Empfindungen zu zweit
- Für Erika - (wenn wir einfach plaudern) Wie durch ein spiegelndes Glas betrachte ich deine Sprechlaute auf der uns treibenden Nachtwelle. Worte sind unsere Segel umgeben von Winden des Lächelns. Bis ich mich irgendwann frage wohin münden alle diese vielen Worte? Wann kommt endlich stilles Gewässer damit nur Blicke genügten? Dann aber als ich müder werde spüre ich etwas Sanftes Und plötzlich ist mir so als würden wir segellos gleiten auf einem Himmelsspiegel einem unsagbar zarten unter unseren Füßen. © Eduard Nemeth, 1985
- januarnachmittag -
der steile pfad entlang der büschung
lädt und ein
während wir unsere gegenwart
beschwingt in den januarnachmittag streuen
dein gesicht ist eine lieblichkeit
über deinem schwarzen mantel
dein lächeln das gold seiner worte
ein schatz den ich gerne im arm hielte
am spielplatz unserer jugend
wuchs viel gras
über unseren erinnerungen
und die riesigen waldbäume
sterben an uns vorbei
in einen augenblick der stille
im fluss
bei der alten brücke
baden lustige enten
wovon du sofort erquickst
während ich noch immer
verzweifelt nach worten suche
wie ich es dir sagen soll
© Eduard Nemeth 1985
- januarnacht -
noch wärmen die heißen atem
das angeschmiegte kissen
durch die frostige januarnacht
und die idylle im fenster friert
zwischen schneeburg und laternen
und längst hat geschlossen
der augenblick des lächelns
hinter dem vorhang
nur dein mittagsbildnis
hängt noch davor
unentschlossen im raum
diese anmutsvollen blicke
trotz kälteeinbruch
die den winter verzaubern
zum lieblichen schneegarten
wo die sonne hell scheint
© Eduard Nemeth, 1985
- für Sie -
wenn ich es spüre
ganz nah vor deinem anblick
und mich kaum halten kann
vor diesem drängenden wunsch
ersehne ich noch einmal
alles durchzuträumen
nicht hand in hand
sondern einander gegenüber
und wartend
bis die zartheit
mir feine flügel gebildet hat
und ich zu dir vorstoßen kann
ohne dich zu kratzen
damit du auch dann noch
du bleibst
© Eduard Nemeth
- erster kuss -
wir spielten und lachten
in den unerwarteten abend
und so vergaßen wir fast
dass du gehen musstest
denn es war herbstdunkel
der nieselregen
hörte nicht auf zu sprühen
und so spannte ich
meinen regenschirm
über den herbstabendregen
und meine hand zitterte sich fest über dir
und überdeckte so meine schüchternheit
als dann niemand zu sehen war
und die laterne entschwand
fasste ich den mut
und du sagtest leise ja
während ich die augen schloss
meine lippen
berührten deine
zum ersten mal
mein erstes mal
und mit jedem regentropfen
sprühte plötzlich pures glück
auf uns
an diesem herbstgrauabend
© Eduard Nemeth
- dein lächeln -
alle regenbogenfarben
enthält dein lächeln
am schlafzimmerfenster
als du dich in der dämmerung
noch einmal nach draußen lehnst
deine anmut
beschenkt dich wieder einmal
und auch mich
durch diesen überwältigenden anblick
deiner selbstfindung
© Eduard Nemeth, 1989
- dein garten und du -
du
mitten in unserem kleinen garten
allein beschäftigt
für einige augenblicke
vergisst du die übrige welt
und deine blicke folgen
einem geheimnisvollen befehl
noch stärker
arbeitet dann dein wille
mit dir und dem gewächs
das nicht so recht mag
an diesem milden maiabend
deine weisse jacke
sticht mir ins auge
und du verwandelst dich
zu einem augenblick
entfernter nähe
ich genieße es dann
dich so zu betrachten
als fände ich nicht genug davon
nicht genug
© Eduard Nemeth, 1990
- glück -
dein zauberhaftes gesicht
grüßt so lachend
dass es durch die lüfte hüpft
dein atem
erfrischt den sonnenschein des abends
über dem grasteppich
und die erde verbeugt sich
vor der leichtigkeit
der sonst schweren beine
auch ich
wage mich nun zu strecken
sage dass ich dich liebe
und lasse es dich dann spüren
durch hände mund und seele
reglos
stehen wir dann da
vereint
für den genuß des glücks
© Eduard Nemeth, Sommer 1991
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