Hexe!
DIE AVALON-VARIANTE
(9)
Autorin: Barbara (barbarella_1970@yahoo.de)
Disclaimer (und Archivierung aller Kapitel als .doc-Dokumente zum runterladen) unter http://www.geocities.com/barbarella_1970/Iris-Hexe.html

[AVALON-VILLA, AUSSERHALB VON WASHINGTON]
Es ist mal wieder eine Diskussion über Aliens im Gange - immer noch eins von Mulder's Lieblingsthemen. Mittlerweile hat er dank AVALON jedoch Zugang zu allen möglichen Informationen, die früher immer unter Verschluss gehalten wurden... zumindest zu den Sachen, die das Konsortium damals vor nunmehr über dreissig Jahren nicht noch vernichtet hatte.
"Ach weisst du, Mulder, Du solltest diesen Aliens nicht alles glauben... die haben wohl noch viel erzählt, wenn der Tag lang ist!" meint Iris. "Nicht alles Gute kommt von oben!" Sie legt den Kopf etwas schief und lächelt verschwörerisch. "Oder andersrum... nicht alles, was von oben kommt, ist auch unbedingt gut! Na ja, aber das wisst ihr ja selbst." - "Dann glaubst du also doch nicht, dass Aliens schon früher auf der Erde waren und die Entwicklung der Menschheit womöglich beeinflusst hatten?" - "Oh doch... aber wer sagt denn, dass gerade *diese* Aliens was damit zu tun hatten?" meint Iris schulterzuckend. "Das waren ja vielleicht nur irgendwelche Schmarotzer, die einfach mal zufälligerweise von der Erde gehört hatten und dachten, sie könnten hier wohl auch noch ein Süppchen kochen!" - "Eine interessante Theorie. Du gehst also davon aus, dass wir schon von mehreren Arten von Aliens besucht wurden?" - "Na klar!" Und das erzählt sie ihm jetzt nicht zum ersten Mal. Aber jedes Mal, wenn Mulder ein paar Gläser intus hat und die Sprache auf Aliens kommt, beginnt die Diskussion wieder bei Adam und Eva ganz von vorne...
Manchmal würde Alex dem guten Mulder am liebsten alles erzählen. Aber nur manchmal. Meine Güte, sie kennen sich nun schon 32 Jahre... aber vielleicht wäre es gerade deswegen ein grosser Schock. Nein, Alex würde nichts erzählen und den Namen Alex Krycek eines Tages mit ins Grab nehmen, auf dem der Name Alexander Sinclair stehen soll. Irgendwann einmal.
Zu guter Letzt sind um das Feuer zur Sommersonnenwende 2031 noch Iris, Alexei, Lindsey, Ix, Max, Will, Lex und Argon versammelt. Und es wird immer noch über Aliens geredet. Mulder würde sich die Finger danach lecken und würde sich selbst in den Hintern beissen, dass er schon ins Bett gegangen ist, wenn er wüsste, was da noch alles geredet wird, wenn er nicht dabei ist...
"Erzähl doch noch mehr von diesen Taelons!" meint Ix. Irgendwie findet sie die Typen faszinierend, auch wenn man ihnen nicht unbedingt über den Weg trauen kann, da sie eben wohl doch nicht so altruistisch sind, wie sie vielleicht tun mögen. Menschlich aussehende Figuren mit langen Buddha-Ohren, die eben doch alles andere als Menschen sind, sondern seltsame Zwitterwesen mit schimmernder Haut in allen Farben des Regenbogens und ohne Haare. Irgendwie scheinen die ihr (trotz Iris' Beschreibung, dass sie sich wie Schildkröten auf Valium bewegen würden) aber immer noch sympathischer als gewisse andere Aliens, die sich einfach als Parasiten in Menschen einnisten oder sonstwie Menschliche Hüllen nehmen... "Oder erzähl noch mehr von all den anderen Typen, die vielleicht mal vorbeikommen könnten!" Ix weiss, dass die Erde schon häufiger von irgendwelchen Ausserirdischen besucht wurde. Sie hofft nur, dass es das nächste Mal freundlichere Typen sind als diese eher unerfreulichen Gestalten, denen damals ihre Eltern in die Quere kamen, wie beispielsweise dieser gestaltwandelnde Kopfgeldjäger oder was auch immer das war.
"Oh... ich habe euch doch schon so oft davon erzählt..." Iris denkt an die Zeit, als die Kinder noch klein waren und sie all die wilden Geschichten über Hexen, Dämonen, Aliens oder irgendwelche andere durch Zeit, Raum und Parallele Realitäten reisende Kuriositäten immer noch mehr oder weniger als Märchen ausgegeben hat. "Und viel mehr weiss ich auch nicht. Ich weiss nur, dass es noch viele Arten von Leben im Universum gibt. Auch intelligentes Leben. Manche in unseren Augen vielleicht ziemlich skurril, manche wiederum uns so ähnlich, dass man sie auf den ersten Blick für Menschen halten könnte, auch wenn sie im Gegensatz zu den meisten Menschen womöglich mehr Sinn für Übersinnliches haben... Wie auch immer, vielleicht werden unsere Raumschiffe eines Tages wieder mal irgendwelchen Aliens über den Weg laufen... oder die Erde wird mal wieder besucht. Und dann können wir nur hoffen, dass man es mit einer freundlichen Sorte zu tun bekommt." Iris nippt an ihrer Flasche Wodka und muss hier in diesem Kreis auch nicht so tun, als würde sie davon betrunken.
"Warum buddeln wir eigentlich nicht einfach so ein Stargate aus und gehen mal selber auf Tour?" meint Ix unternehmungslustig. Es würde sie wirklich furchtbar reizen, andere Planeten zu erkunden. "Wegen dieser Goa'Uld können wir ja schon vorsichtig sein..." Dabei haben diese Goa'Uld-Parasiten, die sich als Götter ausgeben, diese Sternentore - und es gibt auch mehr als nur eine Sorte Sternentore - ja noch nicht mal selbst erfunden, wie Iris erzählt hat. Tja, da kommt wohl Pad'M'Ara einer Göttin wirklich noch näher...
... genau die Pad'M'Ara, die sie in Gestalt einer Krähe wieder mal beobachtet und in den letzten sechs Jahren in Bezug auf Iris so verspielt ist wie ein junges Kätzchen.
Da Argon mal wieder hier ist, ergreift er natürlich die Gelegenheit, Iris mal wieder abzulecken, und er lässt sich dabei auch von ein paar irritierten Blicken nicht stören. Lex stört es nicht, das ist alles was für ihn zählt. Lex knutscht ja selbst mit Iris rum und geniesst den Vanille-Geschmack...
Pad'M'Ara kann förmlich riechen, dass sich Iris' Fieber dem Ende neigt... bald wird es vorbei sein. Und dann... irgendwie mag sie gar nicht daran denken, was dann sein wird. Überhaupt ist die Amayra-Hexe schon viel zu lange in dieser Realität. Ein Jahr wollte sie mal bleiben... und inzwischen sind es bald 33 Jahre. Wenn Iris noch länger bleibt, wird man sie aufgrund all der guten Taten womöglich noch heilig sprechen oder sowas in der Art, was der guten alten Iris, die doch mal so auf Diskretion bedacht war, bestimmt nicht recht wäre... hehehe... Weg mit ihr!
Allerdings kann Pad'M'Ara eine Amayra-Hexe nicht töten, selbst wenn sie wollte. Aber sie kann sie rauswerfen. Rauswerfen aus dieser Realität! Und plötzlich fragt sich Pad'M'Ara, warum ihr dieser glänzende Einfall eigentlich nicht schon viel früher gekommen ist... Irgendwas von wegen SCHICKSAL spukt in ihrem Kopf herum, doch sie ist schon damit beschäftigt, sich in farbenfrohen Bildern auszumalen, wie sie es wohl anstellen sollte. Soll es so aussehen, als wäre sie von einem Blitz erschlagen worden und nur ein Häuflein Asche übriggeblieben? Soll sie angeblich im Meer ertrinken, so dass man sich nicht wundert, wenn man keine Leiche findet? Oder sollte Iris vielleicht in die glühende Lava eines Vulkans springen?

Tja, da fällt Pad'M'Ara ein, dass sie doch eigentlich auch mal wieder in Lava baden gehen könnte, das ist gut für ihren Teint, besonders wenn sie gelegentlich auch mal wieder Menschliche Gestalt annehmen will... Tja, die Dämonische Göttin hat eben ein feuriges Temperament!
Niemandem fällt auf, wenn mal ein aktiver Vulkan etwas mehr brodelt... jedenfalls solange sich Pad'M'Ara beim Baden ruhig verhält und nicht zu sehr rumplantscht.
Iris hat geträumt. Und in ihren Träumen sieht sie sich wieder springen... oder wird sie sogar gestossen? Jedenfalls machen sich Vorahnungen breit, eine gewisse Unruhe, als würde ihre Reise nach 33 Jahren in dieser Variante bald weitergehen.
Grosse Sorgen muss sie sich eigentlich keine machen, denn sie hat ihre Angelegenheiten ja schliesslich immer so geregelt, dass sie jederzeit verschwinden könnte, ohne dass alles wie ein Kartenhaus zusammenfällt. Allerdings fragt sie sich natürlich schon, wie ihre Freunde wohl reagieren werden, wenn sie plötzlich verschwindet und man sie für tot hält.
Alex küsst sich genüsslich Iris' Rücken hoch zu ihrem Nacken - und sie dreht sich langsam um, packt ihn sanft im Genick und zieht ihn näher zu sich heran, um an seinem Hals herumzuknabbern und ihn nochmal zu beissen. Vielleicht ein letztes Mal. Er schmiegt sich an sie und umklammert sie leidenschaftlich, während sie ihm ein Bisschen Blut aussaugt, nicht viel, nur ein paar Tropfen, genug um durch den Biss ein wenig high zu werden. Sie spürt seine Erregung nicht nur körperlich, sie kann es auch geistig fühlen... und nachdem sie die Bisswunden wieder weggeküsst hat, wandern ihre Lippen zu seinem hungrigen Mund und ihre Zungen vollführen einen erotischen Tanz. Sie liegt auf ihm, hat wieder seine Handgelenke gepackt, doch er ergibt sich ihr sowieso willig, stöhnt wieder auf, als sie ihn erneut spielerisch beisst und ihn gefährlich anknurrt. Es macht ihn heiss, wenn sie ihn auf diese Weise anknurrt, und sie spielt gerne mal wieder das Raubtier, um wild über ihn herzufallen...
"Ja tebja ljublju!" murmelt er danach erschöpft und kuschelt sich eng an sie, um ihrem Schnurren zu lauschen, während sie ihm noch durchs Haar wuschelt.
Über Alexei's Kopf hinweg wechselt sie lächelnd einen verschwörerischen Blick mit Lindsey, der ihnen etwas Luft zufächelt.
[IRGENDWO UNTERWEGS]
Durch die offene Luke ist es hier so laut, dass man kaum sein eigenes Wort verstehen kann, doch sie kann das I LOVE YOU von Lindsey's Lippen lesen und in seinen Gedanken hören. Sobald der Fallschirm umgeschnallt ist, haucht sie ihm noch einen Abschiedskuss auf den Mund und schubst ihn dann raus, noch ehe er protestieren kann... und innerhalb von Sekunden verschwindet er in der Dunkelheit.
Alexei klammert sich mit Tränen in den Augen an sie und will sie nicht verlassen. "Ja tebja ljublju!" flüstert er und weiss, dass sie es hören kann. Sie umarmt ihn, ein letzter leidenschaftlicher Kuss... dann wirft sie auch ihn aus dem Flugzeug und schaut ihm nach, wie er mit einem gellenden Schrei von der Nacht verschluckt wird. Nie wird sie sein ungläubiges Gesicht vergessen, als sie ihn wirklich von sich gestossen hat... um sein Leben zu retten, wieder mal.
Iris dreht sich um.
Pad'M'Ara lächelt sie an und bleckt dabei ihr beeindruckendes Raubtiergebiss.
"Man hat sich schon die Frage gestellt,
ob es wirklich so viele Realitäten gibt, wie wir denken.
Oder träumen wir die meisten davon vielleicht nur?
Vielleicht sogar alles?
Denn was ist schon Traum und was Realität?!
Doch selbst wenn alles nur ein Traum ist...
- wenn's weh tut, so ist es schon verdammt real!"
(Alte Amayra-Weisheit)
- - - - - -
"Was soll das heissen, Iris ist gestorben?" - "Na man hat den Leuten ja wohl schlecht erzählen können, dass die Zauberhafte Hexe gesprungen ist und diese Realität verlassen hat!" meint All'Una grinsend. "Offiziell ist sie also mit diesem kleinen Privatflugzeug abgestürzt, das von der Explosion dermassen zerfetzt worden ist, so dass man sich nicht allzu sehr gewundert hat, dass man keine Leiche fand." - "Aha. Und das alles steht auch in Iris' Aufzeichnungen?" erkundigt sich die Fürstin, die langsam neugierig ist, woher All'Una das alles überhaupt weiss. - "Na ja, das hat man mir später erzählt, als ich in der Avalon-Variante war! Iris' Aufzeichnungen enden damit, dass Pad'M'Ara im Flugzeug auftauchte und ihr sagte, dass es jetzt genug wäre und Iris Zeit eines Lebens nicht mehr hierher zurückkehren würde." Zumindest endet eben jenes Exemplar von Iris' Aufzeichnungen damit, das All'Una bei ihrem ersten Besuch in der Avalon-Variante mal lange genug in die Finger bekommen hat, um sich davon eine Kopie zu machen.
Eine ganze Weile hüllt sich die Fürstin in Schweigen, als sie so darüber nachdenkt, was Iris in 33 Jahren alles erreicht hat. Was sie eigentlich schon nach einem Jahr erreicht hatte... Was kann sie selbst da erst erreichen! Immerhin hat sie Connections. Und sie ist ja schliesslich nicht nur irgendeine dahergelaufene Type, die zufälligerweise das grosse Los gezogen hat, sondern eine verdammte Fürstin, ihr Titel lautet Höchst Ehrwürdige Atrix d'Aripat de Caprica! Sie betrachtet ihre zwölf Finger und fragt sich, auf welche beiden sie eines Tages ihre Arda-Ringe stecken würde, an die inneren oder die äusseren Mittelfinger? Aber darüber kann sie sich immer noch den Kopf zerbrechen, wenn es irgendwann mal soweit ist...
"Was ist denn nach Iris' vermeintlichem Tod passiert?" - "Tja... Offenbar gab es eine grosse Totenfeier und alle sagten fortan nur noch gute Sachen über sie, wie das eben so üblich ist. Iris wurde im Tod noch berühmter als im Leben, weil sie sich ja nicht mehr dagegen wehren konnte, regelrecht verehrt zu werden als Zauberhafte Hexe. Wie eine Heilige. Ja fast schon wie eine Göttin." - "Wie bitte?!" - "Na ja, das hat man natürlich nur hinter ihrem Rücken gesagt!" meint All'Una grinsend. Ach, eigentlich ist das alles schon so lange her, das ist ja schon fast nicht mehr wahr!
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"Des Menschen Wille ist sein Himmelreich!"
(Sprichwort von der Erde)
Mit einem Ruck, der ihm schier den Atem raubt, öffnet sich der Fallschirm automatisch und der freie Fall hat ein Ende. Während das Adrenalin durch seine Adern fliesst und er förmlich sein eigenes Blut rauschen hört, dreht Lin den Kopf, um noch einen Blick auf das Flugzeug zu erhaschen und zu seiner grossen Erleichterung entdeckt er etwas weiter auch Alexei, dessen Fallschirm sich nun ebenfalls öffnet.
Gleissende Blitze durchzucken die Nacht, blenden jeden, der es sieht... und dann zerschellt das kleine Privatflugzeug am Berg, in einer gewaltigen Explosion, als wäre dafür extra Dynamit an Bord gewesen.
Der Boden kommt beängstigend schnell näher und näher und es ist leider nicht eine schöne weiche Wiese, sondern unebenes felsiges Terrain. Beim Aufprall kommt Lin etwas unglücklich auf und ein stechender Schmerz im Fuss lässt ihn unwillkürlich fluchen. Als ihm klar wird, dass Iris wohl nicht kommen wird, um den Bruch mit einem Handauflegen zu heilen... dass sie nie wieder kommen wird... da kommen ihm unwillkürlich Tränen.
Etwas weiter weg landet auch Alexei, bei ihm sieht das richtig professionell aus, wie er sich abrollt. Er steht auf, entledigt sich des Fallschirms und scheint unverletzt, soweit er das im fahlen Licht des Vollmonds sehen kann. "Alexei!" ruft Lin laut, doch Alexei scheint nur wie erstarrt dazustehen und zum Berg zu sehen, an dem das Flugzeug zerschellt ist. Natürlich steht er noch unter Schock, ist ja klar... "Alexei!" ruft er weiter. "Hilf mir! Komm her! Alexei!" Langsam scheint sich Alexei aus seiner Lethargie zu lösen und er kommt näher.
Schliesslich setzt sich Alex neben Lindsey auf den Boden und legt mechanisch seinen Arm um ihn, wobei er immer noch in Richtung der rauchenden Trümmer starrt. Iris ist nicht tot, sie ist nur gesprungen... jenseits der Spiegel! Trotzdem laufen ihm Tränen übers Gesicht, wie er feststellt, als ihm Lindsey über die Wange streicht. Er ist noch zu geschockt, um irgendwas zu sagen, und er ist froh, dass Lindsey auch nichts sagt. So sitzen sie einfach eine ganze Weile einträchtig schweigend beisammen und halten sich dabei in den Armen.
"Ich muss weg." - "Was?!" Lin starrt Alexei entgeistert an. - "Ich muss verschwinden." Alex' Stimme zittert etwas und so richtig klar denken kann er ohnehin nicht, das ist ihm sogar selbst klar. - "Was meinst du mit verschwinden?!" fragt Lin besorgt und leicht panisch. Und er macht sich nicht nur Sorgen darüber, dass Alexei jetzt einfach davon spazieren und mit dem gebrochenen Fuss hier liegen lassen könnte. Im Geiste sieht er Alexei schon mit falschen Ausweisen irgendwo herumirren, noch völlig unter Schock, und dann schliesslich in der Gosse landen. - "Iris..." Ein leises Schluchzen bahnt sich seinen Weg und er kann es nicht unterdrücken. "Iris Sinclair ist jetzt tot. Alexander Sinclair ist mit ihr gestorben..." - "Nein!" protestiert Lin. "Das wäre nicht in ihrem Sinne gewesen! Immerhin hat sie doch immer alles so geregelt gehabt, dass es auch ohne sie weiterläuft... und das bedeutet auch, dass du ihr Werk weiterführen musst, denn du bist immer noch der Stiftungsratsvorsitzende von AVALON!" Und als Alexei immer noch wie in Trance den Kopf schüttelt, doppelt er nach: "Und was ist mit unseren Freunden? Was ist mit mir?" Er sieht ihn eindringlich an und schüttelt ihn leicht. "Du kannst uns doch nicht einfach auch noch verlassen und verschwinden!" protestiert er - worauf Alex noch mehr schluchzt. "Ohne Iris gäbe es Alexander Sinclair überhaupt nicht!" flüstert er aber fast tonlos. "Lindsey McDonald gibt es wenigstens, du existierst wirklich!" - "Aber ohne Iris wäre ich auch schon lange Zeit ein ziemlich toter Lindsey McDonald!" stellt Lin möglichst sachlich fest. "Und ich sag dir mal was, Freundchen. Es kräht kein Hahn mehr danach, was früher war, du hast als Alexander Sinclair gelebt und wirst irgendwann in ferner Zukunft auch mal als Alexander Sinclair sterben. Verdammt, du *bist* Alexander Sinclair!" Er hält Alexei geradezu fest, damit er nicht verschwindet - doch der ist momentan sowieso noch zu zittrig, um überhaupt irgendwohin zu gehen. Iris ist weg. FÜR IMMER oder, wie Padmara so schön gesagt hat, ZEIT EINES LEBENS... Irgendwann fällt ihm auf, dass er friert und mit den Zähnen klappert, obwohl es doch eine lauwarme Sommernacht ist. Vollmond. Romantisch. Ja, das würde Iris wohl gefallen...
Am nächsten Morgen werden Alexei und Lindsey von Rangern aufgefunden... und wenig später wimmelt es an der Absturzstelle von allen möglichen Leuten und in den Nachrichten wird berichtet, dass um 01.21 Uhr morgens des 7. Juli 2031, Iris Sinclair, die Gründerin von AVALON, beim Absturz eines kleinen Privatflugzeuges, das sie selbst gesteuert habe, ums Leben gekommen sei, während Alexander Sinclair und Lindsey McDonald sich mit Fallschirmen retten konnten... Die Unfallursache sei noch unklar, doch da Leute einen Blitz gesehen haben wollen, könnte dieser einen Technischen Defekt ausgelöst haben... Und es würde sogar erzählt, Iris habe die Männer höchstpersönlich mit den Fallschirmen zum Flugzeug rausgeworfen...
~ ~ ~
Ix bahnt sich an der Spitze der Gruppe einen Weg durch die Reporter, die schon das kleine Krankenhaus belagern, in das Alexei und Lindsey gebracht worden sind und das wegen des Medienandrangs von der Polizei praktisch abgeriegelt worden ist.
Auf die allenthalben gestellte Frage, wer sie denn wäre, antwortet sie schliesslich leicht genervt: "Mein Name ist Irina Samantha Mulder. Und das hier sind Maximilian Edward Skinner und William Charles Mulder. Iris Sinclair war unsere Patentante. Und jetzt lassen Sie uns gefälligst durch!"
~
Lindsey's rechter Fuss ist bandagiert, doch ansonsten scheint es ihm gut zu gehen. Alexei scheint zwar keine Blessuren zu haben, jedoch noch ziemlich unter Schock zu stehen und in diesem Krankenhaushemd sieht er richtig krank aus. Er sitzt am Bett seines Freundes und blickt starr zum Fenster raus, wo am Horizont der Berg zu sehen ist, an dem das Flugzeug zerschellte. Seine linke Hand liegt in Lindsey's und die rechte hat er zur Faust geballt.
Als Ix ihm nach der Begrüssung eine Hand auf die Schulter legt, sieht er endlich hoch, doch sein Blick ist irgendwie seltsam leer. "Alexei, was hast du da?" fragt sie mit sanfter Stimme und legt ihre Hand auf seine Faust, die er nun langsam öffnet, um zu zeigen, was er da so krampfhaft umklammert hält. Ein goldener Ring. Mit einem kurzen Blick vergewissert sie sich, dass Alexei seinen eigenen Ring noch trägt. Also muss das wohl Iris' Ehering sein, den sie ihm irgendwie noch zugesteckt haben muss, bevor sie... äh... weg ist. Sie schliesst seine Finger wieder darum und klopft ihm tröstend auf die Schulter.
"Was ist passiert?" fragt Mulder schliesslich geradeheraus. Das haben auch schon Polizisten und Rettungskräfte gefragt, doch vielleicht sind Alexei und Lindsey ja ihnen gegenüber etwas gesprächiger. Doch Alexei sagt keinen Ton, dafür erzählt Lindsey von dem Blitz und wie plötzlich sämtliche Instrumente ausgefallen sind und wie Iris sie dann mit den Fallschirmen buchstäblich aus dem Flugzeug geworfen hat... "Und Iris?" Kopfschütteln. Und wieder ein paar Tränen.
~
Als Alexei und Lindsey (letzterer an Krücken) zusammen mit ihren Freunden das Krankenhaus verlassen, geht wieder ein Blitzlichtgewitter auf sie nieder. Und wieder ist es Ix, die eine Erklärung abgibt, dass man die beiden nach Hause bringen wird, wo sie sich erst mal in Ruhe von dem Schreck erholen sollten.
[AVALON-VILLA, AUSSERHALB VON WASHINGTON]
Natürlich dauert es nicht lange, bis die ersten Vermutungen geäussert werden, ob es bei diesem Unfall wohl nicht so ganz mit rechten Dingen zugegangen wäre. Womöglich war es Sabotage und man wollte das ganze Avalon-Trio ausschalten. Oder hat man es vielleicht wirklich nur auf Iris abgesehen... und ist es nicht verdächtig, dass Lindsey McDonald nur einen gebrochenen Fuss hat und Alexander Sinclair offenbar nicht mal einen Kratzer abbekommen hat, weil sie rechtzeitig mit dem Fallschirm abgesprungen sind...
Irgendwie fühlen sich manche ein wenig in die damaligen Zeiten zurückerinnert, als noch hinter ihrem Rücken getratscht wurde, Alexei hätte Iris vor allem des Geldes wegen geheiratet, obwohl das wirklich keiner ernsthaft glauben konnte, der die beiden jemals zusammen gesehen hat.
"Die gelegentlich geäusserte Unterstellung, Alexander Sinclair oder Lindsey McDonald könnten auch nur das geringste mit Iris' Tod zu tun haben, ist derart lächerlich, dass wir erst gar nicht darauf eingehen werden!"
Privatvermögen hatte Iris Sinclair kaum noch, da sie ja fast alles Geld in die Stiftung gesteckt hatte. Zudem hat sie alles an Ix vererbt mit dem Hinweis, sie wüsste wohl schon, was zu tun wäre.
Und während die Spezialisten an der Absturzstelle immer noch nach Spuren suchen und doch nichts finden... treffen aus aller Welt tonnenweise Beileidsbekundungen bei AVALON ein. Und die Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika verkündet sogar live im Fernsehen ihre Trauer um den grossen Verlust von AVALON hat sie doch Iris Sinclair sogar persönlich gekannt; sie spricht geradezu demonstrativ Alexei und Lindsey (und all ihren Freunden) ihr Mitgefühl aus, so dass wohl niemand mehr es wagen wird, irgendwelche Verdächtigungen zu äussern.
"Man wird keine Leiche finden. Keine Überreste. Nichts." Ix seufzt kurz - und Kevin meint daraufhin lächelnd: "Engel ist jetzt wieder im Himmel!" Er sitzt auf der Couch, an Will geschmiegt, der ebenso fix und fertig scheint wie Alexei und noch ganz rotverquollene Augen hat. - "Ja, genau. So kann man es auch ausdrücken." Sie lächelt Kevin an, der es ja offenbar erstaunlich locker nimmt, dass sein Engel einfach so wieder in den Himmel entschwunden ist. "Trotzdem müssen wir natürlich so eine Art Beerdigung veranstalten. Es werden viele Leute kommen. Wichtige Leute, die AVALON ihre Referenz erweisen wollen. Viel Publicity." - "Keine Kirche, keine Pfaffen!" platzt Alex heraus. - "Es wird natürlich kein Christliches Begräbnis!" versichert Ix, die ja zwar seinerzeit katholisch getauft wurde, doch aus der Kirche ausgetreten ist, sobald sie volljährig war. "Eher so eine Art Heidnische Totenfeier!" Sie legt den Kopf etwas schief. "Grosse Quizfrage: Sollen wir einen leeren Sarg aufstellen oder sowas in der Art?" - Alex schüttelt den Kopf. "Wenn hier bei AVALON ein Sarg rumsteht, würde man eher erwarten, dass dort dann ein Vampir raushüpft..." Lindsey muss kichern und sogar Alex kann sich jetzt plötzlich ein Lächeln nicht verkneifen, als er daran denkt, was wohl Iris zu dem ganzen Brimborium sagen würde. "He, Will, dein letztes Bild von ihr würde doch gut passen... du weisst schon... MISS AVALON!" Ein Portrait von Iris im eleganten schwarzen schulterlosen Abendkleid und mit langen schwarzen Handschuhen bis über die Ellenbogen, mit festlich hochgestecktem Haar und ihren Brillantklunkern. - "Gute Idee!"

Oh ja, es gab ein grosses Fest - und eigentlich sah es eher nach Grosser Geburtstagsparty oder Firmenjubiläum als nach Beerdigung aus, zumal es ja eben auch gar keinen Sarg gab - es wurden natürlich auch viele Reden geschwungen und alle Gäste waren voll des Lobes über AVALON im allgemeinen und Iris im besonderen, die ja ein ganz aussergewöhnlicher Mensch gewesen sei... wozu auch unzählige Anekdoten erzählt wurden, wobei man immer wieder auf ihr Wohl trank.
Und das alles unter freiem Himmel. Bei strahlendem Sonnenschein.
IT'S PARTY-TIME!
Jetzt geht die Sonne langsam unter und die meisten Politiker, Geschäftsleute und sonstigen Gäste aus aller Welt, die sich für VIPs halten, machen sich langsam vom Acker. Vielleicht ahnen einige davon, dass es hier schon bald nach Einbruch der Dämmerung etwas unheimlich werden könnte...
Denn nach Sonnenuntergang treffen dafür noch ein paar andere Gäste ein, weil jetzt in der Nacht erst die eigentliche Feier zu Iris' Ehren beginnt und es wird ein grosses Feuer angezündet und Ix verbrennt darin irgendwas, so dass nun alles nach Vanille duftet, was natürlich bei so einigen Leuten Erinnerungen weckt...
Überhaupt ist es Irina Samantha Mulder, die hier gewissermassen die Gastgeberin spielt und dabei zu ihren schwarzen Klamotten Iris' Brillantklunker trägt. Schon als die Sonne noch schien, hat sie freimütig erzählt, dass sie eine Hexe ist und es Iris war, die sie in Magie unterwies und auch viele andere nützliche Dinge lehrte.
Oh ja, schon mit all den lieben Sachen, die vor Sonnenuntergang über Iris erzählt worden sind, kann Iris Sinclair - ehemals Special Agent beim FBI und dann Gründerin von AVALON und sowieso und überhaupt Zeit ihres Lebens eine aussergewöhnliche Persönlichkeit mit starker Aura, die nicht umsonst von ihren Freunden gerne Zauberhafte Hexe genannt wurde - ganz locker zu einem Übermenschen hochstilisiert werden. Und jetzt im Dunkeln wird's noch toller...
... denn natürlich werden auch jetzt des Nachts ein paar Reden geschwungen und teils geradezu haarsträubende Anekdoten über Iris verbreitet, wobei viele Storys hier wohl den allermeisten Gästen von heute Mittag vermutlich die Haare zu Berge stehen lassen würden, weil sie zwar Iris schon alles mögliche zutrauen mögen, aber wohl kaum glauben würden, dass sie sogar mit Dämonen im Bunde steht oder womöglich selbst sowas ist. Aber glücklicherweise werden die meisten Geschichten hier sowieso nur hinter vorgehaltener Hand erzählt. Und wer weiss schon, wie genau man es hier mit der Wahrheit nimmt, zumal Iris ja nicht mal dagegen protestieren könnte.
"Angel!" Lin winkt den Vampir zu sich rüber, der so aussieht, als würde er angesichts dieser Party-Stimmung hier am liebsten wieder kehrt machen, dabei ist er ja nicht mal alleine, sondern hat Lorne dabei. Und letzterer starrt nun Alexei an - so wie dieser auch den grünhäutigen Dämon anstarrt, in dessen Etablissement in L.A. er vor Urzeiten mal ein Liedchen trällerte, weil Iris ihn in diese komische Karaoke-Bar geschleppt hatte. Die Welt ist wirklich klein. Lindsey hat ihm von dem Host erzählt und dass er früher auch gelegentlich in der Bar gesungen hätte. Und jetzt steht Lorne sogar hier, in voller Lebensgrösse. Aber er hat nicht vor, ihm wieder irgendwas vorzusingen, damit er erneut in seine Seele schauen kann, wobei er sich schon fragt, was Lorne wohl gesehen hatte, weil es Iris doch dann ziemlich eilig hatte, aus dem Laden wieder rauszukommen...
Angel gibt sich Mühe, Mulder und Scully möglichst aus dem Weg zu gehen, denn sie mögen ihre Begegnung in Los Angeles ja vielleicht vergessen haben, doch er befürchtet, sie könnten sich vielleicht plötzlich wieder daran erinnern, wenn sie ihn zu Gesicht bekommen. Und Iris ist ja nicht mehr hier, um es sie dann wieder vergessen zu lassen, wobei sich aber unter all den Leuten hier bestimmt auch jemand finden lässt, der sich auf Hypnose oder sowas in der Art versteht. Wobei sich Angel aber irgendwie schon fragt, ob es jetzt überhaupt noch eine Rolle spielt, was sie über Iris glauben oder nicht glauben, jetzt wo sie weg ist... Immerhin hatte diese Geschichte damals auch was Gutes, denn danach bekam er wieder mal näheren Kontakt zu Iris. Und zu Lindsey McDonald. Er hätte den Anwalt damals fast nicht mehr wiedererkannt, denn im Gegensatz zu seiner Zeit bei WOLFRAM & HART sah der gute Lindsey an der Seite von Iris und Alexei richtig glücklich aus und das hat er ihm wirklich gegönnt, denn so ein richtig Böser war der Anwalt nie... sonst wäre Lindsey auch kaum davongelaufen, obwohl man ihn mit Verlockungen und Drohungen zum Bleiben bewegen wollte, als er schliesslich auf sein Gewissen hörte. Sonst hätte Lindsey gar kein Gewissen gehabt.
Auch Angel gibt schliesslich noch ein paar Müsterchen über die Zauberhafte Hexe zum besten, wobei er sich vorher vergewissert, dass Mulder und Scully nicht in Hörweite sind. Etwas peinlich berührt fällt dem Vampir gerade auf, dass er brühwarm von einem Schäferstündchen mit der Amayra-Hexe berichtet hat, während der Mensch, der fast 33 Jahre lang ihr Ehemann war - offiziell sogar noch länger, weil ja die angebliche Hochzeit in Las Vegas noch früher stattgefunden haben soll -, genau neben ihm sitzt. Allerdings scheint es diesem Alexei wohl nicht allzu viel auszumachen, schliesslich hat er Iris ja gekannt, die berüchtigt dafür war, sehr äh lebenslustig zu sein... Wobei... nichts ausmachen ist wohl das falsche Wort. Sicherlich ist dieser Alexei nicht über irgendwelche wilden Storys über die Zauberhafte Hexe schockiert, sondern er steht wohl eher noch unter Schock, weil Iris jetzt weg ist, mit der er immerhin den grössten Teil seines Lebens verbracht hat.
"Na Gott sei Dank!" meint Lin erleichtert, als er in den soeben angekommenen Motorradfahrern Lex und Argon erkennt. Offenbar waren die gerade irgendwo am Arsch der Welt und haben gar nichts mitbekommen von Iris' Tod, der doch immerhin in allen Nachrichten war, doch als sie es dann gehört haben, da haben sie sich natürlich sofort auf den Weg gemacht und sind immerhin jetzt hier. Lin stupst Alexei an: "Hey, Lex ist hier!" Das scheint seinen Freund etwas aus der Apathie zu reissen, denn Alexei springt auf die Beine.
Und da ist sie auch schon, die gute Lex, und schliesst Alexei stumm in die Arme, streicht ihm über den Rücken und wuschelt ihm tröstend durch die Haare. Argon tritt hinzu und klopft beiden auf die Schulter. So stehen sie eine Weile herum, bis Argon beiden die Tränen von den Wangen küsst und das mit einer Sanftheit, die man wohl dem Dämon gar nicht zugetraut hätte.
Um Mitternacht gab's ein grosses Feuerwerk, viele Wunderkerzen, Fackeln, Kerzen und überhaupt das reinste Lichtermeer. Bezaubernd. Pad'M'Ara hatte ihre helle Freude daran...
... ganz besonders wenn sie daran denkt, dass Iris es gehasst hätte, wie einige Leute sie bei der Gelegenheit nicht nur als Zauberhafte Hexe oder Engel bezeichneten, sondern auch noch mit ganz anderen lieblichen Namen bedachten und als Retter der Menschheit feierten, weil sie ja immerhin damals das mit der Alien-Verschwörung gedeichselt hat.
Zu schade, dass Mulder und Scully das nicht hörten, das wäre doch sicher lustig gewesen, wo doch gerade diese Freunde immer so sehr hinter irgendwelchen Wahrheiten her waren... aber was schert sich Pad'M'Ara schon um Menschen, noch dazu wo sie Iris damit ja nicht mal mehr ärgern kann.
"Ich sag's ja nur ungern... aber ich befürchte, Alexei hat einen an der Waffel!" flüstert Max in verschwörerischem Ton und sieht seine Schwester eindringlich an - die jedoch stirnrunzelnd den Kopf schüttelt. "Glaub ich nicht." - "Lex, du bist nicht da gewesen, aber die letzte Woche war Alexei die meiste Zeit regelrecht apathisch und hat sich im Zimmer verkrochen." - "Na logisch, er steht noch unter Schock!" - "Aber... ich meine, er weiss ja schliesslich, dass Iris... ich meine, du hast ja selbst gesagt, dass sie irgendwie nicht wirklich tot ist, sondern einfach... weg." - "Ja klar, aber was macht das für einen Unterschied, ob sie tot ist oder sonstwie jenseits der Spiegel?" meint Lex schulterzuckend. "Sie waren viele Jahre mehr oder weniger Tag und Nacht zusammen... und jetzt ist sie einfach nicht mehr da." - "Dann denkst du also, er fängt sich wieder?" - "Na hoffentlich." Sie seufzt kurz. "Ich werde jetzt jedenfalls erst mal eine Weile hier bleiben."
~ ~ ~
"Hast du Alexei gesehen?" erkundigt sich Lin etwas nervös und sieht Lex eindringlich an, die zum Glück so freundlich war, ihn zu besuchen, weil es für ihn wirklich mühsam wäre, an Krücken das ganze Gelände abzusuchen - und sie zieht nun leicht besorgt eine Augenbraue hoch. "Ist er weg?" Na jedenfalls ist er nicht hier. - "Ich weiss nicht... als ich heute aufgewacht bin, war er weg. Er hat all seine Ausweise und Geld mitgenommen." Er fährt sich nervös durch die Haare. "Lex... ich glaube, ich sollte dir was erzählen. Kurz nachdem wir mit den Fallschirmen runtergekommen sind... da hat Alexei schon mal gesagt, dass er weg will. Untertauchen. Irgendwie hat er wohl die fixe Idee, ohne Iris könnte er eigentlich gar nicht richtig Alexander Sinclair sein oder irgendwie... ach, ich weiss auch nicht!" - "Weil er ohne sie längst tot wäre und sie ihm damals diese neue Identität verschafft hat?" Lex nickt bedächtig. "Er fühlt sich wohl irgendwie schuldig und glaubt, er habe ohne Iris kein Recht mehr, Alexander Sinclair zu spielen... oder sowas in der Art. Ich hab ja nicht Psychologie studiert." Aber sie muss nicht Psychologie studiert haben, um sowas wie einen Nervenzusammenbruch zu erkennen. "Aber egal." Sie legt den Kopf etwas schief und klopft Lindsey dann sachte auf die Schulter. "Keine Angst. Ich finde ihn und bring ihn zurück."
[Irgendwo in Kanada, in einer Blockhütte mitten im Wald]
"Iris?" flüstert Alex in die Dunkelheit und umklammert seine Waffe noch fester. War da nun ein Geräusch oder haben ihm seine überreizten Nerven einen Streich gespielt?
"Ich bin's nur!" ertönt eine sanfte Frauenstimme, nachdem die Tür fast lautlos aufgebrochen worden ist. Es war nicht schwer, ihn zu finden. In früheren Zeiten wäre es für ihn wahrscheinlich leicht gewesen, unbemerkt unterzutauchen und auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden... schliesslich hatte er ja auf der Flucht vor dem Konsortium jahrelang im Untergrund gelebt, bis Iris ihn eines Tages aus einem eisigen See fischte. Aber da war die Welt noch nicht so vernetzt wie heute. Und es war ihm kein Dämon auf den Fersen, der ihn im wahrsten Sinne des Wortes gut riechen kann...
"Lex?!" Er zielt immer noch mit der Waffe auf sie, etwas ungläubig, ob sie echt ist oder vielleicht nur eine Fata Morgana. Argwöhnisch betrachtet er die Silhouette, denn im Gegenlicht sieht er nicht viel mehr als ihren Schatten. Wie kommt er eigentlich darauf, sie Lex zu nennen? "Wer bist du?" Es schwingt Panik in seiner Stimme mit, denn irgendwie kommt sie ihm so verdammt bekannt vor, doch andererseits... Teufel nochmal, warum dreht sich in seinem Kopf ständig alles? - "Ich bin Lex, wie du ja schon ganz richtig festgestellt hast. Aber die interessantere Frage ist vielleicht: Wer bist du?" Unbeeindruckt von der Waffe tritt sie näher und setzt sich vor der Ecke, in die er sich verdrückt hat, ebenfalls auf den Boden. Max hat wohl recht, der gute Mann hat wirklich einen an der Waffel. Paranoia. Irgendwie war er ja schon immer mehr oder weniger paranoid, doch schliesslich war ja Iris da, um ihn zu beruhigen, darum fiel es vielleicht nicht so auf. Auch seine Klaustrophobie ist schon legendär und noch heute erzählt man sich hin und wieder die Story, wie er ausgerastet ist, als er mal in Las Vegas verhaftet wurde... was wohl auch mit seiner Paranoia zusammenhängt. Sie streicht ihm übers Haar. "Wer bist du?" flüstert sie und kann förmlich sehen, wie sich in seinem Kopf die Räder drehen. "Wie ist dein Name?" - "Äh..." Jetzt hat er doch glatt vergessen, unter welchem Namen er hier unterwegs ist. Er hat die Waffe bereits sinken lassen und legt sie jetzt ganz auf den Boden.
"Soll ich dir sagen, wer du bist?" flüstert Lex schliesslich leise und lässt ihre Stimme beruhigend klingen, bemüht sich redlich, diesen gewissen hypnotischen Ton zu treffen. "Du bist Alexei. Alexander Sinclair." Sie ergreift seine linke Hand und tippt auf den Ehering, den er immer noch trägt. "Diesen Ring hat dir Iris an den Finger gesteckt, erinnerst du dich?" Dann tippt sie auf den anderen goldenen Ring, den er nun an einer Kette um den Hals trägt... und in seinen Augen schwimmen plötzlich Tränen. Er erinnert sich. "Wir vermissen dich, Alexei! Schlimm genug, dass Iris jetzt weg ist... aber wenn du nun auch noch plötzlich verschwindest, kommt man bei AVALON in arge Erklärungsnöte und das wäre gar nicht gut. Und überhaupt würde es Iris ganz bestimmt nicht gefallen, wenn du die Identität, die sie mit dir zusammen über die Jahre aufgebaut hat, einfach so wegwirfst!" Sie verpasst ihm links und rechts eine Ohrfeige. "Und ausserdem ist Lindsey schon fast krank vor Sorge um dich!" Sie küsst ihn auf die Stirn und drückt ihn fest an sich. "Komm. Wir gehen nach Hause." Sie steckt seine Waffe ein, steht auf und zieht ihn ebenfalls hoch auf die Füsse. Sie nimmt seine Reisetasche, die er noch gar nicht ausgepackt hat, schlingt ihren Arm um ihn und zieht ihn mit sanfter Gewalt raus.
Draussen wartet Argon und setzt sich gleich darauf hinters Steuer, nachdem Lex und Alexei auf der Rückbank Platz genommen haben. Alexei's Zähne klappern und er zittert wie Espenlaub, seine Stirn ist glühend heiss; denn die Trennung von Iris bereitet ihm wirklich körperliche Schmerzen, er ist wie auf Drogenentzug. Lex nimmt ihn fest in die Arme und bettet seinen Kopf schliesslich auf ihren Schoss, damit er etwas schlafen kann.
[AVALON-VILLA, AUSSERHALB VON WASHINGTON]
"Wo zum Teufel ist er gewesen?" fragt Max leise, nachdem Lex ihren Vater bei Lindsey abgeliefert hat, wobei Alexei aussieht, als stünde er unter Drogen oder wäre mit sonstwas total zugedröhnt. "Na?" - "In Kanada, in einer Blockhütte." Sie zuckt die Schultern. "Also nach dem ganzen Trubel mit der Feier vorgestern... war er wohl ziemlich urlaubsreif." - "Urlaubsreif?!" Was für eine niedliche Untertreibung!
~ ~ ~
"Mach das ja nicht nochmal!" murmelt Lin und legt seinen Arm um Alexei, der vorhin von Lex höchstpersönlich ins Bett gepackt worden ist. "Ich hatte eine Scheissangst um dich!"
"Tut mir leid..." murmelt Alex. "Ich weiss auch nicht, was in mich gefahren ist..." Sowas wie eine Panikattacke? Ein akuter Anfall von Paranoia? Vorübergehende geistige Umnachtung? "Plötzlich kam es mir so vor wie damals, als alle hinter mir her waren. All die vielen Leute..." So viele Leute, von denen er sicher die Hälfte nicht mal kannte, obwohl er doch schliesslich mehr als 32 Jahre mit Iris verbrachte. Wie gut hat er diese Zauberhafte Hexe eigentlich wirklich gekannt?! "Als würde hinter jeder Ecke jemand lauern und mir gewissermassen die Maske vom Gesicht reissen wollen, so dass mein ganzes Leben zusammenbricht wie ein Kartenhaus." - "Ach, du mit deiner Paranoia!" seufzt Lin. "Iris hat doch alles gut organisiert. Nichts wird zusammenbrechen wie ein Kartenhaus, denn sie hat alles auf solidem Fundament gebaut. Hey, sie hat uns alle gemocht und dich ganz besonders, also hör auf, dir unnötige Sorgen zu machen." Er drückt ihm einen Kuss auf die Stirn. "Selbst wenn du dich plötzlich hinstellen und aller Welt verkünden würdest, dass du eigentlich gar nicht Alexander Sinclair bist, sondern mal jemand anders warst, würde dir kein Schwein glauben!" Er grinst ihn an. "Du willst doch wohl nicht mit einer Zwangsjacke in einer Gummizelle enden!" Das wäre so oder so Alexei's Ende bei seiner Klaustrophobie - und Alex kommt das auch gerade in den Sinn. "Ich hatte eigentlich vor, nie mehr einen anderen Namen zu verwenden als Alexander Sinclair!" murmelt er etwas betreten. "Danke, dass ihr mich wieder daran erinnert habt, Lex und du..." - "Aber gerne!" meint Lin und küsst ihn. "Ich liebe dich." - "Ich dich auch."

"Ich kann nicht glauben, dass sie tot ist!" Mulder starrt verbissen auf das Meer von frischen Blumen und Kränzen unter der alten Eiche, die jetzt gewissermassen als offizieller Bestattungsplatz des Avalon-Clans bekannt ist. "Ich glaub's einfach nicht!" wiederholt er hartnäckig. Die Explosion des Flugzeugs hat nichts von ihr übrig gelassen, was man identifizieren könnte. Sogar ihren Ehering hat sie noch Alexei zugesteckt, bevor sie ihn aus dem Flugzeug geschubst hat, so wie Irina Petrowa damals ihren Mann aus dem fahrenden Auto geworfen hat... Nicht mal die beiden anderen Ringe, die sie ständig getragen hat, sind gefunden worden. Das schreit doch geradezu nach vorgetäuschtem Tod! Allerdings hat er seine Vermutungen offiziell hübsch brav für sich behalten...
"Stimmt, Dad. Sie ist nicht tot!" erklärt Ix und legt Mulder eine Hand auf die Schulter. "Unsere Zauberhafte Hexe ist nicht tot, sondern jenseits der Spiegel. Oder im Himmel, wie Kevin es nennt. Jedenfalls müssen wir jetzt ohne sie auskommen." - "Ja." Der Engel ist wieder zum Himmel geflogen, wie Kevin sagen würde. Engel? Hexe?! Egal... Irgendwie hat er wohl tief in seinem Herzen schon immer geahnt, dass Iris viel zu gut ist, um echt zu sein... aber andererseits war sie schliesslich so echt wie nur was. Wer oder was auch immer die Zauberhafte Hexe eigentlich war, er hat allen Grund, ihr dankbar zu sein. "Wenn sie nicht gewesen wäre, gäbe es dich gar nicht, Ix..." sinniert Mulder und denkt an früher, als Iris eines Abends Scully und ihm zu diesem Strippoker überredet hat. - "Ich weiss. Ohne Iris gäbe es vieles nicht."
Bei der erwähnten Fürstin, der All'Una in einer durchgezechten Nacht in der Amayra-Variante einst von der Avalon-Variante erzählte, handelte es sich übrigens um Caprice. Jawohl, genau die Caprice, die als halbverhungertes junges Ding auf ihrer durch Katastrophen zerstörten Heimatwelt aufgegabelt und später dann als rechtmässige Erbin des Throns von Caprica identifiziert worden war...
In späteren Jahren hat die Höchst Ehrwürdige Atrix d'Aripat de Caprica durch etliche Politische Schachzüge und Intrigenspiele - und nicht zuletzt wegen ihres Charisma bzw. ihres unwiderstehlichen Charmes, mit dem sie fast alle um den Finger wickelte - schliesslich Caprica als einflussreichste Politische Macht in der Neutralen Zone zwischen Malga-Siru und der Föderation etabliert (wobei die Fürstin von Caprica allerdings vom Syndikat der Thyuda-Schlangen unterstützt wurde wie auch von den Pajuté und anderen Malgarischen Kreisen) und somit den Weg zu einer Dritten Allianz geebnet: Cimmeria.
Manche Leute haben sich zuweilen gefragt, wie Caprice auf gewisse Ideen kommen konnte... und da soll sie mal gesagt haben, dass beispielsweise manche Geschichten sehr inspirierend wären, die sie vielleicht irgendwann mal gehört hatte. Ob sie sich dabei auch von dem inspirieren liess, was All'Una ihr mal erzählt hatte... wer weiss!
"Was wäre wohl passiert, wenn es eines schönen Tages eine Capricjana auf die Erde verschlagen hätte?" erkundigt sich Caprice und sieht daraufhin den Föderierten Botschafter an, dessen Vorfahren ja von der Erde stammten - der jedoch ein leicht betretenes Gesicht macht und sich lieber in Schweigen hüllt, denn er will vor der Fürstin nicht schon wieder in irgendwelche Fettnäpfchen trampeln, vor allem nicht wenn sein Kollege Richards nicht da ist, der ja schon länger beim Diplomatischen Corps ist... und wenn ihn diese Rote Hexe nebenan dabei auch noch ansieht, dass ihm ein kalter Schauer den Rücken runterrinnt. - Dafür antwortet die Malgarische Botschafterin fies grinsend: "Wenn sie ganz allein gewesen wäre und unbewaffnet, dann hätten die Menschen sie bestimmt eingesperrt und lebendig seziert oder sowas in der Art... Darum haben sich Ausserirdische Besucher auch meist wohlweislich nicht als solche zu erkennen gegeben!" - "Ehrenwerte Calinca dell'Jedda, Ihr tut ja gerade so, als wäre die Erde ständig von Ausserirdischen besucht worden!" grummelt der Terranische Botschafter der Föderation auf Caprica - worauf die Malgara mit den feuerroten Ringellöckchen ihm einen schrägen Blick zuwirft. "So ist doch auch, Ehrenwerter Jean-Luc d'Arieux!" säuselt sie und fragt sich, warum er eigentlich so tut, als würde ihn das überraschen. "Also ich weiss gar nicht warum eigentlich, aber meines Wissens ist von allen Hinterwäldler-Planeten die Erde weitaus am häufigsten von ausserhalb besucht worden!" Sie setzt ein wölfisches Grinsen auf. "Aber es wundert mich nicht, wenn ihr davon nichts gemerkt habt, oder diejenigen, die was gemerkt haben, in Gummizellen gesteckt habt oder so ähnlich!"
Nachdem sich die Fürstin kurz geräuspert hat, wenden die Botschafter von Föderation und Malga-Siru sich wieder ihrer Capricjanischen Gastgeberin zu und vergessen für einen Moment ihre persönlichen Reibereien. "Aber was wäre wohl gewesen, wenn es auf der Erde anders zugegangen wäre?" sinniert Caprice. - "Anders?" wiederholt Calinca dell'Jedda und zieht eine Augenbraue hoch. - "Wie denn anders?" erkundigt sich auch Jean-Luc d'Arieux und fragt sich, ob es sich hierbei wieder um irgendwelches Insiderwissen handelt, denn die Fürstin lächelt so seltsam - doch Caprice schüttelt den Kopf, während sie noch an eine gewisse Alaria da Ilandella de Caprica denkt, die hier in der Amayra-Variante den Historischen Aufzeichnungen zufolge anscheinend nur eine unbedeutende gelangweilte Hofdame am Fürstenhof war, während sie den Erzählungen von All'Una zufolge damals in der Avalon-Variante geradezu verehrt wurde, denn sie war schliesslich als Capricjana Malgarische Botschafterin auf der Erde... "Ach, war nur so ein Gedanke!"
ENDE DES 9. TEILS - UND ENDE DES 1. ZYKLUS ZUR AVALON-VARIANTE!
WEITER ZUM 10. TEIL!
B.B. / geschrieben im Juni 2002
Online-Version... Dezember 2002 / B.B.
DIE AVALON-VARIANTE
Bemerkungen und Übersicht
zur Avalon-Variante
