Hexe!

DIE AVALON-VARIANTE

(8)


Autorin: Barbara (barbarella_1970@yahoo.de)
Disclaimer (und Archivierung aller Kapitel als .doc-Dokumente zum runterladen) unter
http://www.geocities.com/barbarella_1970/Iris-Hexe.html


 

[FBI-HAUPTQUARTIER IN WASHINGTON]

Bei Fox Mulder sind die Schläfen ja mittlerweile schon etwas angegraut ("Hütet euch vor Herren mit silbernen Schläfen!" hat Iris grinsend gelästert, besonders da er mittlerweile ganz offiziell auch beim Autofahren eine Brille tragen muss) - doch Dana's Haare sind immer noch so rot wie eh und je; wobei ja aber auch schon früher von lieben Kollegen und insbesondere Kolleginnen darüber gerätselt wurde, ob sie da nicht schon immer ein klein wenig nachgeholfen hätte bei diesem wunderbaren Scullyrot...
Jedenfalls sehen sie doch beide immer noch so frisch und munter aus, dass sie nun einige neidische Blicke auf sich ziehen, als sie sich mal wieder beim FBI blicken lassen, obwohl nicht mehr sehr viele da sind, die sie persönlich gekannt haben. Und nun sind also Mr. und Mrs. Spooky Mulder tatsächlich wieder hier... weil sie natürlich als ehemalige Problem- bzw. Lieblings-Agenten - und verschwägerte Freunde - zur grossen Geburtstagsparty hier eingeladen sind.

Jawohl, it's Party-Time!

Es ist der 22.11.2022 und damit der 72. Geburtstag von FBI-Chef Walter Skinner, der allerdings für sein Alter verdammt gut aussieht und vermutlich auch deshalb bislang noch nicht dazu gedrängt wurde, sich zur Ruhe zu setzen, besonders nicht bei seinem Elan und bei seinen Erfolgen.
Allerdings will er dann demnächst doch mal langsam in Pension gehen und das Leben noch etwas geniessen, solange er sich noch fit genug fühlt, auf Reisen zu gehen und sonstwas zu tun; obwohl ihm die Arbeit dann bestimmt fehlen wird. Na ja, vielleicht kann er ja dann zusammen mit Melissa noch etwas für AVALON intrigieren, damit ja keine Langeweile aufkommt... und Melissa ist auch jetzt an seiner Seite, ihr langes Haar zu einer kunstvollen Frisur hochgesteckt. Scullyrot.

John Doggett hat auch schon graue Haare, ist aber ansonsten noch ziemlich fit, obwohl er seit ein paar Jahren beim FBI offiziell nur noch hinter dem Schreibtisch sitzt und kaum noch selber irgendwo in der Gegend rumrennt, um Fälle zu lösen; man könnte gewissermassen sagen, er ist in Skinner's Fussstapfen getreten, denn mit den X-Akten hat er auch weiterhin zu tun - so wie Monica Reyes, die weiterhin für alle möglichen seltsamen Fälle recherchiert und davon auch durch nichts abzubringen ist, weswegen sie auch immer noch gerne mit AVALON zusammenarbeitet. Ihre Haare sind immer noch dunkel und höchstens ihre Lachfältchen sind mit den Jahren etwas tiefer geworden, ansonsten sieht sie immer noch so hinreissend aus, dass ihr nicht nur der eigene Ehemann im Bureau manchmal begehrliche Blicke zuwirft.

Erst letztes Jahr ist tatkräftige Unterstützung dazugekommen: Dr. Irina Samantha Mulder. Sie hat mittlerweile Doktortitel in Chemie, Biologie, Medizin und Psychologie... und hat eben doch noch ihre 'Drohung' von damals wahr gemacht, zum FBI zu gehen. Und jemand, den man X - na ja Ix - nennt, gehört doch einfach zu den X-Akten!
Und ja, sie nennt sich auch ganz gerne in verschwörerischem Ton eine HEXE, macht damit mit geradezu schadenfreudigem Lächeln sogar noch dem Ruf ihres Vaters SPOOKY Mulder schwere Konkurrenz; auch wenn sie mit ihren roten Haaren eher an ihre Mutter erinnert, ganz besonders wenn sie mit wissenschaftlichem Kram ankommt oder gar höchstpersönlich an Leichen rumschnippelt und irgendwelche Proben dann auch noch gleich selbst analysiert. Nur ist Ix einen Kopf grösser als Dana Scully...
... und hat bereits in der ersten Woche handgreiflich bewiesen, dass mit ihr nicht zu spassen ist, als sie ein paar Kerle recht eindrucksvoll vermöbelt hat, die sich am Anfang einen Spass daraus machen wollten, die Neue zu triezen... und die dabei wohl vergessen haben, dass Irina nicht nur die Tochter von Mulder und Scully, sondern auch noch die Nichte von FBI-Chef Skinner ist. Da jedoch weder Ix noch die vermöbelten Angreifer irgendwas gemeldet haben, versteht sie sich mit den meisten ihrer Kollegen inzwischen geradezu blendend.

Derzeit tuschelt das Quartett verschwörerisch miteinander, während sie immer wieder zu Walter, Melissa und den anderen rüberschielen. "Kommen Iris und Alexei nicht?" erkundigt sich Max und sieht automatisch seine kleine Schwester an, weil Lex ja jetzt offiziell bei den Sinclairs im Palace-Hotel wohnt. Na ja, eigentlich da wo früher Mulder und Scully gewohnt haben, bevor sie aufs Land gezogen sind; wozu soll sie sich da erst irgendwo ne andere Wohnung suchen, wenn alles so bequem ist... "Uuups, da sind sie ja!"

Iris und Alexei tragen ausnahmsweise mal wieder formelle Kleidung, so eine Mischung aus grauem FBI- und schwarzem MIB-Look. Iris trägt nicht mal ihre Sonnenbrille, sondern nur ihre blauen Kontaktlinsen, die ja ebenfalls verhindern, dass andere Leute sehen, wie ihre Augen durch das immer noch hin und wieder auftretende Fieber womöglich plötzlich unkontrolliert in allen Farben flackern... Stattdessen trägt Special Agent Alexander Sinclair nun eine richtige Brille. Na ja, was heisst hier richtig, es ist eigentlich nur leicht getöntes Glas, das seine Augen statt grün eher braun aussehen lässt, aber es verleiht ihm ein richtig seriöses Aussehen; na ja und es lässt ihn etwas älter aussehen bzw. eben weniger jung und das ist hier ja der Sinn der Sache. Und Special Agent Iris Sinclair hat selbstverständlich wieder mal ihre bei dieser Frisur aschblond wirkenden Haare zu einem eher strengen Knoten hochgesteckt, wodurch sie ja sowieso immer ganz seriös aussieht.
Fast ehrfürchtig wird ihnen von den versammelten Agenten und sonstigen FBI-Leuten Platz gemacht, als sie sich den Weg zum Geburtstagskind bahnen, dem Big Boss, der heute gefeiert wird und der zu strahlen anfängt, dass sogar seine 'Geheimwaffen' zu diesem mehr oder weniger offiziellen Anlass gekommen sind...
... obwohl sie doch die Öffentlichkeit je länger je mehr scheuen wie der Teufel das Weihwasser, jedenfalls sobald sie als Mr. und Mrs. Sinclair identifiziert werden könnten. Deswegen haben sie sich beim FBI auch nur noch selten blicken lassen, obwohl eigentlich nur den wenigsten Leute hier überhaupt klar ist, dass diese Special Agents, die berühmt-berüchtigten Geheimwaffen des FBI, mit den berühmt-berüchtigten Sinclairs von AVALON identisch sind.
Als Iris und Alexei ganz früher mal angefangen haben, ständig mit Lindsey McDonald rumzuziehen, ist höchstens gewitzelt worden, dass sie es mit dem 'Ich sage nichts ohne meinen Anwalt!' wohl etwas übertreiben würden... Später hat man sich schon so daran gewöhnt, dass man sich zuweilen gewundert hat, wenn sie mal nur zu zweit oder gar einzeln verreisten. Und dann... Na ja, seit dem Deal mit AVALON-MCDONALD'S bzw. seit dem berühmt-berüchtigten Interview beim Mitternachtstalk ist ja nun allgemein bekannt, dass es wirklich ein Avalon-Trio ist.
Also wenn die Sinclairs hier nur zu zweit aufkreuzen, in FBI-Klamotten und ohne auffällige Brillantklunker, werden sie wohl vom sprichwörtlichen Mann von der Strasse nicht als die Gründer von AVALON erkannt, zumal sie auch ganz offen ihre FBI-Ausweise angesteckt haben.
Walter Skinner strahlt also: "Hi!" - "Hi!" gurrt Iris und drückt ihm links und recht Küsschen auf die Wange. Melissa quittiert mit einem dankbaren Lächeln, dass sie hier in der Öffentlichkeit auf die an Privatfeiern übliche innige Abknutscherei verzichtet, aber schliesslich benimmt sich Iris doch immer tadellos in der Öffentlichkeit! - "Hi!" Alexei beschränkt sich lächelnd auf einen festen Händedruck. - "Seit wann trägst du denn eine Brille?" erkundigt sich Walter grinsend. - "Seit heute!" flüstert Alexei in verschwörerischem Ton und zwinkert. Lindsey hat sogar behauptet, mit der Brille würde er niedlich aussehen, wie ein zerstreuter Professor...

Iris geht es derzeit ziemlich gut und so hört sie mit ihren scharfen Ohren sehr wohl, dass darüber getuschelt wird, dass sie womöglich schon ein paar Faceliftings, Frischzellenkuren oder sonstwas hinter sich hätte, weil sie noch so verdammt gut aussieht. Und es wird auch darüber spekuliert, ob sie ihren Freunden bzw. insbesondere ihren Freundinnen auch irgendwelche Schönheitsbehandlungen spendiert haben könnte...
Na egal, sollen die doch ruhig glauben, was sie wollen, denn die Wahrheit würden sie wohl sowieso nicht verstehen. Was würde man wohl davon halten, wenn plötzlich jemand erzählen würde, dass die Energie einer Amayra-Hexe - sogar einer Amayra-Hexe mit Fieber - wirklich fast wie ein Jungbrunnen wirkt und jedes Mal, wenn sie ihre Freunde abküsst, ihnen damit gewissermassen eine kleine Dosis von diesem Lebenselixier verpasst wird, jedes Mal wenn sie ihnen die Hand gibt oder sie sonstwie berührt... Gerade bei Alexei, der natürlich ständig mit ihr rumknutscht und sie auch heute noch gerne von oben bis unten abzulecken pflegt, hat das zur Folge, dass er im Grunde keinen Tag gealtert ist, seit sie ihn damals aufgepäppelt hat. Und bei Lindsey ist es fast genau gleich. Damit Special Agent Alexander Sinclair heute nicht allzu jugendlich wirkt, hat er vor dem heutigen Anlass hier lange nicht geschlafen, damit er wenigstens müde und erschöpft aussieht... und trotzdem wirkt er eher wie Alexandra's grosser Bruder als wie ihr Vater äh 'Onkel'...

Alle stossen miteinander an - der kleine Verschwörerkreis inmitten eines Meeres von Beamten, die sich das meiste nicht mal träumen lassen würden, was eben jene Verschwörer schon alles erlebt haben.

Will wollte sich eigentlich unauffällig an Iris ranschleichen, die sich in eine stille Ecke verkrümelt hat, ist dabei jedoch ein paar Agenten in die Arme gelaufen, die ihn als Sohn von Mulder und Scully und als Bruder von Ix identifizieren und deshalb in ein Gespräch verwickeln, wobei sie sich erstaunt zeigen, dass er nicht auch zum FBI gegangen ist... Will muss daran denken, dass er als Kind ja auch mal zur Polizei wollte, doch heute ist er froh, dass er das nicht getan hat.
"Ein Künstler also, so sooo!" meint ein älterer FBI-Schreibtischtäter und starrt etwas abschätzig auf das lange Haar, das im Nacken zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden ist, und auf den goldenen Ohrring. Die meisten Leute hier würden wohl diesen Max für Ix' Bruder halten, wenn sie nicht genau wüssten, dass dieser der Sohn des Chefs ist, doch er erkennt bei diesem Will sofort die Ähnlichkeit mit Spooky Mulder. "Was machen Sie denn so?" - "Bilder, Skulpturen... was mir so in den Sinn kommt." Will fühlt sich hier unbehaglich, bemüht sich jedoch sehr, wenigstens höflich zu bleiben - doch den anderen scheint das regelrecht Spass zu machen. "Kann man denn irgendwo eins Ihrer Kunstwerke bewundern?" fragt einer mit leisem Spott in der Stimme. - "Viele Bilder hängen mittlerweile in irgendwelchen Räumlichkeiten von AVALON rum." Mit leiser Genugtuung bemerkt Will, wie nun einige Augenbrauen überrascht in die Höhe schnellen, als wüssten die Typen hier nicht, dass er mit AVALON verbandelt ist. "Im Foyer des Palace-Hotel hängen auch zwei Bilder. Ach ja, und gleich auf der anderen Strassenseite ist doch ein McDonald's... da hängt auch ein Bild von mir." - "Etwa das Bild mit dem blauen Drachen?" fragt nun einer, der offenbar häufiger dorthin geht. "Das ist von Ihnen? Wow!"
"Ah, wie ich sehe haben Sie sich schon mit meinem Bruder bekannt gemacht!" Ix hat sich bis zu ihnen vorgearbeitet und bemerkt mit leichtem Amüsement Will's Erleichterung über ihr Erscheinen. - "Hey, Ix, warum haben Sie uns nicht erzählt, dass Ihr Bruder diesen Blauen Drachen im McDonald's gegenüber gemalt hat?" - "Also als ich das letzte Mal dort war, hing noch ein Namensschild unter dem Bild, da kann jeder lesen, wer der Künstler ist!" meint Ix leicht schnippisch aber mit charmantem Lächeln, packt ihren Bruder dann am Arm und schiebt ihn weg.
"Danke, Ix, du hast mich gerettet!" flüstert Will erleichtert und fragt sich dabei mal wieder, wie es seine Eltern so lange in diesem Verein aushalten konnten, denn besonders für seinen Vater muss es doch eigentlich wirklich die Hölle gewesen sein. Na ja, er fragt sich eigentlich auch, wie es Ix hier unter diesen Bürokraten als Hexe überhaupt aushält, aber die wird hier ja wohl auch nicht ewig hängen bleiben. Nicht so wie Mon und John. Oder Walter. Auch wenn sich ja einiges geändert haben soll, seit Walter Skinner FBI-Chef geworden ist... tja, wie war es dann erst früher?!
"Gern geschehen, Bruderherz. Du musst dich hier ja zu Tode langweilen..." Das klingt beinahe schon mitfühlend. "Max kann hier immerhin über Gesetze und sonstigen Juristischen Kram fachsimpeln, Lex fängt in einer Woche hier selbst ihre Ausbildung an... nur du bist so ein aus der Art geschlagener Künstler!" meint sie kichernd und knufft ihn sanft in die Seite, als er darüber theatralisch die Augen verdreht. Das FBI wäre wirklich nichts für ihn gewesen, auch wenn er inzwischen nicht mehr so sensibel ist wie früher, als er zu weinen anfing, als sie in der Kindheit mal einen toten Frosch sezierte. Seit seinem grausigen Unfall vor mehr als zwei Jahren ist er nicht mehr so empfindlich, obwohl er sich ja erst wieder im Spiegel sehen konnte, als sein Gesicht wieder hübsch und normal war. Es ist niemals an die Öffentlichkeit gedrungen, wie schwer er eigentlich wirklich verletzt war und die Ärzte, die ihn damals im Mercy-Krankenhaus untersucht hatten, glaubten später natürlich, dass sie sich ja wohl getäuscht haben mussten, als sie erfuhren, dass sich der Patient mit dem gebrochenen Genick nicht nur wieder quietschfidel rumspaziert, sondern dabei auch noch gut aussieht und nicht wie Frankensteins Monster oder das Phantom der Oper oder sowas in der Art... Allerdings hat sich Will eine ganze Weile nicht mehr in der Öffentlichkeit blicken lassen. Und er könnte Ix inzwischen vielleicht sogar bei einer Obduktion zusehen, ohne vor Schreck in Ohnmacht zu fallen - er hat sogar mit Alexei Schiessen geübt und sich letztes Jahr bei dem einwöchigen Überlebenstraining im Wald (mit der ganzen Familie) gar nicht mal ungeschickt angestellt und sogar Fisch gefangen, ausgenommen und gebraten - doch dafür leidet er seit dem Unfall an so einer Art von Paranoia oder Monophobie (Angst vor Einsamkeit; in diesem Falle: alleine zu sein und etwas Schreckliches passiert!), weil er sein Zuhause nur noch in Begleitung verlässt, da er befürchtet, sonst könnte ihm wieder irgendwas schlimmes passieren, wenn er irgendwo alleine hingeht. Und wenn er nicht in Iris' Bett schläft, so schläft sein Wachhund bei ihm im Bett, immerhin auch ein lebendiges Wesen, das ihn gerne mag.

Nachdem Max bereits ein paar Anekdoten aus seinem Jura-Studium und was er in den paar Monaten bei der Staatsanwaltschaft schon erlebte zum besten gegeben hat, wendet sich die Aufmerksamkeit bei dem Grüppchen um Skinner nun Lex zu, die ganz cool alle ihr gestellten Fragen beantwortet und dabei klar macht, dass sie als Tochter des Chefs keine Extra-Wurst will, wenn sie jetzt beim FBI anfängt. Allerdings müsste sie ihre zukünftigen Kollegen wohl weniger davor warnen, dass Walter Skinner ihr Vater ist, sondern eher davor, dass Irina Samantha Mulder ihre Cousine ist...
"So ist es, mein Schatz, denn Ix wird sicher noch länger beim FBI bleiben als ich!" meint Skinner lächelnd, der unheimlich stolz auf sie ist. Sie wird bestimmt eine gute Agentin werden, wahrscheinlich mindestens ebenso berühmt-berüchtigt wie seine auf Diskretion bedachten Geheimwaffen... auch wenn Ix ihr den Spitznamen HEXE ja schon weggeschnappt hat. Vielleicht wird man sie ja AMAZONE nennen, obwohl das ja eigentlich auch genauso gut auf Ix zutreffen würde, der man im übrigen schon einige Affairen angedichtet hat, was sie jedoch völlig kalt lässt. Er muss schmunzeln, wenn er daran denkt, dass man früher Scully manchmal hinter ihrem Rücken Ice-Queen nannte, dagegen ist Ix ja ein richtiger Vulkan...
"Ach, Dad, dass du in Pension gehst, glaub ich erst, wenn ich's sehe!" Lex lächelt schelmisch. Ihre widerspenstigen langen schwarzen Haare hat sie zu einem seriösen Knoten hochgesteckt, denn Iris hat ihr den Trick verraten, wie man das mit dem passenden Hilfsmittel innerhalb von wenigen Sekunden hinbekommt. Nur hat sich Lex noch ein paar neckische Strähnen herausgezupft, so dass es bei ihr gar nicht so streng aussieht.
"Du wirst schon sehen, Lex, du wirst es schon noch sehen!" Immerhin hat er es schon fest geplant und sein Nachfolger sollte John Doggett werden, wenn's nach ihm ginge. Na mal sehen, was das Komitee dazu sagt.

 


Knapp einen Monat nach der grossen Geburtstagsfeier - am Tag der Wintersonnenwende, also kurz vor Weihnachten - erleidet Walter Skinner im Bureau - oder genauer gesagt in der Pathologie - unter etwas aussergewöhnlichen Umständen wirklich einen echten Herzinfarkt... den er jedoch relativ unbeschadet überlebt, weil Iris ganz zufälligerweise auch diesmal zur Stelle gewesen ist...

... die auch dafür sorgt, dass er nicht in ein Krankenhaus kommt, sondern direkt zu AVALON gebracht wird...

... wo sich im Laufe weniger Stunden die ganze Familie bzw. der ganze Verschwörerkreis versammelt.

Alle haben Tränen in den Augen. Melissa schluchzt unaufhörlich und hat von Dana Beruhigungsmittel erhalten. Walter stammelt fast die ganze wache Zeit irgendwas davon, dass Gott doch lieber ihn hätte sterben lassen sollen... und nicht seine Tochter, Alexandra Margaret Skinner, die doch noch so jung war und das ganze Leben noch vor sich hatte!
Lex ist als kerngesunde junge Frau natürlich nicht einfach so tot umgefallen, sondern eins der ersten Opfer eines anscheinend völlig durchgedrehten Amokschützen geworden, der aus heiterem Himmel in der Kantine der FBI-Akademie mit einem Maschinengewehr in die Menge ballerte und dabei 24 Menschen niedermähte. Ein dummer Zufall. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Es ist so verdammt ungerecht!

Iris hat sich zusätzlich zu den blauen Kontaktlinsen noch ihre dunkle Sonnenbrille aufgesetzt, küsst ihren anscheinend völlig unter Schock stehenden Ehemann kurz auf die Stirn, wirft Lindsey einen vielsagenden Blick zu, dass er sich um Alexei kümmern soll, setzt sich dann einfach wieder ins Auto und macht sich schnell aus dem Staub.


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"Was?! Lex wurde ermordet?!" Die Fürstin ist ein wenig schockiert. "Hast du nicht erzählt, sie wäre etwas ganz besonderes? Und da wird sie einfach umgebracht?!" - "Oh... das Andenken an Alexandra Margaret Skinner ist immer sehr hochgehalten worden!" meint All'Una und lächelt hinterhältig.

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[AVALON-VILLA, AUSSERHALB VON WASHINGTON]

Lin hat selbst Tränen in den Augen, denn schliesslich hat er Lex ebenfalls gekannt, war bei ihrer Taufe dabei, hat miterlebt, wie die kleine Wildkatze zu einem gefährlichen Raubtier herangewachsen ist... verdammt, war sie hinreissend! Kein Wunder wenn Alexei völlig aufgelöst ist... Immerhin war sie seine Tochter, verdammt nochmal! So eine charmante, intelligente und schöne junge Frau, mit den selben wunderhübschen grünen Augen... Warum nur?! Wie soll man ihn da trösten?
In der Abgeschiedenheit ihres Zimmers nimmt er seinen Boss fest in die Arme...
... der nun endlich damit aufhört, wie ein verdammter Zombie durch die Gegend zu laufen, sondern hemmungslos zu schluchzen beginnt und vom Weinen geradezu durchgeschüttelt wird. Warum ausgerechnet seine Lex?!
Lin überlegt schon, ob er Alexei vielleicht ein Beruhigungsmittel oder sowas geben soll, doch dann bleibt er doch einfach mit ihm auf dem Bett liegen, ihn immer noch fest in seinen Armen haltend. Er deckt ihn auch noch fürsorglich zu, weil Alexei geradezu zittert. Es muss wirklich ein gewaltiger Schock für ihn gewesen sein, Lex von Kugeln durchsiebt in der Pathologie zu sehen... Langsam, ganz langsam, hört Alexei nach einer Weile auf zu zittern und zu schluchzen, weil er schliesslich vor Erschöpfung einschläft.

*

Alexei's Augen sind noch ganz rot und verquollen, als Iris endlich wieder auftaucht - worauf er aufspringt und sich fragt, wo in aller Welt sie sich wohl wieder herumgetrieben haben mag, gerade jetzt, wo hier doch alle so verzweifelt sind.
Als Iris ihn nun an sich drückt, muss er fast sofort wieder losschluchzen und fragt sich gleichzeitig, wie Iris bei dieser ganzen Angelegenheit nur so ruhig bleiben kann. Verdammt nochmal, Lex war fast wie eine eigene Tochter für sie! Ständig hat sie mit ihr was verschwörerisch über Hexerei und alles mögliche in mehreren Sprachen getuschelt, stundenlang Schach und sonstwas gespielt, Schneeballschlachten geführt und später auch Kampfsport trainiert und ihr dabei sogar mit wahrer Hingabe beigebracht, wie man mit einem Schwert umgeht. Es kann doch nicht sein, dass Lex' Tod Iris so kalt lässt?! Schliesslich hat er schon oft genug erlebt, wie Iris reagieren kann, wenn jemand ihren Freunden was angetan hat... und nur weil der Amokschütze sich rücksichtsvollerweise auch gleich selbst noch erschossen hat und deshalb keine RACHE mehr möglich ist, kann Iris doch nicht so cool bleiben, verdammt! Er nimmt ihr nach einer Weile die dunkle Sonnenbrille ab, doch auch darunter verbergen sich keine Tränen, obwohl er mittlerweile durchaus weiss, dass Tränen bei einer Amayra-Hexe nicht unmöglich sind. Er zuckt etwas vor ihr zurück, denn noch niemals ist ihm Iris so unheimlich gewesen wie gerade jetzt in diesem Augenblick.
"Alexei..." Ihre Stimme ist ruhig und sie zwingt ihn erst einmal mit sanfter Gewalt dazu, sich wieder aufs Bett zu setzen, wo sie sich neben ihm niederlässt  und seine Hände hält. "Hör mir zu." Sie hebt sein Kinn an, damit er ihr in die Augen schaut - und ihm kommen noch mehr Tränen, wenn er sie so ansieht, ihre glitzernden eisblauen Augen. Will sie ihm jetzt etwa irgendwas von wegen Schicksal erzählen und dass es für Lex in ihrer nächsten Reinkarnation vielleicht besser laufen sollte oder sowas in der Art? "Wa...?" Irgendwie bekommt er kaum einen Ton heraus, es schüttelt ihn wieder regelrecht. - "Du weisst doch, dass nicht nur Menschen, sondern auch noch vielerlei andere seltsame Gestalten unsere Welt bevölkern. Unter anderem auch Unsterbliche... so wie Methos, Cassandra oder Amanda, die du ja auch schon kennengelernt hast." - Er starrt sie ziemlich verständnislos an und fragt sich, was Iris ihm damit wohl sagen will. Er wechselt einen kurzen Blick mit Lindsey, der jedoch ebenso erstaunt ist wie er selbst. Inzwischen hat sich wieder ein violetter Schimmer in ihre Augen geschlichen und er fragt sich, ob das wohl ein gutes Zeichen ist. Aber was könnte wohl jetzt schon gut sein? "Und?!" - "Lex ist auch so eine."
Es dauert eine Weile, bis ihm langsam zu dämmern beginnt, was Iris ihm damit wohl sagen wollen könnte. Ein Hoffnungsschimmer durchströmt sein Hirn und doch wagt er kaum zu hoffen... "Was?!" haucht er unhörbar, da seine Stimme versagt. Er starrt sie an. Bitte sag das nochmal! - "Lex ist eine Unsterbliche. Solange ihr nicht der Kopf abgetrennt wird, kann sie nicht sterben." - "Aber..." - "Frag mich nicht, warum es ausgerechnet Lex getroffen hat, das weiss nicht einmal ich!" Sie lächelt nun. Ein warmes Lächeln. "Ich habe ihre vermeintliche Leiche von Argon in Sicherheit bringen lassen und alles weitere arrangiert. Inzwischen sollte sie wohl bald wieder aufwachen. Komm!" Und mit einem Blick lädt sie auch Lindsey ein, sie zu begleiten, schliesslich gehört er auch zur Familie.

Als sie Alex auf die Füsse hochzieht, hat er irgendwie noch ganz weiche Knie von diesem Wechselbad der Gefühle in den letzten Stunden. Tod und Leben oder auch Freud und Leid liegen wirklich eng beieinander...

Iris führt Alexei und Lindsey mit schnellen Schritten runter in den Keller. Hinter dem Raum, in dem der Wein gelagert wird, führt eine verborgene Tür noch weiter...
... in eine lauschige Gruft, wo sich Argon häuslich eingerichtet hat...

... bei dem nun Alexandra Margaret Skinner auf dem Bett liegt, mehr oder weniger nackt. Die Schusswunden, die heute morgen ihren schönen Körper entstellt haben, sind wunderbarerweise verheilt.

Als Lex schliesslich tatsächlich wieder die Augen aufschlägt und nach Luft schnappt, kommen Alexei unwillkürlich wieder ein paar Tränen, diesmal allerdings Freudentränen. Bislang hat er wohl selbst nicht gewusst, dass er so eine Heulsuse sein kann, aber es stört ihn jetzt auch nicht weiter, er ist nur überglücklich, dass seine Tochter noch oder wieder lebt...
... und auch Alexandra kommen ein paar Freudentränen, auch wenn sie noch etwas verwirrt darüber ist, was eigentlich passiert ist. "Aber ich..." Merkwürdig, sind da nicht Schüsse gefallen?! "Äh... was ist passiert?" - "Du erinnerst dich an die Schiesserei? Also ähm... du bist gestorben..." Iris wirft Lex einen bedeutungsvollen Blick zu. "Aber deine Verletzungen sind geheilt und jetzt lebst du wieder." Sie legt den Kopf ein wenig schief und geniesst Lex' verblüfftes Gesicht. Ein Bild für die Götter! "Jetzt fragst du dich natürlich, warum... Nun... äh..." Ein Lächeln umspielt ihre Lippen. "Nein, ich habe dich nicht wieder zum Leben erweckt, zuviel der Ehre!" Irgendwie scheint Lex darüber sogar noch verblüffter, sie hätte wohl der Zauberhaften Hexe wirklich zugetraut, sogar Tote wieder zum Leben zu erwecken. Wirklich zuviel der Ehre... "Du erinnerst dich doch bestimmt noch an Methos, Cassandra oder Amanda, die mal auf Besuch waren, nicht wahr?" meint sie dann lächelnd und sagt es einfach geradeheraus: "Du bist jetzt gewissermassen eine von ihnen!"
"Was?!" Man kann förmlich sehen, wie es in Lex' Kopf arbeitet. Eine Unsterbliche?! Na ja, muss wohl so sein, wenn das bei der Schiesserei keine Platzpatronen waren, wobei es sich wirklich nicht wie Platzpatronen angefühlt hat, wenn sie sich richtig erinnert. "Warum denn ausgerechnet ich?!" - "Keine Ahnung!" Das gehört wohl zu den ungelösten Rätseln der Menschheit, wobei die meisten Menschen sich sowas ja noch nicht mal vorstellen können. Na egal. "Aber du gehörst nun mal zu den Auserwählten!" erklärt Iris schulterzuckend. - "Und du hast es schon die ganze Zeit gewusst!" Langsam fällt es Lex wie Schuppen von den Augen, weshalb Iris dafür gesorgt hat, dass immerhin das Hauptquartier von AVALON hier auf Heiligem Boden steht. Und warum der guten alten Iris immer soviel daran gelegen war, dass besonders sie gut mit dem Schwert umgehen kann... und so wundert sie sich auch nicht über Iris' Nicken. "Hmmm... Was ist mit Max und den anderen?" erkundigt sie sich schliesslich. Max ist ihr Bruder und damit eigentlich aus dem gleichen Genetischen Cocktail gemixt, auch wenn er keine grüne Augen hat...
"Das sind ganz normale Menschen." Iris lächelt sanft - und Lex legt ihren Kopf etwas schief. Ganz normale Menschen? Heee, das sind immerhin ihre Geschwister! Ix ist nicht nur genial, sondern eine Hexe. Und Max und Will sind auch nicht ohne... "Was ist denn eigentlich mit *ihm*?!" Lex deutet auf Alexei und sieht Iris fragend an, da sie irgendwie sicher ist, nun endlich mal die richtigen Antworten zu bekommen. - "Auch er ist nur ein ganz normaler Mensch, ebenso wie deine Mutter. Das hat irgendwie nichts mit Vererbung zu tun. Irgendwie hat wohl noch niemand herausgefunden, warum es sowas überhaupt gibt." - "Echt? Willst du mich verarschen?" meint Lex amüsiert, aber doch etwas unsicher, denn bislang ist ihr tatsächlich von allen Seiten bestätigt worden, dass Alexei nur ein ganz normaler Mensch wäre. Sie wechselt einen flüchtigen Blick mit Argon und wendet sich dann wieder Iris zu. "Himmeldonnerwetter, seit ich euch kenne, seid ihr *beide* keinen Tag älter geworden!" protestiert sie. "Na ja, ihr alle drei..." Sie schliesst nun in ihrer Handbewegung auch Lindsey mit ein, das komplette Avalon-Trio eben. Na ja, wenn sie es sich recht überlegt, dann sind eigentlich alle in der Familie bzw. Iris' kleinem Verschwörerkreis für ihr Alter noch erstaunlich gut erhalten... was sie bislang eigentlich immer diversen Hexenkünsten zugeschrieben hat, denn es ist unbestreitbar von Vorteil, mit der Zauberhaften Hexe befreundet zu sein, das hat sie schon immer gewusst. "Ach ja, du natürlich ebenfalls Argon!" Sie knufft den Mann an ihrer Seite leicht in die Rippen. "Aber du bist ja in Wirklichkeit auch ein grünhäutiger Dämon..." Sie wendet ihren Blick vom grinsenden Argon wieder zu Alexei, der sie immer noch wie das Siebte Weltwunder anstarrt. An seinen Augen sieht sie, dass er um sie geweint haben muss.
Ein ganz normaler Mensch? Ach was! Allerdings... Werwolf kann er wohl kaum sein. Vampir erst recht nicht. Und Unsterblicher... na ja, bei den allgemeinen Informationen über jene spezielle Sorte Unsterblicher steht ja tatsächlich nicht nur, dass sie sich auf Heiligem Boden gegenseitig nichts antun, sondern auch, dass sie keine Kinder bekommen bzw. zeugen könnten. Wenn er also auch einer von dieser Sorte wäre, würde das zwar wunderbar erklären, warum Iris und Alexei immer noch so frisch aussehen und keine eigenen Kinder haben... allerdings würde das ja wiederum die Erklärung zunichte machen, warum Alexandra Margaret Skinner dem guten Alexander Sinclair so verdächtig ähnlich sieht. Ausserdem müsste sie seine Anwesenheit dann jetzt mit einem Kribbeln spüren oder sowas in der Art, jedenfalls nach dem was Amanda ihr mal erzählt hat. Und wenn er auch einer von der Sorte wäre, dann würde er wohl nicht so überrascht schauen und sich über ihre Wiederauferstehung wundern. Ach herrje, ist das alles kompliziert! Und überhaupt... dann müsste ja Lindsey auch fast einer sein und die anderen vom Verschwörerkreis... und das wäre ja wohl extrem unwahrscheinlich. Allerdings passieren im Umfeld der Zauberhaften Hexe viele Sachen, die sämtlichen Statistikern die Haare zu Berge stehen lassen würden... doch das wäre wohl etwas zu krass. Aber woran liegt es dann, das jugendliche Aussehen?!
"Ich bin nicht nur einfach die Zauberhafte Hexe mit übersinnlichen Fähigkeiten." Ja, EINFACH ist gut, hehe! "Ich bin eine Amayra-Hexe." Iris sieht sie ernst an. "Darüber findest du nichts in den Büchern..." Weil Irdische Aras schon immer um Diskretion besorgt waren, wenn es um Arragon Amayra ging. "Und der gute alte Alexei hier sieht vor allem deshalb noch so ungemein jung und knusprig aus, weil er mit mir zusammen ist. Ähnliches gilt für Lindsey und meine Freunde..." - "Denn eine Ara kann ungemein inspirierend sein..." lässt sich nun Argon in lüsternem Ton vernehmen und nutzt eine günstige Gelegenheit, Iris einen Handkuss zu verpassen, wobei er demonstrativ ihre Finger ableckt. - "Ooooh!" Lex setzt ein triumphierendes Lächeln auf. "Ich hab's doch geahnt!" Sie wirft Argon einen Blick zu, leicht vorwurfsvoll, weil er sich bislang darüber so hartnäckig in Schweigen gehüllt hat. Aber er hat es der Zauberhaften Hexe wohl versprechen müssen... "Darum knutschst du also ständig alle deine Freunde ab! Es liegt also gar nicht an dem tollen Zeugs aus der vermeintlichen Hexenküche?" - "Na ja, das Zeug ist schon gut... aber nicht sooo gut!" Iris lächelt fast ein wenig verschämt. - "Und was ist mit dem angeblichen Voodoo-Elixier-Zeugs, das alle Wunden heilt, und all den anderen Wundermittelchen?" - "Das Elixier? Reines Wasser." - "Cool!" Das ist ja noch besser, als Lex immer gedacht hat. "Eine Amayra-Hexe also, so sooo... wie zum Teufel seid ihr überhaupt aneinandergeraten?" Ihre Hand wedelt herum - und nun meldet sich Alex zu Wort, nachdem er nun trotz der ganzen Rührung endlich seine Sprache wiedergefunden hat. "Ach, weisst du, Schätzchen, das ist eine lange Geschichte..."


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"Oh! Lex war eine Unsterbliche?!" - "Jepp." - "Cool!" Sie grinst und legt dann den Kopf ein wenig schief. "Wie ist das gekommen, dass Lex eine Unsterbliche war?!" - "Keine Ahnung. Und Iris hat es offenbar auch nicht gewusst, wie das möglich war, sie hat nur gewusst, dass es so war. Schon vor Lex' Geburt hat sie das gewusst..." - "Und was haben die anderen dazu gesagt, dass Lex nun unsterblich war? Oder haben sie denen das etwa auch nicht erzählt?"

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Niemand hat wirklich Hunger und erst recht ist niemand zum Feiern aufgelegt, doch Iris hat unerbittlich darauf bestanden, dass sie sich alle zum Abendessen versammeln sollten. Und nun erzählt sie irgendwelche haarsträubende Geschichten über die unergründlichen Wege des Schicksals und auch über irgendwelche komischen Unsterblichen, die angeblich schon seit Ewigkeiten rumspazieren und sich gelegentlich gegenseitig die Köpfe abzuschlagen pflegen, obwohl das doch eine ziemlich dumme Sitte wäre, aber egal...
Mulder kann Iris nur mit offenem Mund anstarren, bei dieser Taktlosigkeit angesichts des heutigen Todesfalles, von dem noch alle völlig geschockt sind. Melissa und Walter sind offenbar viel zu tief in ihrem Schmerz vergraben, dass sie auch nur einen Ton herausbrächten, um Iris zum Schweigen zu bringen, die von allen nur noch ziemlich verständnislos angestarrt wird. "Iris!" Eigentlich wollte er sie anschreien, doch er bringt nur ein heiseres Krächzen zustande, denn der Tod seiner Nichte hat ihn wirklich schwer mitgenommen, schliesslich war sie wie eine Tochter für ihn, da ja das Quartett die meiste Zeit über zusammensteckte.
"Ja ja, schon gut, ich sehe schon, dass euch nicht nach zuhören zumute ist... Ich wollte euch ja nur warnen und schonend darauf vorbereiten, also bitte: Seid jetzt nicht zu sehr geschockt!" meint Iris in einem beruhigenden Tonfall.
Aber zu spät... alle springen nun von ihren Sitzen...
... als hinter Iris nun Lex hereinspaziert kommt, in voller Lebensgrösse.

Ihre Mutter Melissa, die schier einen Nervenzusammenbruch hatte, als sie heute morgen davon erfuhr, schlägt sich die Hand vor den Mund und verfällt in eine Art hysterisches Schluchzen, da sie nicht weiss, ob sie Lachen oder Weinen soll. Walter Skinner, der heute den Herzinfarkt erlitt, als er ihre Leiche sah, wird blass und erstarrt förmlich. Ihr Bruder Max stösst einen Jubelschrei aus, ebenso wie Ix und Will, denn die junge Generation, die hier im Hause AVALON alles PARANORMALE gewissermassen schon mit der Muttermilch aufgesogen hat, scheint anscheinend nichts dabei zu finden, dass Lex von den Toten auferstanden ist. John Doggett und Monica Reyes dagegen scheinen nicht so recht zu wissen, ob sie sich freuen oder doch lieber ihre Waffen auf diesen Geist richten sollten. Dana starrt ihre tote Nichte, die plötzlich lebendig vor ihnen steht, mit weitaufgerissenen Augen an und auch Mulder ist der Kiefer runtergeklappt.
In Wirklichkeit geht natürlich alles wahnsinnig schnell und so ungefähr drei Sekunden nach ihrem Auftauchen ist Lex auch schon von ihren Geschwistern umringt. "Nun erdrückt mich doch nicht, ich bin kein Geist!"

* * *

Es dauert die halbe Nacht, um den Leuten klarzumachen, dass nicht etwa Iris mit irgendeinem mysteriösen Voodoo-Zauber die gute Lex wieder von den Toten auferweckt hat, sondern dass dies nun mal ein anderes Phänomen ist. Schliesslich hat man schon erlebt, wie die Zauberhafte Hexe irgendwelche Blessuren wegpusten oder wegmassieren konnte, wie sie bei Herzinfarkten vorgeht und wie sie sogar Will nach seinem grausigen Unfall hat heilen können... da erscheint es wohl plötzlich nicht mehr so unmöglich, dass sie sogar jemanden wieder lebendig machen könnte. Tja, dieses Vertrauen ehrt sie ja wirklich, doch langsam wird es Iris selbst unheimlich...

"Tja, jetzt gibt es also wieder mal eine X-Akte in der Familie!" meint Lex lächelnd, die es natürlich irgendwie ziemlich cool findet, jetzt eine Unsterbliche zu sein. Jedenfalls findet sie es viel besser, als jetzt schon tot zu sein.
Seit sie vorhin ihre Mutter umarmte, hat Melissa ihre Hand nicht mehr losgelassen und hängt wie eine Klette an ihr. Und Walter, der fast erneut einen Herzinfarkt erlitten hätte, als er sie nun wieder lebendig gesehen hat, lächelt einfach nur noch glücklich... Sie lebt. Sie ist vielleicht kein normaler Mensch mehr, war es vielleicht auch nie, aber sie lebt. Das ist die Hauptsache.

*

Mulder kommt zu Iris in die Ecke und sieht sie aufmerksam an. "Als wir uns damals kennen lernten, hast du gesagt: ES GIBT NOCH VIEL ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE, DAS SICH DIE SCHULWEISHEIT NICHT TRÄUMEN LÄSST; UND ICH HABE SCHON ZUVIEL GESEHEN, ALS DASS ICH DABEI NUR AN ZUFÄLLE GLAUBEN WÜRDE! Erinnerst du dich?" Ja ja, er und sein verdammtes Gedächtnis, das ihn kaum etwas vergessen lässt. Er legt den Kopf etwas schief. "Spätestens heute wird mir klar, was du damit gemeint hast!" Er scheint zu überlegen, wie er seine Frage formulieren soll. "Du kennst jede Menge schräge Vögel... wie diese seltsamen Unsterblichen, zu denen Lex jetzt plötzlich gehört. Bist du eigentlich selbst eine von der Sorte?"
Oh, wie verlockend! Wie einfach wäre es doch, jetzt einfach JA zu sagen... Aber Iris flüstert nur vage: "So genau willst du das gar nicht wissen!" - "Doch!" Natürlich ist Mulder da anderer Meinung, war ja klar. "Bitte Iris, sag's mir!" - "Ich bin eine Amayra-Hexe." - "Amayra?" echot er. Davon hat er weder was gehört noch gelesen, obwohl er sich einbildet, sich mit allem möglichen Obskurem Zeugs doch recht gut auszukennen... aber irgendwie klingt es doch seltsam vertraut, als hätte Iris sowas schon mal erwähnt. - "Klingt doch nett, oder?" meint sie lächelnd und lässt ihn glauben, dass es nur eine sinnlose Lautmalerei wäre, die sie sich in diesem Augenblick gerade eben mal kurz selbst ausgedacht hat. - "Ach ja?" meint er nun ebenfalls lächelnd. "Und gibt es viele Amayra-Hexen?" - "Ich bin weit und breit die einzige Amayra-Hexe auf dieser Welt!" seufzt Iris schulterzuckend und mit verschwörerischem Lächeln - und Mulder denkt sich, dass für die zauberhafte Iris eine eigene Hexen-Kategorie wohl durchaus gerechtfertigt ist. "Du hast wohl einen Siebten Sinn für Unsterbliche, Vampire, Werwölfe, Dämonen und was sonst noch alles, hä?" - "Stimmt genau, schliesslich bin ich eine Hexe!" Sie grinst ihn frech an mit erweiterten Pupillen... und vermittelt Mulder wieder einmal das Gefühl, dass alles in bester Ordnung ist.

Oh ja, alles in bester Ordnung, denn dank AVALON wird Lex keine Probleme haben, eine neue Identität anzunehmen, denn Alexandra Margaret Skinner wird natürlich eine schöne Beerdigung erhalten, da sie ja schliesslich schon offiziell für tot erklärt wurde...
Und die Verschwörerclique wird sich schon daran gewöhnen, mit Lex eine Unsterbliche in ihren Reihen zu haben, die nur aufpassen muss, ihren Kopf nicht zu verlieren.

 


"Lex und Argon?!" Alex traut seinen Ohren kaum. "Das kann doch nicht dein Ernst sein!" - "Warum?" meint Iris unschuldig und wundert sich doch ein klein wenig, dass er darüber so schockiert ist. Eigentlich sollte er sich doch lieber freuen, dass ein Dämon auf Lex aufpasst...
Nach einem verschwörerischen Blickwechsel fängt Alex dann an rumzudrucksen... und Iris fängt an zu grinsen, als ihr langsam aufgeht, womit Alexei offenbar so ein Problem hat. Irgendwie scheint ihm wohl der Gedanke nicht sonderlich zu behagen, dass Lex und Argon... Argon mit Lex... na ja... "Alexei!" Sie legt den Kopf ein wenig schief, zieht eine Augenbraue in die Höhe und hebt sein Kinn hoch, damit er ihr wieder in die Augen sehen muss, denn so interessant ist das Teppichmuster nun auch wieder nicht. "Für dich ist Argon gut genug... doch nicht für Lex?" - "Sie ist doch noch so jung!" platzt es endlich aus ihm heraus, während er bis unter die Haarwurzeln errötet bei der Erinnerung an die letzte intime Begegnung mit dem charmanten Dämonen. Hach, verdammtes sexgeiles Monster, das er ist! "Verflucht nochmal, sie ist meine Tochter!"
Iris bricht mal kurz in schallendes Gelächter aus. "Schätzchen, dir ist aber schon aufgefallen, dass Lex kein kleines Mädchen mehr ist, oder?" spöttelt sie dann mit sanfter Stimme. "Sie ist eine erwachsene Frau. Eine Hexe gewissermassen. Und jetzt weiss sie auch, dass sie eine Unsterbliche ist." Sie lächelt. "Glaub mir, sie weiss, worauf sie sich einlässt, sie kennt Argon schliesslich schon länger und weiss längst, dass er ein Dämon ist." - Er macht ein ziemlich entgeistertes Gesicht. Natürlich kennt Lex den guten alten Argon schon länger, er hat den Kindern früher sogar Märchen vorgelesen und sonstige wilde Geschichten erzählt. Aber irgendwie gefällt ihm der Ton nicht, in dem sie das gesagt hat. "Was soll das heissen, dass sie schon längst weiss, dass er ein Dämon ist?!" - "Ähm..." - "Oh nein..." flüstert er beschwörend. Plötzlich erinnert er sich wieder daran, dass Lex den guten alten Argon ja tatsächlich einen grünhäutigen Dämon genannt hat, obwohl er seine Menschliche Gestalt hatte, als sie in seinem Versteck im Keller aufgewacht ist. Und sie hat ihn so verräterisch angegrinst... "Oh Gott, Lex und Argon?!" Nun klingt es schon eher wie eine Feststellung als wie eine Frage - und Iris nickt einfach.
Alex wandert ein paar Mal im Zimmer auf und ab, um sich schliesslich doch wieder zu Iris aufs Bett zu setzen, ihr die Flasche aus der Hand zu nehmen und einen kräftigen Schluck Wodka herunterzukippen. "Und seit wann geht das schon so?" - "Was denn?" - Oh nein, nicht diese Unschuldsmiene! "Bitte, Iris, keine Spielchen! Seit wann treibt es Argon schon mit meiner Tochter?" Er klingt aufgebrachter, als er eigentlich wollte und er schämt sich sofort für seinen Ton - zumal ihn Iris nun auch etwas missbilligend ansieht. "Aber Alexei! So kann man das nun wirklich nicht sehen! Argon mag sie wirklich sehr und er respektiert Lex." Irgendwie kann sie ihm nicht verdenken, dass er das letztere nicht so ganz glauben kann, zumal er selbst von Argon ja nicht unbedingt immer mit dem grössten Respekt behandelt worden ist, um es mal milde auszudrücken. "Lex ist eine Unsterbliche. Eine Hexe mit mir als Patentante gewissermassen. Und nicht zuletzt: Sie ist eine Frau!" Sie verzieht kurz ihr Gesicht zu einem Schmunzeln. "Argon achtet Frauen sehr! Mehr als er Männer achtet... Er würde es niemals wagen, Lex zu irgendwas zu verführen, dass sie nicht selber will."
Also anders gesagt: er ist für Argon bloss ein dummes kleines Sexspielzeug, wobei es den Dämon natürlich besonders anmacht, dass er eben Iris' kleines Sexspielzeug ist, während seine Tochter für ihn eine respektierte Partnerin ist?! Irgendwie kommt Alex das alles immer noch wie ein Traum vor, doch dann erinnert er Iris an seine ursprüngliche Frage: "Wie lange dauert denn die Affaire schon?" - "Erinnerst du dich an das Beltane-Fest 2019? Kurz danach hat es angefangen... du weisst schon, als sie ihre Lolita-Phase hatte..." - "Was?!" Guter Gott, Alexandra ist doch erst zwanzig, d.h. sie wird bald einundzwanzig, das heisst also, dass sie schon seit ihrem 18. Lebensjahr... Himmel! In ihm wächst ein gewisser Verdacht: "War er etwa der erste?" Und wieder starrt er dabei auf den Teppichboden, als würde er sich vor der Antwort fürchten - worauf Iris wieder sein Gesicht anhebt, die es wohl irgendwie amüsant zu finden scheint, wie er sich hier plötzlich als besorgter Vater aufführt. "Du sagst das in einem Ton, als würdest du denken, er wäre wie ein Tier über sie hergefallen, um sie zu entjungfern und dann damit zu prahlen, oder irgendsowas in der Art. Aber so war es ganz und gar nicht." Argon war vielleicht der Erste, aber nicht unbedingt der Letzte. Aber davon will Alexei jetzt wohl lieber nichts hören... "Sie hat es gewollt und sie hat ihn ausgesucht!" Weil sie nicht einfach mit dem erstbesten Jungen rummachen wollte, weil sie ja Jungs sowieso alle blöd fand. Da ist ein Typ wie Argon natürlich schon ein ganz anderes Kaliber. Attraktiv, mysteriös und immer äusserst charmant, also genau das richtige zum Dessert! "Und ob du's glaubst oder nicht: Argon kann durchaus ein zärtlicher einfühlsamer Liebhaber sein..." - Ach du liebe Zeit, sowas will er gar nicht hören! Er weiss ja durchaus, wie furchtbar nett Argon im Bett sein kann, wenn er beispielsweise gerade mit Iris rumschmust oder sie einfach von oben bis unten geniesserisch ableckt... Oh mein Gott, Argon und Lex, das will er sich lieber gar nicht vorstellen! "Er hätte NEIN sagen können!" - "Und sie kränken? Damit sie sich womöglich dem nächstbesten Kerl an den Hals wirft?" - Alex schüttelt den Kopf, als könnte er damit seine Gedanken ordnen. "Warum habe ich davon eigentlich nichts erfahren?" - "Weil es dich nichts angeht." - "Es geht mich nichts an?!" empört er sich. "Meine Tochter macht mit einem Dämon rum und es geht mich nichts an?!" - "Genau. Sagt dir vielleicht das Wort Privatsphäre was?!" Sie lächelt ihn an. "Ach, nun komm schon. Lex hat mich gebeten, es nicht rumzuerzählen, weil es nun mal eine geheime Affaire war." - "Na so geheim kann's ja auch wieder nicht gewesen sein, schliesslich hast du davon gewusst!" zickt Alex weiter herum. Natürlich hat Iris davon gewusst, wie hätte sie nicht davon wissen können!
Irgendwie ist es niedlich, wie er schmollt. Nervig, aber niedlich. "Hör mal, Alexei... Es gibt nun mal Dinge, die Teenies unter gar keinen Umständen mit ihren Eltern besprechen... sondern höchstens mit der Hexe ihres Vertrauens!" - "Sie hat mit dir sogar extra darüber gesprochen?!" Bis jetzt hat er noch gedacht, sie hätte davon erfahren, weil sie es einfach in ihren Gedanken gelesen oder von Argon davon gehört hätte, aber nun stellt sich heraus, dass Iris ganz offensichtlich sogar von Lex so richtig ins Vertrauen gezogen worden ist. Und er nicht... Verdammt, es ist so furchtbar dumm von ihm, sich darüber aufzuregen, denn er war sicher so ungefähr der letzte Mensch auf der Welt, mit dem sich Alexandra Margaret Skinner über solch intime Dinge unterhalten hätte, über die sie nicht mal mit ihrer Mutter sprach! "Tut mir leid..." flüstert er nun und kommt sich vor wie der letzte Idiot. Es war wohl alles in allem ein zu grosser Schock. Erst hat er geglaubt, Lex wäre tot. Dann entpuppt sie sich auf einmal als Unsterbliche... und er muss feststellen, dass Iris es wohl die ganze Zeit gewusst hat, ohne ihm einen Ton davon zu sagen. Dann wird ihm plötzlich erzählt, dass Lex und Argon... Himmeldonnerwetter!
Nachdem die Wodkaflasche geleert ist, hat sich Alex aber schon merklich beruhigt und wieder an Iris gekuschelt. Plötzlich tauchen wieder neue Fragen auf, die sich sein verdammtes krankes Hirn ausdenkt. Er muss plötzlich daran denken, dass Iris auch schon mit Ix rumgeknutscht hat. Und mit Max. Und natürlich mit Will... "Hast du eigentlich auch schon mit Lex rumgeknutscht?" - "Ja." - "Oh..." Hat er etwa ernsthaft was anderes erwartet? Wohl kaum. "Warst du auch mit ihr im Bett, na du weisst schon..." - "Nein." - Na Gott sei Dank! - "Aber ich hab sie auch schon mal gebissen..." erklärt Iris frei heraus. - "Oh..." Alexei weiss nicht so recht, ob er darüber schockiert sein soll oder nicht. Iris beisst nicht jeden, es ist also fast eine Ehre... "Max etwa auch?" - "Ja. So wie auch Ix und Will." - "Und... küsst sie gut?" - "Ein Naturtalent!" Sie grinst ihn an, im vollen Bewusstsein darüber, dass sie gerade von seiner Tochter sprechen, und drückt ihm einen Kuss auf den Mund. Plötzlich sieht sie in seinen Augen wieder neue Fragen... "Alexei, reg dich ab, es hat keine wilden Massenorgien mit dem Quartett gegeben, ehrlich! Und nur Lex hat mit Argon rumgemacht... auch wenn er wohl Ix auch nicht von der Bettkante schubsen würde..."
"Himmel, Iris!" Ach, verdammt, sie hat recht. Irgendwie steht ihm die Rolle des Moralapostels nicht und er kommt sich schon selbst ganz verdreht vor, dass er sich auf einmal über Dinge aufregt, die ihm vorher noch ganz selbstverständlich erschienen sind, nur weil es auf einmal seine Tochter betrifft. Und was er vor noch nicht allzu langer Zeit über Heuchelei und Doppelmoral gesagt? "Sorry, ich muss mich erst daran gewöhnen..." murmelt er leise. Und das sagt ausgerechnet Iris' kleines Sexspielzeug, jemand, der sich von einem Dämon vögeln und von seinem Anwalt einen blasen lässt und sogar mit dem Sohn seiner Freunde rummacht, bei deren Hochzeit er Trauzeuge war... und sowieso im Bett gerne einen draufmacht... Himmel, er muss wirklich krank sein! Und wie krank muss wohl erst Argon sein. Hat es diesem sexgeilen Dämon wohl einen besonderen Kick gegeben, immer noch mit Alexei rumzumachen, während er bereits eine Affaire mit Alexandra hatte? Jetzt ist jedenfalls Schluss damit...
Iris streichelt ihn, bis er weggedöst ist, und findet es irgendwie rührend, wie er sich aufgeregt hat. Na schön, sie kann ihn schon ein Stück weit verstehen... und zudem waren es wohl ein Bisschen viele Neuigkeiten in so kurzer Zeit, das reinste Wechselbad der Gefühle.
Auf einmal ist er wieder wach, weil ihm im Halbschlaf noch eine weitere Frage eingefallen ist. "Iris... Weiss Lex etwa von Argon und uns? Ich meine... von Argon und mir?!" Das mit Lindsey ist ja schon offiziell und dass sie von Will weiss, geht ja auch noch... aber die Affaire mit Argon ist ja wieder was ganz anderes... Und als sich Iris mit der Antwort Zeit lässt, weiten sich seine Augen bereits in panischem Entsetzen. "Nein!" Am liebsten würde er im Boden versinken... und dann überlegt er sich fieberhaft, ob Lex sich jemals irgendetwas hat anmerken lassen. Hatte ihr verschwörerisches Lächeln zuweilen vielleicht noch was ganz anderes zu bedeuten? Hat sie sich vielleicht über ihn lustig gemacht, ihn verachtet und für den letzten Abschaum der Menschheit gehalten? - "Alexei, macht dich nicht verrückt!" unterbricht Iris seine wirren Gedanken. "Lex kennt keine näheren Details... Aber irgendwie hat sie es wohl ziemlich cool gefunden, dass Argon und du miteinander rummachen. Erst recht, als sie gemerkt hat, dass Argon ein Dämon ist." - "Cool?!" Er traut seinen Ohren kaum. Na ja, Lex ist eben... Lex. "Und warum zum Teufel erzählt er ihr überhaupt was davon, ich dachte, das wäre eine geheime Affaire?!" protestiert er dann. - "Oh, Lex hat es rausgefunden hat. Irgendwie... Also hat er zugegeben, dass wir nun mal hin und wieder zusammen Spass hätten. Das war eben in der Zeit ihrer Lolita-Phase." - Alex kann sich noch lebhaft an diese Lolita-Phase erinnern, als die sonst so wilde Lex plötzlich aussah, als wäre sie in einen Schminktopf gefallen. Doch diese Phase ging schnell vorüber und danach war sie wieder die gute alte Lex, die nicht nur durch Cleverness sondern auch durch Schlagkraft brillierte, nur dass sie dann irgendwie plötzlich viel reifer wirkte... und zwar weil sie dann schon mit einem Dämon rummachte, der ihr wohl erzählte, dass Lippenstift eklig schmeckt. Oh Gott! "Soll das etwa heissen, Lex hat dann Argon extra ausgesucht... ähm... obwohl sie gewusst hat, dass er auch mit uns..." - "Genau." - "Oh mein Gott." Er schliesst die Augen. "Wie hat sie es rausgefunden?" - "Sie hat Argon nachspioniert und als er in unser Zimmer ging, da hat sie durchs Schlüsselloch gelinst und ihn mit dir gesehen." - "Was?!" Das wäre doch ein guter Zeitpunkt, um im Erdboden zu versinken. "Sie hat uns gesehen? Du meinst, sie hat gesehen, wie er mit mir... wie wir... Oh mein Gott!"
Sie nimmt ihn in die Arme und drückt ihn ganz fest an sich, als Alex schliesslich von seltsamen Schluchzern geschüttelt wird, oder ist es Gelächter? Vermutlich weiss er es selbst nicht so genau. Bis zu Lex' Tod war es lange her, dass er seinen letzten hysterischen Anfall hatte, und in Anbetracht der Umstände, hat er es sich mal wieder redlich verdient... Also hält sie ihn einfach nur fest, bis sich seine wirren Gedanken wieder etwas beruhigt haben und sich auch sein Körper im Schlaf vollkommen entspannt.

Iris muss wieder an Mylady denken, die wohl nicht gedacht hätte, dass Iris nach so vielen Jahren immer noch *hier* ist. Aber es gefällt ihr hier immer noch, denn obwohl diese Welt hier ja nun besser ist als die meisten anderen Varianten, in denen sie schon war, gibt es doch auch noch genug Schattenseiten, dass es als PLATZ AN DER SONNE, nicht zu langweilig wird. Und irgendwie hat sie sich wirklich schon fast daran gewöhnt, als Mensch unter Menschen zu leben, auch wenn ihre Freunde sie gerne Zauberhafte Hexe nennen und sie als die berühmt-berüchtigte Iris Sinclair von AVALON ja nicht gerade ein normales Leben führt... was ja ganz gut so ist.
Na ja, und ausserdem ist Iris das FIEBER schliesslich immer noch nicht ganz losgeworden und deshalb kann sie sowieso nicht so einfach *jenseits der Spiegel* gehen und einfach springen, selbst wenn sie wollte...


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"Ach... Lex und Argon?!" - "Offensichtlich." - "Was heisst hier offensichtlich?!" - "Ich hab's mit meinen eigenen Augen gesehen!" erklärt All'Una grinsend. "Lex und Argon!" Und irgendwie hat sie den leisen Verdacht, dass Argon nicht nur wegen der wunderbaren grünen Augen so vernarrt in Lex war... ist... wie auch immer. Irgendwie glaubt sie auch hier an so eine Art von Phänomen, das in gewissen Kreisen wegen der jeder Statistik spottenden inflationären Verbreitung in einer gewissen Familie sogar Thyuda-Fluch benannt worden ist. Na ja, vielleicht liegt es ja doch an den grünen Augen, wer weiss. Allerdings kann es das auch sonst geben... und andernorts nennt man es vielleicht Unsterbliche Liebe oder gibt der Sache sonst einen kitschigen Namen...

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"Guter Gott, war es so schlimm?" erkundigt sich Lin stirnrunzelnd und deutet auf die leere Wodka-Flasche, bevor er sich aufs Bett zu Alexei setzt, der immer noch seinen Rausch ausschläft und dessen Haare nach allen Seiten abstehen, als hätte er sie sich gerauft. "Was in aller Welt hast du ihm denn erzählt?" Leicht vorwurfsvoll sieht er Iris an - die am halboffenen Fenster steht und einen Joint raucht, wobei sie kunstvolle Rauchkringel in die kalte Dezemberluft bläst. "Ach, ich habe ihm nur erzählt, dass Lex... äh... gewissermassen mit Argon zusammen ist." - "Was?!" Erst sieht er sie nur etwas ungläubig an, doch dann fügen sich in seinem Kopf etliche Puzzleteile zusammen und ihm wird auf einmal klar, warum Argon seit einiger Zeit so oft hier herumhing und dabei auch noch so verdächtig oft irgendwas mit Alexandra Margaret Skinner unternahm. Wobei Argon ja schon immer sehr von Lex angetan war, schon seit ihrer Geburt. Bestimmt konnte er ebenso wie Iris spüren, dass sie etwas Besonderes ist, eine Unsterbliche. "Lex und Argon?!" Ach du lieber Himmel! Kein Wunder, dass Alexei da durch den Wind ist... Er streicht ihm zärtlich die strubbligen Haare aus dem Gesicht und legt sich dann ebenfalls aufs Bett... worauf sich Alexei im Schlaf an ihn kuschelt.

Ein paar Stunden später wacht Alex langsam wieder auf und ist froh, dass Lindsey neben ihm liegt, weil er nämlich total abartiges Zeugs von Argon geträumt hat. Argon und Lex. Plötzlich ist er hellwach und zuckt regelrecht zusammen, als ihm klar wird, dass ja Argon und Lex wirklich... Oh Gott, er will nicht mal daran denken...
"Alexei?" murmelt Lin verschlafen und legt den Arm um ihn. "Geht's dir gut?" - "Gut?! Lex und Argon..." - "Iris hat es schon erzählt." - "Hat sie auch erzählt, dass Lex schon vor drei Jahren oder so mal Argon durchs Schlüsselloch nachspionierte und ihn dabei zusammen mit mir gesehen hat? Und trotzdem... oder vielleicht gerade deswegen dann..." murmelt Alex und fasst sich dabei an den Kopf. "Oh Gott!" - "Oh..." Lin weiss nicht so recht, was er daraufhin sagen soll. Er nimmt ihn einfach fester in die Arme. "Lex hat euch also beobachtet... und hat sich trotzdem oder gerade deswegen ausgerechnet mit Argon eingelassen." Er küsst ihn auf die Schulter, weil dieses Körperteil gerade am nächsten ist. "Vermutlich hat ihr gefallen, was sie gesehen hat..." murmelt er weiter. "Und da hat sie sich womöglich gedacht, dass Argon ja wohl so übel nicht sein kann, wenn er immerhin so guten Geschmack hat, mit dir rumzumachen..." - "Was laberst du denn da?" murmelt Alex verwirrt und starrt Lindsey seltsam an. - "Na ja, ich meine..." Offen gestanden weiss Lin selbst nicht so recht, was er eigentlich meint. "Argon ist ein Dämon. Lex ist eine Unsterbliche Hexe." Er kratzt sich kurz am Kopf. "Ach, ich weiss auch nicht. Lex ist ja schon immer etwas exzentrisch gewesen... Und ich labere wirklich Unsinn..." Er seufzt kurz - und Alex starrt ihn immer noch an. "Du denkst, es hat ihr gefallen, was sie gesehen hat?" wiederholt er Lin's Worte von vorhin, die ihm nicht mehr aus dem Sinn gehen. Er muss wirklich krank sein... wenn ihn der Gedanke plötzlich zu erregen beginnt, dass Lex ihn beobachtet und dass ihr das auch noch gefallen hat.
"Ach, Alexei, mach dich nicht verrückt!" Lin nimmt ihn noch fester in die Arme. "Wenn es dir so zu schaffen macht, dann rede doch mit ihr!" - "Wie bitte?!" Er klingt nicht nur entsetzt, er ist es auch... bei dem Gedanken sich irgendwie mit seiner Tochter auszusprechen, rinnt ihm ein kalter Schauer den Rücken runter. - "Warum nicht? Lex ist doch kein Unmensch, sie ist deine Tochter. Und ihr habt doch ein gutes freundschaftliches Verhältnis, also hat sie doch ganz offensichtlich keine Probleme damit..." - "Aber ich habe ganz offensichtlich Probleme damit!" seufzt Alex, der immer noch ziemlich verwirrt ist... mehr über sich selbst als über die ganze bizarre Situation.


 


"Hi, Alexei!" meint Lex mit sanfter Stimme - und Alex hätte vor Schreck fast den Kaffe verschüttet, den er sich in der Küche gerade eingegossen hat. "Lex!" Er fühlt sich irgendwie ertappt, dabei ist es ja wirklich nicht verboten, sich noch vor dem Morgengrauen Kaffee zu machen. "Was machst du denn so früh schon hier?" - "Ach, ich war doch schon immer eine ziemliche Nachteule, das weisst du doch." Sie kommt näher, sieht ihn an und trinkt von dem Kaffee, den er gerade eingeschenkt hat. "Du kennst mich doch ziemlich gut, Alexei. Aber wohl nicht so gut, wie du gedacht hast..." Sie schmiegt sich an ihn, um ihn zu umarmen, und hält ihn einfach eine Weile fest. Sie kann seine Anspannung spüren... Tja, sie kann ja nun sowieso eine ganze Menge spüren und fragt sich, ob andere Unterbliche eigentlich auch so geschärfte Sinne haben oder ob das in ihrem Fall wohl eher daran liegt, dass sie von Iris bald nach ihrem Aufwachen ein paar Schlückchen von so einem seltsamen undefinierbaren Gesöff eingeschenkt bekommen hat, das für normale Menschen nicht sehr gesund wäre aber ihr irgendwie ganz fabelhaft bekommt... Eigentlich ganz cool, dass sie jetzt mit Zaubertränken aller Art experimentieren kann, ohne befürchten zu müssen, versehentlich an einer Überdosis zu sterben oder sowas in der Art. Na ja, und wenn sie daran sterben würde, dann würde sie doch wieder aufwachen... aber sie will's mal nicht übertreiben!
"Manchmal kommt es mir so vor, als würde ich dich überhaupt nicht kennen, Lex..." - "Ach, Alexei... Bist du wirklich so schockiert über mich und Argon?" Sie knufft ihn sachte in die Rippen. "Iris hat mir erzählt, du hättest auf den Schreck ne ganze Flasche Wodka geleert. So schlimm?" - "Ich... äh... war eben etwas überrascht." - "Ach, Alexei, heute bist du aber ein schlechter Lügner!" meint Lex kichernd. "Du warst zu Tode erschrocken, gib es zu!" Sie dreht sein Gesicht so, dass er ihr in die Augen schauen muss. "Aber keine Sorge. Argon ist gut zu mir und wir haben viel Spass zusammen, ehrlich." Sie drückt ihm links und rechts einen Schmatz auf die Wange. "Weisst du eigentlich, weshalb Argon so auf uns steht? Wegen unserer schönen grünen Augen, die machen uns geradezu unwiderstehlich..." Sie lächelt ihn schelmisch an. "Und ich kann durchaus verstehen, dass er scharf auf dich ist." - "Lex!" - "Nun tu doch nicht so schockiert, Alexei!" Kichernd packt sie ihn an der Schulter und schüttelt ihn ein wenig durch. "Du empfindest wie ein Vater für mich, was ja auch völlig in Ordnung ist. Aber ich empfinde nun mal nicht gerade wie eine Tochter für dich, weil du für mich eben immer nur der gute alte Alexei gewesen bist... auch wenn ich mit dir wohl mehr Zeit verbracht habe als mit dem Ehemann meiner Mutter, den ich Dad zu nennen pflege." Sie sieht ihn eindringlich an. "Du bist für mich immer Freund gewesen, Kumpel, Spielgefährte... na ja, der Mann von Tante Iris eben." Sie lächelt. "Der Typ, der die gleichen grünen Augen hat wie ich..." Wieder gibt sie ihm ein Küsschen auf die Wange und er drückt sie daraufhin an sich.
"Wenn du glücklich bist... dann bin ich es auch!" erklärt er und schaut sie eindringlich an. - "Dann ist es ja gut." Sie wuschelt ihm durch die Haare, weil sie sowas furchtbar gerne macht. "Ich werde wohl Argon sagen, dass er dir nicht mehr auf die Pelle rücken soll. Es käme dir wohl jetzt... äh... etwas komisch vor." - "Es ist mir eigentlich schon immer komisch vorgekommen..." murmelt Alexei seufzend - worauf sie ihn anlacht. "Na ja. Ich kann es mir ungefähr vorstellen. Zuweilen ist er ebenso unwiderstehlich wie Iris mit Fieber..." Sie wechselt einen verschwörerischen Blick mit ihm und gibt ihm dann schliesslich einen freundschaftlichen Klaps auf den Hintern. "Hey, wie wär's mit ein paar Croissants oder irgendwas anderem? Ich hab Hunger!" - "Hunger?" - "He, ich bin zwar jetzt unsterblich, aber ich muss trotzdem essen!" klärt sie ihn lächelnd auf. "Hungertod stelle ich mir nicht sehr angenehm vor... bäää..." Sie verzieht kurz das Gesicht und wirft dann mal einen Blick in den grossen Kühlschrank, der mit allerhand Leckereien gefüllt ist. - "Soll ich dir was kochen?" meint er hilfsbereit und ist froh, wenn er irgendwas zu tun bekommt, irgendwas handfestes...

*

"Da bist du ja!" meint Lin, als er Alexei in der Küche entdeckt, wie er gerade etwas in der Pfanne brutzelt. Er zuckt etwas zusammen, als er Lex am Tisch entdeckt. Alexandra Margaret Skinner, deren offizielle Beerdigung heute stattfinden soll, hier auf dem Gelände der Avalon-Villa und nicht etwa auf irgendeinem Friedhof... "Oh! Ich will euch nicht stören!" - "Bleib ruhig hier!" meint Lex schnell. "Auch Hunger?" - "Hmmm..." - "Es reicht auch für dich, Lindsey!" versichert Alex lächelnd - worauf Lex auch schon ein drittes Gedeck auf den Tisch stellt.

"Wissen die anderen eigentlich, dass Argon ein Dämon ist?" erkundigt sich Alex nach einer Weile, als sie schon am Essen sind. - "Ix hat es gewusst. Max und Will wissen es jetzt." Lex grinst breit und nimmt noch einen grossen Bissen, bevor sie weiterspricht: "Aber natürlich wissen sie nichts über du-weisst-schon, also keine Panik." - "Oh, wie ungemein beruhigend!" Alex ist inzwischen schon etwas gelassener und kann darüber lächeln. Ein schiefes Lächeln zwar, aber immerhin.

 


Die Urne, die heute unter der grossen Eiche im Garten vergraben wird - wozu man sich erst noch durch einen halben Meter Schnee buddeln musste, bevor man sich daran machen konnte, den steinhart gefrorenen Boden aufzupickeln, wobei Iris keinen Finger rührte - kommt Mulder irgendwie so verdächtig bekannt vor... und er kann es sich nicht verkneifen, Iris darauf anzusprechen, nachdem sie den Grabstein darübergelegt haben und genug herzzerreissende Fotos geschossen worden sind, um die Beerdigung von Alexandra Margaret Skinner auch zu belegen.
"Sag mal Iris... diese Urne hier hat genau so ausgesehen wie die Urne, in der damals die Asche des Rauchers gelandet ist?" - "Stimmt." - "Ist es die selbe Urne?! Wo zum Teufel hast du die all die Jahre aufbewahrt?" - "An einem sicheren Ort!" meint Iris lächelnd und bemüht sich, nicht verräterisch auf ihre Tasche zu klopfen. Obwohl er das mit der Amayra-Tasche vermutlich sowieso nicht glauben würde, jedenfalls nicht ohne Vorführung...
Fast hat sie ein etwas schlechtes Gewissen, weil sie Mulder, der doch immer so hinter der Wahrheit her gewesen ist, immer noch glauben lässt, dass sie 1970 geboren wurde etc.pp. während seine Tochter jetzt so wie Lex ebenfalls weiss, dass sie eine Amayra-Hexe ist, die wohl schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel hat... Dafür hat er es relativ gut aufgenommen, als Lex erzählt hat, dass Argon ein Dämon wäre, denn vermutlich ist ihm dies auch wie ein Déja-vu vorgekommen und erscheint ihm nicht mal mehr so schlimm.




Walter Skinner ist nach seinem Herzinfarkt gar nicht mehr ins Bureau zurückgegangen, nicht mal, um seine Sachen zu holen - die hat ihm sein Nachfolger höchstpersönlich vorbeigebracht. Jawohl, John Doggett ist vom Komitee als neuer FBI-Chef bestätigt worden und ist damit durch diesen unglückseligen Amoklauf, Lex' Tod und Walter's Herzinfarkt einfach ein paar Monate früher als geplant auf seine neue Stelle gekommen.

Der ehemalige FBI-Chef hat Washington den Rücken gekehrt und sein offizielles Domizil nun auch in der Avalon-Villa, wo er nicht nur seinen Herzinfarkt verdauen muss...
... sondern auch dass Lex doch nicht tot, sondern unsterblich ist... und dass der gute alte Argon ihr Freund ist und offenbar von sich behauptet, ein Dämon zu sein. Na ja, ein Bisschen unheimlich war der geheimnisvolle Geheimdiensttyp ja schon immer, aber wer hätte denn gleich sowas gedacht... aber egal. Hauptsache, Lex geht's gut und die scheint sich mit diesem Verrückten ja prächtig zu verstehen, als wären sie in vielen Bereichen wirklich auf einer Wellenlänge.

* * *

Auch Skinner's Geheimwaffen - Special Agent Iris Sinclair und Special Agent Alexander Sinclair - haben nun offiziell beim FBI gekündigt und ihre Polizeimarken abgegeben.
Augenzwinkernd haben sie jedoch John und Mon zu verstehen gegeben, dass sie inoffiziell natürlich auch weiterhin behilflich wären, wenn es mal wieder einen ganz kniffligen Fall gäbe.

* * *

"Gibst du jetzt deine Waffen ab?" erkundigt sich Lin - doch Alex winkt ab: "Bist du verrückt? Das sind meine Waffen!" Immerhin hat er sogar gültige Waffenscheine für die Dinger. "Und weisst du was, mein Süsser... wir können auch weiterhin Razzia spielen..." raunt er ihm ins Ohr. "Oder bestehst du auf einem echten Ausweis?"
"Zum Teufel mit dem Ausweis!" flüstert Lin heiser, stellt sich dann nach einem leichten Schubs wie bei einer Verhaftung an die Wand und lässt sich von Alexei gründlichst nach (natürlich nicht-vorhandenen) Waffen abtasten. "Du bist ja sowieso ein korrupter Bulle!" Wie zur Bestätigung dieser These greift ihm der 'korrupte Bulle' zwischen die Beine, wo es in Lin's Hose schon ziemlich eng geworden ist. Er hört irgendwas von wegen Beamtenbeleidigung flüstern und dass sowas schwer bestraft werden würde, und dann fühlt er endlich, wie Alexei an seinen Jeans rumfummelt und sie ihm dann zusammen mit den Unterhosen in einem Rutsch runterzieht, so dass seine Erektion endlich befreit wird und er völlig nackt dasteht. Eilig steigt er aus den Hosen, froh darum dass er noch barfuss ist und nicht erst noch irgendwelche Schuhe aufschnüren muss, damit er sich wieder breitbeinig hinstellen kann. Alexei's Hände gleiten über seinen Hintern, über die Oberschenkel, auch über den Bauch... und Lin fühlt sich gefoltert. "Nun mach doch schon!" - "He!" Alex verpasst ihm einen Klaps auf den Hintern. "Nur nicht so ungeduldig! Ich hab doch gesagt, dass Beamtenbeleidigung bestraft wird!" grinst er und beisst sein Opfer sanft in den Nacken. Dann erst entledigt er sich seiner eigenen Hosen, was Lindsey schon ein erwartungsfrohes leises Seufzen entlockt. Aber noch quält er ihn ein Bisschen, indem er ihn an allen möglichen Orten streichelt, nur nicht dort, wo er es endlich gerne hätte. Am liebsten würde Lindsey wohl schon selbst Hand anlegen, doch sobald dieser seine Hände ein paar Zentimeter bewegt, drückt er sie ihm wieder gegen die Wand. "Schön brav bleiben!" Dann geht er ein wenig in die Knie, setzt an und dringt in einem Rutsch in ihn ein - was Lin nun ein begeistertes Aufstöhnen entlockt, so ein Geräusch aus tiefster Kehle, von dem er auch weiss, das es Alexei total anmacht. Und an seiner Vorderseite spürt er nun den altbewährten Griff um sein Glied, was ihm jedes Mal schier wieder den Atem raubt. Doch Alexei bewegt sich nicht, steht einfach still da... und bringt Lin damit nach einer ihm endlos scheinenden Zeit fast zur Verzweiflung. Er fängt an, sich selbst zu bewegen, oder versucht es zumindest, und hört dann dieses leise gemeine Kichern an seinem Ohr, das ihm signalisiert, dass die Folter wohl noch nicht so schnell vorüber ist. "Alexei!" keucht er und hofft, dass es nicht allzu quengelig klingt. "Bitteeeeee!" - "Was willst du denn?" erkundigt sich Alex und bemüht sich um einen möglichst unschuldigen Tonfall, als sässen sie hier beim Kaffeekränzchen und stünden nicht an der Wand, wie es enger nicht geht. - "Fick mich!" jappst Lin und versucht wieder verzweifelt, Bewegung reinzubringen - und diesmal erhört Alex sein Flehen. Na ja, er erhört Lindsey's Flehen eigentlich immer, früher oder später. Manchmal lässt er ihn aber ganz gerne ein klein wenig zappeln... Also fängt er an, sich zu bewegen, zieht sich wieder etwas zurück, stösst wieder vor, erst langsam, dann immer schneller in einem ekstatischen Rhythmus, bis sie beide schliesslich fast gleichzeitig kommen.
Mit leicht zitternden Knien wanken sie dann beide ins Bad und dort unter die Dusche, um sich gegenseitig einzuseifen. Später dann schaffen sie es, sich fertig anzuziehen, ohne schon wieder irgendwelchen Gelüsten nachzugeben. Jetzt sind sie schon 21 Jahre zusammen, doch immer noch so heiss aufeinander wie am Anfang; und wenn sie in den Spiegel sehen, hat sich seit damals auch nicht viel verändert...

 




Lex setzt sich zu Argon aufs Motorrad, vergewissert sich nochmal, ob ihr Schwert richtig sitzt, das sie auf dem Rücken trägt, setzt ihren Helm auf und winkt nochmal allen zu und dann brausen sie los, um ein wenig herumzureisen - mit falschen Ausweisen und allem drum und dran natürlich - denn schliesslich ist inzwischen schon Frühling und sonniges Wetter, genau richtig...

"Mach dir keine Sorgen, Schätzchen. Es wird schon niemand wagen, ihr den Kopf abzuschlagen!" flüstert Iris und klopft Alexei auf die Schulter. "Lex ist eine Hexe, trägt das Zeichen von AVALON, hat damit unzählige Connections... und sie kann nicht nur ziemlich gut selber auf sich aufpassen, sondern hat sogar noch einen Dämon als persönlichen Leibwächter dabei."
"Hmmm..." Das Motorrad ist längst aus dem Blickfeld entschwunden, also wendet Alex seinen Blick vom Weg ab und sieht Iris' Lächeln. Ja, Lex wird sich bestimmt gut durchschlagen... wie eine Katze fällt sie immer wieder auf die Füsse. "Schon gut!"
"Na dann ist ja alles in Ordnung!" meint Lin aufmunternd, der weiss, dass es wohl Alexei trotz allem wohl ziemlich schwer ums Herz ist, wenn Lex einfach so mit Argon auf Weltreise geht, auch wenn sie bestimmt wiederkommen wird. Er legt seinen Arm um Alexei's Hüften und zieht ihn dann langsam Richtung Haus, denn der Frühling hat zwar schon angefangen, doch es ist immer noch recht frisch.


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"Lex und Argon sind also nach der angeblichen Beerdigung von Alexandra Margaret Skinner gewissermassen auf Weltreise gegangen?" - "Ja, genau." - "Und hat sie dabei dann auch andere Unsterbliche getroffen und denen die Köpfe abgeschlagen?" - "Getroffen hat sie bestimmt welche. Aber soviel ich weiss, hat Iris es wohl irgendwie sogar fertiggebracht, dass diese Unsterblichen weitgehend damit aufgehört haben, sich gegenseitig die Köpfe abzuschlagen. Jedenfalls ist mir nichts davon bekannt, dass Lex jemals in einen solche Kampf verwickelt worden wäre." - "Und wenn, dann hätte doch Argon die sicher platt gemacht, oder?" - "Schon möglich."

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Alexei und Lindsey spazieren durch den Garten und dann auch ins Atelier, um dort mal wieder zu sehen, was Will so alles malt... und in den letzten Monaten hat er vor allem Lex gemalt, in allen Variationen. Seit Alexandra Margaret Skinner offiziell tot ist, hat sie ihm in den letzten Wochen mehrmals geduldig Modell gesessen. Und natürlich hat er auch die angebliche Beerdigung gemalt, wo sich alle in schwarz unter der alten Eiche versammelt haben. Wenn da nicht gelegentlich Scullyrot rausblitzen würde, könnte man es glatt für ein Schwarzweissbild halten, denn zu der Zeit lag ja noch Schnee...
Momentan ist aber wieder mal etwas bunteres in Arbeit. Viel nackte Haut.
"Sag mal, Will, weiss eigentlich Iris, dass du sowas malst?" erkundigt sich Alex - und Will zuckt zusammen und dreht sich wie von der Tarantel gestochen um, denn er hat die beiden gar nicht reinkommen hören. "Himmel, wollt ihr mich zu Tode erschrecken?! Was fällt euch ein, euch hier so reinzuschleichen?" - "Dann schliess gefälligst die Tür ab!" meckert Lin. "Wäre mir wirklich sehr lieb, denn *das* da muss ja wohl nicht jeder sehen, oder?" - "Tür abschliessen? Alle hier können Schlösser knacken!" meint Will grinsend, aber doch schuldbewusst, denn immerhin würde ihm wohl das Abschliessen der Tür wenigstens ein paar Sekunden verschaffen und ihn warnen... wenn schon sein Wachhund nicht zu bellen anfängt, wenn Mitglieder des Menschlichen Rudels hier unterwegs sein. "Tut mir leid, ich habe heute nicht mit Besuch gerechnet. Es sollte eigentlich eine Überraschung werden..." - "Wolltest du etwa, dass wir vor Überraschung tot umfallen, wenn wir das hier zu sehen bekommen?" Alex kann seine Augen nicht von dem Bild wenden, dass schon fast fertig ist und das Avalon-Trio in eindeutigen Posen zeigt. - "Na ja, also irgendwie siehst du aber nicht so aus, als würdest du gleich vor Schreck tot umfallen, Boss!" meint nun Lin und grinst ihn schelmisch an, bevor er näher rückt und ihm über die Beule in der Hose streichelt.
"Äh... habt ihr eigentlich jetzt die Tür abgeschlossen?" erkundigt sich Will vorsichtig. Bilder zu malen ist eine Sache... doch so eine Live-Vorstellung ist wieder eine ganz andere Sache! Aber durchaus reizvoll... er legt den Pinsel beiseite und schnappt sich dafür seinen Skizzenblock und einen Stift und fängt wie besessen an zu skizzieren, während sich Alexei und Lindsey gegenseitig die Kleider vom Leib reissen.

Natürlich haben sie nicht abgeschlossen... weshalb Iris noch nicht mal das Schloss knacken muss, als sie sich reinschleicht. Wenigstens schliesst sie jetzt die Tür ab und legt zur Sicherheit noch die Kette vor, bevor sie näher kommt mit ihrem Picknickkorb, in dem sich auch Eiscreme befindet. Doch sie schnappt sich erst mal ebenfalls einen Skizzenblock und beginnt darin rumzukritzeln, wobei sie allerdings eher Will aufs Korn nimmt...

Praktischerweise steht im Atelier auch ein Bett, weil Will hier zwischendurch auch mal ein Nickerchen macht... oder ja vielleicht mal ein Modell hat, das er auf Seidenlaken drapieren kann...
Doch nun wird Will schliesslich der Skizzenblock abgenommen und er selbst auf die Seidenlaken drapiert und mit der schon langsam schmelzenden Eiscreme bekleckert, die dann genüsslich wieder von ihm runtergeleckt wird, was ihm sowohl Kichern als auch erregtes Stöhnen entlockt, je nachdem wo die eisigen Vanille-Tropfen landen und wie sie weggeleckt werden. "Ich will aber auch Eiscreme!" protestiert Will schliesslich, worauf er endlich auch ein paar Löffel voll in den Mund bekommt... wobei er sich allerdings beeilen muss, es runterzuschlucken, damit ihm beim anschliessenden Zungenkuss nicht wieder die Hälfte abgenommen wird.




 
"Wer ist denn das?" - "Wer?" - "Na der Typ, der da gerade Blümchen ums Haus pflanzt!" - "Blümchen?!" Alex tritt zu Lindsey auf den Balkon, um sich das anzusehen, denn bisher hat man hier rings um die Avalon-Villa eher weniger wert gelegt auf irgendwelche Blümchen, sondern das meiste wild wachsen lassen, abgesehen von irgendwelchen Sachen, die man essen oder auch rauchen kann... "Was für Blümchen denn?" Keine Ahnung, was das für Blümchen sind, doch es ist eine Farbenpracht von rot, blau und violett. Dass soviel violett dabei ist, verleitet ihn zu dem Verdacht, dass Iris das womöglich arrangiert hat. "Haben wir einen neuen Gärtner eingestellt?" Na offensichtlich, denn den jungen Mann dort hat er hier noch nie gesehen. Er sieht zwar irgendwie nicht gerade nobelpreisverdächtig helle aus, scheint jedoch in seiner Arbeit total aufzugehen. Vielleicht kommt er ja auch einfach von der Gärtnerei, um die Blumen gleich einzupflanzen...
"Das ist Kevin."
Alexei und Lindsey drehen sich beide zu Iris um, die hereingekommen ist und ebenfalls auf den Balkon tritt. Der junge Gärtner unten sieht auf einmal hoch und ein Strahlen erscheint auf seinem Gesicht, als wäre gerade die Sonne aufgegangen. "Engel!" ruft er zu ihr hoch und winkt, worauf sie zurückwinkt.
Ach du liebe, Zeit, das ist Kevin Montgomery, der Sohn von Diana Fowley! Den haben sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen... und nun müssen sie feststellen, dass aus dem kleinen Jungen von damals ein stattlicher junger Mann geworden ist. Durch die Gartenarbeit, zu der ja nicht nur Blümchenpflanzen gehört, hat er Muskeln bekommen und er hat einen gesunden sonnengebräunten Teint, denn die frische Luft bekommt ihm offensichtlich gut. "Das ist der kleine Kevin?!" Alex zieht eine Augenbraue hoch. "Was hast du mit ihm gemacht?" - "Mit ihm gemacht?" echot Iris. "Was soll ich denn jetzt schon wieder mit ihm gemacht haben?" - "Na hör mal!" meint Alex. "Kevin war doch mongoloid. Und jetzt sieht er so... normal aus." Nicht nur normal, sogar richtig gut. - "Hmmm..." Iris zuckt die Schultern. Dieses gewisse Schulterzucken, das allen deutlich signalisiert, dass man lieber keine weiteren Fragen stellen sollte.
"Und bleibt er jetzt hier?" erkundigt sich Lin dafür. "Als Gärtner?" - "Ja, ich überleg's mir zumindest." Iris legt den Kopf etwas schief und beobachtet Kevin, wie er ein schönes Blumenmuster rings ums Haus pflanzt oder zumindest stellenweise, da wo Blümchen nicht im Weg sind... "Seit Ix in Washington beim FBI ist, kann sie sich nicht mehr so richtig um die Hexenkräuter hier kümmern... und wir anderen sind ja meist sowieso zu faul für Gartenarbeit. Kevin hat einen grünen Daumen und versteht sich auch mit den Tieren gut, so dass er sich um die auch gleich kümmern kann, also füttern und so weiter. Wäre wohl ganz praktisch, denn auf unsere Gäste kann man sich da ja nicht unbedingt immer verlassen." - "Na ja, das klingt ja wirklich ganz vernünftig."

* * *

Es scheint so, als hätte Will ein neues Opfer gefunden. Er sitzt mit den anderen im Schatten und kritzelt wie wild in sein Skizzenbuch, während er Kevin beobachtet - der immer noch dabei ist, Blumen einzupflanzen. Da es heute sonnig und heiss ist, arbeitet er mit nacktem Oberkörper, weil er sich das so gewohnt ist, und er ist sich sicherlich nicht bewusst, dass er dabei von nicht-jugendfreien Blicken bedacht wird.

Als Kevin mit seiner Arbeit fertig ist, betrachtet er zufrieden sein Werk und schaut dann zu seinem Engel rüber. Iris winkt ihm zu, macht ein Zeichen des Lobes und winkt ihn dann zu sich her...
... worauf er zögernd der Aufforderung nachkommt. Er ist etwas scheu und die anderen Leute kennt er nicht, jedenfalls nicht dass er wüsste, wobei das nicht viel heissen will, da sein Personengedächtnis nicht das beste ist.
"Nur keine Angst, Kevin, komm ruhig näher. Das hier sind alles Freunde von mir. Manche hast du schon mal gesehen, aber du erinnerst dich vielleicht nicht mehr. Das hier ist Alexei." - "Ach ja!" jetzt fällt es Kevin wieder ein. "Alexander Sinclair, der Stiftungsratsvorsitzende von AVALON!" - "Ja, genau, aber du kannst ruhig einfach Alexei sagen, okay?" meint Iris lächelnd, Alexei stimmt zu und Kevin nickt schüchtern. "Und das hier ist Lindsey McDonald, der Verwaltungsratspräsident von AVALON-MCDONALD'S... aber du kannst ruhig einfach Lindsey sagen." - "Ach ja, genau, Alexei und Lindsey gehören dir, Engel, ich erinnere mich!" fängt Kevin an zu strahlen, worauf einige Leute grinsen oder sogar kichern. - "Und das hier sind unsere Freunde. Dana, Dana Scully Mulder. Mulder, Fox William Mulder, Dana's Mann. Will, William Charles Mulder, Dana's Sohn. Melissa, Melissa Skinner. Walter, Walter Skinner, Melissa's Mann." Iris verzichtet darauf, auch noch Personen zu erwähnen, die jetzt gar nicht anwesend sind, weil er sich die jetzt sowieso nicht auch noch merken könnte - und Kevin nickt allen zu, bemüht sich, die Namen zu behalten, damit er sich wieder an sie erinnern kann, wenn ihm Iris' Freunde wieder über den Weg laufen. Zwar kann er sich die Namen, sogar die lateinischen, von allen möglichen Pflanzen merken, doch bei Menschen bereitet ihm das aus unerfindlichen Gründen viel mehr Mühe. Aber er will sich Mühe geben, damit Iris ihn hier behält, denn hier hat es so viele tolle Bäume und überhaupt gibt es hier doch einiges zu tun, auch wenn er nicht zuviel machen darf, weil vieles auf dem Gelände wild bleiben soll, was ihm allerdings auch recht ist, denn er mag Wildnis ebenfalls. Ja, er wäre sehr gerne in der Nähe seines Engels, das wäre toll!

 

Wie sich schon bald einmal herausstellt, versteht sich Kevin sehr gut mit Will, den er öfters mal in seinem Atelier besucht, das für ein paar Pflänzchen in der Ecke ja immer noch als Gewächshaus fungiert.
Wenn es um Natur im allgemeinen und Botanik im besonderen geht, kann Kevin sogar ausgesprochen gesprächig sein... und Will hört zu, beginnt sogar vermehrt, Pflanzen zu zeichnen, insbesondere auch Hexenkräuter und andere nützliche Sachen, die geradezu als Illustrationen für ein Hexenbuch dienen könnten, was Ix bestimmt auch freuen dürfte.
Und damit sich Kevin die Namen der Leute hier besser merken kann, malt Will ihm Portraits und schreibt die Namen darunter... - "Der Engel fehlt noch!" meint Kevin. - "Aber Iris kannst du dir doch auch so merken!" - "Ja, schon... aber ohne den Engel ist es nicht vollständig!" beharrt Kevin - worauf sich Will geschlagen gibt und auch noch Iris aus dem Gedächtnis skizziert und mit Aquarellfarbe koloriert. Kevin nun strahlen zu sehen, ist Belohnung genug. "Warum nennst du sie eigentlich dauernd Engel?" - "Weil sie doch ein Engel ist!" meint Kevin schlicht und sieht Will erstaunt an, denn in seinen Augen ist das doch sonnenklar. Wie kann jemand nur *nicht* sehen, dass sie ein Engel ist?! - "Na ja, stimmt. Sie ist ein Engel!" seufzt Will, der diesem Engel schliesslich sein Leben verdankt. - "Du fehlst noch!" erklärt nun Kevin und deutet auf die Zeichnungen. - "Brauchst du denn ein Bild von mir, um dich an meinen Namen zu erinnern?" - "Nein, aber ich hätte trotzdem gerne eins!" sagt Kevin geradeheraus. "Du bist so nett!"

* * *

Obwohl man Kevin natürlich ein Zimmer im Haus zurecht gemacht hat, zieht dieser es offenbar vor, sich dort häuslich einzurichten, wo die ganzen Gartengeräte untergebracht sind, im angebauten Stall... weshalb ihn Iris nun auch Stallknecht nennt, die sich schon überlegt, dass sie doch hier eigentlich direkt ein paar Pferde unterstellen könnten, statt eine Meile weiter auf der benachbarten Farm. Kevin käme auch gut mit Pferden zurecht, schliesslich hat er genug Zeit auf einer Farm mit vielen Tieren verbracht... na mal sehen.
Iris sind die Blicke nicht entgangen, die Will Kevin zugeworfen hat, seit dieser vor sechs Tagen hier angefangen hat. Und auch Alexei und Lindsey sind diese Blicke nicht entgangen.
Doch sie sagen nichts dazu. Noch nicht.

Abends klopft es an ihre Tür. "Komm rein, Will!" ruft Iris, während Alexei und Lindsey noch im Bad sind. Will kommt herein, gesellt sich zu ihr auf den Balkon und sieht sie an, als ob er mit ihr was besprechen wollte. Sie drückt ihren fertig gerauchten Joint oder was davon übrig ist im Aschenbecher aus und wendet ihm dann ihre volle Aufmerksamkeit zu. "Na, was gibt's denn?" - "Es geht um Kevin..." druckst Will herum und fängt dann an zu erzählen, was er heute Abend erlebt hat.
Will wollte Kevin eigentlich nur sein Abendessen bringen, weil der nicht bei Tisch erschienen war, und hat den guten Mann dann in seinem Quartier mit heruntergelassenen Hosen beim Onanieren erwischt. Das wäre an sich ja ganz witzig... "... aber als er mich danach entdeckt hat, ist er total erschrocken! Er hat mich angesehen und sich geduckt, als erwarte er, dass ich ihn verprügeln würde oder sowas in der Art!" Will streicht sich durch die Haare. "Iris, was ist mit dem Burschen los? Ich habe sowas wie Narben an ihm gesehen, als wäre ihm mit irgendwas mal ganz fürchterlich der Hintern versohlt worden. Wurde er misshandelt?" - "Frag ihn doch." - "Ich habe ihn gefragt, doch er hat sich nur zusammengerollt und gejammert, ich solle nicht böse auf ihn sein!" Will fährt sich erneut nervös durch die Haare. "Ich mag den Burschen irgendwie und möchte nicht an irgendeinem Trauma rühren oder so. Also sag mir doch bitte, was mit ihm los ist!"
Iris geht zum Schreibtisch und zieht eine Akte aus der Schublade, die mit KEVIN MONTGOMERY angeschrieben ist. - "Du hast eine Akte über ihn?" - "Es gibt über jeden Akten, der bei AVALON ist!" klärt Alex nun auf, der soeben mit Lindsey aus dem Bad kommt. Wenn er gewusst hätte, dass Iris die Akte von Kevin hier einfach so rumliegen lässt, hätte er schon früher mal wieder einen Blick in diese Schublade geworfen, denn er ist ebenfalls ziemlich neugierig.
Gemeinsam setzen sie sich aufs Bett und werfen einen Blick in diese ominöse Akte. Eine Kopie der Geburtsurkunde. Medizinische Unterlagen. Fotos von Kevin Montgomery, Diana Fowley und Jack Montgomery. Todesschein von Diana Fowley. Adoption durch die AVALON-STIFTUNG und Unterbringung auf einer Farm... wo es Kevin offensichtlich glänzend ging und er zu einem kräftigen jungen Mann heranwuchs. Gelegentlich Jobs als Gärtner, Tierpfleger oder Mädchen für alles, wobei alle mit seiner Arbeit immer sehr zufrieden waren und seinen grünen Daumen lobten. Vor einem Jahr dann sollte er eine Festanstellung erhalten und sich um den Klostergarten einer Kirche kümmern. Die Patres dort gehörten aber wohl zu einer besonders altmodischen Sorte und redeten ihm beispielsweise ein, Selbstbefriedigung wäre Sünde und so einer wie er dürfte das sowieso nicht, weil er sonst in der Hölle landen würde blablabla etc.pp. - doch gleichzeitig schienen ein paar der Typen dort aber nichts dabei zu finden, ihr Mütchen an ihm zu kühlen, ohne dass sich Kevin dagegen gewehrt hätte.
"Sie haben ihn missbraucht?" meint Lin angewidert und kommt mal wieder zum Schluss, dass die Kirchen eben doch nicht so heilig sind, wie sie meistens tun, auch wenn sich damals mit dem neuen Papst gerade unter den Katholischen einiges geändert hat. - "Oh, sie haben ihn ihre Schwänze lutschen lassen, sie haben ihn gefickt... doch das wäre an sich ja noch nicht mal so schlimm gewesen, wenn sie ihm dabei wenigstens auch seinen Spass gelassen hätten, denn er macht sowas eigentlich ganz gerne und hätte vermutlich noch nicht mal was dagegen gehabt. Doch sie sprachen ihm eben das Recht ab, selbst Lust zu empfinden und drohten nicht nur mit Höllenfeuer und ewiger Verdammnis, sondern schlugen ihn grün und blau... und die Narben hast du ja gesehen, Will. Rohrstock, Weidenruten... Schürhaken..." Iris deutet auf ein paar Fotos, die einen weinenden mit weit gespreizten Beinen gefesselten Kevin zeigen, dessen Oberschenkelinnenseiten mit blutigen Striemen übersäht sind. Auf anderen Bildern wurde er über einen Strafbock geschnallt und von hinten erst gefickt und dann geschlagen. Oder umgekehrt, wer weiss das schon. "Einer der Typen hat sogar Fotos gemacht. Sonst hätten sie womöglich alles abgestritten, wenn Elvira die Bilder nicht gefunden hätte." - "Diese verdammten sadistischen Bastarde!"
Will ist etwas geschockt darüber, dass man sowas diesem harmlosen Burschen antun konnte. "Wer ist Elvira?" erkundigt er sich dann. - "Kevin's Pflegemutter." Sie deutet auf ein paar Fotos, wo Elvira mit einem von Mal zu Mal grösseren Kevin zu sehen ist. "Nach ein paar Monaten hat sie Kevin dort mal höchstpersönlich besucht und gleich gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt. Sie hat ihn nämlich eine ziemlich gesunde Sexualität gelehrt und dass er ruhig Spass haben könnte. Und dass es nichts unrechtes wäre, solange alle Beteiligten Freude daran haben etc.pp. na du weisst schon. Jedenfalls bekam sie es raus, sie sah die Striemen, spionierte rum und fand sogar die Fotos... sie schlug die beteiligten Patres grün und blau und ging dann mit Kevin wieder nach Hause. Das war vor drei Monaten." - "Oh Gott!" murmelt Will leise und fragt sich einen Moment, wie Kevin das nur aushält. Er selbst hatte damals an seiner Vergewaltigung, ganz schön zu knabbern und war völlig durch den Wind, während Kevin ja offenbar sogar über Monate massiv misshandelt worden war. "Hat sich Kevin etwa im Stall einquartiert, weil er sich bei uns im Haus nicht sicher fühlt? Und da platze ich auch noch rein und störe seine Privatsphäre... ich Idiot!" Will macht sich schwere Vorwürfe...
... doch Iris legt ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. "Was hast du denn zu ihm gesagt?" - "Na er hat ja die ganze Zeit gemurmelt, ich solle ihm nicht böse sein, da habe ich natürlich gesagt, dass ich ihm ganz bestimmt nicht böse wäre." - "Na das ist doch gut." Sie tätschelt ihn sachte. "Sei einfach lieb zu ihm." - "Hmmm?" Will sieht sie etwas schräg an. "Was soll das denn heissen?" erkundigt er sich vorsichtig. - "Du magst ihn und du bist scharf auf ihn." - "Was?!" - "Nun tu doch nicht so entsetzt! Er ist doch ein süsser Bursche." - "Ja, sicher, aber..." Will weiss nicht so recht, wie er es formulieren soll. Er will sich nicht vorkommen, als würde er Kevin irgendwie missbrauchen, falls er... na ja... aber kann Kevin überhaupt richtig einschätzen, was er tut und was ihm eigentlich gefällt?
"Mein lieber Will..." fängt nun Alex an. "Ich will dir mal ein kleines Geschichtchen erzählen. Da war einmal ein Mann, der wurde Trauzeuge bei der Hochzeit seiner besten Freunde. Und seine Frau war bei ebenjener Hochzeit Brautjungfer. Wie auch immer... diese nun verheirateten Freunde bekamen ein Mädchen und einen Jungen, die beide sehr hübsch waren. Und der Mann fand diesen Jungen, als der älter und langsam erwachsen wurde, geradezu rattenscharf. Allerdings war der Junge eben noch ziemlich jung und ausserdem der Sohn seiner Freunde, also hatte der Mann ziemliche Bedenken, als sich der Junge eines schönen Tages mal zu seiner Frau, seinem Freund und zu ihm ins Bett verirrte... äh... na ja, ich denke, du weisst, worauf ich hinaus will! Hast du es jemals bereut, Will?" - "Nein, ich bereue nichts!" erklärt Will lächelnd und gibt Alexei und Lindsey je einen Kuss. "Aber würde es euch nicht seltsam vorkommen, falls ich mit Kevin... äh... was auch immer?" - "Will, Schätzchen, es käme uns wohl eher seltsam vor, wenn du nicht auch noch mit anderen zusammen sein würdest! Du bist noch jung, kannst noch viele Erfahrungen sammeln..." - "Ach, Erfahrungen... also wenn ihr glaubt, ich gehe in irgendwelche Clubs, um irgendwelche Leute aufzureissen, dann habt ihr euch aber getäuscht!" - "Ja, das wissen wir ja!" versichert Alex. "Du bist nicht der Typ nur für eine schnelle Nummer. Du würdest sicher nicht einfach mit Kevin rummachen und ihn dann wie eine heisse Kartoffel fallen lassen."
"Wer sagt denn eigentlich, dass Kevin überhaupt mit mir rummachen wollen würde?" meint Will nach einer Weile. "Vielleicht mag er mich ja gar nicht. Vielleicht hat er ja jetzt sowieso Angst vor mir oder sowas in der Art, weil ich da einfach so reingeplatzt bin?" - "Ach, Unsinn." Iris legt den Kopf ein wenig schief und ihre Augen verfärben sich für ein paar Momente violett. "Kevin hat keine Angst vor dir. Er hat höchstens Angst, dass du ihm böse sein könntest." - "Weshalb in aller Welt sollte ich ihm böse sein?!" - "Was weiss denn ich! Zeig ihm einfach, dass du keineswegs böse auf ihn bist, dann wird schon alles werden."

* * *

Als Kevin am nächsten Tag ins Atelier kommt, um die dort noch vorhandenen Pflanzen zu giessen, was er natürlich auch als seine Aufgabe ansieht (obwohl Will selbstverständlich Ix' Sammlung exotischer Pflänzchen dort auch nie hat verdursten lassen), erscheint er noch schüchterner als sonst immer... und er macht grosse Augen, als er bemerkt, dass Will eine Skizze von ihm gemalt hat. "Ich weiss, dass du dich selbst natürlich bestimmt wiedererkennst, Kevin... aber ohne dich wäre die Sammlung ja auch unvollständig!" erklärt Will mit freundlichem Lächeln. - "Oh... für mich?" Kevin strahlt. "Wirklich?" - "Ja, wirklich!" versichert Will...
... und Kevin sieht ihn nun wieder etwas scheu an. "Dann bist du mir nicht mehr böse?" - "Kevin, ich bin dir nicht böse! Weshalb sollte ich dir denn böse sein?!" - "Weil ich doch was verbotenes gemacht hab..." meint Kevin sichtlich verlegen und wird ganz rot. - "Wer sagt denn, dass sowas verboten ist?" erkundigt sich Will. "Hat etwa Elvira das gesagt?" - "Nein, die Patres... Elvira sagt, dass sowas in Ordnung ist, ich solle es nur nicht in aller Öffentlichkeit machen." - "Ja, eben, Elvira hat recht! Und das war ja schliesslich nicht in aller Öffentlichkeit, sondern in deinem Quartier. Ich muss dich um Entschuldigung bitten, dass ich da einfach so hereinkommen bin und dich gestört habe. Ehrlich, ich bin dir nicht böse, glaub mir, es ist alles in Ordnung!" Will redet mit sanfter Stimme und stellt erfreut fest, dass Kevin sich etwas zu entspannen scheint. "Sowas ist völlig normal." - "Dann machst du das auch?" erkundigt sich Kevin neugierig. - "Ja. Sowas machen alle gelegentlich. Denn das macht ja auch Spass, nicht wahr?" - "Ja!" bestätigt Kevin mit breitem Grinsen und hochrotem Kopf. - "Na dann ist ja gut!" meint Will lächelnd und klopft Kevin freundschaftlich auf die Schulter, worauf der Bursche ihn gleich umarmt und an sich drückt. Kevin hat keine Scheu, alle Leute, die er kennt und mag, ständig zu umarmen, schert sich dabei nicht um irgendwelche Konventionen und würde sowas im Gegensatz zur immer alle Freunde abknutschenden Iris wohl sogar in aller Öffentlichkeit tun und wenn's der Präsident persönlich wäre. "Ich mag dich gerne, Kevin!" erklärt Will etwas gerührt und streichelt ihm etwas gedankenverloren über den Rücken. Heute trägt Kevin ein T-Shirt und Will ertappt sich bei dem Gedanken, dass er lieber die nackte Haut berühren würde. - "Ich mag dich auch gerne, Will!" schluchzt Kevin, seinen Kopf in Will's Halsbeuge vergraben.
Etwas erschrocken lehnt sich Will ein wenig zurück, um Kevin ins Gesicht zu sehen, der tatsächlich Tränen in den Augen hat. Auweia, was hat er denn jetzt wieder falsch gemacht, dass der Bursche zu weinen anfängt? Mit den Daumen wischt er die Tränen weg und fragt dann besorgt: "Was ist denn los?" - "Ich bin so glücklich, dass du mich magst!" schluchzt Kevin und vergräbt sein Gesicht wieder an Will's Schulter, ist froh darüber, dass seine Umarmung einfach erwidert wird und er nicht soviel reden muss. Will ist wirklich nett. Ein guter Maler, ein richtiger Künstler. Und er sieht auch so gut aus. Kevin ist besonders von den langen Haaren fasziniert, also wandert nun eine Hand wie von selbst zu Will's Pferdeschwanz und er lässt seine Finger durch die weichen Haare gleiten. "Du hast so schöne weiche Haare..." murmelt er leise - worauf Will ihm nun ebenfalls sachte durch die Haare wuschelt. "Du aber auch!" Er kann sich ein Kichern nicht verkneifen, in das Kevin glücklicherweise mit einfällt.

Will kann Kevin sogar davon überzeugen, dass er nicht den lieben langen Tag im Garten schuften müsse, weil er ja sonst am nächsten Tag schon nichts mehr zu tun hätte, und kann ihn deshalb sogar überreden, mit ihm baden zu gehen. Jedenfalls hat er ihn schon fast soweit, als Kevin einwirft, dass er doch gar keine Badehose hätte. Natürlich könnte Will ihm jetzt sagen, dass eine Badehose doch gar nicht nötig wäre, doch er entscheidet sich dafür, ihm lieber eine Badehose von sich zu geben. Sowieso könnten sie eigentlich morgen mal zusammen einkaufen gehen, denn Kevin hat offensichtlich nicht allzu viel Gepäck dabei...

Aber erst mal ist nun Baden angesagt. Will bringt eine seiner Badehosen in Kevin's Quartier, wo dieser sich ohne Scheu vor seinen Augen umzieht, so dass Will wieder einen Blick auf die feinen Narben erhaschen kann, die wohl von den Schürhaken stammen müssen. Er könnte diesen perversen Schweinen die Fresse polieren für das, was sie Kevin angetan haben.
Offenbar bemerkt Kevin diese Blicke und plötzlich erscheint sowas wie Scham auf seinem Gesicht. "Hab ich was falsch gemacht?" - "Nein, Kevin, du hast nichts falsch gemacht. Ich habe nur diese Narben gesehen... Du bist geschlagen worden. Hast du etwa Angst, wir würden dich hier auch schlagen?" Er schaut ihn eindringlich an. Ganz offensichtlich ist Kevin immer noch etwas traumatisiert, was ja auch kein Wunder ist. "Kevin, ich werde dich nicht schlagen!" Er breitet seine Hände aus zu einer Umarmung, worauf sich Kevin sofort an ihn drückt, der ihm offenbar zu glauben scheint, sonst würde er sich wohl kaum so in seine Arme werfen. Will, der ebenfalls schon seine Badehose trägt, spürt nun Kevin's nackte Haut auf seiner und lässt seine Hände über den Rücken des anderen wandern, ein sehr wohlgeformter Rücken. Eine Hand wandert auch noch tiefer über die strammen Pobacken, was Kevin zu gefallen scheint, denn er gibt wohlige Geräusche von sich, lehnt sich den Berührungen entgegen und erwidert die Streicheleinheiten. Will fragt sich, ob er es wohl wagen kann, Kevin einfach zu küssen, doch dessen Gesicht rückt nun so nahe, dass es eine verdammte Schande wäre, ihn nicht zu küssen...
... also tut er es. Kevin fängt an zu kichern und Will schaut ihn etwas erstaunt an. "Was ist denn?" - "Das kitzelt!" meint Kevin grinsend, sieht dann aber Will schüchtern an. "Aber es ist schön!" - "Bist du denn vorher noch nie geküsst worden?" - "Ja... aber nicht sooo!" Kevin leckt sich versonnen über seine Lippen. "Können wir nochmal?" - "Aber sicher, wenn du willst!" - "Ja, gerne!" meint Kevin eifrig... und erwidert kurz darauf den Kuss mit wachsender Leidenschaft.
Oh jaaaaaa...
Will bugsiert ihn schliesslich auf sein Bett, lässt seine Küsse auch den Körper rauf und runterwandern und erzählt ihm zwischendurch, was er doch für ein lieber Kerl wäre und wie gut er aussähe - und Kevin freut sich über die Komplimente, geniesst es und macht begeistert mit. Er ist noch nie so verwöhnt worden und kann es kaum fassen, wie toll es sich anfühlt. Das Gefühl zwischen seinen Beinen wird langsam übermächtig und wenn er jetzt allein wäre, würde er selber Hand an sich legen, aber das gehört sich wohl jetzt nicht und wäre unhöflich. Allerdings scheint Will zu ahnen, was in ihm vorgeht, denn er streichelt über die Beule und zieht ihm die erst zuvor angezogene Badehose wieder aus und bedeutet ihm, die Beine zu spreizen. Für einen Moment überkommt ihn ein Bisschen Angst, doch Will sieht nicht so aus, als ob er ihn nun schlagen wollte, und er vertraut ihm. Und als er nun zarte Streicheleinheiten, Küsse und Zungenschläge an seinen Oberschenkelinnenseiten spürt, schwinden ihm schon schier die Sinne, was jedoch noch gesteigert wird, als es wirklich ans Eingemachte geht. Grosse Göttin, das ist ja noch besser, als wenn er selber Hand anlegt... sooo fühlt sich das also an?! "Ooooooh!" Ohne es zu merken, schreit er schon vor Lust und windet sich wie eine Schlange, bis sich sein Körper im Höhepunkt regelrecht verkrampft, als hätte er gerade einen Elektroschock erhalten. Allerdings eine äusserst angenehme Stromspannung...
Nachdem Kevin sich nach seinem Höhepunkt wieder etwas entspannt hat, betrachtet Will ihn noch eine ganze Weile und streichelt ihm übers Gesicht, während er neben ihm liegt. Er ist so süss... auch wenn er nicht nach Vanille schmeckt.
"Das war so schön!" murmelt Kevin glücklich und kuschelt sich an Will, der ihn in den Arm nimmt und küsst. Nach einiger Zeit fällt ihm auf, dass ja Will seine Badehose noch an hat. Und dass es in dieser Badehose ziemlich eng ist. Ohne lange darüber nachzudenken zieht er ihm die Badehose aus und revanchiert sich...
... und Will muss zugeben, dass der Bursche da wirklich talentiert ist. Allerdings will er erst gar nicht darüber nachdenken, auf welche Weise Kevin das womöglich gelernt hat. "Oh, das ist guuut..." stöhnt er und animiert Kevin damit, seine Anstrengungen sogar noch zu erhöhen... so dass es also bald vorbei ist.
"Das war auch sehr schön, Kevin!" flüstert Will ihm noch etwas atemlos ins Ohr und küsst ihn. Einen Moment fragt er sich, ob das alles vielleicht ein wenig schnell gegangen ist... doch dann geniesst er einfach die Nähe seines neuen Freundes und kuschelt sich an ihn.

 

Will ist irgendwie erstaunt, wie ruhig und gelassen es seine Eltern aufnehmen, als er ihnen brühwarm erzählt, dass Kevin nun gewissermassen sein FREUND ist. Als ob ihnen Iris vorher Valium in den Kaffee gemischt hätte, so lächeln sie ihn einfach an und gratulieren ihm dazu.
Ohne Iris, Alexei und Lindsey hätte William Charles Mulder wohl bislang gar kein Liebesleben gehabt, da er eigentlich so überhaupt keine Lust hat, einfach so unter Leute zu gehen, geschweige denn sich etwa irgendwo in einer Bar einen ONS aufzureissen, also wie sollte er denn sonst jemanden kennen lernen, wenn nicht hier. Dass ihr Sohn eines schönen Tages heiraten und ihnen womöglich Enkelkinder bescheren könnte, haben sich Dana und Mulder inzwischen schon längst abgeschminkt. Selbst wenn ihr Sohn mehr auf Frauen stehen würde, so ist doch das Heiraten sehr aus der Mode gekommen. Auch Ix wird bestimmt nie heiraten, doch allfällige Kinder wären bei ihr ja trotzdem möglich. Irgendwann einmal.
Sie beobachten, wie Will davon schlendert und zu Kevin ins Wasser springt.

"Warum hast du dir den Jungen nicht selbst geschnappt, Iris?" kann sich Mulder plötzlich die Frage nicht verkneifen. - "Kevin?!" Iris sieht ihn mit hochgezogener Augenbraue an und grinst breit. "Aber hallo! Kevin hält mich für einen Engel! Und mit Engeln hat man keinen Sex... das wäre doch richtig abartig." - "Wusst ich's doch, dass ich abartig bin!" flüstert Alex grinsend, der Iris ja besonders früher hin und wieder auch ganz gerne Engel genannt hat, worauf sie ja stets zu sagen pflegte, dass sie kein Engel wäre... Er küsst ihren Nacken und schmiert ihren Rücken auch weiter mit Sonnenmilch ein, obwohl sie auch so garantiert keinen Sonnenbrand bekommen würde. - "Weiss Kevin denn, dass Will so abartig war, mit seinem Engel rumzumachen?" erkundigt sich Mulder und fragt sich im gleichen Augenblick, was für eine sadomasochistische Ader ihn wohl immer wieder dazu treibt, überhaupt solche Fragen zu stellen. - "Ja. Doch da Kevin auch weiss, dass ich nicht für alle Leute gleichermassen ein Engel bin, macht das nichts. Eine sehr tolerante Einstellung, nicht wahr?" Sie sieht ihn an - und Mulder zuckt unter diesem Blick kurz zusammen. Er muss sich erst noch an den Gedanken gewöhnen, dass jetzt der Sohn von Diana Fowley bei ihnen lebt und dass sein Sohn mit dem ins Bett geht, da ist wohl wirklich noch etwas Toleranz gefragt...
"Machen wir uns nichts vor. Kevin redet mit Pflanzen und Tieren weitaus besser als mit anderen Menschen. Er könnte einen nobelpreisverdächtigen Vortrag über Ökologische Landwirtschaft, Naturschutz und Blümchen halten, doch wenn ihn auf einer Party jemand fragen würde, wie der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika heisst, wüsste er die Antwort nicht. Davon abgesehen würde er sich auf einer feinen Party sowieso nicht wohlfühlen und wäre auf irgendwelchen offiziellen Anlässen wohl nichts zum Angeben, sobald er den Mund aufmacht. Also nicht gerade ein sehr vorzeigbarer Schwiegersohn für euch, zumal euch ja wohl eine Schwiegertochter auch mal lieber gewesen wäre..."
Mulder fühlt sich bei Iris' Worten etwas ertappt - und auch Dana kann sich ein leises Seufzen nicht verkneifen. "Tja, aber es ist nun mal so, wie es ist. Abgesehen von dir steht Will nun mal auf Männer... und da ist es mir doch lieber, er macht hier mit euch oder mit Kevin rum, als wenn er durch irgendwelche Clubs strolchen würde, um sich ständig was zum Aufreissen zu suchen. Ich meine... Kevin ist doch gesund, oder?" - "Selbstverständlich!" beruhigt Iris die plötzlich aufgekeimte Besorgnis, dass Kevin womöglich Will mit irgendwas anstecken könnte, man weiss ja schliesslich nie...

* * *

"Ach. Das ist also Kevin." Ix sieht sich den jungen Mann von oben bis unten an, der nun unter ihren Blicken ein wenig zusammenzuzucken scheint, während die Hunde ohne weiteres Platz gemacht haben und Ix schwanzwedelnd ansehen. "Ist er gut im Bett?" - "Ix, rede nicht von ihm, als wäre er gar nicht da!" meint Will leicht verärgert. Irgendwie hätte er von seiner Schwester mehr Verständnis und Mitgefühl oder was auch immer erwartet, wo sie doch immer so verständnisvoll ist, doch so wie sie jetzt mit kritischem Blick seinen Freund anschaut ist es ja kein Wunder, wenn Kevin vor ihr Angst bekommt, zumal er weiss, dass sie eine Hexe ist. Und vor Hexen hat Kevin einen Heidenrespekt. - "Ich rede nicht, als ob er gar nicht da wäre. Ich habe dir nur eine Frage gestellt, Bruderherz. Oder ist es dir peinlich?"
Da Will sie nur leicht entgeistert anstarrt und offenbar nicht gewillt ist, darauf zu antworten, winkt sie Kevin mit einem Finger näher zu sich, um ihn persönlich unter die Lupe zu nehmen. Ohne ein Wort zu sagen, bedeutet sie ihm, sich um die eigene Achse zu drehen, damit sie ihn von allen Seiten ansehen kann. Dabei fasst sie ihn auch ungeniert an, tätschelt seinen Hintern und befühlt seine Muskeln. Auf einen Wink von ihr, geht Kevin ohne weiteres auf die Knie und öffnet auch bereitwillig seinen Mund, als sie mit dem Daumen über seine Lippen fährt. Sie lässt ihn an ihrem Daumen lutschen, während sie sich sein Gesicht genau ansieht. "Ja, du bist ziemlich süss, Kevin. Und ich schätze mal, du bist gut im Bett. Muss wohl so sein, denn mein Bruder ist verwöhnt." Obwohl Will sie gerade mit offenem Mund anstarrt, lächelt sie ihm verschwörerisch zu. Dann tätschelt sie Kevin's Wange und lässt ihn wieder aufstehen - worauf Will demonstrativ einen Arm um ihn legt.

 

"Sieh mich nicht so an, Ix, ich habe nicht gekuppelt, ehrlich!" erklärt Iris, als Ix gerade aus dem Stall kommt und sie in der Tat etwas seltsam anschaut. "Was ist denn?" - "Ach, schon in Ordnung." Ix winkt ab. "Will ist gut für Kevin und Kevin ist gut für Will. Und das hast du bestimmt gewusst, da war gar keine Kuppelei nötig, nicht wahr?" Da ist sie mal ein Wochenende nicht nach Hause gekommen und ruck-zuck hat sich ihr Bruder schon einen neuen Liebhaber angelacht, den er ihr freudestrahlend vorführt. So kann's gehen... Sie streicht den Hunden, die sie begleiten, übers Fell und meint dann zu ihnen: "Ihr werdet ja wohl gut auf meinen Bruder aufpassen, nicht wahr?" Schwanzwedeln. "Dacht ich's doch!"




"Das ist wohl ein Scherz!" Iris legt den Kopf etwas schief und sieht die ernsten Gesichter. Also kein Scherz. Himmeldonnerwetter, wie kann jemand nur so unglaublich dämlich sein und einen Vertreter der Staatsanwaltschaft entführen, wenn man weiss, dass dessen Vater sogar mal FBI-Chef war und zudem noch mit AVALON verbandelt ist... und die Lösegeldforderung wird auch noch stinkfrech in Melissa's Büro gefaxt!
"Man hat Max entführt!" Melissa ist ein klein wenig hysterisch, während Walter Skinner sich um professionelle Ruhe bemüht. "Tu doch was, Iris! Hast du keine Vorahnung gehabt oder sowas in der Art?!" - "Setz dich!" erklärt Iris mit dieser Gelassenheit, um die sie immer beneidet wird - und Melissa setzt sich neben ihren Mann, der ihre Hand ergreift und beruhigend tätschelt - während Iris wieder das Fax betrachtet. "Man will also eine Million Dollar... blablabla... das übliche... keine Polizei... blablabla... Hmmm." Wieder legt sie den Kopf etwas schief und wechselt einen Blick mit Alexei, der auch sehr besorgt aussieht und von Lindsey mit sanfter Gewalt davon abgehalten wird, nervös im Zimmer herumzutigern. Gut so, sie kann sich nämlich nicht richtig konzentrieren, wenn ständig herumgetigert wird. Sie wischt sich kurz den Schweiss von der Stirn. "Ich glaube nicht, dass man ihm ernsthaft was getan hat... sonst..." Sie lässt den Satz offen, dass sie ansonsten wohl was davon gespürt hätte. Oder auch nicht. Max ist weniger der Typ, der um Hilfe beten würde, also wer weiss, ob sie irgendwas merken würde...
Himmel, als sie noch klein waren, befürchtete man ständig, ihnen könnte was passieren. Mulder, selbst paranoid und traumatisiert durch die Entführung seiner Schwester Samantha in seiner Kindheit, musste sich manchmal regelrecht dazu zwingen, die Kinder nicht zu sehr zu behüten. Zwar gab es vielleicht das Konsortium nicht mehr, aber es laufen ja noch genug andere Kriminelle und/oder Verrückte herum, die sich womöglich an kleinen Kindern vergreifen... oder es hätten ja auch Verbrecher kommen können, um von den Eltern oder der reichen Patentante Geld zu erpressen, denn immerhin ist Geld immer noch ein weitverbreitetes Motiv für Kriminalität jeglicher Art. Wehe irgendwelchen Typen, die es gewagt hatten, den Kindern zu nahe zu kommen! Als Ix noch mit Zöpfen herumlief und sie einmal beim Spielen im Park von einem Kerl belästigt wurde, eilten auf ihren Schrei alle herbei und Alexei schlug den Typen dann grün und blau. Und doch... totale Sicherheit ist nur eine Illusion, das haben sie schon oft genug erlebt. Will wurde auf dem Campus in seinem eigenen Zimmer von jemandem überfallen, der nur ein Jahr älter war als er selbst, und zwei Jahre später dann der Unfall im Kunstmuseum... was hätte man dagegen wohl machen sollen? Lex wurde von einem Amokschützen in einer Cafeteria niedergemäht... auf FBI-Gelände!
Und jetzt das! Wo Maximilian Edward Skinner mit 24 Lenzen schon einen guten Job bei der Staatsanwaltschaft hat und ihm alle Kollegen eine steile Karriere prophezeien. Offen gestanden hätte Iris wirklich nicht gedacht, dass es in der heutigen Zeit noch irgendjemand wagen würde, sich an ihren Freunden zu vergreifen. Das müssen echt gestörte Psychopathen sein oder sowas in der Art... allerdings findet sie die Vorstellung auch nicht gerade beruhigend, dass Max in der Gewalt von Verrückten ist.

* * *

"Oh mein Gott, Sie sind ja Iris Sinclair!" Der Kerl auf dem Bildtelefon erscheint ja richtig aufgeregt - und Iris am anderen Ende der Leitung zuckt die Schultern. "Was haben Sie denn erwartet, wenn Sie AVALON ein Fax schicken?!" - "Ich wollte aber mit Skinner sprechen!" meint der maskierte Mann, der mit einer Waffe herumfuchtelt - und schliesslich auch Maximilian Edward Skinner ins Bild rückt, der auf einen Stuhl gefesselt und geknebelt ist. Er hat getrocknetes Blut im Gesicht und ein Veilchen. - "Ich bin aber die mit dem Geld!" erinnert Iris den Kerl, der sich einen Strumpf übers Gesicht gezogen hat. - "Na schön..." gibt sich der Typ geschlagen und fängt an, mit Iris zu plaudern, wobei er sich noch kurz wundert, wie eine Frau, die angeblich eine Stiftung wie AVALON auf die Beine gestellt hat, nur so ungemein begriffsstutzig sein kann, dass man ihr alles zehnmal erklären muss...

... und er wundert sich noch mehr, als irgendwann nach einer Viertelstunde oder so plötzlich die Tür zu seinem Appartement aufgebrochen wird und plötzlich etliche Waffen auf ihn gerichtet sind.

* * *

"Sag mal, Iris... Wenn ich jetzt nicht von so einem Idioten entführt worden wäre, sondern von... ach, was weiss ich, irgendwelchen Professionellen oder so... hättest du dann Lösegeld für mich bezahlt?" - "Aber sicher, Schätzchen. Und danach hätte ich sie gejagt." - "Gejagt?" - "Natürlich erst, wenn du ausser Gefahr gewesen wärst. Oder tot. Dann hätten wir uns natürlich ganz furchtbar gerächt." Sie prostet ihm zu - und er stösst mit ihr an, lässt die Kristallgläser klingeln und lächelt dabei etwas schief.

Ein paar Augenblicke lang hat sich Max' Gewissen gemeldet... oder weniger sein Gewissen - denn Blut ist dicker als Wasser -, als vielmehr sowas wie Berufsehre. Er ist bei der Staatsanwaltschaft, verdammt! Eigentlich sollte er doch auf Seiten von Gesetz und Ordnung stehen. Dennoch hat er seinen Entführer nicht etwa offiziell der Polizei übergeben, sondern Iris und AVALON überlassen... und er will wohl lieber nicht wissen, was Iris mit dem Idioten angestellt hat. Wie auch immer, inzwischen ist es längst zu spät, seine Meinung zu ändern und den offiziellen Weg zu gehen, denn Iris hat die Sache schon erledigt, was auch immer das heissen mag.
Und er wird damit leben müssen, niemals irgendjemandem ausserhalb der FAMILIE zu erzählen, dass ihn jemand in der Tiefgarage des Gerichts mit vorgehaltener Waffe in eine Ecke drängte und dann mit Chloroform oder sonstwas betäubte, worauf er an einen Stuhl gefesselt wieder aufwachte. Ihm war von der Chemischen Keule noch speiübel und er musste sich übergeben, erstickte dabei fast, weil er ja geknebelt war. Der Entführer geriet wohl einen Moment in Panik, sein Opfer könnte einfach so abkratzen, löste daraufhin den Knebel, schüttete ihm Wasser ins Gesicht und schlug ihn. Na ja, die Übelkeit war dann zwar verschwunden, dafür tat ihm sein Gesicht weh und sein linkes Auge war zugeschwollen und es fühlte sich an, als würde Blut an ihm runtertropfen. Auf Max' Bitte, mal kurz ins Bad zu dürfen, lachte der Kerl nur dreckig und schob ihm den ekligen Knebel wieder in den Mund, den er stramm festband. Es wurde eine lange Nacht, in deren Verlauf Max es sich nicht mehr verhalten konnte und er sich die Hosen voll machte, was ihm entsetzlich peinlich war...
... deshalb war er froh, dass ihm seine Retter - Alexei, Mulder, Dana und Ix - wohlweislich auch frische Kleider mitbrachten und ihn damit nach seiner Befreiung auch alleine ins Badezimmer liessen. Offenbar übertrieb er es dabei mit dem Waschen ein wenig, denn die Platzwunde über dem linken Auge fing wieder an zu bluten. Ix musste wohl sein Fluchen gehört haben, denn sie ging ungeniert zu ihm rein, ertappte ihn unter der Dusche und gab nicht eher Ruhe, bis sie ihm wenigstens ein Pflaster draufkleben konnte. Mit einem Kuss auf die Stirn liess sie ihn dann wieder alleine und er zog sich hastig an, denn natürlich wollte er so schnell wie möglich nach Hause. Nicht nur einfach in sein eigenes Apartment im Palace, sondern nach Avalon, zu seinen Eltern, zur Familie.

*

"Na, geht's besser?" erkundigt sich Ix und streicht vorsichtig über das Pflaster, das sie ihm heute Morgen drangemacht hat. Sie stehen auf der Terrasse und schauen an der alten Eiche vorbei zum Teich, der im Mondlicht glitzert. - "Tut gar nicht mehr weh." - "Lügner!" meint sie lächelnd - und er zuckt die Schultern. "Ich komme mir so blöd vor, dass ich mich von so einem Idioten überhaupt hab überwältigen lassen! Ich hätte den Kerl fertig machen sollen, noch bevor er mich mit diesem widerlichen Zeugs betäubte..." - "Mach dich doch nicht selber fertig! Immerhin hatte der Kerl ne Knarre und er hätte wohl wirklich noch angefangen rumzuballern." Sie streicht ihm beruhigend über den Rücken und hofft sehr, dass Max jetzt nicht auch noch mit so einer Komplex-Nummer anfängt wie es bei Männern der Mulder'schen Familie üblich scheint, wenn sie sich ihren Vater und ihren Bruder manchmal so ansieht. Aber schliesslich ist Maximilian Edward Skinner doch Melissa's Sohn. Und Alexei mag zwar paranoid und klaustrophobisch und was sonst noch alles sein... doch eigentliche Komplexe scheint er nicht gerade zu haben.
Max dreht sich herum und lässt seinen Blick über die Familie in der Stube schweifen, zieht an dem Glimmstängel, den Ix ihm gereicht hat, und sinniert dabei, dass der Avalon-Clan wohl eigentlich auch ganz ähnlich wie eine Mafia-Familie funktioniert, wo man niemals die Polizei einschalten würde, sondern alles auf eine eigene Weise regelt... und Iris ist die Patin. Allerdings ist es wirklich von Vorteil, eine Hexe zur Patin zu haben!
"Ich habe im Büro angerufen und denen gesagt, dass ich krank wäre... zum Glück muss ich derzeit sowieso keinen Fall vor Gericht verhandeln." Max mag seinen Job, doch ewig will er das auch nicht machen. Nicht wenn er es dabei mit solchen Idioten zu tun bekommt, die dann meinen, sie müssten sich rächen, indem sie ihn entführen und Lösegeld erpressen wollen... - "Du hast etwas Urlaub verdient, du arbeitest sowieso schon viel zuviel!" - "Das musst du gerade sagen!" protestiert er, denn wenn sich Miss FBI hier mal in einen Fall verbissen hat, hängt sie sich mindestens ebenso rein wie früher Mulder, wenn er hinter irgendwelchen Verschwörern her war.
Sie arbeiten beide in Washington und wohnen beide im Palace-Hotel, teilen sich dabei mittlerweile die Suite, in der früher Mulder und Scully gewohnt haben. Manchmal gehen sie sogar abends gemeinsam aus, um sich dann in einer Bar irgendwo was aufzureissen, wie Ix das nennt, wobei sie meist erfolgreicher ist als der Typ, den alle wegen der grossen Ähnlichkeit sowieso für ihren Bruder halten.

 

"Verdammt, er ist gekidnappt worden, natürlich hatte ich Angst um ihn!" flüstert Alex, der es sich heute nicht verkneifen konnte, dem Entführer seines Sohnes ordentlich die Visage zu polieren, bevor er ihn in den Kofferraum steckte. Mulder verstand das nur zu gut und Dana und Ix haben diskret weggesehen. Und was Iris später mit dem Kerl gemacht hat... egal, er will es gar nicht wissen. Er weiss nur, dass der Kerl spurlos verschwunden ist und nie wieder auftauchen wird, so wie damals dieser Kerl, der Will überfallen hat. - "Jedenfalls hat er es überstanden. Max ist nichts passiert. Na ja, jedenfalls nichts ernsthaftes." Lin tätschelt Alexei's Hand, während er unter dem Tisch sein Bein ein wenig an dem seines Freundes reibt. Sie stehen beide auf solche Zuneigungsbekundungen, selbst wenn es nur harmlose kleine Zeichen der Nähe sind, die sonst niemandem auffallen würden. "Ich habe mir auch Sorgen gemacht... dass es noch eine wilde Schiesserei geben könnte oder sowas in der Art." Er seufzt kurz und denkt daran, dass er früher auch jedes Mal ein mulmiges Gefühl hatte, wenn Alexei mal wieder als Special Agent Alexander Sinclair unterwegs war. - "Ja, ich bin auch froh, dass es zu keiner Schiesserei gekommen ist." Alex gibt Lindsey einen beruhigenden Kuss auf die Wange, denn er weiss, wie sehr sein Freund irgendwelches Rumgeballere verabscheut, wo Menschen verletzt oder gar getötet werden könnten... und trotzdem wäre er am liebsten mitgekommen, um zusammen mit ihm und der dreiköpfigen Mulder-Task-Force in Washington auf der Lauer zu liegen, bis Iris ihnen die genaue Adresse geben konnte. Es war Ix, die das besonders schnippisch abgeblockt hat, indem sie mit süffisantem Lächeln meinte 'Nichts gegen dich, Lindsey, aber ich glaube kaum, dass Max jetzt ausgerechnet einen Anwalt braucht!', was nur eine höfliche Umschreibung dafür war, dass er wohl sowieso nur im Weg wäre, zumal er ja mit Waffen bekanntermassen eher auf Kriegsfuss steht und auch sonst bei so einer Aktion kaum sehr hilfreich sein könnte. Dafür ist er aber jetzt um so hilfreicher... zumindest für Alex.
"Na los, geht schon rauf!" flüstert Iris grinsend und sieht kurz vielsagend zur Decke. Oder vielmehr zu ihrem Zimmer oben. "Ich bleib noch etwas hier unten." - "Wenn du meinst..." murmelt Alex und zwinkert ihr dankbar zu. "Ich liebe dich!" - "Ich weiss, Schätzchen!"

Nachdem sich Alexei und Lindsey verkrümelt haben, geht Iris raus auf die Terrasse und zückt einen Joint, wobei Max ganz Kavalier ist und ihr Feuer gibt. "Danke, Schätzchen!" meint sie lächelnd und nimmt einen tiefen Zug vom selbstgedrehten Glimmstängel. Sie hat ein paar Hexenkräuter drunter gerührt, so dass diese neue Mischung einen ganz eigenen Geschmack hat. "Na, wie geht's?" Sie deutet auf sein Veilchen und sieht ihn fragend an. - "Geht schon." - "Sei doch nicht so stur!" meint nun Ix und verdreht kurz die Augen. "Iris, würdest du ihm bitte das Veilchen wegmachen? Ich will einen hübschen Cousin!" - "Na dann..." Noch ehe Max protestieren kann, hat sie auch schon ihre Hand aufgelegt - worauf er kurz zusammenzuckt. Doch da ist es schon vorbei... und sein Auge ist nicht mehr geschwollen. "Danke, Iris!" seufzt er leise und gibt ihr einen zarten Kuss auf die Wange.
Die Zauberhafte Hexe als Patin ist wirklich besser als ein Mafia-Boss je sein könnte, selbst wenn er sich noch so sehr um seine Familie kümmern würde, denn so ein Patron oder wie auch immer könnte vielleicht Rache schwören und anderen Wunden zufügen... doch er könnte keine Wunden heilen. "Iris, du bist wirklich ein Schatz!" Max schliesst sie in die Arme, das hat er schon viel zu lange nicht mehr getan, weil er ja jetzt schliesslich erwachsen ist und sich hat erzählen lassen, dass Staatsanwälte und Umarmungen etc. nicht zusammenpassen würden... eigentlich schön blöd. Dann wäre er lieber kein Staatsanwalt mehr, als dass er auf Umarmungen von seiner Familie verzichten würde. Er spürt, wie sie ihm sachte über den Rücken streichelt... und er ist ziemlich sicher, dass sie ihn versteht, auch wenn er sich oft selbst nicht versteht.



 
 

Pad'M'Ara fliegt nachts in Gestalt einer Krähe um die Avalon-Villa und lässt sich dann schliesslich auf der alten Eiche nieder, unter der angeblich die Asche von Alexandra Margaret Skinner vergraben liegt. Doch natürlich weiss Pad'M'Ara sehr gut, dass sich Lex als Unsterbliche Hexe derzeit immer noch mit Argon irgendwo auf Weltreise vergnügt und alle möglichen Leute besucht - Duncan MacLeod beispielsweise schien zwar von Lex sehr entzückt zu sein, jedoch nicht sehr erfreut über Argon und was der mit ihm gemacht hat, während Methos und Amanda dagegen diesbezüglich weitaus weniger Hemmungen haben... aber egal.
Pad'M'Ara hatte es damals vor mittlerweile gut 26 Jahren gespürt, als Iris mit Blitz und Donner in diese Realität gekommen war... es war wie ein leises Beben in der Matrix, ungefähr so wie ein paar Jahre zuvor, als sich Arragon Amayra plötzlich in Luft auflöste und alle Aras verschwanden. Doch das würde sie dieser Amayra-Hexe natürlich niemals auf die Nase binden, die sich wohl erst wieder an ihre Existenz erinnerte, als sie sich damals dann irgendwann in diesem komischen Kunstmuseum in Washington über den Weg liefen. Sie tauschten Höflichkeiten und Telefonnummern aus... und die Dämonische Göttin hat sich fast kringelig gelacht, als sie Iris dann wegen dieser ulkigen Terroristen die hilflose Geisel spielen sah. Alles nur wegen ein paar Menschen. Als ob es nicht genug von denen gäbe. Aber Iris ist da nun mal schrecklich sentimental, viel sentimentaler als die meisten Amayra-Hexen. Pad'M'Ara denkt eher in grösseren Zusammenhängen - dagegen kommt ihr Iris wie jemand vor, der sich bei einer Mission wie GLEICHGEWICHT DER NATUR auch noch um einzelne Ameisen kümmert.
Na schön, Pad'M'Ara hat später auch bei ein paar Spielchen mitgespielt... wobei es ihr beispielsweise durchaus Spass gemacht hat, WOLFRAM & HART zu ärgern. Und erst recht hat es ihr Spass gemacht, als sie den ganzen Laden dann schliesslich in die Luft gejagt hat. Hehehe, so wäre sie auch mit diesen ulkigen Aliens verfahren, wenn es nach ihr gegangen wäre, jedenfalls wenn die wirklich gedacht haben sollten, ihre Erde zu erobern, jawohl, ihre Erde! Wie auch immer... sie findet es immer noch ziemlich faszinierend, Iris zu beobachten, wie sie als Mensch unter Menschen lebt und sich dabei geradezu rührend um ihre Freunde kümmert, während sie mit irgendwelchen meist ziemlich popligen Aktionen immer noch bestrebt ist, diese Welt besser zu machen oder was auch immer sie damit bezweckt, als ob sowas noch einen grossen Unterschied machen würde. AVALON! Nun, wenigstens das war eine gute Idee, muss Pad'M'Ara zugeben, dafür hat Iris fast schon einen Orden verdient. Huiuiui, und dann noch das Fieber... offen gestanden hätte sie wirklich nicht gedacht, dass die Ara so lange durchhält, ohne völlig verrückt zu werden, doch je länger je mehr findet Pad'M'Ara an der Zauberhaften Hexe irgendwie Gefallen, die hier in dieser Realität gewissermassen gestrandet ist. Es ist drollig zu beobachten, wie sie sogar trotz des Fiebers immer noch irgendwelche Intrigen spinnt oder Leute verkuppelt oder sonstwas macht... und dabei gewisse Freunde immer noch glauben lässt, sie wäre ein Mensch.
Pad'M'Ara sinniert manchmal darüber nach, ob eigentlich Iris so clever oder die bewussten Menschen so dumm sind... doch das ist wohl müssig, denn Aras haben meistens mehr Glück als Verstand, darum sind irgendwelche seltsamen Zufälle um sie herum ja auch völlig normal.

Als schwarze Katze steigt Pad'M'Ara vom Baum hinunter und setzt sich auf Iris' Schoss. Der Amayra-Hexe stehen Schweissperlen auf der Stirn und sie duftet penetrant nach Vanille, während sie kraftlos am Baumstamm lehnt und ihre Beine übereinandergeschlagen hat. Ein akuter Fieberschub. Aber immerhin erkennt Iris auch in diesem Zustand noch einen Dämon, wenn er auf ihrem Schoss landet...
"Hi, Padmara!" flüstert sie leise. "Lange nicht gesehen..." - Tja, Schätzchen, du mich vielleicht nicht, ich dich schon... "Du siehst krank aus!" stellt Pad'M'Ara das offensichtliche fest und schert sich nicht darum, dass allfällige Beobachter eine sprechende Katze vielleicht etwas merkwürdig finden könnten. - "Erzähl mir doch was, das ich noch nicht weiss..." murmelt Iris leicht verdrossen. Momentan ist ihr wirklich nicht nach Smalltalk. - "Was in aller Welt tust du hier mitten in der Nacht?" fragt Pad'M'Ara ungerührt. Wäre sie keine Katze sondern in einer Menschlichen Gestalt, sähe man wohl ein leises sadistisches Grinsen auf ihren Lippen. "Haben dich deine Liebhaber etwa vergessen?" - "Ich gehe öfters nachts spazieren!" erklärt Iris, obwohl sie eigentlich keine Lust hat, irgendwas zu erklären. "Hier ist es schön." - "Na klar." Es ist herrlich, eine Ara zu ärgern, die zu schwach ist sich zu wehren. Selbst wenn Iris kein Fieber hätte, könnte sie Pad'M'Ara nichts antun und zwar nicht nur wegen des Codex.
Iris hätte nicht übel Lust, die Katze beim Genick zu packen und ein wenig durchzuschütteln... doch Padmara würde das wohl höchstens wütend machen und so nervig sie auch sein konnte, man sollte sie lieber nicht wütend machen. Das letzte Mal, als sie jemand wütend machte, jagte sie vor ein paar Jahren das Gebäude von WOLFRAM & HART in die Luft. "Willst du was bestimmtes oder ist das nur ein kleiner Freundschaftsbesuch?" Iris versucht ihre Stimme so sanft wie möglich klingen zu lassen, was sie wirklich einige Mühe kostet. - "Ich wollte nur mal sehen, wie's dir so geht..." schnurrt Pad'M'Ara und ihre Augen glänzen diabolisch. "Wie wär's mit einem kleinen Ausflug?"

 

"Iris?!" ruft Alex und in ihm wächst die Nervosität, als Iris sich kein Bisschen rührt. Kein Winken, nichts. Er rennt schneller zu der alten Eiche hin, an der Grabplatte vorbei und wirft sich förmlich neben ihr auf die Knie. "Iris!" ruft er und tätschelt ihre Wange. Keine Reaktion. Kein Puls. "Nein!" schreit er, versetzt ihr härtere Ohrfeigen und schüttelt sie durch. Seit dem Fieber hat sie immer geatmet und auch immer einen Herzschlag gehabt, wie ein normaler Mensch... doch jetzt ist da nichts. Er öffnet ihre Augenlider, ihre Augen sind blau, doch die auf Nacht eingestellten erweiterten Pupillen zeigen keinen Reflex auf das nun hereinbrechende Tageslicht. Keine Reaktion. Gar nichts. Er versucht die aufsteigende Panik niederzukämpfen, doch mit mässigem Erfolg, denn mit jeder Sekunde wächst seine Verzweiflung.
Verdammt nochmal, hat sie ihm nicht immer erzählt, dass sie gar nicht sterben könne, auch nicht am Fieber, und falls sie aus irgendwelchen Gründen jenseits der Spiegel verschwinde doch mal in die Ewigkeit eingehe... so bliebe keine Leiche zurück, weil sie im Falle eines Falles doch wieder zu Sternenstaub zerfallen würde.
Also was soll das?! "Warum zum Teufel liegst du hier als Leiche rum?!" flüstert er und presst ihren leblosen Körper an sich. "Bitte, Iris!" Sind etwa wieder ihre Batterien leer so wie damals, als er sie in der Badewanne fand? Allerdings war sie doch erst letzten Monat in ein Gewitter geraten und er hat mit eigenen Augen gesehen, wie sie von einem Blitz getroffen wurde... und danach war sie so fiebrig, high und aufgedreht, dass er am nächsten Tag nicht nur etliche Knutschflecken und Bissspuren an seinem Körper hatte, sondern auch wieder mal blaue Abdrücke an seinen Handgelenken, wo sie ihn gepackt hielt, während sie wie eine Sturmflut über ihn herfiel. Natürlich hat sie die Spuren beseitigt, sobald sie aufgewacht ist, schliesslich soll man ihr nicht nachsagen, sie wäre brutal... selbst wenn man es geniesst, wenn sie mal brutal ist.
Er fängt an, sie zu untersuchen, ob er vielleicht irgendwas an ihr entdecken kann, doch da ist wirklich nichts aussergewöhnliches. Kein Dolch im Rücken oder sowas in der Art. Sie trägt ein langes blaues T-Shirt und darunter einen schwarzen Slip, ansonsten gar nichts, und sie läuft oft barfuss rum, das ist also normal. Ihre bequemen Kampfstiefel sowie ihre Tasche liegen im Zimmer bei ihren Klamotten, das weiss er genau.
Er hebt sie schliesslich hoch...
... und schleppt sie unbemerkt ins Haus und dort dann die Treppen hoch in ihr Zimmer.

Lin hat Iris schon von vielen Seiten gesehen. Cool. Hot. Die Zauberhafte Hexe weiss immer, was zu tun ist, kann sich fast wie ein Chamäleon jeder Umgebung anpassen und hat je nach Situation auch immer den richtigen Spruch auf den Lippen... so kennen sie ihre Freunde normalerweise. Er hat sie auch schon erlebt, wenn sie im Fieber um sich schlug oder fast nicht mehr mit Beissen aufhören konnte. Einmal hat sie ihn wie eine Puppe gegen die Wand geschleudert, als er den Fehler beging, sich ihr im Fieber in den Weg zu stellen, und ihm dabei ein paar Rippen gebrochen. Natürlich hat sie ihn dann auch wieder geheilt, sobald sie später wieder einigermassen klar denken konnte, so wie immer. Er hat ihr schon etliche Male zusammen mit Alexei kalte Umschläge oder sonstwas gemacht, während sie zitternd und glühend heiss fast dahinschmolz, hat sich sogar von ihr beissen lassen und das sogar gerne... trotz des Risikos. Oder ist gerade dieses Risiko der Kick dabei, wenn man es mit einer Amayra-Hexe zu tun hat?
Aber er hat sie noch nie so richtig als Leiche gesehen. Kalt. Kein Herzschlag. Kein Puls. Kein Pupillenreflex. Keine Reaktion. "Was ist denn mit ihr?" - "Ich weiss nicht!" Alex muss sich bemühen, tief durchzuatmen, doch Lindsey merkt bestimmt auch so, dass er gegen eine Panikattacke kämpfen muss. - "Sollen wir sie ausziehen?"
Gemeinsam ziehen sie ihr das grosse T-Shirt aus und auch den Slip und machen sich nochmal daran, jeden Quadratzentimeter ihres Körpers zu untersuchen, doch sie können nicht mal einen verdächtigen Pickel oder sowas finden, sie ist makellos wie immer. Keine Einstichstelle oder sonstwas verdächtiges, wobei man bei Iris eine allfällige Einstichstelle wohl sowieso nie entdecken könnte, weil ja schliesslich alle Wunden innert Sekunden heilen, sofern es wirklich mal dazu kommen sollte.


"So, jetzt ist langsam fertig lustig! Also hör sofort auf mit dem Unsinn!" Iris wird langsam wütend, auch wenn es ihr unter anderen Umständen viel Spass machen würde, als Sturmwind übers Land zu toben, zumal sie sowas seit des Fiebers nicht mehr machen konnte und es eigentlich immer genossen hat. "Lass mich wieder frei und in meinen Körper zurück!" - "Ach, hast du etwa schon wieder Sehnsucht nach deinen Lieben?" spöttelt Pad'M'Ara, die es regelrecht geniesst, mit ihr zu spielen und dabei der Ara sogar etwas Angst einzujagen. Natürlich kann sie Iris' Geist nicht ewig festhalten und das weiss sie auch. Aber sie könnte sie lange genug festhalten, um ihr Ärger zu machen... und das gefällt der Ara wohl ganz und gar nicht. Hehehe. Allerdings sollte sie nicht so boshaft sein. Das wäre gemein. Doch Pad'M'Ara ist hin und wieder gerne etwas gemein, wobei sie aber eben grundsätzlich ihre kostbaren Energien nicht mit Ameisen sprich gewöhnlichen Menschen verplempern will (jedenfalls seit sie von keinem Menschen mehr als Göttin angebetet wird), sondern ihr Augenmerk lieber auf buntere Käfer richtet wie irgendwelche Unsterbliche, Vampire, Werwölfe oder sonstwas, wobei dieses mehr oder weniger Dämonische Gesindel jedoch auch oft ziemlich undankbar ist. Na ja. Iris ist in ihren Augen natürlich ein ganz wunderbarer Paradiesvogel. Wenn sie kein Fieber hätte, wäre sie sogar ein ausserordentlich gefährlicher Paradiesvogel... und alles in allem genau das richtige, um zu spielen.

Es ist für Iris ein komisches Gefühl, von ausserhalb auf ihren Körper herunterzusehen, denn seit des Fiebers hat sie das nicht mehr machen können. Jedenfalls nicht so richtig. Nicht kontrolliert und deshalb lieber gar nicht... Alexei und Lindsey fingern an ihr herum, tätscheln ihre Wangen, betteln die ganze Zeit, dass sie doch endlich wieder aufwachen möge und sehen alles in allem ziemlich ratlos und verzweifelt aus. Als ihnen schliesslich nichts mehr einfällt, was sie noch versuchen könnten, um sie wieder aufzuwecken, kuscheln sie sich an ihren leblosen Körper, den sie jetzt nur sehen aber nicht spüren kann.


Und als Iris wieder in ihrem Körper ist, fühlt sie die Nässe an ihrer Wange. Alexei's Tränen. Sie spürt das leise Zittern seines Körpers, fühlt seine Panik und die Sorge... und ist gerührt.
Alex schreckt hoch, als ihm plötzlich klar wird, dass Iris' Herz wieder schlägt. Sie sieht ihn an. Und sie lächelt, während sich auf ihrer Stirn schon wieder Schweissperlen bilden und man förmlich zusehen kann, wie sie durch das Fieber wieder zu glühen beginnt.
Auch Lin fühlt grenzenlose Erleichterung, dass Iris wieder Lebenszeichen zeigt, haucht einen Kuss auf ihre Hand und geht dann ins Badezimmer, um nasse Handtücher zu holen und um ihren heissen Leib zu schlingen, damit sie sich wieder abkühlt. Erst ist sie kalt wie eine Leiche, dann steigt die Körpertemperatur innerhalb einer Minute so stark an, dass man auf ihr Spiegeleier braten könnte... das ist wirklich heftig! "Was war denn los?!" fragt er geradeheraus, da er wirklich zu gerne wissen will, was da vor sich geht.
"Ach... Padmara." - "Padmara hat dir das angetan?!" - "Sie hat mich auf einen kleinen Ausflug mitgenommen. Ich bin mit ihr als Sturmwind übers Land gefegt. War wirklich toll." Sie starrt zur Balkontür raus, wo auf dem Geländer eine schwarze Krähe sitzt. "Aber dann wollte ich doch wieder in meinen Körper zurück. Zu euch. Tja, und da bin ich wieder." - "Himmel, du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt!"


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"Pad'M'Ara?" - "Ja, Pad'M'Ara. Irgendwas muss wohl mal gewesen sein, vielleicht haben sie sich gegenseitig ein Bisschen zu sehr geärgert oder irgendwas in der Art, keine Ahnung. Pad'M'Ara hüllte sich in Schweigen und Iris hat nur notiert, dass bei der liebreizenden Dämonischen Göttin wohl ein paar Schrauben locker wären..." Überhaupt hat Iris je länger je mehr immer weniger notiert, ganz besonders was das Private Umfeld anbelangt, denn ihre Freunde konnte sie wohl mit den Jahren kaum noch als Studienobjekte ansehen oder zumindest verkniff sie sich später meist all solche lustigen kleinen Details, mit denen sie ihre Berichte früher zu würzen pflegte. Zu schade. Aber All'Una hat genug Phantasie, um sich auszumalen, dass Iris und ihre Freunde wohl auch weiterhin lustige Spielchen gespielt und es dabei ziemlich wild getrieben haben.

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Na schön, Padmara war schon immer etwas durchgeknallt (zumindest schon seit Iris das erste Mal von ihr gehört hat)... aber hoffentlich wird es jetzt nicht zur Gewohnheit, dass sie lauter verrückte Sachen macht, um die Amayra-Hexe zur Weissglut zu treiben... oder sonstwas anzustellen. Was bringt es, wenn Iris diese Aliens verjagt und sämtliche Atomwaffen vernichtet hat, wenn dann so eine Dämonische Göttin womöglich aus Langeweile plötzlich Erdbeben, Vulkanausbrüche und Flutwellen auslöst, verdammt?!
Okay, sowas wird sie wohl kaum tun... aber sie könnte es.
Allerdings hat es wenig Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was Padmara alles tun könnte und was nicht. Oder doch?


 


ENDE DES 8. TEILS... WEITER ZUM 9. TEIL!

B.B. / geschrieben im Juni 2002

Online-Version... Dezember 2002 / B.B.

DIE AVALON-VARIANTE

Bemerkungen und Übersicht
zur Avalon-Variante

B.B.'s Dunklere Seiten - die mit den Reisszähnen *diabolisch-lächel* ;-)

 

 

 

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