
Aspekte des Evangeliums
Mitleid und das Kreuz:
Wirklich mitleiden und mitfühlen kann nur derjenige, der selber das durchgemacht hat was andere plagt. Um uns Menschen verstehen zu geben, dass er und liebt, wurde Gott Mensch! In der Person Jesus Christus identifizierte sich Gott mit unserem menschlichen Schicksal völlig.
Jesus ist Gott, und doch wurde er einer von uns. Er wurde als Mensch geboren, er wuchs als Mensch auf (mit allen menschlichen Gefühlen) und er starb den qualvollen Tod an einem Kreuz. Das Kreuz war damals die Hinrichtungsart der Römer für die schlimmsten Verbrecher die keine römische Bürgerschaft hatten. Warum wurde Jesus gekreuzigt? Er behauptete dass er der Sohn Gottes ist. Sowohl für die jüdischen Schriftgelehrten, als auch für den römischen Kaiser, stellte diese Aussage ein Ärgernis dar. Auch heute noch lehnen viele Leute, sogar Theologen, Jesus als den Sohn Gottes ab. Warum? Weil sie nicht verstehen und nicht akzeptieren wollen, dass Jesus übernatürlich von Gott, dem Heiligen Geist, gezeugt wurde!
Für viele Menschen ist es schon unvorstellbar, dass es einen persönlichen Gott geben könnte, zu dem man beten kann. Dass ein solcher Gott auch noch behauptet, Mensch geworden zu sein, setzt der Unvorstellbarkeit vieler Menschen die Krone auf - und tatsächlich trug Jesus während seiner Kreuzigung eine Dornenkrone, die man ihm aus Spott, aufgesetzt hatte!
Und doch! Ein größeres Mitleid mit uns Menschen konnte Gott nicht haben, als dass er Mensch wurde. Weshalb es so wichtig war, dass Gott in Jesus als ein Mensch aus Fleisch und Blut wurde, das verdeutlicht uns der Verfasser des Hebräerbriefes in Kapitel 2 so:
14Da nun die Kinder Fleisch und Blut gemeinsam haben, ist er in ähnlicher Weise dessen teilhaftig geworden, damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der des Todes Gewalt hat, nämlich den Teufel, 15und alle diejenigen befreite, welche durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden. 16Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams nimmt er sich an. 17Daher mußte er in allem den Brüdern ähnlich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, um die Sünden des Volkes zu sühnen; 18denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, kann er denen helfen, die versucht werden.
Hier sehen wir gleich mehrere Aspekte für die Wichtigkeit der Menschwerdung Gottes:
1. Weil die Kinder Fleisch und Blut haben.
2. Damit er den Tod außer Wirksamkeit setze.
3. Damit er alle befreie die in Todesfurcht leben.
4. Damit er die Sünden des Volkes (aller Menschen) sühnen konnte.
5. Worin er gelitten hat, kann er denen helfen die in ähnlicher Weise versucht werden.
Der Kernsatz lautet: Daher musste er in allem den Brüdern ähnlich werden!
Die Bibel sagt, dass kein Mensch gerecht ist! Alle Menschen sind von Natur aus Sünder. Diese Tatsache bewirkt, dass alle Menschen sterben müssen. Weil der erste Mensch (Adam) vor Gott sündigte, und danach dem Prinzip des Zerfalls ausgesetzt war, so haben dieses Prinzip alle Menschen geerbt.
Nun ist es aber so (das sagt uns die Bibel ebenfalls) dass bei Gott auch das folgende geistliche Prinzip gilt: Weil alle Menschen erbten was der 1. Adam bekommen hat, so erben sie nun ebenso alles, was der 2. Adam (Jesus) bekommen hat! Die Bibel sagt dass der 1. Adam als menschliches Wesen (Seele) von Gott geschaffen wurde, der 2. Adam (Jesus) jedoch aus dem Himmel herunter auf die Erde kam!
Nur ein Mensch wie wir, der jedoch nicht unter dem Prinzip des Todes und der Erbsünde des 1. Adam gestellt war, konnte auf der Erde etwas bewegen! Darum wurde Jesus Mensch! Er durchlitt zuletzt den Tod dem auch wir ausgesetzt sind; da in ihm aber ein anderes Prinzip wirkte, nämlich das Prinzip des Lebens im Heiligen Geist, so hat er sowohl die Sünde als auch den Tod überwunden. Der Heilige Geist, der in ihm war, hat ihn von den Toten auferweckt! Alle Menschen nun, die das glauben, und Jesus als Herrn annehmen, werden zu Erben des 2. Adam.
Laut Gottes Wort in der Bibel, gab es keinen anderen Weg zur Erlüsung der Menschheit.
Mein Glaube an Jesus Christus, beinhaltet die Hoffnung, dass ich eines Tages zum ewigen Leben auferstehen werde. Wer diesen Glauben nicht hat, der bleibt unter dem Prinzip des 1. Adam, und der Verdammnis, das muss leider auch gesagt werden.
Ein großer Trost für mich ist auch der Aspekt, dass Jesus jetzt in himmlischen Dimensionen regiert, und mich versteht. Er versteht alles was ich durchleide. Er wird mir der Trost sein, wenn ich eines Tages sterben werde. Ich gehe nicht ins Niemandsland, sondern freue mich umso mehr, dass mein Schöpfer solch ein großes Mitleid mit mir hat.
Heilendes Mitleid:
Ich habe oft davon gehört dass Menschen von Krankheiten durch Wundersames geheilt wurden. Ein ehemaliger Nachbar von mir, der herzkrank war, konnte sein Glück kaum fassen als er sein Zeugnis erzählte, wie er durch Gebet geheilt wurde. Sein glückliches Gesicht ist mir heute noch im Gedächtnis. Viel öfter jedoch erlebte ich, wie Menschen trotz dass für sie gebetet und auch medizinisch alles unternommen wurde, gestorben sind! Nie werde ich vergessen, wie ein guter Freund an Aids qualvoll gestorben ist. Er hatte sich durch eine Spritze in der Drogenszene mit fremdem Blut angesteckt und wusste das zunächst nicht, denn er hatte sein Leben völlig geändert, und ging in eine christliche Gemeinde. Diese Krankheit aber, bricht bekanntlich oft Jahre später aus. Als er medizinisch gesehen nur noch wenige Monate zu leben hatte, habe ich ihn das letzte Mal gesehen (danach kam er ins Fach-Krankenhaus).
Es war ein Abend in einem Hauskreis und ich durfte das Einleitungswort vortragen. Ich sollte etwas über die Auferweckung des Lazarus sagen (Johannesevangelium, Kapitel 11). Ich muss gestehen dass ich an jenem Abend vermutlich eine kleine Predigt gehalten habe. Etwas in mir inspirierte mich, Dinge zu sagen, die ich selbst vorher nicht so wusste, und so predigte ich sozusagen auch mir selbst! Mein dem Tode geweihter Freund, saß links direkt neben mir, hustete ständig und hatte schon sehr hohes Fieber. Meine Botschaft an jenem Abend war schlicht: Ich sprach von der Liebe die Jesus zu seinem Gott-Vater, zu seinen Freunden (Jüngern) und zu der Welt (Nächstenliebe) hatte. Alles was Jesus tat, tat er aus Liebe.
Im Johannesevangelium (Kapitel 11) wird uns diese Begebenheit erzählt, wie Jesus seinen toten Freund Lazarus von den Toten auferweckte. Dass Lazarus wirklich tot war, daran besteht kein Zweifel, das steht im Vers 39: "Martha, die Schwester des Verstorbenen, spricht zu ihm: Herr, er riecht schon, denn er ist schon vier Tage hier."
Bevor Jesus seinen Freund Lazarus auferweckte (durch die Kraft des Heiligen Geistes und das Wortes Gottes das er aussprach) wurde er im Herzen ergriffen, und fühlte Mitleid mit seinen Freunden sowie den anderen Mitmenschen! Das steht im Vers 5: "Jesus aber liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus", und weiter ab Vers 33: "Als nun Jesus sah, wie sie weinte, und wie die Juden, die mit ihr gekommen waren, weinten, ergrimmte er im Geiste und wurde bewegt und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprechen zu ihm: Herr, komm und sieh! Jesus weinte."
Wenn ich nun wieder an meinen toten Freund denke, der damals neben mir saß, so kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich jemanden um ihn weinen gesehen habe, zumindest nicht öffentlich! Jesus aber weinte vor aller Leute Augen als es um seinen Freund Lazarus ging! Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott jedes ernstgemeinte Gebet erhört, aber es muss nicht immer so geschehen, dass jeder immer von seinen Krankheiten geheilt wird. Dennoch haben wir in der Bibel viele Verheißungen, die uns ermutigen sollen, doch zu glauben, dass Gott heilen kann und auch will. Jesus selbst sagte: "Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken", und schon zur Zeit des Alten Testamentes sagte Gott der Herr: "Ich bin der Herr dein Arzt."
Da wir jedoch keine Roboter sind, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, möchte Gott, dass wir ihn bitten sollen um das, was wir haben wollen! Jesus sagte: "Bittet, so wird euch gegeben." Auch zu Kranken die zu ihm kamen sprach er, obwohl er wusste was los war: "Was soll ich dir tun?"
Unsere Welt hier auf der Erde, ist nur deshalb unheilvoll, weil es an Liebe mangelt. Viele Menschen müssten nicht hungern, wenn wir Menschen in den reichen Ländern, unser Gut mit den Armen teilen würden. Aber auch Krankheiten unserer Mitmenschen und geliebten Angehöriger, könnte Gott heilen, wenn wir unser Mitleid mit ihnen wirklich teilen würden!
Damit wir eine Vorstellung davon haben, was wirklich heilendes Mitleid bedeutet, möchte ich zwei Erlebnisse von John Graham Lake erzählen, der vor etwa 100 Jahren als Missionar in Südafrika die Botschaft von Jesus Christus verkündigte:
Es begab sich dass eine Frau sehr krank war. John und sein Freund sowie seine Schwester, beteten für die Gesundung dieser Frau immer wieder, aber ohne Erfolg. Während John dann in der Stadt etwas erledigte, spürte er wie Gott ihm sagte dass er jetzt zu der Frau gehen solle. Als er hinging, sah er wie sich die Frau in Qual und Todeskampf krümmte. Er legte dann seine Arme um sie und zog ihren Kopf ganz nah an sein Herz! In diesem Augenblick brach etwas aus seiner Seele los und ehe er zu beten begann, wurde die Frau von Ihrer Todesqual befreit. Ein göttlicher Strom ergriff diese Frau und sie wurde in einem einzigen Augenblick geheilt! John verließ unter Lobpreisungen Gottes jenen Ort.
In einem anderen Fall war ein 73-jähriger Mann so stark krank, dass man ihm täglich bis zu 24 Zigarren, 1,1 Liter Whisky, und eine schreckliche Menge Morphium geben musste, damit er seine Qualen ertragen konnte. John betete für diesen Mann 16 Stunden lang ohne Unterbruch, aber vergeblich. Auch das Gebet anderer half nicht! Man wollte den Mann wieder betäuben, doch John sagte "Nein", denn er hatte die Zusage des Mannes, dass dieser seinen Kampf auf Leben und Tod nun ganz ohne diese Mittel ertragen wollte. Dann passierte etwas das John so schildert: "Als ich dort stand und die furchtbaren Krämpfe des Kranken sah, kam mir plötzlich das Schriftwort in den Sinn: Er trug unsere Krankheiten (Matth.8,17). Ich streckte mich aus und ergriff ihn und hielt in fest wie mit einem eisernen Griff. Ein Mitleid brach aus meiner Seele hervor, welches zu tief ist, als dass man es irgendwie beschreiben könnte; und in einem einzigen Augenblick sah ich ihn ruhig daliegen; er war durch die Kraft Gottes geheilt."
Was Jesus vor 2000 Jahren praktizierte das gilt für uns auch heute! Was John Graham Lake vor 100 Jahren durch den Glauben an den Herrn Jesus erlebte, das sollte auch uns ermutigen, heilendes Mitleid zu entdecken!
Eduard Nemeth
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