Hexe!

DIE AVALON-VARIANTE

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Autorin: Barbara (barbarella_1970@yahoo.de)
Disclaimer (und Archivierung aller Kapitel als .doc-Dokumente zum runterladen) unter
http://www.geocities.com/barbarella_1970/Iris-Hexe.html


 

Schliesslich sind im Laufe der Jahre schon etliche Geburtstage, Sonnenwenden, Jubiläen und sonstige Feierlichkeiten ins Land gegangen - und Iris ist ja bekanntlich jeder Vorwand recht, um Feste zu feiern...
Man hat dabei im Fernsehen beobachtet, wie Verträge über Umweltschutz und Neue Technologien oder natürlich auch über Abrüstung und Frieden unterzeichnet wurden... und wie sogar der erste Astronaut einen Fuss auf den Mars gesetzt sind.
Die Welt hat sich verändert.
Ja, man könnte durchaus sagen, die Welt ist besser geworden... und langsam merkt man auch was davon!

AVAL[N

Irgendwann später würde man sich über die ersten Jahre von AVALON unter anderem mal folgende kleine Anekdote erzählen: Eines schönen Tages ging Iris mit Alexander Sinclair und Lindsey McDonald in einen Supermarkt, tigerte durch alle Gänge und packte alles mögliche aus den Regalen, um es auf einen Haufen zu werfen - nämlich alles Sachen, die irgendwie giftig für die Umwelt oder sonstwie ungesund waren (beispielsweise scharfe Putzmittel oder Kosmetika oder auch Lebensmittel) - und dann zündete sie den Haufen draussen an und verkündete, dass sie dafür sorgen würde, dass solcher Müll vom Markt verschwand.
In Wirklichkeit hatte Iris mit dem Zeugs natürlich kein Feuer entfacht, doch irgendwie klang das mit dem Abfackeln wohl dramatischer und hielt sich deshalb hartnäckig unter den späteren Legenden... aber egal. Durch diverse Deals sorgte AVALON dann wirklich im Laufe einiger Jahre dafür, dass schlechtes Zeugs verschwand und nur noch gutes Zeugs gefördert wurde... und im Jahre 2005 machte erstmals eine Firma öffentlich damit Werbung, dass die Labors von AVALON ihre Produkte für gut befunden hätten.

*

Priscilla Deveraux sah, hörte und las immer noch jeden Tag aufmerksam die Nachrichten und musste öfters mal lächeln, wenn sie sich auszumalen versuchte, wo-wie-was wohl eine gewisse Amayra-Hexe überall ihre Finger drin haben bzw. irgendwann mal einen Anstoss dazu gegeben haben könnte. Jedenfalls musste sie schallend lachen, als sie eines Tages etwas von einer gewissen AVALON-STIFTUNG las - und sie meldete sich daraufhin bei der angegebenen Nummer und sprach mit einer gewissen Melissa Skinner, die ihr nach längerer netter Unterhaltung bestätigte, dass es da auch eine Iris gäbe, Iris Sinclair. Und Priscilla fiel fast vom Stuhl, als sie erfuhr, dass es da auch einen Mr. Sinclair gibt.
Iris und Alexei besuchten Priscilla dann sogar in Chicago und luden sie später nach Washington ein - und seitdem gehörte die gute Frau ebenfalls zum Stiftungsrat von AVALON...
... jedoch leider nicht allzu lange. Ein betrunkener Automobilist fuhr sie über den Haufen, als sie gerade vom Einkaufen kam und an einer Kreuzung über die Strasse wollte.
Priscilla Deveraux hat alles der AVALON-STIFTUNG vermacht, da sie ja keine Verwandten hatte. Und Iris sinniert darüber nach, dass es wohl auch grausame Zufälle gibt, da Valeria's Geliebte, ausgerechnet hier in dieser nun etwas besseren Welt, die sie sich doch so sehr gewünscht hatte, sogar noch früher den Tod fand als in der Amayra-Variante, wo sie wenigstens in Valeria's Armen ihren letzten Atemzug tat.
Iris war stinkwütend und hätte gerne zornig Rache genommen... doch sie hat einsehen müssen, dass es wirklich nur ein dummer Unfall war, so furchtbar sinnlos... aber Unfälle passieren eben.


 

Mit ihren langen dunklen Haaren und den grünen Augen, erinnert die hübsche Alexandra Margaret Skinner fast schon ein wenig an eine Thyuda-Schlange, findet jedenfalls Iris, die bei ihrem Anblick hin und wieder an Shannan d'Or denken muss, obwohl deren Augen natürlich noch viel grüner sind, funkelnd wie Smaragde, so grün wie die Augen eines sterblichen Menschen natürlicherweise wohl niemals sein werden. Aber egal, Alexandra ist schon mit ihren fünf Jahren wirklich äusserst charmant und sie ist als Jüngste im Bunde irgendwie der Liebling von Tante Iris...
... die sich jedoch alle Mühe gibt, die grünäugige Alex nicht zu bevorzugen. Ganz reizend sind schliesslich auch Irina und ihr kleiner Bruder William und natürlich ist auch Max ganz süss, der im Gegensatz zu seiner kleinen Schwester Alexandra ja eher den irischen Teint der Scullys geerbt hat. Alles in allem sind sie wirklich ein ganz reizendes Quartett, die vier Kinder der Scully-Schwestern - Irina Samantha Mulder, Maximilian Edward Skinner, William Charles Mulder, Alexandra Margaret Skinner -, die sich untereinander einfach Geschwister nennen und auch sonst keinen grossen Unterschied zwischen der eigenen Schwester bzw. dem eigenen Bruder oder Cousin und Cousine machen.

Die Kinder sind immer sehr gerne bei Tante Iris und Alexei - und das nicht nur, weil Iris zaubern kann und immer tolle Geschichten erzählt. Es ist einfach lustig bei den Sinclairs, egal ob im Palace oder wo sie sich auch sonst gerade herumtreiben mögen, denn Iris und Alexei und Lindsey sind wirklich nett und auch ständig zu irgendwelchen Spässen aufgelegt; und Iris geht mit ihnen sogar begeistert auf jede Achterbahn, ohne dass ihr davon gleich schwummrig oder gar richtig schlecht werden würde wie gewissen anderen Leuten wie beispielsweise ihren Eltern...
John und Mon sind - wie andere Freunde der Eltern - zwar auch ganz nett, aber da die beiden ja so wie Walter Skinner noch mehr oder weniger voll beim FBI arbeiten, sehen sie die meist nur bei irgendwelchen Festen, wobei es allerdings in ihrem kleinen Verschwörerkreis, wie Iris das zu nennen pflegt, ziemlich viele Feste zu feiern gibt. Geburtstage, Jubiläen oder einfach so aus Jux, weil vielleicht irgendwas gutes passiert ist.

Zur Zeit sind Mulder und Dana in Hawaii und ermitteln für AVALON in einer angeblichen Poltergeist-Sache; wobei man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass Iris die beiden eigentlich einfach nur mal wieder für eine Woche in Abenteuerurlaub geschickt hat. Sie müssen dabei Melissa mindestens einmal am Tag Bericht erstatten, erstens weil die sich sonst Sorgen um ihre Schwester und ihren Schwager machen würde...
... und zweitens weil Melissa mit ihrem von Iris und den Lone Gunmen aufgemotzten Computer ja gewissermassen immer noch das Sekretariat von AVALON darstellt, jedenfalls des offiziellen Ersten Teils der Stiftung, der sich ja bekanntlich weltweit mit Paranormalen Phänomenen beschäftigt. Inzwischen hat Melissa beispielsweise sämtliche Infos betreffend Götter, Dämonen und sonstige Fabelwesen, über die auf der Erde jemals was geschrieben wurde, nun auch im Computer gespeichert, so dass nun statt einer halben Bibliothek voller alter Wälzer seit ein paar Jahren nur noch eine CD genügt. Und in gewissen Kreisen wird ein Exemplar dieser CD geradezu in Gold aufgewogen, mitsamt Hülle und Handbuch.
Na ja, bei den Buchrecherchen in Sachen Magie hat auch Lindsey McDonald seine Unterstützung angeboten, der sich ja durchaus nicht nur rein theoretisch, sondern auch praktisch mit Dämonen auszukennen scheint... und nicht nur mit Verträgen. Überdies ist er ja mehr als nur der Erste Anwalt von AVALON bzw. der Sinclairs, denn er ist ein guter Freund von Iris und Alexei und gehört gewissermassen zur Familie.
Es gibt allerdings noch eine zweite CD, die allerdings im Gegensatz zur ersten top secret ist, weil sie Namen und Adressen von allen möglichen Leuten enthält, die ebenfalls alle fein säuberlich katalogisiert worden sind. Top secret, damit diese Informationen ja nicht etwa in falsche Hände geraten...
... denn aus AVALON hat sich längst ein ganzes Netzwerk entwickelt, das sich über die ganze Welt erstreckt, womit man um ein paar Ecken rum so gut alles beeinflussen kann.
Eigentlich sehr beeindruckend - aber den Kindern wäre es wohl (zumindest vorläufig noch) so ziemlich egal, wenn man ihnen erzählen würde, dass die AVALON-STIFTUNG inzwischen durch ihre Verflechtungen mit diversen Organisationen jeglicher Art insgeheim so reich und einflussreich geworden ist, wie man es sich wohl vor ein paar Jahren noch nicht hätte vorstellen können. Iris und ihre Dämonischen Freunde sind nämlich zum Schluss gekommen, dass man der MAFIA UND ANDEREN ORGANISATIONEN am besten von innen her zu Leibe rückt, weshalb sie dort an strategischen Stellen ein paar äh Hexen eingeschleust und zudem einige Gangsterbosse umgedreht hat... und so hat sich die Welt des Organisierten Verbrechens in den letzten Jahren schwer verändert. Na ja, und nicht nur das Organisierte Verbrechen, denn auf legal oder illegal kommt es im Grunde gar nicht mal so an... Esoterisch unterwandert wurde beispielsweise auch der Organisierte Wahnsinn, der POLITIK genannt wird... wobei ja Macht und Reichtum schon von jeher eng miteinander verflochten waren, so dass die ganze Wirtschaft sowieso schon mit allem in irgendwelcher Beziehung stand... Ja, wenn man genau hinsieht, hat sich so nach und nach wirklich die ganze Welt verändert!
Auch die Welt von Iris' Freunden.
Mulder und Dana sind mit Irina und William aufs Land gezogen, wo auch Melissa mit Max und Alexandra mindestens die heissen Sommer verbringt - während Walter Skinner der Arbeit wegen natürlich mehr oder weniger ganzjährig in der Stadt leben muss, denn schliesslich ist er mittlerweile Vizedirektor des FBI und schmeisst jetzt schon fast den ganzen Laden. Wenn aber jemand den Kindern erzählen würde, dass Walter eigentlich der Chef von Iris und Alexei ist, wenigstens ab und zu, würden sie das vermutlich nicht glauben, da ganz besonders Tante Iris stets eher den Eindruck macht, als wäre sie die Chefin. Ganz bestimmt ist sie jedenfalls die Chefin von Alexei und Lindsey und auch die anderen hören meist auf die Ratschläge von Tante Iris, die zuweilen wirklich ganz tolle Ideen haben muss, wenn sogar Dana und Melissa auf sie hören.


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"Ach du liebe Zeit... Iris war immer noch da?! Obwohl sie doch in weiser Voraussicht alles so organisiert hatte, dass es auch ohne sie weiterlaufen konnte?" - "Oh ja. Vielleicht hatte sie zwischendurch mal vor, zu springen... doch dann kam ja Lex... und sie hat sich wohl irgendwie einfach nicht trennen können, weil sie unbedingt sehen wollte, wie Lex gross wird." - "Lex?" - "Alexandra Margaret Skinner." - "Ach so." - "Na ja, und irgendwie genoss sie ja auch das äh Familienleben und all ihre kleinen Spielchen, so dass ihr gar nicht langweilig wurde." - "Hmmm. Grüne Augen?!" wiederholt die Fürstin nun wieder und setzt so einen lauernden Blick auf. - "Ja. Grüne Augen. Aber es hat wirklich nichts mit Thyuda-Schlangen zu tun, ganz ehrlich!" versichert All'Una. "Nur eine Laune der Natur... aber eine sehr reizvolle Laune der Natur. Ausserordentlich hübsch!"

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[In einem Park in Washington]

"Tante Iris!" ruft Irina laut - doch die ist schon von der Parkbank aufgesprungen, wo sie gemütlich Zeitung las und die Aktienkurse studierte, als William wie am Spiess zu schreien angefangen hat.
Offenbar hat es wohl sowas wie eine Schlägerei gegeben und dabei ist Will im Streit von einem anderen Kind vom Gerüst geschubst worden und hat sich das Bein gebrochen. Dass die fremden Kinder nach diesem Unfall blitzartig die Flucht ergriffen haben, erspart ihr die Mühe, sie erst zu verscheuchen. - "Bitte hilf ihm!" fleht Irina für ihren Bruder, der herzzerreissend weint, während Max und Alexandra ihn zu trösten versuchen. "Mach ihn wieder heil!"
"Okay..." meint Iris und setzt ihr verschwörerisches Lächeln auf. Für diese Kinder ist es schon ganz normal, dass Iris als Gute Hexe irgendwie zaubern kann, nicht nur Tricks, sondern Echte Magie. Glücklicherweise ist es für das Quartett ebenfalls normal, dass sie darüber Stillschweigen bewahren, auch gegenüber ihren Eltern... Sie legt die Hände auf William's Stirn und das verletzte Bein, worauf er dann ziemlich schnell mit dem Weinen aufhört; und zwar weil es nun nicht mehr wehtut und nicht etwa weil man ihm jemals erzählt hätte, dass Jungs nicht weinen dürften oder sowas in der Art. "Was war denn los, hä?" plaudert Iris nun währenddessen weiter, während sie nun das verletzte Bein mit beiden Händen umfasst und mit ihren Fingern magische Bewegungen vollführt. Es soll ja wenigstens so aussehen, als wäre solche Hexerei irgendwie anstrengend. "Ihr solltet wirklich gut auf euch aufpassen, denn schliesslich kann ich nicht immer zur Stelle sein, um dann auf eure Wunden zu pusten..." Und tatsächlich pustet sie nun das verletzte Bein an. Übrig bleibt nur ein grosser blauer Fleck, der aber kaum noch wehtut, selbst wenn man drauf drückt.

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[PALACE-HOTEL IN WASHINGTON]

Heute Abend gibt es jedenfalls mal wieder eine Pyjama-Party im Palace... mit Kerzen statt Lagerfeuer, aber trotzdem ist die Stimmung fast abenteuerlich, als wären sie mitten im Dschungel, zumal die Kinder nun so tun, als wäre William heute im Park gewissermassen im Krieg bzw. im Kampf gegen Bösewichter heldenhaft verwundet worden, auch wenn von dem blauen Fleck seltsamerweise kaum noch was zu sehen ist.
Worauf Iris und Alexei in möglichst grusliger Manier von schauderhaften Abenteuern zu erzählen beginnen und was sie mit ihren Eltern schon alles erlebt hätten. Tja, die Kinder finden es total cool, dass ihre Eltern Geister oder zumindest Gangster jagen.
Lindsey hat sich auch schon gefragt, ob er vielleicht auch mal ein paar Gruselgeschichten von seiner Zeit bei WOLFRAM & HART zum besten geben soll, aber dann hat er es doch lieber gelassen, wobei er ja eigentlich ganz froh ist, wenn er sich daran nicht mehr so genau erinnern muss...
Die kleine Irina hört immer wahnsinnig gerne die Story von Irina Petrowa bzw. wie sie damals noch alle beim FBI waren und gegen die damalige Russenmafia ermittelten, wobei sich auch John und Mon kennen lernten. Und wie sie später dann Walter in einer wilden Schiesserei aus der Hand der Gangster befreien mussten, weil dieser Fiesling Kersh ihn an die Mafia auslieferte...
Aber heute erzählen sie die Geschichte, wie Iris im Kunstmuseum mal Geisel wurde und Alexei das Lösegeld brachte. Und dass sie zwei Wochen später zusammen mit Walter Skinner schon wieder zu so einer komischen Gala mussten, sogar mit Kostümen. Und dass sie Jahre später ein paar Leute von dieser Gala wieder trafen und dann sogar Geschäfte mit ihnen machen konnten... - "Ja ja, die Wege des Schicksals sind unergründlich!" gibt Alexandra in diesem altklugen Ton von sich, den sie sich von Iris abgeguckt hat - was dieser nun ein breites Grinsen entlockt: "Ganz genau, Schätzchen!"
Andere Kinder interessieren sich nur für Comics, abstruse Zeichentrickserien oder ähnliches Zeugs - aber dieses Quartett hier schmeisst lieber mit FBI-Jargon um sich und kennt sich in Esoterik aus, was wohl schon die überdurchschnittliche Verwendung von Worten wie AURA, ENERGIEFELDER, SCHWINGUNGEN, SCHICKSAL u.ä. beweist. Ausserdem können sie schon in verschiedenen Sprachen fluchen, am liebsten allerdings auf Russisch... Irina, Maximilian, William und Alexandra wissen verdammt gut, dass es viele böse Dinge gibt auf der Welt; man hat ihnen beispielsweise auch gesagt, wie sie sich im Falle eines Falles verhalten sollten, falls sie mal entführt werden sollten oder sowas in der Art. Und bestimmt können nicht viele Kinder in ihrem Alter schon Schlösser knacken oder Autos kurzschliessen... Aber sie wissen auch, dass es ebenfalls viele gute Dinge gibt auf der Welt und wie man das Leben geniessen kann.
Sie gehen auf keine öffentliche Schule - auch wenn öffentliche Schulen fleissig reformiert wurden in den letzten Jahren - sondern lernen grösstenteils im Heimunterricht per Internet, abgesehen von der Zeit, die sie hin und wieder in einem von AVALON finanzierten Internat FÜR SPEZIELLE FÄLLE mit anderen Kindern verbringen, bei denen es sich grösstenteils um kleine Genies bzw. Kinder mit besonderen mehr oder weniger übersinnlichen Fähigkeiten handelt oder aber einfach um Kinder aus dem FREUNDESKREIS von AVALON.

 

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[Weisses Haus, Washington D.C.]

Melissa und Walter Skinner haben sich fein in Schale geworfen, denn schliesslich wird man nicht jeden Tag im Weissen Haus zu einem grossen Galadiner eingeladen und trifft dabei den Präsidenten.
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Jawohl, genau der Präsident, dem einst Irina Petrowa aus seinem Flugzeug gesprungen war und ihm später als Dämon erschien, als er noch Senator war... ein einschneidendes Erlebnis, das sein Leben total verändert hat, zumal er seitdem noch öfters von Dämonen besucht wird, die ihm irgendwelche guten Ratschläge aufs Auge drücken. Er wechselte vor ein paar Jahren schliesslich nicht nur das Politische Lager, sondern auch seine Einstellung zu allem, als ihm plötzlich bewusst geworden war, dass Profit nicht alles ist. Seltsamerweise ist es gerade dann mit seiner Politischen Karriere bergauf gegangen, als er seine frühere vermeintliche Gewinner-Mentalität abgelegt hatte und zwischendurch schon glaubte, den Verstand zu verlieren. Er begann sogar zu beten... nicht unbedingt zu Gott, wie ihn die Christliche Kirche sah, sondern mehr so allgemein, in der Hoffnung, dass er nicht von allen guten Geistern verlassen war.
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Wie auch immer, Walter und Melissa sitzen also nun mit dem Chef des FBI und seiner Gattin sowie ein paar anderen Leuten an einem Tisch - und obwohl das ganze wirklich äusserst beeindruckend ist, wären sie doch fast noch lieber im Palace. Na ja, aber so können sie den Kindern hinterher wenigstens was erzählen! Wobei ziemlich fraglich ist, ob die sich dadurch beeindrucken lassen, da sie eher auf Action stehen wie Geister- oder Gangster-Jagden.
"Ich frage mich, wie Iris es fertig bringt, sich ständig um alle öffentlichen Auftritte zu drücken..." murmelt Skinner. Eigentlich müsste jemand mit so viel Geld und Macht wie Iris in einer Riesen-Villa leben, von Leibwächtern umgeben sein und ständig von Paparazzi belagert werden - stattdessen ist weitgehend unbekannt, dass sie die AVALON-STIFTUNG ins Leben gerufen hat, und sie lebt immer noch so auffällig unauffällig wie damals, wobei sie und Alexei auch immer noch gelegentlich vom FBI als Spezialisten hinzugezogen werden bzw. von Vizedirektor Walter Skinner höchstpersönlich, und alles ganz diskret natürlich.

Mit ihren Tischnachbarn unterhalten sich Walter und Melissa schliesslich auch noch über die letzte Reise des neuen Papstes in die Dritte Welt, wo dieser wieder mal die Wichtigkeit hervorhob, dass Mensch und Natur in Einklang leben müssen und dass Geburtenkontrolle dabei durchaus sinnvoll wäre, denn lieber Qualität für weniger Menschen als Elend für noch mehr Menschen. Ja ja, sie nennen ihn den Papst des neuen Jahrtausends, seit er 2002 auf den Heiligen Stuhl gesetzt worden ist. Jung, dynamisch, modern, ein ziemlicher Kontrast zu seinem zittrigen Vorgänger. Unglaublich, was der Mann in wenigen Jahren schon erreicht hat, wovon man zuvor kaum zu träumen wagte: das Zölibat wurde abgeschafft und Frauen sind jetzt auch fürs Priesteramt zugelassen... und dazu eben noch jede Menge moderne und durchaus tolerante Ansichten. Und er hat zugegeben, dass ein Papst nicht unfehlbar sein kann, da er ja schliesslich auch nur ein Mensch ist... Natürlich gibt es prompt auch wieder irgendwelche Reaktionäre, die das alles wohl irgendwie für zu modern halten und sich wohl am liebsten das Mittelalter zurückwünschen, doch das sind nur wenige. Melissa hat sich jedenfalls über die Modernisierung der Katholischen Kirche gefreut... auch wenn sie inzwischen nicht mehr so christlich ist. Heutzutage würde sie wohl Max und Alexandra nicht mehr unbedingt taufen lassen...
Ausserdem ist kürzlich in einem Magazin berichtet worden, dass die Weltbevölkerung seit 2000 auch weiterhin abnimmt, da immer noch weniger Kinder geboren werden, als tagtäglich Menschen wegsterben... - "Wie geht es denn Ihren reizenden Kindern? Haben Sie einen Babysitter?" erkundigt sich Mrs. Collins, die Frau des FBI-Chefs, deren Kinder natürlich schon längst erwachsen sind und selber Kinder haben. - "Sie sind bei Freunden." Melissa lächelt, als sie sich wieder mal dabei ertappt, ebenfalls ständig den Namen Sinclair zu verschweigen, als wären Iris und Alexei ein Staatsgeheimnis.
Director Collins, seines Zeichens Chef des Federal Bureau of Investigation, beneidet seinen Stellvertreter irgendwie. Sicher, Skinner hat es früher oft schwer gehabt, man hat sich wegen der X-Akten über ihn lustig gemacht, doch irgendwann ist allen das Lachen vergangen... Walter Skinner hat plötzlich wie aus heiterem Himmel eine vergleichsweise junge und sehr hübsche Frau geheiratet und ist sogar noch Vater geworden, sogar zweimal; dann hat er gute Kontakte zu AVALON und zudem wohl auch noch gute Freunde. Und er wird in den nächsten Wochen sein Nachfolger werden... und er hat es verdient, denn er ist ein guter Mann. Was ihn aber an Skinner ein klein wenig nervt, ist was ganz anderes: Dieser glückliche Bastard sieht heute fast besser aus als vor Jahren, als er den Mann damals wegen einer Anhörung in Sachen X-Akten zum ersten Mal gesehen hat. Irgendwie ist ihm wohl diese Ehe gut bekommen, kein Wunder bei so einer charmanten Frau wie Melissa, die auch heute noch so frisch und jugendlich aussieht, obwohl sie selbst bei ihrer Hochzeit ja auch schon auf die vierzig zugegangen sein muss...

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[PALACE-HOTEL IN WASHINGTON]

"Argon!" rufen die Kinder begeistert, nachdem Iris die Tür geöffnet hat, die wohl schon froh sein kann, dass er immerhin so rücksichtsvoll ist, wenigstens zu klopfen... "Argon, erzählst du uns eine Geschichte?"
Iris, Alexei und Lindsey grinsen sich an, als nun der Dämon als Märchenonkel auftreten muss, selbstverständlich in seiner Menschlichen Gestalt. Anfänglich tat er ja immer so, als könnte er Kinder nicht leiden, doch dann hat sich der Brummbär irgendwann doch noch als Kinderfreund entpuppt, der wohl jeden in der Luft zerreissen würde, der Irina, Max, William oder Alexandra auch nur ein Haar krümmte.
Anfänglich war Alexei etwas misstrauisch, besonders als ihm dämmerte, dass die süsse Alexandra offenbar auch Argon's besonderer Liebling war, doch Iris beruhigte ihn, dass Argon sicher weitaus vertrauenswürdiger war als die meisten Menschen und ganz bestimmt keine pädophilen Neigungen hatte.
Da die Kinder zu Besuch sind, verabschiedet sich Lindsey nach einer Weile, da man ihnen - und ihren Eltern - ja nicht unbedingt auf die Nase binden muss, dass er für gewöhnlich bei Iris und Alexei im Bett zu schlafen pflegt, denn noch will man irgendwelchen peinlichen Fragen aus dem Weg gehen. Es wurmt den Anwalt ein Bisschen, dass Argon einfach noch dableibt, aber der Dämon schert sich ja nicht um irgendwelche Konventionen und scheint sogar bei den anderen totale Narrenfreiheit zu geniessen, obwohl die ja noch nicht mal wissen, dass er ein Dämon ist, sondern ihn für so eine Art Geheimdiensttypen halten oder sowas in der Art.

* * *

Iris öffnet die Tür, noch bevor Melissa und Walter überhaupt ihren Schlüssel zücken können. Sie legt den Finger auf die Lippen und bittet sie mit einer Handbewegung herein.
Irina, Maximilian, William und Alexandra liegen zwischen dem ebenfalls schlafenden Alexei und dem noch wachen Argon aneinandergekuschelt auf dem Matratzenlager in der Stube. Ihre Gesichter sind mit Farbe verschmiert - worauf Melissa Iris mit einem patentierten Scully-Blick bedenkt. - "Kriegsbemalung!" flüstert Iris lächelnd und zuckt entschuldigend die Schultern. "Ratet mal, was sich Irina für ein Totemtier erwürfelt hat... einen Fuchs!" - "Na da wird sich Mulder aber freuen, wenn man seine Tochter bald noch Fox ruft!" Melissa gibt sich alle Mühe, nicht laut herauszulachen. Ihr Schwager hat seinen Vornamen ständig gehasst und nun hat sich seine Tochter ausgerechnet den als Totem ausgesucht? Wäre Irina durchaus zuzutrauen, dass sie das mit Absicht gemacht hat, um ihren Daddy etwas zu necken... - "Na ja..." flüstert Iris in verschwörerisch. "Wir haben beschlossen, sie nicht direkt Fox zu rufen, sondern Ix. Und wundert euch nicht, wenn Alexandra sich nun vielleicht nur noch Lex nennt..."
C'est la vie.
Argon verabschiedet sich schliesslich und verschwindet auf leisen Sohlen... Melissa und Walter lehnen das freundliche Angebot ab, ins Schlafzimmer oder Büro zu gehen, oder ins Appartement vis-à-vis, wo Mulder und Dana früher gewohnt haben und das jetzt gewissermassen noch als 'Gästehaus' fungiert. Stattdessen machen sie es sich lieber auf der Couch bequem, wo sie noch eine Weile beobachten, wie die Kinder friedlich schlafen, bis ihnen selber die Augen zufallen.

* * *

Am nächsten Morgen gibt es im Badezimmer eine regelrechte Wasserschlacht... doch danach ist die Kriegsbemalung überall abgewaschen und als sie danach gemütlich frühstücken, denn es ist schliesslich Sonntag, sind sie alle wieder sauber, auch die kleinen pseudo-indianischen KriegerInnen von gestern Abend.
Wenn man Alexei und Alexandra zusammen sieht, kann man schnell auf den Gedanken kommen, Vater und Tochter vor sich zu haben. Aber Walter Skinner hat sich an den Anblick gewöhnt und kann damit leben, denn er ist es, den die kleine Alex Daddy nennt, während ihr Genetischer Vater einfach der nette Onkel Alexei ist.

Melissa und Walter erzählen vom Empfang im Weissen Haus, dem Rundgang und dem anschliessenden Abendessen. Und dass der Präsident sie irgendwie ziemlich seltsam angesehen hätte, als sie ihm vorgestellt worden sind, fast als würde er sie irgendwoher kennen...

 

"Ix, Max, Will, Lex!" ruft Alex zur Mittagszeit. "Essen!" Offenbar ist das ein Zauberwort, denn blitzartig lassen die Kinder ihre Spielkarten liegen und tauchen am Tisch auf - wo auch schon Melissa und Walter sitzen und sich mit Iris und dem geschäftigen Alexei unterhalten, der nun das Essen auf den Tisch stellt.
"Ist eigentlich der Poltergeist gefährlich, den Mommy und Daddy in Hawaii jagen?" erkundigt sich Irina dann nach einer Weile - worauf Iris breit grinst und die Kinder beruhigt: "Nur keine Angst, das war wohl eher ein Fehlalarm..." - "Und was machen die denn so lange?" erkundigt sich Will in aller Unschuld und schiebt sich wieder ein paar Fritten rein - worauf er von seiner älteren Schwester aufgeklärt wird, die nun zu kichern beginnt: "Na bestimmt knutschen sie wieder rum!" Einerseits findet sie es ja gewissermassen romantisch, dass sich Mommy und Daddy immer noch so lieb haben, andererseits ist es ihr auch ein wenig peinlich, wenn die beiden in aller Öffentlichkeit herumturteln.



 

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"Iris hat also mit oder ohne AVALON alle um den Finger gewickelt, was ja eigentlich für eine Amayra-Hexe fast schon normal ist, und hat ihre Mission, die Welt besser zu machen, also auch höchstpersönlich noch etwas vorangetrieben, abgesehen von ihren kleinen privaten Spielchen, die ihr wohl fast die liebsten waren." fasst die Fürstin mal kurz zusammen und sieht All'Una an, wobei sie sich nur schwer vorstellen kann, dass die auch selbst gerne solche kleinen Spielchen spielt, doch immerhin nickt die Amayra-Hexe und greift wieder nach ihrem Glas, wobei der Arda-Ring an ihrer rechten Hand kurz gegen das Kristall schlägt und ein leises PLING ertönt. Wie blind muss man wohl sein, eine Amayra-Hexe nicht zu erkennen?! "Sag mal, All'Una... ist denn auch nach einigen Jahren noch niemandem aus ihrem Freundeskreis der leiseste Verdacht gekommen, dass Iris kein normaler Mensch ist?" - "Man hat sie Zauberhafte Hexe genannt. Und lieber keine Fragen gestellt. Allerdings war da wohl irgendwann mal was..." Zumindest eine Geschichte dieser Art hat Iris in ihren Aufzeichnungen erwähnt, obwohl sich All'Una kaum vorstellen kann, dass dies die einzige Begebenheit dieser Art gewesen sein soll... - "Und was?!"

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[Irgendwo in Hawaii]

"Die Reise ist wirklich eine gute Idee gewesen!" meint Dana lächelnd und geniesst die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut, die sie sich vorsorglich gründlich mit Sonnencreme eingeschmiert hat, um nicht wieder einen Sonnenbrand zu bekommen. Und auf dem Kopf trägt sie derzeit einen leichten Strohhut. Und noch eine Sonnenbrille. "Ob Iris wohl gewusst hat, dass der Poltergeist nicht echt gewesen ist?" Ja, inzwischen ist die früher immer ach so skeptische Scully immerhin geneigt zuzugeben, dass es auch Echte Poltergeister gibt. Irgendwie färbt es eben doch langsam ab... spätestens wenn man anfängt, für eine Hexe mit übernatürlichen Talenten zu arbeiten, mit der man schon vorher befreundet war. - "Bestimmt hat sie's geahnt." mutmasst Mulder und setzt kurz darauf seinen treuherzigsten Dackelblick auf. "Jetzt wo der Fall abgeschlossen ist, willst du doch nicht etwa schon heimfahren?" Er liebt solche Ausflüge, denn es erinnert an die gute alte Zeit... doch jetzt ist alles viel besser. Keine billigen wanzenverseuchten Motels mehr, sondern richtig schöne Hotels, wobei das beste daran allerdings ist, dass Dana und er darin in einem Bett schlafen können, ohne sich um irgendwelche Vorschriften den Kopf zerbrechen zu müssen. Hier sind sie jetzt sogar im selben Hotel untergebracht, in dem John und Mon damals ihre Flitterwochen verbracht haben, sogar in der Honeymoonsuite! - "Ach was... die Kinder wären ja enttäuscht, wenn wir so früh zurückkommen würden!" grinst Dana. "Manchmal habe ich fast das Gefühl, sie mögen Iris noch lieber als uns..." - "Ach was, das ist nur, weil Iris den lieben Kleinen wie eine gute Tante nun mal fast alles durchgehen lässt und sie gnadenlos verzieht!" scherzt Mulder, obwohl er weiss, dass das so nicht stimmt. Geduldig kann Iris ihren inoffiziellen Patenkindern auch alles mögliche erklären, was sie unter anderen Umständen vermutlich langweilen würde, also richtig pädagogisch wertvoll sozusagen, sie wäre bestimmt auch eine gute Lehrerin. Na ja, das Fluchen in etlichen verschiedenen Sprachen hätte zwar nicht unbedingt sein müssen, aber wer weiss, für was Fremdsprachen nochmal gut sein können! Jedenfalls kann man wohl davon ausgehen, dass die Kinder bei Iris und Alexei sicher sind.

Als Mulder und Scully händchenhaltend am Strand entlang schlendern, wirken sie eher wie frisch verliebte Teenager denn als Ehepaar mit zwei Kindern. Und niemand käme wohl auf die Idee, sie so alt zu schätzen, wie sie wirklich sind. Und irgendwie wollen sie wohl gar nicht so genau wissen, ob ihr geradezu noch jugendliches Aussehen vielleicht was mit den tollen Badeölen, Shampoos und sonstigem Zeugs zu tun haben, die ja angeblich von Hexen hergestellt werden sollen... oder ob das vielleicht eher was mit Iris' Energie zu tun hat, wenn sie in ihrer Gesellschaft sind.

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Eine alte dunkelhäutige Frau, die schon graue Strähnen in ihren langen Rastazöpfchen hat, sieht Mulder und Scully durchdringend an, als diese an ihrem kleinen Stand vorbeischlendern, wo als Ware die üblichen Souvenirs für Touristen ausliegen. "Fox?!" ruft sie ihnen hinterher - worauf beide zusammenzucken und sich wieder umdrehen. "Fox?" wiederholt Mulder und bemüht sich um einen möglichst unverfänglichen Plauderton, während er plötzlich ganz hibbelig ist. - "So heissen Sie doch?" meint die Frau und lächelt. Dabei wird eine Zahnlücke sichtbar, was ihrer eindrucksvollen Erscheinung jedoch keinen Abbruch tut. "Fox Mulder! Und Sie sind Dana Scully! Ich habe ihr Bild mal vor Jahren in einer Zeitung gesehen, als sie angeblich ein UFO gejagt haben, da waren Sie noch beim FBI..." - Mulder und Scully wechseln einen überraschten Blick. Wow, die Frau muss ja wirklich ein Elefantengedächtnis haben, denn jener Fall liegt doch mindestens schon zehn Jahre zurück. "Wir sind nicht mehr beim FBI." - "Ich weiss. Sie sind jetzt bei AVALON!" erklärt die Frau und zwinkert ihnen verschwörerisch zu. "Ist Iris eigentlich noch da?"
O oh! Nach dieser Priscilla Deveraux ist das nun also noch so eine wildfremde Frau, die im Zusammenhang mit AVALON von Iris weiss, obwohl deren Name ja eigentlich nie an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Ist das hier etwa auch eine alte Bekannte von ihr, vielleicht sogar eine Hexe? "Iris?" wiederholt Mulder und stellt sich dumm. - "Na Sie wissen schon, Iris! Blond, blaue Augen, volle Lippen, lange Beine, gute Figur und alles in allem einfach schrecklich hübsch und hinreissend!" Nun kichert sie leise und klingt dabei etwas nach einer alten Hexe. "Oder auch eine unauffällige graue Maus mit hochgestecktem Haar und Sonnenbrille?" - "Wer sind Sie?" fragt nun Dana im Gegenzug mit ihrem professionellen Scully-Blick. - "Nennen Sie mich einfach Stella." Wieder lächelt sie ihr Zahnlücken-Lächeln und kichert leise. "Ja ja, ich gehöre auch zum AVALON-Netzwerk, gewissermassen. Und ich habe Iris sogar mal persönlich getroffen. 1970."
Dass diese Stella eine AVALON-Hexe ist, wie Melissa immer zu sagen pflegt, mag ja noch angehen, davon scheint es ja geradezu zu wimmeln, es stehen jedenfalls Tausende querbeet über die ganze Welt verstreut in der AVALON-Adressliste... Und da Iris viel auf Reisen war und auch heute noch ist, hat sie bestimmt auch schon Unmengen von Leuten kennengelernt. Aber 1970 war die gute Iris doch noch ein Baby!
"Oh!" Das Gesicht der Frau versteinert für einen Moment, als wäre ihr soeben eingefallen, dass sie sich wohl verplappert hat. "Ich meine natürlich 1990. Ich bringe Zahlen immer durcheinander!" lächelt sie entschuldigend. Stella sieht den dunkelhaarigen Mann und die rothaarige Frau aufmerksam an und ist erleichtert, als sich deren Minen nun wieder etwas glätten. Wie kann es nur sein, dass diese beiden offenbar seit Jahren mit Iris befreundet, jedoch nicht eingeweiht sind, dass die Gute eine Unsterbliche Hexe ist?
"Sie behaupten also, Sie kennen Iris persönlich?" fragt Scully mit hochgezogener Augenbraue - worauf Stella die Schultern zuckt. "Jedenfalls hab ich sie mal getroffen. Aber vermutlich wird sie sich nicht an mich erinnern, schliesslich trifft sie ja immer so viele Leute... diesseits und jenseits der Spiegel." - Schlagartig spitzen Mulder und Scully aufmerksam die Ohren. Diesseits und *jenseits der Spiegel*?! Diesen seltsamen Ausdruck haben sie von Iris auch schon gehört, jedoch nie näher nachgefragt, was sie eigentlich genau damit meint. "Erzählen Sie doch mehr!" In Mulder's Augen leuchtet nun Neugierde. Der Poltergeist war vielleicht nur ein Fehlalarm... aber womöglich können sie hier auf Hawaii ein noch viel grösseres Rätsel lösen?!

Mittlerweile sitzen sie alle im Schatten eines Sonnenschirms eines Strandcafés und haben kalte Getränke vor sich stehen, wobei man förmlich zusehen kann, wie die Eiswürfel in den Gläsern zu schmelzen beginnen.
Mulder und Scully kommen je länger je mehr zum Schluss, dass diese Stella viel um den heissen Brei herumredet und ihnen eine Menge verschweigt, obwohl sie seltsamerweise einiges zu wissen scheint. Dafür können sie die Frau regelrecht schockieren, als sie beiläufig Alexei erwähnen.
"Was?! Sie hat wirklich einen Ehemann? Aber sie hatte noch nie einen Ehemann!" entfährt es Stella, der dieser kleine Gefühlsabbruch jedoch schon im nächsten Moment sichtlich peinlich ist. - "Was haben Sie denn gedacht, wer Alexander Sinclair ist, der Stiftungsratsvorsitzende von AVALON?" meint Scully mit hochgezogener Augenbraue. - "Ich habe nicht gewusst, dass sie jetzt Iris Sinclair heisst!" gibt Stella wahrheitsgemäss zu. - "Aber wie sind sie denn sonst überhaupt auf die Idee gekommen, dass Iris etwas mit AVALON zu tun hat?" bohrt Scully nun weiter, der das langsam wirklich mysteriös vorkommt. - "Man hat mir erzählt, Iris hätte was mit AVALON zu tun." - "Wer hat das erzählt?" fragt Mulder nun neugierig - doch Stella hüllt sich nun hartnäckig in Schweigen. Und als sie dann mal auf die Toilette des Cafés geht...
... kommt sie nicht wieder.

Als Mulder und Scully wieder dorthin gehen, wo Stella ihren kleinen Stand mit Touristen-Klimbim hatte, ist die Stelle leer. Keine Spur von ihr. Man sollte meinen, dass eine Frau wie Stella eigentlich leicht zu finden sein müsste, wenn man nach ihr fragt, immerhin sind Frauen mit der Weisheit des Alters in den Augen (Wobei Mulder und Scully kaum richtig schätzen können, ob die gute Frau vielleicht 50 oder eher 70 Jahre alt sein soll, jedenfalls muss sie noch ganz schön flink sein, wenn sie durchs Klofenster klettern konnte!), mit grauen Strähnen in den langen Rastazöpfchen und mit einem fehlenden oberen linken Schneidezahn wohl eher selten anzutreffen. Aber alle, denen sie die Frau beschreiben, schütteln nur den Kopf.
"Entweder leiden die Leute hier alle an kollektiver Amnesie oder es ist einfach eine Mauer des Schweigens. Grosser Gott, Stella, wenn sie denn so heisst, hat hier am Strand schliesslich einen Stand gehabt!" schimpft Scully leise und überlegt dann: "Braucht es dafür eigentlich eine behördliche Bewilligung?" Gute Idee, aber es führt zu nichts... Weder wurde eine solche Bewilligung erbeten noch erteilt, schon gar nicht von jemandem wie Stella.

* * *

Nach einer gemeinsamen Dusche im Hotel fühlen sich Mulder und Scully wieder etwas erfrischt. "Wir könnten natürlich Iris anrufen und sie einfach fragen, ob sie zufälligerweise eine gewisse Stella kennt..." sinniert sie - worauf er jedoch den Kopf schüttelt, da er lieber selber noch etwas ermitteln möchte. Auch wenn er sich natürlich fragt, was es da wohl eigentlich zu ermitteln gibt. Vielleicht wollte diese Stella einfach besonders geheimnisvoll tun...
Schliesslich werfen sie ihr Laptop an und setzen beide ihre Lesebrillen auf. Auf gut Glück geben sie einfach mal "Stella" in die Suchmaske ein; ohne Suche und Querverweise wäre die CD "ESOTERIK-ABC" von Melissa nur eine Aneinanderhäufung von Religionen, Ritualen, Göttern und allen möglichen Fabelwesen sämtlicher Menschlicher Kulturen.
      STELLA = STERN (LAT.),
      BELIEBTER NAME BEI HEXEN (ABER NICHT NUR BEI HEXEN!)
Tja, sehr aufschlussreich.
Also mal schnell einen Blick in die "Adresskartei" geworfen... und tatsächlich erscheint eine ziemlich lange Liste von allen möglichen Stellas. Auch eine Stella in Hawaii, die offenbar als offiziell praktizierende Hexe qualifiziert ist. Allerdings ohne Adresse und Telefonnummer. Wäre ja auch zu schön gewesen.
Wenn sie allerdings gewissermassen als Hexe/Kartenlegerin/Wahrsagerin oder was auch immer praktiziert, muss sie ja irgendwoher ihre Kunden haben. Dummerweise steht sie nicht in den Gelben Seiten des hiesigen Telefonbuchs... Vermutlich läuft sowas hier eher durch Mund-zu-Mund-Propaganda!

* * *

Gleich am nächsten Morgen fragen Mulder und Scully den Consièrge ihres Hotels in vertraulichem Ton, ob er vielleicht jemanden wüsste, der ihnen die Karten legen oder aus der Hand lesen könnte oder sowas in der Art...
... und sie landen auf den Tipp hin bei einem alten Quacksalber.
Nachdem sie sich den ganzen Tag immer weiter durchgefragt haben, gibt ihnen endlich ein kleiner Junge den Tipp, es doch mal bei der alten Hexe zu versuchen, wenn sie wirklich Interesse an echter Magie hätten... "Eine alte Hexe?" wiederholt Scully und zieht eine Augenbraue hoch. Mittlerweile ist sie durchgeschwitzt und ihr tun schon die Füsse weh, also wehe wenn dieser Tipp wieder für die Katz ist! "Klingt ja spannend! Und wo finden wir die?" fragt Mulder auch schon unternehmungslustig, in dessen Ohren die Bezeichnung alte Hexe durchaus vielversprechend klingt...
... worauf der kleine Junge, der wohl kaum viel älter als Irina sein kann, sie zu einem neuen Wohnblock führt und dort unten klingelt. STELLA steht auf dem Briefkasten und auch neben dem Knopf der Gegensprechanlage, den der Junge gedrückt hat. Tatsächlich erklingt Stella's Stimme und der Junge erzählt ihr, dass er hier Kundschaft für sie hätte.
Als sie im Lift hochfahren - Stella wohnt zuoberst - wirft Scully ihrem Partner einen amüsierten Blick zu. "Na, enttäuscht, dass wir uns nicht mit der Machete einen Weg durch den Dschungel bahnen müssen, um die alte Hexe in einer windschiefen Hütte mitten im Wald zu besuchen?"

"Sie?!" Na das klingt ja nicht gerade begeistert. Aber dann bittet sie ihre Besucher trotzdem mit einer schicksalsergebenen Handbewegung herein, auch wenn sie es inzwischen bitterlich zu bereuen scheint, dass sie die beiden gestern angesprochen hat.
Stella's Stube ist vollgestopft mit allem möglichen pseudo-magischen Krempel, der wohl hauptsächlich dazu dient, die Kundschaft zu beeindrucken; Mulder und Scully haben inzwischen einen geschärften Blick dafür. Die alte Hexe hat sich wieder in ihren Sessel hingesetzt und deutet auf die Couch, auf der sich nun ihre Gäste niederlassen, während sie sich noch fasziniert umsehen.
"Warum haben Sie mich gesucht?" fragt Stella, obwohl sie die Antwort kennt: Neugierde! - "Weil Sie uns noch ein paar Antworten schuldig sind!" - "Ich bin Ihnen gar nichts schuldig!" grummelt sie und wippt mit ihrem Fuss auf und ab. Sie hat sehr elegant die Beine übereinandergeschlagen und nun malt sie mit ihrem Fuss Muster in die Luft - geradezu hypnotisch. Doch bevor ihm die Augen zufallen, kann sich Mulder gerade noch vom Anblick ihrer rotlackierten Zehennägeln losreissen und er zückt seine Brieftasche. Zum Glück gibt es immer noch Bargeld! "Betrachten Sie uns als Kunden, die einfach ein paar Antworten wollen!" erklärt er und legt einen Hunderter auf den kleinen Couchtisch. - Stella starrt nun abwechselnd Scully, Mulder und das Geld an... und erklärt dann schliesslich: "Na schön, was wollen Sie denn wissen?"
Na also, es geht doch! "Wer hat Ihnen erzählt, dass Iris mit AVALON zu tun hat?" erkundigt sich Mulder und nimmt dabei die Frage auf, bei der es gestern aufgehört hat, weil Stella sich lieber aus dem Staub gemacht hat.
"Methos."
Nanu? "Wer oder was ist bitteschön Methos?" Und als sie daraufhin nur wieder auf den Hunderter starrt, legt er einen zweiten Hunderter auf den Tisch. Wenn das so weitergeht, wird das ein ziemlich teures Gespräch!
"Methos ist ein Mann, mit dem Iris wohl mal eine Affaire hatte oder sowas in der Art."
Aha, ein ehemaliger Liebhaber, na davon scheint es ja jede Menge zu geben... "Verraten Sie mir den vollständigen Namen dieses Mannes." Er sieht sie auffordernd an und fügt hinzu: "Das gehört zur Beantwortung der Frage dazu und wird nicht extra bezahlt!"
"Methos ist einfach bloss Methos... zumindest ist mir kein anderer Name bekannt."
Irgendwie scheint Iris wirklich ein Faible für Männer mit komischen Decknamen zu haben, wenn man da nur an Argon denkt, dessen bürgerlichen Namen man bis heute noch nicht erfahren hat und wohl auch nie erfahren wird... Mulder hat schon den ganzen Tag in seiner Reisetasche unter anderem den kleinen Laptop mit sich rumgetragen, den Scully inzwischen angeworfen hat. In der Adresskartei findet sich jedenfalls niemand namens Methos, beim ABC erscheinen jedoch bei diesem Suchbegriff Information über eine seltsame Art von Unsterblichen, die sich aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen wohl mit besonderer Vorliebe gegenseitig die Köpfe abzuschlagen pflegen; und einer der Ältesten, wenn nicht gar der älteste Unsterbliche überhaupt wäre wohl ein gewisser Methos, wobei irgendwelche obskuren 'Beobachter' fast schon sowas wie Methos-Forschung betreiben würden, ohne ihn jedoch bislang jemals wirklich aufspüren zu können. Ist Methos nur ein Mythos? Fragen über Fragen... und hat das überhaupt was mit diesem Fall hier zu tun? Mulder und Scully haben wieder ihre Lesebrillen aufgesetzt und werfen sich einen seltsamen Blick zu, bevor sie wieder Stella ansehen, die unterdessen ebenfalls einen interessierten Blick auf die Computerseite geworfen hat und trotz ihres Alters schärfere Augen als die beiden ehemaligen FBI-Agenten zu haben scheint.
"Ist dieser Methos, der Ihnen von Iris und AVALON erzählt hat, zufälligerweise unsterblich?" erkundigt sich Mulder fast gegen seinen Willen. Vielleicht sollte er doch mal öfters im Dämonen-ABC schmökern, denn von sowas hat er bislang ja noch nie was gehört.
"Was verstehen Sie unter unsterblich?" kontert Stella mit einer Gegenfrage, ohne den nächsten Hunderter abzuwarten. "Man kann sogar Dämonen töten, obwohl die sonst eigentlich ewig leben könnten."
Sehr clever... Also andersrum: "Wenn man jemandem den Kopf abschlägt, stirbt jeder Mensch. Aber könnte dieser Methos beispielsweise auch an, sagen wir mal, einer Pilzvergiftung sterben?"
"Woher soll ich das wissen?" meint Stella wieder und klingt ein wenig aufgebracht. "Ich habe ihn jedenfalls nicht mit Pilzen oder sonstwas vergiftet!" Sie seufzt kurz und starrt auf die drei Hunderter auf dem Couchtisch. "Hören Sie mal, es hat wenig Sinn, wenn Sie mir Fragen über Methos stellen, denn ich habe den Mann nur einmal getroffen, vor ein paar Jahren. Bei der Gelegenheit sind wir ins Plaudern gekommen und er hat mir von AVALON erzählt und dass Iris ihre Finger da mit drin hätte, die eine alte Bekannte von ihm wäre... Er hat mir nicht mal erzählt, dass sie jetzt Iris Sinclair heisst und einen Ehemann hat." Und das ist sogar die Wahrheit. Nur nicht unbedingt die ganze Wahrheit...
"Wie war denn Iris' Mädchenname?" fragt Scully aus einer plötzlichen Eingebung heraus.
"Keine Ahnung."
"Warum wissen Sie das denn nicht? Schliesslich haben Sie Iris doch kennengelernt, als sie noch ledig war!"
"Ich habe nie nach ihrem Nachnamen gefragt!"
Irgendwie bekommt Mulder langsam das Gefühl, hier Kopf voran immer wieder gegen eine Gummiwand zu rennen. "Wann haben Sie Iris kennengelernt?"
"1990."
Hat sie etwa gezögert, weil sie die Zahlen nicht schon wieder verwechseln wollte? "Geht's vielleicht auch noch etwas genauer?" erkundigt er sich weiter.
"Keine Ahnung, ich führe kein Tagebuch!" erwidert Stella etwas trotzig. "Sie war hier in den Ferien oder so ähnlich. Ich habe ihr aus der Hand gelesen und dabei festgestellt, dass sie selbst grosses Talent hat. Ihre Aura ist wirklich beeindruckend... Da hat sie herzhaft gelacht und gesagt, sie wäre wohl selbst sowas wie eine Hexe." Und das stimmt sogar soweit... nur dass dies eben nicht 1990, sondern schon 1970 passiert ist. Und danach tranken sie zusammen Wein, zogen um die Häuser und als sie dann nachts von einer Bande angetrunkener Halbstarker überfallen wurden, schlug Iris die Kerle mit Fusstritten und bösen Blicken in die Flucht. Wenn sie nicht gewesen wäre, hätte Stella nicht nur einen Schneidezahn verloren, sondern noch viel mehr, vielleicht sogar ihr Leben... Aber wie auch immer: am nächsten Morgen zog sich Iris dann plötzlich schwarze Kleider an, steckte ihre Haare hoch und setzte sich eine dunkle Sonnenbrille auf die Nase...
"Sie war also eine Kundin... Und Sie können sich auch noch nach Jahren an eine einzelne Kundin erinnern? Ihr Gedächtnis muss wirklich beeindruckend sein!" erklärt Scully, die sich allerdings langsam ziemlich komisch dabei vorkommt, wie sie hier gewissermassen ihrer Chefin hinterherspionieren. Was hoffen sie denn eigentlich, über Iris herauszufinden? Dass sie Freunden gerne Mythologische und sonstige Decknamen gibt, ist ja eigentlich nichts neues mehr und bestimmt hat sie noch einen ganzen Olymp von ehemaligen Liebhabern bzw. sämtliche Edelgase des Periodensystems oder was es sonst noch alles schönes gibt.
"So eine Aura wie die von Iris vergisst man nicht so leicht!"
"Hat Iris ihre Haare offen getragen, als sie ihr damals aus der Hand gelesen haben?" fragt Mulder auf einmal, dem wieder in den Sinn gekommen ist, dass diese Stella sie gestern auch als unauffällige graue Maus beschrieben hat. Aber weshalb hätte wohl Iris damals in ihren Ferien jemals mit hochgestecktem Haar als unauffällige graue Maus herumlaufen sollen, wo sie damals doch noch nicht mal beim FBI war?
"Wie bitte?"
"Hat sie die Haare offen getragen oder was sonst?" wiederholt Mulder unbeirrt, der einfach immer noch glaubt, hier irgendwas auf der Spur zu sein, auch wenn er selbst nicht weiss, was das wohl sein sollte.
"Zuerst hatte sie ihre Haare zu einem Knoten hochgesteckt, vielleicht wegen der Hitze... als sie dann den Knoten geöffnet und ihre Mähne ausgeschüttelt hatte, war die Wirkung wirklich verblüffend..." Na ja, eigentlich hatte sie es ja eher in umgekehrter Reihenfolge erlebt, aber was soll's, für ein paar Hundert Dollar kann dieser Mann wohl kaum sämtliche Wahrheiten dieser Welt erwarten!

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"Ausgerechnet eine Avalon-Hexe hat Iris verraten?!" - "Also verraten ist ein etwas hartes Wort. Es war mehr ein verplappern und danach kam dann eins zum anderen..." - "Und dieser Methos, den du da erwähnt hast... scheint ja ganz interessant zu sein! Lebt der wohl noch?" - "Keine Ahnung." - "Sowas wie ein Aru, hä?" - "So ungefähr. Diese Sorte spürt einander durch so eine Art Kribbeln im Kopf, wenn sie sich einander nähern. Und wenn einer dem anderen den Kopf abschlägt, dann geht die Energie auf den Sieger über... oder so ungefähr. Ich hab's nie mit eigenen Augen gesehen." erklärt All'Una - und die Fürstin verzieht kurz das Gesicht, da sie sich kaum vorstellen kann, wozu es wohl gut sein sollte, dass die sich mehr oder weniger ständig gegenseitig die Köpfe abzuschlagen versuchen. Von sowas hat sie ja sonst noch nirgends gehört. "Seltsame Bräuche... Na egal. Und was haben denn Mulder und Scully weiter gemacht?"

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"Das ist Hausfriedensbruch!" flüstert Scully etwas lahm und gähnt, denn sie haben lange genug warten müssen, bis Stella endlich mal wieder das Haus verlassen hat...
... doch Mulder lässt sich davon nicht beeindrucken und steigt auch schon durch das offene Fenster ein, während Scully immer noch ein paar Stufen weiter unten auf der Feuerleiter steht. "Und wenn schon!" flüstert er und hilft ihr dann beim einsteigen.
Hier sind sie in Stella's Schlafzimmer gelandet, das jedoch frei von irgendwelchem pseudo-magischen Krempel ist, der sich wohl hauptsächlich in der guten Stube türmt, um den Kunden das nötige Hexen-Feeling zu vermitteln. Eigentlich weiss Mulder selbst nicht, was er hier zu finden hofft, zumal er auch gar nicht weiss, nach was er hier eigentlich sucht...
"Sieh dir mal das an!" meint er aufgeregt, als er in einem alten Fotoalbum blättert, und zeigt Scully ein altes Schwarzweiss-Bild, das eine noch junge Stella, ohne Zahnlücke, zusammen mit einer blonden Frau zeigt. Es sieht so aus, als wäre das Bild in einer Bar aufgenommen worden und Stella da schon ziemlich angeheitert gewesen... "Sieh nur!" - "Oh mein Gott!" entfährt es Scully. Die blonde Frau auf dem Foto sieht verdächtig aus wie Iris! Und das Foto ist im Album beschriftet mit: IN DER LAGUNA-BAR MIT IRIS! 6.6.1970 - "1970!" sagt Mulder laut. "So alt sieht das Foto auch aus!" - "Schatz, das ist unmöglich!" Scully sagt es so beschwörend, als müsste sie sich selbst davon überzeugen. Es wird sicher eine Erklärung dafür geben, oder?

* * *

"Mulder, das ist verrückt! Wir reden hier von Iris! Special Agent Iris Sinclair! Sie hat uns so sehr geholfen, uns sogar das Leben gerettet, wir haben sogar in ihrem Bett geschlafen und sie war bei der Geburt unserer Kinder dabei! Und unsere Kinder sind jetzt sogar in ihrer Obhut!" Scully streckt sich und lässt sich nach dem heutigen anstrengenden Tag mit einem erleichterten Seufzen ins Bett fallen. - "Sie ist eine Hexe." - "Das ist doch nichts neues mehr, dass sie eine Hexe ist!" meint sie und verdreht kurz die Augen. Wann hat Scully eigentlich angefangen an Hexerei zu glauben? Als Iris gesagt hat, sie wäre eine Hexe und hätte Heilende Kräfte oder vielleicht nachdem sie damals das Foto mit den sechs verkohlten Leichen sah, wobei sie selbst zuvor ja ganz zufälligerweise sechs Voodoo-Puppen angezündet hatte, die von Iris fabriziert worden waren?
"Ich hab ja auch gar nichts gegen Hexen!" versichert er. "Aber du musst doch zugeben, dass das hier ziemlich seltsam ist!" Mulder hält das Foto hoch, das er einfach aus Stella's Album hat mitgehen lassen. - "Denkst du etwa, sie ist eine von diesen seltsamen Unsterblichen, so wie dieser Methos angeblich?" - "Könnte doch sein?" - "Sowas gibt es doch gar nicht!" schnaubt Scully in einem Anfall von Skepsis. "Das sind doch alles Mythen und Legenden!" - "Und wie erklärst du dir dann, dass unsere liebe Iris schon 1970 in voller Lebensgrösse Reisen nach Hawaii gemacht hat, obwohl sie damals noch hätte in ihrer Wiege liegen sollen?" Er seufzt kurz. "Seit wir sie kennen ist Iris keinen Tag gealtert..." - "Das sagt man über uns auch, aber deshalb sind wir noch längst nicht schwertschwingende Unsterbliche!" - "Es hängt ein Schwert über ihrem Kamin." - "Aber sie schleppt es nicht ständig mit sich rum und ich wette, sie hat noch nie jemandem den Kopf abgeschlagen! Sie trägt ja noch nicht mal ne Pistole, verdammt!" - "Das braucht sie vielleicht gar nicht, weil sie ja eine Hexe ist und andere Unsterbliche sich daher lieber gar nicht erst mit ihr anlegen wollen?" mutmasst Mulder und kommt dabei der Wahrheit eigentlich noch erstaunlich nahe.

* * *

"Was wollen Sie denn noch?!" Das klingt noch weniger begeistert als gestern - doch Mulder und Scully drängen sich auch schon in Stella's gute Stube. Und kaum hat sich die alte Hexe in ihren Sessel gesetzt, hält Mulder ihr auch schon das Schwarzweiss-Foto unter die Nase.
"Aha... Sie haben also gestern in meine Wohnung eingebrochen?" Das ist mehr eine Feststellung denn eine Frage und Stella sieht die beiden durchdringend an. "Was zur Hölle wollen Sie eigentlich?" - "Wir wollen die Wahrheit!" platzt es aus Mulder heraus. "Das hier ist doch die Iris, die Sie meinen, wenn Sie von der Iris reden, die ihre Finger in AVALON hat, nicht wahr?" Und als Stella fast unmerklich nickt, fragt er weiter: "Und dieses Foto ist wann aufgenommen worden?" - "1970." - "Wie ist das möglich?" fragt Mulder nun schlicht - doch Stella zuckt jetzt nur noch die Schultern. "Am besten fragen Sie Iris selbst, wenn Sie was über sie wissen wollen, ich werde euch jedenfalls nichts mehr über sie erzählen!"
Mulder schaut ziemlich unglücklich drein, doch Scully nickt nur und hat plötzlich eine ganz andere Frage: "Was bedeutet eigentlich *jenseits der Spiegel*?"
Nun setzt Stella ein weises Lächeln auf und zeigt dabei wieder ihre Zahnlücke. "Es lässt sich leichter erklären, was diesseits der Spiegel ist, nämlich unsere Realität hier, die Materielle Welt, in der wir leben. Im Traum oder in Visionen und Astralreisen kann man manchmal auch einen Blick in die Dimensionen *jenseits der Spiegel* werfen..."

 

[Irgendwo über den Wolken]

Mulder erzählt Scully, dass er Iris und Alexei damals von den Lone Gunmen hat überprüfen lassen, als sie die beiden erstmals kennen lernten. Byers, Langly und Frohike haben alle Daten gecheckt und die Sinclairs schliesslich für in Ordnung befunden.
Inzwischen haben Byers, Langly und Frohike dank Iris' Hilfe so nebenbei ein Computerimperium aufgebaut und sogar Microsoft annektiert - und irgendwie will niemand so genau wissen, was sie da wohl mit Bill Gates gedeichselt haben - und danach die Computerwelt revolutioniert. Die Jungs sorgen auch für die Technische Ausrüstung in Sachen Computer und Kommunikation von AVALON, wo Iris offenbar der Meinung ist, diese paranoiden Typen seien wohl gerade richtig, um sicherzustellen, dass private Gespräche auch privat bleiben...
"Du hast Iris überprüfen lassen?!" Na ja, irgendwie kann Scully das durchaus verstehen. Manchmal kam es ihr ja auch so vor, als wären die Sinclairs fast zu gut, um wahr zu sein... und wenn sie nun eine Falle des Konsortiums gewesen wären... "Aber es konnte nichts auffälliges gefunden werden. Na also." - "Aber die Jungs haben nicht persönlich vor Ort ermittelt..." sinniert Mulder nun. "Iris weiss doch, wie der Hase läuft, und hat weiss-Gott-was für Connections, so dass sie vermutlich sogar glaubhaft machen könnte, sie wäre eine Prinzessin oder sonstwas!" - "Glaubst du denn im Ernst, sie hat ihr Leben von vorne bis hinten erfunden?" Scully kann selbst noch kaum glauben, dass sie jetzt in einem Flieger nach Los Angeles sitzt, anstatt sich noch ein paar Tage in Hawaii unter Palmen zu räkeln. "Und was ist dann mit Alexei?" fragt sie plötzlich. "Ist der dann etwa auch ein Unsterblicher oder sowas in der Art?"
Mulder nagt an seiner Unterlippe herum, während er noch darüber nachgrübelt, denn die Frage hat er sich auch schon gestellt. Vielleicht weiss ja Alexei gar nicht, wen er da eigentlich geheiratet hat. Aber vielleicht weiss er es auch sehr wohl und ist ihr gerade deshalb so rettungslos verfallen... "Ich weiss es nicht!"

* * *

[Los Angeles]

Oh ja, sie finden jede Menge Unterlagen, welche die Existenz von Iris und auch Alexander Maximilian Sinclair belegen, der in einem Waisenhaus aufgewachsen ist und keine Familie mehr hat... doch es ist wie verhext, denn so gut wie niemand ist noch da, der sich an sie noch erinnern könnte.

Schliesslich spüren Mulder und Scully den ehemaligen FBI-Chef von Los Angeles auf, der sich inzwischen zur Ruhe gesetzt hat. Sie entdecken ihn, wie er gerade mit einer Gartenschere in seinem Rosengarten herumwerkelt.
Er sieht sie an, als hätte er soeben Gespenster gesehen. Aber er hat sehr wohl zugehört. "Ich bin nicht mehr beim FBI!" brummt er. "Lassen Sie mich also mit dem alten Kram in Ruhe!" - "Aber Sir, wir sind doch auch nicht mehr beim FBI... wir sind privat hier, weil wir für Iris eine Überraschungsparty organisieren wollen. Denn sie und Alexei arbeiten immer noch gelegentlich fürs Bureau und da dachten wir, es wäre doch nett, wenn wir auch noch ein paar alte Kollegen zusammentrommeln könnten..." Mulder ist gespannt, ob der Mann ihm die Story abkauft - denn der fängt schallend an zu lachen. "Eine Party?" jappst er und muss nach Luft schnappen. "Mit alten Kollegen?" Er muss sich auf die Gartenbank setzen. "Ich weiss ja nicht, was Iris in Washington so alles treibt, aber hier bei uns war sie mit niemandem befreundet. Abgesehen von ihrem Partner natürlich, den sie dann ja auch prompt geheiratet hat." - "War sie denn unbeliebt?" erkundigt sich Mulder irritiert, der das kaum glauben kann. Na ja, auch in Washington haben Iris und Alexei ansonsten ja kaum enge Freunde beim FBI, doch im Grunde sind sie doch immer sehr nett und charmant. - "Unbeliebt? Also 'unheimlich' trifft es wohl besser. Ich bin verdammt froh gewesen, als die dann nach Washington gewechselt haben!"

"So, und was jetzt?" fragt Scully, als sie nach dem Gespräch mit dem ehemaligen Leiter des Bureau in Los Angeles wieder in ihrem Mietwagen sitzen.
Mulder lenkt das Auto etwas ziellos durch die Gegend - bis ihm Scully einen Computerausdruck unter die Nase hält, worauf er mal kurz am Strassenrand anhält. Hoppla, ein Auszug aus der AVALON-Adresskartei. In Los Angeles gibt es offenbar so einiges... Unter anderem den Hinweis, sich lieber niemals mit der Anwaltskanzlei WOLFRAM & HART einzulassen, da diese Typen mit bösen Dämonen im Bunde stehen würden... Ach ja, Iris hat Lindsey McDonald ja angeblich deshalb als Anwalt für AVALON ausgesucht, weil der eben durch seine Arbeit in eben jener Kanzlei schon Erfahrung mit Dämonischem Gesindel hatte...
Na wie auch immer... es ist auf der Liste des weiteren nicht nur eine Bar vermerkt, sondern auch noch so eine Art Detektei: ANGEL INVESTIGATIONS. Detektive?! Na das wäre doch genau das richtige für Detektivarbeit... "Vielleicht sollten wir da mal nachfragen!" - "Ach, warum nicht!" Da sogar eine Adresse auf der Liste steht, wirft er kurz einen Blick in den Stadtplan und fährt dann wieder los, diesmal mit einem Ziel vor Augen.

*

Das Büro von ANGEL INVESTIGATIONS befindet sich in einem ehemaligen Hotel... wo man sich über ihren Besuch ziemlich wundert. Als Mulder und Scully allerdings ihre Visitenkarten von AVALON zücken, huscht ein Lächeln über das Gesicht von Cordelia, als wäre gerade die Sonne aufgegangen. Und als sogar Iris erwähnt wird, fängt Cordelia noch mehr an zu strahlen und fängt was an zu erzählen, dass sie der guten Iris wahnsinnig dankbar für die Kopfschmerztabletten wäre, die sie ihr vor Jahren mal geschickt hätte, endlich mal ein Geschenk, das wirklich nützen und ihre Visionen erträglicher machen würde, und überhaupt muss wohl Iris ganz furchtbar nett sein, immerhin sagt das Angel und der kennt sie noch von früher...

Wow, ein echter Glücksfall! Und irgendwie erfreulich, mal jemanden zu treffen, dem man nicht erst alle Würmer einzeln aus der Nase ziehen muss, doch was diese Cordelia Wyndham-Pryce da erzählt hat, hört sich ziemlich unglaublich an... "Mulder, die Frau will uns offenbar weismachen, dass ihr Boss ein Vampir ist!" flüstert Scully, nachdem Cordelia verschwunden ist, um eben diesen Angel aus dem Keller zu holen. - "Na und? Unser Boss ist eine Hexe!" meint Mulder schulterzuckend. Eine Hexe, die erstaunlicherweise schon 1970 in Hawaii gewesen sein soll, um mit Stella in einer Bar was zu trinken... irgendwie will ihm das immer noch nicht so recht in den Kopf.
'Unser Boss ist eine Hexe!' Tja, das ist allerdings auch wieder wahr. Eine Hexe, die wohl schon viel rumgekommen ist und deshalb allerhand seltsame Leute aus aller Welt kennt. Und dank AVALON haben sich mittlerweile auch schon viele Gestalten zu ihnen verirrt, vorzugsweise erst nach Einbruch der Dunkelheit, die sich sogar schon ganz ungeniert als Vampire, Werwölfe oder sonstwas vorgestellt haben, wenn sie sich überhaupt vorgestellt haben; aber wie auch immer, alle waren sie bis jetzt immer ausgesprochen höflich. "Ob Iris wohl mit diesem Angel auch mal was gehabt hat?" Angel! Und wieder so ein hübscher Name! Jemand, der bloss Mr. Smith heisst oder so ähnlich, der wäre wohl nichts für die gute Iris... und einen Moment lang fragt sie sich, wie die gute Iris wohl Walter Skinner genannt haben mag; hat sie dem wohl auch einen exotischen Kosenamen gegeben?

Angel sieht ziemlich jung aus für jemanden, der Iris noch von früher kennt. Aber er ist ja schliesslich auch ein Vampir... behauptet zumindest diese Cordelia.
"Was kann ich für Sie tun?" erkundigt sich der attraktive dunkelhaarige Mann mit den ausdrucksvollen dunklen Augen, in denen ein Feuer zu brennen scheint. - "Äh... wir haben gehört, Sie kennen Iris noch von früher?" fängt Mulder an zu bluffen, nachdem er sich und Dana vorgestellt und die Visitenkarten von AVALON gezückt hat, wo ja eben auch immer ein Portrait der jeweiligen Person drauf ist, so dass es schon fast wie ein Ausweis wirkt. "Wissen Sie, wir sind Freunde von ihr und wollen eine Überraschungsparty für sie organisieren, weswegen wir ein paar alte Freunde zusammenzutrommeln versuchen..." - "Eine Überraschungsparty?" Angel runzelt leicht die Stirn. "Seit wann steht Iris denn auf sowas?" Er zuckt allerdings die Schultern, als würde er Iris einfach schlichtweg alles zutrauen. "Na schön, wann und wo?" - "Ähm..." Damit hat Mulder nun nicht gerechnet. "Das steht noch nicht so genau fest. Wissen Sie, wir wollten als Geschenk gerne so eine Art Collage für sie zusammenbasteln, um sie an die guten alten Zeiten zu erinnern..." improvisiert er drauflos. "Wann haben Sie denn Iris zum ersten Mal getroffen?" - "Hmmm... Also das letzte Mal, als ich sie in natura gesehen habe, hat sie gerade wilde Schauergeschichten verbreitet von irgendwelchen komischen Aliens, die angeblich unsere Erde kolonisieren wollten, als ob es hier auf diesem Planeten nicht schon verrückt genug wäre; ich meine, wer wäre denn schon so wahnsinnig, ausgerechnet die Erde zu wollen?" Ein schiefes Lächeln erscheint für einen Moment auf seinem Gesicht. "Aber egal... Und das erste Mal ist lange her. Das muss wohl so irgendwann 1790 gewesen sein..." - Hat er gerade 1790 gesagt?! Und da dachten sie, das Datum 1970 wäre schon mysteriös gewesen, oder bringt der gute Mann hier etwa auch was mit Zahlen durcheinander? - "... als sie plötzlich aus heiterem Himmel auftauchte und mich gerade noch rechtzeitig vor den ersten Sonnenstrahlen und einer Meute fackelschwingender Menschen gerettet hat..." fängt Angel arglos an zu erzählen...
... während die Gesichter von Mulder und Scully vor Staunen immer länger und länger werden, während sie den Erzählungen dieses charmanten Vampirs lauschen, der Iris wohl mal hier und mal dort kurz getroffen hat.
Irgendwann hört Angel auf zu erzählen. "O oh!" Er starrt in ihre schockierten Gesichter. "Ihr habt gar nicht gewusst, dass Iris eine Hexe ist..." Dabei weiss doch sogar Iris' Anwalt, dass sie eine Hexe ist! "Ich Vollidiot!" Er schlägt sich mit der flachen Hand gegen die Stirn und spielt sogar einen kurzen Augenblick lang mit dem Gedanken, die beiden einfach zu beissen, was jedoch Iris wohl auch nicht sonderlich gefallen dürfte... - "Oh..." meint schliesslich Scully. "Wir haben schon gewusst, dass Iris eine Hexe ist. Wir haben nur nicht gewusst, dass sie eine *Hexe* ist!" Na, wie bescheuert hört sich das an? "Ich meine, äh..." Scully zuckt etwas hilflos die Schultern. "Und Sie sind wirklich ein Vampir?" Angel's Gesicht verändert sich für ein paar Sekunden zu einer Dämonischen Fratze und er bleckt lange Reisszähne. "Okay, Sie *sind* ein Vampir!" Sie atmet tief durch und versucht ruhig zu bleiben, während sie daran denken muss, dass wohl die ganzen Schauergeschichten, die Iris zu erzählen pflegt, offenbar doch nicht nur alles Märchen sind... "Und *was* ist eigentlich Iris?"
Angel rutscht nun unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her, als würde er auf glühenden Kohlen sitzen. "Also wenn sie Ihnen das nicht selbst erzählt hat, dann sollte ich wohl besser nichts mehr sagen..." - "Nun machen Sie schon!" bohrt Mulder nun weiter. "Ist sie auch ein Vampir?" Eigentlich kann sie natürlich gar kein Vampir sein, so oft wie sie sich schon in der Sonne geräkelt hat, aber vielleicht gibt es ja auch Vampire, denen die Sonne nichts ausmacht, beispielsweise wenn der Vampir eine Hexe ist? Und eine Hexe könnte wohl auch dafür sorgen, dass sie ein Spiegelbild hat? - "Nein, kein Vampir, ganz sicher nicht!" Angel kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. - "Eine Unsterbliche?" - "Na ja, also totzukriegen ist sie wohl kaum... was für eine Sorte Unsterbliche meinen Sie denn?" fragt Angel unschuldig. Also für Agenten von AVALON scheinen die zwei hier erschreckend wenig zu wissen. Bestimmt haben sie nicht mal Holzpflöcke oder Schwerter dabei, als würden läppische Pistolenkugeln gegen böse Vampire und irgendwelches Dämonisches Gesindel irgendwie ernsthaft was ausrichten können.
"Was für eine Art von Hexe ist Iris denn?" erkundigt sich Scully schliesslich. - "Eine Amayra-Hexe. Früher gab es noch mehr davon, doch dann sind sie scheinbar alle nach *jenseits der Spiegel* verschwunden. Aber irgendwie ist wohl Iris einfach wieder aufgetaucht... für wer weiss wie lange..." Er lächelt leicht gequält. "Und bald wird sie mir vermutlich den Kopf abreissen, weil ich euch das alles erzählt habe!" Na ja, den Kopf wird sie ihm wahrscheinlich nicht gleich abreissen, aber sie kann verdammt fies werden, wenn sie sauer ist.
Eine Weile sitzen sie nur so da und überlegen sich, wie sie jemals wieder Iris gegenübertreten können - während Angel sie ansieht und sich doch wieder zu überlegen scheint, ob es wohl besser wäre, wenn er sie tötet und ihre Leichen verschwinden lässt, oder wenn er Iris beichten muss, dass er sie verraten hat. Allerdings würde Iris sowas auch sofort in seinen Gedanken lesen, falls sie ihm mal wieder über den Weg läuft, und dann wäre sie wohl erst recht sauer... - doch schliesslich fragt Mulder: "Was kann eigentlich eine Amayra-Hexe so alles?" Eine Frage, die Scully auch interessiert - und Angel weiss nicht so recht, ob er wirklich noch mehr erzählen soll. Doch spielt das jetzt noch so eine grosse Rolle, wo die Katze erst mal aus dem Sack ist? "Wenn sich eine Amayra-Hexe auf etwas konzentriert, kann sie so ziemlich alles. Na ja, fast alles. Es gibt da so eine Art Codex, wisst ihr, auch wenn sich manche Aras anscheinend einen Sport daraus machen, sich den Codex so zurechtzubiegen, wie sie es gerne hätten..." - Na sowas, sogar hier gibt es noch Gesetze und Vorschriften, sehr interessant... "Kann eine Ara jemanden heilen?" - "Ja, wenn sie darum gebeten wird." - "Könnte eine Ara jemanden auch dazu bringen, Selbstmord zu begehen?" - "Ja, durchaus. Durch Spiegelung." - "Spiegelung?" - "Wenn sie einem bösen Menschen gewissermassen einen Spiegel vorhält und er somit sich selbst antut, was er eigentlich anderen antun wollte." - Huch, ist ja äusserst aufschlussreich, das erklärt wohl so einiges! "Kann eine Ara Gedanken lesen?" Eigentlich erübrigt sich wohl die Frage, denn schliesslich haben sie ja schon vor Jahren festgestellt, dass Iris Gedanken lesen kann, obwohl sie es wohl in Wirklichkeit weitaus besser kann, als sie zugegeben hat... - "Ja, wenn sie will!" bestätigt Angel schulterzuckend, als wäre das doch völlig normal. "Hören Sie mal, es bringt doch nichts, über Iris' Talente zu diskutieren. Weswegen haben Sie ihr überhaupt hinterherspioniert?"
Gute Frage! "Wir waren neugierig. Weil wir durch Zufall herausgefunden haben, dass eine gewisse Iris schon 1970 in einer Bar in Hawaii was gezwitschert hat, obwohl sie zu der Zeit laut ihrem Lebenslauf eigentlich noch friedlich in ihrer Wiege hätte liegen sollen." - Angel muss grinsen. "Es ist sicher lange her, dass Iris in einer Wiege lag..." - "Wie lange denn?" - "Keine Ahnung! Ich habe nicht gefragt und sie hat wohl wenig Lust, davon zu erzählen." Angel sieht die beiden aufmerksam an und wünschte sich für einen Moment, er könnte ebenfalls so gut Gedanken lesen wie eine gewisse Amayra-Hexe. "Hören Sie mal, Sie sehen ziemlich schockiert aus. Das ist vermutlich auch der Grund, weshalb Iris Ihnen nicht die volle Wahrheit gesagt hat..." Er zuckt die Schultern. "Ich renne schliesslich auch nicht rum und erzähle jedem, dass ich ein Vampir bin!" - "Aber wir kennen uns nun schon fast acht Jahre und sie nennt uns ihre Freunde..." Mulder scheint förmlich zu schmollen. "Sie war fast wie eine Schwester für mich..." - "Ach, Iris hat es gerne geheimnisvoll!" meint Angel nun etwas besänftigend. "Wenn sie sich unters Volk mischte, dann wohl oft als Mysteriöse Fremde, Geheimagentin oder was ähnliches..." - "Special Agent Iris Sinclair vom FBI!" - "Ach ja, FBI ist ihr wohl doch lieber als CIA..." murmelt Angel. "Und die letzten Jahre hat also Miss Sinclair wirklich gewissermassen als normaler Mensch unter Menschen gelebt, wirklich erstaunlich..." - Na ja, was ist bei Iris schon normal! sinniert Mulder und ihm kommt der Gedanke, dass Iris wirklich einfach viel zu gut war, um echt zu sein. Tja, echt war sie vielleicht schon, diese Zauberhafte Amayra-Hexe... nur kein normaler Mensch! "Moment mal... *Miss* Sinclair? Sie ist doch verheiratet!"
"Sie ist verheiratet?!" Nun sieht Angel allerdings verdattert aus. "Mit wem?!" - Klingt das etwa ein klein wenig eifersüchtig? "Mit Alexander Sinclair!" antwortet Scully, als wäre das doch das selbstverständlichste der Welt. - "Alexander Sinclair?" wiederholt Angel, dem es plötzlich wie Schuppen von den Augen fällt. Hat Lindsey McDonald in diesem einen Brief an den guten alten Lorne nicht schon vor Jahren was vorgeschwärmt, kurz nachdem er in Washington angekommen war, dass sein neuer Boss so toll wäre und dort bei AVALON alles so ungefähr Hundert Millionen Mal besser wäre als bei WOLFRAM & HART... und dass es wohl die beste Entscheidung seines Lebens war, L.A. zu verlassen. "Alexander Sinclair ist der Stiftungsratsvorsitzende von AVALON? Iris' Ehemann?!" - "Sie scheinen überrascht?" - "Iris war schon immer gegen die Ehe, soviel ich weiss..." - "Ja ja, darum führen sie auch eine offene Ehe, gewissermassen. Freie Liebe und so..." Scully kann sich nun ein leises Grinsen nicht verkneifen. Dann wird sie allerdings wieder ernst. "Sie hat sich also schon früher Iris Sinclair genannt?" - "Aber ja doch. Das letzte Mal, dass ich sie getroffen habe, ich meine vor dieser Sache mit AVALON, war sie vor zwölf Jahren ebenfalls als Special Agent Iris Sinclair vom FBI unterwegs und hat Leute erschreckt."
 
Die unausgesprochene Frage, die nun im Raum hängt, lautet natürlich: Wer zum Teufel ist dann eigentlich Alexander Sinclair?!


[PALACE-HOTEL IN WASHINGTON]

"Iris, du machst so ein finsteres Gesicht?" Alexei beobachtet besorgt ihre erweiterten Pupillen, während sie in undefinierbare Fernen starrt. "Gibt es ein Problem?" fragt er, nachdem sich ihr Blick geklärt hat und sie nun ihn ansieht. - "Mulder und Dana haben erfahren, dass ich nicht nur einfach eine Feld-, Wald- und Wiesen-Hexe bin, sondern eine Amayra-Hexe, die schon seit Jahrhunderten lebt..." erklärt sie leichthin - während er daraufhin ein noch besorgteres Gesicht macht. "Und nun?!"
Geheimhaltung ist ihm so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass er wohl selbst in seinen wildesten Träumen niemals auch nur im entferntesten in Erwägung gezogen hätte, diese Freunde einzuweihen, auch wenn er sonst - bis auf jene gewissen Geheimnisse, über die man einfach nicht spricht - fast alles mit seinen 'FBI-Freunden' bereden kann, die ja nun auch alle mehr oder weniger mit AVALON verbandelt sind. Aber über Iris und irgendwelche mit ihr zusammenhängende DÄMONENDINGE redet er doch lieber mit Lindsey oder allenfalls mit Argon, wenn dem mal nach reden ist. Dafür hat er Lindsey aber auch nicht allzu viel über das Konsortium erzählt bzw. was er damit zu tun hatte und den Namen Krycek hat er auch nie erwähnt; obwohl sein Freund immerhin weiss, dass die offizielle Geschichte von Alexander Sinclair eigentlich erfunden ist und er seine Süsse Hexe in Wirklichkeit ganz anders kennengelernt hat... Tja, überall Geheimnisse... Solange die Kinder zu Besuch sind, verdrückt sich Lindsey nachts natürlich in sein eigenes Apartment, sonst läge er jetzt wohl ebenfalls hier mit ihnen im Bett, auch so ein Geheimnis...
"Und nun..." Sie zieht ihn an sich und drückt einen Kuss auf seine Stirn, worauf sie sofort die Panik in seinen Augen lesen kann, dass nun alles vorbei sein wird, weil die Tarnung aufgeflogen ist; er glaubt, es wäre ein Abschiedskuss. "Nun werden wir uns wieder mal etwas ausdenken müssen..." Sie sieht, wie er sich nach diesen Worten wieder etwas entspannt und sofort unternehmungslustig wird, zu allen Schandtaten bereit. Mit ihm kann man wirklich Pferde stehlen.
Einen Moment lang fragt sich Iris grinsend, was ihre Freunde wohl mehr schockieren würde: Dass Iris eine Amayra-Hexe ist und mit so manchem Dämonischen Gesindel befreundet ist, dass Alexei einmal Alex Krycek war oder dass die beiden Sinclairs nicht nur mit allen möglichen Menschen und Nicht-Menschen in die Federn hüpfen oder dass sie im Grunde nicht mal 'echte' Amerikaner sind... obwohl sie ja eigentlich noch nie ein Geheimnis daraus machten, dass sie sich eher als Weltbürger denn als patriotische Amerikaner fühlen.


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"Und was hat Iris dann gemacht, nachdem diese Blitzmerker endlich entdeckt haben, dass sie kein normaler Mensch ist? Mulder und Scully getötet? Nein, wohl kaum, das würde sie nie tun, nicht wahr? Hat sie ihre Freunde jetzt vielleicht doch endlich mal eingeweiht, so wie Alexei und Lindsey? Ich glaube kaum, dass die nach all der Zeit plötzlich noch mit Holzpflöcken, Silberkugeln oder sonstigen putzigen Waffen auf sie losgegangen wären, oder?!" - "Na ja, keine Ahnung, bei Menschen weiss man nie..." - "Dann hat sie es ihnen also nicht gesagt?!" - "Hmmm. Sagen wir mal so: Irgendwie haben sie einfach nie wieder darüber nachgegrübelt!" - "Ach!"

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[PALACE-HOTEL IN WASHINGTON]

Melissa öffnet die Tür und begrüsst sie lächelnd. Mulder und Dana stellen ihre Koffer ab und schlucken kurz, als sie sich umsehen. Der kleine Verschwörerkreis ist vollständig versammelt! Also ein schlechter Zeitpunkt, um Iris gleich eine Szene zu machen, obwohl sie selbst noch nicht so recht wissen, wie sie Iris gegenübertreten sollen... Tja, nicht nur Melissa und Walter sind hier, sondern auch John und Mon... und natürlich die Kinder, die von Alexei soeben Kuchen vorgesetzt bekommen haben. Sogar Lindsey McDonald ist hier und sammelt gerade einen Stapel Verträge zusammen, weil AVALON wohl gerade wieder mal tonnenweise Land für ein Naturschutzgebiet oder Indianerreservat oder ähnliches zusammengekauft hat; allerdings bräuchte der Anwalt noch nicht mal irgendwelche Verträge als Vorwand, schliesslich hängt er sowieso die meiste Zeit bei seinen Chefs rum, mit denen befreundet ist... Nur Iris ist im Augenblick nicht zu sehen.
Irina und William kommen nun angelaufen und hängen sich an ihre Eltern: "Mommy, Daddy, habt ihr uns was mitgebracht?" - "Aber ja doch!" erklärt Scully und kramt nach den Souvenirs. "Das haben wir sogar bei einer richtigen Hexe namens Stella gekauft!" - "Wow!" Irina zeigt sich angemessen beeindruckt. An ihrem sechsten Geburtstag hat sie ihre Eltern schon wissen lassen, dass ihr Berufswunsch HEXE wäre, worauf Iris jedoch gemeint hat, es wäre wohl vernünftig, sich neben der Hexerei noch einen zweiten Beruf zuzulegen, so zur Sicherheit.
"Wo ist denn Iris?" erkundigt sich Mulder und sieht sich nervös um. - "Schlechtes Gewissen?" ertönt plötzlich Iris' Stimme hinter seinem Rücken - und er zuckt zusammen, als hätte sie ihn gerade mit heruntergelassenen Hosen beim onanieren ertappt. "Hi, da bist du ja!" meint er in möglichst unschuldigem Ton, doch als er sie ansieht, weiss er sofort, dass sie es weiss. Sie weiss, dass er ihr hinterherspioniert hat und dass Dana und er die letzten Tage nicht in Hawaii, sondern in Los Angeles verbracht haben. Sie weiss, dass sie wissen, dass sie nicht irgendeine, sondern eine *Amayra-Hexe* ist, eine *Ara*, wie Angel es genannt hat, ein unsterbliches Wesen, kein Mensch! Womöglich hat Angel sie angerufen oder sie hat es sonstwie erfahren. Vielleicht hat sie es erst gewusst, als sie hier zur Tür reinspaziert sind. Auf jeden Fall weiss sie es jetzt. Und sie tut nicht dergleichen.
Es wird ein gemütlicher Abend mit leckerem Essen und lockerer Unterhaltung, wie so oft...
... doch Mulder und Scully sitzen wie auf glühenden Kohlen. Er verwünscht seine verdammte Neugierde und wünscht sich, er hätte es niemals erfahren. Aber dann spielt er einen Moment lang plötzlich doch mit der Idee, sie hier vor allen anderen darauf anzusprechen, doch dann verwirft er diesen Gedanken ebenfalls schnell wieder, weil er sich vor den Reaktionen fürchtet, und zwar nicht nur vor Iris' Reaktionen... Wenn man bedenkt, dass er ja schon lange von der Existenz von PARANORMALEM überzeugt gewesen ist, und trotzdem nun echt Mühe hat, das mit Iris zu verkraften, wie sollen dann erst die anderen reagieren? Obwohl ausgerechnet die früher doch immer so skeptische Scully seltsamerweise viel weniger schockiert scheint als er selbst, als wäre ihr in Bezug auf Iris einfach endlich ein Licht aufgegangen bzw. eine ganze Lichterkette... Er fragt sich, ob es ihn eigentlich mehr schockiert, dass Iris kein normaler Mensch ist, oder ob er sich mehr darüber ärgert, dass er es nicht schon viel früher bemerkte bzw. dass sie ihn nicht gleich eingeweiht hat... 'Hi, Leute! Ich bin Iris, eine Amayra-Hexe, und ich wandle schon seit Jahrhunderten über die Erde... wollen wir Freunde sein?!' Grundgütiger, was hat er eigentlich erwartet? Und doch fühlt er sich irgendwie verarscht. War sie beispielsweise jemals wirklich betrunken oder hat sie nur so getan?
Irgendwann verabschieden sich John und Mon, um nach Hause zu fahren. Lindsey geht ebenfalls schon, obwohl er ja nur zwei Stockwerke tiefer wohnt. Und etwa eine Stunde später verdrücken sich auch Melissa und Walter ins Apartment auf der anderen Seite des Flurs, wobei sie alle vier Kinder mitnehmen - weil Mulder und Dana mit Iris noch etwas in Sachen Poltergeister zu besprechen hätten.

Tja, jetzt sind sie unter sich. "Na, war's nett in Los Angeles?" fragt Iris schliesslich, um die unvermeidliche Unterhaltung in Gang zu bringen - worauf schliesslich ein Wort das andere gibt und Mulder wie ein Tiger im Käfig auf und ab spaziert und sie mit Fragen darüber bombardiert, die im Endeffekt darauf abzielen, einfach herauszufinden, weshalb in aller Welt sie denn seit Jahren ausgerechnet als Special Agent Iris Sinclair lebt und weshalb sie dabei auch noch ausgerechnet ihre Freundschaft gesucht hat; allerdings hält Mulder eher einen Monolog, da Iris nichts dazu sagt und er ihr auch gar keine Zeit zum antworten einräumt... "Euer ganzes Leben, jedenfalls alles was angeblich passiert ist, bevor ihr nach Washington gekommen seid, ist doch frei erfunden, nicht wahr? Verdammt gut erfunden zwar, so das jeder es für echt hält... aber erfunden!" - "Stimmt." erklärt sie schlicht. "Es ist gar nicht so einfach, als Mensch unter Menschen zu leben..."
Irgendwie bringen ihn diese Worte wieder etwas zur Ruhe und er setzt sich in einen Sessel. Plötzlich schämt er sich, denn sie könnte bestimmt eine perfekte Menschliche Tarnung haben, wenn sie nicht gelegentlich ihre Magischen Fähigkeiten eingesetzt hätte, um ihnen zu helfen. Verdammt, irgendwie hat er seine Emotionen nicht unter Kontrolle, wenn es um Iris geht... früher hat er in ihr fast sowas wie eine kleine Schwester gesehen, aber nachdem er jetzt weiss, dass sie Jahrhunderte alt sein muss, wird ihm plötzlich bewusst, dass sie in ihm wohl eher sowas wie einen kleinen Bruder gesehen hat, wenn überhaupt... c'est la vie. Sein Blick fällt auf Alexei, der neben Iris auf der Couch sitzt und irgendwie nervös wirkt. "Was ist mit dir, Alexei? Bist du vielleicht auch einer von ihrer Sorte?" Nun muss der gute Alexander Sinclair, oder wie auch immer er in Wirklichkeit heissen mag, grinsen und auch Iris zeigt ein amüsiertes Lächeln. Alexei schüttelt den Kopf. "Wer oder was zum Teufel bist du dann?"
Alex wechselt einen kurzen Blick mit Iris und atmet tief durch, bevor er erzählt: "Ich bin ein ganz normaler Mensch, glaub mir!" Er sieht sich kurz um in der typisch leicht paranoiden Art und Weise, wie sich alle im Verschwörerkreis meist verhalten. "Ich war auf der Flucht vor dem Konsortium, krank, verletzt, halbverhungert und schon fast erfroren, als Iris mich aufgelesen hat. Sie hat mir das Leben gerettet und mich gesund gepflegt. Am Anfang war ich etwas irritiert, als ich merkte, dass da irgendwas nicht ganz mit rechten Dingen zuging, und ich hab es schon für eine Falle des Konsortiums gehalten und sie für einen dieser gestaltwandelnden Kopfgeldjäger oder sowas in der Art, ich war echt in Panik. Aber dann hat sie mich beruhigt, dass sie ganz und gar irdisch wäre, einfach sowas wie eine Hexe... eine Gute Hexe!" Er lächelt wieder. "Natürlich habe ich mich dann gleich auf der Stelle unsterblich in sie verliebt, als sie mich geküsst hat." Er sieht Mulder und Scully an, die beide aufmerksam zuhören. "Wir sind dann nach Washington gegangen und sie hat mir meine neue Identität als Alexander Sinclair verschafft. Und nach ein paar Wochen haben wir dann auch schon euch getroffen..."
Wow! "Wer warst du, bevor du Alexander Sinclair geworden bist?" fragt Mulder neugierig. - "Das spielt doch keine Rolle mehr!" erklärt Alex mit fester Stimme, denn er hat nicht vor, den Namen Krycek jemals wieder zu erwähnen, ganz besonders nicht Mulder gegenüber. Schon Lindsey gegenüber hat er zwar die eben erzählte Geschichte auch erwähnt, jedoch den Namen Krycek niemals erwähnt, obwohl der damit erst recht nichts anfangen wüsste... Krycek ist tot. - Mulder nickt nur und scheint das zu akzeptieren. "Warum war das Konsortium hinter dir her?" - "Weil ich wohl für deren Geschmack zuviel wusste und das Spiel nicht mehr mitspielen wollte." - "Hast du den Raucher persönlich gekannt?" - "Gewissermassen." Man sieht ihm deutlich an, dass er sich daran nicht erinnern will. - "Was hat er dir angetan?" - "Er hat mein ganzes verdammtes Leben beeinflusst... und er gab den Befehl, mich zu töten, auf die eine oder andere Weise..." - "Irgendwie klingt das, als wäre da noch was..." - "Na ja..." Alex atmet tief durch. "Er hat mich auch foltern lassen, als er gemerkt hat, dass ich aussteigen will. Es hat ihn ziemlich geärgert, dass ich nicht mehr mit ihm reden wollte..." - "Welche Art von Folter?" erkundigt sich Mulder fast gegen seinen Willen und seine Neugierde kommt ihm selbst schon krank vor. - "Ach, Elektroschocks und sowas in der Art..." Er zuckt die Schultern und will sich nicht daran erinnern. "Irgendwann haben sie wohl gedacht, ich wäre tot, und dann konnte ich irgendwie fliehen. Und seitdem war ich immer auf der Flucht, für Jahre..."

Sie reden reden reden noch die halbe Nacht lang. Iris erzählt sogar ein paar Anekdoten. Wie sie mit Stella damals in Hawaii um die Häuser zog... Dass Methos kein Mythos ist... Dass Angel damals als Angelus eigentlich noch gar nicht so nett gewesen war, sie aber so ein Gefühl hatte, dass es wohl doch gut wäre, ihn zu retten - zumal es nach Ansicht von Arragon Amayra zum normalen Kreislauf des Lebens bzw. der Nahrungskette gehört, dass Vampire nun mal gelegentlich Menschen beissen, um ihr Blut zu trinken...
Tja, das kommt eben dabei raus, wenn sich eine Ara auf irgendwelche Bekanntschaften einlässt: Es hinterlässt Spuren! Und Mulder und Scully hätten womöglich noch viel mehr Spuren von Iris entdecken können, schliesslich hat Iris im Laufe der Jahrhunderte wirklich eine Menge Bekanntschaften gemacht - und wer weiss, wie viele Fotos, Gemälde oder irgendwelche Beschreibungen es irgendwo noch von ihr gibt, obwohl sie ja gewissermassen als Phantom eigentlich stets mehr oder weniger diskret gewesen ist - also da würden die zwei Spürnasen sich wohl noch ziemlich wundern...
Was soll's! Iris ist gut gelaunt, denn irgendwie ist es doch auch recht spassig, wenn sie wieder daran denkt, wie Mulder in der Amayra-Variante mal mit Silberkugeln und Holzpflock auf sie losgegangen war... "Ach, und wo wir schon dabei sind: Argon ist ein Dämon!" - Mulder grinst sie inzwischen nur noch ziemlich high an, denn der Wein, den Iris aufgetischt hat, haut voll rein - und Scully zieht auch nur kurz eine Augenbraue hoch, während sie gerade noch lallen kann: "Ein Dämon? Cool!" - "Cool? Heiss!" grinst Iris und wechselt einen vielsagenden Blick mit Alexei - und der macht plötzlich ein ziemlich entsetztes Gesicht, als befürchte er, sie würde hier auch noch Schlafzimmergeheimnisse ausplaudern. Muss doch nicht jeder wissen, dass es da hin und wieder so Spielchen gibt... - "Oh ja, er ist wirklich schrecklich nett, nicht wahr!" meint Iris aber nur und lächelt, ohne weiter darauf einzugehen... Ach, es ist doch lustig, sich so mit ihnen zu unterhalten... und bis morgen werden Mulder und Scully das alles ohnehin weitgehend vergessen haben bzw. einfach nicht mehr darüber nachdenken.

[

"Oh Gott..." murmelt Mulder, als er langsam wach wird. Rechts von ihm liegt Dana und das ist wundervoll... und dass sie wieder mal in Iris' Bett liegen, ist ja auch nicht weiter schlimm. Nur... ähm... liegt Iris auch in diesem Bett?!
Oh, lieber Gott im Himmel, ja... Und zwar gleich links von ihm! Verführerisch erheben sich ihre Kurven unter der dünnen Decke, ihr Hintern berührt sogar seine Hüfte. Oh Gott, nur nicht dran denken... Und Alexei liegt rechts von Dana, ebenfalls noch tief und fest schlafend wie die anderen. Was zur Hölle ist denn hier passiert?! Er ist nackt. Und es sieht so aus, als wären die anderen auch nackt. "Oh Gott!" ächzt er nun unwillkürlich etwas lauter, während er sich fieberhaft zu erinnern versucht, was in aller Welt gestern Nacht wohl vorgefallen sein mag. Iris liegt auf der Seite und hat ihm den Rücken zugedreht und nun ist ihre nackte Schulter nur gerade ein paar Zentimeter von seinem Gesicht entfernt. Und Iris duftet gut, irgendwie nach Vanille, ihre Haut schimmert golden... und ihn überkommt plötzlich das fast unwiderstehliche Verlangen, diese nackte Schulter zu küssen. 'Oh Gott!' denkt er nur noch lautlos und schluckt schwer. Letzte Nacht, da haben sie doch nicht etwa alle... ähm... sie haben doch nicht etwa... Oh Gott! Dana auf der anderen Seite schläft wie ein Engel, den Kopf etwas zur Seite geneigt. Und neben ihr, für seinen Geschmack viel zu dicht bei ihr, liegt Alexei friedlich auf dem Bauch, sein Gesicht glücklicherweise abgewandt, denn Mulder weiss wirklich nicht, was er täte, wenn er auf dessen Gesicht ein verräterisches seliges Lächeln entdecken würde.

"Es gibt einfach keine perfekten Welten,
so wie es auch keine perfekten Menschen gibt.
Es gibt nur perfekte Augenblicke!"
(Alte Amayra-Weisheit)

Mulder's dummes Gesicht zu sehen, macht diesen Moment zu einem fast perfekten Augenblick, findet jedenfalls Iris, die sich wieder mal köstlich amüsiert, während sie sich immer noch schlafend stellt. Na mal sehen, wie er erst reagiert, wenn sie mal langsam aufwacht...
Tja, Iris hat es sich ja längst zur Gewohnheit gemacht, zu allen möglichen Gelegenheiten stets alle ihre Freunde mehr oder weniger abzuknutschen, egal ob Männlein oder Weiblein... so dass also auch Mulder inzwischen weiss, wie ihre Küsse schmecken. Aber sooo hat sie ihn bislang noch nie geküsst, jedenfalls nicht, dass er sich daran erinnern könnte... und es gefällt ihm wohl ausgesprochen gut, wie sie vermeintlich schlaftrunken an ihm rumknabbert - obwohl er sich natürlich fast sofort wieder mal schuldig fühlt, weil es ihm gefällt, weil Dana gleich auf der anderen Seite und Alexei nur einen Platz weiter liegt, weil es einfach nicht richtig ist, weil... aber es fühlt sich so verdammt gut an! Verdammt! "Nicht!" keucht er schliesslich leise und bemüht sich unter Aufbietung seiner ganzen Willenskraft, sie von sich zu schieben - und sie macht endlich die Augen auf. "Uuuups!" Sie richtet sich verschlafen auf und kann sich nun ein Lächeln nicht verkneifen, als sich sein Blick nun fast gegen seinen Willen wie magnetisch angezogen auf ihre Brüste heftet. Ja ja, gute alte Schlüsselreize! "War wohl eine wilde Nacht?" meint sie unschuldig und gähnt dann erst mal ausgiebig, bevor sie schwungvoll aus dem Bett hüpft und ungeniert nackt rumläuft, ihm dabei in hemmungsloser Natürlichkeit ihren geradezu perfekten Körper zeigt. Erst mal spaziert sie hüftschwingend auf die andere Seite des grossen Bettes, wo sie Alexei mit einem Guten-Morgen-Kuss aufweckt und danach aus den Federn zerrt, um daraufhin mit ihm unter die Dusche zu verschwinden.
Mulder sieht den beiden Nackten nach, wirft dann einen Blick auf die immer noch friedlich schlafende Dana... und lässt sich mit einem Seufzen wieder aufs Kissen zurückfallen. "Oh mein Gott!" wiederholt er und bedeckt das Gesicht mit seinen Händen.

 

"Sag mal, hab ich das eben geträumt oder haben wir wirklich mit Dana und Mulder in gleichen Bett geschlafen?" fragt Alexei unter der Dusche, als er langsam wirklich wach wird. Er schreit kurz verhalten auf, als ihn plötzlich ein Schwall eiskaltes Wasser trifft. Na schön, jetzt ist er hellwach. "Heee!" meint er protestierend und betrachtet seine Gänsehaut - die ihm Iris allerdings wieder wegstreichelt. "Du hast nicht geträumt!" - "Und warum weiss ich dann nicht mehr, wie wir ins Bett gekommen sind?" Er legt den Kopf ein wenig schief. "Und was vielleicht auch noch interessant wäre: Was zur Hölle haben wir im Bett gemacht?" - "Na das würdest du wohl gerne wissen, hä?" lächelt sie spitzbübisch und presst ihn gegen die Wand der Dusche...


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"Iris ist mit ihnen ins Bett gegangen?!" Schon wieder fängt die Fürstin an zu lachen, obwohl sie darüber eigentlich nicht mehr besonders überrascht sein sollte, nach dem, was sie schon über Iris gehört hat. "Was in aller Welt hat sie mit ihnen gemacht?" - "Keinen blassen Schimmer, ich war schliesslich nicht dabei!" erklärt All'Una lächelnd. - "Und was war dann?"

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Es ist weitgehend aus dem Gedächtnis von Fox Mulder und Dana Scully gestrichen worden, dass Iris nicht nur irgendeine, sondern eine Amayra-Hexe ist... stattdessen grübeln sie lange Zeit vielmehr darüber nach, was das wohl für eine Orgie gewesen sein mag, als sie zu viert im Bett geschlafen haben. Aber natürlich reden sie nie mehr davon... Gutes altes Amnesie-Spielchen!



 

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"Sag mal, All'Una..." meint die Fürstin nach einer ganzen Weile, nachdem sie vorläufig wieder genug über irgendwelche Deals und Intrigenspielchen von AVALON gehört hat. "All die Jahre hat sie wirklich mit Menschen das Bett geteilt?" - "Klar. Und mit Argon!" fügt die Amayra-Hexe ungerührt hinzu. - "Natürlich." Ein breites Lächeln erscheint auf dem Gesicht der Fürstin - und auch All'Una muss wieder grinsen. "Ja, genau, Jaella. Iris hat alles abgeknutscht, was nicht bei Drei auf den Bäumen war..." - "Und was war eigentlich mit Alexander Sinclair, dem Stiftungsratsvorsitzenden von AVALON?" - "Der war so süss wie eh und je..." All'Una grinst immer noch. "Lief immer noch am liebsten in Jeans und Lederjacke rum, anstatt in feinen Anzügen. Und es war ihm wohl ganz recht, dass Iris trotz Macht und Reichtum soviel Wert auf Diskretion legte und mit der High Society lieber nicht zuviel zu tun haben wollte." - "Aber er war doch wohl inzwischen ein geachteter Mann mit allem drum und dran?" - "Hmmm. Wie man's nimmt. Also in der Öffentlichkeit war lange Zeit nicht bekannt, dass der Stiftungsratsvorsitzende von AVALON Alexander Sinclair hiess und mit einer gewissen Iris verheiratet war, die das alles gegründet hatte, selbst als die Stiftung langsam berühmt wurde."

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[Ein Polizei-Revier in Las Vegas]

"Sie sind verhaftet..." Diese Worte dröhnen immer noch in seinem Kopf, den er nun fortlaufend *KRACH* gegen die Wand schlägt. Es läuft ihm schon Blut übers Gesicht, doch ein Grossteil der Blessuren stammt noch von der Verhaftung, wo er wie ein Irrer getobt hat und daraufhin natürlich nur noch brutaler behandelt wurde. Nicht ins Gesicht! war es ihm durch den Kopf gegangen. Iris würde ganz fürchterlich wütend werden, dass man seine hübsche Visage so verschandelt hat. Ja, sie wird verdammt wütend werden, wenn sie davon erfährt. *KRACH* Verdammt wütend... *KRACH* verdammt wütend... *KRACH* verdammt wütend...

* * *

"Was um Himmels Willen haben Sie mit ihm gemacht?" fragt Lindsey McDonald und ist entsetzt über Alexei's Zustand. Wie hat man ihm nur sowas antun können?! Er sieht nicht nur total verprügelt aus mit einem geschwollenen Veilchen am linken Auge und furchterregend viel Blut im Gesicht, sondern er hyperventiliert auch noch und steht wohl kurz vor einem Nervenzusammenbruch, wenn er nicht schon längst einen hatte. Er sieht echt schlimm aus, wie er wie ein Irrer mit auf dem Rücken gefesselten Händen seine blutige Stirn immer wieder in die Ecke rammt. Mein Gott, er muss ja schon ne Gehirnerschütterung haben...
Iris und Alexei haben ja durchaus ein Talent dafür, ständig in alles mögliche verwickelt zu werden, als würden sie Verbrechen und sonstige Schwierigkeiten - ebenso wie glückliche Zufälle - geradezu magnetisch anziehen... aber sooo hat er seinen Boss noch nie erlebt und es krampft ihm richtig das Herz zusammen, Alexei in so einem Zustand zu sehen, wo er doch sonst immer so wirkt, als könnte er alles fertig bringen.
Lachhaft, dass man ihn für einen gefährlichen Täter hält, ganz offensichtlich ist er doch das Opfer irgendwelcher Missverständnisse geworden. "Geben Sie uns sofort die Schlüssel für die Handschellen!"

Ohne sich um die Warnungen und Proteste der Polizisten zu kümmern, geht Lin zusammen mit Mulder und Dana zu ihm rein und sie nehmen ihm da erst mal die Handschellen ab. Schliesslich ist im Verschwörerkreis doch inzwischen allgemein bekannt, dass Alexei gewissermassen eine Handschellen-Phobie hat und völlig durchdreht, wenn er irgendwie in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird (Cleithrophobie hat es Mulder mal genannt: die Angst, eingesperrt zu sein!); na ja, es sei denn Iris hält ihn höchstpersönlich fest, indem sie sich einfach auf ihn legt beispielsweise, dann ist das natürlich was ganz anderes...
Jedenfalls hat Alexei mit seinen nun endlich wieder freien Händen sofort Lindsey am Kragen gepackt, allerdings wirkt das keineswegs bedrohlich, sondern eher hilfesuchend: "Holt mich hier raus!" - "Alexei, reg dich erst mal ab!" Lin redet möglichst beruhigend auf ihn ein, bis er ihn sogar endlich soweit bringt, sich an den Tisch zu setzen. In weiser Voraussicht hat der Anwalt seinem Boss und Klienten sogar eine kleine Thermoskanne starken Kaffee mit viel Zucker mitgebracht und er beobachtet beunruhigt, wie Alexei's Hände, die nun den Becher umklammern, ziemlich zittern. Ganz offensichtlich steht er noch total unter Schock und gehört wohl eher in ein Krankenhaus als ins Gefängnis, was aber angesichts seiner Abneigung gegen Krankenhäuser wohl auch nicht viel besser wäre (Nosocomephobie, die Angst vor Krankenhäusern!)... - und Dana scheint da ähnlich zu denken, nachdem sie Alexei flüchtig untersucht hat, was dieser geistesabwesend über sich ergehen lässt, denn er zuckt auch kaum zusammen, als sie ihm die Wunden säubert und Pflaster draufklebt. SCHOCK! formen ihre Lippen.
"Alexei, weisst du eigentlich, weshalb du verhaftet worden bist?" erkundigt sich Lin schliesslich vorsichtig - worauf Alex seine Freunde seltsam ansieht. "Weil ich das Auto zu Schrott gefahren habe?" Er versucht nachzudenken, doch es fällt ihm nicht mehr ein, was man ihm bei seiner Verhaftung alles an den Kopf geworfen hat, weil er da vom Unfall wohl noch etwas zu weggetreten war und danach schon wieder zu sehr in Rage geriet, weil sie ihm doch tatsächlich Handschellen anlegen wollten. Es ist noch nie was gutes bei rausgekommen, wenn man ihm Handschellen angelegt hat... auch der verdammte rauchende Bastard hat ihm früher ständig Handschellen angelegt und dann... - "Alexei, wo ist Iris?" fragt Mulder rundheraus. - Huch! Eine gute Frage! Und es beunruhigt Alex doch sehr, dass er die Antwort darauf nicht kennt... denn wo in aller Welt mag sie wohl sein; das wüsste er selber gerne. "Iris wollte in die Wüste..." erzählt er mit leicht stockender Stimme. "Sie wollte die Nacht draussen verbringen... für irgendein Treffen oder sowas in der Art. Sie hat mir gesagt, ich soll ruhig ins Hotel zurückfahren, weil meine Anwesenheit da stören würde... und dann bin ich losgefahren... aber dann... hat mich irgendein Idiot von der Strasse gedrängt?" - "Man hat gesehen, wie du mit Iris losgefahren bist... und ohne Iris zurückgefahren bist. Man denkt, du hättest sie ermordet und ihre Leiche in der Wüste verscharrt!" erklärt Mulder mit brutaler Offenheit - worauf Alex ihn eine Weile fassungslos anstarrt. "Was?!" jappst er etwas tonlos und bricht kurz darauf unter Tränen in hysterisches Gekicher aus.

Lindsey McDonald droht damit, die Polizei von Las Vegas zu verklagen, wenn man Alexander Sinclair nicht sofort wieder freilassen würde, denn immerhin gibt es auch nicht den allergeringsten Beweis dafür, dass Iris Sinclair überhaupt irgendetwas zugestossen ist... und dass sich der Mann bei seiner ungerechtfertigten Verhaftung gewehrt hat, ist nur zu verständlich, schliesslich hatte er ja auch gerade einen Autounfall und stand noch unter Schock, so wie er auch jetzt noch unter Schock steht. Es ist auch zu verständlich, dass sich Alexander Sinclair unter diesen Umständen nicht gerade kooperativ gezeigt hat.
"Hören Sie mal, der hat hier rumgetobt wie ein wildes Tier!" verteidigt sich Sergeant Cooper, der verantwortliche Beamte bzw. diensthabende Chef hier. "Er hat dabei zwei meiner Männer krankenhausreif geprügelt!" - "Mit Handschellen hinter dem Rücken?" meint Lin leicht zweifelnd, während sein Blick nun von draussen auf den Verhörraum gerichtet ist, wo Dana nun Alexei umarmt, der immer noch blass und verschwitzt vor sich hin zittert, schluchzt und kichert, ziemlich hysterisch, völlig durch den Wind. - "Der kann treten wie ein Muli!" Aber irgendwie ist es Cooper selber peinlich, dass es so viele Männer gebraucht hat, um einen einzigen bereits gefesselten Mann wieder zur Räson zu bringen, der zudem bereits von einem Autounfall angeschlagen war. - "Er trainiert mit Iris oft Kampfsport und Kicktritte sind ihre besondere Spezialität. Überdies verfügt er als FBI-Agent schon über Kampferfahrung!" erklärt Mulder und muss über das dumme Gesicht des Polizisten hier lächeln, der offenbar gar nicht weiss, mit wem er es hier zu tun hat. "Jawohl, das da drin ist Special Agent Alexander Sinclair. Zwar im Urlaub, aber immerhin." Er lässt sich mit einem Fingerschnippen von Lindsey Alexei's FBI-Ausweis geben, den dieser vorsorglich mitgebracht hat, und hält das Ding nun Cooper unter die Nase, der ein wenig zusammenzuckt... Mulder kennt sich mit dem Polizeiprozedere gut genug aus, um schon so eine Vermutung zu haben, was da so abgegangen sein könnte. "Mir ist aufgefallen, dass er seine Uhr nicht trägt, also nehme ich an, ihm sind alle persönlichen Gegenstände abgenommen worden?" - "Ja." - "Hat man etwa versucht, ihm auch seinen Ehering abzunehmen?" erkundigt sich Mulder weiter - doch im Gesicht des Polizisten kann man die Antwort schon lesen, ohne dass er etwas sagen müsste, trotzdem hebt Cooper noch zu einer Erklärung an: "Ja, natürlich, man hat es probiert, doch der Ring sitzt fest und dann hat er ja auch schon diesen Tobsuchtsanfall bekommen!"
"Na kein Wunder!" knurrt Lin. "Der Ring ist ihm heilig, er nimmt ihn niemals ab. Das ist wie ein Reflex. Ausserdem ist Mr. Sinclair sowieso etwas klaustrophobisch..." Er hat selbst mal miterlebt, wie Alexei so eine Art Panikattacke bekam. Erst als Iris dann auftauchte, beruhigte er sich wieder. Mit ihr zusammen würde er selbst in die Hölle gehen, doch ohne sie fing er in engen Räumen mit Gittern an den Fenstern irgendwie unweigerlich an zu hyperventilieren, weshalb sich Lin schon gefragt hat, was für ein Trauma wohl dahintersteckt... "Und deshalb müssen wir uns nicht wundern, dass er sich hier wie ein tobsüchtiger Irrer aufführt, zumal er sowieso noch unter Schock steht!" Er sieht den Polizisten eindringlich an. "Lassen Sie den Mann gehen, er hatte nichts weiter als einen Autounfall und braucht medizinische Betreuung!" - "Und wo ist dann seine Frau geblieben?" insistiert Cooper. "Niemand würde freiwillig in die Wüste gehen!" - "Na da kennen Sie aber Special Agent Iris Sinclair schlecht!" erklärt nun Mulder, der das alles ebenfalls für ein grosses Missverständnis hält. Alexei könnte Iris niemals etwas antun, das ist völlig ausgeschlossen, davon abgesehen dass es ihm sowieso kaum gelingen könnte, die Zauberhafte Hexe irgendwie zu überwältigen, selbst wenn er in einem Anfall geistiger Umnachtung auf sie losgehen würde. - "Was, seine Frau ist auch beim FBI?" Langsam ist Cooper wirklich beeindruckt, was allerdings sogar noch gesteigert wird, als dieser Anwalt ihm nun auch noch Alexei's Visitenkarte unter die Nase hält, die den nun apathisch dreinblickenden Mann in der Zelle sogar als Stiftungsratsvorsitzenden von AVALON ausweist.

* * *

[Ein Hotel in Las Vegas]

Es hat alles in allem eine geschlagene Stunde gedauert, bis Lindsey, Mulder und Dana ihren Boss endlich aus dem Polizeigewahrsam bekommen haben, wo er nun weiss Gott nicht hingehört hat. Sie bringen ihn in seine Hotelsuite, wo Alexei sich einfach so aufs Bett fallen lässt, sich zusammenrollt und immer noch etwas zittert. Seine Haut fühlt sich kalt an. Sein Blick ist unruhig. Er wartet auf Iris.

Sie alle warten auf Iris.

Lin hat Alexei warm zugedeckt und sitzt nun noch an seinem Bett, wo er ihm erst beruhigend die Hand hält und ihn dann schliesslich fest in den Arm nimmt, sobald sie alleine sind. Er streicht ihm durchs Haar und murmelt auf ihn ein, dass Iris bestimmt wieder auftauchen wird und dann ist alles wieder gut. Nach einer Weile fängt Lin sogar an, seinem Boss mit leiser Stimme was vorzusingen, während er ihm den Rücken streichelt, worauf dieser noch ruhiger zu atmen beginnt und irgendwann sogar eindöst.

Mulder und Dana haben sich währenddessen in der Stube auf die Couch gepflanzt und zappen etwas durch die Fernsehkanäle. Natürlich ist klar, dass Lindsey McDonald weit mehr ist als nur Alexei's Anwalt, doch das gehört auch zu jenen Dingen, die jeder weiss, aber über die stillschweigend einfach nicht gesprochen wird... So wie man auch nicht darüber spricht, weshalb Alexandra Margaret Skinner wohl so grüne Augen hat. Also von ihnen aus könnten die beiden im Schlafzimmer ruhig treiben, was sie wollen, wobei aber Alexei wohl sowieso zu kaputt ist, um heute noch irgendwas zu treiben. Na egal.
"Ob wir vielleicht rausfahren und nach ihr suchen sollten?" meint Mulder, der sich immer noch den Kopf darüber zerbricht, was in aller Welt Iris wohl hier in der Wüste wollen könnte. Und wie sie von dort wieder zurückkommen wollte... gab's da vielleicht ein Hexentreffen oder sowas in der Art? - "Wenn Iris gesagt hat, sie käme alleine klar, wird es wohl so sein..." - "Ja schon..." stimmt Mulder zu. "Wir wissen das. Aber die Polizei weiss das nicht!"

*

Als Mulder wieder aufwacht, hört er Gemurmel aus dem Schlafzimmer. Iris?! Er hat gar nicht gehört, dass sie gekommen ist... aber da ist sie wirklich, in voller Lebensgrösse! Sie hat sich zu Alexei aufs Bett gesetzt und ihn in den Arm genommen, während Lindsey seinen Boss noch von hinten zu stützen scheint und mit dieser Umarmung auch nicht aufhört, als Mulder hereinkommt.
"Iris!" ruft er. "Mein Gott, hast du uns einen Schrecken eingejagt!" - "Ich hab euch einen Schrecken eingejagt?" gibt sie zurück, während sie Alexei durch die Haare streicht und ihn fest umarmt, so wie er sich an sie klammert wie ein Ertrinkender. "Was soll ich da erst sagen? Kaum dreh ich ihm mal den Rücken zu, sieht er hinterher aus wie durch den Fleischwolf gedreht..." - "Tut mir leid, ich hab das Auto zu Schrott gefahren..." murmelt Alex etwas weggetreten, den Kopf an ihrer Halsbeuge vergraben, und klingt richtig schuldbewusst, als erwarte er fast, dass sie ihm dafür den Hintern versohlen würde, weil er was kaputt gemacht hat. - "Ooooch..." Er ist sogar total niedlich, wenn er unter Schock steht. "Schätzchen, das macht doch nichts, war ja nur ein dummer Mietwagen..." Na schön, es war eine teure Nobelkarosse, aber was soll's. Tja, mit ihrem eigenen unauffälligen schwarzen Auto wäre das wohl nicht passiert. "Ich bin froh, dass dir nichts passiert ist." Jedenfalls nichts ernsthaftes, nur ein paar Kratzer. "Wie konnten irgendwelche Idioten nur auf die Idee kommen, dich zu verhaften, Schätzchen..."
Mulder glaubt einen leisen Vorwurf herauszuhören, warum man Alexei nicht schneller aus dem Knast geholt hat. "Wir sind so schnell gekommen wie wir konnten, sobald die Polizei bei AVALON angerufen hat. Zum Glück war wenigstens die Notfall-Telefonnummer in seiner Brieftasche. Wenn er seinen FBI-Ausweis dabei gehabt hätte, hätten sie ihn vielleicht noch eher laufen lassen... wobei er da eigentlich kaum noch in der Lage gewesen ist, irgendwohin zu gehen." - "Ja ja, schon gut, jetzt ist es ja vorbei." - "Na ja, vielleicht solltest du dich mal bei der Polizei melden..." meint Mulder und Lindsey nickt zustimmend. - "Damit sie wissen, dass ich noch am Leben bin?" Iris verdreht kurz die Augen. Sie hätte Alexei wirklich in Washington lassen und allein nach Las Vegas gehen sollen zu dem kleinen verschwörerischen Treffen in der Wüste. Oder vielleicht doch nicht, wer weiss, wozu das alles noch gut ist... "Ruft ihr mal bei denen an. Wir werden später noch höchstpersönlich bei denen vorbeischauen!" meint sie leicht geistesabwesend - doch diesmal glaubt Mulder eine leise Drohung aus ihren Worten herauszuhören. "Du willst doch die Polizisten nicht etwa verprügeln oder sowas in der Art?" fragt er vorsichtig. - "Oooch, hast du etwa Angst, ich will mich rächen?" Sie lächelt böse, ist sie doch in gewissen Kreisen schon dafür berüchtigt, dass Special Agent Iris Sinclair unfähigen, korrupten oder einfach nur nervigen Polizisten gerne mal die Hölle heiss macht...

* * *

[Ein Polizei-Revier in Las Vegas]

Wenn Cooper ehrlich wäre, müsste er wohl gestehen, dass er gar nicht wild darauf ist, diese Iris Sinclair kennen zu lernen, über die er gestern Nacht ja noch so einiges gehört hat. Special Agent Iris Sinclair! ruft er sich in Erinnerung. Nachdem die Leute Alexander Sinclair mitgenommen haben, hat er gestern Abend noch den Computer angeworfen und sich beim FBI nach den Sinclairs erkundigt, jedoch sind ihre Akten als geheim klassifiziert; und er wollte dann doch nicht extra Director Walter Skinner aus dem Bett klingeln, der als FBI-Chef wohl höchstpersönlich für diese beiden offenbar höchst speziellen Special Agents zuständig ist. Und mit AVALON will er sich eigentlich auch nicht anlegen, wenn er ehrlich ist.
Da kommt in Begleitung des Anwalts auch schon eine blonde Frau auf ihn zu spaziert, bei deren Blick ihm ein kalter Schauer den Rücken runter läuft. Na ja, zumindest scheint die gute Mrs. Sinclair ja wirklich am Leben und bei bester Gesundheit zu sein... und ziemlich sauer.

Und ein paar Minuten später wünscht sich Sergeant Cooper, dieser Alexander Sinclair hätte niemals seinen Weg gekreuzt, dann würde ihn Iris Sinclair jetzt nicht so zusammenfalten. Andererseits... andernfalls hätte er diese hinreissende Frau wohl niemals kennengelernt. Irgendwie kann sich Mr. Sinclair wirklich glücklich schätzen, so eine Frau zu haben, und seine Freunde, die ihn gestern hier abholten, hatten wohl recht: so eine Frau würde ein Mann sicher nicht umbringen!
"Was glotzen Sie denn so?" reisst sie den Polizisten aus seinen Gedanken - der nun errötet. "Tut mir wirklich sehr leid, Mrs. Sinclair!" Ja, er kann ja verstehen, dass sie wütend darüber ist, dass man so mit ihrem Mann umgesprungen ist, und er bereut es ja auch schon ganz bitterlich, dass es da solche Unannehmlichkeiten gegeben hat, weil es wohl wirklich nicht ratsam ist, eine Frau wie Iris Sinclair wütend zu machen...

*

"Hast du was mit ihm gemacht?" erkundigt sich Lin, als er mit Iris schliesslich das Polizeirevier wieder verlässt. "Dieser Sergeant Cooper hat dich auf einmal angesehen, als würde er dich am liebsten auch sehr gerne verhaften und dich dann höchstpersönlich verhören oder sowas in der Art." Bestimmt haben viele Polizeibeamte kreuz und quer durchs Land solche Phantasien... zumindest diejenigen, die jemals mit Special Agent Iris Sinclair zu tun hatten, der Geheimwaffe des FBI-Chefs.
"Gar nichts hab ich gemacht!" protestiert Iris, was sogar der Wahrheit entspricht, und sie knufft den Anwalt leicht in die Seite. "Du hast eine schmutzige Phantasie, Lindsey!" - "Ich?!"

* * *

[Ein Hotel in Las Vegas]

Alexei sieht immer noch ziemlich zerschlagen aus, das Veilchen blüht in den wildesten Farben, doch ansonsten wirkt er doch schon wieder sehr viel gesünder, nicht mehr so kreidebleich wie gestern noch. Er steht vom Frühstückstisch auf und wirft sich in Iris' Arme. "Du warst bei der Polizei?" - "Ja. Wir haben uns darauf geeinigt, dass es ihnen ganz schrecklich leid tut, dass sie dich verhaftet haben, und dass es dir leid täte, dass du zwei von denen ein paar Rippen gebrochen hast." - "Hab ich das?" Er legt den Kopf ein wenig schief, doch seine Erinnerung ist zu verschwommen. - "Du hattest wohl einen kleinen Tobsuchtsanfall, Schätzchen, als du noch unter Schock gestanden bist." Sie küsst ihn sehr behutsam, weil seine Lippe noch etwas aufgeplatzt ist. "Anscheinend kann ich dich nicht mal einen Abend alleine lassen..." neckt sie ihn dann und tätschelt seinen Hintern. - "Ich liebe dich!" seufzt er und setzt seinen treuherzigsten Dackelblick auf - worauf sie ihn noch fester an sich drückt. "Ich weiss, Schätzchen!"

Etwas später grübeln sie darüber nach, ob Alexei's Autounfall wohl gar kein Unfall war, denn immerhin meint er sich doch erinnern zu können, dass ihn jemand von der Strasse gedrängt hat. Und dann stellt sich natürlich noch die Frage, von wem wohl der anonyme Anruf kam, der die Polizei auf den Plan gerufen hat...
"Ich habe mir das Notruf-Band vorspielen lassen." Iris sieht wieder Mulder an - als würde sie ihm einen leisen Vorwurf machen, dass er nicht selbst schon angefangen hat zu ermitteln, weswegen Mulder nun etwas unruhig auf dem Stuhl rumrutscht. Er war gestern auch einfach schlicht zu müde, um mitten in der Nacht noch irgendwas zu unternehmen. "Und?" - "Es war eine Frau. Die Stimme kommt mir verdächtig bekannt vor." - "Ach ja?" meint nun Lin. "Warum hast du denn nicht gesagt, dass du sie kennst?" - "Diana Fowley." - "Wer?!" meint Lin verblüfft, während sich Mulder und Scully leicht entsetzt ansehen. Endlich kommt dem Anwalt wieder eine der Geschichten in den Sinn, die im Verschwörerkreis gerne hin und wieder zum besten gegeben werden. Wie damals Skinner mit dieser Falschanschuldigung hereingelegt werden sollte, genau, diese Schnepfe da war doch Diana Fowley... und die hat sich ja dann verkrümelt, nachdem Iris ihr gut zugeredet hat. "Diese komische Tussi, die auch mal beim FBI war, für Kersh gearbeitet hat und nach den falschen Beschuldigen gegen Skinner dann fluchtartig verschwunden ist?" vergewissert sich Lin - und Iris nickt. "Genau die. Finden wir sie!"
Einige Augenblicke lang wünschte sich Mulder, sie hätten wenigstens einen ihrer Hunde mitgenommen, bis ihm wieder einfällt, dass ein Hund ja was zu schnuppern braucht und jemanden wohl kaum anhand einer Stimme auf Tonband suchen kann.
"Im Telefonbuch hier steht jedenfalls keine Diana Fowley..." lässt sich Dana Scully nach einer Weile vernehmen. Iris wird schon ihre Gründe haben, weshalb sie nicht die Polizei nach der Frau suchen lässt, wobei Dana keinen Zweifel daran hegt, dass Iris diesen Cooper sicherlich dazu bezirzen könnte, so wie sie alle bezirzen kann, wenn sie sich Mühe gibt... "Vielleicht lebt sie auch gar nicht in Las Vegas und war nur zufällig hier..." - "Doch, sie lebt hier." Iris legt den Kopf ein wenig schief. "Sie klingt, als wäre sie verheiratet und hätte ein Kind." - "Aha..." Scully hat es inzwischen aufgegeben, Iris danach zu fragen, wie sie zu ihren Einfällen kommt. "Dann könnte sie jetzt also sonstwie heissen!" Langsam hält sie es ebenso wie Iris für eine fatale Unsitte, dass Frauen für gewöhnlich den Familiennamen des Ehemannes annehmen und Kinder den Namen des Ehemannes der Mutter tragen sollen... Also wenn Iris der Name Sinclair nicht gut gefallen hätte, so hätte sie Alexei wohl niemals geheiratet. Unwillkürlich fragt sich Dana, wen wohl Diana Fowley geheiratet hat, diese arrogante Ziege.

* * *

Vielleicht hat Diana Fowley ja Alexei nur per puren Zufall auf der Strasse entdeckt, das wäre ja durchaus möglich - denn besonders um Iris herum passieren viele seltsame Zufälle, das ist ihren Freunden mittlerweile auch schon aufgefallen, worauf Mulder sich irgendwann schliesslich die Theorie zusammengebastelt hat, dass die Zauberhafte Hexe eben eine besonders starke Aura hat und deshalb alles mögliche fast schon magnetisch anzieht...
... aber vielleicht war das auch kein Zufall und sie hat womöglich sogar den Wagen gefahren, der Alexei von der Strasse gedrängt hat, indem er frontal entgegenkam. Da die Sinclairs erst gestern in Las Vegas angekommen sind, gibt es nicht so viele Möglichkeiten, wo Diana Fowley sie gesehen haben könnte, um sie dann zu verfolgen. Eigentlich gibt es nur das Hotel hier. Ein Hotel übrigens, in dem sie noch nie zuvor abgestiegen sind, weil Iris gerne die Hotels bzw. Casinos abwechselt, die sie in Las Vegas heimsucht...

Anhand einer Portrait-Skizze, die Iris aus dem Gedächtnis hingekritzelt hat, finden sie bereits durch Befragung des erstbesten Zimmerkellners heraus, dass Diana Fowley hier im Hotel als Zimmermädchen arbeitet und nun Mrs. Montgomery heisst.
"Wow, Zimmermädchen?!" bringt es Mulder auf den Punkt, nachdem der Zimmerkellner wieder weg ist. Er kann sich Diana Fowley beim besten Willen nicht als Zimmermädchen vorstellen mit einer Schürze umgebunden. Da muss es für sie ja verdammt schlecht gelaufen sein, wenn sie für ihre Verhältnisse so tief gesunken ist, wo sie doch eigentlich so hoch hinauswollte...

* * *

[Wohnung der Montgomerys in Las Vegas]

"Meine Güte, in dieser Bruchbude soll sie wohnen?!" Mulder kann es kaum glauben - doch Dana zuckt nur die Schultern, denn von ihr aus könnte die Schlampe ruhig im letzten Rattenloch vermodern. Die Birne im Gang ist kaputt, doch vielleicht ist das ganz gut so, dann sieht man den Dreck weniger. Energisch klopft sie schliesslich an die Tür.
Es dauert eine Weile, bis sich in der Wohnung etwas rührt und ein ungewaschener Mann in einem dreckigen Unterhemd die Tür öffnet. Seine Alkoholfahne lässt Scully die Nase rümpfen. "Sind Sie Mr. Jake Montgomery?" - "Ja! Was wollen Sie?!" - "Eigentlich wollen wir zu Ihrer Frau, Diana Montgomery!" - "Die Schlampe ist abgehauen!" zetert er los und deutet auf die Wohnung, die aussieht wie ein Schlachtfeld. "Hat alles mitgenommen! Nur Kevin hat sie dagelassen, die dumme Schlampe! Warum nimmt sie die Stereoanlage mit und lässt ihr verdammtes Balg hier?!" - Weil man ein verdammtes Kind so schlecht in einem Pfandhaus versetzen kann? geht es Scully durch den Kopf, die einfach reingeht und sich umschaut... und der nun der etwa vierjährige Junge unwillkürlich leid tut, der in einem Laufstall sitzt und sie apathisch aus grossen Kulleraugen ansieht. Mongoloid. Ob sich dieser versoffene Vater um seinen Sohn kümmert? Es wäre wohl besser, wenn man die Fürsorge verständigt...

* * *

"Ja, macht nur!"
Jake Montgomery schaut nur mit glasigen Augen zu und trinkt Bier. Nach einem kurzen Handy-Anruf der kleinen rothaarigen Frau ist fünf Minuten später eine grosse blonde Frau gekommen, in Begleitung von zwei Männern - der eine in Jeans und Lederjacke mit mehreren Pflastern im Gesicht und einer dunklen Sonnenbrille, der andere sieht in seinem Anzug aus wie ein verdammter Anwalt -, hat sich kurz umgesehen und schliesslich Kevin auf den Arm genommen, der die fremde Frau lächelnd umklammert hat, als ob er sein Leben lang auf sie gewartet hätte. Und die fünf Leute nehmen nun das Kind einfach mit, ohne sich noch einmal umzudrehen.

"Lindsey, bist du auch wirklich wach?" - "J... ja, sicher!" - "Okay. Wir werden diesen kleinen Burschen hier bei AVALON unterbringen. Kümmere dich um den Papierkrieg." - "Klar, Chefin!" Lin nimmt den kleinen Jungen an sich, der sich nur ungern von Iris löst. Sowas machen sie hier nicht zum ersten Mal, denn es wurden in den letzten Jahren schon etliche Kinder aufgelesen, die das Glück hatten, Iris' Weg zu kreuzen. Oh ja, sie hat nicht nur ein Herz für Tiere...
"Und was ist mit Diana?" erkundigt sich Mulder. "Sollen wir sie verfolgen?"
"Nein." Iris weiss, dass Diana Fowley inzwischen tot ist. Autounfall. Irgendwie drollig... Na ja, drollig ist vielleicht das falsche Wort. Kurios. Seltsam. Merkwürdig.
Gestern hat sie wohl Iris und Alexei im Hotel gesehen und da ist ihr irgendwie so richtig zu Bewusstsein gekommen, dass das Leben, das sie jetzt lebt, nicht im geringsten dem entspricht, was sie jemals gewollt hat. Alles Scheisse! Ihre ganze Wut hat sich gegen die Sinclairs gerichtet, die ihr wie Schatten aus der Vergangenheit vorkamen, die sie verhöhnten; und darum hat sie auch die beiden verfolgt und aus weiter Ferne beobachtet, wie sie nach Einbruch der Dämmerung in die Wüste gefahren sind und angehalten haben. Und als der Wagen wieder zurückgefahren ist, da ist sie auf Kollisionskurs gegangen. Sie wollte in dem Moment wirklich sterben. Doch Alexei ist ja bekanntlich ausgewichen und sein Wagen hat sich schliesslich überschlagen. Diana hat angehalten... Als sie gemerkt hat, dass Iris fehlt, hat sie bei der Polizei angerufen, das war doch das mindeste, was sie tun konnte... Na schön, sie war also noch am Leben, also genoss sie es, aus der Ferne durch ein Teleobjektiv zu beobachten, wie Mr. Sinclair verhaftet wurde, wobei sich schliesslich vier Polizeibeamte auf ihn stürzen mussten, um ihm Handschellen anzulegen. Special Agent Alexander Sinclair mit dem knackigen Hintern, den sie vor so endlos scheinenden Jahren auch mal getätschelt hat, worauf ja Iris so schrecklich böse wurde... Ein wunderbarer Anblick, wie er nun wenigstens von der Polizei verprügelt wurde, wenn sie ihn schon nicht selbst dafür schlagen konnte, dass er sie so eiskalt hat abblitzen lassen... Danach ist sie nach Hause, hat alles Geld und ihre Sachen zusammengepackt und hat sich aus dem Staub gemacht, um nochmal ein neues Leben anzufangen. Doch ihre Reise hat geendet, noch bevor sie richtig angefangen hat... Frontalzusammenstoss mit einem Lastwagen.
Iris' blinzelt kurz, um die Gedanken an Diana Fowley Montgomery wegzuschieben, an die sie bis zum heutigen Tag jahrelang nicht mehr wirklich gedacht hatte. Schnee von gestern.

T

[Ein Hotel in Las Vegas]

"Oh... tut's noch weh?" fragt Iris etwas scheinheilig, als Alexei unter ihrem fordernden Kuss ein wenig zusammenzuckt. - "Das weisst du doch genau..." murmelt er, während seine Lippe wieder zu bluten angefangen hat. "Unsere Freunde wissen inzwischen, dass du als Hexe mit deinen Heilkräften zumindest Veilchen und dergleichen zum Verschwinden bringen kannst... aber irgendwie gefällt es dir wohl sogar, dass ich etwas zerschlagen aussehe, du Sadistin?!" - "Ach, Schätzchen, wenn es mir so sehr gefallen würde, dann würde ich dich längst regelmässig mindestens einmal die Woche verprügeln!" droht sie spielerisch und schnappt wieder nach seiner Lippe. "Unsere Freunde wissen zwar, dass ich eine Hexe bin, aber der hiesigen Polizei will ich das nicht unbedingt auf die Nase binden... und dieser Cooper könnte uns nochmal über den Weg laufen. Der hat gesehen, wie du aussiehst... so süss und niedlich..." Sie küsst ihn auf sein Veilchen, das zwar dank ihr nicht mehr wehtut, aber immer noch schlimm aussieht.
Mulder und Dana sind schon weitergereist. In der Wüste sind angeblich Dinosaurierknochen gefunden worden, die allerdings ziemlich frisch aussehen, und ein paar bekiffte Spinner wollen letzte Nacht feuerspeiende Drachen und lauter wirres Zeugs beobachtet haben. Mulder will sich das natürlich ansehen. Und Iris lässt ihn, auch wenn sie schätzt, dass der gute Mann wohl mit den überdimensionalen Gebeinen einer kleinen Dämonenmahlzeit nicht allzu viel anfangen kann...
Lindsey schlägt sich wohl noch mit den Behörden rum und wird den kleinen Kevin dann an einen schöneren Ort bringen.
Und sie sind allein.
"Zieh dich aus!" raunt sie Alexei zu und beginnt auch schon, an seinen Klamotten rumzufummeln und die Sachen einfach auf den Boden zu werfen. Sie zieht ihn in Richtung Badezimmer.
"Oh, Iris..." keucht Alex erregt, als er von ihr unter der Dusche gerade gegen die Wand gepresst wird. Bevor er noch mehr reden kann, verschliesst sie ihm den Mund mit einem leidenschaftlichen Kuss, der ihn wieder mal völlig die Kontrolle verlieren lässt und er hört sogar weitgehend auf klar zu denken. IRIS' KLEINES SEXSPIELZEUG! schiesst es ihm mal wieder kurz durch den Kopf und er muss lächeln wie der verdammte glückliche Idiot, der er nun mal ist. Sie liest es wohl in seinen Gedanken, denn sie fängt leise an zu kichern, was geradezu seine Nervenbahnen kitzelt. 'Oh, Iris, was tust du schon wieder mit mir!' Er verdreht vor Lust die Augen, als sein ganzer Körper zu kribbeln beginnt. 'Langsam, nicht so schnell!' Er will es gerne etwas länger geniessen... Allerdings fegt die Leidenschaft wie ein Orkan über ihn hinweg und scheint ganz eigene Pläne zu haben...
Als er wieder einen halbwegs klaren Gedanken fassen kann, sitzt er im Schneidersitz auf dem Boden, Iris noch engumschlungen auf seinem Schoss, ihre Beine um seine Hüften geschlungen, sein Atem geht immer noch heftig und sein Herz schlägt immer noch bis zum Hals, denn das war mal wieder ziemlich... Puuuuh!!!
Bei der zweiten Runde, im Bett, geht es dann dafür schön langsam zur Sache und er kann es lange geniessen, Iris' Körper zu küssen, abzulecken und ihren süssen Vanille-Duft zu schmecken, sein Lebenselixier... "Ja tebja ljublju!" murmelt er dazwischen und lässt dann seine Zunge wieder über ihre Haut gleiten, was ihr ein leises Schnurren entlockt. Seit sie das erste Mal geschnurrt hat, wie eine Katze, ist er von diesem Phänomen fasziniert gewesen. Er kann sich noch daran erinnern, wie er sich mal die halbe Nacht einfach nur an sie schmiegte, sein Ohr auf ihren Bauch gepresst, und diesem wundervollen weichen Schnurren lauschte. Manchmal klingt es wunderbar beruhigend und einschläfernd, viel besser als sämtliche Tranquilizer und Schlaftabletten. Manchmal klingt es gefährlich erregend... so wie jetzt. "Was haben Sie denn vor, Mrs. Sinclair?" flüstert er in möglichst verführerischem Ton. - "Wie hätten Sie's denn gerne, Mr. Sinclair?" schnurrt sie zurück und lächelt ihn an.
Doch dummerweise werden sie in ihrem Liebesspiel unterbrochen...

... als es vehement an der Tür der Suite klopft.
Iris' Augen verfärben sich für einen Moment lila, dann werden sie dunkelblau. "Bleib du nur schön liegen!" erklärt sie und drückt ihn wieder ins Kissen zurück, während sie selbst nun aus dem Bett hüpft und sich schnell einen Morgenmantel überzieht, bevor sie dann durch die Stube läuft und an die Tür geht. "Wer stört?!" ruft sie laut, obwohl sie ja inzwischen weiss, wer draussen auf dem Hotelflur steht. - "Hier ist Sergeant Cooper, Mrs. Sinclair! Bitte öffnen Sie die Tür!" - Das tut sie in der Tat. Und sieht dabei nicht sehr erfreut aus. "Was wollen Sie denn noch?" - "Ähm... Entschuldigen Sie bitte, wenn ich Sie störe..." stottert Cooper etwas verlegen, als er aus der verstreuten Kleidung auf dem Boden und Iris' Outfit mit nichts als einem Bademantel ziemlich richtig kombiniert, dass er wohl ganz bestimmt bei was gestört hat. - "Kommt darauf an, weshalb Sie stören!" erklärt sie ungerührt.
Cooper fängt an, Indizien zusammenzutragen, und sieht sie dabei immer wieder fragend an, wie sie nun mit übereinandergeschlagenen Beinen auf der Couch sitzt und ihn ungerührt anstarrt. Er rutscht auf seinem Sessel rum, als sässe er auf glühenden Kohlen, als wär's ihm selber peinlich, sie zu belästigen...
Zu guter Letzt meint sie: "Das ist ja alles schön und gut, aber irgendwie gefällt mir der Ton nicht, in dem Sie das sagen. Sie wollen mir doch nicht etwa unterstellen, ich hätte Diana Fowley mit einem Truck überfahren oder sowas in der Art?!" - "Wie ich gehört habe, sollen Sie für AVALON den Sohn von Mrs. Montgomery adoptiert haben, zumindest gehe ich mal davon aus, dass Ihr Anwalt nicht ohne Ihr Einverständnis gehandelt hat. Dabei war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal bekannt, dass Mrs. Montgomery schon tot war..." gibt Cooper zu bedenken, der allerdings selbst nicht so recht weiss, was er davon halten soll. - "Mr. Montgomery hat klargemacht, dass seine Frau abgehauen ist. Und so wie ich Diana Fowley noch in Erinnerung hatte, traute ich ihr das durchaus zu. Ich habe also nicht damit gerechnet, dass sie zurückkommen würde." - "Mr. Montgomery schien sehr betrübt über den Tod seiner Frau und zetert nun herum, jemand hätte seinen Sohn gestohlen." - "Ach, wirklich!" Iris zuckt die Schultern. "Also heute morgen hat das aber noch anders getönt." - "War er betrunken?" - "Oh ja. Bei Ihnen etwa nicht?" Sie fixiert Cooper mit einem hypnotischen Blick...
... und nach ein paar weiteren Belanglosigkeiten und etwas Smalltalk, ist Cooper wirklich äusserst zerknirscht, dass er Iris überhaupt gestört hat. "Tut mir wirklich sehr leid, Mrs. Sinclair!" - Nun kann es sich Alex nicht länger verkneifen und lässt sich ebenfalls blicken, denn warum entschuldigt man sich ständig bei Iris, wo schliesslich *er* verhaftet und zusammengeschlagen wurde, verflixt nochmal... Er setzt sich neben Iris und legt demonstrativ seinen Arm um sie - worauf Cooper etwas errötet. "Mr. Sinclair! Ich möchte Sie im Namen der Polizei von Las Vegas in aller Form um Entschuldigung bitten..." - "Schon gut!" grummelt Alex und winkt ab. "Aber machen Sie das nicht nochmal..." - "Äh... ja, natürlich, Mr. Sinclair. Es tut mir wirklich sehr leid..." druckst Cooper noch eine Weile rum, bis er es endlich für eine gute Idee hält, die Sinclairs in Zukunft lieber in Ruhe zu lassen.

"Na endlich... ist alles in Ordnung?" fragt Alex leicht besorgt darüber, ob Cooper wirklich überzeugt werden konnte und nun keinen Ärger mehr macht. - "Es ist alles in Ordnung. Es wird deswegen keinen Ärger mehr geben!" bestätigt Iris und setzt sich nun rittlings auf seinen Schoss. "Wo waren wir stehen geblieben?" Sie knabbert wieder an seinen Lippen rum und streift das Hemd von seinen Schultern.



[Eine hübsche kleine Farm irgendwo in Amerika...
... Waisenhaus und Ferienlager für AVALON]

Nicht nur Mulder und Scully beobachten wieder einmal fasziniert, wie sich plötzlich alle Blicke Iris zuwenden, als diese auf den Spielplatz läuft. Es ist allerdings ein Phänomen, das sie schon öfters haben beobachten können: Tiere und eben auch kleine Kinder lieben Iris oder scheinen zumindest ungemein von ihr fasziniert zu sein. Und auch auf manche Geisteskranken und vermeintlich Verrückten scheint die Zauberhafte Hexe zuweilen eine unwiderstehliche Anziehungskraft auszuüben, was wohl an ihrer starken Aura liegt...
"Hi, Kevin!" ruft Iris - worauf der Sohn von Diana Fowley freudestrahlend auf sie zugelaufen kommt und sich in ihre Arme wirft. "Engel, Engel!" ruft er laut...
... und nennt sie damit so, wie sie von den meisten Kindern hier genannt wird. Kevin bekommt das Landleben ganz offensichtlich und er ist schon ein ganz schönes Stück gewachsen, seit sie das letzte Mal hier gewesen sind. Er hat einen grünen Daumen, wie Iris es nennt, sämtliche Blümchen, um die er sich kümmert, wachsen wie wild. Zwar ist er ja nicht der Hellste im Kopf, doch auch solche Talente kann man brauchen...
Ja, wer weiss, wozu irgendwas irgendwann noch gut ist!


- - - - - -

Wir sind Menschen!

Wir sind Teil dieser Welt und wollen uns deshalb die Erde nicht untertan machen,
sondern in Frieden mit ihr leben.
Wir gehören zur Natur, ebenso wie alles Leben und Materie jeglicher Art,
und wenn wir unsere Umwelt zerstören, zerstören wir uns selbst.
Beim ewigen Kreislauf von Leben und Tod sind wir nicht nur Zuschauer,
sondern stecken mitten drin, in guten wie schlechten Zeiten,
weil wir Menschen sind.

(Inschrift am späteren Hauptsitz von AVALON)

- - - - - -

 


ENDE DES 5. TEILS... WEITER ZUM 6. TEIL!

B.B. / geschrieben im Mai 2002

Online-Version... Dezember 2002 / B.B.

DIE AVALON-VARIANTE

Bemerkungen und Übersicht
zur Avalon-Variante

B.B.'s Dunklere Seiten - die mit den Reisszähnen *diabolisch-lächel* ;-)

 

 

 

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