Mixed Pickles


 

 

Mixed Pickles

Rybka alias Morphy? 

Der Schachwelt steht vom 6.-8. März 2007 ein Kuriosum (oder gar Faszinosum?) bevor: Das führende Programm Rybka wird ein Match über 8 Partien gegen den bekannten estnischen Großmeister Jaan Ehlvest spielen. Die Pointe des Kampfes: Rybka tritt immer mit Weiß an - dafür aber jedesmal ohne einen seiner Bauern, der Reihe nach werden ihm Bg2 bis Ba2 fehlen.

Nun ist zwar Ehlvest kein Kasparov, aber trotzdem:
Ist das Computerschach schon so weit, dass man einem starken, international renommierten Großmeister einen ganzen Bauern vorgeben kann - oder ist das ne besonders perfide Form von technischer Kultur-Arroganz?

Und vor allem: Ist Rybka womöglich gar keine Engine, sondern in Wahrheit
der Bit-Ghost von - Paul Morphy?

Dieses amerikanische Genie dominierte bekanntlich in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts das Weltschach nach Belieben: Paul Morphy

Seine besondere Spezialität: Bauernvorgaben...

Hier ein Beispiel (von vielen), wie Morphy trotz Handycap - oft trat er auch mit einem Springer oder gar Turm weniger an! - mit seinen (teils prominenten Gegnern) umzuspringen pflegte:

J. Owen - P. Morphy
London 1858

  a b c d e f g h  
 8   BR  BN  BB  BK  BK  BB  BN  BR  8 
 7   BP  BP  BP  BP  BP    BP  BP  7 
 6                   6 
 5                   5 
 4                   4 
 3                   3 
 2   WP  WP  WP  WP  WP  WP  WP  WP  2 
 1   WR  WN  WB  WQ  WK  WB  WN  WR  1 
  a b c d e f g h  
 white to move
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002)

1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.c3 Sc6 5.Sh3 cxd4 6.Lb5 dxc3 7.bxc3 Lc5 8.0-0 Sge7 9.Sg5 0-0 10.Dh5 h6 11.Sf3 Ld7 12.Ld3 De8 13.Dg4 Txf3 14.Dxf3 Sxe5 15.Dg3 Sxd3 16.Dxd3 Lb5 17.Dh3 Lxf1 18.Dxe6+ Kh7 19.Kxf1 Dh5 20.Lf4 Tf8 21.Lg3 Sf5 0-1

Rybka/Handycap gegen den Rest

Mehr aus purer Neugier denn «wissenschaftlichem Interesse» - im Schach sind Vorgabe-Partien nichts Besonderes, seit jeher pflegen Meisterspieler ihren schwächeren Gegnern Bauern, Züge oder gar Figuren vorzugeben, wobei die Sache meist abläuft gemäß dem altbekannten Gambit-Schema: Schnelles Druckspiel gegen Material - habe ich versucht, dieses Match zu antizipieren.

Das heißt ich ließ auf meinem (vergleichsweise eher gemütlichen...) P4-Rechner die Version Rybka 2.3 mit Weiß gegen zehn unterschiedlich starke Vertreter der zweiten Garnitur aus dem Rybka-Verfolgerfeld spielen, wobei wie im Match gegen GM Ehlvest eine Bedenkzeit von 45'-10"/Engine galt und eben der Simultanist jeweils mit Bauern-Handycap antreten musste.
(Übrigens darf man den Begriff «zweite Garnitur» nicht missverstehen: Eine jede der zehn beteiligten Engines würde auf der freien Wildbahn der von Menschen üblicherweise organisierten Open- oder Wettkampf-Turniere locker eine Performance von mehr als 2500 Elo erspielen...)

Um das Gesamtergebnis vorwegzunehmen: Das Experiment endete als Desaster für die Rybka-Konkurrenz. Auch Materialüberlegenheit vom Start weg reicht offensichtlich nicht, um dieses Schach-Programm zu stoppen: Jedes der zehn Matches gewann Vas Rajlichs Engine, und dies mit teils brutalen Verdikten. Die Schlussrangliste lautet Rybka 2.3 gegen:

Chess Tiger 15.0   5.5 - 2.5
Fritz 9   5.0 - 3.0
Hiarcs 10   4.5 - 3.5
Ktulu 8   4.5 - 3.5
Naum 2.0   6.0 - 2.0
Crafty 20.14   6.0 - 2.0
Gandalf 6.0   5.5 - 2.5
Junior 9   5.0 - 3.0
Ruffian 2.1.0   6.5 - 1.5
Pharaon 3.5.1   7.0 - 1.0

.

Bauern a2 bis h2

Untersucht man die «Wirkung» der einzelnen Bauern-Handycaps, so stellt man fest, dass Rybka ohne die a- und g-Bauern deutlich am wenigsten und ohne die b- und f-Bauern klar am meisten Probleme hatte.

Für jene, die sich für die schachlichen Gründe dieser «Verteilung» interessieren, sind im Download sämtliche 80 Partien original ab P4-3Ghz/128MB Hash/3-4Nalimov's/Junior10-GUI, also inklusive alle Zeit- und Bewertungs-Kommentare enthalten. In diesem Zusammenhang ist ein Statement interessant, welches Match-Organisator (und Computerschach-Experte...) Larry Kaufman im «Rybka-Forum» abgab (Zitat):

«It is certainly true that White will have some compensation for the missing pawn in all cases except the "f" pawn. However, in the case of "b" "c" "e" and "g" pawns, the compensation is at best one tempo, since simply moving that pawn would open all the same diagonals and also control some good squares. As the usual rule (which I think is reasonably accurate) states that three tempi equal a pawn, it is clear that these are all significant handicaps. The "d" pawn's removal gives slighty more comp, because the queen is on a half-open file, but this should hardly be worth more than the squares that would be controlled by a pawn on d4, so even in this case the compensation is clearly insufficient. Actually removing the "d" pawn is similar to playing a Smith-Morra Gambit a tempo down, except that the "c" pawns are off the board. The Smith-Morra is considered dubious at GM level normally; a tempo down it should be quite unsound.
This leaves the two edge pawn handicaps. Only in these cases can it be seriously argued that the compensation is anywhere near to being enough. Edge pawns are worth less to start, and the semi-open file for the rook is quite nice. In my opinion Black will still have an advantage even in these two cases, but his advantage may be only slightly more than the advantage White normally has in an even game.
As for some other posts, anyone who plays Rybka at handicap on a 32 bit single processor must bear in mind that the 64 bit MP on a quad is roughly a class stronger. As for playing blitz with an average IM at knight odds, bear in mind that "average IM" does not mean "average IM who plays blitz all day on the internet"; clearly among players of any level there are blitz specialists and those who only play blitz occasionally. As for takebacks as a handicap, this is indeed a valid idea, but I'm afraid that if the player is a mere 2600 Elo GM he would need so many takebacks to have equal chances that it would be laughable. Maybe for Kramnik or Anand or Topalov it might be reasonable.» 

Fazit: Großmeister Jaan Ehlvest tut gut daran, sich trotz milder März-Tage warm anzuziehen...

Nachspielen & Download (PGN-CB)

(CH-Rothenburg, 5.März 2007)

 



Das Ergebnis...

fiel nicht ganz unerwartet aus: Rybka gewann dieses Match mit 5,5 : 2,5 doch klar (auch wenn verschiedene Experten nachträglich die Ansicht äusserten, dass Ehlvest mit etwas mehr Schlachtenglück durchaus ein weniger deutliches 4,5:3,5 hätte erreichen können...)

Großmeister Ehlvest spielte prinzipiell (und erfrischend) kein Anti-Computer-Schach (= «Gut rumstehen»), sondern mutig (und attraktiv) «normal» - was ihn wohl Preisgeld gekostet, aber auch viel Sympathie seiner Fans eingetragen haben dürfte: Die Partien

Bemerkenswert ist, dass der Mensch in der zweiten Match-Hälfte sehr viel erfolgreicher agierte. Ob das nun aus dem je unterschiedlichen Bauern-Handycap der Maschine oder aus der grundsätzlich enormen Lernfähigkeit des Großmeisters resultierte, ist noch nicht ausgemacht.

Interessant ist jedenfalls, wie Jaan Ehlvest selber diesen seinen Fight gegen das stärkste PC-Schachprogramm der Welt einschätzt; hier seine Partie-Kommentare und seine Stellungnahmen zu dem Match:
«I might not win the war, but I have won a battle!»

Doch auch für den erfolgreichen Rybka-Vater Vasik Rajlich scheint sich diese Handycap-Begegnung programmiertechnisch gelohnt zu haben; jedenfalls postete er in seinem eigenen Forum ein umfangreiches «Take Away»
Ausserdem schimmert Hochachtung durch, wenn Rajlich dem Kämpfer Ehlvest etwas attestierte, was andere Man-Machine-Protagonisten wie Kramnik oder Adams bei weitem nicht geschafft haben, nämlich ein «Patzer-loses» Spiel gegen das Silizium-Monster: «Ehlvest also deserves credit for avoiding major blunders».

(CH-Rothenburg, 8.März 2007)


 

_______________________________________________

Schach-Rätsel Juni 06

Die Auflösung eines neuen Rätsels findet sich (jeweils nach ein paar Tagen) hier: Rätsel-Lösungen

_______________________________________________

Planen oder Rechnen?

Das systematisch-koordinierte, das folgerichtig-planende Vorgehen im Schach ist grundsätzlich dem Menschen vorbehalten - auch wenn die neuesten Programme durchaus weiter und präziser rechnen (können) als jeder Mensch.
Dies lässt sich geradezu paradigmatisch mit elementaren Endspielen, und hier wiederum besonders eindrücklich mit bestimmten Zugzwang-Positionen festmachen.

Meine folgende kleine Studie (mit ungleichfarbigen Läufern) stellt den Computer vor eine schwierige Entscheidung:

 

Schwarz gewinnt
1... Kh4!

Walter Eigenmann  (2005)

8/p7/8/pPp1p1k1/2PbK3/8/8/3B4 b - - 0 1

Soll der Nachziehende hier "rechts- oder linksrum laufen"? Soll er mit 1...Kf6 zum Damenflügel gehen und dort versuchen einen Freibauern durchzudrücken, oder soll er probieren mit 1...Kh4 am Königsflügel einzubrechen?

Einem Menschen, der gedanklich seinen schwarzen König sekundenschnell nach b6 transferiert, wird sofort klar: Es gibt dort keinen Durchbruch; das höchste der Gefühle ist ein Bauerntausch - fertig.
Dass mit 1...Kf6? nichts zu holen ist, kann jedoch Schachprogrammen u.U. erst nach Minuten oder Stunden dämmern: Sie haben ggf. Millionen Züge zu checken.

Während also für menschliche Spieler allenfalls 1...Kh4! als Gewinnversuch in Frage kommt, ist die Sache für Engines auch hier abermals nicht klar: Auf seinem Weg ins feindliche Lager hat der nachziehende Monarch ein paar wichtige Zugzwänge zu provozieren.

Man setze die Position mal seinem Lieblingsprogramm vor - das Ergebnis (bzw. seine Hauptvariante mit Bewertung) wird aufschlussreich sein...

1...Kh4! [1...Kf6? 2.La4 Ke6 3.Lb3 Kd6 4.La4 Kc7 5.Lb3 Kb6 6.La4 a6 7.bxa6 Kxa6 8.Lb3=] 2.Kf3 [2.Lc2 Kg3 3.Ld1 Kf2 4.Kd3 Ke1 5.La4 e4+ 6.Kxe4 Kd2-+] 2...Kh3 3.Lc2 [3.Lb3 Kh2-+; 3.Ke4 Kg3-+; 3.La4 Kh2-+] 3...Kh2 4.Le4 [4.Ld1 Kg1 5.Ke2 (5.Ke4 Kf2-+) 5...Kg2 6.Lb3 a) 6.Lc2 Kg3-+; b) 6.Kd3 Kf2 7.Lc2 (7.Ke4 Ke1 8.Lb3 Kd2-+) 7...Kf3 8.Ld1+ Kf4-+; 6...Kg3 7.Lc2 (7.La2 Kf4 8.Lb1 e4-+) 7...Kf4-+; 4.La4 Kg1 5.Ke2 Kg2-+; 4.Lb1 a4-+; 4.Ke4 Kg2-+] 4...a4 5.Ke2 [5.Lb1 a3 6.La2 Kg1-+] 5...Kg3 6.Lc2 [6.Lb1 a3 7.La2 (7.Kd3 Kf2-+) 7...e4-+] 6...a3 7.Lb1 Kf4 8.La2 e4-+ (W.Eigenmann)

___________________________________________________

Neuestes Programm von CS-Weltmeister Meyer-Kahlen im Crash-Satire-Test

Gestern Montag, den 7. Februar 2005 kam es auf der Server-Autobahn CB-Masch zu einem folgenschweren Unfall. Ein Aristarch 4.51 stiess frontal mit einem entgegen kommenden Fahrzeug zusammen, bei dem es sich um den brandneuen, erst vor wenigen Stunden ausgelieferten Shredder 9.0 handelte. Der Fahrer des Shredder musste mit schwerem Königsangriff-Trauma in die nahegelegene Analytik Rothenburg(CH) eingeliefert werden, der Aristarch kam mit dem Schrecken davon.

Geisterfahrer Shredder

we./Wie die Rekonstruktion der Kollision ergab, handelte es sich bei Shredder9 um einen typischen Geisterfahrer, der aus unerklärlichen Gründen plötzlich ausscherte und als einziger in der falschen Richtung weiterfuhr:

Aristarch 4.51 - Shredder 9
12... Lxd4?

Internet 2005 (60Min/Engine)

r1b1k2r/1pqp1ppp/p4n2/2b1P3/3NP1n1/3B4/PPPBN1PP/R2Q1RK1 b kq - 0 12

12...Lxd4+? [Besser: 12...Dxe5 oder 12...Sxe5 oder 12...0-0] 13.Sxd4 Dxe5 14.Sf3 Dc5+ 15.Kh1 Sf2+ 16.Txf2 Dxf2 17.Dc1 Db6 18.Lc3 mit starkem weissem Angriff.

Bei der späteren Vernehmung durch die User-Beamten beteuerte Shredder9 seine Unschuld: Das Wendemanöver 12...Lxd4 sei eine völlig normale Reaktion und überhaupt das Resultat einer langen und reiflichen Überlegung gewesen.
Die detaillierten Abklärungen ergaben allerdings, dass wie so oft Alkohol im Spiel gewesen sein könnte. Denn in der fraglichen Situation handelte Shredder offenbar ohne jede Einsicht in die näheren Zusammenhänge. (Ausserdem war Shredder von Zeugen dabei beobachtet worden, wie er vor Fahrtantritt noch mit Freunden gefeiert hatte; auch der fehlbare Lenker selbst gab später zu Protokoll, man habe noch etwas "die erfreulichen Verkaufszahlen des nigelnagelneuen Motoren begossen".)

Zu riskante Fahrweise?

Der tragische Verkehrsunfall liegt jetzt bei den Versicherungen. Diese sollen abklären, ob zu riskante Fahrweise, eingeschränktes Berechnungsvermögen oder mangelhafte Weitsicht die tiefere Ursache des Unglücks war.
Bei einer eilends einberufenen Pressekonferenz gab sich der Hersteller des neuen Motoren überrascht und konsterniert: der fragliche Shredder-Typ sei hinsichtlich Bodenhaftung und Lenkstilistik nicht wesentlich anders als seine erfolgreichen Vorläufer vom Typ 7 & 8.
Auch die verantwortlichen Beta-Tester fanden keine Erklärung für Shredders seltsames Fahrverhalten. Sie versprachen aber in spätestens drei
Wochen einen genauen Bericht. So lange wird der Motor aus dem Handel genommen, wie das BKA für Engine-Unwesen mitteilte.

Beilage: Unfallprotokoll (PGN/CB) vom 8.2.2005

[Event "Internet_60Min/Engine"]
[Site "?"]
[Date "2005.02.07"]
[Round "?"]
[White "Aristarch 4.51"]
[Black "Shredder 9"]
[Result "1-0"]
[Annotator "W.Eigenmann"]
[PlyCount "89"]
[EventDate "2005.??.??"]

1. e4 c5 2. Nf3 e6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nc6 5. Nc3 Qc7 6. Be3 a6 7. Bd3 Nf6 8. O-O Ne5 9. f4 Neg4 10. Bd2 Bc5 11. Nce2 e5 $6 12. fxe5 Bxd4+ $2 13. Nxd4 Qxe5 14. Nf3 Qc5+ 15. Kh1 Nf2+ 16. Rxf2 Qxf2 17. Qc1 Qb6 18. Bc3 Ng4 19. Bd4 Nf2+ 20. Kg1 Nxd3 21. cxd3 Qe6 22. Qg5 Rg8 23. Nh4 g6 24. Qh6 Qe7 25. Qxh7 Qf8 26. Nf3 g5 27. Rc1 d6 28. Rc7 Bg4 29. h3 Rc8 30. Rxb7 Rc1+ 31. Kh2 Bc8 32. Rb8 g4 33. hxg4 Rc2 34. g5 Rg6 35. Bf6 Kd7 36. Nd4 Rf2 37. Kg1 Rgxf6 38. gxf6 Rxf6 39. Qh5 d5 40. Qg4+ Kc7 41. Qg3+ Rd6 42. Rb3 f5 43. e5 Rb6 44. e6+ f4 45. Qg6 1-0

(Rothenburg/CH, 8.Februar 2005)

 

________________________________________________

Zugzwang&Nullmove

Meine nachstehende kleine Läufer-Endspielstudie scheidet die Programm-Geister in drei unterschiedliche Lager:

Zugzwang
1... g2!!

Walter Eigenmann (2003)

8/b7/P2p4/4pK1p/4P2k/6p1/8/5B2 b - - 0 1

1...g2!! 2.Lxg2 Kg3 3.Lh1 h4 4.Ke6 [4.Kg5 h3 5.Kf5 Kh2 6.Lf3 Kg1 ] 4...Lc5 5.Kd5 [5.a7 Lxa7 6.Kxd6 Ld4 7.Kd5 h3 8.Kc4 Kh2 9.Lf3 Kg1 ] 5...h3 6.Kc6 [6.Kc4 Kh2 7.Lf3 Kg1 8.Kd3 h2 9.Ke2 h1D 10.Lxh1 Kxh1 11.Kf3 Kg1 12.Kg3 Kf1 13.Kf3 Ke1 ] 6...Kh2 7.Lf3 Kg1 8.Kb7 h2 9.a7 Lxa7 10.Kxa7 h1D 11.Lxh1 Kxh1

Zum einen wären da jene Programme, die keine Ahnung haben - beispielsweise
Fritz 8
1...Ld4 2.Lg2 Le3 3.Lf1 Lc5 4.Lg2
-/ (-1.03) Tiefe: 25/55 00:08:32 475414kN, tb=34152
oder
Yace(Paderborn)
1...Ld4 2.Lg2 Lb6 3.Lf1 Le3 4.Lg2 Lc5 5.Lf1 La7 6.Lg2 Ld4 7.Lf1 Lb6 8.Lg2 Lf2 9.Lf1
- (-1.51) Tiefe: 22/34 00:05:13 170582kN

Zweitens die Engines, welche es gerne umständlich wollen (und ggf. dann doch wieder von g3-g2 wegschwenken) - beispielsweise
Chess Tiger 15.0
1...Ld4 2.Lg2 Lc5 3.Lf1 g2 4.Lxg2 Kg3 5.Lh1 h4 6.Ke6 h3 7.Kd7 Kf2 8.Kc7 Kg1 9.Lf3 h2
- (-2.49) Tiefe: 22 00:05:39 179956kN, tb=5855
oder
Ruffian 1.0.1
1...Ld4 2.Lg2 Lc5 3.Lf1 g2 4.Lxg2 Kg3 5.Lh1 h4 6.Ke6 h3 7.a7 Lxa7 8.Kxd6 Kh2
- (-1.59) Tiefe: 18/38 00:01:49 115367kN

Und zum Dritten natürlich jene Programme, die es sofort kapieren - beispielsweise
CM9000 Default
1...g2 2.Lxg2 Kg3 3.Lh1 h4 4.Ke6 Lc5 5.Kd5 h3 6.Kc6 Kf2 7.Kc7 Kg1 8.Lf3 h2
-/ (-0.80) Tiefe: 15 00:00:22 7618kN
oder
Crafty 19.03
1...g2 2.Lxg2 Kg3 3.Lh1 Lc5 4.Ke6 h4 5.Kf5 h3 6.Ke6 h2 7.Kf7 Kf2 8.Ke6 Kg1 9.Lf3 h1D 10.Lxh1 Kxh1
-/ (-0.84) Tiefe: 17/31 00:00:13 9047kN, tb=4318

Interessant ist schließlich mal wieder, wie wenig die Hauptvarianten mit den Bewertungen zu tun haben...

_________________________________________________ 

Wissen kontra Rechnen

Dass viele Gratis-Programme das wichtige Endspiel-Strategem "Falscher Läufer" nicht intus haben, mag noch durchgehen. Dass aber sogar kommerzielle Programme die folgende Remis-Stellung (Averbach)...

 

Falscher Läufer
Remis!

Averbach/Analysen

8/5k1B/7P/6K1/8/5p1P/8/8 w - - 0 1

...astronomisch hoch für Weiss bewerten (statt sofort mit "0.00"), ist schon peinlich. (Traurige Beispiele: Rebel 12, Junior 8 u.a.)

Vollends desaströs wird's, wenn man Averbach's Remis-Analyse (nach einem Motiv aus der Partie Portisch-Stein, Sousse 1967) zurückverfolgt...
1.gxh5 Kf6 2.h6 Kf7 3.Lh7 Kf6 4.Kg4 Kf7 5.Kxg5 f3 6.Kg4 f2 7.Ld3 Kg8 ½-½

...und den Engines nachstehende Position vorsetzt:

Remis!
Falscher Läufer

Averbach/Analysen

8/8/8/4k1pp/5pP1/3B1K1P/8/8 w - - 0 1

Fairerweise ist anzumerken, dass hier mit dem leidigen Horizonteffekt, dem ggf. mangelnden Knowhow sowie der Nullmove- bzw. Zugzwang-Problematik die typischen Computerschach-Schwachpunkte sozusagen alle gleichzeitig versammelt sind.
Aber solche Wenig(!)-Steiner zeigen eindrücklich, welch weiter Weg noch vor der Schachprogrammierung liegt. Dazu gehören z.B. Bewertungsanzeigen, die nicht das Material, sondern die Stellung wiederspiegeln - sofern diese denn überhaupt kapiert wird...

Nachtrag:
Obigen Text stellte ich zuerst in das Forum "Computerschach Extra", worauf u.a. der bekannte, sehr erfahrene Amateur-Programmierer Dieter Bürssner ("Yace") aufschlussreich replizierte. Seine Ausführungen demonstrieren auch, um wieviele Ecken rum ein Programmierer denken muss, um auch nur schachlich relativ einfache Dinge implentieren zu können...:
"Das ist wirklich interessant, und keineswegs einfach für ne Engine, selbst wenn man sich viel Mühe gibt. Ein Problem ist der S-Bauer von S. Ohne jenen würde da Yace besser durchblicken. Es gibt jedoch Stellungen, wo in ähnlichen Stellungen S in Zugzwang kommt, und der S-B vorrücken muss, und der 2. T-B auf die S-Line kommt und dadurch gewinnt. Bei dem in Yace eingebauten Wissen wird dieser Fall berücksichtigt. Man könnte es euphemistisch als zu clever für die Position bezeichnen:-) Nun, wenn ich diese Zusatzregel herausnehme, und ein falsches Remis in anderer Situation angezeigt wird, ist es auch nicht gut. Übrigens kann auch hier in Varianten S gezwungen werden den S-B vorzurücken, nur dann wird es Patt. Suche kann in solchen Situationen nicht helfen.
Es wird aber noch schwieriger. Nachdem ich obige Zusatztregel bzg. S-B ausgebaut habe, schlägt Yace 1. Lc4 mit positiver Bewertung ( 2.x) vor. Also muss auch erkannt werden, dass die Stellung nach 1. Lc4 hxg4 (h4? und W gewinnt) hxg4 Remis ist. Hier kommt das falsche L-Motiv mit T-B nicht mehr vor.»

 

_________________________________________________

Der Super-Doppel-Turm-Opfer-Zugzwang-Patt-Remis-Zug

Im Juni 2003 veröffentlichte ich im ehemaligen CSE-Forum das nachstehende Posting:

«Die in den ComputerSchach-Chaträumen leider viel zu selten kommentierte Gratis-Engine Anaconda (Frank Schneider & Kai Skibbe) ist (wahrscheinlich) unter den aktuellen Programmen weit und breit die einzige, welche die folgende, für Menschen geradezu simple Aufgabe in Sekundenschnelle (inkl. Remis-Anzeige) löst...»

Schwarz hält remis: 1... Tf3 !!
(Encyclopedia of Chess Endings)
8/8/5PR1/5K2/1r4Pk/7r/5R2/8 b - - 0 1

  a b c d e f g h  
 8                   8 
 7                   7 
 6             WP  WR    6 
 5             WK      5 
 4     BR          WP  BK  4 
 3                 BR  3 
 2             WR      2 
 1                   1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002)

z.B. 2. Txf3 Tb5+ 3.Ke4 Tb4+ 4.Kd5 Tb5+ 5.Kc4 Tb4+ =

...und auf die Frage, was denn alle anderen Programmierer falsch machten, antwortete u.a. «Quark»-Autor Thomas Mayer:
«Als relativ sicher darf gelten, daß hier kein Horizontproblem vorliegt - eine Stellungswiederholung oder die 50-Züge-Regel wäre nicht in Sekunden zu finden. Also geht es wohl um Wissen, welches Anaconda hat, andere aber nicht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten z.B. ein Remis durch Dauerschach zu erkennen - manche machen das z.B. relativ einfach in dem sie eine Heuristik einschalten, sofern im Nachteil, daß z.B. nach dem 7. Schach hintereinander von einem Remis durch Dauerschach auszugehen ist - sonderlich wasserdicht ist das nicht.»

Weiter äusserte sich Programmier-Kollege Gerd Isenberg («Isichess») dazu:
«In dieser Stellung könnte eine Patt-Erkennung in der Ruhesuche helfen, wenn nach einem Schlagzug nur der König und/oder vollständig gefesselte Steine oder blockierte Bauern überbleiben (noch nicht implementiert).
Eine andere Idee ist das Triggern von Extensions, wenn nach einem 'winning' Capture mit schon vorab positiver Materialbalance ein Draw-Score geliefert wird.»

 






























































































































































Gratis Homepage erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!