:: Wahre Worte ::

Ich trage allein [Friedrich Rückert]
Ich klage still,
weil ich nicht will, dass man mich höre klagen;
Ich trag allein,
die Last ist mein
kein andrer soll sie tragen.
Ich habe bis auf diesen Tag
soviel getragen Schmerz und Pein;
ich hoffe, was da kommen mag,
es wird nun auch zu tragen sein.

Mein Schatten
Ich sehe in den Himmel,
er ist schwarz.
Ich sehe in den Spiegel,
ich sehe mich und DICH.
Doch ein Schatten liegt über mir,
unsichtbar und voller Kraft.
Tiefschwarz und fast unsichtbar schreitet er mit mir,
durch Tag und Nacht,
vernichtet mich langsam mit seiner Macht.
Er ist in mir und doch nicht hier,
er ist ich und doch nicht,
er wird ich sein und doch werde ich nie er sein.
Es ist der Schatten aus der Dunkelheit,
auferstanden aus einem tiefen Schlund,
aufgefahren in die Welt des Lichts.
Was niemand sieht und niemand hört,
sein schwarzer Schein.
Er dringt in dich hinein,
wie dunkelschwarzer Rauch,
durchdringt dich und scheint heraus.
Doch noch bin ich erleuchtet von Licht,
und verbrenne den Schatten schnell,
er zieht sich zurück in das Höllengebell.
Licht ist hier und Licht ist in der Nacht,
das hat alles mal Gott so gemacht.
Der Rauch verzieht sich in das Nichts,
und ich bin hier und sehe davon nichts.
Es ist da und doch nie hier.
Der Schatten von mir, meine dunkle Seite.
Andreas Frantzen 24.07.2000

Ein Engel weint [Friedrich Rückert]
Ein Engel weint' um einer Schwachheit willen,
Und sinken mußt' ein Tropf' in die Verdammung.
Denn auch die Engel weinen wohl im Stillen;
Doch ihre Tränen sind der Welt zum Frommen,
Weil aus denselben solche Perlen quillen.
Die Träne wär' im Ozean verschwommen,
Wenn nicht das Meer, den edlen Ursprung kennend,
Sie hätt' in eine Muschel aufgenommen.

Sehnsucht [Johann Wolfgang v. Goethe]
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Zehnmal bin ich seit gestern ausgegangen, |

Um Mitternacht
Hab' ich gewacht
Und aufgeblickt zum Himmel;
Kein Stern vom Sterngewimmel
Hat mir gelacht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Hab' ich gedacht
Hinaus in dunkle Schranken;
Es hat kein Lichtgedanken
Mir Trost gebracht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Nahm ich in Acht
Die Schläge meines Herzens;
Ein einz'ger Puls des Schmerzens
War angefacht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Kämpft' ich die Schlacht
O Menschheit deiner Leiden;
Nicht konnt' ich sie entscheiden
Mit meiner Macht
Um Mitternacht.
Um Mitternacht
Hab' ich die Macht
In deine Hand gegeben:
Herr über Tod und Leben,
Du hältst die Wacht
Um Mitternacht.






Du sollst nicht vor den Wogen zagen,
Ich will hindurch dich ruhig tragen.
O du mein Schmerz, du meine Lust,
Du Himmelsträn in meiner Brust!
Gib, Himmel, daß ich in reinem Gemüte
Den reinsten deiner Tropfen hüte.

Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;
Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.
Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud' und Schmerz
In der Einsamkeit.
Fließe, fließe, lieber Fluß,
Nimmer werd ich froh,
So verrauschte Scherz und Kuß,
Und die Treue so.
Ich besaß es doch einmal
Was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergißt!
Rausche, Fluß, das Tal entlang
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu!
Wenn du in der Winternacht
Wütend überschwillst,
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.
Selig wer sich vor der Welt
Ohne Haß verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,
Was von Menschen nicht gewußt
Oder nicht bedacht.
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.
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Auf einem gelben Stück Papier, grün liniert,
schrieb er ein Gedicht
Und er nannte es "Chops"
denn das war der Name seines Hundes
Und nur darum ging es.
Und sein Lehrer gab ihm eine Eins
und einen goldenen Stern
Und seine Mutter klebte es an die Küchentür
Und las es seinen Tanten vor
Das war das Jahr, als alle Kinder mit Father Tracy in den Zoo fuhren
Und sie sangen mit ihm im Bus
Und seine Schwester kam auf die Welt
Mit winzigen Zehennägeln un kahl
Und seine Eltern küssten sich oft
Und das Mädchen um die Ecke schickte ihm
Eine Valentinskarte mit vielen "X"- en
Und er fragte seinen Vater, was die "X" e bedeuten
Und sein Vater brachte ihn an diesem Abend ins Bett
Und war immer da, um das zu tun.
Auf einem weißen Stück Papier, blau liniert
schrieb er ein Gedicht
und er nannte es "Herbst"
denn es war grade Herbst
und nur darum ging es
und sein Lehrer gab ihm eine Eins
und sagte, er solle präziser schreiben
und seine Mutter klebte es nicht an die Küchentür
denn die war frisch gestrichen
und die anderen sagten ihm,
dass Father Tracy Zigaretten rauchte
und sie in der Kirche fallen ließ
und manchmal brannten sie Löcher in die Bänke
Das war das Jahr, als seine Schwester eine Brille bekam,
mit dicken Gläsern und schwarzem Gestell
Und das Mädchen um die Ecke lachte ihn aus,
als er mit ihr auf den Weihnachtsmann warten wollte
und die anderen sagten ihm,
warum seine Eltern sich oft küssten
Und sein Vater brachte ihn abends nicht mehr ins Bett
Und sein Vater wurde wütend,
als er ihn weinend darum bat
Auf einem Blatt aus seinem Notizbuch
schrieb er ein Gedicht
Und er nannte es "Unschuld: Eine Frage",
Und sein Lehrer gab ihm eine Eins
und sah ihn lange und seltsam an
Und seine Mutter klebte es nicht an die Küchentür,
denn er zeigte es ihr nicht
Das war das Jahr, als Father Tracy starb
Und er vergaß, wie das Glaubensbekenntnis ging
Und er erwischte seine Schwester,
wie sie hinterm Haus herumknutschte
Und seine Eltern küssten sich nicht mehr
und schwiegen sich an
Und das Mädchen um die Ecke trug zu viel Make-up
sodass er husten musste, wenn er sie küsste,
aber er tat es trotzdem,
weil es das war, was man halt tat
Und um drei Uhr morgens brachte er sich ins Bett,
während sein Vater nebenan schnarchte
Auf einem Stück brauner Papiertüte
versuchte er sich an einem Gedicht
und er nannte es "Absolut Nichts",
denn nur darum ging es wirklich
Und er verpasste sich eine Eins
und einen Schnitt in jedes Handgelenk
Und er klebte es an die Badezimmertür,
denn er glaubte nicht, dass er es noch
bis zur Küche schaffen würde
Dr. Earl Reul
(aus: Stephen Chbosky " Vielleicht lieber Morgen")