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Jetzt etwas was für ,,kleine Wissenschaftler":

Bioaufsätze

Ihr könnt sie euch kopieren nach Word, dann Druckt ihr sie aus! Ich muss noch mehr schreiben, deshalb hab gedult! Erstaml für die 5 und 6!

1.Alles über die Biologie (5. Klasse)

2.Hund(5.Klasse)

3.Katze(5.Klasse)

4.Vögel(5.Klasse)

5.Pferde(5.Klasse)

6.Blumen(5.Klasse)

7. Humanbiologie(6.Klasse)

 

1. Biologie, die Wissenschaft von den Lebewesen. Der Begriff wurde im Jahr 1800 von dem deutschen Anatom und Physiologen Karl Friedrich Burdach geprägt (zuvor verwendete man die Bezeichnung Naturgeschichte) und später durch den französischen Naturforscher Jean Baptiste de Lamarck populär. Dieser bezeichnete mit Biologie die wachsende Zahl von Wissenschaftsgebieten, die Lebensformen untersuchen. Die Vorstellung von der Einheitlichkeit der Biologie erhielt großen Auftrieb durch den englischen Zoologen Thomas Henry Huxley, der ein bedeutender Lehrer war. Energisch vertrat Huxley die Ansicht, die herkömmliche Unterteilung in Zoologie und Botanik sei intellektuell ohne Bedeutung: Man solle alle Lebewesen unter einheitlichen Gesichtspunkten studieren. Huxleys Sichtweise der Biologie ist heute noch nahe liegender als damals, denn mittlerweile ist klar, dass viele einfach gebaute Lebewesen weder Pflanzen noch Tiere sind (Protisten).

Die Grenzen der Biologie lassen sich seit jeher nicht eindeutig abstecken: Schwerpunkte haben sich im Laufe der Zeit verlagert, und entsprechend wurden auch Teilgebiete abgewandelt und neu organisiert. Heute gliedert sich die Biologie in Forschungsgebiete, die sich mit Molekülen, Zellen, Individuen oder Populationen befassen. Von allgemeiner Biologie spricht man, wenn es – etwa in der allgemeinen Botanik – um die allen Organismen gemeinsamen Lebensgrundlagen geht. Die spezielle Biologie untersucht dagegen die Lebenserscheinungen bestimmter Artengruppen. Eine weitere Unterscheidung ist die zwischen theoretischer und angewandter Biologie. Während die theoretische Biologie beispielsweise die Unterschiede zwischen belebter und unbelebter Materie charakterisiert, steht für die angewandte Biologie – etwa in der Gentechnik oder biologischen Schädlingsbekämpfung – der praktische Bezug im Vordergrund.

Grundlegende Beiträge zur modernen Biologie hat die Molekularbiologie geleistet, zu der im weitesten Sinne alle Gebiete von der Biophysik bis zur Biochemie gehören. Man weiß heute eine Menge über Struktur und Funktion der Nucleinsäuren und Proteine, der wichtigsten Moleküle lebender Materie. Ein großer Durchbruch der modernen Wissenschaft war die Aufklärung der Vererbungsmechanismen. Sehr wichtig waren auch die neuen Erkenntnisse darüber, wie die molekularen Prozesse des Stoffwechsels ablaufen. Dabei geht es um die Frage, wie der Organismus Energie gewinnt, die zum Erhalt des Lebens notwendig ist.

Die Zellbiologie ist eng mit der Molekularbiologie verknüpft. Zellen sind die grundlegenden Struktur- und Funktionseinheiten aller Lebewesen. Um ihre Funktionsweise aufzuklären, untersucht man Zellbestandteile vorrangig auf der Ebene der Moleküle. Die Zellbiologie ist andererseits für die Untersuchung ganzer Lebewesen unentbehrlich, denn das Leben vielzelliger Organismen wird durch die Tätigkeiten und Wechselbeziehungen ihrer Zellen bestimmt. An vollständigen Lebewesen untersucht man Wachstum und Entwicklung (Entwicklungsbiologie) sowie Körperfunktionen (Physiologie). Besonders bedeutsam sind heute die Erforschung von Gehirn und Nervensystem (Neurophysiologie) und die Wissenschaft vom Verhalten der Tiere (Verhaltensforschung oder Ethologie).

Seit den siebziger Jahren ist die Populationsbiologie als weiteres eigenständiges Teilgebiet der Biologie anerkannt. Ihr zentrales Thema ist die Evolutionstheorie, deren Bedeutung man jetzt in vollem Umfang zu schätzen lernte, nachdem Charles Darwin sie schon im 19. Jahrhundert begründet hatte. Die Populationsgenetik, die sich mit Genveränderungen in Populationen beschäftigt, und die Ökologie, die Wissenschaft von Populationen in ihren natürlichen Lebensräumen, sind seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts Disziplinen der Biologie. Eine Kombination aus Fragestellungen beider Gebiete untersucht die in den sechziger Jahren entstandene Populationsbiologie, die sich schnell entwickelte. Eng mit ihr verbunden ist die Soziobiologie, eine neue Richtung der Verhaltensforschung, die sich mit den genetischen bzw. evolutionären Ursachen sozialer Verhaltensweisen in Tierpopulationen beschäftigt.

Zur Biologie gehört auch die Untersuchung des Menschen auf der Ebene der Moleküle, Zellen und Individuen. Verfolgt man das Ziel, mit biologischer Forschung der Gesundheit des Menschen zu dienen, spricht man von Biomedizin. Populationen des Menschen sind definitionsgemäß kein Forschungsgebiet der Biologie, sondern der Anthropologie und der verschiedenen Richtungen der Sozialwissenschaften. Grenzen und Teilgebiete der Biologie sind heute genauso fließend, wie sie es immer waren, und für die Zukunft ist mit weiteren Verlagerungen zu rechnen.

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2. Hunde, auch Hundeartige oder Caniden, Raubtierfamilie mit mindestens 30 Arten; dazu gehören Wölfe, Kojoten, Schakale, Füchse, Dingos, Rothunde und Haushunde. Hunde haben große Eckzähne, eine lange Schnauze und stumpfe, nicht rückziehbare Krallen; außer dem Afrikanischen Wildhund haben alle Hunde am Vorderfuß fünf, am Hinterfuß vier Zehen. Ihre Größe ist sehr unterschiedlich: Der kleinste Canide, der Wüsten bewohnende Fennek, wiegt nur 1,5 Kilogramm, während der Wolf als größte Art 20 bis 80 Kilogramm erreichen kann. Außer in der Antarktis trifft man auf jedem Kontinent und in nahezu jeder Klimazone Arten aus der Familie der Hunde. Der Eisfuchs beispielsweise lebt auf Eisschollen und oberhalb der Baumgrenze, während der seltene Waldhund in den Savannen Äquatorialafrikas zu finden ist.

Hunde weisen eine bemerkenswerte genetische Flexibilität auf – stammesgeschichtliche Linien oder Unterarten der verschiedenen Arten können sich schnell an andere Umweltbedingungen anpassen. Der australische Dingo hat sich vermutlich sogar in zweifacher Hinsicht angepasst: zum ersten Mal, als er in vorgeschichtlicher Zeit in Asien gezähmt wurde, und zum zweiten Mal, als er vor rund 3 500 Jahren nach Australien gebracht wurde und sich dort wieder zu einem Wildhund entwickelte.Caniden haben einen hoch entwickelten Geruchssinn und ein ausgezeichnetes Gehör. Sie können nachts, aber auch tagsüber jagen. Hunde durchstreifen ihre Territorien in der Regel in ausdauerndem Trab oder leichtem Galopp, der schneller wird, wenn sie Beute verfolgen. Ein Fuchs springt hoch in die Luft, um eine Maus auszumachen, und stößt dann auf sie nieder. Hunde sind im Wesentlichen Fleischfresser, aber viele Arten retten sich auch mit Früchten und Pflanzen über Zeiten, in denen das Nahrungsangebot knapp ist. Überwiegend ernähren sie sich von Mäusen, Wühlmäusen, Hasentieren, besonders von Kaninchen, aber auch von großen Insekten oder Aas. Große Caniden jagen und erlegen auch Huftiere.

Manche Arten jagen hauptsächlich in Rudeln oder Meuten. Meutejäger wie der Afrikanische Wildhund wechseln sich bei der Verfolgung von Huftieren ab und bringen sie schließlich zur Strecke. Wölfe und indische Rothunde jagen ebenfalls in Rudeln. Die Rudel der Rothunde bestehen aus mehreren Familien und können bis zu 30 Mitglieder umfassen. Man weiß, dass sie es mit Tigern und im Himalaya heimischen Bären aufnehmen. Wölfe und Rothunde greifen aber in aller Regel keine Menschen an.Hunde verteidigen Territorien (siehe Revierverhalten), die sie mit Harn- oder Duftmarken markieren. Wolfsterritorien sind zwischen 18 und 13 000 Quadratkilometer groß, die von Füchsen nur fünf bis 50 Quadratkilometer. Bei eher einzelgängerischen Caniden, beispielsweise bei Füchsen, hängt die Größe des Territoriums u. a. vom Geschlecht, Alter und von der Verfügbarkeit von Nahrung ab. Wölfe tolerieren in ihren Revieren keine Kojoten. Für den Fall, dass Wölfe in die Waldgebiete der östlichen Vereinigten Staaten zurückkehren, gehen Fachleute davon aus, dass sie die Kojoten dort vertreiben.

Bellen, Knurren, Kläffen, Winseln und Heulen hängen mit verschiedenen Verhaltensweisen wie Begrüßen, Unterwerfung, Spiel oder Paarung zusammen. Auch das Aufstellen oder Senken von Ohren oder Schwanz und das Sträuben der Nackenhaare dienen der Kommunikation unter Hunden – hier insbesondere dem Drohen oder der Unterwerfung.

3  FORTPFLANZUNG

Der Östrus (die Paarungsbereitschaft) tritt bei wild lebenden Hunden einmal jährlich auf, bei Haushunden zweimal pro Jahr. Hunde bringen nach einer Tragzeit von etwa 50 bis 70 Tagen 2 bis 14 Junge zur Welt, die in der Regel in einem Bau aufgezogen werden. Die Jungen werden blind geboren und öffnen nach 7 bis 14 Tagen die Augen; bei manchen Füchsen werden sie bis zu zehn Wochen gesäugt. Im Alter von ein oder zwei Jahren sind Caniden fortpflanzungsfähig, sie können 10 bis 18 Jahre alt werden.

4  EVOLUTION

Die Hundeartigen entstanden wie andere Raubtiere aus ginsterkatzenähnlichen Fleischfressern des Eozäns (siehe Geologische Zeitrechnung), die auf Bäume kletterten. Früher stellte man die Hunde in die stammesgeschichtliche Nähe der Bären (siehe Großbären; Waschbären); heute geht man davon aus, dass sie den Katzen näher stehen. Im frühen Oligozän, vor rund 37 Millionen Jahren, entstanden etwa 50 hundeähnliche Arten mit kräftigen Laufbeinen und gut entwickelten Zehen mit stumpfen Krallen. Vermutlich waren sie die erfolgreichsten Entwicklungslinien der Raubtiere. Die ersten Wölfe und Füchse tauchten im Oberen Pliozän auf (vor acht Millionen Jahren). Der Afrikanische Wildhund, der Rothund und der südamerikanische Waldhund stammen vermutlich aus getrennten Entwicklungslinien, die sich bereits im Eozän etwa gleichzeitig mit den Hyänen von den Echten Hunden abgespalten haben.

5  ÖKOLOGISCHE BEDEUTUNG

Bis in neuere Zeit wurden die meisten frei lebenden Hundearten gejagt, weil man sie für eine Gefahr von Haustieren und Jagdwild hielt. Doch hat die Vernichtung von Kojoten und Füchsen in manchen Gebieten dazu geführt, dass Nagetierpopulationen massiv zunahmen. Die Nagetiere vernichteten Pflanzen, die Nahrungsgrundlage für Vieh und Wildtiere sind. Manche Fachleute vertreten die Auffassung, dass Wölfe, Kojoten und Füchse zur Aufrechterhaltung der genetischen Stabilität der von ihnen gejagten Tiere unerlässlich sind, da sie in der Regel die schwächeren und schlechter angepassten Individuen der jeweiligen Arten jagen und töten.Der Wolf war früher in ganz Europa, Asien und Nordamerika verbreitet, kommt heute aber nur noch in abgelegenen Gebieten dieser Kontinente vor. In den letzten Jahren sind osteuropäische Wölfe wieder vereinzelt nach Ostdeutschland eingewandert. Der Rotwolf, der früher im Gebiet zwischen Texas, Pennsylvania und Florida verbreitet war, ist heute im Bestand bedroht. Der Kojote hingegen dehnte sein Verbreitungsgebiet auch auf den Osten der Vereinigten Staaten aus und kommt heute in allen Bundesstaaten außer Hawaii vor. Die drei Schakalarten kommen hauptsächlich in Afrika vor. Bis vor kurzem hielt man den Schakal für einen Vorfahren des Haushundes. Da Schakale jedoch weniger gesellig sind als Haushunde, einen schmaleren, fuchsartigen Kopf haben und nicht wie Haushunde heulen, wird diese Möglichkeit heute in Zweifel gezogen. Heute hält man den Wolf für den einzigen Vorfahren des Haushundes.

7  FÜCHSE

Der Rotfuchs ist der bekannteste Fuchs. Rotfüchse können sehr nahe an menschlichen Siedlungen leben; ihre Scheu und ihr scharfer Gesichtssinn, ihr ausgeprägter Geruchssinn und ihr gutes Gehör haben ihnen den Ruf eingetragen, „schlau wie ein Fuchs” zu sein. Sie sind sehr ausdauernd und laufen graziös, wobei sie bis zu 50 Kilometer schnell sein können. Füchse verströmen aus den Analdrüsen in der Nähe ihres Schwanzes einen strengen „Fuchsgeruch”. In hellem Licht erscheinen ihre Pupillen elliptisch, während die Pupillen von Wölfen rund sind. Der Marderhund kommt ursprünglich in Ostsibirien, in Japan und Teilen Chinas vor. Aus russischen Pelztierfarmen entwichene Tiere haben sich auch in Mitteleuropa angesiedelt. Der Marderhund gehört zu den kleinsten Hunden; er hat langes Haar und einen buschigen Schwanz. In nördlichen Klimazonen hält er im größten Teil des Winters eine Winterruhe.

Der in Brasilien und dem Norden von Argentinien vorkommende, in seinem Bestand gefährdete Mähnenwolf sieht aus wie ein hochbeiniger Rotfuchs mit einer aufstellbaren Mähne an Nacken und Schultern. Zwar ist er mit einer Kopfrumpflänge von 1,1 Metern nahezu so groß wie ein Wolf, doch hat er einen viel leichteren Körperbau und ist kein echter Wolf. Mähnenwölfe besiedeln offene Landschaften wie Savannen; sie sind nachtaktiv und in der Regel Einzelgänger. Sie sind keine Lauftiere, sondern pirschen sich an und packen ihre Beute im Sprung. Ihre Nahrung besteht aus Kleinsäugern, Vögeln, Eidechsen, Fröschen, Mollusken und Früchten. Das Weibchen bringt nach einer Tragzeit von 65 Tagen zwei bis fünf Junge zur Welt.Ganz anders sieht der ebenfalls bedrohte südamerikanische Waldhund aus, ein gedrungener (Kopfrumpflänge 60 bis 75 Zentimeter), kurzbeiniger, kurzohriger Canide mit kurzem, maximal 15 Zentimeter langem Schwanz, der in Waldgebieten und Savannen lebt. Waldhunde jagen nachts in Rudeln von bis zu zehn Tieren. Man hat beobachtet, wie sie Pakas (große südamerikanische Nagetiere) ins Wasser getrieben haben. Neben Wirbeltieren fressen Waldhunde auch Früchte. Ein in Gefangenschaft beobachteter Waldhund verhielt sich in vielem wie ein Haushund – er konnte jedoch tauchen und sogar unter Wasser schwimmen. Die Tragzeit ist etwa so lang wie beim Mähnenwolf, ein Wurf besteht aus vier bis sechs Jungen.

Der heute ausgestorbene Falklandfuchs war Berichten zufolge ein wenig scheues, neugieriges Tier, das sich den Entdeckern dieser Inseln vor der südlichen Küste Argentiniens anschloss. Als die Inseln besiedelt wurden, tötete man die Füchse wegen ihres Felles und weil man die Schafherden vor ihnen schützen wollte; 1876 waren sie ausgerottet.

Systematische Einordnung: Hunde bilden die Familie Canidae der Ordnung Carnivora. Der Afrikanische Wildhund wird wissenschaftlich als Lycaon pictus bezeichnet, der Fennek als Fennecus zerda, der Wolf als Canis lupus, der Eisfuchs als Alopex lagopus. Der Waldhund wird Speothos venaticus genannt, der Rothund Cuon alpinus, der Rotwolf Canis lupus rufus und der Kojote Canis latrans. Schakale gehören zur Gattung Canis. Der Haushund trägt den wissenschaftlichen Namen Canis lupus familiaris, der Rotfuchs den Namen Vulpes vulpes. Der Marderhund wird systematisch als Nyctereutes procyonoides bezeichnet, der Mähnenwolf als Chrysocyon brachyurus und der Falklandfuchs als Dusicyon australis.

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3.Katzen, Familie der Raubtiere.

Alle Mitglieder der Katzenfamilie besitzen sehr ähnliche, geschmeidige und gewandte Körper und haben ein weiches Fell. Gesichtssinn und Gehör sind ausgezeichnet, zum Greifen und Reißen von Beute dienen gut angepasste Krallen und Zähne. Katzen sind von Natur aus auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis, Australiens und Ozeaniens verbreitet; nördlich des 70.  Breitengrades kommen keine Katzen vor. Tiger, Löwe, Jaguar und Leopard zählen zu den so genannten Großkatzen. In Europa sind Wildkatze und Nordluchs verbreitet. In Amerika kommen folgende Katzen vor: Luchse, Kleinfleckkatze, Jaguar, Jaguarundi, Nachtkatze, Tigerkatze, Margay, Bergkatze, Ozelot, Pampaskatze (Lynchailurus pajeros) und Puma (der auch als Silberlöwe bezeichnet wird).

Tiere aus der Familie der Katzen besitzen typisch kurze Gesichter und kleine, breite Schädel. Die Ohren sind rund bis spitz, stehen aufrecht und können in verschiedene Richtungen gedreht werden, um ein Geräusch aufzufangen oder um eine Absicht zu signalisieren. Die kräftigen Ober- und Unterkiefer müssen die Nahrung kaum zermahlen – sie wird zerschnitten und zerstückelt. Die Zahnformel der Katzen lautet für jede Kieferhälfte: drei Schneidezähne, ein Eckzahn, zwei oder drei Vorbackenzähne und ein Backenzahn. Die Backenzähne haben die Funktion einer Schneideschere. Die Zunge ist von spitzen, nach hinten zeigenden Vorsprüngen, den Papillen, bedeckt, mit denen die Katze sauber das Fleisch von den Knochen der erbeuteten Tiere leckt.

Die Pfoten sind weich gepolstert. Die vorderen Füße weisen fünf Zehen auf, die Hinterfüße nur vier. Alle Katzen sind Zehengänger: Sie laufen auf ihren Zehen, wobei der hintere Teil des Fußes vom Boden abgehoben ist. Die Krallen sind lang und scharf und können, außer beim Geparden, dem schnellsten der heute lebenden Säugetiere, voll eingezogen werden: Katzen vermögen also ihre Krallen soweit in die Pfote zurückzuziehen, dass sie diese ohne zu kratzen oder zu reißen einsetzen können. Katzen sind für typische Verhaltensweisen bekannt, wie das „Waschen” des Gesichts mit den Vorderpfoten und das Schärfen der Krallen.

Katzen ernähren sich ausschließlich tierisch, das Nahrungsspektrum reicht von Insekten bis zu großen Säugern; manche Arten können auch dem Menschen gefährlich werden. Die meisten Katzen jagen im Halbdunkel, doch auch im Dunkeln und bei Tageslicht sieht man sie auf der Jagd. Sie pirschen sich an ihre Beute heran oder lauern ihrem Opfer liegend auf und springen es an. Sie jagen allein oder im Familienverband, wobei sie sich vor allem auf ihre Augen und ihr Gehör verlassen. Der Geruchssinn ist ebenfalls sehr empfindlich, wird aber gewöhnlich nur bei der Prüfung des erbeuteten Tieres eingesetzt. Die Pupillen der Augen, die sich tagsüber zu einem senkrechten Schlitz zusammenziehen, vergrößern sich stark in der Dunkelheit und nehmen eine runde Form an. Die Hornhaut der Augenlinse einer Katze weist Zonen mit unterschiedlichen Brennweiten auf. Wenn sich die Pupille bei großer Helligkeit zu einer runden Öffnung verkleinerte (wie beim Menschen), wäre das Farbensehen unscharf. Die schlitzförmige Öffnung garantiert, dass Licht auch auf die Randzonen der Augenlinse einer Katze fällt und ermöglicht so ein scharfes Abbild der Umwelt.

Katzenarten, die in kälteren Regionen leben, tragen ein langes, dichtes Fell. Das männliche Tier ist in den meisten Fällen größer und schwerer als das weibliche Tier, besitzt ansonsten aber im Wesentlichen die gleiche Färbung und Statur. Der Großteil der Katzen lebt monogam: Die Tiere paaren sich immer mit demselben Partner. Ein Wurf besteht für gewöhnlich aus ein bis acht Jungen, die mit etwa 40 bis 115 Tagen entwöhnt werden. Katzen werden mit ein bis sechs Jahren geschlechtsreif. Sie können eine Lebensdauer von 10 bis 18 Jahren, im Extremfall bis 30 Jahren erreichen. Alle Katzenarten sind – insbesondere durch die Zerstörung ihrer Lebensräume – in ihrem Bestand gefährdet.

Siehe auch Hauskatze

Systematische Einordnung: Katzen bilden die Familie Felidae in der Ordnung Carnivora. Tiger, Löwe, Jaguar, Schneeleopard und Leopard gehören zur Gattung Panthera. Die wissenschaftliche Bezeichnung des Nebelparders lautet Neofelis nebulosa, die des Geparden Acinonyx jubatus. Der Rotluchs ist als Felis rufus, die Kleinfleckkatze als Felis geoffroyi, der Jaguar als Panthera onca, der Jaguarundi als Felis yagouaroundi und die Nachtkatze als Felis guigna klassifiziert. Die wissenschaftliche Bezeichnung der Tigerkatze lautet Felis tigrina, die des Luchses Felis lynx, die des Margays oder Baumozelots Felis wiedii und die der Bergkatze Felis jacobita. Der Ozelot heißt Felis pardalis, die Pampaskatze Lynchailurus pajeros und der Puma Felis concolor.

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4.Vögel, Wirbeltierklasse, deren Arten Federn besitzen und sich in der Regel durch Flugfähigkeit auszeichnen. Vögel haben einige Merkmale mit Säugetieren gemein, u. a. sind sie gleichwarm und haben ein Herz mit vier Kammern. Stammesgeschichtlich stehen sie jedoch den Reptilien nahe (oder gelten gar als Gruppe innerhalb der Reptilien: siehe den Abschnitt Systematik), und wie bei Reptilien und primitiven Säugern entwickeln sich ihre Embryonen in Eiern außerhalb des mütterlichen Körpers. Im Gegensatz zu den meisten Reptilieneiern haben die Eier der Vögel harte Schalen, die bei großen Arten sehr widerstandsfähig sein können, bei kleinen jedoch zerbrechlich sind. Die Jungen einiger Arten, wie die von Pelikanen, Eisvögeln, Spechten oder Hähern, schlüpfen ohne Gefieder. Es gibt insgesamt etwa 9 000 Vogelarten Die meisten Vögel können fliegen, und alle stammen letztlich von Vorfahren ab, die fliegen konnten, obwohl es auch unter den ausgestorbenen Arten einige gab, die flugunfähig waren. Der Körperbau der Vögel wird deshalb in erster Linie durch die Flugfunktion bestimmt. Die Finger- und Handknochen der Vordergliedmaßen sind großenteils miteinander verschmolzen, um den großen Schwingenfedern des Flügels festen Halt zu geben. Eine Verschmelzung von Knochen findet man auch im Schädel und im Beckengürtel: Dies bewirkt größere Stabilität und spart Gewicht.

Viele Knochen ausgewachsener Vögel sind nicht mit Mark gefüllt, sondern hohl und an ein System von Luftsäcken angeschlossen, das sich durch den ganzen Körper zieht. Das Sternum oder Brustbein ist bei den meisten Vögeln relativ groß und trägt in der Mitte einen Kamm, die Carina. Am Brustbeinkamm setzt die kräftige Flugmuskulatur an. Bei den Laufvögeln, zu denen der Strauß, die Kiwis und ähnliche Vogelarten gehören, welche die Flugfähigkeit verloren haben, ist der Brustbeinkamm zurückgebildet, und das Brustbein hat an Größe verloren.

Die Kiefer der heutigen Vögel sind zu zahnlosen Schnäbeln erweitert und mit einem Gewebe ausgestattet, das bei den meisten Vogelarten hart ist, bei einigen auch ledrig, wie bei den Schnepfenvögeln und Enten. Das Fehlen von Zähnen sorgt für ein geringeres Schädelgewicht.

Vögel haben keine Schweißdrüsen und können ihren Körper daher nicht durch Schwitzen kühlen. Überschüssige Wärme wird im Flug durch die Zirkulation der Luft in den Luftsäcken abgeleitet. In der Ruheposition führen sie durch Hecheln Wärme ab.

Eine von Säugetieren gut bekannte, bei Vögeln jedoch seltene Anpassung ist die Verlangsamung der physiologischen Prozesse und die Verringerung der Körpertemperatur, die bei Säugern in den Winterschlaf übergehen kann. Neuere Forschungen zeigen, dass einige Arten von Ziegenmelkern, Seglern und Kolibris bei kalter Witterung in einen winterschlafartigen Starrezustand, Torpor genannt, übergehen können, in dem der Energieaufwand stark verringert ist.Wie 2000 im Wissenschaftsmagazin Science berichtet wurde, entspricht der mikroskopische Knochenfeinbau der Theropoden (siehe Dinosaurier) dem heutiger Vögel. Auch fossile Funde, die als Vögel klassifiziert wurden, zeigen die Verwandtschaft von Vögeln und Reptilien. Der älteste bekannte fossile Vogel ist der Urvogel Archaeopteryx lithographica (siehe Archaeopteryx), der etwa die Größe einer kleinen Taube hatte. Von ihm wurden neben einer einzelnen Feder sieben vollständig oder teilweise erhaltene Abdrücke gefunden, die alle aus dem Oberjura (vor 157 Millionen bis 145 Millionen Jahren) stammen. Der erste dieser Funde stammt aus Plattenkalken bei Solnhofen (Deutschland) und weist anatomische Merkmale auf, die zum Teil typisch für Reptilien sind, zum Teil für Vögel. Wenn die Fossilien nicht eindeutige Abdrücke von Federn enthalten hätten, wären die Funde möglicherweise als kleine, etwas ungewöhnliche Reptilien klassifiziert worden.

 Federn haben sich aus den Schuppen der Reptilien entwickelt 

Archaeopteryx hatte Zähne, die allen heutigen Vögeln fehlen. Seine Schwanzknochen waren nicht wie bei den heutigen Vögeln verschmolzen, sondern bildeten einen langen eidechsenartigen Schwanz, der von Federn gesäumt war. Federn haben sich zweifellos aus den Schuppen der Reptilien entwickelt, da es jedoch keine fossilen Belege dafür gibt, ist man hinsichtlich der Art und Weise, wie dieser Übergang vor sich ging, auf Vermutungen angewiesen. Einige Skelettmerkmale des Urvogels sind jedoch typisch für heutige Vögel und bei Reptilien unbekannt.

Fossile Knochen, die Mitte der achtziger Jahre in Texas (USA) gefunden wurden, schrieb man zunächst einer Vogelart zu, die älter als Archaeopteryx sein sollte. Einige Fachleute bezweifeln jedoch, dass das gefundene Tier (wissenschaftlich Protoavis genannt) ein Vogel war, da keine Federabdrücke gefunden wurden. Nach einem 2000 in Science erschienenen Bericht, soll ein 220 Millionen Jahre altes, aus Asien stammendes Reptil (Longisquama insignis) bereits Federn besessen haben; andere Fachleute deuten die fossilen Strukturen jedoch als Schuppen. 

Zwischen den ältesten bekannten fossilen Vögeln und den heutigen Vögeln sind mehrere Übergangsformen überliefert. Im Jahr 1988 erschienen Berichte über fossile Funde aus Spanien, bei denen Schwanz und Schulterknochen wie bei Vögeln ausgebildet waren, die jedoch ein urtümliches Becken und urtümliche Hintergliedmaßen hatten. Die Fossilien stammen aus der Unteren Kreidezeit vor 130 bis 120 Millionen Jahren. Ebenfalls etwa aus dieser Zeit stammen nordchinesische Fossilien dreier gefiederter Individuen der Gattungen Protarchaeopteryx und Caudipteryx, über die 1998 in der Zeitschrift Nature berichtet wurde. In derselben Zeitschrift informierten chinesische Forscher 2000 über den Fund des krähengroßen, 124 Millionen Jahre alten Microraptor zhaoianus, der ebenfalls als Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln gilt. Wie 2000 im Wissenschaftsmagazin Science berichtet wurde, entspricht der mikroskopische Knochenfeinbau der Theropoden (siehe Dinosaurier) dem heutiger Vögel. Auch fossile Funde, die als Vögel klassifiziert wurden, zeigen die Verwandtschaft von Vögeln und Reptilien. Der älteste bekannte fossile Vogel ist der Urvogel Archaeopteryx lithographica (siehe Archaeopteryx), der etwa die Größe einer kleinen Taube hatte. Von ihm wurden neben einer einzelnen Feder sieben vollständig oder teilweise erhaltene Abdrücke gefunden, die alle aus dem Oberjura (vor 157 Millionen bis 145 Millionen Jahren) stammen. Der erste dieser Funde stammt aus Plattenkalken bei Solnhofen (Deutschland) und weist anatomische Merkmale auf, die zum Teil typisch für Reptilien sind, zum Teil für Vögel. Wenn die Fossilien nicht eindeutige Abdrücke von Federn enthalten hätten, wären die Funde möglicherweise als kleine, etwas ungewöhnliche Reptilien klassifiziert worden.

 Federn haben sich aus den Schuppen der Reptilien entwickelt

Archaeopteryx hatte Zähne, die allen heutigen Vögeln fehlen. Seine Schwanzknochen waren nicht wie bei den heutigen Vögeln verschmolzen, sondern bildeten einen langen eidechsenartigen Schwanz, der von Federn gesäumt war. Federn haben sich zweifellos aus den Schuppen der Reptilien entwickelt, da es jedoch keine fossilen Belege dafür gibt, ist man hinsichtlich der Art und Weise, wie dieser Übergang vor sich ging, auf Vermutungen angewiesen. Einige Skelettmerkmale des Urvogels sind jedoch typisch für heutige Vögel und bei Reptilien unbekannt.

Fossile Knochen, die Mitte der achtziger Jahre in Texas (USA) gefunden wurden, schrieb man zunächst einer Vogelart zu, die älter als Archaeopteryx sein sollte. Einige Fachleute bezweifeln jedoch, dass das gefundene Tier (wissenschaftlich Protoavis genannt) ein Vogel war, da keine Federabdrücke gefunden wurden. Nach einem 2000 in Science erschienenen Bericht, soll ein 220 Millionen Jahre altes, aus Asien stammendes Reptil (Longisquama insignis) bereits Federn besessen haben; andere Fachleute deuten die fossilen Strukturen jedoch als Schuppen.

Zwischen den ältesten bekannten fossilen Vögeln und den heutigen Vögeln sind mehrere Übergangsformen überliefert. Im Jahr 1988 erschienen Berichte über fossile Funde aus Spanien, bei denen Schwanz und Schulterknochen wie bei Vögeln ausgebildet waren, die jedoch ein urtümliches Becken und urtümliche Hintergliedmaßen hatten. Die Fossilien stammen aus der Unteren Kreidezeit vor 130 bis 120 Millionen Jahren. Ebenfalls etwa aus dieser Zeit stammen nordchinesische Fossilien dreier gefiederter Individuen der Gattungen Protarchaeopteryx und Caudipteryx, über die 1998 in der Zeitschrift Nature berichtet wurde. In derselben Zeitschrift informierten chinesische Forscher 2000 über den Fund des krähengroßen, 124 Millionen Jahre alten Microraptor zhaoianus, der ebenfalls als Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln gilt.

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So, jetzt was für Weiber... Das schreib ich nicht gerne.

Aber was seinen muss, muss sein..!!!???

5.Im Jahr 1997 wurde über den fossilen Fund einer 90 Millionen Jahre alten, aus Patagonien stammenden Spezies berichtet. Dieser so genannte Halbvogel mit dem wissenschaftlichen Namen Unenlagia comahuensis (der Indiosprache entlehnt bedeutet dies: Halbvogel aus Patagonien) könnte ein Nachfahre der Dromaeosaurier sein. Dromaeosaurier, zweibeinig laufende Fleischfresser, gelten als diejenigen Reptilien, die sich zu Vögeln weiterentwickelten. Um fliegen zu können, war Unenlagia zu schwer und seine Vorderextremitäten waren zu kurz. Die Form seines Schlüsselbeins legt jedoch die Vermutung nahe, dass er – ähnlich wie heutige Vögel – zu flatternden Bewegungen in der Lage war. Mit derartigen Bewegungen könnten die zweibeinigen Saurier ihren schnellen Lauf stabilisiert haben. Unenlagia hatte die Größe eines Straußenvogels, jedoch die Gestalt eines zweibeinigen Raubsauriers. Da es zu Zeiten von Unenlagia bereits Vögel gab, kommt er als Vorfahr der Vögel nicht in Frage, sondern gilt als ausgestorbener Seitenzweig der Reptilien.

Weitere gut erhaltene Fossilien sind etwa 88 Millionen Jahre alt. Es handelte sich bereits um Vögel, deren Skelett sich kaum von heutigen Vögeln unterscheidet, außer dadurch, dass zumindest einige von ihnen noch Zähne und längere Schwänze besaßen. Die meisten der gefundenen Arten waren Wasservögel – hauptsächlich deshalb, weil die Bedingungen für die Entstehung von Fossilien in Sand- und Schlammablagerungen flacher Gewässer am besten sind. Ein riesiger, den Seetauchern ähnlicher Tauchvogel (Hesperornis genannt) und eine weitere Art (Ichthyornis), deren Lebensweise den heutigen Seeschwalben glich, waren ebenfalls unter den Funden.

Einige fossile Vögel aus der Oberen Kreidezeit vor rund 65 Millionen Jahren ähnelten verschiedenen der heute lebenden Wasservögel. Besonders im darauf folgenden Tertiär vollzog sich die schnellste Entwicklung der Vögel, und eine große Formenzahl entstand. Gegen Ende dieser Periode (vor etwa 1,6 Millionen Jahren) hatten sich alle heutigen Vogelgruppen herausgebildet; einige Abstammungslinien waren ausgestorben.

Das Quartär, das vor 1,6 Millionen Jahren begann, wird in zwei Epochen unterteilt, das Pleistozän und das Holozän. Zu letzterer gehört auch die Gegenwart, ihren Beginn setzt man in der Regel vor 10 000 Jahren an. Die meisten heutigen Vogelarten, zumindest jedoch die Arten, die ihnen nahe verwandt waren, entwickelten sich während des Pleistozäns. Einige Arten aus diesem Zeitraum sind ausgestorben. Dies ist vermutlich den starken Klimaveränderungen zuzuschreiben, die durch das Vordringen und den Rückzug großer Gletschermassen verursacht wurden – das Pleistozän nennt man deshalb umgangssprachlich auch Eiszeitalter.

4  SYSTEMATIK

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Unter den heute lebenden Wirbeltieren sind Krokodile die den Vögeln stammesgeschichtlich nächstverwandte Gruppe. Im Sinn der von Willi Hennig begründeten phylogenetischen Systematik ist es aufgrund dieser Verwandtschaftsverhältnisse nicht zulässig, die Vögel den Reptilien als gleichrangiges Taxon (Artengruppe) gegenüberzustellen: Danach sollte man die Vögel entweder als Taxon innerhalb der Reptilien sehen oder das Taxon Reptilien auflösen.

Schuhschnabel Man stellt den Schuhschnabel in dieselbe Ordnung, der auch Störche angehören, doch lassen einige anatomische und biochemische Hinweise auf eine mögliche Verwandtschaft mit den Pelikanen schließen. Der Schuhschnabel lebt in Sumpfgebieten im tropischen Afrika. Er fängt mit seinem holzschuhförmigen Schnabel u. a. Fische, Amphibien und Schnecken.G.C. Kelley/Photo Researchers, Inc. 
 
Auch die Einordnung mancher Vogelgruppen in die wissenschaftliche Systematik ist unter den Experten nicht unumstritten. In der Regel lässt sich relativ leicht entscheiden, welche Arten nahe miteinander verwandt sind, auf den höheren Ebenen der Systematik werden die Verhältnisse jedoch zunehmend komplizierter. Die Beziehungen der Ordnungen lebender Vögel untereinander und zu Ordnungen fossiler Vögel sind Gegenstand ständiger Diskussion, insbesondere in der Folge neuer Fossilienfunde oder neu entwickelter Techniken der Untersuchung rezenter (heutiger) Vögel.

Frühe Klassifikationsschemata basieren ausschließlich auf anatomischen Merkmalen, die nur relativ grobe Anhaltspunkte liefern können. Mit Hilfe neuerer Erkenntnisse aus Biochemie, Genetik und Verhaltensforschung werden diese Zuordnungen ständig überprüft. Anatomische Merkmale werden heute daraufhin untersucht, ob sie ursprünglich (stammesgeschichtlich alt) oder abgeleitet (im Laufe der Evolution neu entstanden) sind. Die diesem Artikel beigefügte taxonomische Übersicht ist nur eine von mehreren bisher vorgeschlagenen Klassifikationsschemata.

5  VERBREITUNG UND LEBENSRÄUME

Bienenfresser Der u. a. in Südeuropa verbreitete Bienenfresser (Merops apiaster) lebt bevorzugt in offenem Gelände, er ernährt sich von Bienen und Wespen. Gelegentlich ist er auch in Mitteleuropa anzutreffen, wo er in Sandgruben Brutröhren anlegt. Der kräftige, glockenartige Ruf des Bienenfressers verrät seine Anwesenheit.Library of Natural Sounds, Cornell Laboratory of Ornithology, Myles E. W. North. Alle Rechte vorbehalten./Roger Wilmshurst/Photo Researchers, Inc.
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Vögel findet man auf allen Kontinenten und fast jeder Insel der Erde, da sie sich an nahezu jeden Lebensraum angepasst haben. Manche Arten besiedeln scheinbar unbelebte Wüsten oder die Antarktis, Urwälder, hohe Berge oberhalb der Baumgrenze, Sümpfe, Felsküsten, Wälder, Felder oder Städte. Die größte Artenvielfalt gibt es in den Tropen. In Deutschland sind über 250 Vogelarten als Brutvögel nachgewiesen. Die Deutsche Ornithologengesellschaft wies 1997 darauf hin, dass mehr als ein Drittel davon gefährdet seien. Vögel gelten als Bioindikatoren: Wenn bestimmte Vogelarten aus einem Lebensraum verschwinden, bedeutet dies oft, dass dieser Lebensraum beeinträchtigt ist.

Austernfischer Der Austernfischer ist an Küsten und im Marschland anzutreffen, in neuerer Zeit auch im Binnenland. Im Gegensatz zu seinem Namen ernährt er sich zwar von Muscheln, aber kaum von Austern.St. Meyers/OKAPIA/Photo Researchers, Inc./Library of Natural Sounds, Cornell Laboratory of Ornithology, William W. H. Gunn. Alle Rechte vorbehalten.
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Zwar sind die meisten Vögel aufgrund ihrer Flugfähigkeit äußerst mobil, dennoch hat jede Art ihr geographisches Verbreitungsgebiet, das mehrere Kontinente oder auch nur eine einzige Insel umfassen kann (siehe Verbreitung von Tieren). Zu den am weitesten verbreiteten Arten gehören Wanderfalke und Schleiereule, die beide auf jedem Kontinent außer in der Antarktis vorkommen. Im Gegensatz dazu ist der Blaufuß-Waldsänger nur in den Bergen der kleinen Antilleninsel Santa Lucia nachgewiesen, wo er wohl kurz vor dem Aussterben steht.

Schleiereule Die europäische Schleiereule ist aufgrund ihres herzförmigen Gesichtsschleiers und der hellen Färbung nicht mit anderen einheimischen Eulen zu verwechseln. Als Kulturfolger besiedelt sie Gebäude.Joe McDonald/Corbis 
 
Auch ganze Familien können ein begrenztes Verbreitungsgebiet haben. So gibt es in Südamerika, Afrika und Australien jeweils mehrere Vogelfamilien, die nur dort vorkommen. Fünf Vogelfamilien sind nur auf der großen Insel Madagaskar im Indischen Ozean heimisch, vier lediglich in Neuseeland, wenn man die erst im Mittelalter ausgestorbenen Moas mitzählt. Die Familie mit dem kleinsten Verbreitungsgebiet umfasst nur eine einzige Art, den Kagu – einen grauen, Hauben tragenden Vogel, den man nur auf der Pazifikinsel Neukaledonien findet. Lediglich eine einzige Familie, die der Blattvögel, ist in ihrem Vorkommen auf Asien (einschließlich der südlich und östlich benachbarten Inseln) beschränkt. Es gibt keine Vogelfamilie, die nur in Europa oder Nordamerika verbreitet ist – es sei denn, man definiert die Truthühner (zwei Arten, die man in gemäßigten und tropischen Zonen Nordamerikas antrifft) als eigenständige Familie und sieht sie nicht als Unterfamilie der Fasanenartigen.

Röhricht Das Gemeine Schilfrohr kann in der Verlandungszone von Gewässern ausgedehnte Röhrichtbestände bilden, die für viele Vogelarten, etwa Rohrsänger oder Rohrdommeln, als Brutbiotope von großer Bedeutung sind. Zudem ist das Röhricht Lebensraum von Libellen und zahlreichen anderen Insektenarten.Gunter Marx/Corbis 
 
Mehrere Vogelfamilien kommen in einem Gürtel mit ähnlichen Umweltbedingungen vor, der sich um die ganze Erde zieht. Seetaucher und Alken nisten in subarktischen und gemäßigten Klimazonen Nordamerikas, Europas und Asiens. Mehrere Vogelfamilien – insbesondere die Schlangenhalsvögel, Papageien und Trogons – bewohnen tropische und subtropische Gebiete in Nord- und Südamerika, Afrika und Asien, wobei Schlangenhalsvögel und Papageien bis Australien vorgedrungen sind.

Rohrweihe Die Rohrweihe ist enger als andere Arten an Röhricht gebunden, wo sie ihr Nest baut. Sie jagt im Schilf, an Gewässern und über Wiesen. Hinsichtlich ihrer Nahrung ist die Rohrweihe relativ anpassungsfähig. Dieses Tier frisst von einer toten Barbe.Nigel J. Dennis; ABPL/Corbis 
 
Verbreitungsgebiete sind nicht etwa starr festgelegt, sondern unterliegen im Lauf der Zeit Veränderungen. So werden die Areale vieler Arten aufgrund der Zerstörung von Naturlandschaften zunehmend kleiner. Manchmal jedoch erweitern Vogelarten ihr Verbreitungsgebiet. So sind der aus dem Mittelmeergebiet stammende Orpheusspötter sowie der nordosteuropäische Karmingimpel zwei Vogelarten, die erst in neuerer Zeit in Deutschland als Brutvögel heimisch wurden. Bereits seit den fünfziger Jahren breitet sich die ursprünglich asiatische Türkentaube in Mitteleuropa Richtung Westen aus. In neuerer Zeit stattfindende Arealerweiterungen dürften auch im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung stehen: Beispielsweise sind manche afrikanischen Vogelarten wie Kaffernsegler oder Wüstengimpel heute auch in Südeuropa anzutreffen.

6  ANPASSUNGEN

Anatomie eines Vogels Vögel sind an das Leben im Luftraum angepasst. Viele Knochen sind aus Gründen der Gewichtsersparnis luftgefüllt. Das ausgeprägte Brustbein ist Ansatzpunkt der Flügelmuskulatur.© Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. 
 
Obwohl alle Vögel in ihrem Körperbau einen gemeinsamen Grundbauplan aufweisen, unterscheiden sie sich in Größe und Proportionen stark voneinander, weil sie an unterschiedliche Lebensweisen angepasst sind und sich in Nahrungssuche oder Beutefang unterscheiden oder verschiedene Techniken entwickelten, ihren Feinden zu entkommen oder ihre Eier und Nachkommen zu schützen.

Die größten lebenden Vögel sind Laufvögel, die ihre Flugfähigkeit verloren und stattdessen kräftige Laufbeine entwickelt haben. Mit etwa drei Metern Höhe und 150 Kilogramm Gewicht ist der Strauß der größte lebende Vogel. Die kleinsten Vögel dagegen sind die Kolibris der Neuen Welt, von denen der winzigste mit nur sechs Zentimeter Länge von der Schnabel- bis zur Schwanzspitze die kubanische Bienenelfe ist. Ihre frisch geschlüpften Jungen sind nicht größer als Honigbienen. Kolibris sind wahre Akrobaten der Luft und die einzigen Vögel, die auch rückwärts fliegen können, um sich von den Blüten zurückzuziehen, nachdem sie deren Nektar aufgenommen haben. Ihre Beine und Füße sind zum Laufen oder Hüpfen zu schwach, so dass sie von einem Zweig zum anderen fliegen müssen.

 Vogelfüße Die Anatomie eines Vogelfußes gibt Hinweise auf den Lebensraum des Tieres. Vogelfüße können daran angepasst sein, sich auf Ästen festzuhalten, zu klettern, Beute zu fangen, auf morastigem Untergrund zu laufen oder zu rudern.
Fuß eines Teichhuhnes Die Füße von Teichhühnern und anderen Rallen haben vergrößerte Zehen, so dass die Vögel in den weichen Sedimenten der Gewässer ihrer Lebensräume nicht einsinken.Dorling Kindersley
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Fuß einer Drossel Die Füße einer Drossel sind gut dazu geeignet, sich auf Zweigen festzuhalten: Drei Zehen weisen nach vorn, einer rückwärts. Die Hinterzehe sichert den Griff um den Zweig.Dorling Kindersley
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Fuß eines Blesshuhnes Die Zehen eines Blesshuhnes haben breite Lappen, mit denen die Tiere schwimmen können und sich auf weichen Sedimenten fortzubewegen vermögen, ohne einzusinken.Dorling Kindersley
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Fuß einer Eule Die kräftigen Füße einer Eule haben scharfe Krallen und befiederte Zehen. Mit den Krallen wird die Beute ergriffen, die Befiederung erlaubt es dem Vogel, Beute im lautlosen Flug anzusteuern.Dorling Kindersley
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Fuß eines Grünspechtes Die ungewöhnliche Anordnung seiner Zehen – zwei weisen nach vorn und zwei nach hinten – erlaubt es dem Grünspecht, sich festzukrallen, während er bei der Insektensuche Borke aufmeißelt.Dorling Kindersley
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Fuß einer Gans Der Fuß einer Gans ist, ebenso wie bei anderen Wasservögeln, mit Schwimmhäuten ausgestattet.Dorling Kindersley
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Es gibt zahlreiche Vogelarten, die ihre Beute unter Wasser schwimmend jagen, doch keine andere ist an diese Jagdweise ähnlich hervorragend angepasst wie die Pinguine. Die Anatomie des Pinguinflügels ist so abgewandelt, dass er zu einer steifen, ruderblattartigen Flosse wie bei einem Tümmler geworden ist. Pinguine wirken an Land unbeholfen, unter Wasser jedoch bewegen sie sich mit Hilfe ihrer Flügel so geschickt fort wie andere Vögel im Flug. Die meisten Tauchvögel – wie Seetaucher, Lappentaucher, Kormorane und manche Enten – bewegen sich mit Hilfe ihrer kräftigen Füße voran, manche benutzen dazu als Unterstützung ihre Flügel. Fast alle Wasservögel, seien sie nun Tauchvögel oder Schwimmvögel, haben zwischen den Zehen Schwimmhäute, die wirkungsvolle Paddel bilden. Bei einigen wenigen, beispielsweise den Lappentauchern und den Blesshühnern, sind die Zehen nicht durch Schwimmhäute verbunden, sondern jede einzelne Zehe trägt einen Flossensaum oder Schwimmlappen.

Zu einer anderen Gruppe von Wasservögeln, den Sturmvögeln oder Röhrennasen (nach der Form ihrer Nasenlöcher), gehören Meeresvögel wie Albatrosse, Sturmschwalben und Sturmtaucher. Sie brüten zwar an Land, in der Regel auf Inseln, verbringen jedoch den größten Teil des Jahres auf dem Meer, wo sie sich von Fischen und wirbellosen Tieren ernähren. In keiner anderen Vogelordnung kommen derartige Größenunterschiede vor: von den sperlingsgroßen Sturmschwalben bis zum Riesen unter den Meeresvögeln, dem Wanderalbatros, mit einer Spannweite von bis zu 3,5 Metern.

Buntspecht bei der Nahrungssuche Um Insekten aus Rindenspalten und Bohrlöchern hervorholen zu können, besitzen Spechte verschiedene Anpassungen im Körperbau. Dazu gehören eine lange klebrige Zunge, Kletterfüße und ein Stützschwanz. © Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. 
 
Ähnlichkeiten in Aussehen und Ernährung haben zwei untereinander jedoch nicht näher verwandte Ordnungen: die in der Regel nachtaktiven Eulen und Greifvögel, zu denen Habichte, Adler, Falken und die Aas fressenden Geier der Alten Welt gehören. Alle sind Fleischfresser (außer einer afrikanischen Geierart, die sich von Palmnüssen ernährt), wobei das „Fleisch” für die kleineren Arten oft aus Insekten besteht und sich einige Arten ausschließlich von Fischen ernähren. Greifvögel und Eulen haben kräftige, scharfe, gebogene Schnäbel, und bis auf die Geier besitzen alle Fänge, Greiffüße mit gebogenen scharfen Klauen. Vögel beider Ordnungen würgen (ebenso wie einige weitere Arten) unverdauliche Nahrungsreste, etwa Knochen und Federn, als Gewölle hervor.

Die Arten mehrerer Vogelfamilien erbeuten in erster Linie fliegende Insekten und haben deshalb lange Flügel und weite Mundspalten (wenn auch oft mit kleinen Schnäbeln). Am stärksten an diese Lebensweise angepasst ist die Familie der Segler, deren griechische Bezeichnung Apodidae „ohne Füße” bedeutet. Segler haben durchaus Füße, allerdings sehr winzige, und sie können sich damit noch nicht einmal auf einen Ast setzen, wie etwa die Kolibris: Sie halten sich daher mit ihren kleinen, scharfen Krallen an senkrechten Oberflächen fest. Schwalben erinnern in ihrem Aussehen an Segler, gehören jedoch zu den Singvögeln (Ordnung Sperlingsvögel) und sind in der Lage, auf Ästen zu sitzen. Mit den Seglern sind sie nicht näher verwandt. Die Ziegenmelker (Nachtschwalben) haben nicht nur große Mundspalten, mit denen sie Insekten im Flug fangen können, sondern tragen um den Schnabelansatz auch eine Reihe haarähnlicher Federn, die möglicherweise als eine Art Insektenfalle dienen. Zu manchen Vogelfamilien gehören Arten, die häufig Insekten im Flug fangen, und andere, die das selten tun. Die im Flug jagenden haben oft lange Federborsten, während die Arten, die Insekten von Blättern oder Zweigen picken, nur schwach entwickelte oder gar keine Borsten haben.

Spechte zimmern nicht nur Löcher in Bäume, um ihre Nisthöhlen auszuhöhlen, sondern kommunizieren über das Klopfen auch „trommelnd” miteinander. Sie haben sehr dicke Schädel und ein stoßdämpfendes Knochen- und Muskelsystem im Kopf- und Halsbereich.

7  GEFIEDER

Federn Daunen, links, bedecken den Körper eines Vogels in einer lockeren Schicht, die Luft einschließt und den Vogel warm hält. Konturfedern, Mitte, werden untereinander verzahnt und bilden die flache, widerstandsfähige Oberfläche von Flügeln und Schwanz, die während des Fluges der Luft ausgesetzt ist. Haarfedern, rechts, wachsen zwischen den Konturfedern.© Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. 
 
Die Gesamtheit der Federn eines Vogels, die man als Gefieder bezeichnet, erfüllt verschiedene Aufgaben. Das leuchtend bunte Gefieder der Männchen, zu dem häufig auch besondere Schmuckfedern gehören, dient der Werbung um Geschlechtspartner. Viele Vögel sind getarnt, indem sie ähnlich aussehen wie ihre Umgebung, und entgehen so der Aufmerksamkeit möglicher Fressfeinde. Dies ist insbesondere für Weibchen zur Brutzeit von großer Bedeutung. Manche Arten nehmen sogar Haltungen ein, welche die Schutzwirkung der Färbung noch unterstützen. Die mit den Reihern nahe verwandten Dommeln, die im Röhricht brüten, erstarren in der so genannten „Pfahlstellung”, mit ausgestreckten Hälsen und steil nach oben gestreckten Schnäbeln, so dass sie dem umgebenden Schilf noch ähnlicher werden.

Vogelflügel Die Federn eines Vogelflügels sind dachziegelartig angeordnet und bilden daher eine geschlossene Fläche. Insbesondere die Form der Arm- und Handschwingen bestimmen das Erscheinungsbild des fliegenden Vogels. Der Daumenfittich kann abgespreizt werden und verhindert in manchen Flugsituationen das Auftreten von Turbulenzen.© Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. 
 
Zwergohreulen, deren Gefieder so gemustert ist, dass es der Rinde von Bäumen ähnelt, schließen ihre großen Augen und strecken sich, so dass sie mit einem abgebrochenen Ast verwechselt werden können. Bei den meisten Vögeln, etwa Enten und Fasanen, sind die ausgewachsenen männlichen Vögel bunt gefärbt, während die zur Brutzeit stärker gefährdeten Weibchen und die Jungvögel sich farblich der Umgebung anpassen. Manche Vögel, insbesondere die Regenpfeifer, tragen zur Tarnung kontrastreiche Gefieder mit unterbrochenen Mustern, die den Umriss des Vogels optisch auflösen, wenn er sich nicht bewegt, so dass er nur schwer zu entdecken ist.

Pfau Bei der Balz bildet der Pfauhahn mit seinen Oberschwanzdecken ein leuchtend buntes Rad.Michael Leach/Oxford Scientific Films/BBC Natural History Sound Library. Alle Rechte vorbehalten.
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Vögel werden durch ihr Gefieder gegen Kälte geschützt, weil darin Luft zur Isolierung festgehalten wird. Arten, die besonders harte Winter überstehen müssen, haben oft ein dichteres Gefieder als verwandte Arten in gemäßigteren Klimazonen. Schneehühner, kleine Raufußhühner, die arktische Tundren und hohe Gebirge besiedeln, sind die einzigen Vögel, die – wie manche Säugetiere, etwa das Hermelin – ein fast weißes Winterkleid anlegen und so im Schnee kaum zu erkennen sind. Schwimmvögel haben meistens harte, Wasser abweisende Deckfedern, unter denen eine dichte Schicht kurzer, flaumiger Federn liegt, die Dunen oder Daunen. Die hervorragenden Isolationseigenschaften der Daunen, besonders derjenigen von Enten und Gänsen, machen sie zu nützlichen Polstermaterialien für Bettzeug und Winterkleidung.

Die meisten ausgewachsenen Vögel mausern, d. h., sie verlieren und erneuern mindestens einmal im Jahr alle Federn. Bei einigen sehr großen Vögeln kann sich die Mauser der Schwungfedern der Flügel über zwei Jahre hinziehen, beispielsweise bei Adlern und Kranichen. Federn verschleißen, und wenn sie lange dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, bleichen sie aus und werden spröde. Während der Mauser wachsen in Follikeln der Haut neue Federn heran und schieben die alten Federn hinaus. Mauserzyklen stehen oft mit anderen Wachstums- oder Lebenszyklen in Verbindung. Bei den meisten Zugvogelarten wächst das neue Gefieder nach der Brutzeit und vor dem Herbstzug.

8  SINNE

Honiganzeiger Honiganzeiger (Gattung Indicator) sind in Afrika, Südasien und Indonesien beheimatet und ernähren sich vorwiegend von Bienenwaben. Der Name Honiganzeiger bezieht sich auf das Verhalten dieser Vögel, die Aufmerksamkeit Honig liebender Säuger, beispielsweise des Honigdachses oder des Menschen, auf Bienennester zu lenken. Nachdem z. B. der Honigdachs das Nest geöffnet hat, ernähren sich die Honiganzeiger vom Bienenwachs und von den Bienenlarven der geöffneten Nester.Nigel Dennis/Photo Researchers, Inc./Library of Natural Sounds, Cornell Laboratory of Ornithology, Myles E. W. North. Alle Rechte vorbehalten.
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Die meisten Vögel haben relativ große Augen, besonders diejenigen, die im schwachen Licht der Morgen- oder Abenddämmerung oder gar nachts aktiv sind oder dunkle Wälder bewohnen. Vögel können ebenso wie der Mensch Farben unterscheiden. Dies ist nicht überraschend, denn die Färbung des Gefieders spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Mit wenigen Ausnahmen sitzen die Augen der Vögel seitlich am Kopf – nicht vorn, wie beim Menschen. Deshalb ist zwar ihr Tiefensehen nicht besonders ausgeprägt, dafür können sie jedoch einen größeren Ausschnitt ihrer Umgebung überblicken, ohne den Kopf drehen zu müssen. Die Augen der Eulen befinden sich wie beim Menschen an der Vorderseite des Kopfes, können aber in den Augenhöhlen nicht bewegt werden. Deshalb müssen Eulen einem Objekt ihr Gesicht zuwenden, um es erkennen zu können. Auch sie brauchen ein wenig Licht, um sehen zu können; Eulen, die in vollständiger Dunkelheit jagen, beispielsweise in einer Höhle oder in einem alten Gebäude, verlassen sich dagegen auf ihr Gehör.

Das Gehör ist auch für die meisten anderen Vögel ein wichtiges Sinnesorgan. Mit ihren Stimmen kommunizieren sie in vielfältiger Weise miteinander; oft erkennen sie ihre Partner und Jungen nicht am Aussehen, sondern an deren Lauten. Die meisten Vögel nehmen etwa denselben Frequenzbereich wahr wie Menschen. Einige kleine Vögel hören allerdings tiefe Töne nicht, können jedoch hohe Frequenzen unterscheiden, die der Mensch nicht mehr hört. Entsprechend können große Eulen und einige andere Vögel Töne hören, die unterhalb des menschlichen Wahrnehmungsspektrums liegen.

Fettschwalme, die in Südamerika leben, und die in Asien beheimateten Echosalanganen nisten tief im Inneren von Höhlen, wo vollständige Finsternis herrscht. Sie orientieren sich nach dem Prinzip des Echolots, d. h., sie stoßen Klicklaute aus, die von den Höhlenwänden zurückgeworfen werden. Das Echo wird im Gehirn des Vogels so verarbeitet, dass er Richtung und Entfernung des Hindernisses erkennen kann. Ein ähnliches System gibt es bei Fledertieren.

Man weiß nur von wenigen Vögeln, dass sie einen gut entwickelten Geruchssinn haben. Unter den Neuweltgeiern, die nach neueren Erkenntnissen zu den Storchenvögeln zählen, gehören nur Truthahngeier und Königsgeier dazu: Sie spüren die toten Tiere, von denen sie sich ernähren, mit den Augen und nach deren Geruch auf. Die ebenfalls zu dieser Familie gehörenden Kondore und die nicht näher mit ihnen verwandten Altweltgeier, die ähnliche ökologische Nischen bewohnen, haben nur wenig entwickelte Geruchsorgane. Für Sturmschwalben, Albatrosse und Sturmtaucher ist der Geruchssinn dagegen ebenfalls von Bedeutung.

Honiganzeiger, kleine Vögel, die in Afrika und Asien heimisch und entfernt mit den Spechten verwandt sind, ernähren sich von Larven und Wachs von Bienen, deren Stöcke sie mit Hilfe des Geruchssinnes aufspüren. Kiwis, die kleinsten Laufvögel, sind fast blind. Ihre Nahrung, wie Würmer und andere wirbellose Tiere, erkennen sie ebenfalls am Geruch. Sie sind die einzigen Vögel, deren Nasenlöcher an der Spitze des Schnabels sitzen.

Über den Geschmackssinn frei lebender Vögel weiß man nur wenig; Experimente mit Küken und Haustauben haben allerdings gezeigt, dass diese eindeutige Geschmacksvorlieben haben. Anders als Säuger haben Vögel nur wenige Geschmacksknospen auf ihrer Zunge.

Das Berührungsempfinden von Vögeln wurde bisher kaum untersucht. Ihre Augen sind besonders berührungsempfindlich. Wenn die Oberfläche des Augapfels mit einem Gegenstand in Berührung kommt, gleitet ein drittes „Augenlid”, die Nickhaut, über das Auge, so dass es von Schmutz- oder Nahrungspartikeln freigehalten wird. Die Nickhaut ist zum Teil durchsichtig und bedeckt unter Wasser auch die Augen von Schwimm- und Tauchvögeln.

Vögel haben einen ausgezeichneten Gleichgewichtssinn und können dadurch auch geringe Schwingungen des Untergrunds wahrnehmen. Dies ist äußerst wichtig, um auf schwankenden Zweigen das Gleichgewicht zu halten und beim Fliegen Wind und Luftströmungen auszugleichen.

9  LEBENSWEISE

Die Lebensweise von Vögeln ist weitgehend von den Jahreszeiten abhängig. Während es in den arktischen und gemäßigten Zonen der nördlichen und südlichen Hemisphäre wie bei uns vier Jahreszeiten gibt, sind in vielen tropischen und subtropischen Regionen zwei Jahreszeiten die Regel: Regenzeit und Trockenzeit – wobei es auch Variationen wie zwei Regenzeiten und zwei Trockenzeiten geben kann. Der Beginn der Regenperiode ist für das Brutverhalten einiger Vögel von Bedeutung, da dann neue Vegetation entsteht, die manche Vögel zum Nestbau verwenden, und die Insektenpopulationen, die ihnen als Nahrung dienen, sich vergrößern. Zeitlich begrenzt entstehen Seen und Weiher mit pflanzlicher und tierischer Nahrung. Manche Vogelarten sind allerdings daran angepasst, ihre Jungen in der Trockenzeit aufzuziehen. Einige tropische Wasservögel nisten in großen Strömen wie dem Amazonas auf sandigen Inseln, die nur freiliegen, wenn der Wasserstand zurückgeht.

9.1  Paarung und Brutzeit

 Typen von Vogelnestern Vogelnester werden in einer Vielzahl von Größen und Formen gebaut, wobei Vögel neben natürlichen Stoffen auch solche menschlicher Herkunft verwenden. Nester müssen Gelege und Nachkommen wärmen und schützen und sind in der Regel gut getarnt.
Nest des Baltimoretrupial Wie viele andere Vogelarten nutzt der Baltimoretrupial Materialien, die er in unmittelbarer Nähe findet, um sein napfförmiges Nest zu bauen. Dieses Nest besteht vor allem aus Viehhaaren und Bindfäden: Beides findet er regelmäßig auf dem Farmland, das er aufsucht. Der Baltimoretrupial gehört zur amerikanischen Familie der Sterlinge.Dorling Kindersley
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Nest einer Singdrossel Beim napfförmigen Singdrosselnest ist Schlamm ein wichtiges Strukturelement, mit dem das Nest auch innen ausgekleidet wird.Dorling Kindersley
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Nest eines Textorwebers Hunderte von Textorwebern können in einem Baum eine Nestgemeinschaft bilden. Das Weibchen legt erst dann Eier, wenn es das glockenförmige Nest, das vom Männchen errichtet wurde, innen ausgestaltet hat.Dorling Kindersley
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Nest eines Rohrsängers Männchen und Weibchen errichten dieses Nest aus Federn, Gras und Blüten. Da es im Röhricht oft windig ist, muss das Paar sein Nest fest an Halmen verankern.Dorling Kindersley
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Nest einer Schwanzmeise Die Schwanzmeise passt nur mit gebogenen Schwanzfedern in dieses Bauwerk aus Moos, Haaren und Spinnweben. Das Nest ist mit winzigen Federn ausgekleidet, die aus der Einschlupföffnung hervorragen.Dorling Kindersley
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Nest eines westafrikanischen Webervogels Das Webervogelnest besteht aus verknoteten Grashalmen. Der tunnelförmige Eingang hält Schlangen davon ab, in die obengelegene Nestkammer vorzudringen.Dorling Kindersley
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Nur relativ wenige Vogelarten verbringen ihr ganzes Leben mit demselben Partner. Auch wenn dasselbe Paar über mehrere Jahre zusammen ist, muss die Beziehung zwischen ihnen, die Paarbindung, mit Beginn jeder neuen Brutzeit erneuert oder bekräftigt werden. Dies geschieht durch optische und/oder akustische Balzrituale. Optisches Balzverhalten ist oft sehr auffallend, häufig spielen auffällige Federn eine Rolle, beispielsweise beim Pfau oder bei Reihern. Bei anderen Vögeln, etwa den Enten, kommt die Paarbindung durch stark ritualisierte Bewegungsmuster zustande. Wenn einer der beiden Vögel nicht mit dem korrekten Balzverhalten antwortet, wird die Sequenz abgebrochen.

Schneidervogel am Nest Der in Süd- und Südostasien verbreitete Schneidervogel bewohnt unterschiedliche Lebensräume wie Wälder und Gärten. Zum Nestbau biegt er Blätter wie eine Tüte zusammen, durchlöchert sie am Rand und vernäht sie mit Spinnweben oder gefundenen Fäden.© Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. 
 
Zu den Balzritualen gehört auch das Duettsingen, das man von vielen Vogelfamilien kennt, beispielsweise den Zaunkönigen und den mit Spechten verwandten Bartvögeln. Die Rufe der Männchen und Weibchen folgen derart exakt aufeinander, dass es so wirken kann, als produziere ein einzelner Vogel die Laute. Bei manchen Arten gibt es keine Paarbindung. So können mehrere Männchen in einer so genannten Balzarena um Weibchen konkurrieren, mit dem Ziel, sich mit so vielen Weibchen wie möglich zu paaren. Dieses Arenaverhalten findet man u. a. bei Paradiesvögeln, Pfauen, manchen Schnepfenvögeln, einigen Raufußhühnern und den Schnurrvögeln, einer Familie kleiner tropischer Vögel.

Waldrapp Der Waldrapp brütet vorwiegend in unzugänglichen Felsregionen, er gehört zu den weltweit am stärksten gefährdeten Vogelarten. Die mitteleuropäischen Bestände sind seit dem 16. oder 17. Jahrhundert erloschen.Chris Hellier/Corbis 
 
Die Eier werden an unterschiedlichsten Stellen abgelegt, vom bloßen Boden bis hin zu kompliziert gebauten Nestern. So gehören die Nester der in Afrika und Asien beheimateten Webervögel zu den aufwendigsten Konstruktionen, die aus dem Tierreich bekannt sind. Nester werden aus einer Vielzahl leicht zugänglicher Materialien gebaut, wie Gras, Zweigen, Rinde, Flechten, Pflanzenfasern, Federn, Säugerhaaren, Spinnweben, Schlamm, Seetang, Muscheln, Kies oder sogar dem Speichel des Vogels selbst. Vom Menschen produzierte Materialien wie Papierschnipsel, Kunststoffteile oder Wollfäden können dabei ebenfalls Verwendung finden. Viele Vögel zupfen Federn aus ihrem eigenen Bauchgefieder, um ihr Nest auszukleiden – die nackte Haut an dieser Stelle (Brutfleck genannt) erleichtert später das Bebrüten der Eier.

Die Anzahl der Eier pro Gelege kann von einem bis zu einem Dutzend oder mehr reichen. Bei den meisten Arten brüten die Elternvögel abwechselnd, sonst übernimmt zumeist das Weibchen allein diese Aufgabe. Nur bei wenigen Arten sind die Rollen der Geschlechter vertauscht, und das Männchen übernimmt das Brüten und die Brutpflege. Bei diesen Arten ist das Weibchen in der Regel größer und bunter als das Männchen.

Nach 1997 publizierten Daten brüten in Großbritannien nahezu alle Vogelarten durchschnittlich etwa acht Tage früher als in vergangenen Jahrzehnten – Watvögel wie Austernfischer sind von diesem Effekt ebenso betroffen wie Insekten fressende Zaunkönige und Stare. Diese Vorverlegung der Brutperiode findet vermutlich im gesamten mitteleuropäischen Raum statt, sie wurde auch in Deutschland beobachtet. Ursache dürfte – ebenso wie im Hinblick auf die Arealausdehnung mancher Arten – die globale Erwärmung sein, die offensichtlich eine frühere Vegetationsperiode zur Folge hat und u. a. dazu führt, dass Amphibien früher laichen.

9.2  Aufzucht der Jungen und Überlebensrate

Schnäpperwaldsänger Der nordamerikanische Schnäpperwaldsänger (Setophaga ruticilla), ein Insekten fressender Singvogel aus der Familie der Waldsänger, baut sein napfförmiges Nest in einer Astgabel. Im Gegensatz zum Männchen weist das Gefieder des hier abgebildeten Weibchens keine Rottöne auf.Ralph A. Reinhold/Animals Animals 
 
Frisch geschlüpfte Jungvögel lassen sich meist entweder als Nesthocker oder Nestflüchter einstufen. Nesthocker schlüpfen blind und nackt oder nur mit dünnem Daunengefieder. Sie können sich nicht selbst auf den Beinen halten und sind völlig von den Altvögeln abhängig. Nestflüchter dagegen schlüpfen mit offenen Augen, haben ein dichtes Daunengefieder, können bald nach dem Schlüpfen laufen und sind schon nach wenigen Tagen in der Lage, sich selbständig Nahrung zu beschaffen.

Die Jungen aller Singvogelarten und mit diesen nahe verwandten Arten sind Nesthocker, ebenso wie die Jungvögel der Spechte, Eisvögel, Segler und Pelikane. Die Jungen von Truthühnern, Fasanen, Wachteln, Haushühnern, Gänsen, Enten und Schwänen gehören zu den ausgeprägtesten Nestflüchtern. Nicht eindeutig als Nesthocker oder Nestflüchter einordnen lassen sich junge Greifvögel und die Jungen der Röhrennasen, die zwar nach dem Schlüpfen noch ziemlich hilflos sind, jedoch bereits ein dichtes Daunenkleid aufweisen. Junge Möwen und Seeschwalben schlüpfen mit Daunen und offenen Augen und können innerhalb von ein oder zwei Tagen laufen, bleiben aber hinsichtlich der Nahrung mehrere Wochen lang von den Altvögeln abhängig.

Bei den meisten Vögeln löst sich das Band zwischen Eltern und Jungen, sobald die Jungvögel vollständig in der Lage sind, sich selbst zu ernähren. Bei einigen großen Vögeln wie Schwänen und Kranichen kann die Familie während des Vogelzuges und über den Winter zusammenbleiben. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Jungvögel verschiedener Arten in unterschiedlichen Ordnungen bis zu drei Jahre lang bei ihren Eltern bleiben und helfen, die Geschwister der nächsten Jahre zu füttern und zu schützen, bevor sie selbst auf Partnersuche gehen.

Wenn eine Population stabil bleibt, müssen sich Geburts- und Todeszahlen in etwa die Waage halten (siehe Populationsbiologie). Da die Sterblichkeit unter Jungvögeln am höchsten ist, zeugen Altvögel mehr Nachkommen, als ohne die hohe Jungensterblichkeit nötig wären, um die Population konstant zu halten. Bei Zugvögeln sind insbesondere die Risiken des Vogelzuges für die hohen Verluste verantwortlich. Nichtziehende tropische Landvögel werden häufiger Opfer von Fressfeinden als Vögel gemäßigter Klimazonen und verlieren auf diese Weise einen größeren Anteil an Eiern und Jungvögeln. In der Regel brüten Vögel bei einem Verlust von Gelege oder Jungen erneut.

Die Lebenserwartung von Vögeln steht, ebenso wie bei den Säugetieren, in gewissem Zusammenhang mit der Körpergröße. Kleine Singvögel können allerdings in Ausnahmefällen zwölf Jahre oder älter werden. Sogar relativ kleine Meeresvögel wie Seeschwalben sind in Anbetracht ihrer Körpergröße eher langlebig: Noch mit 20 oder mehr Jahren können sie brüten. Die Lebenserwartung im Freiland kommt jedoch fast nie an die Werte heran, die Vögel in der Gefangenschaft erreichen, wo sie vor Krankheiten und Räubern geschützt sind und regelmäßig Nahrung erhalten. Zu den langlebigsten Vogelarten in Zoos gehören Papageien, große Wasservögel und große Greifvögel.

9.3  Vogelzug

Sowohl in den arktischen als auch in den gemäßigten Klimazonen gibt es Vogelarten, die Jahresvögel sind, also das ganze Jahr über in ihrem Brutgebiet bleiben, wobei die Brutzeit selbst sich meist auf das Sommerhalbjahr beschränkt. Auch viele Tropenvögel verbringen das ganze Jahr in demselben Gebiet; da dort der Wechsel der Jahreszeiten nicht stark ausgeprägt ist, können manche von ihnen fast zu jeder Zeit des Jahres brüten. Die meisten Vögel aus den arktischen und gemäßigten Klimazonen ziehen jedoch fort – d. h., sie verlassen regelmäßig zu bestimmten Jahreszeiten ihr Brutgebiet und kehren später wieder dorthin zurück. Dabei handelt es sich in manchen Fällen lediglich um winterliche Wanderungen aus den rauen Klimaregionen hoher Berge in geschütztere Täler. Das andere Extrem besteht in Wanderungen über sehr weite Entfernungen, wie sie in jedem Jahr von zahlreichen Arten unternommen werden, so etwa von den arktischen Seeschwalben, die von den nördlichen Breiten Eurasiens und Nordamerikas bis hinunter in die subantarktischen Gewässer ziehen.

Angesichts der weiten Entfernungen, die die Vögel dabei zurücklegen können, stellt sich natürlich die Frage, wie sie ihren Weg finden. Manche fliegen nur nachts, andere überqueren riesige Meeresflächen: In beiden Fällen haben die Tiere keine Orientierungspunkte, an denen sie ihren Flug ausrichten können, wie das wohl viele Tagzieher tun. Heute geht man davon aus, dass es verschiedene Navigationssysteme bei Vögeln gibt. Die einen richten sich offenbar nach der Stellung der Sterne am Himmel, andere nach dem Sonnenstand, wieder andere Arten können auch ultraviolette Strahlung oder das Magnetfeld der Erde wahrnehmen oder sind in der Lage, sehr tiefe Töne zu hören, wie entfernte Ozeanwellen sie hervorbringen. Mit Hilfe welcher Mechanismen die Vögel jedoch diese Informationen aus ihrer Umwelt in Navigationshilfen umsetzen, ist nach wie vor ein Rätsel. Mit der Erforschung des Vogelzuges beschäftigen sich vor allem die Vogelwarten. Mitarbeiter dieser Institutionen beringen Vögel, um die Wanderwege von Zugvögeln in Erfahrung zu bringen.

10  VOGELSCHUTZ

Beringung eines Wanderfalken Dieser Wanderfalke hat einen Aluminiumring erhalten, auf dem eine fortlaufende Nummer sowie der Name einer Vogelwarte eingestanzt sind. Der Finder eines beringten Vogels sollte sich mit der betreffenden Vogelwarte in Verbindung setzen und dieser die Ringnummer sowie Ort, Datum und die näheren Umstände des Fundes mitteilen.Fred Whitehead/Animals Animals 
 
Aussterben ist einerseits ein natürlicher Prozess der Evolution, andererseits das Resultat von Eingriffen des modernen Menschen. Von den etwa 9 000 Vogelarten, die fossil oder lebend bekannt sind, sind mindestens 75 weltweit ausgestorben. Die meisten von ihnen wurden direkt durch den Menschen oder Tiere, die von ihm eingeführt wurden, ausgerottet. Andere starben aus, weil der Mensch ihre natürliche Umwelt zu stark veränderte. Waldrodungen, die Trockenlegung von Sümpfen und Mooren und andere Eingriffe, die Lebensräume von Vögeln vernichteten, fanden seit der Mitte des 20. Jahrhunderts insbesondere auch in den Tropen in solchem Ausmaß statt, dass man noch nicht einmal abschätzen kann, wie viele Vogelarten dadurch für immer verschwunden sind. Ein weiteres Problem ist der Einsatz von Pestiziden, wodurch insbesondere manche Greifvogelarten akut gefährdet wurden. Auch lokale Umweltkatastrophen wie Öltankerhavarien können verheerende Auswirkungen auf Vogelbestände haben. So wurden im ersten Vierteljahr nach dem Untergang der Erika vor der bretonischen Küste (Ende 1999) über 60 000 ölverseuchte und größtenteils bereits verendete Vögel eingesammelt; weniger als 3 Prozent der Eingesammelten konnten nach der Reinigung ihres Gefieders wieder freigelassen werden.

Kalifornische Kondore werden ausgewildert Der Kalifornische Kondor galt lange Zeit als die am stärksten gefährdete Vogelart der USA. Diese drei Kondore gewöhnen sich gerade an ihre neue Umgebung. Sie gehören zu den insgesamt sechs Tieren dieser großen Neuweltgeier, die aus einer Aufzuchtstelle stammen und im Dezember 1996 in Arizona ausgewildert wurden .Jeff Robbins/AP/Wide World Photos 
 
Auch in Mitteleuropa sind zahlreiche Vogelarten bedroht. So ist (entsprechend der Roten Liste) mehr als die Hälfte der in Deutschland brütenden Vogelarten – vor allem auf Grund der Zerstörung von Naturlandschaften – gefährdet. Außer vielen Einzelpersonen kämpfen Organisationen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz, der Naturschutzbund Deutschland sowie der World Wide Fund for Nature darum, diese Verarmung der Avifauna (Vogelwelt) aufzuhalten.

Neben der wichtigsten Maßnahme des Vogelschutzes, der Sicherung von Biotopen, kann man einigen Vogelarten durch das Anbringen von Nistgeräten helfen. Mit Holzbetonhöhlen für Höhlenbrüter erreicht man zwar zumeist nur Vogelarten, die nicht im Bestand bedroht sind, doch werden manche dieser Geräte auch von den überaus gefährdeten Fledermäusen besiedelt. Spezielle Nistkästen bzw. Niströhren gibt es z. B. für die bedrohten Schleiereulen und Steinkäuze. Weißstörchen kann man Nistunterlagen, etwa in Form von Wagenrädern, anbieten, für Seeschwalben lassen sich künstliche Brutinseln einrichten. Die Horste mancher Greifvogelarten, etwa diejenigen von Seeadlern, werden von Naturschützern rund um die Uhr bewacht, um das Aushorsten von Eiern oder Jungvögeln durch kriminelle Händler zu verhindern.

11  VÖGEL UND MENSCHEN

Singvogeljagd in Südeuropa Hunderte Millionen Vögel finden insbesondere in Südeuropa während des Frühjahrs- oder Herbstzuges ein jämmerliches Ende in Netzen, Fallen oder im Schrothagel. Die Vogeljagd ist neben der Zerstörung von Naturlandschaften eine der gravierendsten Ursachen für den Bestandsrückgang europäischer Vogelarten.Nagel/dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH 
 
Archäologische Zeugnisse zeigen, dass Vögel dem Menschen schon lange vor Beginn der Geschichtsschreibung als Nahrung dienten. Einige Naturvölker hängen hinsichtlich ihrer Proteinversorgung nach wie vor stark von wild lebenden Vögeln oder deren Eiern ab. Mit dem Ackerbau und der Zivilisation ging auch die Domestikation von Vogelarten einher. Fast überall auf der Erde werden Vögel, die dem Menschen als Nahrung dienen (vor allem Hühner, Truthühner, Perlhühner, Enten, Gänse und Tauben) zu diesem Zweck aufgezogen und gehalten.

Obgleich in den meisten Ländern die Jagd auf Vögel zur Nahrungsversorgung nicht mehr nötig ist, wird sie noch vielerorts als „Sport” betrieben. In manchen südlichen Ländern werden Zugvögel noch immer in großer Anzahl mit Netzen und Schlingen gefangen oder geschossen. So erlaubt Frankreich den Massenfang von Vögeln für kulinarische Zwecke, 1997 schätzte man die Zahl der hier getöteten Vögel auf 70 Millionen. Die italienische Regierung stellte vor der Jagdsaison 1997 einige Vogelarten unter Schutz. Naturschützer befürchteten allerdings eine noch intensivere Bejagung der nicht geschützten Arten und bezweifelten, dass sich das Jagdverbot durchsetzen lasse.

Vogelbeobachtung Ornithologen und Hobby-Vogelkundler benutzen Versteckplätze, um Vögel beobachten zu können, ohne diese zu stören. So lassen sich z. B. regelmäßige Wasservogelzählungen durchführen, um die Bestände einzelner Arten zu erfassen. James L. Amos/Corbis 
 
In Legenden, religiösen Bräuchen und in der Literatur spielen Vögel eine wichtige Rolle. In fast allen Kulturen wurden oder werden Vogelfedern als Schmuck oder für rituelle Zwecke verwendet, in manchen Regionen werden sie heute noch als Kleidung getragen. Vogelrufe inspirierten nicht nur die religiösen Gesänge von Stammesgesellschaften, sondern sogar Orchesterwerke. Einige wenige Vogelarten können dem Menschen Schaden zufügen – besonders diejenigen, die Obst- und Getreideernten beeinträchtigen. Auch Möwen und Stare kollidieren gelegentlich mit Flugzeugen, was in einigen Fällen zu Abstürzen führte.

Heute interessieren sich immer mehr Menschen dafür, Vögel zu bestimmen oder in ferne Länder zu reisen, um exotische Arten zu beobachten. Inzwischen haben sich auch Reisebüros auf Reisen zur Vogelbeobachtung spezialisiert. Bücher und Zeitschriften über Vögel, Aufnahmen von Vogelgesängen, Ferngläser und Fernrohre für die Vogelbeobachtung werden in riesiger Zahl verkauft. Die große Popularität der Vögel lässt auf die breite öffentliche Unterstützung von Artenschutzmaßnahmen hoffen und auf ein allgemeines Umweltbewusstsein schließen. Viele Amateure sind nicht bei der Vogelbeobachtung stehen geblieben, sondern widmen sich dem Naturschutz oder haben wichtige Beiträge zur Ornithologie (Vogelkunde) geschrieben.

Systematische Einordnung: Vögel bilden die Klasse Aves des Unterstammes Vertebrata im Stamm Chordata.

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6.Pferde, Familie der Unpaarhufer mit mehreren domestizierten und frei lebenden Arten.

 

Appaloosa Das Appaloosa wurde von Indianern im Nordosten Oregons gezüchtet.M. F. Chillmaid/Oxford Scientific Films/Hollywood Edge 
 
 

Reitbahn: die Kommandos der verschiedenen Bahnfiguren Die verschiedenen Pfade in der Reitbahn heißen Bahn- oder Hufschlagfiguren und werden immer mit Beginn der Reitstunden gelernt. Auch für Dressur- und Reiterprüfungen muss der Reiter verschiedene Bahnfiguren reiten und deren Kommandos kennen. Durch Klicken auf die roten Dreiecke in dieser Illustration erscheinen die zu den Kommandos gehörenden Figuren. Reitbahnen sind 20 × 40 Meter groß; für Dressurprüfungen der Klassen M und S sind manchmal auch 20 × 60 Meter vorgeschrieben. Geritten wird entweder in einer geschlossenen Abteilung, also alle Pferde hintereinander („Abteilungsreiten”), wobei der Reitlehrer einen Anfangsreiter bestimmt. Oder jeder Reiter reitet für sich in der Bahn („Durcheinanderreiten”).© Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
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Bergzebra Bergzebras leben in zwei Gebirgsregionen im Südwesten Afrikas.Michael Fogden/Oxford Scientific Films/Library of Natural Sounds, Cornell Laboratory of Ornithology. Alle Rechte vorbehalten. 
 
 

Przewalski-Pferde Przewalski-Pferde sind relativ klein. Sie haben einen großen Kopf und einen langen Schwanz.Press-Tige Pictures/Oxford Scientific Films
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Pferderassen (Tabelle) © Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
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Military Pferd und Reiter überwinden während des Geländerittes ein Hindernis.Robert Harding Picture Library
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Wiener Bierkutscher Bierfässer werden auch heute noch auf traditionelle Weise mit Hilfe von Pferden ausgeliefert. Allerdings sind in Wien nur noch wenige dieser Bierkutscher unterwegs.ORF Enterprise Ges.m.b.H
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Man unterscheidet drei Gruppen: Eine Gruppe umfasst die Zebras, die in Afrika beheimatet sind; eine andere besteht aus den Eseln. Zu einer dritten Gruppe gehört das Przewalski-Pferd, das in freier Wildbahn ausgestorben ist. Es ist das einzige noch existierende Wildpferd. Eine Zuchtstation für Przewalski-Pferde beherbergt der Tierpark Hellabrunn in München, der ein Auswilderungsprogramm in der Mongolei durchführt. Auch im Naturpark Uckermärkische Seen (Brandenburg), bei Meppen (Niedersachsen) und in den Niederlanden gibt es Reservate, die an einem internationalen Artenschutz-Programm zur Nachzucht von Przewalski-Pferden beteiligt sind. 1997 gab es wieder rund 1 000 Przewalski-Pferde. Werden Przewalski-Pferde mit Hauspferden gekreuzt, entstehen fruchtbare Nachkommen. Andere so genannte Wildpferde in mehreren Teilen der Welt sind verwilderte Hauspferde.

2  PFERDE IN VORGESCHICHTLICHER ZEIT

 

Urpferd Mesohippus Mesohippus lebte im Oligozän vor rund 30 Millionen Jahren. Wie das fossile Skelett zeigt, trat dieses Urpferd mit drei Zehen auf.Kevin Schafer/Corbis
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Evolution der Pferde Die Evolution der Pferde ist gut dokumentiert. Die fossilen Belege zeigen eindeutig erkennbare Schritte von einer kleinen, vierzehigen Form zu den heutigen Pferden mit ihrer verlängerten Mittelzehe. Der hundeähnliche Eohippus vor 60 Millionen Jahren hatte Backenzähne, die zum Kauen der Blätternahrung seines bewaldeten Lebensraumes geeignet waren. Als sich im Miozän vor 25 Millionen Jahren Grasländer ausbreiteten, überlebten nur Formen, die Gras zermahlen konnten. Mit trockener werdendem Klima wurden die Böden fester und beim Auftreten mit nur einer Zehe bestand nicht die Gefahr des Einsinkens. Das mittlere Zehenglied des Merychippus wurde kräftiger und trug jetzt das zunehmende Gewicht. Pliohippus hatte bereits nur eine Zehe. Als die stabileren Beine evolvierten, konnten die Pferde sich heftiger vom Boden abstoßen, wenn sie Räubern entkommen mussten.© Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
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Die Evolution der Pferde kann durch Fossilien bis zum Hyracotherium, einem kleinen, Blätter fressenden Säugetier des Eozäns (siehe geologische Zeitrechnung), zurückverfolgt werden. Hyracotherium war etwa so groß wie ein Fuchs. An den Vorderfüßen hatte es vier Zehen und drei an den Hinterfüßen. Mehrere Arten und Gattungen traten während des Eozäns in Nordamerika und Eurasien auf. Anscheinend starben dann die eurasischen Arten aus. Eine amerikanische Art hingegen entwickelte sich während des Oligozäns weiter zur Gattung Mesohippus.

Prähistorische Pferde in der Höhlenkunst Rund 15 000 Jahre alt sind die 1940 bei Lascaux im französischen Departement Dordogne in einem Höhlensystem entdeckten prähistorischen Felsmalereien. Die meisten von ihnen zeigen Tierdarstellungen wie diese springende Kuh mit einer Gruppe kleiner Pferde.Bridgeman Art Library, London/New York 
 
Während des Miozäns wurde Mesohippus durch die Gattungen Hyohippus und Anchitherium ersetzt. Von diesen nimmt man an, dass sie von Nordamerika aus Eurasien besiedelten. Weitere Nachfahren von Mesohippus waren die Gattungen Miohippus und Merychippus. Letztere entwickelte hochkronige Zähne, mit denen die Tiere eher Gras als Blätter fressen konnten. Zu den Abkömmlingen des Merychippus gehörten im Pliozän Hipparion, das sich vermutlich von Nordamerika nach Eurasien ausbreitete, und Pliohippus, das man für den Vorfahren der neuzeitlichen Gattung Equus hält.

 Höhlenzeichnungen in Europa lassen vermuten, dass Pferde in der frühen Steinzeit sehr häufig waren

Während des Pleistozäns breitete sich Equus von Nordamerika nach Eurasien, Afrika und Südamerika aus. Später starben die amerikanischen Pferde aus – möglicherweise als Folge von Krankheiten. Höhlenzeichnungen in Europa lassen vermuten, dass Pferde in der frühen Steinzeit dort sehr häufig waren. In Höhlen und deren Umfeld fand man viele Skelettteile von Pferden, was zeigt, dass diese oft getötet und gegessen wurden. Im Neolithikum war Europa dicht bewaldet. Zu dieser Zeit nahm die Anzahl der Pferde offensichtlich ab. Funde aus der Bronzezeit zeigen Gebissstücke und andere Reste von Geschirren, was deutlich belegt, dass in dieser Zeit Pferde zu Haustieren geworden waren.

Pferdegeschirr aus Leder Der vordere Teil eines Kanuri-Pferdegeschirrs aus Leder.Werner Forman/Corbis 
 
1995 entdeckten Forscher in Tibet eine bisher unbekannte Urpferd-Rasse: das Riwoqe-Pferd. Die Tiere, die im Riwoqe-Tal angetroffen wurden, entsprachen Höhlenbildern von Steinzeitpferden, die längst als ausgestorben galten. Sie sind ponygroß und haben eine eckige Kopfform, beigefarbenes Fell und eine kurze Brustmähne, einen dunklen Aalstrich entlang der Wirbelsäule und eine schwarze Fesselung. Der Platz der Riwoqe-Pferde im hippologischen Stammbaum ist noch nicht ganz geklärt.

3  PFERDE DER NEUZEIT

Wilde Pferde in der Camargue Die Carmarguepferde finden im Mündungsgebiet der Rhône einen geeigneten Lebensraum.Pat Groves/Corbis 
 
Das wichtigste anatomische Merkmal des modernen Pferdes ist, dass es nur noch mit der Spitze seiner Mittelzehe auftritt. Damit gehört es zu den Perissodactyla oder Unpaarhufern, ebenso wie Nashörner und Tapire. Die Mittelzehe ist stark vergrößert und durch einen hornigen Huf geschützt. Dieser umgibt die Zehe vorne und an den Seiten. Rudimente der zweiten und vierten Zehe befinden sich beidseitig oberhalb des Hufes.

Pferde haben einen langen Schädel. Der Unterkieferknochen ist lang und bildet am unteren hinteren Ende eine breite, flache Platte. Die Wirbelsäule besteht aus sieben Hals-, 18 Brust-, sechs Lenden-, fünf Kreuz- und 15 Schwanzwirbeln. Pferde haben 44 Zähne: in jeder Kieferhälfte drei Schneidezähne, einen Eckzahn, vier Vorbackenzähne und drei Backenzähne. Die Schneidezähne dienen dem Abrupfen von Gras und anderen Kräutern. Sie sind halbkreisförmig angeordnet. Zwischen dem Eckzahn und den Vorbackenzähnen befindet sich eine deutliche Lücke. Hier wird das Metallgebiss (ein Teil der Trense) zum Reiten und Fahren eingelegt. Alle Zähne haben hohe Kronen und vergleichsweise kurze Wurzeln. Pferde haben einen einfachen Magen. Die Verdauung der faserigen Nahrung findet in einem Blinddarm statt, der dem Appendix des Menschen entspricht. Er befindet sich zwischen Dünn- und Dickdarm und kann bei großen Pferden ein Volumen von annähernd 40 Litern aufweisen.

Männliche (Hengste) und weibliche Pferde (Stuten) sind im Alter von zwei Jahren geschlechtsreif. Zur Zucht werden sie selten vor dem dritten Lebensjahr eingesetzt. Die Tragzeit beträgt elf Monate, danach wird normalerweise nur ein Fohlen geboren. Zwillingsgeburten sind eine Seltenheit, und bisher wurden nur wenige Mehrlingsgeburten bekannt.

4  GANGARTEN

Pferde können sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gangarten fortbewegen. Einige davon werden durch den Menschen andressiert. Sie können unterschieden werden in symmetrische Gangarten, bei denen immer der gleiche Zeitabstand zwischen dem Aufsetzen des linken und rechten Vorderbeines liegt (entsprechend bei den Hinterbeinen), und asymmetrische Gangarten, bei denen die Zeitabstände nicht gleich sind. Zu den bekannten symmetrischen Gängen gehören, mit steigender Geschwindigkeit, Schritt, Pass und Trab. Dabei bewegen sich die Beine in der Reihenfolge links vorne, rechts hinten, rechts vorne und links hinten. Beim Passgang werden die rechten und die linken, beim Trab die diagonalen Beinpaare beinahe gleichzeitig bewegt. Zu den asymmetrischen Gängen gehören der Kanter und der Galopp, bei dem die Fußfolge links hinten, rechts hinten, links vorne, rechts vorne verläuft. Man unterscheidet je nach Abfolge Links- und Rechtsgalopp.

5  RASSEN UND ZÜCHTUNGEN

 Pferderassen (Abbildungen) Ende des 17. Jahrhunderts wurden erstmals systematische Versuche unternommen, die vorhandenen Pferderassen zu veredeln. Hieraus resultieren bis heute neue Züchtungen wie Reitpferde, Traber, Jagd-, Kutsch- und Zugpferde sowie Poloponys.
Berberpferd Berber gehören zu den ältesten Pferderassen; sie stammen ursprünglich von Araberpferden ab. Pferde dieser Rasse können über kurze Distanzen hohe Geschwindigkeiten erreichen. Im heißen Wüstenklima sind sie besonders ausdauernd.Robert Maier/Animals Animals
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Belgisches Kaltblut Das Belgische Kaltblut (auch Belgier genannt) ist ein besonders kräftiges Pferd. Es wurde für kriegerische Zwecke verwendet und dient noch heute belgischen Landwirten, insbesondere auf nassen Böden als Zugtier.Wardene Weisser/Bruce Coleman, Inc.
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Clydesdale Das Clydesdale ist das Nationalpferd Schottlands. Es wird heute in der Landwirtschaft und – vor allem in Großbritannien – als Zugpferd für die Auslieferung von Waren eingesetzt.Kelly-Mooney/CORBIS-BETTMANN
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Gelderländer Die Zucht des Gelderländers begann im 19. Jahrhundert in den Niederlanden. Pferde dieser Rasse sind als Wagenpferde beliebt und werden für leichte landwirtschaftliche Arbeiten eingesetzt.Robert Maier/Animals Animals
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Holsteiner-Pferd Der Holsteiner wurde ursprünglich in Schleswig-Holstein als mittelalterliches Kriegspferd gezüchtet. Im 19. Jahrhundert war die Rasse als Reit- und Kutschpferd beliebt und wird heute im Springreiten eingesetzt.Robert Maier/Animals Animals
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Lipizzaner Die durch die spanische Hofreitschule bekannten Lipizzaner sind Schimmel. Diese Warmblutpferde wurden nach dem Gestüt Lipizza bei Triest benannt.Robert Maier/Animals Animals
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Quarter Horse Das Quarter Horse ist die bekannteste Pferderasse des amerikanischen Westens, es wird von den meistens Cowboys als Arbeitspferd sowie von Campern und Jägern als Lastpferd genutzt. Da es über kurze Distanzen hohe Geschwindigkeiten erreicht, ist es zudem als Rennpferd beliebt.Ralph A. Reinhold/Animals Animals
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Shetlandpony Shetlandponys sind an das raue Klima der Shetland-Inseln angepasst.Dorling Kindersley
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Percheron Das Percheron, eines der kräftigsten Zugpferde, ist das bekannteste französische Kaltblut. Wegen seiner Stärke wird es als Arbeitspferd in der Landwirtschaft eingesetzt und eignet sich ebenfalls als Reitpferd. Mitte des 19. Jahrhunderts nutzte man Percherons in Paris auch als Zugtiere für die Pferdebahn, einem Vorläufer der heutigen Straßenbahn.Kit Houghton Photography/Corbis
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Paint Horse Das Paint Horse stammt von gefleckten Pferden ab, die von spanischen Eroberern nach Nordamerika gebracht wurden. Pferde dieser Rasse sind kräftig und muskulös, sie werden von Cowboys zum Viehtreiben und im Pferdesport eingesetzt. Prenzel Photo/Animals Animals
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Hauspferde wurden etwa 2000 v. Chr. in Babylonien und ungefähr 300 Jahre später in Ägypten eingeführt. Die Tiere wurden von den Hyksos aus dem Nordosten Syriens nach Ägypten gebracht. Die ägyptischen und babylonischen Pferde waren die Vorläufer der schnellen arabischen Zuchtformen des Mittleren Ostens und Nordafrikas. Tiere einer weiteren Linie wurden wahrscheinlich in Europa gezüchtet. Sie waren stärker gebaut und langsamer, dafür aber kräftiger als die Araber, und werden als die frühen Vorfahren der modernen Zugpferde angesehen, die man zum Pflügen und für andere schwere Arbeiten einsetzt. Manche Fachleute vermuten, dass eine weitere Linie auf den Britischen Inseln Vorläufer der heutigen Ponys war.

In fast ganz Europa wurden seit den frühen Jahrhunderten unserer Zeitrechnung bis etwa in das 17. Jahrhundert die kräftigen einheimischen Pferde als Armeepferde, zum Ziehen schwerer Ladungen und als Lasttiere verwendet. Zur selben Zeit wurden in der arabischen Welt kleinere, schnell galoppierende Rassen gezüchtet, die nach der arabischen Eroberung im 8. Jahrhundert in Spanien eingeführt wurden. Die in Spanien gezüchteten Pferde wurden berühmt für ihre Schnelligkeit und Ausdauer, und schon im 12. Jahrhundert führte man viele von ihnen nach England und in andere Teile Europas ein. Erst Ende des 17. Jahrhunderts wurden systematische Versuche unternommen, die vorhandenen Pferderassen zu veredeln. Hierzu wurden Araberhengste nach England und Frankreich gebracht, um sie mit Stuten der heimischen Rassen zu kreuzen.

Die ersten Hauspferde auf dem amerikanischen Kontinent waren Araberpferde. Sie wurden im 16. Jahrhundert von den spanischen Eroberern mitgebracht. Sowohl Hernán Cortés, der spanische Eroberer Mexikos, als auch Hernando De Soto, der spanische Entdecker des Mississippi, sollen einige ihrer Pferde verloren oder zurückgelassen haben. Diese könnten der Ursprung frei lebender Pferdeherden in verschiedenen Teilen des westlichen Nordamerikas sein (siehe Mustang). Auch in der Pampa Südamerikas am Río de la Plata fand man verlassene Pferde der Spanier. Von den englischen Siedlern, insbesondere denen, die sich früh in Virginia niedergelassen hatten, wurden ebenfalls Pferde eingeführt.

In den letzten 300 Jahren wurden von Pferdezüchtern fortgesetzt Versuche unternommen, die verschiedenen Pferderassen zu verbessern und Linien zu entwickeln, die an besondere Anforderungen angepasst sind. Hieraus resultieren neue Züchtungen wie Reitpferde und Traber, die vor allem für Rennen geeignet sind, Jagdpferde, die sich durch Ausdauer auszeichnen, Kutschpferde, Zugpferde, um schwere Lasten zu ziehen, sowie (von Cowboys gerittene) cow ponies und Poloponys (kleine, schnelle Pferde, denen man die schwierigen Manöver beim Lassowerfen und beim Polospiel antrainieren kann).

Die arabischen Formen werden oft in drei Untergruppen geteilt: die Turkmenen aus der europäischen Türkei, die Araber aus dem Gebiet zwischen Damaskus und dem Euphrat sowie Berber aus Nordafrika. Araber sind im Allgemeinen relativ kleine Pferde mit einer Widerristhöhe (genannt Stockmaß) von 147 bis 152 Zentimetern. Sie haben ein erstaunliches Durchhaltevermögen und sind schnelle Rennpferde. Alle Reitpferde stammen großenteils von Arabern ab.

Shire Das massive Shire ist an der langen Fuß- und unteren Beinbehaarung zu erkennen. Diese Zugpferde werden noch heute mancherorts als Brauereipferde eingesetzt.Anna Walsh/Oxford Scientific Films 
 
Das Englische Vollblut entstand im frühen 18. Jahrhundert aus Nachkommen von drei Araber-Stammhengsten (Beverley Turk, Darnley Arabian und Godolphin Barb) und englischen Stuten. Es wird vorwiegend bei Flachrennen, bei der Jagd und bei Springturnieren eingesetzt. Der Amerikanische Traber entstand während der Kolonialzeit im Nordosten der USA. Es ist ein leichter Traber und wird meist in Trab- oder Passrennen eingesetzt. Aufgrund der Popularität der vielen Pferdesportarten wurden verschiedene Zuchtverbände gegründet. Reitpferde sind wesentlich leichter als Zugpferde.

Vor allem in Österreich verbreitete Warmblutpferde sind die Lipizzaner, die Widerristhöhen von 155 bis 167 Zentimetern erreichen; alle Lipizzaner sind Schimmel. Lipizzaner sind vor allem durch die Spanische Reitschule Wien bekannt. Nach dem Gestüt Trakehnen in Ostpreußen ist der Trakehner benannt (Widerristhöhen von 162 bis 165 Zentimetern), zu dessen Vorfahren das Englische Vollblut gehört.

Die Zuchtformen der Zugpferde (Kaltblüter) sind markanter als die der Reitpferde (Warmblüter). Zu ihnen gehören das Belgische Kaltblut, das Shire Horse, das Clydesdale und das Percheron. Das Belgische Kaltblut ist eines der größten Pferde. Es erreicht eine Widerristhöhe von mindestens 173 Zentimetern und wiegt rund 1 125 Kilogramm. Das englische Shire Horse ist ähnlich groß, hat aber lange Haare von den Hufen bis zu den Fesseln und an der Rückseite der Hinterbeine bis zu den Sprunggelenken. Das Clydesdale ist kleiner als die oben genannten Rassen. Es entstand in Schottland aus der Kreuzung einheimischer Pferde mit dem Belgischen Kaltblut und dem Shire Horse. Das Percheron erreicht eine Widerristhöhe von etwa 165 Zentimetern. Es stammt aus dem ehemaligen Bezirk La Perche in Nordwestfrankreich und ist eine Kreuzung zwischen dem alten flämischen Kaltblut und Arabern. Das Belgische Kaltblut ist ein moderner Repräsentant des alten flämischen Kaltblutes.

Aus Großbritannien gibt es mehrere Zuchtformen kleinerer Pferde, die Ponys genannt werden. Zu ihnen gehören Shetland-, Dales-, Welsh-, Dartmoor- und New-Forest-Ponys. Von ihnen ist das Shetlandpony das kleinste. Es erreicht eine Widerristhöhe von circa 106 Zentimetern. Mit einer Widerristhöhe von 135 bis 145 Zentimetern ist der Haflinger ein relativ großes Pony, das in seinen Proportionen einem Kaltblutpferd entspricht. Diese Rasse ist nach dem Dorf Hafling bei Meran benannt.

Systematische Einordnung: Pferde bilden die Familie Equidae in der Ordnung Perissodactyla. Das Hauspferd wird als Equus caballus bezeichnet.

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Das coolste Thema (auf Sexuallkunde wird verzichtet..;-) ).

7.Mensch, Lebewesen der Art Homo sapiens und für einige weitere Spezies, die in der Evolution vor dem Homo sapiens auftraten (siehe Evolution des Menschen).

Alle heutigen Menschen gehören derselben Art, aber verschiedenen Rassen an. Die Weltbevölkerung nahm im Zeitraum von 1987 bis 1999 um eine Milliarde zu und beträgt heute über sechs Milliarden Menschen.

2  SYSTEMATIK

Der Mensch besitzt eine Wirbelsäule und gehört im Stamm der Chordata zum Unterstamm der Wirbeltiere. Wie bei anderen Säugern (Klasse Mammalia) werden seine Nachkommen mit Muttermilch aufgezogen und während der Embryonalentwicklung mit Hilfe einer Plazenta ernährt (wie andere Arten der Unterklasse Eutheria). Als Art der Ordnung Primates ist der Mensch mit fünfgliedrigen Extremitäten, einem Schlüsselbein und einem Paar Brustdrüsen am Brustkorb ausgestattet. Seine Augen befinden sich an der Vorderseite des Kopfes; er besitzt ein binokulares Sehvermögen und ein verhältnismäßig großes Gehirn (charakteristisch für die Unterordnung Anthropoidea). Der Mensch gehört zur Familie Hominidae, deren allgemeine Merkmale weiter unten besprochen werden.

3  ANATOMIE UND PHYSIOLOGIE

Funktionen der Großhirnrinde Viele motorische und sensorische Funktionen können bestimmten Feldern der Großhirnrinde zugeordnet werden. Im Allgemeinen existieren diese Felder in beiden Hemisphären und sind für die jeweils gegenüberliegende Körperhälfte zuständig. 
 
Merkmale des Knochenbaues, die den Homo sapiens von seinen nächsten Verwandten – Schimpanse, Gorilla und Orang-Utan – unterscheiden, stammen großenteils von der frühen Anpassung an eine vollständig aufrechte Haltung und einen zweibeinigen, schreitenden Gang (bipedes Laufen). Durch die allein bei unserer Spezies vorkommende S-förmige Wirbelsäule liegt der Schwerpunkt des menschlichen Körpers oberhalb der Füße: Dies stabilisiert die aufrechte Haltung. Zu weiteren anatomischen Veränderungen, die den aufrechten Gang ermöglichen, gehören das breite Becken, ein Knie, das als Scharniergelenk gebaut ist, verlängerte Fersenknochen sowie der verlängerte, ausgestreckte große Zeh. Obwohl es auch bei anderen Anthropoiden unterschiedliche Phasen eines aufrechten Ganges gibt, haben sie doch alle eine gerade oder einfach gekrümmte Wirbelsäule, gebeugte Knie sowie Greiffüße und benutzen bei der Fortbewegung die Hände, um das Körpergewicht abzustützen.

Der aufrechte Gang des Menschen machte es möglich, dass die Hände zu außerordentlich sensiblen Werkzeugen wurden, mit denen präzise Bewegungen und Handgriffe möglich sind. Die wichtigste strukturelle Verbesserung dafür ist der Daumen, der frei drehbar ist und den anderen Fingern gegenübergestellt werden kann (man bezeichnet dies als opponierbar). Zu den Anpassungen, die Sprache ermöglichen, gehört eine geschlossene Zahnreihe – der aufrecht gehende Australopithecus wies vor etwa drei Millionen Jahren noch eine Zahnlücke, Diastema genannt, zwischen Schneide- und Eckzähnen auf. Weitere Anpassungen an das Sprechvermögen sind ein hoher Gaumen und ein Ansatzrohr oberhalb des Kehlkopfes, das die Artikulation erlaubt. Die Vergrößerung und Spezialisierung der Broca’schen Region (auch Broca-Zentrum genannt) im Frontalbereich der linken Hemisphäre des Gehirns ist für die verfeinerte Kontrolle der Bewegungen von Lippen und Zunge notwendig. Das Wernicke-Zentrum, es liegt hinter dem Broca-Zentrum, ist für das Verständnis von Sprache zuständig.

Das voluminöse Gehirn des Homo sapiens (durchschnittlich 1 400 Kubikzentimeter) ist etwa doppelt so groß wie das der ersten Menschen, die Werkzeuge herstellten (sie gehörten der Art Homo habilis an). Dieser beachtliche Größenzuwachs wurde in nur zwei Millionen Jahren erreicht. Anders als die Schädel der frühen Menschen – mit fliehender Stirn und vorstehendem Kiefer – sind die Schädel der heutigen Menschen auch beim Erwachsenen im Verhältnis zum Rest des Körpers groß. Der Schädel ist hoch gewölbt, und die Kiefergröße ist reduziert. In vielen Merkmalen ähnelt unser Schädel dem eines jungen Schimpansen. Damit der vergrößerte Schädel durch den Geburtskanal passt, waren weitere Anpassungen notwendig. Das Becken der erwachsenen Frau ist breiter (wodurch die Laufgeschwindigkeit etwas geringer wird), und die Geburt findet in einer relativ frühen Entwicklungsphase des Kindes statt. Schimpansen werden mit 65 Prozent der Gehirnkapazität eines ausgewachsenen Tieres geboren. Der Australopithecus lebte vor etwa drei Millionen Jahren und wurde mit 50 Prozent der Gehirnkapazität eines Erwachsenen geboren. Die Neugeborenen des heutigen Menschen kommen mit 25 Prozent ihrer späteren Gehirnkapazität zur Welt. Kinder sind deshalb lange Zeit auf elterliche Fürsorge angewiesen. Die vielen neurologischen Verknüpfungen des wachsenden Gehirns müssen im Verlauf einer langen Phase aufgebaut werden, in der das Kind von Erwachsenen abhängig ist und von ihnen stimuliert wird. Fehlt diese enge äußerliche Bindung in den frühen Lebensjahren, so bleibt die Entwicklung des Gehirns beim modernen Menschen unvollständig.

4  VERHALTEN

Funktionen der rechten und der linken Gehirnhälfte Wie diese Abbildung zeigt, sind manche Fähigkeiten des Menschen vorwiegend mit jeweils einer Großhirnhälfte assoziert 
Physiologische Anpassungen, die den Menschen flexibler als alle anderen Primaten machten, ermöglichten die Entwicklung einer Vielzahl von Fähigkeiten und einer beispiellosen Vielseitigkeit von Verhaltensmustern. Das menschliche Gehirn entwickelt sich langsam. Mindestens die ersten zwölf Lebensjahre werden neue neurologische Verbindungen hinzugefügt (siehe Nervensystem). Hierdurch und durch das große Volumen und die Komplexität des Gehirns wird bewirkt, dass erlerntes Verhalten die einheitlichen instinktiven Reaktionen ganz erheblich abzuwandeln vermag. Auf neue Anforderungen der Umwelt kann der Mensch rasch reagieren – unsere Spezies ist nicht auf einen langsamen Prozess genetischer Selektion angewiesen. So wurde schließlich das Überleben in vielen unterschiedlichen Lebensräumen und unter extremen Bedingungen möglich, ohne dass sich neue Arten bildeten. Jedes neugeborene Kind bringt relativ wenig angeborene Eigenschaften mit (hierzu gehören der Klammerreflex oder Handgreifreflex), dafür aber eine riesige Anzahl möglicher Verhaltensweisen, und muss erst dazu erzogen werden, das biologische Potential des Menschen ausschöpfen zu können.

5  KULTUR

Neusteinzeitliche Feuersteinwerkzeuge Die frühesten Werkzeuge waren zufällig geformte Steine, die zum Hacken, Schneiden oder Kratzen geeignet waren. Aus der späteren Steinzeit sind Archäologen rund 60 oder 70 Werkzeugformen bekannt, die zu ganz bestimmten (auch zeremoniellen) Zwecken gestaltet wurden. Hier sind das Blatt einer Axt, eine Pfeilspitze sowie Kratzer, Bohrer und Steinsplitter zu sehen – alle aus Feuerstein hergestellt; auch Knochen und Elfenbein wurden verwendet.G.A. Maclean/Oxford Scientific Films 
 
Die menschliche Spezies hat eine einzigartige Fähigkeit zur Kultur entwickelt. Der Mensch vermag bewusst zu denken und zu planen, Fertigkeiten und Systeme sozialer Beziehungen zu vermitteln und die Umwelt kreativ zu verändern. Verhaltensmuster, die zur Planung und Herstellung von Werkzeugen nötig sind, wurden vor mindestens 2,5 Millionen Jahren geschaffen. Zu dieser Zeit könnte auch bereits eine sprachliche Verständigung bestanden haben. Vor rund 300 000 Jahren waren geplante Jagd, das Anzünden von Feuer und das Tragen von Kleidung üblich. Vielleicht gab es sogar die ritualisierte Bestattung von Toten. Anhaltspunkte für Religion, Kunst und die Aufzeichnung von Ereignissen sind seit 30 000 bis 40 000 Jahren bekannt. Diese Aktivitäten lassen vermuten, dass zur differenzierten Regelung sozialen Verhaltens Sprache und Ethik bereits hoch entwickelt waren. Von ungefähr dieser Zeit an begann sich in der Gattung Homo die Art Homo sapiens durchzusetzen.

6  ANDERE DEFINITIONEN

Die obige Beschreibung basiert auf anatomischen und evolutionsbiologischen Kenntnissen über die Spezies Homo sapiens. Das Wesen des Menschen wird darüber hinaus durch viele weitere Faktoren definiert, z. B. durch religiöse, soziale, moralische und gesetzliche.

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Bald kommt noch was.

Danksagung:

Ich danke Fr. Müller, meiner Biolererin, für die Führung durch die Biologie.

Meinen Freunden Valli, Martin A., Martin U, DG und nartürlich Max-Fabian und Kerkoooooo!!!!!!!!!!!!!! (an alle knudäl)

Für mögliche Kopien Hafte ich nicht! 









 



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