Diese Sagen stammen von meinen meiner Heimat
der Südsteiermark!


Es lebte einmal in der Steiermark ein kleiner Junge, der keine Eltern mehr hatte und so arm war, daß er gar nichts auf der Welt besaß. Er mußte reihum bei den Landwirten essen gehen und zufrieden sein, wenn er das bekam, was vom Mittagstisch der andern übrigblieb, oft waren es auch nur Abfälle. Einmal ging der Bub in den Wald, um Beeren zu suchen. Da traf er eine Frau in schneeweißem Gewande, die ihm ein buntschillerndes Ding hinhielt. Der Bub nahm das dargebotene Geschenk, besah es eine Weile und wußte nicht, was er mit dem glitzernden Gegenstand anfangen solle. Da steckte er ihn hinter das Band auf dem Hut und ging weiter.
Nicht lange darauf traf er ein paar Leute. Sie sahen ihn verwundert an und fragten, warum er denn sein Geld auf dem Hut gesteckt habe. Nun nahm der Junge den Hut ab und fand hinter dem Band einen funkelnagelneuen Kreuzer. Darüber freute er sich und steckte den Kreuzer in den Sack. Aber kaum war der Kreuzer herunten, hing schon wieder ein neuer Kreuzer am Hut, und das ging so fort den ganzen Tag und das ganze Jahr lang, daß der Bub mit dem Kreuzerabnehmen kaum zurechtkommen konnte. Und als ein Jahr um war, hatte er sieben Kornsäcke voll Geld.


Die Entfesselung des Grazers-Schloßberges.
Einst kamen auf dem Schöckel viele Leute zusammen und sprachen von den Schönheiten und Merkwürdigkeiten des herrlich grünen Steirerlandes. Ein grün gekleideter Weidmannsgeselle, welcher unbemerkt hinzugetreten war und eine Weile zugehört hatte, lachte darüber und sagte: "Ihr liebt Euer Land, Eueren Schöckel, aber dieser ist nur ein Zwerg gegen den großen Rigi in der Schweiz. Wenn Ihr wollt, so setze ich binnen 24 Stunden hier drei solche Kegel, wie der Schöckel, übereinander auf, aber nur muß der erste Mensch, der dann diesen dreifach getürmten Felsen besteigt, mir gehören."
Die biederen Landleute hielten den fremden Jäger für einen Prahlhans, der sie nur zum besten halten wollte, und gingen scherzweise auf seinen sonderbaren Antrag ein. Plötzlich erhob sich vor ihren Augen am fernen Horizonte eine schwarze Wolke, stieg mit riesiger Schnelligkeit immer höher herauf und lagerte sich alsbald über den Schöckel und das ganze Murtal. Blitze durchzuckten die Luft, heftige Donnerschläge erdröhnten, und ein furchtbarer Sturm erhob sich und zerriß die Wolke in der Mitte. Da wurde die Gestalt des Weidmannes immer länger, sie erhob sich immer höher in die Luft, von zahlreichen Blitzen begleitet, und flog nun sausend und funkensprühend nach Süden.
Der grüne Jäger war aber niemand anderer als der Teufel. Er eilte nach Afrika, rüttelte dort mit der furchtbaren Gewalt aller seiner höllischen Kräfte an dem ungeheueren Mondgebirge, brach von diesem eine riesige Felsmasse ab und lud sie sich auf den Rücken. Darauf kehrte er wieder um und raste zurück ins Steirerland. Als der Teufel über Wildon dahinflog, zog unten im Tale gerade eine Prozession daher; es war eben die Osterwoche. Da erinnerte sich der Höllenfürst, daß er in dieser heiligen Zeit keine Macht besitze. Nun schleuderte er den Felsen von seiner Schulter mit solcher Gewalt auf das Murtal hinab, daß derselbe in zwei Teile barst; diese rollten der Mur zu und blieben dann am Ufer derselben liegen. Der eine davon, der größere, ist der jetzige Schloßberg, und der kleinere der Kalvarienberg. Der Teufel aber bohrte sich voll Wut über das Mißlingen seiner Anstrengung ein großes Loch in den Schöckel und fuhr durch dasselbe in die Hölle.
Eine zweite Sage von der Entstehung des Schloß- und Kalvarienberges bringt damit auch den Ursprung der "drei Säcke" in Graz in Verbindung.
Als nämlich der Teufel einmal von der Langweile des höllischen Alltagslebens geplagt wurde, sann er aus alter Gewohnheit darüber nach, welche böse Tat er wieder einmal zum Verderben der Menschheit verüben könnte. Da ihm aber diesmal nach seiner Meinung nichts Gescheites einfiel, so kam er auf den besonderen Einfall, einen Berg aus Obersteier ins Welschland zu schleppen. Also machte er sich an diese eigentümliche Teufelsarbeit, brach von einem ungeheueren Berge große Felsstücke los, verpackte sie in drei Säcke und begann damit seine Reise durch die Luft. Als er ins herrliche Grazerfeld kam, riß der erste Sack und sein Inhalt kollerte auf die Erde hinab, wo er seither den Kalvarienberg bildet. Gleich darauf rissen auch die beiden anderen Säcke, und ehe der Teufel sich's versah, stand der Schloßberg vor seinen Augen. Voll Unmut über den ihm gespielten Streich, den er einem seiner Feinde unter den Engeln zuschrieb, schleuderte er die leeren Säcke weg, und diese bilden nun die "die drei Säcke" genannten Gassen, welche vom Hauptplatze weg zwischen der Mur und dem Schloßberge sich hinziehen


DER WILDE MANN VON WILDON
Auf dem Wildonerberge hauste einst ein Riesengeschlecht. Es waren wilde Männer, welche große Bäume entwurzelten, mächtige Felsblöcke umher' schleuderten und als Keule Baumstämme führten.
Der letzte dieses Geschlechtes, insgemein der wilde Mann genannt, trieb es am ärgsten, so daß die Bewohner der Ortschaft Wildau am Fuße des Berges sich weder zu raten noch zu helfen wußten. Wohl dachten sie daran, den schrecklichen Riesen unschädlich zu machen, aber sie konnten ihm in keiner Weise beikommen. Sobald er nur im geringsten etwas merkte, daß die Leute gegen ihn Schlimmes im Schilde führten, trieb er es um so ärger und wütete so schrecklich, daß die ganze Gegend verwüstet wurde und die Bewohner immer mehr und mehr verarmten.
Einst stieg ein Wirtstöchterlein aus dem Tale zu des Riesen Behausung hinauf. Es wollte Schwämme suchen, nebenbei aber auch auskundschaften, was der wilde Mann tue. Dieser fand das Mädchen alsbald auf einer kleinen Ebene, redete es an und verlangte, es solle zu ihm ins Schloß kommen und ihm da die Wirtschaft führen. Anfangs entsetzte sich die Wirtstochter über die Zumutung, aber da sie sonst beherzt und schlau war, so dachte sie sich: "Wenn ich es ihm abschlage, so behält er mich mit Gewalt zurück; bleibe ich aber, so kann es mir vielleicht gelingen, den furchtbaren Mann unschädlich zu machen und so uns alle von diesem Schrecklichen befreien." Also sagte das Mädchen zu, jedoch wollte es früher noch die Eltern fragen, ob sie damit einverstanden seien, daß es bei ihm in den Dienst trete. Der Riese hatte nichts dagegen, und so eilte das mutige Mädchen den Abhang hinab, setzte den Eltern alles auseinander und stieg des andern Tages wieder den Wildonerberg hinan, um fortan in der Nähe des Riesen zu verweilen.
Mehrere Tage und Wochen vergingen, ohne daß es dem Mädchen möglich gewesen wäre, sein Vorhaben auszuführen. Aber als dann einmal der wilde Mann sehr ermüdet von einer Jagd zurückkam und sich niederlegte, um zu schlafen, verwundete ihn das Mädchen mit einer Stricknadel an der Schläfe. Anfänglich verspürte der Riese gar nichts, denn sein Schlaf war ein sehr tiefer, aber nach und nach nahm der Schmerz doch so überhand, daß er aufwachte, wie toll nach dem Mädchen herumfahndete und, als er dieses nicht mehr im Schlosse vorfand, in seiner Wut einen großen Steinklotz nach dem anderen vom Berge losriß und in das Tal hinabschleuderte. Doch die Wunde war tödlich, und es konnte der wilde Mann nicht lange seinem Zorne auf solche Weise Luft machen. Erschöpft sank er zu Boden und hauchte bald darauf seinen Geist aus. Als die Ortschaft Wildau später zu einem Markte erhoben wurde, nahmen die Bewohner desselben zur Erinnerung an das Geschlecht der Riesen, welches hier gehaust hatte, den wilden Mann in das Marktwappen auf, und aus dem Worte Wildau entstand dann auch der Name Wildon, wie der Ort noch heutzutage heißt.
Zuweilen zeigte sich der wilde Mann auf dem Wildonerberge, doch nicht als Plagegeist, sondern als Beschützer der Bergbewohner. So erschien er einmal als ein riesengroßer Greis mit weißem, herabwallendem Barte einem Knaben, der anstatt zur Kirche, den Berg hinangegangen war. Er führte ihn in eine Höhle und zeigte ihm hier einige große, mit Moos bewachsene Fässer, welche voll des besten Weines waren. Der Knabe sollte davon kosten, doch er weigerte sich dessen, und da führte ihn der Geist wieder aus der Höhle und verschwand hierauf plötzlich.


Wenn ein Hahn neun Jahre alt geworden, legt er ein Ei, welches, wenn es ins Wasser kommt, einen Lintwurm hervorbringt.
Im Wilden See auf einer Alpe (Hochwand) bei Oberwölz ist vor Zeiten ein Lintwurm gewesen. Er war durch ein Auerhahnei entstanden. Er zog alles Vieh in der Nähe durch seinen Hauch an. Wenn er hungrig war, brüllte er, daß die Berge zitterten. Immer waren die Leute in großer Angst, er möchte einmal durchbrechen und die ganze Gegend verwüsten, aber zum Glück ist er von zwei einsinkenden Felsen erdrückt worden. Ein andrer Lintwurm war in einem Alpenteiche bei Zeiring (Pusterwald). Als er einmal aus dem Teiche brach, warf er einen großen Graben aus und schleuderte die Steine eine halbe Stunde weit um sich. Zwischen Knittelfeld und Judenburg ist ein großer See gewesen, in welchem ebenfalls ein Lintwurm hausete. Als einst der See versiegte, kamen die Anwohner mit Knitteln herbei und erschlugen ihn. Das Feld wurde wegen der vielen umhergeworfenen Knittel Knittelfeld genannt; die Stelle, wo der Lintwurm lag, hieß man Lind. Nach fünfzig Jahren noch sind die Lintwurmrippen ein Unterstand des Weideviehes gewesen.
DER TEUFELSGRABEN AUF DEM LEIBNITZERFELDE
Unweit von Lebring, unterhalb Bachsdorf, zieht sich von der Mauer weg ein riesiger Graben, anfänglich in der Richtung gegen Leibnitz, macht aber dann an der Landstraße eine scharfe Wendung quer übers Feld gegen Laßnitz zu. Dieser Graben ist der Rest eines noch aus der Römerzeit stammenden Kanals, welcher, die Laßnitz mit der Mur verbindend, sich durchs ganze Leibnitzerfeld nahe an der alten Stadt Flavia Solva vorbeizog.
Die Bewohner der dortigen Gegend nennen diesen Graben "Teufelsgraben" und erzählen, daß einst der Teufel auf die Bewohner von Leibnitz sehr zornig geworden und deshalb beschlossen hätte, die Mur ab- und in den genannten Markt zu leiten und diesen durch Überschwemmung zu zerstören. Er legte deshalb den Graben an, kam aber mit seiner Arbeit nur bis zur Landstraße und mußte hier seine böse Absicht aufgeben.
Als er nämlich mit dem Graben anhub, gesellte sich zu ihm ein junger Mensch, welcher ihn fragte, was er vorhabe. In seinem Zorne plauderte der Teufel seine Absicht aus. Darauf fragte jener, bis wann das Werk fertig sein solle. "Bis zum ersten Hahnenschrei!" war die Antwort. Da dachte der Bursche an die Gefahr, in der die ihn dauernden Leibnitzer schwebten, und er beschloß, den Teufel zu überlisten. Also begab er sich von hier weg und suchte sich ein Versteck, von dem aus er unbemerkt dem Fortgange des höllischen Werkes folgen konnte. Der Teufel, ganz erfüllt von seiner Absicht und eifrigst mit der Vollendung der Arbeit beschäftigt, beachtete den Burschen nicht weiter. Als er endlich den Graben bis zur Landstraße fertiggebracht hatte, klatschte der Bursche mit der einen Hand in die andere und krähte wie ein Hahn. Da wurde das Federvieh auf den bis jetzt stillen Höfen der umliegenden Bauernhäuser lebendig; jeder einzelne Hahn ließ sein "Kikeriki!" ertönen, und heraus aus ihren Schlägen flogen die Hühner.
Nun konnte der Teufel sein Werk nicht mehr beenden und fuhr deshalb zornig zur Hölle hinab; den Graben aber ließ er, soweit derselbe geführt worden war, als ein Wahrzeichen seines mißglückten höllischen Planes stehen.


Ob es der Wahrheit entspricht oder nicht kann ich nicht beantworten .Für mich sind Sagen immer etwas besonderes,denn ein Funkchen Wahrheit ist immer dabei.
