Hexe!
DIE AVALON-VARIANTE
(7)
Autorin: Barbara (barbarella_1970@yahoo.de)
Disclaimer (und Archivierung aller Kapitel als .doc-Dokumente zum runterladen) unter http://www.geocities.com/barbarella_1970/Iris-Hexe.html

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"Irgendwie hat es sich Iris ja richtig gemütlich eingerichtet, geradezu idyllisch. Immer eitel Sonnenschein bei ihr und ihren Freunden?" - "Na ja..." All'Una legt den Kopf ein wenig schief. "Es hat wohl auch hin und wieder noch Dunklere Zeiten gegeben und nicht immer nur Sonnenschein..." - "Was denn zum Beispiel?"
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[AVALON-VILLA, AUSSERHALB VON WASHINGTON]
Iris klimpert gerade eine Melodie auf dem Flügel - Alexei und Lindsey versuchen diesmal vergeblich, den Titel zu erraten, denn es ist ein Lied, das lange laaange vor ihrer Zeit mal irgendwo gesungen wurde - und lächelt fröhlich vor sich hin, während sie an die Kinder denkt, an Ix, Lex, Max und...
... als plötzlich ihr Gesicht versteinert und sie mitten in einem Akkord förmlich erstarrt.
"Iris?!" ruft Alex alarmiert und ist im nächsten Augenblick auch schon an ihrer Seite. Sie trägt hier natürlich weder dunkle Sonnenbrille noch ihre blauen Kontaktlinsen und so kann er das violette Flackern in ihren Augen sehen. Erweiterte Pupillen... Nachdem sie schliesslich blinzelt, wagt er sie zu fragen: "Was ist los?" - "Der Junge hat Schwierigkeiten..." murmelt sie und klingt noch leicht geistesabwesend. - "Welcher Junge?!" fragt Alex besorgt. "Max?!" Seit Max weg ist, um Jura zu studieren, macht er sich ständig irgendwie Sorgen um ihn, auch wenn er sich natürlich alle Mühe gibt, sich das nicht allzu sehr anmerken zu lassen, weil es ja auch irgendwie albern ist, denn der Junge ist ja schliesslich langsam erwachsen. - "Will." korrigiert ihn Iris. - "Will?!" meint Alex irritiert. William ist erst vor einer Woche wegen seines Kunststudiums auf die andere Seite von Washington gezogen und hat wohl schon Heimweh, weil er jeden Abend ausführlich mit seinen Eltern telefoniert, die ja nur zwei Autostunden entfernt wohnen. Aber William hält sich doch stets von allen Schwierigkeiten fern! "Was für Schwierigkeiten?" - "Weiss nicht... aber er hat Angst. Und Schmerzen." murmelt Iris und steht dann auf, um sich ihr Handy zu schnappen.
"Bist du sicher, dass es was ernstes ist und er sich nicht einfach... irgendwie nur den Knöchel verstaucht hat oder sowas in der Art?" erkundigt sich Alex vorsichtig. Seit Iris immer wieder dieses FIEBER hat, sind ihre VISIONEN oder wie immer man es nennen will, irgendwie etwas verschwommener geworden - genau so verschwommen, wie sie früher den anderen gegenüber immer behauptet hat - so dass sich schon so manches im nachhinein als gar nicht so schlimm herausgestellt hat. Doch da sie sich alle schon längst angewöhnt haben, einfach erst mal vom schlimmsten auszugehen, sind sie lieber hinterher positiv überrascht als andersrum. "Will kann ja manchmal ziemlich tollpatschig sein!" meint er und merkt dabei, dass er sich wohl gerade selber beruhigen will. Jedenfalls geht Iris nicht darauf ein und sieht weiterhin besorgt aus, während nur ein Tuten aus dem Handy kommt. Will geht nicht ran. Warum geht der Junge nicht ran, verbringt er etwa den Abend mal mit ein paar Freunden... oder steckt er etwa wirklich in Schwierigkeiten?
[Ein Studentenwohnheim auf der anderen Seite von Washington]
Heisse Tränen rinnen über sein Gesicht das nur von der Laterne vor dem Fenster erleuchtet wird, doch sein Schreien und Schluchzen wird von einem Knebel erstickt und ausserdem presst ihm der eine Kerl noch zusätzlich die Hand auf den Mund und drückt so seinen Kopf nach rückwärts, als wollte er ihm auch noch das Genick brechen, während er von hinten brutal in ihn stösst. Will wird mit jedem Stoss schmerzhaft gegen seinen Schreibtisch gedrängt, dessen Kante bestimmt blaue Flecken hinterlässt, seine Beine sind schon fast taub, er kann sich nicht mal irgendwie abstützen, denn seine Arme sind ihm von den beiden Kerlen gemein hinter seinem Rücken verschnürt worden, so dass er das Gefühl hat, sie müssten ihm bald abfallen...
Wenn dieser Überfall hier die Art sein soll, wie an dieser Uni Frischlinge willkommengeheissen werden, findet er das gar nicht lustig. Ganz und gar nicht. Will hat es schon nicht witzig gefunden, als die beiden maskierten Männer in seine Studentenbude eingedrungen sind, und spätestens nach den ersten Schlägen wäre ihm das Lachen sowieso vergangen. Dummerweise hat er zurückgeschlagen und zu seiner eigenen Überraschung sogar einen Treffer gelandet. Aber das hat die Typen wohl erst recht wütend gemacht und sie haben ihn überwältigt... Und nun versucht er sich gerade krampfhaft vorzustellen, dass er in Wirklichkeit ganz woanders ist, irgendwo über den Wolken... doch die Schmerzen erinnern ihn mit jedem Stoss wieder daran, dass wirklich er es ist, dem das hier gerade passiert. Jemand keucht ihm in sein linkes Ohr und hat offensichtlich den grössten Spass daran, ihn zu quälen... Und er kann nichts dagegen machen. Warum hat er Idiot auch einfach die Tür aufgemacht, als es geklopft hat?!
Man hat ihm von Kindesbeinen an erzählt, wie man womöglich am besten mit Psychopathen umgeht oder mit sonstigen Kriminellen umzuspringen hat; doch als die Kerle dann plötzlich zur Tür reinkamen, war sein Hirn einen Moment lang plötzlich wie leergefegt, als wären sämtliche Guten Ratschläge an ihn nur für die Katz gewesen. Und als er sich von seinem ersten Schrecken erholt hatte, war es wohl schon zu spät und selbst wenn er mit den Kerlen irgendwas hätte verhandeln wollen, wobei er wohl nicht gewusst hätte, was er sagen sollte (Vielleicht ja "Hier, nehmt mein Geld, aber lasst mich in Ruhe!" oder sowas in der Art?), da war er schon geknebelt... und irgendwie hat er das dumpfe Gefühl, dass die Kerle sowieso nicht zum reden gekommen sind und an seinem Geld nicht wirklich Interesse haben.
William Charles Mulder fängt an zu beten. Oder sowas in der Art.
Am Rande seines Bewusstseins hat Will mitbekommen, dass der Kerl wohl endlich fertig geworden ist. Und während er sich noch überlegt, wie's jetzt wohl weitergeht, wird er auch schon herumgerissen und unsanft auf den Boden geworfen. Er würde schreien, wenn er könnte, denn er ist genau auf seine gefesselten Arme gefallen und irgendwas ist gebrochen... sein Arm, nah am linken Handgelenk.
Entweder haben die Kerle das Knacken des brechenden Knochen nicht gehört oder es ist ihnen egal. Der zweite Mann, der sich inzwischen irgendwie nervös auch schon die Hose aufgeknöpft und seinen Ding ausgepackt hat, hebt gerade etwas tollpatschig Will's Beine an, um einen günstigen Winkel zu finden...
... als plötzlich Will's Handy zu klingeln anfängt.
[AVALON-VILLA, AUSSERHALB VON WASHINGTON]
"Er geht nicht ran!" erklärt Iris mit düsterer Miene und schaut das Handy an - und nun ist Alex ebenfalls besorgt. Er geht an den Festnetzapparat und wählt die Kurznummer von Dana und Mulder, die ja nur gerade zwei Stockwerke weiter oben sind. Mit möglichst ruhiger Stimme fragt er sie, ob sie heute Abend schon einen Anruf von Will bekommen hätten oder ob er vielleicht erzählt hätte, dass er heute auf ne Party geht oder sowas in der Art... na ja, vielleicht ist es ja nichts, doch Iris hätte da plötzlich so ein komisches Gefühl...
SO EIN KOMISCHES GEFÜHL ist jedenfalls für Mulder und Dana inzwischen längst Grund genug, sich wieder hastig anzuziehen und in die Stube runterzustürzen, wo Iris bereits ihre Tasche umgehängt und ihre Sonnenbrille aufgesetzt hat.
Mulder würde Iris am liebsten die Sonnenbrille runterreissen, um zu sehen, ob ihre Pupillen erweitert sind, doch er weiss, dass sie das überhaupt nicht leiden kann... deshalb begnügt er sich damit, sie an den Schultern zu packen und eindringlich anzusehen, wobei er beobachtet, ob ihre Lippen vielleicht ein Bisschen zittern. "Was hast du gesehen?" - "Ich weiss nur, dass er Angst hat und Schmerzen!" erklärt Iris wahrheitsgemäss. - "Hatte er einen Unfall oder sowas?" fragt Dana und bemüht sich, ihre Stimme nicht allzu hysterisch klingen zu lassen. - "Keine Ahnung. Finden wir's raus!" schlägt Iris vor...
... worauf sie wenig später zu viert im vermeintlich neuen schwarzen Wagen - mit angepasstem unauffällig-modernem Design - in einem Affenzahn davonfahren. Alexei am Steuer, Mulder auf dem Beifahrersitz, Dana und Iris hinten im Wagen, wo sie es wieder bei Will's Handy klingeln lassen.
Lindsey starrt ihnen hinterher und hofft, dass Will nichts schlimmes passiert ist. Er ist so ein netter Junge... Geradezu hübsch und von eher zierlicherer Figur als seine grosse Schwester, die sich nötigenfalls ohne weitere Scheu mit jedem prügelt, der sich mit ihr anlegt. Will dagegen kann keiner Fliege was zuleide tun. Wenn er mal älter ist, wird er bestimmt der Traum jeder Schwiegermutter. Er ist schon jetzt ein Mädchenschwarm, doch irgendwie scheint er in der Richtung doch sehr schüchtern zu sein, bestimmt ist er noch Jungfrau äh na ja... Und er ist natürlich wirklich begabt, da muss man sich nur mal die Bilder ansehen, die überall hier rumhängen. Der Gedanke, dass irgendjemand ihm was getan haben könnte, macht Lin ganz krank. Irgendwie kommen ihm die Kinder von Melissa und Dana fast schon wie seine eigenen vor, immerhin hat er sie über all die Jahre zusammen mit Iris und Alexei gross werden sehen.
[Im Studentenwohnheim]
Schon wieder klingelt das Handy. Und er liegt immer noch gefesselt und geknebelt auf dem Boden, so wie ihn die Kerle einfach zurückgelassen haben. Wer hätte gedacht, dass simples Telefonklingeln sie in die Flucht schlagen würde... Will beschliesst, dass es himmlischer klingt als die süssesten Glockenklänge.
Alles tut weh.
Irgendwann kann er sich endlich aufraffen sich zu bewegen. Er robbt und krabbelt mit Müh und Not zum Schreibtisch rüber. Das Klingeln hat wieder aufgehört. Er sucht den Brieföffner, den Ix ihm geschenkt hat, eigentlich ein kleiner Dolch, der verdammt scharf ist. Es dauert lange, bis er damit endlich hinter seinem Rücken die Schnüre durchgeschnitten hat, mit denen sie ihn gefesselt haben, und er schneidet sich dabei auch noch selber. Noch ein kleiner zusätzlicher Schmerz, kommt es darauf noch an? Seine Arme, die durch die unbequeme Haltung schier ausgekugelt worden wären, schmerzen höllisch, als nun das Blut wieder besser zirkulieren kann, und der Bruch tut ebenfalls teuflisch weh. Während er sich nun bemüht, mit der linken Hand nirgendwo gegenzustossen, nimmt er sich mit der rechten den Knebel ab... und ringt erst einmal stärker um Luft, bevor er seinen Schmerz endlich herausschreit.
Niemand hört ihn, da ringsherum mit lauter Musik Partys gefeiert werden.
Das Handy klingelt wieder.
Eigentlich will er nur einfach HALLO! sagen, doch irgendwie wird ein unkontrolliertes Schluchzen daraus.
[Unterwegs in Iris' Auto]
"Will, bist du das?!" brüllt Dana halb entsetzt und halb erleichtert in das Handy, auf dessen Display jedoch nur dunkle Schatten zu sehen sind, weil offensichtlich nicht genug Licht vorhanden ist, um ein gutes Bild zu liefern. "Wo bist du?! William! Schatz, sag doch was!" Doch am anderen Ende der Leitung ertönt nur hysterisches Weinen und schweren Herzens reicht sie Iris das Handy - in deren Gesicht es etwas zu zucken beginnt. "Will, hier ist Iris, wir sind schon auf dem Weg zu dir!" versucht sie den Jungen zu beruhigen. "Du bist in deinem Zimmer, nicht wahr? Rühr dich nicht von der Stelle, mach einfach gar nichts, wir werden uns dann um alles kümmern... Tief durchatmen, Will! Ganz ruhig, ich glaub nicht, dass die Kerle wiederkommen... beruhig dich!"
Kerle? Was für Kerle?! Nicht nur Dana macht ein entsetztes Gesicht, auch Mulder, der sich zu ihnen umdreht und zwischendurch mal schnell Alexei ansieht, der murmelt, dass er schon so schnell fährt, wie er kann. "Was ist los?!" flüstert Mulder leise und sitzt wie auf glühenden Kohlen, während Iris per Handy immer noch beruhigend auf seinen Sohn einredet und sowas wie Atemübungen mit ihm zu machen scheint. In seinem Kopf formen sich langsam die schlimmsten Bilder. Ist William von irgendwelchen Kerlen überfallen und ausgeraubt worden? Haben die ihn zusammengeschlagen? Haben die... vielleicht sonstwas mit ihm gemacht?! In seiner Kehle bildet sich ein dicker Kloss und sein Magen krampft sich zusammen bei dem Gedanken, dass ausgerechnet seinem Jungen, der buchstäblich keiner Fliege was zuleide tun könnte, etwas schlimmes passieren muss.
[Im Studentenwohnheim]
Irgendwie haben sie wohl erwartet, ein Schlachtfeld vorzufinden... doch es sieht alles recht ordentlich aus. Erst als sie das Licht anmachen, entdecken sie auf dem Fussboden ein paar Blutstropfen und den Brieföffner-Dolch, an dem ebenfalls ein wenig Blut klebt. Durchgesäbelte Schnüre, ein professioneller Knebel wie aus einem Sex-Shop... und ein Paar Jeans liegen zusammengeknüllt mitten im Zimmer. Mulder und Dana fassen sich unwillkürlich fester bei den Händen.
"Will, wir sind's, wo steckst du?" fragt Iris. Und obwohl sie darauf keine Antwort erhält, geht sie danach schnurstracks auf den Schrank zu, bei dem eine Tür nur angelehnt ist...
Will sitzt dort zitternd in die Ecke gekauert, mit nichts weiter am Leib als einem zerrissenen T-Shirt, immer noch krampfhaft mit der rechten Hand das Handy umklammert, dessen Akku schon vor einer Viertelstunde den Geist aufgegeben hat.
"Hi, Will!" sagt Iris mit sanfter Stimme - und er dreht endlich seinen Kopf, begreift langsam, dass sie jetzt wirklich da sind. Neue Tränen bilden sich in seinen bereits verquollenen Augen, als er Iris sieht und gleich dahinter seine Mutter und seinen Vater.
Als Will nach einer Weile endlich wieder in der Lage ist zu sprechen, versichert er erst mal, dass er so froh ist, sie hier zu sehen... und dann wendet er sich auch schon ziemlich bald hilfesuchend an Iris und streckt ihr seine gebrochene Hand entgegen. "Bitte, Iris!" Oh Gott, er fängt ja schon wieder an zu heulen! Er versucht verzweifelt, seine Stimme wieder unter Kontrolle zu bekommen. "Ich will nicht ins Krankenhaus... Bitte!" - "Ach, Schätzchen..." murmelt Iris, tippt ihm kurz auf die Stirn und umfasst schliesslich vorsichtig sein Handgelenk - worauf er heftig die Zähne aufeinander beisst, um nicht wieder zu schreien - und sie konzentriert sich auf den Knochenbruch, lässt wenigstens diese Verletzung innerhalb einer Minute wieder heilen...
... worauf ihr dann auch prompt etwas schwummrig wird. Verdammtes Fieber, nicht schon wieder! Alexei hält sie plötzlich fest, sonst würde sie womöglich auf einmal umkippen.
"Danke!" erklärt Will und nun sind es wohl noch ein paar Freudentränen, die ihm die Wangen runterlaufen. Alexei zieht Iris nun sanft weg, damit sich seine Eltern wieder vor den Schrank knien können, in dem er immer noch sitzt. Ihm ist klar, was noch alles kommen muss... doch es ist eine Sache, über irgendwelche Prozeduren und Vorgehensweisen was zu hören oder zu lesen oder im Fernsehen zu sehen, und eine ganz andere Sache, selbst als Opfer alles am eigenen Leib zu erfahren.
Will ist froh, als seine Mutter ihm nun nach den peinlichen Untersuchungen in Sachen Spurensuche endlich erlaubt, sich zu duschen.
Während Dana noch mit Will im winzigen Badezimmer ist, tigert Mulder mit geballten Fäusten im Zimmer herum und versucht sich einen Reim auf das alles zu machen. Wenigstens ist Will körperlich nicht allzu schlimm verletzt worden, so wie's aussieht. Man kann ja fast dankbar sein, dass die Kerle ihm einen Knebel verpasst haben und nicht etwa... etwa... verdammt, schon beim blossen Gedanken daran, was noch alles hätte passieren können, wird ihm geradezu schlecht! Urplötzlich sind seine verdammten Erinnerungen an den Überfall damals vor fast zwanzig Jahren wieder so lebendig, als wäre das erst gestern gewesen. Aber der verdammte alte rauchende Bastard war inzwischen lange tot... Und Will konnte nun wirklich keine Feinde haben! Also warum?! Warum zur Hölle hat ihm sowas passieren müssen?!
"Du siehst aus, als wolltest du gleich jemanden ermorden!" meint Alex - worauf Mulder ihn anstarrt. "Stimmt. Wenn ich diese verdammten Kerle in die Finger kriege, weiss ich nicht, was ich tu!" Wieder schlägt er mit der geballten Faust in die andere Hand und dreht noch eine Runde, bis er vor Iris stehen bleibt, die sich mit Alexei aufs Bett gesetzt hat. "Werden wir die Kerle finden?" - "Warum denken eigentlich alle, dass ich in die Zukunft sehen kann?!" kontert Iris und klingt dabei ein klein wenig gereizt. "Aber selbstverständlich werden wir nicht eher ruhen, bis wir die Kerle geschnappt haben und dann machen wir Hackfleisch aus ihnen..." murmelt sie, gähnt dann herzhaft und ist im nächsten Moment auch schon an Alexei's Schulter eingeschlafen.
Leicht fassungslos starrt Mulder auf Iris. Wie kann sie in einer solchen Situation einfach einschlafen? Doch schon im nächsten Moment kommt er sich furchtbar undankbar vor. Ohne Iris wären sie jetzt überhaupt noch nicht hier... Und schliesslich sind ja Dana und er da, um für Will zu sorgen.
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Alexei hat sich mit Iris schliesslich auf dem Bett ausgestreckt, während Mulder und Dana mit Will in der Mitte davor auf dem Boden sitzen und sich anlehnen.
Bislang ist ihm noch nicht nach Sprechen zumute gewesen bzw. ist er jedes Mal wieder in einen regelrechten Heulkrampf ausgebrochen, wenn er es versucht hat, und Will kommt sich deswegen schon wie ein verdammter jämmerlicher Waschlappen vor. Aber er ist froh, dass seine Eltern ihn nicht bedrängen, dass er endlich mit der Wahrheit oder mit irgendwelchen Details rausrücken soll... schliesslich ist ja auch ziemlich offensichtlich, was hier so abgegangen sein muss, und hey, immerhin waren seine Eltern FBI-Agenten und Iris und Alexei sind es offiziell sogar immer noch, da kann man ja wohl erwarten, dass sie Spuren zu deuten wissen, oder etwa nicht... Zu seinem Erstaunen ist seine Mom verblüffend ja geradezu gefährlich ruhig, während sein Dad wirkt, als wäre er kurz vor dem Explodieren, und Will entdeckt sogar Tränen in seinen Augen. Ob Iris in ihrer Vorahnung schon gesehen hat, was hier los ist? Oder war es wieder mal eine verschwommene Vision und sie hatten vielleicht sogar schon erwartet, ihn hier womöglich tot vorzufinden?
"Es tut mir leid..." murmelt Will endlich, als bereits der Morgen graut. - "Was?" meint Mulder und glaubt, er hätte sich verhört. - "Es tut mir so leid." wiederholt Will. "Ich hab euch wohl einen ganz schönen Schrecken eingejagt..." - "Oh Gott, William!" flüstert Dana und drückt ihrem Sohn einen Kuss auf die Wange, während sie ihn noch enger an sich drückt. "Du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen! Du kannst doch nichts dafür!" - "Doch!" presst Will heraus und erklärt mit tonloser Stimme: "Ich Vollidiot hab denen auch noch die Tür aufgemacht..."
"Auweia, fühlst du dich etwa schuldig?" ertönt Iris' schläfrige Stimme vom Bett oben. "Na woran erinnert mich das bloss..." Sie wechselt einen Blick mit Mulder, der fest die Zähne aufeinanderpresst - und von seinem Sohn aufmerksam beobachtet wird. "Ist was, Dad?" Irgendwie schreit ein Teil von ihm geradezu nach Ablenkung und er würde wirklich zu gerne an was anderes als an sich und seine Situation denken... doch was immer es ist, seinem Vater scheint es unangenehm zu sein. Hmmm... Bestimmt ist es ihm auch unangenehm, dass sein Sohn so ein Vollidiot ist. Ein Versager auf der ganzen Linie... - "Hör auf, Will, du bist kein Versager. Du hast nur Pech gehabt!" gibt Iris wieder mal ihre Weisheit zum besten - doch Will schüttelt traurig den Kopf. "Ich bin so ein Idiot... wenn ich doch nur... nicht..." Er bricht ab. Wenn er darüber redet, wird es wieder real. Es wäre ihm viel lieber, wenn es nur ein böser Traum war. Aber wenn es nur ein Traum gewesen wäre, dann sässen seine Eltern jetzt nicht hier auf dem Boden neben ihm.
Ein leises Klopfen an der Tür lässt nicht nur Will zusammenzucken.
Dana zückt ihre Waffe, steht auf und öffnet die Tür. Sie steckt die Waffe wieder weg. Es ist nur Lindsey. Na ja, Lindsey und zwei der Hunde und der Anwalt trägt eine grosse Tüte und eine Thermoskanne mit Kaffee. "Hi!" meint er leise. "Ich hab euch Frühstück mitgebracht!"
"Na wunderbar!" meint Iris und stürzt sich gleich mal auf den Kaffee... - und sogar Will isst was. Sogar mit fast gesundem Appetit. Mulder und Scully sehen sich dabei nur etwas seltsam an, denn ihnen ist der Appetit fast vergangen. Sie werden nicht mitbekommen, wie Will später im Bad dann alles wieder von sich gibt...
Nachdem Iris ihr Croissant verdrückt hat, fängt sie an mit den Hunden zu reden. Na ja, sie redet eigentlich nicht wirklich, sie sieht sie nur an und gibt gelegentlich ein "Mmmmh!" oder "Mmmhmmm!" von sich...
... worauf die Hunde schliesslich die Spur aufnehmen.
* * *
Irgendwie ist es erst gar nie zur Diskussion gestanden, die Polizei einzuschalten. Da hätte man ja geradeso gut auch in ein Krankenhaus gehen können... und sowas will er auf keinen Fall.
Schliesslich handelt es sich bei William Charles Mulder ja auch nicht einfach um einen ganz gewöhnlichen Studenten, der überfallen worden ist - und wie sie schliesslich durch die Gerüchteküche in Erfahrung gebracht haben, ist sowas hier an der Uni schon öfters vorgekommen, wobei jedoch niemals Anzeige erstattet worden ist - sondern Will ist gewissermassen ein Sohn von AVALON...
... auch wenn er sich wie ein Häufchen Elend vorkommt, was er jedoch inzwischen tapfer zu verbergen versucht, seit seine Tränen getrocknet sind, denn er will nicht noch mehr Schande über seine Familie bringen, indem er länger herumheult wie ein verdammtes Baby, schliesslich wird er bald schon 18 Jahre alt, verflixt nochmal.
Wenn er Klamotten anhat, sieht man die blauen Flecken nicht, er sieht nett und adrett aus wie immer. Nur sein Lächeln will irgendwie noch nicht so recht klappen.
Im Laufe des Vormittags ist auch Irina Samantha Mulder eingetroffen, die einfach mal das Studium schwänzt. Sie ist so gut, dass dies wohl ohnehin nicht viel ausmacht und überdies erzählen die da sowieso nicht viel, das ihr neu wäre...
Will betrachtet seine Schwester, die gleich gross ist wie er, und er überlegt sich, dass Ix mit den zwei Kerlen wohl eher fertig geworden wäre und sie vermutlich sogar zu Mus verarbeitet hätte, da wären diese verdammten Bastarde wohl ganz schön überrascht gewesen!
Offenbar haben die anderen Ix nicht allzu viel erzählt, denn sie redet nur davon, dass er überfallen worden wäre. Er ist froh darüber, obwohl er sich darüber im klaren ist, dass sie es früher oder später erfahren wird, selbst wenn man ihr nichts erzählt. Schliesslich ist sie sowas wie eine Hexe und bekommt alles raus...
Als sie ihn eindringlich mit Fragen löchert, gibt er endlich eine Beschreibung der Täter, deren Gesichter er nicht sehen konnte. Sie haben schwarze Klamotten und Skimasken getragen und zudem noch dunkle Sonnenbrillen. "Und zwar solche wie deine, Tante Iris!" - Eine nicht ganz billige Nobelmarke, so sooo. Wenn die Kerle also die Dinger nicht geklaut haben, sind sie wohl nicht ganz arm. Studenten aus reichem Haus, die sich langweilen und deshalb Leute überfallen? Gut möglich. Ein professioneller Knebel aus dem Sex-Shop, doch die Hände haben sie ihm mit billiger Paketschnur gefesselt? - "Der eine war etwa so gross..." Will hält seine Hand auf der Höhe des Haaransatzes seines Vaters. "Und der andere etwa so..." Seine Hand rutscht etwas tiefer bis zu Mulder's Nase. "Von der Statur her waren sie wohl ziemlich muskulös, soweit ich mitbekommen habe. So wie Sportler. Boxer, Ringer oder sowas in der Art..."
* * *
[Bei der Sporthalle]
Das sind also diese zwei Kerle... zumindest scheinen die Hunde dieser Meinung zu sein, die diese zwei Burschen - beide im letzten Semester und Mitglieder des Ringer-Teams der Uni - in der Umkleidekabine der Sporthalle aufgespürt haben.
"He, was soll das?" meint Frank, der sich nach dem Training gerade wieder fertig umgezogen hat, als plötzlich fünf Leute dastehen und die Tür verschliessen. Er wechselt einen besorgten Blick mit seinem Kumpel Ed, diesem Idioten mit dem schlechten Gewissen, der neben ihm nun hastig aufsteht, nachdem er in seine Schuhe geschlüpft ist. Erst sind diese zwei schrecklichen Köter aufgetaucht und jetzt auch noch die da... irgendwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu! "Was wollen Sie?!" - "Also wenn du schon so fragst... Wir hätten gerne ein Bisschen DNA von euch, um was zu überprüfen!" erklärt schliesslich einer der drei Männer und kommt mit zwei steril verpackten Wattestäbchen auf sie zu. - "Mit welchem Recht..." fängt Ed an zu protestieren - wird jedoch unterbrochen. "Special Agent Sinclair vom FBI." Er zeigt seinen Ausweis. "Wir ermitteln hier. Wir können euch auch gerne mitnehmen, wenn's euch hier nicht passt." - "Was? Wie..." fängt Ed an zu stammeln und bekommt von Frank einen Tritt verpasst. - "Sie können uns zu gar nichts zwingen!" erklärt Frank mit fester Stimme und verschränkt demonstrativ die Arme.
"Ist auch gar nicht nötig..." meint da auf einmal die blonde Frau mit dem hochgesteckten Haar und den strahlend blauen Augen, die einen Blick mit einem der anderen Männer wechselt und mit der rothaarigen Frau, die einen Arztkoffer dabei hat. "Sie sind es." - "Und welcher..." fragt der Mann mit geballten Fäusten - worauf sie ohne zu zögern auf Frank zeigt.
Mulder ist eigentlich nicht so der Typ für Prügeleien, hat Lin bis heute jedenfalls gedacht... doch bislang hat Lin ihn auch noch niemals in so einer Situation erlebt. Trotzdem hätte er wohl eher erwartet, dass der ehemalige FBI-Agent dem Kerl nun vielleicht eine Waffe an den Kopf halten würde, um ihm zu drohen... stattdessen hat sich Mulder voller Wut auf den Peiniger seines Sohnes gestürzt und ihm die Faust ins Gesicht geschlagen. Der jüngere Mann ist fast gleich gross und dazu noch schwerer und trotzdem gelingt es ihm nicht, sich durchzusetzen bei der wilden Prügelei, die nun im Gange ist.
Der andere Kerl verhält sich ruhig, weil Alexei ihm den Lauf seiner Pistole in die Seite bohrt und ihn weiter rüber bugsiert. Klaglos gibt er sogar eine Probe seine Mundschleimhaut ab, als Alexei ihm beiläufig eins der Wattestäbchen hinhält. Lin geht kurz rüber und reicht die Probe dann an Dana weiter, die ihr Arztköfferchen aufgemacht hat und das erst vor ein paar Jahren neuentwickelte Gerät für Genanalysen auspackt, die von den Labors von AVALON für teures Geld auch ans FBI verkaufen wurden. Zwar sind mit dem kleinen Ding keine ganz exakten Genanalysen bis ins letzte Detail möglich, aber zumindest lässt sich so in den allermeisten Fällen schon mal auf Anhieb ein falscher Verdächtiger ausschliessen, ohne dass man erst tagelang auf irgendwelche Laborergebnisse warten muss.
Mulder sitzt inzwischen auf dem am Boden liegenden Frank und schlägt diesem immer wieder mit der Faust ins Gesicht, das schon ganz blutig ist... Doch schliesslich legt Dana ihrem Mann die Hand auf die Schultern. "Hör auf, du bringst ihn noch um!" Zwar hat sie selber nicht gerade Mitleid mit diesem verdammten Kerl, doch totschlagen sollte man ihn vielleicht doch nicht gleich. Mulder steht keuchend auf, als wäre er soeben aus einer Trance erwacht und betrachtet einen Moment lang die blutigen Knöchel seiner rechten Hand, während Dana sich kurz hinkauert, um von dem benommen daliegenden jungen Kerl eine Probe zu nehmen.
Die Probe stimmt mit der überein, die sie gestern Abend noch von Will's Körper genommen hat. Und Dana ist natürlich nicht überrascht über das Resultat, schliesslich hat Iris ja mit dem Finger auf ihn gezeigt.
"Was wollt ihr eigentlich von uns?" wagt Ed endlich zu fragen, während sich sein Kumpel nicht rührt. "Wer zum Teufel seid ihr?!" - "Oh, wie unhöflich von uns!" meint Iris theatralisch. "Mein Mann hat sich ja schon vorgestellt. Ich bin Special Agent Iris Sinclair. Das hier ist unser Anwalt, Lindsey McDonald. Das ist Dana Scully Mulder. Und das hier ist Fox William Mulder." - "Mulder?!" ruft Ed entsetzt, dem jetzt alles klar ist. "Oh Gott!" fügt er fast tonlos hinzu, während er sich auszumalen versucht, was die Leute wohl mit ihm anstellen werden. Denn so wie Mulder diesen Frank zusammengeschlagen und das FBI dabei bloss zugesehen hat, ist hier wohl nicht mit der normalen Vorgehensweise der Polizei zu rechnen... wobei Frank es eigentlich durchaus verdient hat... Im Geiste sieht er aber dummerweise auch schon seine eigene Leiche auf irgendeiner Müllkippe verrotten. "Tut mir so leid..." fängt er an zu stammeln...
... und er findet sich irgendwann sogar auf seinen Knien wieder, wo er heulend um Gnade winselt. Und aus irgendeinem Grund befindet er sich zu guter Letzt nicht etwa vor den Füssen der Eltern, sondern vor dieser Iris, die ihn durchdringend ansieht. Und die packt seine linke Hand und lässt irgendwas um sein Gelenk schnappen. Zuerst denkt er, dass sie ihm Handschellen anlegt, doch es ist nur ein breiter Armreif, den er allerdings nie mehr los werden wird, da er keinen Schlüssel dazu hat.
"So, Ed... wir wissen wer du bist und wir würden dich jederzeit wiederfinden." Iris sieht ihn ernst an und reicht ihm dann eine Visitenkarte von AVALON. "Melde dich dort, dann kannst du mal was nützliches tun. Und wehe wenn uns zu Ohren kommt, dass du wieder irgendwas verbockt hast, dann bist du dran!" - "Okay..." erklärt Ed mit zitternder Stimme. "Und was ist mit ihm?" Er deutet auf Frank, der immer noch am Boden liegt. - "Vergiss ihn!" erklärt Iris und ihr Blick ist eiskalt, als sie für einen kurzen Moment ihre Sonnenbrille etwas lüpft, damit er in ihre Augen sehen kann. "Geh jetzt." - "Okay..." wiederholt Ed, steht auf und läuft wie in Trance davon.
"Und was machen wir jetzt mit dem?" Mulder tippt Frank verächtlich mit der Schuhspitze an, während er selbst noch kaum glauben kann, dass er diesen Ed einfach so hat gehen lassen. "Soll der etwa auch in so ein Rehabilitationsprogramm und dann lebenslang verpflichtet werden?" Er kann sich nicht vorstellen, dass dieser bösartige Kerl wirklich zu irgendwas taugen könnte... und er hätte nicht übel Lust, ihn wirklich einfach totzuschlagen. - "Überlasst ihn doch einfach mir..." schlägt Iris vor. - Mulder und Dana wechseln einen langen Blick. "Okay!" - "Dann geht jetzt!" flüstert Iris. "Geht wieder zu Will."
Mulder und Scully werfen noch einen letzten Blick auf den Mann am Boden und gehen.
Und danach schickt Iris auch Lindsey raus, damit er mit den Hunden draussen vor der Tür wartet... "Alexei, mach die Augen zu und dreh dich um!" verlangt sie dann auch noch. - "Was?" meint Alex irritiert und kann sich kaum vorstellen, was Iris denn so schlimmes vorhaben könnte, dass er es nicht sehen soll. Muss sie denn nach all den Jahren immer noch so geheimniskrämerisch sein? - "Glaub mir, es ist am besten so!" erklärt Iris bestimmt und es ist ihr verdammt ernst damit. "Und was auch immer du hörst... dreh dich nicht um!" - "Okay, wenn du meinst..." Schliesslich kann er ihr ja doch nichts abschlagen. Also dreht er sich in Richtung Tür und macht gehorsam die Augen zu.
Alex hört Iris eine Weile flüstern... dass Frank bösartig wäre und es immer und immer wieder tun würde, bis es ihm wohl nicht mehr genügen würde, seine Opfer wehrlos zurückzulassen und er auch anfangen würde zu töten; und dass sie das in diesem Fall nicht zulassen wird...
Von Frank hört er nach einer Weile nur ein unterdrücktes Wimmern und Stöhnen und in seinem Kopf formt sich sofort ein Bild, wie Iris dem Bastard gerade alles Blut aussaugt oder sowas in der Art. Andere Geräusche kommen hinzu, wie zersplitternde Knochen und als ob Fleisch zerrissen würde, doch Frank's ersticktes Schreien ist längst verstummt. Alex hört auch noch ein seltsames Summen und alles mögliche, aber womöglich spielt ihm nun schon seine Einbildung Streiche.
Als er plötzlich Iris' Hand auf seiner Schulter spürt, zuckt er zusammen, denn er hat ihre Schritte nicht gehört. Langsam dreht er sich um und erwartet fast, jetzt ein furchtbares Blutbad zu sehen, doch... nichts. Frank ist einfach verschwunden, als hätte er sich in Luft aufgelöst. "Was hast du mit ihm gemacht?" fragt er unwillkürlich, beisst sich jedoch schon kurz darauf auf die Zunge. Wenn sie wollte, dass er es wüsste, hätte sie ihn wohl nicht gebeten, nicht hinzusehen... - "Das willst du lieber nicht wissen!" erklärt sie mit sanfter Stimme und leckt sich kurz über die Lippen. "Gehen wir."
"Was hat sie mit ihm gemacht?" wispert Lin leise und hofft darauf, dass Iris, die nun mit den Hunden ein paar Meter weiter vorne spaziert, gerade zu abgelenkt ist, um zu lauschen. Alexei zuckt jedoch nur die Schultern. "Du musst doch was gesehen haben?" - "Nein!" flüstert Alex noch leiser. "Ich habe wegschauen müssen!" - "Hmmm..." Lin fragt sich, wie es kommt, dass Alexei diesbezüglich so gar nicht neugierig zu sein scheint. Doch dann überlegt er sich, dass er genau so die Augen schliessen würde, wenn Iris ihn ansehen und es von ihm verlangen würde. Verdammt nochmal, sie könnte einfach alles verlangen und würde es bekommen...
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[Zurück im Studentenwohnheim]
Als Iris, Alexei und Lindsey in Will's Zimmer ankommen, hat der schon all seine Sachen gepackt, denn er hat natürlich überhaupt keine Lust, noch länger hier zu bleiben.
Lindsey reicht Mulder seinen Autoschlüssel, damit der mit Dana und den Kindern in seinem Wagen nach Hause fahren kann - während der Anwalt nun zusammen mit den beiden Hunden in Iris' schwarzem Wagen mitfährt.
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"Ach... Iris hat also den Fall gewissermassen aufgeklärt..." - "So ungefähr." - "Und sich dann um den fiesen Kerl gekümmert? Was in aller Welt hat sie denn mit ihm gemacht?" - "Ich weiss nicht, Jaella." Na ja, so einen gewissen Verdacht hätte All'Una zwar schon, besonders da Iris ja sowieso Fieber hatte, aber das will sie gegenüber der Fürstin lieber gar nicht an die Grosse Glocke hängen, denn die traut ja Amayra-Hexen ohnehin schon alle Schandtaten zu.
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[AVALON-VILLA, AUSSERHALB VON WASHINGTON]
Will wacht wieder einmal keuchend und schweissgebadet aus seinem Alptraum auf. Er bemerkt, dass seine Hände zittern, und versucht möglichst ruhig und gleichmässig zu atmen, um die Panikattacke niederzukämpfen. Mein Gott, dabei ist noch nicht mal die Sonne untergegangen und er hat schon wieder den grössten Teil des Tages verschlafen... und diese verdammten Kopfschmerzen bringen ihn noch um! Er geht wieder mal unter die Dusche. Erst das dritte Mal heute, er macht langsam Fortschritte...
Wem versucht er eigentlich noch vorzumachen, es ginge ihm gut?! Schliesslich ist seine Familie nicht blind und sieht verdammt gut, dass es ihm nicht gut geht. Seit drei Wochen ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Er hat bislang noch nie genau erzählt, was sich an dem Abend in seiner Studentenbude abgespielt hat... Aber hey, er ist ja schliesslich von AVALON und FBI-Agenten umgeben, die alle Spuren sicher richtig zu deuten gewusst haben. Und Iris hat es bestimmt in seinen Augen gesehen... und er weiss, dass seine Schwester ebenfalls alles in seinen Augen gelesen hat, sie hat ihn schon immer durchschauen können.
Um die beiden Typen müsse man sich keine Sorgen mehr machen, hat Iris gesagt. Sehr gut. Er hat mitbekommen, dass der eine, der beim Klang des Handys panisch geworden und damit auch den anderen zur Flucht animiert hat, sowas wie Sozialdienst für AVALON leisten muss. Aber der andere, dieser verdammte fiese Kerl, der ihm fast das Genick gebrochen hätte, der ist spurlos verschwunden und niemand weiss, was mit ihm passiert ist. Hoffentlich hat Iris ihn hingerichtet, zerstückelt und seine Leiche mit Salzsäure aufgelöst oder sonst irgendwas gutes mit diesem verdammten Kerl gemacht, diesem verdammten, verdammten, verdammten... Verdammt, wo sind die Schmerztabletten?!
Wenigstens ist noch niemand auf die Idee gekommen, ihn zu einem Psychologen zu schicken oder sowas in der Art. Er darf wohl dankbar sein, dass Iris nicht nur eine Abneigung gegen Krankenhäuser hat, sondern auch die meisten Psychiater für ausgesprochene Quacksalber hält. Aber langsam hat er doch das Gefühl, dass er allein vielleicht gar nicht mehr aus dem dunklen Loch herausfindet, in das er sich selbst vergraben hat... Vielleicht kann ihm ja Ix helfen, schliesslich hat seine grosse Schwester bislang immer irgendwelche kluge Ratschläge parat gehabt, wenn ihn irgendwas bedrückt hat.
Ah... hier sind ja die Pillen! Er schluckt noch zwei Schmerztabletten mit einem Glas Wasser hinunter und legt sich wieder hin.
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"Seit dem Überfall hat Will keinen Malstift mehr in die Hand genommen... Seine ganze Lebensfreude ist zum Teufel." Er verkriecht sich offensichtlich die meiste Zeit in sein Zimmer und starrt die Wand an. Abgenommen hat er auch schon, weil er nicht mehr richtig isst. Die ersten paar Tage zuhause versuchte er noch, tapfer zu sein, doch dann ist er in Depression verfallen... "Verdammt, wir sollten doch irgendwas für ihn tun können?!" meint Lin, der sich ziemlich gut vorstellen kann, wie verdammt beschissen sich Will wohl fühlen muss. - "Warum habe ich nur das Gefühl, dass du mit *wir* eigentlich *mich* meinst?" erwidert Iris seufzend. "Ich würde ihm ja gerne helfen, doch er lässt mich ja nicht an sich ran. Noch nicht." - "Seit wann lässt du dich denn von sowas abhalten?" fragt Lin...
... während Alex sich daran erinnert, dass Iris damals vor so vielen Jahren, nach dem Überfall ja auch ihre Finger von Mulder gelassen hat, einfach weil der sie darum gebeten hatte. Aber Lindsey weiss natürlich nicht, dass die Geschichte damals mehr war als nur ein *Überfall*, bei dem Mulder's Haus abgefackelt wurde, denn das ist ein Geheimnis zwischen Mulder, Dana, Iris und Alexei. Wenn er es wüsste, könnte er manche Reaktionen von Mulder und Dana vielleicht etwas besser verstehen, doch in alles ist er eben auch nicht eingeweiht worden... Aber es gibt so viele Geheimnisse oder einfach Unausgesprochenes zwischen den Freunden des kleinen Verschwörerkreises, dass wohl einzig Iris noch den Überblick hat und alles weiss; und das wohl auch nur darum, weil sie Gedanken lesen kann.
"Irgendwann wird er schon wieder auf die Beine kommen!" erklärt Iris und wippt mit ihrem linken Fuss im Takt einer Melodie, die ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Sie starrt aus dem Fenster und betrachtet den Sonnenuntergang. "Verdammt nochmal, er ist schliesslich nicht tot! Hoffentlich hat er sich nicht irgendwelchen Unsinn zu Herzen genommen von wegen SCHICKSAL, SCHLIMMER ALS DER TOD, blah blah blah!" - "Iris!" Alex ist nun leicht aufgebracht. "Was verstehst du denn schon davon, schliesslich bist du nie..." Er unterbricht sich selbst und schaut beschämt zu Boden. Iris hat ja damals Mulder und Scully geradezu in Rekordzeit wieder auf die Beine gebracht... aber kann sie wirklich *verstehen*, was dann in einem Menschen vorgeht, denn immerhin kann man einer Amayra-Hexe ja eigentlich nicht wirklich ernsthaft was antun... Nur ungern denkt er beispielsweise daran zurück, dass der verdammte rauchende Bastard ihm selbst damals weitaus mehr angetan hatte, als ihn nur mal eben mit Elektroschocks zu foltern... und natürlich weiss sie davon, weil sie es in seinen Gedanken gelesen hat. So wie sie damals auch alles in Mulder's Gedanken gelesen hat. Klingt sie jetzt vielleicht so kaltschnäuzig, weil ihre Telepathischen Fähigkeiten durch das FIEBER etwas geschwächt sind und sie sich deshalb nicht so richtig in Will hineinfühlen kann, oder wie oder was... - "Ich bin nie *was*, hä?" schnauzt sie ihn an, obwohl sie natürlich genau weiss, was er sagen wollte. "Was weisst du schon!" schnaubt sie und schaut wieder demonstrativ zum Fenster raus.
Nun starrt Alex sie plötzlich entsetzt an und sieht sogar an ihrem Fensterglas-Spiegelbild, wie ihre Augen wieder mal gefährlich violett flackern. "Was willst du denn damit sagen?" - "Glaubst du eigentlich, ich bin schon als Amayra-Hexe auf die Welt gekommen?" - "Ich... äh..." stammelt er verwirrt. All die Jahre hat er sich immer so sehr bemüht, keine Fragen zu stellen... und jetzt fragt sie ihn mit zuckersüsser Stimme sowas! - "Ich war auch einst ein Mensch... vor langer Zeit. Ich wurde eines schönen Tages von ein paar Typen überfallen und umgebracht. Und durch meinen Tod wurde ich dank einer glücklichen Schicksalsfügung eine Amayra-Hexe... auch wenn ich mir bei Gott einen schöneren Tod gewünscht hätte!" - "Oh..." Er weiss nicht, was er dazu sagen soll... und auch Lindsey starrt sie nur sprachlos an.
Schliesslich geht Alex zu ihr rüber und sinkt vor ihrem Sessel auf die Knie, um sie zu umarmen. Er ist froh, dass sie seine Umarmung zulässt und ihm durch die Haare wuschelt; das bedeutet wohl, sie ist nicht böse auf ihn, weil er das Thema aufgebracht hat. Fast widerstrebend erkundigt er sich schliesslich leise: "Und mit *überfallen* meinst du..." - "Ja. Mit allem drum und dran." - "Oh mein Gott..." Alex merkt plötzlich, dass ihm Tränen die Wangen runterlaufen. Er ist geschockt darüber, dass jemals irgendwer seinem Engel sowas hatte antun können. Iris ist ihm immer so unantastbar erschienen, doch offenbar war sie in grauer Vorzeit auch nur ein Mensch, was er wirklich als ganz erstaunliche Entdeckung ansieht... - "Schon gut, Schätzchen. Das ist lange her..." Sie streichelt sein Gesicht und lässt ihre Finger wieder durch seine Haare gleiten, um ihn schliesslich näher ranzuziehen und ihm sanft die Tränen wegzuküssen.
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Mulder und Dana haben von ihrem Balkon aus auch den schönen Sonnenuntergang betrachtet und gehen nun rein, weil es doch etwas kühl wird, wenn die Sonne weg ist.
Natürlich sinnieren sie die meiste Zeit darüber nach, was sie nur mit Will tun sollen, wie man ihm am besten helfen kann... Ein paar Mal haben sie schon mit der Idee gespielt, ihm die Wahrheit über ihren eigenen *Überfall* damals zu erzählen, damit er sieht, dass sowas gewissermassen jedem passieren kann. Aber dann haben sie es doch lieber gelassen, denn schliesslich war es doch eine etwas andere Situation... und womöglich würde sich Will noch viel schlechter fühlen, wenn er erfährt, dass seine Eltern sich praktisch innerhalb einer Woche erholten, nachdem sie dabei ja sogar fast totgeprügelt worden waren... "Kaum zu glauben, dass das damals nur eine Woche war!" grübelt Dana nachdenklich. Eine Woche, in der sich Iris sogar als Hexe geoutet und wirklich allerhand gezaubert hatte... Allerdings will sie lieber gar nicht zuviel über Iris und ihre Talente nachdenken, denn immer wenn sie darüber zu grübeln beginnt, wie die Zauberhafte Hexe wohl dieses oder jenes gemacht hat, fangen sich ihre Gedanken an im Kreis zu drehen. Aber wie auch immer, nach dieser Woche gab es ja dann auch schon wieder andere Ablenkungen. Hmmm... Vielleicht wäre es gut, wenn Will auch ein paar Ablenkungen hätte.
Morgen wird das Quartett komplett sein, denn die Hexen-Feier zur Walpurgisnacht auf den 1. Mai werden sie sich nicht entgehen lassen. Vielleicht lenkt das ja Will ein wenig ab.
"Es tut mir richtig weh, wenn ich Will so sehe... wenn ich ihn überhaupt zu Gesicht bekomme..." seufzt Mulder, der nicht so recht weiss, wie er an seinen Sohn herankommen soll, wenn der sich einfach verkriecht. Sein Psychologie-Studium in Oxford kommt ihm plötzlich so verdammt sinnlos vor. Was nutzt es, wenn er zwar Profile von Serientätern erstellen, aber nicht mal seinem eigenen Sohn helfen kann? "Er will nicht mal mit Iris reden!" Dabei kommt ihm natürlich unwillkürlich in den Sinn, dass er selbst auch nicht immer mit Iris reden oder sich gar von ihr massieren lassen wollte... allerdings ist Will schliesslich im Gegensatz zu ihm schon mit der guten alten Tante Iris aufgewachsen und hat der Zauberhaften Hexe schon von klein an immer vertraut. Und sie war es auch, die ihn schon immer in seinen Künstlerischen Bemühungen ermutigt hat, egal wie krakelig seine Zeichnungen ganz am Anfang noch waren.
"Vielleicht sollten wir Iris einfach darum bitten, mit Will zu reden und ihn zu kurieren, ob er nun will oder nicht..." meint Dana - worauf Mulder sie etwas komisch anstarrt. "Und du denkst wirklich, sie würde es dann so einfach tun? Verstösst es nicht gegen irgendwelche Hexenregeln, jemanden gegen seinen Willen zum Glück zu zwingen oder sowas in der Art?" - "Ja, eigentlich schon... aber Will ist ja momentan wohl... äh... nicht ganz zurechnungsfähig. Und wenn wir sie darum bitten würden..." Irgendwie hat sie nie so richtig darüber nachgedacht, doch sie ahnt, dass man Iris um fast alles bitten könnte. "Aber vielleicht bringt es auch schon was, wenn er morgen seine Geschwister trifft. Irina hat schon immer grossen Einfluss auf ihn gehabt..." Und manchmal hat sie fast die Befürchtung, dass sich William gegenüber seiner genialen grossen Schwester womöglich ein klein wenig minderwertig vorkommen könnte.
Mulder nickt. Dann meint er plötzlich: "Auch bei uns hat es länger als eine Woche gedauert... oder zumindest bei mir." Er seufzt und denkt an seinen Gefühlswirrwarr damals zurück, wobei er sich gerne einbildet, dass er seit dieser Zeit damals oder spätestens nach Irina's Geburt nicht mehr so ein KOMPLEXHAUFEN ist, wie Iris ihn unverblümt genannt hatte. "Unsere Lage und unsere Verletzungen damals war vielleicht objektiv gesehen schlimmer als das, was Will passiert ist... aber wir waren ja gewissermassen Gewalt gewohnt, während er..." Er unterbricht sich selber. "Na ja, eigentlich kann man zwar nicht gerade behaupten, dass er wie in Watte verpackt aufgewachsen wäre." Bei all den Schauergeschichten von FBI oder AVALON... und trotzdem ist Will eben nie direkt am eigenen Leib mit brutaler Gewalt konfrontiert gewesen. Oder doch?! "Was war eigentlich mit seinem Handgelenk los?" fragt er dann, um sich wieder abzulenken. - "Er dachte wohl, es wäre gebrochen gewesen..." murmelt Dana. - "Und war es gebrochen?" - "Nein, jedenfalls deutet nichts darauf hin. Es sei denn, Iris hätte es fertig gebracht, auch einen Knochenbruch zu heilen, ohne die geringsten Verletzungsspuren zu hinterlassen..." - "Na ja, irgendwie würde ich ihr das glatt noch zutrauen." Er traut der Zauberhaften Hexe wirklich allerhand zu... doch er will jetzt lieber nicht über Iris und ihre Talente nachdenken, weil er dann sowieso immer nur Kopfschmerzen bekommt.
"Wo war ich stehen geblieben?" meint Mulder nach etwa einer Minute, als ihm einfällt, dass er doch noch ein paar Überlegungen anstellen wollte. "Ach ja. Nach dieser Woche war ich ja vielleicht wieder einigermassen fit und auf den Beinen... aber ich war noch immer ein seelisches Wrack." - "Du warst kein Seelisches Wrack!" korrigiert Dana. "Du hattest eigentlich nur ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität." - "Hmmm... so kann man es auch nennen." Hatte er nicht auch schon früher ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität gehabt? Vor dem legendären Strip-Poker hatte es jahrelang nur seine Porno-Sammlung, seine blühende Phantasie und seine rechte Hand gegeben, also wenn das nicht gestört war... "Und das, obwohl du bei mir gewesen bist und wir uns geliebt haben. Aber... ich konnte einfach nicht. Da war so eine Blockade, irgendwie... verdammt, ich kann es selbst heute noch nicht richtig erklären." Dana hat sich zu ihm gesetzt und wuschelt durch seine Haare, was sich sehr beruhigend anfühlt. "Wie muss sich jetzt erst Will fühlen?" Er seufzt kurz auf und legt seinen Kopf auf Dana's Schoss, die ihn weiterhin streichelt und ebenfalls seufzt. "Hat unser Junge eigentlich schon mal jemals ein Mädchen geküsst?" fragt er dann leise. Früher hat er sich keine grossen Sorgen darüber gemacht, dass Will immer schon etwas schüchtern war, aber jetzt...
"Nicht dass ich wüsste!" antwortet Dana. "Bislang hat er um fremde Mädchen immer einen grossen Bogen gemacht, soweit ich das mitbekommen habe. Allerdings... denkst du, er würde sowas ausgerechnet seinen Eltern auf die Nase binden? Wir sollten Ix fragen, die weiss das sicher eher." Sie seufzt schwer. "Er ist... war... ist noch unschuldig. Und dann sowas." Verdammt nochmal! Was auch immer Iris mit diesem Frank gemacht hat, es kann gar nicht schlimm genug gewesen sein... Für einen Moment reisst sie geistesabwesend geradezu an Mulder's Haaren, der kurz zusammenzuckt, doch sie streichelt nach einem "Sorry!" schnell weiter. - "Vielleicht will er jetzt nie... es gar nie erst versuchen..." sinniert er. "Womöglich traut er sich nie... weil er sich so verdammt mies fühlt. Irgendwie befürchte ich, dass er sich immer noch schuldig fühlt, weil er ihnen die Tür aufgemacht hat und sich nicht wehren konnte." Schuldkomplexe! Irgendwie scheint sich sowas sogar zu vererben... und dafür fühlt er sich wiederum schuldig. So wie Will sich vermutlich seitdem auch noch dafür schuldig fühlt, weil er sich meist weniger für Kampfsport interessiert hat als etwa seine grosse Schwester.
"Es braucht wohl Zeit..." überlegt Dana. "Wir können ja schlecht die dicke schwarze Voodoo-Kerze in seinem Zimmer anzünden und ein x-beliebiges Mädchen zu ihm reinschicken! Oder ihn betrunken machen und ihm dann noch Haschkekse anbieten oder sowas in der Art..." Wenn es nur so einfach wäre! Wobei dann allerdings immer noch die grosse Quizfrage bliebe, mit wem sie ihren Sohn wohl verkuppeln sollten...
"Mmmhmmm..." meint Mulder nur und geniesst es, von Dana weiter gekrault zu werden, während in seinem Kopf jetzt Voodoo-Kerzen und andere Magische Dinge mit der Wirkung von Aphrodisiaka herumspuken, die vielleicht irgendwie helfen könnten. Und die Frage, wer wohl zu seinem Sohn passen würde. Er erinnert sich auch an seine eigene Jugendzeit. Fox William Mulder war in seiner Jugend extrem schüchtern und schreckhaft. Erst als er von zu Hause wegging, taute er langsam auf... Doch William Charles Mulder hat ja schliesslich im Gegensatz zu ihm keine schlechte Jugend gehabt und v.a. auch keine kleine Schwester, die spurlos verschwunden ist... sondern eine grosse Schwester, die fast sowas wie eine Hexe ist. "Was ist eigentlich mit Ix?" fragt er plötzlich.
"Was soll mit Irina sein?" fragt Dana etwas irritiert - worauf Mulder zu ihr hochsieht. "Na ja... hat Ix eigentlich schon mal..." Oh Gott, wie hört er sich eigentlich an? - Dana muss lachen. "Himmel, Fox, fragst du etwa gerade, ob unsere Tochter noch Jungfrau ist?" Sie grinst breit. "Hey, sie ist mittlerweile 19 Jahre alt und schon längst kein kleines Mädchen mehr!" - "Ja, aber..." Er hat noch nie gesehen, dass die stolze Irina Samantha Mulder sich mit Jungs abgegeben hätte. Zumindest hat sie ihm nie einen Jungen vorgestellt oder sowas in der Art. "Hat sie etwa einen Freund?" - "Sie hat viele Freunde..." meint Dana lächelnd - worauf Mulder etwas komisch guckt. "Und was soll das jetzt heissen?" - "Das soll nur heissen, dass unsere Tochter zwar gerne Spass hat, aber keine Feste Beziehung möchte. Und nun schau nicht so entgeistert, Schatz! Sie betrachtet sich als Hexe und du weisst doch, was sie von Monotheistischen Grossreligionen oder Monokulturen oder Monogamie hält... das weisst du doch!" Dana muss daran denken, dass sie sich selbst auch nur langsam daran hat gewöhnen können. Sie trägt immer noch ihr Kreuz um den Hals, doch das ist inzwischen grösstenteils nur noch aus nostalgischen Gründen.
"Ja, schon..." seufzt Mulder und kommt sich plötzlich steinalt vor. Wann sind seine Kinder eigentlich erwachsen geworden? Irgendwie hat er das Gefühl, dass sie ständig grösser geworden sind oder wieder Tausend Sachen gelernt haben, sobald er ihnen nur mal kurz den Rücken zugekehrt hat und sich dann wieder nach ihnen umdreht. Na ja, so ganz richtig ist das noch nicht. Irina mag ja inzwischen erwachsen sein, doch Will ist es noch nicht. Diesen Juni wird er 18 Jahre alt, doch das allein sagt noch gar nichts. Er ist noch ein Kind, verdammt! "Wir hätten ihn nie auf diese Schule schicken dürfen..." murmelt er und macht sich wieder mal selbst Vorwürfe. - "Es hat doch niemand ahnen können, dass sowas passiert!"
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Kerzengerade setzt sich Iris plötzlich auf und verdreht mit einem leisen Stöhnen die Augen - worauf sie von Alexei und Lindsey etwas verschlafen angestarrt wird, denn die waren schon beinahe weggedöst. "Was ist denn?" erkundigt sich Alex vorsichtig und beobachtet etwas beunruhigt das blau-violette Flackern in ihren Augen. - "Kopfschmerzen." - "Du hast Kopfschmerzen?!" Nun klingt Alex regelrecht entsetzt und schon fast panisch. - "Nein, Will hat Kopfschmerzen!" präzisiert Iris, fasst sich dabei aber an ihren eigenen Kopf. "Jetzt reicht's wirklich!" Sie tastet nach ihren blauen Kontaktlinsen auf dem Nachttischchen und setzt sie ein, danach steht sie auf.
Alexei und Lindsey sind inzwischen ebenfalls aus dem Bett und in ihre Klamotten gesprungen... und so machen sich dann alle drei auf den Weg zu Will's Zimmer, das gleich neben dem Doppelzimmer seiner Eltern im dritten Stock liegt.
"Will, mach auf!" ruft Iris laut. "Schliess die verdammte Tür auf!" Sie wirft Alexei einen auffordernden Blick zu - der sich daraufhin sofort daran macht, das Schloss mit Hilfe seines fast allgegenwärtigen Taschenmessers zu knacken. Da es ja ein altes Haus und noch alte Schlösser sind, ist das kein Problem.
Inzwischen sind auch Mulder und Dana aus ihrem Zimmer gekommen. "Was ist los?" meint Dana erschrocken, gerade als Alexei die Tür aufmacht.
Will liegt bewusstlos im Bett. Im harten Licht der angeknipsten Deckenleuchte wirkt er unnatürlich bleich - und Dana wird blass, als sie das leere Fläschchen mit den starken Schmerzmitteln bemerkt. Oh mein Gott, wollte er sich etwa umbringen?!
"Keine Sorge, er hat nicht alle auf einmal geschluckt!" meint Iris und hebt kurz Will's Augenlid an, um in seine Pupillen zu sehen. "Er leidet an höllischen Kopfschmerzen. Und ich hab's erst heute gemerkt, verdammt nochmal... Die Schmerzmittel haben aufgehört zu wirken und er ist zu schwach, um länger abzublocken." Sie macht Mulder ein Zeichen - der daraufhin seinen Sohn aufhebt, um ihn runter zu tragen in die sogenannte Praxis.
Dort in der Praxis angekommen ist Dana noch etwas zimperlich, doch schliesslich weckt Iris den Jungen dann mit ein paar gezielten Ohrfeigen auf - worauf er jämmerlich zu stöhnen beginnt, denn er kann einfach nicht mehr so tun, als wäre alles in Ordnung, wo doch überhaupt gar nichts mehr in Ordnung ist.
Während nun Dana und Mulder an der Seite ihre Sohnes sind und beruhigend auf ihn einflüstern...
... wendet sich Iris mit leiser verschwörerischer Stimme an Lindsey: "Wärst du so ein Schatz und machst Kaffee? Ich schätze, das wird eine lange Nacht..." - "Klar, Iris!" Lin kommt sich hier sowieso wie das berühmte fünfte Rad am Wagen vor...
... denn obwohl er ja irgendwie gewissermassen auch zur grossen Familie des Verschwörerkreises gehört, hat er doch im Grunde mit internen Mulder-Scully-Familienangelegenheiten nichts zu schaffen (ebenso wenig mit internen Skinner-Scully-Familienangelegenheiten oder Dogget-Reyes-Angelegenheiten)... aber Iris seltsamerweise schon, weil die Zauberhafte Hexe ja irgendwie mit allem was zu tun hat.
Doch Lin ist ja nur der Anwalt. Na ja, er ist schon mehr als nur irgendein Anwalt in irgendeiner Kanzlei, er ist der Erste Anwalt von AVALON! Die übrigen Anwälte, mit denen die Stiftung kreuz und quer über die ganze Welt verstreut zusammenarbeitet, wissen wohl höchstens die in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Tatsache, dass Iris AVALON gegründet und Alexander Sinclair zum Stiftungsratsvorsitzenden ernannt hat, aber man hat ihnen wohl kaum auf die Nase gebunden, dass Iris eine Hexe ist. Lindsey McDonald ist aber inzwischen nicht nur als Juristischer Berater von AVALON geachtet... er gehört schliesslich auch zum kleinen exklusiven Verschwörerkreis und ist mit Iris und Alexei gewissermassen auch offiziell befreundet. Freunde! Gute Freunde. Denn schliesslich würden die wohl nicht jeden dahergelaufenen Anwalt mitnehmen, wenn sie mal wieder lange Reisen machen oder sowas in der Art... und er liebt diese Reisen! Denn da wo sie eh niemand kennt, können Alexei und er auch einfach mal zusammen rumziehen und sich vielleicht sogar mal unbeobachtet in aller Öffentlichkeit ein Küsschen geben, was sie vor den Augen ihrer Freunde niemals tun würden. Doch im Laufe der Zeit hat sich Lin auch an diese Heimlichkeiten gewöhnt und findet es manchmal sogar ganz lustig, wie fast schon krampfhaft niemand ein Wort darüber verliert, dass er beispielsweise hier in der Villa ständig im Zimmer seiner Chefs schläft. Vermutlich denken einige sogar immer noch, er wäre einfach nur einer von Iris' Liebhabern und Alexei hätte da wohl nur nichts dagegen, weil er ja sooo tolerant ist. Lin kann damit leben, dass Alexei in der Öffentlichkeit immer nur Iris küsst und ihr sagt, dass er sie liebt... na ja, Alexei gelingt dieses Doppelspiel scheinbar so mühelos, dass er sich manchmal schon fast fragt, ob der überhaupt jemals etwas für ihn empfunden hat oder ihn nur als netten Zeitvertreib ansieht. Doch spätestens wenn sie mal wieder alleine sind, werden Lin's Zweifel dann wieder zerstreut...
... und als er nun mit einer Thermoskanne heissen Kaffe wieder in die Praxis kommt, bei der es sowohl für Westliche Schulmedizin (natürlich Dana's Spezialgebiet) als auch für Fernöstliche und sonstige Medizin Platz hat - und nicht zuletzt auch für HOKUSPOKUS - empfängt ihn Alexei mit einem dankbaren Lächeln und nimmt gerne einen Schluck von dem starken Kaffee, den Lindsey bei den Sinclairs zu kochen gelernt hat.
"Dana, ich glaube nicht, dass diese Schmerzen nur psychosomatisch sind!" erklärt gerade Iris mit sanfter Stimme, während sie ihre Hand auf Will's Stirn gelegt hat und langsam über seinen Kopf gleiten lässt, bis ihre Finger schliesslich an seinem Nacken liegen bleiben. Sie sieht Will in die feuchten Augen. "Er hielt dich von hinten gepackt und hat dabei deinen Kopf nach hinten gerissen... Du hast schon befürchtet, dass er dir das Genick bricht..." murmelt sie und klingt leicht geistesabwesend. "Dein Atlaswirbel ist etwas verschoben..." Dass dazu noch seine Nerven 'gereizt' sind wie nach einem Schleudertrauma, verkneift sie sich gerade noch herauszuposaunen, weil sonst Dana womöglich auf die Idee kommt, ihn doch noch in ein Krankenhaus zu schleppen und dort alle möglichen Untersuchungen mit ihm anzustellen. "Ich kann es wieder einrenken." - "Dann tu das bitte!" meint Dana schnell und alle nicken.
Bei schummrigem Kerzenlicht (Iris hat gesagt, bei künstlicher Beleuchtung könne sie keine guten Massagen geben) liegt Will nun noch ein wenig verkrampft auf der Massageliege, auf dem Bauch, und er zögert, als Iris ihm seine Boxershorts ausziehen will. Doch dann hebt er schicksalsergeben seine Hüften und lässt sich die Unterhosen doch auch noch abstreifen, so dass er nun ganz nackt daliegt. Allerdings wird sogleich eine Decke über ihn gelegt, solange noch keine Massage läuft, und das ist ihm ganz recht, denn er weiss selbst, dass er wohl irgendwie ziemlich ausgemergelt aussieht, weil er die letzten drei Wochen kaum was gegessen hat und dabei auch kaum auf irgendwelche Fettreserven zurückgreifen konnte. Er schämt sich ein Bisschen, obwohl es darauf mittlerweile wohl auch nicht mehr ankommt vor lauter Scham und Schande, was ständig in seinem Hirn rumspukt. Aber seine Eltern sind hier und werden ihn beschützen, soweit es in ihrer Macht steht. Tante Iris ist hier und kann ihm helfen, diese grässlichen Kopfschmerzen loszuwerden. Er ist hier bei AVALON im Kreise der Familie eingebettet in Liebe und Geborgenheit... und er entspannt sich endlich ein wenig.
Nachdem sie erst mal eine grosse Tasse Kaffee geschlürft hat, zückt Iris ihr Pfefferminz-Massageöl und macht sich als erstes an seinen Füssen zu schaffen. Sie verpasst ihm eine nette Fussreflexzonenmassage, die ihm manches wohlige Seufzen entlockt. Danach massiert sie langsam und gründlich weiter die Knöchel und die Beine hoch. Als sie bei seinem Hintern angelangt ist, verspannt er sich unwillkürlich wieder etwas, doch sie massiert einfach weiter seinen Rücken hoch und auch über seine Arme bis zu seinen Fingerspitzen. Sie streicht dann lange über seinen Körper vom Nacken bis zu seinen Füssen und nun zuckt er endlich nicht mehr zusammen, sondern ist total entspannt. Jetzt kümmert sie sich intensiver um Nacken und Hals und sie streicht mit ihren Fingern bis in seine Haare rein. Irgendwie spürt er ein leichtes Kribbeln im Genick, als würden seine so lange verspannten Nerven dort plötzlich Samba tanzen. Und gerade als er fast schon einschlafen ist, weil die ganze Massiererei einfach so schön beruhigt... macht Iris mit seinem Kopf plötzlich eine schnelle Bewegung. "Sooo!" meint sie dann lächelnd. "Es ist wieder eingerenkt."
Sie deckt ihn etwas mehr zu und streichelt ihn noch ein wenig weiter - während er nun tief durchatmet. "Die Schmerzen sind weg!" Er klingt fast ein wenig ungläubig und beinahe fängt er vor Erleichterung schon wieder an zu weinen. Er richtet sich schliesslich etwas auf, um sich zu Iris umzudrehen und sie fest zu umarmen. "Danke!" schluchzt er an ihre Schulter gelehnt und kommt sich wieder vor wie sechs, als sie damals sein gebrochenes Bein gerichtet und ihn hinterher getröstet hat. - "Schon gut, Schätzchen!" meint Iris, die vom stundenlangen Massieren schon langsam ganz lahme Arme hat. "Alles in Ordnung... Hunger?" - Nun muss Will auf einmal kichern. Er wischt sich eine Träne aus den Augen und meint dann lächelnd: "Aber Iris, es ist mitten in der Nacht!"
"Aber das macht doch nichts!" Alex springt von seinem Stuhl auf, denn an Schlaf kann er jetzt vorläufig ohnehin noch nicht denken. "Auf was hast du denn Appetit?" - "Ach, also ein Sandwich oder sowas würde schon reichen..." - "Okay... Wer noch?" fragt Alex in die Runde und interpretiert das Geräusper von Iris, Dana und Mulder mal als ja - und Lindsey, der bislang nur für den Kaffee-Nachschub zuständig war, springt ebenfalls auf die Füsse. "Ich helfe dir in der Küche!"
Eine Viertelstunde später sitzen sie alle in der Stube und greifen herzhaft zu, denn Alexei und Lindsey haben auf die Schnelle wirklich was Leckeres zusammengetragen.
Irgendwann kommen sie zum Schluss, dass sie wohl lieber noch etwas schlafen sollten, bevor dann im Laufe des Tages der Rest der Familie auch noch eintrudelt und danach wieder die ganze Nacht durchgefeiert wird.
*
"Müde?" fragt Alex, obwohl selbst ein Blinder mit dem Krückstock sehen kann, dass Iris total erschöpft ist. Ein paar Schweissperlen glänzen auf ihrer Stirn. Aber eigentlich hat er ja nicht gefragt, ob sie wirklich müde ist, sondern ob sie zu müde ist, die Treppe zum Schlafzimmer hoch zu laufen. Sie grummelt nur irgendwas unverständliches und nickt mit halbgeschlossenen Lidern, also hebt er sie schliesslich einfach hoch und trägt sie.
Lin kann sich nicht helfen, irgendwie findet er das immer total romantisch...
... und am liebsten würde er sich Alexei dann immer sofort an den Hals werfen, als wäre der ein Held in strahlender Rüstung. Na ja und hin und wieder kommt ihm der Gedanke, dass er womöglich ziemlich krank im Kopf sein muss, dass er in einer solchen Dreierbeziehung sogar noch glücklich ist. Aber da ist er doch lieber abartig und glücklich als normal und unglücklich... Iris hat ihm ziemlich am Anfang sogar mal den Vorschlag gemacht, dass sie ihm durchaus eine passende Frau suchen könnte, so dass er auch eine eigene Familie hätte und Kinder und was alles so dazugehört, wenn er wollte. Allerdings wäre ihm sowas wirklich komisch vorgekommen. Und ausserdem entdeckte er bei Alexei damals diesen niedlichen leisen Anflug von Eifersucht, was ihn ungemein freute, auch wenn er dank seiner grossen Klappe dann mit einem versohlten Hintern dafür bezahlen musste... Nein, er kann sich nicht vorstellen, Alexei zu verlassen und irgendwo anders ein neues Leben anzufangen; das stand in den letzten 18 Jahren niemals ernsthaft zur Debatte und wird es auch in Zukunft nicht... Obwohl Iris ihn sicher gehen lassen würde, wenn er es wirklich wollte. Immerhin ist sie nicht so wie die von WOLFRAM & HART es waren... als es diese Firma noch gab. Bevor Padmara das Gebäude vor einem Jahr in die Luft gesprengt hat, weil sich wohl irgendwie die Senior-Partner mit ihr angelegt hatten oder sowas in der Art. Na ja, Iris blieb mit ihren Schilderungen eher vage, doch Lindsey McDonald lag das inzwischen sowieso schon so fern, dass sie genauso gut eine Geschichte über den Untergang des Römischen Reiches hätte erzählen können... Aber auch ganz abgesehen von Alexei glaubt er kaum, dass er es jemals fertig bringen würde, AVALON oder besser gesagt Iris zu verlassen, denn natürlich ist auch er längst süchtig nach ihren Küssen bzw. Bissen und duftet mittlerweile schon selbst etwas nach Vanille bzw. nach Iris' Pheromonen oder was auch immer es ist, das manche Leute in ihrer Gegenwart fast den Verstand verlieren lässt. Wenn er in den Spiegel sieht, schaut ihm immer noch ein jugendliches Gesicht entgegen. Wenn er nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, wie die Kinder grösser und schliesslich erwachsen geworden sind, würde er wohl manchmal fast glauben, dass es erst ein paar Monate her ist, dass ihm jemand eine Visitenkarte von AVALON zugesteckt hat.
"Du siehst wirklich müde aus... war es so anstrengend?" flüstert Alex, nachdem er Iris aufs Bett gelegt hat. - "Ach... die Heilmassage an sich wäre ja noch gegangen..." murmelt sie und macht ihre blauen Kontaktlinsen wieder raus. "Aber ich hab mich dabei so zurückhalten müssen, bloss keine Signale zu senden, dass ich jetzt ganz verspannt bin..." - "Signale?" Einen kurzen Augenblick ist Lindsey irritiert, der sich natürlich ebenfalls wieder aufs Bett gelegt hat, doch dann fällt der Groschen, als ihm klar wird, dass Iris' Massagen für gewöhnlich immer so erotisch antörnend sind, dass es in einer wilden Orgie endet; zumindest ist das so, seit sie im Fieber ja ständig als wandelnder Liebeszauber rumspaziert. Es muss wirklich gewaltige Selbstbeherrschung sein, diesen Impuls zu unterdrücken, so ungefähr als würde ein Mensch versuchen, möglichst lang die Luft anzuhalten und einfach ne Weile nicht zu atmen. "Ach sooo..." Er hat sich schon so daran gewöhnt, dass Iris wirklich in jeder Beziehung *heiss* ist, wenn sie fiebrig ist, dass ihm das schon fast nicht mehr auffällt. "Na ja, vielleicht wäre sowas aber ja genau das richtige für den Jungen?" meint er dann plötzlich - doch Alex verpasst ihm dafür einen Klaps. "Bist du irre? Iris hat den Jungen auf die Welt geholt, das wäre ja nun wirklich pervers!" - "Reg dich ab! Ich sage ja nicht, dass sie eine Affaire mit ihm anfangen soll! Aber vielleicht wäre es ganz gut, wenn der Junge eine Affaire hätte... und sie könnte ihn ja einfach verkuppeln. Ihm gewissermassen einen Schubs in die richtige Richtung geben." - "Hmmm... ja, das wäre vielleicht nicht schlecht." stimmt Alex nun zu. - "Na ihr seid vielleicht Herzchen!" grinst Iris. "Und mit wem soll ich ihn denn verkuppeln, hä? Warten wir doch erst mal ab..." Irgendwie hat sie so das Gefühl, dass der gute Will vorläufig lieber nicht verkuppelt werden will... er weiss ja selbst noch nicht, was er eigentlich will!
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"Iris hat diesem Will also geholfen, damit fertig zu werden... Kam sowas denn noch öfter vor, ich meine so allgemein?" - "Sexueller Missbrauch und Vergewaltigungen gehörten leider zur Tagesordnung... allerdings war es zu der Zeit, als Will Opfer wurde, schon nicht mehr so schlimm wie noch zwanzig Jahre vorher..." erklärt All'Una schulterzuckend - und die Fürstin runzelt für einen Augenblick ihre hübsche Stirn, als sie wieder mal darüber nachdenkt, wie barbarisch doch die meisten Menschen sind, und zwar oft ganz besonders diejenigen, die sich für ach so kulturell hochstehend halten...
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Iris hat zur Feier des Tages - oder besser gesagt, zur Feier der Walpurgisnacht - im Garten ein Beltane-Feuer angezündet und macht ihre Freunde wieder mal mit anzüglichem Lächeln darauf aufmerksam, dass in der guten alten Zeit dieses Fest gerne mit wilden Orgien gefeiert wurde von wegen Fruchtbarkeit blablabla etc.pp.
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Ix liebt dieses Fest besonders, auch wenn sie niemanden dabei hat, mit dem sie heute wirklich eine wilde Orgie feiern könnte, denn lieber verschiebt sie die Orgie dann auf einen anderen Termin, als dass sie daheim einen ihrer Liebhaber vorführen würde. Wobei... da drüben bei den Gästen steht ein Mann, der höchst interessant aussieht. Na den sollte sie direkt mal näher kennen lernen...
Und als der sich dann als Methos vorstellt, schaut sie ihn nur einen Moment schräg an und vergewissert sich: "Ach... *der* Methos?!" Darum ist wohl Cassandra dieses Mal nicht gekommen, wenn er wirklich der ist, für den sie ihn hält. "Dann bist du wohl ein *alter* Bekannter von Iris?" Der Mann lächelt verschwörerisch, alles klar... "Cool!" meint sie nur. "Ich habe ein Faible für ältere Männer..." Sie blinzelt und sieht dann auffordernd zum Beltane-Feuer rüber.
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"Sag mal, bilde ich mir das ein oder hat unsere Tochter gerade einen Mann angebaggert?" flüstert Mulder und beobachtet verblüfft, wie Irina mit diesem coolen Typen, der heute Abend auch noch angereist ist, Hand in Hand übers Feuer springt. Und er weiss noch nicht mal, wie der Typ heisst! Könnte ja sonstwas für ein Psychopath sein! Vielleicht auch einer von den Irren, die sich für Vampire und Werwölfe und sonstwas halten... - "Na und, warum nicht?" Dana grinst breit und macht sich keine Sorgen, denn immerhin ist Irina ist schliesslich nicht nur aufgeklärt, sondern studiert unter anderem auch Medizin. Sie weiss alles über Verhütung, sowohl von Krankheiten wie auch von unerwünschten Schwangerschaften.
Zum Glück ist Will bei dem Überfall keine Krankheit angehängt worden! geht es Dana dabei wieder unwillkürlich durch den Sinn. Inzwischen ist die Technik fortgeschritten, denn man braucht nicht mehr mehrere Wochen zu warten, um irgendwelche Viren bzw. Antikörper festzustellen.
Will sitzt nur ein paar Meter entfernt im Gras und starrt Richtung Feuer. Immerhin hat er was gegessen, hat mit seinen Geschwistern rumgealbert und sich heute sogar schon mit anderen Leuten unterhalten, anstatt sich irgendwo zu verkriechen. Gerade jetzt setzen sich Max und Lex zu ihm und wollen ihn offenbar überreden, zusammen mit ihnen über das Feuer zu springen.
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"Ach, nun komm schon, Will! Du bist doch früher auch schon übers Feuer gesprungen!" Max knufft ihn sachte in die Seite - und Lex nimmt einfach seine Hand und zieht ihn hoch. "Na los!"
Zu dritt springen sie schliesslich über das Feuer, Lex in der Mitte. Sie lacht aufgekratzt und ist froh, dass Will heute etwas bessere Laune hat, als sie zunächst befürchtete...
... und sie hat durchaus gesehen, dass sich Ix mit ihrem neuen Freund tatsächlich irgendwo hinter die Büsche verzogen hat. Irgendwann wird sie sowas auch mal tun... und nicht nur ständig bei ihren Brüdern rumhängen, wenn eigentlich wilde Orgien gefeiert werden müssten. Allerdings wüsste sie nicht, mit wem sie wilde Orgien feiern sollte, denn Jungs in ihrem Alter sind ja alle sooo blöd! Vielleicht sollte sie es so wie Ix machen, die hat sich angeblich für ihr Erstes Mal einen Vampir angelacht. Und wenn's nicht gut gewesen wäre, hätte sie ihn ja immer noch pfählen können... hat sie jedenfalls behauptet und Lex würde ihr das durchaus zutrauen. Vielleicht sollte sie sich ja auch einen Vampir anlachen, so einen von der netten Sorte natürlich, der im Laufe der Jahrhunderte bestimmt ne Menge toller Sachen gelernt hat...
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Argon trifft höchst selten auf einen Menschen, der älter ist, als er selbst... und es ist lange her, dass er Methos das letzte Mal gesehen hat. Aber Iris bringt es ja immer wieder fertig, dass die verschiedensten Leute miteinander auskommen oder gar zusammenarbeiten. Wie auch immer, es ist ihm nicht entgangen, dass der Typ doch glatt mit Ix übers Feuer gesprungen und dann in den Büschen verschwunden ist. Eigentlich würde er auch gerne mal mit Ix übers Feuer springen und in den Büschen verschwinden... obwohl er vielleicht warten sollte, bis Lex soweit ist. Wenn er mit Lex übers Feuer springt und in den Büschen verschwindet, wird das noch besser sein. Und Methos und alle anderen können ihm dann mal den Buckel runterrutschen...
"Na, wollen wir mal?" grinst er zu seiner liebsten weil einzigsten Amayra-Hexe weit und breit und deutet mit vielsagendem Blick auf das Feuer. "Komm schon, Mi'Amore! Oder soll ich etwa Pad'M'Ara fragen?" - "Padmara ist nicht hier." - "Ich weiss. Aber du, Mon'Amour!" Er setzt einen möglichst treuherzigen Dackelblick auf und hofft, dass sie heute fiebrig genug ist, um mal wieder mit ihm in den Büschen zu verschwinden. - "Na schön!" seufzt sie - und wird auch schon im nächsten Augenblick von Argon mitgezerrt.
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Zu Argon's Leidwesen gefällt jedoch Iris nun das Feuer so gut, dass sie voll aufdreht und reihum alle Männer und auch Frauen anmacht, um auch mit ihr übers Feuer zu springen. Sie bringt auch die Idee auf, dass sie ja nachher noch alle über die glühenden Kohlen laufen könnten...
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"Ist sie betrunken? Oder was hat sie wieder genommen, dass sie so high ist?!" flüstert John, der sich gerade noch retten konnte, bevor Iris ihn ein zweites Mal geschnappt hätte. Seine Frau scheint das sehr lustig zu finden, denn sie fängt an zu kichern. "Hey, Mon, geht's dir gut?" fragt er besorgt. "Hat Iris etwa wieder Haschkekse gebacken?!" - "Ach, Unsinn!" protestiert Mon, die sich schon lange nicht mehr so amüsiert hat. "Nun entspann dich doch mal, John!" Sie sieht ihn aus grossen Augen an. "Spürst du nicht den Zauber dieser Nacht?" - "Äh..." Na schön, er ist jetzt schliesslich lange genug mit ihr zusammen, dass er weiss, wie sehr sie auf irgendwelche 'Zaubereien' steht. Aber sie hat heute auch nicht noch bis Feierabend über Akten gebrütet und sich mit irgendwelchen Deppen über FBI-Verwaltungskram streiten müssen. Eigentlich will er nur noch schlafen... doch er weiss, was Mon sagen würde: Schlafen kann er auch morgen noch! - "Na los, spring mit mir übers Feuer... und dann gehen wir hinter die Büsche!" - Oh, welch verlockendes Angebot! Aber... "Hinter die Büsche?!" - "Na schön, wir können auch in unser Zimmer gehen, wenn dir ein Bett lieber ist..." murmelt sie und knabbert an seinem Ohrläppchen. - Er zieht scharf die Luft ein. "Na schön, überredet!"
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Alex ist es endlich gelungen, Iris wieder einzufangen und sie auf eine Picknickdecke im Gras zu setzen, nur drei Meter vom Feuer entfernt, hoffentlich nah genug, um sie versöhnlich zu stimmen. Und während er seine völlig verrückte süsse Hexe nun wieder zu beruhigen versucht, kann er beobachten, wie die anderen nun endlich anfangen rumzuknutschen oder händchenhaltend mit verschwörerischem leisen Kichern irgendwohin verschwinden. Eine Runde Iris-Fieber-Liebeszauber und alle sind hin und weg...
"Nein, du bleibst jetzt hier!" meint er und hält sie zurück, als sie schon wieder wegspazieren will. Er verflucht im Stillen Argon dafür, dass sie jetzt so aufgedreht ist und damit unberechenbar; und das, während ihre Freunde hier sind und zuschauen! Schweissperlen auf ihrer Stirn. Und ihre Augen glänzen jetzt im Mondlicht vom Fieber ganz dunkel, blaue Kontaktlinsen hin oder her. Auch wenn sie Fieber hat und momentan nicht mehr weiss, wo oben und unten ist, könnte sie ihn immer noch mit Leichtigkeit durch die Luft schleudern, wenn ihr was nicht passt, also besänftigt er sie mit einem Kuss. "Komm, Süsse, bleib hier bei mir... lass doch die anderen..." murmelt er leise und küsst sie nochmal - worauf sie sich nun kichernd auf ihn stürzt und ihn abknutscht.
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"Naaa... auf einmal so alleine?" ertönt Argon's leise Stimme plötzlich hinter Lindsey - worauf er gleich eine Gänsehaut kriegt, wie immer in Gegenwart dieses Dämons, der sich nun einfach neben ihn setzt. Was in aller Welt will er von ihm, wo er ihn doch nach dem ersten Zusammentreffen damals nur noch geflissentlich ignoriert hat und bestenfalls so akzeptiert hat, wie er auch die Hunde und Katzen und all die anderen Tiere akzeptiert, die Iris in all den Jahren schon aufgelesen und teilweise auch selbst behalten hat... "Was willst du von mir, Argon?" fragt Lin möglichst unfreundlich, während er zusieht, wie Alexei nun Iris zu beruhigen versucht und kurz darauf schon unter ihr liegt. - "Inzwischen riechst du schon fast wie er..." murmelt Argon und schnuppert demonstrativ an Lindsey rum. "Süüüssssss... Iris' Duft geht einem durch Mark und Bein..." - "Lass das!" Lin rutscht einen Meter weiter auf der Festbank, auf der ausser ihnen inzwischen niemand mehr sitzt, und versucht seine aufkeimende Erregung zu ignorieren. Ja, es ist eine laue Nacht, ein Beltane-Feuer brennt, Iris hat Fieber... er müsste tot sein, wenn er heute keine Erregung verspüren würde! Aber nicht vor diesem Dämon! - "Wenn du mir einen guten Blowjob machst, dann fick ich dich zur Belohnung lange, hart und gründlich, dass dir hören und sehen vergeht..." flüstert Argon mit rauchiger Stimme. - "Was?!" Lin glaubt, er hätte sich verhört, doch bei Argon's dreckigem Grinsen könnte der ihm tatsächlich gerade so ein unmoralisches Angebot gemacht haben. "Du bist ja vollkommen verrückt!" - "Ja, das sagt Iris auch immer... dabei ist doch sie die Gestörte, aber egal... Na, wie wär's?!"
Statt noch lange nach einer passenden Erwiderung zu suchen, steht Lin lieber auf und geht. Irgendwie befürchtet er fast, wenn er noch ein paar Sekunden länger mit dem geilen Dämon zusammen ist, könnte er womöglich sogar noch auf das Angebot eingehen... verdammt, irgendwie ist er so heiss, dass er es wohl selbst mit einer Gummipuppe treiben würde. Aber nicht mit Argon. Mit jedem, aber nicht mit Argon! Für diesen Dämon ist Alexei kaum mehr als Iris' Sexspielzeug, wie ein Haustier eben, und damit ist er selbst in Argon's Augen doch gewissermassen sowas wie der Kauknochen von Iris' Schosshündchen. Und jetzt will Argon auch noch selbst auf dem Spielzeugknochen rumkauen? Niemals! Nicht Argon! Verdammt, er muss wirklich schleunigst weg von dem Kerl mit dem brennenden Blick...
... lieber sieht er aus nächster Nähe zu, wie Iris und Alexei rumknutschen.
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Kaum hat Lindsey sich zu ihnen gesetzt, packt Iris ihn auch schon am Hals und zieht ihn näher ran, um ihm ebenfalls einen Kuss zu geben. "Hat er dich genervt?" fragt sie ihn und klingt für einen Moment richtig klar. - Wow, trotz des Fiebers scheint sie ja alles mit Argusaugen zu beobachten, das ist echt beeindruckend... "Argon? Es geht so... Er ist spitz wie Nachbars Lumpi..." platzt es aus Lin raus - worauf sie lacht... und dann flink wie ein Wiesel aufspringt und schon weg ist, noch bevor Alexei sie schon wieder aufhalten kann.
"Na super!" stöhnt Alex und sieht sich nach ihr um, was sie wohl wieder anstellt... doch da sitzt sie auch schon auf Argon's Schoss und verpasst ihm spielerische Klapse, die jedoch einem Ochsen das Genick brechen könnten... Na zumindest kommt Argon mit ihr klar. - "Die beiden verstehen sich gut... auch wenn sie sich gegenseitig für verrückt halten!" meint Lin schulterzuckend. "Sorry, ich wollte euch nicht stören, aber ich hab nicht so recht gewusst, wo ich sonst hin sollte..." - "Na bei mir bist du doch immer goldrichtig!" grinst Alex und sieht sich kurz um, ob sie beobachtet werden. Und da dies offenbar nicht der Fall zu sein scheint, gibt er Lindsey einen Kuss. Eigentlich fragt er sich schon lange, warum sie sich nach so langer Zeit überhaupt noch verstecken, aber irgendwie ist es eben schon Gewohnheit geworden, obwohl kaum jemand von ihren Freunden noch ernsthaft schockiert sein könnte, wenn man ihnen erzählt, dass der Anwalt mehr als nur einfach ein Freund und dabei nicht etwa nur Iris' sondern vor allem auch Alex' Liebhaber ist...
Wie aus dem Boden gewachsen steht plötzlich Lex hinter ihnen und lässt sich ins Gras plumpsen, direkt in einen perfekten Schneidersitz. Irgendwie findet sie es lustig, dass Alexei und Lindsey jedes Mal so erschrecken, wenn sie sich ranschleicht. Wenn sie Alexei mit Iris erwischt, zuckt er nie so fest zusammen, obwohl diese Knutscherei doch mindestens ebenso peinlich ist... aber egal... "Wo sind die denn alle hin?" fragt sie geradeheraus. - "Ähm... also Melissa und Walter sind ins Haus... Dana und Mulder ebenfalls... Mon und John sind auch reingegangen..." fängt Alex an. "Ix ist... ähm..." - "Die ist mit Methos hinter die Büsche, ich weiss!" meint Lex mit spitzbübischem Lächeln und findet es süss, wenn Alexei so verlegen wird. Irgendwie scheint er sie wohl noch für ein kleines Mädchen zu halten... "Ich hab Max und Will aus den Augen verloren. Die wollten wohl so eine Art Männergespräch führen!" Sie verdreht theatralisch die Augen. - "Sind die nicht runter zum Teich?" meint nun Lin hilfsbereit - worauf Lex ihn anlächelt. "Oh, gut, dann schau ich da mal nach!" Spricht's, springt auf und rennt auch schon davon.
Alexei und Lindsey sehen ihr beide hinterher, bevor sie sich wieder gegenseitig in die Augen schauen. "Sie bewegt sich geschmeidig wie eine Katze. Wie du!" meint Lin in fast schon schwärmerischem Ton. Ix ist eine Hexe. Trotz ihrer Kampfsport-Erfahrung hat allerdings die angehende Frau Doktor irgendwie ständig so etwas von Ehrwürdiger Weisheit an sich, wie man sich gemeinhin wohl eine Hohepriesterin vorstellen würde. Lex ist auch eine Hexe. Aber sie erinnert mehr an eine wilde Raubkatze, eine schwertschwingende Amazone... - "Sie ist wirklich fabelhaft..." murmelt Alex und leiser Stolz schwingt in seiner Stimme mit, auch wenn Lex ihn niemals 'Vater' nennen wird, obwohl sie natürlich längst weiss, wie es gelaufen ist. Solche grünen Augen sind einfach zu auffällig, als dass dies ein echtes Geheimnis hätte bleiben können; spätestens als den Kindern was über Genetik und Vererbung beigebracht wurde und der ganze Kram, ist der Groschen gefallen... weshalb es ja auch längst ein offenes Geheimnis ist.
Max ist natürlich auch fabelhaft, auch wenn er langsam fast schon ein wenig an seinen Onkel Bill erinnert, zum Glück nur ein Bisschen, will natürlich heissen, dass Max viel hübscher ist. Ja genau, auch wenn der Scully-Look mit rötlichem Haar und Neigung zu Sommersprossen Frauen bestimmt besser steht als Männern, ist Max durchaus attraktiv, ein wahrer Prachtkerl gewissermassen. Eben diesem Scully-Look ist es auch zu verdanken, dass die Leute immer meinen, Ix und Max wären Geschwister. Gegen Max, den zukünftigen Anwalt, wirkt Will fast schon schmächtig, obwohl Max beileibe nicht ständig ins Fitnessstudio rennt oder sowas in der Art, abgesehen von Iris' Kampfsport-Training früher... wobei er noch heute öfter mit Ix trainieren kann, da sie ja inzwischen auf der gleichen Uni studieren (sich während der Schulzeiten aber natürlich nie zu Gesicht bekommen, weil sie ganz andere Fächer haben und Ix ohnehin ein Jahr weiter ist), wo man sie eben auch ständig für Geschwister hält, sobald man sie zusammen sieht...
"Ich glaube, sie weiss es." meint Lin. - "Was denn?" - "Na das mit uns." Schliesslich haben die Kinder Augen im Kopf, verdammt! - "Ach so... ja, das glaube ich auch!" murmelt Alex und gibt ihm einen Kuss.
Eine Weile liegen sie einfach so da, einander im Arm haltend und die Körperwärme des anderen geniessend, und starren hinauf zum Mond und zu den Sternen. Irgendwo da oben kreisen auch Satelliten, die AVALON gehören. Und die Internationale Raumstation, an der sich auch AVALON beteiligt hat. "Hast du dir mal überlegt, da rauf zu gehen?" fragt Alex plötzlich und deutet auf die Sterne. Er würde ganz bestimmt nicht in so eine Rakete steigen und sich da oben dann in so einer Sardinenbüchse einsperren lassen, mit nichts als Leere drum herum, so dass man nicht mal raus könnte... schon beim blossen Gedanken daran macht ihm seine Klaustrophobie zu schaffen. - "Nur, wenn du mitgehst!" antwortet Lin prompt und knabbert an Alexei's Ohrläppchen, um bald darauf auch seinen Hals zu küssen. Alexei ist empfindlich am Hals und stöhnt nun leise auf, was Lin noch mehr anregt... und er legt sich nun fast schon auf ihn drauf, um seinen ganzen Hals abzuküssen, wobei er ja aber nicht zu sehr knabbern darf, um keine Knutschflecken zu machen... "Hey, Boss..." Lin setzt seinen Schlafzimmerblick auf. "Mach mir ein Brandzeichen!" flüstert er dann in Alexei's Ohr und klingt dabei möglichst verrucht. Natürlich denkt er dabei nicht wirklich an glühendes Eisen, denn gemeint ist nur ein simpler Knutschfleck. Alexei lächelt breit und so rollen sie sich etwas rum, dass Lin nun unten liegt und fühlt, wie sein Hemd am Kragen etwas runterzogen wird. Er spürt Alexei's warme Lippen an seinem linken Schlüsselbein, wie er etwas neckt, leckt und knabbert und sich dann festzusaugen beginnt. Hach, es macht ihn immer total heiss, wenn er das macht... unwillkürlich schlingt er sein rechtes Bein um ihn und umarmt ihn noch fester, während sie sich aneinander reiben und Alexei ein wenig Dracula spielt. Zwar sind sie beide angezogen, aber wenn da jemand zuguckt... ach, ist doch scheissegal, ob da jemand zuguckt...
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Max und Will sitzen am Teich oder genauer gesagt auf dem Steg und lassen ihre nackten Füsse ins Wasser baumeln... da kommt Lex und stört die friedliche Stille, die vielleicht gar nicht so friedlich war... "Na, Jungs, da seid ihr ja! Genug von euren MÄNNERGESPRÄCHEN?" Sie betont das Wort, als wollte sie damit zum Ausdruck bringen, dass sie die beiden wohl noch keineswegs für Männer hält.
Max macht seiner Schwester Platz, damit sie sich in die Mitte setzen kann. "Ich habe Will erzählt, dass mir Iris damals das Küssen beigebracht hat, und hab unserem Sensibelchen geraten, sie auch mal endlich um eine Lehrstunde zu bitten." erzählt er seiner Schwester brühwarm. "Aber er ziert sich noch etwas." - "Max, du bist so ein Idiot!" brummt Lex und gibt ihrem Bruder einen Klaps. - "Was denn?!" - "Will ist erst vor drei Wochen vergewaltigt worden, da gibt man ihm doch nicht gleich solche Ratschläge!" schnaubt sie... und merkt gleich darauf, wie beide Burschen zusammenzucken. "Uuuups, das hätte ich wohl lieber nicht sagen sollen." Sie und ihre grosse Klappe, verdammt!
Will zieht die Füsse aus dem Wasser und umarmt dann seine angewinkelten Beine, legt den Kopf auf die Knie und macht sich damit so klein wie möglich, igelt sich ein. Sie hat es gesagt. Sie hat es wirklich gesagt. Das Wort, das er bislang immer so krampfhaft zu vermeiden versucht hatte. Ja, man hat ihn nicht einfach überfallen. Man hat ihn vergewaltigt. Vergewaltigt... vergewaltigt... verGEWALTigt!
"Will, ist das wahr?" fragt Max nun erschüttert. "Ich dachte, irgendwelche Blödmänner hätten dich bloss zusammengeschlagen oder sowas in der Art... Verdammt, warum erzählt mir das denn niemand?! Jetzt komme ich mir wirklich vor wie der letzte Idiot!" - "Bitte, Max, reg dich nicht auf!" flüstert Will - worauf Max sofort still ist. Für eine Minute. Dann poltert er erneut los, auch wenn seine Stimme leise bleibt: "Will, wer zum Teufel hat dir das angetan?! Wenn ich den in die Finger kriege..." - Oh, Max ist ein wahrer Freund. Ein Bruder. Jemand, der ihn rächen würde... "Iris hat sich schon darum gekümmert." Will hat angefangen ein wenig zu wippen und als er sich selbst dabei ertappt kommt er sich vor wie ein Verrückter in der Klapsmühle. - "Oh, Will, es tut mir so leid... Warum hast du denn nichts gesagt? Vielleicht hätte ich... na ja, weiss auch nicht, dir irgendwie helfen können?" - "Danke, Max... aber weisst du... mir war bislang nicht so nach reden." Er holt tief Luft. "Ich hoffe, du bist mir nicht böse deswegen..." - "Aber nicht doch... schon klar... und kann ich jetzt vielleicht was für dich tun? Ich meine, noch was ausser endlich die Klappe zu halten?" - Nun muss Will unwillkürlich kichern, denn dass Max mal die Klappe halten würde, wäre wirklich ein Wunder. Eigentlich nur logisch, dass er Anwalt wird, um dann irgendwelche Leute vor Gericht totzuquatschen oder auch so lange zu belabern, bis sie irgendwelche Verträge unterschreiben... "Du willst die Klappe halten? Das musst du erst unter Beweis stellen!" flüstert er lächelnd und wischt sich eine Träne aus dem Auge. - Max tut so, als würde er seinen Mund verschliessen und den Schlüssel wegwerfen.
"Sorry, Will, ich hätte nicht einfach so damit herausplatzen sollen... Soll ich jetzt auch die Klappe halten?" meint Lex und wirft ihm einen steineschmelzenden Blick zu - worauf er langsam den Kopf schüttelt. "Vielleicht war das sogar ganz gut so. Ich hab das Wort bislang noch gar nicht über die Lippen gebracht... Kommt mir plötzlich so vor, wie bei so Selbsthilfegruppen. Soll ich da sagen: Hi, mein Name ist Will und ich wurde vergewaltigt?" Wow, er hat es soeben selbst gesagt. "Scheisse, ich fühl mich so mies!" - "Jemand, der von einer Dampfwalze überrollt wird, fühlt sich auch mies. Das ist wohl normal." - "Würdest du das ernsthaft mit einer Dampfwalze vergleichen?" - "Mit was würdest du es denn vergleichen?" fragt sie zurück - worauf er seufzt und überlegt. "Keine Ahnung..."
Eine Weile sitzen sie dann in einträchtigem Schweigen beieinander, bis Lex schliesslich meint, dass es hier langsam kühl wird und sie wohl lieber zum Feuer zurückgehen sollten, um sich aufzuwärmen.
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Will bleibt plötzlich wie angewurzelt stehen und geht hinter den Baumstamm zurück. Es schockiert ihn nicht sonderlich, dass Argon gerade an Iris' Décolleté herumleckt, sowas macht der ja ständig. Aber... "Was zur Hölle treiben Alexei und Lindsey da?!" wispert er leise - worauf Lex sich an ihm vorbeidrückt und die Lage peilt. "Also wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass Alexei gerade Lindsey einen mordsmässigen Knutschfleck verpasst!" Sie sieht, dass Will offenbar ganz andere Gedanken gekommen sind. "Hey, Will, mach doch die Augen auf! Das macht ihnen beiden Spass, ganz ehrlich!" flüstert sie überzeugt. Ja, sicher, er weiss, dass Alexei und Lindsey nicht nur mit Iris zusammen ein gutes Trio für was-auch-immer abgeben, sondern sich auch sonst sehr mögen... aber bislang hat sich Will's unschuldige Phantasie wohl noch niemals ausgemalt, was sie dabei wohl so alles treiben könnten... Sie wechselt einen verschwörerischen Blick mit Max, bevor sie Will ins Ohr flüstert. "Du weisst doch, was Iris immer sagt: etwas bi schadet nie!" Sie lächelt breit. "Hast du etwa geglaubt, sie meint das nur theoretisch?" - "Ähm..." Will weiss selbst nicht mehr, was er geglaubt hat.
"He, was treibt ihr denn hier?" - Ein Flüstern reisst ihn aus seinen Gedanken. Ix hat sich hinterrücks angeschlichen. "Was machst du denn hier?" fragt er zurück und sieht seine grosse Schwester komisch an. "Und was hast du mit Methos gemacht?" - "Na gefressen hab ich ihn nicht!" lächelt sie verschmitzt. "Er schläft jetzt. Und was treibt ihr hier hinter einem Baum?!" Sie sieht zum Feuer rüber, doch es ist kaum noch jemand zu sehen. Bis auf Iris und Argon... und Alexei und Lindsey. "Seid ihr jetzt unter die Voyeure gegangen, oder was?"
"Alexei und Lindsey?" Irgendwie kann Will es immer noch nicht glauben, obwohl er es ja eigentlich gewusst hat. Aber es nun tatsächlich mal zu sehen... wobei es eigentlich nicht so wahnsinnig viel zu sehen gibt, meine Güte, er macht ihm doch bloss einen Knutschfleck und sie umarmen sich dabei, als gäbe es kein Morgen mehr... - "Na und?" meint Ix. "Steht etwa irgendwo in Stein gemeisselt, dass die beiden zusammen keinen Spass haben dürften, oder was?" - "Und Iris?" - "Iris kann phantastisch küssen. Sonst noch so intelligente Fragen?" - Nun starrt Will seine grosse Schwester erst recht komisch an. "Du hast Iris geküsst? Iris hat dich geküsst?" - "Falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte: Iris küsst eigentlich alle ihre Freunde ständig ab. Du solltest es irgendwann auch mal versuchen. Und nun hör endlich auf, so ein schockiertes Gesicht zu machen!"
Von jenseits des Feuers dringt leises Lachen zu ihnen rüber, als Alexei offensichtlich mit dem Knutschfleck fertig ist und dafür von Lindsey einen langen Kuss bekommt. Dann kuscheln sie sich wieder beide aneinander und starren in den Himmel.
"Ich glaub, ich bleibe auch bi. Dann hab ich am meisten Auswahl!" sinniert Lex grinsend und sie meint es dabei vollkommen ernst. - "Was heisst hier, du *bleibst* bi?" platzt Max heraus, der nun nicht länger schweigen kann, wenn seine kleine Schwester plötzlich solche Sachen erzählt und in seinem Kopf auf einmal Bilder auftauchen, wie sich Alexandra Margaret Skinner in irgendwelchen verruchten Nachtclubs rumtreibt, um komische Leute kennen zu lernen und mit denen dann sonstwas zu tun... und vor seinem geistigen Auge sieht er schon die Schlagzeile: Tochter des FBI-Chefs bei einer Razzia im Rotlichtviertel verhaftet! - "Na von Natur aus sind Menschen sowieso alle bisexuell veranlagt. Nur unterdrücken das dann die meisten mehr oder weniger wegen irgendwelcher religiöser oder gesellschaftlicher Normen... Manche werden dann extrem hetero und entwickeln geradezu eine Homophobie. Früher war's wohl noch schlimmer als heutzutage, wo ja alles lockerer geworden ist. Na ja, und andere wiederum werden auch extrem schwul." Sie kichert kurz. "Schon vergessen?" erinnert Lex ihren Bruder - worauf Max erleichtert ist. "Ach sooo..." Er seufzt kurz. "Na ja, also ich bleib doch lieber bei Mädchen. Die sind im allgemeinen auch hübscher..." Er setzt sein charmantes Scully-Lächeln auf... und kann sich gerade noch davon abhalten, bei der Gelegenheit auch gleich Will nach dessen Vorlieben zu fragen. Momentan ist dafür wohl ein schlechter Zeitpunkt.
Auch wenn Max die Frage nicht ausspricht, so hängt sie doch unausgesprochen im Raum... und Will weiss darauf noch keine Antwort. Irgendwie hat er sich darüber noch gar nie Gedanken gemacht gehabt... und nach dem Überfall... äh der Vergewaltigung, da hat er von sowas erst recht nie mehr was wissen wollen. Hat er jedenfalls bis vor ein paar Stunden noch gedacht. Einen anderen Menschen so nah an sich ranzulassen, erscheint ihm irgendwie noch unvorstellbar, egal ob Männlein oder Weiblein. Und dennoch sehnt er sich plötzlich danach, auch mal mit jemandem übers Beltane-Feuer zu springen und hinter den Büschen zu verschwinden... oder sowas in der Art. Die beruhigende Körperwärme eines anderen Menschen neben sich, wenn er im Gras liegt und zu den Sternen hoch starrt...
Alexei ist ja nicht jemand, der wahllos irgendwelche Frauen oder Männer anmacht, um One-Night-Stands zu haben. Er hat Iris. Und er hat Lindsey. Lindsey hat Alexei und Iris. Iris hat Alexei, Lindsey und wen-sonst-noch-alles wie beispielsweise den guten alten Argon. Und... Alexei ist auch noch Lex' Vater, nicht zu vergessen, und das ist offensichtlich, während es bei Max weit weniger offensichtlich ist, da er nach der Scully-Linie geraten ist; und ausserdem interessiert es Max nicht, er will es einfach nicht wissen, weil es ihm genügt, wenn er weiss, dass Melissa seine Mutter ist... Aber warum grübelt er jetzt auf einmal über Alexei nach? Dem geht's schliesslich blendend! Will schüttelt den Kopf, als wollte er die ganzen verrückten Gedanken einfach abschütteln, denn wie sagt Iris immer so schön: Er solle sich nicht immer anderer Leute Köpfe zerbrechen!
Betont laut gehen sie dann endlich alle in Richtung Feuer.
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Als er die Kinder näherkommen hört, will Lindsey offenbar schon gewohnheitsmässig etwas von seinem Boss abrücken, doch Alex hält ihn einfach fest, denn er sieht keinen Sinn, vor den Kindern, die ja keine Kinder mehr sind, noch weiterhin so heimlich zu tun. Und wenn Lex es weiss, wissen es sowieso alle... "Keine Panik!" flüstert er leise. Etwas lauter meint er dann: "Hi, na offensichtlich hast du deine Brüder gefunden, Lex. Und sogar Ix ist wieder da!" - "Hätte ich mich etwa in Luft auflösen sollen?" meint Ix mit betont anzüglichem Lächeln und lässt sich haarscharf neben Lindsey's Kopf elegant auf den Boden plumpsen, während Lex sich bei Alexei niederlässt und Max sich hinter sie setzt, um seiner kleinen Schwester den Rücken zu wärmen. "Will, komm her!" winkt Ix ihren Bruder zu sich, der immer noch rumsteht wie bestellt und nicht abgeholt, und bettet schliesslich seinen Kopf auf ihren Schoss, wo sie ihn dann krault, als würde sie ihre Katze streicheln. "Eine schöne Nacht!" seufzt sie. "Jetzt müssten nur noch Elfen tanzen..."
"Wer sagt denn, dass keine Elfen tanzen?" ertönt auf einmal Iris' Stimme und sie schlendert zu ihnen rüber, dicht gefolgt von Argon, der förmlich an ihr zu kleben scheint. "Vielleicht sind sie nur unsichtbar?" - "Elfen?" wiederholt Alex kritisch. Na schön, er hat ja inzwischen schon einiges gesehen... aber ebenso weiss er auch, dass Iris die Leute hin und wieder gerne etwas veralbert. Jedenfalls hat sie ihm in all den Jahren bislang noch niemals tanzende Elfen gezeigt! - Iris lächelt verschmitzt und setzt sich ebenfalls hin, legt ihren Kopf dann auf Alexei's Bauch und ihre Beine auf Argon's Schoss. Sie starrt zum Himmel hoch, als warte sie auf eine Sternschnuppe. "Und jetzt kein Wort mehr über Elfen!" sagt sie - und Alex klappt den Mund wieder zu.
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Als Methos im Morgengrauen wieder wach wird, ist er allein. Diese wundervolle rothaarige Hexe - Iris' Patentochter - hat sich wohl aus dem Staub gemacht... was ihm allerdings irgendwie auch ganz recht ist so, denn er wüsste ohnehin nicht, was er ihr noch gross sagen sollte, dieser ganz erstaunlichen Irina Samantha Mulder, ausser vielleicht, dass es eine wunderbare Nacht war und er sich wirklich fast in die guten alten Zeiten zurückversetzt gefühlt hat... Er weiss, dass sie auch Cassandra kennt, die als Schamanin schon seit Jahren für AVALON unterrichtet und Kurse gibt, um ihr altes Wissen wieder etwas unters Volk oder wenigstens und die Avalon-Hexen zu bringen. Entweder hat die gute alte Cassandra ihrer kleinen Freundin hier nie erzählt, dass sie in grauer Vorzeit Methos als einen der Apokalyptischen Reiter unter wenig erfreulichen Umständen kennen lernte... oder Ix ist das egal.
Aber eigentlich ist er ja weniger wegen Ix gekommen, so charmant sie auch ist, sondern vielmehr wegen Lex - ebenfalls Iris' Patentochter -, die er bislang nur aus der Ferne gesehen hatte. Amanda hat recht, das Mädchen ist wirklich ganz aussergewöhnlich... aber das hat Iris ihm ja schon lange erzählt.
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"Finger weg von Lex!" ertönt plötzlich eine drohende dunkle Stimme - und Methos, der sich gerade wieder fertig angezogen hat, dreht sich etwas erschrocken um, sich nur zu bewusst, dass er derzeit kein Schwert dabei hat... aber schliesslich sind sie hier bei AVALON ja auf Heiligem Boden. "Wer zum Teufel..." - "Ich bin kein Teufel, sondern ein Dämon, darauf lege ich wert!" erklärt Argon mit süffisantem Lächeln und packt Methos am Kragen. Der Mann mag ja zwar unsterblich sein, solange er seinen Kopf nicht verliert, doch er verfügt über keine Superkräfte, jedenfalls über keine Kräfte, die ihm gegen einen Dämon wie Argon helfen würden. "Keine Angst, ich werde dir schon nicht den Kopf abschlagen, sonst wird Iris sauer..." - "Argon! Was soll das?! Ich habe Lex ja kaum angesehen!" Und selbst wenn, was geht das Argon an?! - "Es hat gereicht!" grollt der Dämon. "Okay, du kannst mit Ix hinter die Büsche gehen, wir alle gönnen ihr den Spass... und ich hoffe doch sehr, dass sie ihren Spass hatte... aber von Lex lässt du die Finger!" - "Himmel, Argon, du klingst ja fast so, als wärst du eifersüchtig!" Sobald er losgelassen wird, weicht Methos erst mal einen Schritt zurück. "Warum bist ausgerechnet du so wild auf Lex? Verflucht nochmal, du bist ein verdammter Dämon!" - "Ich liebe sie." - "Wie bitte?" Methos starrt Argon an und könnte nicht entsetzter schauen, wenn der gerade seine Dämonische Gestalt angenommen hätte, was er in Methos' Gegenwart übrigens noch nie getan hat. Argon ist ständig auf irgendwelche Abenteuer aus und stürzt sich gern auf alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist... aber bislang hat er noch niemals behauptet, er würde irgendjemanden lieben. Jedenfalls nicht ernsthaft. Und Argon sieht so aus, als würde er es verdammt ernst meinen. "Du bist ja verrückt! Sie ist noch ein Kind!" Na schön, zu anderen Zeiten hätte Lex schon längst als erwachsene Frau gegolten und im zarten Alter von 17 Jahren vermutlich schon selbst Kinder gehabt oder zumindest hätte man sowas von ihr erwartet... aber noch hat Lex kein Interesse an sowas. "Iris wird dir den Kopf abreissen, wenn du sie anrührst!" - "Iris wird *dir* den Kopf abreissen, wenn du ihr was tust!" kontert Argon. "Und für dich wäre das schlimmer als für mich, denn ich könnte meinen Kopf wieder aufsetzen..." - "Verdammt, wie kommst du überhaupt auf die Idee, dass ich ihr was tun wollte?!" meint Methos leicht gereizt, der sich nicht gern mit dem Dämon rumstreitet; und überdies kann Iris es nicht leiden, wenn ihre Freunde untereinander streiten. - "Weil ich keine Gedanken lesen kann und deshalb einfach mit dem schlimmsten rechne..." erklärt Argon...
... der sich nun mit seiner langen Zunge über die Lippen streicht, während er Methos auf einmal ansieht, als sähe er den Mann zum ersten Mal, was dem Ältesten Unsterblichen einen Schauer den Rücken runter jagt, dem wohl schon was schwant... Argon ist in der Nacht mit Iris übers Feuer gehüpft, hat ihren süssen Vanille-Geschmack ablecken dürfen... doch irgendwie hat er es nicht geschafft, mit ihr oder sonst wem wirklich in den Büschen zu landen... oder andersrum: er ist immer noch scharf wie eine Rasierklinge! "Zieh dich aus!" raunt er Methos zu und sieht ihn verlangend an. - Methos seufzt kurz auf. Er kennt Argon. Gewissermassen auch im biblischen Sinne. Und er weiss, zu was der Dämon alles fähig ist... oh ja, der Gedanke daran, lässt ihn kurz wohlig erschauern. "Zuerst kommst du mir mit irgendwelchen dunklen Drohungen, erzählst mir wirres Zeug... und jetzt willst du dass ich mich ausziehe?" - "Ja." Argon sieht ihn mit brennenden Augen an. "Und?!" - "Ach..." Methos zuckt die Schultern. "Ich wollte mich nur vergewissern, dass ich nichts an den Ohren hab..." Er lässt seinen Mantel wieder von den Schultern gleiten. "Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass du ziemlich sexbesessen bist?"

"Ach du liebe Zeit!" entfährt es Lin - und Alex kann seine Tochter gar nur mit offenem Mund anstarren, wie sie sich da kokett in Lolita-Manier auf einem Liegestuhl im Garten räkelt. In den letzten Wochen, oder genauer gesagt seit dem Beltane-Fest, hat sie häufiger ihren Look geändert, doch diese Aufmachung in einem knallengen Bikini und knallig-mondän geschminkt und aufgestylt setzt dem ganzen wohl die Krone auf... wobei jetzt wirklich unübersehbar ist, dass aus dem Mädchen eine junge Frau geworden ist...
"Lex! Bist du in einen Schminktopf gefallen?!" Iris nimmt kein Blatt vor den Mund, als sie Alexandra Margaret Skinner zu Gesicht bekommt, die offenbar volle Kriegsbemalung angelegt hat. - Lex beisst sich kurz auf ihre grellrot geschminkten Lippen. "Zuviel?" - "Sagt dir der Ausdruck was: weniger ist mehr?!" erwidert Iris und hebt eine Augenbraue.
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Zuerst hat sie mit Iris unter vier Augen - mal wieder ein Frauengespräch - noch ganz harmlos darüber diskutiert, ob und wie es womöglich seltsam ist, mit Lippenstift rumzuknutschen... und nun hängt Alexandra Margaret Skinner auch schon an den Lippen der Zauberhaften Hexe, die ja zwar nicht viel von Schminke halten mag, es dafür aber mit ihrem Vanille-Deo oder Parfum heute wieder mal ausgesprochen gut gemeint hat, denn der Duft vernebelt einem ja geradezu die Sinne...
Ach, wie auch immer, Lex muss Ix und Max recht geben: Iris küsst wirklich phantastisch. Ob Männer überhaupt auch so gut küssen können?
[
Lex schleicht mal wieder herum... oder genauer gesagt ist sie Argon auf den Fersen, der sich hier wieder mal rumtreibt, und den sie nun bis zu Iris' Schlafzimmer verfolgt. Zu ihrer Überraschung kann sie nun aber durchs Schlüsselloch beobachten, wie der geheimnisvolle Typ diesmal nicht etwa an Iris rumknabbert... sondern an Alexei!
Fasziniert schaut sie zu.
Und leckt sich dabei über die Lippen.
~ ~ ~
"Hallo!" gurrt Lex - und Argon fährt überrascht herum, kaum dass er die Tür hinter sich zugemacht hat. Auch ohne Hellseherische Fähigkeiten ist ihm sofort klar, dass sie es weiss. Diese kleine Raubkatze hat ihn und Alexei wohl durchs Schlüsselloch beobachtet... O oh... also so hat er sich das eigentlich nicht gedacht... wobei... hmmm... also irgendwie ist Lex wirklich einzigartig, wie sie ihn nun verschwörerisch ansieht und ihm kaltlächelnd ins Gesicht sagt, dass sie weiss, dass er ein Dämon ist...
Angst hat sie keine, ganz offensichtlich, und sie hat auch keinerlei Scheu, selbst jetzt wo sie weiss, dass er ein Dämon ist, das gefällt ihm. Sie sind in den Garten gegangen und auf einen Baum geklettert, einer von ihren Lieblingsplätzen. Sie reden und lachen...
... und irgendwann darf er sogar feststellen, dass sie auch gut küssen kann... O oh...
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"O oh..." schnurrt Iris grinsend, nachdem ihr Argon brühwarm von seiner Unterhaltung und dem Rumgeknutsche mit Lex erzählt hat, nachdem sie ihn offenbar in flagranti erwischt oder zumindest beobachtet hat. Irgendwie scheint er nun ein wenig besorgt zu sein, was sie wohl von all dem halten könnte. Als hätte er nicht mal geahnt, dass sie schon längst von seiner Schwärmerei für Lex gewusst hat. Als hätte er befürchtet, sie würde ihn nun grün und blau schlagen, weil er mit ihrer Patentochter rumgeknutscht hat... Dann meint sie einfach: "Sei lieb zu ihr, sonst kannst du noch dein blaues Wunder erleben..." - Seine Augen fangen an zu leuchten. "Aber sicher bin ich lieb zu ihr!" - "Ich weiss, Schätzchen." - "Und... äh... Was ist mit Alexei?" - "Was soll mit ihm sein?" - "Wirst du es ihm sagen?" erkundigt sich Argon und sieht Iris schief an - die ebenfalls ihren Kopf etwas schief legt. "Sollte ich?"
~ ~ ~
"Iris..." fängt Lex an - doch als Iris sich umdreht, lächelt sie bereits verschwörerisch. "Ich weiss. Argon war schon da." - "Er ist ein Dämon!" - "Ich weiss." - "Natürlich weisst du das. Dann weisst du also auch..." - "Ja, klar!" Iris muss lachen. - "Und würde es dir was ausmachen...?!" - "Mach ruhig. Tu was du willst!" Iris klopft ihr auf die Schulter - und Lex ergreift Iris' Hand auf ihrer Schulter. "Du wirst doch wohl nichts davon erzählen!" - "Sollte ich?" - "Bitte nicht!" meint Lex leicht entsetzt. - "Schon gut!" meint Iris lächelnd und schliesst Lex in die Arme, um dann noch etwas mit ihr zu tratschen... über Männer und Dämonen im allgemeinen und Argon im besonderen...
... und nach dem kleinen lauschigen Gespräch weiss Lex zwar noch, dass Argon ein Dämon ist, doch sie hat im Handumdrehen wieder vergessen, dass Iris mehr als einfach eine Hexe mit Übersinnlichen Kräften ist. Irgendwann wird sie es sicher noch erfahren, doch noch muss sie sich darüber nicht den Kopf zerbrechen... alles zu seiner Zeit!

Will malt in düsteren dunklen Farben, diesmal abstrakt, sieht irgendwie aus wie ein grosses schwarzes Loch im Weltraum oder sowas in der Art. Hier im Gewächshaus kann er sich austoben, zumal sich der verglaste Pavillon perfekt als Atelier eignet. In einer abgetrennten Ecke sind nur noch die exotischen Pflänzchen für die 'Hexenküche', den Rest des Platzes kann er für seine Malereien verwenden. Wenn die Sonne scheint, wird es hier zwar schnell heiss, doch wenigstens herrscht keine Luftfeuchtigkeit wie im tropischen Regenwald, so dass es für ihn auszuhalten ist.
Iris kommt rein und sieht sich an, was er bislang in Aquarell und Öl gemalt hat. Lauter düsteres dunkles Zeug. Aber immerhin malt er wieder und lässt künstlerisch seinen Gefühlen endlich freien Lauf, vergräbt nicht mehr alles in sich, sondern lässt es raus. Mulder hat ihm den Rat gegeben, Holz hacken zu gehen, doch Blasen an den Händen sind wohl nicht gerade das, was der Junge brauchen kann... "Hey, du könntest eigentlich Dämonen portraitieren, ich kenne welche, die würden sich sowas glatt in die gute Stube hängen und sogar noch dafür zahlen!" meint sie lächelnd. - "Was?!" Er dreht sich überrascht um, denn er hat sie gar nicht reinkommen hören. "Oh... meinst du?" - "Na klar." - "Ich würde lieber dich portraitieren!" erklärt er nach einem Augenblick nachdenken. Das hat er ja schon lange mal gewollt - und so verdreht Iris kurz die Augen. "Hast du's immer noch nicht aufgegeben? Du hast doch schon Dutzende Skizzen von mir gemacht, oder?" - "Ja eben, das sind alles nur flüchtige Skizzen, weil du ja nie stillhältst!" protestiert er und verlegt sich dann aufs Betteln. "Ach, bitte, Iris!" Er sieht sie mit diesem patentierten treuherzigen flehenden Mulder'schen Hunde-Blick an. "Du kannst es als mein Geburtstagsgeschenk betrachten, dann muss du dir nicht darüber den Kopf zerbrechen, was du mir schenken sollst! Bitteeeeeeee!" - "Hmmm... mal sehen..." schnurrt sie und schlendert wieder raus - und er starrt ihr lange nach. Mal sehen? Wow, so dicht dran war er bislang noch nie, vielleicht überlegt sie es sich ja wirklich...
* * *
"Na schön!" meint Iris, nachdem alle anderen ihre Geschenke bereits überreicht haben. "Will, du bekommst das, was du dir von mir gewünscht hast." - "Echt?" Will fängt an zu strahlen. Er sieht so aus, als wollte er am liebsten gleich mit ihr im Atelier verschwinden, bevor sie es sich etwa wieder anders überlegt...
... doch sein misstrauischer Vater reisst ihn aus seinen Gedanken. "Und was wäre das?" Mulder starrt Iris an. "Du hast ihm doch nicht etwa ein Auto gekauft?" - "Nichts dergleichen!" versichert Iris. "Es ist eher ideell." - "Ach." Irgendwie beunruhigt ihn das noch mehr, doch sowohl Will wie auch Iris hüllen sich hartnäckig in Schweigen.
* * *
"Und? Wie hättest du mich denn gerne?" erkundigt sich Iris, als sie schliesslich im Atelier sind, das sie wohlweislich ausnahmsweise mal abgeschlossen hat, damit nicht plötzlich jemand reinplatzt und stört. Will starrt sie an und scheint es noch immer kaum glauben zu können. "Soll ich mich vielleicht ausziehen?" - "Äh..." Ach du liebe Zeit! Er hätte sich niemals getraut, das vorzuschlagen, obwohl er Iris ja weiss Gott schon oft genug im Bikini oder sonstwie halbnackt gesehen hat. Er errötet und nickt nur wie ein kompletter Vollidiot, während er die grosse Leinwand und die Farben herrichtet. Seine Hände zittern ein wenig und er schliesst für einen Moment die Augen, um sich wieder auf die Malerei zu konzentrieren.
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"War eigentlich bei diesem Will ne Schraube locker? Hatte er vielleicht seit dem Überfall nen Sprung in der Schüssel oder sowas in der Art?" - "Wie kommt Ihr denn darauf, Jaella?" - "Na irgendwie scheint er ja regelrecht von Iris besessen gewesen zu sein, wenn er sie ständig portraitieren wollte!" - "Ach, Jaella... Anscheinend war er schon seit seiner Kindheit davon besessen, sie zu portraitieren..." grinst All'Una. "Wäre Will nicht gewesen, so wäre die gute alte Iris später vermutlich weniger berühmt geworden." - "Berühmt? Ich dachte, sie wäre immer so auf Diskretion bedacht gewesen?" - "War sie ja eigentlich auch... na egal. Aber erst einmal wurde Lindsey McDonald so richtig berühmt. Irgendwann gab es einen Deal, der AVALON schliesslich auch bis in die hintersten Winkel der Erde bekannt machte..." - "Was für ein Deal?" - "Ach, sie haben gewissermassen ganz offiziell irgend so eine Ladenkette gekauft, die wohl auf der ganzen Welt ziemlich bekannt gewesen sein muss, und deshalb war danach dann auch AVALON plötzlich überall ziemlich bekannt."
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Es gibt nicht nur einen grossen Teich bzw. kleinen See und sonstige Tümpel auf dem Avalon-Gelände, sondern nebst diesen Biotopen auch noch einen lauschigen kleinen Badeteich. Swimmingpool wäre wirklich die falsche Bezeichnung, zumal die paar Quadratmeter Wasseroberfläche eher eine wilde Kreuzung aus Grotte und römischer Therme darstellen. Iris Lieblingsstelle dort ist eigentlich unter dem Felsen, hinter dem kleinen Wasserfall... doch nun schwimmt sie in der Sonne und spritzt dabei Alexei und Lindsey ein Bisschen nass, die am Rand auf dem Trockenen liegen.
Ausserdem liegen auch noch etliche der Hunde herum, während es sich ein paar der Katzen auf dem Felsen der Grotte bequem gemacht haben. Tja, AVALON... da kommen sogar Hund und Katze miteinander aus! Iris wirkt auf die Tiere wie ein Magnet und die folgen ihr auch alle aufs Wort oder sogar auf jeden Fingerzeig.
"Hey, in den Nachrichten haben sie gerade gebracht, dass MCDONALD'S vermutlich pleite geht!" erzählt Will brühwarm, nachdem er zum Badeteich gelaufen ist und Lindsey grinsend ansieht, weil der ja schliesslich auch McDonald heisst. - Iris, die sich immer noch im Bikini im Wasser treiben lässt, spitzt plötzlich die Ohren. "Ach ja?" Sie setzt ein breites Lächeln auf. "Interessant."
Alexei und Lindsey wechseln einen verschwörerischen Blick, denn dieses Lächeln von ihr kennen sie inzwischen gut. Iris pflegt dieses wölfische Grinsen immer aufzusetzen, wenn sie sich daran macht, für AVALON zu intrigieren, Fusionen zu planen, Firmen zu übernehmen und sowas in der Art. Aber MCDONALD'S ist ein weltweites grosses Unternehmen... das jetzt kurz vor der Pleite steht, weil Fast Food nicht mehr so gut läuft wie früher und man ganz offensichtlich nicht rechtzeitig auf die Zeichen der Zeit reagiert hat. Hat sie etwa vor... das kann sie doch nicht wirklich vorhaben, zumal sie ja Hamburger erklärtermassen hasst, oder etwa doch?
"Na, Lindsey, wie wär's?" meint sie aufgekratzt. "Da könntest du dich so richtig austoben!" - "Was?!" Lin ist geradezu entsetzt, denkt dann aber, dass sie ihn sowieso nur veralbern will. - "Ich meine es durchaus ernst!" bestätigt jedoch Iris. "MCDONALD'S hat weltweite Connections, die wir für unsere Zwecke nutzen könnten. Das würde AVALON den Leuten noch etwas näher bringen..." Mit unnachahmlicher Eleganz schwingt sie sich aus dem Wasser und sitzt nun am Rand. Sie streckt die Hand aus - worauf Will ihr sogleich das Eis am Stiel in die Finger drückt, das sie vorhin bei ihm bestellt hat.
Gebannt sehen die drei Männer jetzt erst mal zu, wie Iris in erotisch-lasziver Weise an ihrem Eis zu lecken beginnt und ihre Zunge dabei genüsslich über die gefrorene Schokolade gleiten lässt. Es ist heiss, was dieses Biest da treibt, regelrecht erregend... und Alexei schliesst die Augen und muss plötzlich an Lindsey denken, während es in seiner Badehose langsam eng wird, doch er liegt ja zum Glück auf dem Bauch; und Lindsey schliesst ebenfalls die Augen. Will jedoch sieht auch weiterhin fasziniert zu... und zuckt wenig später ziemlich zusammen, als Iris plötzlich geradezu brutal ein gutes Stück des Eises mit einem einzigen Bissen verschlingt... Nachdem sie das Knacken der Schokolade gehört haben, machen Alexei und Lindsey die Augen wieder auf und grinsen sich verschwörerisch an.
"Na, Will, wie wär's... willst du mit uns nach New York kommen?" erkundigt sich Iris, nachdem sie ihr Eis verputzt hat - und Will starrt sie nur einen Moment an. "Du willst mich mitnehmen?" - "Na ja, warum nicht? Deine Bilder hier werden dir inzwischen schon nicht weglaufen, oder?" - "Okay!" Will ist richtig aufgeregt, egal wohin die Reise geht, denn mit Iris zu verreisen ist immer ein Erlebnis.
* * *
[NEW YORK]
Noch am Abend des selben Tages treffen Iris, Alexei und Lindsey in New York die Bosse von McDonald's, um mit ihnen über eine mögliche Übernahme des grossen Konzerns durch AVALON zu verhandeln. Es wird eine lange Nacht... doch die Zauberhafte Hexe wird überhaupt nicht müde, sie sprüht geradezu vor Charme.
Alex erinnert sich an frühere Verhandlungen dieser Art. Früher war es noch besonders lustig, als AVALON natürlich noch weitgehend unbekannt war und kein Schwein aus der Hochfinanz je von dieser Stiftung gehört hatte...
Besonders drollig war es, als sie mal mit ein paar Japanern verhandelt hatten, die zwar sehr beeindruckt davon waren, dass Iris zu ihrer Überraschung perfekt Japanisch sprach, jedoch auch ziemlich irritiert darüber waren, dass sich Iris so gar nicht um Japanische Konventionen scherte, obwohl sie sich durchaus damit auskannte. Wie hatte sie so schön gesagt: 'Ich bin keine Geisha, verdammt! Betrachtet mich lieber als Samurai!' Diese Blicke waren dann wirklich zu goldig!
Na ja, aber das waren nicht die einzigen, denen sie im Laufe der Jahre das Fürchten gelehrt hat... Also wie sie da beispielsweise mit ein paar Ölscheichs umsprang, mit denen sie natürlich in perfektem Arabisch herumzeterte, das war auch ziemlich beeindruckend und wirklich bühnenreif.
Und schliesslich bekommt sie auch hier in New York was sie will, zu ihren Bedingungen, weil die Herrschaften irgendwann einsehen, dass ihre Vorschläge wirklich ziemlich vernünftig sind...
In den Nachrichten des nächsten Morgens wird bereits verkündet, dass MCDONALD'S von AVALON übernommen worden ist und nun der neue Verwaltungsratspräsident Lindsey McDonald heisst!
* * *
"Hey, Lindsey ist schon in den Nachrichten!" meint Will aufgeregt, als Iris und Alexei in ihre Hotelsuite zurückkommen. "Und von euch ist wieder mal weit und breit nichts zu sehen!" - "Na das ist doch ungemein beruhigend!" erklärt Iris kichernd, die noch etwas aufgedreht ist. Nachdem sie ein paar Beziehungen hat spielen lassen, wird der Deal mit McDonald's nun laufen, ohne dass sie auch nur noch einen Finger rühren müsste. - "Wo ist denn Lindsey?" erkundigt sich Will. "Noch auf der Pressekonferenz?" - "Oh ja. Die sind so begeistert von Lindsey McDonald, dass sie ihn gar nicht mehr hergeben wollen..." kichert Iris weiter, wirft ihre Tasche in die Ecke und sich selbst dann aufs Bett, wo sie buchstäblich alle Viere von sich streckt. "Aber keine Sorge, wir werden ihn schon wiederbekommen..." nuschelt sie in die Kissen. - "Aber ja doch, ganz bestimmt!" versichert Alex und macht sich daran, Iris die Stiefel auszuziehen...
... die innerhalb von Sekunden eingeschlafen ist.
Ein paar Stunden später taucht auch Lindsey wieder auf, der eine grosse dunkle Sonnenbrille angezogen hat, in der Hoffnung dass er damit nicht gleich überall als neuer Verwaltungsratspräsident von MCDONALD'S erkannt wird; bislang ist ihm als Juristischer Berater von AVALON ein solcher Medienrummel glücklicherweise erspart geblieben, zumal die meisten anderen Deals kaum je an die Öffentlichkeit gedrungen sind, sondern nur als Abmachungen in irgendwelchen stillen Kämmerlein geschlossen wurden... doch dieser Deal hier ist ja auch wirklich... gewaltig. Und eben auch so furchtbar öffentlich...
"Ihr macht es euch ja immer einfach, indem ihr die Medien scheut wie der Teufel das Weihwasser, und mir den ganzen Zirkus überlasst!" grummelt Lin, haucht Alexei zur Begrüssung einen Kuss auf die Wange und reisst sich dann geradezu die formelle Kleidung vom Leib. Dummerweise sind Krawatten immer noch nicht aus der Mode gekommen und er hasst die Dinger je länger je mehr. Er verschwindet im Bad...
... und als er nach einer erfrischenden Dusche wieder rauskommt, trägt er nur noch einen Bademantel. Und er starrt geradewegs Will an, der nun vor ihm steht. Auweia, fast hätte er vergessen, dass der Junge ja auch noch hier ist! - "Lindsey, du siehst mich so schockiert an, als würde ich gerade eine Kamera auf dich richten und dich live im Fernsehen zeigen! Ich bin's nur!" meint Will lächelnd und drückt sich an ihm vorbei, um nun selbst ins Bad zu gehen. - Lin verdreht kurz die Augen. "Oh Gott, ich hatte ganz vergessen, dass der ja auch noch hier ist!" flüstert er etwas peinlich berührt - doch Alexei zieht ihn einfach in die Arme. "Schon gut." Er setzt ein anzügliches Lächeln auf. "Ich wollte schon immer mal am Verwaltungsratspräsidenten von MCDONALD'S rumgrabschen!" flüstert er und haucht ihm einen Kuss auf den Mund. - "Was ist mit Will?" flüstert Lin nach dem dritten Kuss und deutet in Richtung Badezimmer. Schliesslich können sie doch vor dem Jungen nicht einfach so rummachen, selbst wenn er ja bescheid weiss. - "Will schläft auf der Couch..." flüstert Alex und zieht Lindsey dann langsam ins Schlafzimmer...
... wo sich Iris auf dem grossen Bett mittlerweile schon rücksichtsvollerweise wie eine Katze in einer Ecke zusammengerollt hat, so dass ihnen also noch viel Platz bleibt. Doch nach dieser aufregenden Nacht und dem ganzen Blitzlichtgewitter auf der Pressekonferenz und all dem Trubel schläft Lin in Alexei's Armen schliesslich schnell ein.
Als Lindsey wieder aufwacht, schläft Alexei noch, dafür ist Iris aus dem Bett verschwunden. Und Will sitzt mucksmäuschenstill auf dem Stuhl in der Ecke und beobachtet das Bett.
Huch?! Blitzartig schreckt Lin hoch und weckt damit Alexei auf, der leise grummelnd seinen Arm um ihn schlingt. Lin versetzt ihm jedoch ein paar Klapse - worauf Alex nun wirklich wach wird und sich verwirrt umsieht. "Will?! Was machst du denn hier?" erkundigt er sich noch schlaftrunken und reibt sich die Augen. Aber der Junge sitzt tatsächlich immer noch da und schaut ihn aus grossen Augen an...
... wobei er jetzt allerdings errötet und verlegen wird. "Ich... äh... wollte euch nur anschauen..." - "Wie bitte?!" Alex sieht sich argwöhnisch um, kann jedoch glücklicherweise keinen Skizzenblock entdecken. Irgendwie behagt es ihm nicht so sehr, dass ihn jemand beim Schlafen beobachtet oder womöglich noch portraitiert. "Warum?!" - "Weil ihr so schön seid... und ich wollte sehen... äh..." Will stockt. Er kann es nicht aussprechen. Er weiss selbst nicht mehr so recht, was er eigentlich wollte. - "Weil wir so schön sind?" prustet Alex nun los und vergräbt sich unter dem Kissen, um sein Lachen zu dämpfen - in das Lin ebenfalls mit einfällt, denn das ist doch wirklich zu köstlich.
Iris tappst im Morgenrock mit einer Tasse Kaffe auch wieder ins Schlafzimmer und setzt sich auf den zweiten Stuhl neben Will, der immer noch ganz fasziniert die lachenden Männer beobachtet, auch wenn sie sich gerade über ihn lustig machen... "Wenn sie lachen, sind sie besonders niedlich. Manchmal möchte ich sie den ganzen Tag nur auskitzeln!" erklärt sie grinsend - worauf Alex schlagartig wieder nüchtern wird und seinen Kopf hervorstreckt, um sie halb vorwurfsvoll, halb ängstlich anzusehen. "Iris!" - "Was denn?!" meint sie unschuldig lächelnd. "Ist doch wahr!" Dann wendet sie sich wieder dem Jungen zu und tätschelt Will's Hand, der kurz zusammenzuckt, so wie er noch bei jeder Berührung zusammenzuckt. Will ist schon immer ein Spätzünder gewesen, doch seit dem Überfall ist ihm irgendwie jegliches tiefere Körpergefühl abhanden gekommen. Ja, seit sie ihm den Atlaswirbel eingerenkt hat, ist es besser geworden, d.h. er isst wieder ordentlich etc.pp. Aber er pflegt sich, als ob sein Körper eine Maschine wäre, als ob es eigentlich ein Fremdkörper wäre... und er empfindet sich als ziemlich unansehnlich, ja geradezu hässlich. Während sie für ihn Modell stand, hat sie viel mit ihm geredet, aber irgendwie ist das, was sie ihm sagen wollte, wohl noch nicht ganz durchgedrungen, sonst würde er sich nicht immer noch so schlecht fühlen, so verdammt minderwertig. Vermutlich hätte sie lieber schon früher etwas hypnotisches Timbre in ihre Stimme legen sollen, denn Worte allein scheinen keine Lösung zu sein. Ach verdammt, ohne Tricks ist das Leben gar nicht so einfach, eigentlich erstaunlich, dass Menschen das überhaupt aushalten... "Tja, mein Süsser, aber Alexei und Lindsey sind nicht die einzigen hübschen Männer hier in diesem Zimmer!" flüstert sie verschwörerisch und lächelt ihn an...
... worauf Will sie jedoch geradezu schockiert anstarrt und ihm Tränen in die Augen steigen. "Verarsch mich nicht!" - "Ich verarsch dich nicht!" protestiert Iris und widersteht der Versuchung, ihm eine kräftige Ohrfeige runterzuhauen. "Ich mein's ernst! Du bist ein hübscher Bursche, Will, auch wenn du's nicht glaubst!" Und obwohl er nun vehement den Kopf schüttelt, springt sie auf die Beine und zieht ihn hoch, um sich mit ihm vor den grossen Spiegelschrank zu stellen, wo sie ihn nun zwingt, sich selbst anzusehen, während sie sich hinter ihn stellt und Will geradezu festhalten muss, damit er nicht wegläuft.
Nach einer Weile erlahmt sein Widerstand und er lehnt sich etwas nach hinten, bettet seinen Kopf an ihre rechte Schulter, während sie ihr Kinn auf seine linke Schulter lehnt... sie müsste nur ein wenig den Kopf drehen und könnte ihn wunderbar in den Hals beissen. Himmel, und er hat wirklich einen sehr verführerischen Hals... Aber sie zieht ihm einfach mal umständlich das T-Shirt aus, ohne dass er ihr dabei entwischen kann, so dass er jetzt nur noch in Boxershorts dasteht. "Du hasst dich immer noch selbst und hasst deswegen auch deinen Körper, nicht wahr?" Er schweigt zwar geradezu trotzig, doch man sieht ihm dennoch an, dass Iris wieder mal ins Schwarze getroffen hat. "Ich habe gedacht, das hätte langsam gebessert... doch es gibt immer wieder Tage, wo du dich selbst total Scheisse findest, nicht wahr?" flüstert sie ihm ins Ohr, doch so laut, dass auch Alexei und Lindsey es verstehen können, die mittlerweile auf der Bettkante sitzen und ebenfalls im Schrankspiegel zu sehen sind. "Ich verrate dir mal ein Geheimnis: Alle haben hin und wieder mal solche Tage." Sie erzählt ihm noch mehr Weisheiten, die sie ihm auch schon früher erzählt hat... doch jetzt, wo sie es ihm gewissermassen ins Ohr raunt, während sie so dicht bei ihm steht, dass er sie riechen kann und sogar ihren Herzschlag spürt, macht es irgendwie viel mehr Eindruck auf ihn...
... und William Charles Mulder entspannt sich langsam, fängt an zu glauben, wenn sie ihm sagt, dass er nicht weniger wert ist als der Rest der Familie und dass er ebenso geliebt wird wie die geniale Irina Samantha Mulder... und schliesslich auch, dass er durchaus nicht unansehnlich ist. Iris' Finger malen elektrisierende Muster auf seine Haut und als sie mal wieder über seine Lippen fährt, schnappt er auf einmal spielerisch nach ihr. Wenig später hat er zwei Finger von ihr im Mund, an denen er zuerst vorsichtig und dann leidenschaftlicher lutscht, während sich in seinen Boxershorts was zu regen beginnt.
Alexei und Lindsey sehen sich an und fragen sich beide, ob Iris wohl noch weiss, was sie da tut, oder ob das FIEBER sie wieder mal überkommen hat, denn zweifellos wird Will nun immer erregter... das Unschuldslämmchen, das nach dem Schock des Überfalls sogar vergessen hat, ob es überhaupt schon jemals feuchte Träume hatte, und von Sex nie wieder was wissen wollte und doch irgendwie so ein seltsames Verlangen spürt und neugierig ist... und sowieso schon immer total von Iris hingerissen war, seit seiner Kindheit... 'Iris!' wispert Alex in Gedanken. 'Was tust du da mit dem Jungen?' Oh ja, Will hat zwar schon immer in besonderer Weise für Iris geschwärmt, aber wer hätte gedacht, dass das mal so ausarten würde...
Iris rechte Hand liegt auf seinem Bauch und seine Hände liegen auf ihrer Hand, als wollte er sie dort festhalten. Ihre Linke wandert weiter herum, spielt nun ein Bisschen mit seinen Nippeln, die hart werden, was ihm Schauer der Erregung über seinen Körper jagt. Er schliesst die Augen und seufzt, stöhnt leise auf, als sie nun ein Bisschen an seinem Ohrläppchen knabbert. Er hatte ja keine Ahnung, dass sich sowas *so gut* anfühlen könnte... und es ist wirklich *sein* Körper, der ihn das fühlen lässt, der ja wohl wirklich so schlimm nicht sein kann, wenn Iris an ihm herumknabbert... Ihre Hand fährt an seiner Kehle entlang aufwärts, sanfte Fingerspitzen fahren die Konturen seines Gesichts nach und schliesslich landen wieder die zwei Finger in seinem Mund, an denen er nun lutscht...
... wie bei einem Blowjob! denkt Alex und muss wegsehen, weil es sonst in seiner Hose auch noch eng wird und ihm das doch etwas abartig vorkommt, denn immerhin ist Will ja praktisch wie ein Sohn, da kann man doch nicht... Oh Gott. Jetzt fängt der Junge auch noch an zu keuchen und zu stöhnen... Nun wendet sich Alex Lindsey zu, dem es wohl ähnlich geht, und sie fragen sich beide, ob sie langsam was dagegen unternehmen oder den Dingen lieber ihren Lauf lassen sollten.
Am liebsten würde sich Will plötzlich umdrehen, damit er Iris nicht im Rücken, sondern vorne hat, damit er sie richtig küssen kann, damit er... irgendwie weiss er selbst nicht, was er noch alles am liebsten tun würde. Jedenfalls mehr! Jawohl, er will *mehr*... Doch ihre rechte Hand an seinem Bauch hält ihn eisern fest, obwohl er sich nun unter ihrem Griff zu winden beginnt, sich an ihr reibt wie eine rollige Katze, während er mit einer Hand immer noch ihre Hand am Bauch festhält (oder würde er ihre Hand wohl gerne etwas weiter nach unten ziehen?) und mit seiner anderen Hand nun ihre linke Hand ergriffen hat, damit sie ihm ihre Finger nicht etwa wieder entziehen kann, obwohl es sich auch verdammt gut anfühlt, was sie sonst mit ihren Fingern macht... sie sollte wohl am besten eine vielarmige indische Göttin sein! Schliesslich genügt schon die Reibung am Stoff seiner Boxershorts oder vielmehr wird das alles zuviel für ihn, als dass er der betörenden Stimmung noch länger widerstehen könnte... und er kommt mit einem markerschütternden Schrei.
Danach bekommt er buchstäblich weiche Knie und Iris schleift den plötzlich zitternden jungen Mann zum Bett rüber, wo er sich einfach hinterrücks fallen lässt und leicht keuchend abwartet, bis sich Puls und Atmung wieder etwas normalisiert haben. Irgendwie kommt es ihm vor, als würde er aus tiefer Trance erwachen, als wäre er eigentlich total weggetreten gewesen. Doch es war gut. So gut!
Alexei streicht ihm schliesslich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und fragt mit sanfter Stimme: "Na?" Und Will schlägt die Hände vors Gesicht, als ihm klar wird, dass ja Alexei und Lindsey die ganze Zeit zugesehen haben. Dabei war er doch eigentlich ins Zimmer gekommen, um ihnen zuzusehen, er kleiner Perversling... - "So schlimm?!" erkundigt sich Lindsey nun grinsend - worauf Will die Hände nun wieder von seinem Gesicht runternimmt... und direkt in Iris' Augen schaut, die sich ebenfalls über ihn beugt und lächelt. "So gut!" gibt er endlich zu. "Dabei... äh..." druckst er nun etwas herum. "War das überhaupt richtiger Sex?" - "Also für mich hat es ziemlich nach Sex ausgesehen..." murmelt Alex mit anzüglichem Lächeln. "Das war wohl wirklich mal nötig." - "Hmmm..." Will wird rot bis über beide Ohren und betrachtet nun den feuchten Fleck auf seinen Shorts. "Ich sollte wohl unter die Dusche." - "Ja, Schätzchen!" stimmt Iris trocken zu. - "Iris... würdest du mich bitte mal küssen? Ich meine... so richtig?" - "Ach... wie ist es denn richtig?" spöttelt sie gutmütig, während sie an seine Seite rutscht und dann schon mal beginnt, zarte Küsschen auf seinem Gesicht zu verteilen, die wie Feuer auf seiner Haut brennen. "So?" Wieder ein paar Küsschen. "Oder so?" Ein sanfter Kuss auf den Mund. "Oder vielleicht so?" Er öffnet sofort etwas den Mund, lässt sich von ihrer Zunge erforschen und küsst sie zurück und findet das unheimlich aufregend.
Es ist unschwer zu erkennen, dass der Junge schon wieder steif wird, weil die Küsserei so wahnsinnig erregend ist. Alexei und Lindsey wechseln einen Blick, der wohl zu besagen scheint, dass sie auch mal so jung waren...
Nach einer abkühlenden Dusche steigt Will zu Iris, Alexei und Lindsey in die grosse Badewanne. Im Laufe der Jahre haben sie sich alle schon mal nackt gesehen, sei es in der Sauna, unter der Dusche oder sonstwo, also ist das eigentlich nicht so ein Problem... und doch ist jetzt alles anders. Aufregender. Will's Gespür für Sex ist endlich erwacht... und deshalb fühlt es sich jetzt irgendwie ganz anders an, wenn er den Rücken geschrubbt bekommt.
"Also, Will..." meint Alex schliesslich, der nun gegenüber dem Jungen zwischen Iris und Lindsey sitzt. "Weshalb hast du uns da vorhin beobachtet? Und jetzt erzähl mir nicht, weil wir so toll aussehen würden..." - "Ihr seht aber toll aus..." murmelt Will, der schon wieder rot geworden ist. Besser als Griechische Götterstatuen oder Michelangelo's David; und mit Kunst kennt er sich ja wirklich aus. - "Ja, ja, du auch... Also?" - "Ich wollte nur... äh... sehen... was ihr so macht." - "Was wir so machen? Soweit ich mich erinnere, haben wir geschlafen!" - "Ihr habt euch umarmt..." druckst Will herum. "Das sieht so nett aus." - "Nett?!" echot Alex und wechselt grinsend einen Blick mit Lindsey. "Ach, wie reizend!"
"Alexei, Schätzchen, stell dich doch nicht dümmer, als du bist. Will ist neugierig, wie ihr es so treibt, weil er sich das irgendwie nicht so recht vorstellen kann." Iris grinst breit, worauf Will wieder ganz rot wird. Wenn er jetzt Scully-Sommersprossen hätte, würde das wohl ganz lustig aussehen, doch er hat den Teint seines Vaters geerbt, ebenso wie die braunen Haare und die hübschen haselnussbraunen Augen. "Man würde kaum glauben, dass er so ein Unschuldslämmchen ist, während sein Vater mal eine der umfangreichsten privaten Porno-Sammlungen sein eigen nannte..." - "Was?!" - "Uuuups, das hat er dir wohl nie erzählt. Na ja, das war noch zu der Zeit, bevor er Dana endlich näher gekommen ist." - "Was für Pornos denn?!" - "Ach, nur der ganz normale Hetero-Kram. Und wie das geht, weisst du ja wohl, oder war etwa mein Sexualkundeunterricht damals ganz für die Katz? Und für was haben wir denn 356 Fernsehkanäle, da ist doch wohl für jeden Geschmack was dabei..." - "Ja, schon, aber das ist doch nicht echt... ich meine, es ist schon irgendwie echt, aber es ist doch meist gestellt." - "Stimmt. Also ich kreische nie so wie die im Film..." kichert Iris und spritzt ihm Wasser ins Gesicht. - "Du bist besser als jeder Film!" erklärt Will ernsthaft. "Das hier ist besser als jeder Film!"
Als sie schliesslich aus der Wanne steigen, meint Iris anzüglich lächelnd mit einem Blick auf die Männer: "Also so solltet ihr eigentlich immer rumlaufen... nass und nackt!" Sie tätschelt Alexei's Hintern, der ihr daraufhin einen leidenschaftlichen Kuss gibt und seinen nassen nackten Körper an sie schmiegt. Und weil Lindsey praktischerweise auch gleich in Griffnähe dasteht, bekommt er auch noch von beiden je einen Kuss ab. Will sieht fasziniert zu. Und er wünschte sich, auch dazuzugehören, irgendwie.
Sie haben vorhin noch über Lippenstift und andere Schminke rumgealbert und dass man bei Iris wirklich sie küsst und keinen Schminktopf, wobei die Schminke vor zwanzig Jahren ja noch viel schlimmer war als heute und echt eklig schmeckte, wenn man mal so eine angepinselte Tussi abknutschte und sie nicht vorher bitten konnte, sich die Kriegsbemalung abzuwaschen. Alexei und Lindsey sind beide froh, dass sie an Iris geraten sind... und sie sind alle froh, dass Lex es mittlerweile wieder aufgegeben hat, ständig Kriegsbemalung aufzulegen.

* * *
"Eine Talkshow?" Lin klingt nicht sehr begeistert - doch Iris kichert belustigt und scheint es sogar für eine gute Idee zu halten. "Ich kenne die Sendung! Kommt immer um Mitternacht! Da werden immer so peinliche Fragen gestellt und die Leute müssen gewissermassen die Hosen runterlassen..." - "Und sowas siehst du dir an?!" meint Alexei leicht entsetzt, der sich schon lange gefragt hat, was Iris eigentlich die Nacht über immer noch alles so treibt, während sie im Internet surft. Sie zuckt etwas verschämt die Schultern und so seufzt er nur. "Und du hättest wirklich nichts dagegen, wenn Lindsey in dieser Sendung die Hosen runterlassen müsste?!" - "Viel Publicity." Iris zuckt wieder die Schultern und sieht dann Lindsey an, der immer noch die Einladung anstarrt. "Es ist deine Entscheidung, Lindsey!" Sie lächelt ihn an. "Du könntest dich endlich mal ohne Krawatte zeigen, denn nun hast du es wirklich nicht mehr nötig, im überkorrekten Anwalts-Look aufzutreten, um die Leute zu beeindrucken. Jetzt kannst du dich endlich locker und leger geben, denn jetzt bist du Verwaltungsratspräsident von AVALON-MCDONALD'S!"
* * *
"Bisher hat man Sie als Juristischen Berater von AVALON in der Öffentlichkeit immer nur in sehr formeller Kleidung gesehen, Mr. McDonald. Ich muss sagen, dass Ihnen dies hier viel besser steht, Sie sehen darin um Jahre jünger aus!" meint Debra Jones vom Mitternachtstalk und schlägt ihre langen Beine übereinander. Sie trägt ein rotes Kostüm mit äusserst kurzem Rock und ihre Füsse stecken in hochhackigen Pumps.
"Oh, danke, Miss Jones." Auch Lindsey schlägt die Beine übereinander. "Mir ist gesagt worden, dass ich nun nicht mehr im Anwalts-Look rumlaufen müsste. Und da ich Krawatten je länger je mehr zu hassen begann..." Er zuckt mit charmantem Lächeln die Schultern.
"Interessant... Hat Ihnen Ihre Frau den Tipp gegeben?"
"Ich bin nicht verheiratet." Und das hat die gute Debra Jones bestimmt schon gewusst, wenn sie ihre Hausaufgaben gemacht und sich auf dieses Interview vorbereitet hat.
"Ihre Freundin?"
"Es war meine Chefin." Lin bemüht sich, möglichst cool zu bleiben und nicht etwa unruhig auf seinem Stuhl herumzurutschen. Offensichtlich hatte Iris recht mit ihrer Einschätzung über diese Show, dass man hier weniger was über Geschäftliches, sondern viel lieber Klatsch und Tratsch über Privates hören will. Also genau das, was er als Erster Anwalt von AVALON bisher immer vermieden hat, da sein Privatleben schliesslich niemanden was angeht... zumal dieses ja eng mit dem Privatleben seiner publicityscheuen Chefs verknüpft ist. Er sieht sich ein Bisschen um und wechselt dabei einen kurzen Blick mit Iris und Alexei, die unauffällig im Publikum sitzen.
"Ihre Chefin? Damit meinen Sie wohl die Gründerin von AVALON, Mrs. Sinclair, die ihren Mann zum Stiftungsratsvorsitzenden ernannt hat?" Sie wendet sich ans Publikum: "Oh ja, wenn Sie es bislang noch nicht gewusst haben: AVALON wurde von einer Frau gegründet!"
"Genau die!" bestätigt Lin lächelnd.
"Man erzählt sich, Sie wären mit Ihren Chefs gut befreundet. Können Sie uns vielleicht etwas mehr über Mr. und Mrs. Sinclair erzählen?"
"Was wollen Sie denn wissen?" erkundigt sich Lin vorsichtig.
"Na wie sind die beiden denn so?"
"Nett."
"Aha. Offensichtlich sind die Chefs von AVALON wirklich so publicityscheu, wie man immer sagt!" meint Debra Jones lächelnd. "Na schön, reden wir wieder über Sie, Mr. McDonald!"
Erst mal geht es um Geld - wobei Lin einfach partout nicht damit herausrücken will, wie viel Geld er als Juristischer Berater von AVALON schon verdient hat und jetzt als Präsident der neuen Firma AVALON-MCDONALD'S neu verdienen wird - und dann noch um seine eher unglückliche Kindheit - wobei Lin mit versteinerter Miene bestätigt, dass er als Kind noch in so schrecklich ärmlichen Verhältnissen gelebt hat, dass zwei seiner Geschwister mangels medizinischer Versorgung an Grippe gestorben sind - und dann kommt die gute Debra Jones nach etwas allgemeinem Smalltalk wieder auf ihr Lieblingsthema zu sprechen...
"In einer heutigen Umfrage wurden Sie zum begehrtesten Junggesellen gekürt!" Die entsprechende Meldung wird gleich mal eingeblendet, ebenso wie das leicht verblüffte Gesicht des neuen Verwaltungsratspräsidenten von AVALON-MCDONALD'S. "Irgendwie fällt es mir jedoch schwer zu glauben, dass Sie wirklich noch Single sind... Sind Sie Single?"
"Nein!" rutscht es Lin heraus, noch bevor er darüber nachdenken kann.
"Ach. Dann haben Sie also eine Freundin? Oder einen Freund?"
"Irgendwie schon."
"Also Mr. McDonald..." Debra Jones verdreht theatralisch die Augen. "Sie machen es mir wirklich nicht leicht! Was denn nun? Unsere Zuschauer sind neugierig! Nun erzählen Sie schon! Hetero oder Homo?"
"Bi."
"Oh... wie interessant! Dann haben Sie ja auch die grösste Auswahl!" meint Debra Jones mit breitem Lächeln, während durchs Publikum noch ein mehr oder minder leises Raunen geht. "Und haben Sie nun eine Freundin oder einen Freund?"
"Äh... eigentlich beides."
"Oh, jetzt sind wir aber gespannt. Ein Transvestit?"
"Nein." Lin beisst sich kurz auf die Lippen. "Ein Mann und eine Frau."
"Oh! Und wie geht das? Treffen Sie sich einmal mit ihr und einmal mit ihm?"
"Ach, meist sind wir zusammen... verabredet."
"Ein flotter Dreier?!" platzt es nun aus der Moderatorin heraus, womit sie laut ausspricht, was auch im Publikum geraunt wird. "Das hätte man wohl bislang von Ihnen nicht gedacht, denn bis heute wurden Sie als Erster Anwalt von AVALON ja geradezu als Ausbund an Seriosität betrachtet, Mr. McDonald!" Wobei zu ihrem Leidwesen nicht so wahnsinnig viele Informationen über Lindsey McDonald verfügbar waren. Und jetzt sowas! Tja, wer hätte das gedacht?! "Ihre Chefs wissen davon?"
"Ja, meine Chefs wissen davon." Lin bemüht sich schwer, nicht einfach laut herauszulachen.
"Haben Sie bei der vielen Arbeit überhaupt noch genug Zeit für Ihr Privatleben?"
"Ja, durchaus." Lin lächelt versonnen. "Sonst hätte ich wohl schon längst gekündigt. Aber bei AVALON ist die Atmosphäre sehr angenehm."
"Besser als es bei WOLFRAM & HART gewesen ist?"
"Was?!" Seit er bei AVALON ist, hat ihn in der Öffentlichkeit nie wieder jemand auf seine Zeit in Los Angeles angesprochen. Wie zum Teufel kommt diese Debra Jones überhaupt dazu?!
"Vor Ihrer Zeit bei AVALON waren Sie doch in Los Angeles für eine Anwaltskanzlei namens WOLFRAM & HART tätig, die es inzwischen jedoch nicht mehr gibt. Weshalb sind Sie damals dort weggegangen?"
"Mir hat's dort nicht mehr gefallen. Zuviel Hektik. Und eben kein Privatleben mehr." Er bemüht sich um einen möglichst beiläufigen Tonfall und hofft, dass sie ihn nicht auch noch danach fragt, was er in den Monaten dazwischen so getrieben hat.
"Und bei AVALON ist es nicht so stressig?"
"Irgendwie ist der Stress bei AVALON angenehmer. Nicht zuletzt, weil die Chefs viel netter sind."
"Und die Chefs bei AVALON sehen wohl auch besser aus?"
"Äh..." Lin sieht sein Gegenüber vorsichtig an, weil er nicht so richtig weiss, was er von dieser Frage halten soll. "Das auch."
"Sie mögen Ihre Chefs wohl sehr?"
"Ziemlich. Wie schon gesagt: Wir sind befreundet." Und so langsam aber sicher wird es Lin nun wieder ein wenig unbehaglich, obwohl er auch weiterhin charmant lächelt. Man will ihn wohl wieder mal über die ach so geheimnisumwitterten Chefs von AVALON aushorchen.
"Ich merke schon, dass Sie nicht gern über Ihre Chefs sprechen, weil die sich wohl nicht gerne in den Medien wiederfinden wollen..." meint Debra Jones und klingt geradezu rücksichtsvoll. "Dann sprechen wir mal über Ihre Freundin und Ihren Freund. Wer sind sie und wie haben Sie die beiden kennengelernt? Arbeiten sie vielleicht auch für AVALON?"
"Wir haben uns bei AVALON kennengelernt, jawohl." Lin lässt seinen Blick wieder kurz übers Publikum schweifen, um Iris und Alexei anzusehen... die beide offensichtlich lächeln und sich glänzend zu amüsieren scheinen, während er hier Blut und Wasser schwitzt. "Aber ich möchte lieber nicht zuviel über sie erzählen, da ihr Privatleben auch wirklich privat bleiben soll."
"Natürlich." Debra Jones nickt verständnisvoll. "Dann also keine Namen. Aber sind sie attraktiv?"
"Oh ja." Lin erlaubt sich ein schwärmerisches Lächeln.
"Seit wann sind Sie denn schon zusammen?"
"Schon lange."
"Über ein Jahr?"
"Schon über 18 Jahre." Lin weiss nicht so recht, was für einen Teufel ihn geritten hat, das zu sagen, doch das Gemurmel aus den Zuschauerreihen spricht Bände. Ungläubiges Erstaunen und vielleicht sogar etwas Respekt.
"Oh... das ist wirklich lange!" Debra Jones ist sehr beeindruckt. "Das ist ja praktisch so lange, wie Sie schon bei AVALON sind!"
"Ja, so ziemlich."
"Hmmm... Am Anfang soll AVALON ja noch nicht sehr viele Mitarbeiter gehabt haben..." Debra Jones räuspert sich bedeutungsvoll. "Am Anfang waren es nur das Gründer-Ehepaar, dazu kam dann noch eine Sekretärin und wenig später die Schwester der Sekretärin und dann auch noch deren Mann. Sie waren erst der Sechste im Bunde, soweit ich informiert bin!"
"Stimmt." Lin gibt es schulterzuckend zu, auch wenn ihm langsam schwant, worauf die immerzu lächelnde Debra Jones letztendlich hinaus will... Wenn Iris diese Sendung hier kennt, warum in aller Welt hat sie dann zugelassen, dass er jetzt auf diesem Stuhl hier sitzt?!
"Sind ihre äh Freunde unter den aufgeführten Personen?"
"Sorry, aber darauf möchte ich nicht antworten." Schliesslich steht er hier nicht unter Eid! Das ist nur eine verdammte Talkshow!
"Also ja!" meint Debra Jones ungerührt. "Sind es die beiden Agenten, Dana und Fox Mulder?"
"Nein!" Lin regt sich auf. Nicht weil der Gedanke, mit Dana und Mulder ins Bett zu hüpfen, für ihn etwa so schrecklich wäre, sondern weil dieses Luder nun doch Namen erwähnt hat, auch wenn es die falschen sind. Na wunderbar, Dana und Mulder werden sich wohl herzlich bedanken, dass ihre Namen im Mitternachtstalk auf Kanal 188 breitgewalzt werden!
"Dann vielleicht Melissa und..."
"Stop!" unterbricht er sie hastig. Irgendwie wäre dieser Debra Jones wohl glatt zuzutrauen, auch noch den Namen von FBI-Chef Walter Skinner rauszuposaunen... und das wäre ja wohl mehr als peinlich. Er wirft wieder einen Blick ins Publikum, nickt kurz und wendet sich wieder an die Moderatorin, wobei er sich geradezu beherrschen muss, ihr nicht vor laufender Kamera an die Gurgel zu gehen. Live im Fernsehen. "Sie sind also neugierig auf meine Freunde? Dort sitzen sie!" Er zeigt mit ausgestrecktem Finger ins Publikum...
... wo Iris und Alexei nun winken, sobald eine Kamera auf sie gerichtet wird. Ihre Gesichter erscheinen auf dem grossen Monitor. Iris hat das Haar wieder mal hochgesteckt, so dass ihre gewaltigen Brillantklunker an den Ohren besonders gut zur Geltung kommen, und ihre dunkelrot geschminkten Lippen sind zu einem Lächeln verzogen, bei dem Debra Jones mit ihrem eingefrorenen Zahnpastawerbelächeln gleich einpacken kann. Dafür wird fast die Hälfte ihres Gesichts von einer dunklen Brille verdeckt und auch Alexei trägt eine Sonnenbrille.
"Oh!" Debra Jones wirkt nun wirklich überrascht, dann damit hätte sie wohl nicht gerechnet. Sie winkt den beiden zu, runter zu kommen, wobei den beiden jetzt in den Zuschauerreihen geradezu ehrfurchtsvoll Platz gemacht wird. "Kommen Sie, kommen Sie!" ruft sie laut und das Klatschen der Leute verleiht ihrer Forderung Nachdruck.
Lin wird es irgendwie ganz komisch zumute, als Iris und Alexei nun wirklich auf ihn zukommen. Ganz offiziell als seine äh FREUNDE... Vor all den Leuten. Live im Fernsehen. Und sie sehen beide hinreissend aus, ganz in schwarz, mit der katzenhaften Eleganz von zwei Panthern auf Beutezug. Sie setzen sich neben ihn auf die eilig herbeigestellten Stühle und schlagen ebenfalls die Beine übereinander, Iris ergreift seine Hand.
"Oh... ich kann Sie wohl nicht dazu überreden, Ihre Sonnenbrillen abzunehmen?" meint Debra Jones lächelnd, die mit einem "Schade!" die Schultern zuckt, als ihre beiden neuen Gäste einhellig den Kopf schütteln, während Techniker ihnen noch Mikros befestigen. "Nun, mit Ihrem Erscheinen hier hätte ich nun offen gestanden nicht gerechnet..."
"Ach, nur nicht so bescheiden, Miss Jones!" meint Iris aufgekratzt. "Das hier nennt man doch wohl zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, oder?"
"Äh..." Debra Jones, der tatsächlich sowas auf den Lippen gelegen hat, schaut sie verblüfft an.
"Jawohl, ich bin Iris."
"Alexander Sinclair." Irgendwie behagt es Alexei gar nicht, live im Fernsehen übertragen zu werden, und so sagt er nur seinen Namen. Das Adrenalin schiesst durch seinen Kreislauf, sein ganzer Körper ist auf Flucht eingestellt... doch Iris hält seine Hand fest, um ihn zu beruhigen. Obwohl er sich wirklich fragt, ob sie weiss, was sie da tut.
Aber anscheinend weiss Iris, was sie da tut, denn sie fängt an mit Debra Jones herumzublödeln, wobei sie es gleichzeitig fertig bringt, dabei auch noch eine ganze Menge kluger Sachen zu sagen; und so manche der geradezu schon abgedroschenen Weisheiten dürften besonders für viele jüngeren Zuschauer wieder ganz neu sein... Debra Jones liegen auch Fragen nach dem Alter auf der Zunge und warum sie immer noch so gut bzw. jung aussehen, doch Iris lässt sie diesbezüglich einfach nicht zu Wort kommen und lenkt das Interesse immer wieder auf andere Themen.
"Oh, Debra!" meint Iris schliesslich nach einer Weile. "Im Gegensatz zu Lindsey hier habe ich Ihre Sendung vorher schon mal gesehen und weiss deshalb auch, dass Sie zum Schluss auch immer noch auf Sexgeschichten zu sprechen kommen... aber ich muss Sie enttäuschen: Was wir im Bett so machen, bleibt unser kleines Geheimnis!"
Und dann ist zum Glück die Sendezeit auch schon rum.
* * *
Als sie irgendwann kurz vor Morgengrauen wieder in ihr Hotelzimmer kommen, ist Will vor dem Fernseher eingeschlafen... allerdings wird er sofort wach und fängt an zu strahlen. "Ihr wart toll!" platzt er heraus. "Es war schon eine Rekordeinschaltquote wegen Lindsey, wo sie ja den ganzen Tag über schon Reklame gemacht haben. Inzwischen läuft schon die Werbung für die Wiederholung der Sendung und es werden wohl noch mehr Leute einschalten, wenn sie erfahren, dass sie dann endlich mal die Gründer von AVALON zu Gesicht bekommen! Ich hab's natürlich aufgenommen..."
"Na prächtig!" Irgendwie kann es Alex immer noch nicht fassen, dass er tatsächlich im Fernsehen war. "Oh Gott, was haben wir getan..." - "Nun reg dich ab und sei nicht so paranoid!" meint Lin und nimmt ihn in die Arme. "He, Will, er hat doch bestimmt gut ausgesehen im Fernsehen, oder?" - "Oh ja!" versichert Will, der schon die Disk einlegt, um es ihnen vorzuführen. "Sehr telegen! Und Iris erst! Da hat diese Debra Jones plötzlich ziemlich alt ausgesehen..."
Inzwischen ist Iris aus dem Badezimmer gekommen, abgeschminkt und mit offenem Haar und nur noch im Bademantel, und setzt sich zu Will auf die Couch. Wenig später gesellen sich Alexei und Lindsey dazu, ebenfalls in Bademänteln und noch mit feuchten Haaren von der Dusche. Die Minibar wird geplündert, damit man während der Filmvorführung auch was zu knabbern hat.
"Oh Gott, ich seh ja furchtbar aus!" stöhnt Lin, als er sich selbst im Fernsehen bewundern kann, wie er ein paar Mal ein ziemlich entsetztes Gesicht macht. - "Du siehst süss aus!" widerspricht Alex - und Iris doppelt nach: "So richtig zum Knuddeln! Die Medien lieben dich!" - "Hmmm..." Lin grummelt irgendwas und meint dann schliesslich, dass man ihn nach dieser Sache jetzt wohl hoffentlich von der Liste der begehrtesten Junggesellen streichen würde, denn das wäre ja wohl mehr als peinlich, per Post Heiratsanträge von irgendwelchen wildfremden Tussis zu bekommen...
* * *
"Melissa ist dran!" informiert Will, der ans Telefon gehechtet ist, während die anderen noch beim Frühstück sitzen, das ihnen der Zimmerservice gebracht hat. "Sie beschwert sich darüber, dass wir alle unsere Handys ausgeschaltet haben, so dass sie übers Hotel anrufen muss... Sie haben die Sendung gesehen..." - Iris, Alexei und Lindsey werfen sich kurz einen verschwörerischen Blick zu, als sie sich fragen, wie ihre Freunde wohl darauf reagiert haben. - "Und sie finden es toll!" erklärt Will lächelnd, der immer noch am Telefon hängt. Ein altertümliches Modell ohne Bildschirm. Nach ein paar "Mmmhmmm's" von ihm legt er nach den Grüssen schliesslich auf. "Schönen Gruss von allen!" meint er dann und erklärt grinsend: "Stellt euch vor: In den letzten Tagen ist AVALON ja schon von Fanpost überschwemmt worden... Und seit letzter Nacht sind auch bergeweise E-Mails eingegangen, die dem guten Lindsey McDonald nicht nur wegen AVALON-MCDONALD'S gratulieren, sondern auch zu seiner Offenheit beim Mitternachtstalk! Ihr drei Hübschen werdet als Vorbilder angesehen!"
"Vorbilder?" Iris kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Na sieh mal einer an!" Schliesslich hat sie Zeiten erlebt, da wären sie alle drei schnurstracks an den Pranger gestellt worden oder sogar auf dem nächstbesten Scheiterhaufen gelandet, wenn sowas rausgekommen wäre.
Im Fernsehen scheint es auf gewissen Klatsch-und-Tratsch-Kanälen derzeit auch kein anderes Thema als das Avalon-Trio zu geben, wie man sie inzwischen nennt. "Ein richtiges Trio Infernale!" kommentiert Iris ungerührt und verputzt ein weiteres Brötchen, denn sie hat derzeit unheimlich Appetit. "Jetzt ist es offiziell!" - "Irgendwie scheinst du das alles äusserst amüsant zu finden! Ist dir eigentlich klar, dass uns nun auf Schritt und Tritt irgendwelche Paparazzi folgen werden?" nörgelt Alex und schlägt wieder mal die Hände vors Gesicht. Ob man ihn wohl ohne Sonnenbrille wieder erkennen wird? Bestimmt! - "Ach was!" meint Iris leichthin. "Ohne diese Brillantklunker wird mich wohl kein Mensch als Iris Sinclair, die Gründerin von AVALON identifizieren." - "Und was ist mit mir?!" ächzt Alex. - "Reg dich ab, Schätzchen. Solange du nicht neben meinen Brillantklunkern posierst..." - "Und was ist, wenn ich mich mit dem nun ach so berühmten Lindsey sehen lasse?" - "Dann darfst du alle Paparazzi verprügeln, die dir in die Quere kommen!" meint Iris schulterzuckend - doch Alex kommt es so vor, als würde sie die ganze Publicity allzu sehr auf die leichte Schulter nehmen. "Es ist jedoch schlechte Werbung, Paparazzi zu verprügeln!" grummelt er. - "Ach. Meinst du?" Iris setzt ein unschuldiges Lächeln auf.
* * *
Alex weiss nicht so recht, woran es liegt, und vielleicht möchte er es auch lieber gar nicht so genau wissen, doch offenbar scheinen die Medien doch nicht so wild darauf, ihre Nase in das Privatleben von Iris und Alexander Sinclair und Lindsey McDonald zu stecken, wie er zunächst befürchtet hat.
Am nächsten Tag schreibt man jedenfalls nur noch über AVALON und lässt dabei die Sinclairs weitgehend in Ruhe.
* * *
Unerkannt können sie in normalen Klamotten zusammen mit Will durch die Stadt streifen und sich darüber freuen, dass sie sehr rasch ein Taxi bekommen und der Verkehr hier nicht mehr so schlimm ist wie noch vor zwanzig Jahren...
Wobei sich Will irgendwie nicht nur nicht so recht vorstellen kann, wie wohl die Welt vor zwanzig Jahren war, sondern vielmehr auch nur schwer glauben mag, dass die drei eigentlich schon so alt sind. 'Aus dem letzten Jahrtausend!' wie Iris lachend gemeint hat. Seit er zurückdenken kann, waren die Drei schon immer da... und haben sich seitdem eigentlich kaum verändert, wobei er sich eigentlich lieber gar nicht erst den Kopf darüber zerbrechen will, ob das wohl an Iris' toller Hexenkosmetika oder irgendwelchen Zaubereien liegt. Aber er ist älter geworden. Er ist nun kein Kind mehr.
Und seit Iris ihn vor ein paar Tagen in seinen ersten bewusst erlebten Orgasmus getrieben hat, indem sie ihn gewissermassen einfach nur im Arm hielt, geht ihm der Gedanke nicht aus dem Kopf, wie es sich wohl erst anfühlen muss, wenn ihn wirklich mal jemand SO RICHTIG berühren würde... Er träumt davon, mit den Dreien im Bett zu liegen... und sie zu küssen.
* * *
"Was schaust du mich so an?" fragt Iris lächelnd, als sie aus dem Bad kommt und Will schon auf der Couch liegt und sie von da aus anschmachtet. - "Äh... ich würde dich gerne küssen!" flüstert er leise und glaubt nicht, dass sie von dort aus hören kann - womit er sich natürlich täuscht. Sie winkt ihn mit dem Zeigefinger zu sich her, worauf er aufsteht und zu ihr rüberkommt, nur in T-Shirt und Boxershorts. In seinen Augen kann sie brennendes Verlangen sehen, aber auch Schüchternheit, weil er nicht so recht weiss, wie er es anstellen soll... "Was möchtest du?" haucht sie in sein Ohr, als er nahe genug ist, dass sie ihn umarmen kann. - Ihre blosse Umarmung bringt sein Blut in Wallung und seine Augen glänzen fast schon fiebrig. "Ich liebe dich, Iris!" flüstert er. "Ich begehre dich... und irgendwie... begehre ich euch alle... und äh..." Irgendwie weiss er schon gar nicht mehr, was er da überhaupt plappert... und so hört er endlich auf damit und drückt mit schwerem Herzklopfen seine Lippen gegen ihre.
So süss... so unglaublich süss...
Als Alex schon nachsehen will, ob Iris vielleicht in der Badewanne eingeschlafen ist und wieder mal Wasserleiche spielt und damit womöglich Will zu Tode erschrecken könnte, falls der ins Bad geht... entdeckt er sie in der Stube, wie sich Will leidenschaftlich an sie presst und mit ihr rumknutscht. Er räuspert sich lautstark...
... und Will zuckt schliesslich zusammen, als er merkt, dass Alexei sie beobachtet. "Oh... äh..." - "Nur keine Panik!" meint Alex gelassen und wechselt einen Blick mit Iris, bevor er sich wieder Will zuwendet. "Wollt ihr nicht ins Bett kommen?"
Nun liegen sie alle splitterfasernackt im Bett... und sind hundemüde.
Will weiss nicht so recht, ob er darüber vielleicht enttäuscht sein soll, doch dann ist er damit zufrieden, sich mit einem seligen Lächeln an Iris zu schmiegen, die ihren Arm um ihn gelegt hat.
Irgendwann wacht Will auf, weil sich die Matratze bewegt. Und die Matratze bewegt sich... weil Alexei und Lindsey gerade ziemlich heftig miteinander rummachen.
Genauer gesagt liegt Lindsey auf dem Rücken und hat seine Beine um Alexei geschlungen, der in ihn stösst und sich nun gerade runterbeugt, um seinen Freund zu küssen... Oh, Face-to-Face und kein Doggystyle... Alexei bemerkt, dass Will nun wach ist und starrt ihn einen Moment irritiert an, als hätte er vor lauter Lust und Leidenschaft komplett vergessen, dass er ja auch noch da ist. Lindsey bemerkt es ebenfalls und flüstert mit heiserer Stimme: "Oh Gott, wenn du jetzt aufhörst, bring ich dich um! Mach weiter, Alexei!" Und das lässt sich Alexei nicht zweimal sagen, zumal mit einem unbefriedigten Lindsey vermutlich nicht gut Kirschen essen wäre, also verstärkt er den Griff um dessen Hüften erneut und beginnt wieder langsam zu stossen, lange tiefe Stösse, die beiden keuchende Geräusche der Lust entlocken... worauf es nicht lange dauert und Lindsey kommt mit einem befreiten Stöhnen. Kurz darauf ist auch Alexei soweit und entlädt sich in Lindsey. Worauf sich die beiden ein wenig entspannen aber noch eine Weile so liegen bleiben, bis sich ihr heftiges Atmen wieder normalisiert hat. Alexei flutscht schliesslich raus und legt sich halb neben und halb noch auf Lindsey und sie knutschen engumschlungen noch etwas rum...
... und damit hören sie erst auf, als Iris mit Handtüchern nach ihnen wirft. Eins legt sich Lindsey unter seinen Hintern, mit dem anderen wischen sie sich ab, denn sie wollen lieber noch etwas kuscheln als gleich unter die Dusche zu springen.
"Es macht dich an, nicht wahr?" Eine rhetorische Frage, denn dazu braucht es nicht mal Hellseherische Fähigkeiten. Man kann deutlich sehen, wie sehr es Will anmacht... der nun auch ganz rot wird, was seiner Erektion jedoch keinen Abbruch tut. "Wann hast du es dir eigentlich zum letzten Mal selbst besorgt?" - "Was?!" Will legt den Kopf etwas schief, überlegt angestrengt... "Ich kann mich nicht erinnern!" Er klingt nun selbst überrascht. Und ist verwirrt. Er starrt plötzlich seine Erektion an, als wäre es ein Fremdkörper, als hätten Aliens oder Dämonen was in ihm gepflanzt, das nun plötzlich gewachsen ist und jeden Augenblick explodieren könnte. Er fühlt, wie Iris wieder hinter ihm ist und nun seine Hand an sein Glied führt. - "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!" flüstert sie ihm ein altes Sprichwort ins Ohr, das in dieser Situation plötzlich ganz anders klingt...
Oh Gott! Und er hat es wirklich getan...
... und es war gut!
"Na also. Es geht doch!" gurrt ihm Iris ins Ohr und wischt ihn nun ebenfalls mit einem Handtuch ab. - "Danke..." haucht Will. - "Danke wofür?" fragt Alex, der momentan ziemlich zufrieden mit sich und der Welt ist, und dem es inzwischen merkwürdigerweise überhaupt kein Bisschen mehr abartig vorkommt, dass Will hier bei ihnen im Bett ist. - "Dass ich hier bei euch sein darf..." murmelt Will. "Ich meine, nett wart ihr schon immer... aber erst vor kurzem ist mir klar geworden, wie verdammt sexy ihr doch seid... ich... ach..." - "Was denn?" bohrt Alex weiter, der gleich neben ihm liegt, und ihm nun eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte er Will auch niemals mit dem Attribut sexy bedacht, doch inzwischen kann er sich eingestehen, dass der Junge, der ja inzwischen kein Kind mehr ist, wirklich äusserst niedlich ist. Niedlich in dem Sinne, dass er ihn am liebsten abknutschen und sonstwas mit ihm machen würde... "Raus mit der Sprache, Will! Es bleibt doch alles unter uns!" - "Nun... äh..." Will weiss nicht so recht, wie er es ausdrücken soll, ohne dass es zu vulgär oder zu pathetisch klingt. "Ich würde auch gerne mal... mit euch... na ihr wisst schon!" Oh, ganz grosse Klasse, er kann es ja nicht mal aussprechen! Etwas beschämt schliesst er die Augen und ringt nach Worten...
... doch dann spürt er plötzlich Hände auf seinem Körper, die nicht zu Iris gehören. Gerade als er die Augen aufreissen will, hält Iris ihm die Hand vors Gesicht. 'Entspann dich!' hört er sie flüstern, während sie ihm nun mit ihrem Seidenschal die Augen locker verbindet. Sie erzählt irgendwas von wegen 'Nicht denken, nur Fühlen!' und dass er jederzeit STOP sagen könnte, wenn's ihm unangenehm wird und nicht mehr gefällt.
Na schön, es ist wohl ein Tanz auf dem Vulkan, ausgerechnet mit Will so eine Nummer mit verbundenen Augen abzuziehen, wo er doch vor noch nicht allzu langer Zeit so ein schreckliches Erlebnis hatte... aber andererseits braucht er jetzt sowas, denn da nutzt auch keine kalte Dusche mehr. Und sie gehen ja schliesslich vorsichtig mit ihm um, was man von irgendwelchen wildfremden Typen, denen er sich sonst aus Frust an den Hals werfen könnte, wohl nicht unbedingt behaupten kann... Irgendwie scheint sich Iris bei Will telepathisch eingeklinkt zu haben, denn sie lächelt mit ihm zusammen, spürt jede Berührung und wie es sich für ihn anfühlt... und solange sie lächelt, sind sie wohl auf dem richtigen Weg.
Will erhält erst mal ausgiebige Streicheleinheiten am ganzen Körper... und irgendwie kommt es ihm fast so vor, als würde er schweben. Er spürt zarte federleichte Küsschen auf seinem Gesicht, die dann auch seinen Hals hinunterwandern, wo er dann auch vermehrten Zungeneinsatz spürt. Oh Gott, das fühlt sich ja unglaublich an, wie sein Hals abgeleckt wird... und ihm wird klar, dass er auch gerne irgendwas ablecken würde. Als wären seine Gebete erhört worden, streicht Iris mit ihren Fingern wieder über seine Lippen und er schnappt nach ihr, lutscht kurz darauf wieder an ihren Fingern rum... und er hört mit einem Teil von sich, der noch vage mit Hören beschäftigt ist, ein leises geflüstertes 'Oh Gott, er lutscht schon wieder an ihren Fingern rum, der Junge hat wirklich perfekte Blowjob-Lippen!' Er weiss nicht mal, ob das nun von Alexei oder von Lindsey gekommen ist, doch er nimmt es einfach mal als Kompliment... doch dann konzentriert er sich mehr darauf, wie seine Schenkel sanft auseinandergedrückt werden, so dass er nach einigem Zögern schliesslich die Beine spreizt. Und er bereut es nicht, denn die Hände, Lippen und Zungen auf seinen Oberschenkelinnenseiten fühlen sich einfach zuuu gut an... er merkt, wie er wieder steif wird, es wird ihm in dem Moment klar, als sanft in seine rechte Brustwarze gebissen wird.
"Heb deine Hüften ein wenig an..." flüstert Iris ihm ins Ohr, worauf Will ein Kissen unter den Hintern geschoben wird und seine Beine nun angewinkelt bleiben, damit sein Hintern gewissermassen wunderbar frei zugänglich ist, wie es so schön heisst. "Kein Grund, nervös zu werden!" beruhigt sie ihn leise flüsternd. "Wir tun nichts, was du nicht willst!" Sie wartet, bis sich sein Atem wieder etwas beruhigt hat, erst dann gibt sie mit einem bedeutungsvollen Hochziehen ihrer Augenbrauen das Signal, dass Alexei und Lindsey weitergehen können.
Die streichelnden Finger und Küsse wandern von seinen Oberschenkeln nun höher hinauf... und plötzlich kann Will auch den wohlbekannten Pfefferminzduft des Massageöls riechen. Tatsächlich, die Hand, die sich nun vorsichtig um seinen Penis legt, ist ganz glitschig und beginnt nun mit einer ausgiebigen Massage der ganzen Körperregion, was Will ein noch tieferes Stöhnen entlockt, weil sich das einfach so unglaublich anfühlt. Bald wird ihm klar, dass da nun zwei Hände am Werk sind, wobei die eine nun etwas tiefer Richtung Hintern wandert. Er weiss nicht so recht, ob sich das nun gut anfühlt oder doch eher nicht, und diese Hand verharrt nun einfach auf der Stelle zwischen Hoden und Anus, in einer ruhigen sanft kreisenden Bewegung. Hmmm... irgendwie fühlt es sich gar nicht schlecht an... und so wandern die Finger schliesslich wieder weiter und fangen an um den Anus zu kreisen...
... und wieder wird Will unsicher, als ihm plötzlich klar wird, wo das womöglich enden wird. Als ob ihm das nicht schon von vornherein klar gewesen wäre... Aber nun taucht plötzlich die Angst auf, dass es so weh tun könnte wie bei seiner Vergewaltigung... obwohl ihm sein Verstand und sein Herz sagen, dass seine Freunde hier ihm niemals weh tun würden, zumindest nicht absichtlich, sonst würde er wohl erst gar nicht hier bei ihnen liegen... aber diese verdammte Furcht lässt sich nicht so einfach abschütteln. Plötzlich fällt ihm auch auf, dass sich nicht nur die Finger an seinem Hintern nicht mehr bewegen, und die Finger, die vorhin noch seine Hoden gekrault haben, sondern auch dass Iris ihre Finger aus seinem Mund genommen hat. Sie muss seine Unsicherheit gespürt haben. Natürlich, sie ist schliesslich eine Hexe! "Ich hab etwas Angst..." flüstert er und hofft, dass dies in den Ohren der anderen nicht zu lächerlich klingt, die schliesslich so viel mehr Erfahrung haben.
Doch niemand lacht ihn aus, denn eigentlich sind Alexei und Lindsey schon erstaunt, dass er sich jetzt schon überhaupt so anfassen lässt, Schwärmerei und Geilheit hin oder her... "Du weisst ja, Will, je mehr du dich verspannst, desto mehr könnte es wehtun..." flüstert Iris und streichelt ihm über seine Haare. "Also lassen wir *sowas* vorläufig einfach mal sein, ist das okay?" - "Okay!" wispert er und klingt erleichtert. - "Oder sollen wir ganz aufhören?" - "Nein!" Er klingt regelrecht entsetzt und greift blindlings nach ihrer Hand, die er sogar auf Anhieb erwischt. Ihm kommt jedoch nicht in den Sinn, die Augenbinde abzunehmen. "Bitte nicht aufhören!" Er küsst ihre Hand. "Bitte!" Er steckt sich wieder zwei ihrer Finger in den Mund, um an ihnen zu lutschen. - "Na schön..." murmelt Iris und wechselt mit Alexei und Lindsey wieder verschwörerische Blicke.
Will spürt wieder die Hände auf seinem Körper und es fühlt sich gut an. Ein Paar Hände streichelt nun seine Oberschenkel, während das andere Händepaar wieder mit einem Schuss Massageöl Penis und Hoden massiert. Wer auch immer das tut, er versteht sein Handwerk... Oh Himmel, fühlt sich das gut an! Er windet sich ein wenig, denn natürlich kann er da nicht einfach ruhig und stocksteif (Haha!) liegen bleiben, während es in ihm kocht und brodelt! Mit beiden Händen hält er Iris' Hand fest, während er unter der Gürtellinie von vier geübten Händen bearbeitet wird, die seinen Leib zum vibrieren bringen... und er spürt, wie sich ein neuer Höhepunkt aufbaut, der ihn geradezu unerbittlich überrollen wird, das fühlt er genau... jawohl... jetzt gleich... gleich... jetzt... jetzt... JETZT!!!
Sein Herz schlägt noch wie wild, als Will sich nun langsam wieder entspannt. Irgendwie bekommt er nur am Rande mit, wie das Kissen unter seinem Hintern weggezogen wird und Iris ihm schliesslich auch die Augenbinde abnimmt. "Oh Gott..." murmelt er halbbenommen. Er weiss nicht, wer ihm die phantastische Handarbeit verpasst hat, doch es ist jedenfalls Lindsey, der nun nach einem Handtuch hangelt und ihm den vollgekleckerten Bauch abwischt. "Danke." Hört es sich dumm an, wenn er sich bedankt? Egal. "Danke!" wiederholt er und ist dabei den Tränen nahe. Freudentränen. - "Oh, Will, es war uns ein Vergnügen!" versichert Alex mit breitem Lächeln. - "Oh... kann ich... noch ein wenig mit euch kuscheln?" - "Aber klar!" meint Alex lächelnd - und auch Lin nickt, der Will's Unsicherheit ziemlich anrührend findet, zumal ihm das alles irgendwie ein wenig bekannt vorkommt... "Sicher!"
Tja, Alexei und Lindsey wären wohl beide froh gewesen, wenn sie irgendwann in grauer Vorzeit auch mal so sanft und spielerisch ja geradezu liebevoll an Sex herangeführt worden wären, wie es Will immerhin jetzt erleben darf... doch bei beiden lief es damals eher auf die harte Tour. Auf eine sehr harte Tour... Und trotzdem sind aus ihnen doch noch einfühlsame zärtliche Liebhaber geworden. Was wäre wohl aus ihnen geworden, wenn Iris ihnen nicht über den Weg gelaufen wäre bzw. sie aufgegabelt hätte? Abgesehen davon, dass sie dann schon längst tot wären...
"Darf ich dich anfassen?" fragt Will irgendwann leise flüsternd, während seine Hand bereits über Alexei's nackter Brust schwebt. - "Was? Äh... natürlich. Aber nicht kitzeln!" flüstert Alexei zurück und sieht Will nun zu, wie dieser vorsichtig mit seinen Fingerspitzen über seine glatte Haut streicht, als hätte er noch niemals zuvor nackte Haut berührt. "Ähm... nur so zur Information, Will: Ich bin nicht aus Glas!" meint er mit breitem Lächeln - was nun auch Will zum lächeln bringt. "Du fühlst dich gut an!" haucht er und streicht nun mit etwas mehr Druck über Alexei's Körper, den Linien seiner Figur entlang, spürt die Sehnen und Muskeln unter der zarten Haut. - "Du fühlst dich auch gut an, Will..." seufzt Alex leise. - "Wenn du mich anfasst, oder wenn ich jetzt dich anfasse?" fragt Will vorsichtig zurück. - Himmel, also manchmal erinnert Will wirklich sehr an seinen Vater. Möchte alles ganz genau wissen, jedes Missverständnis ausschliessen, so wie Mulder... "Beides!" erklärt Alex also lächelnd. "Glaub mir, Will, du fühlst dich gut an." - "Wirklich?" Doch ermutigt durch die aufmunternden Worte macht er weiter und streichelt schliesslich Alexei's Gesicht, als wollte hinterher blindlings eine Skulptur von ihm anfertigen, in der jeder einzelne Gesichtszug, jedes Lachfältchen, ja jede Pore verewigt werden sollte. "So weiche Lippen..." murmelt er versonnen und findet in Alexei's grünen Augen Zustimmung, also gibt er endlich seinem unwiderstehlichen Verlangen nach und drückt schliesslich seine Lippen auf den Mund des anderen Mannes. Zunächst etwas zaghaft, wirklich nicht mehr als ein blosses Aneinanderpressen der Lippen. Dann lässt Will versuchsweise seine Zungenspitze über Alexei's Lippen gleiten, der nun leicht den Mund öffnet... Irgendwie weiss Will gar nicht mehr so recht, wie es überhaupt gekommen ist, doch nun spürt er eine Hand sanft an seinem Hinterkopf und die andere an seinem Rücken, während er halb auf Alexei liegt und mit ihm wild rumknutscht, als gäbe es kein Morgen mehr. Und dabei stellt er fest, dass Alexei ganz ähnlich wie Iris schmeckt. Nach Vanille. So süss...
Nachdem sie sich wieder etwas voneinander gelöst haben - um kräftig zu atmen beispielsweise - meint Alex anerkennend: "Iris hat recht: Du kannst gut küssen!" - "Wirklich?" Will wird rot über dieses Kompliment.
"Darf ich das irgendwann auch mal testen?" meint Lin grinsend, worauf sich Will zu ihm umdreht. Allerdings geht es derzeit nicht um einen Kusstest, sondern Lin flüstert Will leise und verschwörerisch etwas ins Ohr - der daraufhin zu lächeln beginnt und sich wieder zu Alexei runterbeugt... um diesem dann den Hals abzuküssen und ihm über die Kehle zu lecken... was Alexei nun wohlige Geräusche entlockt, die Will zuvor kaum für möglich gehalten hätte. Es macht ihn unglaublich an, dass er es tatsächlich fertig bringt, einem anderen Menschen Lust zu bereiten... und dass es Alexei Lust bereitet, ist bald nicht mehr zu übersehen.
Ganz ruhig daliegen! sagt sich Alex. Wenn er jetzt einfach das mit Will täte, was er eigentlich am liebsten mit ihm tun würde, bekäme der Junge wohl einen ziemlichen Schreck. Bei ihm muss man es wirklich langsam und vorsichtig angehen lassen, damit der Junge lernt, dass Körperkontakt im allgemeinen und Sex im besonderen wirklich eine gute Sache ist, jedenfalls unter Leuten, die sich mögen, und in angenehmer Atmosphäre... Er ist fast etwas überrascht, als Will's rechte Hand nun weiter nach unten wandert und sich schliesslich um seinen Penis legt. Allerdings scheint Will dann nicht mehr so recht weiter zu wissen, denn seine Hand macht einfach gar nichts mehr - während Will nun fasziniert und etwas ratlos auf den fremden Penis in seiner Hand starrt. "Ich weiss nicht, was ich machen muss..." flüstert er etwas verschämt. - "Du *musst* nichts machen!" erinnert ihn Alex mit sanfter Stimme. - "Ich würde aber gerne..." - "Soll ich helfen?" erkundigt sich Lin und legt nach Will's Nicken dann seine Hand über die des Jungen, um ihm zu zeigen, was er alles tun kann...
Nachdem Alexei dann irgendwann gekommen ist, wird Will von einem seltsamen Glücksgefühl erfasst und ist mächtig stolz darauf, dass er es wirklich geschafft hat, jemanden zum Höhepunkt zu bringen.
"Oh, Will, das war wirklich guuut!" lobt Alex. "Du bist gut!" - "Wirklich?" Nicht nur Unsicherheit ist der Grund für diese Rückfrage... Will kann es gar nicht oft genug hören! - "Oh ja, wirklich!" bestätigt nun auch Lin und haucht Will einen Kuss auf sein Schulterblatt. "Du siehst nicht nur gut und so süss aus, dass man dich am liebsten abknutschen möchte, du bist auch ein Naturtalent..." flüstert er und merkt gleich, wie sich Will über solche Komplimente freut. Er küsst seinen Rücken runter und wandert mit seinem Mund dann über die Hüften langsam auf die Vorderseite. Wie sich bald herausstellt, ist Will am Bauchnabel etwas kitzlig... was seiner neu aufkeimenden Erregung jedoch keinen Abbruch tut. Lin's Zunge wandert noch weiter seinen Bauch runter, auch über das leicht drahtige Haar... und als er schliesslich einfach mal über die volle Länge von Will's Erektion leckt, entringt sich der Kehle des Jungen ein heiser gestöhntes 'Oh Gott!' Will liegt nun wieder auf dem Rücken, gespannt wie die Sehne eines Bogens, hebt unwillkürlich sein Becken etwas an, um mehr Kontakt zu bekommen, windet sich wie eine rollige Katze - und weiss nicht, was er mit seinen Händen machen soll, die er dann nach einigem Nachdenken vorsichtig in Lindsey's dichten Haaren vergräbt. "Oh mein Gott!" seufzt er und findet es unglaublich, wie sich das anfühlt, was Lindsey da treibt.
Offenbar möchte Will ihn noch warnen, bevor er kommt, doch Lin lässt ihn nicht los und schluckt alles. Es ist schon Will's dritter Orgasmus heute, also kommt nicht mehr allzu viel Sperma, auch wenn Will in diesem Alter als junger Mann ja gewissermassen in voller sexueller Blüte steht, wie manche sagen. Wie auch immer, es schmeckt irgendwie seltsam, denn inzwischen ist Lin natürlich den leichten Vanille-Geschmack gewohnt... aber egal, es ist auch so gut. William Charles Mulder ist auf andere Weise süss...
* * *
Als sie schliesslich wieder unter die Leute gehen - denn natürlich gibt es in New York so einiges zu sehen und sie können doch nicht die ganze Zeit nur im Bett rumhängen - ist Will ausgesprochen guter Laune, was auch die anderen freut.
Lindsey muss am Mittags noch einigen Papierkram wegen AVALON-MCDONALD'S erledigen; und diesmal ist er es, der eigentlich nur immer noch seine Unterschrift darunter setzen muss.
Iris und Alexei streifen währenddessen mit Will durch etliche Galerien, wobei sich der junge Künstler heute in besonderer Weise für Aktportraits interessiert... na was für eine Überraschung!
"Ich würde euch gerne malen..." murmelt er - worauf Alex die Stirn runzelt. "Du hast uns schon unzählige Male gemalt!" - "Ich meine... nackt. Im Bett. Akt-Portraits eben..." druckst Will herum. - "Ach." Alex weiss gar nicht, was er dazu sagen soll. "Und wozu?" - "Nur so, aus Spass. Ich würde es natürlich nie veröffentlichen!" - "Na das wäre ja noch schöner..." murmelt Alex und versucht sich vorzustellen, was die Leute wohl erst dazu sagen würden, solche Bilder vom berühmt-berüchtigten Avalon-Trio in irgendeinem Museum zu sehen.
Als sie abends oder besser gesagt am späten Nachmittag wieder zu viert in einem Restaurant essen, versuchen sie möglichst unauffällig zu sein. Lindsey trägt heute Jeans und Lederjacke, so wie Alexei, und ausserdem hat er sich sogar eine vermeintliche Lesebrille aufgesetzt, obwohl er ja hervorragende Augen hat, und seine Haare mit ein Bisschen Gel verstrubbelt... und alles nur, damit man ihn nicht gleich erkennt. Von der Presse und anderen anhänglichen Leuten hat er die Nase vorläufig gestrichen voll.
"Fehlt nur noch ein Ohrring!" meint Iris grinsend - worauf Lin sie seltsam anstarrt, weil er nicht so recht weiss, ob sie das nun erst meint oder ob es einfach nur so scherzhaft dahingesagt ist. Mit Alexei hat er öfters mal herumgealbert und darüber philosophiert, was alles möglich wäre an Piercings, Tattoos oder was es sonst noch alles gibt... aber letztendlich sind sie immer noch nackt. Natur pur. - "Oh ja, ein Ohrring wäre heiss!" meint jetzt Will begeistert. Obwohl er es weniger heiss findet, wenn sein Vater hin und wieder mit sowas rumläuft. Aber es ist wohl normal, dass man seinen eigenen Vater nicht heiss findet. "Ich will einen Ohrring!" Schliesslich tragen seine Schwestern auch Ohrringe und sogar Max trägt einen kleinen Brillant am linken Ohr. Und Iris hat ihnen dafür die Ohrläppchen durchstochen, was bei ihren heilenden Händen gar nicht weh getan hätte... "Iris, stichst du mir einen Ohrring?" - "Hmmm... willst du das wirklich?" fragt sie und legt den Kopf schief. "Schlaf lieber noch ein Bisschen drüber, Will. Und wenn du es wirklich ganz sicher willst, dann steche ich dir schon einen Ohrring, okay?" - "Okay!" meint Will, obwohl man ihm bestimmt ansieht, dass er es kaum erwarten kann, sich mit einem goldenen Ohrring zu schmücken.
Das Abendessen verläuft hübsch ruhig, denn Iris hat nichts am Essen zu meckern und erfreulicherweise scheint niemand von ihnen Notiz zu nehmen, was sie alle als sehr angenehm empfinden. Als wären sie ganz normale Leute und nicht das Avalon-Trio mit einem jungen Freund im Schlepptau.
* * *
Als sie wieder in ihre Hotelsuite kommen, können sie es kaum erwarten, aus ihren Klamotten und unter die Dusche zu kommen, denn sie haben ein Taxi ohne Klimaanlage erwischt und sind bei den hochsommerlichen Temperaturen total durchgeschwitzt... was ihnen allerdings die Laune nicht verderben kann. Besonders wo doch gemeinsames Duschen so lustig ist...
Danach ist Will jedoch etwas unsicher, ob er wieder mit ins Bett darf oder auf der Couch schlafen muss... doch auf einen Wink folgt er den anderen glücklich lächelnd ins Schlafzimmer.
Wobei Iris jedoch kurz darauf behauptet, sie hätte wohl Hitzewallungen oder sowas in der Art und müsste ganz dringend ein kaltes Bad nehmen, weshalb sie auch kurzerhand im Badezimmer verschwindet...
... und die drei Männer etwas unsicher zurücklässt. Aber schliesslich fangen sie dann an über goldene Ohrringe und allen möglichen anderen Unsinn zu plaudern.
Bis Will sich endlich eine Frage nicht verkneifen kann. "Äh... letzte Nacht... da hat jemand irgendwas von meinen perfekten Blowjob-Lippen geflüstert..." Will bemerkt lächelnd, dass Alexei und Lindsey daraufhin gegenseitig mit dem Finger aufeinander zeigen. - "Oh ja, du hast schöne volle Lippen... so richtig zum knutschen. Und wenn du eine Banane isst oder gar an Iris' Fingern rumlutschst, dann kommt man halt unwillkürlich auf so Gedanken!" erklärt Lin, der sich inzwischen für diese Gedanken nicht mehr schämt. - "Aha..." Es ist für Will immer noch ein aufregendes Gefühl, sexuell begehrt zu werden, und so wird ihm schon allein wegen dieser Worte wieder ganz anders. "Willst du mich mal knutschen?" erkundigt er sich mit heiserem Flüstern. "Weil... ich würde gerne auch mal mit dir knutschen..." - "Aber sicher doch!" meint Lin - worauf sich Will in seine Arme kuschelt und danach Lippenkontakt sucht... Und er stellt dabei fest, dass auch Lindsey diesen leichten Vanille-Geschmack hat. Irgendwie benutzen Alexei und Lindsey wohl nicht nur gelegentlich Iris' Parfum, sondern auch ihre Zahnpasta, dass sie so nach ihr duften...
Rumkuscheln und Schmusen ist wirklich schön.
Und nachdem sie sich alle schon eine Weile gegenseitig gestreichelt, ausgekitzelt und abgeküsst haben, würde Will gerne einen Schritt weitergehen und ausprobieren, ob seine Blowjob-Lippen auch halten, was sie offenbar zu versprechen scheinen... immerhin lutscht er ja auch gerne an Iris' Fingern rum. Überhaupt lutscht er gerne ständig an irgendwas rum, so wie sein Vater immer noch gerne Sonnenblumenkerne knabbert. Jemand hat das mal eine Orale Fixierung genannt. Er muss daran denken, wie Iris manchmal an ihrem Eis am Stil rumleckt, und es erregt ihn irgendwie, dass es andere ähnlich erotisch finden, wenn er eine Banane isst... Oh Gott, William Charles Mulder als Objekt der Begierde, allein bei dem Gedanken wird ihm ja schon ganz anders.
"Willst du wirklich?" fragt Alex nach, nachdem Will endlich damit rausgerückt ist. "Bist du sicher?" - "Sicher?" Will lächelt nervös. "Oh Gott, nein, ich bin unsicher, ich zittere vor Nervosität... aber ich möchte euch so gerne auch was Gutes tun!" - "Will, du musst dich nicht verpflichtet fühlen, uns mit sowas irgendwas Gutes zu tun!" erklärt nun Lin und fühlt sich an sein Erste Mal mit Alexei erinnert, nur dass diesmal die Rollen anders verteilt sind. - "Nein, nein, ich meine, ich fühle mich nicht verpflichtet... ich meine, ich möchte es wirklich! Ich möchte es wenigstens gerne mal versuchen..." stottert Will und wird dabei wieder mal rot - und Alex findet es süss, wie Will immer noch ständig rot wird. "Na wenn du wirklich willst... dann tu dir keinen Zwang an!" meint er lächelnd.
Irgendwie ist es diesmal Lindsey McDonald, der das grosse Los gezogen hat und sich jetzt einfach mal möglichst entspannt zurücklehnt, dabei aber gespannt ist, was ihn wohl erwartet.
Will versucht sich an all sein durchaus vorhandenes theoretisches Wissen zu erinnern und daran, was Lindsey ja letzte Nacht mit ihm gemacht hat, aber er ist anfänglich noch etwas zaghaft, bis ihm das erregte Stöhnen seines 'Opfers' unmissverständlich klar macht, dass er wirklich auf dem richtigen Weg ist. Na schön, es ist ein wenig anders als Iris' Finger, doch irgendwie... geil. Flüchtig geht ihm durch den Kopf, dass er jetzt in diesem Augenblick, indem er nur dieses eine Stück Fleisch kontrolliert, den ganzen Lindsey McDonald kontrolliert, der sich unter seinen Händen und unter der Berührung seines Mundes vor Lust windet... und der ihm gerade mit keuchendem Gebabbel klarzumachen versucht, dass er gleich soweit ist. Doch Will hat beschlossen, dass er aufs Ganze gehen will. Na ja, es war kein eigentlich Beschluss, irgendwie kann er einfach nicht anders... und spürt nun das Zucken in seinem Mund, schmeckt ihn...
... und findet es etwas seltsam, dass sogar das Sperma ein Bisschen nach Vanille schmeckt. Leidet er eigentlich schon an Halluzinationen, dass er überall Vanille riecht und schmeckt? Oder... oder was?! "Er schmeckt nach Vanille!" - "Ich weiss!" meint Alex grinsend. "Das kommt wohl davon, dass Iris sich und uns immer so mit Vanille in allen möglichen Variationen voll stopft... sowas färbt irgendwann auf den Geschmack ab." Oh ja, diese Erklärung haben sie sich schon lange zurechtgelegt für den Fall, dass diese Frage mal auftaucht. "Und es dürfte dir ja nicht entgangen sein, dass sie Vanille liebt." - Will nickt, ist offenbar mit der Erklärung zufrieden... und nicht nur mit der Erklärung. Dann schaut er Lindsey an, der mit geschlossenen Augen und zufriedenem Grinsen immer noch daliegt, als wäre er nach einem Marathonlauf erschöpft zusammengebrochen. Die Frage, ob es ihm gefallen hat, müsste sich wohl erübrigen... doch er freut sich, als Lindsey die Augen aufschlägt und ihn für einen langen Kuss zu sich hochzieht. - "Du bist toll!" - "Wirklich?" - "Ja, wirklich!" versichert Lin und küsst den Jungen erneut, denn schliesslich kuschelt er gerne nach dem Sex... und er sieht Alexei's breites Grinsen. Na warte, der kommt schon auch noch dran, die Nacht ist noch jung!
Und tatsächlich kommt nach einer schönen kuscheligen Verschnaufpause nun wieder Alexei dran... und Lin leckt und lutscht an ihm, so dass sein Boss wieder diese tiefen Geräusche macht, die manchmal fast an Iris' Schnurren erinnern. Lin kniet zwischen den weitgespreizten Beinen seines 'Opfers' und hält mit einer Hand den Schaft massierend umschlungen, lutscht an der Spitze... und lässt seine andere Hand gerade in Richtung Hintern wandern, nachdem er einen Finger mit Massageöl benetzt hat.
Die Kunstfertigkeit mit der Lindsey einhändig mit dem Massageöl umgeht, lässt Will zu dem Schluss kommen, dass er damit wohl viel Übung haben muss... und fasziniert schaut er zu, wie dieser eingeölte Finger nun gerade langsam in Alexei's Anus wandert. Und was auch immer Lindsey dort mit dem Finger macht, es muss gut sein, denn Alexei keucht irgendwas, das klingt verdächtig nach JAAAAAA! und OH GOTT! Und dann sagt er nichts mehr, sondern gibt nur diesen merkwürdigen Ton von sich, den er offenbar immer von sich gibt, wenn er kommt. Will fragt sich plötzlich, ob er selbst eigentlich auch so seltsame Geräusche gemacht hat, die bei ihm eine erregte Gänsehaut verursachen...
Danach zieht Alexei Lindsey zu sich hoch, um ihn leidenschaftlich zu küssen. Eine Leidenschaft, die offenbar auch nach so vielen Jahren nicht abgekühlt ist, dauert sie doch schon länger, als Will auf der Welt ist... Für einen flüchtigen Moment kommt ihm der Gedanke, dass seine Eltern womöglich auch noch so leidenschaftlich sein könnten, immerhin knutschen sie auch heute noch herum... aber an seine Eltern will er jetzt wirklich nicht denken, nein, wirklich nicht, er will sich gar nicht erst vorstellen, was sie wohl dazu sagen würden, wenn sie wüssten, was er hier so treibt... oh ja, darum wird er ihnen auch lieber nichts davon erzählen.
Irgendwie liegt schliesslich Will zwischen den beiden anderen und geniesst Streicheleinheiten und Küsschen oder einfach das Gefühl von nackter Haut auf nackter Haut.
Und irgendwann kommt auch Iris wieder zurück, die natürlich alles aufmerksam beobachtet hat, und kuschelt sich schliesslich zwischen Alexei und Will, weil ihr dort gleich einladend Platz gemacht wird.
"Na, Schätzchen, dir scheint es bei uns zu gefallen?" flüstert sie und malt dabei mit ihren Fingerspitzen unsichtbare Kringel auf Will's Brust. - "Oh ja! Ich hätte nie gedacht... dass es so schön sein kann..." Er schmiegt sich an sie, vergräbt sein Gesicht in ihrer Halsbeuge und wieder steigt ihm ihr betörender Vanille-Duft in die Nase. "Ihr seid so gut zu mir..." - "Aber Schätzchen, du bist doch auch gut zu uns..." flüstert sie und streicht weiterhin mit ihren Händen über seinen jugendlichen heissen Körper, der schon wieder nach Berührung lechzt. "Es ist eine Freude mit dir und keine Zumutung, vergiss das nicht!" Sie hebt sein Kinn an und küsst ihn auf den Mund...
... worauf er sich mit vollem Körpereinsatz an sie presst und sie umschlingt.
Irgendwie ist alles ein wenig verschwommen, doch als Will sich umsieht, ist Iris wieder weitgehend von ihm runtergeklettert und drückt ihn nicht mehr mit ihrem vollen Gewicht auf die Matratze, macht ihm aber gerade einen Knutschfleck am Hals... und ein Finger steckt in seinem Hintern, während er seine Beine weit gespreizt hat. Das weiss er plötzlich deshalb so genau, weil der Finger sich zu bewegen beginnt. Und das fühlt sich... äh... Oh Gott, das fühlt sich *toll* an... und da, da, daaaaa, ja genau, das muss die Stelle sein, die er bislang nur vom Hörensagen kannte... Und plötzlich spürt er auch noch eine Zunge an seinem Penis, hat jedoch nicht mal mehr die Nerven, um nachzusehen, wer ihn da beglückt, da immer noch Iris mit ihren Zähnen an seiner Kehle hängt. Himmel, das ist einfach alles zu gut, um wahr zu sein... das ist... phantastisch... jaaaaaaaaaaa!
"Du hast ihn gebissen!" konstatiert Alex das Offensichtliche und betrachtet den bewusstlosen Jungen mit dem seligen Lächeln auf dem schweissnassen Gesicht. - "Reg dich ab, es wird ihm schon nicht schaden!" meint Iris und küsst die Bisswunden weg, lässt auch den unübersehbaren Knutschfleck an der Kehle verschwinden. Na schön, es ist mit ihr durchgegangen... was soll's!
"Wird er sich erinnern?" fragt Lin besorgt - doch Iris, alles andere als besorgt, lächelt breit. "An den Biss?! Nööö... Er wird sich höchstens an den gigantischsten Orgasmus seines Lebens erinnern!" - "Bist du sicher?" - "Ja, klar!" Sie hängt sich nochmal kurz an Will's Kehle, um einen neuen, aber weniger auffälligen Knutschfleck zu machen. "So. Perfekt."
Als Will wieder zu sich kommt, kuschelt er sich mit geschlossenen Augen an den nächstbesten Körper und schläft wieder ein... und Lin streichelt dem Jungen in seinen Armen übers Haar.
"Er ist wirklich süss!" flüstert Alex und beobachtet, wie Will ruhig und friedlich atmet. "Meinst du, das alles hat ihm wirklich gut getan?" - "Fragst du das im Ernst?" meint Iris grinsend. - "Oh, ich glaube gerne, dass es ihm gefallen hat!" erklärt Alex. "Aber wie geht es weiter? Ich meine, er kann ja wohl nicht in Zukunft immer mit uns in einem Bett schlafen, oder? Wenn die anderen das erfahren... Oh Gott, Mulder macht doch Hackfleisch aus uns!" - "Ach was! Ausserdem hat Will nicht vor, Mulder davon zu erzählen." - "Ix wird es ihrem Bruder an der Nasenspitze ansehen, selbst wenn er ihr nichts erzählt." - "Aber Ix wird nichts weitererzählen." - "Na schön. Mal angenommen, die Kinder erzählen nichts weiter... Dann haben wir immer noch das Problem, was mit Will weiter ist." - "Was soll denn mit Will weiter sein?" - "Ach, Iris!" ächzt Alex kurz. "Was wird weiter mit ihm?" - "Woher soll ich das wissen? Er ist noch jung und er wird sicher noch einiges ausprobieren. Hast du Angst, dass er nun für den Rest unseres Lebens wie eine Klette an uns hängt, weil er sich unsterblich verliebt hat, oder sowas in der Art?" - "Ach, ich weiss auch nicht. Ich meine... wir mögen ihn wohl alle sehr gerne, oder? Und wir wollen doch nicht, dass seine Gefühle verletzt werden." - "Keine Sorge. Er wird damit leben können, denn sooo zerbrechlich ist er auch wieder nicht!" versichert sie. "Und ausserdem hast du ja selbst gesagt: Wir mögen ihn alle sehr gerne! Und er mag uns. Also wo liegt denn eigentlich das Problem?" - "Das Problem ist, dass... äh..." Alex weiss nicht so recht. "Dass es eine verbotene Affaire ist, von der andere nichts erfahren dürfen, weil sie uns sonst für eine unmoralische Bande von perversen Kinderschändern halten..." - "Sei still!" zischt Iris, die es nicht leiden kann, mit perversen Kinderschändern in einen Topf geworfen zu werden. - "Tut mir leid!" murmelt Alex etwas betreten und kratzt sich am Kopf. Warum in aller Welt kommt ihm alles plötzlich so schrecklich kompliziert vor? Irgendwie überkommen ihn doch immer wieder solche Anfälle von pessimistischer Schwarzmalerei... "Verdammt, er ist doch noch so jung, vielleicht weiss er gar nicht, auf was er sich da eigentlich eingelassen hat." - "Alexei... Will ist doch nicht blöd." - "Ja, schon. Aber glaubst du wirklich, *er* kann noch klar denken, wenn dein Vanilleduft in der Luft schwebt? *Wir* können ja nicht mal mehr klar denken! Und Will ist gerade mal 18 Jahre alt und es war sein Erstes Mal!"
Iris sieht Alexei einfach eine ganze Weile an, wie er grübelt und sich ständig nervös durch die Haare streicht, als wollte er seine Dunklen Gedanken mit Gewalt aus seinem Kopf bekommen. "Hör auf, dir Sorgen um Will zu machen, denn der Junge wird schon klarkommen. Aber *du* bist es, der hier ein Problem hat." - "Ich habe ein Problem?" - "Du machst alles so kompliziert, weil du selber... plötzlich wieder ein schlechtes Gewissen hast oder so. Siehst du dich etwa selbst als perversen Kinderschänder?" Sie legt den Kopf etwas schief. "Schätzchen! Davon abgesehen, dass Will inzwischen sogar offiziell volljährig ist... Also *wir* haben ihn bestimmt nicht vergewaltigt oder sonstwie missbraucht, schliesslich sind wir seine Freunde und mögen ihn verdammt gerne. Schwärmerei und Geilheit hin oder her... er hat es gewollt! Wir haben nichts gemacht, was er nicht gewollt hätte, und er hat es genossen. Und du musst dir keineswegs abartig und unnormal vorkommen, wenn du ihn heiss findest, schliesslich ist er nun mal eine geile Sahneschnitte!"
Geile Sahneschnitte?! Ja, sicher, stimmt schon, aber irgendwie ist Alex über die Art irritiert, wie sie das sagt. Als er einen Blick auf Will wirft, wird ihm auch klar warum, denn der Junge ist wach und sieht ihn mit grossen Augen an, während er immer noch in Lindsey's Armen liegt. Auweia, wie lange hört er wohl schon zu?! "Oh, Will..." meint er nur, da er jetzt sowieso nicht weiss, was er ihm sagen soll.
"Ich bin also eine geile Sahneschnitte?" murmelt Will schliesslich - und ganz offensichtlich scheint er das nicht nur als Kompliment zu nehmen, es macht ihn sogar an. "Ja, genau, mein Süsser!" Iris lächelt ihn an und blinzelt verschwörerisch. Sie beugt sich zu ihm runter und drückt ihm einen Kuss auf den Mund - den Will leidenschaftlich erwidert, immerhin hat er ja in den letzten Tagen küssen gelernt und möchte ihr gerne zeigen, was er inzwischen drauf hat. Immer und immer wieder... Ihrem Lächeln nach scheint sie mit ihrem Schüler zufrieden zu sein, was ihn irgendwie stolz macht. Offenbar stellt er sich ja gar nicht so blöd an, wie er früher immer befürchtet hat. Danach wendet er seinen Blick Alexei zu, von dessen grünen Augen (die aus seiner Sicht eben immer Lex' grüne Augen waren, anstatt umgekehrt) er schon immer fasziniert war. "Ich bin kein Kind mehr, Alexei!" versichert er und streckt seine Hand nach ihm aus... um ihn dann näher zu sich heranzuziehen, was allerdings mehr damit endet, dass Will sich nun aufgerichtet hat und ihn umarmt. "Wirklich!" Er presst leidenschaftlich seine Lippen auf Alexei's Mund und ist glücklich, dass dieser nach einigen Sekunden den Kuss erwidert. "Ich mag euch..." haucht Will und lässt seinen Mund dann auch über Alexei's Hals wandern. Jawohl, er will ihn gewissermassen verführen. "Ich will dich!" murmelt er zwischen den Küssen. "Sag mir, dass du mich auch willst..." Wieder leckt er sanft am Hals herum, von der Kehle bis zu der kitzligen Stelle hinter den Ohren. "Komm schon, Alexei..." Allerdings ist Will doch noch zu unsicher und zu wenig erfahren, um die Lage wirklich einschätzen zu können... weshalb er Alexei nun stumm ansieht. Und dann traurig sagt: "Du willst mich nicht?!" Seine Stimme klingt auf einmal kläglich, denn Will kommt es plötzlich so vor, als ob das alles nur ein schöner Traum gewesen wäre und jetzt das böse Erwachen folgt...
... doch dann schliesst Alex ihn fest in die Arme und küsst ihn. "Oh doch, Will..." flüstert er. "Ich will dich." Und wenn der Junge ihn auf solche Weise abknutscht, kann er in ihm wirklich kein Kind mehr sehen. "Ich mag dich wirklich sehr gerne... du geile Sahneschnitte!" - "Ja?" Will muss lachen und ist froh darüber, denn es käme ihm komisch vor, wenn er jetzt vor Freude zu heulen anfangen würde. "Na dann... vernasch mich!"
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"Um diesen Deal mit AVALON-MCDONALD'S hat es also einen grossen Medienrummel gegeben und dabei haben ist dann irgendwie auch rausgekommen, dass sie eigentlich ein Trio sind... war das denn sowas besonderes?" - "Hmmm... eigentlich schon. Aber damit wurden sie als Avalon-Trio gewissermassen auch Vorbilder... und Bisexualität wurde endlich als etwas völlig natürliches angesehen. Ach ja... sie haben übrigens ganz offensichtlich Will auf diese Reise nach New York mitgenommen, denn er hat hinterher einige Bilder darüber gemalt."
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[AVALON-VILLA, AUSSERHALB VON WASHINGTON]
"Offenbar hat Will die Reise nach New York gut getan..." sinniert Mulder - und Dana nickt. Ihr Sohn sieht irgendwie glücklich aus. So entspannt ist er schon seit etlichen Wochen nicht mehr gewesen, doch irgendwie scheint es ihm jetzt richtig gut zu gehen. Und seine Bilder sind auch nicht mehr so düster...
Verschiedene Impressionen aus New York... Und dann natürlich das riesige Gemälde PRESSEKONFERENZ: Das Avalon-Trio im Blitzlichtgewitter. Zwar hat es nicht wirklich eine richtige Pressekonferenz mit Iris, Alexander Sinclair und Lindsey McDonald gegeben, doch Will sagt einfach, so hätte es dann gegebenenfalls wohl ausgesehen! Iris in der Mitte, natürlich elegant in schwarz und mit den auffälligen Brillantklunkern, flankiert von Alexander Sinclair und Lindsey McDonald. Tja, Iris gefällt das Bild, dann darauf würde sie wohl niemand wiedererkennen, wenn sie normal rumlaufen würde...
* * *
Ix ist in den Ferien nach Hause gekommen. Oh ja, sie betrachtet die Avalon-Villa als ihr Zuhause, daran wird sich auch nichts ändern. Sobald sie nach der Begrüssung durch Mulder und Dana ihre Reisetasche in ihrem Zimmer abgestellt hat, besucht sie ihren Bruder in seinem Atelier.
Auf den ersten Blick sieht sie, dass sich die Stimmung ihres Bruders in den letzten zwei Wochen merklich gebessert haben muss, denn überall strahlen nun fröhlichere Farben. Und als sie ihm in die Augen sieht, weiss sie auch den Grund dafür. "Du hattest Sex!" - "Hi, Ix, ich freue mich auch, dich zu sehen!" erwidert Will mit breitem Grinsen und kaut dann weiter an seinem Bonbon. Pastillen mit Vanille-Geschmack... - Ix gibt ihm lächelnd links und rechts einen schwesterlichen Schmatz auf seine Wangen. "Ich hab dir ja gesagt, dass Iris phantastisch küssen kann! Und Alexei und Lindsey offenbar auch..." - "Ja." Will sieht sich kurz verschwörerisch um. Er hat ja gewusst, dass er es vor seiner Schwester nicht verheimlichen kann. "Aber erzähl bitte niemandem was davon!" - "Aber klar doch. Dein Geheimnis ist bei mir sicher, ich werde Mom und Dad schon nichts erzählen." Sie umarmt ihn und spart sich die Frage, ob es ihm gefallen hat, denn das ist ja wohl offensichtlich.
* * *
Am nächsten Tag kommen Iris, Alexei und Lindsey wieder aus Washington zurück, da sie ihre Zeit ja inzwischen lieber draussen auf dem Land verbringen, ganz besonders im Sommer.
Das lockt sogar Will mal wieder aus seinem Atelier und er planscht ausgelassen mit ihnen im Badeteich rum, wobei er immer wieder an Iris' Worte denken muss von wegen nass und nackt... Aber sie bleiben natürlich ganz anständig und erlauben sich dabei nur harmlose pseudo-zufällige Berührungen. Nur hinter dem Wasserfall-Vorhang gibt es auch ein paar heisse Küsse...
"Kann ich heute Nacht zu euch ins Zimmer kommen?" fragt Will etwas atemlos - und so pitschnass sieht er wirklich zum abknutschen aus. "Wenn du willst..." Iris lässt ihre Hände über Will's Körper gleiten und drückt ihn an sich, um erneut mit ihm rumzuknutschen. Hin und wieder ein Bisschen rumknutschen wird schon nicht schaden...
* * *
"Ihr werdet ihm doch hoffentlich nicht das Herz brechen?!" meint Ix und reicht ihren Joint an Iris weiter, die immer noch ihren Leopardenbikini trägt, in dem sie vorhin noch im Teich rumgeplatscht ist. Erstaunlicherweise trocknen nasse Sachen bei ihr immer wahnsinnig schnell und auch ihre Locken sind längst wieder trocken. "Mein Bruder ist sensibel... aber wem erzähl ich das. Ihr werdet ihm schon nicht das Herz brechen, nicht wahr!" - "Ich mag ihn. Alexei und Lindsey mögen ihn auch sehr. Wir haben nicht vor, ihm irgendwas zu brechen..." Iris nimmt einen tiefen Zug vom selbstgedrehten Glimmstängel. Hasch aus eigenem Anbau... guter Stoff. - "Ich meine, ihr werdet ihn nicht plötzlich abservieren, wenn ihr genug von ihm habt als Betthäschen, oder irgendsowas in der Art, nicht wahr?" - "Ach, er ist doch nicht nur ein Betthäschen, wir mögen ihn auch so gerne. Er fürchtet nur, dass eure Eltern nicht sehr begeistert davon wären... Wer weiss, vielleicht verliebt sich Will ja auch bald in ein nettes Mädchen und hat dann eh keine Lust mehr, mit uns rumzuhängen?" Sie gibt Ix den Joint zurück und lässt sich auf den Rücken fallen. Im Schatten der Bäume ist es sehr gemütlich auf dem Rasen. - "Ach was. Will hat niemals eine andere Frau geliebt als dich, Iris, das weisst du genau. Ansonsten steht er mehr auf Männer, das merkt doch jeder, ausser meinem Vater natürlich." Ix schaut auf Iris runter und gibt ihr einen Kuss, um wieder mal vom süssen Vanille-Geschmack zu kosten. Tja, irgendwie ist sie ihrem Bruder da sehr ähnlich: Sie hat auch nie eine andere Frau begehrt als Iris und steht ansonsten mehr auf Männer... Na ja, die gelegentlichen Spielchen mit Lex sind wieder eine ganz andere Geschichte. "Iris, versprich mir, dass du Will nie verkuppeln wirst!" - "Verkuppeln? Darf ich ihn etwa nicht mal anderen Leuten vorstellen oder sowas in der Art?!" Iris Augen flackern ein Bisschen zwischen hellem Himmelblau und dunklem Mitternachtsblau. Sie hat ihre Kontaktlinsen vergessen, aber irgendwie ist es ihr egal, schliesslich weiss Ix ja, dass sie eine Hexe ist. Eine besondere Hexe!
Oh ja, eben weiss Ix, dass die Zauberhafte Hexe ziemlich besonders ist... "Du weisst genau, was ich meine! Keine Tricks! Bitte!" - "Na schön, ich versprech's!" meint Iris seufzend und greift wieder nach dem Joint. "Keine Kuppelei!" Sie sieht Ix an. "Weisst du... ich habe nicht gekuppelt. Er war eigentlich wirklich auf der Couch einquartiert und ist freiwillig in unser Bett gekommen, ganz ehrlich." - "Ich weiss. Er hat schliesslich schon lange von euch geschwärmt, das ist mir durchaus nicht entgangen. Und Max und Lex wissen das auch. Aber keine Sorge, wir erzählen nichts weiter."
* * *
"Argon, du lässt die Finger von Will!" verlangt Lex und bohrt dem Mann ihren spitzen Finger in den Bauch. - "Wie kommst du überhaupt darauf..." - "Versprich es mir einfach!" Sie sieht ihn streng an - und er setzt ein steineschmelzendes Lächeln auf. "Ich verspreche es hoch und heilig!" Dann legt er den Kopf etwas schief. "Aber ich hätte ohnehin meine Finger von ihm gelassen, ehrlich!"
* * *
"Sag mal, Ix, hast du geraucht?" meint Max und schnuppert verdächtig an ihr - worauf sie ihm einen spielerischen Klaps verpasst. "Finger weg von meinen Joints!" - "Aber krieg ich einen?" fragt Lex mit Unschuldsmiene, worauf ihr grosser Bruder kurz die Augen verdreht.
Nach einigem Getratsche - und nachdem der Joint schon ein paar Mal die Runde gemacht hat - stösst endlich auch Will zu ihnen, um das Quartett wieder zu komplettieren.
Nach ein Bisschen Smalltalk fragt Max dann geradeheraus: "Und, wie ist es so mit unserem Avalon-Trio?" - "Phantastisch!" erklärt Will und klingt wieder ganz schwärmerisch. "Sie sind so lieb zu mir..." - "Ist es so, wie du es dir immer vorgestellt hast?" - "Es ist noch besser." - "Na dann freut es mich für dich!" meint Max und er meint es wirklich ehrlich. Na schön, als Ix ihm sowas angedeutet hat, da hat er es erst für einen Scherz gehalten und dann hat er sich gefragt, ob es ihm nicht eigentlich etwas äh merkwürdig vorkommen sollte, dass bei dieser Konstellation jetzt sein leiblicher Vater mit seinem Cousin schläft... aber seltsamerweise kommt es ihm gar nicht so abartig vor, wie es vielleicht sollte. Und Iris ist ja sowieso jenseits von Gut und Böse...
* * *
Schweissnasse Leiber liegen ermattet aber glücklich und zufrieden im zerwühlten Bett... Will ist glücklich, dass er seine Angst überwunden hat und Sex nun in allen Variationen geniessen kann.
"Erinnerst du dich noch an den Ohrring?" fragt Will und sieht Iris mit diesem flehenden Hundeblick an. "Ich habe darüber geschlafen. Und ich will immer noch einen. Würdest du mir also einen stechen? Bitte!" - "Bist du sicher?" - "Ja, ich bin sicher. Und es wäre mir lieber, wenn du mir die Ohren durchstichst, als wenn ich zu einem Juwelier gehen müsste..." - "Na dann..." Sie streckt sich, um blindlings etwas aus ihrer Tasche zu holen, die auf dem Nachttisch liegt. Ein goldener Ohrring.
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"Dann war also alles wieder in Ordnung mit diesem Will, der endlich mal Iris malen durfte und sie damit berühmt machte?" - "Na ja, bis der kleine Pechvogel den nächsten Schicksalsschlag hatte..." - "Schon wieder ein Schicksalsschlag? Wurde er wieder Opfer eines Verbrechens?" - "Hmmm... wartet nur mal ab, Jaella!" All'Una stellt fest, dass Verbrechen wohl bei der Fürstin nicht nur auf Abscheu, sondern auch auf Faszination stossen. Normal. "Zuerst scheint Will wirklich regelrecht aufgeblüht zu sein, hat gemalt wie besessen und war innerhalb eines Jahres schon drauf und dran, als Künstler berühmt zu werden..." - "Ist ja niedlich! Ein berühmter Künstler?!" - "Na ja, so ungefähr." - "Hat er dann auch für AVALON gemalt und Kunst gemacht?" - "Oh ja, das dann auch..."
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[Eine Datscha, ausserhalb von Moskau]
Auch nach über 19 Jahren mit Alexei sind Lin's Russisch-Kenntnisse nur rudimentär und reichen gerade mal, um sich einen Wodka zu bestellen oder bis zum Hotel durchzufragen. Und doch liebt er die gelegentlichen Russland-Reisen sehr... allerdings weniger wegen der Russischen Landschaft und Kultur, sondern vielmehr wegen Alexei's Russisch und wie der gute Mann immer richtig aufblüht, wenn er sich mit irgendwelchen Typen rumstreiten kann, mit ihnen Wodka trinkt und womöglich plötzlich noch Russische Trinklieder zum besten gibt... Zwar kann ja mittlerweile bestimmt mindestens die Hälfte der Russischen Bevölkerung ziemlich gut Englisch, doch die Russischen Geschäftspartner von AVALON haben es schon immer zu schätzen gewusst, dass der Stiftungsratsvorsitzende Alexander Sinclair mit ihnen in ihrer Sprache gesprochen hat. Und sie wissen es jetzt auch zu schätzen, dass der Verwaltungsratspräsident von AVALON-MCDONALD'S jemanden dabei hat, der perfekt Russisch kann. Zu seinem Leidwesen wird Lin irgendwie von allen auf Anhieb als Amerikaner erkannt, selbst wenn er überhaupt nicht den Mund aufmacht, und er weiss nicht, woran das liegt. Dafür geht Iris stets problemlos als Russin durch, obwohl sie seiner Meinung nach doch eigentlich viel amerikanischer aussieht als er... aber versteh mal einer die Leute!
Diese Datscha hier - ein grosses Landhaus mit noch grösserem Garten oder eher Wildnis drumherum - soll früher mal einem hochdekorierten Genossen General gehört haben... aber die Genossen gehören ebenso der Vergangenheit an wie der Kalte Krieg und Lin findet es nicht schade drum, denn er gehört bestimmt nicht zu den Leuten, die ständig sagen, dass früher alles besser war. Wie auch immer, jetzt hat sich Iris für AVALON also noch eine Datscha gekauft, weil sie es leid war, in Moskau selbst auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden, nachdem sie ja seit der Sache mit MCDONALD'S im letzten Jahr nun ein wenig berühmter sind. Na schön, Iris hätte die Datscha wohl sowieso gekauft, denn sie mag es, wenn AVALON gewissermassen stilechte Residenzen hat, überall auf der Welt, und es war gewissermassen ein richtiges Schnäppchen.
Wie auch immer, man merkt schon, dass sich seit dem letzten Jahr einiges verändert hat. Vor zwei Jahren haben sie noch zusammen mit den Kindern durch Moskau streifen können, ohne dass sie von irgendwem beachtet worden wären, doch das wäre heute wohl kaum noch möglich, wenn ihnen schon beim Ankunft am Flughafen gewissermassen ein Staatsempfang bereitet worden ist und nur noch der rote Teppich fehlte... Will hat beim letzten Mal viel skizziert in Moskau und zeigte sich dabei auch vom Gold der Zaren und den ganzen Kunstschätzen angemessen beeindruckt.
Aber jetzt ist Will daheim und bereitet sich auf seine erste Vernissage vor, die im Kunstmuseum in Washington stattfinden wird. Jawohl, in genau jenem Kunstmuseum...
"Da seid ihr ja!" meint Lin erleichtert, als er Iris und Alexei im Garten entdeckt, wo sie trotz perfekter Russisch-Kenntnisse jedoch ziemlich lange brauchen, um das Hausmeister-Ehepaar davon zu überzeugen, dass sie für die Dauer ihres Aufenthaltes hier bestimmt keine Hilfe benötigen und auch selber kochen würden. Aber schliesslich schaffen sie es doch noch, dass die beiden Leute zum kleineren Verwalterhäuschen zurücktrotten.
"So, jetzt haben wir sturmfreie Bude!" meint Iris vergnügt, die heute ebenfalls in Jeans und Lederjacke unterwegs ist und damit die Bediensteten hier gewiss irritiert hat, haben die doch bestimmt erwartet, dass Iris (Mrs. Avalon persönlich, wie manche Leute sie sogar schon nennen) den lieben langen Tag im eleganten schwarzen Abendkleid und mit ihren Brillantklunkern rumspaziert. - "Sturmfreie Bude?" echot Alex und wackelt vielsagend mit den Augenbrauen. "Hast du etwa vor, eine grosse Party zu schmeissen?" - "Hmmm... eigentlich habe ich eher an eine kleine Orgie gedacht?!" erklärt sie mit anzüglichem Lächeln und fängt dann auch schon an, Alexei und Lindsey auszukitzeln - die sich schliesslich nur noch dadurch zu helfen wissen, dass sie die kichernde Zauberhafte Hexe packen und zu zweit ins Haus tragen, um sie dann im Schlafzimmer auf das grosse Bett zu werfen. Und sich selbst werfen sie gleich hinterher...
* * *
[MOSKAU]
Iris findet es immer ganz fabelhaft, wenn sie Alexei den ganzen Smalltalk überlassen kann... und obwohl der Gute ja oft so tut, als wäre ihm sowas überaus zuwider oder mindestens lästig, so steht die Sache auf Russisch doch ganz anders.
Alex schäkert gerade mit Vertretern der Russischen Gesundheitsbehörden herum (schliesslich soll es hierbei um Lizenzen für neue Medikamente gehen, da kommen ein paar Ärzte-Patienten-Witze immer gut) - als Iris plötzlich das Wasserglas in ihrer Hand zerbricht.
Alex und Lin sind beide mit ein paar Sätzen bei ihr und merken an ihrem starren Blick, dass sie wohl gerade eine Vision hat oder sowas in der Art. Sie blinzelt und murmelt, dass irgendwas passiert wäre. "Was ist passiert?" fragt Alex leise flüsternd, doch Iris schüttelt den Kopf, als wollte sie ihre Vision lieber abschütteln, als nochmal daran zu denken, und knallt sich dann mit der flachen Hand mehrmals gegen die Stirn. Das sieht ja ganz danach aus, als wäre es was schlimmes... - und Iris bestätigt das. "Will hatte einen Unfall. Einen schweren Unfall." - "Oh Gott... ist er etwa..." - "Nein..." - Irgendwie beruhigt dieses NEIN nicht besonders, es klingt etwas zögerlich, als würde es noch auf Messers Schneide stehen...
Auf einen Blick von Iris hat Lin schon mal sein Handy gezückt (obwohl man die modernen Dinger mit Bildfunktion und allen Schikanen ja inzwischen nur noch Communicator zu nennen pflegt) und Will's Nummer gedrückt. Kurzwahl Nr. 4, nach Iris und Alexei und der Hauptnummer von AVALON, mit der man stets bei der Person landet, die gerade Bürodienst hat und sich um die Administration kümmert, was immer noch oft genug Melissa ist... "Es meldet sich niemand." Und das letzte Mal, als sich Will nicht gemeldet hat, da war's auch was schlimmes. Er lässt es noch weiter klingeln, gibt dann jedoch auf und probiert es bei Dana. Die geht schon nach dem dritten Klingeln ran und erscheint auf dem Display... und sie ist äusserst beunruhigt darüber, dass Iris wieder mal so ein SELTSAMES GEFÜHL hatte.
Etwa zehn Minuten später ruft Dana zurück, fast schon hysterisch, und berichtet völlig aufgelöst, dass Will im Kunstmuseum offenbar einen schweren Unfall hatte. Soweit sie wüsste, hätte sich irgendwie irgendein Balken gelöst und ihm fast den Kopf abgerissen. Glücklicherweise habe sein Handy kurz darauf geklingelt, so dass man auf ihn aufmerksam wurde... jetzt bringt man ihn ins Mercy-Krankenhaus, wo sie nun auch gleich hinfahren wird...
"Oh Gott!" murmelt Alex und fängt danach gleich schon an, auf Russisch zu erklären, dass ein Freund von ihnen einen Unfall gehabt hat und sie deswegen so schnell wie möglich wieder nach Washington aufbrechen müssten... Iris ist ja inzwischen schon aufgestanden und wechselt noch ein paar Worte mit der hiesigen Repräsentantin von AVALON, die ja die Verhandlungen weiterführen kann.
Natürlich verstehen die Herrschaften, dass sie so plötzlich abreisen müssen, und sofort wird alles arrangiert, dass sie noch in der nächsten Stunde mit einem Flieger starten können.
Worauf sie allerdings bereits eine Stunde später wegen eines Schneesturms wieder zwischenlanden müssen. Es ist, als hätte sich das Wetter gegen sie verschworen...
[MERCY-KRANKENHAUS, WASHINGTON]
Es ist ein medizinisches Wunder, dass William Charles Mulder überhaupt noch lebt. Doch er lebt. Er ist sogar bei Bewusstsein. Und er ist ausser sich, als er hört, dass Iris, Alexei und Lindsey endlich da sind. Allerdings nicht unbedingt nur vor Freude...
Ix fängt sie ab, sobald die Drei völlig abgekämpft ankommen, und beginnt sofort mit Iris zu tuscheln... die dann schliesslich Alexei und Lindsey sagt, dass sie vorläufig noch draussen warten sollten, während sie mit Ix ins Krankenzimmer geht.
Eine Minute später...
... kommt dafür Mulder zu ihnen raus. Er sieht ziemlich fertig aus, hat wohl die letzten 28 Stunden kein Auge mehr zugemacht. Er sieht Alex und Lin so seltsam an, dass ihnen bald schon Angst und Bange wird. "Wie geht es ihm?" - "Schlecht!" flüstert Mulder und ist den Tränen nahe, fix und fertig mit den Nerven. Er setzt sich zusammen mit Alexei und Lindsey auf die Bank auf dem Gang, lässt sich tröstend in den Arm nehmen und bemerkt, dass auch die beiden nun Tränen in den Augen haben, weil sie sich ernsthaft Sorgen machen. "Es hat ihn voll ins Gesicht getroffen..." beginnt er zu erzählen. "Sein Genick ist praktisch gebrochen und sein Gesicht... ist zerstört. Und doch ist er bei vollem Bewusstsein, kann aber nicht mal mehr den kleinen Finger bewegen..." Er beisst sich kurz auf die Lippen. "Er will sterben. Und er will nicht, dass ihr ihn so seht..." - "Er will nicht, dass wir ihn so sehen?" wiederholt Lin und Alexei's Gesicht ist ebenfalls ein Fragezeichen. - "Er will, dass ihr ihn in angenehmer Erinnerung behaltet und nicht so entstellt wie er jetzt ist." Er wirft ihnen einen schrägen Blick zu. "Er liebt euch. Euch alle drei." Nervös streicht er sich durch die Haare. Seit gestern hat er mehr graue Haare oder er bildet es sich zumindest ein. "Glücklicherweise kümmert sich Iris in diesem Fall nicht darum, was er will..." Wäre auch wirklich ein Wunder gewesen, wenn Iris sich hätte abhalten lassen, ihn zu sehen. Viel lieber wäre ihm jetzt ein anderes Wunder... aber das wäre wirklich ein grosses Wunder. "Die Ärzte machen uns wenig Hoffnung..." Er beisst nun die Zähne zusammen, um nicht laut herauszuschluchzen, und ist froh um die stumme Umarmung.
Will hat im Schlaf geredet und dabei wohl von glücklicheren Zeiten geträumt... und dabei ist Mulder auch endlich aufgegangen, dass da mehr ist als nur harmlose Freundschaft mit dem Avalon-Trio. Unter anderen Umständen hätte er sich vielleicht darüber aufgeregt, aus heiterem Himmel zu erfahren, dass sein Sohn nicht nur bi oder schwul ist, sondern ausgerechnet mit Iris, Alexei und Lindsey rummacht. Verdammt nochmal, Alexei war als sein bester Freund Trauzeuge bei seiner Hochzeit und jetzt ist er Liebhaber seines Sohnes... Irgendwie will er lieber gar nicht zuviel darüber nachdenken. Aber er hat gesehen, wie Will seit der Reise nach New York vor gut einem Jahr regelrecht aufgeblüht ist, also kann es ja wohl so schlecht nicht sein, wenn es seinen Sohn glücklich macht. Mulder war jedoch etwas irritiert darüber, dass alle ausser ihm darüber bescheid wussten. Kein Wunder, dass Ix es gewusst hat sowie Max und Lex. Aber dass sogar Dana was ahnte und ihm nie einen Ton erzählte, macht ihn schon etwas stutzig. Ja, es macht ihn irgendwie ein wenig traurig, dass Will ihn nicht eingeweiht hat. Hat der Junge denn so wenig Vertrauen?
"Die Ärzte denken also, dass er sterben wird?" fragt Alex etwas fassungslos, denn das klingt ja alles noch schlimmer, als er gedacht hat. - "Die Ärzte wundern sich, dass er überhaupt noch lebt. Dass er sogar bei Bewusstsein ist..." Mulder's Stimme klingt gebrochen. - "Solange er lebt, besteht noch Hoffnung!" meint Alex geradezu trotzig. "Iris kann ihm bestimmt helfen!" - "Gott im Himmel, Will ist schon mehr tot als lebendig! Selbst wenn er überlebt, wird er vom Hals abwärts gelähmt sein und sein Gesicht völlig entstellt! Er wird blind sein! Er hat nicht einfach nur einen blauen Fleck oder Kratzer, den Iris wegpusten könnte!" Er vergräbt sein Gesicht in den Händen und beugt den Oberkörper zu den Knien runter, als wäre seine Wirbelsäule einfach nicht mehr in der Lage, seinen Rücken gerade zu halten. Als könnte er die Last auf seinen Schultern nicht länger tragen. Er sieht wohl aus wie ein gebrochener Mann... und er fühlt sich auch wie ein gebrochener Mann, denn er ist selbst schon ganz krank vor Sorge. Er spürt, wie Alexei ihm beruhigend über den Rücken streicht...
... während Lindsey für sie alle Kaffee holen geht, damit er irgendwas nützliches tun kann. Bei dem Gedanken an Will, dessen Leben nun zu Ende ist, falls kein Wunder geschieht, dreht sich ihm fast den Magen um. Und er hofft wirklich, dass Iris' ein Wunder vollbringen kann.
Alex ist irgendwie geschockt und weiss nicht so recht, was er Mulder sagen soll, der schon jede Hoffnung verloren zu haben scheint. Er weiss ja nicht, wie schlimm es nach Iris' Ansicht nun wirklich um Will steht und ob sie ihm tatsächlich helfen kann, und er will ihm gewiss keine falschen Hoffnungen machen, doch das kann er ja nicht mitansehen. Ausserdem muss er sich selbst etwas aufmuntern. "Iris ist eine Hexe. Sie kann mehr als nur blaue Flecken und kleine Kratzer wegpusten. Sie muss irgendwas tun können, mehr als irgendwelche Ärzte tun können." - "Das hat Ix auch gesagt..." murmelt Mulder unter Tränen, der jetzt wirklich zu gerne an Wunder glauben würde. "Aber... oh Gott..." Er hat gesehen, wie sein Sohn jetzt aussieht... und schliesslich fängt er hemmungslos an zu schluchzen und lässt sich von Alexei umarmen.
Es ist so furchtbar ungerecht! Warum ist ausgerechnet Will, der nun wirklich so ziemlich der sanfteste Mensch auf Erden ist, ständig so ein Pechvogel? Schon als Kind war immer er es, der die meisten blauen Flecken abbekam, obwohl er sich doch immer aus allen Schwierigkeiten heraushalten wollte. Und dann natürlich der Überfall. Ein Handyklingeln hat ihn vor schlimmerem bewahrt. Und jetzt... auch wieder ein Handyklingeln, das auf ihn aufmerksam gemacht hat... "Will hat das nicht verdient!" - "Ja, Will hat das nicht verdient!" stimmt Alex zu und flüstert dabei ebenso leise. "Er hat soviel besseres verdient."
*
Es sieht wirklich schlimm aus, nicht nur die Schläuche und der ganze Technische Kram, an dem er angeschlossen ist. Will's Gesicht ist von der Oberlippe aufwärts bandagiert. Flach eingedrückt, keine Nasenwölbung mehr. Sein Kopf ist fixiert, damit sein Hals und das angegriffene Genick sich keinen Millimeter bewegen können.
Wie gerne würde Iris ihn einfach auf ihren Armen hier raustragen... doch das würde er nicht überleben. Nicht transportfähig. Der Heilzauber muss hier stattfinden. Wie schon zuvor verflucht sie das verdammte Fieber, denn andernfalls hätte sie zu ihm rüberhüpfen können, sobald sie gespürt hat, dass etwas nicht in Ordnung ist, und ihn wieder heilen können, noch bevor irgendjemandem überhaupt was aufgefallen wäre. Aber so wird sie diese schweren Verletzungen wohl nicht mal alle auf Anhieb heilen können. Erst das Genick. Erst am Schluss die Kosmetik... und sie fühlt sich gerade so verdammt schwach.
"Bitte, Iris, lass mich sterben!" flüstert Will seltsam nuschelnd, weil sein Oberkiefer gebrochen ist. Wenigstens hat er keine Schmerzen, weil seine Mutter dafür gesorgt hat, dass er genug Medikamente bekommt.
Dana und Ix werden bei seinen Worten blass. Und Ix erklärt sofort: "Iris, hör nicht auf ihn, bitte mach ihn gesund! Du kannst ihm doch helfen! Bitte!" Doch anscheinend denkt Iris sowieso nicht daran, auf Will zu hören und ihn einfach sterben zu lassen, denn sie fährt mit ihren Händen über Will's Körper, auch wenn sie ihn dabei nicht mal richtig berührt. Offenbar ist sie schon in ihrer Esoterischen Stimmung, denn ihr Blick ist seltsam verklärt, die Pupillen erweitert... - "Ich werde Hilfe brauchen. Ein Dutzend Leute wäre nicht schlecht. Zumindest so viele, damit wir einen Kreis um ihn bilden können..." - "Ich habe schon angerufen, sie werden kommen." Ix klingt gefasst, ist jedoch keineswegs so cool, wie sie scheint. "Brauchst du noch irgendwas? Elixier, Kerzen, irgendwas?" - "Nein, das ist nicht nötig!" meint Iris mit schiefem Lächeln. "Nur positive Schwingungen, wenn du verstehst, was ich meine." - "Okay."
* * *
Iris steht am Kopfende von Will's Bett. Den Kreis bilden im Uhrzeigersinn: Lindsey, Ix, Mulder, Dana, Argon, Melissa, Max, Lex, Alexei. Alle fassen sich reihum an den Händen, wobei die Hände von Alex und Lin sich an Iris' Rücken treffen, während die Zauberhafte Hexe ihre Hände natürlich auf Will gelegt hat. Sie hat allen gesagt, dass sie die Augen schliessen und sich auf Will konzentrieren sollen. Positive Schwingungen... und sie selbst bündelt diese Energien zu ihren eigenen und konzentriert sich auf Will's Genick, lässt Nerven, Knochen und Gewebe regenerieren und wieder zusammenwachsen, was ihm ein leises Stöhnen entlockt, da nun sein ganzer Körper kribbelt. Schweissperlen erscheinen schon auf ihrer Stirn und sie muss kurz daran denken, dass sie ohne dieses verdammte Fieber nur mit dem Finger schnippen müsste, um ihn zu heilen. Vollständig zu heilen. Doch jetzt ist alles so schrecklich anstrengend... aber sie schafft es. Er ist ausser Lebensgefahr, kann seinen Körper wieder spüren und mit den Zehen wackeln...
Die Verbindung des Kreises hier wird aufgelöst, als Iris sich einfach fallen lässt - und natürlich von Alex gleich aufgefangen wird. "Hat es geklappt?" fragt er geradeheraus - worauf Will antwortet: "Ich glaube schon... jedenfalls kann ich meine Zehen wieder spüren!" Er erhebt auch sogleich seine Hände und will sich offenbar den Gesichtsverband abmachen - doch Ix ergreift seine Handgelenke, bevor er sein Gesicht berühren kann. "Nicht!" Sie sucht nach passenden Worten, sagt dann aber schlicht: "Dein Gesicht ist noch nicht geheilt." - "Was?!" - "Reg dich nicht auf, Will, das kommt schon auch noch..." flüstert Iris, die immer noch von Alexei gestützt wird und wacklig auf den Beinen ist. "Aber erst bringen wir dich aus diesem verdammten Krankenhaus raus. Und mich bitte auch, in dieser Umgebung wird mir noch ganz schlecht..." Überall Krankheit und Tod, ist ja wirklich furchtbar! Selbst wenn sie nicht befürchten müsste, von der Modernen Medizin womöglich als Nicht-Normaler-Mensch enttarnt zu werden, würde sie Krankenhäuser für diese grässlichen Schwingungen hassen, und gerade jetzt in diesem Augenblick wird sie von all den Schwingungen, die zuvor durch den Kreis hier abgeblockt wurden, regelrecht erschlagen... ihr wird schwarz vor Augen.
* * *
[AVALON-VILLA, AUSSERHALB VON WASHINGTON]
Zwar waren die Ärzte nicht sehr begeistert davon, dass William Charles Mulder von seiner Familie nach Hause geholt wurde, doch da sie immer noch annahmen, dass er ohnehin bald sterben würde, kam es doch letztlich auch nicht mehr darauf an, wo das dann passierte.
Es passiert aber nicht.
Natürlich nicht, schliesslich hat sich Iris alle Mühe gegeben, ihn gesund zu machen. Und nun kümmert sie sich um sein Gesicht. Seine Augen. Seine Nase. Seine Wangenknochen. Sein ganzer Oberkiefer... alles.
Auf Will's ausdrücklichen Wunsch haben nur seine Mutter Dana, seine Schwester Ix und Iris Zutritt zu seinem Zimmer, weil er nicht will, dass ihn die anderen womöglich mal ohne Verband zu sehen bekommen. Zwar kann er sich noch nicht selbst im Spiegel sehen, doch es ist ganz bestimmt kein schöner Anblick.
"Iris?" Will erkennt sie an ihrem Gang und wie sie die Tür hinter sich abschliesst. Er nuschelt immer noch ein wenig, weil die obere Zahnreihe noch fehlt, aber er will erst zum Zahnarzt, wenn sein Gesicht wieder in Ordnung ist. Seine Stimmung schwankt in den drei Tagen, in denen er jetzt schon hier ist. Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt. Und im Moment weiss er nicht, in welcher Stimmung er ist. "Werde ich wirklich je wieder gesund werden?" - "Ja." Sie geht zu seinem Sessel, in dem er sitzt, weil er nicht die ganze Zeit im Bett liegen will, und umarmt ihn liebevoll. Sein Anblick hat ihr Anfangs auch schier den Magen umgedreht, als sie ihm das erste Mal den Verband abgenommen hatte, doch schliesslich hat sie schon so einiges gesehen und ist nicht vor Schreck in Ohnmacht gefallen. Und nun bessert es von Tag zu Tag, ja manchmal sogar von Stunde zu Stunde... "Und du wirst schon bald wieder so hübsch sein, wie du sein solltest, und nicht für den Rest deines Lebens wie Frankensteins Monster rumlaufen, glaub mir!" Sie zieht ihn auf die Beine und führt ihn zum Bett, wo er sich mit Herzklopfen hinlegt, denn er fragt sich vermutlich, ob es diesmal auch wieder so schmerzhaft kribbelt wie gestern. Ihre Hände schweben so ungefähr einen Millimeter über ihm, doch für ihn fühlt es sich wohl so an, als würde sie ihn mit ihren scharfen Krallen kratzen und in seinem Gesicht herumkneten, als wäre er aus Ton und sie würde ihn ganz neu formen. Es ist wie ein Puzzle, sein Gesicht wieder zu rekonstruieren... wobei Teile des Puzzle fehlen und durch etwas anderes ersetzt werden müssen. Also lässt sie es wachsen.
Was soll's, inzwischen ist auch Mulder klar, dass ihre Heilkräfte über das Wegpusten von kleinen Blessuren weit hinausgeht, doch wohlweislich nervt er sie nicht mit irgendwelchen Fragen, sondern ist einfach dankbar für ihre Magie. Und das gilt für die anderen erst recht. Es herrscht derzeit eine merkwürdige Atmosphäre hier, aber andererseits wär's seltsam, wenn das anders wäre.
* * *
"Wie geht es ihm?" erkundigen sich alle, sobald Iris am Morgen wieder aus Will's Zimmer kommt und schnurstracks in die Küche geht, um sich Kaffe zu holen.
Alle sehen sie so verdammt erwartungsvoll an. Ja, inzwischen scheinen ihre Freunde wirklich zu glauben, dass sie Wunder vollbringen könne. Und das Vertrauen ehrt sie, wirklich, doch es macht ihr langsam auch ein Bisschen Angst... "Es geht ihm besser." Sie legt den Kopf etwas schief. "Aber die Heilung bereitet ihm Schmerzen." Sie streicht sich durch die Haare und seufzt kurz. "Doch in ein paar Tagen sollte es vorbei sein." Sie lehnt sich an Alexei, der sie besorgt umarmt hält, und dabei stellt sie fest, dass sie irgendwie etwas wacklig auf den Beinen ist. "Ich bin müde..."
Mulder und Dana sehen sich lange an, während Iris nun auf der Couch liegt und von Alexei und Lindsey ihre Schläfen und die Füsse massiert bekommt, was für die Heilerin wohl sowas ist wie Batterien aufladen. Egal was es ist... wenn es Iris gut geht, wird es Will auch gut gehen. Es erscheint Mulder wie ein unausgesprochener Pakt, dass die Zauberhafte Hexe ihr bestes tut, solange man nett zu ihr ist und ihr nicht auf den Wecker geht. Und so hat er auch kein Wort darüber verloren, dass er eigentlich ganz gerne schon etwas früher etwas von der Beziehung seines Sohnes zu ihnen gewusst hätte. Wenn man es denn überhaupt eine Beziehung nennen kann...
Und es kränkt ihn auch ein wenig, dass Dana und Ix zu ihm reindürfen, aber er nicht. "Hat mein Sohn eigentlich Angst vor mir?" fragt er leise flüsternd seine Frau - die ihn daraufhin komisch anschaut. "Wie kommst du denn auf sowas?" - "Ich darf sein Zimmer nicht betreten." - "Nun komm schon... Ich darf zu ihm, weil ich nicht nur seine Mutter, sondern auch noch Ärztin bin. Ix ist nicht nur seine Schwester, sondern ebenso Medizinerin und Hexe. Und Iris... nun ja, sie ist die Heilerin." - "Denkt er vielleicht, ich bekäme einen hysterischen Anfall, wenn ich ihn zu sehen bekomme?" - "Nun..." meint Dana und weiss nicht so recht, was sie darauf sagen soll...
... doch da kommt eine Antwort von der Couch. "Will ist eben genau so kompliziert wie du!" lässt sich nun Iris vernehmen, die offenbar genau zugehört hat. - Verdammt, warum muss die Frau so gute Ohren haben? "Ich bin kompliziert?" - "Aber sicher, Mulder! Und nun reg dich ab. In ein paar Tagen wird es ihm besser gehen, dann wird er aus seinem Zimmer rauskommen und ihr könnt wieder stundenlang... was auch immer."
* * *
Seine Augen sind immer noch bandagiert. Und es tut weh wie die Hölle. Einerseits ist das natürlich gut, weil es wohl bedeutet, dass der Heilungsprozess, den Iris initiiert hat, in vollem Gange ist und sich in seinen Augen wirklich was tut. Andererseits würde er sich am liebsten den Kopf abschlagen, um diese Schmerzen endlich los zu sein. Seine Haut im Gesicht ist noch ganz neu und empfindlich und so lässt er es bleiben, seinen Kopf einfach an Ix' Schulter zu vergraben. Sie umarmt ihn von hinten, damit Luft an sein Gesicht kommt. Frische Luft, doch noch keine direkte Sonneneinstrahlung, denn ein Sonnenbrand wäre jetzt so ungefähr das letzte, was er noch brauchen könnte.
Er fragt sich, wie seine Schwester ihn nur hat überreden können, sein Zimmer zu verlassen. Er fühlt sich beobachtet, auch wenn sie versichert, dass kein Mensch in der Nähe wäre. Und den Hunden ist es egal, wie er aussieht. Wenn das mit den Augen nicht klappt, wird er wohl einen Blindenhund bekommen... dann werden für seine bisher gemalten Bilder vielleicht eines schönen Tages mal astronomische Summen bezahlt, weil es auch die letzten Bilder des aufstrebenden jungen Künstlers namens William Charles Mulder waren, bevor der diesen grausigen Unfall hatte, drei Tage vor der geplanten ersten Vernissage... Es hat natürlich keine Vernissage gegeben. Alexei soll gesagt haben, dass er bestimmt keinen Fuss mehr in dieses Kunstmuseum setzen würde, das würde ihnen anscheinend nur Unglück bringen. Ach ja, Alexei und Lindsey... sie lassen ständig Grüsse ausrichten, akzeptieren aber schweren Herzens, dass er sie nicht sehen will. Ach, wenn er sie doch nur sehen könnte...
"Aaaah, verdammt, jetzt brennt es noch mehr!" jammert er mit weinerlicher Stimme - worauf Ix die Umarmung löst, um ihn von vorne anzusehen. "Dein Verband wird ganz nass. Tränen! Will, das ist ja phantastisch! Du kannst wieder weinen!" - "Was?!" Also irgendwie kann er die Begeisterung seiner Schwester nur schwer nachvollziehen. "Und was soll daran gut sein?" - "Tränen sind normal. Kannst du vielleicht schon ein Bisschen hell und dunkel unterscheiden?" - "Ich weiss ja noch nicht mal, ob ich meine Augen unter dem Verband offen oder geschlossen habe!" antwortet Will und verfällt gleich darauf wieder in leises Wimmern, als stechende Schmerzen ihn durchzucken. Seine wunderbare grosse Schwester nimmt ihn wieder fest in die Arme, was ihm irgendwie hilft, das ganze besser zu ertragen.
* * *
"Alexei?" Will springt auf wie von der Tarantel gestochen, als er die Tür hört, und zuckt etwas zusammen, als ihm klar wird, dass nicht seine Schwester hereingekommen ist, um seine Mutter abzulösen. - "Hi, Will." Alex kommt näher, als Dana ihn heranwinkt. "Ix hat gesagt, ich soll sie mal ablösen, weil du mal ein wenig Abwechslung vertragen könntest... Heeee..." Mit einem Satz ist Alex bei ihm und nimmt Will einfach in die Arme, als der offenbar zu hyperventilieren anfängt, von hinten, um sein immer noch empfindliches Gesicht nicht zu verletzen, so wie Iris und Ix es ihm gesagt haben. "Pschhhhh... Nicht aufregen, Will!" Er hält ihn fest in den Armen und wiegt ihn ein Bisschen hin und her. "Ist doch alles in Ordnung, mein Süsser! Deine Haare werden schon wieder wachsen..." Auf diese Bemerkung weiss Will wohl nicht so recht, ob er lachen oder weinen soll, denn irgendwie scheint es seinen Körper ein wenig zu schütteln.
Im Krankenhaus hat man Will die Haare geschoren und den Kopf kahlrasiert. Aber das ist ja wirklich nur ein kleiner Schönheitsfehler... und erst noch einer, der sich in den nächsten Monaten von alleine erledigen wird, wenn die Haare wieder wachsen.
"Wenn du willst, gehe ich wieder..." flüstert Alex, als Will immer noch zu schluchzen scheint und kein Wort sagt. Doch dann schüttelt der leicht den Kopf. "Okay. Das freut mich." Und Dana scheint es auch zu freuen, denn die lächelt erleichtert, als sie nun geht.
*
"Was?!" Mulder traut seinen Ohren kaum, als er hört, dass Ix offenbar lieber Alexei zu Will reingeschickt hat und nicht ihn. Allerdings hat es wohl wenig Sinn, sich deswegen aufzuregen, das nutzt Will nämlich auch nichts. "Wie geht es ihm denn?" - "Besser!" erklärt Dana. "Eigentlich könnte er wirklich schon rauskommen, ohne jemanden zu erschrecken, er sieht wieder sehr gut aus, sein Gesicht ist wiederhergestellt, ich will lieber gar nicht so genau wissen, wie Iris das gemacht hat..." Inzwischen akzeptiert Dana Scully sowas einfach und freut sich darüber. "Natürlich ist die neue Haut noch etwas gerötet, doch das wird sich auch noch geben. Und wenn er dann erst seine neuen Zähne hat..." Sie wechselt einen verschwörerischen Blick mit ihrem Mann, der ja ebenfalls etliche künstliche Zähne im Mund hat. "Immerhin geht es ihm so gut, dass er sich inzwischen immer wieder darüber beschwert, dass die ihm im Krankenhaus den ganzen Kopf kahlgeschoren haben. Aber seine Augen tun immer noch weh." - "Denkst du, dass seine Augen wieder in Ordnung kommen?" Eigentlich sollten sie Gott auf Knien danken, dass er überhaupt noch am Leben ist... und wenn nicht Gott, dann wenigstens Iris. Aber sie sind wohl verwöhnt und wollen alles. Vollkommene körperliche Unversehrtheit, Gesundheit. Himmel, Will hätte es doch wirklich verdient!
*
Alex beobachtet, wie ganz langsam die Türklinke runtergedrückt wird. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigt ihm, dass die Zeit für die Ablösung eigentlich noch nicht gekommen ist. Er sagt jedoch nichts, denn Will ist gerade in wenig eingeschlafen, immer noch fest in seinen Armen.
Mulder schleicht sich wie ein Dieb in das Zimmer seines Sohnes und entdeckt ihn auf dem Bett, offenbar schlafend in Alexei's Armen. Mit seinen Blicken deutet Alexei auf den Sessel neben dem Bett und Mulder geht leise rüber und setzt sich, um seinen Sohn etwas aus der Nähe betrachten zu können, der seinen Kopf an die Schulter seines lebenden Sessels gelehnt hat. Beide tragen nur eine Jogginghose, während die Oberkörper nackt sind. Enger Körperkontakt ist angeblich beruhigend, wie Dana ihm erzählt hat... Weder Mulder noch Alexei sagen auch nur ein Wort, um Will nicht aufzuwecken, sie sehen sich nur an. Sehen ihn an... Mulder betrachtet das Gesicht seines Sohnes, das vor einer Woche nur ein blutiger Klumpen war, und er fühlt tiefe Dankbarkeit in sich aufsteigen. Iris hat wirklich ein wahres Wunder vollbracht, wie auch immer sie es gemacht hat.
Mulder stockt der Atem, als Will sich ein wenig bewegt, doch offenbar schläft er immer noch, er fängt sogar wieder an im Schlaf zu reden, nuschelt weitgehend unverständliches Zeugs vor sich hin, wobei jedoch zumindest Iris' Name in paar Mal deutlich erkennbar ist. Offenbar ein sehr schöner Traum, denn bei Will's Jogginghose bildet sich langsam eine deutliche Beule... Alexei beginnt zu grinsen und scheint das für ein ausgesprochen gutes Zeichen zu halten. Mulder weiss nicht so recht, ob er davon nun peinlich berührt sein soll, dass er seinen Sohn bei einem feuchten Traum beobachtet... aber seltsamerweise kommt ihm die ganze Situation inzwischen überhaupt nicht mehr peinlich vor. Wenn es Will glücklich macht, mit Iris' und ihren Männern ins Bett zu hüpfen, bitteschön, soll er damit glücklich werden, er dürfte es auch mit grünhäutigen Ausserirdischen treiben, wenn's ihm Spass macht... aber da sind Alexei und Lindsey wohl doch besser als irgendwelche Aliens.
Etwa nach einer Stunde schleicht sich Iris leise ins Zimmer. Mulder sitzt noch immer im Sessel am Bett und Will schläft noch immer in Alexei's Armen, wobei sie allerdings deutlichen spüren kann, dass die Lage auf dem Bett nicht mehr sooo bequem ist und dem lebenden Ruhekissen schon langsam die Arme einschlafen.
"Hallo!" flüstert sie leise und wechselt einen verschwörerischen Blick mit Alexei. "Gut, wenn ihr beide hier seid. Ihr könnt mir helfen und ihn festhalten." - "Festhalten?" fragt Mulder beunruhigt. "Wozu das denn?" - "Ich muss was an seinen Augen machen, das vermutlich ziemlich schmerzen wird... und er darf nicht herumzappeln."
"Hm?" Will ist langsam aufgewacht, hat aber offenbar nicht viel mitbekommen von der kleinen Unterhaltung. "Iris?" Er kann ihren Vanilleduft riechen. Und er weiss, dass er noch in Alexei's Armen liegt. Aber da ist noch was... "Wer ist noch da?!" Er schreckt hoch, als er die Anwesenheit einer weiteren Person spürt, wobei er nicht mal genau weiss, ob er Aftershave riecht oder einfach so ein leises Kribbeln spürt, als würde er beobachtet. - "Keine Panik, Schätzchen!" erklärt Iris und legt ihre Hand auf seine. - "Ich bin's nur, Will." Und es schmerzt Mulder ein wenig, wie sein Sohn beim Klang seiner Stimme erschreckt zusammenzuckt. - "Dad?! Was machst du denn hier?" - "Da es dir inzwischen wieder besser geht, kann doch ein wenig Besuch nicht schaden!" erklärt Iris aalglatt mit einem verschwörerischen Blick auf den 'Besuch' - und Mulder ist ihr dankbar für diese Worte, die Will ein wenig zu beruhigen scheinen. "Es freut mich, dass es dir wieder besser geht, Will." Er legt ebenfalls seine Hand auf Will's Hand und zu seiner Erleichterung erwidert sein Sohn den Händedruck. - "Danke, Dad..." Will scheint wieder den Tränen nahe, allerdings vor Rührung.
"Will, Schätzchen, ich muss mal wieder nach deinen Augen schauen!" flüstert Iris. "Leg dich am besten flach hin." Und er tut es, während Alexei aufsteht und sich gründlich streckt. Sie dirigiert Mulder dann ebenfalls aufs Bett, sich auf Will's Beine zu setzen und so seine Füsse stillzuhalten. Iris setzt sich kurzerhand rittlings auf Will's Hüften, wobei sie auch gleich seine Arme bewegungslos macht, und Alexei kniet schliesslich oben, um den Kopf des Patienten zwischen seinen Schenkeln wie in einem Schraubstock einzuklemmen... aber natürlich erst, nachdem sie Will die Bandagen um die Augen abgemacht hat. Sie hat Alexei und Mulder gesagt, dass sie ihre Augen schliessen sollten...
... damit sie jetzt nicht Will's Augen sehen.
Sie legt ihre Hände auf sein Gesicht, ohne es wirklich zu berühren, und lässt ihre Fingerspitzen dann über seinen bislang immer noch blinden Augen schweben. Und Will fängt an zu schreien.
Mulder tut es in der Seele weh... doch nach ein paar endlos scheinenden Sekunden beruhigt sich Will zum Glück wieder und keucht nur noch. - Iris klettert von Will runter und auch die anderen lassen den Patienten jetzt los, der noch ein wenig schluchzt und wimmert. "Es kribbelt wohl noch ein wenig, aber keine Sorge, das vergeht auch bald wieder!" flüstert sie leise und streicht Will über den Kopf. "Die Quälerei sollte damit zu Ende sein..." - Mulder nimmt nun seinen Sohn vorsichtig in die Arme und ist glücklich, dass dieser die Berührung zulässt und ebenfalls den Arm um ihn legt, das Gesicht nass von Tränen und mit geschlossenen Augen. Offenbar hält Iris den Verband um die Augen jetzt nicht mehr für nötig... was ja vielleicht bedeutet, dass die Augen jetzt geheilt sind... oder zumindest fast?! Schliesslich hat sie gesagt, die Quälerei sollte damit zu Ende sein... Allerdings will er seinen Sohn ja nicht drängen, jetzt schon seine Augen aufzumachen.
* * *
Frische Luft tut gut. Die Sonne ist bereits untergegangen, so dass auch keine Sonnenbrandgefahr besteht... und Will lehnt sich bequem an seinen Vater, der ihn in den Armen hält. Menschliche Nähe ist schon was feines, so gut kann gar kein Sessel sein, dass er einem dieses Gefühl von Liebe und Geborgenheit vermitteln könnte. Irgendwie ist Will erleichtert, dass Mulder endlich von der Geschichte mit Iris, Alexei und Lindsey weiss... und offenbar hat er es besser aufgenommen, als er befürchtet hatte. Na ja, allerdings hatte Mulder durch den Unfall ja wohl sowieso andere Sorgen als sowas wie Moralische Entrüstung... Na wie auch immer, es ist ein herrliches Gefühl, wieder sehen zu können; und er hat bemerkt, dass sein Vater in den letzten paar Tagen wohl ein paar graue Haare mehr bekommen hat. Egal.
Es ist gemütlich, wie sie hier draussen ums Feuer herumsitzen. Sie haben heute Abend gegrillt... auch wenn sich Will als 'Ehrengast' mit einem Müsli begnügt, da es sich ohne obere Zähne nur schwer kauen lässt. Morgen steht dann der Zahnarztbesuch an, damit er wieder ein vollständiges Gebiss hat. Wie auch immer... jetzt sitzen sie immer noch hier, plaudern ein wenig und lassen es sich einfach gut gehen. Die Anspannung der letzten Tage hat sich endlich gelöst und sie können wirklich wieder lachen und sogar liebevoll darüber spötteln, dass Will sogar einen hübschen Skinhead abgäbe, ihnen aber mit langen Haaren doch besser gefallen würde. Aber die Haare werden sicher schnell nachwachsen. Besonders wenn Iris ihm ein paar Mal buchstäblich den Kopf waschen wird...
"Wie können wir dir danken?" meint Mulder schliesslich und sieht Iris fragend an, die sich entspannt an Alexei und Lindsey gekuschelt hat. "Du hast Will sein Leben wiedergegeben, das ist unbezahlbar." - "Unbezahlbar, du sagst es, Schätzchen!" Iris lächelt versonnen. "Na ja, ein paar Fussmassagen wären auch nicht schlecht, die sind nämlich ebenfalls unbezahlbar." - "Du bekommst so viele Massagen, wie du willst, Iris!" erklärt Will sofort und lächelt ebenfalls. Es fühlt sich noch ein wenig seltsam an, wenn er irgendwie das Gesicht verzieht, doch er findet es gut. "Und ich kann auch noch ganz viele Bilder von dir malen, auf denen dich niemand erkennt!" - "He, das ist ja eine hervorragende Idee!" Sie streckt sich ein wenig, damit auch noch die andere Seite ihres Rückens gekrault wird. Auweia, sie ist ja sooo müde... und sie weiss jetzt auch wieder, warum sie nicht etwa professionell als Heilerin/Ärztin tätig ist, weil sowas nämlich ganz furchtbar an ihren Nerven zehrt... und dabei kommt ihr das Fieber ja schon langsam normal vor.
Fast wäre sie versucht gewesen, Will auch gleich neue Zähne wachsen zu lassen... aber dann hat sie sich gedacht, dass sie mal nicht übertreiben sollte. Als ob es darauf überhaupt noch ankäme...
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"Ach... Ist die wundersame Heilung des William Charles Mulder von den anderen etwa auch noch als NORMAL oder zumindest MÖGLICH akzeptiert worden?" - "Hmmm..." - "Willst du mir etwa erzählen, dass Menschliche Taydas auch solche Heilkräfte haben können?" - "Keine Ahnung, man erzählt sich zwar viel von irgendwelchen Wunderheilern, aber belegt ist da wenig. Und Iris... nun ja... da waren alle wohl viel zu dankbar, um ihr nach über zwanzig Jahren noch mit irgendwelchen Fragen auf die Nerven zu gehen... aber jedenfalls hat man der Zauberhaften Hexe seitdem nicht nur so gut wie alles zugetraut, sondern begann sie wohl fast schon wie eine Heilige zu verehren." - "Wie eine Heilige? Iris?!" - "Na ja, das ist vielleicht nicht das passende Wort... aber egal. Iris war eben die Zauberhafte Hexe, jenseits von Gut und Böse."
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"Du siehst wieder gut aus, ehrlich!" versichert Dana, als sie Will vor dem Spiegel im Flur entdeckt. "Deine neuen Zähne sehen perfekt aus!" Und mit den neuen Methoden konnte alles in einer einzigen Sitzung vollendet werden, anders als damals bei Mulder... Allerdings scheint sich an der Nervosität der Menschen nicht viel geändert zu haben. Sie sieht zu ihm hoch und zieht seinen Kopf etwas runter, um ihm vorsichtig einen sanften Kuss auf die Wange zu geben. Seine Haut ist nicht mehr so gerötet und sieht schon wieder ganz normal aus. Niemand würde je glauben, dass dieses hübsche Gesicht vor zwei Wochen noch blutiger Brei war. Es ist ein Wunder und sie ist einfach dankbar dafür. - "Du musst nicht so übervorsichtig sein, Mom, denn Iris hat gesagt, inzwischen hätte sich alles soweit regeneriert, dass ich sogar wieder Ohrfeigen und Kinnhaken aushalten könnte..." - "Wieder?" meint Dana mit hochgezogener Augenbraue, obwohl sie sich ziemlich sicher ist, dass Iris ihrem Jungen wohl nicht wirklich Ohrfeigen oder gar Kinnhaken oder sonstige Schläge verpassen würde. Aber andererseits kann man sich bei Iris ja nie wirklich sicher sein... - "Das war ein Scherz, Mom!" meint Will lächelnd und schaut wieder in den Spiegel, um an seinem goldenen Ohrring herumzufummeln, den er sich wieder angesteckt hat. Er fährt sich nervös über die Stoppeln auf seinem Kopf und wünscht sich wirklich, dass die Haare schnell wieder wachsen, denn er mag es sehr, wenn ihm durch die Haare gewuschelt wird. - "Na schön..." Dana lächelt ebenfalls, insgeheim erleichtert. "Sag mal, bist du irgendwie nervös?"
Will starrt Dana Scully Mulder an, die so aussieht, als wollte sie ihm auf den Grund seiner Seele schauen, obwohl sie ja nicht mal eine Hexe ist. Aber sie ist nun mal seine Mutter und Mütter haben anscheinend einen Sechsten Sinn für sowas. "Nervös? Warum nervös?!" - "Du stehst hier vor dem Spiegel, als ob du gleich auf einer Gala auftreten müsstest oder sowas in der Art... Was ist also los mit dir?" - "Na ja..." druckst er etwas herum und weiss nicht so recht, ob und wie er es sagen soll. "Heute habe ich mein erstes Rendezvous. Na ja, das erste Rendezvous seit dem Unfall." - "Rendezvous?" - "Na du weißt schon..." windet sich Will ein wenig und wünschte sich, er hätte nicht damit angefangen. "Ich gehe zu Iris, Alexei und Lindsey aufs Zimmer." Er hat es einfach gesagt. Huch, ist ja gar nicht so schwierig gewesen! Und seine Mutter lächelt sogar und nickt verstehend. Sie hat wohl schon befürchtet, er würde sich zu ihnen auf ein Motorrad setzen und um die Häuser ziehen, da ist es ihr wohl noch lieber, wenn er einfach mit ihnen ins Bett geht. "Und ich mache mir etwas Sorgen..." - "Sorgen weswegen?" erkundigt sich Dana und schaut ihn aufmerksam an. Im letzten Jahr ist seine früher eher schmächtige Figur kräftiger geworden und er hat mehr Muskeln bekommen, denn er hat nicht nur mehr trainiert und mit Alexei und Lindsey Fussball und sonstwas gespielt, sondern auch mit Skulpturen angefangen, weswegen er nun auch mit schwererem Zeugs hantiert als nur mit Stiften und Pinseln. Er sieht inzwischen ziemlich erwachsen aus mit seinen 19 Jahren, wobei ihm sein jungenhafter Charme jedoch glücklicherweise noch nicht abhanden gekommen ist; und wenn er seinem Vater nachschlägt, so wird das auch so bleiben.
Tja, eigentlich eine gute Frage. Weshalb macht er sich überhaupt Sorgen? "Ich weiss auch nicht..." seufzt er. - "Hör mal, Will..." fängt Dana an und legt ihren Arm um seine Hüften, während sie sich beide im Spiegel betrachten. "Ich habe in den letzten zwei Wochen oft mit Alexei und Lindsey geredet... und ich habe den Eindruck gewonnen, dass sie dich wirklich sehr gerne mögen. Sie haben keinen Augenblick daran gedacht, sich von dir abzuwenden, selbst als es noch nicht so gut ausgesehen hat und Iris noch nicht gewusst hat, ob sie dein Augenlicht wieder herstellen kann." - Will ist wirklich gerührt. "Oh Gott, Mom..." meint er dann und setzt ein schiefes Lächeln auf. "Ich will aber nicht nur, dass sie mich sehr gerne mögen, ich will auch noch, dass sie mich heiss finden!" Für einen Moment macht er ein erschrockenes Gesicht - doch Dana grinst. "Ach, Schätzchen, ich glaube schon, dass sie dich heiss finden!" - "Echt?" - "Oh ja." Sie streichelt über seinen Rücken. "Ich habe gesehen, wie sie dich angesehen haben. Glaub mir, sie finden dich immer noch heiss..."
*
Etwas schüchtern klopft Will an die Tür, die fast sofort aufgemacht wird. Lindsey strahlt ihn an und bittet ihn herein. Romantische Atmosphäre mit vielen Kerzen als Beleuchtung, so wie Iris es eben gerne mag... und ihre Männer ebenfalls, wenn sie ehrlich sind.
"Oh Gott, ich habe das so vermisst..." murmelt Will, nachdem sie auf dem grossen Bett eine Weile rumgeknutscht haben, erst noch etwas zaghaft, dann immer wilder. - "Wir haben dich auch vermisst, Süsser!" versichert Alex lächelnd, der wirklich froh ist, dass Iris Will hat helfen können. "Aber jetzt scheint's dir ja wieder gut zu gehen..." Er schielt auf die Beule in Will's Hose - worauf dieser wieder mal etwas rot wird, obwohl er inzwischen eigentlich nicht mehr so scheu ist, wie er mal war... doch dies hier ist gewissermassen sein erstes Date nach dem Unfall und er ist immer noch ein klein wenig besorgt. Allerdings vergeht das, als Alexei ihn nicht nur auf den Mund küsst, sondern sein ganzes Gesicht mit federleichten Küsschen bedeckt und sich offenbar nicht von dem Gedanken schrecken lässt, dass seine Visage ohne Iris' Hilfe wohl noch blutiger Matsch wäre. Will fühlt auch sanftes Streicheln auf seinem Kopf und er hört etwas murmeln, dass sich das mit den Stoppeln lustig anfühlen würde.
"Glaub mir, Schätzchen, du bist immer noch eine geile Sahneschnitte!" flüstert Iris aufmunternd und bringt damit alle zum Kichern. - "Da bin ich aber wirklich froh!" Will lehnt sich an Iris und streichelt über ihre weiche seidige Haut. "Dann vernascht mich!"
"Oh Gott!" keucht Will und bricht glücklich und erschöpft zusammen. "Ich bin wirklich lebendig!" flüstert er atemlos, als das Menschliche Gewicht von ihm runterklettert und er ein paar Küsse auf seinem Nacken spürt - und eine Hand tätschelt gleich darauf seinen Hintern. "Aber sicher, Schätzchen, du bist lebendig!"

ENDE DES 7. TEILS... WEITER ZUM 8. TEIL!
B.B. / geschrieben im Juni 2002
Anmerkungen:
I
Der Atlaswirbel ist der oberste Wirbel, auf dem der Kopf ruht. ATLASLOGIE bzw. VITALOGIE nennt sich die "Therapie", die sich damit beschäftigt, mittels einer schnellen Bewegung diesen Atlaswirbel wieder "gerade zu rücken"... denn wenn dieser oberste Wirbel "schief" ist, dann wirkt sich das auf die gesamte Wirbelsäule aus und kann zu Rückenproblemen führen oder auch dazu, dass dann plötzlich durch die etwas schiefe Körperhaltung ein Bein kürzer als das andere ist etc.pp. Vor Urzeiten hab ich mal einen Vortrag darüber gehört, aber jedes Detail hab ich mir bei meinem schlechten Gedächtnis auch nicht merken können *smile* Jedenfalls hat es damals geheissen, meist würde es an einer falschen Schlafhaltung liegen (besonders auf dem Bauch liegen sei gar nicht gut, weil man ja dann für gewöhnlich das Genick verdreht hat, so dass das Gesicht dann seitlich liegt)...
II
Ach übrigens: Ich selbst hatte noch nie im Leben einen Joint. Und auch keine Hasch-Kekse. Mir schmeckt ja noch nicht mal die legale Droge Alkohol, so dass ich auch noch niemals betrunken war... ;-)
Online-Version... Dezember 2002 / B.B.
DIE AVALON-VARIANTE
Bemerkungen und Übersicht
zur Avalon-Variante
