Die Suche, Das erste Gespräch und Das erste Treffen

 

Die Suche:

 

Stand: 10. Mai 2003

 

Hier möchte ich einmal meine Geschichte erzählen, wie ich mich auf die Suche nach meinen leiblichen Eltern begeben habe...

Im Sommer 2002 ließ mein Vater mich in meine Adoptionsakte schauen, die er eigentlich gar nicht hätte haben dürfen, die ihm aber durch ein Versehen zugeschickt wurde.

 

Aus dieser Akte erfuhr ich meinen richtigen Namen, Susanne, und den Namen und Geburtsort meiner leiblichen Mutter.

Über meinen leiblichen Vater stand nichts drin, denn ich bin scheinehelich geboren. Das heißt, meine Mutter war zwar verheiratet, als ich geboren wurde, aber ihr damaliger Ehemann ist nicht mein leiblicher Vater. Mein Nachname, so wie er in der Akte stand, hat also nichts mit meinem leiblichen Vater zu tun, deshalb habe ich auch in dieser Sache keinen einzigen Anhaltspunkt.

 

Da ich aber den Mädchennamen und den Geburtsort meiner leiblichen Mutter wusste, schaute ich im Telefonbuch nach und ich wurde tatsächlich fündig. 3 Einträge waren dort verzeichnet. Zweimal dieselbe Nummer und eine Handynummer. Also rief ich direkt dort an und meldete mich mit falschem Namen. Ich nannte den Namen meiner leiblichen Mutter und fragte, ob sie zu sprechen sei. Die Frau am anderen Ende der Leitung sagte mir, dass sie nicht mehr hier wohne, dass sie in **** wohne, 3 Kinder hätte und verheiratet wäre. Sie fragte mich, ob sie mir die Telefonnummer geben solle, da sagte ich natürlich nicht nein. Sie sagte mir noch, dass ich dort so gegen 6 anrufen sollte, da sie bis 6 arbeiten wäre.

Ich rief trotzdem direkt dort an und bekam auch eine Frau ans Telefon. Von der Stimme her vermute ich, dass es meine leibliche Mutter war. Ich sagte nur, dass ich mich verwählt hätte und legte auf.

An demselben Abend ging ich zu einer meiner besten Freundinnen und erzählte ihr die ganze Sache. Ihr Mann hatte auf seinem PC ein Programm., durch welches man anhand von Telefonnummer auch die Adresse rausfinden konnte. Also hatte ich innerhalb eines einzigen Tages die Telefonnummer meiner Großeltern, die Nummer und Adresse meiner leiblichen Mutter und noch ein paar andere Informationen herausgefunden. Als ich wieder nach Hause kam, habe ich mich direkt wieder hier an meinen PC gesetzt und im Internet über die Stadt gesucht, die die ältere Frau mir als den neuen Wohnort meiner leiblichen Mutter genannt hatte. Ich fand auch direkt eine Karte.

 

Weiter habe ich  persönlich in der Sache dann nichts mehr unternommen. Den Rest wollte ich übers Jugendamt laufen lassen, da auch meine Eltern nichts über meine Suche und über die Ergebnisse wussten.

Also stellte ich meine persönliche Suche erst mal auf Eis.

Im Oktober 2002 stellte meine Mutter dann einen Antrag beim Jugendamt, dass ich gerne meine leiblichen Eltern kennen lernen wollte.

Der Bearbeiter meinte, dass es kein guter Zeitpunkt wäre, da Weihnachten ja vor der Tür stand. Also haben wir auch da erst mal noch gewartet.

Ich bin schon ein bisschen enttäuscht vom Jugendamt, weil ich eigentlich von denen mehr erwartet hatte. Denn wir haben einige Zeit gewartet und nach 2 Monaten haben wir uns wieder bei ihnen gemeldet. Da hatten die aber immer noch nichts herausgefunden, sie waren also noch keinen Schritt weiter. Im April 2003, ein halbes Jahr, nach dem wir den Antrag beim Jugendamt gestellt hatten, riefen wir ein weiteres Mal beim Jugendamt an und dann  hieß es, man hätte einen Namen und das hätte alles so lange gedauert wegen den Archiven, Jaja....

Na ja, auf jeden Fall deckte sich der Name mit dem, den ich rausgefunden hatte, also lag ich richtig und hatte sie wirklich gefunden.

Jetzt im Mai 2003, nachdem wir weitere Male dort angerufen hatten, hatte der Bearbeiter auch endlich Adresse und Telefonnummer, die er durch das Einwohnermeldeamt bekommen hatte. Er hatte schon ein paar mal versucht dort anzurufen, doch es lief immer nur der Anrufbeantworter. Also hatte er einen Brief geschrieben, in dem nichts direktes Stand, nur, dass sie sich doch bitte mal melden sollte.

 

Heute ist der 10. Mai und in 8 Tagen habe ich Geburtstag. Dann werde ich 19.  Ob die Leute vom Jugendamt bis dahin eine Antwort bekommen haben? Ob sie weiß, warum dieser Brief geschrieben wurde? Ob sie sich wohl überhaupt dort meldet??

 

Hat sie wohl darauf gewartet, dass ich endlich anfange sie zu suchen??

Oder hat sie mich schon vergessen? Sie scheint ja jetzt ein gutes Leben zu führen, mit Ehemann, Arbeit und 3 Kindern.... vielleicht denkt sie, ich passe da nicht rein, vielleicht will sie ihre Vergangenheit einfach vergessen und will nichts mehr mit mir zu tun haben...

Vielleicht hofft sie ja auch, ich würde gar nicht suchen.....

Wie sie wohl ist?? Ob sie sich freut von mir zu hören??

 

All diese Fragen spuken jetzt in meinem Kopf und ich werde sie einfach nicht los... sie verfolgen mich Tag und Nacht und ich kann kaum noch an etwas anderes denken.

 

Wie die Sache wohl ausgeht?

 

Ich habe solche Angst, dass sie nein sagt... ich weiß nicht, was ich dann tun soll!!

 

 

Stand: 01. Juni 2003

 

Also, ich muss hier jetzt mal ein paar Worte über das Jugendamt loswerden.

Ich finde es ist echt eine Unverschämtheit, was das Jugendamt sich manchmal leistet.

 

Im Oktober 2002 wurde von uns der Antrag beim Jugendamt gestellt, dass ich gerne meine leiblichen Eltern kennen lernen möchte. Ende Mai, also 8 Monate später, kam dann eine Absage vom Jugendamt. Der Bearbeiter meinte, dass sie keine Person finden könnten, die auf die Beschreibung passt. Das hat mich total getroffen, da ich dachte, sie (meine leibliche Mutter) hätte sich nicht melden wollen. Der Bearbeiter und ich, wir hatten denselben Nachnahmen raus, deshalb dachte ich, dass jetzt bald endlich mal ein Ergebnis vorliegen müsse.

Nachdem die Absage des Jugendamtes kam, habe ich die Sache wieder selbst in die Hand genommen. Freitags kam die Absage, Samstag habe ich selbst bei meiner leiblichen Mutter angerufen.

 

Das Gespräch

 

Ich möchte hier nicht viele Einzelheiten über dieses Gespräch aufschreiben, weil es wirklich sehr persönlich ist.

Aber ich kann sagen, dass es wirklich gut verlaufen ist. Sie hat sich total gefreut, dass ich mich gemeldet habe, wollte auch meine Telefonnummer haben. Wir haben ein bisschen geplaudert und uns über die Hintergründe der Adoption unterhalten. Sie hat mir von meinen Geschwistern erzählt, von ihrer Familie und hat mich gefragt, wie es mir denn so ergangen sei. Sie war total erleichtert, als sie hörte, dass ich in guten Händen bin.

Ich hab mich total gefreut, dass sie so cool reagiert hat. Ich hatte solche Angst, dass sie nein sagt. Ich bin so Happy, dass sie sich über meinen Anruf gefreut hat.

 

Jetzt sind wir so verblieben, dass wir Photos austauschen und sie sich dann meldet.

Ich warte jetzt auf einen Anruf oder einen Brief von ihr.

Bin mal gespannt wann sie sich meldet. Ein bisschen Angst habe ich ja schon, dass sie sich doch noch anders entscheidet. Der Hintergrund ist ein bisschen kompliziert.

 

Zusammenfassend ist noch über das Jugendamt zu sagen:

Ich bin echt enttäuscht!

Früher hatten wir eine total liebe Betreuerin, die uns auch besuchen kam und sich richtig lieb um uns gekümmert hat. Als sie dann vor Jahren starb hat sich niemand mehr um uns gekümmert. Bis dahin hatten wir eigentlich gute Erfahrungen mit dem Jugendamt. Bis dahin!

 

Ich finde es schon etwas seltsam, dass das Jugendamt sich ganze 6 Monate nicht meldet, nachdem man einen Antrag gestellt hat. 6 Monate! Wir bekamen nur "Auskunft", wenn wir uns selbst gemeldet hatten. Die Auskunft sah so aus, dass sie keinen Schritt weiter waren. Also, in nem halben Jahr sollte man doch schon mal zu einem Ergebnis gekommen sein. Von Beamten verlange und erwarte ich ja nicht viel, das ist ja im Allgemeinen bekannt, dass Beamte meist nicht die Schnellsten sind.

 

Aber vom Jugendamt hätte ich schon mehr erwartet, das ist schliesslich eine wichtige Arbeit die die da machen. Es geht um die Jugend, so gesehen auch um die Zukunft (der Bearbeiter). Das sind so oft sensible Themen und ich finde, man sollte auch sensibel damit umgehen.

Gerade in meinen Fall war das wichtig für mich und für die Therapie und ich finde es unverantwortlich so lange zu brauchen und dann kein Ergebnis vorweisen zu können. Mag sein, dass die Mittel des Jugendamtes beschränkt sind, dass ist wieder eine Klage an den ach so tollen Staat, aber trotzdem sollte man doch in der Lage sein, wenigstens ein bisschen schneller zu sein. 8 Monate auf ein Ergebnis zu warten ist die Hölle. Und dann keins zu bekommen ist noch schlimmer.

Ich bin echt stocksauer. Mir braucht keiner mehr mit dem Jugendamt zu kommen.

 

Vielleicht werde ich ja selbst Beamter beim Jugendamt. Vielleicht kann ich dann da ja mal was verändern, ich weiss schliesslich, wie das ist! Die meisten Beamten dort haben ja keine Ahnung und wahrscheinlich auch keinen Bock auf den Job. So sieht es zumindest für mich aus.

 

Stand: 06. Juni 2003

 

Diese Woche habe ich einen Brief von meiner Mutter bekommen. Dabei waren Fotos von meinen Geschwistern, von meinem Papa und natürlich auch von ihr selbst. Auch hat sie mir noch ein bisschen erklärt, warum sie mich damals weggab und auch, warum sie mit niemanden darüber geredet hatte. Ich weiss jetzt wer mein leiblicher Vater ist und ich habe auch noch 2 Halbgeschwister. Ich habe direkt auf den Brief geantwortet. Sie meinte auch, dass wir uns ja vielleicht mal sehen könnten, was mich total gefreut hat. Mal sehen, wie der Kontakt jetzt weiter hält.

 

 

Stand: 15. Juni 2003

 

Wir haben uns weiter Briefe geschrieben und E-Mails und haben miteinander telefoniert und uns SMS geschrieben.

Mein Vater und meine Geschwister wissen jetzt auch über mich Bescheid. Ich hab auch schon mit ihnen telefoniert und schreibe SMS mit ihnen. Mein Papa ist total stolz auf mich, der ist total aus dem Häuschen! Voll süß!

Die sind alle echt total lieb. Wir wollen jetzt mal sehen, ob wir uns am nächsten langen Wochenende treffen könnten. Das wäre so cool!!!

 

 

Das Treffen

 

Stand: 23. Juni 2003

 

Am Samstag den 21.06.2003 war es dann soweit. Nach weiteren Telefonaten, Briefen, E-Mails und SMS hatten wir ein Treffen ausgemacht. Wir trafen uns gegen 11 Uhr morgens in Neuwied vor dem Media Markt.

Am Abend vorher hatte ich noch mit meiner Mama telefoniert. Wir waren beide total aufgeregt und gespannt. Ich glaube, in der Nacht hat keiner von uns besonders lange und gut geschlafen. Ich war so was von aufgeregt. Mein Vater fuhr mit mir nach Neuwied und wir begrüßten uns erstmal herzlich. Nach der ersten Umarmung war die Aufregung dann auch verflogen und wir setzten uns zusammen mit meinem Papa in ein Café und haben uns erstmal 1 1/2 Stunden unterhalten. Dann fuhr mein Papa wieder Heim und wir hatten den Rest des Tages für uns. Wir sind nach Bad Hönningen gefahren, haben dort Pizza gegessen und sind danach noch was am Rhein spazieren gegangen. Wir haben uns total gut unterhalten, viel gelacht und viel Spaß gehabt. Wir wollten dann noch zu meinen Großeltern, Tanten und zu meinem Onkel fahren. Die wussten alle noch gar nichts von mir. Meine Mama hat dann da angerufen und gesagt, dass sie noch was mitbringen. Wir haben dann noch in Linz Kuchen geholt (da bin ich geboren) und sind dann zu meinen Verwandten gefahren.

Das war ein ganz schöner Schock für die. Die konnten das erst gar nicht richtig aufnehmen. Meine Oma war sehr geschockt und konnte die Entscheidung meiner Mama nicht verstehen. Ich habe meiner Mama dann beigestanden, da ich ihre Entscheidung für richtig halte. Wir haben uns dann ein bisschen unterhalten, zusammen Kuchen gegessen und sind dann zu meiner Tante Conny grillen gefahren.

Oma und Opa, Onkel Johannes mit seinen zwei Töchtern, Onkel Dietmar und Tante Ruth kamen später noch nach. Ich hab dann noch Tante Conny, Onkel Manfred, meine Cousine Andrea und meinen Cousin Markus kennen gelernt. So haben wir dann in einer großen Runde gegrillt und hatten viel Spaß. Als alle die neue Situation aufgenommen hatten, hatte sich der Schock auch gelegt. Ich konnte mich noch ein bisschen mit meiner Oma und mit meinem Opa unterhalten und hab von Tante Ruth und Onkel Dietmar noch ein Buch geschenkt bekommen, da ich ja noch nie ein Geburtstagsgeschenk von ihnen bekommen hatte :-) und Tante Conny hat mir eine große Rose geschenkt. Das war so lieb! Und ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte!!

 

Kurz nach 9 hat mein Vater mich dann am Rhein bei meiner Oma und meinem Opa wieder abgeholt.

 

Am liebsten hätte ich alle mitgenommen.

 

Das Treffen war einfach wunderschön. Ich so eine liebe Familie, so wie ich sie mir immer gewünscht habe. Wir hatten soviel Spaß miteinander und hatten so gute Gespräche, es war einfach toll! Und ich war total traurig, als ich wieder Heim musste.

Jetzt bin ich echt so glücklich!!!

 

Wir sind jetzt so verblieben, dass wir jetzt weiter mit Anrufen, Briefen, SMS und E-Mails in Kontakt bleiben. Und vielleicht, wenn meine Eltern es erlauben, kann ich ja auch meine Familie mal in den Sommerferien für ein paar Tage besuchen kommen.

Ich hab sie alle in der kurzen Zeit so lieb gewonnen und in mein Herz eingeschlossen.

Meine Mama sagte einmal, es ist so, als sei ich schon immer da gewesen, als ob ich nie von ihr getrennt gewesen wäre. Genau so geht es mir auch...

 

Wir haben auch viele Fotos gemacht und Manuel hatte auch eine Kamera dabei. Er hat ein bisschen gefilmt und hat mir auch einen Film von ihrem zu Hause gezeigt, den er extra für mich gemacht hatte.

 

 

Hier sind jetzt ein paar Fotos von mir und meiner Familie:

 

 

 

v.l.n.r.: Chrissy, Papa, meine Wenigkeit, Carolin, Mama und Manuel.

Und da sag mal einer, wir hätten keine Ähnlichkeit miteinander... :-)

 

 

 

Papa und ich.

 

 

 

Mama und ich.

 

Schön, oder?? :-)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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