Tierfriedhof Katzenbachtal

Versteckte Idylle am Knausbiraweg

Von Dietrich Hiller / Agnes Itasse (Interview)

Die Einrichtung liegt absolut ruhig, obwohl die B10 und das Neckartal in Sichtweite sind und die Entfernung zur verkehrsreichen Kirchheimer Strasse oben nach Luftlinienmessung etwa einen halben Kilometer betragen dürfte. Die Einrichtung liegt etwa 295 Meter über Meereshöhe, tief unterhalb von Heumaden (Kirche etwa 410 Meter üNN). Die Einrichtung ist verkehrstechnisch sehr schlecht erschlossen, nicht zuletzt, weil sie in keinem Stadtplan eingezeichnet ist. Die Einrichtung liegt wie schon gesagt, absolut ruhig. Idyllisch an Bach und Waldesrand gelegen, da, wo im Stadtplan keine Strassennamen mehr auftauchen, sondern uralte Gewand- oder Waldreviernamen: Katzenbach, Sachsenrain, Heiligenbach, Heiligenwiesen, Hintere Weinberge, Weiler Spitz, Salzlöchle, Steinklinge. Die Einrichtung liegt also da, wo sich Fux und Has (wie man so treffend sagt) noch Gute Nacht sagen können. Oder da, wo der Hedelfingen-Rundwanderweg "Knausbiraweg" den Waldbereich tangiert. Die Einrichtung ist recht ordentlich angelegt und von einem properen Zaun umfriedet, teilweise Maschendraht; auf dem Grundstück befindet sich nur ein kleiner Geräteschuppen. Die Einrichtung liegt an der Markungsgrenze zwischen Heumaden und Hedelfingen. Was das für eine geheimnisvolle Einrichtung ist? Einer der wenigen Tierfriedhöfe in Deutschland. Der Sillenbucher Bezirksbeirat hat kürzlich sein Plazet dazu gegeben, dass die Einrichtung weiter betrieben werden kann. Im Amtsdeutsch heisst die Einrichtung allerdings nicht Tierfriedhof, sondern Tiervergrabungsplatz. Diese sind den Regularien des Tierkörperbeseitigungsgesetzes unterworfen. Der Zulassungsbescheid vom 12.12.1995, ausgestellt von Stuttgarts Amt für öffentliche Ordnung und gerichtet an den Friedhofbetreiber (Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.) beschränkt die Nutzung auf Bestattung von Hunde und Katzen (was z.B. die Beseitigung von Rindern ausschliesst). Kranke oder seuchenverdächtige Tiere dürfen nicht vergraben werden, vergrabene Körper müssen von einer Erdschicht mindestens 50 cm stark bedeckt sein, angelieferte Tierkörper seien unverzüglich zu vergraben; eine "mit Tierkörpern belegte Grube darf nicht vor Ablauf von sieben Jahren wieder neu belegt werden", heißt es in Auflage Nummer 5. Ziffer 6 bestimmt, dass der Vergrabungsplatz stets so sicher eingefriedet sein muss, dass ihn Hunde oder Katzen nicht betreten können. Zumindest letztere Auflage scheint mustergültig erfüllt, denn der Tierfriedhof im Katzenbachtal ist nur mit einem Schlüssel zu betreten, der vom Betreuer in Hedelfingen an Vereinsmitglieder (nur diese können ihre verstorbenen Lieblinge dort bestatten) ausgehändigt wird. Der Friedhof ist somit viel besser gesichert als Menschenfriedhöfe im District. Tiere sind bekanntlich Sachen, für die auch Gesetze gelten und deren Sprachterminologien. Ein kleiner Internetversuch unter dem Suchbegriff "Tierfriedhof" ergab, dass der Heumäder Tiederfriedhof nicht mehr der einzige ist in Stuttgart. Eine privater Betreiber hat offenbar auf kommerzieller Basis in Stuttgart-Fasananenhof einen gegen Entgelt öffentlich nutzbaren Tierfriedhof angelegt, auf dem auch andere Kleintiere bestattet werden können. Laut Internet-Gebührentabelle kommen da recht stattliche Beträge zusammen für eine Tierbestattung. Im Internet werden auch schon virtuelle Bestattungen von Tierlieblingen angeboten, mit Lieblingsbild und so weiter. "Ich kann meinen Tobi einfach net vergessen", erzählt die Frau mit Tränen in den Augen, deren Hund hier auf dem Tierfriedhof Heumaden begraben liegt. Er ist vor zwei Jahren gestorben, aber sie und ihr Mann kommen regelmäßig her, schmücken das Grab mit frischen Blumen und erinnern sich gemeinsam an ihren Wegbegleiter. "Der Tobi hat einfach alles gespürt. Wenn es einem schlecht ging, dann war er einfach der beste Tröster - er war unser Sonnenschein. Und als er dann gestorben ist, wollten wir ihm eine schöne Ruhestätte bereiten." Was man auch wirklich gesehen hat: ein Grabstein in Herzform, viele frische Blumen und angezündete Kerzen. "Wir haben gehört, dass der Friedhof vielleicht geschlossen wird, aber das können wir gar nicht verstehen", erzählt sie weiter. Ihr Mann bekräftigt sie: "Wen stört der Friedhof denn? Was wollen die denn mit dem Grundstück hier im Tal anfangen?" Sie ist dann noch etwas in Rage geraten und meinte: "Wer den Tierle dieses Grab net gönnt, der hat einfach noch nie eines geliebt." Und: "Wer die Natur und die Tierle net respektiert, der kann doch auch keinen Respekt vor Menschen haben". Die Tierfreunde können beruhigt werden: wenn nicht Aussergewöhnliches eintritt, wird die Genehmigung für den Heumäder Tierfriedhof im Katzenbachtal verlängert. Über Motive von Leuten, die den Tierfriedhof nutzen, hat Brigitte Jähnigen für die "Sillenbucher Rundschau" 1993 einen sehr einfühlsamen Artikel geschrieben, der inzwischen im Web nachlesbar ist unter der Adresse http://www.beepworld.de/members4/93sr35j und auch dieser Artikel wird im Web nachlesbar sein unter der Adresse /tierfr. An beiden Artikeln kann man sehen, mit welch unterschiedlichen Ergebnissen zum selben Thema geschrieben werden kann. Dietrich Hiller / Agnes Itasse (Interview)
Der Beitrag ist erschienen im Sillenbucher "Blättle" (Nussbaum-Medien) am 02. März 2001 und wurde in diese Webseite eingestellt am selben Tag. Verantwortlich für den Beitrag ist der genannte Verfasser. "Blättle"-Texte werden in SILLFORUM-Webseiten in der Version eingestellt, die der Autor an die Redaktion geschickt hat. Redaktionelle Überarbeitungen (Kürzungen aus Platzgründen oder Korrekturen) können zu (geringfügigen) Unterschieden von Print- und Internetversion führen.

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