Zeitungsausschnitte vom 18.01.2002

Welch ein Rauschebart

Von Volker Thamm
Diez. Als Nikolaus macht er in heimischen Gefilden seit Jahren Furore. Der Unterschied zu seinen Kollegen: Sein Bart ist echt. Ein wahrer Rauschebart. Ein Prachtstück. So prächtig, dass er selbst schon Wettbewerbe damit gewonnen hat. Und immer wieder für Filmrollen herhalten muss. Und als Nikolaus. Und alles wegen jenes prächtigen Bartes. Udo Bläß, der 1999 bei der Bartweltmeisterschaft in Schweden Dritter wurde, trägt seinen Bart aus Überzeugung. Sein Bart ist sein Markenzeichen. Und ein Stückchen Lebensphilosophie. Denn der Bart macht berühmt. Die Leute auf der Straße bleiben stehen und staunen. Einige heben heimlich die Kamera und lichten ihn ab. Andere wollen einfach mal graulen oder mal daran ziehen.  Im Schwimmbad wurde Udo Bläß von einem ausländischen Mädchen angesprochen, das fragte: „Bist du der Weihnachtsmann? Kommst du auch zu ausländischen Kindern?“ Bei einem Urlaub in Seefeld wurde er willkommen geheißen als „Weihnachtsmann im Sommer“. So bietet der Bart immer wie!
der Gesprächsstoff. „Man lernt viele Leute kennen“, freut sich Udo Bläß, der hauptberuflich als Staplerfahrer in Limburg-Staffel tätig ist und seit dem 1. Dezember mit seiner Familie in Dörnberg-Hütte lebt, zuvor zwei Jahre in Heistenbach.  Udo Bläß stammt aus Stralsund, seine Frau aus Limburg-Eschhofen.  Seine Frau hat sich längst an den Bart gewöhnt, und die Kinder ohnehin.  Fremde Kinder halten ihn immer wieder für den Nikolaus. Hin und wieder wird er auch mal Käpt\'n Blaubart gerufen. Der Bart, der in der heimischen Region und darüber hinaus für so viel Aufsehen sorgt, ist 74 Zentimeter lang. Gemessen wird der Bart von Bartspitze zu Bartspitze. Zum Messen werden die Barthaare in der Mitte geteilt und nach links und rechts gehalten. Die reine Länge ist dann eigentlich nur 37 Zentimeter.  Der Bart von Udo Bläß, !
der sich innerhalb von sieben Jahren zu seiner jetzigen Pracht entfaltet hat, war zu Beginn schwarz, hat sich jetzt aber zu einem richtig grauen Nikolaus-Bart gemausert. Und so wurde er Nikolaus vom Dienst. Ob beim Diezer Weihnachtsmarkt, in der Altendiezer Fröbelschule oder in Freiendiez, in Gückingen, Oberursel oder Rösrath – ein solcher Nikolaus mit einem waschechten Rauschebart ist begehrt. Das Kostüm hat er übrigens von Thommi Ohrner bekommen. Da musste er ebenfalls den Nikolaus spielen und wurde mit einem Schlitten in Begleitung zweier hübscher Nikoläusinnen ins Studio gefahren. Beim Hessischen Rundfunk ist er als Komparse gemeldet, hat schon bei Kriminal- , Liebes-  und Werbefilmen mitgespielt.  Außerdem hat er an mehreren Meisterschaften im In-  und Ausland teilgenommen. Bei Frisurenpräsentationen stellte er seinen Attraktions-Bart zur Schau. Der dritte Platz bei der Weltmeisterschaft war sein bisher größter Erfolg mit seinem „Vollbart natur“. Der Versuch, mit insgesam!
t 22 Bartträgern ins Buch der Rekorde zu kommen, scheiterte an 34 Zentimetern. 1998 wurde sein Gesichtsbewuchs ausgezeichnet als „Bart des Jahres“. Und wenn Udo Bläß sonntags als Schiedsrichter auf den Fußballplatz geht, dann freuen sich auch die Spieler.  Ein solcher Bart erfordert viel Pflege, muss nahezu täglich gewaschen werden. Hin und wieder schneidet er die Spitzen ab, wie auch an seinen langen Haaren. Udo Bläß pflegt seinen Bart weiter. Der 47-Jährige wird weiter von Meisterschaft zu Meisterschaft reisen, bei Rundfunk-  und Fernsehsendungen mitwirken und bei Filmen mitspielen. Sein Traum ist die Teilnahme bei der Weltmeisterschaft 2003 in Las Vegas.

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Im Bartclub wird es nie langweilig

Diez. Udo Bläß, Träger des markantesten und erfolgreichsten Bartes der Region, ist Mitglied im Bartclub Marburg. Eine Zweigabteilung in der Diezer Region ist bisher nicht zustande gekommen, wird aber von Udo Bläß angestrebt.  Der Bartclub Marburg wurde am 1. Januar 1980 von sieben bärtigen Männern aus einer Stammtischlaune heraus gegründet, nimmt regelmäßig an nationalen und internationalen Meisterschaften teil und pflegt die Gemeinschaft. Im Raum Marburg ist der Verein, der mittlerweile rund 20 Mitglieder zählt, aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken, richtet Fußballpokalspiele aus und ist bei verschiedenen Veranstaltungen präsent, vor allem bei der Fastnacht.  „Es wird nie langweilig“, sagte der Vorsitzende Dieter Theis beim Neujahrstreffen der Bartträger in Dörnberg-Hütte. Dieter Theis hat übrigens ebenfalls einen prächtigen Bart, den er mit Lockenwicklern als Doppelschnecke zu einem wahren Kunstwerk gestaltet hat. „Freistil“ nennt sich so etwas. Bei Meiste!
rschaften gibt es drei Kategorien, Kinn-  und Backenbärte, Schnurrbärte und Vollbärte, und bei allen diverse Untergruppierungen wie zum Beispiel Verdioder Garibaldibart, Kaiser-Wilhelm-Bart oder ungarischer Schnurrbart.  Die Mitglieder des Bartclubs Marburg fahren mit Frauen und Freunden zu den Meisterschaften, zum Beispiel nach Norwegen, Schweden, Österreich oder in die Schweiz und erfreuen sich vor allem an der guten Kameradschaft. Im April geht es zum Barttreffen nach Olten/Schweiz, im Mai zur Deutschen Meisterschaft nach Mannheim. Trotz der guten Kontakte zu anderen Bartträgern besteht bei den Meisterschaften doch ein gewisser Ehrgeiz. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn, wie bei der Weltmeisterschaft geschehen, eine Friseurmeisterin in der Jury sitzt, die keine Vollbärte mag.  Die Mitglieder des Bartclubs – in Deutschland gibt es übrigens nur neun dieser Clubs – treffen sich jeden zweiten Sonntag in Marburg-Hermershausen.  Interessenten können sich wenden an den Vorsitzend!
en Heinz-Dieter Theis, Haddamshäuser Str.1, 35041 Marburg, & (06421) 31294, oder an Udo Bläß, Hütte 15, 56379 Dörnberg, & (06439) 909559. Außerdem gibt es eine eigene Homepage: www.bartclub-marburg.de.tf (tam)


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