Spürmomente, wenn mein Leben auffrischt
- wer -
Er: Wer?
Ich: Ein staunender Mensch.
Er: Wer?
Ich: Ein hingestreckter Mensch.
Er: Wer schreibt so erschreckend
blöde Gedichte?
Ich: Ein staunend hingestreckter Mensch.
© Eduard Nemeth, 2001
- Spürmomente -
Mit einem Lächeln im Gesicht
denke ich an dich
das zarte Fühlen in mir
stimmt in ein Loblied
die Sinnlichkeit in mir stirbt
und du rückst näher
so rein wie du bist
in mir wird es klar
und helle Freude
Dies sind Spürmomente
wenn mein Leben auffrischt
© Eduard Nemeth, 1986
- Erste Sekunden -
Die ersten Sekunden
meiner Schritte
an diesem Morgen
sind noch zu leise
um wahrgenommen zu werden
Und doch runden sich
erste Freudentropfen
vor den schlummernden Blicken
Ein Mädchen in Eile
hinterlässt ihren Zitronenduft
neben den verspielten Schulkindern
nur die Gesichter von Erwachsenen
die auf den Zug eilen
tragen noch Fragezeichen
Ein Zug hält
es quietscht
ein Auto gibt Gas
es qualmt
Kinder beginnen zu schreien
Vögel zwitschern
Das ist also meine Welt
Ich genieße sie
im ersten Aufspüren
und ihrem Aufsprühen
Und wieder ist da
Gott deine werbende Hand
diese Zartheit in meinem Herz
© Eduard Nemeth, 1983
- Die Freude deines Lobes -
Zu jener unsehbaren Freude deines Lobes
gleite ich in dem Trichter des Augenblicks
und die feinen Gedanken lösen sich los
in diese unsagbare Freiheit
deines Reiches in mir
An der Theke sitzt ein stummer Kamerad
ein Fan von sich selbst
wie er mir einmal sagte
doch traurig sehen seine Blicke aus
und werden nicht mit Liebkosungen geschmückt
In mir aber
wächst dein Garten
und deines Lobes voll
duften deine Freudenblüten
auch in diesem stickigen Raum
© Eduard Nemeth, 1985
- Dein Gemälde -
Dein Gemälde ist ein Garten
in dem die Wiese noch makellos ist
Es wachsen allerlei Blumen
große und kleine
zarte und stachelige
rote und schwarze
Die Bäume sind groß und kräftig
die Äste sind Hände
die Fühlen und greifen können
und bunte Blätter
setzen ihnen große Kronen auf
Die Sonne ist groß gewachsen
und gibt viel Wärme
aber sie sticht nicht
weil ihre Strahlen
durch schattenweiche Wolken hinabsinken
Der Horizont ist noch zu blau gefärbt
um an Regen zu denken
Eine Straße führt nicht durch diese Landschaft
man muss schon zu Fuß gehen
und einen so reinen Bach überqueren
dass man aus ihm gerne trinken möchte
Das Gemälde will nicht umrahmt werden
und nicht festgenagelt
Nur angelehnt möchte es sein
© Eduard Nemeth, 1994
- Ein neuer Tag -
Ein neuer Tag beginnt
müde steh ich auf
und ich denke noch an meinen Traum
und ich denk zurück
in die Vergangenheit
als ich als Kind
schon zu träumen begann
Ein Tag fängt an
es ist morgens früh
ich atme die frische Luft
und denk an dich
Jesus ich liebe dich
Ich wasche mir Hand
und das Gesicht
und seh im Spiegel mein Profil
dabei frag ich mich
ob du mich heute liebst
und der Freund
dem ich bald begegnen werd
Ein Tag fängt an
es ist morgens früh
ich atme die frische Luft
und denk an dich
Jesus ich liebe dich
Der sanfte Wind
streichelt mein Gesicht
die Sonne grüßt vom Horizont
ein Mensch taucht ein
in meinen Blick
und ich frag mich
ob ich ihn lieben kann oder nicht
Ein Tag fängt an
es ist morgens früh
ich atme die frische Luft
und denk an dich
Jesus ich liebe dich
Ein Tag fängt an
die Sonne geht auf
ich sehe den hellen Schein
und freue mich
Jesus ich liebe dich
Jesus ich danke dir
© Eduard Nemeth, 1982
- Ein Regenbogen im Zimmer -
Schon lange hatte ich keinen Regenbogen gesehen.
Doch während ich schreibe
bildet sich auf meiner Zimmerdecke
und links entlang der hellen Wand
ein Regenbogen.
Es hatte geregnet heute
und nun scheint am Himmelblau
die Spät-März-Sonne wieder.
Zunächst dachte ich dass sich von draußen
ein Regenbogen ins Zimmer spiegelt.
Ich öffnete das Fenster
doch sah ich keinen Regenbogen dort.
Dann entdeckte ich
auf den Fensterscheiben
viele taufrische Regentropfen.
Als ich das Fenster wieder schloss
schien die Sonne weiter
malend ihre Regenbogenfarben
für meine staunende Seele.
© Eduard Nemeth, 2004
- Für Kristina -
Lass dich fallen
- in den Ocean der Stille
und du wirst leise hören
deine Bestimmung
Lass dich fallen
- in deine Gefühle
und du wirst erkennen
wohin es dich zieht
Lass dich fallen
- in deinen Atempuls
und du wirst spüren
worauf es für dich ankommt
Lass dich fallen
- in die Sehnsucht deiner Augen
und du wirst fühlen
wie kostbar du bist
© Eduard Nemeth, 25.03.2005
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