Ein Stück von dir bleibt
(written by Yasmin)
2004, Orlando. Ein Friedhof in der Nähe eines kleinen Sees. Ein Sarg wird in die dunkle Erde hinabgelassen. Die Trauergemeinde steht um die Familie herum, bei denen der Schock des Todes im Gesicht steht. Der weisse Marmorstein liegt noch neben dem Grab. Auf ihm steht: "In tiefer Trauer um..." Ich kann nicht weiterlesen, die Trauer überkommt mich plötzlich und hart. Durch den Nebel der Tränen erkenne ich nur schwer den Jungen der nun auf mich zukommt. "Hey Yvonne, ich weiss es ist schwer für dich dieser Verlust, aber das Leben muss weitergehen. Diese Worte werden ihn dir auch nicht wieder bringen, aber nun sind seine Leiden zu Ende. Wir sind immer für dich da und werden dich immer unterstützen."
2002, also vor 2 Jahren fing alles an. Wir 3 Mädchen, dass sind Dorothea (20), Sandra (23) und ich, Yvonne (20), waren auf dem Weg nach Köln zu Natural. Wir kannten die Jungs schon etwas und fuhren des öfteren zu ihren Auftritten, bzw. zu den Hotels. Sandras Liebling war Josh, mit dem sie sich gut verstand. Doro hatten ein Auge auf Ben geworfen und er fand sie wohl auch sympathisch. Ich verstand mich sehr gut mit Patrick und mochte ihn sehr, er aber blieb auf Distanz. Das war auch verständlich, da er mich noch nicht gut kannte. Dieses sollte sich aber an diesem Weekend ändern.
Am Freitagmittag waren die Jungs in Köln angekommen und wir waren auch schon da und schlenderten zu unserem Hotel. Wie wir erhofft hatten, waren Natural dort auch eingecheckt. Dieser Tag verlief ganz normal; wir gingen mit den Jungs shoppen und dann noch eine Kleinigkeit essen. Nachdem wir uns alle am Abend wieder im Hotel befanden und die Jungs draußen etwas Zeit mit den Fans verbrachten, trafen wir uns in einem Konferenzraum des Hotels um etwas abzuhängen. Halt eine kleine Party unter uns. Dorothea und Sandra waren mit Ben und Joshua am tanzen, auch Marc und Mojo waren mit von der Partie. Ich unterhielt mich mit Patrick in einer stillen Ecke. Mir fiel auf, dass er krank aussah und meinte, dass er sich doch lieber ins Bett legen sollte. Er sträubte sich erst dagegen, sah dann aber nach der Diskussion ein, dass es wohl besser wäre. Ich brachte Patrick bis zu seinem Zimmer. Er bat mich noch mit rein zukommen, was ich dann auch tat. "Und was nun?", fragte ich. "Ich wollte dich für mich alleine haben. Ich weiss ja nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber ich mag dich sehr.", flüsterte er. Pat kam immer näher. Ich blockte ab und meinte zu ihm, dass wir es lieber langsam angehen sollten, erst mal sehn wie es so läuft. So eine Beziehung in diesen Business ist bestimmt nicht einfach. Patrick war zwar erst etwas enttäuscht, sah aber ein, dass es so besser ist. Er wusste, das diese Branche schnell eine Beziehung kaputt machen könnte oder die Girls ihn nur als Star sahen und auf sein Geld aus waren.
In der Nacht blieb ich bei Patrick im Zimmer, wir redeten eine Ewigkeit, küssten uns auch ab und an und schliefen dann ein. In der Nacht wurde ich wach. Patrick lag nicht mehr neben mir. Ich machte das Licht an und schaute mich um. Dann hörte ich Geräusche aus dem Bad. Pat kam kreidebleich aus dem Bad. Ich fragte, was mit ihm los sei. Er meinte, dass er sich schon länger in der Nacht übergeben müsse. Am Tage war aber alles in Ordnung, nur die Nächte waren hart. Ich pochte gleich darauf, das wir das Pi sagen und das er zum Arzt gehen muss. "Okay, zum Arzt gehe ich morgen, aber sag nichts zu Pi, der macht immer so einen Wind um die Sache.", meinte Patrick. "Okay, ich sage nichts Mapi, aber deine Gesundheit ist wichtig, da muss auch der Job hinten anstehen.", sagte ich dann darauf. Patrick lag wieder neben mir und war schon wieder eingeschlafen. Ich konnte noch nicht wieder pennen, da mir seine Symptome zu schaffen machten. Es war bestimmt nur eine Grippe, redete ich mir ein, aber das Gefühl, dass es was schlimmeres sei, blieb dennoch. Ich hatte schon eine Befürchtung, aber ich dachte diesen Gedanken nicht weiter. Ich dachte an den schönen Tag und schlief dann ein.
Am nächsten Morgen war Patrick wieder super drauf und schlug ordentlich beim Frühstück zu - wie man es von ihm kennt. Am späten Nachmittag war der Auftritt der Jungs auf dem Ringfest. Von Mapi hatten Doro, Sandra und ich Backstagepässe bekommen und konnten uns so die Show in Ruhe ansehen. Wir 3 Girls quatschten noch vor dem Gig vom letzten Abend. Dann war die Show und alles verlief super. Die Fans machten riesen Stimmung und alle waren gut drauf. Wir 3 gingen nach der Show nach hinten und beglückwünschten die Jungs zu dem tollen Gig. Patrick sah auf einmal wieder blaß aus und ich meinte: "Geht es dir nicht gut? Du solltest wirklich zum Arzt gehen. Ich habe ein ungutes Gefühl." "Hey Sweety, mach dir um mich keine Sorgen, wird nur eine Grippe sein, aber dir zur Liebe gehe ich....", weiter kam Pat nicht. Er brach zusammen. Ich konnte ihn noch gerade auffangen und rief gleich um Hilfe. Die anderen Boys waren starr vor Schreck, wussten nicht was sie machen sollten. Mapi holte einen Sanitäter, der Patrick gleich untersuchte, denn dieser war immer noch bewusstlos. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und der Sanitäter ließ keinen mitfahren. Alles ging so schnell. Nach dem ersten Schock hatten sich fast alle wieder erholt und Ben kam auf mich zu und fragte, was denn eben noch war, worüber wir geredet hatten. Ich erzählte alles, als die Anderen auch dabei standen. Nun bekam ich Panik, mein Gedanke von letzter Nacht kam mir wieder in den Sinn. "Ich muss sofort zu Patrick, es muss mich jemand hinbringen, ich muss sofort zu ihm!", rief ich panisch und die Tränen vernebelten schon mein Blickfeld. Mapi organisierte alles und brachte uns zum Krankenhaus. Dort angekommen, sprang ich sofort aus dem Auto, rannte hinein und fragte gleich nach Patrick. Die Krankenschwester wollte mir keine Auskunft geben, da ich keine Angehörige war. "Seine Familie ist in den USA, ich bin seine Freundin, lassen sie mich sofort zu ihm!", fauchte ich sie an. Pi und die anderen kamen nun auch dazu und erklärten der Schwester die Situation und wer sie sind. Ein Arzt kam und meinte, dass wir zu ihm könnten, aber nicht alle auf einmal. Piacenza meinte, dass er zunächst mit mir rein geht, die Anderen sollten sich noch etwas gedulden. Der Arzt ging voraus ins Zimmer. Patrick lag regungslos im Bett mit den vielen Schläuchen in seinem Körper. Eine Krankenschwester gab ihm gerade eine Spritze und verschwand dann. Der Arzt erläuterte Mapi was Patrick hatte. Ich hörte nicht zu, ich wollte nur zu Pat, setzte mich neben ihm auf das Bett und hielt seine Hand. In diesem Moment öffnete er seine Augen und fragte mich mit schwacher Stimme, was geschehen war. Der Arzt erklärte ihm alles und in Patricks Augen sah man den Schock über das Geschehene. Er hatte eine verschleppte Grippe, die durch die Anstrengung der Auftritte zum Schwächeanfall geführt hatte. Eine Woche Bettruhe wurde Patrick verschrieben. "Und was ist mit dem Gig morgen und nächste Woche?", fragte Pat. "Hey Junge, deine Gesundheit geht nun vor, lass das mal meine Sorge sein.", antwortete Piacenza beruhigend. Mapi ging raus, um alles zu regeln und schickte die restlichen Boys und auch Sandra und Doro rein. Sie fragten wie es ihm so geht usw. Nach 10 Minuten bat der Arzt alle zu gehen, damit Patrick seine Ruhe bekam. Pat fragte den Mediziner, ob ich dableiben dürfte. Es wurde genehmigt. Die Anderen verabschiedeten sich von Pat und gingen raus. Ich holte mir einen Stuhl, setzte mich neben sein Bett und hielt wieder seine Hand. Als ich ihn nun so mit den ganzen Schläuchen und Nadeln sah, kamen mir die Tränen. "Hey Cutee, mach dir keine Sorgen, ich werde schon wieder gesund. Besonders wenn du bei mir bist, geht es mir gleich viel besser.", meinte Patrick tröstend. Ich darauf: "Ich weiss, dass du nur Ruhe brauchst, aber ich habe immer noch ein ungutes Gefühl. Ich habe einfach Angst, dass die Diagnose falsch ist und es doch was ernsteres ist." "Es kommt schon alles in Ordnung, ich hatte einfach zu viel Stress." Nach einer Weile schlief Patrick dann ein. Ich blieb bei ihm sitzen und hielt immer noch seine Hand.
Die Shows der nächsten Wochen wurden alle abgesagt und Pat blieb solange im Krankenhaus in Köln, welches schon von einigen Fans belagert wurde. Die Interviews die anstanden, machten die anderen 4 Jungs allein. Ich blieb die ganze Zeit bei ihm und von Tag zu Tag ging es ihm besser. Am 3. Tag gingen wir schon draußen spazieren und genossen den warmen Sommertag.
Diverse Zeitschriften berichteten über Pat und was geschehen war, zumeist nur falsche Aussagen, aber daran war man schon gewöhnt.
Die Woche verging wie im Flug. Die erste Show nach dem Schwächeanfall verlief super und man sah Patrick an, dass es ihm wieder gut ging. Ich musste wieder nach Hause, arbeiten, und meine Eltern vermissten mich auch. Sie wussten zwar ungefähr Bescheid, aber nicht über alles. Erst nach 3 Wochen sah ich Pat wieder, denn Natural waren wieder in der Nähe. Sandra und Doro kamen auch wieder mit. Ich war froh Pat wieder vor mir zu haben und nicht nur seine Stimme am Telefon zu hören. Das Wiedersehen wurde erst mal gefeiert mit einer kleinen Party im Hotel. Patrick und ich verließen die Party schon vorzeitig, um allein zu sein. Wir machten es uns im Bett gemütlich, nicht was ihr nun denkt, wir schliefen nicht miteinander. Mehr als kuscheln und so war nicht drin, noch nicht. Die Jungs hatten mehrere Shows in der Nähe und wir 3 Mädels fuhren ihnen hinterher. Sandra und Dorothea hatten sich in die Hotels eingecheckt und ich schlief bei Patrick.
Die Nacht vor der letzten Show war wunderschön. Sandra und Doro waren mit Josh und Ben unterwegs. Ich war mit Patrick edel Essen gegangen, so ein richtiges Candle-Light-Dinner für 2 mit Musik und allem Schnickschnack. Danach ging es noch am Rheinufer entlang und wir genossen Köln im Licht der Sterne. Schon dort auf der Promenade hielten wir öfters an, um uns zu küssen und einfach Zärtlichkeiten auszutauschen. Wieder am Hotel angekommen, standen dort einige Fans und schauten mich mit tödlichen Blicken an. Patrick nahm meine Hand und wir gingen direkt an den Mädchen vorbei. Ich hörte ein "Schlampe" und Patrick drehte sich um und ging direkt zu einem der Mädchen. "Hast du ein Problem?", fragte er. "Wer ist das denn, mal wieder ein Betthüpfer?", zischte der Fan. "Nein, bestimmt nicht, sie ist meine Freundin, okay?!! Und nun lass uns beide in Ruhe. Ich sage ja auch nichts zu deinen Freund, wenn du einen hast!", mit diesen Worten ließ Pat sie stehen, kam zu mir und wir gingen ins Hotel. "Hey Schatz, du hättest das nicht machen brauchen, ich überhöre solche Kommentare. Aber trotzdem Danke." "Ich finde das selbstverständlich dich zu verteidigen. Ich habe doch auch Gefühle und bin kein Gegenstand den man einfach besitzt.", meinte Pat. "Ich weiss, lass uns einfach nicht mehr daran denken, der Abend ist zu schade dafür." Als Patrick mir die Tür zum Zimmer aufmachte und ich hinein ging, traute ich meinen Augen kaum. Das Zimmer war voll mit Blütenblättern, leise Musik lief im Hintergrund und es duftete nach Rosen. Es war einfach traumhaft. Bei diesen tollen Ambiente schliefen wir dann auch das erste Mal miteinander. Patrick wusste, dass es für mich das erste Mal war und war deshalb sehr einfühlsam und nahm mir so meine Angst. Ich konnte mich völlig fallen lassen. Es war wunderschön. Danach schliefen wir glücklich aneinander gekuschelt ein.
Die nächsten 2 Monate sahen wir uns kaum, da Natural zumeist in den USA waren oder in Städten, die weiter weg waren. Es war schon November und die Tour der Jungs stand an. Für diese Zeit hatte ich mir frei genommen und konnte so mit den Guys im Bus mitreisen. Patrick hatte es so geregelt mit dem Tourbus. Sandra und Dorothea fuhren mit Auto hinterher. Die Beiden kamen Josh und Ben auch deutlich näher. Es war nun allgemein bekannt, dank der Bravo und diversen andern Magazinen, dass Patrick und ich zusammen waren. Es störte uns aber wenig - nur Pöbeleien mancher Fans nervten.
Die Zeit war super und die Shows waren fast immer ausverkauft. Die Fans machten riesen Stimmung und die Jungs waren ganz in ihrem Element. Dann kam die Show in Hannover. An diesem Tag fuhren Pat und ich zu mir nach Hause. Er wollte endlich meine Family kennenlernen und wie ich so wohnte. Bei mir zu Hause angekommen, stellte ich Patrick vor und alle waren sehr angetan von ihm. Wir gingen etwas spazieren und machten es uns dann noch in meinem Zimmer gemütlich, bevor wir am Nachmittag zurück fuhren. Schon auf der Fahrt sah Patrick nicht gut aus, deshalb fuhr ich weiter. Kurz vor Hannover musste ich anhalten, da es Patrick so schlecht wurde, dass er sich übergeben musste. Nach einer kleinen Diskussion brachte ich Patrick zum nächsten Arzt. Der gab ihm was gegen die Übelkeit damit er den Auftritt durchstand. Ich hatte in der Zwischenzeit Pi verständigt. Mapi meinte, dass Patrick dann nur das Nötigste vom Soundcheck mitmachen sollte und sich die restliche Zeit schonen muss. Nach dem Soundcheck fuhr ich Patrick ins Hotel, wo er sich ausruhte. Erst 1 Stunde vor Beginn der Show fuhr ich ihn wieder zur Halle. Alles verlief gut am Anfang des Konzerts. Die Fans machten viel Lärm und die Stimmung war super. Patrick sah schon wieder besser aus. Die anderen Jungs sahen das auch und waren erleichtert. Sandra, Doro und ich standen im Fotograben. Ich stellte mich ganz in die Nähe von Patrick, da ich immer noch Angst um ihn hatte. Natural performte gerade ‚Ancient History‘ und mein Gefühl wurde bestätigt. Pat sah wieder blaß aus und sah mich verzweifelt an. Dieser Blick bohrte sich direkt in mein Herz und es schmerzte ihn so zu sehen. Pat schaute mich immer noch an, blieb mitten im Tanz stehen. Die Jungs und Fans waren verwirrt. Pat sah mich immer noch mit diesen angst gezeichneten Blick an. Ich wusste, dass meine Befürchtung von vorhin wahr geworden war. Ich löste mich aus der Starre der Angst, kletterte auf die Bühne und ging zu Patrick. Die andern Jungs standen noch wie angewurzelt auf ihren Positionen, kein Ton war zu hören und alles lief wie in Zeitlupe ab. Patrick schaute mich immer noch verzweifelt an, legte seine Arme um mich, als wollte er mich drücken. Ich hörte nun Buh-Rufe im Hintergrund. Patrick bekam nur noch "Hilf mir!" heraus und sackte dann zusammen. Ich legte ihn vorsichtig auf den Boden der Bühne. Mapi hatte alles mitbekommen und holte einen Sanitäter, als ich um Hilfe rief.
Pat wurde ins nahegelegene Krankenhaus gebracht. Ich fuhr mit, die restlichen Jungs brachen die Show ab und fuhren dann nach. Die Fans waren geschockt und genauso verwirrt wie die Jungs. Sandra und Dorothea trafen mit Ben, Josh, Marc, Mojo und Mapi im Krankenhaus ein. Ich erlitt einen Nervenzusammenbruch, heulte nur noch und war nicht ansprechbar. Nur nach langem Warten bekamen sie etwas zu dem Zustand von Patrick aus mir raus. Die Ärzte untersuchten ihn noch, wollten etliche Tests mit ihm machen; man könnte nur abwarten. Aber ich wusste schon was er hatte. Ich wusste es schon, als wir uns bei der Popkomm wiedergesehen hatten, als es ihm dort nicht gut ging. Ich machte mir riesige Vorwürfe, dass ich ihm nichts gesagt hatte und gab mir im Stillen für alles die Schuld.
Alle weiteren Termine wurden abgesagt. Die Diagnose ließ noch auf sich warten, die Ärzte wussten noch nichts genaueres. Patrick kam nur langsam wieder zu Kräften. Ich blieb die ganze Zeit an seinem Krankenbett. Die Schwester hatte mir ein Bett mit ins Zimmer gestellt. Die Station auf der er lag wurde abgesperrt, da schon viele Fans vor dem Krankenhaus kampierten. Patricks Mum Betty hatte endlich einen Flug nach Germany bekommen und kam nach Hannover. Sie war auch am Rande einen Zusammenbruchs. Betty konnte nur 1 Woche in Deutschland bleiben, aber Patrick war schon wieder auf den Weg der Besserung. In dieser Woche konnte ich nun auch Betty kennenlernen. Ich hätte sie lieber unter anderen Umständen getroffen, aber was passiert ist, ist passiert. Bei ihrem Abflug, ging es Patrick wieder so gut, das er mit zum Airport konnte. BMG hatte in der Zwischenzeit alle Termine für die nächste Zeit abgesagt und die ausgefallenen Konzerte wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.
An den Tag, nachdem Betty abgeflogen war, kamen die Ergebnisse der Untersuchung. Kurz vor dem Gespräch mit dem Arzt, sprach ich endlich mit Patrick und erzählte ihm, was ich schon die ganze Zeit dachte und, dass ich mir große Vorwürfe machte, nicht schon vorher was gesagt zu haben. Patrick beruhigte mich und meinte, dass es schon nicht so ernst sei. Dann sprach der Arzt mit Patrick. Die anderen Jungs, Mapi, meine Freundinnen und ich saßen im Warteraum und konnten nur Däumchen drehen. Der Arzt kam aus dem Zimmer. Ich rannte sofort zu ihm und fragte, was Pat nun hatte. Dieser durfte mir aber keine Auskunft geben. Ich ging in Patricks Krankenzimmer. Er saß zusammengekauert auf einem Stuhl und heulte sich die Seele aus dem Leib. Ich ging auf ihn zu, setzte mich auf die Armlehne und nahm ihn einfach nur in den Arm - er sollte spüren, dass ich für ihn da bin. Es vergingen endlose Minuten ehe er zu mir aufsah. Er schaute mich mit diesen ratlosen Augen an. Mit schwacher, gebrochener Stimme sagte er: "Du hattest recht mit deinem Gefühl." Mehr konnte er nicht sagen und brach abermals in Tränen aus. Die anderen Jungs, Mapi sowie auch Sandra und Doro standen im Zimmer; wohl schon eine Weile. Sie schauten mich an, denn ich wusste wohl nun was er hatte. Ich ließ Patrick kurz alleine und ging zu ihnen. Nun überkam es mich auch, ich heulte einfach los. Doro nahm mich tröstend in den Arm. Nach einer Weile beruhigte ich mich und sagte ihnen die Diagnose:
Leukämie!!
Alle um mich herum waren geschockt. Der Arzt erklärte uns dann allen, mit Einverständnis von Patrick, was man machen konnte. Zunächst war eine Chemotherapie angesetzt und man würde nun nach Knochenmarkspendern suchen, aber das würde sehr lange dauern.
Am nächsten Tag flogen wir alle, die 5 Jungs, Mapi und wir 3 Mädchen, rüber in die USA. Wir 3 Girls hatten uns spontan frei genommen. Ich hatte meinen Nebenjob im Supermarkt aufgegeben, um nun mehr Zeit für Patrick zu haben. Patricks Mum holte uns am Airport in Orlando ab. Wir hatten sie schon am Vortag verständigt. Sie wollte nun ihren Sohn nicht alleine lassen. In Orlando trafen sich alle bei Lou. BMG,Betty, Lou und die Jungs setzten sich zusammen, um zu besprechen wie es weitergehen sollte. Der Plan sah so aus, dass die Konzerte in Deutschland jetzt nachgeholt werden, also Anfang nächsten Jahres (2003), vor der Chemotherapie. Dann, in der Zeit in der Patrick in der Therapie ist, wird am Album gearbeitet. So wurde dann das nächste halbe Jahr verplant und in die Tat umgesetzt. Betty konnte leider nicht wieder mit nach Deutschland, aber sie meinte zu mir: "Bei dir ist er in guten Händen!"
Bevor die Gigs nachgeholt wurden, gab es eine Pressekonferenz zum Gesundheitszustand von Patrick. Da schon viele Gerüchte kursierten, sollte nun reiner Tisch gemacht werden. Alle waren geschockt.
Die Konzerte dauerten immer etwas länger, da mehrere Pausen waren, in denen Patrick reinen Sauerstoff bekam. Die Fans nahmen sehr viel Rücksicht auf ihn. Die Zeit der Chemo war hart. Patrick verlor etliche Haare und nahm stark an Gewicht ab. Ich versuchte die ganze Zeit bei ihm zu sein, soweit ich Zeit hatte. Ich war im Abi-Stress.
Im Sommer 2003, 1 Jahr nach dem ersten Anzeichen, kam dann das 2. Album der Jungs raus. Die Karriere von Natural verlief zunächst recht gut durch das neue Material, wurde aber schlechter als es dem Winter zuging. Durch viele andere Gruppen und Freundinnen (Ben und Doro, sowie Sandra und Josh waren zusammen) der Jungs ließ der Erfolg nach. In diesen Sommer beschlossen Patrick und ich uns in Orlando eine Wohnung zu nehmen und zusammenzuziehen. Mein Abitur hatte ich in der Tasche, war nun frei für neue Sachen und hatte nun genug Zeit für Patrick. In Orlando wollte ich dann im Sommer 2004 eine Ausbildung anfangen. Im Spätsommer 2003 ging es Patrick wieder besser; die Therapie war ein voller Erfolg gewesen. Unserer Beziehung ging es nun auch wieder besser.
Dann kam eine Tour der Jungs im Herbst/Winter mit dem neuen Album. Der Arzt gab Pat grünes Licht für die Zeit. Sein Zustand war stabil und er freute sich riesig auf die Shows und endlich wieder auf Tour zu sein; er hatte das schon riesig vermisst. Nur auf Festivals zu spielen war ihm nicht genug, eine eigene Tour war genau das, was ihm gefehlt hatte.
Die Tour wurde ein voller Erfolg. Natural füllte große Hallen und begeisterte das Publikum mit den neuen Songs. Mit der Karriere ging es bergauf. Sie hatten wieder viele Fans gewonnen und Patricks Krankheit war fast vergessen. Nach Deutschland standen auch die Schweiz und Österreich auf dem Programm. Danach ging es durch Asien und dann wollten sie den Durchbruch in den USA versuchen. Nur dazu kam es im Frühjahr 2004 nicht mehr. Nachdem sie im Januar noch einige Shows in Deutschland machten und danach in die USA gingen, brach bei Patrick die Leukämie wieder aus. Die USA-Tour wurde sofort gecancelt und die nächste Chemotherapie stand an.
Alles wurde auf Eis gelegt, da sich Patricks Zustand nicht besserte. Als man absehen konnte, dass er sich nicht so schnell erholen würde, setzten sich nochmal alle an einen Tisch. Es wurde beschlossen, dass "Natural" auch auf Eis gelegt wird und jeder frei für was Eigenes ist. Die Fans waren zwar enttäuscht und im ersten Moment wütend, aber sie konnten auch nichts ändern an Patricks Gesundheitszustand.
Betty, Patricks Stiefvater Sam und ich waren fast die ganze Zeit bei Patrick im Krankenhaus in Orlando. Auch seine Schwestern sowie auch sein richtiger Vater besuchten ihn oft . Ich konnte es nicht fassen, nur 1 Woche zuvor ging es ihm blendend, der Arzt meinte sogar, dass er über den Berg ist; sogar Kinder zeugen konnte ohne Risiko. Und nun war sein Zustand kritisch. Die Therapie dauerte diesmal länger, 4 Wochen. Durch diese Umstände lernte ich nun Patricks Schwestern, Sam und seinen richtigen Vater Bruce kennen. Die Situation schweisste uns alle zusammen und so wurde ich in die Familie King aufgenommen. In der letzten Woche der Chemo merkte ich, das etwas mit mir nicht stimmte. Auch Patrick bemerkte es durch mein Verhalten. Ich ließ mich dann untersuchen und wie ich schon ahnte, war ich schwanger. Ich überbrachte Patrick gleich nach dem Arztbesuch die gute Nachricht und er war super aufgeregt. Er schöpfte neuen Lebenswillen, denn er wollte für sein Kind da sein und ein guter Vater werden. Es war März (2004) geworden, Patrick ging es wieder besser, allerdings war er immer noch im Krankenhaus. Wir freuten uns riesig auf das Kind und Patrick streichelte oft meinen Bauch, obwohl man noch nichts sah oder spürte. Ich war ja auch erst im 2.Monat schwanger. Er war unheimlich stolz. Auch Betty und Sam freuten sich Großeltern zu werden. Seine Schwestern, sein Vater und die Jungs freuten sich auch tierisch mit uns. Wir zwei genossen die Zeit sehr. Ich richtete die Wohnung neu ein mit Bettys Hilfe und im April war Patrick wieder so fit, dass er mit in die Wohnung durfte. Am 20. April waren Patrick und ich nach langer Zeit mal wieder romantisch Essen gegangen, ein richtiges Candle-Light-Dinner. Als die Musikband unser Lied spielte, kniete sich Patrick vor mich. Er holte eine kleine Schachtel mit einem Ring aus seiner Tasche, öffnete diese und fragte mich, ob ich ihn heiraten will. Ich war überglücklich, fiel Patrick in die Arme und sagte JA. Nachdem es die engsten Freunde wussten, bereitete ich mit Betty und meiner Mutter alles vor. Es wurde eine kleine Feier im engsten Familien- und Freundeskreis, bei der sich auch unsere Familien kennenlernten. Die Presse hatte Gott sei Dank nichts mitbekommen und so blieb die Heirat geheim. Patrick fühlte sich wieder gesund und wir freuten uns auf unsere kleine Familie, die mit dem kleinen Baby komplett sein würde. Unsere Flitterwochen gingen nach Hawaii, für 1 Woche, mehr wollte ich Patrick nicht zutrauen. Das Klima tat ihm sehr gut und es war die schönste Woche in unserem gemeinsamen Leben.
Auch über ein "Comeback" von Natural wurde schon wieder gesprochen, aber es war noch nichts spruchreif. ( Es gab noch ein paar treue Fans, mit denen wir Mädels Kontakt hielten. Auch die Jungs waren noch in Kontakt mit einigen Fans.)
Es kam auch nicht dazu, denn im Mai (2004) ging es mit Patricks Gesundheit wieder rapide abwärts. Die Leukämie war wieder voll da; diesmal noch schlimmer als vorher. Sein Immunsystem wurde immer schwächer, er hatte kaum noch Abwehrkräfte. Betty und ich (Sam, Bruce und Pats Schwestern wechselten sich ab) waren täglich an seinem Krankenbett und versuchten alles, damit er wieder zu Kräften kam, aber nichts half. Patrick bat mich ihm bei seinen Testament zu helfen. Er konnte nicht mehr schreiben und ich sollte es aufsetzen. Zuerst wollte ich nicht, denn ich wollte nicht an seinen Tod denken. Er meinte, dass es nur zur Vorsicht wäre, das Baby und ich sollte abgesichert sein für die Zukunft. Nachdem ein Anwalt es nachgesehen hatte, nahm ich es in Verwahrung. Ich hoffte, es nicht aus der Schublade holen zu müssen. Ich wollte meinen Mann nicht verlieren. An manchen Tagen ging es ihm besser und die anderen Jungs und Mapi besuchten ihn. Sie versuchten oft bei Patrick zu sein, weil sie wollten, dass er wusste, dass sie immer für ihn da sind. Am 23.Mai kam wieder Hoffnung auf, denn ein Knochenmarkspender war gefunden worden, er konnte in 4 Tagen in Orlando im Krankenhaus sein. Aber schon am nächsten Tag verschlechterte sich Pats Zustand wieder. Der Arzt stellte eine Lungenentzündung fest und unter diesen Umständen fiel eine OP flach. Patrick bekam starke Medikament und wurde am nächsten Tag an die Lungenmaschine angeschlossen. Nur noch schwer konnten wir uns verständigen.
Es war der 26. Mai 2004, 8h morgens, der Arzt hatte keine guten Nachrichten für uns. Patrick würde die nächste Nacht nicht überstehen. Die Lungenmaschine würde auch nicht mehr helfen. Man könnte nun warten, bis die Lungenentzündung ihm die Luft nimmt oder ihn schon vorher von der Maschine nehmen, so dass er keine Schmerzen mehr hatte und er noch mal selber für einen Moment atmen könnte. Patrick, Betty, Sam, Bruce und ich klärten alles. Patrick wollte ohne Schmerzen sterben.
Um 20h des 26. Mai 2004 kamen alle zusammen: Ben, Marc, Joshua, Michael, Sandra, Dorothea, Lou, Mapi, einige Andere der Crew von Natural, Betty, Sam, Bruce, seine Schwestern und ich. Patrick sagte jedem noch letzte Worte, zuletzt sprach er mit mir. "Pass gut auf unser Kind auf und erzähl ihm später von mir. Ich möchte, dass es weiss ,dass ich es liebe und ein guter Vater wäre. Ich liebe dich von ganzem Herzen, vergiß mich nicht und halt immer ein Platz in deinem Herzen für mich frei." "Ich liebe dich auch von ganzem Herzen und werde dich nie vergessen. Ich passe immer gut auf das Kind auf. Du wärst ein guter Vater geworden. Ich liebe dich!"
Der Arzt stellte um 21h die Lungenmaschine ab. Patrick lag in meinen Armen, schaute noch mal alle an. Sein letzter Blick mit seinen blauen Augen galt mir. Ein letzter Kuss. Dann hörte er auf zu atmen und seine Augen schlossen sich.
Nun, 1 Woche nach seinen Tod, stehe ich nun an seinem Grab und blicke auf den weißen Marmorstein: "In tiefer Trauer um Patrick Bruce King jr.". Ich streichele mir über den Bauch und denke an das Baby. Mit ihm bleibt ein kleines Stück von Patrick auf dieser Welt.
Nach Monaten der Trauer, kehrte so langsam der Alltag wieder. Die Presse hatte über den Tod von Patrick lange berichtet und die Fans waren geschockt. Die anderen Jungs von Natural arbeiten nun an ihren Solokarrieren. Ich blieb in Orlando wohnen und wollte dort auch das Kind großziehen. Betty und Sam zogen in ein kleines Haus in meiner Nähe, um mich zu unterstützen. Am 3. Oktober 2004 brachte ich die kleine Michelle Betty King auf die Welt. Sie hatte die blauen Augen und die blonden Haare von ihrem Vater. Sie war mein ganzer Stolz.
Im Sommer 2005 fing ich dann meine Lehre als Werbekauffrau an. Mit Josh, Marc, Ben und Michael hatte ich immer noch guten Kontakt und wir unternahmen öfters was zusammen. Ben und Marc waren erfolgreich als Solokünstler in den USA. Josh ging zum Theater und Michael ging auf College und studierte Musik, denn er wollte Produzent oder ähnliches werden. Sandra und Dorothea sind nach dem Tod von Patrick wieder nach Deutschland. Doro beendete ihre Lehre als Erzieherin und Sandra ging ins Musikgeschäft als Promoterin. Leider gingen ihr Beziehungen zu Josh und Benjamin in die Brüche. Ab und an besuchten sie mich in Orlando. 2006 beschlossen sie auch in die USA zu ziehen, denn davon träumten sie schon lange. Beide hatten Stellen in ihren Beruf gefunden und zogen dann im Spätsommer um. So waren wir wieder ein Gespann. Sandra und Josh fanden wieder zusammen und heirateten im Frühjahr 2007. Ben und Dorothea fanden nach langer Anlaufphase auch wieder zueinander. Marc war schon lange mit Sarah verheiratet und der kleine Tyler war in diesem Jahr (2007) 3 Jahre alt geworden. Meine kleine Tochter war 2 und endlich verliebte ich mich auch neu. Am Anfang fühlte ich mich sehr unwohl, denn mein Freund hatte nun nicht nur mich als Freundin, sondern auch gleich noch ein Kind mit dazu. Aber ihn machte es nichts aus, denn er kannte Michelle sehr gut. Lange sträubte ich mich gegen meine Gefühle, aber nach langen Gesprächen mit Sandra und Doro ließ ich sie dann zu. Ich wusste nicht, ob es richtig war, mit einem von Patricks Freunden zusammen zusein. Dorothea meinte zu mir: " Es ist besser wenn es ein guter Freund von ihm und dir ist, der die ganze Situation kennt und alle Umstände, als ein ganz Fremder. Du musst Michael ja nicht gleich heiraten." Das tat ich auch noch nicht. Als alle in der Familie es wussten, war das schon eine Erleichterung für mich. Es war wirklich besser mit Michael zusammen zusein, als mit jemandem, der meine Vergangenheit nicht kannte. Michelle akzeptierte Michael und das war das Wichtigste. Sie wusste schon, dass er nicht ihr richtiger Papa war. Von Patrick hatte ich in der Wohnung Bilder hängen und hatte Michelle auch früh versucht zu erklären, wer ihr Vater sei. Zusammen gingen wir oft zu seinem Grab und legten Blumen nieder. Ben und Dorothea heiraten im Sommer 2008 und Michael und ich gaben uns das Ja-Wort im Frühjahr 2010.Wir beide behielten unsere Nachnamen bei. Michelle war schon 6 Jahre alt und konnte alles verstehen, wer ihr Vater war und das Michael nun ihr 2. Papa wurde. Immer wenn ich Michelle ansah, sah ich in die Augen von Patrick und musste an die schöne Zeit mit ihm denken. Einen besonderen Platz in meinem Herzen wird er immer behalten.
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