aussaat

 

Letzte Änderung am 31.10.05

 

a). Einleitung
b). Vorbereitung
c). Aussaat
d). Nach der Keimung
e). Wenn nichts keimt
f). Nach einem Jahr gekeimt...



a): Einleitung

Aufgrund der Artenschutzgesetze ist es nicht immer möglich, bestimmte Palmfarne "schon fertig" zu kaufen. Das war zumindest für mich der Grund, mich mit der Aussaat von Palmfarnsamen zu beschäftigen. Über Palmenvermehrung gibt es Unmengen Literatur und Internetbeiträge diverser Züchter. Über die Aussaat von Palmfarnen sucht man im Internet vergebens und in der Gärtnerei um die Ecke kann man oft nicht mal "Cycas" buchstabieren. Ich stelle hier nun meine Erfahrungen vor, so daß die negativen Erfahrungen den Neueinsteiger vor eben diesen schützen.

Grundlagen: Die Samen, die man kaufen kann, sollten möglichst frisch sein, denn die Keimfähigkeit nimmt mit zunehmender Lagerdauer schnell ab. Aber seid bitte realistisch; es ist nämlich schier nicht möglich, ein oder zwei Wochen alte Samen anzubieten. Die Samen werden bei der jeweiligen Pflanze gesammelt und über einen oder mehrere Zwischenhändler vertrieben bis zu jenem, von dem Sie die Samen kaufen. Manche Sammler verkaufen im Direktvertrieb, aber das sind dann Mengen in 100-Stück-Staffelungen. Aufgrund der damit verbundenen nötigen Lagerhaltung kann es durchaus vorkommen, daß gekaufte Samen schon eine geringe Austrocknung aufweisen. Auch gibt es keine Auswahl von schwimmenden und nichtschwimmenden Samen, da die Samen aus der Menge heraus verkauft werden. Es kann also durchaus vorkommen, daß bei zehn Samen ein oder zwei "kritische" dabei sind.

 


b): Vorbereitung

Zuerst legt die Samen, die ihr aussäen wollt, zwei Tage in lauwarmes Wasser ein, damit sie sich wieder mit Feuchtigkeit vollsaugen können. Das Wasser ist halbtäglich zu wechseln. Daß die Samen vom gröbsten Fruchtfleisch befreit sind, versteht sich bei seriösen Händlern von selbst. Fruchtfleischreste an geschlossenen Samen kann man in Ameisenhaufen entfernen lassen.

Nach dem Wässern trenne ich die Samen in  "Nichtschwimmer", "Schwimmer" und "Rasselsamen" trockne sie mit einem Tuch ab und, nachdem die Oberfläche staubtrocken ist, kennzeichne ich die jeweiligen Samen mit einer Markierung auf einer "Oberseite" mit einem feinen Sägeblatt. Die Nichtschwimmer bekommen ein kleines Kreuz markiert und die anderen eine Markierung längs bzw. quer zur Längsachse. Anschließend beize ich sie mit "Aatiram", einem in den landwirtschaftlichen Genossenschaften frei käuflichen Beizmittel.
Dieses Mittel soll Schimmel verhindern, es ist darüber hinaus hochfein gemahlen und staubt bei Benutzung leicht. Also nicht mal so geschwind in der Küche auf der Arbeitsplatte Samen beizen!
Bitte auf jeden Fall Sicherheitshinweise beachten und draußen anwenden. Das Zeug ist bei zu lockerer Handhabung wirklich gesundheitsschädlich. Ich verwende zum beizen bei kleinen Samen einen Becher mit Deckel, bei großen Samen eine dichtschließende Kiste, die dann einige Male geschwenkt wird. In den Becher mit den Samen kommt etwas Beizmittel, wird anschließend verschlossen und der Becher einige Male in alle Richtungen bewegt.


c): Aussaat

Dann ziehe ich mir, sofern nicht ohnehin schon geschehen, Handschuhe an, nehme die jetzt rosagepuderten Samen aus dem Becher und lege sie in die jeweilige durchsichtige (!!) Keimbox zur Hälfte in das Keimsubstrat. Bei kleinen Samen nehme eine lange Pinzette aus einem alten Operationsbesteck.
Ich verteile die Samen nach deren Markierungen getrennt, denn die "Schwimmer" und "Rasselsamen" sind bei den normalen Artensamen (C.circinalis schwimmt regulär) in fast jedem Fall problematisch.

Je keimfreier ihr arbeitet, desto geringer ist die Gefahr, daß während der Keimung etwas nicht funktioniert. Als Aussaatsubstrat habe ich bisher Vermiculite oder meist Kokossubstrat verwendet. Wenn die Samen alle verstaut sind mache ich die Keimbox zu und stelle sie an einen dauerwarmen hellen Platz. Palmfarnsamen sind Lichtkeimer.
Die Substrattemperatur richtet sich nach der Samenart, 30 - 35 °C Substrattemperatur sind aber gute Werte. Auf keinen Fall darf das Substrat zu heiß werden. "Viel hilft viel" ist in unserem Fall das Ende der Keimfähigkeit. Bei rund 50 °C wird der Embryo "gekocht" und keimt nicht mehr. 

Als Wärmequelle eignet sich am Anfang eine Heizmatte, die mindestens so groß ist wie die Keimbox. Wichtig ist, daß das Substrat nicht austrocknet; das geschieht oft in dem Bereich, wo die Wärmequelle ansetzt. Es muß alle zwei Tage überprüft werden, ob das (Kokos)-substrat an einer Stelle (meist am Gefäßboden, wo auch die Wärmequelle angreift) heller ist als woanders. Deshalb am besten allseitig durchsichtige Frischhaltedosen verwenden. Oder (wie auch bei Verwendung von Vermiculite) Deckel aufmachen und Substrat unmittelbar prüfen.
Sollte das Substrat, was während der Keimdauer sicherlich vorkommt, austrocknen, nehme ich alle Samen aus der Box, durchfeuchte (nicht: durchnässe!) das Substrat wieder und lege die Samen dann wieder "mit der Markierung nach oben" ein. Das ist nämlich der Grund dafür, weswegen ich mir soviel Arbeit mit der Samenmarkierung gemacht habe: Damit die Einbaulage immer stimmt.


d): Nach der Keimung

Die Prüfung des Substrates nutze ich auch, um die gekeimten Samen bei einer entwickelten Keimwurzel von im Idealfall etwa 2,5 cm bzw. 1" Länge zu entnehmen und in das weitere Keimgefäß zu topfen. Auch wieder halb ins Substrat (Kokos-Perlite Mischung 1:1), so wie der Samen in der Box gelegen ist. 
Wenn der gekeimte Samen getopft ist, muß die Lichtzufuhr (hinter einer modernen Fensterscheibe auch vollsonnig) erhöht werden. Hier gilt nun: Je mehr desto besser, aber nicht ungeschützt vollsonnig. Hinter einer Fensterscheibe oder unter Glas ist die Art des Glases wichtig. "Fensterglas" im sprichwörtlichen Sinn läßt UV-Strahlung voll durch und muß noch schattiert werden. Eine moderne Isolierfensterscheibe läßt hingegen fast kein UV-Licht durch.

Der Keimling mit seiner Keimwurzel darf nie austrocknen, er darf aber auch nicht zu feucht sein. Sonst entstehen Schimmel und Fäulnis. Das ist die schwierigste Zeit des kultivierten Pflanzenlebens. Hier gehen die meisten Sämlinge drauf, weil es einfach mit "guter Pflege" assoziiert wird, täglich zu gießen. 

Die Gefäße sollten sehr tief sein, 30 cm mindestens. Zuerst entwickelt sich die Keimwurzel als Pfahlwurzel. Nach geraumer Zeit entwickelt sich zusätzlich zur Wurzel ein erstes Keimlingsblatt.

Das Keimblatt teilt die Keimwurzel sichtbar, keine Sorge. Während dieser Zeit bekommt die sich entwickelnde Pflanze die Nährstoffe aus dem Keim. Ein Düngen ist nicht nötig. Die Ernährung des neuen Keimes über den Samen ist so gut, daß, wenn die Wurzel tatsächlich einmal eintrocknet, nach zügigem Wiederbefeuchten sich eine neue Keimwurzel bildet.
Wenn die Wurzel aufgrund Vernässung fault, muß man die verfaulte Stelle abschneiden, einen halben Tag antrocknen lassen und nach bestäuben mit Aatiram oder Benutzung eines Bewurzelungsmittels wieder in ein nun trockener gehaltenes Anzuchtsubstrat einsetzen. Künftig Gießfehler vermeiden.

Palmfarne sind zwar absolute Überlebenskünstler, aber sie können keine Wunder vollbringen. Deshalb: Zwingt Euch bitte zum "Nichtgießen". Es ist schade um die Arbeit und die Freude, die sich während des Keimens jedesmal wieder einstellt.

Hier ein Bild eines Bowenia-Samens, der Teil einer Lieferung erfrorener und vertrockneter Samen war und nochmals keimte.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß, wenn die Töpfe zu kurz waren und die Keimwurzel am Topfboden "im Ring rum" gewachsen war, sich diese selbst im Wuchsverhalten bis hin zur Wuchseinstellung behindert hat und daraufhin das Samenkorn nicht so stark ausgezehrt worden ist wie bei ungehindertem Wurzelwuchs. Das Samenkorn war dann noch über Gebühr lange an der Pflanze mit der Gefahr, daß sich Schimmel in das Korn einsetzt. Die Pflanzen waren weiterhin nicht so wüchsig wie jene mit großem Wurzelsystem. Ich entferne das Samenkorn nach abgeschlossenem Austrieb des zweiten Blattes von der Pflanze. Hierzu wird am Samenkorn die "Nabelwurzel" abgeschnitten, die im allgemeinen ohnehin schon ungenutzt und eingetrocknet ist. Jetzt kann dann auch mit einer leichten Düngung begonnen werden.

Dieser Schimmel sieht im günstigsten Falle weiß aus wie auf dem Samenschimmel - Bild der M. mooreii - Samen, kann aber durchaus auch als Grauschimmel auftreten und unbemerkt auf den Sämling übergehen. Bei meinen Cycas revoluta x taitungensis habe ich das beispielsweise zu spät erkannt und zwei Sämlinge verloren.

 



e): Wenn nichts keimt

Wenn nichts keimt bei dem ein oder anderen Samen, kann es daran liegen, daß dieser einfach nicht befruchtet wurde. Von außen ist das nicht zu ersehen. Da Pflanzen und deren Samen immer noch ein Naturprodukt sind, gibt es da auch gar keinen, dem man die Schuld geben kann. Solange nichtbefruchtete Samen nicht einen zweistelligen Prozentsatz ausmachen, sollte man da cool bleiben und der Natur halt auch mal einen schlechten Tag gönnen.

 





 

f).Nach einem Jahr
beim umgraben gefunden: Cycas petraea, Schwimmer, unbeachtet im September 2004 ins Feld geworfen, im Sommer/Herbst 2005 gekeimt. Nebendran ein Samen, den Schnecken zwischenzeitlich gefressen hatten:

   



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