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Meine SVA über Goalkeeper  im Juni 02

Einleitung

 

 

Das Ziel meiner Arbeit ist, dass sich jeder nach intensivem Studium meiner Arbeit in etwa verstehen kann, warum es solche "Spinner" gibt, die sich freiwillig ins Tor stellen! Wie der Alltag eines solchen Torwartes aussieht. Welche Probleme auf ihn zukommen? Wieso es so speziell ist, Goalkeeper zu sein? Braucht er ein spezielles Training, oder reicht es, wenn er einfach mit seinen Feldspieler - Kollegen mittrainiert? Wie sieht ein Goalitraining aus? Welche Stärken braucht ein Torwart auf seiner Position? Ist er ein wichtiger Mann auf dem Feld? Und wie sieht es neben dem Feld aus? Ist der Goalkeeper mental speziell gefordert?

Meine Arbeit basiert auf dem Unihockey. Diese Sportart ist wohl die schnellste Mannschaftssportart auf der Welt! Sie wurde zuerst in Schweden danach in Finnland und der Schweiz gespielt. Diese drei Länder haben Angangs der Achtzigerjahren den internationalen Unihockeyverband (IFF) gegründet. Bis Mitte der Neunzigerjahren besass der Torhüter noch einen Stock analog dem Eishockey. Seit dieser Zeit jedoch, hat es einen sehr Entscheidenden Wandel bei der Ausrüstung des Torhüters gegeben. Man spielte erstmals ohne Stock im Tor. Nun begann die rasante Entwicklung der Technik und Taktik eines jeden Torhüters. Die Position des letzten Mannes gewann nun immer mehr an Bedeutung. Die Feldspieler entwickelten immer bessere Techniken um uns Torhüter zu überwinden. Es ist ein stetiges, hartes Arbeiten, um beim aktuellen Unihockey dabeizusein. Es reicht nicht, wenn du deine Technik von Anfangs bis Ende Saison nicht verbesserst!

 

 

Hörst du auf besser zu werden, hörst du auf gut zu sein!

 

 

 

 

Probleme: Ausrüstung

 

Die Probleme fangen bereits sehr früh an! Denn schon beim Entscheid, sich ins Tor zu stellen, werden die meisten vor den Kopf gestossen. Wenn er sich nämlich einmal mit den Preisen einer Ausrüstung auseinandersetzt, stehen im die Haare zu berge:

 

- Torhüter Oberteil: zwischen: 150.- bis 250.-

- Torhüter Hosen: zwischen: 300.- bis 450.-

- Brustpanzer: zwischen : 100.- bis 150.-

- Helm zwischen 170.- bis 250.-

- Knieschoner: zwischen: 150.- bis 250.-

- Tiefschutz: zwischen : 30.- bis 70.-

- Schuhe: zwischen: 70.- bis 200.-

- evtl. Handschuhe zwischen: 70.- bis 70.-

- div. Zubehöre zwischen: 10.- bis 40.-

 

Zusammen: zwischen: 950.- bis 1730.-

 

 

 

Infos von Prospekten und Katalogen der Firmen Unihoc, Exel, Cannadien, Rehband

Eigenes Wissen

Internetseiten www.unihoc.se, www.intgateway.se, www.floorball-shop.ch

 

 

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Bemerkungen zur Ausrüstung

Wenn ich danach suche, komme ich zu billerigen Ausrüstungsgegenstände. Diese sind allerdings entweder schon getragen, oder sie sind unbrauchbar! Das heisst, das das Material nicht genügend Qualität aufweist. Bei Ausrüstungen kann man auf den Preis gehen. Die Qualität und Haltbarkeit zahlt man. Jedoch sind die Preise generell viel zu hoch.

Ich habe früher immer mit billigen Knieschoner bespielt und trainiert. Dadurch hatte ich nicht einen genügenden Schutz vor Verletzungen. Nach den Training hatte ich meistens Knieschmerzen und vorallem war meine Haut in der Knieregion immer offen. Du kannst dir ja vorstellen, wie angenehm es ist, mit offenen Knien zu trainieren und zu spielen!! Momentan gibt es nur zwei Knieschoneranbieter. Die Firmen Rehband und Cannadian.

 

 

Ein Streitpunkt ist in Diskussionen mit anderen Torhüter immer die Frage nach den Schuhen. Soll ich nun mit billigen Turnschuhen, oder mit dem teureren Modell ins Tor knien? Die Variante eins ist vom Portemonnaie her gesehen sicher die bessere. Der Nachteil ist nur, dass ein billiger Schuh höchstens eine Saison hält. Die teuren hingegen sind zum Teil viel teurer, aber sie halten zum Teil auch doppelt so lange , also etwa zwei Saisons. Ich trage momentan billige Turnschuhe. Bis jetzt hatte ich nicht das Geld, um jedes Jahr Neue zu kaufen. Durch mein momentaner Club komme ich jedoch nun viel billiger zu Ausrüstungsgegenstände. Nun bin ich mir selber am überlegen, was ich machen soll... Mark Wolf (Nationaltorhüter, mehrfacher Schweizermeister, schwedischer Meister und Betreiber der Torhüterorganisation Goalkeeperclinic) meinte in einem Gespräch mit mir: "Kaufe nie teure Schuhe! Nehme immer Billige."

 

Bein den Handschuhen ist momentan eine wohl einzigartige Situation vorhanden. Jeder Torhüter in der Schweiz, der einwenig etwas von Unihockey versteht, hat die gleichen Handschuhe an. Es sind ursprünglich Handschuhe vom Baseball. Er ist der Einzige, der auch nutzbar ist. Er ist leicht, schütz die Hände und das Gefühl geht durch seine dünne Unterfläch nicht ganz verloren. Es gibt Torhüter, vorallem im Juniorenbereich und in den unteren Ligen, die haben Eishockeyhandschuhe an. In diesen Dingern hast du kein Gefühl. Du kannst den Ball nicht fangen, wodurch gefährliche Appraller entstehen. Im Gewühl vor dem Tor kann er denn Ball nicht sofort unter Kontrolle bringen. Ich selber, wie etwa die Hälfte aller Goalis, spiele ohne Handschuhe. So ist das Ballgefühl optimal. Ich kann die Bälle fangen und im Gewühl vor dem Tor behindert mich kein lästiger Stoff oder Leder um meine Hand.

 

 

 

Unter Zubehör verstehe ich die Vervollständigung der Ausrüstung. Pulswärmer oder Schweissbänder könne solche Teile sein, oder z.B. Tape (Schützendes Band um Finger oder Gelenke). Manche Torhüter brauchen nichts von all dem. Die Pulswärmer sind jedoch fast zum Standart geworden. Diese Teile der Ausrüstung könne oft auch als Werbegeschenke gratis an Unihockey-Events bezogen werden.

 

 

Meine Ausrüstung setzt sich wie folgt zusammen:

 

Torhüter Oberteil: Unihoc-Phantom Preis: 250.-

Torhüter Hosen: Unihoc-Phantom Preis: 450.-

Brustpanzer: Interhockey Preis: 100.-

Helm: Unihoc Preis: 179.-

Knieschoner: Rehband Preis: 150.-

Tiefschutz: Eplex Preis: 30.-

Schuhe: Puma-Hallenschuh Preis: 60.-

Zubehör: Unihoc-Pulswärmer Preis: 15.-

Gesamt: 1225.-

Sie sehen es. Es ist wohl nicht einfach dieses Geld einfach so aufzutreiben. Wohl helfen die Eltern dabei, aber zahlen Sie einfach so über tausend Franken?? Ich habe mir meine Ausrüstung selber kaufen müssen.

 

 

 

 

Im Training

Nun folgt das nächste Problem. Wenn ich ins Training fahre, brauche ich eine riesen Tasche. Die Ausrüstung, das Trinken, einfach alles muss da rein. Im Bus ist es umständlich mit so einem Gepäck. Ich habe Mitspieler (Feldspieler versteht sich) die sage, es würde sie nerven, immer dieses Bagage mitzuschleppen. Sie hätten es da einfacher: ein Stock, Turnschuhe und die Turnkleider.

Wenn ich dann endlich in der Garderobe angekommen bin, brauche ich logischerweise am meisten Zeit von allen, um meine Ausrüstung anzuziehen. Brauche am meisten Platzt was relativ mühsam ist, wenn man nur eine sehr kleine Garderobe zur Verfügung hat.

 

 

 

Schilderung eines Torhütertrainings

Es ist Mittwoch abends. Es steht wieder einmal Torhütertraining auf dem Programm. Ich habe mich schon die ganze Zeit auf diesen Tag gefreut. In der Garderobe geht es wie immer laut zu und her. Meine Feldspielerkollegen nehmen die ganze Sache nicht so sonderlich ernst. Wenn die wüsten... Ich studiere über meine Leistungen in den letzten zwei Trainings nach. Ich weiss noch ganz genau wie es war letzten Freitag. Da war ein sogenanntes Spieltraining. Es war eines meiner besten je gezeigten Trainings. Über 45min blieb ich ohne Gegentor gegen unsere erste Mannschaft bei der Ballkünstler wie etwa Janne Aaltonen (6 Jahre 1.Division in Finnland, zweitbeste Liga der Welt) spielten. Nun kann ich diese Leistung auch heute wieder zeigen? Ich fühlte mich in der Kabine fit. Die Einstellung im Kopf für ein "perfektes Training" war da. Beim Einspielen kamen einige Spieler zu mir und scherzten nur, dass ich heute wieder so halten müsse wie letztes mal. Nun jetzt lastet schon ein kleiner Druck auf mir. Ich beendete meine Einwärmübungen. Beim anschliessenden Einschiessen klappte nichts. Jede menge Bälle fanden den Weg an meinen Händen und Beinen vorbei ins Netz. Schon waren leise Unzufriedenheiten zu hören. Nun stieg meine Nervosität. Ich kann doch nicht so schlecht spielen sagte ich mir immer und immer wieder. Nun begannen die ersten Übungen für uns Torhüter. Es waren zuerst einfache kleine Schuss – Pass - Schuss – Kombinationen. Die Oberschenkel beginnen ein erstes mal zu brennen. Das heisst unter extremer Belastung bekommt der Muskel zu wenig Sauerstoff und somit zu wenig Blut. Meine Einsatzzeit beträgt etwa 2-3 min. Danach kommt mein Torhüterkollege zum Einsatz. Mit einem Lächeln nehme ich zur Kenntnis, dass es ihm momentan auch nicht besser Läuft als mir. Und schon wieder muss ich meine Konzentration heraufschrauben, denn in wenigen Sekunden beginnt mein zweiter Intervall.

In der nächsten Übung geht es darum, das wir schnelle, effiziente Gegenstösse üben. Was braucht es, dass ein Konter erfolgreich abgeschlossen werden kann? Zuerst braucht es mal einen sehr präzisen, schnellen und sauberen Auswurf des Torhüters. Genau diese machen meine Goalikollegen grosse Probleme. Ich versuche im meine Technik beizubringen... aber es braucht halt seine Zeit, bis man eine gute Wurftechnik erlernt hat. Zu erst bekommt der Torhüter einen Pass vom eigenen Verteidiger. Dann folgt der so eminent wichtige Auswurf, auf die zwei von meinen Tor aus startenden Stürmer.

Wem spiele ich denn Ball? Links... Rechts... oder soll ich versuchen durch die Mitte denn Ball einem steil laufenden Angreifer zu spielen? Welche Angriffstaktik wählen die beiden wohl? Das sind alles Entscheidungen, die ich in sekundenschnelle zu treffen habe. Wenn ich die falsche Entscheidung treffe, ist der ganze Angriff vergebens und bei mir liegt die Schuld... Ein enormer Druck lastet auf mir. In meiner Ausrüstung ist es mittlerweile heiss geworden. Der Schweiss rinnt mir unter dem Helm über das ganze Gesicht. Auf dem Hallenboden sind erste Schweisstropfen zu sehen.

Der erste Auswurf: Er gelingt mir ausgezeichnet. Ich habe mich entschlossen, denn Ball via Bande zu spiele. Erstens lief "mein" Stürmer in diese Richtung und zweitens sah ich, dass der Verteidiger beim anderen Tor sehr weit nach vorne kam. Somit konnte ich ihn leicht "leerlaufen" lassen. Die folge war eine zwei gegen null Situation, dass heisst zwei Stürmer gegen null Verteidiger, also Zwei alleine gegen den Torhüter. Diese Angriffssituation "muss" ein Tor geben. Es ist eine von den 200%tigen Chancen. In diesem Angriff wurde das Tor auch wirklich getroffen. Diese Eindrücke bekam ich aber nur nebenbei mit. Weil die Übung vorsieht, dass das Selbe noch von der anderen Seite ausgeführt wird. Somit bleibt mir keine Ruhezeit. Nach dem Auswurf muss ich mich richtig positionieren und den Verteidiger auf meiner Seite eventuell dirigieren wo er zu stehen hat, um auf keinen Fall ein Tor zu kassieren.

Im Verlauf dieser Übung steigerten wir Goalkeeper uns gegenseitig mit unfassbaren Paraden. Auf der "generischen" wie auch auf meiner Seite ging kaum ein Ball ins Netz. Ich dachte mir nur, dass Trainings in diesem Rahmen und mit dieser Leistung immer absolute spitze sind. Nun mit der Zeit geht diese Trainingsform an die Kondition und an die Kraft. Das stetige Auswerfen des Balles. Immer wieder Aufstehen für den Auswurf und dann sofort wieder in die Grundposition auf den Knien um den anrollenden Angriff abzuwehren. Der Arm fängt an zu schmerzen. Die Knie- und Oberschenkelmuskulatur fängt an zu kribbeln. Es ist als seien tausend Ameisen in den Beinen. Leichtes Brennen setzt ein. Dies jedoch merke ich nicht weil ich momentan einen riesen Lauf habe. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der jede Bewegung mühsam wird. Das Wasser läuft nur so unter der Maske hervor. Jetzt gilt es "zu beissen". Ich muss mich nun immer wieder selber antreiben. Ich darf keine Schwäche zeigen, denn der Goalikollege gegenüber zeigt auch keine Anzeichen von Schwäche. Es geht darum bei den Spielern eine Eindruck zu hinterlassen als sei eine Wand ("ball wall" siehe Bild oben) hinter ihnen. Eine Wand an der KEINE Bälle vorbeikommen. Dem Trainer zu zeigen, dass unter der Ausrüstung ein Typ mit unbändigem (Sieges-)Willen steck. Einer der ein Spiel mit seinen Paraden entscheiden kann. Einer der seine Mitspieler mit unglaublichem Einsatz mitreissen kann. Alle diese Sachen schiessen mir durch denn Kopf. Da, endlich die erlösende Pfeife des Trainers. Eine kurze Pause ist angesagt. Es ist viel Gesprächsstoff vorhanden. Unsere Paraden haben die Spieler fast zur Verzweiflung gebracht. Der Trainer ist erfreut, solch einen Kampfgeist seiner Torhüter zu sehe. Auch wir sprechen kurz miteinander. In den nächsten Übungen geht es wie von selbst. Wir beide haben einen fast schon unheimlichen Lauf. Wir haben das totale Flow-Gefühl.

Am ende eines solchen Goalkeepertrainings ist man meistens total ausgepumpt. In diesem Fall ging ich natürlich mit einem Lächeln nach Hause.

Warum?

Nun weisst du, ein so eminent wichtiges Goalitraining in etwa aussehen kann. Aber warum gibt es so viele Sonderlinge die lieber den Helm überstülpen als sich einen Stock zu fassen um damit Tore zu schiessen? Warum quält sich einer freiwillig auf seinen Knien herum? Warum zahlt er freiwillig so viel Geld um eine Torhüterausrüstung zu kaufen?

Ich habe dazu zuerst mal einige Torhüter befragt:

Mark Wolf: Alles oder Nichts

 

Als leidenschaftlicher Wettkampfmensch faszinierte mich seit jeher die Position des Torhüters. Für mich hat es nie eine Rolle gespielt ob Fussball, Handball oder Strassenhockey...Ich habe mich immer ins Tor gestellt. Ich liebe die Herausforderung Mann gegen Mann. Es gibt nur alles oder nichts. Geht er ins Tor, gibt es keine Ausrede. Doch wenn du ihn hälst hast du gewonnen und bist König für einen Augenblick. Mit Leidenschaft spiele ich Unihockey und die Faszination ist noch genau gleich gross wie vor 15 Jahren. Ich freue mich noch auf jedes Training, ich bin noch immer etwas nervös vor einem Spiel...Es ist mein Leben.

 

Sabine Forster: Warum bin ich Torhüterin?

 

Ich bin Torhüterin geworden, weil ich seit jeher schon immer, wenn ein Spiel gespielt würde mit Toren, im Tor stand und stehe. (Fussball, Handball, Unihockey etc.) Es erfüllt mich mehr, wenn ich Tore verhindern kann als welche zu schiessen. Spiel ich einmal zum Plausch als Feldspielerin mit, so fehlt mir nach wie vor etwas. Ich kann das Gefühl nicht recht beschreiben, doch es ist wie etwas unvollkommenes, wenn ich nicht als Torhüterin agiere. Das Torhüterinsein macht so riesen Spass, dass ich es immer noch bin und mit ganzer Leidenschaft auslebe. Mit voller Aggressivität kannst du als Torhüterin deine Mitspielerinnen im Training ärgern, wenn du einfach alles hälst, oder dann im Match zum Helden Werden und die Gegner zur Verzweiflung bringen. In solchen Situationen komme ich mir manchmal fast wie in einem Rauschzustand vor aus welchem ich durch die Schlusssirene geweckt werde. Als Gegenstück gibt es aber auch den sogenannten Sch...match, wenn irgendwie nichts gelingen will. Durch mentale Stärken musst du dich danach mit den positiven Erlebnissen wieder aufbauen. Denke immer daran, dass wir zusammen als Team gewinnen oder verlieren. Dies ist der Grund warum ich einen Teamsport betreibe und keinen Einzelsport.

 

Tagebucheintrag von Mark Wolf vom WM-1/2 Final 1998 in Prag:

Ich hatte schwere Beine und die rechte Schulter konnte ich, von den vielen Auswürfen, kaum mehr heben – aber ich hatte ein unglaublich gutes Gefühl. Ich wusste, dass wir gewinnen werden. Als ich beim Penaltyschiessen zum Tor lief, habe ich innerlich gejubelt.

Ich freute mich auf die grösste sportliche Herausforderung meiner Karriere. Ich war mir des Augenblicks und dessen Bedeutung bewusst. Alles ging unglaublich langsam und war plötzlich logisch. Ich verspürte keinen Druck und keine Hast. Der Ball war riesengross und das Tor hinter mir unendlich klein. Ich wusste, dass der Spieler heute keine Chance hat.

Interview mit Roger Lötscher

 

 

 

 

 

1.                Warum hast du es vorgezogen, ins Tor zu stehen und bis kein            Feldspieler geworden?

Torhüter zu sein, ist eine Leidenschaft. Ich liebe es auf Messerschneide zu tanzen. Hast Du ein Big Save, bist Du der Held für wenige Sekunden oder des Tages. Kassierst Du aber ein "Ei", bist Du der Loser.

Mich faszinierte das Tor schon immer. Bereits mit 6 Jahren stand ich jeden Abend und an den schulfreien Nachmittagen zwischen den Pfosten und versuchte beim Strassenhockey mein bestes zu geb
en.

 

  1. Wie bist du dazu gekommen?
  2. Mit 17 Jahren kam ich zum Unihockey. Für mich gab es nur eine Position, welche ich spielen wollte: Torhüter. Zuerst KF mit Stock, 2 Jahre 3. Liga und 2 Jahre 2. Liga. Dann wagte ich den Schritt in die höchste Spielklasse. Mit viel Motivation und enormem Ehrgeiz, lernte ich mich auf dem GF zurecht zu finden.
    Bereits nach 2 Monaten in meiner ersten NLA Saison konnte ich beim SV Wiler-Ersigen das erste Mal das Tor hüten. Es war ein wunderbares Gefühl!!! Heute noch freue ich mich wie ein kleines Kind auf jedes Spiel. Am meisten natürlich auf unsere Heimspiele um unseren Fans eine gute Partie zu bieten.

     

  3. Wie lange hast du dich auf den Knien herumgequält?
  4. 9 Jahre

    2 Jahre 3. Liga KF

    2 Jahre 2. Liga KF

    5 Jahre NLA

     

  5. Hast du diese Entscheidung je einmal bereut?
  6. Nein, nie und nimmer! Ich habe viel meiner (Frei-)zeit investiert. Habe auf viele Kollegen und viele schöne Zeiten wie Party’s und Feste verzichtet. Habe aber sehr viel dazu gelernt und dazu gewonnen. Um nur ein paar kleine Beispiele zu nennen: Teamgeist, Wille, sich Ziele setzten und alles daran setzten um Sie zu erreichen, im Mittelpunkt stehen und sich für wenige Sekunden als Star zu fühlen. Dies sind alles super Momente und Kompetenzen, welche ich erfahren und dazu lernen durfte. Ich denke in all meinen Charakterzüge wurde ich ebenfalls von meiner Sportlerkarriere geprägt.

     

     

  7. Bezeichnest du dich als Individualist?
  8. Ja und nein. Wenn Du in der Schweiz den Weg als Leistungs- oder Spitzensportler einschlägst, dann bist Du für die Andern ein Individualist. Da ich aber ein Teamsportler bin, denke ich dass ich doch viele Gemeinsamkeiten mit Anderen in meinem Alter habe. Ich als Torhüter aber bin wieder speziell im Team. Daher wieder Individualist... Du siehst also ich komme auf keinen Schluss. Mein persönliches Gefühl ist: Dass ich mich selbst bin und mich selbst auch in Zukunft bleiben werde. Ich bleibe als ein Individualist.... ;-) !!!

     

  9. Wie siehst du deine Position in der Mannschaft?

 

  1. Verspürst du Druck von den Mitspieler und Trainern?
  2. Von den Mitspielern nicht gross, denn jeder weiss, was der Andere kann und mehr verlangen wir untereinander auch nicht. Manchmal musste ich mich zwingen neuen Mitspielern von Anfang an auf dem Feld zu vertrauen.

    Von den Trainer verspürte ich schon Druck, mein Problem war, dass ich einziger Torhüter im Team war. Meine zwei Kollegen (Juniorenförderkader) wurden nie ganz vom Team akzeptiert und erhielten somit auch kein Vertrauen. Daher wusste ich, dass ich immer parat sein musste um in jedem Spiel mein bestes zu geben.

     

  3. Fühlst du dich "anders"? Wenn ja warum? (Wie es der liebe Mark so schön erzählt)
  4. Ja, ich tauche vor einem Spiel oder auch in gewissen Trainings in eine andere Welt ab. Ich kann mich mental voll auf einen Gegner oder ein Spiel einstellen. Da sind Zuschauer wie Bandenwerbungen, welche du nicht mehr beachtest. Es ist wie ein Glücksgefühl, ja vielleicht sogar eine Droge. Probier es aus und Du wirst es selbst erfahren!!!!

     

  5. Kennst du andere Torhüter, die dir speziell gefallen?
  6. Ja ich habe mit einigen Torhütern Kontakt um mich natürlich auch weiterzuentwickeln.

    Mark Wolf ist der bekannteste aber nicht der Beste. Er hat alles gemacht um sich zu steigern und einfach besser zu werden. Ihm selber fehlt aber noch eine gewisse Portion Talent. Ist aber einer der zwei besten Torhüter der Schweiz.

    Reto Ryffel gefällt mir am besten, ist in meinen Augen der beste TH der Schweiz. Hat viel Talent, muss daher wenig an sich arbeiten.

    Roger Tönz ist eine mega Schlaftablette mit einem super Stellungsspiel und kann seinen Körper gut einsetzen

     

  7. Warum?

Meinungsaustausch, Konkurrenz (Psychokrieg)!!

 

11. Kannst du dich mit Goalkeeper anderer Sportarten vergleichen?

Ich habe früher immer Vorbilder in diversen Sportarten gehabt. Heute kann ich sagen, dass Martin Gerber wahrscheinlich die gleichen Schritte wie ich gemacht hat. Er hat mehr investiert und länger durchgehalten, daher ist er heute weiter als ich. Aber auch er hat viele schwere Steine in seiner Laufbahn beseitigt.

 

 

® Die Texte von Mark Wolf und Sabine Forster stammen vonder Hompage:

http://mypage.bluewin.ch/flupi

Torhüter sind Anders

Torhüter sind spezielle Menschen und spezielle Menschen verfolgen spezielle Ziele. Er will nicht Tore schiessen. Er will nicht durch Tore zum Star werden sondern er will eben durch "keine Tore" zum King aufsteigen. Er sucht immer wieder den schmalen Grat des Erfolges, des absoluten Flow-Gefühl. Er sucht den enormen Druck, der auf einem Torhüter lastet. Ein kleiner Fehler eines jeden Goalkeepers bedeutet in fast 100% aller Fälle ein Gegentor. Wenn ein Stürmer einen Fehler begeht bzw. er vergibt eine klare Torchance, dann hat das nur einen Ballverlust zur Folge und die Zuschauer meinen dann immer: "Ja der Junge, der nächste Schuss ist dann bestimmt ein Tor!" Bei uns Torhütern heisst es dann schnell einmal, bööö raus mit ihm oder mensch der Typ da im Kasten taugt ja gar nichts! Wenn man die Anzahl vergebenen, klaren Chancen eines Stürmer zur Anzahl Torhüterfehlern, die zu einem Tor geführt haben, stellen würde käme man auf ein Verhältnis von etwa 20:1. Aber leider ist halt der Fehler eines Goalkeepers viel offensichtlicher als der eines Feldspielers. Die Aussagen kommen auch davon, dass eine Mannschaft aus 50% Spieler und aus 50% Torhüter besteht. Mit einem "schlechten" Torhüter gewinnst du nie einen Pokal.

 

Erfolgsdruck

Auf uns lastet ein enormer Druck, der in gewissen Zeiten wirklich schwer zu ertragen ist. Ich selbst habe ihn auch schon gespürt. Bei uns ging es aber lediglich um den Aufstieg von der 3 höchsten in die 2 höchste Juniorenliga der Schweiz . Ich habe in den Trainings und im Alltag vor denn Aufstiegsplayoff‘s immer mehr den Druck von Mitspieler und anderen Mitmenschen zu spüren begonnen. Da hiess es immer wieder, dass ich dann ja keinen Fehler machen; dass ich einen guten Match spielen müsse. Nun in meinem Fall verlief das noch sehr gut. Es hat mich wohl mental ein bisschen aufgebaut. Im ersten Spiel noch auf der Bank, holte ich mir im zweiten und entscheidenden Spiel die Auszeichnung als bester Spieler meines Teams. Nun wir wissen ja alle nur zu gut, dass Erfolgsdruck manchmal "tödlich" sein kann.

Ein gutes Beispiel liefert wohl der diesjährige Stanley-Cup Halbfinal zwischen dem Titelverteidiger Colorado Avalanche (Club des Schweizer Torhüters David Aebischer) und den Detroit Red Wings. Im siebten und alles entscheidenden Spiel. Die beiden Torhüter hiessen Patrick Roy (Colorado) und Dominik Hasek (Detroit). Es sind wohl die zwei besten Eishockeytorhüter der Welt. Der Druck von den Geldgebern und Medien, den Fans und Verantwortlichen ist riesen gross. Ich kann mir das schon gar nicht mehr vorstellen. Jedenfalls hat Roy im Entscheidungsspiel eine miserable Partie abgeliefert. Nach 27 Minuten, 10 abgewehrten Schüssen und 6 Gegentoren wurde er ausgewechselt. Er hat nun den schmalen Grat verfehlt. Er war nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sein Saisonabgang war der eines Loosers.

Psychologische Kriegsführung

Um nicht als Looser und Verlierer vom Platz gehen zu müssen, unternehmen die Torhüter alles. Es ist eine Riesen Schmach, ein Spiel verloren zu haben und wenn man genau weis, dass es an einem selber gelegen hat. Ein wichtiger Teil für einen Sieg ist das psychologische Geplänkel vor und während dem Spiel. Es ist möglich, dass genau dieses kleine "Kampfmittel" das entscheidende Zünglein an der Wage ist. Wie wir wissen können Kleinigkeiten in entscheidenden Momenten eine sehr wichtige Rolle spielen.

 

Vergleich mit dem Tennis

Stefan Edberg sagte einmal nach einem verlorenem Wimbledon-Final: "Ich habe das Spiel bereits vor dem ersten Ballwechsel verloren! Als der Stadionsprecher beim Einlauf meine Erfolge herunterlas, war er nach etwa 15 sek fertig.

Alls jedoch die Erfolge meines Gegners Aufgezählt wurden, dauerte das eine Ewigkeit!"

Psychologie bei der Ausrüstung

Manche Torhüter benützen extrem auffällige Ausrüstungsgegenstände. Zum Beispiel ein leuchtgelbes Oberteil. Die Idee dahinter ist, dass der Spieler beim schnellen Blick vor dem Schuss auf das Auffälligste schauen. In dem Fall wäre es das leuchtfarbene Oberteil. Man schiesst ja bekanntlich dorthin, wo der Blick hinfällt. Nun in diesem Fall wäre der Ball sicher nicht ins Tor.

Diese Theorie ist leider in der Praxis nicht immer ganz so einfach. Sonst müsste man ja nur mit einem leuchtfarbenen Ausrüstungsgegenstand ins Tor stehen und schon wäre die Sache geritzt. Das wäre ein bisschen zu einfach.

Andere versuchen mit farbigen Schuhen im Tor zu bestehen. Die Idee ist die gleiche wie bei der Kleidung. Diese "Kleinkampfmittel" nützen nur bedingt. Manche sagen, wenn du daran glaubst, dann helfen sie...

Psychologie beim Auftreten

Viel mehr bringen Kleinigkeiten beim Auftreten. Klar haben Gegner schon mal mehr Respekt, wenn vor ihnen ein 1.90m Kraftmaschien steht als ein "kleines Würstchen". Ein Torhüter mit stattlichen Massen hat schon den Vorteil, dass er mehr Fläche vom Tor abdeckt als Kleinere. Da denken gegnerische Stürmer schon zweimal nach, wo sie nun hinschiessen sollen. Diesen kleinen Zeitraum genügt vielleicht schon, um die richtige Bewegung zu machen. Torhüter die sich auf dem Spielfeld hörbar machen, d.h. solche die beim Aufwärmen herumkomandieren oder solche die während des Spiels die eigenen Spieler dirigiert hinterlässt beim Gegner schon gewisse Achtung. Ein wichtiges Element ist auch, dass du nicht schüchtern herumläufst. Da musst du so tun, als seist du schon vor dem Spiel der King. Du musst äusserst provokativ wirken um Erfolgreich zu sein. So werden die Spieler des Gegners nur wütend. Ich habe noch nie eine wütende Mannschaft gesehen, die einen Sieg davon getragen hat. In meinem Fall kann ich sagen, dass ich manchmal sehr provokativ tue. Wenn ich mich selber sehen würde, würde ich mich einen total arroganten Typ finden. Aber das ist gut so. Wenn zum Beispiel Zuschauer wütend werden über mich, baut es mich mental auf. Ich kann ihnen dann mit jeder Parade weh tun und sie werden noch wütender... bis es dann vielleicht zu Aussprüchen kommt wie: "das A... hält aber wirklich alles!" oder "kann dieser Idiot da im Tor nicht einmal einen Ball durchlassen?!" Für mich sind diese verbalen Attacken wie pures Doping!

Solche Mätzchen helfen enorm um das Flow-Gefühl zu erreichen.

 

 

 

 

 

Schlusswort

Wenn man in meiner Arbeit ein wenig zwischen den Zeilen liest, stellt man schnell fest, dass dieser Text nicht von irgend einem 0815-Schreiber stammt. Wie ich schon in meiner Arbeit kurz erwähnt habe, lebe ich für diesen Sport. Ich liebe es im Tor zu stehen. Jedoch bin ich nicht der Typ, der in jedem und allem im Tor zu finden ist. Ich selber spiele jetzt neu beim aktuellen-4-fachen Juniorenmeister SV Wiler-Ersigen. Angefangen habe ich als B-Junior bei unserem Dorfclub Red Sharks Wangen. Dort habe ich zwei Saisons B-Junioren und eine Saison A-Junioren gespielt. Letzte Saison habe ich dann zum UHC StaWi-Olten gewechselt. Mit der Oltner Elite C Mannschaft habe ich letzten April den Aufstieg in die Stärkeklasse B geschafft.

Momentan betreibe ich einen sehr grossen Aufwand für mein Hobby. Ich trainiere zwischen drei- und viermal in der Woche. Die Trainings finden aber nicht bei mir zu hause statt, sondern in Zuchwil bei Solothurn. Ich habe jedes mal zirka eine halbe Stunde, um im Training zu sein. Mit der momentanen Schulbelastung zusammen bleibt mir keine Zeit für irgendwelche andere Tätigkeiten ausserhalb dieser beiden Arbeiten. Im der Meisterschaftszeit ist es dann auch nicht mehr möglich wie bis anhin in den Ausgang zu gehen. Es braucht schon einen starken Willen um diese Belastung auf sich zu nehmen. Aber das ist der Preis für meine Ziele. Einmal wird es langweilig, das Flow-Gefühl immer auf der gleichen Stufe zu erleben. Da müssen dann mit der Zeit immer höhere Ziele anvisiert werden.

In meiner Arbeit habe ich, wie es ja die Aufgabe war, sehr viel alleine geschrieben. Dieser Text stammt aus meinem Kopf von meiner Erfahrung. Daher findet der Leser auch nicht wie gewohnt viele Quellenangaben, ausser ich würde unter Quelle meine Trainings- und Spielerfahrung hin schreiben.

 

FLOORBALL IS LIFE, THE REST IS JUST DETAIL



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