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Remasterte Labelveröffentlichung mit neuem Cover - Veröffentlichung: 18.04.2005 Lost In The Deep Blue ist als der nahezu unirdische Traum eines großen Gitarristen und Komponisten beschrieben worden, der die elementaren Qualitäten der menschlichen Erfahrung und eines universellen Bewusstseins zum Ausdruck bringt. In US-Medien mit dem anspruchsvollsten Teil des amerikanischen Kulturerbes verglichen (Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Charles Mingus, Theolonius Monk, Sun Ra...), hat sich der deutsche Gitarrist Frank Gingeleit entschlossen, den „unbefleckten Underground“ zu verlassen, und seine neue CD einem Plattenlabel und damit einem etwas größeren Publikum anzubieten. Seine drei vorangegangenen CDs gab es ausschließlich als selbstproduzierte Privatveröffentlichungen, die ihm bei Hörern zeitgenössischer Avantgarde-Musik schnell einen Ruf in der Nähe der großen Namen in Ambient, Rock und experimenteller Elektronik eingebracht haben. Immer auch ein wenig abhängig von den Hörerfahrungen der Rezensenten fielen Namen wie Robert Fripp, Fred Frith, Brian Eno, Jean Michel Jarre, Vangelis, Can, Kraftwerk und Tangerine Dream, was Gingeleit schließlich davon überzeugte, dass er nicht mehr der Hobbymusiker war, für den er sich selbst lange hielt. Auch wenn er den „offiziellen Musikmarkt“ als Newcomer betritt, kann Gingeleit inzwischen auf eine lange Erfahrung im Mischen von Stilen, der Nutzung anspruchsvoller Aufnahmetechnik und insbesondere im Aufspüren rhythmischer, harmonischer und melodischer Zusammenhänge zurückblicken, die im besten Sinne „unerhört“ – weil nie zuvor so gehört – sind. Anknüpfend an die Avantgarde der Sechziger und Siebziger, gegründet auf die solide Aneignung von Blues, Rock, Funk und Fusion und konzeptionell von der unorthodoxen und unakademischen Herangehensweise an Musik im Stil der Fluxus-Bewegung um John Cage und Maurizio Kagel getragen, entstand eine ganz und gar eigenständige Musik fern vom aktuellen Eklektizismus des unterschiedslosen Zusammenschraubens von Stilen und Genres. Gingeleits instrumentale Mittel auf Lost In The Deep Blue sind die Gitarre und insbesondere der Gitarrensynthesizer, dessen Stimmen – Bass und Schlagzeug, Keyboard- und Effektsounds – das elektronisch erzeugte aber sehr natürlich klingende Gerüst der Kompositionen liefern. Der Sterilität und emotionalen Beliebigkeit des Mainstreams der zeitgenössischen elektronischen Musik entgeht Gingeleit auch dadurch, dass er einen völlig „unelektronischen“ Gebrauch elektronischer Mittel macht. In seinem Studio gibt es keinen Computer, keinen Sampler, und von MIDI, dem Zauberkasten der meisten modernen Musikproduktionen, weiß er lediglich, dass es ihn gibt. Entsprechend klingt Lost In The Deep Blue eher nach einer frei und teilweise improvisierend aufspielenden Band als dem Ergebnis selbstvergessener Soundtüfteleien im „stillen Kämmerlein“. In allen Kunstrichtungen gibt es bei Akteuren, Kritikern und dem Publikum einen untrüglichen Sinn dafür, etwas als „echt“ wahrzunehmen. Ein berühmt gewordenes Beispiel dafür ist Franz Marcs Einleitungsaufsatz zum Manifest der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“, in dem er die Biedermeierpostkarte einer Märchenillustration neben ein Bild von Kandinsky stellt. Gemeinsam ist beiden – in Marcs Worten - die Innerlichkeit des künstlerischen Ausdrucks und ihre Fähigkeit, die Seele in neue Schwingungen zu versetzen. In diesem Sinne wird auch Gingeleits Musik als „echt“ wahrgenommen. Genregrenzen und -zuweisungen machen über eine grobe Orientierung hinaus eher keinen Sinn, denn hier verschwimmen E- und U-Musik, Jazz, Ambient, Rock und abstrakte Elektronik zu Gunsten „universeller Bewusstheit und Menschlichkeit“, wie es der Kolumnist des L.A. X..Press ausdrückte. Gefragt, wie er seine Musik selbst einordnen würde, antwortet Gingeleit, dass ihm bei der Entstehung von Lost In The Deep Blue eine Art „Radiohead für Erwachsene“ vorgeschwebt habe. Dass das Ergebnis nicht wie Radiohead klingt, ist klar, aber es gibt deutliche Gemeinsamkeiten in der Respektlosigkeit gegenüber Genrefestlegungen, Instrumentierungs- und Tonsetzungsvorschriften, und darin, die Existenz eines anspruchsvollen Publikums vorauszusetzen. Hier wie dort ist es das Unerklärliche und Rätselhafte jenseits von Verstiegenheiten oder New-Age-Romantisierungen, das die Musik trotz ihrer Anforderungen an die Hörer so anziehend macht. (Noch ausführlichere Informationen zu Lost In The Deep Blue findet man auf der neuen Webseite www.livingtunes.com, die speziell zur Label-Wiederveröffentlichung eingerichtet wurde.) Weiter zu Hörbeispielen Weiter zu Rezensionen Zurück zur "Nightmares & Escapdes" Startseite Zurück zu Musik
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