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Mixed Pickles
Rybka alias Morphy? Der Schachwelt steht vom 6.-8. März 2007 ein Kuriosum (oder gar Faszinosum?) bevor: Das führende Programm Rybka wird ein Match über 8 Partien gegen den bekannten estnischen Großmeister Jaan Ehlvest spielen. Die Pointe des Kampfes: Rybka tritt immer mit Weiß an - dafür aber jedesmal ohne einen seiner Bauern, der Reihe nach werden ihm Bg2 bis Ba2 fehlen. Nun ist zwar Ehlvest kein Kasparov, aber trotzdem: Und vor allem: Ist Rybka womöglich gar keine Engine, sondern in Wahrheit Dieses amerikanische Genie dominierte bekanntlich in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts das Weltschach nach Belieben: Paul Morphy Seine besondere Spezialität: Bauernvorgaben... Hier ein Beispiel (von vielen), wie Morphy trotz Handycap - oft trat er auch mit einem Springer oder gar Turm weniger an! - mit seinen (teils prominenten Gegnern) umzuspringen pflegte: J. Owen - P. Morphy
1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.c3 Sc6 5.Sh3 cxd4 6.Lb5 dxc3 7.bxc3 Lc5 8.0-0 Sge7 9.Sg5 0-0 10.Dh5 h6 11.Sf3 Ld7 12.Ld3 De8 13.Dg4 Txf3 14.Dxf3 Sxe5 15.Dg3 Sxd3 16.Dxd3 Lb5 17.Dh3 Lxf1 18.Dxe6+ Kh7 19.Kxf1 Dh5 20.Lf4 Tf8 21.Lg3 Sf5 0-1
Rybka/Handycap gegen den Rest Mehr aus purer Neugier denn «wissenschaftlichem Interesse» - im Schach sind Vorgabe-Partien nichts Besonderes, seit jeher pflegen Meisterspieler ihren schwächeren Gegnern Bauern, Züge oder gar Figuren vorzugeben, wobei die Sache meist abläuft gemäß dem altbekannten Gambit-Schema: Schnelles Druckspiel gegen Material - habe ich versucht, dieses Match zu antizipieren. Das heißt ich ließ auf meinem (vergleichsweise eher gemütlichen...) P4-Rechner die Version Rybka 2.3 mit Weiß gegen zehn unterschiedlich starke Vertreter der zweiten Garnitur aus dem Rybka-Verfolgerfeld spielen, wobei wie im Match gegen GM Ehlvest eine Bedenkzeit von 45'-10"/Engine galt und eben der Simultanist jeweils mit Bauern-Handycap antreten musste. Um das Gesamtergebnis vorwegzunehmen: Das Experiment endete als Desaster für die Rybka-Konkurrenz. Auch Materialüberlegenheit vom Start weg reicht offensichtlich nicht, um dieses Schach-Programm zu stoppen: Jedes der zehn Matches gewann Vas Rajlichs Engine, und dies mit teils brutalen Verdikten. Die Schlussrangliste lautet Rybka 2.3 gegen:
. Bauern a2 bis h2 Untersucht man die «Wirkung» der einzelnen Bauern-Handycaps, so stellt man fest, dass Rybka ohne die a- und g-Bauern deutlich am wenigsten und ohne die b- und f-Bauern klar am meisten Probleme hatte. Für jene, die sich für die schachlichen Gründe dieser «Verteilung» interessieren, sind im Download sämtliche 80 Partien original ab P4-3Ghz/128MB Hash/3-4Nalimov's/Junior10-GUI, also inklusive alle Zeit- und Bewertungs-Kommentare enthalten. In diesem Zusammenhang ist ein Statement interessant, welches Match-Organisator (und Computerschach-Experte...) Larry Kaufman im «Rybka-Forum» abgab (Zitat): «It is certainly true that White will have some compensation for the missing pawn in all cases except the "f" pawn. However, in the case of "b" "c" "e" and "g" pawns, the compensation is at best one tempo, since simply moving that pawn would open all the same diagonals and also control some good squares. As the usual rule (which I think is reasonably accurate) states that three tempi equal a pawn, it is clear that these are all significant handicaps. The "d" pawn's removal gives slighty more comp, because the queen is on a half-open file, but this should hardly be worth more than the squares that would be controlled by a pawn on d4, so even in this case the compensation is clearly insufficient. Actually removing the "d" pawn is similar to playing a Smith-Morra Gambit a tempo down, except that the "c" pawns are off the board. The Smith-Morra is considered dubious at GM level normally; a tempo down it should be quite unsound. Fazit: Großmeister Jaan Ehlvest tut gut daran, sich trotz milder März-Tage warm anzuziehen... Nachspielen & Download (PGN-CB) (CH-Rothenburg, 5.März 2007)
Das Ergebnis... fiel nicht ganz unerwartet aus: Rybka gewann dieses Match mit 5,5 : 2,5 doch klar (auch wenn verschiedene Experten nachträglich die Ansicht äusserten, dass Ehlvest mit etwas mehr Schlachtenglück durchaus ein weniger deutliches 4,5:3,5 hätte erreichen können...) Großmeister Ehlvest spielte prinzipiell (und erfrischend) kein Anti-Computer-Schach (= «Gut rumstehen»), sondern mutig (und attraktiv) «normal» - was ihn wohl Preisgeld gekostet, aber auch viel Sympathie seiner Fans eingetragen haben dürfte: Die Partien Bemerkenswert ist, dass der Mensch in der zweiten Match-Hälfte sehr viel erfolgreicher agierte. Ob das nun aus dem je unterschiedlichen Bauern-Handycap der Maschine oder aus der grundsätzlich enormen Lernfähigkeit des Großmeisters resultierte, ist noch nicht ausgemacht. Interessant ist jedenfalls, wie Jaan Ehlvest selber diesen seinen Fight gegen das stärkste PC-Schachprogramm der Welt einschätzt; hier seine Partie-Kommentare und seine Stellungnahmen zu dem Match: Doch auch für den erfolgreichen Rybka-Vater Vasik Rajlich scheint sich diese Handycap-Begegnung programmiertechnisch gelohnt zu haben; jedenfalls postete er in seinem eigenen Forum ein umfangreiches «Take Away» (CH-Rothenburg, 8.März 2007)
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Schach-Rätsel Juni 06
Die Auflösung eines neuen Rätsels findet sich (jeweils nach ein paar Tagen) hier: Rätsel-Lösungen _______________________________________________ Planen oder Rechnen? Das systematisch-koordinierte, das folgerichtig-planende Vorgehen im Schach ist grundsätzlich dem Menschen vorbehalten - auch wenn die neuesten Programme durchaus weiter und präziser rechnen (können) als jeder Mensch. Meine folgende kleine Studie (mit ungleichfarbigen Läufern) stellt den Computer vor eine schwierige Entscheidung:
Schwarz gewinnt
Walter Eigenmann (2005) 8/p7/8/pPp1p1k1/2PbK3/8/8/3B4 b - - 0 1 Soll der Nachziehende hier "rechts- oder linksrum laufen"? Soll er mit 1...Kf6 zum Damenflügel gehen und dort versuchen einen Freibauern durchzudrücken, oder soll er probieren mit 1...Kh4 am Königsflügel einzubrechen? Einem Menschen, der gedanklich seinen schwarzen König sekundenschnell nach b6 transferiert, wird sofort klar: Es gibt dort keinen Durchbruch; das höchste der Gefühle ist ein Bauerntausch - fertig. Während also für menschliche Spieler allenfalls 1...Kh4! als Gewinnversuch in Frage kommt, ist die Sache für Engines auch hier abermals nicht klar: Auf seinem Weg ins feindliche Lager hat der nachziehende Monarch ein paar wichtige Zugzwänge zu provozieren. Man setze die Position mal seinem Lieblingsprogramm vor - das Ergebnis (bzw. seine Hauptvariante mit Bewertung) wird aufschlussreich sein... 1...Kh4! [1...Kf6? 2.La4 Ke6 3.Lb3 Kd6 4.La4 Kc7 5.Lb3 Kb6 6.La4 a6 7.bxa6 Kxa6 8.Lb3=] 2.Kf3 [2.Lc2 Kg3 3.Ld1 Kf2 4.Kd3 Ke1 5.La4 e4+ 6.Kxe4 Kd2-+] 2...Kh3 3.Lc2 [3.Lb3 Kh2-+; 3.Ke4 Kg3-+; 3.La4 Kh2-+] 3...Kh2 4.Le4 [4.Ld1 Kg1 5.Ke2 (5.Ke4 Kf2-+) 5...Kg2 6.Lb3 a) 6.Lc2 Kg3-+; b) 6.Kd3 Kf2 7.Lc2 (7.Ke4 Ke1 8.Lb3 Kd2-+) 7...Kf3 8.Ld1+ Kf4-+; 6...Kg3 7.Lc2 (7.La2 Kf4 8.Lb1 e4-+) 7...Kf4-+; 4.La4 Kg1 5.Ke2 Kg2-+; 4.Lb1 a4-+; 4.Ke4 Kg2-+] 4...a4 5.Ke2 [5.Lb1 a3 6.La2 Kg1-+] 5...Kg3 6.Lc2 [6.Lb1 a3 7.La2 (7.Kd3 Kf2-+) 7...e4-+] 6...a3 7.Lb1 Kf4 8.La2 e4-+ (W.Eigenmann) ___________________________________________________ Neuestes Programm von CS-Weltmeister Meyer-Kahlen im Crash-Satire-Test Gestern Montag, den 7. Februar 2005 kam es auf der Server-Autobahn CB-Masch zu einem folgenschweren Unfall. Ein Aristarch 4.51 stiess frontal mit einem entgegen kommenden Fahrzeug zusammen, bei dem es sich um den brandneuen, erst vor wenigen Stunden ausgelieferten Shredder 9.0 handelte. Der Fahrer des Shredder musste mit schwerem Königsangriff-Trauma in die nahegelegene Analytik Rothenburg(CH) eingeliefert werden, der Aristarch kam mit dem Schrecken davon. Geisterfahrer Shredder we./Wie die Rekonstruktion der Kollision ergab, handelte es sich bei Shredder9 um einen typischen Geisterfahrer, der aus unerklärlichen Gründen plötzlich ausscherte und als einziger in der falschen Richtung weiterfuhr: Aristarch 4.51 - Shredder 9
Internet 2005 (60Min/Engine) r1b1k2r/1pqp1ppp/p4n2/2b1P3/3NP1n1/3B4/PPPBN1PP/R2Q1RK1 b kq - 0 12 12...Lxd4+? [Besser: 12...Dxe5 oder 12...Sxe5 oder 12...0-0] 13.Sxd4 Dxe5 14.Sf3 Dc5+ 15.Kh1 Sf2+ 16.Txf2 Dxf2 17.Dc1 Db6 18.Lc3 mit starkem weissem Angriff. Bei der späteren Vernehmung durch die User-Beamten beteuerte Shredder9 seine Unschuld: Das Wendemanöver 12...Lxd4 sei eine völlig normale Reaktion und überhaupt das Resultat einer langen und reiflichen Überlegung gewesen. Zu riskante Fahrweise? Der tragische Verkehrsunfall liegt jetzt bei den Versicherungen. Diese sollen abklären, ob zu riskante Fahrweise, eingeschränktes Berechnungsvermögen oder mangelhafte Weitsicht die tiefere Ursache des Unglücks war. Beilage: Unfallprotokoll (PGN/CB) vom 8.2.2005 [Event "Internet_60Min/Engine"] 1. e4 c5 2. Nf3 e6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nc6 5. Nc3 Qc7 6. Be3 a6 7. Bd3 Nf6 8. O-O Ne5 9. f4 Neg4 10. Bd2 Bc5 11. Nce2 e5 $6 12. fxe5 Bxd4+ $2 13. Nxd4 Qxe5 14. Nf3 Qc5+ 15. Kh1 Nf2+ 16. Rxf2 Qxf2 17. Qc1 Qb6 18. Bc3 Ng4 19. Bd4 Nf2+ 20. Kg1 Nxd3 21. cxd3 Qe6 22. Qg5 Rg8 23. Nh4 g6 24. Qh6 Qe7 25. Qxh7 Qf8 26. Nf3 g5 27. Rc1 d6 28. Rc7 Bg4 29. h3 Rc8 30. Rxb7 Rc1+ 31. Kh2 Bc8 32. Rb8 g4 33. hxg4 Rc2 34. g5 Rg6 35. Bf6 Kd7 36. Nd4 Rf2 37. Kg1 Rgxf6 38. gxf6 Rxf6 39. Qh5 d5 40. Qg4+ Kc7 41. Qg3+ Rd6 42. Rb3 f5 43. e5 Rb6 44. e6+ f4 45. Qg6 1-0 (Rothenburg/CH, 8.Februar 2005)
________________________________________________ Zugzwang&Nullmove Meine nachstehende kleine Läufer-Endspielstudie scheidet die Programm-Geister in drei unterschiedliche Lager: Zugzwang
Walter Eigenmann (2003) 8/b7/P2p4/4pK1p/4P2k/6p1/8/5B2 b - - 0 1 1...g2!! 2.Lxg2 Kg3 3.Lh1 h4 4.Ke6 [4.Kg5 h3 5.Kf5 Kh2 6.Lf3 Kg1 ] 4...Lc5 5.Kd5 [5.a7 Lxa7 6.Kxd6 Ld4 7.Kd5 h3 8.Kc4 Kh2 9.Lf3 Kg1 ] 5...h3 6.Kc6 [6.Kc4 Kh2 7.Lf3 Kg1 8.Kd3 h2 9.Ke2 h1D 10.Lxh1 Kxh1 11.Kf3 Kg1 12.Kg3 Kf1 13.Kf3 Ke1 ] 6...Kh2 7.Lf3 Kg1 8.Kb7 h2 9.a7 Lxa7 10.Kxa7 h1D 11.Lxh1 Kxh1 Zum einen wären da jene Programme, die keine Ahnung haben - beispielsweise Zweitens die Engines, welche es gerne umständlich wollen (und ggf. dann doch wieder von g3-g2 wegschwenken) - beispielsweise Und zum Dritten natürlich jene Programme, die es sofort kapieren - beispielsweise Interessant ist schließlich mal wieder, wie wenig die Hauptvarianten mit den Bewertungen zu tun haben... _________________________________________________ Wissen kontra Rechnen Dass viele Gratis-Programme das wichtige Endspiel-Strategem "Falscher Läufer" nicht intus haben, mag noch durchgehen. Dass aber sogar kommerzielle Programme die folgende Remis-Stellung (Averbach)...
Falscher Läufer
Averbach/Analysen 8/5k1B/7P/6K1/8/5p1P/8/8 w - - 0 1 ...astronomisch hoch für Weiss bewerten (statt sofort mit "0.00"), ist schon peinlich. (Traurige Beispiele: Rebel 12, Junior 8 u.a.) Vollends desaströs wird's, wenn man Averbach's Remis-Analyse (nach einem Motiv aus der Partie Portisch-Stein, Sousse 1967) zurückverfolgt... ...und den Engines nachstehende Position vorsetzt: Remis!
Averbach/Analysen 8/8/8/4k1pp/5pP1/3B1K1P/8/8 w - - 0 1 Fairerweise ist anzumerken, dass hier mit dem leidigen Horizonteffekt, dem ggf. mangelnden Knowhow sowie der Nullmove- bzw. Zugzwang-Problematik die typischen Computerschach-Schwachpunkte sozusagen alle gleichzeitig versammelt sind. Nachtrag:
_________________________________________________ Der Super-Doppel-Turm-Opfer-Zugzwang-Patt-Remis-Zug Im Juni 2003 veröffentlichte ich im ehemaligen CSE-Forum das nachstehende Posting: «Die in den ComputerSchach-Chaträumen leider viel zu selten kommentierte Gratis-Engine Anaconda (Frank Schneider & Kai Skibbe) ist (wahrscheinlich) unter den aktuellen Programmen weit und breit die einzige, welche die folgende, für Menschen geradezu simple Aufgabe in Sekundenschnelle (inkl. Remis-Anzeige) löst...» Schwarz hält remis: 1... Tf3 !!
(Encyclopedia of Chess Endings) 8/8/5PR1/5K2/1r4Pk/7r/5R2/8 b - - 0 1
z.B. 2. Txf3 Tb5+ 3.Ke4 Tb4+ 4.Kd5 Tb5+ 5.Kc4 Tb4+ = ...und auf die Frage, was denn alle anderen Programmierer falsch machten, antwortete u.a. «Quark»-Autor Thomas Mayer: Weiter äusserte sich Programmier-Kollege Gerd Isenberg («Isichess») dazu:
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