Also auf dieser Seite werde ich Beiträge von Euch veröffentlichen:

 

30 Millionen ohne Staat
Die Kurden sind das größte Volk, dem das Recht auf Selbstbestimmung verweigert wird


 

Man schätzt das Volk der Kurden auf 25 bis 30 Millionen. Somit gibt es z.B. fast oder genau doppelt so viele Kurden wie Niederländer oder fünf- bis siebenmal so viele Kurden wie Norweger. Dennoch haben sie keinen eigenen Staat. Ihr Gebiet ist verteilt auf die Türkei, wo schätzungsweise 15 Millionen von ihnen leben, auf den Iran, den Irak und Syrien, einge von ihnen leben z.T. auch in Armenien und Georgien. Aber das sie keinen eigenen Staat haben, was für ein Volk dieser Größe außer Frage stehen müßte, ist leider nicht ihr einziges Problem. Dazu werden sie auch unterdrückt, sowohl kulturell als auch physisch. Besonders in der Türkei und im Irak muß das kurdische Volk viel erleiden. Im Irak gibt man ihnen zwar offiziell den Autonomiestatus, aber von Freiheit kann man keinesfalls sprechen. Man sollte auch nicht die Giftgasangriffe auf kurdische Zivilisten vergessen, die es unter der Herrschaft des Diktators Saddam Hussein, der immer noch an der Macht ist, gab.
Auch im Iran werden die Kurden seit der islamischen Revolution von 1979 massiv unterdrückt. man schätzt, daß im Iran zwischen 30000 und 50000 Kurden getötet wurden.
Aber auf dem Gebiet der Türkei, wo mindestens die Hälfte der Kurden leben, ist es für sie besonders schlimm. Es ist in der Türkei verboten, überhaupt von der Existenz des kurdischen Volkes zu sprechen. Die kurdische Sprache und Kultur wird vollkommen unterdrückt (dasselbe gilt auch für die Assyrer und Armenier) und wer sie dennoch pflegt und verteidigt, muß mit Repressalien durch den Polizei- und Justizapparat oder durch die zahlreichen Geheimdienste rechnen. Und wenn ihre Existenz nicht geleugnet wird, dann werden sie als minderwertiges Volk dargestellt. Nur mal ein groteskes Beispiel der kulturellen Unterdrückung: Die Abfolge der Farben auf der kurdischen Flagge entspricht der einer Ampel (rot - gelb - grün), aber in dem Teil Kurdistans, der auf dem Gebiet der Türkei liegt, ist das grüne Licht der Ampel durch blau ersetzt worden (!). Dies ist aber nur ein harmlsoes Beispiel.
Artikel 82 des  türksichen Parteiengesetzes schreibt folgendes vor:

Man darf

  1. nicht behaupten, daß auf dem Gebiet der Türkei Minderheiten bestehen, die auf Unterschieden der nationalen oder religiösen, in Konfession oder in Rasse oder Sprache beruhen; 
  2. nicht das Ziel verfolgen, durch Pflege, Entwicklung und Verbreitung anderer Sprachen und Kulturen als der türkischen Sprache und Kultur auf dem Gebiet der Republik Türkei Minderheiten zu schaffen und die Integrität der Nation zu zerstören oder in dieser Richtung aktiv zu sein...
     

Aber das System der Türkei versucht nicht nur, deren Kultur auszurotten, es unterdrückt sie auch physisch und unzählige Menschen sind schon gestorben, sowohl Kurden als auch Türken. Seit beginn der bewaffneten Auseinandersetzung im türkischen Teil Kurdistans sind schätzungsweise 30000 Menschen ums Leben gekommen, wobei nicht nur die türkische Armee, sondern auch die kurdische Arbeiterpartei PKK zahlreiche Menschenleben zu verantworten hat. Somit wird das kurdische Volk von zwei Seiten unter Druck gestzt, einerseits vom türkischen Staat, andererseits von der PKK. Der türkische Staat zwingt Menschen in kurdischen Dörfern, als Dorfschützer zu agieren. Wenn Sie dies - wie gesagt unter Zwang - tun, dann müssen Sie mit Repressalien von der PKK rechnen, somit geraten viele Kurden in eine Zwickmühle.
Nun aber zu den gegen die Kurden gerichteten Aktionen des türkischen Staates und seinen Organisationen und Paramilitärs. Neben der schon erwähnten massiven kulturellen Unterdrückung müssen viele Kurden, die sich auf dem Gebiet der Türkei für das kurdische Volk und deren Kultur  oder für einen Kurdenstaat stark machen und Menschenrechtler damit rechnen, inhaftiert, gefoltert oder gar (oftmals bestialisch) ermordert zu werden. Der türkische Staat bedient sich dabei der türkischen Armee (von den 850000 Angehörigen wrden allein 350000 in Kurdistan eingesetzt), den zahlreichen Geheimdiensten und Spezialeinheiten, aber auch der faschistsichen Partei MHP und der radikalislamischen Hizbullah. Auch muß erwähnt werden, daß im türkischen Teil Kurdistans bisweilen 3428 Dörfer zerstört und zwangsgeräumt wurden. Von den ca. 10000 politischen Gefangenen in der Türkei sind die meistens ebenfalls Kurden. Auch kurdische Politker erleiden Repressalien durch den türksichen Staat und können zu Wahlen oft nicht antreten, weil sie inhaftiert sind.
Es ist aber auch ein großer Skandal, daß dies alles mit heimlicher Duldung durch die NATO-Staaten erfolgt. Wenn auch diese Staaten die Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Kurden öffentlich anprangern, so werden doch Angehörige der türkischen Geheimdienste in den NATO-Staaten ausgebildet und es wurden aus diesen Staaten Waffen in die Türkei geliefert.
Viele erschreckende Details zur Kurdenverfolgung, den Aktionen der türkischen Geheimdienste und den Organisationen, die zur Unterdrückung der Kurden vom türksichen Staat unterstützt werden sowie eine lange Liste mit den Namen tausender ermordeter Kurden findet man im Buch "Die Todesmaschinerie - Türkische Konterguerilla" von Selahattin Celik, der fünf seiner Familienanghörigen durch den türkischen Apparat verloren hat.
Man kann nicht vorhersagen, wann es und ob es überhaupt je einen Kurdenstaat geben wird. Aber einem Volk dieser Größe steht ein eigener, souveränder Staat zu. Nur so wäre es ihnen möglich, in Frieden zu leben und ihre Kultur pflegen zu können. Historisch gesehen sind die Kurden im vorderen Orient eines der ältesten Völker, das sich dort schon wesentlich länger aufhält als z.B. die Türken, die ursprünglich aus dem Gebiet der heutigen Mongolei stammten. .
Im Moment sieht es danach nicht auch, aber das kurdische Volk darf nicht verzweifeln und vielleicht erfüllt sich eines Tages der Traum von der Freiheit, von einem eigenen Staat. Vielleicht wird eines Tages Kurdistan als eigenständiges Land mit mit seinen Nationalmannschaften bei der Olympiade und der Fußballwelteisterschaft verteten sein. Momentan ist dies aber leider nur ein Traum, aber es ist ein Traum von Gerechtigkeit.
 

 

 

Buchbeschreibung: Die Todesmaschinerie – Türkische Konterguerilla

 

Der Journalist und Schriftsteller Selahattin Celik beschäftigt sich in seinem Buch „Die Todesmaschinerie – Türkische Konterguerilla“ ausführlich mit der Verfolgung der Kurden durch den türkischen Staat. Er selber hat schon zwei Geschwister und drei Cousins durch die Repression des türkischen Staats verloren. Das Buch hat er all denen gewidmet, die im Kampf um die nationale Befreiung des kurdischen Volkes, um Demokratie und um Menschlichkeit ihr Leben verloren haben. Die Wurzeln der massiven Unterdrückung der Kurden ortet Celik schon in der Zeit des Kemalismus, in der die Grundsteine für die zahlreichen Spezialorganisationen und Geheimdienste gelegt wurden. Schließlich sind es diese Organisationen, die den Kampf der Kurden um Selbstbestimmung und um ihre Rechte gewaltsam bekämpfen. Dazu gehören u.a. die Spezialkriegsabteilung, verschiedene Spezialeinheiten, der Gendarmeriegeheimdienst (JITEM), die politische Polizei, der nationale Nachrichtendienst (MIT), die Spezialteams (Özel Tim), aber der türkische Staat bedient sich auch der faschistischen MHP und der radikalislamischen Hizbullah, um den Terror gegen die kurdische Bevölkerung auszuüben. Es wird auch thematisiert, daß kurdische Politiker so gut wie keine Möglichkeit haben, die Rechte für die kurdische Bevölkerung einzufordern, da auch sie Repressalien erleiden müssen.

Wie sieht diese Repression aus, die die kurdische Bevölkerung oder Menschenrechtler über sich ergehen lassen müssen? Es reicht von Haftstrafen über Folterungen, Vergewaltigungen bis hin zu Morden, die oftmals bestialisch sind. Schon tausende von Menschen mußten wegen ihrer kurdischen Herkunft oder weil sie für die Rechte der Kurden eingetreten sind ihr Leben lassen. Trauriger Beweis dieser Tatsache ist der Anhang dieses Buches, in dem die Namen unzähliger ermordeter Kurden aufgelistet sind, ebenso wie zahlreiche entvölkerte oder zerstörte kurdische Dörfer.

Neben der Praxis der türkischen Geheim- und Spezialorganisationen wird auch geschildert, wie der türkische Staat Kurden zur Unterdrückung ihrer eigenen Leute benutzt, u.a. durch das Dorfschützersystem. Viele Kurden werde dazu gezwungen, für das türkische System die Leute in ihrem Dorf zu überwachen. Genauso werden sogenannte Abschwörer, ehemalige kurdische Rebellen, die nun für den türkischen Staat arbeiten und nun selber an Repressalien gegen Kurden beteiligt sind, eingesetzt.

Die Auslandskontakte der türkischen Geheimorganisationen sind auch ein Thema in diesem Buch. Dabei wird auch ein großer Skandal ans Tageslicht gebracht, nämlich, daß die türkischen Geheimdienste durch die NATO-Staaten gedeckt und dort z.T., auch ausgebildet werden.

Nicht nur die Opfer, von denen unzählige im Anhang erwähnt werden, sndern auch einige Täter werden beim Namen genannt. Auch werden einzelne Fälle von Repressionen, in vielen Fällen Ermordungen, von kurdischen Politkern, Aktivisten oder Geschäftsleuten in diesem Buch genauer unter die Lupe genommen.

Auf insgesamt 487 Seiten schildert Celik die ganze grausame Wahrheit über die Kurdenverfolgung durch die Türkei, die durchaus die Dimension eines Völkermordes annimmt.


von Johannes Hofmeister
 

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