
Es war Montag der 13.05.2002 ungefähr 10 Uhr.
Erstmal stellte sich die Hebamme vor, sie hieß Alexandra.
Uns wurde jetzt noch einmal der ganze Ablauf erklärt.
Die Hebamme machte mir den Vorschlag,
ich solle mir erst mal was bequemes anziehen.
In der Zeit schob sie ein Bett in den Kreissaal,
wo ich mich dann hinlegen sollte.
Dann führte sie mir ein Zäpfchen ein und ließ uns alleine.
Nach einer 1 Stunde spürte ich so einziehen im Unterbauch.
Es hat aber nicht wehgetan.
Wir alle konnten immer noch nicht glauben, dass alles vorbei ist.
Mir gingen so viele Sachen durch den Kopf.
Ich fragte die Hebamme, ob ich nicht einen Kaiserschnitt haben könnte.
Sie wußte es nicht und holte noch einmal die Ärztin.
Nein, ich bekam keinen Kaiserschnitt.
Ich sollte mein Kind auf dem normalen Wege bekommen.
Ich drängte auf den Kaiserschnitt, diesen Kampf habe ich auch verloren.
Die Oberärztin fragte mich, ob ich schon etwas spüre würde,
seit dem einführen des Zäpfchens, ich sagte ein wenig.
Nach 3 Stunden führte mir die Hebamme ein Gel in die Scheide.
Jetzt ging es los.
Ich bekam starke Schmerzen im Unterleib.
Man legte mich an das CTG, ich hatte schon leichte Wehen.
Alle 2 Minuten. Es wurde immer schlimmer.
Am Nachmittag so gegen 17 Uhr, bekam ich wieder das Gel.
Die Schmerzen wurden von Minute zu Minute schlimmer
Die Wehen wurden stärker und stärker.
Ich dacht nur, wann ist den endlich alles vorbei.
Die Hebamme legte mir dann eine Infusion.
Sie gab mir ein leichtes Schmerzmittel.
Ich verspürte keine Linderung.
Dann sollte ich mich in das Kreissaal Bett legen.
Mein Mann und meine Mutter waren die ganze Zeit bei mir,
es hat mich keiner, in dieser schrecklichen Zeit alleine gelassen.
Wir haben zwar kein Wort miteinander gesprochen, aber ich war froh,
dass sie da waren und mir die Hand gehalten haben.
Es wurde Abend und ich bekam wieder dieses Gel.
Um ca. 23 Uhr ging es dann richtig los.
Die Schmerzen waren unerträglich. Die Wehen wurden stärker.
Das Schmerzmittel wurde erhöht.
Ich konnte es nicht mehr aushalten, vor Schmerzen.
Die Ärztin untersuchte mich und stellte fest der Muttermund
sei erst 2cm weit auf. Zu wenig, es würde noch dauern.
Die ganze Nacht war ich wach und weinte.
Mein Mann und meine Mutter versuchten ein wenig zu schlafen,
aber wurden immer wieder wach.
Am frühen morgen des 14.05.2002 legte mir die Hebamme und
die Ärztin eine PDA.
Ich konnte es nicht mehr aushalten.
Alle 15 Minuten kam die Hebamme und spritzte wieder etwas in den Schlauch.
Es war aber immer nur für kurze Zeit, wo ich etwas Linderung verspürte.
Dann wurde ich von der Hebamme noch einmal untersucht.
Dabei platzte die Fruchtblase. Es war ein komisches Gefühl,
wie das Wasser raus lief. Der Muttermund war ungefähr 5cm geöffnet.
Also weiter warten.
Es war einfach schrecklich da zu liegen und
nebenan bekamen die anderen Frauen ihre Babys.
Es hat so wehgetan.
Warum konnte ich nicht auch so glücklich sein, wie die anderen Frauen.
Ich wollte mich auch freuen, wenn mein kleiner auf der Welt ist.
Dann kam die Hebamme und meinte ich hätte Besuch.
Sie fragte mich, ob ich ihn sehen möchte. Ich fragte wer es sei.
Es war meine Patentante. Ich hab gesagt sie solle kommen.
Wir fielen uns sofort in die Arme, keiner hat gesprochen, wir haben nur geweint.
Sie konnte es nicht glauben, dass ich da lag.
Ich erzählte ihr soweit ich konnte was passiert ist.
Auf einmal verspürte ich so eine starke Übelkeit,
ich mußte mich übergeben.
Mein Mann holte die Hebamme, sie sagte es sei normal.
Da die Wehen immer schlimmer wurden und ich so starke Schmerzen hatte,
bat ich um mehr Schmerzmittel.
Die Hebamme sagte der Ärztin Bescheid. Sie untersuchte mich noch mal.
Während der Untersuchung wollte die Hebamme noch etwas nach spritzen.
Der Muttermund war schon sehr weit offen und sagte der Hebamme,
ich dürfte nichts mehr an Schmerzmittel haben.
Ich hätte schon viel zu viel. Sie glaubte es ging bald los.
Und so war es auch. Meine Tante verabschiedete sich bei mir.
Sie war noch nicht ganz draußen und es ging los.
Mein Mann stellte sich hinter mich und hielt die ganze Zeit meine Hand.
Es kam eine Wehe nach der anderen. Ich hatte gar keine Zeit um Luft zu holen.
Die eine Wehe war weg und dann kam schon die nächste.
Die Ärztin sagte mir noch einmal ganz stark pressen und dann haben sie es geschafft.
Und so war es auch. Die Wehe kam und ich preßte und preßte.
Nach ungefähr 20 Minuten war dann alles vorbei.
Mein kleiner
war da.
Er lag zwischen meinen Beinen. Es war ein Junge.
Wir gaben ihm direkt den Namen Niklas Kluth.
Ich schaute sofort mein Kind an. Dabei sah ich,
dass er die Nabelschnur um den Hals und
um den Oberkörper gewickelt hatte.
Die Hebamme zeigte es der Ärztin. Die Ärztin nickte mit dem Kopf.
Jetzt wußten wir auch, warum das Herz auf hörte zu schlagen.
Meine Mutter bekam den kleinen sofort in den Arm gelegt.
Die Hebamme war ja noch mit mir beschäftigt.
Sie kümmerte sich erst mal um mich.
Ich schaute die ganze Zeit meine Mutter an,
sie hatte unseren kleinen Sohn im Arm.
Mein Mann und ich wir konnten es nicht glauben, dass unser Kind tot ist.
Er lag so friedlich bei meiner Mutter im Arm, als wenn er schlief.
Dann gab meine Mutter mir den kleinen.
Ich nahm ihn. Er lag in meinem Arm. Es sah so süß aus, blaue Augen, einen kleinen Mund,
eine kleine Nase die hat er von meinem Mann.
Er sah so niedlich aus. Ich küßte ihn auf seinen kleinen roten Mund.
Ich hatte meinen kleinen Niklas im Arm.
Ich nahm seine kleine Hand in meine. Ich habe ihn die ganze Zeit nur angeschaut.
Ich war nur am weinen, ich wollte es einfach nicht glauben,
das sein Herz nicht mehr schlägt.
Mein Mann saß die ganze Zeit neben mir.
Dann gab ich ihm den kleinen auf den Arm.
Es war so traurig. Wir haben nur geweint.
Dann kam die Hebamme und fragte uns, ob sie ihn baden dürfte.
Sie holte eine kleine Wanne und einen kleine Tisch.
Sie stellte es neben mir auf. so daß wir alles sehen konnten.
Sie badete unsern kleinen Sohn, dabei liefen ihr auch die Tränen.
Sie konnte es selber nicht fassen.
Sie wickelte ihn in ein großes Handtuch, trocknete ihn ab.
Dann legte sie ihn auf die Waage, er wog 1660g.
Dann wurde seine Größe gemessen. Er war 41cm groß.
Sie zog ihm etwas Schönes an, alles war zu groß.
Die kleinste Pampers war noch zu groß.
Dann holte sie eine gelbe Rose, eine Kerze und ein Stillkissen.
Sie legte Niklas in das Kissen machte die Kerzen an.
Wir wurden gefragt ob sie einige Fotos machen dürfte,
wir waren sofort einverstanden.
Ich sagte meinem Mann, er solle an meine Tasche gehen.
In der Tasche lag die Spieluhr für Niklas.
Mein Mann gab sie der Hebamme.
Niklas sollte sie immer bei sich haben.
Dann fertigte sie eine Karte an mit den Daten von Niklas,
sie klebte ein paar Haare hinein und
machte einen Abdruck von seinen kleinen Füßchen.
Wir waren so froh, dass wir eine solche nette, liebe,
fürsorgliche Hebamme hatten.
In den vielen Stunden war sie immer bei uns.
Sie tröstete mich die ganze Zeit.
Wir hatten genügend Zeit um Abschied
von unserem liebsten Kind zu nehmen.
Es war ein Abschied für immer, wir mußten unser kleinen Sohn
an den lieben Gott abgeben.
Warum mußten gerade wir unser Kind hergeben,
das habe ich mich die ganze Zeit gefragt.
Ich hielt die ganze Zeit meinen kleinen im Arm.
Es war nun schon eine Weile vergangen.
Niklas veränderte sich von Minute zu Minute.
Es kam immer mehr Blut aus seiner kleinen Stupsnase und
aus seinem kleinen Mund. Das Gesicht wurde dunkel rot,
die Haut an den Beinchen und an den Händchen bekamen Flecke.
Aber ich wollte Niklas nicht hergeben.
Ich wollte jede Minuten mit ihm zusammen sein.
Der Strampelanzug den Niklas an hatte,
war von meinen Tränen schon ganz naß.
Mein Mann sagte ich solle den kleinen jetzt in Bettchen legen.
Ich legte ihn in sein Bettchen, machte die Spieluhr an. Es war alles so furchtbar.
Dann kam die Hebamme und meinte ich solle jetzt mal unter die Dusche gehen.
Sie würde unseren Sohn in das kleine Zimmer neben der Anmeldung hinstellen.
Wir dürften jederzeit zu unserem Kind.
Mein Mann und meine Mutter gingen einen Kaffee trinken und
ich machte mich auf dem Weg zum Badezimmer.
Die Hebamme legte mir Handtücher hin und
sagte ich solle ganz vorsichtig sein.
Ich war mit den Gedanken nur bei meinem kleinen Niklas.
Als ich dann endlich mit dem duschen fertig war,
zog ich mich an und ging wieder zu meinem kleinen Schatz.
Ich machte die Türe auf, ging rein und machte die Türe hinter mir zu.
Ich war ganz alleine mit meinem Kind. Es war ganz still in diesem Zimmer.
Ich machte wieder die Spieluhr an und nahm den kleinen aus dem Bett heraus.
Ich setzte mich auf den Boden, es war leider kein Stuhl da.
Ich küßte meinen kleinen immer wieder.
Er war mein Kind was ich im Arm hatte,
wo drauf ich mich so sehr gefreut hatte.
Ich habe mich immer wieder gefragt, warum mein kleiner,
warum gerade du. Es gab mir keiner eine Antwort.
Das Köpfchen von Niklas war mittlerweile schon ganz dunkel rot.
Er fühlte sich kalt an. Ich drückte ihn ganz feste an mich ran,
gab ihm einen dicken Kuß. Legte ihn wieder in sein Bettchen und
machte noch einmal die Spieluhr an.
Ich sagte ihm wie sehr ich ihn lieben würde und
ihn jetzt schon vermissen würde.
Dann machte ich die Tür auf und ging raus.
Mein Mann und meine Mutter waren auch schon wieder da.
Mein Mann fragte mich wo ich war, ich sagte ihm,
dass ich von unserem Kind Abschied genommen habe.
Es war für mich sehr schön mit meinem kleinen,
ganz alleine gewesen zu sein.
Nun brachte die Hebamme mich auf Station.
Ich hatte ein Einzelzimmer bekommen.
Ich legte mich sofort in mein Bett und weinte und weinte.
Dann bekam ich Besuch von meiner Familie,
mein Vater, mein Bruder Rene und seine Frau Michaela.
Michaela meine Schwägerin sollte eigentlich die Patenschaft übernehmen.
Wir fielen uns sofort in die Arme und wir weinten fürchterlich.
Keiner konnte verstehen, was passiert war.
Nun kam auch mein anderer Bruder Udo,
er gab mir einen dicken Kuß, drückte mich ganz fest und ging wieder.
Ihm fehlten die Worte, es war aber schön dass er kurz da war.
Die Frau von meinem Bruder Udo kam auch noch.
Bevor Heidi zu mir kam, ging sie erst den kleinen Niklas besuchen.
Mit verheulten Augen kam sie dann zurück.
Nun hatte ich meine ganze Familie bei mir,
die mir in dieser schweren Zeit zur Seite stand.
Am nächsten morgen,
habe ich dann das Krankenhaus mit meinem Mann verlassen.
Das war ein sehr schwerer Schritt,
ich ging mit unserem Baby ins KH und ging alleine wieder nach Hause.
Das ist das schlimmste was Eltern passieren kann,
aber in unseren Herzen lebt er weiter.
