Hoffnung im Leid
- alles -
alles haben sie für mich getan
das tat gut
dann sagten sie:
wir haben alles für dich getan
das tat weh
nun lassen sie mich spüren
dass sie alles für mich getan haben
das quält
© Eduard Nemeth, 1992
- Der Aufschrei -
Er findet kein hörendes Ohr
für das was er sagt
Er findet keine Augen
für das was er tut
Er findet keine Hände
für das was er fühlt
Dann ist Verzweiflung
sein letzter Aufschrei
nach Wandlung
dieser leckeren Nahrung
Brot Augen
Brot Hände
Brot Liebe
Brot Freude
Brot Geborgenheit
So aber spürt er die Gefahr
zersetzt zu werden
zu Gift
so nah wie nie
doch
noch ein letztes Mal
reißt er seine Augen auf
noch ein letztes Mal
steckt er seinen Hände aus
© Eduard Nemeth, 1992
- farbenspiel -
ich schmiege mich an dich
nah vor deine augen
denn sie sehen noch
das rot das gelb
das blau das grün
und sind glücklich
meine augen sind ergraut
sind voll angst und schmerz
du lachst
bewunderst die bilder an der wand
und schenkst mir sogar
ein augenzwinkern
ich lasse mich anstecken
von deinem farbenspiel
und bin letztlich erleichtert
dass du mich nicht ablehnst
wie andere es taten
für dich
bin ich noch farbe geblieben
hoffnung im leid
freude in der angst
zärtlichkeit im schmerz
© Eduard Nemeth, 1986
- Überfordert -
Ich bin Überfordert
hinzugehen
Nicht unbedingt
weil ich mich dabei nur zerquälen würde
Sondern weil -
wenn ich ankomme
ich nicht mitbringe
was ich bin
Dieses selbtlos Sein
erdrückt mich heute
© Eduard Nemeth, 1994
- seine hand -
schau nicht in die ferne
hinter den vorgestreckten Zaun
lasse auch die Fenster zu
atme diese stille ein
und trinke ein glas wasser
für deine ermutigung
trinke deine angst
und die verzweiflung
lasse den tränen freien lauf
versprühe diese heißen tropfen
auf die kalten steine unter dir
diesen ungeheuer kalten Boden
der ohnmacht grenze
dann rufe laut zu ihm
denn seine hand ist da
die hand des ewigen vaters
und sie wird dich tragen
© Eduard Nemeth, 1984
- Dank -
Angst die lähmt
als ein Gefängnis
Eine Hoffnung als Tür
ein Dank als Schlüssel
Freude wie Licht
findet durch einen Spalt hinein
und erhellt das Gesicht
des Verzweifelten
der leben möchte
Und die Sehnsucht naht
wie ahnender Duft
und Dank füllt dann
den verbliebenen Lebensinhalt
© Eduard Nemeth, 1987
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