Ein Kaninchen braucht Gesellschaft

 

Hauskaninchen sind die domestizierte Form des europäischen Kaninchens.

 

Das europäische Kaninchen lebt in Gruppen. Daher ist es auch für unsere Hauskaninchen ein Muß, mindestens mit einem Partner zusammenzuleben. Leider wird mir immer wieder berichtet, dass nach dem Tod eines Tieres, das andere wiederum so aufgeschlossen und zutraulich wäre und wesentlich mehr am „Familienleben“ teilnehmen würde. Nur, was bleibt denn dem Kaninchen auch anderes übrig, als sich seinen Menschen anzuschließen. Das soll aber nun nicht heißen, dass zwei Kaninchen nicht zutraulich werden könnten. In erster Linie sollten wir an die Bedürfnisse des Tieres denken. In diesem Zusammenhang sollte es am wichtigsten sein, dass sich die Kaninchen wohl fühlen. Aus vielerlei Gründen kann es vorkommen, dass ein Kaninchen zutraulich ist und ein anderes vom Menschen überhaupt nichts wissen will. Beispiele: Ein Elterntier war bereits sehr ängstlich, als Jungtiere wurden sie nicht an die menschliche Hand gewöhnt, sie wurden geärgert.

 

Nun aber zurück zur Geselligkeit. Bei der Frage, welche Geschlechter denn am besten zusammenpassen, gibt es sehr viele unterschiedliche Meinungen. Man darf in diesem Punkt nicht vergessen, dass auch ein Kaninchen einen Charakter hat und nicht jeden Partner akzeptieren wird. Empfohlen wird jedoch immer, ein kastriertes Böckchen und ein Weibchen zu halten. Jedoch können sich auch zwei kastrierte Böcke oder zwei Weibchen anfreunden.

 

Die Gesellschaft von Hund oder Katze ist eher ungeeignet. Es sei denn, es ist ausreichend Platz in Haus oder Wohnung. Bei Hund und Katze könnte der Jagdinstinkt geweckt werden. Aber es kommt auch immer auf dien einzelnen Tiere an (ruhiges gelassenes und aufgeschlossenes Kaninchen und ein Hund/oder Katze mit wenig ausgeprägtem Jagdinstinkt). Dennoch sollte der Hund unbedingt langsam an das Kaninchen herangeführt werden. Auch unsere Hauskaninchen haben Fluchtinstinkte und könnten in Panik geraten, was wiederum Streß bedeutet.

 

Meerschweinchen, wie bisher immer behauptet, sind keine geeigneten Partner für unsere Kaninchen. Bei der Haltung kommt es zwar meistens nicht zu Streitereien und auch vor Nachwuchs ist man selbstverständlich geschützt, jedoch arrangieren sie sich lediglich miteinander und sind gemeinsam einsam. Es gibt auch erhebliche Unterschiede im Sozialverhalten von Kaninchen und Meerschweinchen. Beispiele: Kaninchen kuscheln sich gerne aneinander und putzen sich gegenseitig – Meerschweinchen sind eher auf Distanz, Kaninchen schlafen meistens allein – Meerschweinchen schlafen gerne nahe zusammen. Ausnahmen mag es geben, aber sollte es von Anfang an doch lieber ein Artgenosse sein. Die Haltung von mindestens zwei Kaninchen und zwei Meerschweinchen ist jedoch durchaus möglich. Jede Tierart hat somit einen Artgenossen.

 

Die Vergesellschaftung von Kaninchen sollte, wenn möglich, auf neutralem Boden tattfinden. Beispielsweise in einem Raum, in dem das alteingessene Kaninchen noch nicht sein Revier markiert hat. Zu Anfang benötigt man auf jeden Fall einen zweiten Käfig. Die Räumlichkeiten für den ersten gemeinsamen Auslauf sollten auf jeden Fall groß genug sein, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen oder verstecken können.

 

In der Anpassungszeit sollten die Kaninchen gemeinsamen Auslauf haben, nachdem sie sich am Käfiggitter nicht mehr streiten, jedoch dürfen sie noch nicht in einem gemeinsamen Käfig leben. Die Käfige bitte nebeneinander stehen lassen. Die Tiere sollten immer Blickkontakt haben und den Geruch des jeweils anderen aufnehmen können.

 

In der Kennenlernphase ist es für uns Menschen nicht einfach, die

Rangordnungskämpfe mit anzusehen. Deshalb ist es auch wichtig, Geduld

zu haben und durchzuhalten. Sie gehören jedoch zum ganz natürlichen

Verhalten unserer Kaninchen. Einige Tage, Wochen oder gar Monat

müssen eingeplant werden. Nach den ersten „Ringkämpfen“ die Tiere

nicht mehr in verschiedenen Zimmern unterbringen. Am nächsten Tag

würden diese umso heftiger aufeinander losgehen.

 

Wichtig ist, bei Revierkämpfen nicht immer zu versuchen, die Kaninchen

zu trennen. Bitte nur eingreifen, wenn sie sich beispielsweise ineinander

verbeißen. Meistens entstehen keine ernsthaften Verletzungen. Jedoch ist

jedes Tier auf evtl. Verletzungen hin abzutasten. Sie können sich auch

Wundreinigungsmittel vom Tierarzt verschreiben lassen. Bei größeren

Wunden ist natürlich der Tierarzt aufzusuchen.

 

Anmerkung: 

             

Sollte ein Weibchen häufiger in Hitze geraten oder gar scheinträchtig 

werden, ist eine Kastration anzuraten. Die Hitze kommt bei

Wohnungskaninchen häufiger vor, egal ob zwei Weibchen oder ein

Weibchen und ein kastriertes Böckchen gehalten werden. Durch das

gegenseitige Bespringen (auch ein kastrierter Bock versucht es hin und

wieder), werden Reize ausgelöst, die zur Scheinträchtigkeit führen

können. Wird diese nicht behandelt, kann es auf Dauer zu Erkrankungen

der Gebärmutter kommen.

 

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