spielohnegewinner

Autorin : Jade

 

Inhalt : Eine Frau aus schlechten Verhältnisses lernt an einem scheinbar unscheinbaren Tag den Schauspieler Elijah Wood kennen und es entwickelt sich eine tiefe Liebe die viel überstehen muss....

 

Feedback : dark.hailie.jade@freenet.de

 

Disclaimer I : Der Titel stammt so halbwegs vom Film 'Eiskalte Engel'. Es war der Untertitel oder wie auch immer.

 

Disclaimer II : Der Inhalt stammt weitestens von MIR!

 

 

 

 

Liebe – Ein Spiel ohne Gewinner

 

~ Chapter One ~ The Beginning ~

 

Der Himmel schien so schwarz, als ob der Weltuntergang bevor stünde. Den Kopf in die Hände gestützt beobachtete Anya den schüttenden Regen durch das dreckige Fenster das in den Hinterhof  blicken ließ. „Anya, deine Bestellung ist fertig.“ Rief ihre Freundin Jennifer, die auch im ‚Eat and Drive’ Restaurant an der Autobahnraststätte arbeitete. Sie stand auf und nahm das Plastiktablett mit dem unappetitlich aussehenden Essen um es den Gästen zu servieren. Ihre Kellneruniform stank nach dem Fett der Friteuse. ‚Zum Glück ist meine Schicht in 30 Minuten vorbei’ dachte sie sich als sie zwischen den lehren Tischen entlang ging, auf den Tisch mit den zwei Männern zu.

Anya zitterte als sie den Männern das Essen auf den wackligen Tisch stellte, denn im Restaurant war es kalt.

Als sie zurück zur Theke kam sagte ihr Boss ihr das sie für Heute gehen könnte, weil wenig los sei.

Nachdem sie sich von ihren Arbeitskollegen verabschiedet hatte, ging sie zur Hintertür raus in den dunklen Hinterhof. Der kalte Wind ließ sie noch mehr zittern und der strömende Regen durchnässte ihre Jeansjacke in weniger als einer Minute. Eine streunende Katze sprang zwischen den Mülltonnen hervor. In ihrem Auto war es beinahe noch kälter als draußen und so blieb es auch, denn die Heizung war kaputt. Nach ein paar mühseligen Geräuschen die vom Motor stammten startete das Auto und Anya fuhr durch den Regen nach Hause.

Als sie die Tür zum Hausflur öffnete stieg ihr der muffige Geruch wie immer sofort in die Nase. Das hieß für sie Zuhause. Die Risse in den kalten Wänden, das Graffiti daran, die Briefkästen die beinahe auseinander fielen, das rostige Treppengeländer und die dreckigen Lampen, die das schwache gelbe Licht warfen.

Im fünften Stock das Wohnhauses angekommen schloss sie ihre Wohnungstür auf. Beim Öffnen kam ihr warme Luft entgegen, es roch nach Zigaretten und nicht mal hier stieg in Anya ein Gefühl der Geborgenheit auf.

 

*

 

„Hallo Kleines“ hörte sie ihren Freund rufen. „Warum bist du denn schon so früh Zuhause?“ sie ging zu ihm ins Schlafzimmer. „Ich hab dich doch gebeten nicht im Bett zu rauchen, Schatz!“ sagte sie kleinlaut als sie David mit der Bierdose und der Zigarette im Bett liegen und Lateshows gucken sah.

„Wenn du wie geplant nach Hause gekommen wärst, dann hättest du mich nicht rauchen gesehen, also bleib mal ganz ruhig!“

Das tat Anya auch, denn sie hat noch vom letzten Streit blaue Flecke als David sie wieder geschlagen hatte. Sie ging ins Bad, zog sich ihre muffige Uniform aus und ging unter die Dusche. Das heiße Wasser auf ihrer Haut zu spüren tat gut. Danach putzte sie sich die Zähne und zog sich ihren Pyjama an. Als sie zurück ins Schlafzimmer kam, lag er immer noch so da wie vorher. Mit der Zigarette, dem Bier und dem dröhnend lauten Fernseher.

„Ich hab dir ja erzählt das ich morgen frei habe David. Ich hab Jennifer versprochen dann bei ihr Zuhause auf Leila aufzupassen. Das du dich nicht wunderst wo ich bin. Ich werde erst Abends zurück sein!“ sagte sie als sie ins Bett stieg.

„Tu was du willst, solange ich mein Abendessen pünktlich kriege wenn ich von der Baustelle komme.“

„Das werde ich nicht schaffen Schatz“ antwortete sie kleinlaut.

„Oh doch du wirst Kleines!“ sagte er drohend, wandte sich aber nicht mal von seinem Fernseher ab.

Sie drehte sich zur Wand und zog sich die Decke bis zur Nasenspitze. Der Gestank seines Biers lag im Raum und mit den Geräuschen des Fernsehens im Ohr schlief Anya nach einer Weile ein.

 

*

 

Am nächsten Morgen wachte Anya auf als ein kleiner Sonnenstrahl, der durch die dichten Wolken durchlugte, ihre Nase kitzelte. Sie streckte sich und sah auf die Uhr. Halb Zehn zeigte der Radiowecker, aber sie war heute nicht zum ersten Mal wach. Wie immer hatte sie mit David um fünf Uhr aufstehen müssen um ihm die Brote zu schmieren und den Kaffee zu kochen.

Sie setzte sich im Bett auf und betrachtete ihre Beine. Am rechten Knie hatte sie einen großen grün-blauen Bluterguss. Es tat weh ihn zu berühren. Es war lägst nicht das erste Mal das er sie geschlagen hatte. Als sie vor 10 Monaten zusammen gekommen waren, sah alles so gut aus. Sie waren frisch verliebt und das mangelnde Geld trübte diese Situation nicht. Aber seit sie vor ungefähr einem halben Jahr zusammen gezogen waren, war alles anders. Sie stritten sich immer öfter und jedes Mal rastete David aus. Wenn Anya könnte, wäre sie nicht mehr bei ihm, doch sie kann nicht. Er würde sie nie gehen lassen.

Nachdem sie etwas gefrühstückt, sich gewaschen und umgezogen hatte, ging sie los zu Jennifer die nur einen Block weit entfernt wohnte. Sie musste heute arbeiten und Anya hatte ihr versprochen so lange auf ihre 4-jährige Tochter Leila acht zugeben. Das tat sie öfters und ihr war die Kleine richtig ans Herz gewachsen. Sie war ein kleiner Sonnenschein, lachte die ganze Zeit und war mit der Fragerei nicht zu stoppen.

Auf der Straße war ein reger Verkehr. Anyas Wohnblock stand genau an der Hauptverkehrsstraße nach New York. Zu sagen es ist ein ‚Armenviertel’ wäre übertrieben, aber es grenzte schon daran.

Das Wetter war gut. Die Wolken hatten sich mittlerweile verzogen und die Sonne schien warm an diesem Dezembermorgen. Nach fünf Minuten klingelte sie an der Wohnungstür von Jennifer, die in einem genauso herabgekommenen Haus lebte. Die kleine Leila öffnete die Tür und umarmte Anya sofort. „Hallo Anya, schön das du da bist. Gehen wir heute in die Stadt? Mama hat gesagt sie gibt dir Geld damit du mir die neue Puppe kaufen kannst. Sie heißt Sally und kann voll coole Sachen. Du musst sie unbedingt mit mir kaufen gehen, ja?“

„Klar gehen wir die kaufen meine Süße“ antwortete Anya die Jennifer auf sich zukommen sah.

„Sie freut sich total auf diese Sally Puppe und auf der Kommode liegt das Geld dafür. Ich muss schon los, muss vorher noch mal zur Bank. Also sehen wir uns heut Abend ja?“

„Kannst du Leila heut Abend vielleicht von mir abholen? Ich muss um Acht Zuhause sein.“ Sagte Anya „wegen David...“ fügte sie nach Kurzem noch dazu.

„Klar, mach ich. So gegen halb Neun werd ich da sein. Und lass dich von dem Kerl nicht unterkriegen.“ Jennifer umarmte Anya noch, gab ihrer Tochter einen Kuss auf die Stirn und verschwand dann durch die Tür.

„Gehen wir jetzt gleich Sally kaufen? Bitte, Bitte!“

 

*

 

Anya hängte erst mal ihre Jeansjacke und ihre Tasche an die Garderobe. Leila rannte durch die Wohnung und kam mit einer Zeitung zurück.

„Guck hier, das ist Sally! Sieht die nicht voll toll aus?“ rief die Kleine und hielt Anya ein Bild unter die Nase. „Na, die ist ja süß. Weißt du Leila, die gehen wir gleich kaufen, aber wollen wir vorher nicht noch einen Tee zusammen trinken?“

Leila nickte, ging zum Sofa und schaltete den Fernseher. Anya setzte das Wasser für den Tee auf und als er fertig war setzte sie sich zu Leila auf die Couch. Sie schauten zusammen Comicserien, bis sie die Tassen geleert hatten. Leila konnte es gar nicht mehr erwarten, deshalb gingen sie dann auch los. Sie fuhren mit dem Auto bis in die Innenstadt zu einer Shopping-Mal und gingen in einen Spielwarenladen. Leila schaute gar nicht nach anderen Sachen. Sie nahm schnell einen Karton mit dieser Puppe und kam zu Anya zurück gerannt.

„Hier, lass und gleich bezahlen gehen und dann nach Hause fahren ich will sie auspacken.“ Anya musste über die Vorfreude der Kleinen etwas schmunzeln und ging zur Kasse.

„Ich muss aber noch schnell am Ende der Straße etwas einkaufen gehen. Du wirst dich noch ein wenig länger bis zum auspacken gedulden müssen, befürchte ich.“ Sagte Anya als sie wieder auf der Straße waren.

„Das ist nicht so schlimm, jetzt hab ich sie ja wenigstens schon.“ Antwortete sie und grinste Anya an.

Nachdem sie im Lebensmittelgeschäft waren, wollten sie zurück zum Auto und auf ein Mal erblickte Leila eine kleine Katze mitten auf dem Bürgersteig.

„Guck mal Anya, eine Mieze.“ sie bückte sich, doch die Katze rannte weg und Leila gleich hinterher.

„He Mieze, renn doch nicht weg.“ Rief sie dem Tier nach und rannte genau auf die viel befahrene Straße zu, der Katze hinterher.

‚Schei**!’ schoss es Anya durch den Kopf. „Leila bleib stehen. Nicht auf die Straße!“ doch Leila hörte nicht und rannte nur weiter der Katze hinterher. Doch da wurde sie von einem Mann aufgehalten, der ihre stürmische Verfolgungsjagd abbremste. Sie wehrte sich sichtlich, als er sie hoch nahm, da sie der Katze weiter folgen wollte. Diese war aber schon gar nicht mehr zu sehen. Anya rannte mit ihren Einkaufstüten erleichtert auf den einen der zwei Männer zu, der Leila auf dem Arm hatte.

„Meine Güte bin ich ihnen dankbar, das sie Leila aufgehalten haben!“ prustete sie dem jungen Mann entgegen.

Dieser sah sie eindringlich mit seinen strahlend blauen Augen an. „Schon gut. Dein kleiner Wirbelwind heißt also Leila, ja?“ sagte er und wandte sich der Kleinen zu. Anya bekam fast kein Wort mehr heraus. Diese wunderschönen Augen! Irgendwoher kannte sie den Mann, aber sie wusste nicht von wo.

„Ähm, nein. Das ist leider nicht mein kleiner Wirbelwind.“ antwortete sie und lächelte den Mann an. Sie nahm ihm Leila ab und strich ihr über die Wange.

„Hey, mach so was nie wieder. Du hättest überfahren werden können, wenn der nette Mann dich nicht eingefangen hätte!“

„Tschuldigung!“ sagte Leila leise und guckte zu Boden.

„Ich danke ihnen so sehr!“ sagte Anya und schaute schüchtern zu dem Mann hinüber.

„Du brauchst mich nicht ‚Sie’ zu nennen. Ich heiße Elijah. Und der da hinter mir ist Orlando.“ Dabei zeigte er auf den Mann hinter sich der die ganze Situation still beobachtet hatte.

„Hallo.“ Sagte dieser und gab Anya die Hand.

„Tut mir leid, Elijah und ich heiße Anya. Trotzdem Danke noch mal.“ Woher kam ihr der Mann nur so bekannt vor? Und dieser Orlando auch.

„Also dann“ sagte sie schnell, „ich muss los. Schönen Tag noch!“ Sie wartete keine Antwort mehr ab, drehte sich um und ging. Hinter sich hörte sie Elijah noch „Auf Wiedersehen“ rufen, wandte sich aber nicht mehr um.

 

*

 

~ Chapter Two ~ Blue Eyes ~

 

Den Rest des Nachmittags, spielte Leila mit ihrer neuen Sally und Anya konnte an nichts anderes mehr denken als an Elijah. Der Mann mit den schönsten Augen in die sie je gesehen hatte. Es war als könnte man direkt in ihn hinein sehen. Sie waren so klar, so ehrlich und liebevoll, so wunderschön!

So gegen Acht packte sie ihre Sachen zusammen, nahm Leila mit Sally auf den Arm und ging zu sich nach Hause. Sie musste noch das Abendessen für David vorbereiten, der bald von der Arbeit kam.

Zuhause angekommen, schaltete sie den Fernseher an.

„Leila, ich mach jetzt Abendessen Mommy holt dich gleich wieder ab. Solang kannst du noch mit Sally spielen, ja?“

„Mach ich!“ sagte sie und setzte sich auf den Boden vor den Fernseher.

Beim Essen machen dachte Anya noch mal ganz angestrengt darüber nach woher sie diese beiden Männer kannte. Und auf einmal hörte sie bei den Nachrichten im TV diese Stimme wieder. Sie drehte sich um und sah genau die beiden Männer von vorhin im Fernsehen!

‚Herr Der Ringe - Die Zwei Türme’ schallte es aus dem Fernseher.

Sie erinnerte sich. Das waren die Hauptdarsteller von Herr der Ringe. Der Hauptdarsteller von Herr der Ringe hatte heute die Tochter ihrer besten Freundin gerettet!

Sie konnte es gar nicht fassen.

Elijah Wood und Orlando Bloom waren ihr heut begegnet. Das konnte doch gar nicht wahr sein. Anya glaubte es nicht!

 

Bald kam Jennifer um Leila abzuholen. Anya erzählte ihr von der Geschichte und den schönsten blauen Augen der Welt.

„Das ist unglaublich!“ sagte sie nachdenklich.

„Er war total freundlich und du verdankst ihm höchstwahrscheinlich die Gesundheit deiner Tochter.“

„Aber du glaubst doch nicht das du den jemals wieder siehst, oder? Mach dir da bloß keine Hoffnungen!“

„Habe ich jegliche Andeutung gemacht, das ich das tue?“ antwortete Anya verärgert.

„Nein Süße. Aber vergiss nicht was passiert wenn David davon erfährt. Ich muss jetzt auch los. Komm Leila!“

Kurze Verabschiedung und die zwei waren weg.

 

*

 

Der weitere Abend verlief gut. David kam bald nach Hause und sie aßen zu Abend. Sie unterhielten sich ein Wenig und Anya war ziemlich abwesend, weshalb fast wieder ein verhängnisvoller Streit ausgebrochen wäre. Doch sie schaltete noch im richtigen Moment um und konnte weitere Schläge verhindern.

Den ganzen Abend lang schwirrte in ihrem Kopf nur Elijah umher. Sie konnte diese tiefen, klaren Augen nicht vergessen. Sie waren so blau. Mehr als nur blau. Wie er sie angesehen hatte, dass war unvorstellbar. Doch ihr war klar das es nichts zu bedeuten hatte. Sie war nicht die Art von Mensch die sich auf einfache Dinge etwas einbildete.

Morgen hatte sie noch frei und würde mit einer anderen Freundin Joggen gehen. Sonst hatte sie nichts vor. Erst Mittwoch würde sie wieder arbeiten müssen, das kam ihr sehr gelegen, so konnte sie noch einen ganzen Tag entspannen und von den blausten Augen der Welt träumen...

 

*

 

Elijah und Orlando saßen in einem Café.

„Sag mal Orli, wie fandest du eigentlich die Frau von gestern? Sie war doch nett, oder?“

Orlando schaute überrascht zu Elijah auf und musste grinsen.

„Meinst du etwa die mit dem kleinen Mädchen?“

„Na wen denn sonst?!“

„Ich fand sie ganz süß, wieso?“

„Ach nur so. Ich fand sie eben auch sehr ... nett!“

„He Lij, wars bei dir etwa die Liebe auf den ersten Blick?“ Orlando musste wie immer über seinen eigenen Scherz lachen und stellte seine Tasse mit Tee auf den Teller.

„Ach, erzähl doch kein Mist. Ich fand sie einfach nur nett und die Kleine war auch voll süß.“ sagte Elijah etwas gereizt.

„Na dann ist ja gut. Du wirst sie wahrscheinlich eh nicht wieder sehen. Die Stadt ist groß, denk dran und du weißt ja nicht mal ob sie überhaupt hier wohnt!“

„Nun mach mal kein Stress wo Keiner ist. Es war nur eine Frage!“ Elijah nahm seinen Kaffee und trank den letzten Schluck aus. Er wusste eigentlich selbst nicht so wirklich warum er Orlando darauf angesprochen hatte. Aber seit er gestern dieser Frau begegnet war, ließen seine Gedanken sie nicht mehr los. Warum war sie nur so schnell verschwunden.

Sie war wirklich hübsch gewesen. Das zarte Lächeln, die langen, blonden Haare die ihre vor Kälte geröteten Wangen umspielten, die großen braunen Augen und dann diese süße Stimme. Er wollte sie wiedersehen. Er wusste nicht warum, aber er konnte an nichts anderes mehr denken. Und er wusste auch schon wie er sie finden würde.

 

*

 

Am Mittwoch war im ‚Eat and Drive’ viel los. Anya war nur am Rennen. Von der Theke zur Küche, zu einem Tisch, zurück zur Küche und zum nächsten Tisch. So ging es ihre ganze Frühschicht lang. Jetzt hatte sie fast Schluss und langsam kam der Mittagsbetrieb in Schwung.

Anya ging hinter in die Küche und wollte sich langsam fertig machen um zu gehen. Nach einer Weile kam ein Kollege und sagte das an der Theke ein Mann wäre der nach ihr gefragt hätte. Anya konnte sich nicht denken wer es war und ging nach vorn. Sie sah sich um und mitten im Gewimmel der vielen Gäste stand Elijah.

Sie hatte ihn schon wieder fast vergessen, sich damit abgefunden ihn nicht wieder zusehen und jetzt stand er hier im ‚Eat and Drive’. Wie hatte er sie gefunden? Was wollte er?

Sie ging auf ihn zu und als er sie sah lächelte er erfreut.

„Soll ich ihnen etwas zu essen bringen?“ fragte sie. Sie konnte sich nicht denken was er sonst wollte.

„Ich sagte doch du sollst mich nicht siezen und nein, ich möchte nichts essen. Ich bin hier um mich ein Wenig mit dir zu unterhalten. Wenn das möglich wäre.“ Sagte er etwas nervös und sah so aus als ob er sich nicht sicher wäre ob Anya das auch wollte. Eigentlich wusste er gar nicht richtig was er hier zu suchen hatte.

„Wir können uns gern unterhalten, meine Schicht ist grad zuende.“ Sie war sich nicht sicher was er wollte, aber gegen eine Unterhaltung sprach ja nichts.

Also gingen die beiden zu einem Tisch der etwas ruhiger stand und setzten sich gegenüber.

 

*

 

Nach einem Moment der bedrückenden Stille fasste sich Anya ein Herz.

„Elijah, warum bist du hier?“ Sie fühlte sich etwas unbehaglich und aus Elijahs Blick konnte man einen ähnlichen Ausdruck erkennen.

„Ich... Ich denke, ... ich wollte dich einfach wiedersehen.“

Er wollte sie wiedersehen? Fand er sie etwa nett? Er war ein solch bekannter Star, kannte so viele Menschen. Warum wollte er ausgerechnet eine solch unbedeutende Kellnerin wie sie wiedersehen?

„Ich verstehe nicht ganz, tut mir leid.“ Etwas anderes viel ihr nicht ein was sie hätte antworten können.

„Ich, fand dich am Montag sehr sympathisch und ich kann es nicht erklären. Ich hatte einfach das Verlangen danach dich zu sehen. Ist das ein Problem für Dich?“ er sah sie verlegen an und seine Augen glitzerten.

„Nein, ist es nicht. Überhaupt nicht. Ich finde dich auch sehr nett. Aber wieso hast du eigentlich Zeit hier her zu kommen? Musst du nicht zu irgendwelchen Interviews, Fotoshootings, Drehorten oder was auch immer? Und wie hast du mich überhaupt hier gefunden?“

„Du weiß also wer ich bin?“ lachte er. „Nein, ich habe zur Zeit Urlaub und wie ich dich gefunden habe? Mein kleines Geheimnis!“

Anya musste ein Wenig lächeln.

„Es hat zwar etwas gedauert bis mir einfiel wer du bist, aber ganz so weit lebe ich auch nicht hinter dem Mond.“ Antwortete sie ihm.

„Und in deinem Urlaub hast du also nichts besseres zu tun, als eine wildfremde Frau zu suchen, der du in der Stadt begegnet bist, oder was?“

Elijah lachte und blickte zu Boden. Dann wendete er sich Anya zu und sagte

„Nicht wenn sie so süß ist.“

Anya war verlegen. Sie fand ihn auch sehr gut aussehend und konnte ehrlich gesagt die letzten Tage an nichts anderes denken, als an ihn.

Die Unterhaltung wendete sich immer mehr zu einem schönen Gespräch. Anya lachte sehr viel und Elijah war total gut drauf. Von der anfänglichen ‚Verklemmtheit’ war nichts mehr zu spüren.

Sie hatten jetzt mindestens eine Stunde so dagesessen und sich über alle möglichen unpersönlichen Dinge unterhalte. Musik, Kino, Leila, ...

Als Anya auf die Uhr sah war es schon kurz nach Zwei.

„Mein Gott, ich muss langsam los.“ Sagte sie und lehnte sich zurück. Ihr Gesicht war vom Lachen ganz rot geworden.

„Ja, es wird Zeit.“ Sagte Elijah.

„Es war wirklich nett mit dir. Vielleicht könnte man das ja mal wiederholen. Was ist mit Freitag? Wir könnten essen gehen?“

In Anyas Körper kribbelte es, Elijah wollte sie wiedersehen! Es kam ihr noch immer so unwirklich vor.

„Im Grunde schon, aber ich weiß nicht ob mein Freund etwas dagegen hat.“ Sie hatte ihm bis jetzt noch nicht erzählt das sie einen Freund hatte und wusste nicht wie er reagieren würde.

Nach einem Moment in dem sein Lächeln schwand, fing er sich wieder und sagte

„Ich kann dir ja meine Nummer geben und du meldest dich dann bei mir. Was meinst du?“

Er nahm eine Serviette und schrieb eine Handynummer darauf.

„Ja, so machen wir es.“ Anya steckte die Serviette in ihre Tasche und stand auf.

„Ich muss jetzt gehen. Ich melde mich Morgen, einverstanden?“

„Natürlich“ sagte Elijah und erhob sich auch. „Wir sehen uns.“

 

*

 

Am nächsten Tag ging es Anya nicht sehr gut. David hatte gestern Stress auf der Arbeit gehabt und seinen Ärger an ihr ausgelassen. Ihre Knochen und Gelenke schmerzten bei jeder Bewegung. Es war selten so schlimm gewesen wie gestern. Er hatte so unglaublich hart zugeschlagen und Anya konnte nichts anderes tun als es über sich ergehen zu lassen. Sie saß nur da auf dem Boden und ließ sich schlagen. So wie sei es immer tat. Sie hatte Angst das er noch mehr ausrasten würde wenn sie sich wehrte. Aber glücklicher Weise war David jetzt eine Woche lang nicht da. Er würde erst nächsten Freitag wieder nach Hause kommen. Seine Firma hatte einen Auftrag in einer anderen Stadt und heute Morgen war er losgefahren. Das hieß auch das für Anya nicht dagegen sprach sich morgen wie geplant mit Elijah zu treffen.

Bis jetzt hatte sie sich noch nicht dazu durchgerungen ihn anzurufen. Sie würde ihn doch sicher stören wenn sie so mitten am Tag anrief. Obwohl, er hatte doch frei. Sie nahm das Telefon in die Hand und starrte auf die Serviette auf die Elijah seine Nummer geschrieben hatte. Sie wählte die Nummer und nach zwei Tönen ging er ran.

„Hallo Elijah, hier ist Anya. Du erinnerst dich noch?“ begann sie etwas aufgeregt.

„Natürlich erinnere ich mich noch an dich. Schön das du anrufst. Wie geht es dir?“

„Ja, ziemlich gut und dir?“ was hätte sie Anderes sagen sollen? Ihm etwa von den Schlägen erzählen?

„Mir geht es sehr gut. Also, wie ist es? Wollen wir morgen Abend etwas zusammen unternehmen?“

„Ja, das wäre wunderbar. Ich würde mich wirklich sehr freuen.“

„Das ist schön. Ich hatte mir überlegt das wir vielleicht in das Restaurant ‚El Terzio’ gehen könnten. Kennst du das? Dort ist es schön ruhig. Ich würde dich natürlich einladen. Wir könnten uns ein Wenig unterhalten und gut essen. Gestern war es sehr schön in deiner Gesellschaft.“

Anya kannte dieses Restaurant, es war eines der teuersten der Stadt. Sie war noch nie drin gewesen. Das konnte sie sich gar nicht leisten. Aber sie wollte Elijah nicht enttäuschen und sagte zu. Sie verabredeten sich gegen 18.00 Uhr davor.

Als Anya aufgelegt hatte, zitterte ihre Hand noch vor Aufregung. Das ‚El Terzio’ also. In solchen Kreisen verkehrte sich normalerweise nicht. Sie hoffte nur Elijah dort nicht bloß zu stellen oder wie auch immer. Trotzdem freute sie sich sehr auf den morgigen Abend.

 

*

 

~ Chapter Three ~ Love is in the air ~

 

Es war Freitag und in zwei Stunden würde Elijah sich mit Anya vor dem Restaurant treffen. Er war etwas aufgeregt, versuchte es aber zu unterdrücken. Das Telefon klingelte und als er ranging, begrüßte ihn Orlando.

„He Lij, was ist los?“

„Was soll los sein, Orli?“ (Anm. d. A. : auf dumme fragen gibt es auch dumme Antworten...)

„Ich wollte eigentlich bloß fragen, ob du heute Abend mitkommst? Dom’ gibt eine kurzfristige Party.“

„Ähm... nein. Sorry Orli, ich habe schon was vor.“ Antwortete Elijah.

„Schade. Wir hatten fest mit dir gerechnet. Was gibt’s denn bei dir so dringendes?“

Nach kurzem Zögern antwortete er

„Ich bin mit Anya verabredet.“

„WAS? Mit der Frau von Montag? Die mit dem Kind?“

„Ja, genau sie. Ich habe sie Mittwoch auf ihrer Arbeit besucht und wir sehen uns heut wieder.“

„Ach du Schei**! Bist du der Frau echt nachgestiegen?“

„Ich bin ihr nicht nachgestiegen! Ich wollte sie nur wiedersehen!“ antwortete Elijah aufbrausend.

„Lij, was glaubst du eigentlich wer du bist? Es hört sich zwar krass an, aber du stehst in der Öffentlichkeit. Du kannst nicht einfach einer fremden Frau nachrennen. Du weißt doch gar nicht was hinter der steckt. Das kann Konsequenzen haben. Für Dich und für Sie.“

„Das geht dich nichts an Orlando. Ich kann mich immer noch treffen mit wem ich will. Sie ist eine überaus nette Frau und ich freue mich wirklich auf heute Abend. Ich hatte gedacht du würdest dich als mein bester Freund ein Wenig mehr für mich freuen.“

Elijah wollte schon auflegen.

„Elijah, erzähl kein Mist. Du weißt, wenn sie dich glücklich macht, dann freue ich mich mehr als jeder Andere für dich. Aber sei erst Mal vorsichtig. Für die Presse ist das doch ein gefundenes Fressen.“

„Es ist nett das du dir Sorgen um mich machst, aber das ist nicht so. Du kannst das vielleicht nicht verstehen und ich muss sagen, ich tue es selbst nicht, aber sie bedeutet mir schon jetzt sehr viel. Auch wenn wir uns nicht lange kennen habe ich das Gefühl ihr nah zu sein. Glaub mir Orli, das ist nicht so.“

„Du musst es wissen. Ich wollte dir da wirklich nicht rein reden, glaub mir. Also, wir werden dich heut Abend vermissen. Trotzdem einen schönen Abend mit ihr.“

„Den werden wir sicher haben. Ich melde mich. Bye!“

Elijah legte auf und dachte nach. Ob Orlando Recht hatte?

 

*

 

Anya war gerade fertig geworden mit dem Anziehen und dem Schminken und wollte los. Sie hatte sich für den Abend fein gemacht, schließlich wusste sie was dort für eine Kleiderordnung galt und es sollte ein netter, gemütlicher Abend werden. Sie trug also ein langes dunkelblaues Kleid, das rückenfrei war und hatte dazu ihre blonden Haare hochgesteckt. Das Kleid stammte noch aus der Zeit in der Anya nicht so knapp bei Kasse war. Es sah wirklich gut aus, aber sie hatte es erst ein oder zwei Mal getragen. Elijah war etwas besonderes, nicht nur im Bezug auf das Kleid. Sie steckte sich noch die silbernen Ohrringe mit den kleinen blauen Steinchen an, als es bereits halb sechs war und sie sich langsam beeilen musste. Sie schnappte nach ihrer Handtasche und ging.

Als sie kurz vor sechs mit dem Auto vor dem Restaurant ankam, war es sehr voll auf dem Parkplatz. Sie stieg aus und ging auf das Restaurant zu. Ihre Hände waren nicht nur wegen des typischen Dezemberwetters ganz kalt, sondern auch vor Aufregung. Hoffentlich würde Elijah sie hübsch finden, dachte sie.

Da stand er ja auch schon, in einer schwarzen Hose und dazu einem weißen Hemd mit einer dunklen Jeansjacke darüber. Er sah gleichzeitig elegant-höflich und sehr lässig-sportlich aus. Eine Mischung die Anya gefiel.

„Hallo Anya, schön das du kommst.“ Zur Begrüßung gab er ihr einen Kuss auf die Wange, was Anyas Herz einmal aussetzen ließ.

„Weshalb sollte ich nicht kommen? So einen Abend würde ich mir doch nie entgehen lassen.“

„Das freut mich zu hören.“

Er nahm ihre Hand und sie gingen hinein.

„Ich habe einen Tisch reservieren lassen.“ Sagte er und ging zum Portier. Dieser führte sie dann in eine still gelegene Ecke und nahm ihnen die Jacken ab.

Elijah setzte sich ihr gegenüber.

„Du siehst wirklich wunderhübsch aus.“ Sagte er etwas verlegen und beugte sich ihr zu.

„Das ist lieb von dir. Du siehst auch gut aus.“ Gab sie zurück. Sie nahmen die Karte und nach kurzem entschieden sie sich. Anya wollte erst Mal einen Putensalat und danach den Lachs. Elijah nahm hingegen eine Brokkolisuppe und als Hauptspeise ein Steak.

Als die Bestellungen aufgenommen wurden fragte Elijah überraschend

„Hatte dein Freund also nichts dagegen das wir uns heute sehen?“

Anya wusste nicht so Recht was sie sagen sollte. Sie hätte ihm nie auf die Nase gebunden was bei ihr zu Hause los war.

„Er ist zur Zeit mit seiner Baufirma in einer anderen Stadt und, also... wie soll ich sagen, das mit uns ist etwas anders...“

„Anders? Wie soll ich das verstehen?“

„Also, normalerweise liebt man seinen Partner und das ist bei mir nicht mehr der Fall.“

Sie wusste das sich das dumm anhören musste, aber sie konnte es nicht anders ausdrücken ohne zu weit zu gehen.

„Wieso seid ihr dann noch zusammen?“ fragte Elija etwas verwirrt und blickte in ihre großen braunen Augen.

„Das kann ich dir jetzt nicht erklären Elijah. Du würdest es nicht verstehen.“

Elijah merkte das Anya nicht weiterhin darüber sprechen wollte und wechselte deshalb das Thema.

„Ich verstehe. Sag mal, wann warst du eigentlich das letzte Mal im Kino?“

Anya war froh das er nicht weiter auf  ihre Beziehung eingehen wollte. Sie unterhielten sich folgend über Kino, wie sich später herausstellte, wollte Elijah sie nämlich einladen mit ihm wieder Mal in einen Film zu gehen, da er schon so lang nicht mehr war.

Bald kam das Essen und es schmeckte einfach wunderbar.

 

*

 

Der Abend verlief weiterhin sehr angenehm und Anya fühlte sich wohl in seiner Gesellschaft. Sie hatte dieses Gefühl der Geborgenheit schon seit einiger Zeit nicht mehr gehabt. Sie konnte sich mit Ihm so ungedrungen unterhalten. Er hatte so eine auflockernde Art an sich, die sie noch bei keinem Mann zuvor so erlebt hatte. Als es schon ziemlich spät war und sie beide aufgegessen hatte, schlug Elijah vor noch etwas spazieren zu gehen, der Park sei ja nicht weit. Da Anya nicht nach Hause wollte um sich von der Realität und David wieder einholen zu lassen, stimmte sie zu und so zahlte Elijah und sie ließen sich ihre Jacken bringen. Anya war es etwas unangenehm gewesen das er die hohe Rechnung allein zahlte, aber er hatte darauf bestanden. Als sie aus dem Restaurant raus waren, legte Elijah sanft seinen Arm und Anya und sagte

„Das war doch wirklich lecker, oder was meinst du?“

In dem Moment blitzte es. Es wurde fotografiert. Elijah wandte sich um und entdeckte den Fotografen.

„Würde sie bitte aufhören? Ich bin hier privat und möchte momentan nicht fotografiert werden.“ Sagte er in einem ernsten Ton.

„Natürlich nicht.“ Sagte der Mann und eilte auch schon davon.

Anya war das sehr unangenehm, schließlich hatte der Typ jetzt Fotos von den Zweien.

„Ziemlich unfreundlich der Kerl. Normalerweise fragt man mich wenigstens vorher.“

„Du hast ihm ja gleich die Meinung gesagt.“

„Ja natürlich. Ich möchte meinen Abend mit dir gerne ungestört verbringen.“

Anya nickte und lehnte sich beim laufen gegen Elijahs Schulter, sein Arm lag immer noch um sie und das gab ihr das Gefühl von Nähe und Wärme.

 

*

 

Im Park war es leer und es wurde Anya immer kälter, das auch Elijahs Arm nichts nutzte. Sie spazierten so zwischen den Bäumen hindurch, als Elijah plötzlich etwas sagte

„Anya, ich weiß wir kennen uns noch nicht lange. Na ja eigentlich erst seit ein paar Tagen. Aber...also... ich wollte dir sagen...das...“ er verstummte.

„Was möchtest du sagen Elijah? Raus mit der Sprache. Ich werde dir schon nicht den Kopf abreißen?“ Sie schenkte ihm eines ihrer schönsten Lächeln.

„Ich wollte dir eigentlich bloß sagen das ich dich sehr nett finde und du bist auch...du bist wirklich hübsch. Ich würde es sehr schön finden wenn wir uns weiterhin treffen könnten...auch wenn dein Freund wieder hier ist.“

Anya schaute zu Boden. Sie wusste nicht so recht was sie sagen sollte.

„Elijah, du bist wirklich ein sehr lieber Kerl und ich würde lügen wenn ich sagen würde das ich mich nicht zu dir hingezogen fühle, aber wie gesagt, das mit mir und David ist etwas schwierig.“

„Das sagtest du vorhin bereits. Ich will dir nicht zu nahe treten, aber das hört sich alles etwas komisch an.“

„Ich...ich weiß. David ist eben etwas...er ist ein Wenig aufbrausend...“

Während sie sprachen liefen sie weiterhin den Weg entlang.

„Soll ich unter aufbrausend verstehen, das...“ Elijah verstummte wieder.

Er blieb stehen und hielt Anyas Arm sanft fest. Er schob ihre Jacke weg und auch ihr hochgeschnittenes Kleid ein Wenig. Er hatte vorhin den großen blauen Fleck an ihrem Hals gesehen, den sie mit dem hohen Ausschnitt grade so verdecken konnte.

„Er schlägt dich nicht wahr?“ sagte er leise und strich über den Bluterguss.

Anya fühlte die Tränen in ihren Augen aufsteigen. Sie musste sich beherrschen sie nicht laufen zu lassen.

„Ich kann ihn nicht verlassen.“ schluchzte sie und schob Elijahs Hand weg.

„Warum nicht?“

„Er würde mich nicht gehen lassen. Er würde mich zurück holen. Außerdem wüsste ich nicht wohin ich soll.“

„Du könntest zu mir kommen...“ sagte er leise.

Doch darauf reagierte Anya erst gar nicht und schloss ihre Jacke wieder.

„Ich glaube ich sollte jetzt nach Hause gehen.“

Elijah seufzte. Er hatte auf eine Entscheidung oder etwas derartiges gehofft.

„Ich bringe dich noch zu deinem Auto.“ Sagte er dann und legte seinen Arm wieder um sie. Den weiteren Weg legten sie schweigend zurück und dem Abschiedskuss, den Elijah ihr auf die Wange geben wollte, entzog sich Anya indem sie schnell einstieg.

 

*

 

~ Chapter Four ~ Change ~

 

Zwei Tage später versuchte Anya immer noch verkrampft nicht zu viel über Elijah nachzudenken. Wie konnte sie sich nur Hoffnungen machen, sie wusste doch von Anfang an, das es keine Zukunft hätte. Sie las gerade die Tageszeitung als ihr Blick auf einer Seite hängen blieb. Da war das Foto. Das Foto von Elijah und ihr! Dieser Fotograf musste es gleich verkauft haben.

Da war ein Foto von Elijah Wood der seinen Arm um eine Frau legte und der Titel ‚Elijah Woods neue Flamme?’ Anyas Hände zitterten so sehr das ihr die Zeitung runterfiel. David las jeden Morgen diese Zeitung!!

Sie eilte zum Telefon. Es war Mittags, Elijah müsste eigentlich wach sein. Sie wählte seine Nummer und er hob gleich ab. Mit zittriger Stimme sagte sie

„Sag mal, hast du schon in die heutige Zeitung geguckt?“
“Hallo Anya, mit dir hätte ich gar nicht gerechnet. Wieso die Zeitung? Was ist los? Du hörst dich nicht gut an.“

„Guck in die Zeitung Elijah. Seite 17. Vorgestern... der Fotograf... wir beide... Arm in Arm..“

Anya war völlig außer sich, nur noch die Reaktion von David ging ihr durch den Kopf. Er würde sie totschlagen!

„Warte, ich hab die Zeitung jetzt hier.“

Sie hörte ihn blättern.

„Ist doch ein schönes Foto, was hast du?“

„Ein schönes Foto???“ stieß sie mit hoher Stimme aus.

„Ein schönes Foto?“ Die Tränen liefen ihr über die Wangen und sie schluchzte.

„Weißt du eigentlich was David mit mir macht wenn er das sieht?? Hast du eine annährende Ahnung? NEIN! Hast du nicht!“

Elijah stöhnte auf.

„Es tut mir leid daran hatte ich grad nicht gedacht. Ich .... was willst du jetzt machen?“

„Du stellst tolle Fragen. Ich hab keine Ahnung. Ich denke...ich muss hier weg. Das würde er nie akzeptieren. Er ist so rasend eifersüchtig. Nie würde er...“

Anya konnte das weinen nicht unterdrücken und Elijah wusste nicht was er tun sollte. Er wollte ihr nur helfen.

„Soll ich vorbei kommen?“ fragte er.

Anya wollte ihn eigentlich nicht hier in dieser miesen Wohngegend haben, aber was sollte sie tun. Sie wusste sich jetzt nicht anders zu helfen.

„Ja, bitte komm her.“

Sie sagte ihm die Straße und legte auf.

 

*

 

Eine halbe Stunde später klingelte es. Inzwischen hatte Anya aufgehört zu weinen und sich die Wangen getrocknet. Es war ihr mehr als unangenehm Elijah in diese Gegend zu holen. Als er oben war, sah er ihr verweintes Gesicht und schloss sie fest in die Arme. Am liebsten hätte er sie nie wieder losgelassen. Sie bat ihn herein und sie setzten sich auf das Sofa, die Zeitung vor ihnen auf dem Tisch.

„David hat schon angerufen.“

„Was...was hat er gesagt?“

„Er schrie mich an. Er sagte ich werde schon sehen was ich davon habe wenn er wieder Zuhause ist.“

„Du musst hier dringend weg. Du musst endlich den Schritt gehen.“

„Ich weiß.“ Sagte sie leise.

Die Tränen stiegen wieder in ihr auf. Sie lehnte sich an Elijahs Schulter und er küsste sanft ihre Stirn.

„Ich hab sogar schon ein paar Sachen gepackt.“

„Ernsthaft?“ fragte er und schaute ihr tief in ihre braunen Augen.

„Könnte ich vielleicht auf dein Angebot von Freitag zurück kommen? Ich meine, dass ich zu dir kann?“

Elijah lächelte sie warm an.

„Das wünsche ich mir sogar.“

Anya stand auf und ging ins Schlafzimmer.

„Wäre es dir recht wenn wir jetzt schon fahren und später noch ein paar Sachen holen? Ich möchte nicht mehr länger als nötig hier sein. Ich hab lange genug gewartet.“ Jetzt klang sie entschlossen und nahm ihre Reisetasche in die Hand.

„Du hast vollkommen Recht.“

Er nahm ihr die Tasche ab und sie fuhren zu ihm. Im Gegensatz zu ihrer alten Wohngegend eine sehr gehobene Umgebung. Elijah wohnte in einem großen gut eingerichtetem Appartement.

„Es ist mir etwas unangenehm dich jetzt hier zu belagern. Ich meine, wir kennen uns doch nicht einmal richtig.“ Sagte sie als sie zur Tür herein kamen.

„Machst du Scherze? Es ist mir fast eine Ehre dich hier zu haben.“

Er umfasste ihre beiden Arme und sah sie an. Sie ist so schön, dachte er.

„Ich empfinde eine ganze Menge für dich, glaub mir. Und die Tage die ich dich kenne, habe ich schon ziemlich in dein Leben hinein gefunkt, meinst du nicht auch?“

Anya musste grinsen. „Ja, da hast du wohl Recht.“

Elijah umarmte sie fest und gab ihr einen langen, innigen Kuss.

Ich zeige dir jetzt das Gästezimmer, ich möchte dir ja nicht zumuten mit mir in einem Bett zu schlafen. Ich schnarche ziemlich laut.“

„Nein, ich glaube das Gästezimmer ist erst Mal das richtige.“

Er führte sie zu einem großen Zimmer am Ende des Flurs.

„Hier kannst du dich erst Mal einrichten, lass dir Zeit. Ich muss erst Mal telefonieren.“

„Danke“ sagte sie und strich ihm über die Wange.

 

*

 

Im Zimmer war eine schöne helle und warme Atmosphäre. Ein großes Fenster zur Straße mit leichten hellen Vorhängen waren neben dem großen Bett. Gegenüber ein großer Kleiderschrank und ein Schreibtisch. Neben der Tür noch zwei Sessel und ein kleiner Couchtisch. Es war ziemlich groß.
“Mensch, so groß war gerade Mal unser Wohnzimmer...“ sagte sie zu sich selbst und stellte ihre Tasche aufs Bett. Sie fing an ihre Sachen in den Kleiderschrank zu packen und überlegte was sie nachher noch aus ihrer Wohnung holen konnten. Sie hatte bis jetzt nur die meisten ihrer Klamotten genommen und ein paar Dinge aus dem Bad. Sie wollte nicht zu viel mitnehmen Elijah hatte ja hier erst Mal alles und sie brauchte nichts mitnehmen.

 

*

 

Elijah hingegen versuchte gerade Orlando zu erreichen seit Freitag Abend hatte er nicht mehr mit ihm gesprochen, obwohl er sagte er melde sich. Orlando nahm ab und klang etwas verschlafen

„Jahhha... Bloom hier.“

“Sag mal Orli, es ist halb Drei Nachmittags, bist du grade erst aufgestanden?“

„Na ja...“ sagte Orlando etwas verlegen „du hast mich grad ausm Schlaf geklingelt.“

„Alter, ich muss dir was sagen. Hast du schon die neue Zeitung?“

„Ja, die liegt vor mir, wieso?“

„Schlag mal die 17 auf.“
Nach dem Geräusch des Blätterns kam eine kurze Pause

„Was hab ich dir gesagt Monkey? Ich ab gesagt du sollst aufpassen, aber NEIN. Der kleine Hobbit denkt nicht mal dran. Schon zwei Tage später ein Foto in der Zeitung...“ sagte er genervt.

„Tu nicht so Orli. Sie ist jetzt hier.“

„Wie, ‚sie ist jetzt hier’?“

Elijah klärte ihn auf, über David und über das was heute Morgen passiert ist.

„Also, willst du mir jetzt mitteilen das die Kleine bei dir wohnt?“

„Ja, das ist richtig!“

„Also...ich meine...das ist verrückt!“

„Wieso ist das verrückt? Ich bin doch dran Schuld und irgendwo muss sie ja hin. Außerdem wollte ich es so. Es ist schön sie in meiner Nähe zu haben.“

„Wie du meinst, Monkey. Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll. Es mag sein das sie nett ist, es mag sein das sie hübsch ist, es mag auch sein das ihr Freund sie schlägt und dasdu etwas für sie empfindest, aber muss sie deshalb bei dir einziehen? Ich hoffe mal, das das gut geht und du nicht auf die Nase fällst Kleiner.“

„Ich denke das wird sich bald herausstellen. Ich melde mich bei dir, ja Kumpel?“

„Yes und dann stellst du mir die Kleine mal richtig vor! Ich muss deine neue Freundin doch mal genauer unter die Lupe nehmen!“

„Klar! Du wirst sie mögen, sie ist wunderbar! Also dann bye!“

Elijah legte auf. Er musste einfach mit Orli darüber reden, letztendlich machte Elijah eh was er für richtig hielt, aber Orlando war sein bester Freund und ihm war schon wichtig, das er über diese Dinge bescheid wusste.

 

*

 

Es war jetzt bereits später Nachmittag und Elijah wollte nach Anya sehen. Vorhin meinte sie, sie wolle sich eine Weile hinlegen, weil sie Kopfschmerzen hatte. Vom Flur aus hatte er dann nur noch gehört das sie weinte. Sie schlief jetzt schon seit etwa vier Stunden. Er öffnete leise die Tür und sah sie auf dem Bett liegen und noch immer schlafend. Langsam ging er etwas näher heran. Ihre Augen waren mit dunklen Rändern umzogen, was vom Weinen kam, aber auf ihren Lippen lag jetzt ein zufriedenes Lächeln. Die Sonne schien auf ihr Gesicht und ihr Haar glitzerte wie Gold. Er setzte sich neben sie und strich ihr ein paar Haarsträhnen von der Stirn. Wie sie da so lag, sah sie aus wie ein kleiner, wunderschöner Engel, so friedlich und ruhig. Sonst schien in ihren Augen immer ein Hauch Angst und Unruhe zu liegen, was Elijah unter den gegebenen Umständen auch verständlich fand. Langsam öffnete Anya jetzt ihre Augen und der friedlich Gesichtsausdruck blieb. Sie lächelte Elijah an und spürte seine angenehm warme Hand auf Ihrer Stirn.

„Ich wollte nur nach dir sehen Anya.“

„Ist schon ok“ sie setzte sich im Bett auf. Seine klaren blauen Augen glitzerten im Licht der schon untergehenden Sonne und seine braunen Haare waren süß verstrubbelt.

„Sag mal, wie lange habe ich geschlafen? Die Sonne geht ja schon unter.“

„Es ist schon fünf.“

„Oh, wollen wir dann nicht langsam noch mal los? Ich meine, noch ein paar Sachen von mir holen?“

„Ja, deshalb wollte ich dich ja auch eigentlich wecken.“

„Ich mache mich nur noch ein Wenig frisch, dann können wir fahren.“ Sie drückte seine Hand  und stand vom Bett auf um ins Badezimmer zu gehen. Elijah blieb auf dem Bett sitzen und blickte ihr nach, wie sie den Raum verließ. Ihre Gestalt wirkte wie unecht in dem Licht und war so wunderschön.

 

*

 

Als Anya vor ihrer alten Wohnungstür stand, durchfuhr sie ein kalter Schauer. Sie hatte Elijah gebeten unten im Auto zu warten während sie die restlichen Sachen packte. Sie schloss auf und ging schnell ins Bad. In ihre Tasche packte sie nur noch Bettwäsche und einige private Dinge wie Schmuck, Bücher und ihre Sachen aus dem Bad, wie Handtücher, Cremes,... Sie wollte nur schnell wieder weg hier. Sie hinterlies David auch keine Nachricht oder derartiges, sie wollte ihn nie wieder sehen und ihn aus ihrem Gedächtnis verbannen. Als sie wieder im Flur stand und überlegte ob sie etwas vergessen hatte, stach ihr etwas ins Auge. Im Flur standen Davids Schuhe! Seine Arbeitsschuhe! ‚Er ist schon zurück’ schoss es ihr durch den Kopf. Er war nicht in der Wohnung, aber wo dann? Anya bekam Angst, sie rannte aus der Wohnungstür und warf sie zu. Lief die Treppen im Eiltempo hinunter, riss die Tür von Elijahs Wagen auf und sprang hinein.

„Fahr los, Elijah. Schnell!“

„Was ist los?“ fragte er überrascht, war aber schon dabei das Auto zu starten.

„Er ist schon zurück. Er muss hier irgendwo sein. Seine Schuhe waren oben. Fahr bitte schnell!“

Elijah konnte ihr auf die Schnelle nicht ganz folgen, fuhr aber los und sah aus den Augenwinkeln nur noch, wie in Anyas Augen die Tränen aufstiegen. Er sah das sie vor Angst zitterte und wie sie ihr Gesicht in die Hände legte und schluchzte.

An einer Ampel musste er stoppen und wandte sich an sie. Sie hatte aufgehört zu schluchzen und war dabei sich die Augen mit einem Taschentuch zu trocknen. Er nahm ihre Hand und drückte sie fest um ihr ein bisschen seelischen Halt zu geben.

„Noch mal ganz langsam jetzt. Meintest du nicht, er wäre eine Woche weg? Da wären es doch noch zwei oder drei Tage?“

„Das dachte ich ja auch. Sonst wäre ich doch nie im Leben noch ein mal nach Hause zurück gekehrt.“

„Und was war das mit den Schuhen?“

„Sie standen im Flur. Seine Arbeitsschuhe die er immer anhat wenn er unterwegs ist.“

„Aber er war nicht da, oder was?“

„Nein, aber ich hatte solche Angst. Er hätte doch jeden Moment kommen können...und dann...“ sie fing wieder an zu weinen und zu zittern. Er umarmte sie fest und küsste ihre Stirn.

„Es ist ja gut gegangen Kleines. Du musst da nie wieder hin und dieses Ars**loch nie wieder sehen! Der wird dir nie wieder etwas antun! Das verspreche ich dir!“ flüsterte er ihr ins Ohr und die Ampel wurde grün.

 

*

 

Bei Elijah angekommen hatte sich Anya wieder beruhigt, ihr Augen brannten noch von den Tränen. Er hielt sie noch fest im Arm, aber ihr Herz klopfte trotzdem rasend schnell. Was wäre passiert, wenn David Zuhause gewesen wäre? Sie hatte sich sicher gefühlt und er hätte sie leicht packen können. Und überhaupt, wo war er? Wenn er früher von der Arbeit in der anderen Stadt gekommen ist, dann sicherlich wegen ihr und dem Bild in der Zeitung. Wo konnte er sein? Er würde sie sicherlich suchen, aber würde er sie auch finden? Hier bei Elijah? Wohl eher nicht, er hatte nicht die Verbindungen um herauszufinden wo er wohnte. Vielleicht würde er es herausfinden können wenn Elijah ein normaler Mann war, aber er war jemand der in der Öffentlichkeit stand und der an sich seinen Wohnort nicht zu sehr in die Öffentlichkeit stellen konnte, wegen den Fans. Hoffentlich würde er sie nie finden, dachte sie als sie sich mit Elijah auf das Sofa im Wohnzimmer setzte. Noch immer umarmte er sie und gab ihr jetzt einen Kuss auf die Schläfe. Wärme durchflutete Anya, genau von der Stelle aus an der seine Lippen ihre Haut berührten. Sein warmer Atem verlor sich in ihrem Haar. Seit der Ampel hatten sie nichts mehr gesagt. Elijah wusste jetzt auch ohne Worte wie es ihr ging, sie brauchten nicht zu reden. Ihre Augen strahlten etwas ängstliches aus und doch merkte er das sie sich bei ihm wohl fühlte.

„Es tut mir leid das ich dich vorhin allein gelassen habe. In der Wohnung mein ich.“ Sagte er leise und strich ihr durchs Haar.

„Das muss dir nicht leid tun. Ich wollte es so und wir konnten es ja nicht wissen.“ Sie wollte auf keinen Fall das Elijah sich für irgendetwas was passiert war die Schuld gab. Denn sie lag nicht bei ihm. Anya glaubte fest daran, das alles im Leben vorherbestimmt war. Natürlich fragte sie sich oft, warum es für sie vorherbestimmt war das David so brutal war und weshalb sie so ärmlich leben musste, aber sie gab den Glauben an das Gute doch nie auf. So war sie auch davon überzeugt, das die Dinge der letzten Zeit gewollt waren. Es war ja auch gut auf eine Art, sie konnte endlich den Schritt von David weg gehen und Elijah war wundervoll zu ihr. Er gab ihr Einblick in eine ganz neue, für sie noch unbekannte Welt. Wenn sie ihn ansah, dann sah sie einen warmherzigen, zärtlichen, zuvorkommenden und auch noch gutaussehenden jungen Mann, der ihr das Gefühl gab geliebt zu werden. Sie wollte ihn am liebsten nie wieder weg lassen, aber sie wusste das es nicht lange andauern würde. Noch hatte er Urlaub, aber wenn sein Alltag im Filmgeschäft wieder losgehen würde, wäre sie sicherlich bald abgeschrieben. Doch diese Gedanken verwarf sie jetzt ganz schnell wieder, denn sie wollte einmal, nur einmal, einfach nur glücklich sein.

 

*

 

~ Chapter Five ~ All you need is love ~

 

Es war bereits spät Abends und Elijah stand in der Küche und machte etwas zum Abendessen, während Anya in eine Wolldecke eingekuschelt auf dem Sofa saß und einen Film guckte. American Beauty, einer ihrer Lieblingsfilme, der grad im Fernsehen kam. Aus der Küche kamen nur leise Geräusche von Besteck und derartigen Dingen. Elijah wollte einen Salat machen. Da kam er auch schon mit zwei Schalen voll grünem Salat, lecker zubereitet mit Tomaten, Gurken, Öl, Zwiebeln und so weiter. Er setzte sich neben sie und stellte die Schalen auf den Couchtisch. „Sieht lecker aus, Schatz.“ Sagte sie und nahm sich eine der Schalen. „Ist ja nichts besonderes.“ Erwiderte er und fing auch an zu essen.

„Was is’n das für ein Film?“ fragte er mit vollem Mund und deutete auf den Bildschirm.

„American Beauty, kennst du den? Einer meiner Lieblingsfilme.“

„Hab ich schon von gehört, aber noch nicht gesehen.“

 

*

 

Als die zwei mit dem Essen fertig waren nahm Anya die Schalen und ging in die Küche um es in die Geschirrspülmaschine zu stellen.

„Bringst du mir noch eine Orange mit, Anya?“ hörte sie Lij rufen.‚Elijah ernährt sich ziemlich gesund’ dachte sie und das fand sie gut. Nicht so wie David, für den die Gurken auf einem Hamburger schon genug Gemüse waren.

„Der Film ist wirklich nicht schlecht.“ Sagte er als Anya sich neben ihn setzte und ihm den Teller mit der Orange und dem Messer gab.

„Sag ich ja.“ Sie kuschelte sich kichernd unter der Decke dicht an Elijah und er legte seinen Arm um sie.

 

*

 

Jetzt war es kurz vor Mitternacht und die beiden hatten sich in ihre Zimmer begeben. Elijah war noch im Bad und Anya hörte wie die Dusche rauschte. Sie setzte sich in einen der Sessel und schlug eines ihrer Bücher auf ‚Das Lotusgrab’ ein Krimi. Auch wenn es albern war, Anya liebte solche Bücher.

Nach einer Weile klopfte es und Elijah kam, nur noch in Boxershorts, herein.

„Ich wollte nur sagen, das du ins Bad kannst wenn du möchtest.“

„Das ist schön.“ Sie stand auf und ging in Richtung Tür. Neben ihm stoppte sie

„Dann sag ich jetzt mal schon Gute Nacht.“ Sie gab ihm einen langen, intensiven Kuss.

Sie musste grinsen, über sein etwas verduztes Gesicht, das er danach machte. Er hatte wahrscheinlich jetzt nicht damit gerechnet, aber sein Lächeln verriet, das er es genauso wie Anya genossen hatte.

„Ja, gute Nacht. Und du weist ja wo mein Zimmer ist, wenn was sein sollte.“ Sagte er leise und Anya ging ins Bad.

Sie streifte ihre Kleidung ab und duschte sich. Sie benutze Elijahs Duschgel, weil sie ihres noch in der Reisetasche hatte. Sie sog den Duft des Shampoos regelrecht ein. Genau mit diesem Geruch hatte Elijah eben den ganzen Raum geflutet, als sie sich küssten. Unter dem Strahl des warmen Wassers, gab sie sich ihren liebevollen Gedanken zu Lij hin und als sie mit dem abtrocknen, Zähneputzen und eincremen fertig war. Ging sie schnell in ihr Zimmer, streifte ihren Pyjama über und schlief unter der weichen Decke sofort ein.

 

*

 

Anya lief durch einen schmalen Gang, in dem nur fahles Licht vom Ende des Weges her schien. Anya blickte an den Wänden hoch, aber es lies sich kein Ende finden. Sie verloren sich nur irgendwann im Dunkel. Sie erschrak bei dem Geräusch eines Vogels, der sich mit lautem Flügelschlagen in die Luft erhob. Auf ein Mal erklang hinter ihr das monotone Geräusch schneller Schritte. Sie wollte sich umdrehen, konnte aber nicht. Sie wollte rennen, konnte aber nicht. Wie durch eine fremde Macht, wurde sie am Boden festgehalten und konnte sich nicht bewegen. Das fahle Licht war auf ein Mal erloschen und Anya war ganz ins Dunkel gehüllt. Die Schritte wurden immer lauter und kamen näher. In ihr stieg die Panik auf. Sie versuchte wieder zu rennen, aber es ging nicht. Im Gegenteil, sie sank zu Boden. Eine Kraft zog sie runter und sie konnte sich nicht wehren. Ihr wurde kalt und sie merkte gar nicht das sie stark zitterte. Inzwischen waren die Schritte verstummt und trotz der beengenden Dunkelheit, erkannte Anya wer jetzt über ihr stand. David. Seine Augen glitzerten vor Wut und er lächelte höhnisch. Ihr Körper war vor Angst wie gelähmt. Sie sah wie er ausholte und sie schlug. Mitten ins Gesicht. Er lachte laut los. Wieder das Geräusch des lauten Flügelschlagens im Hintergrund und David trat zu.....

 

Anya zuckte zusammen und riss die Augen auf. Sie hatte geträumt. Sie fühlte Tränen auf ihren Wangen und Angstschweiß auf ihrem Rücken. Im Zimmer war es jetzt ziemlich kalt. Sie setzte sich in ihrem Bett auf und schaute sich um. Niemand war da, wie sollte es auch sonst sein. Aber sie hatte jetzt zu viel Angst als das sie noch einmal einschlafen könnte. Sie schaltete die Nachttischlampe ein und stand auf. Sie betrachtete sich im Spiegel und strich sich über die Wange.

„Es war nur ein Traum, bleib ruhig!“ sagte sie leise zu sich selbst, aber ihre Stimme zitterte.

Sie schaltete die Lampe wieder aus und ging auf den Flur, sie wollte ins Bad, aber als sie vor Elijahs Tür stand, konnte sie nicht anders als hinein zu gehen.

Sie öffnete die Tür und sah ihn im Bett schlafen. Er sah so friedlich aus. Seine verstrubbelten braunen Haare lagen ihm in der Stirn.

Langsam ging sie zum Bett und legte sich neben ihn. Sie wollte ihn nicht wecken, schlüpfte nur schnell unter seine Decke und presste ihren Körper an seinen. Er war ganz warm und sofort durchströmte Anya ein wohliges Gefühl. Von hinten legte sie ihre Arme um ihn, kuschelte ihren Kopf an seine Schulter und schlief wieder ein.

 

*

 

Elijah öffnete seine Augen und sah sofort das schönste der Welt. Anya, an ihn gekuschelt, in seinem Bett und durchs Fenster schien die Morgensonne, getrübt von den Dezemberwolken. Ihr warmer Atem streichelte seinen Arm und er strich ihr, wie er es so gern tat, durch ihr weiches, blondes Haar. Sie schlief noch fest und er wollte sie auch nicht wecken. Er fand es schön, das sie in der Nacht zu ihm gekommen war. Er stand vorsichtig auf um sie nicht zu stören und ging runter ins Wohnzimmer. Er schaltete den Fernseher ein und sah die morgendlichen Nachrichten. Es lief sogar noch ein kurzer Bericht über ‚Elijah Wood und seine neue Flamme’. Vermeintlich würden diese Reporter Anyas alte Wohnung ausfindig machen und sich da auf die Lauer legen, aber das nutze ihnen nichts, denn sie würde dahin nicht mehr freiwillig zurückkehren wollen, dachte er. Zumindest nicht so bald.

So würde dieses Interesse auch bald wieder verstummen. Hierher konnten sie ja nicht kommen. Er hatte Urlaub und seine Managerin würde sicherlich keine Pressetermine anordnen und von sich aus wussten diese Presse-Fuzzies ja nicht wo er wohnte. Momentan wollte Elijah ihr auch noch nicht unbedingt diesen Presserummel zumuten wollen. Sicher, irgendwann würde er sie als seine neue Freundin vorstellen, aber noch nicht jetzt.

Er ging auf den Balkon und der kalte Wind pfiff ihm um die Nase. Er zündete sich eine Zigarette an und sog den Nikotinrauch tief ein. Ob er sie liebte? Sicher er hatte tiefe Gefühle für sie, sehr tiefe Gefühle sogar. So tief wie noch für niemanden sonst, aber war es denn Liebe? Hatte er schon jemals jemanden geliebt? Der Rauch den er ausatmete vermischte sich mit der kalten Morgenluft und um sein Gesicht hüllte sich der Nebel.

Ja es war Liebe! Mehr als Liebe sogar. Er wusste nicht genau was es war, aber es war tiefer, schöner und wichtiger als alles was er je für eine Frau empfunden hatte. Tiefer als Liebe.

 

*

 

Als Anya die Treppe hinunter kam, lief der Fernseher und die kalte Dezembersonne schien durch die Balkontür. Zuerst sah sie Elijah nicht, aber als sie halb um die Couch herum war, sah sie ihn da liegen. In die Sofadecke eingekuschelt und schlafend. Er sah so süß aus, wie ein kleiner Junge. Anya ging in die Küche um das Frühstück vorzubereiten. Sie wollte ihn überraschen.

 

*

 

Der Geruch von warmen Brötchen stieg in Elijahs Nase, er blinzelte kurz und öffnete dann seine Augen ein Wenig. Er war gar nicht daran gewöhnt das es einfach so in seiner Wohnung nach Brötchen duftete. ‚Ich muss wohl auf dem Sofa eingeschlafen sein’ dachte er und streckte sich ein bisschen. Er atmete tief durch und es roch auch nach frisch gebrühtem Kaffee.

Er setzte sich auf und sah Anya am Küchentisch stehen, sie deckte diesen gerade zum Frühstück.

„Ist das lieb von dir das du Frühstück gemacht hast!“ sagte er und stand etwas unbeholfen vom Sofa auf.

„Guten Morgen erst Mal.“ Sagte sie fröhlich und strahlte ihn an, wofür er ihr gleich einen Kuss auf die Stirn gab. „Guten Morgen!“ grinste er.

„Ich muss vorhin wohl auf dem Sofa eingeschlafen sein. Ich wollte dich vorhin nicht wecken als ich aufgewacht bin und du neben mir lagst.“

Sie setzten sich an den Tisch und Elijah nahm einen Schluck Kaffee. „Schön das du heut Nacht gekommen bist.“ Sagte er etwas verlegen.

„Ja, ich hatte schlecht geträumt und wollte nicht allein sein.“ Erwiderte Anya ruhig und Elijah fragte nicht mehr nach. Als wenn er sich nicht denken konnte wovon sie geträumt hatte.

„Wenn du möchtest kannst du ja immer bei mir schlafen.“

„Ich glaube auch. Im Gästebett fühle ich mich so allein.“ Sie lächelte ihn an und Elijah freute sich das es ihr anscheinend gut ging. Sie sah auch wieder besser aus. Ihre Augen strahlten und wirkten nicht mehr so verweint. Ein Lächeln lag auf ihren Lippen und ihre Wangen waren leicht gerötet.

„Wollen wir heute Schlittschuhlaufen gehen? In der Stadt ist eine neue Eisbahn offen.“

„Das ist eine wunderbare Idee. Ich liebe Schlittschuhlaufen.“

„Na ja, ich bin darin nicht besonders gut, aber du kannst mir ja helfen, nicht wahr?“

„Klar Schatz.“

Sie widmeten sich dem etwas spartanischen Frühstück das Anya auf die Schnelle aus dem zusammengestellt hatte, was sie bei Elijah finden konnte und Anya war total vorfreudig auf das Schlittschuhlaufen. Sie war schon ewig nicht mehr auf dem Eis und erzählte Elijah das sie früher als sie klein war immer mit ihrer Mutter Eislaufen war und wie viel Spaß sie dabei immer zusammen hatten.

 

*

 

Am Nachmittag fuhren die Zwei dann in Elijahs Wagen in die Stadt. Eigentlich hatte Anya ja noch Schlittschuhe aber die hatte sie natürlich bei David gelassen, so mussten sich die beiden Schuhe ausleihen.

Die Eisbahn war groß und es waren ziemlich viele Leute da, woraufhin Elijah gleich erkannt und um Autogramme gebeten wurde. Anya zog sich lieber zurück und zog sich währenddessen die Schlittschuhe an und ging schon mal aufs Eis. Sie konnte mit diesen Fans nichts anfangen und sie war sich sicher, das sie nicht so begeistert davon waren wenn Elijahs neue Freundin daneben stand und sozusagen ‚aufpasste’!

Auf dem Eis fühlte sie sich sofort wie in ihrem Element. Sie fuhr los und wurde immer schneller, drehte Kreise und fuhr scharfe Kurven. Sie war total leichtfüßig und nicht ansatzweise unsicher.

Nach zwei gedrehten Runden, kam Elijah auch endlich dazu. Sie kam von hinten angefahren und hakte sich bei ihm ein. Er war zuerst etwas unsicher auf den Schlittschuhen und bewegte sich ein Wenig tapsig vorwärts, doch schon bald war auch er schnell sicher unterwegs. Die beiden fuhren und fuhren. Anya drehte ihre Piruetten und fühlte sich wie in einer neuen Welt. Die anderen Menschen um sich und Elijah herum nahm sie kaum mehr war. Händchenhaltend glitten die Zwei über die Eisfläche und lachten dabei herzhaft. Außer Atem stoppten sie nach einer ganzen Weile und Elijah nahm Anya sanft in den Arm.

„Das macht unheimlich Spaß.“ Sagte sie lachend und umarmte ihn fest. Inzwischen war es schon dämmrig und fast dunkel, die Lichterketten waren inzwischen an und erleuchteten hell die Eisbahn. Jetzt waren kaum noch Menschen da und Musik wurde gespielt. Elijah hauchte ihr ein leises ‚ja’ entgegen und legte seine Lippen auf die Ihren. Mitten auf der Eisbahn unter all den anderen Leuten die um sie herum schlidderten küssten sie sich lange und leidenschaftlich.

Ihnen war egal wer sie sehen konnte, egal was diejenigen dachte, in diesem Moment steckten all ihr Emotionen in diesem einen Kuss. 

 

*

 

Das Eislaufen war jetzt schon fast eine Woche her. Inzwischen war nicht viel passiert. Elijah hatte noch immer Urlaub und Anya hatte das Gästezimmer jetzt nur noch um sich zurückzuziehen, was sie jedoch selten tat.

Es war ein sonniger Donnerstag und Orlando hatte sich angemeldet die beiden ein Mal zu besuchen. Auch er wollte schließlich die neue Liebe seines besten Freundes einmal kennen lernen. In letzter Zeit hatten sich die Zwei auch nicht viel gesehen, was von beiden Seiten bedauert wurde. Es lag nicht an Anya, sondern mehr an der Tatsache das Orlando keinen Urlaub hatte und viele Pressetermine wahrnahm, sowie Vorstellungsgespräche für neue Rollenangebote.

Sie hatten sich vorgenommen heute Abend ein Video gemeinsam zu schauen, sich etwas zu Essen zu bestellen und den Rest des Abends darauf ankommen zu lassen. Anya freute sich sehr Orlando endlich kennen zu lernen. Elijah hatte nur Gutes und Witziges von ihm erzählt und ein Mal hatte sie kurz am Telfon mit ihm geredet, als Elijah nicht da war und sie hatten sich schon mal gut verstanden.

Noch lagen Elijah und Anya gemütlich auf dem Sofa, schmusten und dösten ein Wenig. Letzte Nacht waren sie im Kino gewesen. Anya konnte sich noch daran erinnern, als Elijah sie bei ihrem ersten ‚Date’ danach gefragt hatte. Es war schön gewesen. Sie hatten Popcorn gekauft und sich aneinander gekuschelt und es hatten Elijah nur zwei Mädels angesprochen, was Anya am meisten gefreut hatte. Sie fühlte sich oft beobachtet wenn sie mit Elijah auf der Straße war. Manchmal tuschelten einige Mädchen sogar hinter ihnen.

Aber gestern war es schön gewesen. Das Kino war auch nicht so voll und sie konnten ganz in Ruhe den Film sehen.

 

*

 

Es war Abend und Anya stand noch im Bad. Orlando würde gleich kommen und sie hatte sich noch ein Wenig frisch gemacht. Jetzt steckte sie noch ihre blonden Haare hoch und legte ein Wenig Puder auf, als es schon klingelte. Sie ging aus dem Bad zur Treppe und sah wie Lij und Orlando im Flur standen und sich freudig umarmten. „Hey Orli, schön dich mal wieder zu sehen zu bekommen!“ sagte Elijah und klopfte ihm auf die Schulter. „Kann ich nur erwidern Lij.“

„Tag Orlando.“ Rief Anya herunter und die beiden drehten sich in ihre Richtung „Hallo schöne Frau!“

Sie kam die Treppe hinunter gelaufen und gab ihm lachend die Hand. „Hallo, Orlando.“

 

*

 

Die Drei gingen ins Wohnzimmer und Orlando setzte sich neben Anya auf die Couch, während Elijah die DVD einlegte, die er ausgeliehen hatte. Er lies sich neben die Zwei auf einen Sessel sinken.

„Wollen wir gleich das Essen bestellen Jungs? Ich hab nämlich schon ganz schön Hunger!“

Die zwei Männer nickten und griffen zur Karte des chinesischen Lieferservices und einer Pizzeria, die Lij schon vorhin rausgesucht hatte.

Als sie sich endlich alle entschieden hatte, was besonders bei Orlando lange gedauert hatte, und die Bestellung telefonisch aufgegeben war, startete sie die DVD.

Während das Films redeten die Drei eigentlich mehr als auf den Inhalt zu achten und lachten jede Menge. Orlando erzählte viel von seinem Aufenthalt in Florida letzte Woche und von seiner Familie. ‚Er ist eine richtige männliche Tratschtante’ dachte Anya lächelnd. Sie freute sich wahnsinnig ihn endlich einmal kenne zu lernen und sah auch wie sehr sich Elijah freute ihn mal wieder zu sehen und er schien auch sehr zufrieden zu sein, das sie sich so gut mit ihm verstand.

Orlando fühlte sich an diesem Abend total wohl. Anya war eine wunderbare Frau, die viel lachte und aufgeschlossen war. Anfangs merkte man ihr schon ein Wenig das schüchterne an, aber jetzt war keine Spur mehr davon. Zu dem war sie auch noch umwerfend hübsch. Er gönnte den Zweien ihr Glück wirklich und bereute das er Elijah anfangs erst nicht unterstützt hatte.

Doch durch das Glück der beiden fiel ihm auch wieder auf, wie sehr er sich eine Freundin wünschte.

 

*

 

Am Ende des Abends standen zwei leere Pizzakartons auf dem Wohnzimmertisch und ebenso gut wie leer waren die Kartons des Chinesen. Es war schon spät geworden, der Film war auch schon lange vorbei und Orlando wollte so langsam heimwärts. Herzlich verabschiedeten er und Anya sich und Elijah begleitete ihn noch raus zum Auto um eine zu rauchen.

Er zündete sich eine Zigarette an und sog den blauen Dunst wieder genüsslich ein.

„Anya ist wirklich eine Nette.“

„Mhm... ich weiß. Sie ist wunderbar.“

„Ich wollte mich entschuldigen. Ich mein, weil ich anfangs als du mir am Telefon von ihr erzählt hast, erst so skeptisch war. Jetzt weiß ich, das sie die Richtige für dich ist und...“

Orlando verstummte.

„Und was sagt dir das? Alles Vorurteile mein Lieber.“

„Es war nicht ok von mir. Das hab ich ja begriffen.“

Er öffnete die Autotür auf der Fahrerseite und setzte sich schon hinein, Elijah stand vor ihm und betrachte durchs hintere Fenster das Chaos auf der Rückbank.

„Ich wünschte ich hätte so jemanden wie sie.“ Sagte Orlando leise und fast zu sich selbst, aber Elijah hörte ihn und fühlte sich in etwas bestätigt, was er sich schon lange gedacht hatte.

„Bevor ich Anya kennen lernte ging es mir auch so. Unser Leben macht uns doch irgendwie einsam, nicht wahr? Freunde und Familie sehen wir kaum und wenn wir Zuhause sind, dann haben wir niemandem dem wir Nahe sein können. Ich sehnte mich nach einem Menschen der Zuhause auf mich wartet, mich versteht, für mich da ist und mich... mich liebt...“

„Mir geht es ebenso.“ Damit beendete Orlando diese Thema.
Elijah trat seine Kippe aus. „Also, wir sehn uns!“

Orlando startete das Auto und bretterte davon. Elijah blickte dem Auto noch hinterher bis es außer sichtweite war und dachte über das nach, was sein bester Freund gesagt hatte. Er wusste wie sich Orlando fühlte.

 

*

 

Als er wieder in der Wohnung war, hatte Anya bereits das Wohnzimmer aufgeräumt und war ins Bad gegangen. Elijah schaute auf die Uhr ‚Schon kurz nach 2 Uhr’, er ging die Treppe hinauf ins Schlafzimmer. „Ganz schön kalt hier“ sagte er leise als er die Tür öffnete und sah das ein Fenster weit offen stand. Er ging hin und lehnte sich auf das Fensterbrett, während er die kalte Luft scharf einsog. Er versuchte darüber nach zu denken, wie er Orlando zu einer Frau verhelfen könnte. Aber so richtig fiel ihm nichts ein. Er würde es gar nicht gut finden, wenn Elijah ihm mit absehbaren Absichten eine Frau vorstellen würde und wäre sicher sauer.

Elijah schloss das Fenster.

‚Mir wird schon noch was einfallen’ dachte er und ging Richtung Bad.

Als er die Tür öffnete strömte ihm heiß-feuchte Luft entgegen und es roch nach Mandeln. Anya stand mit einem Handtuch um den Körper vor dem Spiegel und fönte sich die Haare, sie hatte geduscht.

Elijah zog sich seine Sachen aus, wobei Anya ihn im Spiegel beobachtete. Auch er wollte noch unter die Dusche, doch Anya schaltete den Fön aus und hielt ihn zurück. Sie umarmte ihn von hinten und küsste seinen Hals.

„Was ist denn los, Schatz. Du guckst so traurig?“ fragte sie leise.

Er verweilte in ihrer Umarmung und antwortete schließlich „Ich hatte noch ein kleines Gespräch mit Orli.“

„Was sagt er denn?“ Sie stand immer noch hinter ihm, die Arme um ihn geschlungen und begann seine Schultern sanft zu küssen. Er genoss es ihre Lippen auf seiner Haut zu spüren und das Kribbeln in seinem Bauch, das sie damit verursachte.

„Er war etwas traurig, weil er sich allein fühlt.“

Anyas Hände fuhren über Elijahs Brust und Bauch.

„Meinst du er wünscht sich eine Freundin?“

Er drehte sich in ihrer Umarmung zu ihr und zog ihr Handtuch weg. Er drückte sie fest an sich und küsste ihren Hals sowie Schultern und Dekolleté.

„Ja, er fühlt sich anscheinend wirklich allein!“ War das letzte was er sagte, bevor er sie noch dichter an sich zog, über ihren Rücken und Po strich und sie innig küsste. Duschen würde er heute wohl doch nicht mehr. Leidenschaftlich gaben sie sich den folgenden Küssen hin, dann hob Elijah Anya sanft hoch und trug sie, wie seine kleine Prinzessin, ins Bett.

 

*

 

Elijah kam ganz leise, fast auf Zehenspitzen, wieder ins Schlafzimmer. Nachdem sie miteinander geschlafen hatten, war Anya bald in seinen Armen eingeschlafen, doch er konnte nicht anders und war noch mal auf den Balkon verschwunden um eine zu rauchen.

Jetzt legte er sich vorsichtig, um sie nicht zu stören, wieder zu ihr.

Die Decke war von ihrem Körper gerutscht. ‚Sie ist so wunderschön’ dachte er, als er ihre milchig, blasse Haut sah, die im Mondschein so melancholisch wirkte. Sie lag auf der Seite, die Beine leicht angewinkelt und die eine Hand vor dem Gesicht. Ihre langen, blonden Haare bedeckten ihre Brüste und waren leicht verwuschelt. Elijah hätte sie ewig so betrachten können. Nie war er so zufrieden gewesen wie in diesen Augenblicken.

Irgendwann schlief dann auch er ein und träumte von Anya. Von ihren goldenen Haaren, dem wunderbaren Lächeln, den tiefbraunen Augen und einer Zeit in der er sie ewig so betrachten könnte.

 

*

 

Am nächsten Morgen wurde Elijah von Anya geweckt. Sie lag auf ihm und küsste zärtlich seinen Oberkörper. Er öffnete die Augen und sah ihr wunderbares Lächeln.

„Guten Morgen mein Süßer“ hauchte sie ihm entgegen und Elijah schaute auf den Radiowecker zu seiner Linken. „Wohl eher Mittag“ tönte er verschlafen und schubste Anya spaßig von sich. Sie lachte und ließ sich von ihm durchs Bett kugeln. Als sie auf dem Rücken lag vergrub er sein Gesicht in ihrem Bauch und küsste ihren Bauchnabel.

„Hör auf das kitzelt.“ Lachte sie, doch das regte Elijah nur dazu an ihr kräftig in den Bauchnabel zu prusten. Sie lachte laut auf. „Hör auf!“

Es folgte eine wilde Kabbelei zwischen den Kissen und lautes Lachen. Nach einer Weile saß Anya triumphierend auf Elijah und drückte seine Handgelenke mit überraschender Kraft gegen die Matratze. „Gewonnen, Gewonnen, Gewonnen,...“ trällerte sie. Elijah versuchte gar nicht sie auch ihrem Griff zu befreien und betrachtete ihr süßes Lächeln.

„Oh ja, du bist die allgütige Herrin und Gewinnerin über mich und den Rest der Welt!“ sagte er ironisch.

„Höre ich da etwa einen ironischen Unterton heraus mein Lieber? Das ist nicht nötig, denn es ist die reine Wahrheit.“ Lachte sie und ließ seine Arme los. Nun saß sie auf ihm und blickte ihm tief in die Augen.

„Okay Baby, du bist die Herrin und Gewinnerin über mich, aber an dem Rest der Welt müssen wir glaube noch arbeiten.“ Sagte er und zog sie runter zu sich um sie zu küssen.

 

*

 

~ Chapter Six ~ Chistmastime ~

 

Es war Abend geworden und Elijah hatte grad mit seiner Mom telefoniert. Weihnachten stand bevor und seine Mutter hatte gefragt, ob er zu Ihnen kommen wollte, sie wusste ja noch nicht, das er wieder eine Freundin hatte. Doch Elijah hatte ihr sofort von Anya erzählt und sie freute sich sehr für ihn. Natürlich wollte sie Anya bald kennen lernen und so hatten sie sich darauf geeinigt, das Mrs. Wood und Hannah am ersten Weihnachtsfeiertag, ab der morgendlichen Bescherung zu Elijah ins Appartement kommen würde und dort ein paar Tage verbrächten.

Elijah hatte es Anya schon berichtet und auch sie freute sich sehr Elijahs Mom kennen zu lernen. Auch wenn sie etwas aufgeregt war.

Elijah und sie kuschelten sich zusammen aufs Sofa, die Lichterkette, die Anya heute auf dem Balkon angebracht hatte, leuchte ins Wohnzimmer und gab wenigstens ein bisschen weihnachtliche Stimmung ab. Elijah war in den ganzen 2 ½ Dezemberwochen nicht zum schmücken gekommen sagte er und somit, hatten er und Anya sich heut einmal Zeit genommen.

Im Hintergrund lief leise ein Song der Smashing Pumpkins und Wärme durchflutete Anyas Körper.

Sie döste, mit dem Kopf auf Elijahs Oberkörper, so dahin und nach einer Weile verriet ihr ein gleichmäßiges tiefes Atmen seinerseits, dass er eingeschlafen war.

 

*

 

 Einige Tage später waren die Zwei in der Stadt. Sie hatten bereits ein paar Weihnachtsgeschenke gekauft. Für Hannah hatte Anya ein Kleid ausgesucht. Elijah hatte ihr am vorigen Tag einige Fotos seiner Familie gezeigt und so hatte Anya auch einen kleinen Einblick von Hannahs Stil gehabt und meinte das ihr das Kleid gut gefallen würde.

„Zu dem Kleid fehlt nur noch die passende Halskette!“

„Du bist der modische Boss!“ grinste Elijah.

„Hast du nun schon ne Idee was wir deiner Mom schenken könnten?“

„Mhm.. eigentlich .... nicht im geringsten!“

„Also, was mag sie denn für Musik? Wie wäre es mit Theatertickets?“

„Gar nicht so eine schlechte Idee...!“ brummte Lij nachdenklich.

In dem nächsten Schmuckgeschäft fand Anya dann auch schon die passende Halskette für Hannah und war im allgemeinen sehr zufrieden mit sich. Sie machten sich also auf den Weg zum Auto, da Elijah die Theatertickets direkt im Theater kaufen wollte.

Dort angekommen, durchforsteten sie das Programm und entschieden sich letztendlich für den Klassiker von „Romeo und Julia“, da Debrah schon immer eine Leidenschaft für dieses Drama hegte.

 

*

 

Elijah hatte noch ein kleines Problem, er wusste ganz und gar nicht was er Anya schenken könnte. Er hatte schon ewig überlegt und ihm fiel nichts wirklich Gutes ein.

Am nächsten Tag war er mit Dominic und Billy in der Stadt verabredet um noch ein Mal suchen zu können. Dom und Billy hatten ein gutes Auge für Geschenke und vor allem für ... Frauen! Er war im Großen ganz zuversichtlich mit den Zweien an seiner Seite etwas passendes zu finden. Vielleicht ein Schmuckstück, oder ein Buch. Er hatte inzwischen schon mitbekommen das Anya auf Krimis stand. Wenn er etwas interessantes finden würde, wäre es doch eine Idee. Oder ist ein Buch ein zu langweiliges Geschenk für die Freundin?

 

Anya hingegen hatte für Elijah schon Etwas. Vor zwei Tagen hatte sie, wenn auch wegen David vorsichtig, wieder Kontakt zu Jennifer aufgenommen. Sie waren zusammen mit der kleinen Leila in der Stadt gewesen und Anya hatte Elijah eine ziemlich teure Lederjacke gekauft. So eine, von der er ihr erzählt hatte, das er sie sich schon immer ein Mal kaufen wollte.

Anya hatte sich sehr gefreut Jenny und Leila wiederzusehen, auch wenn es riskant war. Wenn David das rausbekommen würde, wäre sie und vor allem Jenny geliefert. Jenny hatte ihr erzählt das David, ganz am Anfang ihres Verschwindens bei ihr war. Sie hatte ihn allerdings nicht in die Wohnung gelassen, weil sie wusste das man vor ihm Angst haben müsse und es ihr suspekt war, dass Anya nicht bei ihm war. Was hätte er denn für einen Grund gehabt allein bei ihr aufzutauchen? Sicherlich keinen guten. Nach diesem Vorfall hatte sie ihn nicht mehr gesehen und er war auch nicht mehr zu ihr gekommen.

Jennifer erfuhr von Anyas Verschwinden, weil sie auf der Arbeit angerufen hatte und gesagt hatte, das sie aus persönlichen Gründen nicht mehr kommen könne. Jenny hatte Eins und Eins zusammen zählen können und machte sich keine großen Sorgen, denn natürlich hatte sie auch den Artikel in der Zeitung gesehen und dachte sich schon, das sie bei Elijah war. Anya hatte ihr ja auch von der ersten Begegnung in der Shopping-Mall erzählt.

Jetzt wo der Kontakt wieder stand, hatten sie sich jedenfalls versprochen ihn nicht wieder abbrechen zu lassen. Anscheinend war David nicht mehr großartig daran interessiert Anya zu finden. Auch wenn es merkwürdig war.

 

Und beim Stadtbesuch mit Dominic und Billy hatten auch Lij nach nur sehr kurzer Suche ein wunderbares Geschenk für Anya gefunden. Es war ein kleiner silberner Ring mit Gravur. Genauer gesagt zwei dieser Ringe, einen für Jeden.

Ansonsten hatten sich die Drei in eine Pizzeria gesetzt und viel geredet. Dom hatte noch ein Geschenk für seine Eltern gekauft, da er zu Weihnachten wie üblich wieder zu ihnen reisen würde.

Danach waren er und Billy noch mit Elijah in dessen Appartement gekommen und er hatte ihnen Anya vorgestellt.

Billy hatte Elijah übrigens zugestimmt das ein Buch nicht wirklich das tollste Geschenk für seine neue Freundin war. Auch wenn sie noch so gerne liest.

 

*

 

Und dann war Heiligabend auch schon gekommen. Am Vormittag hatten Elijah und Anya den großen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer aufgestellt und geschmückt. Er sah wunderschön aus. Vollkommen in Silber und Blau gehalten. Mit großen und kleinen Kugeln und oben, auf der Spitze, den großen Christstern, den Anya aufgesetzt hatte. Es war draußen Dunkel geworden und die Lichterkette des Baums, sowie die auf dem Balkon warfen Licht ins Zimmer. Elijah hatte italienisch gekocht und mit leiser, ruhiger Musik aßen sie aneinander gekuschelt, auf dem Boden sitzend, vor dem Weihnachtsbaum. Die vielen Kerzen um sie herum flackerten, was viele unruhige Schatten an die Wände warf.

Den ganzen Abend kuschelten sie nur. Geredet wurde selten, aber es war keine unangenehme Stille. Ganz im Gegenteil. An diesem Abend sagte diese Stille in Verbindung mit den zarten Brührungen im warmen Licht der Kerzen, viel mehr als jegliche Worte.

An diesem Abend ergänzten sie sich einfach vollkommen. Sie waren ab da mehr als nur ein Paar. Sie waren Zwei Hälften die zueinander gefunden hatten.

 

*

 

Als Anya am nächsten Morgen aufwachte lag Elijah nicht mehr neben ihr. Dafür lag aber der herbe Geruch von frischgekochtem Kaffee in der Luft. Doch um aufzustehen war Anya noch zu müde sie drehte sich in Richtung Fenster und schloss die Augen wieder. Von unten dudelte leise Musik nach oben. Die gleiche Lied wie gestern Abend. ‚Gestern Abend war wunderschön gewesen’ dachte Anya. Und später waren sie auch wieder unter leidenschaftlichen Küssen ins Bett gefallen.

Auf ein Mal hörte Anya Stimmen. Sie schreckte auf. Debrah und Hannah wollten ja heut Morgen kommen! Sie lauschte und erkannte auch zwei verschiedene Frauenstimmen. Ein Blick auf den Wecker neben dem Bett verriet ihr das es 10 Uhr war. ‚Mist sie sind schon da und ich lieg hier noch im Bett. Toller erster Eindruck’ dachte Anya und sprang auf. Auf dem Weg ins Bad hörte sie Elijah sagen das sie noch schliefe. Schnell wusch sie sich, putze ihre Zähne und zog sich eine enge Jeans und einen schönen weichen weißen Rollkragenpullover an. Ihre langen blonden Haare band sie sich locker zurück und ihr fielen sofort wieder ein paar Strähnen ins Gesicht. Sie lief schnell auf ihren Socken die Treppe hinunter und rutschte auf dem glatten Linoleumboden beinahe aus. Als sie in der Tür zum Wohnzimmer stand sah sie Elijah und seine Mom am Esstisch sitzen und frühstücken. Debrahs Blick fiel auf Anya und es breitete sich ein liebevolles Lächeln aus. Ihre Augen strahlten Wärme aus und für ihr Alter war sie sehr gutaussehend.

„Guten Morgen Schatz“ sagte Elijah und kam ihr entgegen. Er drückte ihr einen Kuss auf und umarmte sie fest.

„Frohe Weihnachten!“

„Frohe Weihnachten mein Liebling!“ hauchte sie ihm zu und ging mit ihm an der Hand auf den Tisch zu.

„Schön das du auch zu uns stößt, Anya“ sagte Elijahs Mutter freundlich und gab ihr die Hand.

„Es ist mir schrecklich peinlich das ich verschlafen habe.“ Sagte Anya mit gesenktem Blick.

„Elijah du hättest mich wecken sollen.“  Er zuckte mit den Schultern.

„Das brauch dir doch nicht peinlich zu sein. Ach, darf ich dich... sie überhaupt duzen?“

„Natürlich Miss Wood.“

„Also gut, dann bin ich für dich aber auch Debrah. Miss Wood!? Wir sind doch hier auf keiner Behörde und außerdem hört sich das viel zu alt an!“ lachte sie.

„Also gut Debrah!“

„Aber wo ist denn Hannah?“ Anya blickte sich suchend um.

„In der Küche. Sie wollte Tee aufsetzen. Ich werde sie mal holen gehen.“ Debrah stand auf und ging zur Tür hinaus.

„Setz dich erst mal hin, Süße.“ Sagte Lij und rückte den Stuhl neben sich demonstrativ ein Stück zurück.

„Danke!“ Anya setzte sich neben ihn und gab ihm einen Kuss.

 

*

 

Sobald Hannah mit dem Tee fertig war, machten sich die Vier ans Geschenke auspacken. Sie setzten sich unter den Weihnachtsbaum und Hannah begann mit dem Geschenk ihrer Mom. Eine CD ihrer Lieblingsband und ein paar schwarze Lederstiefel die sie sich schon lange gewünscht hatte. „Danke Mommy!“ herzlich umarmte sie ihre Mom und ging sehr gespannt dazu über das Geschenk von Elijah und Anya auszupacken. Zuerst sah sie die silberne Halskette mit dem Anhänger daran und ihr Unterkiefer klappte runter, so dass Anya sich das Lachen verkneifen musste. „Meine Güte! Das ist wunderhübsch!“ sagte Hannah leise.

„Nun tu dich nicht so Nibbles.“ Sagte Elijah scherzhaft. „Es geht doch noch weiter.“

Jetzt zog Hannah das Kleid aus der Schachtel und ihre Augen wurden immer größer. „Krass! Das ist ja noch viel hübscher!“ rief sie und umarmte zuerst Anya und dann Elijah ganz fest. „Riesen großes Danke an euch Zwei. Und an dich natürlich auch Mom. Die Stiefel sind genauso klasse.“ Hannah drückte ihrer Mom noch einen Kuss auf und reichte ihr das Geschenk. „Das ist von mir. Ich hoffe es gefällt dir.“ Debrah nickte und packte es eifrig aus. Es war ein blauer Angorapulli der sehr teuer aussah und Anya fragte sich woher man in dem Alter das Geld für solch ein Geschenk nahm. Danach packte Miss Wood die Theaterkarten aus und dankte Elijah und Anya vielmals. Jetzt war Elijah dran. Von seiner Schwester bekam er das neue Album der White Stripes ‚Elephant’ und von seiner Mom einen Gutschein über 100 Dollar beim Sportwarengeschäft. „Eine kleine Zugabe für dein neues Surfbrett!“ lächelte sie und Elijah umarte seine Mom zum Dank. Jetzt kam er zu Anyas Geschenk und öffnete das große blaue Päckchen. Ganz oben lag ein Briefumschlag mit einer Weihnachtkarte drin. Er öffnete sie und las

„Elijah,

ich danke dir für alles was du für mich getan hast. Nicht zuletzt dafür, das ich dieses Weihnachten mit dir und deiner sicherlich wundervollen Familie feiern kann.

Ich liebe dich.

1000 Küsse,

in Liebe Anya.“

Elijah blickte auf und schenkte Anya, die etwas verlegen war, einen herzlichen Blick. „Ich liebe dich auch.“ Flüsterte er und zog jetzt die Lederjacke aus dem Päckchen. Er hielt sie hoch und lächelte. „Wow ... Danke mein Liebling!“ Er umarmte sie fest und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Stirn.

„Gern geschehen.“ Antwortete sie leise und gab Elijah ebenfalls ein Küsschen auf die Nasenspitze. „Immer diese Knutscherei!“ seufzte Hannah scherzhaft und Debrah musste sich ein Lachen verkneifen.

„Jetzt bist du aber dran, Kindchen. Von Hannah und mir gibt es natürlich auch eine Kleinigkeit.“ Sie reichte Anya eine Kleine Schatulle. „Das wäre doch nicht nötig gewesen Debrah.“

„Doch, doch Kindchen. Mach dir mal keine Gedanken. Ich denke es ist genau das richtige für dich.“

Anya öffnete die Schatulle und eine wundervolle Melodie erklang. Ein kleines tanzendes Pärchen aus Gold erhob sich, welches sich immerfort im Takt der Melodie drehte. Diese Spieluhr war wunderhübsch.

„Das...das ist wunderschön!“ Anya wusste gar nicht was sie sagen sollte. „Das ist echt ... vielen Dank!“ Sie schloss die Schatulle und umarmte Hannah und Debrah.

„Dann möchte ich das du jetzt mein Geschenk auspackst Liebling.“ Sagte Elijah und gab ihr seine Schachtel.

„Das is aber klein!“ sagte Hannah enttäuscht und Anya musste lächeln. „Dafür kommt es von Herzen du kleiner Klugscheißer!“ sagte Elijah und boxte seiner kleinen Schwester leicht in die Seite. Als Anya den Deckel hob, sah sie die beiden Ringe. Sie blickte auf und sah in Elijahs wundervolle, ozeanblaue Augen. „Sind...die wirklich für mich?!“ fragte sie weil ihr nichts anderes einfiel.

„Nein. Für Mom!“ grinste er. „Natürlich sind die für dich Liebling!“ Er nahm einen der Ringe und streifte ihn sich über den Finger. „Einer ist für dich und den anderen trage ich. Es ist ein Zeichen das wir zusammen gehören.“ Jetzt nahm er den Anderen Ring und deute auf die Gravur. „Hier, lies mal.“ Anya sah die eingravierten Wörter und las sie leise vor.

„Mehr als nur Liebe ~ Komme was wolle ~ Anya und Elijah“

Elijah steckte jetzt auch Anya den Ring auf.

„Das ist unglaublich.“ Seufzte Anya ganz still und sah ungläubig auf den Ring. Elijah legte sanft einen Arm um sie und sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter.

Debrah Augen wurde ganz wässrig, da es sie so froh machte ihren Sohn so glücklich zu sehen und sogar Hannah, die sonst überhaupt nicht gefühlsduselig war, fühlte sich in diesem Moment ganz wohl mit diesem Gefühl das sie hatte, als sie ihren großen Bruder glücklich mit Anya vereint sah.

 

*

 

Nach der Bescherung folgte erst einmal ein ausgiebiges Frühstück. Hannah probierte ihr neuen Stiefel, sowie das Kleid und die Halskette an und stolzierte durchs Appartement wie eine richtige Diva. Sie sah aber auch wirklich hübsch aus und ihre kurzen braunen Locken ließen sie trotz aller Eleganz immer noch frech aussehen.

Anya betrachtete immer noch den Ring und ein paar Tränen stiegen in ihr hoch. So etwas hübsches. Die waren bestimmt endlos teuer. In ihr kamen Schuldgefühle auf. Niemals würde sie Elijah etwas so wunderbares schenken können, auch wenn sie es noch so sehr wollte. Für so etwas hätte sie nie das nötige Geld. Es machte sie schon traurig so mittellos gegenüber Elijah zu sein.

Elijah blickte ihr in die Augen und sie verrieten ihm sofort das mit Anya etwas nicht stimmte. Sie wich seinem Blick aus und hatte nicht vor ihm zu sagen was sie, mal wieder, bedrückte. Sie stand auf und räumte noch das übriggebliebene Geschirr in die Spülmaschine. Sie blieb in der Küche stehen und blickte aus dem Fenster in den Vorgarten des gegenüberliegenden Wohnhauses. Kleine Kinder spielten dort im Schnee und sie erinnerten Anya an Leila. Heut Nachmittag würde sie bei Jennifer anrufen und ihnen Frohe Weihnachten wünschen. Vielleicht könnten sie ja morgen zum Mittag oder Abendessen herkommen. Ein Essen mit der ‚neuen Familie’ und den ‚alten Freunden’.

 

*

 

Elijah kam in die Küche und lehnte sich wortlos neben Anya an die Spüle. Er schaute auf den Boden und scharrte mit dem linken Fuß auf den Fliesen herum.

„Was war denn eben los Süße? Hast so bedrückt geguckt.“ fragte er sie leise. Anya hatte nicht vor ihm davon zu erzählen. Er würde es sicher für albern halten und es wieder mit einer einfachen Lösung abtun, auf deren Grund Anya sich dumm vorkommen würde. Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter und guckte weiterhin auf seinen Fuß der auf den Fliesen kleine Kreise zog.

„Ich liebe dich einfach. Vergiss das nie, Schatz.“

Stille.

„Was hältst du davon wenn Jennifer und Leila morgen zum Abendessen herkommen? Es sind doch die einzigen Freunde die mir noch geblieben sind...“

Elijah versuchte Anya jetzt in die Augen zu sehen, doch sie hob ihren Blick nicht und starrte immer noch auf Elijahs Fuß der jetzt still war.

„Natürlich.“ Sagte er leise. „Das ist eine gute Idee.“

 

*

 

Am Nachmittag versuchte Anya mehrmals Jennifer zu erreichen, doch sie ging einfach nicht ans Telefon. Sie hatte schon mindestens zehnmal angerufen und davon sicher fünfmal auf den Anrufbeantworter gesprochen.

Vielleicht war sie bei Bekannten, aber das hätte sie doch sicher erwähnt, oder?

Als es schon Abend war und sie Jennifer noch immer nicht erreicht hatte, wurde ihr langsam unwohl. Was, wenn etwas passiert war?!

Mit dem Telefonhörer in der Hand ließ sich Anya aufs Sofa sinken. Sie stützte den Kopf in die Hände und fühlten es in ihren Schläfen puckern. Sie bekam Kopfschmerzen.

Sie atmete laut aus und merkte wie sich jemand neben sie setzte. Sie dachte es wäre Elijah und wollte gar nicht den Kopf heben, aber es war Debrahs warme Stimme die sie schließlich neben sich hörte.

„Was ist denn los Kindchen? Du siehst sehr bedrückt aus.“

Anya hob den Kopf und blickte in Debrahs dunkle Augen. „Ich versuche meine Freundin zu erreichen, aber sie reagiert einfach nicht. Ich fürchte langsam ihr könnte etwas passiert sein.“

Debrah guckte verständnisvoll und nahm Anyas Hand in die Ihre. Sie war ganz warm und Anya fühlte sich so sehr wohl, als wenn sie bei ihrer eigenen Mom wäre.

„Elijah hat mir von deiner Vorgeschichte erzählt. Ich weiß also bescheid. Das ist wirklich eine schreckliche Sache Kleines. Aber meinst du etwa es hat etwas mit deinem Ex-Mann zu tun, dass du deine Freundin nicht erreichst?“ fragte sie ruhig und blickte Anya in die Augen.

„Ich weis es nicht. Leider. Ich würde mir nie verzeihen wenn ihr...und vor allem der Kleinen, wegen mir etwas zustößt.“

Miss Wood legte mütterlich ihren Arm um Anya.

„Das Schicksal ist nicht deine Schuld. Du könntest nichts dafür. Solche Männer wie dein Ex-Mann gehören hinter Gitter. Niemand kann sie kontrollieren und ich bin mir sicher das du deine Freundin noch erreichen wirst.“

Anya war ein Wenig beruhigt. Debrah war für sie schon jetzt seltsam vertraut, wirklich wie eine kleine ‚Ersatzmutter’.

„Wo sind eigentlich Elijah und Hannah?“

„Die sind auf den Weihnachtsmarkt gegangen. Elijahs neue Jacke und Hannahs Stiefel einweihen. Hat er dir nicht bescheid gesagt?“ Anya war etwas überrascht. Er hatte ihr nichts gesagt. War er etwa sauer wegen vorhin? Sie wollte ihm doch mit ihrem Schweigen nicht wehtun. Es tat ihr jetzt leid und sie wollte sich bei ihm entschuldigen. Hoffentlich wären sie bald wieder zurück.

„Nein, er hat nichts gesagt.“

 

*

 

Etwas später war Anya oben im Schlafzimmer und lag auf dem Bett. Sie betrachtete den Ring. Es beschäftigte sie wirklich, weshalb Elijah ihr nichts gesagt hatte. War er denn wirklich sauer? Das war doch nicht seine Art.
Miss Wood hatte sich auch ein wenig hingelegt und wollte lesen. Anya hatte sich ihren Krimi auch wieder zur Hand genommen, aber sie konnte sich beileibe nicht auf des Geschriebene konzentrieren.

Jetzt hörte sie die Haustür aufgehen und vernahm leise Elijahs und Hannahs Stimmen.

Er war wieder da. Am liebsten wäre sie gleich hinunter zu ihm gegangen, sie verspürte eine seltsame Sehnsucht danach, von ihm in den Arm genommen zu werden. Aber irgendwie traute sie sich nicht, wenn er wirklich böse auf sie war...

Sie versuchte zu hören was Elijah und Hannah redeten, doch sie konnte die verschiedenen Laute nicht deuten.

Dann hörte sie jemanden die Treppe hinauf kommen und durch die halb offene Tür sah sie, dass es Hannah war.

„Na, was machst du so?“ Sie lugte frech in den Raum hinein und grinste.

„Och, ich liege nur faul rum. Bin ein bisschen müde und habe Kopfschmerzen. War es schön aufm Weihnachtsmarkt?“ sagte Anya und versuchte unbeschwert zu klingen.

„Ja, total. Wir haben Zuckerwatte gegessen, so wie früher immer. Und ansonsten bisschen Karussell gefahren, aber Lij hat schon bald geschwächelt.“ Lachte sie. „Dann sind wir nur so rumgeschlendert. Nix spannendes weiter.“

„Hört sich gut an. War es denn nicht bisschen kalt?“

„Na ja, ging schon. Aber was ich fragen wollte, schläft Mom in ihrem Zimmer? Ich wollte sie nicht stören.“

„Nein, soweit ich weiß liest sie. Geh doch einfach mal leise gucken.“

„Ja das werd ich machen und dann wird ich mich in mein Zimmer verziehen und Musik hören.“ Sie grinste und wedelte mit ihrer neuen CD.

„Viel Spaß.“ Grinste Anya zurück. 

 

*

 

Als Hannah aus dem Zimmer war und die Tür hinter sich geschlossen hatte betrachtete Anya wieder ihren kleinen silbernen Ring.

‚Soll ich jetzt zu Elijah gehen? Ich muss mich doch bei ihm entschuldigen. Ich ertrage es nicht wenn er wegen so etwas wirklich sauer auf mich ist.’ Überlegte sie und drehte ihn an ihrem Finger hin und her, doch bevor sie weiter in ihren Gedanken versinken hätte können, ging die Tür auf und Elijah kam herein.

„Oh, entschuldige. Ich wusste nicht das du hier bist.“ Sagte er und hätte schon beinahe wieder die Tür zugemacht und wäre gegangen.

„Warte doch mal Lij!“ rief Anya und setzte sich schnell auf. Elijah kam wieder herein und stellte sich etwas unsicher vor Anya hin.

„Seit wann können wir denn nicht gemeinsam in einem Raum sein?“ fragte sie leise und blickte ihm in die Augen. Sie sah etwas verletztes darin.

„Ich wollte dich nur nicht stören.“

„Wann störst du mich denn schon?“

„Ich weiß es nicht, aber manchmal habe ich das Gefühl das ich es immer tue!“

„Wie kommst du denn darauf Elijah? Was denkst du dir? Warum sollte ich hier sein, wenn du mich stören würdest?“ lächelte Anya warm.

„Vielleicht weil ich ein Schau...“ Elijah verstummte und war schockiert das er so etwas fast gesagt hätte. Auch Anyas Lächeln verschwand.

Er wusste doch das Anya nicht bei ihm war weil er ein bekannter Schauspieler war oder weil sie sein Geld wollte. Er wusste das sie ihn wirklich mochte. Warum sagte er nur so etwas? Anya blickte ihn leicht verletzt an. Er hatte den Satz nicht beendet, aber sie wusste was er hatte sagen wollen. Meint er das ernst? Denkt er das wirklich? Warum war er dann mit ihr zusammen wenn er so über sie dachte? Elijah hockte sich vor Anya auf den Boden und wollte ihre Hand nehmen um sich zu entschuldigen so etwas in den Mund genommen zu haben, doch Anya zog ihre Hand weg und wand ihren Blick auf den Boden.

„Es war nicht so gemeint Schatz.“ Seufzte er.

„Dann sag so was nicht!“ fuhr sie ihn an. Das hatte jetzt zwar bissiger geklungen als es sollte aber Anya war den Tränen auch nah. Wie konnte er nur so etwas über sie sagen?

„Denkst du das wirklich über mich?“ Eine einzelne Träne, die sie nicht hatte herunterschlucken können, rann ihr die Wange hinunter.

„Nein, natürlich nicht. Das weißt du doch auch. Es tut mir leid, dass ich das fast gesagt hätte, ich denke das wirklich nicht.“ Sanft küsste er ihr die Träne von der Wange und nahm jetzt ihre Hand in seine. 

„Du sollst mir nur vertrauen Anya. Das solltest du wirklich lernen, wenn du meinst mich zu lieben und wenn du weiterhin mit mir zusammen sein willst sprich bitte mit mir, wenn dir was auf dem Herzen liegt. Nicht so wie vorhin in der Küche. Das hat mir auch wehgetan.“

„Aber ich vertraue dir doch!“ das klang jetzt nicht überzeugend und Anya war es auch nicht.

„Ich denke du weist selbst, das es nicht so ist.“ Elijah setze sich nun neben sie aufs Bett.

„Denkst du nicht auch das Vertrauen eine der wichtigsten Grundlagen einer intakten Beziehung ist?“ fragte er leise.

„Doch.“ Sie sprach kaum mit Ton. Ihr Kehle war wie zugeschnürt vor Wut auf sich selbst und vor Anstrengung die Tränen noch zurückzuhalten. Doch es ging nicht mehr. Die Tränen schossen ihr jetzt in die Augen und liefen die Wangen hinunter. Sie schluchzte laut, beugte sich nach vorn und verbarg ihr Gesicht in den Händen auf den Knien.

Elijah zog sie hoch zu sich und schloss sie fest in die Arme.

Langsam, nur ganz leicht, wog er sie vor und zurück und beruhigte sie mit leisen Worten, die er ihr ins Ohr flüsterte.... „Nicht weinen Schatz...“ ... „Ich liebe dich so sehr....“ ... „Wir schaffen das alles...“ ...

Nach einer Weile hatte sie sich wieder einigermaßen gefangen und barg ihr Gesicht an Elijahs Schulter. Er strich ihr durch ihr von den Tränen feuchtes Haar und drückte sie noch einmal fest an sich.

„Elijah, du weißt ich will dir nicht wehtun. Aber ich habe nie gelernt zu vertrauen. Du musst das verstehen, ja?“ sagte sie leise während sie sich an Elijah festhielt.

„Ich verstehe das, glaub mir. Aber versuche mit mir zu reden wenn etwas ist. Versuche deine Gedanken und Gefühle mit mir zu teilen. Ich bitte dich.“

„Das werde ich.“ Sagte sie und hielt sich immer noch an Elijah fest.

 

*

 

Chapter Seven ~ Happy New Year ~

 

Die Weihnachtsfeiertage waren vorbei und Elijahs Mom und Hannah waren gestern wieder Heim gefahren.

Langsam fingen Anya und Elijah an sich etwas für Silvester zu überlegen. Orlando hatte sie schon eingeladen, zu der Party die er geben würde. Sie hatten bereits zugesagt und Elijah war jetzt daran sich zu überlegen wie er seinem Freund möglichst unauffällig jemanden vorstellen könnte, der ihm vielleicht gefiel und aus seiner ‚Einsamkeit’ erlösen könnte.

Er dachte dabei an Jennifer. Anya hatte sie an diesem Tag glücklicher Weise doch noch erreichen können und sie war am nächsten Tag mit der kleinen Leila, die sich sogar freute Elijah wiederzusehen, zum Essen gekommen.

Jennifer war sehr hübsch und vor allem nett gewesen. Sie hatte hüftlange dunkelblonde Haare, war nicht allzu viel größer als Anya und ihr nettes Gesicht lies sie sehr zugänglich wirken. Eigentlich müsste sie Orlando ja gefallen. Auch Debrah und Hannah mochten Jenny gleich gut leiden und hatten so ihren Spaß mit Leila. Ja, eben Leila, was war mit Leila? Elijah wusste zwar, dass Orlando Kinder sehr mochte, aber selbst wenn er sich wirklich für Jenny interessieren würde, würde er auch damit klar kommen, dass sie ein Kind hat?

Elijah wollte ihn nicht noch mehr Sorgen bereiten indem er dann auch noch darüber nachdenken musste ob er das Risiko eingehen sollte sich fest mit Jenny zu binden,...

Es war nicht ganz so leicht, aber das war Lij ja schon vorher bewusst gewesen. Anya bestärkte Elijah nur darin, Orlando Jenny vorzustellen. Sie wusste das Jennifer Orlando gutaussehend finden würde, er war der Typ Mann auf den sie stand; groß, stark, witzig, nett.

Außerdem hatte Jenny auch schon lange keinen Mann mehr kennen gelernt. Der Vater von Leila hatte die beiden früh verlassen und nie wieder etwas von sich hören gelassen. Das nahm Jenny damals sehr mit, denn es war ihre erste wirkliche große Liebe, aber so wie sie war ließ sie sich schon damals nichts anmerken und machte auf stark. Doch Anya wusste als ihre beste Freundin, dass sie verletzt war und am Tiefpunkt angelangt.

Schließlich überlegte sich Elijah es wenigstens zu probieren und Orlando war ja nun wirklich kein Teenager mehr der sich nicht traut eine feste Beziehung mit Verpflichtungen und Einbüßungen einzugehen. Auch wenn er sich manchmal so benahm.

So rief Lij bei seinem Kumpel an und sagte endgültig zu, dass sie kamen und noch eine Freundin mit deren Tochter mitbringen würden. Orlando freute sich und hatte sogar nichts gegen ein Kleinkind auf seiner Party einzuwenden.

‚Vielleicht wird er ja langsam erwachsen!’ dachte Elijah schmunzelnd als er den Telefonhörer auflegte.

 

*

 

Einen Tag vor Orlandos Silvesterparty trafen sich Anya und Jenny in der Stadt, die Kleine hatten sie mit Elijah im Appartement gelassen, um einfach mal ein bisschen Zeit unter Frauen zu verbringen. Anya hatte Jenny zwar gesagt, dass die Party zu der sie eingeladen war von Orlando Bloom gegeben wurde, aber den gewünschten Effekt hatte es noch nicht gezeigt. Jenny wusste schon wer er war, zeigte sich jedoch nicht sonderlich beeindruckt. Aber sie zeigte sehr viel Interesse an den sonstigen Gästen. Lange verbrachte Jennifer damit Elijah auszuquetschen wer wohl noch kommen würde? Sie hoffte wohl auf Johnny Depp oder Edward Norton und beide ohne Begleitung. Darüber musste Anya etwas schmunzeln, da sie sich doch recht sicher war, dass Orlando den Platz einnehmen würde den sich Jenny noch von Johnny oder Edward erhoffte. Elijah hingegen machte es nur nervös, es verunsicherte ihn, da weder Johnny Depp noch Edward Norton Ähnlichkeit mit seinem Kumpel besaßen. Aber Anya konnte nur Schmunzeln, und selbst wenn aus ihrer Freundin und Orlando nicht werden sollte, die Party würde sicher trotzdem lustig werden.

In der Stadt vergnügten Jenny und Anya sich jedenfalls noch so richtig. Trotz der Eiseskälte aßen sie italienisches Eis, beim Bummeln durch die Mall. Anya dachte daran, dass es die gleiche Mall war in der Elijah vor ein paar Wochen Leila aufgefangen hatte und sie sich kennen lernten. Es war irgendwie ein schöner nostalgischer Gedanke daran und während Jenny und sie ihr Eis aßen lachten sie viel über alte Geschichten aus dem Restaurant. Anya fand es irgendwie schade nicht mehr mit ihrer Freundin dort zu arbeiten. Klar, die Arbeit war miserabel bezahlt und man stank jeden Abend wenn man Heim kam widerlich nach Essen, aber doch hatten sie oft viel Spaß gehabt und waren alle untereinander zu einer kleinen Familie geworden. Anya musste seufzen, wenn sie daran dachte das sie viele von denen nicht mehr wiedersehen konnte. Sie würde da auf keinen Fall wieder arbeiten könne, das wäre zu riskant, zu leicht könnte David sie dort aufspüren. 

Aber wenn das neue Jahr erst angefangen hatte und Elijah auch wieder arbeiten muss, dann würde sich auch Anya einen neuen Job hier in der Stadt suchen, und sie und Jenny malten sich aus, wie es wäre zusammen in einem anderen Restaurant zu arbeiten. Einem in dem man besser bezahlt wurde und aus dem sie nach ihrer Schicht von ihren reichen Ehemännern abgeholt werden – Elijah und Johnny.

Und wieder musste Anya leicht schmunzeln; oder vielleicht von ihren Ehemännern Elijah und Orlando?!

 

*

 

Am nächsten Tag war bereits Silvester gekommen und Anya machte sich gerade im Bad die Haare, als sie auf ihre Uhr sah die ihr kurz vor Neun anzeigte. In einer halben Stund würden sie Jennifer und Leila abholen. Ein bisschen unwohl war es Anya schon, mit Elijah wieder in die Gegend zu fahren. Es waren zwar schon ein paar Wochen vergangen seit sie David verlassen hatte und sie hatte auch nichts mehr von ihm gehört. Vielleicht hatte er sie ja vergessen. Vielleicht war sie ihm jetzt egal. Er suchte sie nicht mehr und hätte eine neue Frau. Die er vielleicht besser behandelte. Sie hoffte es. Auch für ihn. Sie hatte ihn schließlich mal geliebt und wollte ihn nie verletzen. ‚Wenn er sich nicht so verändert hätte, wäre ich jetzt vielleicht mit ihm glücklich’ dachte Anya leicht sentimental, als sie sich den roten Lippenstift auftrug.

Sie trug einen schwarzen Rock und dazu eine rote Bluse, von der sie nur zwei Knöpfe zugemacht hatte. Dazu eine silberne Kette mit einem Anhänger dran, den ihr ihre Mutter vor vielen Jahren einmal geschenkt hatte. Für Anya war der silberne Stern, mit dem roten Stein in der Mitte, so etwas wie ein Talisman, das einzige was sie noch von ihrer Mom hatte. Sie hing sehr daran und trug es nur zu besonderen Anlässen.

Die langen blonden Haare hatte sie zu Locken eingedreht und ein paar Strähnen zurück gesteckt.

So kam sie aus dem Bad ins Schlafzimmer, wo Elijah ein paar Dinge in den Rucksack packte, und der Duft ihres Parfüms flutete gleich den ganzen Raum.

„Mhm Liebling, du duftest wundervoll.“ Grinste Elijah und küsste sanft ihren Hals.

„Danke.“ Lächelte Anya „Und, hast du alles zusammengepackt?“

Sie würden heute Nacht auch bei Orlando übernachten, weil sie nicht so spät bzw. früh durch halb L.A. kurven wollten.

„Ich denke schon. Schlafsachen, Waschtasche und das kleine Neujahrs Geschenk für unseren Gastgeber.“

„Schön.“ Jetzt erst sah Elijah seine Freundin richtig an und kam fast ins Staunen.

„Wow, du siehst wunderhübsch aus Anya.“ Er nahm ihre Hände und betrachtete sie von oben bis unten.

„Danke schön!“ Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss und nahm den Rucksack.

„Komm jetzt Lij, wir sollten los. Jenny wartet nicht gern.“

 

*

 

Anya saß schon im Wagen, als Elijah noch einmal kurz rein rannte, weil er seine Jacke vergessen hatte.

Als er endlich kam und den Wagen startete war es schon Zwanzig nach Neun.

„Wir kommen zu spät.“ Seufzte Elijah und fuhr hektisch los.

„Mach dir keinen Stress Liebling, Jenny wird uns schon nicht den Kopf abreißen und Orlando wohl auch nicht.“ Schmunzelte sie.

„Hast ja recht.“ Gab er zu und ging auch gleich etwas vom Gas.

„Bist du irgendwie nervös Elijah?“ Er warf ihr nur einen kurzen Blick zu, ohne die Straße richtig aus den Augen zu lassen. „Na ja, vielleicht ein kleines bisschen. Ob das mit Jenny und Orlando klappt?“

Anya legte ihm beruhigend ihre Hand aufs Knie. „Mach dir doch keine Gedanken. Es kommt, wies kommt.“ Sie grinste ihn frech an und sah ihm auch an, dass er sich gleich etwas wohler fühlte.

Im Radio lief grad Coldplay.

Anya beobachtete Elijah von der Seite. Er sah sehr gut aus heute Abend, mit der schwarzen Hose, dem weißen Hemd mit dem offenem Knopf am Hals und der neuen Lederjacke darüber. Seine Haare waren mit Gel verwuschelt und das Wichtigste – der Ring an seinem Finger. Ihr Ring. Sie guckte auf den kleinen silbernen Ring an seiner linken Hand, und dann an den an ihrem eigenen linken Ringfinger und ein glückliches Lächeln breitete sich in ihrem Gesicht aus.

Sie fuhren extra einen kleinen Umweg um nicht direkt an dem alten Wohnhaus Anyas vorbei zu müssen. Trotzdem war es noch immer ein merkwürdiges Gefühl mit Elijah jetzt hier zu sein, nur einen Block von David entfernt. Es wurde jetzt schon viel mit Feuerwerkskörpern rumgeknallt und viele Kinder tummelten sich auf den Straßen und erfreuten sich daran. Sie kamen vor Jennys Haus an und Anya stieg nur schnell aus um zu klingeln, während Elijah im Wagen wartete.

Durch die Gegensprechanlage sagte Jenny sie wäre sofort unten, sie müsse Leila nur noch schnell anziehen. Anya wurde leicht unruhig, sie wollten sich beileibe nicht so lange hier aufhalten und sie fing an zu frieren in ihrem kurzen Rock und der offenen Bluse. Sie blickte zum Wagen in dem Elijah saß und mit dem Kopf zur Musik nickte. Es war wirklich ziemlich kalt draußen und ihre Jacke war im Auto. Sie schlug die Arme um ihren Körper, da ging das Licht im Hausflur an, ‚Da kommt sie ja schon’ dachte Anya erleichtert. Jenny kam mit Leila auf dem Arm aus der modrigen Tür des Hauses hinaus und sah recht gut gelaunt aus. Leila schlief schon. „Guten Abend Fräulein.“ Sagte Anya scherzhaft und die zwei gaben sich zur Begrüßung ein Küsschen auf die Wange und gingen zum Wagen. Elijah sah die kleine Leila schlafend und drehte die Musik sofort leiser.

„Hi Jenny, wie geht’s?“ fragte er und gab ihr die Hand.

„Gut, danke.“

Die zwei stiegen ein. Jenny legte Leila hinten auf dem Rücksitz hin und deckte sie mit ihrer Jacke zu. „Die Kleine schläft jetzt schon.“ Seufzte sie.

„Ach, Orlando wird schon einen Platz für die Kleine haben.“ Grinste Anya wissend.

„Wer war Orlando noch mal in ‚Herr der Ringe’, Elijah?“ fragte Jenny nach einer Weile.

„Legolas. Nur son Elb. Kennst du ihn?“

„Ähm, der blonde Kerl mit dem Bogen?“

„Genau der!“ lachte Elijah. „Aber ich hab dir ja schon gesagt, es werden noch ein paar andere aus ‚Herr der Ringe’ da sein. Nur Johnny oder Edward Norton wahrscheinlich nicht.“

„Na schade, aber dann bin ich ja heut trotzdem in richtig gehobener Gesellschaft.“ Grinste sie.

Elijah blickte Jenny durch den Rückspiegel an. Sie war nur leicht geschminkt, hatte ihre blonden Haare hochgesteckt und trug ein weinrotes Kleid. Sie sah sehr gut aus. ‚Hoffentlich würde das klappen.’ dachte Elijah.

 

*

 

Vor Orlandos Wohnhaus standen schon etliche Autos, von denen Elijah einige wiedererkannte. „Oh, Liv ist auch hier.“ Grinste er und als Orlando die Tür zu seinem Appartement öffnete konnten sie gleich die laute Musik von Justin Timberlake hören und ein paar Leute die dazu tanzten sehen. „Hi ihr!“ rief Orlando laut um gegen die Musik anzukommen. Er umarmte Lij kurz und gab Anya sowie Jenny die Hand.

„Du musst Jenny sein?“ fragte er sie mit einem frechen Grinsen im Gesicht als sie hereinkamen.

„Ja und du bist wohl der heutige Gastgeber.“ Grinste sie zurück. Da achtete Orlando erst auf die kleine Leila die schlafend in Jennys Armen lag. „Och, die Kleine schläft ja schon.“ Sagte er.

„Ja ähm, es tut mir leid.“ Antwortete Jenny kleinlaut, was so gar nicht ihre Art war. „Wieso leid tun? Komm folg mir erst mal. Wir bringen sie gleich in mein Zimmer, da kann sie in Ruhe weiterschlafen.“ Orlando gab ihr mit einer Handbewegung zu verstehen das sie hinter ihm her kommen sollte. Die beiden verschwanden die Treppe hinauf in den zweiten Stock. Anya lächelte Elijah Gutes ahnend an und dann mischten sich die zwei im Wohnzimmer unter die Menge um nach ein paar bekannten Gesichtern zu suchen.

Jenny und Orlando gingen im zweiten Stock in ein Zimmer, in dem man erstaunlich wenig von der unten so lauten Musik wahrnahm. Orlando nahm Jenny vorsichtig die Kleine ab und legte sie auf das große Bett und deckte sie behutsam mit einer weichen Wolldecke zu.

„Meinst du sie wird weiterschlafen?“ fragte er Jenny und blickte ihr in die dunkelgrünen Augen. „Ich denke schon.“ Jenny strich Leila über die Wange.

„Das ist wirklich eine ganz Süße. Wie alt ist sie denn?“
“Fünf.“

„Mhm,... sie ist wirklich süß.“ Orlando klang nachdenklich.

„Ja, aber lass uns nach unten auf deine Party gehen. Ich will feiern!“ grinste Jenny und zog ihn an der Hand aus dem Zimmer. „Na komm schon!“ Auf dem Flur lies sie Orlando jetzt einfach stehen und lief die Treppe hinunter, von unten winkte sie ihn noch einmal frech zu und verschwand dann im Wohnzimmer.
Orlando schloss noch leise die Tür seines Schlafzimmers. ‚Das ist also eine Freundin von Anya...’ dachte er und sah die Treppe hinunter wo sie grad verschwunden war. ‚...ob die alle so hübsch sind?’

 

*

 

Die Party war richtig gut. Anya und Elijah saßen mit Jenny, Dom und Liv im Wohnzimmer und plauderten. Ansonsten waren auch Ewan und seine Frau da, die Orlando bei den Dreharbeiten zu Black Hawk Down kennen gelernt hatte.

Orlando war immer unterwegs, mal hier, mal da. Er pendelte immer zwischen der Küche, wo er die Getränke holte, und seinen Gästen hin und her. Redete mit jedem ein bisschen und ging zum nächsten. Es waren auch viele andere Freunde von ihm gekommen, manche kannte Lij, die meisten jedoch nicht.

Untereinander verstanden sich alle klasse, so wie es auf einer Party sein muss, redete jeder mal mit jedem, es gab etwas zu lachen, die Musik war gut, es gab Knabberein und Getränke und man tanzte.

Irgendwann verzogen sich Anya und Elijah mal für einen Moment auf die Terrasse um etwas allein zu sein und Elijah zündete sich eine Zigarette an. Mit einem Arm hielt er Anya dicht bei sich.

„Sieht ja nicht so aus als ob es zwischen Orlando und Jenny so großartig gefunkt hätte.“ Fing Lij an.

„Mhm ... ich würde sagen, noch nicht!! Ich schätze, da war einfach noch nicht genügend Zeit füreinander.“

„Meinst du?“

„Ja, ich denke schon. Jedenfalls kann ich von Jenny nicht grad sagen, dass sie von Orlando abgeneigt ist. Das sehe ich.“ Elijah grübelte einen Moment und zog an seiner Zigarette. Er bemerkte, dass Anya ein bisschen zitterte und zog sie noch dichter an sich. „So müsstest du mich immer festhalten“ flüsterte Anya verträumt und Elijah lächelte zärtlich. Er strich mit seiner Wange über ihre und sie küssten sich sanft.

Lij schnippte seine Kippe von der Terrasse und schob Anya wieder in Richtung Balkontür. „Lass uns wieder rein gehen, is echt kalt.“ Er umarmte sie beim laufen von hinten und küsste ihren Nacken.

 

Drinnen war die Musik schön laut und die Stimmung heiß.

Jenny saß neben Liv Taylor auf dem Sofa und sie unterhielten sich. Gott, wenn ihr vor einem Jahr jemand gesagt hätte das sie an Silvester mit Schauspielgrößen zusammen feiern würde, hätte sie denjenigen höchstwahrscheinlich für verrückt erklärt. Doch jetzt sah es danach aus. Sie steckte sich eine Zigarette an und während sie mit Liv weiterhin über Männer quatschte beobachtete sie aus dem Augenwinkel Orlando. ‚Ziemlich heißer Kerl!’ dachte sie und fragte sich ob er wohl eine Freundin hatte.

„Du scheinst unseren Orli ja recht interessant zu finden!“ sagte Liv schmunzelnd.

„W...wie...wieso?“ stotterte Jenny verduzt.

„Na ja, deine Blicke sind nicht zu übersehen.“

„Sagen wir es mal so, er sieht nicht schlecht aus.“ Grinste sie.

„Stimmt, sieht er nicht!“

„Ja, aber ich erwarte nicht das er etwas mit mir anfangen würde, schon allein weil ich eine kleine Tochter habe.“

„Ach Jenny, wir sind Schauspieler, aber trotzdem noch Menschen.“ Liv kicherte über ihren eigenen kleinen Witz. „Und ich muss sagen, er scheint doch interessiert zu sein, ich hab nicht nur bemerkt das Du ihn beobachtest.“

„Mein Gott, ich hoffe du willst jetzt nicht die Kupplerin spielen, oder?“

„Ich doch nicht!“ Liv hob abwehrend die Hände und schüttelte den Kopf.

 

*

 

Anya sah wie Orlando auf Jenny und Liv zuging und sich neben sie setzte. Sie stupste Elijah von der Seite an und wies ihm die Richtung. Orlando und Jennifer unterhielten sich kurz und standen dann auf um zu tanzen.

„Vielleicht wird das ja doch noch was?“ grinste Lij und gab Anya einen Kuss auf die Stirn.

Sie blickte auf die Uhr.

„Hey, gleich ist Mitternacht!“

Nach kurzer Zeit wurde dann auch die Musik leiser gedreht und Orlando schaltete den Fernseher ein.

„Leute, wir haben es ja fast nicht bemerkt, aber gleich is Mitternacht!“ rief er.

Draußen flogen schon die Raketen in die Höhe und es knallte.

Orlando holte mit Dominic schon mal den Sekt aus der Küche und goss jedem etwas ein.

Im Fernsehen begannen sie zu zählen....

... 9... 8 ... 7 ...

Elijah legte seinen Arm um Anya....

... 6 ... 5 ... 4 ...

Jenny stand neben Orlando...

... 3 ...

Liv rief mit einem Blick auf Jenny und Orlando „und vergesst alle nicht den Neujahrskuss!“...

... 2 ...

Ein Raunen ging durchs Zimmer und draußen knallten die Feuerwerke....

... 1 ...

Elijahs und Anyas Blicke trafen sich....

„FROHES NEUES JAHR ALLERSEITS!!!“ dröhnte es aus dem Fernseher und die Sektgläser wurden angestoßen.

Anya und Lij versanken in einem tiefen Kuss.

Orlando schaute Jenny in die Augen. „Frohes neues Jahr.“ Lächelte sie ihm zu. Und zur Antwort neigt er sich zu ihr herunter und küsst sie kurz, nur ganz leicht auf den Mund, doch ihr Blick verriet ihm das sie sich nach mehr sehnte.

 

Als Anya und Elijah ihre Umwelt endlich wieder wahrnahmen, waren schon fast alle anderen draußen.

„Ich liebe dich so sehr.“ Flüsterte sie ihm noch zu, bevor sie auch auf die Terasse gingen, wo sie Orlando sahen der einen Arm um Jenny gelegt hatte.

Lij grinste sie zufrieden an. Die zwei stellten sich zu ein paar anderen und stießen noch mit den Sektgläsern an. Arm in Arm, um nicht zu frieren, betrachteten Anya und Lij das wunderbare Feuerwerk. Bis zum Horizont zogen sich Hunderte von explodierenden Lichtkugeln hin. Lauter kleine bunte Sprenkel die sich dann im Dunkel verloren. Anya war glücklich, genauso wie Jenny.

Lang hatte sie nichts mehr mit einem Mann gehabt, für den sie etwas empfand. Natürlich kannte sie Orlando gar nicht, aber so musste es bei Elijah und Anya ja auch gewesen sein. Sie sah in seine dunklen Augen und sah ihn. Nicht nur den sehr gutaussehenden Orlando, sondern wirklich ihn. Sein ‚sehr gutaussehendes’ Inneres.

Ihr Kuss war umwerfend gewesen und nun hielt er sie hier auf der Terrasse im Arm. Jenny blickte zu ihm auf und er lächelte sie warm an. Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter und er strich ihr sanft über den Rücken.

 

*

 

Weiterhin war die Party klasse. Die Musik war wieder aufgedreht worden und man tanzte mehr als vorher. Mittlerweile hatten alle ein Wenig getrunken und waren noch lustiger drauf. Orlando und Jenny tanzten fast durchgehend miteinander, mal eng umschlungen und mal wild. Lij war sich so gut wie sicher das es hingehauen hatte, Orlandos Blicke verrieten doch alles.

 

Und später, viel später, gingen einige langsam.

Und als der Morgen schon graute waren fast alle weg und diejenigen die diese Nacht hier bleiben wollten, ließen sich langsam nieder.

Orlando bereitet mit Liv die Betten vor und Jenny saß mit Anya auf der Couch im Wohnzimmer, wo sie über Orlando redeten. 

„Ihr scheint euch ja recht nahgekommen zu sein?“

„Ach komm, tu nicht so. Ihr habt mich doch nicht ohne Hintergedanken mit hierher eingeladen!“ lachte Jenny glücklich.

„Wie kommst du denn darauf?“

„Na komm schon, ich kenn dich und Lij ist sicher vom gleichen Kaliber. Ihr habt euch das schon so zurecht gelegt das Orlando und ich uns näher kommen.“

„Na ja, vielleicht ein wenig. Aber bereust du es denn?“

„Nein. Niemals. Ich bin euch sogar echt dankbar das ihr in mir vorgestellt habt!“ Jenny lies sich rücklings auf dem Sofa zurückfallen. „Mal sehen was daraus noch wird.“

„Da bin ich auch mal gespannt. Ich meine, bei euch beiden!?“

„Was soll das denn heißen? Tz.“ Grinste Jenny, ausgebreitet auf dem Sofa liegend, und Anya sah in den Augen ihrer besten Freundin, dass diese sich wirklich freute.

„Ladies, die Schlafgemache sind angerichtet.“ Säuselte Orlando als er ins Zimmer kam und sah Jenny und Anya auf dem Sofa rumlümmeln. „Oder wollt ihr gleich hier bleiben? Sieht so aus als hättet ihr es euch schon genügend bequem gemacht.“

„Nein, ich geh doch lieber zu Elijah in ein richtiges Bett.“ Grinste Anya und erhob sich gähnend.

„Der pennt sogar schon halb.“ Grinste Orlando.

„Madam, sie finden ihn im Gästezimmer des zweiten Stockwerks, direkt neben dem meinen Schlafgemach!“ Sagte er und deutete eine Verbeugung an.

„Mach dir mal keine Mühe Orlando.“ Grinste Anya. „Gute Nacht euch zweien.“ Winkte sie ab und schob sich an Orlando vorbei durch die Tür aus dem Wohnzimmer.

„Und, wo darf ich mich jetzt noch niederlassen mein Herr?“ fraget Jenny und setzte sich gähnend auf dem Sofa auf. „Du siehst aus, als würdest du es gar nicht mehr weit schaffen.“ Schmunzelte er und zog sie an der Hand von der Couch hoch. „Haha, ich bin noch voll frisch.“ Sagte sie und versuchte sich an einem frischen Lächeln.

„Das sehe ich. Nein, im Ernst, ich dachte du schläfst bei mir im Bett.“ Sagte er und sammelte derweilen ein paar Flaschen die auf dem Boden lagen auf.

„Bei dir im Bett? Geht das nicht ein bisschen schnell?“ grinste Jenny und half ihm dabei die anderen Flaschen noch in die Küche zu räumen.

„Nein sorry, so meinte ich das nicht.“ Orlando schien fast etwas rot zu werden „Ich meine, du schläfst bei Leila in meinem Bett und ich auf der Couch in meinem Zimmer.“

„Wenn das so ist,“ Jenny musste sich das Grinsen ernsthaft verkneifen „eine gute Idee. Einverstanden.“.

 

*

 

Anya kam in das Zimmer neben Orlandos Schlafzimmer und sah Elijah auf einer ausgezogenen Schlafcouch liegen.

„Schläfst du schon mein Liebling?“ sagte sie leise und setzte sich neben ihn. „Neinn...“ brummte er leise, mit dem Gesicht auf dem Kissen liegend. Sie fuhr ihm mit einer Hand durch sein unordentliches Haar und streichelte seinen Kopf. „Ich habe grad mit Jenny gesprochen und sie sagt sie ist uns sehr dankbar das wir sie mit Orlando bekannt gemacht haben und sie findet ihn sehr nett!“ Elijah drehte sich zu ihr und grinste verschlafen. „Meine Güte sind wir gut!“

Er zog Anya zu sich und gab ihr einen Kuss. „Ich komm gleich ins Bett, ich zieh mich nur noch um und ins Bad sollte ich auch noch.“ Sie stand wieder auf und nahm aus der Tasche ihre Schlafsachen und die Waschtasche. „Übringens, ich glaube die beiden schlafen heute auch zusammen in einem Zimmer.“ Grinste sie ihm beim gehen zu.

Auf dem Flur begegnete ihr noch Liv, die einen weinroten Satinpyjama trug. „Deine Freundin Jenny und Orlando haben sich ja heut Abend wirklich gut verstanden, nicht wahr?“ grinste sie. „Ja, allerdings.“ Grinste Anya zurück. „Und die beiden schlafen wohl heut auch beide in seinem Zimmer, oder?“

„Ja, aber nicht zusammen in seinem Bett.“ Liv fuhr sich durch die langen schwarzen Haare. „Wir haben ihm die Couch in seinem Zimmer zurechtgemacht. Jenny soll mit Leila in seinem Bett schlafen.“

„Ach so, schade. Aber was daraus geworden ist, werden wir wohl doch erst nachher sehen.“ Schmunzelte Anya und musste sich die Hand vor den Mund halten um Liv nicht direkt ins Gesicht zu gähnen.

„Stimmt wohl und da ich nachher sicher als erste wieder wach bin und Frühstück vorbereiten werde, werde ich dann auch auskundschaften wie die Schlafplatzverteilung nun genau lief wenn ich euch alle wecke.“ Und wieder kicherte Liv sichtlich amüsiert über ihren Scherz. „Nun mach ich mich aber mal ins Bett. Ich werde schon erwartet.“ Sie winkte und ging zu einem weiteren Gästezimmer.

„Na mal sehen.“ Seufzte Anya müde und ging endlich ins Bad.

 

*

 

Elijah lag auf dem hergerichteten Bett und grinste vor sich hin. Er konnte es gar nicht unterdrücken, so begeistert war er davon, dass Jenny begeistert von Orlando war. Und sie schliefen sogar im selben Zimmer! So wie er seinen Kumpel kannte, würde da sicher etwas laufen, wenn nicht Leila wäre. Vielleicht sollte er rüber gehen und fragen ob Leila die Nacht mit in ihrem Zimmer schlafen solle. Aber nein, dass wäre zu auffällig. Elijah war gespannt wie ein kleiner Junge an Weihnachten, was wohl daraus werden würde und wenn er nicht so müde gewesen wäre, hätte er sich sicher noch weiter Gedanken gemacht.

Er rappelte sich schwerfällig auf und streckte sich, wobei er laut gähnte. Dann zog er sein Hemd, die Hose und seine Socken aus und hängte alles über eine Sessellehne. Aus dem Rucksack kramte er ein Shirt das er eingepackt hatte und zog es sich über. So schlüpfte er wieder ins Bett und kuschelte sich in die warme Decke ein. Auf dem Tischchen neben ihm brannte noch eine Leselampe die warmes Licht spendete und leise öffnete sich die Tür. Anya kam rein. Sie hielt in der einen Hand die Waschtasche und über den anderen Arm war ihre Kleidung gelegt. Ihre Locken hatte sie sich herausgekämmt, so dass ihre wunderbaren langen Haare jetzt wieder glatt und etwas feucht ihren Rücken herunter fielen. Vor Müdigkeit schienen ihre sonst so großen Augen ganz klein und trüb, doch als sie Elijah da so in die Kissen gekuschelt sah musste sie lächeln und ihr ganzes Gesicht hellte sich auf, so als ob sie nie müde gewesen wäre. Geschweige denn je traurig.

„Komm zu mir.“ Grinste er und streckte ihr die Arme entgegen.

Schnell legte sie die Sachen zu Elijahs auf den Sessel und schlüpfte zu ihm unter die Decke in seine Arme. „Du bist schön warm.“ Flüsterte sie und er spürte ihren Atem auf seiner Brust.

Sanft strich er ihr durch ihr feuchtes Haar und küsste ihren Hals.

„Gute Nacht Liebling.“

 

*

 

Schon ein paar Stunden später, wurden Anya und Elijah wieder von einem fröhlich dahergeträllerten „Guten Morgen“ geweckt, das unweigerlich von Liv kam, die ihren Kopf zur Tür herein gesteckt hatte. Elijah brummte nur müde und Anya drehte sich aus seiner Umarmung zu Liv und lächelte sie müde an. „Morgen.“

„Ich wollte euch als erstes wecken, damit ihr bei der Stunde der Wahrheit dabei sein könnt, wenn wir herausfinden wie Orlando und Jenny geschlafen haben.“ Grinste Liv und fügte hinzu. „Die Kleine ist nämlich schon ne ganze Weile wach.“ Und auf einmal waren Elijah als auch Anya nicht mehr so müde und setzten sich im Bett auf. „Leila ist schon wach?“ gähnte Elijah. „Ja, sie hat mir beim Frühstück machen geholfen.“ Lächelte Liv. „Ein Schatz die Kleine.“

„Das ist sie wirklich.“ Sagte Anya und stand aus dem Bett auf. Sie ordnete ihre Haare ein wenig und band sie sich dann zu einem Zopf zurück. „Dann mal los, lasst sie uns wecken.“ Sie rieb sich die Hände als ob sie jemandem einen Streich spielen würden und lief zu Liv. „Au ja.“ Lachte diese und sie gingen aus dem Zimmer.

„Hey, wartet!“ Lij sprang schnell aus dem Bett und fiel in der Eile fast hin. „Wartet.“ Keuchte er, „Ich will auch dabei sein“ und lief den Beiden hinterher.

Sie standen gespannt vor der Tür von Orlandos Schlafzimmer und klopften an. Da keine Reaktion kam, steckte Liv auch hier wieder neugierig ihren Kopf hinein. „Sie schlafen noch.“ Flüsterte sie und öffnete die Tür weiter, so dass auch Anya und Lij sehen konnten, was sie sah. 

Orlando und Jenny lagen beide eng aneinandergekuschelt auf der ausgezogenen Couch und sein Bett sah nicht so aus, als ob Jenny eine Minute darin verbracht hatte. Nur die Wolldecke unter der Leila geschlafen hatte lag dort zusammengeknüllt. „Siehste.“ Grinste Anya und boxte Elijah leicht in die Seite.

„Ähäm ... Guten Morgen ihr zwei.“ Räusperte Liv sich laut, so dass Orlando wach wurde. Er blinzelte leicht und öffnete dann halb die Augen und schien vollkommen orientierungslos.

Erst sah er Liv, Anya und Lij an, die etwas fehlplatziert aussahen wie sie da mitten in seinem Schlafzimmer standen und ihn anguckten. Dann sah er zu Jenny die in seinen Armen lag und ihm schien wieder klar zu werden was los war. Als auch sie anfing zu blinzeln und schließlich die Augen öffnete, lächelte er sie lieb an. „Guten Morgen.“ Flüsterte sie verliebt und bemerkte die drei anderen Personen im Raum solange nicht, bis Liv laut „Das Frühstück ist fertig!“ rief und daraufhin aus dem Raum holperte und Lij und Anya hinter sich her zog.

Jenny drehte sich ruckartig zur Tür und sah den dreien hinterher. „Ähm, was war denn das?“ fragte sie Orlando sichtlich verwirrt. „Ehrlich gesagt – Ich habe keine Ahnung!“ grinste er und zog sie noch ein bisschen dichter an sich um ihr einen sanften Guten Morgen Kuss zu geben.

„Lass uns frühstücken gehen.“ Flüsterte sie.

 

*

 

Nach dem Frühstücken räumten Liv, Elijah und Orlando noch die Betten zusammen und Anya packte ihre Sachen ein. Jenny war mit Leila in der Küche und während die Kleine Cartoons im Fernsehen ansah, wusch Jenny das Geschirr ab. Verträumt und lächelnd sah sie dabei aus dem Fenster und beobachtete die kleinen weißen Schneeflocken die im Wind seicht hin und her segelten und dabei wie aus Seide wirkten. Sie wirkten überhaupt nicht kalt. Eher als würde sich ein angenehmes, irgendwie weiches Gefühl durch den ganzen Körper schleichen, würde sie jetzt die Hand nach ihnen ausstrecken und sie berühren. Und sie streckte zögernd die Hand nach den Schneeflocken aus und berührte doch nur die Fensterscheibe. An welcher die Flöckchen außen kleben blieben und durch die Wärme von der anderen Seite der Scheibe langsam zerflossen.

Anya kam rein und stellte ihren Rucksack auf den Tisch an dem Leila saß, welche sich aber nicht im geringsten von den bunten Bildern im Fernsehen ablenken lies. Mit offen stehendem Mund saß sie gespannt auf dem Stuhl und sah wie gebannt auf den Bildschirm.

Jenny lies ihre Hand an der Scheibe hinabgleiten und die Schneeflocken aus den Augen. Sie drehte sich zu Anya um und trocknete sich die Hände mit dem Geschirrhandtuch ab. Anya ging zu ihr und stellte sich mit den Händen in die Hüfte gestemmt vor sie hin, sie konnte das Lachen nicht unterdrücken, als ihre Freundin beschämt lächelnd auf den Boden guckte.

„Keine Angst, ich halte dich jetzt nicht für schwach!“ lachte Anya und umarmte ihr Freundin. „Ich freu mich ja so verdammt für dich!“ Jenny fiel mit in ihr Lachen ein und drückte Anya fest.

„Ich bin so glücklich.“ Lachte Jenny und die zwei ließen wieder von einander ab.

„Ja, gib dir nur Mühe, dass es zwischen euch auch klappt!“ grinste Anya und kniff ihr spielerisch in die Wange. Jenny lachte und nickte froh. „Ich hab da irgendwie sogar ein gutes Gefühl!“

Liv kam in die Küche um sich zu verabschieden. „Ich fahre los. Euch noch einen schönen Tag. Man sieht sich sicher mal wieder!“ Lächelte sie und als sie Jenny die Hand gab fügte sie noch dazu „Und pass du gut auf unsern Orlando auf!“

„Ich geb’ mir Mühe!“

 

*

 

Chapter Eight ~ Consequences ~

 

In den nächsten Wochen verbrachten Anya und Elijah fast all ihre Zeit mit Orlando und Jenny, die sich kaum noch trennten. Einen Tag wollten sie zu viert noch ein letztes Mal auf die Eisbahn, bevor diese nach diesem Winter wieder schließen würde.

Anya und Elijah saßen mit in Orlandos Wagen. Er hatte die beiden abgeholt und jetzt fuhren sie zu Jenny um auch sie noch zu holen.

Als sie ankamen ging Orlando zur Haustür um zu klingeln und über die Sprechanlage gab Jenny Bescheid, dass der Babysitter für Leila noch nicht gekommen sei. Sie bat die Drei so lange noch nach oben zu kommen und um Anya und Elijah zu holen, ging Orlando zum Auto. Er sagte ihnen Bescheid, doch anstatt mit hoch zu kommen wollten sie lieber ein wenig für sich sein.

„Du kannst ja schon nach oben gehen, wir gehen noch ein wenig spazieren.“ Sagte Anya und nahm Elijah bei der Hand. „Ja genau. Nicht lange, nur eine Runde durch die Häuser und wenn der Babysitter dann noch immer nicht da ist, dann kommen wir auch noch hoch.“ Fügte er hinzu und Orlando nickte grinsend. „Dann bis gleich.“ Sagte er und ging wieder zur Haustür um erneut zu klingeln, dass Jenny ihm die Tür öffnete.

Als er oben war, umarmte er sie erst einmal fest und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Nasenspitze. „Na Süßer.“ Lächelte sie und Orlando betrachtete seine Freundin von oben bis unten. Sie sah wieder so hübsch aus, mit den offenen Haaren, in der schwarzen Hose und dem kuscheligen weißen Wollpullover. „Wo sind denn Anya und Lij?“

„Die wollten lieber noch ein bisschen für sich sein.“ Sagte er und zog seine dicke Jacke aus, in der ihm langsam warm wurde, da es bei Jenny gut geheizt war.

Da kam ihm die Kleine aus dem Wohnzimmer entgegen, aus dem man schon wieder die Cartoons hörte. „Orliii...“ rief sie und rannte auf ihn zu. Orlando hob sie zu sich hoch und drückte sie. „Na Kleine, geht’s dir gut?“

„Ja, mir geht’s gut.“

„Bist du traurig, dass du nicht mitkommen kannst zum Schlittschuhlaufen?“ fragte er und zog dabei eine Schnute, als ob er selbst noch ein kleiner Junge wäre.

„Zuerst war ich’s, aber Toni hat mir versprochen sie bringt Kostüme mit und dann verkleiden wir uns und essen Popcorn.“ Die Kleine strahlte richtig bei dem Gedanken daran.

„Wow, das hört sich wirklich lustig an.“ Grinste er und Jenny fügte hinzu „Na dann hoffen wir mal, dass Toni auch bald kommt!“

Darauf nickte die Kleine und zog Orlando an der Hand ins Wohnzimmer. „Komm mal mit Orli, ich zeig dir was.“

Jenny musste schmunzeln. Wie die kleine Leila den großen starken Orlando so hinter sich her zog und er sich dabei ducken musste sah doch zu süß aus.

 

*

 

Elijah und Anya liefen Hand in Hand den uneben asphaltierten Bürgersteig entlang und dachten nicht mal entfernt daran, dass etwas passieren könnte. Warum auch? An David hatten sie an sich schon lange nicht mehr gedacht. Er hatte in den ganzen letzten Woche doch keinerlei Anstalten mehr gemacht, dass Anya ihm noch wichtig war und somit hatten sie ihn beide, in ihrem glücklichen verliebt sein, schon fast verdrängt.

Langsam wurde aus der Dämmerung eine schleichende Dunkelheit und außer den zweien war keine Menschenseele zu sehen. Die alten Laternen an der Straße warfen schmutzige Lichtkegel. Anya lachte gerade über einen Witz den Lij ihr erzählt hatte, als es sie plötzlich wie ein Schlag traf – eine Gestalt unter dem nächsten trüben Lichtkegel, eine die ihr nur allzu gut bekannt war! Ihr Lachen war mittendrin abgerissen und wie gelähmt blieb sie stehen, Elijah an der Hand festhaltend.

Zuerst verstand er nicht und bat sie grinsend weiter zu kommen. „Komm Schatz, es wird kalt und wir sind eh schon länger als geplant unterwegs.“ Doch als keine Reaktion von ihr kam, folgte er ihrem Blick und sah nun auch genauer zu dem dunklen Schatten unter der kommenden Laterne.

Er konnte jetzt nur erahnen, was geschehen würde, als die Gestalt sich auch noch auf die zwei zu bewegte.

Davids Augen funkelten böse und sie erinnerten Anya an alles. Bilder zogen durch ihren Kopf. Bilder der Vergangenheit, der Schläge, ihres Traums ...

Er kam immer näher und begann Anya zu beschimpfen. „Du kleine Hure!“ schrie er schrill.

Elijah hob schützend die Hände und versuchte ihn zu beruhigen und die Prügelei, die man David schon am Zucken seiner Gesichtszüge ansehen konnte, abzuwenden, doch es machte nicht einmal den Anschein als ob David Elijahs Worte überhaupt wahrnahm.

„Du kleine Hure! Was fällt dir ein!“ Schrie er nur rum.

Und plötzlich rannte er auf die Beiden zu. Elijah sprang schützend vor Anya und ein harter Schlag traf ihn mitten ins Gesicht.

Schlaff sank er zu Boden. Ein Stöhnen kam und es herrschte Stille.

 

*

 

Sicher waren es nur wenige Sekunden, aber Anya kam es vor wie Stunden. Noch immer stand sie vor Angst vollkommen regungslos da, den Blick starr auf den zusammengesunkenen Elijah gerichtet. Er lag vor ihr auf den Steinen und seine Lippe war geplatzt und blutete.

„Du dreckiges kleines Miststück!“ schrie David wieder, der nun dicht neben ihr stand und erst jetzt nahm Anya ihn wieder wahr und blickte fassungslos zu ihm auf. Ihre Lippen zitterten.

„Erst packst du deine Sachen und verschwindest und jetzt läufst du hier mit deinem neuen Stecher wie auf dem Präsentierteller rum.“ Er griff fest zu und rüttelte sie stark an den Armen.

„Hör auf David, hör auf!“ flüsterte sie leise und völlig teilnahmslos, mit glasigem Blick der an ihm vorbei ging. Die Angst ließ ihren Körper völlig erstarren und war beinahe unerträglich.

„Du kleine Fotze halt die Fresse!“ Er schlug sie mit der flachen Hand ins Gesicht und der brennende Schmerz durchfuhr sie wellenartig. Wenn David sie nicht weiterhin an den Armen fest gepackt halten würde und an ihr gerüttelt hätte, wäre auch sie zu Boden gesunken. Tränenströme flossen über ihre Wangen ohne das sie es mitbekam, doch sie spürte, dass auch ihre Lippe aufgeplatzt war. Hinter Davids Schlägen steckte unheimliche Kraft.

„Bildest dir ein du könntest mich einfach so verlassen! Mit deinem kleinen Möchtegern-Schauspieler!“ Er schrie so laut das es durch all die Gassen schallte und doch kam niemand.

Anya konnte weder denken, noch traute sie sich etwas zu sagen. Er rüttelte sie immer stärker und sein Griff an ihren Oberarmen tat schrecklich weh.

„Was hat er denn was ich nicht habe?“ seine Stimme überschlug sich beinahe, so laut schrie er sie an, obwohl er schon so nah an ihrem Gesicht war. Anya weinte jetzt stark, sodass ihr ganzer Körper bebte. Doch sie merkte es gar nicht. Merkte nicht wie die Tränen einfach aus ihren Augen strömten und das Schluchzen nicht zu unterdrücken war.

Ohne es zu begreifen sagte sie leise...

„Er liebt mich...“

 

*

 

Was hatte sie da gerade gesagt? Sie war sich selbst nicht ganz darüber bewusst. Ihr Blick war nicht mehr glasig, die Tränen flossen jedoch noch immer. Jetzt ging ihr Blick direkt in seine Augen. Seine Hände umklammerten ihre Arme immer fester und sie dachte er würde ihr noch die Knochen damit brechen. Seine Augen blitzten auf.

„Du dreckige Nutte.“

Er schrie es nicht mehr, sondern hauchte es ihr fast entgegen.

Ihre Wimperntusche hatte sich durch das starke Weinen verflüssigt und war über ihre ganzen Wangen verteilt. Sie blickte ihm tief in die Augen und sah zwischen all der Wut und dem ganzen Hass, einen kleinen Funken Verletztheit.

Er starrte sie an und tat nichts mehr. Sein Griff wurde weder fester noch lockerer, nur der Ausdruck in seinen Augen wandelte sich ganz langsam, kaum merkbar, zu etwas undefinierbaren und auf einmal stand Elijah wieder hinter ihm und riss ihn an der Schulter herum und schlug ihm hart ins Gesicht.

David war nicht darauf vorbereitet gewesen und ließ Anya los, die durch den Schwung hinfiel.

Elijah nutzte Davids Unvorbereitetheit und schlug ihn noch einmal kräftig, sodass er zu Boden ging.

„Hol Orlando Anya, renn hin!“ rief Elijah, wobei er seinen Blick nicht von David abließ. Anya war beim Fallen mit dem Bein umgeknickt und mit dem Kiefer aufgeprallt. „Hol Orlando!“ schrie Elijah wieder, den Blick noch immer auf David der gerade auf ihn los ging und ihn wieder schlug. 

Trotz der stechenden Schmerzen in Anyas Bein und dem Blut das ihr aus dem Mund lief, rannte sie. Sie fühlte sich als ob sie kaum von der Stelle kam, aber sie rannte – zu Orlando. Er würde das alles beenden! Sie fragte sich auf dem endlos erscheinenden Weg zu Jennys Haus wie das alles hatte geschehen können. Wie hatte es so außer Kontrolle geraten können, innerhalb von ein paar Minuten und einem kurzen Spaziergang um den Block?

Sie kam am Haus an und Orlando kam mit Jenny im Arm gerade aus der Tür. Die Kiefer klappten den Beiden herunter als sie Anya sahen. Verheult, blutend und völlig außer sich.

„Orlando komm!“ schrie sie und der Schmerz schien sie fast zu übermannen.

„Was... was ist?“ fragte er fassungslos.

„David....“ Keuchte Anya vor Schmerz nur.

Orlando konnte es so schnell gar nicht begreifen und bewegte sich wie unter Schock kein Stück. „Nun komm doch Orlando, er prügelt ihn noch zu Tode!“ schrie Anya und spuckte hustend Blut.

Jetzt rannte Orlando los und rief Jenny nur noch zu sie solle schnell einen Krankenwagen und die Polizei rufen.

Anya rannte vor ihm und zeigte den Weg, dass ihre Schmerzen unerträglich waren vergaß sie dabei fast. Der Gedanke an Elijah schmerzte viel mehr. Sie war daran Schuld, dass er in einer Gasse stand und sich mit David schlug.

Als sie und Orlando um die Ecke bogen übermannten die Schmerzen sie letztendlich doch und sie sank in sich zusammen auf den kalten Asphalt.

Sie sah nur noch einen letzten Schlag von David, der Elijah genau in die Rippen traf. Er fiel zu Boden und Orlando wollte David nun zurück halten, der geriet aber erst richtig in Fahrt und verpasste ihm auch Einen. Dann hörte Anya endlich die Sirenen und Jenny kam auch um die Ecke. David schenkte ihr einen bösartigen Blick und rannte weg ...

 

*

 

Das erste was Anya wieder wahrnahm, war das flimmernde blaue Licht des Krankenwagens. Ihr Kopf schmerzte derartig, das sie die Augen kaum zu öffnen wagte. Doch Jenny rüttelte sanft an ihr und sagte sie solle aufwachen.

Die Augenlider waren schwer und ihre Arme schmerzten auch. Anya bemerkte jetzt das sie auf einer Krankenwagenbahre lag und langsam kam die grausame Erinnerung an das zurück, was eben geschehen war. Helle Blitze durchzuckten ihren Blick und viele Farben zogen sie zurück in die Bewusstlosigkeit, doch Jenny rüttelte sie wieder sanft.

„Bleib wach Kleines, komm! Nicht wieder wegsacken!“ Anya öffnete wieder die Augen und das blaue Licht der Krankenwagensirenen bohrte sich ihr in den Kopf. Sie wollte sprechen, doch es ging nicht. Ihr Kiefer war wie gelähmt. Ihr ganzer Körper fühlte sich an, als ob er gar nicht wirklich ihrer war. Als ob er weit weg war und sie ihn trotzdem spürte.

Sie sah in Jennys Augen, dass auch sie geweint hatte. Nicht viel, aber man sah es. War das wirklich geschehen? Konnte das alles war sein, oder war es nur einer der schrecklichen Albträume Anyas? Lag sie wirklich hier auf dieser Liege, oder träumte sie noch immer? Jenny drückte sanft ihre Hand. „Sag doch was Schätzchen!“ Anya wollte sich umblicken, doch ihr Kopf war zu schwer um ihn zu bewegen. Sie sah Jenny wieder in die Augen und sah das sie Angst um ihre Freundin hatte, doch das Erste und Einzige was sie raus bekam war

„Lij...“.

 

*

 

„Er ist im Krankenwagen. Ihm ist nichts Ernstes passiert, aber er wird ins Krankenhaus müssen. Genauso wie du.“ Sagte Jenny langsam und strich ihr ein paar Haarsträhnen aus der Stirn. Erst jetzt kam Anya langsam wieder zu vollem Bewusstsein und bemerkte das Gewimmel von Stimmen um sich herum. Es war mittlerweile ganz dunkel draußen und ab und zu fuhr auf der Straße noch mal ein anderes Auto vorbei. Sie konnte sich nun auch umblicken, doch Elijah und auch Orlando waren nirgends zu sehen. Sie waren vielleicht in einem zweiten Krankenwagen, dachte sie.

„Was ist mit David?“ Fragte Anya schließlich mit zitternder Stimme und Jenny senkte den Blick.

„Die Polizei hat ihn nicht gekriegt. Als er die Sirenen gehört hat ist er abgehauen.“ Sagte sie leise und hielt Anyas Hand ganz fest.

Anyas Gefühle überschlugen sich. Angst, Schuldgefühle, Schmerz, sie wollte weinen und doch stark sein, sie wollte zu Elijah und doch hatte sie Angst ihm in die Augen zu sehen. Wegen ihr musste er ins Krankenhaus und David hatten sie noch nicht mal gekriegt! Sie war Schuld! Sie hatte Elijah da reingezogen, würde er ihr das verzeihen können? Er hätte doch umkommen können. David hatte solch eine Kraft im Schlag, allein von dem Einen den er ihr verpasst hatte war sie beinahe zusammengebrochen und dabei war sie es gewohnt von ihm geschlagen zu werden. ‚Ich hätte verdient das er mich totschlägt’ dachte sie und schaute betroffen aus den offenen Türen des Wagens nach draußen in die Nacht.

Ein zweiter Krankenwagen fuhr soeben in ihr Blickfeld und zwei Sanitäter trugen eine Bahre auf der Elijah lag hinein. Er war bewusstlos und Orlando stand daneben. Sein Blick ging in den Krankenwagen zu Anya und als er sah, dass sie ihn anblickte, lächelte er sanft und irgendwie beruhigend.

Ihr war zwar nicht danach, da sie sich schuldig an dem Geschehenen fühlte, aber sie lächelte leicht und sah zu den Sternen am Himmel. Sie dachte an die endlose Weite die sich hinter ihnen verbarg und was sie wohl noch für Geheimnisse hütete. Die Kälte der Nacht kroch langsam in ihr hoch und pochende Kopfschmerzen vernebelten ihr wieder den Verstand. Vielleicht waren es aber auch irgendwelche Medikamente. Die zuckenden weißen Blitze zogen ihr wieder vor die Augen.

Jennys Reden und leichtes Rütteln half diesmal nicht sie bei Bewusstsein zu halten, Anya sank wieder in ihren tiefen aber unruhigen Schlaf.

 

*

 

Das nächste Mal das Anya aufwachte war im Krankenhaus. Sie lag in einem Zimmer in dem es ziemlich unangenehm roch und kalt war. Eine Schwester verband soeben ihre Oberarme, die ziemlich wehtaten und Jenny saß neben ihr. Ihr Gesicht hellte sich sichtbar auf, als sie bemerkte, dass Anya die Augen geöffnet hatte. Sie drückte ihre Hand und lächelte. Anya dachte, dass Jennys Gesicht in dem fahlen Licht des Krankenzimmers auch ziemlich alt aussah. Das sie geweint hatte sah man nun deutlicher und wenn man ganz genau hinsah, konnte man sehen wie ihr Make-up um die Augen verwischt war.

Anya neiget ihren Kopf etwas zur Seite, was ziemlich anstrengend war. Sie sah wie die Schwester ihren rechten Oberarm gerade mit dicken Verbänden einwickelte. Als sie fertig war lächelte sie Anya an und sagte „Es ist nicht so schlimm. Nur etwas angeschwollen, aber das wird bald wieder zurück gehen.“ Dann nickte sie und ging aus dem Raum.

„Wie geht’s dir?“ fragte Jenny und mit Mühe drehte Anya ihren Kopf nun zur anderen Seite, dass sie ihre Freundin ansehen konnte.

„Na ja, gut soweit.“ Antwortete sie etwas ironisch. Jenny senkte den Blick und lies den Griff um Anyas Hand etwas lockerer.

„Meine Arme tun ziemlich weh und mein Kopf.“ Sagte sie nun. „Und mein Kiefer fühlt sich beim Sprechen an, als wäre er zertrümmert.“

„Geprellt.“ Antwortete Jenny leise ohne aufzublicken.

„Was?“

„Dein Kiefer ist geprellt.“

„Achso.“

Es war still im Raum. Nur das Rauschen der Heizung hörte man und Anya wusste nicht was sie sagen sollte. Sie traute sich nicht so recht nach Elijah zu fragen, was würde sie wohl als Antwort erhalten?

„Elijah geht es ganz gut.“ Sagte Jenny, als ob sie Anyas Gedanken hätte lesen können und sah ihrer Freundin in die Augen.

„Hast du mit ihm gesprochen?“ fraget Anya leise.

„Nein, nur mit Orlando. Er sitzt bei ihm im Zimmer.“

„Ich möchte zu ihm.“ Sagte Anya und versuchte sich sofort im Bett aufzurichten, was aber scheiterte. Sie keuchte leicht und sank zurück in die Kissen.

„Dein Knöchel ist auch verstaucht.“ Sagte Jenny. „Ich weiß nicht ob du gehen kannst.“

„Das werde ich schon, hilf mir nur auf.“ Bat Anya sie und versuchte erneut sich aufzurichten. Diesmal half Jenny ihr und setzte sie im Bett auf.

„Woher hab ich denn dieses schicke Nachthemd?“ fraget Anya als sie an sich hinunter sah und musste leicht grinsen.

„Tja, Krankenhausluxus.“ Antwortete Jenny und grinste ebenfalls. Sie holte Anyas Schuhe und zog sie ihr an. Beim Gehen stützte sich Anya auf Jenny, da ihr rechter Knöchel beim Auftreten wirklich wehtat, aber sie wollte jetzt unbedingt zu Elijah. In ihrer Magengrube breitete sich ein mulmiges Gefühl aus, als sie mit Jenny durch den Krankenhausgang humpelte.

Schließlich blieben sie vor einer Tür am Ende des Gangs stehen und Jenny klopfte an. Nach kurzem öffnete Orlando die Tür.

„Anya!“ sagte er erstaunt, lächelte dann aber sanft und gab ihr die Hand, dass sie sich an ihm aufstützen konnte und nicht mehr an Jenny. „Geht es denn?“ fragte er und sah etwas besorgt drein.

„Ja schon. Nur das mit dem alleine Laufen ist etwas problematisch wegen dem Knöchel.“ Antwortete sie und humpelte auf Orlando gestützt in den Raum. „Elijah schläft noch.“ Sagte er leise und als Anya ihn da in dem Krankenhausbett liegen sah, wäre sie am liebsten gestorben.

 

*

 

Er lag schlafend zwischen den weißen Kissen, mit einem geschwollenen blauen Auge, einer aufgeplatzten Lippe und noch getrocknetem Blut an der Nase. Sein Gesicht sah ziemlich schlimm aus. Orlando half ihr sich in den Stuhl neben Elijahs Bett zu setzen und holte ihr eine Decke, damit sie nicht fror, denn in dem Zimmer war es ebenfalls noch ziemlich kalt.

Jenny legte von hinten sanft ihre Hand auf Anyas Schulter. „Sollen wir dich mit ihm allein lassen?“ fragte sie leise.

„Bitte.“ Antwortete sie kaum hörbar und Orlando und Jenny verließen den Raum. In diesem Moment fühlte sich Anya sehr hilflos und wusste so recht kaum was sie tun sollte. Ihre Hände waren kalt und fingen leicht an zu zittern, als sie Elijahs Hand nahm die noch schön warm war. Sie umfasste sie leicht und fühlte wie in ihr die Tränen aufstiegen, bei diesem Anblick seines blassen und müden Gesicht in diesem sterilen weißen Zimmer, so völlig ohne etwas Beruhigendes.

Sie senkte den Blick auf ihre beiden Hände, die auf dem weißen Laken lagen. Wie lange würde sie noch seine Hand halten können?

Als sie wieder aufblickte, sah sie, dass er seine Augen ganz leicht geöffnet hatte und sie schmal anlächelte.

„Lij“ flüsterte sie und hatte Mühe die Tränen zurückzuhalten.

Sein Griff um ihre Hand wurde etwas fester und er flüsterte „Wie geht es dir?“

Sie versuchte den Kloß in ihrem Hals herunterzuschlucken und ihm zu antworten, aber sie konnte sich nicht zusammenreißen und es brach gleich aus ihr heraus.

„Elijah, es tut mir so leid! Das ist alles meine Schuld! Du hättest -- und ich -- ich bin Schuld!!“ schluchzte sie und die Tränen rannen ihr über die Wangen. Elijahs Blick wurde ernster und er setzte sich ein bisschen auf.

„Nein Schatz, das ist nicht wahr! Du bist an nichts Schuld!“ sprach er ganz ruhig.     

„Oh doch!“ Schluchzend hob sie ihren Blick wieder und schaute ihm in seine saphirblauen Augen. Seine wunderbaren Augen, die eine unbeschreibliche Hoffnung ausstrahlten. In diesem kalten, steril weißen Raum waren sie etwas Unwirkliches, hier konnte man sich kaum vorstellen, dass so etwas wunderbares wie seine Augen auch nur existieren könnten.

„Es ist allein meine Schuld das David dich so zugerichtet hat.“ Flüsterte sie, noch immer den Halt in seinen Augen suchend, der ihr hier in diesem Raum nirgends geboten wurde. Elijah richtete sich langsam noch mehr auf und hielt ihre Hand jetzt ganz fest. Er hatte Schmerzen, das sah man, aber er versuchte es so gut wie möglich zu verbergen. Anya suchte in seinen Augen nach Halt, sowie im vom Sturm tosenden Meer nach einem kleinen Rettungsboot. Seine Gesichtszüge waren so ruhig, aber in seinen Augen herrschte ein blaues Feuer aus Wellen des Ozeans.

Sie musste den Blick abwenden, sonst hätte sie über dieser endlosen Weite noch mehr angefangen zu weinen.

Er beugte sich leise stöhnend zu ihr und umarmte sie. Fest zog er sie zu sich und flüsterte ihr leise ins Ohr „Hey Darling. Hör auf dir Vorwürfe zu machen. Wenn überhaupt jemand etwas dafür kann, dann weder du noch ich, sondern er.“

Anyas Tränen trockneten. Sie sagte nichts, wollte ihn nicht noch mehr belasten. Sie war Schuld, nichts anderes hätte sie gelten lassen, aber das musste Lij vorerst nicht wissen. Er sollte sich ausruhen und gesund werden.

„Ich will das du dich von Orlando nach Hause fahren lässt Schatz. Ich werde morgen Vormittag nachkommen.“

 

*

 

Anya hatte auf Elijah gehört und sich von Orlando nach Hause fahren lassen. Jenny hatte darauf bestanden die Nacht bei ihr zu bleiben und obwohl sich Anya enorm wehrte, blieb es dabei. Orlando fuhr zurück ins Krankenhaus zu Lij und blieb die Nacht über bei ihm.

Elijah war klar das Anya sich das anders vorgestellt hatte und lieber selbst neben seinem Bett sitzen wollte, aber im Großen und Ganzen war es ihm lieber Orlando hier zu haben und Anya gut aufgehoben Zuhause in einer angenehmeren Umgebung zu wissen und Jenny war bei ihr und würde ein Auge auf sie haben. Obwohl er die ganze Zeit an Anya denken musste und sich viele Gedanken und Sorgen machte, schlief er wegen den Medikamenten und des anstrengenden Abends bald ein, noch bevor Orlando wieder neben ihm saß.

Jenny und Anya schliefen im Schlafzimmer nebeneinander im Bett, doch trotz der Nähe merkte Jenny nicht, dass Anya die ganze Nacht über weinte. Sie war so erschöpft gewesen, dass sie schnell in einen tiefen Schlaf fiel, aber Anya konnte nicht einmal daran denken, denn jedes Mal wenn sie nur für ein paar Sekunden die Augen schloss blitzten die Bilder wieder auf und kleine Albträume plagten sie.

Sah sie doch immer wieder Davids Augen vor sich, wie er sie angesehen hatte kurz bevor Elijah ihn wieder zu Boden geschlagen hatte. Diese Funkeln der Wut und des Hasses, welches doch verletzlich wirkte. Hatten seine Augen jedes Mal so gefunkelt wenn er sie schlug? Oder nur dieses Mal? War wirklich alles ihre Schuld? War Elijah wirklich nicht enttäuscht oder sauer? Fragen über Fragen quälten sie die ganze Nacht. Brannten auf ihrer Seele, so heiß wie ihre Tränen, die im Kissen versickerten. So scharf wie jedes Schluchzen, dass sie verschluckte um Jenny nicht zu wecken. Die Schmerzen ihrer Arme und ihres Knöchels waren nichts gegen diese Qual.

Die ganze Nacht über verbarg sie ihr Gesicht in dem Kissen das eigentlich Elijahs war und so herrlich nach ihm roch. Es fing ihre Tränen und ihr Schluchzen in sich auf - tröstete sie. Vielleicht würde Elijah ihr nicht die Schuld geben oder die Polizei oder Jenny und Orlando, aber sie tat es. Sie könnte sich das Ganze nie verzeihen und das, genau das, hielt sie die ganze Nacht wach.

 

*

 

Am nächsten Vormittag saßen Jenny und Anya gerade am Küchentisch und aßen Toast, als Elijahs Stimme die Stille durchbrach. Er schob die Küchentür auf und humpelte auf Krücken herein. Hinter ihm war Orlando.
“Na ihr beiden.“ Begrüßte Elijah sie, fast so als ob nichts gewesen wäre und gab Anya einen sanften Kuss auf die Wange.

„Einigermaßen gut geschlafen mein Schatz?“ fragte er und sie nickte, doch als er in ihre Augen sah, bemerkte er sofort, dass sie log, denn sie sahen verweint aus, auch wenn sie es versucht hatte zu überschminken.

Orlando setzte sich neben Jenny an den Tisch und auch Elijah hatte sich nach etwas Mühe mit den Krücken gesetzt.

„Wie war die Nacht?“ fragte Orlando noch mal und Jenny antwortete sie haben recht gut geschlafen. „Wenigstens das.“ Erwiderte er und strich ihr über die etwas blasse Wange.

Er nahm sich eine Scheibe Toast und fragte Elijah ob er auch eine wollte, dieser nickte und legte Anya unter dem Tisch sanft seine Hand auf den Oberschenkel. Kaum merkbar streichelte er sie beruhigend. Mit der anderen Hand nahm er sich eine Toastscheibe und schmierte sich Butter darauf.

Anya beobachtete ihn dabei, wie er sich scheinbar in aller Seelenruhe sein Frühstück machte. Diese erdrückende Stille brachte sie fast um! Sie wusste nicht ob die Anderen sie im Hinterkopf für das Geschehen schuldig machten und es versuchten zu überspielen, indem sie den normalen Tag mimten. Oder war es nur ihre Phantasie? Waren es nur ihre Schuldgefühle?

Sie versuchte in Jennys und Orlandos Gesichtern etwas zu lesen, doch entweder wurde ihrem Blick ausgewichen oder sie wurde mitleidig angelächelt.

Dann stand Orlando plötzlich auf. „Ich werd mal den Fernseher einschalten.“ Nuschelte er leise. Wahrscheinlich wurde auch ihm diese bedrückende Ruhe zu viel. Er schaltete durch das Programm und blieb letztlich bei Nachrichten. Es wurde etwas von einem Überfall auf eine Tankstelle geredet, bis dann die Sprecherin im Studio wieder eingeblendet wurde und von einem weiteren gestrigen Vorfall berichtete ... 

„Elijah Wood verwickelt in eine Prügelei! Gestern Abend in der Meriguess Street außerhalb der Stadt war Elijah Wood Teil einer ernsthaften Schlägerei. Bis jetzt ist noch nicht bekannt, von wem sie angezettelt wurde oder wie viele Personen beteiligt waren. Ihm selbst ist bis auf ein blaues Auge und ein Rippenprellung nicht Ernstes passiert.“ Dröhnte es aus der Kiste und es wurden Bilder von Elijah gezeigt, wie er gerade in den Krankenwagen geschoben wurde. „Wahrscheinlich ist, dass man diese Prügelei mit der neuen Freundin des Herr der Ringe Schauspielers in Verbindung bringen kann, welche vor der jetzigen Beziehung in diesem Viertel wohnte.“

 

*

 

Nicht mehr als ein leises Raunen ging durch die kleine Runde und Orlando schaltete den Fernseher schnell wieder aus.

Elijah schluckte dumpf und sah zu Boden.

„Ich... ich habe gestern gar keine Kameras bemerkt.“ stammelte Orlando und sah geschockt zu Anya.

„Diese Reporter machen auch vor nichts halt.“ Sagte Jenny leise und wollte Anyas Hand nehmen, doch sie entzog sich ihr und rückte mit dem Stuhl etwas vom Tisch zurück.

„Sie haben doch Recht.“ Schlucket Anya und starrte auf die Fliesen.

„Nein haben sie nicht“ wand Elijah möglichst ruhig ein und wollte jetzt Anyas Hand nehmen. Sie jedoch wollte sich nun nicht beruhigen lassen.

„Sie sagen ich bin Schuld an der Sache und damit haben sie Recht.“ Rief sie und wollte aufstehen, doch mit ihrem Knöchel war sie zu wacklig und knickte um. Elijah hielt sie gerade noch am Arm fest, bevor sie fiel.

„Das stimmt nicht Schatz!“ rief er jetzt. „Diese Reporter haben doch gar keine Ahnung! Die wollen eine Story und dann ist gut! Die kennen dich nicht und du darfst dir von denen nichts einreden lassen.“ Er war aufgebracht und zog sie wieder auf den Stuhl.

Für Anya war das zu viel!

Die weißen Blitze vor ihren Augen waren plötzlich wieder da, genauso wie die Farben. Alles drehte sich, ihr wurde heiß und die lauten Schreie von David kamen wieder. „Du dreckiges Miststück! Du Hure!“ Ihr Kopf dröhnte und die Schläfen pulsierten! Sie war Schuld! Sie war Schuld! Die Oberarme schmerzten, der Knöchel, der Kopf, die Schläfen, Alles! „Du bist Schuld, du ganz allein!“ dröhnte es in ihren Gedanken und nun fiel sie doch. Fiel zu Boden, spürte den Aufprall auf die kalten Fliesen und den zuckenden eisigen Schmerz.

Elijah hätte sie wieder aufgefangen, doch mit seinen geprellten Rippen konnte er nicht so schnell reagieren. Die weißen Blitze und die Farben waren vorbei, nun war nur noch endlose Schwärze in der Davids Schreie widerhallen …

 

*

 

Bunte Farben, Wellen die sie mitzogen und Elijah. Ein verschwommener Elijah vor ihr. Er bewegte seinen Mund, doch die Töne kamen nicht bei ihr an. Bunte Farben wechselten in ständigem Tempo vor ihr und die Wellen zogen sie von Elijah weg. Doch halt, Anya wollte nicht weg von Elijah! Versuchter Kampf gegen die Wellen. Wellen der Kälte und der Dunkelheit. Schwarze Wellen die langsam die bunten Farben verdrängten. Nur noch Elijah war da. Er sah verzweifelt aus und Anya lächelte ihn an, auch wenn die Wellen sie immer weiter von ihm weg zogen. Auch, wenn sie immer mehr an ihr zerrten um sie in die Endlosigkeit zu ziehen.

Doch plötzlich war alles gut.

Keine Farben, keine Wellen. Nur noch Elijah. Anya und Elijah.

„Sag doch was Schatz. Komm schon.“

Sie hörte seine Stimme. Seine liebevolle Stimme die sie immer wieder auffing.

Und sie sah ihn. Ganz klar und scharf. 

„Elijah.“ Sagte Anya leise und lächelte ihn noch immer an.

„Ja, ich bin da Süße. Du bist auf die Fliesen gefallen und hast eine Platzwunde am Kopf. Aber nichts Schlimmes.“ Sagte er erleichtert und nicht mehr als ein müdes „Gut“ kam ihr noch über die Lippen, bevor sie wieder einschlief. Diesmal in seinen Armen.

 

*

 

Am nächsten Morgen wachte Anya in ihrem Bett auf, als die kalte Wintersonne durch die leichten hellen Vorhänge schien. Ihr Kopf schmerzte wieder und ihre Finger ertasteten die schorfige Wunde am Hinterkopf. Sie drehte sich zu Elijah und er sah sehr friedlich aus im Schlaf. Anya sah seinen Oberkörper mit den Verbänden und strich sanft darüber. „Es tut mir so leid mein Darling.“ Flüsterte sie zu sich selbst und fuhr ihm durch die verstrubbelten braunen Haare. Er brummte leise vor sich hin und rückte näher zu ihr, doch Anya stand auf. Sie deckte ihn noch etwas mehr zu, denn im Schlafzimmer war es über Nacht ziemlich ausgekühlt. Sie ging in Richtung Bad und sah durch die offene Tür des Gästezimmers, dass Orlando und Jenny die Nacht nicht mehr hier verbracht hatten. Im Bad war es angenehm warm und Anya sah sich im Spiegel an. Sie war nicht mehr so verweint wie gestern und ihre langen blonden Haare fielen ihr wellig über die nackten Schultern. Sie rieb sich die Augen und wusch sich mit einem bisschen kalten Wasser das Gesicht. ‚Ich sollte duschen’ dachte sie, stellte das Wasser an und band sich ihre Haare zusammen damit sie nicht zu nass wurden.
Als sie dann unter dem warmen Wasserstrahl stand und es sanft auf ihren Körper prasselte, fühlte es sich an, als ob jede noch so kleine Spannung in ihrem Körper durch die sanften Wellen weggespült wurde.

 

*

 

Mit einem Handtuch um den Körper ging Anya aus dem Bad und ins Schlafzimmer um sich etwas anzuziehen. Elijah war inzwischen auch wach und strahlte sie an als sie ins Zimmer kam. „Ahhh, meine Sonne geht auf.“ Lachte er und drehte sich auf den Rücken um ihr mit seinem Blick zum Schrank folgen zu können. „Spinner.“ Lächelte sie ihn an und zog sich Unterwäsche und eines seiner alten T-Shirts an.

Sie setzte sich zu ihm aufs Bett und beugte sich herunter um ihn zu küssen.

Auf ein mal klingelte das Telefon. „Ich geh schnell.“ Sagte Anya und lief in den Flur. Sie nahm den Hörer ab „Ja bitte?“ ... „Du Schlampe! Du allein bist daran Schuld das Elijah im Krankenhaus lag und wenn ihm noch mal irgendetwas passiert, dann bist du dran...!“ ... Tut ... Tut ... Tut .. Bevor Anya dazu etwas hätte sagen können, hatte das Mädchen am anderen Ende schon wieder aufgelegt. Sie war auch der Meinung das Anya an allem Schuld war. Es stimmte. Zitternd legte Anya den Hörer wieder auf den Apparat und starrte wie geschockt darauf. „Wer war das?“ Anya zuckte zusammen als sie Elijahs Stimme hörte und wand sich schnell um. Er stand in der Schlafzimmertür und sah sie besorgt an. „Niemand.“ Flüsterte sie und senkte ihren Blick wieder. Sie schritt langsam auf die Treppe zu und wollte ins erste Stockwerk gehen. „Ich... ich werde uns Kaffee machen.“ Sagte sie mit zitternder Stimme.

 

*

 

Anya stand unten in der Küche und goss zitternd Wasser in die Kaffeemaschine. Es war sicher nicht nur ein einziger Fan der so über sie dachte. Sie würden sie hassen. Sie gaben ihr die Schuld für das was passiert war und damit hatten sie wahrscheinlich recht. Anya zuckte zusammen, als Elijah seine Arme von hinten um sie legte. „Gott Schatz, du zitterst ja!“ sagte er besorgt und drückte sie an sich. „Ist schon ok Lij.“

„Verdammt, wer war das am Telefon der dich so aus der Fassung bringt?“

„Es war ... eine deiner Fans...“ ihr Atem stockte und sie spürte auch das Elijah die Luft anhielt. Es machte Klick bei ihm und er musste nicht weiter nachfragen um zu begreifen was da am Telefon geschehen war. „Es ging um den Unfall nicht war?“ die Worte kamen ihm kaum über die Lippen denn eigentlich war die Frage überflüssig. Anya sagte nichts. Er wusste das es so war und sie konnte nicht sprechen. Die Tränen glitten ihr wieder übers Gesicht und sie schluchzte. Elijah drehte sie mit dem Gesicht zu sich. „Was haben sie gesagt?“ ... „Es war nur ein Mädchen“ 

„Und?“

„Sie meinte wenn dir noch mal etwas passiert, bin ich dran.“ Antwortete sie und eine bedrückende Stille folgte. Dann sagte Elijah: „Dir ist bewusst, dass das nichts bedeutet, oder?“

„Natürlich bedeutet es etwas Lij. Ich bin schlecht für dich! Ich versaue dir alles! Und das wissen jetzt alle!“ rief Anya aufgeregt und wand sich aus seinen Armen.

„Gott, Anya! Du machst dich selbst fertig! Das wäre alles überhaupt nicht so schlimm, wenn du es dir selbst nicht so schwer machen würdest!“ ... „Ich kann doch auch nichts dafür...“

„Natürlich nicht Darling. Ich weiß das es für dich schwer sein muss. Vielleicht schwerer als für mich, aber du weißt doch ich liebe dich! Und wenn ich dir als der Mann der dich liebt, sage das es nicht deine Schuld ist, dann glaub mir doch bitte!“ Anyas Atem ging schwer. Elijah hatte einerseits Recht, aber das wusste doch die Öffentlichkeit nicht! Sie würde ihm noch die Karriere zerstören. Seine Karriere die er doch so liebte. Sie musste einfach die Konsequenzen aus dem was geschehen war ziehen.

 

*

 

Chapter Nine ~ You have to decide ~

 

„Ich muss ... ich werde gehen Lij. Es muss sein.“

Die Worte hallten in der Stille wieder. Elijah blickte Anya mit seinen ozeanblauen Augen durchdringend an. Er konnte nicht fassen was sie da sagte. Es schien alles überstanden heut Morgen. Sie waren doch wieder fast glücklich. Elijah sah doch wie der traurige Schleier von ihren Augen gefallen war. Wie ihre wunderschönen Augen wieder geglänzt hatten. Was wagten sich diese Mädchen eigentlich hier anzurufen und so etwas zu erzählen?! Er liebte seine Fans immer, genauso wie seinen Beruf, aber das war zu viel. Das war privat und sie hatten keine Ahnung worum es ging!

Und jetzt: Anya ging aus der Küche. Sie blickte Elijah nicht mehr an. Mit Blick auf den Boden verließ sie den Raum. Elijah hielt sie nicht auf.

Es war vorbei.

Elijah ging langsam ins Wohnzimmer und lies sich auf die Couch fallen. War es das jetzt? Es war vorbei? Anya ging? Er starrte vor sich hin, den Blick aus dem Fenster gerichtet. Die Zeit verging und Elijah tat nichts. Irgendwann hörte er Anya die Treppe herunter kommen und wand sich um. Sie war angezogen und hatte ihre Reisetasche dabei. Sie war so schön. Ihr blondes Haar fiel locker über ihren schwarzen Pullover und sie trug dazu eine enge hellblaue Jeans. Sie war so einfach und trotzdem so schön.

Er sah das sie wieder geweint hatte. Ihre Augen waren wieder gerötet, aber sie versuchte es zu verbergen.

„Anya...“ ... „Sag nichts Elijah!“ Sie unterbrach ihn, bevor er etwas sagte, was die Tränen die in ihr pulsierten zum Fließen hätte bringen können.

„Du musst aber nicht gehen! Wir schaffen das!“ Anya senkte den Blick. Sie konnte ihn nicht ansehen. Sie liebte ihn so sehr und doch gab es für sie keinen anderen Weg als ihren größten Wunsch, mit ihm zusammen zu sein, von sich zu schieben.

„Ich kann nicht anders...“ flüsterte sie. Hätte sie laut gesprochen, wären die Tränen aus ihr heraus gebrochen.

„Ich will nicht das du gehst...“ ... „Es ist besser.“ Sie versuchte stark zu klingen, was aber nur ein kläglicher Versuch war. „Besser für dich.“ Fügte sie noch leiser hinzu.

„Das stimmt doch nicht!“ Elijah stand auf und ging einen Schritt auf Anya zu.

„Ich liebe dich Anya“ flüsterte er und wollte sie in den Arm nehmen, doch sie entwich ihm und ging zur Tür. Elijah stand wie angewurzelt da und nur sein Blick folgte ihr.

„Auf Wiedersehen Lij.“ War das letzte was erklang, bevor die Tür hinter ihr zufiel.

Und Elijah stand immer noch wie angewachsen da. Den Blick stumm auf die geschlossene Tür gerichtet, doch er weinte nicht. Er stand einfach da. In diesem Augenblick, in dem alles zerbrach.

 

*

 

Anya war gegangen. Stand nun vor der Tür, die sie von der Liebe ihres Lebens trennte. Doch nicht nur diese Tür stand zwischen ihnen, sondern auch ihre Vergangenheit. Anya wusste nicht wohin sie gehen sollte. Sie würde es bei Jenny versuchen, auch wenn sich ihr Körper vor Angst zusammen zog wenn sie daran dachte, dass sie David begegnen könnte und wenn die Wahrscheinlichkeit groß war, dass Jenny nicht Zuhause, sondern bei Orlando war. Aber wo sollte sie sonst hin? Sie musste es versuchen, denn den Weg zurück durch die Tür konnte und wollte sie nicht gehen. Sie musste Elijah ziehen lassen. Das wäre besser für alle.

So lief sie die Straße entlang bis zu dem ersten Taxi das sie sah und lies sich zu Jennys Wohnung bringen. Anya hoffte inständig das sie da war.

Sie klingelte und nach kurzer Zeit, machte sie zum Glück auf.

Jetzt war nur noch zu hoffen das sie allein war, wenn Orlando da sein würde, müsste sie Erklärungen abliefern und er würde sie versuchen zu überzeugen, dass diese Entscheidung falsch war, doch das war sie nicht und Anya hatte keine Lust sich etwas Anderes anhören zu müssen.

An der Wohnungstür klopfte Anya noch ein Mal und Jenny öffnete. „Anya? Was machst du denn hier?“ fragte sie überrascht.

„Ist Orlando da?“ ... „Ähm nein, wieso? Der ist zu euch gefahren, aber wieso bist du hier? Und nicht bei euch?“ ... „Kann ich erst Mal herein kommen?“ fragte Anya und versuchte zu lächeln. „Ja klar.“ ... „Wo ist denn meine kleine Leila?“ .... „Bei einer Freundin aus der Schule.“ ... „Aha.“

Anya stellte ihre Tasche ab und ging ins Wohnzimmer. Sie setzte sich aufs Sofa und blickte auf den Teppich. „Also Schätzchen, wieso bist du hier?“ ... „Ich hab mich von Lij getrennt.“

Es war still. „Also...wieso?“ ... „Es ging nicht mehr. Ich bin schlecht für ihn! Ich mache ich seine Karriere – sein Leben kaputt.“ Wieder Stille. „Du weißt doch, das du dir das nur einredest?!“ ... „Jetzt fang du nicht auch noch an. Fans haben angerufen und mir gedroht.“ ... „Es ist deine Entscheidung.“ ... „Ganz genau.“

In diesem Moment klingelte das Telefon und nach kurzem Überlegen sagte Anya „Das ist sicher Orlando. Er wird fragen ob ich hier bin. Wegen Lij. Sag ihm das es mir gut geht... aber ich will nicht sprechen.“  Jenny nickte und nahm ab.

 

„Ja?“

:::::                    (-> Anm. d. A.: ‚::::’ ist die Rede des Gesprächspartners am Telefon)

„Anya ist hier, ja.“

:::::

„Keine gute Idee denke ich. Sie möchte allein sein.“

:::::

„Ja, ich denke auch du solltest da bleiben. Elijah braucht auch Jemanden.“

:::::

„Grüß ihn.“

:::::

„Ich dich auch Darling.“

 

Sie legte auf.

„Ich hoffe es geht Elijah gut?“ flüsterte Anya immer noch mit gesenktem Blick auf den Teppich. 

„So gut es geht denke ich.“ .... „Ja.“ ... „Ich denke du wirst die nächste Zeit hier bleiben nicht wahr?“ ... „Wen du nichts dagegen hast? Ich weiß sonst nicht wohin ich soll.“ ... „Ist schon klar Süße. Ich bin doch für dich da!“

 

*

 

So saßen die Beiden noch da, ohne etwas zu sagen. Was hätten sie sagen sollen? Irgendwann bot Jennifer ihrer Freundin an sich im Schlafzimmer ein Wenig auszuruhen, da sie bemerkte wie müde sie war. Anya bedankte sich und schloss die Schlafzimmertür hinter sich. Es war warm und gemütlich. Es lagen ein paar Sachen von Orlando auf einem Stuhl in der Ecke. Eine Jeansjacke, sein Mp3-Player und ein noch ein T-Shirt. Es erinnerte Anya an Elijah. Es hätte genauso gut seine Jacke oder sein T-Shirt sein können. Sie drehte sich auf dem Bett mit dem Gesicht in die andere Richtung und schloss die Augen. Sie hatte Kopfschmerzen und ihre Augen brannten mal wieder vom Weinen. Sie kuschelte sich unter eine weiche Wolldecke die dort lag und versuchte ihre Gedanken aus dem Kopf zu verbannen. Alles drehte sich um Elijah. Was er wohl jetzt tat? Dachte er an sie? Sicher. Sie hatte ihm sehr weh getan. Aber es war besser so. Er würde es verkraften und sie irgendwann vergessen. So hoffte sie jedenfalls.

Sie kniff ihre Augen fest zu und schüttelte ihren Kopf und diese Gedanken loszuwerden. Es brachte doch nichts sich damit zu quälen. Sie wollte nur endlich einschlafen und ihre Kopfschmerzen wurden auch immer schlimmer.

So ging es noch lange weiter. Sie wälzte sich hin und her, bis sie irgendwann, als schon der Morgen graute einschlief.

 

*

 

Die nächsten Tage vergingen nur schleppend. Anya schlief viel, sah Fernsehen und las. Sie versuchte den Gesprächen mit Jenny, den Anrufen von Elijah und vor allem dem Nachdenken zu entgehen. Mittlerweile ging ihr Jenny aus dem Weg. Sie konnte verstehen das Anya lieber allein sein wollte, hatte aber auch keine Lust sich ihre bissigen Kommentare anzuhören wenn sie Anya nur ansprach. Sie traf sich mit Orlando nur noch außerhalb der Wohnung und wusste somit auch das es auch Elijah schrecklich ging. Genauso wie Anya hockte er nur auf seinem Bett, hörte laute Musik die durch die ganze Wohnung dröhnte und sprach nur selten mit Orlando. Er rief mindestens 10 Mal am Tag auf Anyas Handy an, aber sie hatte es inzwischen schon ausgeschaltet. Sie dachte wohl er würde aufgeben, doch er machte keinerlei Anstalten dazu.

Eines Tages wollte Jenny die Nacht bei Orlando verbringen und lies Anya allein mit Leila in der Wohnung. Sie hatte es sich im Wohnzimmer vor dem Fernseher bequem gemacht als Leila im Bett war und plötzlich klingelte es an der Tür. Sie hätte lieber nicht nachgesehen, aber sie wollte nicht das Leila durch das Klingeln aufwachte und machte sich zu der Tür auf. Sie sah durch den Spion und wer stand da und klingelte wieder? Elijah! Was wollte er denn hier? Es war spät am Abend und er klingelte hier Sturm. Anya sah ihn durch das kleine Glas in der Tür an und erstarrte praktisch. Er sah so schlecht aus. Blass, zerzaustes Haar, Augenringe und eine Zigarette in der Hand. Anya stellte kurzerhand die Klingel aus, denn sie hatte nicht vor die Tür zu öffnen. Sie wollte schon wieder aus dem Flur gehen und ihn ignorieren bis er aufgab, als sie ihn schreien hörte:

„Anya! Anya! Mach auf! Bitte! Ich weiß du bist da!“ er hämmerte gegen die Tür und Anya blieb im Türrahmen stehen. Es schmerzte ihr im Herzen ihn so zu hören. Er hörte sich wirklich schlecht an.

„Anya! Komm schon! Bitte! Ich will mit dir reden! Und dich sehen! Ich vermisse dich so!“

Ihr Herz hämmerte genauso wie Elijah an die Tür schlug.

„Mach auf Schatz! Mach auf!“ Seine Stimme überschlug sich förmlich und klang hilflos und verzweifelt. Er schien sich wirklich nicht mehr anders helfen zu können. Sie ging ganz langsam wieder zur Tür und Elijah hatte aufgehört dagegen zu hämmern. Sie näherte sich vorsichtig dem Spion und sah hindurch. Mein Gott, er weinte! Elijah weinte! Er strich sich mit seinem Ärmel die Tränen aus dem Gesicht und zündete sich eine nächste Zigarette an. Er stützte sich schwach gegen die Tür und Anya hatte jetzt genau sein Gesicht vor dem Spion. Das Licht war schlecht, aber sie konnte die Tränen in seinen Augen glitzern sehen.

Noch einmal schlug er fest gegen die Tür und Anya stolperte vor Schreck zurück von der Tür. Sie stolperte wohl zu laut, denn Elijah schien sie gehört zu haben.

„Anya? Darling? Du bist da?“

Sie schwieg. Sie atmete nicht. Er sollte nicht wissen das sie da war. Verdammt, er sollte gehen! Sollte sie in Ruhe lassen! Es hinnehmen und weiterleben!

„Komm mach schon auf, du kannst dir nicht vorstellen wie sehr ich dich vermisse!“

Sie ging ganz langsam Schritt für Schritt wieder an die Tür. Legte vorsichtig ihre Hände dagegen und ihre Wange. Dicht stand sie nun an der Tür und die Tränen füllten wieder ihre Augen.

„Ich bin so allein Kleines! Ich will dich nur sehen. Nur kurz. Dich nur einmal in die Arme nehmen.“ Seine Stimme war wieder leiser und sanfter geworden. Er ahnte wohl das sie der Tür nahe stand und als sie wieder vorsichtig durch den Spion lugte, sah sie, das auch er dicht an der Tür stand.

Die Tränen bahnte sich langsam, Zentimeter für Zentimeter, den Weg über ihre Wangen und ihr Atem ging schwer. Sie keuchte regelrecht und ihr Brust schmerzte, unter dem Druck ihrer Trauer.

„Darling, mir geht’s wirklich mies! Ohne dich komm ich nicht weiter!“

Sie hörten ihn schluchzen und zog langsam die Kette aus dem Schloss. Sie hätte nur noch die Klinge runterdrücken müssen und schon wäre sie in seinen Armen gewesen. Zurück in seinen Armen. Nur eine kleine Bewegung ihrer Hand und sie wäre da, wo sie sich so sehr hin sehnte.

„Lass mich nicht allein! Bitte! Alles wird gut! Alles!“ hörte sie ihn wieder schluchzen.

Ihr Hand umfasste die Klinke und drückte zu.

Doch, Nein. Nein! Wenn sie jetzt die Tür öffnete, dann wäre alles umsonst gewesen. Der ganze Schmerz der letzten Tage. Aber wenn sie jetzt standhielt, dann würde alles vorangehen und Elijah würde aufgeben. Schnell lies sie die Klinke los und schob hastig die Kette wieder vor. Sie sank an der Tür hinab. Glitt an der Wand zu Boden und die Tränen, der ganze Schmerz, brach aus ihr heraus. Sie schrie laut auf und schlug auf den Boden. Sie weinte so laut, das Leila sicher aufwachte, doch daran dachte sie nicht. Sie wollte nicht weinen, da Elijah sie hörte, aber sie konnte es nicht bezwingen. Es brach heraus. Einfach so, unkontrollierbar.

„Schatz, wein nicht! Bitte, es kann alles wieder gut werden!“

„Halt den Mund Lij! Verdammt, sei ruhig! Hau endlich ab! Verschwinde! Geh!“ Sie kreischte so laut das ihr Hals wehtat und ihr ganzer Körper bebte. Ihre ganzen Wangen, der Hals, ihr Haar, alles war feucht von den Tränen und sie kauerte noch immer vor der Tür auf dem Boden.

„Anya, warum...“

„Es ist vorbei! Versteh doch Elijah! Ich kann nicht mehr! Wir müssen das beenden!“

„Du weist doch...“

„Verschwinde!“ Sie unterbrach ihn einfach immer wieder und schrie! Ihr Hals war rau vom Heulen und Kreischen. Er sollte sie allein lassen! Nur gehen!

„Du weißt wie sehr ich dich liebe! Verdammt vergiss das nicht!“ Ein letztes Mal erhob er damit seine Stimme gegen sie und schlug gegen dir Tür, das Anya einen Stoß bekam. Jetzt hörte sie ihn die Treppen hinunterrennen und bald war alles still. Nur noch ihr keuchender Atem war zu hören. Sie war so erschöpft und saß sicher ewig so auf dem Boden. Den Kopf an die Tür gelehnt, völlig verheult und keuchend.

Sie war froh das Leila nicht aufgestanden war. Es würde schrecklich für sie sein Anya so zu hören, geschweige denn zu sehen. Sie hatte schon immer einen festen Schlaf gehabt und so redete sich Anya in Gedanken einfach ein, das Leila sie nicht gehört hatte. Auch wenn dies fast unmöglich war.

 

*

 

Die ganze Nacht hatte sie dort in der Ecke gekauert und kein Auge zugetan. Die Beine an den Körper gezogen und mit den Armen umfasst, so vergrub sie ihren Kopf auf den Knien und weinte in sich hinein. Die ganze Nacht war sie allein und erst als die Sonne schon aufgegangen war raffte sie sich endlich auf. Ihr Rücken war von dieser verkrampften Pose völlig steif und sie schleppte sich ins Bad um sich zu duschen. Sie war verschwitzt und verweint. Danach war erst mal eine Kopfschmerztablette angesagt und dann würde Leila auch schon ihr Frühstück wollen. Keiner sollte von Anya erfahren was heute Nacht passiert war. Nicht Jenny, nicht Orlando und die kleine Leila sowieso nicht. Elijah würde jetzt begriffen haben das es endgültig vorbei war und würde sie in Ruhe lassen. Vielleicht würde er Orlando erzählen das er die Nacht hier war, aber niemand würde erfahren, wie sich Anya aufgeführt hatte und das sie die restliche Nacht heulend in einer Ecke saß.

*

Als sie aus der Dusche kam fühlte sie sich schon etwas besser und ihre Augen waren nicht mehr so angeschwollen. Sie wollte ins Bad und sich einen Kaffee machen und eine Schmerztablette nehmen als sie sah, dass Leila schon auf dem Wohnzimmersofa saß und Cartoons guckte.

„Morgen Süße, gut geschlafen?“ Fragte sie verschlafen und mit kratziger Stimme, nicht ganz ohne Hintergedanken, aber glücklicher antwortete die Kleine lächelnd;

„Ja klar! Hab von der Schule geträumt!“

Innerlich atmete sie auf, dass sie nichts mitbekommen hatte und ging in die Küche um das Frühstück zu machen.

„Was hast denn geträumt?“ fragte sie aus der Küche und schon fing das kleine Plappermaul lebhaft an zu berichten und die Cartoons waren unwichtig. Doch Anya hörte ihr nicht richtig zu, ihre Gedanken kreisten nur um Elijah. Was wäre passiert, hätte sie heut Nacht die Tür geöffnet und ihre liebevollen Gefühle zugelassen. Hätte sich wieder von ihm in die Arme nehmen lassen und sie hätten sich ausgesprochen? Wäre dann wirklich alles gut geworden, so wie er es behauptete? Machte sie nur alles kaputt? Nein! Sie schüttelte wieder demonstrativ den Kopf und schüttelte die Gedanken ab. Sie durfte jetzt nicht anfangen an ihrer Entscheidung zu zweifeln. Es war richtig so und alles würde wieder gut werden. Sie würde sich in der nächsten Woche einen neuen Job suchen und auch Elijah würde wieder arbeiten gehen, sich eine Zeit lang ablenken und vielleicht schon bald eine Frau kennen lernen die ihn besser verstand und mit der er glücklich werden konnte. Sie war nicht diese Frau. Davon war sie überzeugt und auch er würde es noch begreifen.

Mit einer Schale Cornflakes in der einen Hand, einer Tasse Kaffee in der Anderen und einem gequälten Lächeln im Gesicht, gesellte sich Anya dann zu Leila aufs Sofa die immer noch dabei war von ihrem Traum heut Nacht zu berichten. Sie frühstückten dann und bald kam Jenny Heim und zog sich um, denn sie hatte heut mit Leila vor einkaufen zu gehen.

 

*

 

Später am Nachmittag, als Leila und Jenny noch in der Stadt waren, lag Anya im Bett und wollte den Schlaf nachholen, den sie heute Nacht versäumt hatte. Doch es artete wieder in einem von Tränen getränktem Kopfkissen und lauten verzweifelten Schluchzern aus. Sie konnte sich nichts mehr vormachen, sie vermisste Elijah auch. Sie vermisste ihn sehr und die Tatsache das sie heut Nacht um ein Haar die Tür geöffnet hätte rief ihr das ins Gedächtnis zurück. Sie hatte es die ganze Zeit verdrängt. Mit Erfolg. Aber jetzt war es damit vorbei, alles schien zusammenzubrechen. Mit ihm war sie zum ersten Mal wieder richtig glücklich geworden nachdem sie von David derart verletzt und enttäuscht wurde. Doch es war nicht gerecht aus eigenem Vorteil mit Lij zusammen zu bleiben. Sie tat ihm doch nicht gut. Die Prügelei und seine geprellten Rippen waren doch nur ihre Schuld. Und das sagte doch auch die Presse und seine Fans. Aber wenn er es nicht so sah? War es dann nicht eigentlich egal, was die Menge dachte? Wenn er ihr, das nicht ankreidete sondern sie für unschuldig hielt. Und wenn sie jetzt so darüber dachte, David war ein Arsch. Er war das Letzte und sie konnte nichts dafür das er so war. Elijah hatte so Recht gehabt. Sie redete sich das nur ein. Sie trug keine direkte Schuld. Nicht mehr als Andere auch. Elijah liebte sie und sie liebte ihn. Sie musste zu ihm. Sie musste ihm sagen wie sehr sie ihn immer geliebt hatte und es immer noch tat. Wie wichtig er ihr war und ist. Sie sprang auf und machte sich diesmal keine Mühe die Spuren ihrer Tränen zu verwischen, sondern hatte es eilig. Jede Minute zählte. Sie war vielleicht nicht schuld an seinen verletzten Rippen, aber sie war schuldig das er sich die letzte Woche seelisch gequält hatte weil er sie liebte und vermisste. Sie musste ihn davon befreien und ihm sagen das sie dumm war und naiv. Sie zog sich eine Jacke über und rannte aus der Tür. Elijah war sicher Zuhause und sie würde schnell zur Hauptstraße laufen und sich von dort aus ein Taxi nehmen. Ja, alles würde wieder gut werden. Sie musste sich nur beeilen.

 

*

 

Chapter Ten ~ It all must end ~

 

Elijah saß Zuhause in seinem Appartement und war allein. Er hatte Orlando gesagt, dass er nicht länger da bleiben sollte und so hatte er die Nacht mit Jennifer bei sich verbracht und blieb jetzt auch dort. Die Musik dröhnte laut durch alle Zimmer und er lag auf dem Bett, auf der Seite, auf der immer Anya gelegen hatte. Es roch nicht mehr nach ihr. Sie war schon zu lang weg. Viel zu lang. Sollte es das jetzt gewesen sein? Sie schien letzte Nacht wirklich entschlossen zu sein, das dies das Ende war. Liebte sie ihn nicht mehr? Sie hatte ihn so kühl abgespeist. Oder wollte sie ihre Gefühle nur nicht zulassen? Elijah kannte sie und wusste was für ein herzensguter Mensch sie war. Sie konnte doch nicht einfach so aufgehört haben ihn zu lieben.

Er musste noch einmal zu ihr! Es ging nicht anders, er hielt es nicht aus. Das würde jetzt alles entscheiden. Wenn sie ihn dieses mal wieder einfach vor der Tür stehen ließ, war es beschlossen. Sie wollte ihn nicht mehr. Aber er musste es darauf ankommen lassen, denn er wollte sich nicht irgendwann vorwerfen müssen sie ganz ohne Kampf verloren zu haben. Wenn sie ihn noch liebte, nur noch ein kleiner Funke des starken Gefühls in ihr, dann gäbe es noch Hoffnung. So lange würde er auf sie warten, bis er ihr glaubte, das alles in ihr erloschen war, was sie einst so glücklich hatte sein lassen.

Er stand auf und lief hinunter zur Tür, schnappte sich die Jacke und steckte schnell sein Handy sowie Brieftasche und Autoschlüssel ein. Dann fuhr er los, auf einen letzten Versuch seine Anya wieder zurück zu gewinnen.

 

*

 

Es war so kalt draußen, das Anyas Wangen schon nach kurzer Zeit ganz rot waren, aber sie merkte es kaum. Sie beeilte sich so sehr um zu Elijah zu kommen und ihm endlich zusagen das alles wieder gut werden würde. Sie lief durch die Straßen, an den alten kaputten Häusern vorbei die einst ihr Zuhause waren und auch an dem Haus in dem sie gewohnt hatte. Sie dachte über all das nicht nach. Das sie hier mal gelebt hatte und das alles hier ihr Leben gewesen war, interessierte sie jetzt nicht. Es ging nur darum, schnell zu Elijah zu kommen. Sie rannte die Straße entlang und das klackende Geräusch ihrer Absätze auf dem Asphalt war das einzige was sie hörte.

Und dann; Schmerz. Ein dumpfer Schmerz in ihrer rechten Schulter. Eine starke Hand griff zu und packte sie. Sie wurde herum gezogen und eh sie realisierte wer sie da so hart anpackte fiel sie auch schon durch einen harten Schlag zu Boden. Sie wurde mitten ins Gesicht von seiner Faust getroffen und prallte hart auf den Asphalt. Sie hatte sich mit ihrer Hand versucht abzustützen, war aber umgeknickt und nun fuhr ihr nicht nur der Schmerz des Schlags durch die Wange, sondern auch durch das Handgelenk.

Sie lag auf dem Bürgersteig und nahm nur eine große dunkle Gestalt wahr die auf sie zukam und etwas brüllte, was sie aber nicht verstand. Sie kniff die Augen zusammen, denn hinter ihm ging so eben die Sonne unter und ihre letzten Strahlen blendeten Anya. Sie wusste wer es war. Er war wieder da, in ihrem Leben und diesmal war sie ganz allein. Diesmal hielt ihn in seiner Wut niemand zurück. Sie war allein mit David.

Und da; der nächste Schmerz. Er trat sie in die Seite. Sie schrie vor Schmerz auf, umfaste ihren Bauch und krümmte sich förmlich auf dem harten Bürgersteig. Ihr wurde schwarz vor Augen.

Es fing an zu regnen. Kleine Tropfen prasselten neben ihr auf den Asphalt des modrigen Bürgersteigs. Sie sah sich um, niemand war in der Nähe der ihr hätte helfen können. Langsam fing sie an seine Schreie wahrzunehmen, doch sie wollte ihn gar nicht hören. Sie wimmerte vor sich hin er solle bitte aufhören, sie habe ihm nichts getan, aber er machte nur weiter mit seiner Quälerei. Immer und immer wieder trat er sie und schrie. Der Regen wurde stärker und stärker, aber David hörte nicht auf. Sie kroch näher an eine Hauswand, doch er schlug nur weiter auf sie ein und beleidigte sie. Und irgendwann, als sie nur noch blutend und wimmernd an einer Hauswand hockte und es über sich ergehen lies, geschah es.

Er zückte seine Waffe.

 

*

 

Elijah saß im Auto und fuhr so schnell er konnte aus der Stadt. Er lies das belebte Zentrum hinter sich und fuhr Richtung Außenbezirk in dem Jenny lebte. Zwar hatte er Angst, wie heute Nacht wieder von Anya abgewiesen zu werden, aber er hoffte doch inständig es würde jetzt anders laufen. Sie würde die Tür öffnen, er könnte sie nach langem wieder in seine Arme schließen, sie küssen und sie würden sich aussprechen. So hoffte er. Er raste die Straße entlang und je näher er der Gegend kam, desto mehr breitete sich ein mulmiges Gefühl in seinem Bauch aus. Es dämmerte allmählich, so dass er langsamer fahren musste. Vereinzelte Regentropfen fielen auf die Windschutzscheibe und die Straßenlaternen warfen nur schwaches gelbes Licht auf den nassen Asphalt. Elijah wurde immer unangenehmer und er schaltete dem stärker werdenden Regen hingegen die Scheibenwischer ein. Er fühlte das etwas nicht in Ordnung war und rutschte nervös in seinem Sitz hin und her. Doch das war sicher alles nur Einbildung. Bald konnte er auf weite Entfernung kaum noch etwas sehen und musste sich stark konzentrieren um sicher vorwärts zu kommen. Nach weiteren Minuten war er in dem Viertel angekommen und fuhr langsam von Block zu Block, an den Seitenstraßen und Hinterhöfen vorbei, in denen sich jetzt nicht einmal mehr Hunde rumtrieben. Keine Menschenseele war in der Umgebung zu sehen was bei diesem Wetter verständlich war. Nicht nur das es wie aus Eimern schüttete, es war auch noch kalt.

 

*

 

>Er wird mich erschießen!< schoss es Anya durch den Kopf, als sie die Waffe in Davids Hand sah. Sie presste sich dichter an die nasse Hauswand und starrte völlig fassungslos auf das schimmernde Metall in seiner Hand. Auch er sah sie an. In seinem Blick lag pure Wut. Langsam ging er auf sie zu und roch ihre Angst förmlich.

„Nun ist es soweit – Darling – wir sind ganz unter uns.“ Er klang mit dem was er sagte sehr selbstsicher und als ob ihn jetzt nichts und niemand mehr zurückhalten könnte. Er stand dicht vor ihr und hielt ihr die Waffe vors Gesicht.

„Unsere letzte Begegnung endete für mich ja dank deinem Stecher nicht so glücklich. Aber jetzt sind wir ganz allein und selbst der kann dir nicht mehr helfen!“ Ein Lächeln huschte über seine Lippen und er beugte sich zu Anya herunter. So nah das sie seinen Atem auf ihrer nassen Haut spüren konnte war er ihr und strich mit seiner Hand über ihre Wange. Dann strich er ihr eine nasse Haarsträhne aus der Stirn und gab ihr einen Kuss auf den Mund. Anya presste ihr Lippen fest aufeinander und kniff die Augen zusammen. Ihr ganzer Körper war angespannt und sie hoffte nur das er seine Waffe wieder einstecken würde.

„Hättest du gedacht, das wir uns noch mal so nah sind?“ Er stand wieder auf, hielt die Waffe aber auf den Boden.

„Hättest du’s gedacht?“ schrie er sie an und schlug Anya mit der Pistole kräftig ins Gesicht. Sie kauerte auf dem nassen Boden und zitterte vor Kälte und Angst. Dort wo er sie mit der Waffe getroffen hatte, pulsierte ihre Wange heiß und brannte vor Schmerz. Der Geschmack von warmem Blut lag auf ihren Lippen.

„Nein.“ Flüsterte sie ihm kaum hörbar durch den Regen entgegen.

„Nun, ich wusste es. Du gehörtest schon immer mir! Es war nur eine Frage der Zeit das du wieder bei mir bist.“ Sagte er völlig ruhig und betrachtete das helle Metall seiner Pistole.

Am liebsten hätte sie ihm an den Kopf geschmetterte das sie ihm nie gehört hatte und selbst wenn, dann wäre es jetzt nicht mehr so. Aber sie hatte zu große Angst vor ihm. Es war klar, dass nur ein falsches Wort reichte und er würde auf sie schießen.

„Aber jetzt ist es auch zu spät. Dein kleiner Stecher ist an allem Schuld. Wenn du ihm in der Hölle begegnest, dann kannst du es ihm ja sagen!!“ Er wurde mit jedem seiner Worte lauter und zielte nun mit seiner Waffe auf Anya. Ihr Herz blieb stehen.

„In der Hölle!!! Denn da gehörst du hin – Darling!!“ schrie er und feuerte ab.

 

*

 

Elijah saß noch immer im Auto und konzentrierte sich auf die rutschige Straße. Er war schon fast bei dem Wohnhaus in dem Jenny lebte, als er auf einmal einen ohrenbetäubenden Knall hörte. Ruckartig trat er auf die Bremse, rutschte mit quietschenden Reifen auf der nassen Straße entlang und blieb langsam mitten auf dem Weg stehen. Es war still. Nur noch das quietschen der Scheibenwischer gab Geräusche von sich. >Das war ein Schuss!< schoss es ihm durch den Kopf und im selben Augenblick hörte er eine Männerstimme etwas rufen. Elijah verstand nicht was der Mann gerufen hatte, zögerte aber nicht mehr lange, stieg aus dem Wagen in den Regen und rannte in die Richtung aus der das Geräusch gekommen war.

Sein Auto lies er einfach mitten auf der Straße stehen. In kürzester Zeit war seine Kleidung völlig durchnässt und das Wasser lief ihm das Gesicht herunter. Er rannte in Richtung einer kleinen Seiten Straße das der Schuss von da kam. Doch er stoppte. Wenn da tatsächlich ein Schuss gefallen war konnte er doch nicht so einfach hinrennen. Sonst würde er vielleicht das nächste Ziel des Schützen sein. So griff er nach seinem Handy in der Hosentasche und rief die Polizei.

 

*

 

David hielt die Waffe noch in seiner Hand, als sich das Blut den Weg über den nassen Boden bis zu seinen Schuhen bahnte. Langsam lies er die Waffe sinken und trat einen Schritt zurück. „Das hast du nun davon du kleine Schlampe!“ brüllte er und es hallte in den leeren, dunklen Straßen um ihn herum wieder. Ein breites Lächeln entstand in seinem Gesicht, während er auf Anyas toten Körper herab sah. Langsam lies er die Waffe in seiner Jackentasche verschwinden. Ihr Blut vermischte sich auf dem Asphalt mit dem Regenwasser und wurde so stark verdünnt, dass es rauschend unter einem Kanaldeckel verschwand. Noch ein letztes Mal ging er zu ihr und strich ihr über die Wange.

„Danke deinem Stecher!“

Dann verschwand er langsam im Schutz der Dunkelheit in einer der Seitengassen.

 

*

 

Die Polizei war verständigt und Elijah stand nass bis auf die Haut unter einer der alten Laternen. Er hörte nichts mehr bis auf seinen schweren Atem. Wo war er hier schon wieder reingeraten? Er wollte doch nur zu Anya. Er näherte sich langsam der Hausecke hinter der er meinte den Schuss gehört zu haben. Die Polizei würde nicht lange brauchen um her zu kommen, das Departement war nicht weit entfernt. Kein Geräusch war hinter der Hausecke zu vernehmen. Er sah das die Seitengasse kaum beleuchtet war und schritt nun vorsichtig um die Ecke herum. Ihm bot sich ein grausiger Anblick. Der schwach beleuchtete Boden war voller Blut, welches zusammen mit dem Regenwasser schlürfend in den Abwasserkanal floss und in einer dunklen Ecke entdeckte er eine reglose Gestalt. Elijah stand kurze Zeit völlig starr da und das einzigste was er wahrnahm waren die Regentropfen die in der Blutlache versunken. Er schritt vorsichtig auf die dunkle Ecke zu und erblickte eine durchnässte Frau. Sie war in sich zusammen gesunken, so dass er weder ihr Gesicht, noch ihre Wunde sehen konnte. Er kniete sich zu ihr herunter und drehte sie um, so dass er sie ansehen konnte.

Nein!

Sein Herz blieb beinahe stehen, als er erkannte wer hier lag.

Seine Augen füllten sich in kürzester Zeit mit Tränen und sein verzweifelter Schrei durchbrach die Stille.

Er hielt seine Anya in den Armen. Sie war tot. Er umklammerte sie fest und drückte sie ans sich! Ihr Blut verschmierte seine Kleidung, aber das war ihm egal. Fassungslos starrte er in ihr ausdrucksloses Gesicht und strich ihr über die blassen Lippen. „Nein!“ flüsterte er und dann vergrub er sein Gesicht in ihrem nassen Haar und schluchzte unter schwerem Atem vor sich hin.

„Nein! Das ist nicht wahr! Du bist nicht tot!“

Tränen rannen ihm über die Wangen und sammelten sich bei den Regentropfen. Auf der Straße hörte er die Polizeisirene und die Beamten wie sie in die Gasse kamen.

„Polizei! Kommen sie aus der Ecke heraus!“

Elijah stand nicht auf, sondern klammerte sich fest an Anya und weinte in sich hinein.

„Kommen sie aus der Ecke heraus! Sofort!“

„Verdammt, ich hab sie gefunden!“ Schrie er die Beamten an, ohne sich ihnen

auch nur zuzudrehen und seine Stimme überschlug sich vor Verzweiflung förmlich.

„Lassen sie das Opfer los! Und kommen sie aus der Ecke!“

„Verdammt, das ‚Opfer’ ist meine Freundin!“ Er schrie so laut das die ganze Gegend ihn gehört haben muss und lies sich weinend nach vorn, auf Anyas toten Körper fallen.

Ein Polizeibeamter kam und fasste ihn am Arm. Er wollte ihm aufhelfen. „Kommen sie bitte aus der Ecke!“

„Verdammt! Sie ist tot!“ schluchzte er und bekam durch das weinen kaum noch Luft.

„Kommen sie bitte mit! Wir kümmern uns um sie!“

„Was gibt’s da noch zu kümmern!“ flüsterte Elijah mehr zu sich selbst als zu dem Polizisten. Nur schweren Herzens ließ er sich von dem Beamten aus der Gasse bringen.

Der Mann führte ihn zu dem Streifenwagen und Elijah nahm immer weniger wahr. Er sah die Menschen um sich herum und hörte ihre Stimmen, doch ihre Worte ergaben keinen Sinn und die Dinge die sie taten standen für ihn nicht mehr im Zusammenhang.

Wie konnte das nur passieren?

Anya war tot. Der einzige Mensch den er liebte war tot. Und er konnte nichts tun.

Menschen liefen um ihn herum. Die Gasse wurde mit gelbem Band abgesperrt und ein Mann redete auf ihn ein, doch das alles nahm er nicht wahr. Alles war unwichtig, jetzt wo Anya nicht mehr war.

 

~ If I would die this scary moment – I wouldn’t feel! ~

 

*

 

Am Morgen wurde Elijah von Anya geweckt. Sie lag auf ihm und küsste zärtlich seinen Oberkörper. Er öffnete die Augen und sah ihr wunderbares Lächeln.

„Guten Morgen mein Süßer“ hauchte sie ihm entgegen und Elijah schaute auf den Radiowecker zu seiner Linken. „Wohl eher Mittag“ tönte er verschlafen und schubste Anya spaßig von sich. Sie lachte und ließ sich von ihm durchs Bett kugeln. Als sie auf dem Rücken lag vergrub er sein Gesicht in ihrem Bauch und küsste ihren Bauchnabel.

„Hör auf das kitzelt.“ Lachte sie, doch das regte Elijah nur dazu an ihr kräftig in den Bauchnabel zu prusten. Sie lachte laut auf. „Hör auf!“

Es folgte eine wilde Kabbelei zwischen den Kissen und lautes Lachen. Nach einer Weile saß Anya triumphierend auf Elijah und drückte seine Handgelenke mit überraschender Kraft gegen die Matratze. „Gewonnen, Gewonnen, Gewonnen,...“ trällerte sie. Elijah versuchte gar nicht sie auch ihrem Griff zu befreien und betrachtete ihr süßes Lächeln.

„Oh ja, du bist die allgütige Herrin und Gewinnerin über mich und den Rest der Welt!“ sagte er ironisch.

„Höre ich da etwa einen ironischen Unterton heraus mein Lieber? Das ist nicht nötig, denn es ist die reine Wahrheit.“ Lachte sie und ließ seine Arme los. Nun saß sie auf ihm und blickte ihm tief in die Augen.

„Okay Baby, du bist die Herrin und Gewinnerin über mich, aber an dem Rest der Welt müssen wir glaube noch arbeiten.“ Sagte er und zog sie runter zu sie um sie zu küssen.

 

*

 

Aint no sunshine when she’s gone,

It’s not warm when she’s away…

Ain’t no sunshine when she’s gone

And she’s always gone too long … any time she goes away …

 

Wonder this time where she’s gone

Wonder if she’s gone to stay…

Ain’t no sunshine when she’s gone …

And she’s always gone too long … any time she goes away …

 

Ain’t no sunshine when she’s gone,

Only darkness everyday …

Ain’t no sunshine when she’s gone

And she's always gone too long ... any time she goes away ...

 

Any time she goes away … any time she goes away …

 ~ By Al Green

 

 

 

 

 

Das wars!!!

Ich hoffe echt, die FF hat euch ein wenig zumindest gefallen!

Ich verabschiede mich hiermit und hoffe ihr schaut auch mal bei den anderen Geschichten rein....

~Greetz - Jade~

 

~zurück~



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