkannte, daß er von den Weisen hintergangen worden war, wurde er zornig und schickte Mörder aus und gab ihnen den

Auftrag: »Die kleinen Kinder von zwei Jahren an abwärts tötet!« 2 Und als Maria hörte, daß die kleinen Kinder umgebracht würden,

erschrak sie und nahm das Kindlein und wickelte es in Windeln und legte es in eine Ochsenkrippe.

Das Martyrium des Zacharias

3 Elisabeth aber, als sie hörte, Johannes werde gesucht, nahm ihn und stieg hinauf ins Gebirge und sah sich um, wo sie ihn werde verbergen

können; es war jedoch kein Versteck da. Da seufzte Elisabeth mit lauter Stimme und sagte: > Berg Gottes! Nimm Mutter samt Kind auf! <

Denn Elisabeth konnte nicht noch weiter ins Gebirge hinaufsteigen. Und sogleich teilte sich der Berg und nahm sie, Elisabeth auf. Und es

schien für sie Licht durch den Berg hindurch; denn ein Engel des Herrn war bei ihnen, der sie behütete.

23,1 Herodes aber ließ Johannes suchen und schickte Diener zu Zacharias und ließ sagen: > Wo hast du deinen Sohn versteckt?< Der aber

gab zur Antwort und sagte zu ihm: > Ich walte meines Amtes als Diener Gottes und halte mich ständig im Tempel des Herrn auf. Ich weiß

nicht, wo sich mein Sohn befindet.< 2 Und die Diener gingen fort und meldeten dies alles dem Herodes. Da wurde Herodes zornig und sagte:

>Sein Sohn wird doch nicht etwa als König über Israel herrschen sollen?< Und er schickte nochmals zu ihm und ließ sagen: > Sag die Wahrheit!

Wo befindet sich dein Sohn? Du weißt ja, daß dein Blut dein Leben in meiner Hand ist.< Und die Diener gingen fort zu Zacharias und

richteten ihm dies alles aus. 3 Und Zacharias ließ sagen: »Ein Zeuge Gottes bin ich, wenn du mein Blut vergießest. Meinen Geist nämlich

nimmt der Gebieter zu sich, weil du unschuldig Blut vergießest im Vorhof des Tempels des Herrn.« Und gegen Tagesanbruch wurde

Zacharias ermordet. Und die Kinder Israel wußten nicht, daß er ermordet war.

24,1 Vielmehr zogen die Priester zur Stunde der Begrüßung hin zum Tempel. Doch kam ihnen nicht wie gewohnt der Segen des Zacharias

entgegen. So standen die Priester in der Erwartung des Zacharias, um ihn mit Gebet zu begrüßen und den Höchsten zu preisen. 2 Als er aber

immer noch nicht kam, wurden alle von Angst ergriffen. Schließlich wagte es einer von ihnen und ging hinein, da sah er neben dem Altar

geronnenes Blut und vernahm eine Stimme, die sprach: > Zacharias ist ermordet worden, und sein Blut soll nicht weggewaschen werden, bis

sein Rächer kommt.< Als er das Wort hörte, erschrak er, eilte hinaus und teilte es den Priestern mit. 3 Da wagten sie es und gingen hinein

und sahen, was geschehen war. Und die getäfelte Decke des Tempels ächzte, und sie selbst die Priester rissen ihre Gewänder entzwei von

oben bis unten. Und seinen Leichnam fanden sie nicht, sondern sie fanden nur sein zu Stein gewordenes Blut. Und voller Furcht gingen sie

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wieder hinaus und teilten dem ganzen Volk mit, daß Zacharias ermordet worden sei. Und es hörten es alle Stämme des Volkes, und sie

trauerten um ihn und hielten Klage drei Tage und drei Nächte. 4 Nach den drei Tagen aber berieten die Priester, wen sie an seine Stelle

setzen könnten, und das Los fiel auf Symeon. Das war nämlich der, der vom heiligen Geist die Weisung erhalten hatte, er werde den Tod

nicht sehen, bis er den Christus im Fleisch gesehen habe.

Schluß

1 Ich aber, Jakobus, der diese Geschichte geschrieben hat, zog auch, weil in Jerusalem wegen des Todes von Herodes Unruhen ausbrachen,

in die Wüste, bis sich die Unruhen in Jerusalem gelegt hatten, wobei ich voll Preisens war für Gott, den Gebieter, der mir die Gabe und die

Weisheit verliehen hat, diese Geschichte schreiben zu dürfen.

2 Es sei aber die Gnade mit denen, die unseren Herrn Jesus Christus fürchten! Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen!

Die Kindheitserzählung des Thomas

Die Erzählungen von der Kindheit Jesu werden vielfach auch als Thomasevangelium bezeichnet. Sie umfassen Geschichten von Wundern,

die der Jesusknabe im Alter zwischen 5 und 12 Jahren vollbracht hat. Ein gewisser Thomas, ein israelitischer Philosoph, wird als Autor

genannt. Es handelt sich aber um eine Verschmelzung von unabhängigen Geschichten und Fabeln. Der Jesusknabe wird als übermütiges

Wunderkind gezeigt. Er ist vergleichbar mit Götterknaben indischer Tradition, denn Parallelen zu Krishna- und Buddhalegenden sind

offensichtlich. Es ist nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem Geist des NT zu finden, das bei allem immer das Heil der Menschen im Blick

hat. Der Sammler scheint sich bei seinen Auswahlkriterien hauptsächlich an der Auffälligkeit der Geschichten orientiert zu haben. Sie haben

wohl um so eher Aufnahme gefunden, je aufsehenerregender und erstaunlicher sie waren. Immerhin aber gibt es eine formale

Übereinstimmung mit den neutestamentlichen Wunderberichten. Die Wunder, die Jesus später vollbringen wird, sind augenfällig

vorweggenommen. Gleich am Anfang (2,1) spielt Jesus an einer Furt und reinigt das Wasser. Daß er dabei mit bloßem Worte dem Wasser

gebietet, erinnert an die Stelle bei den Synoptikern, wo Jesus den Seesturm befiehlt (Mk, 4,35-14;Mt 8,18.23-27;Lk 8,22-25).

Wenn Jesus im NT einen Feigenbaum verdorren läßt (Mk 11,12-14; Mt 21, 18 f. ; Lk 13,6-9), so ist das in symbolisch-lehrhafter Handlung

Sinnbild des unfruchtbaren Israel. Im Thomasevangelium läßt der Jesusknabe einen Jungen verdorren, so wie ein Baum verdorrt. Die

äußerliche Übereinstimmung liegt auf der Hand, doch ist es hier keineswegs eine Symbolhandlung, sondern eine unbeherrschte Reaktion

eines gefühllosen Götterknabens. Es scheint weiterhin ein gewisser gnostischer Einfluß erkennbar zu sein. Jesu wiederholteAuftrittevor Lehrern

zeigen ihn als einen, der bereits die volle Weisheit des Alters besitzt. Es ist also nicht mehr nötig, daß er zunehme an Weisheit, wie es

bei Lukas heißt (Lk2,52). Die wirkliche Menschheit Christi wird dadurch in Frage gestellt, wie es in der gnostischen Richtung des

Doketismus der Fall war. Bei der allegorischen Auslegung des Alphabets (6,4) aber wird der Jesusknabe vollends zum gnostischen

Offenbarer.

Trotzdem aber hat sich das Thomasevangelium immer größter Beliebtheit erfreut, was sich schon darin zeigt, daß es in viele Sprachen

übersetzt wurde. Es muß zugestanden werden, daß viele Szenen, die den kindlichen Alltag beschreiben, nicht eines gewissen Reizes

entbehren.

Textquelle: Kindheitserzählung des Thomas

1. Vorwort

So will ich euch denn, ich Thomas der Israelit, allen den Brüdern aus den Heiden Kunde bringen von den wunderbaren Jugendtaten unseres

Herrn Jesus Christus, die er vollbracht hat nach seiner Geburt in unserem Lande. So nahm es seinen Anfang.

Die Sperlinge aus Lehm

1 Das Knäblein Jesus, als es fünfjährig geworden war, spielte einst an der Furt eines Baches und leitete die dahinfließenden schmutzigen

Wasser seitwärts in Gruben zusammen und machte sie sogleich klar, und zwar durchs Wort allein gebot er über sie. 2 Und er machte aus

Erde und Wasser einen schlammigen Lehmteig und formte daraus zwölf Sperlinge. Und es war Sabbat, als er das tat. Es waren aber noch

viele andere Kinder mit ihm zusammen beim Spiel. 3 Es sah aber ein Jude, was Jesus da beim Spielen am Sabbat tat, und ging spornstreichs

hin und meldete seinem Vater Joseph: > Siehe, dein Knäblein steht da am Bach und hat Lehm genommen und zwölf Vöglein draus geformt

und mit dieser Arbeit den Sabbat entweiht.< 4 Und Joseph kam an den Platz, sah's und schrie ihn an: > Warum tust du am Sabbat solche

Dinge, die zu tun doch nicht erlaubt ist?< Jesus aber klatschte in seine Hände und rief den Sperlingen zu und sagte ihnen: > Auf ! Davon!<

Und die Sperlinge schlugen mit den Flügeln und machten sich schreiend davon. 5 Als aber die Juden das sahen, da erschraken sie und gingen

hin und erzählten ihren Oberen, was sie Jesus hatten tun sehen.

Die Bestrafung des Störenfrieds

1 Der Sohn aber des Schriftgelehrten Hannas stand dort zusammen mit Joseph. Der nahm einen Weidenzweig und ließ, indem er mit dem

Zweig einen Abflußkanal bohrte, die Wasser wieder auslaufen, die Jesus in Gruben gesammelt hatte. 2 Als aber Jesus sah, was da geschah,

wurde er böse und sagte zu ihm: > Du gottloser und unvernünftiger Schlingel! Was haben dir denn die Gruben und die Wasser zuleide getan,

daß du sie austrocknen läßt? Siehe, jetzt sollst auch du wie ein Baum, wenn er ohne Wasser ist, austrocknen und sollst weder Blätter noch

Wurzel noch Frucht tragen!< 3 Und sogleich verdorrte jener Knabe ganz und gar. Jesus aber zog sich zurück und ging heim in das Haus

Josephs. Die Eltern des Verdorrten aber trugen ihn fort, voll Wehklagens über seine Jugend, daß sein Leben schon so früh zerstört worden

war, und brachten ihn zu Joseph und schuldigten ihn an: > Einen solchen Sohn hast du, der derartiges tut!<

Ein Zusammenstoß und seine Folgen

1 Danach ging er Jesus wieder einmal durch das Dorf, und ein Kind, das vorbeilief, stieß ihn an die Schulter. Und Jesus wurde erbittert und

sagte zu ihm: > Du sollst deinen Weg nicht weitergehen!< Und alsbald fiel es hin und verstarb. Einige aber, die sahen, was da geschah,

sagten: > Woher stammt nur dieser Knabe? Jedes Wort, das er spricht, ist ja fertige Tat.< 2 Und die Eltern des Gestorbenen suchten Joseph

auf und beklagten sich mit den Worten: > Mit einem solchen Knaben kannst du nicht mit uns zusammen im Dorfe wohnen. Oder bring ihm

bei, daß er segnen soll und nicht fluchen! Er läßt unsere Kinder ja sterben!< 5,1 Und Joseph rief den Knaben heran auf die Seite und wies ihn

zurecht und sagte: > Warum tust du eigentlich derartige Dinge? Die Leute hier haben darunter zu leiden und bekommen einen Haß auf uns

und jagen uns noch davon.< Jesus aber sagte: > Ich weiß zwar genau, daß diese deine Worte nicht deine sondern dir nur eingeflüstert sind.

Trotzdem will ich dazu schweigen mit Rücksicht auf dich. Jene aber werden ihre Strafe davontragen.< Und sogleich wurden die, die

Anschuldigungen gegen ihn vorgebracht hatten, blind. Und die, dies sahen, erschraken gewaltig und waren ratlos und sagten von ihm: »Jedes

Wort, das er gesprochen hat, ob gut oder böse, war sogleich Tat und war zum Staunen. « Und als er sah, daß Jesus das getan hatte, erhob sich

Joseph und nahm ihn beim Ohr und zog ihn ordentlich daran. 3 Der Knabe aber wurde unwillig und sagte zu ihm: »Es muß für dich genug

sein, es ist dein Los, das nicht zu ändern ist, zu suchen und trotzdem nicht zu finden, ohne Verständnis zu bleiben. Ganz besonders unklug

hast du da gehandelt! Weißt du nicht, daß ich dein bin und zu dir gehöre? So mach mir keinen Kummer!«

Beim Schulmeister Zakchäus

1 Ein Schulmeister aber mit Namen Zakchäus stand an einem Platz in der Nähe und hörte Jesus das zu seinem Vater sagen, und er wunderte

sich über die Maßen, daß er, obwohl er ein kleines Kind war, derartiges äußerte. 2 Und wenige Tage später näherte er sich Joseph und sagte

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zu ihm: > Du hast da ein gescheites Kind; es hat Verstand. Wohlan, übergib es mir, damit es die Buchstaben lernt! Ich will es samt den

Buchstaben alle Wissenschaft lehren und es überdies lehren daß man die alten Leute zu grüßen und sie zu ehren hat wie Großväter und Väter

und daß man den Gleichaltrigen mit Liebe begegnen soll.< 3 Und er sagte ihm alle Buchstaben auf vom A bis zum O ganz eindringlich und

genau. Er aber, Jesus, sah den Schulmeister Zakchäus an und sagte zu ihm: > Wo du nicht einmal das A seinem Wesen nach kennst, wie

willst du da andere das B lehren? Du Heuchler! Lehre zuerst, wenn du's weißt, das A, und dann wollen wir dir auch glauben, wenn's um das

B geht.< Darauf fing er an, den Lehrer wegen des ersten Buchstabens auszufragen, aber der war nicht imstande, ihm eine Antwort zu geben.

4 Während viele zuhörten, sagte das Kind zu Zakchäus: »Vernimm, Lehrer, den Aufbau des ersten Schriftzeichens, und achte hier darauf,

wie es zwei gerade Linien hat und einen Mittelstrich, der die verbundenen zusammenlaufenden geraden Linien, die du siehst, schneidet, wie

diese Linien zusammenlaufen, die Spitze die Führung übernimmt und wiederum einen Kopf bildet, wie es drei Zeichen sind, gleicher Art,

Ausgang und Grundlage bildend, gleichen Maßes. Da hast du die Linien des A.< 7,1 Als der Lehrer Zakchäus den Knaben die so zahlreichen

und gewichtigen allegorischen Bedeutungen des ersten Buchstabens darlegen hörte, da war er ratlos, was er zu solcher Verteidigung und

Lehre, wie er sie vorbrachte, sagen sollte, und wandte sich an die Anwesenden: > O weh! Da bin ich in Verlegenheit gebracht worden, ich

Unglückseliger, der ich mir selbst Schande zugefügt habe, indem ich dies Kind an mich heranzog! 2 Nimm es drum wieder fort, ich bitte

dich, Bruder Joseph! Ich ertrage den Ernst seines Blickes nicht, und was er sagt, halte ich nicht ein einziges Mal mehr aus. Dieses Kind

entstammt nicht der Erde. Das kann ja sogar Feuer bändigen. Am Ende ist es sogar schon vor Erschaffung der Welt erzeugt worden. Welch

Mutterleib es getragen, welch Mutterschoß es genährt hat, ich weiß es nicht. Ach, Freund, es setzt mir zu sehr zu, ich kann seinem Verstand

nicht folgen. Ich habe mich selbst betrogen, ich dreimal Unglücklicher! Ich hatte mich darum bemüht, einen Schüler zu bekommen, und es

hat sich gezeigt, daß ich einen Lehrer bekommen habe. 3 Ich halte mir, Freunde, die Schande vor, daß ich als alter Mann mich von einem

Kinde habe besiegen lassen müssen. Ich habe nur noch ganz matt zu werden und zu sterben um dieses Knaben willen; denn ich kann in

dieser Stunde ihm nicht ins Gesicht sehen. Und wenn alle Leute sagen, ich sei von einem kleinen Kinde besiegt worden, was habe ich da zu

entgegnen und was soll ich, damit man meine Niederlage einigermaßen versteht, erzählen von dem, was er mir über die Linien des ersten

Buchstabens gesagt hat? Ich verstehe es ja selbst nicht, Freunde; denn ich begreife weder Anfang noch Ende davon. 4 Daher also bitte ich

dich, Bruder Joseph, bring ihn wieder fort in dein Haus! Er ist unbedingt etwas Großes, entweder ein Gott oder ein Engel oder was weiß ich,

was ich sagen soll.< 8,1 Wie nun die Juden dem Zakchäus beruhigend zuredeten, da lachte der Knabe laut und sagte: > Jetzt soll nun Frucht

tragen, was unfruchtbar ist, und sehen sollen, die blinden Herzens sind. Ich bin erschienen, von oben her, um sie die, die es verdienen, zu

verfluchen und die anderen nach oben zu rufen, wie es mir der aufgetragen hat, der mich gesandt hat um euretwillen.< 2 Und wie der Knabe

zu reden aufgehört hatte, da wurden sogleich alle gesund, die unter seinen Fluch gefallen waren, und keiner wagte von da ab, seinen Zorn zu

erregen, weil Jesus sonst ihn verfluchen und er, der Verfluchte, ein Krüppel werden könnte.

Der Sturz vom Dach

1 Und einige Tage später spielte Jesus auf einem Dach auf dem Söller, und einer der Knaben, die mit ihm zusammen spielten, fiel vom Dach

herunter und verstarb. Und die andern Knaben flohen, als sie's sahen, und stehen blieb Jesus allein. 2 Da kamen die Eltern des Gestorbenen

und beschuldigten ihn, er habe ihn hinuntergeworfen. Und Jesus sagte: > Ich habe niemals ihn hinuntergeworfen.< Jene aber wollten tätlich

gegen ihn werden. 3 Da sprang Jesus vom Dach hinunter und stellte sich neben den Leichnam des Knaben und rief mit lauter Stimme und

sprach: »Zenon! « - so hieß nämlich sein Name - »steh auf und sag mir: Habe ich dich hinuntergeworfen?« Und alsbald stand er auf und

sagte: > Nein, Herr, du hast mich nicht hinuntergeworfen, vielmehr auferweckt.< Und als sie das sahen, entsetzten sie sich. Die Eltern des

Knaben aber priesen Gott für das Zeichen, das geschehen war, und brachten Jesus ihre Huldigung dar.

Der junge Holzhacker

1 Wenige Tage danach spaltete ein junger Mann Holz im Winkel. Da fiel die Axt hin und zerspaltete ihm die ganze Fußfläche. Er verblutete

und war nahe am Sterben. 2 Wie nun Unruhe und Auflauf entstand, da lief auch der kleine Jesus dorthin, und mit Gewalt bahnte er sich einen

Weg durch die Menge. Und er faßte den getroffenen Fuß des Jünglings an, und sogleich war er geheilt. Er sprach aber zu dem Jüngling: >

Steh jetzt auf! Spalte weiter das Holz und denk an mich!< Als die Menge sah, was geschehen war, da huldigte sie dem Knaben und sagte:

»Ganz gewiß wohnt Gottes Geist in diesem Knaben. «

Der zerbrochene Krug

1 Als er aber sechsjährig war, schickte ihn seine Mutter, um am Brunnen Wasser zu schöpfen und nach Hause zu bringen, nachdem sie ihm

zuvor für diesen Zweck einen Wasserkrug gegeben hatte. In der Menge aber stieß er mit jemandem zusammen, der Wasserkrug ging entzwei.

2 Jesus aber faltete das Gewand, das er umgelegt hatte, auseinander und füllte es mit Wasser und brachte es seiner Mutter. Als seine Mutter

aber das Zeichen sah, das geschehen war, da küßte sie ihn, und sie bewahrte die Geheimnisse, die sie ihn tun sah.

Die wunderbare Ernte

1 Ein andermal aber zur Zeit der Aussaat zog der Knabe mit seinem Vater aufs Feld, weil er, der Vater, Weizen auf ihr Land säen wollte.

Und während der Vater beim Säen war, säte auch der kleine Jesus, und zwar nur ein einziges Weizenkorn. 2 Und als er ans Ernten ging und

den Ertrag zur Tenne brachte, da kam er auf einhundert Malter, und er rief alle Armen des Dorfes zur Tenne und schenkte ihnen den Weizen,

und Joseph trug heim, was vom Weizen übriggeblieben war. Er war aber acht Jahre, als er dies Zeichen tat.

In der Werkstatt des Vaters

1 Sein Vater aber war Zimmermann, und er machte in jener Zeit in der Regel nur Pflüge und Joche. Da wurde ihm ein Bett von einem

reichen Mann in Auftrag gegeben, er solle es für ihn anfertigen. Weil aber das eine Seitenbrett kürzer war als das, was man das parallele

Seitenbrett nennt, und als Meister und Gehilfe nicht wußten, was sie machen sollten, da sagte der kleine Jesus zu seinem Vater Joseph: > Leg

die beiden Hölzer auf den Boden unten hin und mach sie vom Mittelteil an gleich!« 2 Und Joseph tat, wie der Knabe ihm gesagt hatte. Jesus

aber stellte sich von der anderen Seite her hin und faßte das kürzere Holz, und durch Strecken machte er es dem anderen gleich. Und sein

Vater Joseph sah's und staunte, und er umarmte den Knaben und küßte ihn und sagte: > Glücklich zu preisen bin ich, daß Gott mir dieses

Kind geschenkt hat!<

Der zornige Lehrer

1 Als aber Joseph den Verstand des Knaben sah und sein Alter, daß er gereift war, wurde er sich erneut schlüssig, er solle der Buchstaben

nicht unkundig bleiben, und brachte ihn hin und übergab ihn einem anderen Lehrer. Der Lehrer sagte aber zu Joseph: > Zuerst will ich ihn

die griechischen Buchstaben unterrichten, später die hebräischen.< Der Lehrer wußte nämlich schon vom Hörensagen von der

Beschlagenheit des Knaben und hatte Angst vor ihm. Trotzdem schrieb er das Alphabet hin und traktierte es eine ganze lange Zeit, und Jesus

gab ihm keine Antwort. 2 Dann aber sagte Jesus zu ihm: > Wenn du wirklich ein Lehrer bist und die Buchstaben gut kennst, dann nenne mir

die Bedeutung des A, und ich will dir dann die des B sagen.< Da wurde der Lehrer böse und gab ihm einen Klaps auf den Kopf. Den Knaben

schmerzte das, und er verfluchte ihn, und sogleich fiel er, der Lehrer, in Ohnmacht und schlug auf den Boden hin, gerade aufs Gesicht. 3 Der

Knabe aber kehrte heim ins Haus Josephs. Joseph aber wurde bekümmert und trug seiner Mutter auf: >Daß du ihn nicht vor die Türe läßt!

Denn die, die seinen Zorn erregen, sind des Todes.<

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Der freundliche Lehrer

1 Nach einiger Zeit aber sagte wieder ein anderer Schulmeister, ein intimer Freund des Joseph, zu ihm: >Bring mir den Knaben in die

Schule! Vielleicht bin ich imstande, ihn mit Freundlichkeit die Buchstaben zu lehren.< Und Joseph sagte: >Wenn du den Mut aufbringst,

Bruder, dann nimm ihn mit dir!< Und er nahm ihn mit sich mit Angst und großer Sorge; der Knabe jedoch ging gern mit. 2 Und als er keck

ohne jede Schüchternheit ins Lehrhaus eintrat, fand er ein Buch auf dem Lesepult liegen, und er nahm es, las aber nicht die Buchstaben, die

drin waren, sondern tat seinen Mund auf und redete voll heiligen Geistes und lehrte die Umstehenden das Gesetz. Eine große Menge aber

strömte zusammen, sie standen dabei und hörten ihm zu, und sie wunderten sich über die Schönheit seiner Lehre und die Wohlgesetztheit

seiner Worte, daß er, obwohl er ein unmündiges Kind war, derartig sich äußerte. 3 Als aber Joseph das zu hören bekam, befiel ihn Angst, und

er lief zum Lehrhaus und dachte nicht anders, es würde auch dieser Schulmeister sich als unkundig erweisen. Es sagte aber der Schulmeister

zu Joseph: >Damit du es weißt, Bruder: ich habe zwar den Knaben als Schüler übernommen; aber er ist großer Anmut und Weisheit voll und

bedarf meines Unterrichtes gar nicht. Und so habe ich dich nur zu bitten, Bruder, nimm ihn wieder fort in dein Haus!< 4 Als der Knabe aber

das hörte, lachte er ihm sogleich zu und sagte: > Weil du recht geredet und recht bezeugt hast, soll deinetwegen auch jener, der so schwer

getroffen worden war, geheilt werden. < Und augenblicklich war der andere Schulmeister geheilt. Joseph aber nahm den Knaben mit sich

und ging heim in sein Haus.

Heilung vom Natterbiß

1 Es schickte Joseph aber seinen Sohn Jakobus fort, um Holz auf dem Feld oder im Wald zu bündeln und in sein Haus zu tragen; zur

Begleitung ging aber auch der kleine Jesus mit. Und wie Jakobus die Reiser zusammenlas, biß sich eine Natter an der Hand des Jakobus fest.

2 Und wie er hingestreckt dalag und vor Schmerzen verging, trat Jesus nahe herzu und blies auf den Biß, und sogleich hörte der Schmerz auf,

und das Tier zerbarst, und augenblicklich blieb Jakobus gesund.

Au f erweckung eines toten Kindes

1 Danach aber starb in der Nachbarschaft Josephs ein kleines Kind, das schon längere Zeit krank war, und es weinte seine Mutter gar sehr.

Jesus aber hörte, daß ein großes Wehklagen und Lärmen begann, und lief eilends hin. Und er traf das Kindlein bereits tot an und rührte seine

Brust an und sprach: > Ich sage dir, Kleines, stirb nicht, sondern lebe und sei mit deiner Mutter vereint!< Und sogleich blickte es auf und

lachte. Er sagte aber zu der Frau: > Nimm's und gib ihm Milch und denk an mich!< 2 Und als die Menge, die dabeistand, das sah, wunderte

sie sich und sagte: »Ganz gewiß ist dieser Knabe entweder ein Gott oder ein Engel Gottes. Denn jedes Wort, das er spricht, ist fertige Tat. «

Und Jesus zog von dort aus zum Spielen mit noch anderen Kindern.

Auf erweckung eines toten Bauarbeiters

1 Nach einiger Zeit aber, als ein Hausbau aufgeführt wurde und an diesem Platz sich ein großes Getümmel ergab, stand Jesus irgendwo in

der Nähe und ging dann, durch das Getümmel aufmerksam geworden, fort bis dorthin. Und er sah einen Menschen tot daliegen, faßte ihn bei

der Hand und sprach: >Ich sage dir, Mensch, steh auf, tu deine Arbeit! < Und sogleich stand er auf und brachte ihm seine Huldigung dar. 2

Als aber die Menge das sah, wunderte sie sich und sagte: >Dieses Kind ist ein Himmelswesen. Denn viele Seelen rettet es vor dem Tode, und

es hat die Gabe, zu retten sein ganzes Leben hindurch.<

Der zwölfjährige Jesus im Tempel

1 Als er aber zwölfjährig war, zogen seine Eltern, wie es Sitte war, nach Jerusalem zum Passahfest zusammen mit ihrer Reisegesellschaft,

der sie sich angeschlossen hatten, und nach dem Passah kehrten sie heim in ihr Haus. Und während sie auf der Heimreise waren, ging der

kleine Jesus weg nach Jerusalem; seine Eltern aber waren im Glauben, er befinde sich bei der Reisegesellschaft. 2 Und als sie einen

Tagesweg zurückgelegt hatten, suchten sie ihn bei ihren mitreisenden Verwandten, und als sie ihn nicht fanden, wurden sie betrübt und

kehrten wieder nach der Stadt zurück, um ihn zu suchen. Und nach dem dritten Tage fanden sie ihn, wie er im Tempel mitten unter den

Lehrern saß und zuhörte und Fragen stellte. Es gaben aber alle gespannt acht und wunderten sich, wie er, obwohl er ein Knabe war, die

Ältesten und Lehrer des Volkes zum Schweigen brachte, indem er die Hauptstücke des Gesetzes und die Gleichnisreden der Propheten

auslegte. 3 Es trat aber seine Mutter Maria hinzu und sagte zu ihm: >Warum hast du uns das angetan, Kind? Siehe, mit Schmerzen haben wir

dich gesucht.< Und Jesus sprach zu ihnen: > Warum sucht ihr mich? Wißt ihr nicht, daß ich in dem, was meines Vaters ist, sein muß?< 4 Die

Schriftgelehrten aber und Pharisäer sagten: »Bist du die Mutter dieses Knaben?« Sie aber sprach: »Ich bin's.« Und sie sagten zu ihr: >

Gepriesen bist du unter den Weibern, denn gesegnet hat Gott die Frucht deines Leibes! Denn solche Erhabenheit und solche Tugend und

Weisheit haben wir niemals weder gesehen noch gehört.< 5 Jesus aber erhob sich und folgte seiner Mutter, und er war seinen Eltern ein

gehorsames Kind. Seine Mutter aber verwahrte alle diese Begebenheiten in ihrem Herzen. Jesus aber nahm zu an Weisheit und Alter und

Gnade. Ihm sei Ehre in alle Ewigkeit. Amen!

Jüngere Kindheitsevangelien

Den Grundstock der Kindheitsevangelien bilden das Protevangelium des Jakobus und das Thomasevangelium. Weitere Evangelien haben

sich entweder dadurch gebildet, daß andere Geschichten hinzuerfunden wurden oder aber daß dogmatisch Anstößiges ausgeschieden wurde.

Eine dritte Form der Weiterbildung war die, daß die beiden älteren Quellen miteinander verknüpft wurden. Bemerkenswert ist, daß sich

derartige schriftstellerische Tätigkeiten nicht auf das Altertum und das Mittelalter beschränkten. So hat in unserem Jahrhundert ein gewisser

Catull Mendes einen lateinischen Text mit der französischen Übersetzung herausgegeben, der das Leben Jesu beschreibt. Im Gegensatz zu

den alten Texten, die eigentlich nur Sammlungen von vorhandenen Erzählungen sind, handelt es sich hierum bewußte Fälschungen. Auch in

Deutschland wurde ein Brief herausgegeben, der sogenannte >Benanbrief<, der angeblich von einem ägyptischen Arzt Benan aus der Zeit

Domitians verfaßt wurde. Darin wird berichtet, Jesus sei von ägyptischen Astronomen erzogen und in deren Geheimwissen eingeweiht

worden. Dieser Betrug, der wohl eine Mißkreditierung Jesu zum Ziel hatte, wurde sehr bald aufgedeckt.

Das arabische Kindheitsevangelium

Das arabische Kindheitsevangelium ist aus dem Syrischen übersetzt worden. Es ist eine Zusammenstellung von drei Gruppen: Geburt Jesu,

Wunder in Ägypten und Wunder des Jesusknaben, die hauptsächlich aus dem Thomasevangelium stammen. Durch die Übersetzung ins

Arabische fanden viele Legenden daraus auch bei den Mohammedanern weite Verbreitung. Mohammed selber mußte sie gekannt haben,

denn er hat einiges davon in den Koran aufgenommen.

Textquelle: Arabisches Kindheitsevangelium

Legenden über das Jesuskind in Ägypten

... die Frau nahm wohlriechendes Wasser, um den Herrn Jesus zu waschen; als sie ihn gewaschen hatte, bewahrte sie jenes Wasser, mit dem

sie dies getan hat te, auf und goß einen Teil davon über ein Mädchen, das dort wohnte und dessen Körper von Aussatz weiß war, und sie

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wusch es damit. Gleich darauf war das Mädchen vom Aussatz gereinigt. Die Bewohner jener Stadt aber sagten: »Es besteht kein Zweifel:

Joseph und Maria und dieser Knabe sind Götter, keine Menschen.« Als sie sich anschickten, sich von ihnen zu entfernen, da trat jenes Mädchen,

das an Aussatz gelitten hatte, zu ihnen und bat sie, es als Begleiterin mitzunehmen.

Von da zogen Joseph und die erhabene Maria weiter und kamen in eine einsame Gegend, und da sie hörten, sie werde von räuberischen

Überfällen heimgesucht, beschlossen sie, dieses Gebiet bei Nacht zu durchziehen. Doch siehe, unterwegs erblickten sie zwei Räuber, die an

der Straße lagen, und mit ihnen eine Menge von Räubern, die zu ihnen gehörten und ebenfalls schliefen. Jene zwei Räuber, in deren Hände

sie gefallen waren, waren Titus und Dumachus. Da sagte Titus zu Dumachus: > Ich bitte dich, laß diese in Freiheit weiterziehen, und so, daß

unsere Genossen sie nicht bemerken.< Dumachus aber weigerte sich. Da sprach Titus wiederum: > Nimm von mir vierzig Drachmen und

behalte sie als Pfand.< Gleichzeitig reichte er ihm den Gürtel, den er um sich hatte, damit er den Mund hielte un d nicht redete. Als die

erhabene Herrin Maria sah, daß dieser Räuber ihnen die Wohltat gewährt hatte, sprach sie zu ihm: >Gott, der Herr, wird dich mit seiner

Rechten stützen und dir Sündenvergebung schenken.< Da antwortete der Herr Jesus und sprach zu seiner Mutter: »In dreißig Jahren, Mutter,

werden mich die Juden in Jerusalem kreuzigen, und jene zwei Räuber werden mit mir ans Kreuz geschlagen werden, Titus zu meiner

Rechten, Dumachus zu meiner Linken, und nach jenem Tag wird Titus mir ins Paradies vorangehen.< Da sprach jene: »Davor bewahre dich

Gott, mein Sohn.« Von dort gingen sie weiter zur Stadt der Götzen; als sie sich ihr näherten, wurden sie in Sandhügel verwandelt. Von da

begaben sie sich zu jener Sykomore, die heute Matarea heißt, und der Herr Jesus ließ in Matarea eine Quelle sprudeln, in der die erhabene

Maria sein Hemd wusch. Aus dem Schweiß des Herrn Jesus, den sie dort auswrang, ist in jener Gegend Balsam entstanden.

Die in Geißlein verwandelten Kinder

Eines Tages ging der Herr Jesus hinaus auf die Straße und sah Kinder, die sich zum Spielen versammelt hatten. Er folgte ihnen nach; die

Kinder aber versteckten sich vor ihm. Als der Herr Jesus nun zur Türe eines Hauses kam und Frauen dort herumstehen sah, fragte er sie, wo

jene Kinder hingegangen seien. Sie antworteten, niemand sei dort; da sprach der Herr Jesus: > Die, welche ihr im Ofen seht, wer sind sie?<

>Das sind dreijährige Geißlein< antworteten jene. Da sprach der Herr Jesus: »Kommt heraus, ihr Geißlein, zu eurem Hirten.« Da liefen die

Kinder in Gestalt von Geißlein heraus und begannen, um ihn herumzuhüpfen. Als dies jene Frauen sahen, wurden sie von Staunen und

Furcht ergriffen, und eilends fielen sie vor dem Herrn Jesus nieder, flehten ihn an und sprachen: > O unser Herr Jesus, Sohn der Maria, du

bist wahrhaftig jener gute Hirte Israels, erbarme dich deiner Mägde, die vor dir stehen und die nie gezweifelt haben: denn zum Heilen bist du

gekommen, unser Herr, nicht zum Verderben. < Der Herr Jesus antwortete und sprach: > Die Kinder Israels sind wie die Äthiopier unter den

Völkern.< Da sagten die Frauen: > Du, Herr, weißt alles, und nichts bleibt vor dir verborgen; jetzt aber bitten wir dich und erflehen von deinem

Erbarmen, daß du diese Kinder, deine Knechte, in ihren ursprünglichen Zustand zurückverwandelst.< Da sprach der Herr Jesus: >

Kommt, Kinder, wir wollen fortgehen und spielen!< Und augenblicklich wurden im Beisein dieser Frauen die Geißlein in Kinder verwandelt.

Das armenische Kindheitsevangelium

Wenn das armenische Kindheitsevangelium auch nicht aufgenommen ist, um Wiederholungen zu vermeiden, so soll es doch kurz erwähnt

werden. Es verarbeitet alles Vorausgegangene, also auch das Protevangelium Jacobi, dem aber vieles hinzugefügt wird. Aus diesem

Evangelium haben wir auch die Namen der Magier: Gaspan Melquon und Balthasar. Sie sind nicht mehr wie im Neuen Testament einfache

Gelehrte, sondern königliche Brüder. Melquon, dessen Name später zu Melchior abgeändert wurde, ist der König von Persien, Balthasar der

König von Indien und Gaspar (später: Caspar) der König von Arabien.

Pseudo-Matthäus

Die Kindheitslegenden waren im Abendland viel gelesen und sehr beliebt. Von offizieller Seite war das nicht gerne gesehen. Schon

Hieronymus hatte diese ganze Literatur abgelehnt. Von den Päpsten (Damasus, Innozenz I., Gelasius) wurden sie verurteilt. Da das

Kirchenvolk dennoch daran festgehalten hat, sah man einen Ausweg darin, daß man ein neues Sammelwerk erstellte (8./9. Jh.). Man ließ in

dem sog. Pseudo-Matthäus Wunder allzu undogmatischer Art weg. Das so entstandene Werk stellte vor allem die Jungfrau Maria in den

Vordergrund und diente ihrer Verherrlichung. Es ist also kein Wunder, daß es ungeheueren Anklang fand, und auch auf Kunst und Literatur

einen beinahe unübersehbaren Einfluß ausübte. Doch immer noch fand sich in ihm die erste Ehe Josephs, deren Behauptung inzwischen als

Irrlehre angesehen wurde. Indem man nun auch diese Häresie herausließ und noch andere anstößige Einzelheiten strich, blieb noch die >

Geschichte von der Geburt der Maria< übrig. Jakobus de Voragine nahm sie in seine »Legenda aurea«, in die > goldene Legende< auf, so

daß sie nun endgültig in der ganzen christlichen Welt verbreitet wurde. In den in diesem Buche zitierten Auszügen des Pseudo-Matthäus ist

auch die erste Erwähnung von Ochs und Esel wiedergegeben. Bekanntlich ist von diesen Tieren, die in keiner Weihnachtskrippe fehlen

dürfen, im NT nicht die Rede. Den Apokryphen war es vorbehalten, ihnen solche Berühmtheit zu verleihen. Wie schon erwähnt, ist in den >

Legenden über das Jesuskind in Ägypten< das spätere Wirken des Herrn vorweggenommen. Christus ist gekommen, um den Frieden in die

Welt zu bringen. Nach der Bibel aber ist die Friedenszeit angebrochen, wenn > die Wölfe weiden mit den Lämmern<, wenn > Löwe und

Ochs Stroh zusammen fressen<. Gerade das ereignete sich, als der Jesusknabe auf der Reise nach Ägypten war.

Textquelle: Pseudo-Matthausevangelium

Ochs und Esel an der Krippe

Am dritten Tage nach der Geburt unseres Herrn Jesus Christus trat die seligste Maria aus der Höhle, ging in einen Stall hinein und legte ihren

Knaben in eine Krippe, und Ochs und Esel beteten ihn an. Da erfüllte sich, was durch den Propheten Jesaja verkündet ist, der sagt: > Der

Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn. < So beteten sogar die Tiere, Ochs und Esel, ihn ständig an, während sie

ihn zwischen sich hatten. Da erfüllte sich, was durch den Propheten Habakuk verkündet ist, der sagt: > Zwischen zwei Tieren wirst du

erkannt.< Joseph blieb am gleichen Ort mit Maria drei Tage.

Legenden über das Jesuskind in Ägypten

Da sie zu einer Höhle kamen und in ihr rasten wollten, stieg die selige Maria von ihrem Lasttier, setzte sich nieder und hielt das Jesuskind in

ihrem Schoß. Mit Joseph waren zugleich drei Knaben und mit Maria einige Mädchen auf der Reise. Und siehe, plötzlich kamen aus der

Höhle viele Drachen hervor. Als die Knaben dies sahen, schrieen sie in großem Entsetzen laut auf. Da stieg Jesus vom Schoße seiner Mutter

herab und stellte sich vor die Drachen auf seine Füße. Darauf beteten jene Jesus an und wichen dann vor ihnen zurück. Da erfüllte sich, was

durch den Propheten David verkündet ist, als er sagt: > Lobet den Herrn, ihr Drachen von der Erde, Drachen und alle Abgründe!< Das

Jesuskind selbst aber ging vor den Drachen umher und gebot ihnen, sie sollten keinem Menschen Schaden zufügen. Maria und Joseph aber

hatten große Angst, das Kind möchte von den Drachen verletzt werden. Da sagte Jesus zu ihnen: > Habt keine Angst und achtet nicht darauf,

daß ich ein Kind bin; denn ich bin immer vollkommen gewesen und bin es auch jetzt; alle wilden Tiere müssen vor mir zahm werden.«

Gleichermaßen beteten Löwen und Leoparden ihn an und begleiteten sie in der Wüste. Wohin auch Joseph und die selige Maria gingen,

schritten sie ihnen voran, indem sie ihnen den Weg zeigten und ihre Köpfe senkten; mit ihren Schwänzen wedelnd taten sie ihre

Dienstfertigkeit kund und verehrten ihn mit großer Ehrfurcht. Aber als Maria die Löwen und Leoparden und allerhand Arten von wilden

Tieren um sie herumlaufen sah, wurde sie zuerst von heftigem Schrecken erfaßt. Da schaute ihr das Jesuskind mit fröhlicher Miene ins

Gesicht und sprach: »Fürchte dich nicht, Mutter; denn sie kommen nicht, um dir ein Leid zu tun, sondern in Eile kommen sie, dir und mir zu

gehorchen.« Mit diesen Worten nahm er die Furcht aus ihrem Herzen. Die Löwen aber gingen zusammen mit ihnen einher mit den Ochsen

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und Eseln und mit den Packtieren, die ihnen das Notwendige trugen, und sie fügtem keinem ein Leid zu, obgleich sie mit ihnen zusammen

blieben. Vielmehr waren sie zahm unter Schafen und Böcken, die sie mit aus Judäa hergeführt und bei sich hatten. Unter Wölfen wandelten

sie einher, ohne etwas zu befürchten, und keines wurde vom andern verletzt. Da erfüllte sich, was durch den Propheten gesagt ist: > Die

Wölfe weiden mit den Lämmern; Löwe und Ochse fressen Stroh zusammen.< Den zwei Ochsen und dem Wagen, in dem sie zusammen das

Notwendige zogen, wiesen die Löwen auf ihrer Fahrt den Weg.

Am dritten Tag ihrer Reise, während sie weiterzogen, traf es sich, daß die selige Maria von der allzu großen Sonnenhitze in der Wüste müde

wurde, und als sie einen Palmbaum sah, sagte sie zu Joseph: > Ich möchte im Schatten dieses Baumes ein wenig ausruhen.< So führte Joseph

sie denn eilends zur Palme und ließ sie vom Lasttier herabsteigen. Als die selige Maria sich niedergelassen hatte, schaute sie zur Palmkrone

hinauf und sah, daß sie voller Früchte hing. Da sagte sie zu Joseph: > Ich wünschte, man könnte von diesen Früchten der Palme holen.<

Joseph aber sprach zu ihr: > Es wundert mich, daß du dies sagst; denn du siehst doch, wie hoch diese Palme ist, und es wundert mich, daß du

auch nur daran denkst, von den Palmfrüchten zu essen. Ich für mein Teil denke eher an den Mangel an Wasser, das uns in den Schläuchen

bereits ausgeht, und wir haben nichts, womit wir uns und die Lasttiere erfrischen können.< Da sprach das Jesuskind, das mit fröhlicher

Miene in seiner Mutter Schoß saß, zur Palme: »Neige, Baum, deine Äste, und mit deiner Frucht erfrische meine Mutter.« Und alsbald senkte

die Palme auf diesen Anruf hin ihre Spitze bis zu den Füßen der seligen Maria, und sie sammelten von ihr Früchte, an denen sie sich alle

labten. Nachdem sie alle ihre Früchte gesammelt hatten, verblieb sie aber in gesenkter Stellung und wartete darauf, sich auf den Befehl

dessen wieder aufzurichten, auf dessen Befehl sie sich gesenkt hatte. Da sprach Jesus zu ihr: > Richte dich auf, Palme, werde stark und

geselle dich zu meinen Bäumen, die im Paradies meines Vaters sind. Und erschließe unter deinen Wurzeln eine Wasserader, die in der Erde

verborgen ist, und die Wasser mögen fließen, damit wir aus ihr unseren Durst stillen.< Da richtete sie sich sofort auf, und eine ganz klare,

frische und völlig helle Wasserquelle begann an ihrer Wurzel zu sprudeln. Als sie aber die Wasserquelle sahen, freuten sie sich gewaltig, und

sie löschten ihren Durst, sie selber, alle Lasttiere und alles Vieh. Dafür dankten sie Gott.

Am nächsten Tage, als sie von dort weit erzogen, und zur Stunde, wo sie sich auf den Weg machten, wandte Jesus sich zur Palme und sprach

zu ihr: > Dieses Vorrecht gebe ich dir, Palme, daß einer von deinen Zweigen von meinen Engeln fortgetragen und im Paradies meines Vaters

gepflanzt werde. Diesen Segen will ich auf dich übertragen, auf daß zu allen, die in einem Wettstreit siegen werden, gesagt werde: ihr habt

die Siegespalme erlangt.< Als er dies sprach, da erschien ein Engel des Herrn, blieb über dem Palmbaum stehen, nahm einen von seinen

Zweigen und flog zum Himmel, den Zweig in seiner Hand haltend. Als sie dieses sahen, fielen sie auf ihr Angesicht und waren wie tot. Da

redete Jesus sie an und sprach: >Warum erfaßt Furcht eure Herzen? Wisset ihr nicht, daß diese Palme, die ich ins Paradies habe tragen

lassen, für alle Heiligen am Orte der Seligkeit bereitstehen wird, wie sie für uns am Orte der Einsamkeit bereitgestanden hat?< Und jene

wurden mit Freude erfüllt, und gestärkt erhoben sich alle.

Als sie darauf weiterzogen, sagte Joseph zu Jesus: »Herr, von dieser Hitze werden wir ausgebraten; wenn es dir recht ist, wollen wir am

Meere entlang ziehen, um in den Küstenstädten ausruhen zu können.« Da sprach Jesus zu ihm: > Fürchte dich nicht, Joseph; ich werde euch

den Weg abkürzen: was ihr in einem Zeitraum von dreißig Tagen zurückzulegen im Begriffe wart, sollt ihr an einem Tage ausführen.<

Während sie so redeten, siehe, da erblickten sie schon die Berge Ägyptens und begannen, seine Städte zu sehen.

Und freudig und jubelnd kamen sie im Gebiet von Hermopolis an und zogen in eine ägyptische Stadt ein, die Sotinen heißt. Und da sich in

ihr kein Bekannter befand, den sie um Gastfreundschaft hätten bitten können, traten sie in einen Tempel ein, der > Kapitol Ägyptens<

genannt wurde. In diesem Tempel waren 365 Götzenbilder aufgestellt, denen an bestimmten Tagen göttliche Ehre in götzendienerischen

Weihen erwiesen wurde. Die Ägypter derselben Stadt traten in das Kapitol, in dem die Priester sie ermahnten, an so und so viel bestimmten

Tagen der Hoheit ihrer Gottheit gemäß Opfer darzubringen.

Es traf sich aber, als die seligste Maria mit dem Kind in den Tempel eintrat, da fielen sämtliche Götzenbilder auf den Boden, so daß sie alle

gänzlich umgestürzt und zerbrochen auf ihrem Angesicht dalagen. So taten sie offen kund, daß sie nichts waren. Da erfüllte sich, was durch

den Propheten Jesaja gesagt ist: > Siehe, der Herr wird auf einer schnellen Wolke kommen und in Ägypten einziehen, und alle Bilder, die

von den Händen der Ägypter gefertigt sind, werden vor seinem Angesicht entfernt werden.<

Als dies Affrodosius, dem Vorsteher jener Stadt, gemeldet worden war, kam er mit seinem ganzen Heer zum Tempel. Als aber die hohen

Priester des Tempels sahen, daß Affrodosius mit seinem ganzen Heer zum Tempel kam, machten sie sich darauf gefaßt, alsbald seine Rache

an denen zu sehen, um derentwillen die Götter zerbrochen waren. Jener aber trat in den Tempel ein, und als er alle Götzenbilder auf ihrem

Angesicht darniedergestreckt liegen sah, ging er hin zur seligen Maria, die an ihrem Busen den Herrn trug, betete ihn an und sprach zu seinem

ganzen Heere und zu allen seinen Freunden: > Wenn dieser nicht der Gott unserer Götter wäre, so wären unsere Götter gewiß nicht vor

ihm auf ihr Angesicht gefallen, und sie würden nicht in seiner Gegenwart hingestreckt daliegen. So bekennen sie sich vielmehr

stillschweigend zu ihm als ihrem Herrn. Wenn wir aber nicht in weiser Vorsicht alle das tun, was wir unsere Götter tun sehen, werden wir

möglicherweise Gefahr laufen, ihn zu erzürnen und dem allgemeinen Verderben zu verfallen, wie dem Pharao, dem König der Ägypter,

geschehen ist, der mit seinem ganzen Heer im Meer ertrunken ist, weil er so großen Wundern nicht geglaubt hat. < Da glaubte das ganze

Volk dieser Stadt an den Gott, den Herrn, durch Jesus Christus.

Nach kurzer Zeit sprach der Engel zu Joseph: > Kehre in das Land Juda zurück; gestorben sind, die nach dem Leben des Knaben trachteten.<

Leben des Johannes nach Serapion

Es handelt sich hierum das Leben von Johannes dem Täufer. Nach dem Selbstzeugnis soll es von einem ägyptischen Bischof namens

Serapion zwischen 385 und 395 geschrieben worden sein. Der Verfasser wollte in der zitierten Stelle sicherlich eine erste Verbindung

zwischen Jesus und dem Täufer herstellen, wohl auch hier wieder zur Vorbereitung der Geschehnisse im Neuen Testament.

Textquelle: Leben des Johannes nach Serapion

Jesuskind und Johannesknabe

Während das Jesuskind mit seinen Eltern in Ägypten weilt, wandert der Johannesknabe mit seiner Mutter Elisabeth durch die Wüste.

> Nach fünf Jahren verschied die fromme und gesegnete Mutter Elisabeth, und der heilige Johannes saß da und weinte über sie, denn er

wußte nicht, wie er sie einhüllen und begraben sollte, denn am Tage ihres Todes war er erst sieben Jahre und sechs Monate alt. Und Herodes

starb auch am gleichen Tage wie die gesegnete Elisabeth. Der Herr Jesus Christus, der mit seinen Augen Himmel und Erde sieht, sah seinen

Verwandten Johannes bei seiner Mutter sitzen und weinen und begann gleichfalls lange zu weinen, ohne daß jemand den Grund seines

Weinens wußte. Als die Mutter Jesu ihn weinen sah, da sagte sie zu ihm: > Warum weinst du? Hat dich der alte Joseph oder sonst jemand

gescholten?< Und der Mund, der voll Lebens war, antwortete: > Nein, meine Mutter, der wahre Grund ist, daß deine Verwandte, die alte

Elisabeth, meinen geliebten Johannes als Waisen zurückgelassen hat. Nun weint er über ihrem Leichnam, der im Gebirge liegt.<

Als aber die Jungfrau dieses hörte, begann sie über ihre Verwandte zu weinen, und Jesus sprach zu ihr: > Weine nicht, meine jungfräuliche

Mutter, du wirst sie noch zu dieser Stunde sehen. < Und während er noch mit seiner Mutter redete, siehe, da kam eine lichte Wolke hernieder

und setzte sich zwischen sie. Und Jesus sprach: > Rufe Salome, daß wir sie mitnehmen. < Und sie bestiegen die Wolke, die mit ihnen zur

Wildnis von Ain Kärim flog und zu dem Ort, da der Leichnam der gesegneten Elisabeth lag und der heilige Johannes saß.

Darauf sagte der Heiland zu der Wolke: > Setze uns hier auf dieser Seite des Ortes ab. < Und sogleich fuhr sie dahin, erreichte jenen Ort und

verzog sich. Ihr Geräusch traf indessen die Ohren des Johannes, der von Furcht ergriffen den Leichnam seiner Mutter verließ. Alsbald aber

erreichte ihn eine Stimme und sprach zu ihm: >Fürchte dich nicht, Johannes! Ich bin Jesus Christus, dein Meister. Ich bin dein Verwandter

Jesus, und ich bin zu dir gekommen mit meiner geliebten Mutter, um dem Geschäfte des Begräbnisses der gesegneten Elisabeth, deiner

seligen Mutter, beizuwohnen, denn sie ist die Verwandte meiner Mutter.< Als der gesegnete und heilige Johannes dieses hörte, wandte er

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sich wieder, und Christus der Herr und seine jungfräuliche Mutter umarmten ihn. Dann sprach der Heiland zu seiner jungfräulichen Mutter: >

Auf, du und Salome, wascht den Leichnam.< Und sie wuschen den Leichnam der gesegneten Elisabeth in der Quelle, aus der sie gewöhnlich

für sich und für ihren Sohn Wasser geholt hatte. Dann ergriff die heilige Jungfrau Maria den gesegneten Johannes und weinte über ihm und

verfluchte Herodes wegen der zahlreichen Verbrechen, die er begangen hatte. Da kamen Michael und Gabriel vom Himmel herab und

gruben ein Grab; und der Heiland sprach zu ihnen: > Gehet und bringet die Seele des Zacharias und die Seele des Priesters Simeon, damit sie

singen mögen, während ihr den Leichnam begrabt.< Und Michael brachte sogleich die Seelen des Zacharias und des Simeon, die den

Leichnam der Elisabeth einhüllten und lange über ihm sangen ... Und Jesus Christus und seine Mutter blieben bei dem gesegneten und

heiligen Johannes sieben Tage und trauerten mit ihm über den Tod seiner Mutter und lehrten ihn, in der Wüste zu leben. Und der Todestag

der gesegneten Elisabeth war der 15. Februar.

Darauf sprach Jesus Christus zu seiner Mutter: > Laß uns nun an den Ort gehen, wo ich mit meinem Werke fortfahren soll.< Die Jungfrau

Maria weinte sogleich über die Verlassenheit des Johannes, der sehr jung war, und sagte: > Wir wollen ihn mit uns nehmen, denn er ist

verwaist und hat niemanden.< Aber Jesus sprach zu ihr: >Das ist nicht der Wille meines Vaters, der in den Himmeln ist. Er soll in der

Wildnis bleiben bis zu dem Tage, da er sich Israel zeigt. Statt in einer Wüste voll wilder Tiere wird er in einer Wüste voller Engel und

Propheten wandeln, als wenn sie viel Volks wären. Hier ist auch Gabriel, das Haupt der Engel, den ich dazu bestimmt habe, daß er ihn

schütze und ihm Kraft vom Himmel verleihe. Ferner will ich das Wasser dieser Wasserquelle so süß und lieblich für ihn machen wie die

Milch, die er von seiner Mutter sog. Wer hat sich um ihn ge kümmert in seiner Kindheit? Bin nicht ich es, meine Mutter, der ich ihn mehr

liebe als alle Welt? Zacharias liebte ihn auch, und ich habe ihm befohlen, zu ihm zu kommen und nach ihm zu schauen, denn obgleich sein

Leib in der Erde begraben ist, so lebt doch seine Seele .. . «

Diese Worte sprach Christus, unser Herr, zu seiner Mutter, während Johannes in der Wüste war. Und sie bestiegen die Wolke, und Johannes

blickte auf sie und weinte, und Maria weinte auch bitterlich über ihn und sagte: »Weh mir, o Jo hannes, denn du bist allein in der Wüste und

hast niemanden. Wo ist Zacharias, dein Vater, und wo ist Elisabeth, deine Mutter? Laß sie kommen und heute mit mir weinen. « Und Jesus

sagte zu ihr: >Weine nicht über diesen Knaben, meine Mutter. Ich werde seiner nicht vergessen.< Und indem er diese Worte sprach, siehe, da

hoben die Wolken sie auf und brachten sie nach Nazareth. Und er vollbrachte dort alles, was zum Menschsein gehört, außer Sünde.

Die Abgarsage

Die Abgarsage besteht aus einem Briefwechsel zwischen dem König Abgar V. (9-46 n. Chr. ) und Jesus. Der König hatte Jesus gebeten, zu

ihm nach Edessa zu kommen und ihn, der an einer schlimmen Krankheit litt, zu heilen. Denn er hatte gehört, daß Jesus große Wundertaten

vollbracht habe und daß er außerdem von den Juden verfolgt würde. Er bot ihm deshalb Edessa als Zufluchtsort an. Da Jesus aber erst tun

mußte, was zu tun ihm aufgetragen war, lehnte er ab, versprach aber, nach seinem Tode einen Apostel zu senden. An die beiden recht kurzen

Briefe ist deswegen auch noch ein Bericht über den gesandten Apostel Thaddäus und sein Wirken angefügt.

An der Echtheit dieser Schriften wurde, ja mußte von jeher gezweifelt werden, da Augustinus und Hieronymus bestreiten, Jesus habe etwas

Schriftliches hinterlassen. Die Kirche hat darum im Decretum Gelasianum den Briefwechsel als apokryph verworfen.

Die Abgarsage wurde bei Eusebius zum erstenmal erwähnt. Sie fand in seiner Kirchengeschichte Aufnahme. Er behauptet, daß er sie direkt

aus dem Archiv von Edessa habe. Dort sei sie von Abgars Zeiten an aufbewahrt worden. Dem widerspricht, daß sie vor Eusebius noch an

keiner Stelle erwähnt worden war. Vielmehr scheint die Sage eine Erfindung aus der Zeit zu sein, in der sich die rechtgläubige Religion

gegen Irrlehren durchgesetzt hat. Bis etwa 313 stand die Stadt unter dem Einfluß von Häretikern wie Marcion, Bardesques und Mani.

Nachdem sich jetzt aber die Rechtgläubigkeit durchgesetzt hatte, wollte man sie stützen, indem man die Gründung der Kirche von Edessa auf

einen Apostel zurückführte. Die Schrift fand weiteste Verbreitung und wurde in viele Sprachen übersetzt. Schon einer Abschrift davon

schrieb man Wunderkräfte zu. Vor allem vor Gericht, auf Reisen, gegen Krankheit und Unfälle sollte sie eine schützende Wirkung ausüben.

Das geht darauf zurück, daß Abgar und seine Nachfolger Edessa von Feinden, die die Stadt belagerten, befreite, indem er den Brief Jesu am

Stadttor verlesen hatte.

Der Briefwechsel und der Bericht über das Wirken des Thaddäus in Edessa wird hier nach der Kirchengeschichte des Eusebius

wiedergegeben. Der Text beginnt mit einer Einleitung des Eusebius.

Textquelle: Die Abgarsage

Man hat dafür ein schriftliches Zeugnis, das dem Archiv von Edessa, einer Stadt, die damals noch von einem König regiert wurde,

entnommen worden ist. Denn in den dort befindlichen Akten, die unter anderen Begebenheiten aus alter Zeit auch die Erlebnisse des Abgar

enthalten, wird auch dieses von seiner Zeit an bis zur Gegenwart aufbewahrt gefunden. Am besten ist es wohl, die Briefe selbst zu hören, die

wir aus dem Archiv empfangen und auf folgende Weise wörtlich aus der syrischen Sprache übersetzt haben.

Abschrift des Briefes, der von dem Toparchen Abgar an Jesus geschrieben und ihm durch den Eilboten Ananias nach Jerusalem gesandt

worden ist:

»Der Toparch Abgar Uchama entbietet Jesus, dem guten Heiland, der in der Ortschaft Jerusalem erschienen ist, seinen Gruß! Ich habe von

dir und deinen Heilungen gehört, daß sie nämlich ohne Arzneimittel und Kräuter von dir vollbracht werden. Denn wie die Rede geht, machst

du Blinde sehend, Lahme gehend und reinigst Aussätzige und treibst unreine Geister und Dämonen aus und heilst die von langer Krankheit

Gepeinigten und weckst Tote auf. Und als ich dieses alles über dich hörte, erwog ich, daß du entweder Gott selber und vom Himmel

herabgekommen bist, um es zu tun, oder Gottes Sohn bist, wenn du es tust. Deshalb nun schreibe ich und bitte dich, dich zu mir zu bemühen

und das Leiden, das ich habe, zu heilen. Habe ich doch auch gehört, daß die Juden gegen dich murren und dir Übles antun wollen. Ich habe

eine Stadt, zwar recht klein, aber würdig, die für uns beide ausreicht.« Was von Jesus durch den Eilboten Ananias dem Toparchen Abgar

erwidert worden ist:

>Selig bist du, der du an mich geglaubt hast, ohne mich gesehen zu haben. Denn es steht über mich geschrieben, daß die, die mich gesehen

haben, nicht an mich glauben werden, und daß gerade die, die mich nicht gesehen haben, glauben und leben sollen. Was aber das anbetrifft,

was du mir geschrieben hast, zu dir zu kommen, so ist es nötig, alles, um deswillen ich gesandt bin, hier zu erfüllen und nach solcher

Erfüllung hier aufgenommen zu werden zu dem, der mich gesandt hat. Und wenn ich hier aufgenommen worden bin, werde ich dir einen

meiner Jünger senden, damit er dein Leiden heile und Leben übermittle dir und den Deinen.<

Diesen Briefen war aber auch noch das Folgende in syrischer Sprache angehängt: > Nach der Himmelfahrt Jesu aber sandte ihm Judas, der

auch Thomas heißt, den Apostel Thaddäus, einen der Siebzig. Der kam und wohnte bei Tobias, dem Sohn des Tobias. Als man aber von ihm

hörte, meldete man dem Abgar: Ein Apostel Jesu ist hier angekommen, so wie er dir geschrieben hat. Da begann nun Thaddäus in der Kraft

Gottes alle Krankheit und Schwäche zu heilen, so daß sich alle wunderten. Als aber Abgar die Großtaten und die Wunderdinge, die er

verrichtete, erfuhr, und wie er heilte, da kam er auf die Vermutung: der ist es, von dem Jesus schrieb: Wenn ich hinaufgenommen worden

bin, werde ich dir einen meiner Jünger senden, welcher dein Leiden heilen wird. Er ließ also den Tobias kommen, bei dem er wohnte, und

sprach: Ich habe gehört, daß ein machtvoller Mann gekommen ist und in deinem Haus Wohnung genommen hat. Führe ihn zu mir! Tobias

aber kam zu Thaddäus und sprach zu ihm: Der Toparch Abgar hat mich kommen lassen und mich angewiesen, dich zu ihm zu führen, damit

du ihn heilst. Und Thaddäus sagte: Ich gehe hin, da ich ja mit Macht ausgestattet zu ihm gesandt worden bin.

Am folgenden Tage machte sich nun Tobias in der Frühe auf, nahm den Thaddäus mit und kam zu Abgar. Als er aber hingekommen war, da

wurde in Gegenwart von dessen dastehenden Würdenträgern gleich bei seinem Eintritt dem Abgar eine außerordentliche Erscheinung im

Antlitz des Apostels Thaddäus sichtbar. Als Abgar das sah, fiel er vor Thaddäus nieder, und Staunen ergriff alle, die herumstanden; denn sie

hatten die Erscheinung nicht gesehen, die allein dem Abgar sichtbar geworden war. Der fragte denn auch den Thaddäus : Bist du wirklich ein

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Jünger Jesu, des Sohnes Gottes, der zu mir gesagt hat: Ich will dir einen meiner Jünger senden, der dich heilen und dir Leben darreichen

wird? Und Thaddäus sagte: Weil du fest geglaubt hast an den, der mich gesandt hat, deshalb bin ich zu dir gesandt worden; und ferner, wenn

du an ihn glaubst, werden dir, wie du nur glaubst, die Wünsche deines Herzens erfüllt werden. Und Abgar sprach zu ihm: Mein Glaube an

ihn war derart, daß ich sogar die Juden, die ihn gekreuzigt haben, mit Heeresaufgebot hätte vernichten wollen, wenn ich nicht durch die

Römerherrschaft daran gehindert worden wäre. Und Thaddäus sagte: Unser Herr hat den Willen seines Vaters erfüllt; und nachdem er ihn

erfüllt hatte, ist er hinaufgenommen worden zum Vater. Abgar sagte zu ihm: Auch ich glaube an ihn und an seinen Vater. Und Thaddäus

sagte: Deshalb lege ich meine Hand auf dich in seinem Namen. Und als er dies getan hatte, wurde er alsbald geheilt von der Krankheit und

dem Leiden, das er hatte. Und es staunte Abgar, daß er so, wie er über Jesus gehört hatte, so auch in Werken erfuhr durch seinen Jünger

Thaddäus, der ihn ohne Arzneimittel und Kräuter heilte, und nicht ihn allein, sondern auch Abdus, den Sohn des Abdus, der Podagra hatte.

Der kam gleichfalls, fiel ihm zu Füßen und wurde durch Gebete mit Handauflegung geheilt. Und viele andere ihrer Mitbürger heilte er

ebenso, indem er wunderbare Großtaten verrichtete und das Wort Gottes verkündete. Danach aber sagte Abgar: Thaddäus, das tust du mit

Gottes Kraft, und wir unsererseits sind in Verwunderung geraten. Aber ich bitte dich noch weiter, erzähle mir vom Kommen Jesu, wie es

sich zutrug, und von seiner Kraft, und in was für einer Kraft er alles das vollführte, was mir zu Ohren gekommen ist. Und Thaddäus sagte:

Jetzt werde ich zwar schweigen, da ich zur öffentlichen Verkündigung des Wortes gesandt bin, morgen aber berufe mir alle deine Bürger zur

Volksversammlung, und vor ihnen werde ich predigen und in ihnen das Wort des Lebens säen, über das Kommen Jesu, wie es sich zutrug,

und über seine Sendung, und weswegen er vom Vater gesandt wurde, und über seine Kraft und Werke und die Geheimnisse, die er in der

Welt geredet hat, und durch was für eine Kraft er das vollführte, und über seine neue Verkündigung, und über die Kleinheit und über die

Erniedrigung, und wie er sich erniedrigt hat und seine Gottheit abgelegt und klein gemacht hat und gekreuzigt worden und hinabgestiegen ist

in den Hades und den von Ewigkeit her unzerbrochenen Zaun durchbrochen hat und Tote auferweckte, und allein hinabgestiegen ist,

hinaufgestiegen aber mit einer großen Menge zu seinem Vater.

Da gab Abgar den Befehl, es sollten sich am kommenden Morgen seine Bürger versammeln und die Predigt des Thaddäus anhören; und

darauf ordnete er an, ihm ungemünztes Gold zu geben. Der aber nahm es nicht an mit den Worten: Wenn wir unser Eigentum verlassen

haben, wie sollten wir dann das fremde nehmen?

Dies geschah im Jahre 340. <

Das Nikodemus-Evangelium

Diese Schrift handelt im ersten Teil ausführlich vom Prozeß Jesu vor Pilatus und nur kurz von der Kreuzigung und dem Begräbnis durch

Joseph, einen Ratsherrn aus der Stadt Arimathia. Diese Kapitel sind uns auch getrennt unter dem Titel > Pilatus-Akten< überliefert.

Im zweiten Teil des Nikodemus-Evangeliums verhandelt der Hohe Rat (Synedrium) der Juden, ob Jesus tatsächlich auferstanden ist. Das

Synedrium war die höchste jüdische Behörde in neutestamentlicher Zeit, die sowohl die profane als auch die religiöse Gerichtsbarkeit

innehatte. Es bestand aus 71 Mitgliedern, die sich aus den Ältesten (Oberhäupter der vornehmen Familien), den Hohenpriestern und den

Schriftgelehrten von der Pharisäerpartei zusammensetzte.

Der Abstieg zur Hölle

Der dritte Teil trägt den Sondertitel > Abstieg Christi zur Hölle< (Descensus Christi ad inferos). Es handelt sich hier angeblich um die

Niederschrift zweier Männer, die sich unter denen befanden, die Jesus Christus aus der Hölle in den Himmel geführt hatte.

In den drei Tagen bis zur Auferstehung war Jesus nicht untätig im Grab gelegen. Es war ja nur der Körper tot, nicht aber seine Seele. Im

Glaubensbekenntnis beten wir, daß Christus gestorben, begraben und abgestiegen ist in das Reich der Toten. Hinabgestiegen ist er in der

Zwischenzeit und hat die Gerechten, angefangen von Adam bis hin zu Johannes dem Täufer, dem letzten der Propheten, aus der Gewalt der

Hölle und Satans befreit. Zwei davon aber durften nicht gleich in das Paradies eingehen, sondern mußten der Welt die >geheimen Werke<

Christi in der Unterwelt offenbaren.

Wie wir wissen, wird der Mensch in das Reich der Toten verbannt, weil er in Adam durch die List des Teufels gesündigt und sie deswegen

den Tod verdient hat. Auch die Gerechten verharrten in der Scheol, dem Aufenthaltsort der Toten, in einem Dämmerzustand und mußten

warten, bis der Messias durch seinen Tod das Werk des Teufels besiegt und von den Folgen der Erbsünde befreit hatte. Dieser Bericht ist

eine reine Vision, doch entspricht er der Lehre der Kirche.

Die Höllenfahrt Christi entstand in griechischer Sprache. Später wurde eine lateinische Fassung erstellt, die sich wesentlich nur im Schluß

unterscheidet.

Es kommt beispielsweise noch einmal Pilatus mit einem Brief an seinen Kaiser zu Wort. Daß dieser Kaiser mit Claudius bezeichnet wird,

beruht auf einer Verwechslung. Pilatus lebte zur Zeit des Kaisers Tiberius. Da aber dieser Brief angeblich bei der Auseinandersetzung

zwischen Petrus und dem Magier Simon unter Claudius benutzt wurde, ist dessen Name fälschlich eingeflossen. In diesem Brief wird die

Schuld am Tode Jesu ganz den Juden zugeschoben.

Textquelle: Nikodemus-Evangelium

Pilatus-Akten Die wunderbaren Zeichen beim Erscheinen Jesu vor Pilatus

1 Nachdem sie einen entsprechenden Beschluß gefaßt hatten, gingen die Hohenpriester und die Schriftgelehrten, Hannas und Kaiaphas und

Semes und Dathaes und Gamaliel, Judas, Levi und Naphthali, Alexander und Jairus, und die übrigen Juden zu Pilatus und erhoben Anklage

gegen Jesus wegen vieler Punkte und sagten: >Von diesem wissen wir, daß er ein Sohn Josephs des Zimmermanns ist, von Maria geboren.

Und er selber sagt, er sei Gottes Sohn und König! Unter anderem entweiht er den Sabbat, und unser väterliches Gesetz will er damit

auflösen.< Da sagt Pilatus: >Was ist's denn, was er tut und womit er das Gesetz auflösen will?< Da sagen die Juden: > Wir haben ein Gesetz,

am Sabbat niemanden zu heilen. Dieser aber hat Gelähmte und Verkrümmte und Verdorrte und Blinde und Lichtbrüchige und

Dämonenbesessene am Sabbat geheilt mit üblen Praktiken.< Da sagt zu ihnen Pilatus: > Was für üble Praktiken?< Da sagen sie zu ihm: »Er

ist ein Zauberer, und mit Beelzebul, dem Anführer der Dämonen, treibt er die Dämonen aus, und deswegen sind sie ihm alle untertan. « Da

sagt zu ihnen Pilatus: > Das heißt aber nicht, mit einem unreinen Geist die Dämonen austreiben, sondern mit dem Gott Asklepius. «

2 Da sagen die Juden zu Pilatus: » Wir stellen an deine Hoheit den Antrag, daß er vor deinem Tribunal erscheine und verhört werde. « Und

Pilatus wandte sich an sie und sagt: > Sagt mir doch: wie kann ich, der ich nur Statthalter bin, einen König ausfragen?< Da sagen sie zu ihm:

> Wir behaupten ja gar nicht, daß er ein König sei, sondern er selbst sagt das von sich. < Pilatus aber rief den Läufer heran und sagt zu ihm:

> Auf ehrerbietige Weise soll Jesus vorgeführt werden!< Der Läufer aber ging hinaus, und als er ihn festgestellt hatte, erwies er ihm die Reverenz

und nahm die Binde, die er an seiner Hand trug, und breitete sie auf die Erde und sagt zu ihm: >Herr, schreite hier darüber und tritt

ein! Denn der Statthalter läßt dich bitten.< Als aber die Juden sahen, was der Läufer tat, wandten sie sich schreiend an Pilatus und sagten: >

Warum hast du ihm nicht durch einen Herold den Befehl gegeben, hereinzukommen, sondern durch einen Läufer? Der Läufer hat ja, als er

ihn zu Gesicht bekam, die Reverenz erwiesen und sein Tuch auf die Erde gebreitet und ihn wie einen König darüberschreiten lassen.<

3 Pilatus aber beschied den Läufer zu sich und sagt zu ihm: > Warum hast du das getan und hast dein Tuch auf die Erde gebreitet und Jesus

darüberschreiten lassen?< Da sagt zu ihm der Läufer: > Herr Statthalter, als du mich seinerzeit nach Jerusalem zu Alexander gesandt hast,

habe ich ihn, Jesus, auf einem Esel sitzen sehen, und die Kinder der Hebräer hielten Zweige in ihren Händen und riefen, andere aber breiteten

ihre Kleider aus und sagten: Hilf doch, du in der Höhe! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!<

4 Da schreien die Juden und sagen zu dem Läufer: > Die Kinder der Hebräer haben auf hebräisch gerufen. Woher hast du den griechischen

Wortlaut?< Dasagtzuihnen der Läufer: >Ich habe einen von den Juden gefragt und gesagt: >Was rufen sie da auf hebräisch?<, und der hat's

mir übersetzt.< Da sagt Pilatus zu ihnen: »Wie haben sie denn auf hebräisch gerufen?< Da sagen zu ihm die Juden: »Hosanna membrone

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baruchamma adonai.« Da sagt Pilatus zu ihnen: > Und was heißt Hosanna und das andere übersetzt? « Da sagen zu ihm die Juden: >Hilf

doch, du in der Höhe! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! < Da sagt Pilatus zu ihnen: »Wenn ihr selbst die Aussagen, die von

den Kindern gemacht worden sind, bestätigt, inwiefern hat dann der Läufer einen Fehler gemacht?« Sie aber schwiegen. Da sagt der

Statthalter zum Läufer: »Geh hinaus und führe ihn herein, inwelcher Form du willst!« Der Läufer aber ging hinaus und verfuhr gleich wie

das erste Mal und sagt zu Jesus: >Herr, tritt ein! Der Statthalter läßt dich bitten.<

5 Als aber Jesus eintrat - die Standartenträger hielten die Standarten -, da verneigten sich die Bilder an den Standarten und erwiesen Jesus die

Reverenz. Als die Juden aber das Verhalten der Standarten sahen, wie sie sich verneigten und Jesus die Reverenz erwiesen, da wandten sie

sich heftig schreiend gegen die Standartenträger. Pilatus aber sagt zu den Juden: > Seid ihr nicht verwundert, wie die Bilder sich verneigt und

Jesus die Reverenz erwiesen haben?< Da sagen die Juden zu Pilatus: »Wir haben vielmehr gesehen, wie die Standartenträger sie geneigt und

Jesus die Reverenz erwiesen haben! « Da rief der Statthalter die Standartenträger heran und sagt zu ihnen: »Warum habt ihr das so

gemacht?« Da sagen sie zu Pilatus: »Wir sind Griechen und den Göttern ergeben. Wie kämen wir dazu, ihm die Reverenz zu erweisen?

Vielmehr: während wir die Bilder hielten, haben sie sich selbst verneigt und ihm die Reverenz erwiesen.«

6 Da sagt Pilatus zu den Synagogenvorstehern und den Ältesten des Volkes: >Wählt ihr starke und kräftige Männer aus! Die sollen die

Standarten halten, und wir wollen sehen, ob sie sich auch bei ihnen verneigen.< Es nahmen aber die Attesten der Juden zwölf kräftige und

starke Männer. Je sechs ließen sie die Standarten halten; so mußten sie vor dem Tribunal des Statthalters Aufstellung nehmen. Und Pilatus

sagt zu dem Läufer: »Führe ihn hinaus vor das Prätorium und bring ihn wieder herein, in welcher Form du willst! « Und Jesus ging hinaus

vor das Prätorium,dazu der Läufer. Und Pilatus rief die, die zuerst die Bilder gehalten hatten, heran und sagt zu ihnen: > Ich schwöre hiermit

beim Heil des Kaisers: wenn sich die Standarten nicht verneigen, wenn Jesus eintritt, lasse ich euch den Kopf abschlagen.< Und der

Statthalter ließ Jesus zum zweiten Male eintreten. Und der Läufer verfuhr gleich wie beim ersten Mal und bat Jesus vielmals, er möge auf

sein Tuch treten. Und er trat darauf und ging hinein. Als er aber eintrat, verneigten sich die Standarten wiederum und erwiesen Jesus die

Reverenz.

Die Anklage der Juden und ihre Widerlegung

1 Als aber Pilatus das sah, bekam er einen Schrecken und wollte am liebsten vom Tribunal aufstehen. Während er noch beim Überlegen war,

ob er aufstehen solle, ließ seine Frau ihm sagen: >Habe du nichts zu schaffen mit diesem gerechten Menschen! Denn viel habe ich

seinetwegen in der Nacht leiden müssen.< Pilatus aber rief alle Juden heran und sagt zu ihnen: > Ihr wißt, daß meine Frau gottesfürchtig ist

und es in der Religion mehr mit euch Juden hält.< Da sagen sie zu ihm: »Jawohl, das wissen wir. « Da sagt Pilatus zu ihnen: > Siehe, meine

Frau hat sagen lassen: >Habe du nichts zu schaffen mit diesem gerechten Menschen! Denn viel habe ich seinetwegen in der Nacht leiden

müssen.<< Da geben die Juden zur Antwort und sagen zu Pilatus: > Haben wir dir nicht gesagt, daß er ein Zauberer ist? Er hat deiner Frau

einen Traum geschickt. <

2 Pilatus aber rief Jesus heran und sagt zu ihm: > Was bringen diese da gegen dich vor? Hast du nichts zu sagen?< Jesus aber sprach: >Wenn

sie nicht frei verfügen dürften, hätten sie nichts gesagt. Denn ein jeder verfügt frei über seinen Mund, Gutes zu reden und Böses. Da werden

sie selbst zusehen müssen.<

3 Da gaben die Ältesten der Juden zur Antwort und sagen zu Jesus: »Was heißt: wir werden selbst zusehen müssen? Erstens bist du aus

unzüchtigem Verkehr geboren worden. Zweitens hat deine Geburt in Bethlehem zu einem Kindermord geführt. Drittens sind dein Vater und

deine Mutter Maria nach Ägypten geflohen, weil sie im Volk keinen guten Leumund besessen haben.«

4 Da sagen einige von den Anwesenden, fromme Leute aus dem Kreis der Juden: > Wir bestreiten, daß er aus unzüchtigem Verkehr stammt.

Vielmehr wissen wir, daß Joseph mit Maria verheiratet war und daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr stammt.< Da sagt Pilatus zu den

Juden, die behaupteten, er stamme aus unzüchtigem Verkehr: > Diese eure Aussage ist nicht wahr. Denn es hat eine Trauung stattgefunden,

wie eure eigenen Volksgenossen erklären. < Da sagten Hannas und Kaiaphas zu Pilatus: »Wir als Gesamtheit versichern's laut und finden

keinen Glauben damit, daß er aus unzüchtigem Verkehr geboren worden ist. Diese da sind Proselyten und Jünger von ihm! « Und Pilatus

wandte sich an Hannas und Kaiaphas und sagt zu ihnen: >Was heißt das: Proselyten?< Da sagen sie zu ihm: > Als Kinder von Griechen sind

sie geboren, und jetzt sind sie Juden geworden.< Da sagen die, die erklärt hatten, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren sei, Lazarus,

Asterius, Antonius, Jakobus, Amas, Zeras, Samuel, Isaak, Phinees, Krispus, Agrippa und Judas: > Wir sind nicht als Proselyten geboren,

sondern sind Kinder von Juden und reden die Wahrheit. Denn bei der Trauung von Joseph und Maria sind wir zugegen gewesen. <

5 Pilatus aber wandte sich an diese zwölf Männer, die erklärt hatten, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren sei, und sagt zu ihnen: >

Ich lasse euch schwören beim Heil des Kaisers: ist das wahr, was ihr erklärt habt, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren ist?< Da

sagen sie zu Pilatus: > Wir haben ein Gesetz, nicht zu schwören, weil das Sünde ist. So sollen sie denn, Hannas und Kaiaphas, beim Heil des

Kaisers schwören, daß es nicht so ist, wie wir gesagt haben, und, wenn sie es tun, dann sind wir des Todes schuldig. < Da sagt Pilatus zu

Hannas und Kaiaphas: > Habt ihr darauf nichts zu antworten?< Da sagen Hannas und Kaiaphas zu Pilatus: >Diese zwölf finden Glauben mit

ihrer Aussage, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren sei. Wir als Gesamtheit versichern's laut, daß er aus Unzucht geboren und ein

Zauberer ist und sich selbst als Sohn Gottes und König bezeichnet, und wir finden keinen Glauben.<

6 Und Pilatus befiehlt, daß alle miteinander hinausgehen sollten mit Ausnahme der zwölf Männer, die erklärt hatten, daß er nicht aus

unzüchtigem Verkehr geboren sei; auch Jesus ließ er abtreten. Und Pilatus sagt zu ihnen: >Aus welchen Gründen wollen sie ihn eigentlich zu

Tode bringen?< Da sagen sie zu Pilatus: > Sie sind erbost, weil er am Sabbat heilt. < Da sagt Pilatus: > Wegen einer guten Tat also wollen

sie ihn zu Tode bringen?< Da sagen sie zu ihm: > Jawohl!<

Weitere Anklagen und Verhandlungen

1 Und zornerfüllt ging Pilatus hinaus vor das Prätorium und sagt zu ihnen: »Als Zeugen habe ich die Sonne, daß ich keinerlei Schuld an

diesem Menschen finde.« Da gaben die Juden zur Antwort und sagten zum Statthalter: >Wenn dieser kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir

nicht übergeben.« Pilatus aber sagte: > So nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz!< Da sagten die Juden zu Pilatus: > Uns ist es

nicht erlaubt, jemanden zu töten.< Da sagte Pilatus: > Euch hat Gott verboten, zu töten. Und mir etwa nicht?<

2 Und Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein und rief Jesus beiseite und sagte zu ihm: > Bist du der König der Juden?< Jesus gab

Pilatus zur Antwort: > Sagst du das von dir aus oder haben andere es dir von mir gesagt?< Pilatus gab Jesus zur Antwort: > Bin ich etwa ein

Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir übergeben. Was hast du getan?< Da antwortete Jesus: > Mein Reich ist nicht von

dieser Welt. Denn wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so würden meine Diener kämpfen, daß ich nicht den Juden ausgeliefert würde.

Jetzt aber ist mein Reich nicht von hier.< Da sprach Pilatus zu ihm: > Mithin bist du ein König?< Jesus gab ihm zur Antwort: > Du sagst es:

ich bin ein König. Denn dazu bin ich geboren und gekommen, daß jeder, der aus der Wahrheit ist, meine Stimme höre.< Da sagt Pilatus zu

ihm: > Was ist Wahrheit?< Da sagt Jesus zu ihm: >Wahrheit kommt vom Himmel.< Da sagt Pilatus: > Auf Erden ist keine Wahrheit?< Da

sagt Jesus zu Pilatus: >Du siehst ja, wie die, welche die Wahrheit sagen, von denen gerichtet werden, die auf Erden die Macht haben.<

4,1 Und Pilatus verließ Jesus und ging hinaus vor das Prätorium zu den Juden und sagt zu ihren: »Ich finde keinerlei Schuld an ihm.« Da

sagen die Juden zu ihm: >Dieser hat erklärt: >Ich kann diesen Tempel niederreißen und in drei Tagen ihn aufbauen.<< Da sagt Pilatus:

»Welchen Tempel?« Da sagen die Juden: »Den, den Salomo in 46 Jahren erbaut hat. Dieser aber erklärt, ihn in drei Tagen abzubrechen und

aufzubauen. « Da sagt Pilatus zu ihnen: > Ich bin unschuldig am Blute dieses gerechten Menschen. Da müßt ihr zusehen!< Da sagen die

Juden: >Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!<

150

2 Pilatus aber wandte sich an die Ältesten und Priester und Leviten und sagte heimlich zu ihnen: > Macht es nicht so! Denn nichts von dem,

wessen ihr ihn anklagt, verdient den Tod. Denn eure Anklage bezieht sich lediglich auf Heilen und Entweihen des Sabbats.< Da sagen die

Ältesten und die Priester und die Leviten: »Wenn einer gegen den Kaiser lästert, verdient er dann den Tod oder nicht?< Da sagt Pilatus: »Er

verdient den Tod. « Da sagen die Juden zu Pilatus: > Wenn einer gegen den Kaiser lästert, verdient er, wie du selbst sagst, den Tod. Dieser

aber hat gegen Gott gelästert!<

3 Der Statthalter befahl aber, die Juden sollten hinausgehen vor das Prätorium, und wandte sich an Jesus und sagt zu ihm: »Was soll ich mit

dir machen?« Da sagt Jesus zu Pilatus: » Wie es dir gegeben ist. « Da sagt Pilatus: »Wie ist es mir denn gegeben?« Da sagt Jesus: > Mose

und die Propheten haben meinen Tod und meine Auferstehung im voraus verkündigt.< Die Juden aber hatten etwas zu vernehmen versucht,

und als sie das hörten, sagen sie zu Pilatus: >Was willst du dir noch weiter diese Lästerung anhören?< Da sagt Pilatus zu den Juden: > Wenn

diese Aussage nach euren Begriffen lästerlich ist, dann nehmt ihr ihn wegen der Lästerung und führt ihn ab in eure Synagoge und richtet ihn

nach eurem Gesetz!< Da sagen die Juden zu Pilatus: >Unser Gesetz bestimmt, wenn jemand gegen einen Menschen lästert, der verdient, daß

er 40 Hiebe weniger einen empfängt; wer aber gegen Gott lästert, der verdient, daß er gesteinigt wird.<

4 Da sagt Pilatus zu ihnen: > Nehmt ihr ihn und vergeltet ihm, auf welche Weise ihr wollt!< Da sagen die Juden zu Pilatus: »Wir wollen, daß

er gekreuzigt wird!« Da sagt Pilatus: > Er verdient nicht, gekreuzigt zu werden.<«

5 Der Statthalter aber sah sich bei den ringsum stehenden Volksmassen der Juden um und sieht viele von den Juden weinen und sagt: »Nicht

alle wollen, daß er sterbe.« Da sagen die Ältesten der Juden: >Gerade deswegen sind wir als Gesamtheit hierher gekommen, daß er sterbe.<

Da sagt Pilatus zu den Juden: >Warum soll er sterben?< Da sagen die Juden: »Weil er sich als Sohn Gottes und König bezeichnet hat. «

Das Zeugnis des Nikodemus

1 Nikodemus aber, ein Jude, trat vor den Statthalter und sagt: »Ich bitte, Frommer, laß mich einige wenige Worte sagen!« Da sagt Pilatus:

»Sprich!« Da sagt Nikodemus: »Ich habe zu den Ältesten und den Priestern und Leviten und zur Gesamtheit der Juden in der Synagoge

gesagt: >Was sucht ihr an diesem Menschen? Dieser Mensch tut viele wunderbare Zeichen, die keiner sonst getan hat noch tun wird. Laßt

ihn in Ruhe und plant nichts Böses gegen ihn! Wenn die Zeichen, die er tut, von Gott sind, werden sie Bestand haben; wenn sie aber von

Menschen sind, werden sie sich von selbst auflösen. Denn auch Mose hat, als er von Gott nach Ägypten gesandt war, viele Zeichen getan,

von denen Gott ihm gesagt hatte, er solle sie vor Pharao, dem König von Ägypten, tun. Und es waren dort Männer im Dienst Pharaos, Jannes

und Jambres; auch sie taten nicht weniger Zeichen, als Mose tat, und es hielten die Ägypter sie für Götter, den Jannes und den Jambres. Und

da die Zeichen, die sie taten, nicht von Gott waren, kamen sie selber um wie auch die, die ihnen geglaubt hatten. Und jetzt laßt diesen

Menschen in Ruhe! Denn er verdient den Tod nicht.<

2 Da sagen die Juden zu Nikodemus: > Du bist ein Jünger von ihm geworden und trittst für ihn ein!< Da sagt Nikodemus zu ihnen: »Ist etwa

auch der Statthalter sein Jünger geworden und tritt für ihn ein? Hat der Kaiser ihn nicht für diesen Streitfall eingesetzt?« Die Juden aber

waren ergrimmt und knirschten mit den Zähnen gegen Nikodemus. Da sagt Pilatus zu ihnen: »Warum knirscht ihr mit den Zähnen gegen ihn,

wo ihr doch nur die Wahrheit zu hören bekommen habt?« Da sagen die Juden zu Nikodemus: > So übernimm du Wahrheit und Anteil an

ihm!« Da sagt Nikodemus: > Wahrlich, wahrlich: ich will sie übernehmen, wie ihr gesagt habt.<

Die Zeugnisse von Geheilten

1 Einer aber von den Juden trat vor und bat den Statthalter, ein Wort sagen zu dürfen. Der Statthalter erklärt: >Wenn du etwas sagen willst,

so sprich!< Der Jude aber sagte: > Ich bin 38 Jahre bettlägerig gewesen unter peinvollen Schmerzen. Und als Jesus kam, wurden viele, die

von Dämonen besessen waren und mit mancherlei Krankheiten daniederlagen, von ihm geheilt. Und einige junge Leute erbarmten sich

meiner und trugen mich samt dem Bett und brachten mich hin zu ihm. Und siehe, Jesus hatte Mitleid mit mir und sprach zu mir das Wort:

>Nimm dein Bett und wandle!< Und ich nahm mein Bett und wandelte.< Da sagen die Juden zu Pilatus: >Frag ihn, was für ein Tag das war,

an dem er geheilt wurde!< Da sagt der Geheilte: »An einem Sabbat. « Da sagen die Juden: »Haben wir's nicht etwa so gelehrt, daß er am

Sabbat heilt und Dämonen austreibt?«

2 Und ein anderer Jude trat vor und sagt: »Ich war blind geboren, hörte eine Stimme und sah doch das Angesicht des Redenden nicht. Und

als Jesus vorüberging, rief ich mit lauter Stimme: >Erbarme dich meiner, Sohn Davids!< Und er hat sich meiner erbarmt und mir seine

Hände auf die Augen gelegt, und ich konnte alsbald wieder sehen.< Und ein anderer Jude trat vor und sagte: »Ich bin verkrümmt gewesen,

und er hat mit einem Wort mich gerade gemacht.« Und ein anderer sagte: > Ich bin aussätzig gewesen, und er hat mich mit einem Wort

geheilt.<

7 Und eine Frau mit Namen Bernike rief aus großer Entfernung und sagte: »Ich bin blutflüssig gewesen und habe die Quaste seines

Gewandes angefaßt, und mein Blutfluß, der zwölf Jahre angehalten hatte, kam zum Stillstand.« Da sagen die Juden: > Wir haben ein Gesetz,

eine Frau nicht zum Zeugnis zuzulassen.<

8 Und wieder andere, eine Menge von Männern und Frauen, riefen und sagten: > Dieser Mensch ist ein Prophet, und die Dämonen sind ihm

untertan.< Da sagt Pilatus zu denen, die zu ihm gesagt hatten, daß die Dämonen ihm untertan seien: > Warum haben sich nicht auch eure

Lehrer ihm unterstellt?< Da sagen sie zu Pilatus: >Wir wissen es nicht.< Andere aber sagten: > Den Lazarus, der gestorben war, hat er aus

dem Grabe erweckt, in dem er schon den vierten Tag lag.< Der Statthalter aber bekam einen Schrecken und sagt zu den Juden in ihrer

Gesamtheit: »Warum wollt ihr unschuldig Blut vergießen?«

Die Verurteilung Jesu

1 Und er wandte sich an Nikodemus und die zwölf Männer, die ausgesagt hatten, daß er nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren sei, und sagt

zu ihnen: > Was soll ich tun? Es gibt ja einen Aufruhr unter dem Volk!< Da sagen sie zu ihm: > Wir wissen es nicht. Da sollen sie selbst

zusehen! < Wiederum wandte sich Pilatus an die Juden in ihrer Gesamtheit und sagt: > Ihr wißt, daß es bei euch Sitte ist, am Fest der

ungesäuerten Brote euch einen Gefangenen freizulassen. Ich habe einen abgeurteilten Gefangenen im Gefängnis, einen Mörder mit Namen

Barabbas, und diesen Jesus, der vor euch steht, an dem ich keinerlei Schuld finde. Welchen wollt ihr, daß ich euch freilasse?< Sie aber

schreien: > Barabbas!< Da sagt Pilatus: > Was nun soll ich mit Jesus machen, der der Christus heißt?< Da sagen die Juden: > Er soll

gekreuzigt werden!< Einige von den Juden aber erwiderten: >Du bist des Kaisers Freund nicht, wenn du diesen freilassen solltest. Denn er

hat sich als Sohn Gottes und König bezeichnet; du willst anscheinend diesen zum König und nicht den Kaiser.<

2 Zornig aber sagt Pilatus zu den Juden: > Immer ist euer Volk aufsässig, und euren Wohltätern begegnet ihr mit Widerspruch! < Da sagen

die Juden: » Welchen Wohltätern?« Pilatus sagt: > Wie ich höre, hat euer Gott euch aus harter Knechtschaft aus Ägyptenland herausgeführt

und euch durch das Meer wie durchs Trockene gerettet und hat in der Wüste euch mit Manna ernährt und Wachteln zu essen gegeben und

aus dem Felsen euch Wasser zu trinken gegeben und hat euch ein Gesetz verliehen. Und bei alledem habt ihr euren Gott erzürnt und habt

euch ein gegossenes Kalb gewünscht. Erbittert habt ihr euren Gott, und er hat euch töten wollen, und Mose hat für euch gefleht, und ihr seid

nicht getötet worden. Und jetzt bringt ihr gegen mich vor, daß ich den König hasse.<

3 Er stand aber auf vom Tribunal und wollte hinausgehen. Und die Juden rufen und sagen: > Wir kennen als König allein den Kaiser und

nicht diesen Jesus. Auch die Weisen haben ihm vom Morgenland her Geschenke dargebracht wie einem König! Und als Herodes von den

Weisen hörte, daß ein König geboren sei, suchte er ihn zu töten. Als aber sein Vater Joseph es erfuhr, nahm er ihn und seine Mutter, und sie

flohen nach Ägypten. Und als Herodes es hörte, ließ er die Kinder der Hebräer, die in Bethlehem geboren waren, umbringen. «

4 Als aber Pilatus diese Worte hörte, erschrak er. Und Pilatus hieß die Volksmassen schweigen - sie schrien nämlich - und sagt zu ihnen: >

Also das ist der, nach dem Herodes damals gesucht hat?< Da sagen die Juden: >Jawohl! Das ist er. < Und Pilatus nahm Wasser und wusch

151

seine Hände angesichts der Sonne und sprach: >Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten. Da seht ihr zu!< Wiederum schreien die

Juden: > Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!<

5 Darauf befahl Pilatus, daß der Vorhang des Tribunals, wo er saß, vorgezogen wurde, und sagt zu Jesus: >Dein Volk hat dich als König

überführt. Deswegen habe ich das Urteil zu verkünden, daß du zuerst nach der Satzung der frommen Kaiser gegeißelt und dann aufgehängt

wirst am Kreuz in dem Garten, wo du gegriffen worden bist. Und Dysmas und Gestas, die beiden Verbrecher, sollen mit dir zusammen

gekreuzigt werden.<

Die Kreuzigung Jesu und die Grablegung

1 Und Jesus ging zum Prätorium hinaus und die beiden Verbrecher mit ihm. Und als sie an den Ort der Kreuzigung hinkamen, zogen sie ihm

die Kleider aus und gürteten ihn mit einem Leinentuch und legten ihm einen Kranz aus Dornen um das Haupt. In gleicher Weise hängten sie

auch die beiden Verbrecher auf. Jesus aber sprach: > Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.< Und die Soldaten teilten sich

seine Kleider. Und das Volk stand dabei und besah ihn. Und es verhöhnten ihn die Hohenpriester und die führenden Männer mit ihnen und

sagten: > Andere hat er gerettet. Soll er jetzt sich selber retten! Wenn dieser Gottes Sohn ist, so soll er vom Kreuz herabsteigen!< Es

verspotteten ihn aber die Soldaten, indem sie herzutraten und ihm Essig mit Galle hinreichten und sagten: > Du bist der König der Juden. So

rette dich selbst!<

2 Pilatus aber hatte befohlen, daß nach der Urteilsverkündigung als Aufschrift am Kreuz seine Schuld mit griechischen, römischen

(lateinischen) und hebräischen Buchstaben angeschrieben würde gemäß der Aussage der Juden, er sei der König der Juden.

3 Einer aber von den Verbrechern, die aufgehängt waren, sprach zu ihm und sagte: >Wenn du der Christus bist, so rette dich und uns!<

Dysmas aber gab ihm scheltend zur Antwort und sagte: »Hast du nicht die geringste Furcht vor Gott, wo du doch in derselben Strafe wie er

dich befindest? Wir allerdings werden mit Recht bestraft; denn wir empfangen die Strafe, die unsere Taten wert sind. Dieser aber hat nichts

Schlechtes getan. « Und er sagte zu Jesus: > Denk an mich, Herr, in deinem Reich!< Da sprach Jesus zu ihm: »Wahrlich, wahrlich, ich sage

dir: heute bist du mit mir zusammen im Paradies! <

11,1 Es war aber etwa die sechste Stunde, und Finsternis erging über die Erde bis zur neunten Stunde, wobei die Sonne sieh verfinsterte, und

es riß der Vorhang des Tempels mitten entzwei. Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: >Vater, baddach ephkid ruel<, was übersetzt

heißt: »in deine Hände befehle ich meinen Geist.« Und als er das gesagt hatte, gab er seinen Geist auf. Als der Hauptmann sah, was alles

geschah, pries er Gott und sagte: >Dieser Mensch war ein Gerechter!< Und alle Volksmassen, die zu diesem Schauspiel sich eingefunden

hatten, als sie sahen, was geschah, schlugen sie sich an die Brust und eilten heim.

2 Der Hauptmann aber brachte dem Statthalter Meldung von dem Geschehenen. Als aber der Statthalter es hörte und seine Frau, wurden sie

sehr betrübt, und sie aßen und tranken nicht an jenem Tage. Pilatus aber beschied die Juden zu sich und sagte zu ihnen: »Habt ihr gesehen,

was alles geschehen ist?« Sie aber sagen: > Das Nachlassen der Sonne trat wie gewöhnlich ein. «

3 Es standen aber seine Bekannten von ferne sowie die Frauen, die mit ihm zusammen von Galiläa hergekommen waren und dies alles mit

ansahen. Ein Mann aber mit Namen Joseph, ein Ratsherr aus der Stadt Arimathia, der selbst auch auf das Reich Gottes wartete, der wandte

sich an Pilatus und erbat sich den Leichnam Jesu. Und er nahm ihn vom Kreuz ab und wickelte ihn in reine Leinwand und setzte ihn in einem

aus dem Felsen gehauenen Grab bei, wo bisher noch niemand lag.

Gefangensetzung und geheimnisvolles Verschwinden Josephs von Arimathia

1 Als aber die Juden hörten, daß Joseph sich den Leichnam Jesu ausgebeten habe, suchten sie ihn in ihre Hand zu bekommen sowie die

zwölf, die gesagt hatten, Jesus sei nicht aus unzüchtigem Verkehr geboren, und auch den Nikodemus und sonst noch viele andere, die vor

Pilatus vorgetreten waren und seine guten Werke bekundet hatten. Während aber alle anderen sich versteckt hielten, kam allein Nikodemus

ihnen zu Gesicht; denn er war ein führender Mann unter den Juden. Und Nikodemus sagt zu ihnen: > Wie seid ihr in die Synagoge

hineingekommen?< Da sagen die Juden zu ihm: > Wie bist du in die Synagoge hineingekommen? Du bist ein Mitwisser von ihm, und sein

Anteil wird sein mit dir zusammen du wirst das gleiche Los haben wie er im kommenden Äon.< Nikodemus sagt: > Amen! Amen!<

Ebenso fand sich aber auch Joseph ein und sagte zu ihnen: > Warum habt ihr voller Kummer gegen mich euch gewandt, weil ich den

Leichnam Jesu mir ausgebeten habe? Sieh, in mein eigenes neues Grab habe ich ihn gelegt, nachdem ich ihn in reine Leinwand gewickelt

hatte, und habe einen Stein an die Türe der Grabhöhle gewälzt. Ihr habt nicht gut getan gegen den Gerechten, daß ihr keinerlei Reue

bekommen habt, als ihr ihn gekreuzigt hattet, sondern ihn auch noch mit einer Lanze durchbohrt habt!< Die Juden aber nahmen Joseph fest

und gaben Befehl, daß er bis zum ersten Tag der Woche in Gewahrsam gehalten werde, und sagen zu ihm: >Merke dir, daß die Stunde es

nicht erheischt, etwas gegen dich zu unternehmen! Denn der Sabbat dämmert herauf. Merke dir aber: du wirst später nach deinem Tod nicht

eines Begräbnisses gewürdigt werden, sondern wir werden dein Fleisch den Vögeln des Himmels zu fressen geben.< Da sagt Joseph zu

ihnen: >Das hat genau so der übermütige Goliath gesagt, der den lebendigen Gott und den heiligen David geschmäht hat! Denn Gott hat

durch den Propheten gesprochen: >Mir gehört die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr.< Und jetzt hat der, der unbeschnitten war am

Fleisch und beschnitten am Herzen, Wasser genommen und seine Hände angesichts der Sonne gewaschen und gesagt: >Ich bin unschuldig

an dem Blute dieses Gerechten. Da seht ihr zu!< Und ihr habt Pilatus zur Antwort gegeben und gesagt: >Sein Blut komme über uns und über

unsere Kinder!< Und jetzt befürchte ich, daß der Zorn des Herrn euch ereilt und eure Kinder, wie ihr selbst gesagt habt.< Als aber die Juden

diese Worte hörten, da wurden sie erbittert in ihrer Seele, und sie ergriffen Joseph und nahmen ihn fest und schlossen ihn in ein Haus ein, an

dem es kein Fenster hatte, und Wächter verblieben an der Türe, und sie versiegelten die Türe, wo Joseph eingeschlossen war.

2 Am Sabbat aber legten die Hohenpriester und die Priester und die Leviten den Beschluß fest, sich alle am ersten Tag der Woche in der

Synagoge einzufinden. Und als sie an diesem Tage dann in ihrer Gesamtheit früh in der Synagoge waren, beratschlagten sie, durch welche

Todesart sie ihn töten könnten. Als aber der Hohe Rat seine Sitzung hielt, befahlen sie, daß er, Joseph, mit Schimpf und Schande vorgeführt

werden solle. Und als sie die Türe öffneten, fanden sie ihn nicht vor. Und da s ganze Volk war außer sich, und sie waren erschrocken; denn

sie fanden die Siegel ordnungsmäßig versiegelt, und den Schlüssel hatte Kaiaphas in Verwahrung. Und sie wagten nicht mehr Hand

anzulegen an die, die vor Pilatus für Jesus eingetreten waren.

Die Kunde von Jesu Auferstehung

1 Während sie noch in der Synagoge saßen und Josephs wegen verwundert waren, kommen einige von der Wache, die sich die Juden von

Pilatus ausgebeten hatten, um das Grab Jesu zu bewachen, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen würden. Und sie meldeten und

sagten den Hohenpriestern und den Priestern und den Leviten, was geschehen war: wie ein großes Erdbeben eingetreten war, »und wir sahen

einen Engel aus dem Himmel herabsteigen, und der wälzte den Stein von der Öffnung der Grab-Höhle und setzte sich oben auf ihn; und er

leuchtete wie Schnee und wie ein Blitz. Und wir erschraken gewaltig und lagen wie tot. Und wir hörten die Stimme des Engels, wie er den

Frauen, die am Grabe verweilten, sagte: >Ihr braucht euch nicht zu fürchten! Denn ich weiß, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Kommt

her, seht den Platz, wo der Herr gelegen hat! Und schnell geht hin und saget seinen Jüngern: Er ist auferweckt worden von den Toten und

befindet sich in Galiläa.<<

2 Da sagen die Juden: > Mit was für Frauen hat er geredet?< Da sagen die von der Wache: >Wir wissen nicht, was für welche es waren. < Da

sagen die Juden: > Um welche Stunde war es?< Da sagen die von der Wache: »Um Mitternacht. « Da sagen die Juden: »Und warum habt ihr

die Frauen nicht festgenommen?« Da sagen die von der Wache: > Wir waren wie tot vor Schrecken und hatten keine Hoffnung, das Licht des

Tages noch einmal zu sehen. Wie hätten wir sie da fest nehmen sollen?< Da sagen die Juden: > So wahr der Herr lebt, wir glauben euch nicht.

< Da sagen die von der Wache zu den Juden: > So viele Zeichen habt ihr an jenem Menschen gesehen und seid nicht zum Glauben

152

gekommen. Wie solltet ihr da uns glauben? Ganz mit Recht habt ihr ja geschworen: >So wahr der Herr lebt.< Er, der Herr Jesus, lebt

nämlich!< Weiter sagen die von der Wache: >Wir haben gehört, daß ihr den, der sich den Leichnam Jesu ausgebeten hatte, eingeschlossen

habt und habt die Türe versiegelt, und als ihr sie geöffnet habt, habt ihr ihn nicht vorgefunden. Beschafft ih r also erst Joseph, und wir wollen

dann Jesus beschaffen.« Da sagen die Juden: > Joseph ist weggegangen in seine Stadt, nach Arimathia.< Da sagen die von der Wache zu den

Juden: > Und Jesus ist auferstanden, wie wir von dem Engel gehört haben, und befindet sich in Galiläa.< 3 Als aber die Juden diese Worte

hörten, erschraken sie gewaltig und sagten: >Daß das nur ja nicht ruchbar wird und alle sich Jesus zuneigen! < Und die Juden berieten sich

und warfen eine beträchtliche Summe Geldes aus und gaben sie den Soldaten und sagten: »Sagt ihr: >Während wir schliefen, sind seine

Jünger bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen.< Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt, dann werden wir ihm zureden und

dafür bemüht sein, daß ihr euch keine Sorge, daß er euch etwa bestrafen könnte, zu machen braucht.« Die aber nahmen das Geld und taten,

wie sie gelehrt worden waren.

Die Kunde von Jesu Himmelfahrt

1 Phinees aber, ein Priester, und Adas, ein Lehrer, und Haggai, ein Levit, kamen von Galiläa herab nach Jerusalem und erzählten den

Hohenpriestern und den Priestern und den Leviten: »Wir haben Jesus sitzen sehen auf dem Berg, der Mamilch heißt, und er sagte zu seinen

Jüngern: >Zieht hin in alle Welt und predigt aller Kreatur! Wer daraufhin zum Glauben kommt und getauft wird, der wird gerettet werden;

wer aber ungläubig bleibt, wird verurteilt werden. Diese Zeichen aber werden denen, die zum Glauben kommen, nachfolgen: in meinem

Namen werden sie Dämonen austreiben, werden mit neuen Zungen reden, werden Schlangen ohne Gefahr aufheben, und wenn sie etwas

Todbringendes trinken, wird es ihnen nicht schaden; den Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden.<

Während Jesus noch zu seinen Jüngern sprach, sahen wir, daß er in den Himmel emporgehoben wurde. «

2 Da sagen die Ältesten und die Priester und die Leviten: > Gebt dem Gott Israels die Ehre und bekennt ihm, ob ihr das tatsächlich gehört

und gesehen habt, was ihr da erzählt habt!< Da sagen die, dies erzählt hatten: »So wahr der Gott unser Väter Abraham, Isaak und Jakob lebt:

das haben wir gehört und haben gesehen, daß er in den Himmel emporgehoben wurde. « Da sagen die Ältesten und die Priester und die

Leviten zu ihnen: »Seid ihr deswegen gekommen, um uns diese Botschaft zu bringen, oder seid ihr gekommen, um Gott ein Gelübde

darzubringen?« Die aber sagen: >Um Gott ein Gelübde darzubringen.< Da sagen die Ältesten und die Hohenpriester und die Leviten zu

ihnen: > Wenn ihr gekommen seid, um Gott ein Gelübde darzubringen, was soll dann dies alberne Zeug, das ihr vor dem ganzen Volk

ausgeschwatzt habt?< Da sagt Phinees, der Priester, und Adas, der Lehrer, und Haggai, der Levit, zu den Hohenpriestern und Priestern und

Leviten: > Wenn die Dinge, die wir geredet und gesehen haben, Sünde sind, siehe, wir sind vor euch wir sind in eurer Hand. Verfahrt mit

uns, wie es in euren Augen gut erscheint!< Und sie gaben ihnen zu essen und zu trinken und schickten sie aus der Stadt fort, nachdem sie

ihnen Geld und drei Männer als Geleit mitgegeben hatten, und sie ließen sie wieder nach Galiläa gehen, und sie zogen dahin in Frieden.

3 Als aber jene Männer nach Galiläa gezogen waren, traten die Hohenpriester und die Synagogenvorsteher und die Ältesten in der Synagoge

zur Beratung zusammen, nachdem sie das Tor verschlossen hatten, und sie stimmten ein großes Klagegeschrei an und sagten: > Warum ist

dieses Zeichen in Israel geschehen?< Hannas aber und Kaiaphas sagten: > Warum regt ihr euch auf? Warum jammert ihr? Oder wißt ihr

nicht, daß seine Jünger den Grabeswächtern viel Geld gegeben und sie gelehrt haben, zu sagen: >Ein Engel ist herabgestiegen und hat den

Stein von der Türe des Grabes abgewälzt?< Die Priester aber und die Ältesten sagten: > Mag sein, daß seine Jünger den Leichnam gestohlen

haben! Aber wie ist die Seele in seinen Leichnam wieder hineingekommen, daß er sich jetzt in Galiläa aufhält?< Die aber vermochten darauf

keine Antwort zu geben und sagten gerade nur: > Unbeschnittenen dürft ihr nicht glauben.<

Die Auffindung Josephs und seine Einholung nach Jerusalem

1 Es erhob sich aber Nikodemus und trat vor den Hohen Rat und sagte: » Was ihr sagt, stimmt. Ihr, Volk Gottes, wißt von den Männern, die

von Galiläa herabgekommen waren, ganz gut, daß sie gottesfürchtig sind und wohlhabende Männer, die die Habsucht hassen, Männer des

Friedens, die keinen Streit suchen. Sie haben unter Eid erzählt: >Wir haben Jesus auf dem Berge Mamilch mit seinen Jüngern gesehen, und

er hat sie alles gelehrt<, was ihr von ihnen gehört habt, >und wir haben gesehen, daß er in den Himmel emporgehoben worden ist. Und

keiner hat sie gefragt, auf welche Art er emporgehoben wurde. Wie uns das Buch der heiligen Schriften gelehrt hat, ist auch Elisa in den

Himmel emporgehoben worden. Und Elisa rief damals mit lauter Stimme, und Elisa warf seinen Mantel über Elisa, und Elisa warf seinen

Mantel auf den Jordan und ging trockenen Fußes hinüber und kam nach Jericho. Und es begegneten ihm die Jünger der Propheten und

sagten: >Elisa, wo ist dein Herr Elisa?< Und er sprach: >Er ist emporgehoben worden in den Himmel.< Und sie sagten zu Elisa: >Vielleicht

hat ihn nur der Geist entführt und auf einen der Berge verschlagen? Aber wir wollen unsere Knechte mit uns nehmen und ihn suchen. < Und

sie redeten Elisa zu, und er ging daraufhin mit ihnen. Und sie suchten ihn drei Tage und fanden ihn nicht und erkannten daran, daß er

tatsächlich in den Himmel emporgehoben worden war. Und jetzt hört auf mich! Wir wollen im ganzen Gebiet von Israel umhersenden und

sehen, ob der Christus nicht vielleicht vom Geist emporgehoben und auf einen der Berge verschlagen worden ist. « Und allen gefiel dieses

Wort. Und sie schickten im ganzen Gebiet von Israel umher, und die Sendboten suchten Jesus und fanden ihn nicht. Sie fanden aber Joseph

in Arimathia, und keiner wagte es, sich seiner zu bemächtigen.

2 Und sie meldeten den Ältesten und den Priestern und den Leviten: »Wir sind im ganzen Gebiet von Israel umhergezogen und haben Jesus

nicht gefunden. Aber Joseph haben wir in Arimathia gefunden!« Als sie aber diese Nachricht über Joseph hörten, freuten sie sich und gaben

dem Gott Israels die Ehre. Und es berieten die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten, auf welche Weise sie mit Joseph in

Verbindung kommen könnten, und nahmen dann ein Blatt Papier und schrieben Joseph folgendes:

»Friede sei mit dir! Wir wissen, daß wir gegen Gott und gegen dich gesündigt haben, und wir haben zum Gott Israels gebetet, er möge dich

geneigt machen, zu deinen Vätern und zu deinen Kindern zu kommen; denn wir sind alle betrübt. Als wir nämlich die Türe öffneten, haben

wir dich nicht vorgefunden. Und wir wissen, daß wir einen bösen Anschlag auf dich geplant hatten, aber der Herr hat sich deiner

angenommen, und der Herr selbst hat unseren Anschlag gegen dich, teurer Vater Joseph, zum Scheitern gebracht. «

3 Und sie wählten aus ganz Israel sieben Männer aus, die dem Joseph wohlgesinnt waren und die auch Joseph selbst gut kannte, und es sagen

zu ihnen die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten: »Seht zu! Wenn er unseren Brief empfangen hat und ihn liest, dann wißt

ihr, daß er mit euch zu uns gehen wird; wenn er ihn aber nicht liest, dann wißt ihr, daß er erbost über uns ist, und in diesem Fall

verabschiedet euch von ihm im Frieden und kehrt zu uns zurück! « Und die Männer kamen zu Joseph und bezeugten ihm ihre Ehrerbietung

und sprachen zu ihm: >Friede sei mit dir!< Und er sagte: > Friede sei mit euch und mit dem ganzen Volke Israel!< Sie aber übergaben ihm

die Briefrolle. Und Joseph nahm sie in Empfang und las sie und rollte den Brief wieder zu und pries Gott und sprach: > Gepriesen sei Gott

der Herr, der Israel erlöst hat, daß es nicht unschuldig Blut vergießen sollte, und gepriesen sei der Herr, der seinen Engel geschickt hat und

hat mich geborgen unter seine Fittiche!< Und er setzte ihnen einen Tisch vor, und sie aßen und tranken und blieben dort zum Schlafen.

4 Und in der Frühe machten sie sich auf und beteten. Und Joseph sattelte seinen Esel und zog mit den Männern dahin, und sie kamen in die

heilige Stadt Jerusalem. Und das ganze Volk lief Joseph entgegen, und sie riefen: »Friede sei deinem Einzug!« Und er sprach zum ganzen

Volk: > Friede sei mit euch!<, und es küßte ihn das ganze Volk. Und sie beteten, das Volk zusammen mit Joseph, und waren außer sich vor

Freude darüber, daß sie ihn wieder sehen durften. Und es nahm ihn Nikodemus in sein Haus und veranstaltete ein großes Gastmahl und lud

Hannas und Kaiaphas und die Ältesten und die Priester und die Leviten in sein Haus ein. Und in freudiger Stimmung aßen und tranken sie

mit Joseph zusammen, und nachdem sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie ein jeder in sein Haus; Joseph aber blieb im Hause des

Nikodemus.

Josephs Bericht vor dem Hohen Rat: die Bestätigung der Auferstehung Jesu

153

5 Am andern Tag aber, der ein Rüsttag war, machten sich in der Frühe auf die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten zum

Hause des Nikodemus. Nikodemus ging ihnen entgegen und sagte: >Friede sei mit euch! < Und sie sagten: »Friede sei mit dir und mit Joseph

und mit deinem ganzen Hause und mit dem ganzen Hause Josephs!« Und er führte sie hinein in sein Haus. Und es nahm der ganze Hohe Rat

Platz, und Joseph saß zwischen Hannas und Kaiaphas, und keiner wagte zu ihm ein Wort zu reden. Und Joseph sprach: »Warum habt ihr

mich vorgeladen?« Und sie nickten Nikodemus zu, er möge zu Joseph sprechen. Nikodemus aber tat seinen Mund auf und sprach zu Joseph:

> Vater, du weißt, daß die verehrten Lehrer und die Priester und die Leviten von dir ein Wort zu vernehmen wünschen.< Und Joseph sagte:

>So fragt!< Und Hannas und Kaiaphas nahmen das Gesetz und ließen Joseph schwören und sagten: >Gibt dem Gott Israels die Ehre und

bekenne ihn! Denn Achas hat, als ihm vom Propheten Josua ein Schwur abgenommen worden war, den Schwur nicht verletzt, sondern hat

ihm alles mitgeteilt und ihm gar nichts verborgen. Auch du also verbirg vor uns nicht das geringste!< Und Joseph sprach: »Ich will vor euch

rein gar nichts verbergen. « Und sie sagten zu ihm: »Wir sind sehr betrübt gewesen, daß du den Leichnam Jesu dir ausgebeten hast und hast

ihn in reine Lein wand gewickelt und hast ihn in ein Grab gelegt. Und deswegen haben wir dich in Gewahrsam gesetzt in einem Haus, in dem

kein Fenster war, und haben Schlösser und Siegel an die Türe gelegt, und Wächter haben Wache gehalten, wo du eingeschlossen warst. Und

als wir am ersten Tag der Woche öffneten, fanden wir dich nicht vor und waren sehr betrübt, und Entsetzen fiel auf das ganze Volk des Herrn

bis gestern. Und nun berichte uns, was dir widerfahren ist!«

6 Und Joseph sprach: »Am Rüsttag um die zehnte Stunde habt ihr mich eingeschlossen, und es änderte sich bei mir nichts den ganzen Sabbat

hindurch. Und um Mitternacht, als ich stand und betete, da wurde das Haus, wo ihr mich eingeschlossen hattet, an den vier Ecken

hochgezogen, und ich sah's wie einen Lichtblitz in meinen Augen. Und ich bekam Furcht und fiel zu Boden. Und es ergreift mich jemand bei

der Hand und schafft mich fort von der Stelle, wo ich niedergefallen war, und ein Wassergeriesel ergoß sich von meinem Kopf bis zu meinen

Füßen, und Salbenduft drang mir in die Nase. Und als er mein Gesicht abgetrocknet hatte, küßte er mich und sprach zu mir: >Fürchte dich

nicht, Joseph! Tu deine Augen auf und sieh, wer mit dir redet !< Und ich blickte auf und sah Jesus. Und ich bekam vor Angst das Zittern und

glaubte, es sei ein Gespenst, und sagte die Gebote auf. Und er sagte sie mit mir auf. Wie ihr ja gut wißt, ergreift ein Gespenst, wenn es einem

begegnet und die Gebote aufsagen hört, die Flucht. Als ich daher sah, daß er sie mit mir aufsagte, sprach ich zu ihm: >Rabbi Elia !< Und er

sprach zu mir: >Ich bin nicht Elia.< Und ich sagte zu ihm: >Wer bist du denn, Herr?< Und er sprach zu mir: >Ich bin Jesus, dessen Leichnam

du dir von Pilatus ausgebeten hast und hast mich in reine Leinwand gewickelt und ein Schweißtuch auf mein Gesicht gelegt und hast mich in

deiner neuen Grabhöhle beigesetzt und hast einen großen Stein an die Tür der Höhle gewälzt. < Und ich sagte zu dem, der mit mir redete:

>Zeige mir den Platz, wo ich dich hingelegt habe!< Und er brachte mich hin und zeigte mir den Platz, wo ich ihn hingelegt hatte, und das

Leintuch lag dort und das Schweißtuch für das Gesicht. Und ich erkannte daran, daß es Jesus war. Und er ergriff mich bei der Hand und

versetzte mich bei verschlossenen Türen mitten in mein Haus und trug mich hin auf mein Bett und sprach zu mir: >Friede sei mit dir!< Und

er küßte mich und sprach zu mir: >Vor 40 Tagen geh nicht aus deinem Hause! Denn siehe, ich ziehe zu meinen Brüdern nach Galiläa.<

16,1 Und als die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten diese Worte von Joseph hörten, wurden sie wie tot und fielen zu

Boden, und sie fasteten bis zur neunten Stunde. Und Nikodemus nebst Joseph ermahnte Hannas und Kaiaphas, die Priester und Leviten mit

den Worten: »Erhebt euch und stellt euch auf eure Füße und verköstigt euch mit Brot und stärkt eure Seelen! Denn morgen ist der Sabbat des

Herrn. < Und sie erhoben sich und beteten zu Gott und aßen und tranken und zogen jedermann in sein Haus.

Der Bericht Levis über das Zeugnis Symeons

2 Am Sabbat aber nahmen unsere Lehrer und die Priester und die Leviten Platz und berieten untereinander und sagten: »Was hat uns für ein

Zorngericht ereilt! Wir kennen ja seinen Vater und seine Mutter. « Da sagte Levi, der Lehrer: »Von seinen Eltern weiß ich, daß sie Gott

fürchten und die Gelübde nicht versäumen und die Zehnten dreimal im Jahr entrichten. Und als Jesus geboren war, brachten ihn seine Eltern

an diesen Platz und brachten Gott Opfer und Brandopfer dar. Und als ihn der große Lehrer Symeon in seine Arme nahm, sprach er: >Nun

lässest du deinen Knecht, Herr, nach deinem Wort in Frieden heimziehen. Denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das du vor dem Angesicht

aller Völker bereitet hast, ein Licht zur Offenbarung den Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel.< Und Symeon segnete

sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: >Ich bringe dir Kunde über dies Kind. < Und Maria sprach: >Gute Kunde, mein Herr!< Und Symeon

sprach zu ihr: >Gute! Siehe, dieser ist bestimmt zum Fallen und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, das Widerspruch finden

wird - und dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele gehen -, denn es sollen aus vielen Herzen die Gedanken enthüllt werden.«< 3 Da

sagen sie zu Levi, dem Lehrer: >Woher weißt du das denn?< Da sagt Levi zu ihnen: > Wißt ihr nicht, daß ich bei Symeon das Gesetz gelernt

habe?< Da sagte zu ihm der Hohe Rat: »Wir möchten gern deinen Vater sehen. « Und er ließ seinen Vater holen. Und als sie ihn fragten,

sagte er zu ihnen: »Warum habt ihr meinem Sohn nicht geglaubt? Der verehrungswürdige und gerechte Symeon selbst hat ihn das Gesetz

gelehrt.« Da sagt der Hohe Rat: >Rabbi Levi, ist das Wort wahr, das du gesagt hast?< Und er sagte: > Es ist wahr!< Und es sprachen die

Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten zueinander: »Auf, so wollen wir nach Galiläa schicken zu den drei Männern, die

gekommen waren und erzählt hatten, wie er, Jesus, seine Jünger gelehrt habe und in den Himmel emporgehoben worden sei, und sie sollen

uns sagen, wie sie ihn sahen. « Und dieser Vorschlag sagte allen zu. Und sie schickten die drei Männer, die schon einmal mit ihnen nach

Galiläa fortgezogen waren, und sagten zu ihnen: »Saget Rabbi Adas und Rabbi Phinees und Rabbi Haggai: >Friede sei mit euch und allen,

die bei euch sind! Weil es eine heftige Auseinandersetzung im Hohen Rat gegeben hat, haben wir zu euch gesandt, um euch an diesen

heiligen Ort Jerusalem zu bitten.<«

Verhandlungen im Hohen Rat: allgemeine Anerkennung von Jesu Auferstehung und Himmelfahrt

4 Und die Männer zogen nach Galiläa und fanden sie, wie sie dasaßen und über das Gesetz nachsannen. Und sie grüßten sie mit dem

Friedensgruß, und es sagten die Männer in Galiläa zu denen, die zu ihnen hingezogen waren: »Friede über das ganze Israel!« Und sie sagten:

»Friede sei mit euch!« Die aber sagten wiederum zu ihnen: >Warum seid ihr gekommen?< Und es sagten die Abgesandten: »Der Hohe Rat

lädt euch ein in die heilige Stadt Jerusalem. « Als aber die Männer hörten, daß sie vom Hohen Rat gewünscht wurden, wandten sie sich im

Gebet an Gott. Und sie legten sich mit den Männern, die sie hatten holen sollen, zu Tisch und aßen und tranken und erhoben sich und zogen

im Frieden hin nach Jerusalem.

5 Und am folgenden Tage trat der Hohe Rat in der Synagoge zur Sitzung zusammen, und sie fragten sie und sagten: »Habt ihr tatsächlich

Jesus auf dem Berge Mamilch sitzen sehen, wie er seine Jünger gelehrt hat, und habt ihr tatsächlich gesehen, daß er in den Himmel

emporgehoben wurde?« Und es gaben ihnen die

Männer zur Antwort und sagten: > Wie wir gesehen haben, daß er emporgehoben wurde, genau so haben wir's auch gesagt.<

6 Da sagt Hannas: > Trennt sie voneinander! Wir wollen sehen, ob ihre Aussage übereinstimmt.< Und sie rufen zuerst Adas und sagen zu

ihm: » Wie hast du gesehen, daß Jesus emporgehoben wurde?« Da sagt Adas: >Während er noch dasaß auf dem Berge Mamilch und seine

Jünger lehrte, sahen wir eine Wolke ihn und seine Jünger überschatten, und es führte ihn die Wolke empor in den Himmel, und seine Jünger

lagen mit dem Angesicht auf dem Boden.< Und sie rufen Phinees, den Priester, und fragten ihn und sagten: »Wie hast du gesehen, daß Jesus

emporgehoben wurde?« Und er sagte genau so. Sie fragten aber weiter Haggai, und er sagte genau so. Und es sprach der Hohe Rat: >Das

Gesetz Moses enthält die Bestimmung: >Auf dem Mund von zwei oder drei Zeugen soll jede Sache stehen.<<

Da sagt Buthem, der Lehrer: >Es steht im Gesetz geschrieben: >Und es wandelte Henoch mit Gott, und auf einmal war er nicht mehr da, weil

Gott ihn zu sich in den Himmel genommen hatte.<< Der Lehrer Jairus sagte: »Wir haben auch vom Tod des heiligen Mose gehört und haben

ihn nicht gesehen. Es steht ja im Gesetz des Herrn geschrieben: >Und Mose starb nach dem Munde des Herrn, und es kannte niemand sein

Grab bis auf diesen Tag.<« Und Rabbi Levi sagte: »Was hat Rabbi Symeon gesagt, als er Jesus sah: >Siehe, dieser ist bestimmt zum Fallen

und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, das Widerspruch finden wird<?« Und Rabbi Isaak sagte: > Es steht im Gesetz

154

geschrieben: >Siehe, ich sende meinen Engel vor deinem Angesicht her, der wird dir vorangehen, um dich zu behüten auf jedem guten

Wege, weil mein Name auf dem Wege genannt

ist.<<

7 Darauf sprachen Hannas und Kaiaphas : > Mit Recht habt ihr gesagt, was im Gesetz des Mose geschrieben steht, daß niemand den Tod

Henochs gesehen und niemand den Tod Moses erzählt hat. Jesus aber hat sich vor Pilatus verantworten müssen, und wir haben gesehen, daß

er Streiche empfangen hat und in sein Gesicht gespien bekam. Die Soldaten haben ihm einen Kranz aus Dornen umgelegt, und er ist

gegeißelt worden und hat den Urteilsspruch von Pilatus empfangen. Er ist auf dem Schädelplatz gekreuzigt worden und zwei Räuber mit

ihm.

Essig mit Galle haben sie ihm zu trinken gegeben, und der Soldat Longinus hat mit einer Lanze seine Seite durchbohrt. Seinen Leichnam hat

sich unser verehrter Vater Joseph ausgebeten, und wie er sagt, ist er auferstanden, wie denn auch die drei Männer sagen: >Wir haben

gesehen, wie er in den Himmel emporgehoben wurde.< Rabbi Levi hat gesagt und bezeugt, was von Rabbi Symeon gesagt worden ist, daß er

nämlich gesagt hat: >Siehe, dieser ist bestimmt zum Fallen und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, das Widerspruch finden

wird.<< Und es sprachen alle Lehrer zum ganzen Volk des Herrn: > Wenn das vom Herrn geschehen ist und wunderbar ist in unseren

Augen, so sollt ihr, Haus Jakobs, erkennen, daß geschrieben steht: >Verflucht ist jeder, der am Holze hängt. < Und eine andere Schriftstelle

lehrt: >Götter, die den Himmel und die Erde nicht gemacht haben, werden umkommen.<< Und es sagten die Priester und die Leviten

zueinander: >Wenn sein Andenken bis zu Som, der Jobel heißt, bestehen bleibt, so erkennt, daß er die Herrschaft besitzt bis in Ewigkeit und

sich ein neues Volk erweckt!< Da trugen die Synagogenvorsteher und die Priester und die Leviten dem ganzen Israel auf und sagten: >

Verflucht der Mann, der künftig noch das Gebilde aus Menschenhand anbetet, und verflucht der Mann, der Geschöpfe statt des Schöpfers

anbetet!< Und alles Volk sprach: >Amen! Amen!<

8 Und es brachte das ganze Volk dem Herrn einen Lobgesang dar und sprach: > Gepriesen sei der Herr, der dem Volk Israel Ruhe gegeben

hat entsprechend allem, was er geredet hat! Nicht ein einziges Wort ist hinfällig geworden von allen seinen guten Worten, die er zu Mose,

seinem Knecht, geredet hat. Der Herr, unser Gott, sei mit uns, wie er mit unseren Vätern war! Er lasse uns nicht umkommen! Nicht lasse er

uns umkommen, um vielmehr unser Herz zu sich zu neigen, daß wir wandeln in allen seinen Wegen, seine Gebote halten und seine Rechte,

die er unseren Vätern aufgetragen hat! Und der Herr wird König sein über die ganze Erde an jenem Tage, und es wird ein Herr sein und sein

Name einer. Der Herr ist unser König, er wird uns retten. Niemand ist dir gleich, Herr! Groß bist du, Herr, und groß ist dein Name durch

deine Macht. Heile uns, Herr, und wir werden heil sein; rette uns, Herr, und wir werden gerettet sein. Denn dein Teil und Erbe sind wir, und

es wird der Herr sein Volk nicht lassen um seines großen Namens willen; denn begonnen hat der Herr, uns zu seinem Volk zu machen.<

Und als sie den Lobgesang dargebracht hatten, gingen sie alle heim, jedermann in sein Haus, und priesen Gott. Denn seine Herrlichkeit ist in

die Ionen der Äonen. Amen!

Christi Abstieg in die Unterwelt Aufforderung der Söhne Symeons zu einem Bericht über ihre Auferweckung

1 Da sagt Joseph: > Was wundert ihr euch eigentlich, daß Jesus auferweckt worden ist? Nicht das ist wunderbar, sondern wunderbar ist

vielmehr das, daß er nicht allein auferweckt worden ist, sondern daß er auch viele andere Tote auferweckt hat, die sich in Jerusalem vielen

gegenüber gezeigt haben. Und wenn ihr die anderen nicht kennt, dann doch den Symeon, der Jesus als Kind in die Arme genommen hat. Und

seine beiden Söhne, die er, Jesus, hat auferstehen lassen, die kennt ihr doch. Denn wir haben sie erst vor kurzem begraben. Jetzt aber kann

man sehen, daß ihre Gräber offen und leer sind, sie selbst aber leben und halten sich in Arimathia auf.< Da schickten sie Männer aus, und die

fanden ihre Grabstätten offen und leer. Da sagt Joseph: >So wollen wir nach Arimathia gehen und sie aufsuchen!<

2 Darauf machten sich auf die Hohenpriester Hannas und Kaiaphas sowie Joseph und Nikodemus und Gamaliel und andere mit ihnen und

gingen hin nach Arimathia und fanden die vor, von denen Joseph gesprochen hatte. Sie hielten ein Gebet und begrüßten einander. Danach

kamen sie mit ihnen nach Jerusalem, und sie brachten sie in die Synagoge, und sie sicherten die Türen und legten in die Mitte das Alte

Testament der Juden, und es sprachen zu ihnen die Hohenpriester: > Schwört bitte auf den Gott Israels und Adonai, und daraufhin sollt ihr

uns die Wahrheit sagen, wie ihr auferstanden seid und wer euch von den Toten hat auferstehen lassen!<

3 Als die Männer, die auferstanden waren, das hörten, machten sie auf ihre Gesichter das Zeichen des Kreuzes, und sagten zu den

Hohenpriestern: > Gebt uns Papier und Tinte und Feder!< Man brachte ihnen dies, und sie setzten sich hin und schrieben folgendermaßen:

Die Predigt Johannes des Täufers an die Toten

1 Herr Jesus Christus, du, die Auferstehung und das Leben der Welt, gib uns Gnade, daß wir deine Auferstehung erzählen können und deine

wunderbaren Taten, die du im Hades getan hast! Wir also waren im Hades zusammen mit allen denen, die von Urzeiten her entschlafen sind.

In der Stunde aber der Mitternacht strahlte es in jener Finsternis auf wie Sonnenlicht und leuchtete, und wir wurden allesamt beschienen und

sahen einer den anderen. Und sogleich tat sich unser Vater Abraham mit den Patriarchen und den Propheten zusammen, und miteinander von

Freude erfüllt sagten sie einer zum andern: > Das ist das Licht vom verheißenen großen Leuchten!< Der Prophet Jesaja, der dort anwesend

war, sagte: > Das ist das Licht vom Vater und vom Sohn und vom heiligen Geist! Über das habe ich, als ich noch lebte, prophezeit und

gesagt: >Land Sebulon und Land Naphthali, das Volk, das in Finsternis sitzt, siehe, ein großes Licht erstrahlt ihm.<<

2 Danach kam ein anderer in die Mitte, ein Asket aus der Wüste, und es sagten zu ihm die Patriarchen: >Wer bist du?< Er aber sprach: > Ich

bin Johannes, das Ende der Propheten, der ich den Weg des Sohnes Gottes gerade gemacht und dem Volk Buße zur Vergebung der Sünden

verkündigt habe. Und der Sohn Gottes ist zu mir gekommen, und als ich ihn von weitem sah, sprach ich zum Volk: >Siehe, das Lamm

Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!< Und mit meiner Hand habe ich ihn im Jordanfluß getauft und habe auch den heiligen Geist wie

eine Taube auf ihn kommen sehen und habe auch die Stimme Gottvaters gehört, der da sprach: >Dieser ist mein geliebter Sohn, den ich

auserkoren habe.< Und deswegen hat er mich auch zu euch gesandt, damit ich euch verkündige, daß der eingeborene Sohn Gottes hierher

kommt, auf daß jeder, der an ihn glaubt, gerettet wird, wer aber nicht an ihn glaubt, verurteilt werden wird. Deswegen sage ich euch allen:

jetzt ist für euch der Augenblick, Buße zu tun dafür, daß ihr in der oberen nichtigen Welt die Götzen angebetet habt, und für das, was ihr

gesündigt habt. Zu einem anderen Zeitpunkt aber wird das nicht mehr möglich sein.<

Das Zeugnis Seths über die Verheißung an Adam

Als Johannes nun die im Hades also lehrte, da sagt Adam, der Erstgeschaffene und Ahnherr, als er's hörte, zu seinem Sohne Seth: > Mein

Sohn, sag bitte den Vorvätern des Menschengeschlechts und den Propheten, wohin ich dich gesandt habe, als ich mich seinerzeit hinlegte,

um zu sterben!< Seth aber sagte: > Propheten und Patriarchen, hört! Als mein Vater Adam, der Erstgeschaffene, sich einst zum Sterben

hinlegte, sandte er mich, um ein Bittgebet an Gott zu richten ganz nah am Tor des Paradieses, daß er mich durch einen Engel an den Baum

der Barmherzigkeit geleiten lasse und ich dort Öl aufnehmen und meinen Vater damit salben möge und er von seiner Schwachheit wieder

aufstehe. Und nach dem Gebet kam ein Engel des Herrn und sagt zu mir: >Was wünschst du, Seth? Wünschst du Öl, das die Schwachen

aufstehen läßt, oder wenigstens den Baum, der solches Öl ausfließen läßt, um der Schwachheit deines Vaters willen? Das ist jetzt noch nicht

anzutreffen. Geh drum hin und sag deinem Vater: wenn von Erschaffung der Welt an 5500 Jahre vollendet sind, dann kommt der

eingeborene Sohn Gottes, Mensch geworden, auf die Erde herab. Der wird ihn mit diesem Öl salben, und er wird auferstehen, und mit

Wasser und heiligem Geist wird er ihn und die aus ihm, seine Nachkommen, waschen, und dann wird er von aller Krankheit geheilt sein.

Jetzt aber ist das nicht möglich.<< Als die Patriarchen und die Propheten das hörten, da freuten sie sich gar sehr.

Auseinandersetzung zwischen Satan und Hades

155

1 Während sie alle aber von solcher Freude bewegt waren, kam der Satan, der Erbe der Finsternis, und sagt zum Hades: >Du Allesfresser

und Unersättlicher, höre meine Worte! Einer aus dem Geschlecht der Juden, Jesus geheißen, nennt sich selbst Gottes Sohn, ist aber nur ein

Mensch: den haben dank unserer Mitwirkung die Juden gekreuzigt. Und jetzt, wo er gestorben ist, halte dich bereit, daß wir ihn hier in

Verwahrung nehmen! Denn ich weiß, daß er nur ein Mensch ist, und habe ihn ja auch sagen hören: >Tiefbetrübt ist meine Seele bis zum

Tode.< Er hat mir viel Böses zugefügt in der oberen Welt, als er mit den Sterblichen zusammen wandelte. Denn wo er meine Knechte antraf,

da hat er sie verfolgt, und wie viele Menschen ich verkrüppelt, blind, lahm, aussätzig und dergleichen mehr gemacht habe, er hat sie durch

das Wort allein gesund gemacht, und viele hatte ich hergerichtet fürs Begrabenwerden, und die hat er durch das Wort allein wieder lebendig

gemacht.< 2 Da sagt der Hades: > Und so stark ist dieser, daß er durch das Wort allein dergleichen tut? Und du kannst, wenn das von ihm

gilt, ihm Widerstand leisten? Mir scheint, wenn das von ihm gilt, dann wird niemand ihm Widerstand leisten können. Wenn du aber sagst, du

habest gehört, daß er sich vor dem Tode gefürchtet habe, so hat er das sicher nur gesagt, um dich zu narren, und im Scherz, in der Absicht,

dich um so leichter mit starker Hand zu packen. Wehe, wehe dir in alle Ewigkeit! < Da sagt der Satan: > Du allesfressender und

unersättlicher Hades! Hast du solche Angst bekommen, als du von unserem gemeinsamen Feind gehört hast? Ich habe keine Angst vor ihm

gehabt, sondern habe die Juden dahin gebracht, und sie haben ihn gekreuzigt und haben ihm sogar Essig mit Galle zu trinken gegeben. Mach

dich also bereit, ihn, wenn er kommt, kräftig festzuhalten!< 3 Da antwortete der Hades: »Erbe der Finsternis, Sohn des Verderbens, Teufel!

Du hast mir da gesagt, daß er viele, die du fürs Begrabenwerden hergerichtet hattest, durch das Wort allein lebendig gemacht hat. Wenn er

aber andere vom Begrabenwerden befreit hat, wie und mit welcher Kraft sollte er da von uns fest gehalten werden? Vor kurzem hatte ich

einen Toten mit Namen Lazarus verschlungen, und bald danach hat einer von den Lebenden durch das Wort allein ihn gewaltsam aus

meinem Inneren heraufgezogen. Ich glaube, daß das der gewesen ist, von dem du sprichst. Wenn wir den hier aufnehmen, so fürchte ich, daß

wir auch wegen der übrigen in Gefahr geraten. Denn sieh, bei allen, die ich von Urzeiten her verschlungen habe, beobachte ich, daß sie auf

einmal unruhig sind, und ich habe Schmerzen in meinem Bauch. Mir scheint, der Lazarus, der mir da seinerzeit entrissen worden ist, ist kein

gutes Vorzeichen! Denn nicht wie ein Toter, sondern wie ein Adler ist er mir davongegangen. So rasch hat die Erde ihn herausgeschleudert.

Deswegen beschwöre ich dich bei deinem und meinem Wohlergehen, bring ihn den, von dem du sprichst, nicht hierher! Denn ich glaube,

daß er hier nur deswegen erscheint, um alle Toten auferstehen zu lassen. Das sage ich dir - bei der Finsternis, die uns eigen ist!-, wenn du ihn

hierher bringst, wird mir kein einziger von den Toten übrigbleiben! «

Christi Einzug in das Totenreich

1 Während der Satan und der Hades so zueinander redeten, erging eine gewaltige Stimme wie Donner, die sprach: > Hebt hoch eure Tore, ihr

Herrscher, und erhebt euch, ewige Tore! Es wird einziehen der König der Herrlichkeit.< Als der Hades das hörte, sagt er zum Satan: > Geh

nach draußen, wenn du kannst, und leiste ihm Widerstand!< So ging der Satan denn nach draußen. Darauf sagt der Hades zu seinen

Dämonen: > Sichert gut und stark die ehernen Tore und die eisernen Riegel, und haltet meine Sperren und gebt, in Kolonnen aufgestellt, auf

alles acht! Denn wenn er erst hereinkommt, dann -wehe ! -wird er sich unserer bemächtigen.

2 Als die Vorväter das hörten, begannen sie ihn zu schmähen und sagten: »Du Allesfresser und Unersättlicher! Mach auf, daß der König der

Herrlichkeit ein ziehe! « David, der Prophet, sagt: > Weißt du nicht, du Verblendeter, daß ich, als ich noch in der Welt lebte, diese Stimme

>Hebt hoch eure Tore, ihr Herrscher< prophezeit habe?< Jesaja sprach: > Ich habe dies vorausgesehen und, vom heiligen Geist geleitet,

geschrieben: >Es werden auferstehen die Toten und erweckt werden die in den Gräbern, und es werden sich freuen die auf Erden< und >Wo

ist, Tod, dein Stachel? Wo ist Hades, dein Sieg?<< 3 Da erging wieder die Stimme, die sprach: >Hebt hoch eure Tore! < Als der Hades zum

zweitenmal die Stimme hörte, gab er zur Antwort, als ob er's scheinbar nicht wußte, und sagt: > Wer ist dieser König der Herrlichkeit?< Da

sagen die Engel des Gebieters: »Der Herr voller Kraft und Macht, der Herr, mächtig im Streit! « Und alsbald zugleich mit diesem Wort

wurden die ehernen Tore zerbrochen und die eisernen Ringe zerschmettert, und die Toten allesamt, die gefesselt waren, wurden ihre Fesseln

los und wir mit ihnen. Und es zog der König der Herrlichkeit ein, dem Aussehen nach wie ein Mensch, und alle Finsternis des Hades

erstrahlte im Licht.

Die Besiegung des Hades und des Satan

1 Sogleich rief der Hades: > Wir sind besiegt. Weh uns! Doch wer bist du, der du solche Vollmacht und Kraft hast? Und welcher Art bist du,

der du ohne Sünde hierher gekommen bist, der du klein scheinst und Großes vermagst, der du niedrig bist und hoch, der du Knecht bist und

Gebieter, Soldat und König, der du über die Toten und die Lebendigen die Macht ausübst? Ans Kreuz bist du angenagelt und ins Grab bist

du gelegt worden, und jetzt bist du frei geworden und hast alle unsere Macht zerstört. Bist du der Jesus, von dem uns Satan, der Obersatrap,

gesprochen hat, weil du im Begriff bist, durch Kreuz und Tod hindurch die ganze Welt zum Erbe zu nehmen?< 2 Darauf faßte der König der

Herrlichkeit den Satan, den Obersatrapen, beim Schopfe und übergab ihn den Engeln und sprach: > Bindet ihn mit eisernen Ketten an den

Händen und den Füßen und am Hals und an seinem Mund! < Danach übergab er ihn dem Hades und sagte: > Nimm ihn und behalt ihn sicher

in Verwahrung bis zu meiner zweiten Parusie!< Und der Hades übernahm den Satan und sagte zu ihm: > Beelzebul, Erbe des Feuers und der

Pein, Feind der Heiligen! Warum ausgerechnet mußtest du es so einrichten, daß der König der Herrlichkeit gekreuzigt wurde, so daß er nun

hierher gekommen ist und uns unserer Macht entkleidet hat? Wende dich um und sieh: kein einziger Toter ist in mir übrig geblieben, sondern

alles, was du durch das Holz der Erkenntnis gewonnen hattest, das hast du alles durch das Holz des Kreuzes verloren, und deine ganze

Freude hat sich in Trauer gewandelt. Den König der Herrlichkeit hast du töten wollen und hast dich selbst getötet. Denn nachdem ich dich

übernommen habe, um dich sicher in Verwahrung zu behalten, da wirst du aus eigener Erfahrung lernen, was alles ich an Bösem gegen dich

unternehmen werde. Du Oberteufel, Oberhaupt des Todes, Wurzel der Sünde, Ende alles Bösen! Was hast du an Jesus Schlechtes gefunden,

daß du seinen Untergang betrieben hast? Wie hast du es wagen können, soviel Unrecht zu tun? Warum bist du darauf bedacht gewesen, einen

Menschen in diese Finsternis hinabzuführen, durch den du um alle, die seit Urzeiten gestorben waren, gebracht worden bist?<

Die Auferweckung Adams und der übrigen Toten

1 Während aber der Hades so zum Satan sprach, streckte der König der Herrlichkeit seine rechte Hand aus und ergriff und erweckte Adam

auf, den Ahnherrn. Danach wandte er sich auch zu den übrigen und sprach: »Her zu mir, alle, die ihr durch das Holz, von dem dieser

gekostet hat, zu Tode gebracht worden seid! Denn siehe, ich will euch wiederum durch das Holz des Kreuzes auferstehen lassen.« Dazu jagte

er alle hinaus, und Adam, der Ahnherr, der sich von herzlicher Freude erfüllt zeigte, sagte: > Ich danke deiner Majestät dafür, daß du mich

aus dem Hades tief drunten heraufgeführt hast. < In gleicher Weise sagten auch alle die Propheten und die Heiligen: >Wir danken dir dafür,

Christus, Heiland der Welt, daß du unser Leben aus der Verderbnis heraufgeführt hast.

2 Und als sie das gesagt hatten, segnete der Heiland den Adam an der Stirne mit dem Zeichen des Kreuzes. Das Gleiche tat er auch an den

Patriarchen und Propheten und Märtyrern und Vorvätern und nahm sie mit sich und zog eilends aus dem Hades empor. Während er aber

dahinzog, sangen die heiligen Väter, die ihm folgten, und sagten: > Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Halleluja! Ihm sei die

Ehre von Seiten aller Heiligen dargebracht!<

Empfang der Auferweckten im Paradies

25 Während er so in das Paradies zog, hielt er Adam, den Ahnherrn, an der Hand und übergab ihn sowie alle Gerechten dem Erzengel

Michael. Als sie durch die Tür des Paradieses einzogen, da kamen ihnen zwei hochbetagte Männer entgegen, zu denen die heiligen Väter

sagten: > Wer seid ihr, die ihr den Tod nicht gesehen habt und nicht in den Hades gekommen seid, sondern mit Leib und Seele im Paradies

eure Wohnung habt?< Einer von ihnen gab zur Antwort und sagte: > Ich bin Henoch, der Gott wohlgefällig gewesen und von ihm hierher

versetzt worden ist, und das da ist Elia, der Thesbiter. Wir sollen bis zum Abschluß des Äons am Leben bleiben, dann aber sollen wir von

156

Gott ausgesandt werden, um dem Antichrist Widerstand zu leisten und von ihm getötet zu werden und nach drei Tagen aufzuerstehen und in

Wolken hingerissen zu werden zur Begegnung mit dem Herrn.< 26 Während sie das sagten, kam ein anderer, armselig aussehender Mensch,

der auf seiner Schulter ein Kreuz trug. Zu dem sagten die heiligen Väter: > Wer bist du, der du das Aussehen eines Räubers hast, und was ist

mit dir, daß du ein Kreuz auf den Schultern schleppst?< Er gab zur Antwort: > Ich bin, ganz wie ihr sagt, in der Welt ein Räuber und ein

Dieb gewesen, und deswegen hatten mich die Juden gegriffen und mich zusammen mit unserem Herrn Jesus Christus dem Tod am Kreuz

ausgeliefert. Als er jedoch am Kreuz hing, da bin ich, als ich die Zeichen sah, die geschahen, zum Glauben an ihn gekommen, und habe ihn

gebeten und gesagt: >Herr, wenn du König sein wirst, so vergiß mich nicht!< Und sogleich sprach er zu mir: >Wahrlich, wahrlich, heute

sage ich dir: du wirst mit mir zusammen im Paradiese sein.< So trug ich denn mein Kreuz und kam in das Paradies und traf dort den Erzengel

Michael an und sagte zu ihm: >Unser Herr Jesus, der Gekreuzigte, hat mich hierher geschickt. Führe mich nun durch das Tor von Eden!<

Und als das flammende Schwert das Zeichen des Kreuzes sah, öffnete es mir, und ich trat ein. Danach spricht zu mir der Erzengel:

>Verweile ein wenig! Denn es kommt bald Adam, der Ahnherr des Menschengeschlechts, samt den Gerechten, damit auch sie hier

hereinkommen.< Wie ich euch jetzt sah, bin ich euch entgegengekommen.< Als die Heiligen das hörten, riefen sie alle mit lauter Stimme: >

Groß ist unser Herr und groß seine Macht!<

Abschluß

Dies alles haben wir beiden Brüder gesehen und gehört. Wir sind denn auch von dem Erzengel Michael gesandt worden und haben den

Auftrag erhalten, die Auferstehung des Herrn zu verkündigen, zuvor aber hinzugehen zum Jordan und uns der Taufe zu unterziehn. Dorthin

sind wir auch gegangen und haben uns der Taufe unterzogen zusammen mit anderen Toten, die ebenfalls auferstanden waren. Danach sind

wir auch nach Jerusalem gekommen und haben das Passah der Auferstehung gefeiert. Jetzt aber, wo wir hier nicht länger uns aufhalten

können, ziehen wir davon. Und die Liebe Gottes, des Vaters, und die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen

Geistes sei mit euch allen!

Als sie das geschrieben und die Rollen gesichert hatten, gaben sie sie zur Hälfte den Hohenpriestern und zur Hälfte Joseph und Nikodemus.

Sie selbst waren alsbald nicht mehr zu sehen - zur Ehre unseres Herrn Jesus Christus. Amen!

Pilatus - ein Heiliger?

Von der sonstigen Pilatusliteratur soll nur noch ein Bericht zitiert werden, der klärt, warum die koptische Kirche Pilatus als Heiligen verehrt.

Pilatus wird enthauptet, weil er Jesus kreuzigen ließ. Ein Engel des Herrn aber trug sein Haupt in den Himmel.

Textquelle: Nikodemusevangelium: Brief des Pontius Pilatus

Pontius Pilatus grüßt seinen Kaiser Claudius. Kürzlich trug sich etwas zu, was ich selbst aufgedeckt habe. Die Juden haben aus Haß über sich

und ihre Nachkommen ein grausames Strafgericht herabgezogen. Da nämlich ihre Väter die Verheißung hatten, Gott würde ihnen seinen

Heiligen vom Himmel herabsenden, der mit Recht ihr König heißen würde und den Gott seinem Versprechen gemäß ihnen durch eine

Jungfrau auf die Erde schicken würde, als dieser nun unter meiner Statthalterschaft nach Judäa gekommen war und sie sahen, daß er Blinden

das Augenlicht wiedergab, Aussätzige reinigte, Gelähmte heilte, böse Geister aus den Menschen austrieb, sogar Tote auferweckte, den

Winden gebot, trockenen Fußes über die Wogen des Meeres wandelte und viele andere Wunder vollbrachte, und als das ganze Judenvolk ihn

als Gottessohn anerkannte, da wurden die Führer der Priesterschaft vom Haß gegen ihn ergriffen. Sie faßten ihn und übergaben ihn mir, und

Lügen über Lügen vorbringend, beschuldigten sie ihn, er sei ein Magier und übertrete ihr Gesetz. Ich aber glaubte, es sei so, ließ ihn geißeln

und übergab ihn ihrer Willkür. Sie aber kreuzigten ihn und stellten Wächter an sein Grab. Er aber stand am dritten Tage, während meine

Krieger Wache hielten, wieder auf. Die Juden aber ließen sich in ihrer Schlechtigkeit so weit fortreißen, daß sie meinen Kriegern Geld gaben

und sprachen: Saget, seine Jünger hätten seinen Leichnam gestohlen. Aber obwohl diese das Geld annahmen, brachten sie es nicht fertig, das

Geschehene zu verschweigen Sie bezeugten nämlich, er sei auferstanden, und sie hätten es gesehen, und sie hätten von den Juden Geld

bekommen. Dies habe ich deshalb vorgebracht, damit nicht einer den Sachverhalt falsch darstelle und du den Lügen der Juden Glauben

schenken zu müssen vermeinest.

Prozeß und Todesurteil

Als das Schreiben des Pilatus in Rom anlangte und dem Kaiser, während nicht wenige dabei standen, vorgelesen wurde, da entsetzten sich

alle darüber, daß durch das gesetzwidrige Vorgehen des Pilatus die Finsternis und das Beben über die ganze Erde gekommen war, und der

Kaiser entsandte von Zorn erfüllt Soldaten mit dem Befehl, den Pilatus in Fesseln herzuführen. Als er nun nach Rom gebracht worden war

und der Kaiser hörte, daß Pilatus zur Stelle sei, da nahm er seinen Sitz im Tempel der Götter in Gegenwart des gesamten Senats und des

ganzen Heeres und all der Großen seines Reiches. Und er befahl dem Pilatus vorzutreten und sprach zu ihm: Wie konntest du dir derartiges

herausnehmen, du verruchter Mensch, da du doch so gewaltige Wunder bei jenem Manne wahrnahmst? Durch dein ruchloses Vorgehen hast

du die ganze Welt zugrunde gerichtet. Pilatus erwiderte: Allmächtiger Kaiser, ich bin unschuldig daran; der Anstifter und Schuldige ist die

Masse der Juden. Der Kaiser fragte darauf: Wer gehört dazu? Pilatus: Herodes, Archelaos, Philippos, Annas und Kaiphas und die ganze

Masse der Juden. Darauf der Kaiser: Weshalb hast du den Rat jener befolgt? Pilatus: Aufrührerisch und aufsässig ist dieses Volk; es ordnet

sich deiner Herrschaft nicht unter. Der Kaiser erklärte darauf: Sobald sie ihn dir übergaben, mußtest du ihn in sicheren Gewahrsam nehmen

und ihn zu mir senden, nicht durftest du ihnen folgen und einen solchen Mann kreuzigen lassen, der gerecht war und solche herrlichen

Wunder gewirkt hatte, wie du sie in deinem Bericht erwähnt hast. Denn aus solchen Wundern ging klar hervor, daß Jesus der Christus war,

der König der Juden. Als der Kaiser so sprach und den Namen Christus nannte, da fielen da, wo der Kaiser mit dem Senate saß, die ganzen

Götter zusammen und wurden zu Staub. Alles Volk aber, das neben dem Kaiser stand, bekam das Zittern ob der Nennung des Namens und

des Falles seiner Götter, und, von Furcht gepackt, gingen sie alle weg, ein jeder zu seinem Hause, staunend über das Geschehene. Der Kaiser

aber befahl, den Pilatus in sicherem Gewahrsam zu halten, damit er die Wahrheit über Jesus erfahre. Am folgenden Tage hielt der Kaiser mit

dem ganzen Senat eine Sitzung auf dem Kapitol ab und machte sich daran, den Pilatus zu verhören. Und es sprach der Kaiser: Sage die

Wahrheit, Verruchter, da durch dein gottloses Verfahren, das du gegen Jesus beliebtest, sich auch hier die Wirkung deiner Untat zeigte in

dem Zusammenstürzen der Götter. Sage also: Wer ist jener Gekreuzigte, daß sein Name alle Götter zunichte machte? Pilatus antwortete:

Fürwahr, seine Prozeßakten entsprechen der Wahrheit. Denn auch ich kam auf Grund seiner Taten zu der Überzeugung, daß er größer ist als

alle die Götter, die wir verehren. Darauf der Kaiser: Weshalb bist du nun mit solchem Frevelmut gegen ihn vorgegangen, obwohl du ihn

kanntest? Damit mußt du doch meinem Reiche einen schlimmen Streich haben spielen wollen! Pilatus erwiderte: Wegen der

widergesetzlichen Aufruhrneigung der gesetz- und gottlosen Juden habe ich das getan. Da beriet sich der Kaiser, von Zorn erfüllt, mit dem

ganzen Senat und seiner ganzen Streitmacht, und er ließ folgenden Beschluß gegen die Juden protokollieren: Gruß an Licianus, den

Kommandanten im Orient! In der jetzigen Zeit verübten die in Jerusalem und den benachbarten Städten wohnenden Juden eine widergesetzliche

Freveltat, indem sie Pilatus zwangen, den als Gott anerkannten Jesus

zu kreuzigen. Ob dieses ihres Frevels wurde die Erde verdunkelt und ins Verderben gerissen. Wolle nun auf Grund dieses Beschlusses dich

schleunigst mit starkem Truppenaufgebot dorthin begeben und sie zu Kriegsgefangenen machen. Gehorche und gehe gegen sie vor und

mache sie zu Sklaven, indem du sie unter alle Völker verstreust und indem du sie aus Judäa verjagst, mache das Volk winzig klein, so daß es

überall nicht mehr in die Augen fällt, da es Menschen voller Bosheit sind. Als dieser Beschluß im Orient anlangte, da befolgte Licianus seine

furchtbaren Bestimmungen und vernichtete das ganze jüdische Volk, und die in Judäa Übrigbleibenden verstreute er als Sklaven unter die

Völker, so daß der Kaiser, als ihm das Vorgehen des Licianus gegen die Juden im Orient bekannt wurde, sein Gefallen daran hatte. Und

wiederum verhörte der Kaiser den Pilatus und befahl einem Amtsträger mit Namen Albinus, ihn zu enthaupten, indem er sprach: Wie dieser

157

Hand anlegte an den Gerechten, der Christus genannt wurde, so soll er in gleicher Weise fallen und keine Rettung finden. Pilatus mußte also

zur Richtstätte gehen und betete still: O Herr, vernichte mich nicht mit den bosheitsvollen Hebräern, weil ich unter dem Zwang des

gesetzlosen Judenvolkes Hand an dich legte, da sie einen Aufruhr gegen mich anzettelten. Du weißt ja, daß ich in Unkenntnis handelte.

Verdamme mich also nicht ob dieser Sünde, sondern verzeihe mir, Herr, und deiner Dienerin Prokla, die in dieser Stunde meines Todes

neben mir steht, die du auch prophezeien ließest, daß du ans Kreuz geschlagen werden müßtest. Verurteile wegen meiner Sünde nicht auch

sie, sondern sei uns gnädig und reihe uns in die Zahl deiner Gerechten ein. Und siehe, als Pilatus sein Gebet beendet hatte, da erscholl eine

Stimme vom Himmel: Selig preisen werden dich alle Generationen und Stämme der Völker, weil unter deiner Statthalterschaft all das in

Erfüllung ging, was die Propheten von mir geweissagt hatten. Und du selbst wirst als mein Zeuge bei meinem zweiten Kommen erscheinen,

wenn ich die zwölf Stämme Israels und die, welche meinen Namen nicht bekannt haben, richten werde. Und der Präfekt schlug Pilatus das

Haupt ab, und siehe, ein Engel des Herrn nahm es auf. Als seine Frau Prokla den Engel kommen und das Haupt aufnehmen sah, da erfüllte

sie Freude, und sogleich gab sie ihren Geist auf und wurde mit ihrem Manne begraben.

Das Bartholomäus-Evangelium

Im Bartholomäus-Evangelium, das inhaltlich und formal Parallelen zu gnostischen Evangelien aufweist, stellt Bartholomäus Fragen an Jesus,

an Maria und schließlich an den Beelzebub. So erfahren wir, was Jesus im Hades machte, wie viele Seelen Eingang ins Paradies fanden, wie

Maria empfangen hat, was Beelzebub in der Welt angestellt hat.

Textquelle: Das Bartholomäus-Evangelium

In der Zeit vor der Passion unseres Herrn Christus waren einmal alle Apostel versammelt. Da fragten sie ihn und baten: Herr, offenbare uns

die Geheimnisse des Himmels. Jesus aber erwiderte: Ehe ich diesen Fleischesleib abgelegt habe, kann ich euch nichts kundtun. Als er aber

gelitten hatte und auferstanden war, wagten alle Apostel im Blick auf ihn es nicht, ihn zu fragen, weil sein Aussehen nicht so war, wie es

früher gewesen war, sondern die Fülle seiner Gottheit offenbarte. Bartholomäus aber trat an ihn heran und sprach: Herr, ich möchte mit dir

reden. Jesus entgegnete ihm: Liebster Bartholomäus, ich weiß, was du sagen willst. Frage also, und ich werde dir auf alles, was du wünschst,

antworten. Selbst, was du nicht zur Sprache bringst, werde ich dir kundmachen. Da sprach Bartholomäus zu ihm: Herr, als du gingst, um

dich ans Kreuz hängen zu lassen, da folgte ich dir von ferne und sah, wie du ans Kreuz gehängt wurdest und wie die Engel vom Himmel

herabstiegen und dich anbeteten. Und als die Finsternis eintrat, da schaute ich hin und sah, daß du vom Kreuz verschwunden warst; nur deine

Stimme hörte ich in der Unterwelt, und wie dort plötzlich ein gewaltiges Jammern und Zähneknirschen anhub. Künde mir Herr, wohin du

vom Kreuze gingst. Da antwortete Jesus: Gesegnet bist du, Bartholomäus, mein Geliebter, weil du dies Geheimnis geschaut hast. Und jetzt

werde ich dir alles, wonach du mich fragst, kundtun. Als ich nämlich vom Kreuze verschwand, da ging ich zur Unterwelt, um den Adam und

alle Patriarchen, den Abraham, Isaak und Jakob, von dort herauszuführen. Der Erzengel Michael hatte mich dazu aufgefordert. Als ich nun

mit meinen Engeln in die Unterwelt hinabstieg, um die eisernen Riegel zu zermalmen und die Pforten der Unterwelt aufzubrechen, da sprach

Hades zum Teufel: Ich sehe, Gott ist auf die Erde herabgestiegen. Und die Engel riefen den Gewalthabern zu: Öffnet, Fürsten, eure Tore,

denn der König der Herrlichkeit ist in die Unterwelt hinabgestiegen. Hades fragte hierauf: Wer ist der König der Herrlichkeit, der zu uns

hinabgestiegen ist? Als ich nun 500 Stufen hinabstieg, da begann Hades gewaltig zu zittern, und er sprach: Ich glaube, Gott ist

herabgestiegen. Sein gewaltiger Atem geht vor ihm her. Ich kann es mit ihm nicht aufnehmen. Der Teufel aber sprach zu ihm: Ergib dich

nicht, sondern mache dich stark! Gott ist nicht herabgestiegen. Als ich aber zum zweitenmal 500 Stufen hinabstieg, da riefen die starken

Engel: Öffnet euch, Pforten eures Fürsten! Geht auseinander, ihr Torflügel! Denn schauet: Der König der Herrlichkeit ist herabgestiegen.

Und wiederum sprach Hades: Wehe mir! Ich nehme den Atem Gottes wahr. Und da sagst du: Gott ist nicht auf die Erde herabgestiegen!

Beelzebub entgegnete: Was fürchtest du dich? Es ist ein Prophet, und du behauptest, es sei Gott. Der Prophet hat sich Gott gleich gemacht.

Ihn wollen wir nehmen und ihn zu denen gesellen, die vermeinen, in den Himmel zu steigen. Und Hades sprach: Wer ist es von den

Propheten? Tu es mir kund. Ist es Henoch, der Gerechtigkeit schreibende? Aber Gott hat ihm nicht gestattet, auf die Erde herabzukommen

vor dem Ende der 6000 Jahre. Sagst du, es sei Elias, der Rächer? Aber vor dem Ende kommt er nicht herab. Was tue ich, weil es von Gott

das Verderben ist? Denn schon ist unser Ende da. Denn ich habe die Zahl der Jahre in meinen Händen. Als aber der Teufel erkannt hatte, daß

das Wort des Vaters auf die Erde herabkam, sprach er: Fürchte dich nicht, Hades; wir wollen fest machen die Tore und stark machen unsere

Riegel. Denn Gott selbst kommt auf die Erde nicht herab. Und der Hades sprach: Wo verbergen wir uns vor dem Angesicht Gottes, des

großen Königs? Laß mich, widersetze dich nicht; denn vor dir bin ich erschaffen worden. Und alsdann zermalmten sie die ehernen Tore und

die eisernen Riegel zerbrach er. Und ich trat ein und ergriff ihn und schlug ihn mit hundert Schlägen und band ihn mit unlöslichen Fesseln.

Und ich führte alle Patriarchen hinaus und ging wieder zum Kreuz. Und Bartholomäus sprach zu ihm: Herr, ich sah, wie du wieder am Kreuz

hingst und alle Toten auferstanden und dich anbeteten. Tue mir kund, Herr, wer war es, den die Engel auf ihren Armen brachten, jener

übergroße Mensch? Und was sprachst du zu ihm, so daß er schwer aufseufzte? Das war Adam, der Erstgeschaffene, um dessentwillen ich

vom Himmel auf die Erde herabkam. Und ich sprach zu ihm: Ich ließ mich deinet- und um deiner Kinder willen ans Kreuz hängen. Und als

er das hörte, seufzte er auf und sprach: So hast du es zu tun geruht, Herr.

Wieder sprach Bartholomäus: Ich sah auch, Herr, wie die Engel vor Adam hinaufstiegen und ein Loblied anstimmten. Einer aber von den

Engeln, größer als die anderen, wollte nicht hinaufsteigen. Er hatte in seiner Hand ein feuriges Schwert und schaute auf dich. Und alle Engel

baten ihn, mit ihnen aufzust eigen; er aber wollte nicht. Als du es aber ihm befahlst, sah ich eine Flamme aus seinen Händen hervorgehen, die

bis zur Stadt Jerusalem reichte. Und Jesus sprach zu ihm: Gesegnet bist du, Bartholomäus, mein Geliebter, weil du diese Geheimnisse

gesehen hast. Dieser war einer von den Racheengeln, von denen, welche vor dem Thron meines Vaters stehen. Diesen Engel sandte er zu

mir. Und deswegen wollte er nicht hinaufsteigen, denn er wollte die Macht der Welt vernichten. Als ich ihm aber befahl, hinaufzugehen,

ging eine Flamme aus seiner Hand, und nachdem er den Vorhang des Tempels zerrissen, zerteilte er ihn in zwei Teile zu einem Zeugnis den

Söhnen Israels für das Leiden, weil sie mich kreuzigten.

Und als er das gesagt hatte, sprach er zu den Aposteln: Wartet auf mich an diesem Orte; denn heute wird im Paradies ein Opfer dargebracht,

damit ich es nach meiner Ankunft annehme. Bartholomäus aber sprach zu ihm: Herr, was ist das für ein Opfer im Paradiese? Jesus

antwortete: Die Seelen der Gerechten gehen, wenn sie den Leib verlassen, zum Paradiese, und wenn ich nicht komme, finden sie keinen

Einlaß dort. Daraufhin fragte Bartholomäus: Herr, wieviel Seelen verlassen jeden Tag die Welt? Jesus entgegnete: Dreißigtausend. Und

wiederum fragte Bartholomäus: Herr, hast du auch, als du unter uns lebtest, die Opfer im Paradies entgegengenommen? Jesus antwortete:

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Wahrlich, ich sage dir, mein Geliebter, auch als ich unter euch lehrte, saß ich zur Rechten des Vaters und nahm die Opfer im Paradies

entgegen. Und Bartholomäus sprach: Herr, wenn 30000 Seelen täglich diese Welt verlassen, wie viele finden den Eingang ins Paradies?

Jesus antwortete: Nur drei. Weiter fragte Bartholomäus: Herr, wie viele Seelen werden Tag für Tag in der Welt geboren? Jesus antwortete:

eine nur ist überschüssig über die, welche die Welt verlassen. Und indem er dies sagte, gab er ihnen den Frieden und verschwand aus ihren

Augen.

Es waren aber die Apostel an dem Orte Chritir mit Maria. Da trat Bartholomäus an Petrus, Andreas und Johannes heran und sprach zu ihnen:

Wir wollen Maria, die Begnadigte, fragen, wie sie den Unfaßbaren empfing oder wie sie den Untragbaren trug oder wie sie gebar eine solche

Größe. Die aber trugen Bedenken, sie zu fragen. Da sprach Bartholomäus zu Petrus: Vater Petrus, tritt du als der Oberste an sie heran und

frage sie. Petrus aber wandte sich an Johannes: Du bist ein keuscher Jüngling und untadlig, an dir ist es, sie zu fragen. Da nun alle bedenklich

waren und hin und her überlegten, trat Bartholomäus mit heiterem Antlitz zu ihr und sprach: Du Begnadete, Zelt des Höchsten, Unbefleckte,

wir Apostel alle fragen dich, mich aber haben sie zu dir gesandt. Du sollst uns sagen, wie du den Unfaßbaren empfingst oder wie du den

Untragbaren trugst oder wie du eine solche Größe gebarst. Maria aber antwortete: Fraget mich nicht nach diesem Geheimnis! Wenn ich

anfange, davon zu euch zu sprechen, geht Feuer aus meinem Munde und verzehrt die ganze Erde. Die aber fragten sie noch dringlicher. Und

da sie den Aposteln das Gehör nicht verweigern wollte, sprach sie: Wir wollen uns zum Gebet aufstellen! Und die Apostel stellten sich hinter

Maria. Da sprach diese zu Petrus: Petrus, Oberster der Apostel, stärkste Säule, stehst du hinter mir? Hat nicht unser Herr gesagt: Des Mannes

Haupt ist Christus, aber das des Weibes der Mann? Tretet also zum Gebet vor mich! Die aber sprachen zu ihr: In dir hat der Herr sein Zelt

aufgeschlagen und hat geruht, von dir umfaßt zu werden. Du bist also jetzt mehr als wir befugt, das Gebet zu übernehmen. Sie aber

entgegnete ihnen: Ihr seid leuchtende Sterne, wie es der Prophet gesagt hat: Ich hob meine Augen auf zu den Bergen, von denen mir Hilfe

kommt (Ps. 120,1 LXX). Ihr seid also die Berge, und ihr müßt beten. Darauf die Apostel zu ihr: Du mußt beten als Mutter des himmlischen

Königs. Und Maria zu ihnen: Nach eurem Bilde gestaltete Gott die Sperlinge und entsandte sie in die vier Ecken der Welt. Die aber

erwiderten ihr: Er, den die sieben Himmel kaum fassen, hat geruht, sich von dir umfassen zu lassen. Da stellte sich Maria vor sie, hob ihre

Hände zum Himmel und begann, wie folgt, zu beten: O überaus großer und allweiser Gott, König der Äonen, Unbeschreibbarer, Unaussprechbarer,

der du die Weiten der Himmel durch dein Wort geschaffen und das Himmelsgewölbe in harmonischer Ordnung hingestellt hast,

der du die ungeordnete Materie geformt und das Getrennte zum Zusammenschluß gebracht hast, der du das Dunkel der Finsternis vom Lichte

geschieden, die Gewässer aus dem gleichen Quellgrund hast hervorströmen lassen, vor dem die Ätherwesen zittern und die Erdgeschöpfe

sich fürchten, der du der Erde ihren Sitz gegeben und nicht gewollt hast, daß sie vergehe, indem du der Erde reichlich Regen spendetest und

so für die Nahrung aller sorgtest, du, der ewige Logos des Vaters. Sieben Himmel vermochten dich kaum zu fassen, von mir aber geruhtest

du, ohne mir Schmerz zu bereiten, dich umfassen zu lassen, der du der vollkommene Logos des Vaters bist, durch den alles geschaffen

wurde. Verherrliche deinen überaus erhabenen Namen und laß mich reden vor deinen heiligen Aposteln! Und nachdem sie das Gebet

beendet hatte, begann sie zu ihnen zu sprechen: Wir wollen uns auf den Erdboden setzen. Komm du, Petrus, Oberster der Apostel, setze dich

zu meiner Rechten und lege deine linke Hand unter meine Achsel. Und du, Andreas, tue das gleiche von links. Du aber, jungfräulicher

Johannes, halte meine Brust. Und du, Bartholomäus, drücke deine Knie an meine Schultern und presse meinen Rücken zusammen, damit

nicht, wenn ich zu reden anfange, meine Glieder sich lösen. Und als sie das getan hatten, begann sie: Als ich im Tempel Gottes weilte und

aus der Hand eines Engels meine Speise empfing, erschien mir eines Tages einer in der Gestalt eines Engels; sein Gesicht aber war

unbeschreibbar, und in seiner Hand hatte er weder Brot noch Becher, wie das bei dem Engel war, der bisher zu mir kam. Und sogleich zerriß

der Vorhang des Tempels, und ein gewaltiges Erdbeben trat ein, und ich stürzte auf die Erde, da ich seinen Anblick nicht ertrug. Er aber griff

mich mit seiner Hand und richtete mich auf. Und ich blickte zum Himmel; da kam eine Wolke Taus auf mein Gesicht und benetzte mich von

Kopf bis zu den Füßen, und er wischte mich ab mit seinem Gewand. Dann sprach er zu mir: Sei gegrüßt, du Begnadete, du auserwähltes

Gefäß. Und dann klopfte er auf die rechte Seite seines Gewandes, und es kam ein gewaltig großes Brot hervor; das legte er auf den Altar des

Tempels, aß zuerst selbst davon und gab dann auch mir. Und wieder klopfte er, diesmal auf die linke Seite seines Gewandes, und ich schaute

und sah einen mit Wein gefüllten Becher. Er setzte ihn auf den Altar des Tempels, trank selbst zuerst davon und gab auch mir zu trinken.

Und ich schaute und sah, wie am Brote nichts fehlte und der Becher voll war wie vorher. Dann sprach er: Noch drei Jahre, dann werde ich

meinen Logos senden, und du wirst meinen Sohn empfangen, und durch ihn wird die ganze Welt gerettet werden. Du aber wirst der Welt das

Heil bringen. Friede sei mit dir, du Begnadete, und mein Friede wird mit dir sein immerdar. Und als er so gesprochen, entschwand er meinen

Augen, und der Tempel war wie vorher.

Als sie das sagte, kam Feuer aus ihrem Munde, und die Welt war drauf und dran, verbrannt zu werden. Da kam eiligen Schrittes Jesus hinzu

und sprach zu Maria: Rede nicht weiter, sonst wird heute meine ganze Schöpfung zugrunde gehen. Und die Apostel wurden von Furcht

ergriffen, Gott möchte ihnen zürnen.

Und er ging mit ihnen auf den Berg Mauria und setzte sich in ihre Mitte. Die aber trugen Bedenken, ihn zu fragen, weil sie sich fürchteten.

Und Jesus nahm das Wort und sprach: Fraget mich, wonach ihr wollt, damit ich euch belehren und schauen lassen kann. Denn es sind noch

sieben Tage, dann gehe ich hinauf zu meinem Vater und werde auch in dieser Gestalt nicht mehr vor die Augen kommen. Die aber sprachen

zögernd zu ihm: Herr, zeige uns den Abgrund, wie du uns das verheißen hast. Er entgegnete: Es ist nicht gut für euch, den Abgrund zu sehen.

Wenn ihr es aber wollt, so werde ich mein Versprechen halten. Kommt, folget mir und schauet! Und er führte sie an einen Ort, der Cherubim

hieß, d. h. Ort der Wahrheit. Und er winkte den Engeln des Westens. Und die Erde wurde aufgerollt wie eine Papyrusrolle, und vor ihren

Augen enthüllte sich der Abgrund. Als die Apostel ihn sahen, fielen sie auf ihr Antlitz. Jesus aber sprach zu ihnen: Habe ich es euch nicht

gesagt, daß es nicht gut für euch sei, den Abgrund zu sehen? Und er winkte den Engeln wieder, und der Abgrund wurde verdeckt.

Und er nahm sie und führte sie auf den Ölberg. Es sprach aber Petrus zu Maria: Begnadete, bitte den Herrn, daß er uns alles kundtut, was im

Himmel ist. Und Maria entgegnete dem Petrus: Du oben behauener Fels, hat nicht auf dir der Herr seine Kirche gebaut? Du bist also der erste

zu gehen und ihn zu fragen. Petrus hinwiederum: Du bist zum Zelt des höchsten Gottes geschaffen worden. Frage du ihn! Dagegen Maria:

Du bist das Abbild Adams. Wurde dieser nicht zuerst erschaffen und danach erst Eva? Sieh die Sonne! Sie glänzt nach der Art Adams. Sieh

den Mond! Er ist voller Schmutz, weil Eva das Gebot übertrat. Es setzte nämlich Gott den Adam in den Osten, die Eva aber in den Westen,

und er befahl den beiden Leuchten, beiden zu leuchten, so daß die Sonne mit ihrem feurigen Wagen dem Adam im Osten leuchten, der Mond

aber im Westen der Eva sein milchiges Licht spenden sollte. Aber sie besudelte das Gebot des Herrn, und deshalb wurde der Mond

schmutzig, und sein Licht glänzt nicht. Da also du das Abbild Adams bist, ist es an dir zu fragen. In mir aber nahm der Herr Wohnung, damit

ich die Würde der Frauen wiederherstelle.

Als sie nun auf den Gipfel des Berges kamen, trennte sich der Herr ein Weilchen von ihnen. Da sprach Petrus zu Maria: Du hast den Fehltritt

Evas wiedergutgemacht, indem du ihre Beschämung in Freude verwandeltest, an dir ist es also zu fragen. Als aber Jesus wieder erschien, da

sprach zu ihm Bartholomäus: Herr, zeige uns den Widersacher der Menschen, damit wir sehen, wie geartet er ist, oder welches sein Werk ist,

oder woher er stammt, oder welche Macht er hat, daß er selbst dich nicht schonte, sondern dich ans Kreuz hängen ließ. Da blickte Jesus auf

ihn und sprach: O verwegenes Herz! Was du nicht schauen kannst, danach fragst du.

Bartholomäus aber erschrak. Er fiel Jesu zu Füßen und begann so zu sprechen: Nie verlöschender Leuchter, Herr Jesus Christus,

Unvergänglicher, der du Gnade für die ganze Welt denen verliehen hast, welche dich lieben, und ewiges Licht geschenkt hast durch dein

Erscheinen auf Erden, der du dein Dasein droben auf Geheiß des Vaters aufgegeben und dein Werk vollendet hast, der du Adams

Niedergeschlagenheit in Freude verwandelt und die Trauer der Eva mit gnädigem Antlitz durch deine Geburt aus der jungfräulichen Mutter

überwunden hast, sei mir nicht böse und gib mir das Recht zu fragen. Als er so sprach, hob ihn Jesus auf und fragte ihn: Willst du den

Widersacher der Menschen sehen, Bartholomäus? Ich sage dir, daß, wenn du ihn siehst, nicht nur du, sondern mit dir die Apostel und Maria

aufs Gesicht fallen werden, und daß ihr sein werdet wie die Toten. Alle aber erklärten ihm: Herr, wir wollen ihn sehen. Und er führte sie vom

159

Ölberg hinab, bedrohte die Engel der Unterwelt und gab Michael einen Wink, er solle in der Höhe des Himmels seine gewaltige Posaune

ertönen lassen. Da wurde die Erde erschüttert, und Beliar kam herauf, gehalten von 660 Engeln und mit feurigen Ketten gebunden. Er war

1600 Ellen hoch und 40 Ellen breit. Sein Antlitz war wie ein feuriger Blitz, seine Augen aber wie Funken, und aus seinen Nüstern kam ein

stinkender Rauch. Sein Mund war wie ein Felsspalt, und ein einziger Flügel von ihm war 80 Ellen lang. Sobald die Apostel ihn sahen, fielen

sie zur Erde auf ihr Gesicht und wurden wie die Toten. Jesus aber trat heran, richtete die Apostel auf und gab ihnen den Geist der Kraft.

Dann sprach er zu Bartholomäus: Tritt an ihn heran, Bartholomäus, und setze deine Füße auf seinen Nacken; dann wird er dir sagen, was sein

Werk ist, und wie er die Menschen betrügt. Jesus aber blieb mit den Aposteln in der Ferne stehen. Und Bartholomäus sprach mit gehobener

Stimme: O Mutterschoß, geräumiger als eine Stadt! O Mutterschoß, weiter als der Himmelsraum! O Mutterschoß, der du umfaßtest den,

welchen die sieben Himmel nicht fassen. Du faßtest ihn ohne Schmerzen und hieltest ihn, der sein Wesen ins Kleinste gewandelt hatte, an

deinem Busen. O Mutterschoß, der du, im Leibe verborgen, den weit sichtbaren Christus geboren hast! O Mutterschoß, der du geräumiger

wurdest als die ganze Schöpfung. Und Bartholomäus, von Furcht ergriffen, sprach: Herr Jesus, gib mir einen Zipfel von deinem Gewande,

damit ich mich an ihn heranwage. Jesus entgegnete ihm: Du kannst keinen Zipfel von meinem Gewande bekommen, denn mein Gewand ist

nicht mehr das, welches ich vor der Kreuzigung trug. Darauf Bartholomäus: Ich habe Angst, Herr, er möchte, wie er deiner Engel nicht

schonte, auch mich verschlingen. Jesus entgegnete: Ist nicht durch mein Wort und nach dem Plan meines Vaters das All geschaffen worden?

Selbst Salomon waren die Geister untertan. Geh also, da du in meinem Namen dazu aufgefordert wirst, und frage ihn, was du willst! Da ging

Bartholomäus hin und trat ihm auf den Nacken und stieß sein Gesicht bis zu den Ohren auf die Erde. Und Bartholomäus fragte ihn: Sage mir,

wer du bist, und wie du heißest. Der entgegnete: Erleichtere meine Lage ein wenig, und ich will dir sagen, wer ich bin und wie ich in diesen

Zustand gekommen bin und worin mein Werk besteht und wie groß meine Macht ist. Bartholomäus gewährte ihm Erleichterung und forderte

ihn auf: Sage alles, was du getrieben hast und treibst! Beliar entgegnete und sprach: Wenn du meinen Namen erfahren willst: ich wurde

zuerst Satanael genannt, was »Engel Gottes« bedeutet. Als ich aber das Abbild Gottes verwarf, wurde ich Satan geheißen, was Höllenengel

bedeutet. Und wieder forderte ihn Bartholomäus auf: Enthülle mir alles und verbirg mir nichts! Er aber entgegnete: Ich schwöre dir bei der

gewaltigen Herrlichkeit Gottes, daß ich, selbst wenn ich will, dir nichts verbergen kann; denn neben mir steht der, welcher mich überführen

kann. Hätte ich nämlich die Macht dazu, dann würde ich euch verderben, wie ich den einen von euch ins Verderben gestürzt habe. Ich wurde

als der erste Engel geschaffen. Denn als Gott die Himmel schuf, nahm er eine Hand voll Feuer und bildete zuerst mich, an zweiter Stelle den

Michael, den Anführer der oberen Heerscharen, als dritten den Gabriel, als vierten den Uriel, den Raphael an fünfter Stelle und an sechster

den Nathanael und weitere 6000 Engel, deren Namen ich nicht nennen kann. Es gibt Rutenträger (Liktoren) Gottes, und diese peitschen mich

siebenmal am Tage und siebenmal in der Nacht und lassen mich in nichts gewähren und zerfetzen meine ganze Macht. Das sind die

Racheengel, die neben dem Throne Gottes stehen. Diese alle gehören zu den ersterschaffenen Engeln. Und nach ihnen wurde die ganze Fülle

der Engel geschaffen: 100 Myriaden für den ersten Himmel und ebensoviele für den zweiten, dritten, vierten, fünften und siebten Himmel.

Außerhalb der sieben Himmel zieht sich die erste Sphäre, das Firmament, hin; und dort weilen die Engelmächte, die auf die Menschen

einwirken. Es gibt auch vier Engel, die über die Winde gesetzt sind. Der eine waltet über den Boreas. Er heißt Chairum und hat in seiner

Hand einen feurigen Stab und setzt der großen Feuchtigkeit Schranken, über die dieser Wind verfügt, damit die Erde nicht vertrockene. Und

der Engel, der über den Aparktias waltet, heißt Oertha. Er hat eine Feuerfackel in der Hand und hält sie an ihn und an seine Seiten und

erwärmt so seine Frostigkeit, damit er nicht die Erde einfrieren macht. Und der Engel des Südwindes heißt Kerkutha, und er bricht dessen

Ungestüm, damit er nicht die Erde erschüttert. Und der Engel, der über den Südwestwind gesetzt ist, heißt Naoutha. Er hat einen Stab von

Eis in seiner Hand und legt ihn an seinen Mund und löscht so das Feuer, das aus seinem Munde kommt. Und wenn der Engel es nicht an seinem

Munde löschte, würde es die ganze Welt in Brand setzen. Und ein weiterer Engel waltet über dem Meere. Er macht es wild mittels der

Wogen. Mehr sage ich dir nicht. Denn der neben mir steht, duldet es nicht.

Da fragte ihn Bartholomäus: Wie züchtigst du die Menschenseelen? Beliar antwortete: Soll ich dir die Züchtigung der Heuchler, Verleumder,

Possenreißer, Habsüchtigen, Ehebrecher, Zauberer, Wahrsager schildern und derer, die an uns glauben, und aller, hinter denen ich her bin?

Bartholomäus erklärte ihm: Ich wünsche, daß du dich kurz faßt. Und er schlug seine Zähne aufeinander, und herauf kam ein Rad aus dem

Abgrund mit einem Feuer ausstrahlenden Schwerte, das Rinnen aufwies. Und ich fragte ihn: Was ist das für ein Schwert? Er antwortete: Das

ist das Schwert für die Schlemmer. In diese Rinne werden sie gelegt, weil sie in ihrer Schlemmerei zu jeder Sünde neigen. In die zweite

Rinne kommen die Verleumder, weil sie ihren Nächsten heimlich verleumden. In die dritte Rinne kommen die Heuchler und die übrigen,

denen ich durch meine Machenschaften ein Bein stelle. Darauf Bartholomäus: Tust du das in eigener Person? Satan antwortete: Wenn ich

persönlich ausgehen könnte, so würde ich alle Welt in drei Tagen ins Verderben stürzen, aber weder ich noch einer von den 600 hat

Ausgang. Wir haben andere, behende Diener, denen wir Aufträge geben. Wir rüsten sie mit einer Angel aus, die reich an Widerhaken ist, und

schicken sie auf die Jagd, und sie fangen uns Menschenseelen, indem sie sie mit der Süßigkeit mannigfacher Verlockung verführen, als da

sind: Trunksucht, Gelächter, Verleumdung, Heuchelei, Vergnügungen, Hurerei und die übrigen Mittel aus ihrer Schatzkammer, welche die

Menschen schwach machen. Ich nenne auch die übrigen Engelnamen: Der Engel des Hagels heißt Mermeoth. Er hält den Hagel auf seinem

Haupt, und meine Diener beschwören ihn und schicken ihn, wohin sie wollen. Und andere Engel walten über dem Schnee, wieder andere

über dem Donner und wieder andere über dem Blitz, und wenn ein Geist aus unserer Mitte ausgehen will, sei es über Land oder über Wasser,

so schicken diese Engel feurige Steine aus und setzen unsere Glieder in Brand. Da sprach Bartholomäus: Verstumme, Drache des Abgrunds!

Beliar aber sagte: Ich werde dir noch vieles über die Engel mitteilen. Diejenigen, die miteinander Himmels- und Erdenbezirke durcheilen,

sind Mermeoth, Onomatath, Duth, Melioth, Charuth, Graphathas, Hoethra, Nephonos und Chalkatura. Miteinander durchfliegen sie die

himmlischen, irdischen und unterirdischen Bezirke ... Bartholomäus unterbrach ihn und sprach: Verstumme und fall in Ohnmacht, damit ich

zu meinem Herrn flehen kann. Und Bartholomäus fiel auf sein Angesicht, streute Erde auf seinen Kopf und hub an: Herr Jesus Christus,

großer und glorreicher Name. Alle Chöre der Engel preisen dich, Herr; auch ich, der ich unwürdiger Lippen bin, preise dich, Herr. Höre

mich, deinen Knecht, und wie du mich berufen hast vom Zollhause und nicht geduldet hast, daß ich bei meiner bisherigen Lebensweise bis

zum Ende bliebe, so höre mich, Herr Jesu Christ, und erbarme dich der Sünder! Als er so gebetet hatte, sprach der Herr zu ihm: Stehe auf,

wende dich zu dem Stöhnenden! Ich werde das Übrige dir verkünden. Und Bartholomäus hob den Satan auf und sprach zu ihm: Geh an

deinen Ort mitsamt deinen Engeln, der Herr aber hat Erbarmen mit seiner ganzen Welt. Der Teufel aber sprach: Laß mich dir noch erzählen,

wie ich hierhin geworfen wurde und wie Gott den Menschen schuf. Ich wanderte in der Welt umher, da sprach Gott zu Michael: Bringe mir

Erde von den vier Enden der Welt und Wasser aus den vier Flüssen des Paradieses. Und als Michael ihm das gebracht hatte, bildete er im

Osten den Adam, indem er die gestaltlose Erde gestaltete, Sehnen und Adern spannte und alles harmonisch zusammenfügte. Und er erwies

ihm Verehrung um seiner selbst willen, weil er sein Abbild war. Auch Michael betete ihn an. Als ich aber von den Enden der Welt kam,

sagte mir Michael: Bete das Abbild Gottes an, das er nach seinem Bilde geschaffen hat! Ich aber erklärte: Ich bin Feuer vom Feuer, als erster

Engel bin ich geschaffen worden, und da soll ich Lehm und Materie anbeten? Da sagte mir Michael: Bete an, damit Gott nicht zornig wird

auf dich! Ich erwiderte: Gott wird nicht zornig werden auf mich, aber ich werde meinen Thron gegenüber seinem Thron errichten und sein

wie er (Jes. 14, 13f.). Da wurde Gott zornig auf mich und warf mich hinunter, nach dem er die Ausgänge des Himmels hatte öffnen lassen.

Als ich hinabgestürzt war, fragte er die 600 Engel, die unter mir standen, ob sie Adam anbeten wollten. Sie antworteten: Wie wir es unseren

Führer tun sahen, beten auch wir nicht den an, der geringer ist als wir. Nach unserem Sturz auf die Erde lagen wir vierzig Jahre in tiefem

Schlaf, und als einmal die Sonne siebenmal heller leuchtete als Feuer, erwachte ich. Und da ich mich umschaute, sah ich die 600 unter mir

von tiefem Schlaf umfangen. Und ich weckte meinen Sohn Salpsan und beriet mich mit ihm, wie ich den Menschen betrügen könnte, um

dessentwillen ich aus dem Himmel geworfen worden war. Und ich dachte mir folgendes aus. Ich nahm eine Schale in meine Hand und strich

den Schweiß von meiner Brust und meinen Achselhöhlen hinein und wusch mich an der Wasserquelle, aus der die vier Flüsse hervorfließen.

Und Eva trank davon, und Begierde erfaßte sie. Hätte sie jenes Wasser nicht getrunken, so hätte ich sie nicht betrügen können. Da befahl ihm

160

Bartholomäus, in den Hades zu gehen. Er selbst aber ging zu Jesus, fiel ihm zu Füßen und begann unter Tränen so zu sprechen: Abba, Vater,

für uns Unerforschbarer, Logos des Vaters, den sieben Himmel kaum faßten, der du aber geruhtest, dich drinnen im Leibe der Jungfrau leicht

und schmerzlos umfassen zu lassen, ohne daß die Jungfrau merkte, daß sie dich trug, während du nach deinem Sinn alles, wie es geschehen

sollte, anordnetest, der du, ohne daß wir dich darum bitten, uns unser tägliches Brot gibst. Der du eine Dornenkrone getragen hast, um uns

reuigen Sündern die kostbare Himmelskrone zu verschaffen, der du dich ans Kreuz hängen und mit Galle und Essig tränken ließest, um uns

mit dem Wein der Zerknirschung zu tränken, und deine Seite von der Lanze durchstechen ließest, um uns mit deinem Leib und deinem Blut

zu sättigen. Der du den vier Flüssen Namen gabst, dem ersten Phison wegen des Glaubens, den du nach deinem Erscheinen auf Erden

verkündet hast, dem zweiten Geon, weil der Mensch aus Erde gebildet ist, dem dritten Tigris, damit wir von dir auf die Dreieinigkeit

gleichen Wesens im Himmel hingewiesen würden, und den vierten Euphrat, weil du durch dein Kommen auf die Erde jede Seele durch die

Kunde ihrer Unvergänglichkeit erfreut hast. Mein Gott, großer Vater und König, rette, Herr, die Sünder! Als Bartholomäus dieses Gebet

gesprochen hatte, sagte Jesus zu ihm: Bartholomäus, der Vater nannte mich Christus, damit ich auf die Erde hinabstiege und jeden, der zu

mir käme, mit dem Öl des Lebens salbte. Jesus aber nannte er mich, auf daß ich heilte jede Sünde der Unwissenden und den Menschen die

Wahrheit Gottes schenkte. Und wieder sprach Bartholomäus zu ihm: Herr, soll ich jedem Menschen diese Geheimnisse enthüllen? Jesus

antwortete ihm: Bartholomäus, mein Geliebter, allen, welche gläubig sind und sie für sich behalten können, vertraue sie an! Es gibt nämlich

solche, die ihrer würdig sind; es gibt auch andere, denen man sie nicht anvertrauen darf, es gibt nämlich Aufschneider, Trunkenbolde,

Hochmütige, Unbarmherzige, Götzendiener, Verführer zur Unzucht, Verleumder, Lehrer der Lüge und Täter aller Teufelswerke, und deshalb

sind sie nicht würdig, daß ihnen solches anvertraut werde. Diese Dinge sind nämlich auch wegen derer geheim zu halten, die sie nicht fassen

können. Denn alle, die sie fassen können, werden an ihnen teilhaben. Was das also angeht, mein Geliebter, habe ich dir gesagt, daß du

glückselig bist und deine ganze Wahlverwandtschaft, weil euch diese Kunde anvertraut wird, weil alle, die sie fassen, alles was sie wollen, in

allen Zeiten meines Gerichtes erhalten werden. Damals schrieb ich, Bartholomäus, dies in mein Herz, ergriff die Hand des

Menschenfreundes und begann frohlockend so zu sprechen: Ehre sei dir, Herr Jesu Christ, der du allen deine Gnade schenkest, die wir alle

erfahren haben, Allelujah! Ehre sei dir, Herr, du Leben der Sünder! Ehre sei dir, Herr, durch den der Tod zu Schanden wurde! Ehre sei dir

Herr, du Schatz der Gerechtigkeit! Wir preisen dich als Gott. Und als Bartholomäus so sprach, legte Jesus seinen Umhang ab, nahm das

Orarium vom Nacken des Bartholomäus und begann frohlockend zu sprechen: Ich bin gut zu euch, Allelujah! Ich bin mild und freundlich zu

euch, Allelujah! Ehre sei dir, Herr! Denn ich schenke mich allen, die mich wollen, Allelujah! Ehre sei dir Herr, in alle Ewigkeit! Amen,

Allelujah! Und als er geendigt hatte, küßten ihn die Apostel, und er gab ihnen den Frieden der Liebe.

Bartholomäus sprach zu ihm: Belehre uns Herr, welche Sünde schwerer ist als alle anderen Sünden. Da antwortete Jesus: Wahrlich, ich sage

dir, daß schwerer als alle anderen Sünden die Heuchelei ist und die Verleumdung. Denn um solcher willen sprach der Prophet im Psalm:

Nicht werden bestehen die Gottlosen im Gericht noch die Sünder in der Versammlung der Gerechten. Ebensowenig die Gottlosen im Gericht

meines Vaters. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, daß jede Sünde jedem Menschen wird vergeben werden, aber die Sünde wider den

heiligen Geist wird nicht vergeben werden. Darauf Bartholomäus: Worin besteht die Sünde wider den heiligen Geist? Jesus antwortete:

Jeder, der eine Verordnung erläßt gegen jeden Menschen, der meinem Vater dient, hat den heiligen Geist gelästert. Denn jeder Mensch, der

Gott ehrfürchtig dient, ist des heiligen Geistes würdig, und wer etwas Böses gegen ihn sagt, dem wird das nicht vergeben werden. Wehe

dem, welcher beim Haupte Gottes schwört, auch wenn er keinen Meineid schwört, sondern die Wahrheit spricht! Denn Gott, der Höchste, hat

zwölf Häupter. Er ist die Wahrheit selbst, und Lüge und Meineid gibt's bei ihm nicht. Gehet ihr nun hin und verkündet der ganzen Welt das

Wort der Wahrheit, du aber Bartholomäus, verkünde jedem, der will, dies geheime Wort, und alle, die daran glauben, werden ewiges Leben

empfangen. Darauf Bartholomäus: Wenn einer aus Fleischeslust sündigt, wie wird ihm das vergolten? Jesus antwortete: Es ist schön, wenn

der Getaufte seine Taufe ohne Tadel bewahrt. Die Fleischeslust wird aber ihren Reiz ausüben. Züchtigem Wesen entspricht die einmalige

Ehe. Denn wahrlich, ich sage dir: Wer nach der dritten Ehe noch sündigt, ist Gottes unwürdig. Ihr aber sollt allen verkündigen, daß sie sich

vor derartigem zu hüten haben. Denn ich trenne mich nicht von euch und verleihe den heiligen Geist. Und Bartholomäus pries vor ihm mit

den Aposteln Gott höchlich und sprach: Ehre sei dir, heiliger Vater, nie erlöschende Sonne, Unbegreiflicher, Strahlenreicher. Dir sei Ruhm,

dir Ehre und Anbetung in alle Ewigkeit! Amen.

Die Apokalyptik

Der Begriff Apokalypse ist der Offenbarung des Johannes entnommen. Im Kapitel 1,1 heißt es: »Apokalypse Jesu Christi, die Gott ihm gab

um seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll.« Dieses Buch erlangte große Bedeutung, so daß man auch verwandte christliche

Bücher als Apokalypsen bezeichnete. Dann erst wurde dieser Begriff von den Christen auf jüdische Bücher dieser Art übertragen.

Als Autoren der Apokalypsen werden meist große Persönlichkeiten der Vorzeit angeführt. Es besteht dennoch für niemanden ein Zweifel

darüber, daß sie die Werke nicht verfaßt haben, sondern daß sie nur dazu dienen, der Schrift Autorität zu verleihen. Es werden zum Beispiel

Daniel, Elia, Jesaja, Mose, Esra, Henoch und sogar Adam genannt. Sie haben ihre Bücher versiegelt, so wird berichtet, und ihre

Geheimhaltung bis ans Ende der Tage angeordnet. Wenn sie also jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, sei dies ein Zeichen

dafür, daß das Ende nahe sei.

Die visionäre Schau

Im Unterschied zum Propheten, erhält der Apokalyptiker seine Offenbarungen in Visionen. Der Prophet hört eine Stimme (Audition), der

Apokalyptiker sieht meist Bilder, er »schaut«. Das kann im Traum geschehen, in visionärer Ekstase, aber auch in wachem Zustand. (Dan

10-12). Schließlich ist die apokalyptische Schau auch noch durch Entrückung möglich, d. h. durch Ortsveränderung des Sehers. Im Neuen

Testament werden Paulus (2. Kor 12,3) und der Apokalyptiker Johannes (4,1) in den Himmel entrückt. Das Geschaute ist entweder

unmittelbar verständlich (eine Beschreibung von Ereignissen, die eintreten werden) oder aber ist deutungsbedürftig, da es in Symbolen und

Allegorien dargestellt ist. Die vier »Wesen« in Off 4, 6-8 (Löwe, Stier, Mensch, Adler) dürften beispielsweise Sinnbilder für die irdische

Schöpfung sein. Hier fehlt eine Deutung im Text. Sonst wird sie meist durch einen Deuteengel (angelus interpres) beigegeben.

In den Apokalypsen finden sich zunächst Geschichtsüberblicke, bevor das Ende geschildert wird. Sie werden aus der zeitlichen Perspektive

des vorgegebenen Autors dargestellt, aber da der wirkliche Autor die vergangene Geschichte kennt, sind die Weissagungen über den

Geschichtsablauf natürlich wirklich eingetreten. So zu tun, als ob man wirkliche Ereignisse weissagt, indem der Schreiber sich einfach in die

Vergangenheit versetzt, nennt man > vaticinium ex eventu<. Da nun ein Teil der Apokalypsen nachprüfbar eingetreten sind, ist es leicht,

auch für die Zukunft Glauben zu gewinnen. Der Geschichtsüberblick kann die Weltgeschichte umfassen oder in der Zeit des fiktiven

Verfassers einsetzen.

Die Vorstellungswelt

Das Hauptanliegen der Apokalypsen sind Offenbarungen über die letzten Dinge. Daneben werden aber oft auch Geheimnisse enthüllt: Es

wird vom Jenseits, von Himmel und Hölle, von der Herkunft des Bösen in der Welt, ja sogar von Astronomie, Meteorologie und Geographie

erzählt.

In der Theologie heißt die Lehre von den letzten Dingen Eschatologie. Ein Grundzug der apokalyptischen Eschatalogie ist die

Zwei-Äonen-Lehre. Es gibt zwei Äonen, zwei Weltalter, die grundsätzlich voneinander verschieden sind. Dieses Weltalter, in dem wir leben,

ist unvollkommen und vergänglich. Es muß ganz ausgelöscht werden und dem neuen Äon Platz machen, der von völlig anderer Art ist, der

ewig und überirdisch ist. Er bricht aus dem Jenseits in diese Weltzeit durch göttliches Wirken ein.

161

Zwischen den beiden Äonen liegt ein krasser Gegensatz vor. Da der jenseitige Äon unendlich gut und vollkommen ist, kann der diesseitige

nur unendlich schlecht sein.

Diese Welt wird deswegen pessimistisch gesehen, man erwartet das Ende, man hofft auf das Jenseits. Sie wird dargestellt durch die

Herrschaft Satans, durch zunehmenden physischen und moralischen Verfall. Das Heraufkommen des neuen Äons wird durch eine schlechte

und verbrecherische Zeit angezeigt.

Bei diesen Vorstellungen geht es nicht um einzelne Völker, sondern um die ganze Welt. Die Apokalyptiker haben nicht etwa ein Volk (z. B.

die Juden) im Blick, sondern den ganzen Kosmos: Erde, Himmel und Unterwelt. Am Ende steht der Mensch nicht als Mitglied eines Volkes,

sondern als einzelner vor dem Gericht.

Das Ende des ersten Äons muß kommen, es ist unabwendbar. Gott hat nämlich von Anfang an beide Äonen geschaffen. Es kann also nicht

sein, daß der schlechte Äon noch zum guten gewandelt wird, denn der andere Äon ist schon da, allerdings schläft er jetzt noch. Auch der

Zeitpunkt des Endes ist schon vorherbestimmt. Deswegen kann er genau berechnet werden, entweder dadurch, daß man von der

Weltschöpfung aus rechnet oder von einem weltgeschichtlichen Zeitpunkt an oder ganz einfach auch, indem man die Zeichen der Zeit deutet.

Immer aber steht das Ende nahe bevor. Das hat seinen Grund darin, daß Apokalypsen in schwierigen Zeiten entstanden sind, in Zeiten, die

durch ihre Not eine Endzeitstimmung hervorriefen (z. B. Makkabäerzeit, Zerstörung des Tempels usw.).

Der neue Äon wird zu einem bestimmten Zeitpunkt von einem Heilbringer heraufgeführt. Unterschiedlich sind allerdings die Vorstellungen

von diesem. Während in den jüdischen Eschatologien der davidische Messias auftritt, ist es in manchen Apokalypsen Gott selbst oder aber

ein Engel Gottes. Der Heilbringer wird verschiedentlich auch als Menschensohn bezeichnet. Es gibt auch die Möglichkeit, daß mit der

Retter- und Richtergestalt der neue Äon noch nicht anbricht, sondern daß ein messianisches Zwischenreich eingeschaltet wird.

Es soll schließlich noch die Frage der Herkunft der Apokalyptik behandelt werden. In gewisser Weise bauen die Apokalyptiker auf den

Propheten auf. Sie fühlen sich als die Nachfolger der Propheten, aber nicht so, daß sie sich nun selber als Propheten fühlen, sondern so, daß

sie die Deuter der Prophetie sind. Aber mit dieser Deutung haben sie sich gleichzeitig eine völlige Umgestaltung vorgenommen. Der

entscheidende Unterschied hängt mit der Zwei-Äonen-Lehre zusammen. Die Prophetie verheißt eine Vollendung der Schöpfung. Voraussetzung

ist allerdings die Umkehr. Der Inhalt der Weissagungen erstreckt sich folglich eher auf das, was geschehen wird, wenn diese Umkehr

stattfindet. Für die Apokalyptiker ist die Schöpfung eine zweifache. Diese Welt wird als hoffnungslos böse angesehen ihre Heiligung und

Rettung ist folglich nicht möglich. In der Eschatologie der Apokalyptiker hat sich somit ein fundamentaler Unterschied zum traditionellen

Judentum herausgebildet.

Man nimmt an, daß in nachexilischer Zeit Kreise entstanden sind, die durch eschatologische Naherwartung aufgrund der Bedrängnisse der

Zeit geprägt waren. Da sie etwas ins Abseits gedrängt wurden, haben sie eine eigene Entwicklung durchgemacht. Sie haben sich

dualistischen Vorstellungen (Zwei-ÄonenLehre) geöffnet. Die Abgeschlossenheit hat dann dazu geführt, daß ihr Wissen zu einem

Geheimwissen wurde, das die eigene Gemeinschaft in der Erwartung der > letzten Dinge< stärken und trösten sollte.

Weiterwirken im Christentum

Das junge Christentum unterschied sich in seiner Vorstellungswelt nicht sehr von der jüdischen Apokalyptik. Es war deswegen naheliegend,

deren Texte aufzugreifen und zu christianisieren. Diese literarische Gattung regte aber auch zu Neuschöpfungen an. Es entstanden viele

christliche apokalyptische Werke. Das bekannteste darunter ist sicherlich die Johannes-Apokalypse. Von den anderen Werken ist, ebenso wie

bei den jüdischen Apokalypsen, der Autor nicht bekannt. Sie werden deswegen als pseudepigraph bezeichnet. Große Namen sollen

Vertrauen in die Schriften erwecken. So werden hier Jesus und Maria genannt, verschiedene Apostel (Petrus, Paulos, Thomas, Johannes,

Bartholomäus, Philippus u. a.) und sogar Persönlichkeiten aus dem alten Testament (Abraham, Esra, Zephania, Elia). Jesus kann natürlich

von sich aus berichten, die anderen aber schöpfen ihr Wissen aus Visionen und Entrückungen. Bei den Christen gibt es nur noch einen

Heilsbringer, das ist Christus. Solange die Naherwartung der Parusie Christi vorherrschte, war sie im Mittelpunkt des Interesses. Als man

aber feststellte, daß mit der Wiederkunft nicht so bald zu rechnen sei, richtete man das Augenmerk zunehmend auf Motive, die im Neuen

Testament eine untergeordnete Rolle spielen. Die Apokalyptik beschäftigt sich nun ausgiebig mit dem Antichristen, mit Himmel und Hölle,

mit der Belohnung der Guten und der Bestrafung der Bösen.

Apokalyptik des Christentums

Es soll nun erläutert werden, welche Grundlagen des Christentums die Entstehung von christlichen Apokalypsen ermöglicht haben. Wenn

man von der Begrifflichkeit Jesu ausgeht, so stößt man zunächst auf die Worte > Reich Gottes< und »Menschensohn«. Der Begriff »Reich

Gottes« verweist auf gewisse Ähnlichkeiten mit der Zwei-Äonen-Lehre. Nach der Predigt Jesu bricht mit der Herrschaft Gottes eine neue

Zeit an. Es ist kein innerweltlicher, sondern ein überirdischer Vorgang, der dieser Welt ein radikales Ende setzt.

Markus läßt Jesus sagen: »Die Zeit ist erfüllt, und genaht hat sich das Reich Gottes ... (Mk 1,14). Reich Gottes ist nun etwa kein typischer

Ausdruck in der Apokalyptik, doch sagt er inhaltlich ungefähr das gleiche aus wie der > kommende Äon<, > der neue Himmel und die neue

Erde<«. Bei Markus kommt daneben auch die Naherwartung ganz deutlich zum Ausdruck. Das ist nun sicherlich einer der wichtigsten

Punkte der Apokalyptik. Es liegt aber ein wichtiger Unterschied in der Lehre Jesu vor. Denn Jesus lehrt nicht nur das Kommen der Gottesherrschaft,

es finden sich darüber hinaus auch Aussagen, daß sie schon da ist. Dieses eigenartige Nebeneinander von Gegenwart und

Zukunft ist etwas ganz eigenes, etwas, das in der Zwei-Äonen-Lehre nicht vorkommt.

Der zweite Begriff, »Menschensohn«, ist in der jüdischen Apokalypse eine Hoheitsbezeichnung für den Mittler, der am Ende der Zeiten

kommen soll. Die Christen nun leben in der Erwartung der Wiederkunft (Parusie) Christi. Die national-jüdische Erwartung des davidischen

Messias mit Christus zu verbinden war nicht möglich. Ein davidischer Messias hätte weder am Kreuze enden dürfen noch hätte er ein

überirdisches Reich herbeigeführt. Die Parusie Christi war demnach viel leichter mit den apokalyptischen Menschensohn- Vorstellungen zu

beschreiben. Aus diesem Hintergrund heraus kommt es zu folgender Schilderung der Wiederkunft, in die jüdische Texte direkte Aufnahme

gefunden haben. Die Toten werden auferstehen, kosmische Katastrophen werden stattfin den, schließlich wird der Menschensohn mit

Feuerengeln erscheinen und die Seinen um sich scharen.

In der christlichen wie in der gesamten jüdischen Eschatologie gehen dem Ende unverkennbare Vorzeichen voraus. Neben Katastrophen wie

Kriegen und Hungersnöten wird vor allem der große Abfall stattfinden und der Widersacher auf der Welt sein Unwesen treiben. Der

endzeitliche Gegenspieler Gottes heißt nach christlichem Sprachgebrauch Antichrist (1 Joh 2, 18.22; 2 Joh 7). In der Apokalyptik war er ein

mythisches Ungeheuer, das schon in der ersten Schöpfung mit Gott gekämpft hatte. In der Urzeit hat Gott es nur besiegt und gebunden, in

der Endzeit aber, in der es als Satan, Drache oder auch in der Gestalt eines Menschen erscheinen wird, wird Gott es endgültig vernichten. Im

Neuen Testament ist der Gegenspieler Gottes der Gegenspieler Christi, den der Herr Jesus hinwegnehmen wird mit dem Hauch seines

Mundes (Is 11,4) und vernichten wird mit dem Aufleuchten seines Kommens. Sein Auftreten zeigt sich entsprechend der Kraftentfaltung des

Satans in jeder Art von Macht, trügerischen Zielen und Wundern (2 Thess 2,8). Er wird sich in den Tempel setzen und erklären, er sei Gott (2

Thess 2,4).

Die synoptische Apokalypse

In Markus 13 findet sich eine ausführliche Darstellung der > letzten Dinge<. Auf dem Ölberg weiht Jesus nur Petrus, Jakobus, Johannes und

Andreas in seine Leidensgeschichte ein. In dem Bericht über die künftigen Vorgänge lassen sich zwei Teile unterscheiden. Zunächst wird die

Drangsal der letzten Zeit der Weltgeschichte geschildert. Die Katastrophen und Bedrängnisse werden immer schlimmer. > Es werden falsche

Messiasse aufstehen und falsche Propheten, und sie werden Zeichen und Wunder tun< (Mk 13,22). Dies alles bleibt aber in irdischen

162

Rahmen. Erst ab Vers 24 mit dem Einbrechen der kosmischen Katastrophe setzt der überirdische Ablauf der Dinge ein. Wenn man diese

Einteilung vornimmt, wird man auch die Abschnitte davor als eigene Teile auffassen. Die Verse 5-8 stellen nicht die erste Phase der

Ereignisse dar, sondern einen groben Aufriß. In den Versen 9-13 kommt die gegenwärtige Situation der Kirche zum Ausdruck. Insgesamt

läßt sich daraus schließen, daß aus Einzelstücken verschiedener Herkunft ein Ganzes zusammengestellt worden ist. Allerdings wird wohl

schon vor Markus eine Apokalypse vorgelegen haben, deren zeitlicher Umfang wahrscheinlich weiter in die Geschichte zurückreicht, als dies

in Mk 13 der Fall ist. Die markinische Apokalypse erfährt bei Matthäus und Lukas einige Abwandlungen. Bei beiden ist aus der esoterischen

Rede Jesu eine öffentliche geworden. Bedeutender ist, daß die Naherwartung, die Markus besonders hervorhebt, bei Matthäus durch eine

Zwischenzeit der Kirche und Weltmission hinausgeschoben wird, bei Lukas sogar völlig abgelehnt wird.

Die Johannes-Apokalypse

Die Johannes-Apokalypse hat Aufnahme in den Kanon des Neuen Testamentes gefunden. Dies hat sie wohl einigen Besonderheiten zu

verdanken, die sie von anderen Apokalypsen unterscheidet.

Diese Offenbarung legt keinen Wert auf Pseudonymität. Johannes versteht sich selbst als Prophet, der von Christus dazu berufen wurde,

Sendschreiben an die > sieben Gemeinden in Asia zu richten<. Die Briefform macht deutlich, daß auf Esoterik verzichtet wird. Die

Siebenzahl der Gemeinden ist symbolisch zu verstehen. Die Sieben wird als die Zahl der Vollkommenheit und der Ganzheit verstanden.

Folglich sind die Gemeinden stellvertretend für die ganze Kirche angesprochen.

Die Offenbarung geschieht nicht in Traumvisionen, sondern in visionären Ekstasen. Überbracht wird sie nur selten von einem > angelus

interpres<. Daß diese Aufgabe in der christlichen Vorstellungswelt Christus übernimmt ist verständlich. Bemerkenswert ist schließlich noch,

daß die Visionen selten gedeutet werden.

Das Werk ist streng gegliedert. Der erste Teil beinhaltet die Berufungsvision, der zweite die sieben Sendschreiben an die Gemeinden, und

der dritte offenbart die künftigen Ereignisse. Auch in diesem dritten apokalyptischen Teil sind drei Gruppen ersichtlich. Ein und dieselbe Zeit

wird schrittweise beschrieben: Zuerst wird ein Überblick geboten, dann werden Details aufgezeigt, und schließlich wird sie vollständig

erschlossen. Inhaltlich ist die Offenbarung an vielen Stellen vom alten Testament abhängig, besonders aber sind die Wagenvision (Ez 1) und

das Menschensohnkapitel (Dan 7) von entscheidendem Einfluß gewesen.

Neben den Besonderheiten ist auch viel Verwandtes mit der übrigen Apokalyptik zu finden. Die Naherwartung der Parusie ist wieder

erwacht. In der Apokalypse des Markus, die wohl um die Mitte des 1. Jh. n. Chr. entstanden ist, war sie schon stark ausgeprägt. Bei Matthäus

und Lukas wurde sie allmählich zurückgedrängt. Die Bedrängnisse aber der domitianischen Verfolgung (ca. 95 n. Chr. ) haben sie zu neuem

Leben erweckt. Man nimmt an, daß die Apokalypse auch dazu verfaßt wurde, den Gemeinden in ihrer Not Trost und Kraft zum Durchhalten

zu spenden. Doch da der Zuspruch nur geringen Raum einnimmt, die > letzten Dinge< aber breit ausgemalt werden, hatte der Verfasser

dennoch wohl die Verbreitung apokalyptischer Vorstellungen besonders im Auge. Weiterhin ist der apokalyptische Determinismus deutlich

vorhanden. Das > Buch mit den 7 Siegeln< legt den Ablauf des Heilsplans Gottes fest, und so wird er unabänderlich ablaufen. Ein

christliches Element ist dabei, daß Christus die Endereignisse in die Wege leitet: Das Lamm wird die sieben Siegel lösen.

In der Johannes-Apokalypse ist der Gegensatz zwischen dieser Welt und der neuen Welt stärker als sonst im Neuen Testament

herausgearbeitet: > Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das

Meer ist nicht mehr.< (Off 21,1)

Breit ausgebaut ist auch die Schilderung des Antichristen. Er ist das Spiegelbild Satans und repräsentiert das römische Weltreich ebenso wie

den Kaiser Domitian. Dadurch wird der Gegenspieler des Messias zum erstenmal als eine Persönlichkeit der Gegenwart dargestellt. Außer

diesen genannten Punkten ergibt sich eine starke Abhängigkeit von der jüdischen Apokalyptik aus zwei Gedanken, die dem übrigen Neuen

Testament unbekannt sind. Einmal ist von einer messianischen Zwischenzeit die Rede. Christus wird den Teufel fesseln und für tausend

Jahre in den Abgrund werfen. Nach dem Tausendjährigen Reich wird der Teufel die Weltmächte Gog und Magog in den Kampf führen;

endgültig besiegt, wird er schließlich auf ewig in den Feuer- und Schwefelsee geworfen. Zum zweiten stehen vor dem Tausendjährigen

Reich nur die Gerechten auf, danach findet erst die allgemeine Totenauferstehung statt. Das ist eine Verbindung von zwei verschiedenen

jüdischen Auferstehungsvorstellungen.

Die Himmelfahrt des Jesaja

Die Schrift »Himmelfahrt Jesajas« ist eine jüdische Legende vom Martyrium des Jesaja und ein Visionsbericht. Wie fast die gesamte

apokalyptische Literatur ist auch dieses kein einheitliches Werk, sondern eine Kompilation von Bruchstücken. Im ersten Teil findet sich ein

Einschub, der vom Wirken Christi und von seinem Tod, von der Einsetzung der Kirche und ihrer Verfolgung, vom Erscheinen des

Antichristen (Beliar) und seiner Niederlage erzählt. Der Titel > Himmelfahrt des Jesaja< kommt von der Vision, die Jesaja in Form einer

Reise durch den Himmel erfahren haben soll.

Der zweite Teil ist deswegen interessant, weil darin doketischer und gnostischer Einfluß deutlich zu Tage tritt. So wird der Hl. Geist als

Engel dargestellt; mit Jesus kniet er vor dem Thron Gottes. Auch der Herrscher des Totenreiches wird als Engel bezeichnet. Das erinnert an

die gnostische Abstufung der Göttlichkeit. Die Geburt Jesu wird ganz doketisch beschrieben. Selbst Maria merkt nichts davon.

In gnostischer Form vollzieht sich der Abstieg Jesu in das Totenreich und danach der Aufstieg durch die Himmel, in den er den Seelen den

Weg zum Vater bahnt. Bei jedem Himmel muß er dem Türhüter ein Lösungswort angeben, damit er durchgelassen wird.

Wann die jüdische Schrift über das Martyrium des Jesaja entstanden ist, kann nicht sicher gesagt werden. Die christlichen Teile stammen

wohl aus dem 2. Jh. n. Chr.

Textquelle: Die Himmelfahrt des Jesaja

Im zwanzigsten Jahre der Herrschaft Hiskias, des Königs von Juda, kamen Jesaja, der Sohn des Amoz, und Jasub, der Sohn Jesajas, von

Gilgal nach Jerusalem zu Hiskia. Und nachdem Jesaja eingetreten war, setzte er sich auf das Bett des Königs, und obwohl man ihm einen

Sessel brachte, wollte er sich nicht darauf niederlassen. Da fing Jesaja an, mit dem König Hiskia Worte des Glaubens und der Gerechtigkeit

zu reden, während alle Fürsten Israels herum saßen samt den Eunuchen und Räten des Königs. Und es waren daselbst 40 Propheten und

Prophetensöhne, die waren aus den Nachbarbezirken, aus den Bergen und von den Feldern gekommen, als sie hörten, Jesaja würde aus

Gilgal zu Hiskia kommen. Und sie waren gekommen, ihn zu begrüßen und seine Rede zu hören, und daß er seine Hand auf sie legen sollte

und daß sie weissagten und er ihre Weissagung höre; und sie alle waren vor Jesaja. Dann redete Jesaja mit Hiskia Worte der Wahrheit und

des Glaubens, und alle hörten die Tür, die jemand geöffnet hatte, und die Stimme des Geistes. Da rief der König alle Propheten und das

ganze Volk, das sich daselbst vorfand, und sie kamen herein und Micha und Anania, der Alte, und Joel und Jasub setzten sich zu seiner

Rechten und zu seiner Linken. Und es geschah, als sie alle die Stimme des Heiligen Geistes hörten, fielen sie alle anbetend auf ihre Knie und

priesen Gott der Gerechtigkeit, den Höchsten in der höchsten Welt, der als Heiliger hoch oben seinen Sitz hat und unter den Heiligen ruht,

und sie gaben Ehre dem, der so eine Vortrefflichkeit der Worte einem Menschen verliehen hat. Und während er durch den Heiligen Geist

redete, indem alle zuhörten, schwieg er plötzlich still, und sein Bewußtsein ward von ihm genommen, und er sah die Männer nicht mehr, die

vor ihm standen; und seine Augen waren geöffnet, aber sein Mund war stumm, und das Bewußtsein seiner Körperlichkeit war von ihm

genommen, aber sein Odem war noch in ihm, denn er sah ein Gesicht.

Und der Engel, der entsandt war, ihn schauen zu lassen, gehörte nicht zu diesem Firmament und nicht zu den Engeln der Herrlichkeit dieser

Welt, sondern er war aus dem siebten Himmel gekommen. Und das Volk, welches herumstand, mit Ausnahme des Kreises der Propheten,

meinte nicht, daß der heilige Jesaja hinaufgenommen sei. Und das Gesicht, das er sah, war nicht von dieser Welt, sondern aus der Welt, die

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allem Fleisch verborgen ist. Und nachdem Jesaja dieses Gesicht geschaut hatte, teilte er es dem Hiskia, seinem Sohne Jasub und den übrigen

Propheten, die gekommen waren, mit. Aber die Obersten, die Eunuchen und das Volk hörten nicht zu, mit Ausnahme von Sebna, dem

Schreiber, Jojakim und Asaph, dem Chronisten, denn die waren Täter der Gerechtigkeit, und der Wohlgeruch des Geistes war in ihnen. Das

Volk aber hörte nicht zu, denn Micha und Jasub, sein Sohn, hatten es hinaustreten lassen, als das Wissen um diese Welt ihm genommen und

er wie ein Toter war.

Das Gesicht aber, welches Jesaja gesehen hatte, erzählte er dem Hiskia, seinem Sohne Jasub, dem Micha und den übrigen Propheten und

sprach: In diesem Zustande, als ich weissagte, nach dem Gehörten, das ihr gehört habt, sah ich einen hehren Engel, und er glich nicht der

Herrlichkeit der Engel, die ich sonst immer zu sehen pflegte, sondern er besaß große Herrlichkeit und Würde, so daß ich die Herrlichkeit

dieses Engels nicht beschreiben kann. Und als er mich bei meiner Hand gefaßt hatte, führte er mich empor; und ich sprach zu ihm: Wer bist

du, und wie ist dein Name, und wohin führst du mich aufwärts? Denn mir war die Macht verliehen worden, mit ihm zu reden. Und er sprach

zu mir: Wenn ich dich stufenweise aufwärts geführt haben werde und dir das Gesicht, zu dem ich gesandt worden bin, gezeigt haben werde,

dann wirst du erkennen, wer ich bin; aber meinen Namen wirst du nicht erfahren, denn du mußt in diesen deinen Leib zurückkehren. Wohin

ich dich aber emportragen werde, wirst du sehen, denn dazu bin ich gesandt worden. Und ich freute mich, daß er freundlich mit mir redete.

Und er sprach zu mir: Freust du dich, daß ich freundlich mit dir geredet habe? - und er sprach weiter - aber du wirst einen sehen, der größer

ist als ich, wie er freundlich und ruhig mit dir reden wird; und auch den Vater dessen, der größer ist, wirst du sehen, denn dazu bin ich aus

dem siebenten Himmel gesandt worden, um dir Licht zu bringen, in dies alles. Und wir stiegen hinauf zum Firmament, ich und er, und

daselbst sah ich den Sammael und seine Heerscharen, und ein großer Kampf fand gegen ihn statt, und die Engel Satans waren aufeinander

neidisch. Und so wie droben, also ist es auch auf der Erde, denn das Abbild dessen, was in dem Firmament ist, ist hier auf Erden. Und ich

sprach zu dem Engel: Was ist's mit diesem Kampf und was ist's mit diesem Neide? Und er sprach zu mir: So geht es, seitdem diese Welt

besteht, bis jetzt, und dieser Kampf wird dauern bis er kommen wird, den du sehen sollst, und den Satan vernichten wird. Und danach

brachte er mich hinauf über das Firmament, das ist der erste Himmel. Und daselbst sah ich in der Mitte einen Thron, und rechts und links

davon waren Engel. Aber die Engel zur Linken waren nicht gleich den Engeln, die zur Rechten standen, sondern die zur Rechten stehenden

besaßen eine größere Herrlichkeit; und sie lobsangen alle mit einer Stimme, und ein Thron war in der Mitte; und in der selben Weise

lobsangen auch die zur Linken nach ihnen, aber ihre Stimme war nicht wie die Stimme derer zur Rechten, und ihr Lobgesang nicht wie der

Lobgesang jener. Und ich fragte den Engel, der mich führte, und sprach zu ihm: Wem wird dieser Lobgesang gesandt? Und er sprach zu mir:

Es ist zum Preise dessen, der im siebenten Himmel ist, für den, der unter den Heiligen in Ewigkeit ruht und für seinen Geliebten, woher ich

zu dir gesandt worden bin. Dahin wird er gesandt. Und weiterhin ließ er mich aufsteigen in den zweiten Himmel, und die Höhe jenes

Himmels ist wie die vom Himmel zur Erde und zum Firmament. Und ich sah daselbst wie im ersten Himmel rechts und links Engel und

einen Thron in der Mitte und den Lobgesang der Engel im zweiten Himmel; und der, welcher im zweiten Himmel auf dem Throne saß, hatte

eine größere Herrlichkeit als alle andern. Und viel mehr Herrlichkeit war im zweiten Himmel, und ihr Lobgesang war nicht wie der

Lobgesang jener im ersten Himmel. Und ich fiel auf mein Angesicht, um ihn anzubeten, aber der Engel, der mich führte, gestattete es mir

nicht, sondern sprach zu mir: Bete nicht an weder Engel noch Thron, die zu den sechs Himmeln gehören, weshalb ich gesandt bin, dich zu

führen, bis ich es dir sagen werde im siebenten Himmel. Denn über alle Himmel und ihre Engel ist dein Thron gestellt und auch deine

Kleider und deine Krone, die du sehen sollst. Und ich freute mich sehr, daß diejenigen, welche den Höchsten und seinen Geliebten

liebhaben, bei ihrem Ende durch den Engel des Heiligen Geistes hier hinaufsteigen werden. Und er brachte mich hinauf in den dritten

Himmel, und ich sah in gleicher Weise, welche zur Rechten und zur Linken, und auch hier stand mitten darin ein Thron; aber das Gedächtnis

dieser Welt wird daselbst nicht erwähnt. Und ich sprach zu dem Engel, der bei mir war, denn die Herrlichkeit meines Angesichts verklärte

sich, als ich von Himmel zu Himmel emporstieg: Nichts Eitles aus jener Welt wird hier genannt. Und er antwortete und sprach zu mir: Nichts

wird genannt wegen seiner Schwachheit und nichts ist hier verborgen von dem, was geschieht. Und ich begehrte zu erforschen, wie es

erkannt wird, aber er antwortete und sprach zu mir: Wenn ich dich in den siebenten Himmel gebracht habe, woher ich gesandt bin, hoch über

diesen, dann wirst du erkennen, daß nichts verborgen ist den Thronen und denen, die in den Himmeln weilen, und den Engeln. Und die Lobgesänge,

die sie sangen, und die Herrlichkeit dessen, der auf dem Throne saß, war groß, und die Engel zur Rechten und zur Linken besaßen

eine größere Herrlichkeit als die im Himmel unter ihnen. Und er trug mich weiter empor zum vierten Himmel, und die Entfernung vom

dritten Himmel zum vierten ist größer als die von der Erde zum Firmament. Und daselbst sah ich wiederum, welche zur Rechten und welche

zur Linken, und der auf dem Throne saß, war mitten darin, und auch hier sangen sie Lobgesänge. Und die Lobgesänge und die Herrlichkeit

der Engel zur Rechten waren größer als die derer zur Linken, und wiederum war die Herrlichkeit dessen, der auf dem Throne saß, größer als

die der Engel zur Rechten, und ihre Herrlichkeit größer, als die derjenigen, die darunter waren. Und er brachte mich hinauf zum fünften

Himmel. Und wiederum sah ich, welche zur Rechten und welche zur Linken und den, der auf dem Throne saß, mit größerer Herrlichkeit

angetan als die im vierten Himmel. Und die Herrlichkeit derer zur Rechten übertraf die derer zur Linken. Und die Herrlichkeit dessen, der

auf dem Throne saß, war größer als die Herrlichkeit der Engel zur Rechten, und ihre Lobgesänge waren herrlicher als die im vierten Himmel.

Und ich pries den Unnennbaren und den Einzigen, der in den Himmeln wohnt, dessen Name unergründbar ist für alles Fleisch, der eine

solche Herrlichkeit von Himmel zu Himmel verliehen hat, der die Herrlichkeit der Engel groß macht und größer die Herrlichkeit dessen, der

auf dem Throne sitzt.

Und wiederum hob er mich empor in den Luftkreis des sechsten Himmels, und ich sah daselbst eine Herrlichkeit, wie ich sie im fünften

Himmel nicht gesehen hatte, als ich aufstieg, nämlich Engel in großer Herrlichkeit, un d daselbst war ein heiliger und wunderbarer

Lobgesang. Und ich sprach zu dem Engel, der mich führte: Was ist das, was ich sehe, mein Herr? Und er sprach: Ich bin nicht dein Herr,

sondern dein Genosse. Und ich fragte abermals und sprach zu ihm: Warum sind die Engel nicht mehr paarweis? Und er sprach: Vom

sechsten Himmel an und aufwärts gibt es nunmehr keine zur Linken und keinen Thron in der Mitte stehend, sondern von der Kraft des

siebenten Himmels, wo der Unnennbare sitzt, und sein Auserwählter, dessen Name unergründbar ist, und dessen Namen alle Himmel nicht

erfahren können, empfangen sie ihre Ordnung, denn er allein ist es, auf dessen Stimme alle Himmel und Throne Antwort geben. Ich bin also

ermächtigt und gesandt worden, um dich hier hinaufzubringen, daß du diese Herrlichkeit sehest, und sehest den Herrn aller jener Himmel

und dieser Throne sich verwandeln, bis er euer Aussehen und eure Gestalt bekommt. Ich sage dir aber, Jesaja, daß keiner, der in einen Leib

dieser Welt zurückkehren muß, aufgestiegen ist und gesehen und wahrgenommen hat, was du wahrgenommen hast und was du noch sehen

sollst, denn dir ist es bestimmt nach dem Lose des Herrn hierherzukommen, und von hier kommt die Kraft des sechsten Himmels und des

Luftkreises. Und ich erhob mit Lobpreisung meinen Herrn, daß ich nach seinem Lose hierher kommen würde. Und er sprach: Höre nun noch

dies von deinem Genossen: wenn du aus dem Leibe nach dem Willen Gottes als Geist hier hinaufgestiegen bist, dann wirst du das Kleid

empfangen, das du sehen wirst, und auch die andern Kleider, gezählt und beiseite gelegt, wirst du sehen, und dann wirst du den Engeln im

siebenten Himmel gleichen. Und er brachte mich hinauf in den sechsten Himmel, da gab es keine zur Linken und keinen Thron in der Mitte,

sondern alle hatten ein Aussehen und ihr Lobgesang war der gleiche. Und mir war Macht gegeben, und ich lobsang mit ihnen, und auch jener

Engel, und unser Lobgesang war wie der ihrige. Und daselbst nannten alle den ersten Vater und seinen Geliebten Christus und den Heiligen

Geist, alle mit einer Stimme, und sie war nicht wie die Stimme der Engel im fünften Himmel, und nicht wie ihre Rede, sondern eine andere

Stimme erscholl daselbst, und viel Licht war daselbst. Und dann, als ich im sechsten Himmel war, hielt ich für Finsternis jenes Licht, das ich

in den fünf Himmeln gesehen hatte. Und ich freute mich und pries den, der solches Licht denen, die seine Verheißung erwarten, geschenkt

hat. Und ich flehte den Engel, der mich führte, an, daß er mich von nun an nicht mehr in die Welt des Fleisches zurückführen solle. Ich sage

euch aber, Hiskia und Jasub, mein Sohn, und Micha, daß viel Finsternis hier ist. Und der Engel, der mich führte, fühlte, was ich dachte, und

sprach: Wenn du dich schon über dieses Licht freust, wie vielmehr, wenn im siebenten Himmel du das Licht sehen wirst, wo Gott und sein

Geliebter ist, woher ich gesandt worden bin, der in der Welt Sohn genannt werden soll. Noch nicht ist er offenbart worden, der in der

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verderbten Welt sein soll, und die Kleider und Throne und Kronen, die für die Gerechten zurückgelegt sind, für die, welche an jenen Herrn

glauben, der in eurer Gestalt herabkommen wird. Denn das Licht daselbst ist groß und wunderbar. Was aber deinen Wunsch, nicht in das

Fleisch zurückzukehren, betrifft, so sind deine Tage noch nicht erfüllt, daß du hierherkommen könntest. Als ich das hörte, wurde ich traurig;

er aber sprach: Sei nicht traurig. Und er trug mich in den Luftkreis des siebenten Himmels, und ich hörte nochmals eine Stimme, die sprach:

Bis wieweit soll er hinaufsteigen, der bei Fremden wohnt?, und ich fürchtete mich und begann zu zittern. Und als ich zitterte, siehe da kam

eine andere Stimme von da gesandt und sprach: Es sei dem heiligen Jesaja erlaubt, bis hierher aufzusteigen, denn hier ist sein Kleid. Und ich

fragte den Engel, der mit mir war, und sprach: Wer ist jener, der mir verbot, und wer ist dieser, der mir erlaubte aufzusteigen? Und er sprach

zu mir: Der dir verbot, ist der, welcher über die Lobgesänge des sechsten Himmels gesetzt, ist und der dir Erlaubnis gab, ist dein Herr, Gott,

der Herr Christus, der auf Erden Jesus genannt werden soll, aber seinen Namen kannst du nicht hören, bis du aufsteigen wirst aus diesem

Leibe. Und er ließ mich aufsteigen in den siebenten Himmel, und daselbst sah ich ein wunderbares Licht und Engel ohne Zahl. Und daselbst

sah ich alle Gerechten von Adam an, und daselbst sah ich den heiligen Abel und alle Gerechten. Und daselbst sah ich Henoch und alle, die

mit ihm waren, entkleidet des fleischlichen Gewandes, und ich sah sie in ihren höheren Gewändern, und sie waren wie die Engel, die

daselbst in großer Herrlichkeit stehen. Aber auf ihren Thronen saßen sie nicht, noch waren die Kronen ihrer Herrlichkeit auf ihrem Haupte.

Und ich fragte den Engel, der mit mir war: Wie kommt es, daß sie wohl ihre Kleider empfangen haben, aber ohne ihre Throne und ihre

Kronen sind? Und er sprach zu mir: Die Kronen und Throne der Herrlichkeit haben sie jetzt nicht empfangen, sondern erst, wenn der

Geliebte hinaufsteigen wird in der Gestalt, in der du ihn herabsteigen sehen wirst -; es wird nämlich in den letzten Tagen der Herr, der

Christus genannt werden soll, in die Welt hinabsteigen. - Aber dennoch sehen sie die Throne und wissen, wem von ihnen sie gehören werden

und wem die Kronen gehören werden, nachdem er hinabgestiegen und euch an Aussehen gleich geworden sein wird, und man meinen wird,

er wäre Fleisch und ein Mensch. Und der Gott jener Welt wird die Hand gegen seinen Sohn ausstrecken, und sie werden Hand an ihn legen

und ihn kreuzigen am Holze, ohne zu wissen, wer es ist. Und so wird sein Herabkommen, wie du sehen wirst, den Himmeln verborgen sein,

so daß unbemerkt bleibt, wer es ist. Und wenn er dem Engel des Todes die Beute genommen haben wird, wird er am dritten Tage aufsteigen

und wird in jener Welt 545 Tage bleiben, und dann werden viele von den Gerechten mit ihm aufsteigen, deren Geister die Kleider nicht

empfangen, bis der Herr Christus aufsteigen wird, und sie mit ihm aufsteigen. Dann also werden sie ihre Kleider und ihre Throne und Kronen

empfangen, wenn jener in den siebenten Himmel aufgestiegen sein wird. Und ich sprach zu ihm: Wonach ich dich schon im dritten Himmel

fragte: zeige mir, wie das, was in jener Welt geschieht, hier bekannt wird. Und während ich noch mit ihm redete, siehe da kam einer von den

Engeln, die umherstanden, herrlicher als die Herrlichkeit jenes Engels, der mich aus der Welt heraufgebracht hatte. Und er zeigte mir Bücher

aber nicht wie Bücher, dieser Welt, und er öffnete sie, und die Bücher waren geschrieben, aber nicht wie Bücher dieser Welt. Und er gab sie

mir, und ich las sie, und siehe, die Taten der Kinder Israels waren darin aufgezeichnet, und die Taten solcher, die ich nicht kenne, mein Sohn

Jasub. Und ich sprach: Wahrhaftig, es ist nichts verborgen im siebenten Himmel von dem, was in dieser Welt geschieht. Und ich sah daselbst

viele Kleider niedergelegt und viele Throne und viele Kronen. Und ich sprach zu dem Engel, der mich führte: Wem gehören diese Kleider

und Throne und Kronen? Und er sprach zu mir: Diese Kleider sollen viele aus jener Welt empfangen, wenn sie glauben an die Worte jenes,

der, wie ich dir gesagt habe, genannt werden soll, und sie halten und daran glauben und an sein Kreuz glauben. Für sie sind sie niedergelegt.

Und ich sah einen dastehen, dessen Herrlichkeit alles überragte, und seine Herrlichkeit war groß und wunderbar. Und nachdem ich ihn

erblickt hatte, kamen alle Gerechten, die ich sah, und alle Engel, die ich sah, zu ihm, und Adam, Abel und Seth und alle Gerechten traten

zunächst heran, beteten ihn an und priesen ihn alle mit einer Stimme, und auch ich lobsang mit ihnen und mein Lobgesang war wie der

ihrige. Und dann traten alle Engel heran, beteten und lobsangen. Und ich wandelte mich wiederum und wurde wie ein Engel. Da sprach der

Engel, der mich führte, zu mir: Es ist der Herr aller Herrlichkeit, den du gesehen hast. Und während der Engel noch redete, sah ich einen

andern Herrlichen, der ihm glich, und die Gerechten traten zu ihm heran, beteten an und lobsangen, und auch ich lobsang mit ihnen, aber

meine Herrlichkeit wandelte sich nicht nach ihrem Aussehen. Und danach traten die Engel heran und beteten an. Und ich sah den Herrn und

den zweiten Engel, und sie standen, der andere aber, den ich gesehen hatte, war zur Linken meines Herrn. Und ich fragte: Wer ist dieser? und

er sprach zu mir: Bete ihn an, denn dieser ist der Engel des Heiligen Geistes, der durch dich und die andern Gerechten geredet hat. Und ich

schaute die große Herrlichkeit, indem die Augen meines Geistes geöffnet wurden, und ich vermochte danach nicht zu sehen, noch der Engel,

der mit mir war, noch alle Engel, die ich meinen Herrn hatte anbeten sehen. Aber die Gerechten sah ich mit großer Kraft die Herrlichkeit

jenes schauen. Da trat mein Herr zu mir, und der Engel des Geistes und sprach: Siehe, wie dir gegeben ist, Gott zu schauen, und um

deinetwillen ist dem Engel bei dir Macht gegeben worden. Und ich sah, wie mein Herr anbetete und der Engel des Heiligen Geistes und wie

beide zusammen Gott priesen. Und danach traten alle Gerechten heran und beteten an, und die Engel traten heran und beteten an, und alle

Engel lobsangen. Und danach hörte ich die Stimmen und Lobgesänge, die ich in jedem einzelnen der sechs Himmel hatte aufsteigen hören

und die hier vernehmbar waren. Und sie wurden alle jenem Herrlichen geschickt, dessen Herrlichkeit ich nicht sehen konnte. Und ich selbst

hörte und sah den Lobgesang für ihn. Und der Herr und der Engel des Geistes hörten alles und sahen alles. Und alle Lobgesänge, die aus den

sechs Himmeln gesandt wurden, wurden nicht allein gehört, sondern sie waren auch sichtbar. Und ich hörte den Engel, der mich führte, wie

er sprach: Das ist der Höchste der Hohen, der in der heiligen Welt wohnt und unter den Heiligen ruht, der von dem Heiligen Geist durch den

Mund der Gerechten Vater des Herrn genannt werden soll. Und ich hörte die Worte des Höchsten, des Vaters meines Herrn, wie er zu

meinem Herrn Christus, der Jesus genannt werden soll, sprach: Geh und steige hinab durch alle Himmel und steige hinab zum Firmamente

und zu dieser Welt, bis zum Engel im Totenreich, aber bis zur Hölle sollst du nicht gehen. Und du sollst gleich werden dem Bilde aller, die in

den fünf Himmeln sind, und der Gestalt der Engel im Firmament wirst du mit Sorgfalt gleichen und auch den Engeln, die im Totenreich sind.

11 Und keiner von den Engeln dieser Welt wird erkennen, daß du mit mir zusammen der Herr der sieben Himmel und ihrer Engel bist. 12

Und sie werden nicht erkennen, daß du zu mir gehörst, bis ich mit der Stimme der Himmel ihre Engel und ihre Lichter rufen und die

gewaltige Stimme zum sechsten Himmel hin erschallen lassen werde, daß du richten und vernichten sollst den Fürsten und seine Engel und

die Götter dieser Welt, und die Welt, die von ihnen regiert wird, 13 denn sie haben mich verleugnet und gesagt: Wir allein und außer uns

niemand. 14 Und dann wirst du von den Engeln des Todes zu deinem Platze aufsteigen und dich nicht verwandeln in jedem Himmel, sondern

in Herrlichkeit wirst du aufsteigen und zu meiner Rechten sitzen. 15 Und dann werden dich die Fürsten und Mächte dieser Welt anbeten. 16

Das hörte ich die große Herrlichkeit meinem Herrn befehlen. 17 Und danach sah ich, als mein Herr aus dem siebenten Himmel in den sechsten

Himmel heraustrat. 18 Und der Engel, der mich führte aus dieser Welt, war bei mir und sprach: Merke auf Jesaja, und schau, daß du die

Verwandlung des Herrn und sein Hinabsteigen siehst. 19 Und ich schaute, und als die Engel ihn dann sahen, die im sechsten Himmel sind,

priesen und lobten sie ihn, denn er war noch nicht verwandelt in die Gestalt der Engel daselbst, und sie priesen ihn, und auch ich pries mit

ihnen. 20 Und ich sah, als er in den fünften Himmel hinabstieg und im fünften Himmel das Aussehen der Engel daselbst annahm, und sie

priesen ihn nicht, denn sein Aussehen war wie das ihrige. 21 Und alsbald stieg er in den vierten Himmel hinab und nahm das Aussehen der

Engel daselbst an, 22 und als sie ihn sahen, priesen und lobten sie ihn nicht, denn sein Aussehen war wie das ihrige. 23 Und wiederum sah

ich, als er in den dritten Himmel hinabstieg und das Aussehen der Engel im dritten Himmel annahm. 24 Und die Hüter an der Pforte des

Himmels verlangten das Losungswort, und der Herr gab es ihnen, um nicht erkannt zu werden, und als sie ihn sahen, priesen und lobten sie

ihn nicht, denn sein Aussehen war wie das ihrige. 25 Und wiederum sah ich, als er in den zweiten Himmel hinabstieg, und abermals gab er

daselbst das Losungswort, denn die Türhüter verlangten es, und der Herr gab es. 26 Und ich sah, wie er die Gestalt der Engel im zweiten

Himmel annahm und sie ihn sahen und ihn nicht priesen, weil sein Aussehen war wie das ihrige. 27 Und abermals sah ich, wie er in den

ersten Himmel hinabstieg und auch daselbst das Losungswort den Türhütern gab und das Aussehen der Engel annahm, die zur Linken jenes

Thrones sind, und wie sie ihn nicht priesen und lobten, weil sein Aussehen wie das ihrige war. 28 Mich aber fragte niemand wegen des

Engels, der mich führte. 29 Und weiterhin stieg er hinab in das Firmament, wo der Fürst dieser Welt wohnt, und er gab das Losungswort

denen zur Linken, und sein Aussehen war wie das ihrige, und sie priesen ihn nicht daselbst, sondern sie bekämpften einander aus Neid, denn

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daselbst herrscht die Macht des Bösen und Neid um das Geringste. 30 Und ich sah, als er hinabstieg und den Engeln der Luft gleich wurde

und er war wie einer von ihnen. 31 Und er gab kein Losungswort, denn einer beraubte und vergewaltigte den andern.

1 Und danach schaute ich, und der Engel, der mit mir redete, welcher mich führte, sprach zu mir: Merke auf, Jesaja, Sohn des Amoz, denn

dazu bin ich von Gott gesandt. 2 Und ich sah aus dem Geschlecht Davids, des Propheten, ein Weib mit Namen Maria, die war eine Jungfrau,

und einem Mann mit Namen Joseph verlobt, einem Zimmermann, und auch er war aus dem Samen und dem Geschlechte des gleichen David

aus Bethlehem in Juda. 3 Und er kam zu seinem Anteil. Und als sie verlobt war, fand es sich, daß sie schwanger war, und Joseph, der

Zimmermann, wollte sie verlassen. 4 Aber der Engel des Geistes erschien in dieser Welt, und darnach verließ Joseph Maria nicht, sondern

bewahrte sie; er offenbarte aber niemand diese Angelegenheit. 5 Und er nahte sich nicht Maria, sondern bewahrte sie wie eine heilige, wenn

auch schwangere Jungfrau. 6 Und er wohnte noch nicht zwei Monate mit ihr. 7 Und nach zwei Monaten an Tagen, als Joseph in seinem

Hause war und Maria sein Weib, jedoch beide allein, 8 da geschah es, während sie allein waren, daß Maria alsbald mit ihren Augen

hinschaute und ein kleines Kind sah, und sie war bestürzt. 9 Und als die Bestürzung gewichen war, wurde ihr Mutterleib wie zuvor befunden,

ehe sie schwanger war. 10 Und als ihr Mann Joseph zu ihr sagte: Was macht dich bestürzt? wurden seine Augen geöffnet, und er sah das

Kind und pries Gott, daß der Herr zu seinem Anteil gekommen sei. 11 Und eine Stimme kam zu ihnen: Erzählt dieses Gesicht niemand. 12

Aber das Gerücht über das Kind verbreitete sich in Bethlehem. 13 Einige sagten: Die Jungfrau Maria hat geboren, bevor sie zwei Monate

verheiratet war, 14 und viele sagten: Sie hat nicht geboren, und die Wehmutter ist zu ihr hinaufgegangen, und wir haben keinen

Schmerzensschrei gehört. Und sie waren alle im Dunkel über ihn, alle wußten von ihm, aber keiner wußte, woher er war. 15 Und sie nahmen

ihn und kamen nach Nazareth in Galiläa. 16 Und ich sah, o Hiskia und mein Sohn Jasub, und erkläre vor den übrigen Propheten, die hier

stehen, daß er allen Himmeln und allen Fürsten und jedem Gott dieser Welt geboren war. 17 Und ich sah: er sog in Nazareth die Brust wie

ein Säugling und wie es Sitte war, um nicht erkannt zu werden. 18 Und als er herangewachsen war, tat er große Zeichen und Wunder im

Lande Israel und in Jerusalem. 19 Und darnach wurde der Widersacher neidisch auf ihn und reizte die Kinder Israels gegen ihn auf, indem

sie nicht wußten, wer er war, und überlieferten ihn dem Könige und kreuzigten ihn, und er stieg hinab zum Engel der Unterwelt. 20 In

Jerusalem nämlich sah ich, wie sie ihn kreuzigten am Holze, 21 und auch wie er nach drei Tagen auferstand und noch manche Tage blieb. 22

Und der Engel, der mich führte, sprach zu mir: Merke auf, Jesaja! Und ich sah, als er seine zwölf Jünger aussandte und auffuhr. 23 Und ich

sah ihn, und er war im Firmament, aber er hatte sich nicht verwandelt in ihre Gestalt, und alle Engel des Firmaments und Satan sahen ihn und

beteten ihn an. 24 Und es erhob sich daselbst große Trauer, indem sie sprachen: Wie ist unser Herr herabgekommen über uns, und wir

merkten nicht die Herrlichkeit, die über ihm war, die, wie wir sehen, sich über ihm befand vom sechsten Himmel her? 25 Und er stieg auf in

den zweiten Himmel und verwandelte sich nicht, sondern alle Engel zur Rechten und zur Linken und der Thron in der Mitte 26 beteten ihn

an und priesen ihn und sprachen: Wie ist unser Herr uns verborgen geblieben, als er hinabstieg, und wir merkten nichts? 27 Und ebenso stieg

er auf zum dritten Himmel, und sie lobsangen und sprachen in gleicher Weise, 28 und in dem vierten und fünften Himmel sprachen sie genau

ebenso, 29 es war vielmehr ein Lobgesang und danach verwandelte er sich nicht. 30 Und ich sah, als er in den sechsten Himmel aufgestiegen

war, und sie ihn anbeteten und ihn priesen, 31 aber in allen Himmeln wuchs die Lobpreisung. 32 Und ich sah ihn, wie er in den siebenten

Himmel aufstieg und alle Gerechten und alle Engel ihn priesen. Und alsbald sah ich, wie er zur Rechten jener großen Herrlichkeit sich

niedersetzte, deren Herrlichkeit ich, wie ich euch sagte, nicht zu schauen vermochte. 33 Und auch den Engel des heiligen Geistes sah ich zur

Linken sitzen. 34 Und dieser Engel sprach zu mir: Jesaja, Sohn des Amoz, es ist genug für dich, denn das sind gewaltige Dinge, du hast ja

geschaut, was kein Fleischgeborener sonst geschaut hat, 35 und du wirst in dein Kleid zurückkehren, bis deine Tage erfüllt sind; dann wirst

du hierher kommen. Dies habe ich gesehen. 36 Und Jesaja erzählte es allen, die vor ihm standen, und sie lobsangen. Und er redete mit dem

König Hiskia und sprach: Solches habe ich geredet, 37 und das Ende dieser Welt 38 Und dieses ganze Gesicht wird sich erfüllen im letzten

Geschlecht. 39 Und Jesaja ließ ihn schwören, daß er dies dem Volke Israel nicht erzählen würde, noch irgendeinem Menschen gestattet

würde, die Worte niederzuschreiben. 40 Soweit ihr vom Könige vernehmen werdet, was in den Propheten gesagt ist, soweit sollt ihr es lesen.

Und auch ihr sollt im Heiligen Geiste sein, damit ihr eure Kleider und die Throne und Kronen der Herrlichkeit, die im siebenten Himmel

aufbewahrt werden, empfangt.

41 Wegen dieser Gesichte und Weissagungen zersägte Sammael Satan durch die Hand Manasses den Propheten Jesaja, den Sohn des Amoz.

Und dieses alles überlieferte Hiskia dem Manasse im 26. Jahre. 43 Aber Manasse dachte nicht daran und nahm es nicht zu Herzen, sondern

nachdem er dem Satan untertan geworden war, ging er zugrunde. Hier ist zu Ende das Gesicht des Propheten Jesaja samt seiner Himmelfahrt.

Textquelle: Das Martyrium des Jesaja

Nachdem Hiskia gestorben, und Manasse König geworden war, gedachte er nicht mehr der Gebote seines Vaters Hiskia, sondern vergaß sie,

und Sammael nistete sich in Manasse ein und umklammerte ihn. Manasse aber hörte auf, dem Gotte seines Vaters zu dienen, und diente dem

Satan, seinen Engeln und Mächten. Er veränderte, was im Hause seines Vaters vor Hiskia gegolten hatte: die Worte der Weisheit und den

Gottesdienst. Auch änderte Manasse seinen Sinn, so daß er dem Belial diente; denn der Fürst des Unrechts, der diese Welt beherrscht, ist

Belial, dessen Name Matanbukus ist. Dieser hatte in Jerusalem seine Freude an Manasse und bestärkte ihn in der Verführung und in dem

Unrecht, das in Jerusalem verbreitet war. Da nahm zu die Zauberei, die Beschwörungskunst, das Wahrsagen aus dem Vogelflug, die Magie,

die Hurerei, der Ehebruch und die Verfolgung der Gerechten durch Manasse, Bechira, Tobia, Kanaanai, Johannes aus Anathoth und Zaliq

Newai. Der Rest der Erzählung ist in dem Buche der Könige von Juda und Israel aufgezeichnet. Als aber Jesaja, der Sohn des Amoz, das

viele Unrecht sah, das in Jerusalem geschah, den Dienst Satans und sein Possentreiben, entwich er aus Jerusalem und ließ sich in

Bethlehem-Juda nieder. Da aber auch hier viel Unrecht geschah, entwich er auch aus Bethlehem und ließ sich auf einem Berg in der Wüste

nieder. Der Prophet Micha, der Greis Anania, Joel, Habakuk, sein Sohn Jasub und viele Gläubige, die an die Himmel fahrt glaubten, zogen

sich zurück und ließen sich auf diesem Berge nieder. Alle legten einen Sack um, alle waren Propheten; sie hatten nichts außer ihrem nackten

Leben bei sich, und alle trauerten tief über den Abfall Israels. Auch hatten sie nichts zu essen als Wüstenkräuter, die sie auf den Bergen

sammelten, dann kochten und in Gemeinschaft mit dem Propheten Jesaja verspeisten, und so brachten sie zwei Jahre Zeit auf diesen Bergen

und Hügeln zu. Danach aber, als sie sich in der Wüste befanden, trat ein Mann auf, ein Samaritaner namens Bechira aus dem Geschlechte

Zedekias, des Sohnes Kenaanas, eines Lügenpropheten, der in Bethlehem wohnte. Hiskia, der Sohn Kenaanas, der Bruder seines Vaters, war

in den Tagen Ahabs, des Königs von Israel, der Lehrer der 400 Baalspropheten, und er schlug und beschimpfte den Propheten Micha, den

Sohn Jimlas. Er wurde von Ahab beschimpft, und Micha wurde mit dem Propheten Zedekia ins Gefängnis geworfen; sie waren zusammen

mit Ahasja, dem Sohn Alamerem Balaaw. Elia, der Thisbite aus Gilead, schalt den Ahasja und Samarien und prophezeite dem Ahasja, daß er

auf seinem Lager an seiner Krankheit sterben und Samarien in die Hand Salmanassars übergehen werden würde, weil er die Propheten

Gottes getötet hatte. Als aber die Lügenpropheten es hörten, die sich bei Ahasja, dem Sohn Ahabs, befanden, überredeten die den Ahasja und

töteten den Micha.

Bechira aber erfuhr und sah den Ort, wo Jesaja und die Propheten, die bei ihm waren, sich befanden, denn er wohnt in Bethlehem; und er

hing dem Manasse an. Auch weissagte er Lügenworte über Jerusalem, und viele Bewohner von Jerusalem hatten sich mit ihm verbündet,

obwohl er ein Samaritaner war. Als aber Salmanassar, der König von Assyrien, kam, Samarien eroberte und neun Stämme in die

Gefangenschaft schleppte und in die Provinzen der Meder und an die Ströme Gosan führte, entkam dieser Jüngling und gelangte in den

Tagen des Hiskia, des Königs von Juda, nach Jerusalem; er wandelte aber nicht auf dem Wege seines Vaters, des Samaritaners, weil er

Hiskia fürchtete. In den Tagen Hiskias trat er auf und hielt gottlose Reden in Jerusalem. Da klagten ihn die Söhne Hiskias an, und er entfloh

in die Gegend von Bethlehem. Bechira aber klagte den Jesaja und die bei ihm befindlichen Propheten an, indem er sagte: Jesaja und seine

Genossen weissagen wider Jerusalem und die Städte Judas, daß sie verwüstet werden sollen, und wider Benjamin, daß es ins Exil wandern

soll, und auch wider dich, o Herr König, daß du mit Spitzhaken und eisernen Ketten ins Exil wandern mußt. Jene aber verkünden solche

166

Prophezeiungen über Israel und Juda. Jesaja selbst hat gesagt: Ich sehe mehr als der Prophet Moses. Moses hat zwar gesagt: Es gibt

niemanden, der Gott sähe und am Leben bliebe, aber Jesaja hat gesagt: Ich habe Gott gesehen und siehe, ich lebe! O König, erkenne doch,

daß jene Lügenpropheten sind. Jerusalem hat er, Jesaja, Sodom genannt und die Fürsten von Juda und Jerusalem für Gomorrhavolk erklärt.

Er klagte aber öfter den Jesaja und die Propheten bei Manasse an. Belial aber besaß das Herz Manasses, das der Fürsten von Juda und

Benjamin, der Eunuchen und Ratgeber des Königs. Die Rede Bechiras gefiel ihm ausnehmend, und er ließ den Jesaja ergreifen. Während

Jesaja zersägt wurde, stand Bechira ihn anklagend da, und alle Lügenpropheten standen da, indem sie lachten und Schadenfreude über Jesaja

empfanden. Belial stand vor Jesaja, ihn verlachend. Da sagte Belial zu Jesaja: Sprich: Alles, was ich geredet habe, habe ich gelogen; die

Wege Manasses sind gut und recht, und auch die Wege Bechiras sind gut. Dies sprach er, als man anfing Jesaja zu zersägen. Jesaja aber

schaute den Herrn, und seine Augen waren nach ihm zu geöffnet, so daß er sie nicht sah. Da sprach Malkira also zu Jesaja: Sprich nach was

ich dir vorsagen werde, und ich will ihren Sinn ändern und bewirken, daß Manasse und die Fürsten von Juda, das Volk und ganz Jerusalem

dich anbeten. Da antwortete Jesaja und sprach: So weit es bei mir steht, verflucht ... seist du, alle deine Mächte und dein ganzes Haus. Denn

du kannst nicht mehr, als die Haut meines Fleisches nehmen. Da ergriffen und zersägten sie Jesaja, den Sohn des Amoz, mit einer Baumsäge.

Manasse, Bechira, die Lügenpropheten, die Fürsten, das Volk und alle standen da und sahen zu. Den Propheten, die bei ihm waren, sagte er,

bevor er zersägt wurde: Geht in die Gegend von Tyrus und Sidon, denn mir allein hat Gott den Becher gemischt. Jesaja aber schrie weder

noch weinte er, als er zersägt wurde, sondern sein Mund unterhielt sich mit dem heiligen Geist, bis er entzweigesägt worden war.

Die Offenbarung des Petrus

Es gibt mehrere Petrusapokalypsen. Unsere Apokalypse ist wohl in der ersten Hälfte des 2. Jh. in Ägypten entstanden. Auf diesen

Entstehungsort schließt man, da die Schrift von Clemens von Alexandrien bedeutend genannt wurde, und im 10. Kapitel ein Hinweis auf

ägyptische Tierverehrung steht. Aber nicht nur Clemens schätzte dieses Werk, es wurde in vielen Kreisen der Kirche lange Zeit den

neutestamentlichen Schriften gleichgestellt. Obwohl es aber nicht in den Kanon aufgenommen wurde, hatte sein Inhalt den denkbar größten

Einfluß auf die Lehre der Kirche. Es ist eine jener Schriften, die die Vorstellungen des Christentums von Himmel und Hölle geformt haben.

Während die Johannes-Apokalypse ihr Hauptaugenmerk auf die Person Jesu richtet, auf seinen Kampf gegen den Teufel und seinen Sieg,

wird hier das Jenseits geschildert, so wie es sich darstellen wird für die Guten und für die Bösen.

Durch diese Apokalypse sind orientalische und griechische Einflüsse in das Christentum eingedrungen. Mögen auch schon vorher

Jenseitserzählungen existiert haben (z. B. Lk 16,19-31; Joh-Apk 21), so detaillierte Schilderungen der Qualen im Feuersee und der

himmlischen Freuden gab es noch nie.

Auch in der Literatur hat diese Offenbarung, die als das Werk des Apostelfürsten galt, weitergewirkt, angefangen von den christlichen

Sibyllinen bis hin zu Dantes >Divina Commedia<. Das, was Dante übernommen hat, zeigt, daß das Mittelalter damit einseitig die Schrecken

der Hölle aufgegriffen hat, in der Absicht zu erziehen.

Die Petrus-Apokalypse war lange nur in Bruchstücken erhalten, bis 1910 der vollständige Text in einer äthiopischen Übersetzung

aufgefunden wurde. Die folgende deutsche Übersetzung beruht auf dieser äthiopischen Handschrift.

Textquelle: Offenbarung des Petrus

1 Und indem er auf dem Ölberg saß, traten zu ihm die Seinigen, und wir beteten ihn an und flehten einzeln ihn an und baten ihn, indem wir

zu ihm sagten: »Tue uns kund, was die Zeichen deiner Parusie und des Endes der Welt sind, damit wir erkennen und merken die Zeit deiner

Parusie und die nach uns Kommenden unterweisen, denen wir das Wort deines Evangeliums predigen und die wir in deiner Kirche einsetzen,

damit sie, wenn sie es hören, sich in acht nehmen, daß sie merken die Zeit deiner Parusie.« Und unser Herr antwortete uns, indem er zu uns

sagte: »Gebt acht, daß man euch nicht verführe und daß ihr nicht Zweifler werdet und anderen Göttern dienet. Viele werden kommen in

meinem Namen, indem sie sagen: >Ich bin Christus<. Glaubet ihnen nicht und nähert euch ihnen nicht. Denn die Parusie des Gottessohnes

wird nicht offenbar sein, sondern wie der Blitz, der scheint vom Osten bis zum Westen, so werde ich kommen auf der Wolke des Himmels

mit großem Heer in meiner Herrlichkeit; indem mein Kreuz vor meinem Angesicht hergeht, werde ich kommen in meiner Herrlichkeit;

indem ich siebenmal so hell wie die Sonne leuchte, werde ich kommen in meiner Herrlichkeit mit allen meinen Heiligen, meinen Engeln,

wenn mein Vater mir eine Krone aufs Haupt setzt, damit ich richte die Lebendigen und die Toten und jedem vergelte nach seinem Tun.

2 Und ihr- nehmet von dem Feigenbaum das Gleichnis davon: Sobald sein Sproß hervorgekommen und seine Zweige getrieben sind, wird

eintreten das Ende der Welt.« -Und ich, Petrus, antwortete ihm und sagte zu ihm: »Deute mir betreffs des Feigenbaums und woran wir das

erkennen, denn alle seine Tage hindurch sproßt der Feigenbaum und jedes Jahr bringt er seine Frucht seinen Herren. Was bedeutet also das

Gleichnis vom Feigenbaum? Wir wissen es nicht.< -Und es antwortete mir der Meister und sagte zu mir: > Verstehst du nicht, daß der

Feigenbaum das Haus Israel ist? Wie ein Mann in seinem Garten einen Feigenbaum gepflanzt hatte, und der brachte nicht Frucht. Und er

suchte seine Frucht lange Jahre. Und da er sie nicht fand, sagte er zu dem Hüter seines Gartens: >Reiß diese Feige aus, damit sie uns nicht

unser Land unfruchtbar sein läßt!< Und der Gärtner sagte zu Gott: >Wir Diener wollen ihn vom Unkraut reinigen und den Boden unter ihm

umgraben und ihn mit Wasser begießen. Wenn er dann nicht Frucht bringt, wollen wir sogleich seine Wurzeln aus dem Garten entfernen und

einen andern an seiner Statt pflanzen.< Hast du nicht begriffen, daß der Feigenbaum das Haus Israel ist? Wahrlich, ich sage dir, wenn seine

Zweige getrieben haben am Ende, werden lügnerische Christusse kommen und die Hoffnung erwecken mit den Worten: >Ich bin Christus,

der ich einst in die Welt gekommen bin.< Und wenn sie die Bosheit seines je des falschen Christus Tuns sehen, werden sie sich abwenden

hinter ihnen her und den verleugnen, dem unsere Väter Lobpreis sagten, die den ersten Christus kreuzigten und damit schwer sündigten.

Dieser Lügnerische ist aber nicht Christus. Und wenn sie ihn verschmähen, wird er mit Schwertern Dolchen morden, und es wird viele

Märtyrer geben. Alsdann werden die Zweige des Feigenbaums, d. h. des Hauses Israels, treiben, allein es werden viele durch seine Hand

Märtyrer werden, sie werden sterben und Märtyrer werden. Henoch und Elias werden gesandt werden, um sie zu belehren, daß das der

Verführer ist, der in die Welt kommen und Zeichen und Wunder tun muß, um zu verführen. Und deshalb werden diese, welche durch seine

Hand gestorben sind, Märtyrer und werden gerechnet zu den guten und gerechten Märtyrern, welche Gott in ihrem Leben gefallen haben.«

3 Und er zeigte mir in seiner Rechten die Seelen von allen Menschen und auf seiner rechten Handfläche das Bild von dem, was sich am

jüngsten Tage erfüllen wird; und wie die Gerechten und die Sünder geschieden werden, und wie diejenigen tun werden, die rechten Herzens

sind, und wie die Übeltäter für alle Ewigkeit ausgerottet werden. Wir sahen, wie die Sünder in großer Betrübnis und Trauer weinten, bis alle,

die es mit ihren Augen sahen, weinten, seien es Gerechte oder Engel oder auch er selbst. Ich aber fragte ihn und sagte zu ihm: > O Herr,

erlaube mir, daß ich in betreff dieser Sünder dein Wort sage: >Es wäre ihnen besser, sie wären nicht geschaffen.<< Und der Heiland

antwortete mir und sagte zu mir: > O Petrus, warum redest du so, >das Nichgeschaffensein wäre ihnen besser<? Du bist es, der wider Gott

streitet. Du würdest dich seines Gebildes nicht mehr erbarmen als er; denn er hat sie geschaffen und hat sie aus dem Nichtsein ins Dasein

167

gebracht. Und weil du gesehen hast die Klage, welche die Sünder treffen wird in den letzten Tagen, darum ist dein Herz betrübt, aber ich will

dir ihr Tun zeigen, mit dem sie sich an dem Höchsten versündigt haben.

4 Sieh jetzt, was sie treffen wird in den letzten Tagen, wenn der Tag Gottes kommt. Und am Tage der Entscheidung des Gerichtes Gottes

werden alle Menschenkinder vom Osten bis zum Westen vor meinem Vater, dem ewig Lebendigen, versammelt werden, und er wird der

Hölle gebieten, daß sie ihre stählernen Riegel öffnet und alles, was in ihr ist, zurückgibt. Und den wilden Tieren und Vögeln wird er

gebieten, daß sie alles Fleisch, was sie gefressen haben, zurückgeben, indem er will, daß die Menschen wieder sichtbar werden; denn nichts

geht für Gott zugrunde und nichts ist ihm unmöglich, da alles sein ist. Denn alles geschieht am Tage der Entscheidung, am Tage des

Gerichtes mit dem Sprechen Gottes, und alles geschieht, wie er die Welt schafft, und alles, was darin ist, hat er geboten, und alles geschah;

ebenso in den letzten Tagen, denn alles ist Gott möglich, und also sagt er in der Schrift: >Menschenkind, weissage über die einzelnen

Gebeine und sage zu den Knochen: Knochen zu den Knochen in Glieder, Muskel, Nerven, Fleisch und Haut und Haare darauf. < Und Seele

und Geist soll der große Urael auf Befehl Gottes geben. Denn ihn hat Gott bestellt bei der Auferstehung der Toten am Tage des Gerichtes.

Sehet und bedenkt die Samenkörner, die in die Erde gesät sind. Wie etwas Trockenes, das seelenlos ist, sät man sie in die Erde. Und sie leben

auf, bringen Frucht, und die Erde gibt sie wieder wie ein anvertrautes Pfand. Und dieses, was stirbt, was als Same in die Erde gesät wird,

lebendig wird und dem Leben zurückgegeben wird, ist der Mensch. Wie viel mehr wird Gott die an ihn Gläubigen und von ihm Erwählten,

um deretwillen er die Erde gemacht hat, auferwecken am Tage der Entscheidung, und alles wird die Erde wiedergeben am Tage der

Entscheidung, weil sie an ihm zugleich mit gerichtet werden soll und der Himmel mir ihr.

5 Und es wird geschehen am Tage des Gerichtes derer, die abgefallen sind vom Glauben an Gott und die Sünde getan haben: Feuerkatarakte

werden losgelassen, und Dunkel und Finsternis wird eintreten und die ganze Welt bekleiden und einhüllen, und die Wasser werden sich

verwandeln und gegeben werden in feurige Kohlen und alles in der Erde wird brennen, und das Meer wird zu Feuer werden; unter dem

Himmel ein bitteres Feuer, das nicht verlöscht, und fließt zum Gericht des Zorns. Und die Sterne werden zerfließen durch Feuersflammen,

als ob sie nicht geschaffen wären, und die Festen des Himmels werden aus Mangel an Wasser dahingehen und werden wie ungeschaffen. Der

Himmel wird zu Blitzen werden, und seine Blitze werden die Welt erschrecken. Und der Geist der Leichname wird ihnen gleichen und auf

Befehl Gottes Feuer werden. Und sobald die ganze Schöpfung sich auflöst, werden die Menschen im Osten nach Westen fliehen und die im

Westen nach Osten fliehen; und die im Süden werden nach Norden fliehen und die im Norden nach Süden, und überall wird sie der Zorn

schrecklichen Feuers treffen. Und indem eine unverlöschliche Flamme sie treibt, bringt sie sie zum Zorngericht in den Bach

unverlöschlichen Feuers, der fließt, indem Feuer darin flammt, und indem seine Wogen sich eine von der andern im Sieden trennen, entsteht

viel Zähneknirschen der Menschenkinder.

6 Und alle werden sehen, wir ich auf ewig glänzender Wolke komme und die Engel Gottes, die mit mir sitzen werden auf dem Thron meiner

Herrlichkeit zur Rechten meines himmlischen Vaters. Der wird eine Krone auf mein Haupt setzen. Sobald das die Völker sehen, werden sie

weinen, jedes Volk für sich. Und er wird ihnen befehlen, daß sie in den Feuerbach gehen, während die Taten jedes einzelnen von ihnen vor

ihnen stehen. Es wird vergolten werden einem jeden nach seinem Tun. Betreffs der Erwählten, die Gutes getan haben, sie werden zu mir

kommen, indem sie den Tod verzehrenden Feuers nicht sehen werden. Die Bösewichter, Sünder und Heuchler aber werden in den Tiefen

nicht verschwindender Finsternis stehen, und ihre Strafe ist das Feuer, und Engel bringen ihre Sünden herbei; und bereiten ihnen einen Ort,

wo sie für immer bestraft werden, je nach ihrer Versündigung. Der Engel Gottes Urael bringt die Seelen derjenigen Sünder, die in der

Sintflut umgekommen sind, und aller, die in allen Götzen, jeglichem Gußbild, jeglicher Liebe und in Bildern, und derer, die auf allen Hügeln

und in Steinen und am Wege wohnen, die man Götter nannte; man wird sie mit den Gegenständen, in denen sie hausten, in ewigem Feuer

verbrennen. Nachdem alle mit ihrer Wohnstätte zugrunde gegangen sind, wird man sie ewig strafen.

7 Dann werden Männer und Weiber an den ihnen bereiteten Ort kommen. An ihrer Zunge, mit der sie den Weg der Gerechtigkeit gelästert

haben, wird man sie aufhängen. Man breitet ihnen ein nie verlöschendes Feuer ...

Und siehe wiederum ein Ort: da ist eine große volle Grube. Darin die, welche verleugnet haben die Gerechtigkeit. Und Strafengel suchen sie

heim, und hier in ihr zünden sie das Feuer ihrer Strafe an. Und wiederum zwei Weiber: Man hängt sie an ihren Nacken und Haaren auf, in

die Grube wirft man sie. Das sind die, welche sich Haarflechten gemacht haben nicht zur Schaffung des Schönen, sondern um sich zur

Hurerei zu wenden, damit sie fingen Männerseelen zum Verderben. Und die Männer, die sich mit ihnen in Hurerei niedergelegt haben, hängt

man an ihren Schenkeln in diesen brennenden Ort, und sie sagen untereinander: >Wir haben nicht gewußt, daß wir in die ewige Pein

kommen müßten.< Und die Mörder und die mit ihnen gemeinschaftliche Sache gemacht haben, wirft man ins Feuer, an einen Ort, der

angefüllt ist mit giftigen Tieren, und sie werden gequält ohne Ruhe, indem sie ihre Schmerzen fühlen, und ihr Gewürm ist so zahlreich wie

eine finstere Wolke, und der Engel Ezrael bringt die Seelen der Getöteten herbei; und sie sehen die Qual derer, die sie getötet haben, und sie

sagen untereinander: >Gerechtigkeit und Recht ist das Gericht Gottes. Denn wir haben es zwar gehört, aber nicht geglaubt, daß wir an diesen

ewigen Gerichtsort kommen würden.<

8 Und bei dieser Flamme ist eine große und sehr tiefe Grube, und es fließt alles von überall her hinein: Gericht und Schauderhaftes und

Aussonderungen. Und die Weiber sind verschlungen davon bis an ihren Nacken und werden bestraft mit großem Schmerz. Das sind also die,

welche ihre Kinder abtreiben und das Werk Gottes, das er geschaffen hat, verderben. Gegenüber von ihnen ist ein anderer Ort, wo ihre

Kinder sitzen; aber beide lebendig, und sie schreien zu Gott. Und Blitze gehen aus von diesen Kindern, welche die Augen derer durchbohren,

welche durch diese Hurerei ihren Untergang bewirkt haben.

Andere Männer und Weiber stehen nackt oberhalb davon. Und ihre Kinder stehen hier ihnen gegenüber an einem Ort des Entzückens. Und

sie seufzen und schreien zu Gott wegen ihrer Eltern: >Das sind die, welche vernachlässigt und verflucht und deine Gebote übertreten haben.

Und sie töteten uns und fluchten dem Engel, der uns geschaffen hatte, und hängten uns auf. Und sie enthielten das Licht, das du für alle

bestimmt hast, uns vor.< Und die Milch ihrer Mütter fließt von ihren Brüsten und gerinnt und stinkt, und daraus gehen fleischfressende Tiere

hervor, und sie gehen heraus, wenden sich und quälen sie in Ewigkeit mit ihren Männern, weil sie verlassen haben das Gebot Gottes und ihre

Kinder getötet haben. Und ihre Kinder wird man dem Engel Temlakos geben. Und die sie getötet haben, wird man ewig quälen, weil Gott es

so will.

9 Es bringt der Zornengel Ezrael Männer und Weiber zur Hälfte des Körpers brennend und wirft sie an einen Ort der Finsternis, der Hölle der

Männer, und ein Geist des Zornes züchtigt sie mit jeglicher Züchtigung, und nimmer schlafendes Gewürm frißt ihre Eingeweide. Das sind

die Verfolger und Verräter meiner Gerechten.

Und bei denen, die hier waren, andere Männer und Weiber, die kauen ihre Zunge, und man quält sie mit glühendem Eisen und verbrennt ihre

Augen. Das sind die Lästerer und Zweifler an meiner Gerechtigkeit.

Andern Männern und Weibern- und ihre Taten bestanden in Betrug- schneidet man die Lippen ab, und Feuer geht in ihren Mund und in ihre

Eingeweide. Das sind die, welche die Märtyrer getötet haben lügnerischerweise.

Und an einem nahe bei ihnen gelegenen Orte, auf dem Stein eine Feuersäule, und die Säule ist spitzer als Schwerter - Männer und Weiber,

die man kleidet in Plunder und schmutzige Lumpen und darauf wirft, damit sie das Gericht unvergänglicher Qual erleiden. Das sind die,

welche vertrauen auf ihren Reichtum und Witwen und das Weib mit Waisen ... verachtet haben Gott ins Angesicht.

10 Und an einem andern Ort dabei wirft man mit Ausscheidungen Gesättigte, Männer und Weiber, hinein bis an die Knie. Das sind die,

welche leihen und Zins nehmen.

Und andere Männer und Weiber stoßen sich selbst von einer Höhe herunter und kehren wieder zurück und laufen, und Dämonen treiben sie

an. Das sind die Götzendiener, und man stellt sie an das Ende des Abhanges, und sie stürzen sich hinab. Und also tun sie fortwährend, in

Ewigkeit werden sie gequält. Das sind die, welche ihr Fleisch geschnitten haben als Apostel eines Mannes und die Weiber, die mit ihnen

waren ... und darin die Männer, die wie Weiber sich untereinander befleckt haben.

168

Und bei jenem Abhang war ein Ort, erfüllt von dem mächtigsten Feuer. Und dort standen Männer, welche sich mit ihren eigenen Händen

Bilder an Stelle Gottes geschnitzt hatten. Und bei jenen waren andere Männer und Frauen, welche glühende Ruten hatten und einander

schlugen und nie Ruhe hatten von dieser Qual.

Und nahe bei jenen waren wieder andere Frauen und Männer, welche gebrannt und im Feuer gewendet und gebacken wurden. Das waren

die, welche den Weg Gottes verlassen hatten.

11 Und ein anderer sehr hoher Ort war von lodernden Flammen umgeben; die Männer und Weiber, welche einen Fehltritt begehen, gehen

rollend hinunter dahin, wo der Schrecken ist. Und wiederum, indem das bereitete Feuer fließt, steigen sie herauf und wieder herab und

wiederholen so das Rollen. So werden sie gestraft in Ewigkeit. Das sind also die, welche Vater und Mutter nicht geehrt haben und freiwillig

sich ihrer enthalten haben. Deshalb werden sie gestraft ewiglich. Weiter bringt der Engel Ezrael Kinder und Jungfrauen, um ihnen die

Bestraften zu zeigen. Sie werden bestraft mit Schmerz und Aufhängen und vielen Wunden, die ihnen fleischfressende Vögel beibringen. Das

sind die, welche trauen auf ihre Sünde, ihren Eltern nicht gehorsam sind, und die Lehre ihrer Väter nicht befolgen und, die älter sind als sie,

nicht ehren. Bei ihnen Jungfrauen und die bekleiden sich mit Finsternis als Kleidern, und sie werden ernst bestraft, ihr Fleisch wird

auseinandergerissen. Das sind die, welche ihre Jungfrauenschaft nicht bewahren bis dahin, wo sie in die Ehe gegeben werden, sie werden mit

dieser Strafe bestraft, indem sie fühlen.

Und wiederum andere Männer und Frauen, welche ruhelos ihre Zunge zerkauen, indem sie gequält werden mit ewigem Feuer. Das sind die

Sklaven, welche ihren Herren nicht gehorsam gewesen sind. Dies ist also ihr Gericht für ewig.

12 Und bei dieser Qual sind blinde und stumme Männer und Weiber, deren Gewand weiß ist. Dann pferchen sie sich gegenseitig zusammen

und fallen auf Kohlen nicht verlöschenden Feuers. Das sind die, welche Almosen geben und sagen: >Wir sind gerecht vor Gott<, während

sie doch der Gerechtigkeit nicht nachgetrachtet haben.

Der Engel Gottes Ezrael läßt herausgehen aus dieser Flamme und stellt hin das Gericht der Entscheidung. Dies ist also ihr Gericht. Und ein

Feuerbach fließt, und es zieht herunter alle Gerichteten mitten in den Bach. Und es stellt sie dort hin Urael. Und Feuerräder gibt er, und

Männer und Weiber daran aufgehängt durch die Kraft seines Rollens. Die in der Grube sind, brennen. Das sind nämlich die Zauberer und

Zauberinnen. Diese Räder sind bei aller Entscheidung durch Feuer ohne Zahl.

13 Darauf brachten Engel meine Auserwählten und Gerechten, die vollkommen sind in aller Gerechtigkeit, indem sie sie trugen auf ihren

Händen, indem sie bekleidet waren mit den Kleidern des ewigen Lebens. Sie sehen ihre Lust an jenen, die ihn gehaßt haben, indem er sie

bestraft. Qual ist einem jeden in Ewigkeit nach seinem Tun. Und alle, die in der Qual sind, sagen einstimmig: >Erbarm dich unser, denn jetzt

haben wir erkannt das Gericht Gottes, das er uns vorher angekündigt hat und wir nicht geglaubt haben. < Und es kommt der Engel Tartarouchos

und züchtigt sie mit noch größerer Qual und sagt zu ihnen: >Jetzt habt ihr Reue, wo es nicht mehr Zeit zur Reue gibt und nichts vom

Leben übriggeblieben ist. < Und alle sagen: >Gerecht ist das Gericht Gottes; denn wir haben gehört und erkannt, daß gut ist sein Gericht,

denn wir werden gestraft nach unserm Tun.<

14 Dann werde ich meinen Erwählten und Gerechten die Taufe und das Heil geben, um das sie mich gebeten haben, bei dem Gefilde:

Akrosja (= Acherusia), das man nennt: Aneslasleja (= Elysium). Sie schmücken mit Blumen das Teil der Gerechten, und ich gehe, . .. ich

mich mit ihnen erfreuen. Ich lasse eintreten die Völker in mein ewiges Reich und erweise ihnen das Ewige, worauf ich ihre Hoffnung

gerichtet habe, ich und mein himmlischer Vater. Ich habe es, Petrus, zu dir geredet und dir kundgetan. Gehe hinaus also und wandere also in

die Stadt des Westens in den Weinberg, den ich dir sagen werde ... aus den Händen meines Sohnes, der ohne Sünde ist, damit geheiligt werde

sein Werk . .. der Untergang. Und du bist auserwählt in der Hoffnung, auf welche ich dich habe hoffen lassen. Und sende also in alle Welt

meine Botschaft in Frieden! Denn es hat sich gefreut der Quell meines Wortes, die Hoffnung des Lebens, und plötzlich ist die Welt entrafft.«

15 Und es sprach zur mir mein Herr Jesus Christus, unser König: > Laßt uns auf den heiligen Berg gehen.< Und seine Jünger kamen mit ihm,

indem sie beteten. Und siehe, da waren zwei Männer, und wir konnten ihr Angesicht nicht ansehen, denn von ihnen geht ein Licht aus, das

mehr leuchtet wie die Sonne, und auch ihre Gewänder waren glänzend, und man kann es nicht beschreiben, und es gibt nicht etwas

ausreichend damit Vergleichbares in dieser Welt. Die Herrlichkeit war so groß, daß ein Mund nicht aussagen kann die Schönheit ihrer Form.

Denn staunenswert war ihr Aussehen und wunderbar. Und der andere, große, sage ich, leuchtet in seinem Aussehen mehr als Hagel.

Rosenblume ist das Gleichnis der Farbe seines Aussehens und seines Leibes. Und auf seinen Schultern und an ihrer Stirn war ein Kranz von

Narde, ein Flechtwerk aus schönen Blumen. Wie der Regenbogen war sein Haar im Wasser. So war die Anmut seines Antlitzes, und

geschmückt war er mit jeglichem Schmuck. Und als wir sie plötzlich sahen, wunderten wir uns.

16 Und ich trat zu Gott Jesus Christus und sagte zu ihm: > Mein Herr, wer ist das?< Und er sagte zur mir: >Das ist Moses und Elias.< Und

ich sagte zu ihm: »Wo sind denn Abraham, Isaak, Jakob und die anderen gerechten Väter?« Und er zeigte uns einen großen geöffneten

Garten. Er war voll von schönen Bäumen und gesegneten Früchten, voll von Duft von Wohlgerüchen. Sein Duft war schön, und sein Duft

reichte zu uns. Und es sagte zu mir der Herr und Gott Jesus Christus: »Hast du gesehen die Scharen der Väter? Wie ihre Ruhe ist, so ist die

Ehre und Herrlichkeit derer, die man um meiner Gerechtigkeit willen verfolgt.«

Und ich ward froh und glaubte, was geschrieben ist im Buche meines Herrn Jesus Christus. Und ich sagte zu

ihm: > Mein Herr, willst du, daß ich drei Hütten hier mache, eine dir, eine Moses, eine Elias?« Und er sagte zu mir im Zorn: »Satan führt

gegen dich Krieg, und er hat dein Denken verschleiert, und die Güter dieser Welt besiegen dich. Deine Augen sollen also geöffnet sein und

deine Ohren sich auftun, daß eine Hütte ist, die nicht Menschenhand gemacht hat, die gemacht mein himmlischer Vater mir und den

Erwählten.« Und wir sahen es voll Freude.

17 Und siehe, plötzlich kam eine Stimme vom Himmel, indem sie sagte: > Dies ist mein Sohn, den ich liebe, und an dem ich Gefallen habe.<

Und es kam eine so große und sehr weiße Wolke über unser Haupt und nahm unsern Herrn und Moses und Elias fort. Und ich erbebte und

entsetzte mich, und wir blickten auf, und der Himmel öffnete sich, und wir sahen Menschen im Fleische, und sie kamen und begrüßten

unsern Herrn und Moses und Elias und gingen in den zweiten Himmel. Und erfüllt war das Wort der Schrift: »Dieses Geschlecht sucht ihn

und sucht das Antlitz des Gottes Jakobs. « Und große Furcht und großes Entsetzen trat ein im Himmel. Die Engel scharten sich zusammen,

damit erfüllt würde das Wort der Schrift, das sagt: > Öffnet die Tore, ihr Fürsten!< Darauf wurde der Himmel geschlossen, der geöffnet

worden war. Und wir beteten und gingen vom Berge herab, indem wir Gott priesen, der die Namen der Gerechten im Himmel in das Buch

des Lebens eingeschrieben hat.

Das fünfte Buch Esra

Die lateinische Bibel hat am Anfang und am Ende des vierten Esrabuches je zwei Zusatzkapitel, die in orientalischen Übersetzungen fehlen.

Die ersten zwei Kapitel werden auch mit > 5. Buch Esra< bezeichnet. Sie können durchaus als ein selbständiges und in sich geschlossenes

Ganzes angesehen werden. Dennoch sind zwei Teile deutlich erkennbar. Der erste ist eine scharfe Drohrede gegen die Juden.

Möglicherweise beruht er auf einer jüdischen Schrift, die nach christlichem Sinn eingearbeitet wurde.

Die Entstehungszeit kann man um 200 ansetzen, eine Zeit, in der die werdende Kirche heftig gegen das Judentum polemisierte.

Der zweite Teil aber ist sicherlich ein rein christliches Werk. Er wendet sich an die Christen als das wirkliche Volk Gottes, um ihnen das

himmlische Reich zu verheißen.

Das 5. Buch Esra war in der Kirche lange von nicht geringer Bedeutung. In der römisch-katholischen Liturgie erinnern manche Wendungen

daran. Der Stoff bietet auch Einzelheiten, die in der Apokalyptik allgemein von besonderer Bedeutung sind. Es sind hier die 12 Engel mit

Blumen, das kommende Volk, das Paradies, die Ruferweckung und schließlich der ungeheuer große Gottessohn zu nennen.

Textquelle: Das 5. Buch Esra

169

Das Wort Gottes, welches zu Esra kam, dem Sohn Chusis, in den Tagen des Königs Nebukadnezar, lautet so: Gehe und tue meinem Volke

seine Schandtaten kund und seinen Söhnen das Böse, das sie gegen mich begangen haben, damit sie davon ihren Kindeskindern

wiedererzählen. Denn die Sünden ihrer Väter sind in ihnen noch gewachsen: sie haben mich vergessen und fremden Göttern geopfert. Habe

ich sie nicht aus dem Lande Ägypten, aus dem Diensthause geführt! Sie aber haben mich zum Zorne gereizt und meine Ratschläge verachtet.

Du jedoch schüttle das Haar deines Hauptes und laß alles Schlimme auf sie fallen, da sie meinem Gesetz nicht gehorcht haben, das

halsstarrige Volk!

Wie lange soll ich sie ertragen? Habe ich ihnen doch soviel Gutes erwiesen! Viele Könige habe ich um ihretwillen gestürzt, den Pharao mit

seinen Dienern und sein ganzes Heer habe ich zerschmettert. Habe ich nicht um euretwillen die Stadt Bethsaida zerstört und im Osten zwei

Städte, Tyrus und Sidon, mit Feuer verbrannt? Sprich du nun zu ihnen also: So spricht der Herr: Fürwahr, ich habe euch durch das Meer

geführt und in unwegsamer Wüste euch gebahnte Straßen dargeboten. Als Führer habe ich euch den Moses gegeben und den Aaron als

Priester. Licht habe ich euch durch die Wolkensäule gewährt und große Wundertaten unter euch getan. Ihr aber habt mich vergessen! spricht

der Herr. - So spricht der Herr, der Allmächtige: Die Wachtel ist euch zum Zeichen gewesen, ein Lager habe ich euch zum Schutze gegeben.

Und da habt ihr gemurrt! Und nicht habt ihr triumphiert in meinem Namen über die Vernichtung euerer Feinde, nein, bis zu diesem Tage

murret ihr noch! Wo sind die Wohltaten, die ich euch erwiesen habe? Habt ihr nicht in der Wüste, als ihr Hunger und Durst littet, zu mir

geschrien: Was hast du uns in diese Wüste geführt, uns zu töten? Besser, wir frondeten den Ägyptern, als daß wir sterben in dieser Wüste!

Eure Schmerzen haben mir leid getan, und ich habe euch das Manna zur Speise gegeben, das Brot der Engel habt ihr gegessen. Habe ich

nicht, als ihr Durst littet, den Felsen gespalten, und es floß Wasser in Fülle? Vor der Hitze deckte ich euch mit Baumblättern. Fette Länder

habe ich euch zugeteilt, die Kanaaniter, die Pheresiter und Philister habe ich hingestreckt vor eurem Angesicht. - Was soll ich euch noch tun?

spricht der Herr. -So spricht der Herr, der Allmächtige: Als ihr in der Wüste waret, dürstend am bittern Wasser und meinen Namen

verwünschend, da habe ich nicht Feuer auf euch regnen lassen ob eurer Lästerungen, sondern durch ein Holz, das ins Wasser geworfen

wurde, machte ich den Fluß süß. Was soll ich dir tun, Jakob? Du wolltest mich nicht hören, Juda! Ich werde zu anderen Völkern wandern

und ihnen meinen Namen geben, auf daß sie meine Satzungen halten. Weil ihr mich verlassen habt, will ich euch auch verlassen. Wenn ihr

mich um Erbarmen anfleht, will ich mich euer nicht erbarmen. Wenn ihr mich anruft, werde ich euch nicht hören. Denn ihr habt eure Hände

mit Blut befleckt, und eure Füße sind rasch dabei, Mordtaten zu vollführen. Nicht als ob ihr mich im Stiche gelassen hättet, nein, euch selbst!

spricht der Herr.

So spricht der Herr, der Allmächtige: Habe ich euch nicht bittend gemahnt wie ein Vater seine Söhne, wie eine Mutter ihre Töchter, wie eine

Amme ihre Säuglinge, ihr solltet mir zum Volk sein und ich euch zum Gott, ihr mir zu Söhnen und ich euch zum Vater? So habe ich euch

gesammelt wie eine Henne ihre Kükken unter ihre Flügel.

Nun aber, was soll ich euch tun? Ich werde euch vertreiben von meinem Angesicht! Wenn ihr mir Opfer bringt, werde ich mein Angesicht

von euch wenden; denn Feste und Neumonde und fleischliche Beschneidungen habe ich euch nicht geboten. Ich habe meine Knechte, die

Propheten, zu euch gesandt, die habt ihr genommen und getötet und ihre Körper zerfleischt. Ihr Blut will ich an euch heimsuchen, spricht der

Herr. - So spricht der Herr, der Allmächtige: Euer Haus ist wüste, ich will euch davontreiben wie der Wind die Spreu. Und eure Kinder

werden keine Nachkommen erzeugen, denn sie haben mit euch mein Gebot verachtet und getan, was böse ist in meinen Augen.

Ich werde eure Wohnungen einem Volke geben, welches kommen wird, denen, die mich nicht gehört haben und doch glauben; denen ich

keine Wunderzeichen gegeben habe. Sie werden tun, was ich geboten habe. Die Propheten haben sie nicht gesehen, und sie werden doch ihre

Geschichte im Gedächtnis behalten. Ich bezeuge die Gnade, die dem kommenden Volke widerfahren soll, dessen Kinder vor Freude hüpfen,

ob sie mich gleich mit den Augen des Körpers nicht sehen, nein, im Geiste glauben sie, was ich gesagt habe. Und jetzt, Vater, blicke her in

Herrlichkeit und sieh dein Volk, das von Sonnenaufgang kommt! Ihnen werde ich geben die Herrschaft mit Abraham, Isaak und Jakob, Elia

und Henoch, Sacharja und Hosea, Amos, Joel, Micha, Obadja, Zephanja, Nahum, Jona, Mattathias, Habakuk und den zwölf Engeln mit

Blumen.

So spricht der Herr: Ich habe dieses Volk aus der Knechtschaft geführt, habe ihnen Gebote gegeben durch meine Knechte, die Propheten,

aber sie haben sie nicht hören wollen, sondern meinen Rat in den Wind geschlagen. Die Mutter, die sie geboren hat, spricht zu ihnen: Gehet,

meine Söhne, denn ich bin verwitwet und verlassen. Ich habe euch mit Freuden großgezogen und mit Schmerz und Trauer verloren, weil ihr

gesündigt habt vor dem Herrn und getan, was böse ist in meinen Augen. - Nun aber, was soll ich euch tun? - Ich bin verwitwet und verlassen.

Gehet, meine Söhne, und bittet den Herrn um Erbarmen.

Ich aber rufe dich, Vater, zum Zeugen an für die Mutter der Söhne, weil sie meinen Bund nicht haben halten wollen: Laß Verstörung über sie

kommen und Plünderung über ihre Mutter, damit sie keine Nachkommen mehr bekommen. Laß sie unter die Völker zerstreut, ihre Namen

vernichtet werden von der Erde, weil sie meinen Bund verachtet haben.

Wehe dir, Assur, die du Ungerechte in dir birgst! Böse Stadt, bedenke, was ich an Sodom und Gomorrha getan habe, deren Land in

Pechklumpen und Aschenhaufen liegt: So will ich die machen, die nicht auf mich gehört haben, spricht der Herr, der Allmächtige.

Dies spricht der Herr zu Esra: Verkünde meinem Volke, daß ich ihnen das Reich Jerusalem geben werde, welches ich Israel geben wollte.

Und ich werde mir die Herrlichkeit jener (= der Israeliten) nehmen und ihnen die ewigen Hütten geben, welche ich jenen bereitet hatte. Der

Baum des Lebens wird ihnen zum Wohlgeruch einer Salbe werden, und sie werden sich nicht abmühen noch ermüden. Bittet, so werdet ihr

empfangen, erbittet euch wenige Tage, daß sie verkürzt werden. Schon ist euch das Reich bereitet: Wachet!

Ich rufe Himmel und Erde zu Zeugen an: habe ich doch das Böse eingestellt und das Gute geschaffen, so wahr als ich lebe, spricht der Herr.

Gute Mutter, umarme deine Kinder, gib ihnen Freude wie eine Taube, die ihre Jungen führt, stärke ihre Füße, denn ich habe dich erwählt,

spricht der Herr. Und ich werde die Toten aus ihren Örtern auferwecken und werde sie aus den Grabmälern herausführen, weil ich meinen

Namen in ihnen erkannt habe. Fürchte dich nicht, Mutter der Kinder, denn ich habe, dich erwählt. Ich werde dir als Hilfe schicken meine

Knechte Jesaja und Jeremia und Daniel, nach deren Rat ich dich geheiligt und dir bereitet habe zwölf Bäume, mit mannigfaltigen Früchten

schwer behangen, und ebensoviele Quellen, die von Milch und Honig fließen, und sieben unermeßliche Berge, voll Rosen und Lilien, auf

denen ich deine Kinder mit Freude erfüllen werde.

Schaffe der Witwe Recht, dem Mündel verhilf zum Recht, dem Bedürftigen gib, die Waise schütze, den Nackten kleide, den Krüppel und

den Schwachen pflege, den Lahmen verlache nicht, beschütze den Gebrechlichen, und den Blinden laß zum Schauen meiner Klarheit

gelangen. Den Greis und den Jüngling hüte in deinen Mauern, deine kleinen Kinder bewahre, deine Sklaven und Freien sollen sich freuen,

und deine ganze Schar in Frohsinn leben. Wo du Tote findest, da übergib sie einem Grabe, es bezeichnend: so werde ich dir den ersten Sitz

bei meiner Auferstehung geben. Raste und ruhe, mein Volk, denn deine Ruhe wird kommen.

Gute Amme, nähre deine Kinder, stärke doch ihre Füße! Die Sklaven, welche ich dir gegeben habe, - keiner von ihnen wird umkommen,

denn ich werde sie suchen nach deiner Zahl. Ängstige dich nicht, denn wenn der Tag der Not und der Drangsal gekommen ist, werden andere

weinen und traurig sein, du aber heiter und reich. Völker werden eifern und nichts gegen dich vermögen, spricht der Herr. Meine Hände

werden dich schützen, damit deine Kinder nicht die Gehenna schauen. Freue dich, Mutter, mit deinen Kindern, denn ich werde dich erretten,

spricht der Herr. Deiner schlafenden Kinder gedenke, denn ich werde sie aus den versteckten Gräbern in der Erde herausführen und

Barmherzigkeit an ihnen üben, denn ich bin barmherzig, spricht der Herr. Umarme deine Geborenen, bis daß ich komme, und verkünde

ihnen Barmherzigkeit, denn meine Brunnen strömen über, und meine Gnade wird nicht aufhören.

Ich, Esra, empfing das Gebot vom Herrn auf dem Berge Horeb, daß ich zu Israel gehen sollte; als ich zu ihnen kam, verwarfen sie mich und

nahmen das Gebot Gottes nicht an. Deshalb sage ich euch, ihr Völker, die ihr hört und versteht: Erwartet euren Hirten! Er wird die ewige

Ruhe geben, denn sehr nahe ist der, welcher am Ende der Welt kommen wird. Seid bereit für die Belohnungen des Reiches, denn

immerwährendes Licht wird euch leuchten für ewige Zeit. Fliehet den Schatten dieser Welt, nehmt an die Freude eurer Herrlichkeit; ich

170

bezeuge offen meinen Heiland. Das vom Herrn Angebotene nehmet an und freuet euch, dem dankend, der euch zu seinem himmlischen

Reich berufen hat.

Erhebt euch und steht und seht die Zahl der Versiegelten beim Mahle des Herrn. Diejenigen, welche sich vom Schatten der Welt abgewandt

haben, haben glänzende Gewänder vom Herrn empfangen. Empfange, Zion, deine Zahl und umschließe deine Weißgekleideten, die das

Gesetz des Herrn erfüllt haben. Die Zahl deiner Kinder, die du erwünschtest, ist voll, erbitte das Reich des Herrn, daß dein Volk geheiligt

werde, welches berufen ist von Anfang an.

Ich, Esra, sah auf dem Berge Zion eine große Schar, die ich nicht zählen konnte, und alle lobten den Herrn mit Gesängen. Und in ihrer Mitte

war ein Jüngling hoch von Gestalt, der sie alle überragte, und er setzte jedem einzelnen von ihnen eine Krone aufs Haupt und wuchs noch

mehr empor. Ich aber wurde von dem Wunder gefesselt. Dann fragte ich den Engel und sagte: Wer sind diese, Herr? Er antwortete mir und

sagte: Das sind die, welche das sterbliche Kleid abgelegt und das unsterbliche angelegt und den Namen Gottes bekannt haben. Jetzt werden

sie gekrönt und erhalten Palmen. Und ich sagte zum Engel: Wer ist jener Jüngling, der ihnen Kronen aufsetzt und Palmen in die Hände gibt?

Er antwortete mir und sagte: Das ist der Sohn Gottes, den sie in der Welt bekannt haben. Ich aber fing an, die zu preisen, welche tapfer für

den Namen des Herrn eingetreten waren.

Darauf sagte mir der Engel: Geh! Verkünde meinem Volke, was für Wunder Gottes des Herrn und wie große du geschaut hast.

Das 6. Buch Esra

Die letzten beiden Kapitel des 4. Esrabuches gehören ursprünglich ebensowenig wie die ersten beiden Kapitel (5. Esrabuch) zu diesem Werk.

Es wird darin der Weltuntergang angekündigt, der sich in gewaltigen Naturkatastrophen und Kriegsereignissen abspielen wird. Für die

Heiden soll das eine Drohung sein, für das verfolgte Gottesvolk ein Trost, daß Gott sich an seinen Peinigern rächen wird. Zugleich aber ist es

eine Mahnung, in den Verfolgungen stark zu bleiben.

Um die Abfassungszeit zu bestimmen, hat man auf die geschilderte Verfolgung verwiesen, die sich mindestens auf die Osthälfte des

römischen erstreckte. Aber die Verfolgungen haben erst unter Konstantin aufgehört, so daß man das 6. Esra Buch zeitlich nicht genauer

festlegen kann.

Textquelle: Das 6. Buch Esra

Siehe, rede zu den Ohren meines Volkes Worte der Weissagung, die ich dir in den Mund legen werde, spricht der Herr, und laß sie auf Papier

schreiben; denn sie sind glaubhaft und wahr. Fürchte nicht die Pläne, die man gegen dich schmiedet, laß dich nicht verwirren durch den

Unglauben der Widersacher; denn wer ungläubig ist, wird in seinem Unglauben sterben.

Siehe, ich führe Unheil über den Erdkreis herauf, spricht der Herr, Schwert, Hunger, Tod und Verderben, weil Ungerechtigkeit die ganze

Erde bedeckt hat und ihre schändlichen Werke voll sind. Darum spricht der Herr: Nicht mehr will ich zu ihren Gottlosigkeiten schweigen, die

sie frevelnd begehen, noch will ich ertragen, was sie Unrechtes üben. Siehe, unschuldiges und gerechtes Blut schreit zu mir empor, und die

Seelen der Gerechten schreien beständig. Schreckliche Rache will ich an ihnen nehmen, und alles unschuldige Blut will ich an ihnen

heimsuchen. Siehe, mein Volk wird wie eine Herde zur Schlachtung geführt. Nicht mehr will ich es wohnen lassen im Lande Ägypten,

sondern ich werde es herausführen mit starker Hand und erhobenem Arme und Ägypten wie einst mit Plagen heimsuchen und sein ganzes

Land verderben. Trauern soll Ägypten und seine Grundfesten unter dem Schlage der Züchtigung und Bestrafung, die der Herr heraufführen

wird. Trauern sollen die Bauern, die das Land bestellen, denn ihr Getreide soll ausbleiben, und ihre Bäume sollen verwüstet werden durch

Brand und Hagel und schrecklichen Sturm. Wehe der Welt und allen, die in ihr wohnen! Denn genaht hat sich das Schwert und ihre Vernichtung.

Und erheben wird sich ein Volk wider das andere zur Schlacht, und das Schwert in ihren Händen! Denn Zwiespalt wird unter den

Menschen ausbrechen; die einen werden sich gegen die andern erheben und sich nicht um ihren König und Führer ihrer Machthaber

bekümmern im Gefühl ihrer Macht. Wird dann jemand begehren, in eine Stadt zu gehen, so wird er es nicht vermögen. Denn ob ihres

Übermutes werden ihre Städte in Verstörung gesetzt, ihre Häuser zerstört werden, die Menschen werden sich fürchten. Kein Mensch wird

sich seines Nächsten erbarmen; einbrechen werden sie in ihre Häuser mit dem Schwert, um ihre Habe zu plündern aus Hunger nach Brot und

großer Bedrängnis.

Siehe, ich rufe zusammen, spricht der Herr, alle Könige der Erde, aufzustören die, welche von Norden und von Süden, von Osten und von

Westen kommen, daß sie sich gegeneinander kehren und vergeltend zurückgeben, was sie jenen gegeben haben. So wie sie bis heute meinen

Auserwählten tun, so werde ich tun und zurückgeben in ihren Schoß. So spricht der Herr Gott: Nicht wird meine Rechte der Sünder schonen,

noch wird mein Schwert ablassen von denen, die unschuldiges Blut auf der Erde vergießen. Und Feuer wird ausgehen von seinem Zorn und

die Grundfesten der Erde verzehren und die Sünder wie angezündetes Stroh.

Weh denen, die sündigen und meine Gebote nicht halten, spricht der Herr: Ich werde ihrer nicht schonen! Fort von mir, abtrünnige Söhne!

Beflecket meine Heiligkeit nicht! Denn der Herr kennt alle, die sich an ihm vergehen, deswegen hat er sie in den Tod und das Verderben

dahingegeben. Denn schon ist Unheil über den Erdkreis gekommen und ihr werdet darin aushalten müssen, denn nicht wird euch Gott

befreien, weil ihr euch gegen ihn vergangen habt.

Siehe, ein Gesicht, und es war schrecklich! Und seine Erscheinung kam von Osten. Und ausziehen werden die Völkerschaften des Drachen

der Araber in vielen Wagen, und ihr Zischen wird am Tage ihres Auszuges über die Erde hin tönen, so daß sich alle, die sie hören, fürchten

und erzittern. Rasende Karmonier werden im Grimm hervorbrechen wie Eber aus dem Walde, in großer Macht herankommen, mit ihnen in

einer Schlacht kämpfen und einen Teil des Landes der Assyrer mit ihren Zähnen verwüsten. Und danach werden die Drachen, eingedenk

ihres Ursprunges, die Überhand gewinnen, und wenn sie sich umgewandt haben, schnaubend mit großer Macht, um sie zu verfolgen, dann

werden jene verwirrt werden und verstummen vor ihrer Kraft und ihre Füße zur Flucht wenden. Und vom Lande der Assyrer wird einer, der

ihnen auflauert, ihnen einen Hinterhalt legen und einen von ihnen vernichten. Da wird Furcht und Zittern ihr Heer befallen und Ohnmacht

ihre Könige.

Siehe - Wolken von Osten und Norden bis hin nach dem Süden! Und ihr Aussehen war ganz entsetzlich voll Zorn und Sturm. Und sie

werden aneinanderstoßen, und sie werden gewaltiges Unwetter über die Erde ausgießen. Und das Blut von den Schwertern wird reichen bis

an den Bauch des Pferdes, den Schenkel des Menschen und den Hinterbug des Kameles. Und viel Furcht und Zittern wird auf der Erde sein.

Entsetzen werden sich alle, die jenen Zorn sehen, und Furcht wird sie erfassen. Und danach werden zahlreiche Wolken von Süden und von

Norden und ein anderer Teil von Westen aufsteigen. Aber mächtiger werden Winde von Osten her werden und ihn und die Wolken

einschließen, die er im Zorne hat aufsteigen lassen; und das Unwetter, das von Osten und Westen her entstanden war, um Vernichtung

anzurichten, wird verletzt werden. Und aufsteigen werden große und starke Wolken voll Zorn und Unwetter, um die ganze Erde und ihre

Bewohner zu vertilgen. Sie werden über jeden Hohen und Erhabenen schreckliches Unwetter ausschütten, Feuer, Hagel, fliegende Schwerter

und große Wasserströme, so daß alle Felder und alle Bachtäler von der Menge dieses Wassers erfüllt werden. Und sie werden Städte und

Mauern, Berge und Hügel, die Bäume der Wälder, das Heu der Wiesen und ihr Getreide vernichten. Sie werden in einem Lauf weiterströmen

bis nach Babylon und es vernichten. Bei ihm werden sie zusammenströmen, es umfließen und all ihr Unwetter und den ganzen Zorn auf es

ausgießen, bis sie es von Grund aus zerstören. Da wird der Staub und der Rauch bis zum Himmel dringen, und alle ringsum werden es

betrauern. Und die Überlebenden werden die Sklaven derer werden, die es zerstört haben.

Und du, Asien, die du teilhattest an der Pracht und an der Herrlichkeit seiner Stellung, wehe dir, du Elende! Denn du bist ihm gleich

geworden, hast deine Töchter zum Schandgewerbe geschmückt, damit du gefielest und gerühmt seist unter deinen Liebhabern, die stets

deiner begehrten! Die verhaßte Hure hast du nachgeahmt in allen Werken und Listen. Darum spricht Gott: Ich werde dir Unheil senden:

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Witwenschaft, Armut, Hunger, Schwert und Pest; die sollen deine Häuser verwüsten, sollen vernichten und töten. Und die Herrlichkeit

deiner Macht wird verwelken wie eine Blume, wenn sich der Gluthauch erhebt, der wider dich entsandt ist. Du wirst schwach werden und

elend von den Schlägen und zerschlagen von den Striemen, so daß du deine Mächtigen und Liebhaber nicht aufnehmen kannst. Würde ich so

gegen dich eifern, spricht der Herr, wenn du nicht meine Auserwählten zu jeder Zeit getötet hättest, jauchzend mit Händeklatschen und

lachend bei ihrem Tode, da du trunken warest? Schmücke nur die Pracht deines Antlitzes! Hurenlohn trägst du im Schoße deines Gewandes,

deshalb wirst du Vergeltung empfangen in deinen Schoß! Wie du meinen Auserwählten tust, spricht der Herr, so wird dir Gott tun und dich

in Leiden stürzen. Deine Kinder werden Hungers sterben, du wirst durch das Schwert fallen, deine Städte werden vernichtet werden, und alle

die Deinen werden auf dem Felde durchs Schwert fallen. Und alle, die auf den Bergen sind, werden durch Hunger ums Leben kommen; sie

werden ihr eigen Fleisch fressen und ihr Blut trinken, aus Hunger nach Brot und Durst nach Wasser. Unglückliche! Elend wirst du vor allen

andern werden, und Leid wird dir zur Vergeltung widerfahren. Im Vorüberziehen werden sie die verhaßte Stadt anfallen, und sie werden

einen Teil deines Landes und einen Teil deiner Herrlichkeit vernichten, wenn sie von Babylon wieder zurückkehren. Und wenn du zerstört

und verwüstet bist, wirst du ihnen wie Stroh sein, und sie werden dir Feuer sein! Sie werden dich und deine Städte verzehren, dein Land und

deine Berge, alle deine Wälder und deine Fruchtbäume werden sie mit Feuer verbrennen. Deine Söhne werden sie gefangen wegführen,

deine Schätze werden sie zur Beute machen, und die Herrlichkeit deiner Pracht werden sie vernichten.

Wehe dir, Babylon und Asien! Wehe dir, Ägypten und Syrien! Umgürtet euch mit Säcken und härenem Tuch, beklagt eure Söhne und

beweint sie, denn nahe ist eure Vertilgung. Ausgeschickt ist gegen euch das Schwert! Wer ist da, der es abwende? Ausgeschickt ist gegen

euch das Feuer! Und wer ist da, der es lösche? Ausgeschickt sind gegen euch Leiden! Und wer ist da, der sie vertreibe? Kann einer den

hungrigen Löwen im Walde vertreiben oder das Feuer verlöschen, wenn Stroh angezündet worden ist? Kann einer den Pfeil zurückschlagen,

der von einem starken Schützen geschossen ist? Gott der Herr schickt die Leiden, und wer möchte sie vertreiben? Feuer wird ausgehen von

seinem Zorne, und wer ist da, der es lösche? Er wird seinen Blitz senden, und wer wird sich nicht fürchten? Er wird donnern, und wer wird

sich nicht entsetzen? Der Herr wird drohen, und wer wird nicht ganz und gar zergehen vor seinem Angesicht? Die Erde erbebt und ihre

Fundamente, das Meer wogt aus der Tiefe empor, seine Wogen werden verwirrt und seine Fische vor dem Antlitz des Herrn und der

Herrlichkeit seiner Macht. Denn stark ist seine Rechte, die den Bogen spannt; scharf die Pfeile, die von ihm entsandt werden, nie versagen

sie, wenn er beginnt, sie nach der Erde zu versenden. Siehe, Leiden werden ausgesandt werden und nicht wieder umkehren, bis sie auf die

Erde kommen. Feuer wird angezündet werden und nicht wieder verlöschen, bis es die Fundamente der Erde verzehrt. Wie der Pfeil nicht

umkehrt, versandt von einem starken Schützen, so werden die Leiden nicht umkehren, die auf der Erde ausgesandt sind.

Weh mir! Weh mir! Wer wird mich befreien in jenen Tagen? Der Anfang der Schmerzen kommt - und viele stöhnen, der Anfang der

Hungersnot -und viele werden umkommen, der Anfang der Kriege - und Mächte entsetzen sich, der Anfang der Leiden - und alle werden

zittern. Was werden sie erst dabei tun, wenn die Leiden selbst kommen? Siehe, Hunger und Plage und Verwirrung und Not sind gesandt als

Zuchtruten zur Besserung. Und bei dem allem werden sie sich nicht abkehren von ihren Ungerechtigkeiten, noch werden sie immer der

Zuchtruten gedenken.

Siehe, es wird das Getreide wohlfeil werden auf der Erde, so daß sie glauben, der Friede sei ihnen geschenkt. Dann aber werden die Leiden

auf der Erde emporsprossen. Schwert, Hunger und große Verwirrung. Hungers werden die meisten Bewohner der Erde sterben, und das

Schwert wird die andern vernichten, welche die Hungersnot überlebt haben. Tote werden wie Kot auf der Straße liegen, und niemand wird da

sein, sie zu beklagen. Denn die Erde wird verlassen sein, und ihre Städte werden zerstört werden. Keiner wird übriggelassen, die Erde zu

bebauen und Samen auf sie zu säen. Die Bäume werden ihre Frucht bringen, aber wer wird sie ernten? Die Traube wird reif werden, aber wer

wird sie treten? Denn es wird allerorten tiefe Einöde sein. Sehnlich verlangen wird ein Mensch, einen Menschen zu sehen und seine Stimme

zu hören. Denn von einer Stadt werden zehn übrigbleiben und von einem Weiler zwei, die sich verborgen hatten in dichten Wäldern und in

den Spalten der Felsen. Wie in einem Olivengarten an den einzelnen Bäumen drei oder vier Oliven übrigbleiben, oder wie in einem

Weinberge bei der Lese einzelne Beeren übriggelassen werden von denen, die den Weinberg sorgfältig durchsuchen, so werden in jenen

Tagen drei oder vier übriggelassen werden von denen, welche ihre Häuser mit dem Schwerte durchsuchen. Und das Land wird verlassen

bleiben, seine Äcker werden zu Domhecken werden, und seine Wege und alle Pfade werden Dornen aufwachsen lassen, weil keine

Schafherden es mehr durchziehen. Trauern werden die Jungfrauen, weil sie keine Verlobten mehr haben, trauern die Frauen, weil sie keine

Männer haben, trauern ihre Töchter, weil sie ihrer Stütze beraubt sind. Ihre Verlobten werden im Krieg vertilgt und ihre Männer vor Hunger

aufgerieben werden.

Höret aber dies und verstehet es, ihr Knechte des Herrn! Siehe, ein Wort des Herrn ist's; nehmet es auf! Zweifelt nicht an dem, was der Herr

gesagt hat: Siehe, es kommen Leiden und lassen nicht auf sich warten! Wie ein Weib, das im neunten Monat mit seinem Kinde schwanger

geht, wenn sich die Stunde ihres Gebärens naht, zwei oder drei Stunden vorher wehe Schmerzen in ihrem Leibe empfindet und, wenn das

Kind ihren Leib verläßt, nicht einen Augenblick zögert: So werden die Leiden nicht zögern, hervorzukommen über die Erde hin. Und die

Welt wird Weh leiden, und Schmerzen werden sie umfangen!

Höret das Wort, ihr, mein Volk! Bereitet euch zum Kampf, und im Leiden benehmet euch wie Fremdlinge auf der Erde: Wer verkauft, als sei

er auf der Flucht, und wer kauft, als sei er im Begriff zu verlieren; wer handelt, als werde er keinen Gewinn mehr einnehmen; wer baut, als

werde er nicht mehr wohnen; wer sät, als ob er nicht ernten, ebenso auch wer seine Weinstöcke beschneidet, als ob er nicht Lese halten

werde; die da heiraten so, als ob sie keine Kinder erzeugen würden, und die nicht heiraten, als ob sie verwitwet wären. Deshalb arbeiten

umsonst, die da arbeiten: Ihre Frucht werden Fremde ernten, und ihr Vermögen werden sie rauben, ihre Häuser zerstören, ihre Söhne in

Gefangenschaft führen. Darum sollen die da heiraten wissen, daß sie ihre Kinder in Gefangenschaft und Hungersnot hervorbringen werden.

Und die Handel treiben, tun es, wie man Beute macht. Denn je mehr sie ihre Städte und Häuser und Besitztümer und ihre Person schmücken,

desto mehr will ich eifern wider sie um ihrer Sünden willen, spricht der Herr. Denn wie eine schöne und edle Frau eifert wider eine Buhlerin,

so wird die Gerechtigkeit wider die Ungerechten eifern, wenn diese sich schmückt, und sie klagt sie ins Angesicht an, wenn der kommt,

welcher sie verteidigt, indem er jede Sünde auf der Erde heimsucht. Deshalb gleichet ihr nicht und ihren Werken. Denn, sieh, noch einen

Augenblick, und die Ungerechtigkeit wird von der Erde vertilgt werden und die Gerechtigkeit wird unter uns herrschen. Nicht soll der

Sünder sagen, er habe nicht gesündigt, noch der Ungerechte, er habe gerecht gehandelt; denn Feuerkohlen wird er auf dem Haupte dessen

anzünden, der da sagt: Ich habe nicht gesündigt, bei Gott und seiner Herrlichkeit! Siehe, der Herr kennt alle Werke des Menschen, ihr

Dichten und Trachten, ihre Gedanken und ihre Herzen. Der da gesagt hat: Es werde die Erde, und sie ward, es werde der Himmel, und er

ward, durch dessen Wort die Sterne gegründet wurden, der die Zahl der Sterne kennt- der die Tiefen erforscht und ihre Schätze - der das

Meer gemessen hat und seinen Inhalt- der die Welt eingeschlossen hat inmitten der Wasser und die Erde über den Wassern aufgehängt hat

durch sein Wort - der den Himmel ausgespannt hat wie ein Gemach und auf den Wassern ihn gegründet - der in der Wüste Wasserquellen

schuf und auf den Gipfeln der Berge Seen, damit sie von oben her Flüsse entsendeten, die Erde zu tränken - der den Menschen gebildet hat,

ihm ein Herz mitten in den Leib gegeben, ihm Atem und Leben und Verstand eingeflößt hat und den Hauch des allmächtigen Gottes, der

alles gemacht hat und das Verborgene an verborgenen Stellen erforscht: Sicherlich kennt er unser Dichten und Trachten und was ihr denkt in

euren Herzen! Wehe den Sündern und denen, die ihre Sünden verheimlichen wollen! Denn der Herr wird wahrhaftig alle ihre Werke

erforschen und euch alle öffentlich zur Schau vorüberführen! Und ihr werdet verwirrt sein, wenn eure Sünden vor den Augen der Menschen

einhergehen und eure Ungerechtigkeiten als Ankläger auftreten werden an jenem Tage. Was werdet ihr tun? Oder wie wollt ihr eure Sünden

verbergen vor dem Angesicht Gottes und seiner Engel? Siehe, Richter ist Gott! Fürchtet ihn! Laßt ab von eurer Sünde und vergeßt, eure

Ungerechtigkeiten in Ewigkeit weiter zu tun, so wird Gott euch herausführen und befreien aus aller Drangsal. Denn siehe, der Zorn einer

großen Menge wird gegen euch entbrennen, sie werden einige von euch gefangen nehmen und Götzenopferfleisch essen lassen. Und die sich

von ihnen verführen lassen, werden von ihnen verspottet und geschmäht und mißhandelt werden. Denn es wird .. . sein und in den

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benachbarten Städten eine große Erhebung wider die Gottesfürchtigen. Denn die Menschen werden Mangel leiden und durch ihre Leiden wie

Wahnsinnige sein, keinen verschonen, um die, welche noch Gott fürchten, auszuplündern und zu vernichten; denn sie werden ihr Hab und

Gut zerstören und plündern und sie aus ihren Häusern vertreiben. Dann wird die Probehaltigkeit meiner Auserwählten an den Tag kommen,

wie das Gold, das durch Feuer erprobt wird.

Höret, meine Auserwählten, spricht der Herr! Siehe, die Tage der Drangsal sind da, und ich will euch aus ihnen befreien! Fürchtet euch nicht

und wanket nicht; denn Gott ist euer Führer! Und ihr, die ihr meine Gebote und Vorschriften beobachtet, spricht der Herr Gott, laßt eure

Sünden nicht die Oberhand über euch gewinnen noch eure Ungerechtigkeiten Herr werden! Wehe denen, die von ihren Sünden eingeschnürt

und von ihren Ungerechtigkeiten überwuchert werden wie ein Feld, zu dem kein Mensch hingeht, vom Walde eingeschnürt und seine Saat

ihm von Dornen überwuchert wird; es wird umgerodet und ins Feuer geworfen, daß es verbrenne.

Christliche Sibyllinen

In alter Zeit soll es ein sagenhaftes dämonisches Wesen gegeben haben, das den Namen Sibylle trug. Ihr werden Sprüche und Weissagungen

zugeschrieben. Als dann Kultstätten und Orakelsammlungen sich vermehrten, wurde aus dem Eigennamen ein Gattungsname. Die

»Sibyllen« waren Frauen, die unheilvolle Ereignisse verkündeten (niedergeschrieben in Hexametern). Diese Art der Weissagung ist nicht in

Griechenland entstanden, sondern hat ihren Ursprung wohl im Osten.

Das hellenistische Diasporajudentum hat diese Literaturgattung übernommen. Entweder hat sie in heidnische Texte Jüdisches eingeschaltet,

so etwa Prophezeiungen über Israel, monotheistische Werbung, Ereignisse aus der Gegenwart und endzeitliche Drohungen und

Verheißungen. Oder aber sie hat nur die Form beibehalten und Sibyllinen ganz neuen Inhalts geschaffen.

Die Sibyllistik weist Ähnlichkeiten mit der Apokalyptik auf. Hier wie dort wird der wirkliche Verfasser nicht genannt, um dafür mit einem

großen Namen mehr Gewicht zu erhalten (Pseudonymität). Mit dieser Zurückführung der Weissagung auf eine Autorität der Vergangenheit

ist die Geschichtsdarstellung in Futurform verbunden (vaticinia ex eventu). Inhaltlich gibt es eine Überein stimmung in der Schilderung »der

letzten Dinge«. Ein entscheidender Unterschied aber liegt darin, daß die Apokalypsen einen geschlossenen Kreis angesprochen haben und

der Stärkung und Tröstung einer Gruppe dienten, die Sibyllinen aber geradezu Propagandaschriften waren. Sie richteten sich an

Außenstehende, ihr > Sitz im Leben< ist die Heidenmission des Diasporajudentums.

Textqelle: Die Sibyllinischen Orakel

Viertes Buch

1 Höre, Volk des stolzen Asiens und Europas, 2 was ich durch meinen honigstimmigen Mund von unserer Orakelstätte aus 3 mit lauterer

Wahrheit zu weissagen mich anschicke: 4 nicht eines lügenhaften Phoibos Orakelkünderin, den eitle 5 Menschen einen Gott nannten und mit

weiterer Lüge einen Seher, 6 sondern des großen Gottes, den nicht Hände von Menschen gebildet haben, 7 stummen, aus Stein gehauenen

Götzen ähnlich. 8 Denn auch als Haus hat er nicht einen im Tempel niedergesetzten Stein, 9 ganz taub und stumm, schmerzvollen Schimpf

und Schaden der Menschen, 10 sondern welches man von der Erde nicht sehen noch messen kann 11 mit sterblichen Augen, nicht gebildet

von sterblicher Hand: 12 welcher, indem er alle zugleich sieht, selbst von keinem gesehen wird; 13 welchem gehören die finstre Nacht und

der Tag und die Sonne, 14 die Sterne und der Mond und das fischreiche Meer 15 und die Erde und die Flüsse und die Mündung der immer

rinnenden Quellen, 16 Geschaffenes zum Leben, und die Regengüsse zugleich, 17 die die Frucht des Feldes hervorbringen und die Bäume

und die Weinstöcke und die Ölbäume. 18 Dieser hat mir die Geißel durch den Sinn hineingetrieben, 19 daß ich den Menschen das, was jetzt

und was hernach sein wird, 20 von dem ersten Geschlecht an, bis das elfte kommt, 21 gewiß erzähle; denn alles wird er selbst in der

Erfüllung als wahr erweisen. 22 Du aber, o Volk, höre in allem auf die Sibylla, 23 die aus frommem Munde die wahrhaftige Stimme ertönen

läßt. 24 Glückselig werden jene Menschen auf Erden sein, 25 die den großen Gott lieben werden, ihn preisend, 26 bevor sie trinken und

essen, frommem Sinne vertrauend; 27 die da sich abwenden werden von dem Anblick aller Tempel 28 und Altäre, eitler Gründungen aus

tauben Steinen, und 29 die befleckt sind mit dem Blute lebender Geschöpfe und mit Opfern 30 vierfüßiger Tiere. Vielmehr werden sie sehen

auf die große Herrlichkeit des einen Gottes, 31 weder frevelhaften Mord vollbringend, noch 32 gestohlenen, unendlichen Gewinn nehmend,

was ja das Schlimmste ist, 33 noch nach fremdem Lager schimpfliches Verlangen hegend, 34 noch nach der verhaßten und schrecklichen

Schändung von Knaben. 35 Ihre Weise und Frömmigkeit und Sitten werden die anderen Männer 36 niemals nachahmen, nach

Schamlosigkeit verlangend, 37 sondern werden sie mit Spott und Gelächter höhnen, 38 töricht in Unverstand, und werden jenen anlügen 39

die frevelhaften und bösen Werke, die sie selber tun. 40 Denn das ganze Geschlecht der redenden Menschen ist voll von Mißtrauen. Aber

wenn dann das Gericht 41 der Welt und der Sterblichen kommt, welches Gott selbst 42 veranstalten wird, richtend zugleich die Gottlosen

und die Frommen: 43 dann wird er die Gottlosen zurück ins Dunkel schicken, 44 und dann werden sie erkennen, wie große Gottlosigkeit sie

getan haben. 45 Die Frommen aber werden bleiben auf der kornspendenden Erde, 46 indem ihnen Gott Geist und Leben zugleich und Gnade

gibt. 47 Aber dieses wird alles im zehnten Geschlecht erfüllt; 48 jetzt aber will ich das sagen, was vom ersten Geschlecht an sein wird.

49Zuerst werden die Assyrer über alle Sterblichen herrschen, 50 sechs Geschlechter hindurch im Anfange der Welt regierend, 51 von da ab,

wo durch den Zorn des himmlischen Gottes 52 mitsamt den Städten und allen Menschen 53 die Erde vom Meere bedeckt wurde, indem die

Sintflut ausbrach. 54 Sie werden von den Medern gestürzt werden, und diese werden sich der Herrschaft berühmen 55 auf nur zwei

Geschlechter, Unter ihnen werden diese Dinge geschehen: 56 finstere Nacht wird sein zur mittelsten Stunde des Tages. 57 Die Sterne werden

vom Himmel verschwinden und die Scheibe des Mondes; 58 die Erde aber, von einer Bewegung großen Erdbebens erschüttert, 59 wird viele

Städte und Werke der Menschen zu Boden werfen. 60 Aus der Tiefe werden als dann Inseln über das Meer emportauchen.

61 Aber wenn der große Euphrat von Blut überfließt, 62 dann wird zwischen Persern und Medern schrecklicher Kampf 63 und Krieg

erhoben werden; die Meder aber, fallend unter dem Speere der Perser, 64 werden fliehen jenseits des großen Wassers des Tigris. 65 Den

Persern wird alsdann die große Macht über die ganze Welt gehören; 66 ihnen ist ein Geschlecht der Herrschaft in des Reichtums Fülle

beschieden.

67 Es werden aber geschehen alle bösen Dinge, die die Menschen fern von sich wünschen, 68 Kämpfe und Blutvergießen und Zwiespalt und

Flucht 69 und Umsturz von Türmen und Zerstörung von Städten, 70 wenn das stolze Hellas nach dem breiten Hellespont 71 gefahren

kommt, den Phrygiern und Asien schweres Geschick bringend. 72 Aber in das ackerreiche und weizentragende Ägypten 73 wird Hunger und

Unfruchtbarkeit im Umschwunge von 74 zwanzig Jahren einkehren, wenn der die Ähren nährende Nil 75 anderswo unter der Erde sein

dunkles Wasser birgt. 76 Gegen Hellas wird aus Asien ein großer König, die Lanze erhebend 77 mit zahllosen Schiffen, die nassen Pfade der

Tiefe 78 zu Fuß überschreiten, den hochgipfligen Berg aber durchschneidend zu Schiffe durchfahren, 79 doch ihn wird als Flüchtling aus

dem Kriege das schreckliche Asien empfangen. 80 Das arme Sizilien wird ganz und gar verbrennen 81 eine Flut mächtigen Feuers, indem

aus dem Ätna die Flamme hervorgespien wird. 82 Kroton aber, die große Stadt, wird in die tiefe Flut fallen.

83 In Hellas wird Streit sein; gegeneinander zur Wut entzündet, 84 werden sie viele Städte zu Boden stürzen und viele Männer 85 im

Kampfe verderben. Der Streit aber wird im Gleichgewichte gegeneinander sein.

86 Aber wenn die Zeit zum zehnten Geschlecht der redenden Menschen kommt, 87 dann wird den Persern Knechtesjoch und Furcht

beschieden sein; 88 aber des Zepters werden sich die Makedonier berühmen. 89 Es wird auch Theben hinterdrein schlimme Einnahme

widerfahren. 90 Die Karier werden Tyros bewohnen; die Tyrier werden zugrunde gehen. 91 Und ganz Samos wird der Sand unter Dünen

verhüllen. 92 Delos ist nicht mehr sichtbar; unsichtbar ist alles von Delos. 93 Und Babylon, groß im Anblick, klein im Kampfe, 94 wird

dastehen mit unnützen Erwartungen ummauert. 95 Baktra werden die Makedonier bewohnen, aber die von Baktra 96 und Susa werden alle

fliehen zum hellenischen Lande. 97 Kommen wird den Nachkommen die Zeit, wenn der Pyramos mit silbernen Strudeln, 98 Dünen vor sich

hinschüttend, zur heiligen Insel gelangt. 99 Und Sy baris wird fallen und Kyzikos, wenn die Erde durch Erschütterungen 100 heftig bewegt

wird, und die Städte hinsinken. 101 Kommen wird auch den Rhodiern Unheil, zuletzt aber am größten. 102 Auch Makedonien hat nicht

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immer die Herrschaft, sondern vom Westen her 103 wird ein großer italischer Krieg erblühen, unter dem die 104 Welt den Italiern dienen

wird, das Knechtesjoch tragend. 105 Karthago, auch dein Turm wird zur Erde das Knie senken. 106 Armes Laodikeia, dich wird einstmals

das Erdbeben zu 107 Boden stürzend verwunden; wiederum aber wirst du dich aufrichten als Stadt mit breiten Straßen. 108 Auch du, armes

Korinth, wirst einstmals deine Einnahme sehen. 109 O schönes Myra in Lykien, dich wird niemals die erschütterte Erde 110 feststehen

lassen, sondern vornüber im Beben zur Erde fallend, 111 wirst du wünschen, in ein anderes Land, als Beisassin zu entfliehen, 112 dann,

wenn Pataras Getümmel in Gottlosigkeiten einst 113 mit Donnern und Erderschütterungen das dunkle Wasser ....

114 Armenien, auch dich erwartet der Zwang der Knechtschaft. 115 Es wird auch für Solyma der böse Sturm des Krieges kommen 116 von

Italien her, und den großen Tempel Gottes wird er entleeren, 117 wenn sie, der Torheit vertrauend, die Frömmigkeit 118 wegwerfen werden

und schreckliche Mordtaten im Tempel vollbringen. 119 Und dann wird von Italien der große König, wie ein Entlaufender, 120 fliehen,

verschwunden, verschollen, über den Strom Euphrat, 121 welcher einst Blutschuld schrecklichen Mordes an der Mutter wagen wird 122 und

vieles andere, der bösen Hand folgend. 123 Viele aber werden um den Thron Roms den Boden mit Blut besudeln, 124 nachdem jener

entlaufen ist jenseits des parthischen Landes.

125 Nach Syrien aber wird ein Fürst Roms kommen, der, mit Feuer den Tempel 126 von Solyma verbrennend und viele Menschenmörder

zugleich, 127 das große, breitstraßige Land der Juden verderben wird.

128 Und dann wird Salamis und zugleich Paphos das Erdbeben verderben, 129 wenn das ringsumspülte Kypros das dunkle Wasser

überbraust.

130 Aber wenn aus der Erdspalte des italischen Landes 131 das Feuerzeichen hervorblitzend zum weiten Himmel kommt 132 und viele

Städte verbrennt und Männer vernichtet, 133 und viele rußige Asche den großen Äther erfüllt, 134 und Tropfen vom Himmel fallen, dem

Mennig gleich: 135 dann erkennt den Zorn des himmlischen Gottes, 136 darum, daß sie den unschuldigen Stamm der Frommen verderben.

137 Nach dem Westen wird alsdann der sich erhebende Streit des Krieges 138 kommen, und der Flüchtling von Rom, die mächtige Lanze

erhebend, 139 den Euphrat überschreitend mit vielen Tausenden.

140 Armes Antiochia, dich wird man nicht mehr eine Stadt nennen, 141 wenn du durch Torheit unter italischen Speeren fällst. 142 Auch

Syrien wird alsdann die Pest verderben und schrecklicher Krieg.

143 Wehe, wehe, armes Kypros: dich wird die breite Woge des Meers 144 verbergen, durch winterliche Stürme emporgeworfen! 145 Es

wird aber nach Asien kommen der große Reichtum, den einstmals Rom 146 selbst geraubt und in dem schätzereichen Hause niedergelegt

hat; 147 und zweimal so viel anderes wird es alsdann zurückerstatten 148 nach Asien, und dann wird ... des Krieges sein.

149 Die Städte der Karier an den Ufern des Maiandros, 150 sie alle, die da herrlich aufgetürmt sind, wird bittere 151 Hungersnot verderben,

wenn der Maiandros sein dunkles Wasser verbirgt.

152 Aber wenn die Frömmigkeit den Menschen verlorengeht, 153 die Treue und das Recht, und sie, in gottlosen Wagnissen 154 lebend,

Übermut vollbringen, frevelhafte und böse Werke, 155 auf die Frommen aber niemand Rücksicht nimmt, 156 sondern die schwer

Verblendeten in Torheit sogar dieselben alle verderben, 157 an Freveltaten sich freuend und auf Blutvergießen die Hände gerichtet habend:

158 dann möge man wissen, daß Gott nicht mehr gnädig ist, 159 sondern vor Zorn knirscht und das ganze Geschlecht 160 der Menschen

zugleich verderben will unter einem großen Brande.

161 Ach, ihr armen Sterblichen, ändert dies und bringt nicht zu jeglichem Zorne 162 den großen Gott, sondern fahren lassend 163 die

Schwerter und den Jammer und Männermord und die Freveltaten, 164 badet den ganzen Leib in immerfließenden Flüssen, 165 und die

Hände zum Himmel ausstreckend, bittet um Vergebung 166 für die bisherigen Taten und sühnt mit Lobpreisungen 167 die bittere

Gottlosigkeit. So wird es Gott gereuen, 168 und er wird euch nicht verderben; er wird seinen Zorn wiederum stillen, wenn ihr alle 169 die

hochgeehrte Frömmigkeit in eurem Geiste übt. 170 Solltet ihr aber bösen Sinnes mir nicht gehorchen, sondern, ruchlosen Sinn 171 liebend,

dies alles mit bösen Ohren aufnehmen, 172 so wird Feuer über die Welt kommen, bei welchem dies das Zeichen ist: l73 Schwerter,

Trompeten, mit dem Aufgange der Sonne; 174 die ganze Welt wird ein Gebrüll und einen schrecklichen Schall hören. l75 Verbrennen wird

es die ganze Erde und das ganze Geschlecht der Männer vernichten 176 und alle Städte, die Flüsse zugleich und das Meer; l77 ausbrennen

wird es alles, daß es zu rußigem Staube wird.

178 Aber wenn dann alles zu Staub und Asche geworden ist, l79 und Gott das unsägliche Feuer stillt, er, der es angezündet, 180 dann wird

Gott selbst wiederum die Gebeine und den Staub der Männer 181 gestalten und die Sterblichen wieder aufrichten, wie sie zuvor waren. 182

Und dann wird das Gericht sein, bei welchem Gott selbst richten wird, 183 die Welt wiederum richtend. Alle, welche in Gottlosigkeit 184

gesündigt haben, die wird wiederum die aufgeschüttete Erde verbergen, 185 und der modrige Tartaros, die Tiefen und die stygische

Gehenna. 186 Aber alle, die da fromm sind, werden wiederum auf der Welt leben, l87 indem ihnen Gott den Geist gibt und Leben zugleich

und Gnade 188 den Frommen; sie alle werden dann einander sehen, 189 das liebliche, erfreuende Licht der Sonne schauend. 190 O

glückselig der Mann, der zu jener Zeit sein wird!

Die Oden Salomos

Die Oden Salomos kannte man lange nur aus alten Kanonverzeichnissen und Zitaten. Erst 1909 wurde die Sammlung von C. Harris

aufgefunden. Es handelte sich dabei um ein 400 Jahre altes syrisches Manuskript, das allerdings erst in der Mitte der 3. Ode einsetzt. Die 1.

Ode konnte hinzugefügt werden, da sie in die gnostische Schrift Pistis Sophia aufgenommen und so überliefert worden war.

Über den Verfasser genauere Angaben zu machen, ist bis jetzt nicht gelungen. Zuerst wurde behauptet, das Werk sei syrischen Ursprungs,

dann wieder, es beruhe auf einer jüdischen Vorlage, die christlich überarbeitet wurde. Aber wahrscheinlich ist es eine gnostische

Hymnensammlung aus dem 2. Jh. n. Chr.

Ode 1 Der Kranz der Wahrheit

Das Bild von Gott als Kranz auf dem Haupt des Erwählten findet sich schon im Alten Testament. Bei Jesaja heißt es: > Zu der Zeit wird der

Herr Zebaoth eine liebliche Krone sein und ein herrlicher Kranz für die Übriggebliebenen seines Volkes ... < (Jes 28,5). Auch heidnischen

Religionen war dieses Bild bekannt. In Tertullians > De corona 15< sagt ein Myste aus Mithras: »Mithras ist mein Kranz. « Mithras ist eine

indon-arische Gottheit, die nach der Zerstörung des Persischen Reiches in hellenistische Mysterienkulte Eingang gefunden hat.

Der Herr ist mein Kranz

Der Herr ist auf meinem Haupte wie ein Kranz,

und ich werde mich nicht von ihm trennen.

Man hat mir den Kranz der Wahrheit geflochten,

und er hat deine Zweige aufsprossen lassen in mir.

Denn er gleicht nicht einem Kranze,

der vertrocknet ist, so daß er niemals auf sproßt;

sondern du bist lebendig auf meinem Haupte

und bist aufgesproßt auf mir.

Deine Früchte sind voll und sind vollkommen,

indem sie voll sind von deinem Heil.

Ode 6 Der Herr mehrt die Erkenntnis

174

Der Grundgedanke dieser Ode ist, daß der Erkenntnis des Herrn nichts widerstehen kann, daß sie sich wie ein breiter Strom über die Erde

erstreckt. Schon Jesaja hat ähnliches ausgedrückt. > Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das

Land wird voll Erkenntnis des Herrn sein, wie Wasser das Meer bedeckt< (Jes 11,9). In der Ode aber ist das Wasser Bild für die Erkenntis

(Gnosis) der Gnostiker, durch die der Gläubige die Erlösung das ewige Heil erlangen wird (> ...und sie leben durch das Wasser ein Leben für

die Ewigkeit<, Vers 18).

Der Geist und das Wasser des Herrn wecken überall unaufhaltsam die Erkenntnis

Wie die Hand durch die Zither wandert und die Saiten tönen,

so tönt in meinen Gliedern der Geist des Herrn,

und ich ertöne in seiner Liebe.

Denn er vernichtet, was fremd, und alles ist des Herrn.

Denn so war es von Anfang an und bis ans Ende,

daß nichts entgegen sein soll, und nichts sich erhebe gegen ihn.

Es mehrte seine Erkenntnis der Herr,

und er bemühte sich,

daß erkannt würde, was durch seine Güte uns geschenkt ward.

Und seinen Lobpreis gab er uns für seinen Namen;

unsere Geister priesen seinen heiligen Geist.

Denn entsprungen ist ein Bach und wurde ein großer und breiter Strom;

denn er hat alles überschwemmt und fortgetragen den Tempel.

Und nicht vermochten ihn zu hemmen die Hemmnisse der Menschen,

und auch nicht die Künste derer, die das Wasser hemmen.

Denn er gelangte über die Oberfläche der ganzen Erde,

und er erfüllte alles.

Und es tranken alle Durstigen auf Erden,

und der Durst wurde gestillt und erlosch.

Denn vom Höchsten wurde der Trank gegeben.

Heil drum den Dienern jenes Trankes,

ihnen, denen das Wasser anvertraut ist!

Sie haben erquickt die trockenen Lippen,

und den versagenden Willen haben sie aufgerichtet.

Und die Seelen, die dem Abscheiden nahe waren,

haben sie dem Tode abgejagt.

Und die Glieder, die gefallen waren,

haben sie geradegerichtet und aufgestellt.

Sie haben Kraft verliehen, daß sie kommen können,

und Licht für ihre Augen.

Denn jedermann hat sie erkannt im Herrn,

und sie leben durch das Wasser ein Leben für die Ewigkeit.

Hallelujah!

Ode 8 Öffnet eure Herzen

Das Hauptstück dieseses Gedichtes ist eine gnostische Offenbarungsrede Gottes (Verse 9-21). Gnostisch ist, daß das Fleisch nichts von der

Erkenntnis wissen darf. Auf dem Weg der Erkenntnis muß es zurückgelassen werden, denn es ist nur ein Hindernis. Zur gnostischen Lehre

gehört es außerdem, die Erkenntnis geheimzuhalten. Jeder, der von den Gnostikern aufgenommen wurde, hatte ein Gelöbnis des Schweigens

abgelegt. Diese Rede des Herrn ist umrahmt von Aufforderungen, die Herzen zu öffnen zum Jubel, für und für zu beten (vgl. 1 Thess 5,17)

und in der Liebe des Herrn zu bleiben. Im Johannes-Evangelium ist dieser letzte Gedanke Christus in den Mund gelegt: > Wie mich der

Vater liebte, so liebte ich auch euch. Bleibt in meiner Liebe!< (Joh 15,9)

Der Herr, der sich als liebevoller Helfer erwiesen, ruft zur Gegenliebe in Glauben und Erkenntnis auf!

Öffnet, öffnet eure Herzen zum Jubel über den Herrn,

und eure Liebe wachse vom Herzen bis (hinauf) zu den Lippen,

Früchte zu bringen dem Herrn, ein heiliges Leben,

und zu reden in Wachsamkeit in seinem Lichte!

Stehet auf und stehet fest, die ihr zeitweilig darnieder lagt!

Die ihr im Schweigen wart, redet, da euer Mund aufgetan worden ist!

Die ihr verachtet wart, erhebt euch nun,

da euere Gerechtigkeit erhoben worden ist!

Denn die Rechte des Herrn ist mit euch,

und er ist euch ein Helfer.

Und bereitet wurde euch der Friede,

noch bevor euer Krieg ausbrechen sollte.

Höret das Wort der Wahrheit,

und empfanget die Erkenntnis des Höchsten!

Nicht soll euer Fleisch wissen, was ich euch sage,

auch nicht euer Kleid, was ich euch kundtue.

Bewahret mein Geheimnis, die ihr dadurch bewahrt seid!

Bewahret meinen Glauben, die ihr dadurch bewahrt seid!

Und erkennet meine Erkenntnis,

die ihr in Wahrheit mich erkennt!

Liebet mich mit Inbrunst, die ihr liebt!

Denn nicht wende ich mein Antlitz ab von den Meinigen,

weil ich sie kenne, und,

bevor sie werden sollten, sie durchschaut habe.

Und ihre Angesichter, ich habe sie gesiegelt.

Ich habe ihre Glieder hingestellt,

und meine eigenen Brüste habe ich für sie bereitet,

daß sie meine heilige Milch trinken könnten,

175

um davon zu leben.

Ich habe Wohlgefallen an ihnen gefunden

und schäme mich ihrer nicht.

Denn mein Werk sind sie

und die Kraftleistung meiner Gedanken.

Wer sollte sich also erheben gegen mein Werk,

oder wer ihnen nicht folgen?

Ich habe Verstand und Herz nach meinem Willen gebildet,

und mein sind sie,

und zu meiner Rechten habe ich meine Auserwählten gestellt.

Und es zieht vor ihnen her meine Gerechtigkeit,

und nicht sollen sie verlassen werden

von meinem Namen, weil er bei ihnen ist.

Betet für und für und bleibet in der Liebe des Herrn,

und seid Geliebte in dem Geliebten und solche,

die bewahrt sind in dem,

der lebt, und erlöst in dem, der erlöst ist.

Und unvergänglich werdet ihr erfunden werden

in allen Ewigkeiten um des Namens eueres Vaters willen.

Hallelujah!

Ode 15 Der Herr ist meine Sonne

Der Herr ist die Sonne, die von den Toten auferweckt. Er wird uns ein Leben schenken, das den Tod nicht mehr kennt. Im Neuen Testament

ist in ähnlicher Weise von einem Licht die Rede, ein Licht, das Christus ist: > Wach auf, der du schläfst, steh auf von den Toten, und als

Licht wird dir erstrahlen Christus.< (Eph 5,14)

Der Herr erweckt die Sonne, zu vollkommenem Leben!

Wie die Sonne eine Freude ist für die,

die nach ihrem Tag verlangen,

so ist meine Freude der Herr.

Denn er ist meine Sonne,

und seine Strahlen haben mich aufstehen lassen,

und sein Licht hat alle Finsternis

von meinem Angesicht vertrieben.

Erhalten habe ich durch ihn Augen,

und geschaut habe ich seinen heiligen Tag.

Geworden sind mir Ohren,

und gehört habe ich seine Wahrheit.

Geworden ist mir das Denken der Erkenntnis,

und ich bin ergötzt worden durch ihn.

Den Weg des Irrtums habe ich verlassen,

und ich bin hingegangen zu ihm

und habe empfangen Erlösung von ihm ohne Mißgunst.

Und nach seiner Gabe hat er mir gegeben,

und nach der Größe seiner Schönheit hat er mich gemacht.

Ich habe angezogen die Unvergänglichkeit durch seinen Namen,

und ich habe abgelegt die Vergänglichkeit durch seine Güte.

Der Tod ist vergangen vor meinem Antlitz,

und die Unterwelt hat aufgehört durch mein Wort.

Und es ist erwachsen im Lande des Herrn Leben ohne Tod

und ist bekannt geworden seinen Gläubigen

und ist gegeben worden ohne Abzug allen denen,

die auf ihn bauen. Hallelujah!

Ode 22 Sieg über den siebenköpfigen Drachen

Der Erlöser, der hier dem Herrn ein Danklied singt, beschreibt seinen Helfer. Auf dem Weg zur Hölle hat Gott gesammelt, »was in der

Mitte« (Vers 2) war, d. h. er hat die Menschen Christus zugeführt. In der Unterwelt hat er den siebenköpfigen Drachen getötet. Der Teufel

und Satan wird auch in der JohannesApokalypse so beschrieben: > Und ein anderes Zeichen erschien am Himmel: Siehe, ein Drache, feurig

und gewaltig groß, mit sieben Köpfen .. . < (Offb 12,3). Nach der völligen Vernichtung des Teufels (> mit Wurzeln und Samen<) gibt

Gott denen, die an ihn glauben, das Leben, die Ungläubigen aber werden tot zurückgelassen.

Der Sieg über die Höllenmacht

Er, der mich hinabführt aus der Höhe

und mich hinaufführt aus den Tiefen;

und er, der sammelt,

was in der Mitte, und es mir überweist;

er, der zerstreute meine Feinde und meine Gegner;

er, der mir Macht gab über die Fesseln,

so daß ich sie lösen kann;

er, der niederwarf durch meine Hände

den siebenköpfigen Drachen ...

und du stelltest mich auf seine Wurzeln,

daß ich seinen Samen vernichten sollte.

Du bist dort gewesen und halfst mir,

und aller Orten umgab mich dein Name.

Es zerstörte deine Rechte sein schlimmes Gift,

und es ebnete deine Hand den Weg für die,

176

die an dich glauben.

Und du erwähltest sie aus den Gräbern

und trenntest sie von den Toten.

Du nahmst die toten Gebeine und kleidetest über sie Leiber.

Und sie waren unbeweglich,

und du gabst ihnen die Fähigkeit zum Leben.

Unvergänglich war dein Leben und deine Person.

Du brachtest deine Welt zum Vergehen,

daß alles aufgelöst und erneuert wurde

und daß die Grundlage für alles dein Felsen sei.

Und auf ihn bautest du dein Königreich,

und es wurde zur Wohnung der Heiligen. Hallelujah!

Ode 39 Gewaltige Ströme sind die Streitmacht des Herrn

Der Weg ins Jenseits ist bewacht von gewaltigen Strömen. Nur die Gläubigen, die den Fußstapfen Christi folgen, gelangen hinüber. Dieses

Bild geht wohl auf den Durchzug durch das Rote Meer des Volkes Israel zurück. Ägypten mit seinen Fleischtöpfen steht für das diesseitige

fleischliche Leben. Das Rote Meer trennt von dem geistigen Leben. Wie die Ägypter, so werden diejenigen diese Scheide nicht überqueren

können, die den Namen des Herrn nicht anerkennen.

Nur die Gläubigen gelangen in das Land des Heils, das gewaltige Ströme sichern

Gewaltige Ströme sind die Streitmacht des Herrn,

die diejenigen, welche ihn verachten, kopfüber dahinführen.

Und sie hemmen ihre Schritte und zerstören ihre Übergänge.

Und sie raffen ihre Leiber dahin und vernichten ihre Seelen.

Durchdringender sind sie nämlich als der Blitz und schneller.

Doch die, die sie überschreiten im Glauben,

sollen nicht erschüttert werden.

Und die, die in ihnen gehen ohne Fehl,

sollen nicht verwirrt werden.

Denn das Zeichen an ihnen ist der Herr,

und das Zeichen ist der Weg derer,

die hinübergehen im Namen des Herrn.

Ziehet also den Namen des Höchsten an und erkennet ihn,

und ihr werdet hinübergehen ohne Gefahr,

da die Ströme euch gehorsam sein werden.

Es überbrückte sie der Herr durch sein Wort,

und er ging hin und überschritt sie zu Fuß.

Und seine Fußstapfen standen fest auf dem Wasser

und wurden nicht zerstört,

sondern sie waren wie Holz,

das wirklich eingerammt ist.

Und hüben und drüben erheben sich Wogen,

aber die Fußstapfen unseres Herrn Christus stehen fest;

und sie werden nicht verlöscht, auch nicht zerstört.

Und es wurde ein Weg angelegt für die,

die hinter ihm hinübergehen, und für die,

die übereinstimmen mit dem Gange seines Glaubens

und anbeten seinen Namen. Hallelujah!

Apokryphe Briefe Apostelberichte, Briefe und Akten

Von den apokryphen Briefen sei hier nur ein Beispiel angeführt, da die meisten Berichte inhaltlich sowohl bei den Briefen als auch bei den

Evangelien abgehandelt werden können.

Bei den Evangelien aufgeführt haben wir bereits den Briefwechsel zwischen Abgar von Edessa und Jesus sowie den Apostelbrief (Epistula

Apostolorum).

Briefwechsel zwischen Paulus und Seneca

Der Briefwechsel zwischen Seneca und Paulus sollte aber doch nicht fehlen, zwar weniger wegen seiner inhaltlichen Bedeutung als vielmehr

wegen seiner Berühmtheit. Hieronymus glaubte übrigens an seine Echtheit. Er schrieb einmal über Seneca: >Annaeus Seneca aus Cordoba ...

führte ein sehr enthaltsames Leben. Ich würde ihn nicht in das Verzeichnis der Heiligen aufnehmen, wenn mich nicht jene Briefe dazu

veranlaßten, die von sehr vielen gelesen werden, die Briefe des Paulus an Seneca und des Seneca an Paulus.<

Es sind 8 Briefe Senecas und 6 Briefe des Paulus überliefert. Die Briefe sind lateinisch verfaßt und weisen einen schlechten Stil auf. Auch

finden sich darin keine erwähnenswerten Gedanken. Allein der Name des großen Philosophen ist für ihren Ruhm verantwortlich. Wenn ein

Seneca sich von der Weisheit der neutestamentlichen Schriften beeindruckt zeigt, so könnte doch jeder Gebildete sich ohne Schande auf das

christliche Gedankengut einlassen. Immerhin zeigt diese Fälschung wohl auch, daß das Neue Testament in philosophischer Hinsicht kein

großes Ansehen genoß, da es offensichtlich einer Aufwertung durch einen römischen Philosophen bedurfte.

Besonders das Mittelalter schenkte diesen Briefen Beachtung. Der große Theologe Alkuin, den Karl der Große an seinen Hof gezogen hatte,

brachte eine Ausgabe heraus, die weite Verbreitung fand. Erwähnt sei noch, daß sich auch Petrarca mit den Briefen beschäftigt hat. In seiner

»Epistola ad Senecam« spielt er auf die Briefe an.

Textquelle: Briefwechsel zwischen Seneca und Paulus

Seneca grüßt Paulus

Ich glaube, Paulus, man hat dir mitgeteilt, daß wir gestern mit unserm Lucilius ein Gespräch über die >Apokryphen< und sonstige Dinge

gehabt haben. Es waren nämlich einige Gefährten deiner Lehren bei mir. Wir hatten uns nämlich in die Gärten des Sallust zurückgezogen,

177

wo bei dieser günstigen Gelegenheit für uns, obwohl sie anderswohin wollten, die oben Erwähnten, als sie unser ansichtig wurden, sich uns

anschlossen. Sicherlich haben wir deine Anwesenheit gewünscht, und ich möchte, daß du weißt: Nach der Lektüre deines Büchleins, d. h.

einer Anzahl von Briefen, die du an eine Stadtgemeinde oder Provinzialhauptstadt gerichtet hast, die für das sittliche Leben wunderbare

Ermahnung enthalten, sind wir durch und durch erquickt, und ich halte dafür, daß diese Äußerungen nicht aus dir, sondern durch dich

gesprochen sind, so gewiß sie einmal aus dir und durch dich geäußert wurden. Denn so groß ist die Erhabenheit dieser Dinge und durch

solche edle Art zeichnen sie sich aus, daß meines Erachtens kaum Generationen von Menschen genügen werden, um durch sie unterwiesen

und vollendet werden zu können. Ich wünsche dir Wohlergehen, Bruder.

Den L. Annaeus Seneca grüßt Paulus

Deinen Brief habe ich gestern mit Freuden in Empfang genommen. Ich hätte ihn sogleich beantworten können, wenn mir der junge Mann,

den ich zu dir zu senden beabsichtigte, zur Verfügung gestanden hätte. Du weißt ja, wann und durch wen und zu welchem Zeitpunkt und

wem etwas zur Übermittlung gegeben werden darf. Ich bitte also, sieh es nicht als Nachlässigkeit an, wenn ich die Zuverlässigkeit der Person

erst berücksichtige. Wenn du aber schreibst, ihr wäret durch meinen Brief irgendwie angenehm berührt, so schätze ich mich glücklich über

das Urteil eines aufrichtigen Mannes. Denn du, der du Kritiker (censor), Philosoph und Lehrer eines so bedeutenden Fürsten und damit auch

der Allgemeinheit bist, würdest das nicht sagen, wenn nicht wahr wäre, was du sagst. Ich wünsche dir langes Wohlergehen.

Seneca grüßt Paulus

Einige Schreibrollen habe ich geordnet und sie entsprechend ihrer jeweiligen Einteilung in bestimmte Ordnung gebracht. Auch das bin ich

entschlossen, dem Kaiser vorzulesen. Wenn nur das Geschick es günstig fügte, daß er neues Interesse zeigt, so wirst vielleicht auch du

zugegen sein; sonst will ich dir ein andermal einen Tag angeben, wo wir zusammen dieses Werk einsehen können. Und ich könnte ihm nicht

eher diese Schrift vorlegen, es sei denn, ich käme vorher mit dir zusammen, wenn es nur ohne Schaden möglich wäre, so daß du sicher sein

könntest, daß man dich nicht übergeht. Leb wohl, teuerster Paulus!

Den Annaeus Seneca grüßt Paulus

Sooft ich deine Briefe höre, denke ich an deine Gegenwart, und ich stelle mir nichts anderes in Gedanken vor, als daß du jederzeit bei uns

seiest. Sobald du daher dich anschickst zu kommen, werden wir uns einander auch aus nächster Nähe sehen. Ich wünsche dir Wohlergehen.

Seneca grüßt Paulus

Dein allzu langes Fernbleiben ängstigt uns. Was ist denn los! Was hält dich fern? Falls es der Unwille der Herrin ist, weil du dich vom alten

Ritus und Glauben (des Judentums) abgewandt und anderswohin bekehrt hättest, so wirst du Gelegenheit finden, sie zu überzeugen, dies sei

aus Überlegung und nicht aus Leichtfertigkeit geschehen. Leb wohl!

Den Seneca und Lucilius grüßt Paulus

Über die Dinge, von denen du mir geschrieben hast, kann man sich nicht mit Feder und Tinte äußern, denn erstere bezeichnet etwas deutlich,

letztere zeigt es zu offensichtlich; zumal da ich weiß, daß unter euch, d. i. bei euch und in eurer Mitte, Leute sind, die mich verstehen. Man

muß allen mit Ehrfurcht begegnen, zumal wenn sie nach einer Gelegenheit zur Äußerung ihres Unwillens haschen. Wenn wir mit ihnen

Geduld haben, werden wir sie auf jede Weise und in jeder Hinsicht überwältigen, wenn es nur Menschen sind, die über ihr Tun Reue zeigen

können. Lebt wohl!

Annaeus Seneca grüßt Paulus und Theophilus

Ich gestehe offen, die Lektüre deiner Briefe an die Galater, an die Korinther und an die Achäer hat mich angenehm berührt, und wir wollen

so miteinander leben, wie auch du es mit göttlichem Schauer in ihnen verwirklichst. Denn der heilige Geist ist in dir, und überdies bringt er

durch deinen erhabenen Mund hohe und durchaus ehrwürdige Gedanken zum Ausdruck. Darum wünschte ich, wenn du so hohe Gedanken

vorbringst, möchte der Erhabenheit der Gedanken nicht die schöne Form der Rede fehlen. Und um dir, lieber Bruder, nichts vorzuenthalten

oder gar mein Gewissen zu belasten, gestehe ich, daß auf den Augustus (= Kaiser Nero) deine Gedanken Eindruck gemacht haben. Als ich

ihm den Anfang deines Briefes von der Kraft, die in dir ist, vorgelesen hatte, äußerte er sich folgendermaßen: er könne sich nur wundern, wie

ein Mensch, der nicht die herkömmliche Bildung besitze, solcher Gedanken fähig sei. Ich gab ihm zur Antwort: die Götter pflegen durch den

Mund der Unschuldigen zu reden, nicht solcher, die sich auf ihre Gelehrsamkeit wunder was einbilden, und als Beispiel nannte ich ihm den

Vatienus, einen ganz ungebildeten Menschen, dem zwei Männer im Gebiet von Reate erschienen, die man später Castor und Pollux genannt

hat, und damit scheint der Kaiser im Bilde zu sein. Lebt wohl!

Den Seneca grüßt Paulus

Wenn ich auch wohl weiß, daß unser Caesar Nero zuweilen, wenn er mutlos ist, am Bewundernswerten Gefallen findet, so gestattet er doch

nicht, daß er beleidigt, sondern nur, daß er ermahnt wird. Ich glaube nämlich, daß es übel angebracht war, daß du ihm das zur Kenntnis

bringen wolltest, was seinem Glauben und seiner Lehre widerspricht. Da er ja die heidnischen Götter verehrt, sehe ich nicht ein, was du

damit beabsichtigt hast, daß du ihn dies wissen lassen wolltest; ich müßte denn glauben, daß du es aus allzu großer Liebe zu mir tust. Ich

bitte. dich, in Zukunft so etwas nicht wieder zu tun. Du mußt dich nämlich hüten, während du mich lieb hast, die Herrin (Kaiserin Poppaea

Sabina) vor den Kopf zu stoßen; denn ihre Ungnade wird nicht schaden, wenn sie dabei bleibt, noch nützen, wenn es nicht der Fall ist; als

Königin wird sie nicht Unwillen empfinden, aber als Frau wird sie sich beleidigt fühlen.

Seneca grüßt Paulus

Ich weiß, daß du nicht so sehr deinetwegen erregt bist über das Schreiben, das ich an dich über eine Ausgabe meiner Briefe für den Kaiser

gerichtet habe, wie über die Natur der Dinge, die den Sinn der Menschen von allen Künsten und richtiger Gesittung fernhält, so daß ich mich

heute nicht wundere, zumal da mir dies nunmehr aus mannigfachen Beweisstücken ganz genau bekannt geworden ist. So wollen wir denn

aufs neue ans Werk gehen, und wenn in der Vergangenheit ein Fehler gemacht worden ist, wirst du mir Verzeihung gewähren. Ich habe dir

ein Buch über > Wortreichtum< geschickt. Leb wohl, teuerster Paulus!

Den Seneca grüßt Paulus

Sooft ich dir schreibe und meinen Namen hinter den deinen setze, begehe ich einen schweren Fehler, der eigentlich mit meiner Stellung in

der Christengemeinde unvereinbar ist. Jedenfalls muß ich, wie ich oft erklärt habe, mit allen alles sein und gegenüber deiner Person das

beobachten, was das römische Gesetz der Ehre des Senates zugestanden hat, nämlich nach Durchlesen eines Briefes die letzte Stelle zu

wählen; sonst könnte ich nur mit Verlegenheit und Schande das durchführen wollen, was meinem eigenen Urteil entsprochen hätte. Leb

wohl, mein hochverehrter Lehrer! Gegeben am 27. Juni unter dem 3. Konsulat des Nero und dem des Messala (= 58 n. Chr.).

Seneca grüßt Paulus

Sei gegrüßt, mein teuerster Paulus! Glaubst du etwa, ich sei nicht betrübt und traurig darüber, daß an euch Unschuldigen immer noch die

Todesstrafe vollzogen wird! Sodann, daß das ganze Volk von eurer Grausamkeit und verbrecherischen Schädlichkeit überzeugt ist, im

178

Glauben, alles Unheil in der Stadt sei euch zu verdanken? Aber wir wollen es mit Gleichmut tragen und uns der günstigen Umstände

bedienen, wie sie uns das Schicksal bietet, bis das unbesiegbare Glück den Übeltätern ein Ende bereitet. Hat doch auch die Zeit der Alten den

Macedonier, Philipps Sohn, ertragen, die Cyrusse, Darius und Dionys, auch unsere Zeit den Gaius Caesar (= Caligula), Männer, denen alles,

was ihnen beliebte, erlaubt war. Was die Feuersbrunst betrifft, so liegt klar am Tage, von wem die römische Hauptstadt sie so oft zu dulden

hat. Aber wenn die menschliche Niedrigkeit hätte aussagen können, was die Ursache ist, und ungestraft in dieser Finsternis sprechen dürfte,

so würden schon alle alles sehen. Christen und Juden sind als Brandstifter - leider Gottes! - hingerichtet worden, wie es gewöhnlich geschieht.

Dieser Rohling, wer immer es ist, der am Morden Vergnügen findet und die Lüge als Deckmantel benutzt, ist für seine Zeit

bestimmt; und wie jeweils der Beste als ein Haupt für viele geopfert wird, so wird auch dieser Verfluchte für alle im Feuer verbrannt werden.

132 Paläste, 4000 Mietshäuser sind niedergebrannt in sechs Tagen; der siebente Tag brachte eine Pause. Ich wünsche dir gute Gesundheit,

Bruder. Geschrieben am 28. März unter dem Konsulat des Frugi und Bassur (= 64 n. Chr.).

Seneca grüßt Paulus

Sei gegrüßt, mein teuerster Paulus! Wenn du mit mir und meinem Namen als so bedeutender, von Gott auf jede Weise geliebter Mann, ich

sage nicht verbunden, sondern notwendigerweise vereint bist, dann wird es aufs beste bestellt sein mit deinem Seneca. Da du nun der

Scheitel und der höchste Gipfel aller Berge bist, willst du da etwa nicht, daß ich mich freue, wenn ich dir so sehr der Nächste bin, daß ich für

dein zweites Ich gelte! Daher kannst du glauben, daß du nicht unwürdig bist, in den Briefen an erster Stelle genannt zu werden; sonst könnte

es den Anschein gewinnen, als ob du mich eher versuchen als loben wolltest; zumal da du weißt, daß du römischer Bürger bist. Denn ich

wünschte, daß meine Stelle deine wäre bei dir (in deinem Schreiben) und daß deine wäre wie meine... Gegeben am 23. März unter dem

Konsulat des Apronianus und Capito (= 59 n. Chr.).

Seneca grüßt Paulus

Allegorisch und rätselhaft sind viele Sätze von dir allenthalben aneinandergefügt, und darum muß die dir verliehene Macht deines Stoffes

und deiner Aufgabe nicht durch Schmuck der Worte, sondern durch eine gewisse Verfeinerung geziert werden. Und fürchte ja nicht, was ich,

soweit ich mich entsinne, öfter schon geäußert habe, daß viele, die solches erstreben, die Gedanken verderben und die Kraft des Stoffes

entmannen! Möchtest du mir wenigstens das Zugeständnis machen, daß du auf die Latinität achtest und für schöne Worte auch die äußere

Form anwendest, so daß du die Aufgabe eines edlen Dienstes auch würdig durchführen kannst. Leb wohl! Geschrieben am 6. Juli im

Konsulatsjahr des Lurco und Sabinus (= 58 n. Chr.).

Paulus grüßt Seneca

Bei gründlicher Erwägung sind dir Dinge enthüllt, wie sie die Gottheit nur wenigen zugestanden hat. Unzweifelhaft säe ich auf einem bereits

ertragreichen Ackerfeld den kräftigsten Samen, nämlich keinen Stoff, der zu verderben scheint, sondern das unerschütterliche Wort Gottes,

den Quell aus ihm, der wächst und bleibt in Ewigkeit. Was deine Einsicht sich angeeignet hat, wird immer ohne Abschwächung bestehen

bleiben, nämlich, daß man der Heiden und Israeliten äußerliche Beobachtungen vermeiden muß. Mache du dich zum neuen Herold Jesu

Christi, indem du durch deine rhetorischen Verkündigungen die unwiderlegliche Weisheit zum Ausdruck bringst. Da du diese beinahe schon

erreicht hast, wirst du dem zeitlichen König und seinen Dienern und treuen Freunden Zugang zu ihr verschaffen, obwohl ihnen deine

Überzeugung hart und unfaßbar sein wird, da die meisten von ihnen keineswegs umgestimmt werden durch deine Darlegungen, durch die das

eingeträufelte Wort Gottes den Lebenswert schafft, nämlich einen neuen Menschen ohne Verderbnis, eine unvergängliche Seele, die von hier

zu Gott eilt. Leb wohl, du uns so teurer Seneca! Geschrieben am 1. August im Konsulatsjahr des Lurco und Sabinus (= 58 n. Chr. ).

Apokryphe Apostelgeschichten

In der apokryphen Literatur gibt es natürlich auch entsprechende Schriften zur Apostelgeschichte. Es ist davon eine große Anzahl überliefert.

Sie haben sich allerdings sehr weit von der Literaturgattung entfernt, von der sie ihren Namen haben. Es handelt sich in den >

Apostelgeschichten< um Legenden und Romane nach hellenistischem Vorbild. Man könnte sie schon beinahe als volkstümliche

Unterhaltungsliteratur bezeichnen, doch dienen sie immerhin auch der religiösen Erbauung. Stilistisch sind sie sehr unterschiedlich

ausgearbeitet. Zwar ist das meiste gedankenarm und monoton, doch finden sich auch wieder Stücke, in denen ein recht gewählter Ton

vorherrscht.

Inhaltlich sind sie an drei Grundelementen orientiert. Es geht erstens um Wundertaten und Wunderkräfte von hervorragenden historischen

oder mythischen Personen, zweitens um Reiseberichte (meist der Apostel) und schließlich drittens um die Predigt der christlichen Lehre.

Paulu-Akten

Als ein Beispiel sei ein Auszug aus den Paulos-Akten angeführt. Dieser Apokryphe liegt der Reiseweg der kanonischen Apostelgeschichte

zugrunde. Paulus nimmt den gleichen Weg wie dort, nur werden dann die Orte, über die in der Apostelgeschichte unerwähnt bleiben,

benutzt, einen Bericht in legendärer Form einzuflechten.

Die Paulus-Akten beginnen in Antiochien in Pisidien. Von da zieht Paulus nach Ikonum, wo dann die Theklalegende einsetzt. Weitere

Stationen der Reise sind Sidon, Tyrus, Caesarea und schließlich Jerusalem. So erreicht Paulus hier das gleiche Ziel wie in der

Apostelgeschichte, allerdings auf einer anderen Route. In der bruchstückhaften Überlieferung folgt nun der Briefwechsel mit den Korinthern

und zuletzt das Martyrium des Paulus in Rom. Die beiden letztgenannten Teile und die Taten des Paulus und der Thekla sind Bruchstücke,

die selbständig überliefert sind. Dennoch nimmt man an, daß es sich um Teile eines Gesamtwerkes handelt. Die Informationen über Paulus

aus diesem Werk sind freilich ohne jeden historischen Wert. Was man aber daraus erfahren kann, sind Informationen über die geistige

Situation des jungen Christentums. Bei den Paulus-Akten kommt der Vulgärkatholizismus der zweiten Hälfte des 2. Jh. deutlich zum

Ausdruck. Der Verfasser bringt die beiden wichtigsten Punkte des damaligen landläufigen Christentums in der Bezeichnung des

Evangeliums als >Wort Gottes von der Enthaltsamkeit und der Auferstehung< (Kap. 5) zur Sprache. In der Theklalegende scheint überhaupt

die Enthaltsamkeit das Größte für den Christen zu liegen. Das ist eine unzulässige Verschiebung christlicher Glaubensgrundlagen.

Außerdem geht es gar nicht mehr so sehr um Paulus. Die eigentliche Hauptfigur ist Thekla. Das ist ein Zeugnis für die Hochschätzung dieser

Heiligen zur damaligen Zeit. Es gab geradezu einen Theklakult. Man glaubt, daß solcher schon vor der Legende vorhanden war, denn dieses

Werk konnte sicherlich nicht für eine derartige Verbreitung der Verehrung der Thekla verantwortlich sein.

Bei dem Verfasser hat es sich angeblich um einen Priester gehandelt. Nachdem man die Fälschung erkannt hatte, wurde er des Amtes

enthoben. Als er überführt wurde, gab er an, es aus Liebe zu Paulus getan zu haben. Dies ist schon deswegen glaubhaft, weil in seiner Schrift

nichts Häretisches zu finden ist, auch wenn manches etwas schief dargestellt ist Überbetonung der Enthaltsamkeit. Auch muß man

anerkennen, daß er sich eingehend mit den paulinischen Schriften beschäftigt hat. Anklänge an diese und an die Apostelgeschichte scheinen

immer wieder auf. So machte er also Paulus zu einem Vertreter des Popularchristentums des 2. Jahrhunderts.

Textquelle: Paulus-Akten

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Taten des Paulus und der Thekla

Paulus als Prediger im Hause des Onesiphorus in Ikonium

1 Als Paulus nach Ikonium hinaufzog nach der Flucht aus Antiochien, schlossen sich ihm als Reisegenossen Demas und der Kupferschmied

Hermogenes voller Scheinheiligkeit an und schmeichelten sich bei Paulus ein, als hätten sie ihn lieb. Paulus aber, der einzig auf die Güte

Christi Bedacht nahm, tat ihnen nichts Bö ses, sondern kam ihnen mit großer Liebe entgegen, so daß er alle Worte des Herrn sowie alle Worte

der Lehre und Auslegung des Evangeliums, sowohl was die Geburt wie auch was die Auferstehung des von Gott Geliebten betrifft, ihnen

anziehend zu machen suchte und die großen Taten Christi, wie sie ihm offenbart worden waren, ihnen wortgetreu erzählte. 2 Und ein Mann

mit Namen Onesiphorus zog, als er hörte, Paulus komme nach Ikonium, samt seinen Kindern Simmias und Zeno und seiner Frau Lektra aus,

dem Paulus entgegen, um ihn zu sich in sein Haus einzuladen. Titus hatte ihm nämlich beschrieben, wie Paulus dem äußeren Aussehen nach

sei; denn er (Onesiphorus) hatte ihn bisher nicht gesehen. 3 Und er ging an die Königsstraße, die nach Lystra führt, und stellte sich dort auf,

um ihn abzuwarten, und betrachtete die Einherziehenden auf Grund der Angabe des Titus. Da sah er Paulus daherkommen, einen Mann,

klein an Wuchs, mit kahlem Kopf, krummen Beinen, mit guter Haltung, mit zusammengewachsenen Augenbrauen, etwas vorspringender

Nase, voll angenehmen Wesens; denn bald erschien er wie ein Mensch, bald wieder hatte er eines Engels Angesicht. 4 Und als Paulus den

Onesiphorus erblickte, lächelte er. Und Onesiphorus sagte: »Sei gegrüßt, Diener des hochgelobten Gottes! « Und jener sprach: > Die Gnade

sei mit dir und deinem Hause!< Demas aber und Hermogenes wurden neidisch und legten es auf noch mehr Scheinheiligkeit an, so daß

Demas sagte: > Wir gehören also nicht zu dem Hochgelobten, daß du uns nicht den gleichen Gruß entbietest?< Und Onesiphorus sagte: > Ich

sehe zwar an euch keine Frucht der Gerechtigkeit. Wenn ihr aber einen Anspruch darauf habt und es verdient, so kommt auch ihr in mein

Haus und pfleget der Ruhe!< 4 Und als Paulus in das Haus des Onesiphorus in Ikonium eingetreten war, gab's große Freude: die Knie

wurden zum Gebet gebeugt und das Brot zur Feier des Abendmahls wurde gebrochen und das Wort Gottes von der Enthaltsamkeit und der

Auferstehung verkündigt, indem Paulus sprach: > Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen! Selig sind, die ihr

Fleisch rein bewahrt haben, denn sie werden ein Tempel Gottes werden! Selig sind, die enthaltsam sind, denn mit ihnen wird Gott reden!

Selig sind, die der Welt den Abschied gegeben haben, denn sie werden Gott wohlgefällig sein! Selig sind, die ihre Frauen haben, als hätten

sie sie nicht, denn sie werden Gott als Erbe bekommen! Selig sind, die Gottesfurcht besitzen, denn sie werden Engel Gottes werden! Selig

sind, die vor den Worten Gottes zittern, denn sie werden getröstet werden! Selig sind, die die Weisheit Jesu Christi sich haben geben lassen,

denn sie werden Söhne des Höchsten heißen! Selig sind, die die Taufe bewahrt haben, denn sie werden ausruhen beim Vater und beim Sohn!

Selig sind, die dem Verständnis Jesu Christi Raum gegeben haben, denn sie werden sich im Licht befinden! Selig sind, die aus Liebe zu Gott

von der weltlichen Art sich getrennt haben, denn sie werden die Engel richten und zur Rechten des Vaters gesegnet werden! Selig sind, die

barmherzig sind, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren, und sie werden den bitteren Tag des Gerichtes nicht zu sehen bekommen!

Selig sind die Leiber der Jungfrauen, denn sie werden Gott wohlgefällig sein und des Lohnes für ihre Reinheit nicht verlustig gehen! Denn

das Wort des Vaters wird für sie ein Werk der Rettung werden auf den Tag seines Sohnes, und sie werden Ruhe erhalten in alle Ewigkeit!<

Thekla als heimliche Hörerin des Apostels Paulus

7 Und während Paulus dies inmitten der Gemeinde im Haus des Onesiphorus sagte, saß eine Jungfrau Thekla - Theoklia war die Mutter -, die

mit einem Manne Thamyris verlobt war, an einem Hausfenster in der Nähe und hörte Nacht und Tag das Wort von der Reinheit, das von

Paulus verkündigt wurde. Und sie wich vom Fenster nicht zur Seite, sondern in übervoller Freude ließ sie im Glauben sich herzutreiben. Als

sie aber dann auch noch viele Frauen und Jungfrauen zu Paulus hineingehen sah, da sehnte sie sich danach, auch ihrerseits dessen gewürdigt

zu werden, vor dem Angesicht des Paulus stehen und das Wort von Christus hören zu dürfen. Denn noch nie hatte sie die äußere Erscheinung

des Paulus gesehen, sondern immer nur hörte sie ihn aus der Ferne reden.

8 Als sie sich von dem Fenster gar nicht trennte, schickte ihre Mutter zu Thamyris. Der kommt überglücklich, als gelte es schon, sie zur

Hochzeit zu nehmen. Thamyris also sagte zu Theoklia: »Wo ist meine Thekla?« Und Theoklia sagte: »Etwas Unglaubliches muß ich dir

erzählen, Thamyris! Drei Tage nämlich und drei Nächte steht Thekla nicht vom Fenster auf, weder zum Essen noch zum Trinken, sondern

unverwandt hinblickend wie auf etwas Frohmachendes ist sie einem fremden Manne zugetan, der trügerische und vieldeutige Worte lehrt, so

daß ich mich nur wundern kann, wie die sonst so scheue Jungfrau derart schlimm sich belästigen läßt. 9 Thamyris! Dieser Mensch bringt die

Stadt der Ikonier in Unruhe, schließlich auch noch deine Thekla. Denn alle Frauen und jungen Leute gehen zu ihm hinein, um seine Lehre zu

vernehmen. >Man muß<, so sagt er, >den einen und einzigen Gott fürchten und ein reines Leben führen.< Schließlich wird auch noch meine

Tochter, die ja wie eine Spinne an dem Fenster festsitzt, durch seine Worte von einem nie gekannten Drang und schrecklicher Leidenschaft

erfaßt. Denn das Mädchen spannt auf alles, was er sagt, und ist ganz gefangen davon. Doch geh du zu ihr und rede mit ihr! Sie ist ja deine

Verlobte.< 10 Und Thamyris ging hin, zu gleicher Zeit von Liebe zu ihr erfüllt, doch auch voller Angst vor ihrem verwirrten Zustand, und

sagte: > Thekla, du mir Angetraute, warum sitzest du hier so? Was für eine Leidenschaft hält dich in dieser Verwirrung fest? Wende dich

wieder deinem Thamyris zu und schäme dich doch!< Auch ihre Mutter aber sagte noch das gleiche: > Kind, warum sitzest du so da und

hältst den Blick gesenkt und gibst keine Antwort, sondern bist ganz benommen?< Und alle weinten schrecklich, Thamyris um die Frau, die

er verlor, Theoklia um ihr Kind, die Mägde um ihre Herrin. Und während dies alles sich abspielte, wandte sich Thekla nicht ab, sondern war

weiter dem Wort des Paulus angespannt zugeneigt.

Komplott gegen Paulus

11 Thamyris aber sprang auf und ging hinaus auf die Straße und beobachtete die Leute, die bei Paulus ein- und ausgingen. Und sah zwei

Männer, die sich grimmig miteinander stritten, und sagte zu ihnen: > Ihr Männer, wer seid ihr? Sagt's mir! Und wer ist der Mann da drin bei

euch, der die Seelen der jungen Männer und Jungfrauen mit List verführt, daß sie nicht in die Ehe treten, sondern so wie bisher, also ledig

bleiben sollen? Ich verspreche euch hiermit, euch viel Geld zu geben, wenn ihr mir über ihn Angaben macht. Ich bin nämlich einer der

angesehenen Männer der Stadt.< 12 Und Demas und Hermogenes sagten zu ihm: > Wer dieser allerdings ist, das wissen wir nicht. Er

entzieht aber die jungen Männer den Frauen und die Jungfrauen den Männern, indem er sagt: >Auf andere Weise gibt es für euch keine

Auferstehung: ihr müßt unbedingt rein bleiben und das Fleisch nicht beflecken, sondern es rein erhalten.<<

12 Thamyris sprach zu ihnen: »Kommt doch, ihr Männer, in mein Haus und nehmt mit mir eine Erfrischung ein!« Und sie gingen hin zu

einer teuren Mahlzeit und viel Wein und großem Reichtum und einer prächtigen Tafel. Und Thamyris setzte ihnen zu trinken vor; denn er

liebte Thekla und wollte sie zum Weibe haben. Und während der Mahlzeit sagte Thamyris: >Ihr Männer, sagt mir doch, worin seine Lehre

besteht, damit auch ich Bescheid weiß! Denn ich mache mir keine geringe Sorge um Thekla, weil sie den fremden Mann so gern hat und ich

um die Hochzeit gebracht werde.< 14 Da sagten Demas und Hermogenes: »Führe ihn dem Statthalter Kastellius vor mit der Begründung, er

überrede die Menschen zu der neuen Lehre der Christen. Er wird ihn unter diesen Umständen hinrichten lassen, und du bekommst dann

Thekla als deine Frau. Und wir werden dich über die Auferstehung aufklären, von der dieser sagt, daß sie eintrete, ja daß sie schon

eingetreten sei in den Kindern, die wir haben, und daß wir auferstehen, wenn wir den wahren Gott erkannt haben.«

Paulus vor dem Statthalter Kastellius

15 Als Thamyris von ihnen dies gehört hatte, da stand er voller Eifersucht und Zorn in aller Frühe auf und zog zum Haus des Onesiphorus

zusammen mit hohen Beamten und Polizisten und einer beträchtlichen Volksmenge mit Knütteln und sagte zu Paulus: »Du hast die Stadt der

Ikonier betört und meine Verlobte, so daß sie mich nicht mehr will! Auf, zum Statthalter Kastellius!« Und die ganze Volksmenge rief: >

Weg mit dem Gaukler! Denn er hat alle unsere Frauen betört.« Und die Massen ließen sich mitreißen. 16 Und als Thamyris vor dem Richterstuhl

des Kastellius stand, sagte er laut schreiend: > Prokonsul! Der Mensch - wir wissen nicht, wo er herkommt -, der die Jungfrauen sich

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nicht verheiraten läßt, möge vor dir aussagen, warum er das lehrt.< Demas aber und Hermogenes sagten zu Thamyris: > Bezeichne ihn als

Christen! Dadurch lieferst du ihn sicher dem Tode aus.< Der Statthalter aber ging mit sich zu Rate und rief den Paulus auf und sagte: > Wer

bist du und was lehrst du? Denn keine geringfügige Anklage erheben sie gegen dich.<

17 Und Paulus erhob seine Stimme und sprach: > Wenn ich heute darüber verhört werde, was ich lehre, so vernimm, Prokonsul! Der

lebendige Gott, der strafende Gott, der eifernde Gott, der Gott, der für sich selbst keinerlei Bedürfnis kennt, aber die Rettung der Menschen

sich angelegen sein läßt, der hat mich gesandt, damit ich sie von der Vergänglichkeit und Unreinheit wegziehe und von aller Lust und vom

Tode, daß sie nicht mehr sündigen. Darum hat Gott seinen Sohn gesandt: die frohe Botschaft von ihm verkündige ich und lehre, daß in ihm

allein die Menschen Hoffnung besitzen, der als einziger mit einer verirrten Welt Mit leid gehabt hat, damit die Menschen nicht mehr unter

dem Gericht stünden, sondern Glauben hätten und Gottesfurcht und Erkenntnis der rechten Würde und Liebe zur Wahrheit. Wenn ich nun

das, was mir von Gott offenbart worden ist, lehre, inwiefern tue ich damit Unrecht, Prokonsul?< Der Statthalter hörte sich's an und gab den

Befehl, Paulus zu fesseln und ins Gefängnis abzuführen, bis er die nötige Muße fände, ihn genauer zu verhören.

Thekla bei Paulus im Gefängnis

20 Thekla aber nahm in der Nacht ihr Armgeschmeide ab und schenkte es dem Türhüter ihres Elternhauses, und sobald ihr die Tür geöffnet

war, ging sie hin ins Gefängnis. Und sie schenkte dem Gefängniswärter einen silbernen Spiegel und ging zu Paulus hinein und setzte sich zu

seinen Füßen und hörte durch ihn die großen Taten Gottes. Und Paulus war ohne jede Angst vor den möglichen Folgen einer Entdeckung,

vielmehr bewegte er sich voller Zuversicht zu Gott. Und Theklas Glaube war im Wachsen, und sie küßte auch seine Fesseln.

19 Als aber Thekla von den Ihren und Thamyris vermißt wurde, suchte man sie, in der Meinung, sie sei verlorengegangen, auf allen Straßen.

Und einer der Mitsklaven des Türhüters gab an, sie sei des Nachts weggegangen. Da fragten sie den Türhüter, und er sagte ihnen: > Sie ist zu

dem Fremden ins Gefängnis gegangen.< Und sie gingen hin, wie er ihnen gesagt hatte, und fanden sie, durch ihre Liebe sozusagen ebenfalls

in Fesseln wie Paulus in den seinen. Und sie gingen von dort weg und rissen die Massen mit sich und machten dem Statthalter Meldung.

Thekla auf dem Scheiterhaufen und ihre Rettung

20 Und er befahl, Paulus vor den Richterstuhl zu führen; Thekla aber wand sich auf dem Boden hin und her an der Stelle, wo Paulus, im

Gefängnis sitzend, sie gelehrt hatte. Der Statthalter befahl, auch sie vor den Richterstuhl zu führen; sie aber ging hin mit Freuden und

tiefbeglückt. Die Volksmenge aber schrie, als Paulus wieder vorgeführt wurde, noch mehr als das vorige Mal: »Ein Gaukler ist er. Weg mit

ihm!« Es hörte aber der Statthalter ganz gern dem Paulus zu über die heiligen Taten Christi. Und er beriet sich und ließ Thekla rufen und

sagte: »Warum heiratest du nicht nach dem Gesetz der Ikonier den Thamyris?« Sie aber stand da, unverwandt auf Paulus blickend. Als sie

aber keine Antwort gab, schrie ihre Mutter Theoklia laut auf und rief: >Verbrenne sie, die gegen das Gesetz verstößt! Verbrenne sie, die den

Brautstand verletzt, verbrenne sie mit ten im Theater, damit alle Frauen, die von diesem Mann sich haben unterweisen lassen, Furcht

bekommen!< 21 Und der Statthalter hatte viel zu leiden weil er sich innerlich gegen diese Zumutungen wehrte, und schließlich ließ er Paulus

geißeln und zur Stadt hinausjagen. Thekla aber verurteilte er zum Verbranntwerden.

Und sogleich erhob sich der Statthalter und ging fort ins Theater. Und die ganze Volksmenge zog hinaus zu diesem unabwendbaren

Schauspiel. Thekla aber, wie ein Lamm in der Wüste Ausschau hält nach dem Hirten, genau so suchte jene mit den Augen Paulus. Und wie

sie über die das Theater füllende Menge hinausblickte, da sah sie den Herrn dasitzen als Paulus wie Paulus aussehend und sagte bei sich:

>Als ob ich nicht standhaft sein könnte, ist Paulus erschienen, um nach mir zu sehen.< Und sie hielt den Blick unverwandt auf ihn gerichtet:

er aber ging davon entschwand in den Himmel.

22 Die Jünglinge aber und Jungfrauen trugen Holz und Stroh herbei, damit Thekla verbrannt werde. Wie sie aber nackt hereingeführt wurde,

kamen dem Statthalter die Tränen, und er wunderte sich über die Kraft, die in ihr war und mit der sie ihr Schicksal trug. Die Henker aber

schichteten das Hoz auf und hießen sie auf den Scheiterhaufen steigen. Sie aber stieg auf das Holz und nahm dabei die Gestalt des Kreuzes

an stand mit ausgebreiteten Armen da. Die Henker aber legten von unten her den Brand an. Und obwohl ein gewaltiges Feuer aufloderte,

rührte das Feuer sie doch nicht an. Denn Gott hatte Erbarmen und ließ ein unterirdisches Grollen entstehen, und von oben warf eine Wolke

voll Wasser und Hagel ihren Schatten, und ihr ganzer Inhalt wurde ausgeschüttet, so daß viele in Gefahr gerieten und zu Tode kamen und das

Feuer gelöscht wurde, Thekla aber gerettet war.

Neues Zusammentreffen zwischen Paulus und Thekla

23 Paulus aber hielt sich fastend zusammen mit Onesiphorus und seiner Frau und den Kindern in einer offenen Grabanlage auf an dem

Wege, auf dem man von Ikonium nach Daphne gelangt. Nachdem aber viele Tage vergangen waren, da sagten, während sie noch immer

fasteten, die Kinder zu Paulus: > Wir haben Hunger!< Und sie besaßen nichts, wovon sie Brote hätten kaufen können; denn Onesiphorus

hatte sein irdisches Hab und Gut verlassen und folgte nun dem Paulus mit seinem ganzen Hause, mit seiner ganzen Familie nach. Paulus aber

zog das Obergewand aus und sagte: »Geh hin, Kind, kauf dafür mehrere Brote und bring sie!« Als der Knabe gerade einkaufte, erblickte er

Thekla, die ihm als Nachbarin bekannt war und von der er wußte, daß sie hatte verbrannt werden sollen, und er erschrak und sagte: »Thekla,

wo gehst du hin?« Sie aber sagte: »Ich suche Paulus zu erreichen, nachdem ich aus dem Feuer gerettet worden bin.« Und der Knabe sagte: >

Komm mit, ich bring dich zu ihm. Denn er ist voller Jammers um dich und betet und fastet schon sechs Tage.<

24 Als sie aber an das Grab herantraten, hatte Paulus die Knie gebeugt und betete und sprach: > Vater Christi! Möchte doch das Feuer Thekla

nicht anrühren! Steh du ihr vielmehr zur Seite! Denn sie ist ja dein.< Da stand sie hinter ihm und rief: > Vater, der du den Himmel und die

Erde gemacht hast, Vater, deines geliebten Sohnes Jesus Christus, ich preise dich, daß du mich aus dem Feuer gerettet hast, damit ich Paulus

nochmals sehen kann!« Und Paulus erhob sich und erblickte sie und sprach: > Gott, du Herzenskündiger, Vater unseres Herrn Jesus Christus,

ich preise dich, daß du mir so schnell erfüllt hast, um was ich gebeten habe, und hast mich erhört!«

25 Und drinnen im Grabe herrschte innige Liebe, indem Paulus voller Jubel war und Onesiphorus und alle. Sie hatten aber fünf Brote und

Gemüse und Wasser und Salz und waren voller Freude über die heiligen Taten Christi. Und Thekla sagte zu Paulus : > Ich will mir rings die

Haare abscheren und will dir nachfolgen, wohin du auch gehst.« Er aber sprach: > Die Zeit ist schlimm, und du bist wohlgestaltet. Daß nun

nicht eine andere Versuchung dich erfaßt, die noch schlimmer ist als die erste, und du sie nicht aushältst, sondern den Männern erliegst!<

Und Thekla sagte: > Gib mir nur das Siegel in Christus, die Taufe, dann wird keine Versuchung mich ergreifen.< Und Paulus sprach: >

Thekla ! Habe Geduld, und du wirst zur rechten Zeit schon das Wasser der Taufe empfangen!<

Thekla vor dem Statthalter in Antiochien

26 Und Paulus schickte den Onesiphorus mit seinem ganzen Hause heimwärts nach Ikonium, und darauf nahm er Thekla mit sich und zog

nach Antiochien hinein. Gleich aber, wie sie in die Stadt hineinkamen, wurde ein vornehmer Sy rer, Alexander mit Namen, als er Thekla

erblickte, von Liebe zu ihr erfaßt und bestürmte Paulus mit Geld und Geschenken. Paulus aber sagte: > Ich kenne die Frau, von der du redest,

nicht, und sie ist auch nicht mein.< Er aber, da er ein mächtiger Herr war, und sich das schon herausnehmen durfte, umarmte sie einfach

mitten auf der Straße. Sie aber ließ es sich nicht gefallen, sondern suchte mit den Blicken nach Paulus. Heftig schrie sie los und rief: >

Vergreif dich nicht an der schutzbedürftigen Fremden! Vergreif dich nicht an der Magd Gottes! Bei den Ikoniern gehöre auch ich zu den

vornehmen Kreisen, und nur weil ich den Thamyris nicht heiraten wollte, hat man mich aus der Stadt vertrieben.< Und sie packte den

Alexander und zerfetzte ihm seinen Umhang und riß ihm den Kranz vom Kopf und machte ihn so vor den Leuten zum Gespött. 27 Er aber

einerseits war er in sie verliebt, andererseits empfand er das, was ihm angetan worden war, als Schande - führte sie dem Statthalter vor, und

der verurteilte sie, da sie sich zu ihrer Tat bekannte, zum Tierkampf. Die Frauen aber entsetzten sich über diese harte Bestrafung und schrien

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vor dem Richterstuhl: > Ein schlimmes Urteil! Ein ruchloses Urteil!< Thekla aber bat den Statthalter, daß sie unberührt bleiben dürfe, bis sie

mit den Tieren zu kämpfen habe. Und eine reiche Dame mit Namen Tryphäna, deren Tochter gestorben war, nahm sie in ihr Haus und

empfing von ihr Trost in ihrem Schmerz über den Verlust der Tochter.

28 Als aber am Tag vor den Spielen die wilden Tiere in einem Umzug durch die Stadt geführt wurden, band man sie, Thekla, an einer wilden

Löwin fest, und die Königin Tryphäna schritt im Zuge hinter ihr her. Die Löwin aber leckte, als Thekla auf ihr saß, ihr ganz zahm die Füße,

und die ganze Volksmenge geriet über diesen erstaunlichen Vorgang außer sich. Ihre Schuld aber in der Überschrift, die ihr beim Umzug

vorangetragen wurde, lautete: > Religionsschänderin.< Die Frauen aber mit den Kindern schrien in einem fort von oben her aus den Fenstern

oder von den Dächern und riefen: > Ach Gott! Ein ruchloses Urteil wird in dieser Stadt vollstreckt.

Und nach dem Umzug nimmt Tryphäna sie wieder zu sich; ihre Tochter Falkonilla war ja, wie schon erwähnt, gestorben, und die hatte ihr im

Traum gesagt: > Mutter, die Fremde, die vereinsamte Thekla, sollst du an meiner Stelle als Tochter nehmen, damit sie für mich bete und ich

an den Ort der Gerechten versetzt werde!< 29 Als nun Tryphäna nach dem Umzug sie wieder zu sich nahm, da war sie einerseits voll

Wehklagens, weil sie am anderen Tage würde mit den Tieren kämpfen müssen, zugleich aber war sie voll stürmischer Liebe zu ihr wie zu

ihrer Tochter Falkonilla und sagte: »Mein zweites Kind, Thekla! Komm, bete für mein Kind, daß es in Ewigkeit lebe! Denn das, daß du das

tun sollst, habe ich im Traum gesehen.« Sie aber besann sich nicht lange, sondern erhob ihre Stimme und sprach: > Du mein Gott, Sohn des

Höchsten im Himmel! Schenke ihr nach ihrem Wunsch, daß ihre Tochter Falkonilla in Ewigkeit lebe!< Und als Thekla das gesagt hatte,

versank Tryphäna in Tränen, indem sie bedachte, daß soviel Schönheit den Tieren vorgeworfen werden sollte.

Thekla mit den wilden Tieren in der Arena

30 Und als es früher Morgen geworden war, kam Alexander zum Hause der Tryphäna, um sie, Thekla, abzuholen - er selbst nämlich gab aus

eigenen Mitteln die Tierkämpfe- und sagte: >Der Statthalter sitzt bereits im Theater auf seinem Platz, und das Volk schlägt unseretwegen

schon Lärm. Gib sie heraus, ich will die Tierkämpferin abführen!< Tryphäna aber schrie derart auf, daß er die Flucht ergriff, und rief: > Die

Trauer um meine Falkonilla tritt zum zweiten Male in mein Haus, und keiner ist da, der helfen könnte, weder ein Kind - denn es ist gestorben

- noch ein Verwandter - denn ich bin eine Witwe. Du Gott meines Kindes Thekla! Hilf du der Thekla!<

31 Und der Statthalter schickt Soldaten, um Thekla holen zu lassen. Tryphäna aber wich nicht zur Seite, sondern nahm selbst ihre Hand und

geleitete sie und sagte: > Meine Tochter Falkonilla habe ich zu Grabe geleitet; dich aber, Thekla, geleite ich zum Tierkampf.< Und Thekla

weinte bitterlich und seufzte zum Herrn und sprach: »Herr Gott, dem mein Vertrauen gilt, zu dem ich meine Zuflucht genommen habe, der

du mich aus dem Feuer errettet hast! Der Tryphäna, die deiner Magd so mitfühlend gegenübergetreten ist, lohne es, daß sie mich rein

bewahrt hat.«

32 Es erhob sich im Theater ein Lärm, die wilden Tiere brüllten, und das Volk schrie ebenso wie die Frauen, die ebenfalls dasaßen. Die einen

riefen: >Herein mit der Religionsschänderin!<, die anderen dagegen, die Frauen, riefen: »Möchte doch die Stadt wegen dieser Schandtat

weggefegt werden! Bring uns Frauen allesamt um, Prokonsul! O betrübliches Schauspiel, o schlimmes Urteil! « 33 Thekla aber wurde der

Tryphäna aus der Hand gerissen, man zog sie aus, und sie bekam einen Schurz um. Und sie wurde in die Arena gestoßen, und Löwen und

Bären wurden auf sie losgelassen. Und eine wilde Löwin sprang heran und legte sich zu ihren Füßen nieder. Die ganze Menge der Frauen

aber erging sich in lautem Schreien. Und eine Bärin sprang auf sie zu; die Löwin aber sprang ihr entgegen und riß die Bärin in Stücke. Und

wiederum sprang ein Löwe, der auf Menschen abgerichtet war und dem Alexander gehörte, auf sie zu, und die Löwin verkrallte sich mit dem

Löwen und verendete mit ihm zusammen. Da jammerten die Frauen noch mehr, weil nun auch die Löwin, die ihr eine Helferin gewesen war,

tot war. 34 Darauf lassen sie viele wilde Tiere herein, während sie dastand und die Hände ausgebreitet hielt und betete.

Als sie aber mit dem Beten fertig war, wandte sie sich um und erblickte einen großen Graben voll Wasser und sprach: > Jetzt ist der

Augenblick, wo ich das Bad nehmen kann.< Und sie warf sich ins Wasser und sprach: >Im Namen Jesu Christi nehme ich die Taufe am

letzten Tage meines Lebens!< Und als die Frauen und das ganze Volk das sahen, sagten sie unter Weinen: > Stürz dich doch nicht selbst ins

Wasser!< Sogar dem Statthalter kamen die Tränen, weil soviel Schönheit ein Fraß der Robben werden sollte. Sie also warf sich ins Wasser

im Namen Jesu Christi; die Robben aber sahen den Feuerschein eines Blitzes und schwammen tot obenauf. Und um sie herum war eine

feurige Wolke, so daß weder die Tiere sie anrühren konnten noch auch die Nacktheit an ihr wahrgenommen werden konnte.

35 Die Frauen aber erhoben ein Klagegeheul, als andere, noch furchtbarere Tiere losgelassen wurden, und die einen warfen als Ausdruck

ihrer Verehrung für Thekla Grün, andere Narde, andere Lorbeer und wieder andere Amomum hinab in die Arena, so daß es eine Menge

Spezereien ergab. Alle die losgelassenen Tiere aber waren infolge der verschiedenen Düfte dieser Spezereien ganz benommen wie vom

Schlaf und rührten sie Thekla nicht an, so daß Alexander zum Statthalter sagte: > Ich habe noch ganz wilde Stiere. An die wollen wir die

Tierkämpferin anbinden!< Und obwohl er es nur unwillig tat, gab der Statthalter seine Erlaubnis und sagte: >Tu, was du beabsichtigst!< Und

sie banden sie an den Füßen zwischen die Stiere, und sie brachten ihnen unter den Geschlechtsteilen glühend gemachte Eisen an, damit sie

noch wilder werden und sie zu Tode bringen sollten. Die aber jagten zwar davon, die weiterbrennenden Flammen aber sengten die Stricke

durch, und sie war wie überhaupt nicht angebunden.

36 Tryphäna aber, die an der Seite der Arena am Portal stand, wurde in diesem Augenblick, als sie den sicheren Tod Theklas schon vor

Augen sah, besinnungslos, so daß die Dienerinnen sagten: > Königin Tryphäna ist gestorben!< Und der Statthalter hielt inne, und der ganzen

Stadt wurde es unheimlich. Und Alexander warf sich dem Statthalter zu Füßen und sagte: > Erbarme dich meiner und der Stadt und laß die

Tierkämpferin frei, damit nicht auch die Stadt noch mit zugrunde geht! Denn wenn der Kaiser das vernimmt, dann wird er wahrscheinlich

mit uns auch gleich die Stadt vernichten, weil seine Verwandte, die Königin Tryphäna, am Portal der Arena gestorben ist.<

Die Freilassung Theklas

37 Und der Statthalter ließ Thekla mitten aus den wilden Tieren herausrufen und sagte zu ihr: »Wer bist du? Und was hat es mit dir für eine

Bewandtnis, daß kein einziges der wilden Tiere dich angerührt hat?« Sie aber sagte: >Ich bin eine Magd des lebendigen Gottes. Was es mit

mir aber für eine Bewandtnis hat, nun, so wisse: an den, den Gott auserkoren hat, an seinen Sohn habe ich geglaubt. Seinetwegen hat mich

auch nicht eines der wilden Tiere angerührt. Er allein ist das Ziel der Errettung und der Grund unsterblichen Lebens. Für die, die von

Unwettern heimgesucht werden, ist er eine Stätte der Zuflucht, für die Bedrängten Erholung, für die Hoffnungslosen Schutz, mit einem Wort:

wer nicht an ihn glaubt, der wird nicht leben, sondern in alle Ewigkeit sterben.< 38 Und als der Statthalter das vernahm, ließ er Kleider

herbeibringen und sagte: > Ziehe dir die Kleider an!< Sie aber sagte: >Der, der mich mit der feurigen Wolke bekleidet hat, als ich nackt unter

den wilden Tieren war, der wird mich am Tage des Jüngsten Gerichts mit Heil bekleiden. < Und sie nahm die Kleider und legte sie an. Und

sogleich erließ der Statthalter eine Verfügung: > Thekla, die fromme Magd Gottes, lasse ich euch hiermit frei.< Alle Frauen aber schrien mit

lauter Stimme, und wie aus einem Munde brachten sie Gott den Lobpreis dar und rieten: > Einer allein ist Gott, der nämlich, der Thekla

gerettet hat!<, so daß von dem Schreien die ganze Stadt erbebte 39 und Tryphäna, als sie die frohe Kunde vernahm, zusammen mit dem Volk

ihr entgegeneilte und Thekla in ihre Arme schloß und sagte: > Jetzt glaube ich, daß die Toten erweckt werden. Jetzt glaube ich, daß mein

Kind Falkonilla lebt! Komm herein in mein Haus, und alles, was mir gehört, will ich dir überschreiben.< Thekla nun begleitete sie und

erholte sich in ihrem Hause acht Tage, wobei sie sie im Worte Gottes unterwies, so daß auch von den Mägden mehrere gläubig wurden und

große Freude im Hause herrschte.

Theklas Abschied von Paulus und ihr Ende

40 Thekla aber hatte Sehnsucht nach Paulus und suchte nach ihm, indem sie überallhin schickte. Und sie erhielt die Nachricht, er befinde

sich in Myra. Da nahm sie Jünglinge, Diener und Mägde, gürtete sich und nähte ihren Rock zu einem Obergewand nach Männerart, und so

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langte sie in Myra an und traf den Paulus beim Verkündigen des Wortes Gottes und trat an ihn heran. Er aber erschrak, als er sie erblickte

und die vielen Leute in ihrer Begleitung; denn er fragte sich, ob nicht eine andere Versuchung ihr nahegekommen sei. Sie aber nahm es wahr

und sagte zu ihm: >Ich habe das Bad genommen, Paulus! Denn der, der dir beigestanden hat, das Evangelium zu verkündigen, der hat auch

mir beigestanden, das Bad zu nehmen.< 41 Und Paulus nahm sie bei der Hand und führte sie in das Haus des Hermias, und er hörte ihren

Bericht über alles an, so daß Paulus sich gewaltig verwundern mußte und die sonstigen Zuhörer Stärkung erfuhren und für Tryphäna beteten.

Und Thekla erhob sich und sagte zu Paulus: > Ich ziehe nach Ikonium.< Paulus aber sprach: > Zieh hin und lehre das Wort Gottes!<

Tryphäna aber schickte ihr viel Kleidung und Gold, so daß sie dem Paulus davon zurücklassen konnte für den Dienst an den Armen. 42 Sie

selbst aber zog weiter nach Ikonium. Und sie tritt in das Haus des Onesiphorus und warf sich auf den Fußboden dort, wo Paulus seinerzeit

gesessen und die Worte Gottes gelehrt hatte, und unter Tränen sagte sie: »Du mein Gott und du Gott dieses Hauses, wo mir das Licht zum

ersten Male geleuchtet hat, Christus Jesus, Gottes Sohn, du mein Helfer im Gefängnis, Helfer vor den Statthaltern, Helfer im Feuer, Helfer

unter den wilden Tieren, du selbst bist Gott, und dir sei Ehre in alle Ewigkeit! Amen!«

43 Und sie fand Thamyris bereits gestorben, ihre Mutter hingegen noch am Leben. Und sie ließ ihre Mutter rufen und sagt zu ihr: > Meine

Mutter Theoklia! Vermagst du zu glauben, daß ein Herr im Himmel lebt? Denn ob du nach Reichtum begehrst - der Herr wird ihn dir durch

mich schenken, oder nach deinem Kind -, siehe, ich stehe dir im Gebet vor Gott zur Seite. <

Und als sie dies bezeugt hatte, zog sie fort nach Seleukia. Und nachdem sie viele durch das Wort Gottes erleuchtet hatte, entschlief sie eines

sanften Todes.

Die Apokryphen in Kunst und Literatur

In den jeweiligen Vorreden zu den einzelnen hier abgedruckten Texten werden Geschichte und Wertigkeit der apokryphen Schriften

eingehender behandelt. So kann sich der folgende Artikel ganz auf ihr Wirken in Literatur und Kunst beschränken.

Die im Text genannten Kunstwerke stehen nur repräsentativ für viele andere, und wenn man einmal die Motive kennt, wird man ihre Spuren

auch in weiteren Darstellungen finden.

Die Apokryphen des Alten Testaments hatten für die christlich-abendländische Kunst bei weitem nicht die Breitenwirkung wie die

nichtkanonischen Schriften des Neuen Testaments. Da auf diesem Gebiet noch geforscht wird, kann man über das Warum nur Vermutungen

anstellen.

Zum einen verbot das jüdische Gesetz Abbildungen, so daß kein Bildkanon entwickelt und in > Malschulen< weitergegeben werden konnte.

Zum anderen hat das Judentum selbst etwa im 2. nachchristlichen Jahrhundert, alle nichthebräischen Bücher als apokryph, d. h. als nicht von

Gott geoffenbart, gekennzeichnet, und die frühen christlichen Kirchenväter haben diese Auswahl gelten lassen. Für die Heidenchristen, die

quantitativ bald die Judenchristen übertrafen, war das Alte Testament auch nicht von vorrangigem Interesse. In der Glaubensverkündigung

durch die Apostel oder deren autorisierte Vertreter hatten die Worte und Taten Jesus Christus absoluten Vorrang. Und da man schon bald genötigt

war, diese aufzuschreiben, wurde das Alte Testament und die mit ihm verbundenen Schriften in dieser Zeit zurückgedrängt.

Eine Ausnahme bilden hier die judenchristlichen Gemeinden, die in ihrem neuen Glauben die Erfüllung der alten Schriften sahen. Sie

bewahrten mit ihnen auch die Apokryphen auf, und gaben sie an diejenigen weiter, mit denen sie in Berührung kamen.

Ein Beispiel dafür ist der in das Neue Testament aufgenommene Judasbrief. Der Verfasser erwähnt dort im 9. Vers die apokryphe

Himmelfahrt Moses und verweist mit Vers 14 f. auf das 1. Buch Henoch. Darüber hinaus werden in diesem Brief noch weitere apokryphe

Schriften angesprochen.

Die Kirchenväter zitierten zwar aus den alttestamentlichen Apokryphen, und einige der Schriften wurden auch in den Anhang der Vulgata

aufgenommen, aber stets im Hinblick auf ihren Wert für den christlichen Glauben.

Adam und Eva

Ein im Mittelalter weitverbreitetes und vielgelesenes Buch war »Das Leben Adams und Evas«.

Von seiner Beliebtheit zeugen die vielen noch vorhandenen Handschriften. Die Mailänder Handschrift entstand im 11. Ih., die Wiener, hier

ist die Datierung schwierig, zwischen dem 12. und 14. Jh. und das venetianische Manuskript im 13. Jh. Aber auch im 15. Jh. erschienen noch

Ausgaben.

Zum Teil gehen sie auf die fälschlich sogenannte Apokalypse des Moses zurück oder basieren auf der fast textidentischen Schrift: Das Leben

Adams und Evas. Beide apokryphen Texte haben auch auf die bildende Kunst eingewirkt.

Der Engel, der dem vertriebenen Menschenpaar die Arbeitswerkzeuge bringt, ist ein Beispiel dafür. Auf der Erztür von Montreale und im

Homilienbuch des hl. Gregor von Nazianz aus dem 9. Jh. ist dieser Vorgang abgebildet.

Eine andere apokryphe Stelle sagt, daß ein Engel Adam und Eva die Bodenbearbeitung gezeigt habe. Dargestellt ist diese Szene an der

Bronzetür des hl. Bernwards (um 1015) am Dom zu Hildesheim.

Und vielleicht hat auch eines der Schlagworte des Bauernkriegs von 1525: >Als Adam grub und Eva spann, wo war da der Edelmann .. . «,

seinen Ursprung im Buch über das Leben Adams und Evas.

Ein Afrikaforscher rettet ein Buch

Ältere Kirchenlehrer schätzten das Buch Henoch wegen seiner moralischen Geisteshaltung, aber im Laufe der Zeit ließ das Interesse daran

nach und übrigblieb allein das Wissen, daß Henoch wie Elias, in den Himmel aufgenommen worden war und die Kenntnis der

entsprechenden Stelle in den Apokryphen.

Das gesamte Henochbuch wäre wohl verschollen, hätte nicht die äthiopische Kirche den Text in ihren alttestamentlichen Kanon

aufgenommen.

Bereits im 17. Jh. gab es Gerüchte, daß die Äthiopier ein Buch Henoch besäßen. Aber erst der Afrikaforscher J. Bruce befriedigte die

Neugier der Gelehrten. Er brachte 1773 von seiner Reise nach Äthiopien drei Exemplare mit. Danach wurde es übersetzt, und 1833 erschien

der erste Teil und 1838 der zweite in deutscher Sprache. Das Wissen um die Aufnahme Henochs in den Himmel war, wie gesagt, noch

immer präsent und wurde durch den Beatus-Kommentar aus dem 9. Jh. weithin bekannt. So fand diese Szene samt ihrer Interpretation

Aufnahme im wohl populärsten Buch des Mittelalters, die Legenda aurea des Jacobus de Voragine. >>Wer seid ihr, die ihr noch nicht

gestorben seid, und nicht in der Hölle wohntet, sondern im Paradiese?< Antwortete der eine und sprach: >Ich bin Enoch (Henoch), der

hierher ward versetzet, und dieser ist Elias, der im feurigen Wagen gen Himmel fuhr; wir haben den Tod noch nicht gekostet und sind aufbehalten

bis auf die Zeit des Antichrist: wider den sollen wir fechten und von ihm erschlagen werden, und nach drei Tagen und einem halben

werden wir auffahren in den Wolken.<< (Legenda aurea. Heidelberg 1979. S. 283)

Die Buchmalerei nahm das Thema auf, und die Reichenauer Malschule schuf um 1020 für die sogenannte Bamberger Apokalypse eine

eindrucksvolle Version.

183

Um 1170 begleitet diese Szene in einer Salemer Handschrift den visionären Text aus einer Dichtung der Hildegard von Bingen. Auch das

Kunstgewerbe übernahm dieses Motiv. Auf der Teppichfolge von Angers (1377-1381) ist es zu bewundern. Vom 13. bis zum 15. Jh. gehörte

es zum festen Bestandteil des Jüngsten-Gerichts-Zyklus.

In den Armenbibeln (Biblia pauperum) des 14. und 15. Jhs. wird Henochs Aufnahme in den Himmel der Himmelfahrt Christi

gegenübergestellt. Dieselbe Thematik zeigen auch die Glasfenster der Franziskanerkirche in Esslingen vom Ende des 13. Jh.

Vor etwas mehr als einem Jahrhundert ehrte der englische Maler und Mystiker William Blake (1757-1827)

seinen großen Geistesverwandten mit einer Lithographie, entstanden 1805-1807. Außerdem fertigte er eine

Reihe von Zeichnungen zum Buch Henoch.

Der Prophet Jesaja

Zur Visionsliteratur des christlichen Altertums gehört noch eine andere Apokryphe: Die Himmelfahrt und das Martyrium des Jesaja. Dieser

Prophet ist auch im Alten Testament vertreten, als Künder der Geburt des Messias. Dagegen erzählt die apokryphe Schrift von seinem

gewaltsamen Tod unter König Manasse. Dieser ließ ihn, durch den Teufel aufgehetzt, zersägen.

In der bildenden Kunst wird er deshalb meist im Moment des Zersägtwerdens dargestellt. So zeigen ihn die Heisterbacher Heilige Schrift,

um 1240, und andere Bibeln aus dem 13. Jh. Darüber hinaus ist er in der Deckenmalerei der Basilika von Brauweiler (bei Köln) zu sehen.

Die Armenbibeln stellen sein Martyrium der Kreuzigung Christi gegenüber.

Die zur Gattung der Visionsliteratur gehörenden Texte des Henoch und die Himmelfahrt des Jesaja haben bereits alle Formen ausgebildet,

die später Dante Alighieri (1265-1321) in seiner Göttlichen Komödie (Divina comedia) so virtuos benutzt. Die Reise in Begleitung eines

Engels durch die Unterwelt und die sechs Himmel zum siebenten, in dem der Unnennbare sitzt. Dantes Dichtung steht also in der Tradition

der Visionsliteratur, zu der auch die beiden Apokryphen gehören. Sie ist Höhepunkt und Abschluß dieses Literaturtyps.

Die Weissagungen der Sibyllen

In einer noch älteren Tradition stehen die Sibyllinischen Orakel. Bereits die vorattische Zeit kannte ihre Weissagungen, und Rom besaß eine

Sammlung sibyllinischer Sprüche, die, von einem eigenen Kollegium betreut, zu Rate gezogen wurden, wenn außerordentliche

Begebenheiten den Senat beunruhigten.

Sibyllinische Weissagungen waren in Mode, und so fabrizierte sich auch das alexandrinische Judentum zum Zweck der monotheistischen

Propaganda Sibyllensprüche.

Zu dieser Zeit war der ursprüngliche Eigenname längst in einen Gattungsnamen übergegangen. Der römische Schriftsteller Marcus Terentius

Varro (116-27 v Chr. ) unterschied schon zehn Sibyllen, nach den Orten, an denen sie lebten. Der jüdischen Bearbeitung folgte die

christliche, die diese Literaturgattung ebenfalls als nützlich für ihre Propagandazwecke ansah. Dieser jüdisch-christliche Text, entstanden

zwischen dem 2. vor- und dem 4. nachchristlichen Jahrhundert, wurde unter dem Titel Oracula Sibyllina in die Apokryphen eingereiht.

Die Kirchenväter sahen in diesen Weissagungen, analog zu der Ankündigung des Messias durch die Propheten des Alten Testaments,

Hinweise auf die Ankunft des Gottessohns.

Die Sammlung hatte großen Einfluß auf die Kunst des Mittelalters und der Renaissance. Schon im 6. /7. Jh. sind Sibyllendarstellungen

nachweisbar. Gruppendarstellungen von vier, zehn oder zwölf Sibyllen treten seit dem 11. Jh. auf. Die Hrabanus-Maurus-Handschrift, um

1022-1023 auf dem Monte Cassino entstanden, zeigt zehn von ihnen zusammen mit zehn heidnischen Philosophen. Auf einem Fresko im

Limburger Dom sind vier Sibyllen mit vier Propheten abgebildet und in einem Missale von 1481 sind zwölf Sibyllen bei der Verkündigung

zugegen.

Das wundergläubige Mittelalter erweiterte die Kompetenz der Seherinnen noch und unterstellte ihnen auch die Passion, die Auferstehung

und die Wiederkehr Christi beim Jüngsten Gericht vorausgesagt zu haben.

In diesem Sinne sind zehn Sibyllen auf dem Chorgestühl, das Jörg Syrlin d. Ältere in den Jahren 1469-1474 geschaffen hat, dargestellt. Auch

am Memminger Chorgestühl, einer großartigen Gemeinschaftsleistung mehrerer Memminger Meister, entstanden von 1501-1507, weisen

zwölf Sibyllen mit zehn Propheten auf den Welterlöser hin. In Glas- und Buchmalerei sowie in Bockbuchausgaben wurden die Sibyllen mit

ihren Weissagungen abgebildet. Sehr beliebt waren Sibyllendarstellungen in der Kunst der italienischen Renaissance. Die Sibyllen des

Michelangelo (1475-1564) in der Deckenmalerei der Sixtinischen Kapelle (1508-1512) beeindrucken auch heute noch den Betrachter.

Auch in der Kunst des Barocks hatten sie noch ihren Platz und waren sogar in der Profankunst, zum Beispiel auf Ofenplatten, verbreitet.

Die Lücken im Neuen Testament

Was die Sibyllen > erschauten<, wurde schließlich Wirklichkeit, und die Apostel verbreiteten die Heilsbotschaft gemäß ihrem Auftrag »in

alle Welt«. Sie waren noch Augen- und Ohrenzeugen gewesen und standen für die Richtigkeit des Erzählten ein.

Mit zunehmender Distanz und Ausbreitung des Glaubens ging die Verkündigung auch von Menschen aus, die sich auf die Berichte der

Augenzeugen berufen mußten.

Es wurde begonnen, die Geschehnisse aufzuzeichnen und den Gemeinden als beglaubigte Zeugnisse zur Verfügung zu stellen. Umfassend

und verläßlich sollten die Berichte sein, aber schon Johannes zweifelt im Nachwort seines Evangeliums an der Vollständigkeit der Aussagen

(Johannes 20,24). Lukas spricht von vielen, die sich ebenfalls bemühten, > ... über das, was sich unter uns zugetragen hat, einen Bericht

abzufassen<

(Lukas 1,1). Es kursierten also viele Texte in den frühchristlichen Gemeinden. Mit der Herausbildung der Kirche als Organisation, wozu

auch die Einheit in Lehre und Kult gehörte, begann die neutestamentliche Kanonbildung. Ein Teil der Schriften wurde von den

Kirchenlehrern zu einem Kanon zusammengestellt, alles übrige für falsch, häretisch und verwerflich erklärt.

Über das Zustandekommen des Kanons berichtet eine Legende: Alle Bücher wurden vor einem Altar aufgestapelt. Da sprangen die

kanonischen auf den Altar, die apokryphen dagegen blieben machtlos liegen.

Der Prozeß der Kanonbildung zog sich in Wirklichkeit über Jahrhunderte hin und wurde erst auf dem Konzil von Trient, (1546) endgültig

abgeschlossen.

Ebensowenig schnell ließen sich die verworfenen, jetzt mit dem Neuen Testament konkurrierenden Bücher verdrängen. Indes wurde mit

zunehmender Festigung des Kanons auch die rigide Haltung den abgelehnten Büchern gegenüber lockerer, hatten doch die Kirchenväter sie

geschätzt und daraus zitiert. Und gegen ihren Gebrauch als fromme Erbauungsliteratur war nichts einzuwenden, solange der Kanon der Bibel

als einzige richtungweisende Grundlage des Glaubens akzeptiert wurde. Beinhalten die Apokryphen, nach Meinung ihrer damaligen

Befürworter, ja nichts gegen den Glauben Gerichtetes. Im Gegenteil! Sie unterstützen die kanonischen Schriften durch interessante

Mitteilungen, ergänzen die an manchen Stellen kärglichen Evangelien. So berichten sie ausführlich über das Leben Mariens, die Kindheit

Jesu, sein Leiden und Sterben, über seine Höllenfahrt und Auferstehung sowie über die Taten der Apostel. Sie ordnen die Geschehnisse in

einen zeitlichen Rahmen ein und beseitigen dadurch manche Unklarheit. Theologische Tendenzen, aufrichtige Frömmigkeit und tiefe Glaubenserlebnisse

sind auch in diesen Texten enthalten.

In diesem Sinne konnte beides, Bibel und apokryphe Schriften, als Quelle für die Literatur und als Grundlage der bildenden Kunst

herangezogen werden. Am nachhaltigsten hat das Jakobusevangelium, seit dem 16. Jh. auch Protevangelium des Jakobus genannt, auf

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Volksfrömmigkeit, Literatur und bildende Kunst, ja sogar auf die Theologie des Abendlandes gewirkt. Obwohl die Kirche schon früh diese

in der Mitte des 2. Jh. entstandene Schrift als nichtkanonisch ein stufte, wurde sie viel zitiert und war äußerst beliebt.

Im Mittelpunkt des Textes steht Maria, und fast alles, was wir über sie aussagen können, entstammt dieser Schrift oder deren Bearbeitung:

dem sogenannten Pseudo-Matthäusevangelium. Dieses im 6. Jh. zusammengestellte Buch bringt über den Stoff des Protevangeliums hinaus,

noch wundersame Geschichten von der Flucht nach Ägypten und Begebenheiten aus der frühen Kindheit Jesu.

Die Wirkung beider Texte für das christliche Abendland, vor allem des PseudoMatthäusevangeliums, war so intensiv, daß sogar die Liturgie

der Kirche davon beeinflußt wurde. Das noch heute am 21. November gefeierte Fest Maria Opfergang erinnert an den Tempelgang Mariens,

eine Szene, die nur die Apokryphen berichten. Populär wurden die Apokryphen im Mittelalter durch die religiösen Volksbücher. Petrus

Comestor nahm Teile in seine Historia scholastica auf, und Vincent von Beauvais überarbeitete sie für sein Speculum historiale.

Die beste Propagandaschrift jedoch war die zwischen 1263 und 1273 entstandene Legenda aurea des Dominikaners Jacobus de Voragine.

Die volkstümlich, aber in gutem Stil geschriebene Heiligenlegende bezieht sich sehr stark auf die Apokryphen. Die Legenda aurea war im

abendländischen Mittelalter fast so verbreitet wie die Bibel.

In der bildenden Kunst orientierte man sich zunächst an der byzantinischen Kunst und nahm damit auch Motive aus den Apokryphen auf. In

der Kirche des Ostens waren diese Texte bereits weit verbreitet und wurden hockgeschätzt. Später entlehnte man die Motive oder Bildfolgen

direkt aus den historischen Texten oder aus deren Bearbeitungen in Epen, geistlichen Dichtungen und aus der Legenda aurea. Je weiter die

Zeit fortschritt, desto mehr wurden die einst entlehnten Motive Allgemeingut, verselbständigten sich und wurden von Werk zu Werk

weiterübernommen, ohne daß man genau wußte, woher sie kamen. Die Ausformung und Verwendung apokrypher Stoffe und Motive endet

im wesentlichen im 16. Jh.

Die Mutter des Herrn

Über das Leben und die Herkunft der Mutter des Herrn berichten die Evangelien fast nichts, dafür um so mehr die apokryphen Texte. Die

christlichen Schriftsteller schmückten ihr Leben und das ihrer Eltern, Anna und Joachim, aus.

Die frühchristliche Kunst hat uns keine Darstellung der Eltern überliefert. Um 1305 malte Giotto (1266-1337) auf den Fresken in der

Arenakapelle von Padua sie als Mitglieder der Heiligen Sippe. In der mittelalterlichen Darstellung des Marienlebens haben sie ihren Platz auf

Tafel- oder Schnitzaltären. Albrecht Dürer (1471-1528) hat in seiner 1511 erschienenen Holzschnittfolge >Marienleben< den Eltern, Anna

und Joachim, einige Blätter gewidmet.

Nach der Umarmung an der Goldenen Pforte wird Maria geboren. Darstellungen vom Wochenbett Annas sind seit Beginn des 11. Jh.

bekannt. Die Buchmalerei illustrierte damit die Handschriften, und Dürer stellte sie innerhalb seines Marienlebens dar. Albrecht Altdorfer

(1480-1538) verlegte die Geburt in einen Kirchenraum, das Bild malte er um 1520, und Domenico Ghirlandaio (1449-1494) läßt auf dem

Fresko in Santa Maria Novella fünf vornehme Florentiner Damen bei der Wöchnerin Anna ihre Aufwartung machen.

Häufiger dargestellt ist die Szene des Tempelgangs. Bezeichnenderweise zuerst im Orient (Kuppelfresken in El-Bagaut, 4. Jh. ), denn dort

hatte sich der Marienkult schon früher entwickelt.

Im Mailänder Domschatz wird eine fünfteilige Tafel (Diptychon) aufbewahrt, die vom Beginn des 5. Jh. stammt und den Tempelgang

Mariens zeigt.

In der deutschen Kunst findet man dieses Motiv hauptsächlich als Buchmalerei in der ersten Hälfte des 11. Jhs., sodann in Dürers

Marienleben und allgemein in Bildfolgen, die das Leben der Mutter Christi zeigen.

Beeindruckend, schon durch seine Größe, hat Tizian (1476/77-1576) diese Szene gemalt. Das Bild ist 3,35 x 7,75 Meter groß und füllt in der

Accademia in Venedig die ganze Eingangswand. Ein kleines Kind in blauem Kleid, umgeben von göttlichem Licht, schreitet ganz alleine

eine riesige Treppe, eingerahmt von kolossalen Säulen, empor. Früher wurden zu Ehren dieser Szene auch Kirchen benannt. Zwischen Dom

und Rhein stand in Köln bis ins 18. Jh. das Gotteshaus Maria ad gradus (Maria an den Stufen).

Das Protevangelium hat auch weitgehend unsere Vorstellung von Joseph, dem Ehemann Marias, geprägt. Der Text schildert ihn als Witwer,

und er bezeichnet sich darin selbst als > alter Mann<. Und so wird er auch meistens abgebildet, im Evangeliar Ottos III. (um 1000) zum

Beispiel.

Mit dem grünenden Stab in der Hand, dem Zeichen, daß er Marias auserwählter Bräutigam ist, malte ihn Raphael (1483-1520): Die

Vermählung der Jungfrau Maria, 1504. Ihn umringen die Freier, deren Stäbe dürr blieben.

Eine apokryphe Szene, die eine Fülle von Bildern hervorgebracht hat, ist die Verkündigung der Geburt Christi durch den Engel. Sehr selten

wird die Verkündigung am Brunnen oder an der Quelle dargestellt. Der Adelfia-Sarkophag aus dem 4. Jh. zeigt sie, und später wird aus dem

Brunnen, ein altes Symbol für Maria, die Vase mit der Lilie, die auf vielen Verkündigungsbildern im Hause zu sehen ist.

Die Verkündigung im Hause ist der Favorit unter den Verkündigungsbildern. Der berühmte Triumphbogen in Santa Maria Maggiore in Rom

zeigt sie als erstes Bild innerhalb der dargestellten Kindheitsgeschichte Jesu. Papst Sixtus (432-445) ließ dieses Mosaik anfertigen.

Maria sitzt auf einem thronartigen Sessel und hält einen Tuchstreifen in Händen. Sie ist, wie das Pseudo-Matthäusevangelium erzählt, gerade

beim Anfertigen eines Purpurvorhangs für den Tempel. Daher hat auf manchen späteren Bildern Maria eine Spindel in der Hand oder ein

Spinnrad, oft auch ein Körbchen oder ein Gefäß mit Gewebe zu ihren Füßen stehen. Die schönste Darstellung dieses Typus' ist auf der

berühmten Maximian-Kathedra (6. Jh.) im Erzbischöflichen Museum in Ravenna zu sehen.

In der deutschen Kunst entstanden mit Beginn der Marienverehrung (13. Jh. ) ausgedehnte Bilderreihen, die immer mit der Verkündigung

anfangen, die aber nicht notwendigerweise auf apokryphe Texte zurückgehen müssen.

Anklänge an die Apokryphen lassen sich im Türbogenfeld (Tympanon) des Südwestportals am Ulmer Münster feststellen (um 1380

entstanden), ebenso wie am Südwestportal des Augsburger Domchors.

Die Kindheitsgeschichte Jesu

Auch die Darstellung der Geburt Christi steckt voller apokrypher Zutaten. Von den für uns selbstverständlich zum Weihnachtsbild

gehörenden Tieren, Ochs und Esel, berichtet keine Bibelstelle, sondern das Pseudo-Matthäusevangelium. Ihr Dasein ist schon sehr früh

Allgemeingut geworden, denn bereits auf einem Grabstein aus dem Jahre 343 sind sie zu sehen, wie sie sich über die Krippe beugen. In

derselben Textquelle wird auch beschrieben, daß die Geburt in einer Höhle, Grotte stattfand. Die Geburtsszene wurde zwar auch in der

altchristlichen Kunst häufig abgebildet, aber eine Höhle als Hintergrund oder als Raum des Geschehens ist nicht eindeutig feststellbar.

Allerdings verweisen oft herumliegende Felsbrocken oder Maria, auf einem Felsstück sitzend, auf das Höhlenmotiv.

Aber jedem Besucher der Geburtskirche in Betlehem wird im Innern der Basilika aus dem 4. Jh. die Geburtsgrotte gezeigt.

Die Grotte ist auch in Selma Lagerlöfs Legende von der Heiligen Nacht der Ort der Geburt. Diese Erzählung gehört zu den 1904

entstandenen Christuslegenden.

Dort erzählt die Großmutter, daß in dieser Nacht der Nächte ein Mann hinausging, um sich Feuer zu leihen, damit er seine Frau und sein

neugeborenes Kind wärmen könne. Der Hirte, der ihm schließlich Feuer gibt, wundert sich über die sonderbaren Ereignisse und geht dem

Mann nach. »Da sah der Hirt, daß der Mann nicht einmal eine Hütte hatte, um darin zu wohnen, sondern er hatte sein Weib und sein Kind in

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einer Berggrotte liegen, wo es nichts gab als nackte, kalte Steinwände. Aber der Hirt dachte, daß das arme unschuldige Kindlein vielleicht

dort in der Grotte erfrieren würde, und obgleich er ein harter Mann war, wurde er davon doch ergriffen und beschloß, dem Kind zu helfen.

Und er löste sein Ränzel von der Schulter und nahm daraus ein weiches, weißes Schaffell hervor. Das gab er dem fremden Manne und sagte,

er möge das Kind darauf betten. «(Selma Lagerlöf. Christuslegenden. München 1949. S. 10)

Wenn auch die Hebammenszene der Apokryphen in der deutschen Kunst nur selten dargestellt wird, muß sie trotzdem erwähnt werden, weil

sie auf altchristlichen und byzantinischen Denkmälern sehr häufig vorkommt.

Da gibt es die Hebamme Salome, die nicht an die Jungfrauengeburt glaubt und deshalb Maria untersucht. Auf der Stelle verdorrt ihre Hand

zur Strafe für ihren Unglauben. Da sie aber ihre Verfehlung einsieht, wird die Hand wieder gesund.

Dieser Verteidigungstext der Jungfrauengeburt Marias ist ins Bild umgesetzt auch auf dem Bischofsstuhl des Maximian in Ravenna

dargestellt und auf verschiedenen Elfenbeinwerken aus dem 5.-8. Jh. Auch der erste Bronzeguß jenseits der Alpen, die Bernwardstür in

Hildesheim, um 1015 hergestellt, zeigt diesen Vorgang.

Nachwirkungen des apokryphen Textes lassen sich auch im Weihnachtsbild des Meister von Flemalle (um 1375-1444) aus dem frühen 15.

Jh. aufzeigen, wo Engel und zwei Ammen mit Spruchbändern die Jungfräulichkeit Marias bezeugen.

Zwei Frauen, die das Kind baden, sind auf dem Aachener Marienschrein, 1237 vollendet, zu sehen. Im Tympanon des Nordwestportals am

Ulmer Münster (1356) ist diese Badeszene dargestellt, und Albrecht Altdorfer hat sie auf einem Gemälde verwendet.

Die Palme am Wege

Interessantes wissen die Apokryphen auch über die Flucht nach Ägypten zu erzählen. Das Pseudo-Matthäusevangelium berichtet von

Drachen, die auf dem Weg nach Ägypten plötzlich aus ihren Höhlen krochen. Beim Anblick des Kindes aber wurden die Tiere lammfromm

und beteten es an. Als Relief ist dieses Erlebnis noch heute an der Domfassade von Orvieto zu bewundern.

Die Palme, die sich neigt und den Flüchtenden Schatten und Nahrung spendet, war ein äußerst beliebtes Motiv. Das Mosaik am

Triumphbogen von Santa Maria Maggiore zeigt es, Martin Schongauer (1450-1491) hat die Szene in Kupfer gestochen, und auf dem

Kalkarer Siebenschmerzenaltar von Douvermann (um 1520) ist sie zu sehen.

Zur Fluchtepisode gehört noch ein anderes Ereignis, nämlich die stürzenden Götter beim Eintritt des göttlichen Kindes in den Tempel von

Sotinen. Diese Darstellung findet sich in so unterschiedlichen Werken wie den Armenbibeln aus dem 14. -15. Jh. und dem Stundenbuch der

Maria von Burgund (um 1477).

In der Literatur lassen sich apokryphe Quellen auch noch für die Dichtungen der Nonne Hrotsvitha von Gandersheim (um 935-1000), für die

Marienlyrik des Priesters Wernher, verfaßt um 1170, un d für Konrad von Fußesbrunn >Kindheit Jesu< (um 1210) nachweisen. Das am

Ausgang des 13. Jhs. von einem unbekannten Dichter verfaßte Passional, auch ein christliches Erbauungsbuch, bezieht ebenfalls apokryphes

Gedankengut ein.

Der zweite Erzählkreis, den die Apokryphen aufgreifen, handelt von der Passion, der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu Christi und

von Marias Tod.

Für die Darstellung des Passionszyklus' sind hauptsächlich die vier Evangelien maßgeblich geblieben, aber wo deren Aussagen Lücken läßt,

zeitlich oder in der Anschaulichkeit, schieben sich apokryphe Schriften dazwischen.

Diesmal ist es das Nikodemusevangelium, auch Pilatusakten genannt, das als wichtigste Quelle für Kunst und Literatur angesehen werden

muß.

Bereits die ersten uns bekannten Passions- bzw Kreuzigungsdarstellungen aus dem 5. Jh. enthalten apokryphes Gedankengut und zeigen die

Verbreitung der Texte unter den Gläubigen.

In der fünften Zone der rechten oberen Säule des Ziboriums in San Marco, Venedig, ist zum Beispiel die ehrfürchtige Einführung des

gefangenen Jesus bei Pilatus dargestellt - ein Vorgang aus dem Nikodemusevangelium. Diese Schrift entlastet im Inhalt Pontius Pilatus von

der Mitschuld am Tode Christi.

Sub Pontio Pilato

Auch das lediglich in Bruchstücken auf uns gekommene Petrusevangelium, das noch im 2. Jh. in Syrien zu den heiligen Schriften zählte,

bürdet alle Schuld am Tod des Herrn den Juden und Herodes auf.

In der Ostkirche existieren noch weitere apokryphe Pilatusakten, die seine Rehabilitierung betreiben, und in der koptischen Kirche wird er als

Heiliger verehrt.

Aus diesen und weiteren apokryphen Pilatusakten hat der russische Schriftsteller Michail Bulgakow in seinem erst nach dem Tod, er starb

1940, erschienenen Buch >Der Meister und Margarita< seine Version der Passion zusammengestellt. Pilatus steht im Mittelpunkt dieses auf

drei Kapitel verteilten Romans im Roman.

Er wird nicht direkt als Gottsucher gezeichnet, sondern als ein Mensch, der sich träumend der Wahrheit nähert. Im Traum geht er

diskutierend mit Jeschua han- Nasri auf einer durchsichtigen Straße zum Mond. »Sie disputierten über etwas sehr Kompliziertes und

Wichtiges, und keiner vermochte den anderen zu überzeugen. Ihre Ansichten deckten sich nirgends, und daher war ihr Disput besonders

interessant und fand kein Ende. Die heutige Hinrichtung war natürlich ein reines Mißverständnis, denn der Philosoph, der auf die

unwahrscheinlich absurde Idee gekommen war, daß alle Menschen gut seien, ging ja hier neben ihm, folglich lebte er. Und außerdem konnte

man einen solchen Menschen ja gar nicht hinrichten, der bloße Gedanke daran wäre entsetzlich! Nein, die Hinrichtung hatte nicht

stattgefunden! Darum war es herrlich, diese Treppe zum Mond

hinaufzugehen./ >Doch, doch ...< stöhnte und schluchzte Pilatus im Schlaf. Selbstverständlich würde er seine

Karriere aufs Spiel setzen. Am Morgen hätte er es noch nicht getan, doch jetzt, in der Nacht, nachdem er alles

erwogen hatte, war er dazu bereit. Er würde alles aufs Spiel setzen, um diesen gänzlich unschuldigen, verrückten

Träumer und Arzt vor der Hinrichtung zu retten!

>Wir werden jetzt immer beisammen sein<, sagte ihm im Traum der zerlumpte Wanderphilosoph, .. . >wo der

eine ist, sei auch der andere! Gedenkt man meiner, so wird man auch deiner gedenken!<< (Michail Bulgakow.

Der Meister und Margarita. München 1978. S. 313-14) Bulgakow nennt auch die Namen der beiden Räuber, die mit Jesus gekreuzigt

wurden, Demas und Gestas, die auch das Nikodemusevangelium so nennt.

Abgestiegen in das Reich des Todes

Obwohl dieser Satz im apostolischen Glaubensbekenntnis, das in allen römischkatholischen Kirchen gebetet wird, seit Jahrhunderten seinen

festen Platz hat, berichtet das Neue Testament über diesen Vorgang nichts.

Das Nikodemusevangelium bringt dazu einen »Augenzeugenbericht« zweier Menschen, die aus dem Grab erstanden waren. Diese sehr

anschauliche Erzählung hat gerade auf die mittelalterliche deutsche Kunst eine große Wirkung ausgeübt.

Dargestellt wird der dramatische Augenblick, wo Jesus Adams rechte Hand ergreift, um ihn zu befreien und dem Erzengel Michael zu

übergeben, der die Heiligen ins Paradies führen soll; auch der bekehrte Räuber steht mit dem Kreuz, seiner Eintrittskarte ins Paradies, mitten

unter ihnen.

In der frühchristlichen Kunst ist diese Szene verhältnismäßig selten dargestellt. Auf der vorderen rechte Säule des Ziboriums in San Marco,

Venedig, ist sie zu sehen, ebenso wie auf einigen römischen Fresken des 8. Jhs.

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In der deutschen Kunst taucht sie zunächst in der Buchmalerei und im Kunstgewerbe auf, dann übernimmt die bildende Kunst das Thema

und stellt es eindrucksvoll dar: Martin Schongauer und der Meister der großen Passion, um 1420; Lucas Cranach der Ältere (1472-1553);

Albrecht Dürer und Albrecht Altdorfer.

Die Körperlichkeit des Auferstandenen

Das Neue Testament erzählt, daß Thomas sich durch Handauflegen von der Körperlichkeit des Auferstandenen überzeugen konnte. Im

apokryphen Epistula Apostolorum gibt Jesus einen weiteren Beweis. Er macht Andreas auf die Spuren, die seine Füße im Sand hinterlassen,

aufmerksam. Wenn er ein Geist wäre, würden keine Fußspuren zu sehen sein.

Dieses Motiv der Körperlichkeit hat die Kunst übernommen. Bis ins 16. Jh. hinein findet man daher auf Darstellungen der Himmelfahrt

Christi, hauptsächlich an geschnitzten Bildwerken und in der Buchmalerei, die sichtbaren Fußabdrücke als Beweis für die leibliche Existenz.

Einen großen Einfluß auf Kunst und Literatur des christlichen Abendlandes hatte auch das in diesem Band nicht abgedruckte apokryphe

Buch von Johannes dem Theologen über das Sterben der Heiligen Mutter Gottes.

Marias Tod

Johannes schildert das Sterben Marias, eine in der bildenden Kunst sehr häufig dargestellte Szene.

Der Bildaufbau - Apostel umgeben ihr Sterbelager und Christus nimmt, hinter ihrem Bett stehend, ihre Seele auf, um sie den Engeln zu

reichen -wurde in der byzantinischen Kunst entwickelt und von der abendländischen übernommen.

Schon eine Reichenauer Handschrift aus dem 11. Jh. bildet das Geschehen so ab. In der Folgezeit, besonders mit dem Einsetzen der

Marienverehrung im 13. Jh., wird dieses Thema vermehrt in der bildenden Kunst dargestellt: als Mittelbild der Marienaltäre - im Krakauer

Altar des Veit Stoß (1447-1533), als Relief, Mainfranken 1480-1490, oder in den graphischen Blättern des Marienlebens von Martin

Schongauer und Albrecht Dürer sowie von Hugo van der Goes (Nachfolger), 1475, auf Leinwand gemalt.

Apokryphe Apostelgeschichten

Aus ihnen hat die bildende Kunst und die Literatur die Attribute der Apostel übernommen, meist sind es ihre Leidenswerkzeuge, durch die

sie zu Tode kamen. Auch einige Martyriumszenen, die Kreuzigung des Petrus, der Tod des Paulus durch das Schwert und andere, gehen auf

diese Geschichten zurück.

Sehr ausführlich zeigen dies die Tafeln mit den Apostelmartyrien aus der Werkstatt des Stephan Lochner (um 1440).

Unter all den Aposteldarstellungen haben Petrus und Paulus natürlich den Vorrang. Die Kontroverse zwischen Petrus und dem Magier Simon

ist ein beliebtes Thema, und den Sturz des Magiers haben Buchmaler schon um 990 in einem Antiphonar aus Prüm (Eifel) dargestellt.

Eines der ältesten Kreuzigungsbilder des Petrus ist im Homilienkodex des hl. Gregor von Nazianz (um 880) zu sehen. In diesem Manuskript

sind auch die Martyrien aller anderen Apostel abgebildet.

Die apokryphen Texte waren für die Literatur und noch mehr für die bildende Kunst eine Quelle der Inspiration. Die Gläubigen kannten die

Schriften, und so konnten die Künstler sicher sein, auch verstanden zu werden.

Im 16. Jahrhundert war die Übernahme von Motiven und Stoffen aus den Apokryphen im wesentlichen abgeschlossen. Die romantische

Malerei, insbesondere die Nazarener, stellten im 19. Jahrhundert nochmals apokryphe Themen dar, aber wohl eher beeinflußt von der

mittelalterlichen Kun st, die sie rezipierten, als von apokryphen Schriften.

Helga Marie Linsbauer

Quellenverzeichnis

Für die freundlicherweise erteilte Abdruckerlaubnis der verschiedenen apokryphen Texte zum Alten und Neuen Testament bedanken wir uns

bei diesen Verlagen:

Verlag Herden Freiburg - Paul Rießler, Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel, Freiburg 1979 (4. Auflage). Eine umfangreiche

Sammlung altjüdischer Schriften aus der Zeit des Alten Testamentes.

Übernommen wurden daraus: Die Apokalypse des Moses, die Schatzhöhle sowie Josef und Asenath.

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Verlag J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen - E. Hennecke / W. Schneemelcher, Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung,

Tübingen 1971 (4. Auflage). Eine sehr sorgfältige Übersetzung aller Apokryphen zum Neuen Testament mit einem umfangreichen,

textkritischen Anmerkungskatalog; genügt allen wissenschaftlichen Ansprüchen. Nach Auskunft des Verlages wird in Bälde eine bearbeitete

5. Auflage erscheinen.

Übernommen wurden daraus: Das Petrusevangelium, Epistula Apostolorum, die Sophia Christi, die Pistis Sophia, das Arabische

Kindheitsevangelium, Pseudo-Matthäus Evangelium, Leben des Johannes nach Serapion, die Abgarsage, Nikodemusevangelium: Brief des

Pontius Pilatus, das Bartholomäus Evangelium, die Himmelfahrt des Jesaja, die Offenbarung des Petrus, das 5. und 6. Buch Esra, die Oden

Salomos sowie der Briefwechsel zwischen Paulus und Seneca.

Georg Olms Verlag, Hildesheim-Emil Kautzsch, Die Apokryphen und Pseudoepigraphen zum Alten Testament, 2 Bände, Hildesheim, New

York 1975. (4. un veränderter Neudruck). Die Übersetzungen orientieren sich an textkritischen Maßstäben. Die Einführungen werden

wissenschaftlichen Kriterien gerecht.

Übernommen wurden daraus: Das Leben Adams und Evas, die Testamente der 12 Patriarchen, die 18 Psalmen Salomos, das Buch der

Jubiläen, das 3. und 4. Buch Esra, die Baruchapokalypse, das Buch Henoch, das 4. Makkabäerbuch, die Himmelfahrt des Jesaja sowie das 4.

Buch der Sybillinischen Orakel.

Verlag Carl Ed. Schünemann, Bremen-Die Apokryphen Schriften zum Neuen Testament, herausgegeben von Wilhelm Michaelis (Sammlung

Dieterich), Bremen 1958. Die leider vergriffene Ausgabe bietet in einem handlichen Format und in einer dem heutigen Deutsch angepaßten

Übersetzung die wichtigsten neutestamentlichen Apokryphen.

Übernommen wurden daraus: Das Protevangelium des Jakobus, die Kindheitserzählungen des Thomas, das Nikodemusevangelium sowie die

Paulus-Akten.

Die Regel der Einigung der Gemeinschaft von Qumran wurde entnommen: Catherine Dimier, Was nicht im Alten Testament steht, Paul

Pattloch Verlag, Aschaffenburg, 1965.


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