Hexe!
DIE AVALON-VARIANTE
(1)
Autorin: Barbara (barbarella_1970@yahoo.de)
Disclaimer (und Archivierung aller Kapitel als .doc-Dokumente zum runterladen) unter http://www.geocities.com/barbarella_1970/Iris-Hexe.html

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"Also, nun erzähl mir doch mal endlich was über diese geheimnisvolle Avalon-Variante, All'Una!" - "Was wollt Ihr denn wissen, Jaella?" erkundigt sich die als All'Una angesprochene Frau und schaut ihr Gegenüber amüsiert an. Solange hier ihr Glas niemals leer ist, wird sie gerne alles mögliche erzählen. - "Na zum Beispiel... wie ist diese Variante denn überhaupt entstanden?" - "Oh, das verdanken wir wohl irgendwie Iris." - "Wer?" - "Iris Sinclair." - "Wer zum Teufel soll das denn sein?!" - "Iris. Eine Amayra-Hexe von der Erde." - "Nie gehört... Von Terra?" - "Ja, von Terra." - "Du willst mir ernsthaft erzählen, dass es auf Terra angefangen hat?!" - "Oh doch..."
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[IRGENDWIE, IRGENDWANN, IRGENDWO AUF DER ERDE...]
Unzählige Blitze erhellen dermassen die Nacht, dass Iris schon fast meint, sie wäre *hier* versehentlich in einem Weltuntergangsszenario gelandet. Allerdings ein Szenario ganz nach ihrem Geschmack, denn Amayra-Hexen liiieben ja schliesslich Blitze, da ihnen dadurch neue Energie verliehen wird und ihre Inneren Batterien aufgeladen werden. Aber *hier* gibt es keinen Weltuntergang - jedenfalls jetzt noch nicht.
Noch ehe sie recht bestimmen kann, wo genau sie *hier* eigentlich gelandet ist, überkommt sie ein Augenblick der Klarheit, einer jener Momente, wo sie einfach den Durchblick hat und das Schicksal für den Bruchteil einer Sekunde durchschaut. Und deshalb weiss sie jetzt auch ganz einfach, dass sie schon allein indem sie hier gelandet ist, eine neue Variante erschaffen hat! Irgendwo gibt es jetzt eine Welt, in der dieses überaus heftige Gewitter Stromausfälle und damit Kettenreaktionen von Katastrophen ausgelöst hat... doch hier, in dieser neuen Variante, hat Iris nun mit ihrem plötzlichen Auftauchen die meisten Blitze auf sich gelenkt, weshalb sich das Schicksal dieser Welt schon allein durch ihre blosse Anwesenheit geändert hat. Das hier ist also gewissermassen ihre höchstpersönliche private Variante, wenn man's genau bedenkt!
Schon high von den vielen Blitzen fängt Iris schliesslich schallend an zu lachen - sie fängt meistens schallend an zu lachen, wenn sie gerade so ein Moment der Klarheit überkommen hat oder sonst etwas aussergewöhnliches passiert ist -... und nachdem der Sturm etwas abgeflaut ist, wirft sie sich ins nasse Gras und betrachtet lächelnd die Sterne und den vollen Mond, der sie hier regelrecht willkommen zu heissen scheint.
[... GEGEN ENDE DES 20. JAHRHUNDERTS]
Rasch beschliesst Iris, in dieser Variante wohl eine Weile zu bleiben, denn bei so einem Empfang muss es doch einfach gut sein. Als sie ihre geistigen Fühler ausstreckt und auf die Schwingungen dieser Welt horcht, kommt sie zum Schluss, dass diese Variante wohl der Amayra-Variante noch sehr ähnlich sein muss. Elektrosmog, Luftverschmutzung etc.pp. kommen ihr doch sehr vertraut vor...
Zur Sicherheit bzw. zur Überprüfung ihrer Theorie holt sie nach dem Ende des Regens ihr Laptop aus der Tasche, loggt sich ins Internet ein und ruft ihre Homepage auf, so eine Art verschlüsseltes Internet-Tagebuch, das sie in der Amayra-Variante geführt hatte, solange es das Internet noch gab... Für andere war es vielleicht nur eine Ansammlung von Sprichwörtern, Gedichten und unzähligen Zahlen; doch Iris sieht nun daraus, dass ihr letzter Eintrag hier über acht Jahre alt ist. Weshalb sich diese Welt hier irgendwann von der Amayra-Variante getrennt hat, wäre vielleicht interessant zu erfahren, zumal Iris ja immer ziemlich neugierig ist, doch sie kann sich nicht daran erinnern, dass um das Datum vor acht Jahren herum etwas Weltpolitisch Bedeutsames gewesen wäre; und es könnte auch eine kleine nichtige Kleinigkeit gewesen sein. Womöglich lag es auch gar nicht an der Erde selbst, sondern an den Aliens, die mit ihr interagierten. Oder es lag vielleicht auch daran, dass mal eine Ara zurück in der Zeit gereist ist und irgendwas gemacht hat? Na wie auch immer, das bedeutet jedenfalls, dass alle Leute, die sie in der Amayra-Variante erst nach diesem Zeitpunkt kennen gelernt hat, in dieser Variante hier nicht mal wissen, dass sie überhaupt existiert; und dass alle Leute, die sie noch von früher kennen und sich sogar an sie erinnern können, sich wohl wundern werden, warum sie so lange nichts von ihr gehört haben...
Nur eins wird es hier leider nicht geben, nämlich andere Aras, denn die Arda-Ringe gibt es, aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer, stets nur einmal in allen Varianten. Oder besser gesagt das Syra, aus dem die Arda-Ringe gemacht sind. Und das magische Syra ist viel älter als Arragon Amayra... Aber wie auch immer, Aras existieren in anderen Variante allenfalls noch in Erinnerungen an die Amayra-Variante, sofern sie nicht auf Reisen gehen... Wenn Iris also doch mal auf eine alte Amayra-Freundin treffen sollte, so wäre es schon ein verdammt grosser Zufall... Ach, verdammt! Dies *hier* ist nun mal nicht die Amayra-Variante und damit basta! schilt sich Iris...
... und überlegt sich dann, was sie hier wohl gleich mal schönes anstellen könnte!
[AUF EINER STRASSE IN DEN USA]
Ein schönes schwarzes Auto fährt in der Nacht rasend schnell über einen ansonsten leeren Highway. Hinter dem Steuer sitzt Iris und sieht sehr zufrieden aus, dass sie sich mit Kitt nun doch noch hat anfreunden können. Anfänglich war das Auto nämlich nicht sehr begeistert, von einer Hexe aus der Werkstatt der FOUNDATION entführt zu werden. Ein Bisschen Tuning da und ein paar Tropfen Schmieröl dort haben Kitt jedoch besänftigt, zumal Iris versprochen hat, dass sie es doch nur mal kurz ausleihen wolle... für eine kleine Spritztour. Wenn sie es sich recht überlegt, war das Auto aber wohl doch nicht so unglücklich über die Abwechslung, wo es seit Jahren nur noch im Museum rumsteht... na egal!
Eigentlich weiss Iris selbst noch nicht, wo sie eigentlich hin will, sie geniesst erst mal den Rausch der Geschwindigkeit. Aber bei ihrem Glück würde ihr vielleicht noch ein wahnsinniger Highway-Killer über den Weg laufen oder sowas in der Art... aber vielleicht auch nicht. Sicherheitshalber lässt sie aber auch einen Autostopper stehen, weil sie jetzt lieber mal ihre Ruhe haben möchte. Genau, wie wär's zur Abwechslung mal mit etwas Ruhe?
*
'Verdammt!' stöhnt der Mann am Strassenrand, als das Auto einfach an ihm vorbeifährt. Das wäre *die* Gelegenheit gewesen, endlich mal ein paar Meilen weiterzukommen! Gehetzt schaut er sich um und fragt sich, wann sie ihn wohl erwischen werden. Die sind hinter ihm her. Nicht dass die nicht ständig hinter ihm her wären, doch zur Zeit sind sie ihm dichter auf den Fersen, als ihm lieb sein kann. Und dieses verdammte Auto, das einzige Auto auf dem Highway weit und breit, ist einfach an ihm vorbeigefahren, verdammt, verdammt, verdammt!
*
War es Zufall oder vielleicht ein Wink des Schicksals, dass Iris ganz in Kitt's Nähe gelandet ist? Aber es bedeutet ihr nichts. Nicht mehr. Vielleicht hat es sie nur gereizt, das Auto zu stehlen äh auszuleihen, weil Kitt sie in einer anderen Variante vor Jahren fast mal über den Haufen gefahren hätte, wobei das ja wohl eher am Fahrer lag, diesem andauernd grinsenden Kerl, der sich aber inzwischen angeblich irgendwo an einem Strand als Bademeister niedergelassen haben soll, *irgendwenn* zumindest (irgendwann, irgendwo, irgendwie, in irgendeiner Variante)... Na egal. Nicht alles ist immer gleich ein Wink des Schicksals, verdammt! Egal, egal, egal! Schliesslich fällt ihr ein, wohin sie fahren könnte: "Chicago!" meint sie lächelnd. - "Dann müssen wir die nächste Ausfahrt nehmen..." erklingt Kitt's blecherne Stimme. - "Na dann tu das mal!" erwidert Iris lächelnd, die zwar hinter dem Steuer sitzt, dieses jedoch nicht mal berührt. So zu fahren ist doch mal ne Abwechslung... oder auch nicht. - "Aber wir haben nicht mehr genug Treibstoff bis nach Chicago!" quengelt Kitt und klingt etwas beunruhigt, weil man den Spezialtreibstoff dieses ganz speziellen Wagens nicht an einer normalen Tankstelle bekommt. - "Nur keine Panik, ich werde dir soviel Treibstoff besorgen, wie du willst. Sag mir bescheid, wenn's nur noch ein paar Liter sind... dann zeige ich dir die wunderbare Verwandlung von Wasser in Wein äh in Benzin." Zu gerne würde sie Kitt's dummes Gesicht angesichts von Magie und Hexerei sehen, nur dass ein Auto wohl kaum Grimassen schneiden und deshalb auch schlecht ein dummes Gesicht machen kann. Na ja, jedenfalls kein normales Auto.
Unterwegs beginnt sie in ihrer Tasche zu kramen, nach irgendwelchem Zeugs, was sie hier wohl alles so brauchen könnte. Ihren Ausweis vom CIA? Oder lieber den vom FBI, der sie als Special Agent Iris Sinclair ausweist? Gültig wäre er hier wohl durchaus. Nur kennt sie wohl in dieser Variante kein Schwein und Mulder ist *hier* wohl auch niemals in ein lustiges Dämonentreffen reingeplatzt. Oder doch? Wohl kaum. Damals war er nur da reingeplatzt, weil er sich in den Kopf gesetzt hatte, seine neue Kollegin beschatten zu müssen; und da Iris hier ja niemals bei den X-Akten war, kann sowas hier ja wohl schlecht passiert sein. Hmmm... das bedeutet auch, dass sie sich Mulder und Scully gegenüber als ganz normale FBI-Agentin ausgeben könnte! Na ja, Iris hängt irgendwie sehr an ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, der sich über die Jahre angesammelt hat, egal ob sich die Leute überhaupt an sie erinnern oder nicht.
Während der Fahrt nach Chicago lässt sich Iris von Kitt berichten, was die letzten Jahre so alles in der Welt los war, doch wie erwartet weiss der Autocomputer auch nicht viel spannendes und schon gar keine anderen Geheimnisse. Wenn sie also wissen will, was es mit gewissen Aliens auf sich hat, die sich ihrer Meinung nach ja auch noch hier herumtreiben müssen, dann sollte sie wohl besser jemand anders fragen...
Aber erst mal will sie nach Chicago und nachschauen, was wohl aus dem Haus ihrer Amayra-Freundin Valeria geworden ist, die gewissermassen echt als Mensch unter Menschen lebte und nebenbei sogar noch Computerkurse für Dämonen anbot und lauter solche Spässchen. Die gute alte Valeria wird sicher nichts dagegen haben, wenn sie sich *hier* in dieser Variante ein wenig von dem Zeugs bedient, das sie in der Amayra-Variante angesammelt hat. Danach würde Iris sogar wirklich ein schwarzes Auto ihr eigen nennen können, das noch viel erstaunlicher als Kitt ist und löblicherweise nicht so viel quatscht.
* * *
[CHICAGO]
Es sieht noch so aus, wie sie es von der Amayra-Variante her in Erinnerung hat. Sogar Valeria's Name steht noch an der Tür des Wohnblocks, der ihr gehört hat, und das, obwohl sie von hier ja schon seit Jahren verschwunden sein muss. VALERIE DEVERAUX, CONSULTING.
Als Iris klingelt, wird ihr geöffnet. Natürlich nicht von Valeria, sondern von ihrer Freundin, die seit Valeria's Verschwinden ihre ähm GESCHÄFTE weiterführt: Priscilla Deveraux. Jawohl, Valeria hatte sich als ihre Schwester ausgegeben - und Priscilla fragt sich nun schon seit Jahren, was wohl aus ihr geworden ist und weshalb zum Teufel sie eines Tages einfach plötzlich verschwunden ist... deshalb überschlägt sie sich fast vor Freude, Iris zu sehen, nötigt die Ara in die gute Stube und lässt es sich auch nicht nehmen, ihr den guten Tropfen anzubieten, den Valeria immer im Tresor aufbewahrte, damit nicht aus Versehen ein Mensch davon trank.
Iris will nicht lang und breit was von den Varianten erzählen und so tischt sie Priscilla einfach die Geschichte auf, dass es da nun mal so eine Art Kosmisches Unglück gegeben hätte und sie lieber nicht damit rechnen sollte, dass Valeria jemals wieder kommt...
Tja, sowas kann's nun mal geben, wenn Aras eben doch mal nähere Beziehungen zu anderen Wesen pflegen, dass diese anderen Wesen - ob es sich dabei um Menschen, Tiere, Dämonen oder sonstwas handelt - vielleicht mal ziemlich komisch gucken, wenn eben jene Aras während eines Variantenwechsels aus ihrer Sicht dann plötzlich spurlos verschwinden. Da sich die Abspaltung einer neuen Realität von der Amayra-Variante vorher nicht anzukündigen pflegt, bleibt keine Zeit für Abschiede - für gewöhnlich merken noch nicht einmal Aras etwas von den Variantenwechseln, zumal wenn sie sich in der für sie normalen Amayra-Variante aufhalten. Und Iris kann sich nicht erinnern, bislang jemals von anderen irgendwas darüber gehört zu haben, wie sich in einer anderen Variante wohl eine weitere Verzweigung äh ein Variantenwechsel anfühlt. Na ja, sie hat es ja jetzt endlich mal bewusst erlebt. Es ist ja sowas von geil! Uuups, das waren wohl eher die vielen Blitze!
Wie auch immer, nach über acht Jahren scheint Priscilla ja schon geahnt zu haben, dass Valeria für immer jenseits der Spiegel verschwunden ist, und so bleibt sie sehr gefasst und bietet Iris schliesslich alles an, was sie brauchen könnte: In gewissen Kreisen wird auf Arda-Ringe eben unbegrenzt Kredit gewährt.
Irgendwie bekommt Iris gegenüber Priscilla allerdings ein schlechtes Gewissen und hat das Gefühl, sie müsste für diese 'Eingeweihte' auf irgendeine Weise was tun... Oh, sie weiss noch verdammt gut, wie Valeria nicht von ihrer Seite wich, als Priscilla durch die Strahlenkrankheit schon sämtliche Haare ausfielen und sie Blut hustete, und sie blieb bei ihr bis zum bitteren Ende, wobei Priscilla's Sterben lange und qualvoll war, da sie durch den Umgang mit einer Ara widerstandsfähiger war als die meisten anderen Menschen. Sicher, Valeria hätte sie heilen können und es hätte auch wirklich nicht viel gefehlt, doch Priscilla hatte ausdrücklich darum geben, das nicht zu tun. Sie wollte dort nicht als Einzige überleben, wenn die meisten anderen Menschen auf der Erde nicht gerettet werden konnten. Priscilla war immer so verdammt um das Wohl der Welt und aller Menschen besorgt, bat Valeria ständig um dieses und jenes, eigentlich war sie der reinste Alptraum! - Tja, aber hier lebt sie noch und erfreut sich anscheinend bester Gesundheit! Und sie führt auch ohne Valeria einen steten Kampf gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt...
Während Iris also an dem exquisiten Wein nippt - der bei Menschen bei einem kleinen Schlückchen sofort zu Trance, Delirium und vielleicht ein paar unglaublichen Visionen führt, in höherer Dosis jedoch unweigerlich zum Tode - lässt sie ihren Blick über Priscilla's Couchtisch schweifen. Ein Stapel Ausdrucke mit Informationen über FGM (ein Artikel mit dem Titel: 'Weibliche Genitalverstümmelung und die Folgen') und oben drauf das Buch 'Wüstenblume' von Waris Dirie, das Priscilla wohl gerade zu Ende gelesen hat - diese bemerkt Iris' Blick und sagt nur: "Einfach schrecklich, nicht wahr!" - Tja, da kann Iris nur nicken, bevor ihr Blick auf die aktuelle Zeitung fällt, die sie nun zu lesen beginnt. Krieg hier, Unruhen dort, Katastrophen, Umweltverschmutzung, Unglücksfälle, Mord und Totschlag... Wenn das so weitergeht, wird es wohl auch hier bald mal einen 3. Weltkrieg geben! Und wenn es keinen Krieg gibt, dann wird die Erde wohl noch auf andere Weise so kaputt gemacht, dass ein ehemals blühender Garten Eden zu einer stinkenden Kloake verkommt... Verdammt!
"Nur mal so angenommen, Priscilla..." fängt Iris nach der Zeitungslektüre an, nachdem sie den Rest des Weins in der sorgfältig verschlossenen Flasche in ihrer Tasche hat verschwinden lassen, weil es ausser ihr in dieser Welt wohl sowieso niemanden gibt, der das Zeugs noch trinken könnte. "Wenn du einen Wunsch frei hättest... Was würdest du dir wünschen?"
Priscilla sieht Iris lange an und überlegt sich ihre Antwort gut. Irgendwie glaubt sie nicht, dass Iris sowas nur aus Jux fragt, und sie weiss ja wohl, zu was Amayra-Hexen alles in der Lage sind oder zumindest sein könnten, wenn sie sich mal zu irgendwas aufraffen... Sie deutet auf das ganze Zeugs auf ihrem Couchtisch, was man getrost, als die gesammelten irdischen Missstände bezeichnen könnte, und erklärt dann mit fester Stimme: "Ich würde mir wünschen, dass die Welt besser wird!" - "Was?!" Auweia, geht's nicht auch ein paar Nummern kleiner? Iris legt den Kopf schief. "Wie besser?" hakt sie nach. - "Na du weisst schon... Saubere Umwelt und unter den Menschen keine Gräueltaten mehr!" - "Tja, das ist wirklich ein schöner Wunsch." Nur schade, dass ich ihn dir nicht erfüllen kann! fügt sie in Gedanken hinzu. Iris ist vielleicht eine Amayra-Hexe aber keine verdammte Göttin, die mit einem Fingerschnippen für Frieden auf Erden sorgen kann. - "Bitte, Iris!" fängt Priscilla auch schon an. "Versuch es zumindest! Mach die Welt wenigstens ein kleines Bisschen besser!" - Verdammt! Das kommt wohl davon, wenn man seine grosse Klappe nicht halten kann... aber andererseits... das hier ist ja gewissermassen Iris' Variante. Also könnte sie doch durchaus mal ausprobieren, inwieweit sie diese Erde hier zu einem besseren Platz machen kann... wenigstens ein Bisschen! "Also versprechen kann ich nichts! Nicht mal, ob du mich jemals wiedersehen oder von mir hören wirst..." - "Ich weiss." erklärt Priscilla und fasst sich kurz an den Kopf...
... worauf Iris schnell bei ihr ist und sie festhält, bevor sie umkippen kann. Nach einem kurzen gedanklichen Check meint sie etwas verblüfft: "Du hast einen Hirntumor?!" - "Ja." Priscilla lächelt leicht gequält. "Jetzt wunderst du dich bestimmt, warum ich mir nicht einfach gewünscht habe, dass du mich heilst, nicht wahr?" - "Himmel!" Iris schüttelt den Kopf. "Bei dir habe ich schon lange aufgehört, mich zu wundern, du verrücktes Huhn!" Sie streichelt über Priscilla's Kopf und küsst sie schliesslich, lange und ausdauernd - und als sich schliesslich ihre Münder wieder trennen, schmeckt Priscilla Blut, weil die Amayra-Hexe sie dabei etwas gebissen hat. Oh... "Warum..." - "Betrachte es als ein Geschenk des Hauses..." erklärt Iris mit verschwörerischem Lächeln.
Iris holt Valeria's schwarzen Wagen aus der Garage. Ein gutes Auto, mit dem sie auch schon viel herumgefahren ist; ein ganz spezielles Auto... auch wenn es nicht unbedingt sehr elegant, sondern eher unauffällig aussieht, was auch genau der Sinn der Sache ist.
Jetzt wird Kitt nicht länger benötigt und kann gehen äh fahren... Ach was! Mit einem Fingerschnippen befördert Iris das schöne schwarze Auto wieder dahin, wo sie es in der letzten Nacht hergenommen hat.
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"Also, das ist doch... Iris hat versprochen, die Welt etwas besser zu machen?! Iris scheint ja ziemlich äh verrückt zu sein..." - "Heisst es nicht, dass alle Amayra-Hexen irgendwie verrückt sind?" erwidert All'Una und verzieht ihre Lippen zu einem diabolischen Lächeln. - "Na egal. Ist die erwähnte Valerie Deveraux die gleiche Valeria, die nun in Artagona gewissermassen Terranische Geschichte lehrt?" - "Jepp." - "Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die Bitte dieser Priscilla wohl Iris irgendwie noch ziemlich gelegen gekommen ist, so dass sie sich mal so richtig austoben konnte, Codex hin oder her..."
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[IRGENDWO UND ÜBERALL AUF DER ERDE]
Neugierig wie sie nun mal ist, hat Iris es sich natürlich nicht verkneifen können, ihre Nase in verschiedene staatliche und sonstige Organisationen zu stecken (und Iris kennt eine ganze Menge Leute und Organisationen)... auch um etwas über die hiesigen Aliens zu erfahren... bzw. zu erfahren, was man darüber weiss oder zu wissen glaubt. Selbstverständlich hat sie dabei auch den X-Akten einen Besuch abgestattet. Allerdings unsichtbar, hübsch diskret.
Zwar mag ihr nun irgendwie daran gelegen sein, diese Welt hier zu einem besseren Ort zu machen - schliesslich ist sie ja sogar so richtig darum gebeten worden - aber warum auch immer, Iris hat sich diesmal ganz fest vorgenommen, sich dann wenigstens nicht in die persönlichen Belange der Menschen einzumischen und diesbezüglich so zur Abwechslung mal nur zu beobachten - so wie es ja eigentlich auch sein sollte... so rein theoretisch... - und es gelingt ihr auch. Zumindest fast. Na immerhin hat sich Iris aus Schlägereien und dergleichen rausgehalten und es sich bislang sogar heldenhaft verkneifen können, irgendwo irgendwelche Kuppeleiversuche zu starten, das ist wirklich eine reife Leistung für eine Amayra-Hexe, die sich für ihr Leben gern in allen möglichen Kram einmischt...
"Denk immer daran, Täubchen! Wir sind Aras und keine Engel!
Nicht so wie irgendwelche Ritter in schimmernder Rüstung,
die ständig gegen Drachen zu Felde ziehen wollen.
Wir beobachten ganz einfach sowohl Ritter wie Drachen..."
(Mylady)
Ja, was die Menschen PRIVAT angeht, so will sie diesmal wirklich nur beobachten. Deshalb hat sie sogar dafür gesorgt, dass Kitt's vorübergehendes Verschwinden überhaupt nicht aufgefallen ist; irgendwie betrachtet sie Kitt wenn nicht als Mensch, so doch immerhin als Person, und sie will dem Ding keinen Ärger machen... Fast hat sie sich ein wenig geschämt, dass sie überhaupt ein Auto geklaut hat... aber nur fast. War eben ein Ausrutscher, aber als sie hier ankam, da wusste sie ja auch noch nicht, dass sie hier nicht nur einfach als Phantom unter Menschen leben, sondern sich wie ein verdammter Friedensengel um das Wohl der Erde kümmern will.
Na ja, vielleicht sollte sie das einfach als 'Feldstudien' betrachten oder sowas in der Art. Wie eine Doktorarbeit über Weltverbesserung. Vermutlich könnte sie später noch so manch jemandem was darüber erzählen und sogar ein schlaues Buch darüber schreiben, wie sie mit möglichst wenig Aufwand beispielsweise irgendwelche Internationalen Organisationen aufmischte, was letztendlich zu mehr Gerechtigkeit und damit auch zu mehr Frieden in der Welt führen sollte. Irgendwann einmal zumindest, denn sowas geht ja schliesslich nicht so einfach von heute auf morgen... Wie der Schlag eines Schmetterlingsflügels irgendwo am anderen Ende der Welt womöglich einen Orkan auslösen könnte, so sät Iris mit ein paar Ideen hier und ein paar Gedanken dort irgendwie einen frischen Wind, der früher oder später das ganze korrupte System dessen, was manche Weltordnung nennen, hinwegfegen würde...
... sofern die Erde bis dahin nicht längst von irgendwelchen mehr oder weniger ekligen Aliens kolonisiert ist natürlich! Denn hier gibt es irgendwie noch ganz andere Probleme, da hier jene gewissen Aliens sowie die KONSORTIUM-VERSCHWÖRUNG weitaus weiter sind als anderswo, zumal es hier keine Rebellen zu geben scheint, die sich der Ausserirdischen Kolonialmacht entgegenstellen... Tja, also diese Aliens wird sie wohl irgendwie auch noch vergraulen müssen, sonst ist natürlich alles für die Katz!
Allerdings kennt sie diese Aliens - na ja, nicht persönlich, aber so allgemein - und weiss, dass die wohl noch ihr geringstes Problem sein dürften... Aber ob es Iris dabei wohl für ein ganzes Jahr fertig bringt, sich mal aus allem persönlichen Kram herauszuhalten? Na das hört sich vielleicht einfach an, aber es hört sich ja auch einfach an, wenn man jemandem sagt, er solle doch einfach mit dem Trinken aufhören oder mit dem Rauchen oder mit irgendwelchen anderen Drogen... Aber irgendwann fasst sie immer mal wieder diesen guten Vorsatz, besonders jetzt, da sie Priscilla wiedergetroffen hat, die ohne Valeria nicht mehr den alten Glanz in ihren Augen hat. Sowas kommt dabei raus, wenn man sich zu sehr in irgendwelchen persönlichen Kram einmischt... Okay, ein Jahr lang, das hat sie sich vorgenommen, das sollte für ihre äh Mission, diese Welt zu retten, wohl sicher ausreichen. Und wenn nicht... na ja, wenn's ihr weiterhin Spass macht, sie hat ja eigentlich alle Zeit der Welt, nicht wahr!
Und so nebenbei führt sie natürlich gewissermassen Tagebuch über jeden einzelnen Tag und insbesondere über alle Unterschiede zur Amayra-Variante bzw. ähnlichen Varianten, die sie schon besucht hat; also eigentlich ist es gewissermassen auch eine kleine private Varianten-Studie, wenn man so will, was sie eigentlich in jeder Variante tut - nur dass sie noch in keiner anderen Variante so auf Weltverbesserung aus war - oder vielleicht ist es auch einfach ein Schwelgen in Erinnerungen an die gute alte Zeit, als es in der Amayra-Variante auch noch keine Anzeichen für den 3. Weltkrieg gab.
"... aber wenn dir mal ein böser Drache auf die Nerven geht,
dann darfst du ihm ruhig eins auf die Nase geben!"
(Mylady)
Priscilla weiss als einziger Mensch hier, dass es Iris überhaupt gibt. Und so soll es auch bleiben. Nur keine persönlichen Bekanntschaften! Wenn sie ihre Ideen unter die Leute bringt, so tut sie das als NÄCHTLICHE VISION oder erscheint je nachdem als GUTE FEE oder SCHRECKGESPENST... Okay, das macht irgendwie auch Spass, doch sie muss zugeben, dass sie den persönlichen Kontakt ein wenig vermisst, aber sie will mal standhaft bleiben. Also treibt sich Iris hier noch lieber mit irgendwelchen Dämonen als bei Menschen herum, möchte jedoch weder von den einen noch von den anderen in irgendwas persönliches verwickelt werden... na ja, wie würde ja vielleicht hin und wieder eigentlich schon gern mögen... aber sie will auch standhaft bleiben und sich selbst beweisen, dass sie es schaffen kann, gewissermassen mal so richtig 'clean' zu bleiben. Und da sie Argon nirgends entdecken kann, der wohl irgendwo in einer verdammten Felsspalte in Winterstarre schläft, hat sie damit auch keine Probleme, denn ansonsten scheint noch niemand dahintergekommen zu sein, oder zumindest hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass es ganz furchtbar high machen kann, eine Ara abzuschlecken, andernfalls hätte sie womöglich in allen Varianten ständig eine Traube von Dämonen um sich herum, die ständig wenigstens an ihren Fingern lutschen wollten. Huch, man hat es wirklich nicht leicht!
Wenn sie nicht gerade als Friedensengel oder einfach so im Rahmen ihrer sogenannten Feldstudien lauscht, dimmt sie ihre Sinne aus alter Gewohnheit meist auf Menschliches Niveau herab, da sie sonst von all den Schwingungen ringsherum mit der Zeit bestimmt Kopfschmerzen bekommt und ausserdem wohl alle Nase lang irgendwelche Hilferufe hören würde, besonders in einer Grossstadt mit hoher Kriminalitätsrate; aber wenn Iris gar nicht erst hier in dieser Variante wäre, würde sie es ja schliesslich auch nicht hören können, oder? Jawohl, wenn sie gar nicht erst hier wäre, würde sie ja auch nichts tun können, Einmischung hin oder her. Aber sie ist nun mal hier. Und wenn es nun vielleicht sogar Schicksal ist, dass sie hier ist - schliesslich ist dies hier ja gewissermassen ihre Variante, denn sie hat diese Welt geschaffen, indem sie ein paar Blitze auf sich gezogen hat, die dann nicht woanders eingeschlagen sind - und sie wirklich etwas unternehmen sollte? Obwohl es ja im Codex immer heisst, dass eine Ara nichts unternehmen sollte... solange man sie nicht um Hilfe bittet. Und Priscilla hat gesagt, sie solle die Welt irgendwie besser machen, wenigstens ein kleines Bisschen. Aber bitteschön, bei aller Liebe, Iris kann schliesslich nicht überall sein! Iris muss feststellen, dass zuviel nachgrübeln ebenfalls Kopfschmerzen verursachen kann... Auweia, in welchem Teufelskreis ist sie jetzt plötzlich gefangen?!
Na egal.
Sie lebt nicht als Mensch unter Menschen, noch nicht mal als Ara unter Dämonen, sondern eher wie ein verdammter Geist, der meist über den Dingen schwebt... was zuweilen durchaus auch wörtlich zu nehmen ist.
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"Seltsam. Ich habe noch niemals eine Amayra-Hexe getroffen, die wie ein verdammter Geist über den Dingen schweben würde..." - "Ihr würdet sie dann ja auch nicht sehen, Jaella." - "Eben, All'Una."
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Als Mulder und Scully es mal wieder mit dem Konsortium zu tun haben, juckt es Iris allerdings schon furchtbar in den Fingern, höchstpersönlich da mal ein wenig einzugreifen, da ihr diese merkwürdige Alien-Verschwörung wirklich gewaltig ein Dorn im Auge ist... Auch in der Amayra-Variante konnten die Menschen die schöne Erde schliesslich auch ganz alleine von einem Paradies in eine Hölle verwandeln, wobei allfällige ausserirdische Besucher einfach dabei zusahen... das ist doch schon schlimm genug; da braucht's dann wirklich nicht auch noch irgendwelche Aliens, die dann auch noch irgendwie extra rumpfuschen.
"Manche Ritter mögen es gar nicht, wenn sich jemand einmischt
- sie wollen ihre bösen Drachen viel lieber selber erlegen!"
(Mylady)
Aber sie verkneift sich auch in diesem Fall heldenhaft jegliche Einmischung, denn sie weiss, Mulder und Scully können auch ohne Iris' tatkräftige Unterstützung schliesslich aus dem in der Antarktis eingegrabenen Raumschiff entkommen, in das Scully verschleppt worden war, nachdem sie in Mulder's Stube von irgendwelchen komischen Killerwespen gestochen worden war... Na ja, eine lange Geschichte, aber egal. Jedenfalls schaut die Ara schaut dann doch einigermassen beeindruckt, als eben dieses Raumschiff dann aus dem Eis aufsteigt, denn so nah hat sie es sich noch nie angesehen. Ob es genau solche Raumschiffe auch in der Amayra-Variante gibt? Bestimmt sogar. Nur nicht unbedingt irgendwo auf der Erde, und wenn doch, haben sie sich wenigstens nie gezeigt...
Wie auch immer, danach liegt Mulder mit der bewusstlosen Scully, die natürlich wieder mal nichts gesehen hat, im kalten Schnee und weiss nicht weiter. Aber niemand würde sie hier suchen in dieser eisigen Landschaft... Seltsam, sonst sind sie doch auch immer gerettet worden? O oh... Sollten sie etwa nach alldem, was sie durchgemacht haben, hier erfrieren?! Ausgerechnet ihre Lieblings-FBI-Agenten?! Das darf ja wohl nicht wahr sein! Iris schaut gut hin und ist sich sicher, dass Mulder's Lippen ein "Bitte!" formen - oder war es etwa nur ein Zittern vor lauter Kälte, ach, auch egal - und sie kann nicht länger nur zuschauen, deshalb sorgt sie wenigstens dafür, dass sie hier gerettet werden. Wenn das Schicksal nicht gewollt hätte, dass sie hier für Rettung sorgt, dann hätte Iris es gar nicht erst sehen dürfen... ach, pfeif drauf, sie tut's jetzt einfach, basta!
Wenn Iris gedacht hat, dass das Verhältnis ihres fast schon erklärten Lieblings-Liebespaares bzw. "Beinahe-Liebespaares" nach dieser Sache nun endlich etwas romantischer würde, so hat sie sich offenbar getäuscht - oder wenigstens tun Mulder und Scully so, als wäre nichts gewesen, als hätten sie sich während all dieses Schreckens nicht schon beinahe geküsst. Das übliche *Wir-leiden-mal-wieder-unter-Amnesie*-Spielchen...
"Keine Kuppelei, keine Kuppelei, keine Kuppelei..." murmelt Iris vor sich her, um sich selber zu beschwören, während sie unsichtbar zuschaut, wie die beiden wieder auf der Kumpelschiene weitermachen, als ob nichts passiert wäre. Dabei könnten sie doch einfach... Au verdammt, es ist wirklich gar nicht leicht, einfach nur zuzusehen und sich nicht einzumischen!
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"Na sowas. Eine kleine Kupplerin, hä?" - "Na ja, das scheint wohl so eine Art Hobby von Iris zu sein." - "Wer zum Teufel waren eigentlich Mulder und Scully?" - "Oh, Jaella, die beiden waren nicht offiziell berühmt oder so, also kein Wunder, dass Ihr noch nie was von denen gehört habt. Und nach dem Dritten Weltkrieg gab es ja auf Erden kein FBI mehr." - "Was zum Teufel war schon wieder das FBI? So eine Art Geheimdienst?" - "Ähm..." All'Una rollt innerlich die Augen, denn das würde wohl eine lange Nacht werden...
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Natürlich ist Iris nicht nur den lieben langen Tag damit beschäftigt, Mulder und Scully zu beobachten, sonst würde sie wohl schon ziemlich bald der unwiderstehliche Drang überfallen, die beiden irgendwann durchzuschütteln oder an die Wand zu knallen.
"Wenn dir ein Ritter auf die Nerven geht...
dann darfst du ihm auch eins auf die Nase geben!"
(Mylady)
Sie beobachtet - nicht nur als eingesetzter Friedensengel - durchaus auch noch alle möglichen anderen Leute, denn schliesslich hat sie einen grossen Bekanntenkreis und schaut immer gerne, was aus irgendwelchen Leuten geworden ist...
... und sie beobachtet sogar Schmetterlinge, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Tja, seit sie die staubige Atmosphäre einer von Menschen vergifteten Erde gesehen hat, weiss sie die Schönheiten der irdischen Natur noch viel mehr zu schätzen... und auch wenn sie sich hier den persönlichen Belangen der Menschen gegenüber gewissermassen blind und taub zu stellen pflegt - jedenfalls tut sie so, weil sie ja gewissermassen gegen sich selbst gewettet hat - so findet sie es jedoch offenbar normal, dass sie - Codex hin oder her - aber beispielsweise Giftmüll verschwinden lässt, der illegal irgendwo abgeladen wurde, und auch sonst stets etwas gegen Umweltzerstörung tut, wenn ihr etwas konkretes in die Quere kommt; und das tut sie fast noch lieber, als alle möglichen Kriegswaffen unbrauchbar zu machen, die ihren Weg kreuzen. Alles für eine bessere Welt! Und wenn sie schon wie ein Geist ist, dann wenigstens ein Guter Geist...
[IRGENDWO IN DEN ROCKY MOUNTAINS]
Es ist Winter. Iris ist in die Berge gefahren, mal endlich wieder so richtig leibhaftig, also in menschlicher Gestalt, mit Valeria's Auto. Natürlich nicht dahin, wo die Touristen sind, sondern in eine einsame Gegend. Und Iris kennt viele einsame Gegenden auf der Welt, hat sie doch im Laufe der Jahre so manches lauschige Plätzchen gefunden; und jetzt wo sie so gerne durch die Varianten hüpft, kommt ihr das sehr zugute... denn irgendwelche Wohnungen und dergleichen können in einer anderen Variante schnell mal verschwunden oder plötzlich von ganz anderen Leuten bewohnt sein, doch lauschige Höhlen verschwinden nicht so schnell.
An einem zugefrorenen Bergsee, der malerisch von verschneiten Tannen umsäumt ist, hält sie an und geniesst die Aussicht. Alles glitzert wunderschön in der Sonne und wenn Iris keine Ara wäre, würde sie bei dem Anblick wohl schon bald schneeblind werden... Es überkommt sie das unwiderstehliche Verlangen, auf dem Eis mal ein paar Runden zu drehen, und so kramt sie ein paar Schlittschuhe aus ihrer Tasche.
Wenig später wirbelt Iris schon in Pirouetten über den See und übt auch ein paar olympiareife Sprünge. Tja, sie hatte ja auch alle Zeit der Welt, um es zu lernen...
Fasziniert beobachtet ein erschöpfter einsamer Wanderer auf Schneeschuhen die Eistänzerin, die so ganz einsam eine Weltklasse-Show zeigt. Ist das eine Fata Morgana?! Er kommt näher. Auf die Idee, die Dicke des Eises zu prüfen, kommt er erst gar nicht, denn schliesslich verträgt es ja augenscheinlich sogar Sprünge auf Schlittschuhen.
Iris ist so aufs Eislaufen konzentriert, dass sie ihrer Umgebung keine Beachtung geschenkt hat - bis plötzlich ein Schrei die Stille durchschneidet. Sofort spitzt sie ihre Ohren, streckt ihre geistigen Fühler aus und bemerkt zu ihrem gelinden Schrecken, dass ein Mann im Eis eingebrochen ist. Ojeee... und es ist ihre Schuld!
Das eiskalte Wasser versetzt ihn fast sofort in einen Schockzustand. Zuerst rudert er noch mit den Armen und versucht sich herauszuziehen, doch seine nassen Sachen ziehen ihn wie Bleigewichte nach unten und er hat keine Kraft mehr, sich dagegen zu wehren... und dann fragt er sich, warum er sich überhaupt wehren sollte, denn schliesslich ist er ja sowieso des Todes... Aber wie im Traum spürt er plötzlich, wie er am Kragen gepackt und hochgezogen wird. Flüchtig sieht er das Gesicht einer Frau über sich... dann schwinden ihm die Sinne.
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Als er wieder zu sich kommt, liegt er nackt zwischen warmen Fellen neben einem prasselnden Feuer in einer Höhle und fragt sich, was zum Teufel eigentlich passiert ist. Dann erinnert er sich an die Eiskunstläuferin auf dem zugefrorenen See und wie er plötzlich im Eis eingebrochen ist... und dass er gerettet wurde. Von ihr? Warum?! Und wo ist sie geblieben? Er will sich aufrichten, zuckt dann jedoch mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammen. Ach ja, er hat sich ja ein paar Rippen gebrochen und ihm geht's sowieso nicht so gut, sterbenselend um genau zu sein, das hätte er doch jetzt glatt vergessen... "Hallo?" will er rufen, bekommt jedoch nur ein schwaches Krächzen heraus. "Hallo..." antwortet flüsternd eine warme Frauenstimme dicht an seinem Ohr, was einen wohligen Schauer durch seinen Körper jagt. Er schliesst die Augen und ist im nächsten Moment auch schon wieder eingeschlafen.
Grübelnd betrachtet Iris den Mann und fragt sich, weshalb er ihr eigentlich hier nicht schon längst über den Weg gelaufen ist in dieser Variante. Er sieht krank aus. Dafür hat er noch vollständig alle seine Gliedmassen. Hmmm... und was zum Teufel hatte Alex Krycek hier eigentlich mitten in der Wildnis zu suchen?!
Ja, hier war trotz der offensichtlichen Ähnlichkeiten doch wieder einiges anders als in so manch anderen Varianten, wo Iris manchmal schon nahe dran war, Alex Krycek wenigstens mal ein Bein zu stellen, damit Mulder und Scully ihn erwischen konnten, um ihm ordentlich die Fresse zu polieren; denn immerhin hatte er dort Mulder's Vater getötet (ob der nun sein Vater war oder nicht, bleibe mal dahingestellt, Iris wollte es eigentlich nicht so genau wissen) und Scully's Schwester mehr oder weniger einfach so sterben lassen... von allem anderen ganz abgesehen. Aber seltsam: Bislang hatte sie ihn überhaupt nicht vermisst und sein Name wurde in den X-Akten die letzten Jahre kein einziges Mal mehr erwähnt, als hätte er sich einfach in Luft aufgelöst. Warum in aller Welt ist er ihr jetzt plötzlich auf eine Weise über den Weg gelaufen, dass sie ihm helfen musste?
Womit irgendwie auch ihre kleine Wette mit sich selber zum Teufel ist! Tja, einen kurzen Moment mal nicht aufgepasst und ruckzuck ist sie wieder ein Mensch unter Menschen... Komisch, irgendwie ist sie aber gar nicht so richtig traurig darüber!
Na wie auch immer. Erst hat sie ihn gar nicht erkannt, denn seine Aura ist anders, als sie es von früheren Begegnungen in anderen Varianten in Erinnerung hat. Die Idee, dass dies hier vielleicht nur ein Zwillingsbruder oder sowas sein könnte, hat sie jedoch schnell wieder verworfen: Das hier ist Alex Krycek, the one and only.
Selbstverständlich hat sie seine Sachen untersucht, nachdem sie ihn in die Höhle verfrachtet und ausgezogen hat, aber seine Sachen geben keinen Hinweis auf seine Geschichte und sie hatte ja eigentlich nicht wirklich ernsthaft erwartet, bei ihm einen Ausweis zu finden. Dafür erzählt sein Körper eine ganze Menge. Narben von Schusswunden und Messerstichen, alte Knochenbrüche und dazu noch eine allzu offensichtliche Gelbsucht. Kein Wunder, dass er krank aussieht...
Er bekommt Fieber und fängt an in einem Mischmasch aus Englisch und Russisch zu murmeln, dass man ihn endlich in Ruhe lassen solle. Na sowas! Alex Krycek ist seit Jahren vom Konsortium gejagt worden, weil er sich in dieser Variante offensichtlich schon viel früher gegen den Club der alten Männer gewandt hat... In seinen Erinnerungen, in denen sie nun ein wenig herumstochert, sieht sie sogar, wie er vor ein paar Monaten mal Autostop machen wollte, das einzige Auto in der Nacht jedoch ohne anzuhalten an ihm vorbeigefahren ist. Warum kommt ihr das nur so bekannt vor? Ojeee... Danach hätten sie ihn fast erwischt und er hat einen Streifschuss abbekommen...
Iris starrt einen Moment ins Feuer und sinniert darüber nach, dass das heute wohl ein Zeichen war. Tja, war wohl nix mit dem Jahr vornehmer Zurückhaltung; es sind erst gerade sechs Monate und alle guten Vorsätze sind zum Teufel, wo sie sich doch wirklich solche Mühe gegeben hat, mal über den Dingen zu stehen und sich nicht in irgendwelche persönlichen Belange einzumischen... Pfeif drauf!
Vorsichtig tastet sie seinen Körper ab und beginnt ihn sanft zu massieren. Amayra-Hexen können durch blosses Handauflegen sogar Knochenbrüche heilen. Oder Gelbsucht... Iris hat so etwas schon lange nicht mehr getan, doch offensichtlich funktionieren ihre Kräfte noch. Fast ein wenig zu gut, denn sie hat sogar seine ganzen Narben zum Verschwinden gebracht, obwohl sie das doch eigentlich gar nicht vorgehabt hat (Na ja, oder vielleicht doch irgendwie, weil sie der Meinung ist, dass er ohne die alten Schrammen und Wunden besser aussieht?)... Aber was soll's, darauf kommt's jetzt auch nicht mehr an, oder?
* * *
Als Alex Krycek wieder aufwacht, fühlt er sich zwar immer noch schwach, aber längst nicht mehr so krank. Nachdem sich sein verschwommener Blick etwas geklärt hat, sieht er die Frau am Lagerfeuer, die summend in einem Kochtopf herumrührt, und fragt sich, ob es sich dabei wohl um die Eistänzerin handelt, die so grazil über den gefrorenen See schwebte.
"Hallo!" grüsst sie und lächelt ihn an. "Ich hätte nicht gedacht, dass sich ausser mir noch ein Mensch in diese Einsamkeit verirrt. Sie haben mich ganz schön erschreckt, als Sie da im Eis eingebrochen sind... ich hatte schon Angst, Sie würden erfrieren, aber es ist mir dann doch noch gelungen, Sie aufzuwärmen..." Sie lächelt schelmisch und leicht anzüglich, während er sie immer noch anstarrt. "Sie haben lange geschlafen... und im Schlaf haben Sie auch russisch gesprochen. Stammen Sie vielleicht aus Russland?" Sie sieht ihn eindringlich an und fragt dann betont langsam: "Verstehen Sie mich?!" - "Verzeihung!" murmelt er. "Ich verstehe Sie sehr gut, danke!" Er klingt etwas verwirrt und ist sich dessen auch bewusst. "Äh..." Er räuspert sich etwas verlegen - worauf sie ihn wieder anlächelt. "Ja?" - "Wo sind wir hier?" erkundigt er sich etwas schüchtern...
... und klingt dabei wirklich leicht ängstlich, als befürchtet er, vom Regen in die Traufe gekommen zu sein. Irgendwie erscheint ihm wohl eine dunkle Höhle, die nur von einem Lagerfeuer erhellt wird, nicht unbedingt vertrauenserweckend, oder hat er etwa Angst in der Dunkelheit? Allein das Gesicht, das er macht... Hach, wie süss! Iris lacht ihn an: "In einer Höhle!" erklärt sie vergnügt und in aller Unschuld. "Ich wollte mal so richtig abschalten... zurück zur Natur, Sie wissen schon..." Sie lächelt verschwörerisch. "Kein Telefon und auch sonst niemand, der einem auf die Nerven geht..." Sie unterbricht sich selbst und sieht ihn entschuldigend an: "Nicht, dass Sie mir auf die Nerven gehen würden, so war das nicht gemeint!" Und dann fällt ihr noch was ein: "Ach übrigens... ich bin Iris. Und wie heissen Sie?"
Er grübelt, überlegt und ringt mit sich. Schliesslich erklärt er: "Alex. Alexei..." - "Alexei... das klingt nett. Russisch, hä?" - "Können Sie etwa russisch?" - "Ein Bisschen..." druckst Iris herum, obwohl sie selbstverständlich Russisch ebenso perfekt beherrscht wie jede andere Sprache auf der Erde. "Ich war schon mal in Russland. Zum Eislaufen." Und das ist eigentlich nicht mal gelogen. Selbst wenn Iris auch noch aus vielerlei anderen Gründen gelegentlich in Russland war: Eislaufen war sie dort auch! - "Sie sind wirklich gut auf dem Eis!" erklärt er. "Und Sie haben mich auch aus dem Wasser gezogen?" - "Na wer denn sonst?" lacht sie. "Obwohl Sie ganz schön schwer sind... weiss gar nicht mehr, wie ich Sie überhaupt hierhin geschafft habe... aber wie heisst es so schön: In der Not können Menschen Riesenkräfte entwickeln!" Sie rührt weiter in ihrem Kochtopf rum und schöpft schliesslich eine Suppenschüssel voll. "Sie müssen Hunger haben, oder?" - "Ich sterbe vor Hunger!" erklärt er und nimmt die Schüssel dankbar entgegen, ebenso das Brot, das sie ihm nachreicht.
Er schlingt die Bohnensuppe herunter, als hätte er nie etwas köstlicheres gegessen, denn dies ist die erste warme Mahlzeit seit vielen Tagen, wie Iris sehr wohl weiss. "Wow, Sie scheinen ja wirklich am verhungern gewesen zu sein... Aber schliesslich lagen Sie auch über einen Tag im Fieber!" - "Was?!" Er legt für einen Moment den Löffel beiseite. "Sie haben sich schon so lange um mich gekümmert?" - "Aber ja doch. Und es war... äh... na ja, eine nette Abwechslung..." Iris bringt es sogar fertig ein wenig zu erröten, auch wenn das bei der Beleuchtung vermutlich verschwendete Liebesmüh ist - aber jedenfalls wird sich Alex nun wieder seiner Nacktheit bewusst. Und er errötet nun wirklich und sieht ganz verlegen aus. "Sie haben mir meine Kleider ausgezogen..." stellt er unnötigerweise fest. - "Aber sicher, die waren ja schliesslich pitschnass!" Sie grinst ihn an. - "Und die sind inzwischen nicht wieder trocken?" - "Doch, schon, aber weshalb hätte ich sie Ihnen wieder anziehen sollen?" Wieder schenkt Iris ihm ein schelmisches Lächeln, das ihn bis unter die Haarwurzeln erröten lässt. Hehehe, dieser Alex Krycek hier ist ja wirklich süss! "Ausserdem hatten sie ja Fieber. Schlimmes Fieber. Sie haben mehrere Leintücher durchgeschwitzt... Und da ist es besser, wenn nicht noch störende Klamotten dazwischen sind..." - "Schlimmes Fieber?" Irgendwie wundert ihn das nicht. Wenn er es sich recht überlegt, ist es eher verwunderlich, dass es ihm jetzt soviel besser geht. Hatte der Sturz ins eisige Wasser etwa sogar eine positive Wirkung auf seine angeschlagene Gesundheit? Moment mal... die Rippen tun auch nicht mehr weh! Und waren da nicht ein paar Narben? Nun wird er plötzlich misstrauisch, weicht zurück und sieht sie entgeistert an. "Was haben Sie mit mir gemacht?" - "Gar nichts!" versichert sie, obwohl sie schon ahnt, dass er ihr nicht glauben wird. "Na ja, fast nichts. Ich hab Sie gesund gemacht!"
Irgendwie scheint das allerdings für ihn nicht allzu beruhigend zu sein. Ojeee, hat Iris jetzt etwa schon so lange als Geist gelebt, dass sie den Umgang mit Menschen verlernt hat?! Natürlich hätte sie wissen müssen, dass er misstrauisch wird, schliesslich wird der gute Mann ja schon seit Jahren verfolgt, da ist es ja kein Wunder, wenn einer leicht paranoid wird... Sie sieht ihn an, wie er sich gehetzt umsieht und misstrauisch die Bohnensuppe beäugt, die er vorhin noch gierig verschlungen hat. Er hatte nicht mal eine Waffe dabei... doch jetzt ist ihm anzusehen, dass er zu gerne eine Waffe in Händen hätte. Tja, irgendwie war das wohl nichts, sie hätte wohl doch besser auf ihre Heilkräfte aufpassen sollen...
"Alex..." erklärt sie mit besänftigender Stimme. "Wenn ich dich umbringen wollte, dann hätte ich dich gar nicht erst aus dem eisigen See gezogen. Und während du im Fieber gelegen hast, hätte ich sonst was mit dir anstellen können... ich habe jedoch deine gebrochenen Rippen ebenso geheilt wie deine Gelbsucht und weil ich so gut gelaunt war, hab ich sogar alte Narben weggemacht... macht mich das etwa zu einem schlechten Menschen?!" - "Du... du... du bist kein Mensch!" jappst er und sieht nun panisch aus, denn diese Freundlichkeit ist ihm ausgesprochen unheimlich, denn noch nie im Leben war irgendjemand einfach nur so freundlich zu ihm. - "Und was sollte ich wohl sonst sein, hä?" - "Du gehört zu ihnen!" In seiner Stimme schwingt nun schon leise Hysterie mit - doch sie fragt ganz ruhig: "Zu wem?!" - "Zu den Aliens!" - Endlich ist es raus.
Es irritiert ihn, dass sie eine Weile gar nichts sagt, sondern ihn nur ansieht mit so einem seltsamen Blick, der ihm durch und durch geht. Himmel, sie ist so schön, warum muss sie nur eine von ihnen sein?! Sie muss wohl so eine Kopfgeldjägerin sein... Vielleicht ist sie auch der alte Kopfgeldjäger, der sich einfach eine hübschere Erscheinung zugelegt hat, dieser verdammte Gestaltwandler. Wie hat sie ihn gefunden? Und warum eigentlich die ganze Show mit Eiskunstlauf und ihn retten und gesund machen und sogar bekochen... und warum dreht sich plötzlich alles?! Die Bohnensuppe war natürlich vergiftet. Vielleicht irgendeine Wahrheitsdroge, um zu erfahren, was er weiss... aber er muss stark sein, sie dürfen ihn nicht kriegen... niemals... lieber würde er sterben...
Bevor er sich in selbstmörderischer Absicht auf das Messer stürzen kann, mit dem sie vorhin etwas vom Brot abgeschnitten hat, hat sie ihn auch schon mit eisernem Griff am Arm gepackt und drückt ihn mit sanfter Gewalt auf das Fell zurück. "Wow, die Bohnensuppe muss ja echt reinhauen!" murmelt sie mit hochgezogener Augenbraue, während sie sich nun kurzerhand auf seine Brust setzt, mit ihren Beinen seine Arme an den Boden nagelt und ihn somit bewegungsunfähig macht. "Hör mal gut zu, Freundchen! Ich stamme von der Erde und habe nichts mit irgendwelchen Aliens zu schaffen." Na ja, fast nichts. "Klar?" - "Du kannst kein Mensch sein!" flüstert er und klingt verzweifelt, während er sie fasziniert anstarrt. - "Ich bin eine Hexe!" erwidert sie schlicht. "Da staunste, was?!" - "Was?!" In seinem Kopf dreht sich alles. Er weiss von Aliens und gezüchteten Monstern in den Kellern des Konsortiums, wäre schon mal fast mit dem Schwarzen Öl infiziert worden und hat wirklich schon allerhand gesehen und gehört... und da erzählt sie ihm, sie wäre eine Hexe?! - "Aber du darfst mich auch ruhig eine Gute Fee nennen, wenn dir das lieber ist..." flüstert sie und zeigt wieder so ein steineschmelzendes Lächeln, dass ihm gleich ganz anders wird, obwohl er sich immer noch zu Tode fürchtet.
"Wer bist du?!" flüstert er schliesslich, nachdem er es endlich aufgegeben hat, sich gegen sie wehren zu wollen. - "Ich bin Iris. Eine Hexe. Lassen wir's dabei... ich meine, ich bin eine Gute Hexe!" Sie lächelt ihn an. "Und ich mag das Konsortium auch nicht, das hinter dir her ist..." - "Aber woher weisst du überhaupt vom Konsortium, wenn du nicht dazugehörst?" - Sie seufzt. "Ich hab's in deinen Gedanken gelesen, du kleiner Klugscheisser. Ja, sowas kann ich auch, du Blitzmerker... Und wenn die hinter dir her sind und dich jagen, dann sind sie wohl nicht sehr nett. Hör mal, Schätzchen, du warst in einem erbärmlichen Zustand, ohne Waffe, ohne Vorräte... wenn du mir nicht zufälligerweise über den Weg gelaufen wärst, dann würdest du wohl inzwischen da irgendwo im Schnee liegen und frühestens im Frühling mit dem Tauwetter wieder zum Vorschein kommen. Also wie wär's mal zur Abwechslung mit etwas Dankbarkeit, hä?"
Er starrt sie an. Ihre letzten Worte haben richtig gereizt geklungen. Und ihre Augen funkeln jetzt erstaunlicherweise violett. Phantastisch. Gefährlich. Wunderschön. "Danke, dass du mich gerettet hast..." Er kann sich nicht helfen, es klingt wie eine Beschwörungsformel, um einen Dämon gnädig zu stimmen. Und dabei ist sie so ein attraktiver Dämon... äh eine Hexe. Was auch immer sie ist, hübsch ist sie auf alle Fälle. Warum muss er jetzt nur dauernd daran denken, dass es schon ewig her ist, seit er das letzte Mal mit einer Frau oder überhaupt mit einem netten Menschen zusammen war, und dass er sich so sehr nach zärtlicher Berührung sehnt, dass jede Faser seines Körpers schon förmlich danach schreit? Warum sehen ihre Lippen so verdammt verführerisch aus? Und warum wird ihm plötzlich so heiss?
"Na also, es geht doch..." Iris klingt wirklich besänftigt. Na ja und irgendwie ist sie von seinen Gedanken ein wenig geschmeichelt. Himmel, es ist wohl wirklich zu lange her, dass sie als Mensch unter Menschen war, irgendwie bekommt ihr das Leben als Geist wohl nicht so recht... Sie verrutscht etwas ihre Beine, so dass er seine Arme nun wieder bewegen kann, bleibt jedoch rittlings auf ihm sitzen. Irgendwie gefällt ihr diese Stellung und dass er sie ansieht wie ein verschüchtertes Kaninchen, das von einer Schlange hypnotisiert wird. Er hat schöne grüne Augen, die von langen Wimpern umrahmt werden. Hat sie eigentlich Alex Krycek jemals zuvor mal so richtig in die Augen gesehen? Echt schnuckelig, genau das richtige zum Dessert... uuups, pfui, wie kommt sie denn jetzt auf solche Gedanken? Der hat sie wohl glatt angesteckt, als es ihn da vorhin durchzuckt hat!
"Was erwartest du jetzt von mir?" fragt er schliesslich leicht keuchend, weil sie ja immerhin noch auf ihm drauf sitzt. "Wie muss ich dir für meine Rettung danken?" - Also da kämen ihr durchaus ein paar Ideen... sie erklärt jedoch: "Ach, ich erwarte keinen Lohn, falls es das ist, was dich beunruhigt." Warum eigentlich nicht? Sie könnte doch ein Geschäft daraus machen und reich werden, schliesslich gibt es hier keine anderen Aras, die ihr stirnrunzelnd erklären könnten, dass so etwas doch unmoralisch wäre... Aber sie verwirft diesen Gedanken ebenso schnell wieder, wie er aufgetaucht ist. "Die Frage ist vielmehr, was du nun vorhast, nachdem deine Chancen auf was-auch-immer wieder besser stehen. Willst du flüchten und irgendwo ein neues Leben anfangen? Ich könnte dir Papiere besorgen und alles, was das Herz begehrt... Oder willst du gegen dieses Konsortium vorgehen? Auch dabei könnte ich dir helfen..." - "Das klingt wirklich zu gut, um wahr zu sein..." Sein Atem geht schnell, obwohl er alles versucht, um ruhig und cool zu bleiben. Oder besser gesagt ruhig und cool zu werden. Vergeblich. "Du musst wirklich eine Gute Fee sein..." Das ganze ist doch wirklich zu abstrus. Bestimmt träumt er das alles nur. Es muss eine Halluzination sein! Genau, und das ist auch der Grund, weshalb ihm die Rippen nicht wehtun. Er liegt im Delirium! Oder ist er schon tot?!
Zu seiner Überraschung verpasst sie ihm plötzlich eine schallende Ohrfeige. "Tut das weh?" fragt sie leicht spöttisch. "Du bist nicht tot, Scherzkeks! Du liegst auch nicht mehr im Fieber. Du bist hellwach und das hier ist Realität, auch wenn es zugegebenermassen alles etwas seltsam ist. Jawohl, ich kann wirklich deine Gedanken lesen, wenn ich mich darauf konzentriere, glaub's ruhig!" Und erneut erscheint ein anzügliches Lächeln auf ihrem Gesicht. "Und deshalb weiss ich auch, dass du mich heiss findest..." Ihre Stimme hat plötzlich einen so erotischen Klang - dass er am liebsten sofort vor ihr auf die Knie fallen oder sich auf sie stürzen und sie von oben bis unten abküssen würde, wenn sie nicht auf ihm drauf sässe. Oh, verdammt, warum lächelt sie dieses aufreizende Lächeln?! Das kann doch alles nicht wahr sein, er ist wohl gerade dabei, seinen Verstand zu verlieren...
Mit Schwung beugt sich Iris plötzlich runter und presst ihre Lippen gegen seine, was ihm ein überraschtes Aufstöhnen entlockt. Erst ist er starr vor Schreck, doch als sie sanft an seinen Lippen rumknabbert, beginnt er langsam damit, den Kuss zu erwidern, er kann einfach nicht mehr anders. Verdammt, ihre Lippen sind so süss, sie schmeckt nach Vanille... sie muss wirklich was Gutes sein. Und wenn doch nicht, dann würde er wenigstens glücklich sterben...
Ojeee, was hab ich nur getan! geht es Iris durch den Sinn. Sie betrachtet Alex Krycek neben sich, der schliesslich nach ein paar wilden Stunden völlig erschöpft in ihren Armen eingeschlafen ist und jetzt total entspannt und friedlich aussieht, so richtig zum knuddeln... Na ja, vielleicht war's auch nur eine Stunde, schliesslich ist der süsse Alexei nur ein Mensch und kein Dämon, aber es war jedenfalls recht... äh interessant. Na schön, es war irgendwie sogar richtig gut. Lange her, dass sie ONS mit sterblichen Menschen hatte, aber nach Menschlichen Massstäben war es wohl sogar ausserordentlich gut.
Wie auch immer, inzwischen dürfte sich das Chaos in seinem Kopf wohl etwas gelegt haben - ja, weil sich nämlich das Blut in seinem Gehirn in einer anderen Körperregion gestaut hat, wie die kleine fiese Stimme in ihrem Hinterkopf spöttisch anmerkt. Ach, halt die Klappe, ein Bisschen Spass muss auch sein!
Es ist wohl das erste Mal seit Jahren, dass Alex nicht von Alpträumen geplagt wird... und als er aufwacht, fühlt er sich wirklich gut. So gut, dass er die Augen gar nicht aufmachen will und sich einfach an Iris kuschelt. Wenn das ein Traum ist, dann will er ihn noch eine Weile geniessen!
"Es ist kein Traum, Alexei..." flüstert sie leise und beginnt an seinem Ohrläppchen zu knabbern, während sie ihn immer noch engumschlungen in ihren Armen hält. "Ich bin echt..." - "Das ist zu gut, um wahr zu sein..." seufzt er. "Bestimmt bin ich schon tot und im Himmel!" - Sie tätschelt sanft seinen Hintern. "Ich muss dich warnen: Ich bin kein Engel!" flüstert sie in anzüglichem Ton. Seine alten Narben hat sie zwar entfernt, doch dafür hat sie ihn diese Nacht mit etlichen Bissen und Knutschflecken verziert... die sie nun mit einem Streicheln wieder zum Verschwinden bringt.
Schliesslich öffnet er die Augen und sieht sie an. Sie muss doch ein Engel sein... Sein Engel! Es muss schon ewig her sein, dass er sich das letzte Mal so gut gefühlt hat. Es ist auch schon ewig her gewesen, dass er das letzte Mal Sex mit einer anderen Person wirklich geniessen konnte, ohne ständig darauf bedacht zu sein, ja immer cool zu bleiben und dabei an Informationen zu kommen, oder ständig Angst haben zu müssen, der Bettgenosse verwandelt sich plötzlich in ein Alien... Iris hat ihn alles vergessen lassen, so dass es ihm nun vorkommt, als wäre es das erste Mal gewesen. Es war das erste Mal, das wirklich gezählt hat! Er küsst ihre magischen Fingerspitzen, mit denen sie wirklich unglaubliche Dinge tun kann, und würde am liebsten nie mehr aufstehen, sondern für alle Zeiten so mit ihr liegen bleiben...
"Na na na... für alle Zeiten? Ist das nicht ein Bisschen lang?" Sie grinst ihn an und ist ganz offensichtlich der Meinung, dass es wohl auch noch was anderes geben müsste. "Was hattest du denn für Pläne, bevor du im Eis eingebrochen bist?" erkundigt sie sich schliesslich...
... worauf er wirklich lange überlegt. Pläne? Es ist lange her, dass er irgendwelche Pläne hatte. Als er durch den Schnee stapfte, hat er eigentlich nur noch daran gedacht, sich irgendwo ein schönes Plätzchen zum sterben zu suchen, denn er fühlte sich wirklich sterbenselend und hatte keine Hoffnung mehr. Und vermutlich waren sie ihm schon auf den Fersen...
Als sich seine Miene plötzlich verfinstert, kann ihn Iris sofort beruhigen: "Deine Spuren führen nur bis zum See. Ich habe keine Spuren hinterlassen, die sie verfolgen könnten. Wir sind hier sicher." - Zwar kann er sich nicht so recht vorstellen, wie man im Tiefschnee keine Spuren hinterlassen kann, doch irgendwie ist er geneigt, ihr zu glauben. "Dann könnten allfällige Verfolger also denken, ich wäre im See ertrunken?" - "Genau." bestätigt sie. - "Du bist einfach genial!" Er muss ihr einfach einen Kuss geben. Auf seltsame Art beunruhigt es ihn auf einmal gar nicht mehr, dass sie eine Hexe ist und seine Gedanken lesen kann. Er fühlt sich sogar irgendwie befreit, dass er sich hier bei ihr nicht verstellen muss.
Erst einmal erzählt er Iris sein ganzes Leben und auch alles, was er über die Aliens und das Konsortium weiss... Es tut so gut, endlich jemandem davon zu erzählen, ohne befürchten zu müssen, deswegen gleich in eine Irrenanstalt eingeliefert zu werden. All die Jahre war er völlig auf sich allein gestellt und konnte keiner Menschenseele vertrauen... doch jetzt scheinen die ganzen Dämme gebrochen, all die Mauern, die er um sich aufgebaut hat, und er kann seine Emotionen nicht länger zurückhalten. Tja, Aras haben manchmal so eine Wirkung auf Menschen, und so wiegt Iris ihn schliesslich einfach in ihren Armen, streicht ihm durchs Haar und küsst seine Tränen weg.
* * *
Iris hat sich die Höhle behaglich eingerichtet. Hinter einer falschen Wand verbirgt sich sogar ein grosses Badezimmer. Alex will gar nicht so genau wissen, wie hier plötzlich heisses Wasser herkommt, er geniesst einfach die warme Dusche, ganz besonders wenn ihm dabei von einer schönen Frau auch noch der Rücken geschrubbt wird. Und es ist ihm mittlerweile egal, ob diese schöne Frau nun eine Hexe, Zauberin, Gute Fee, ein Engel oder sonstwas ist, denn sie hat ihm das Leben gerettet, hat ihn gesund gemacht und er ist jetzt schon süchtig nach ihren Küssen.
Vor zwei Tagen wollte er nur noch in Frieden sterben, bevor sie ihn in die Finger bekamen... doch heute sieht alles sehr viel rosiger aus und er brennt darauf, es dem Konsortium heimzuzahlen und die Geschäfte mit diesen Aliens mit allen Mitteln zu sabotieren. Zwar hat er das auch schon früher mal vorgehabt, doch da war er noch ganz allein und hatte keine Mittel, irgendwelche Pläne in die Tat umzusetzen, zumal die eher hinter ihm als er hinter ihnen her waren... Jetzt hat er Iris und fühlt sich mit ihr an seiner Seite plötzlich unbesiegbar.
"Naaa, deine Lebensgeister scheinen wieder geweckt worden zu sein..." flüstert Iris mit anzüglichem Lächeln - die auch pitschnass einfach anbetungswürdig aussieht, wenn das Wasser auf sie herabprasselt. "Das verdanke ich nur dir..." flüstert er zurück. Er begehrt sie und jede Faser seines Körpers schreit nach ihr und verzehrt sich nach ihrer Berührung. "Gib mir einen Kuss!" - "Wo bleibt das Zauberwort?" - "Bitte!" - "Guuut..." Sie presst sich an ihn und knutscht ihn ab.
- - - - - -
"Ach, sie hat also jemanden aufgelesen und *schwupps* war sie wieder mittendrin im prallen Leben... War der Mann denn wenigstens schnuckelig?" - "Oh ja." - "Ähm... ich wage ja kaum zu fragen, aber wer zum Teufel war denn eigentlich Alex Krycek?" - "Tja, das kommt natürlich immer auf die Variante an, Jaella!" - "Okay, lass es. Und was ist denn nun aus ihrer Mission geworden, die Welt besser zu machen?"
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Nur ungern verlässt er nach zwei Tagen die Höhle, doch schliesslich muss er mit Iris die Welt retten und da kann er sich nicht nur mit seiner Guten Fee zwischen weichen Fellen räkeln oder es mit ihr unter der Dusche treiben... Himmel, noch nie im Leben hat er sich lebendiger gefühlt!
Er hat sich angewöhnt, laut und deutlich zu denken, wenn er ihr etwas sagen will, und er zuckt auch nicht mehr zusammen, wenn sie ihm telepathisch antwortet. Sie hat ihm gesagt, er solle lieber nicht zu viele Fragen stellen, sie hätte nun mal so ihre Connections und ihre Quellen, da müsste er sich mal nicht den Kopf darüber zerbrechen; und er hält sich daran, so gut er kann, weil er ihr vertraut und weil er wirklich lieber nicht zuviel über alles nachdenken will. Eigentlich ist alles wirklich zu verrückt, aber er will seine zweite Chance wirklich nicht vermasseln und irgendwie hat er das Gefühl, wenn er zu sehr nachbohrt, würde der ganze schöne Traum platzen wie eine Seifenblase. Zumal sie ihn schon vorgewarnt hat, dass sie möglicherweise aus irgendwelchen Gründen plötzlich spurlos verschwinden könnte, also solle er sich dann mal nicht allzu sehr wundern, sondern einfach weiterleben...
In Iris' Wagen verlassen sie die verschneite Winterlandschaft und als Alex mal zurückschaut, stellt er fest, dass der Wagen tatsächlich keine Spuren hinterlässt... Keine Fragen. Keine Fragen. Keine Fragen! beschwört er sich selbst.
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"Warum hat sie ihm denn nicht einfach gesagt, dass sie eine Amayra-Hexe ist?" - "Weil er sowieso nicht gewusst hätte, was eine Amayra-Hexe ist. Darf ich Euch daran erinnern, Jaella, dass Arragon Amayra auf Terra immer sehr zurückhaltend war, besonders in den angeblich so modernen Zeiten... und dass die meisten Menschen sich im 20. Jahrhundert ja für so besonders schlau hielten, dass sie statt an Magie noch eher geglaubt hätten, selbst mal Millionen im Lotto zu gewinnen." - "Ach ja... äh... Lotto?!"
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[IRGENDWO UNTERWEGS IN DEN USA]
Als sie in etwas wärmere Gefilde kommen, holt Iris für sich etwas angemessenere luftigere Kleidung einfach aus ihrer Tasche, während sie erst in einen Laden gehen müssen, um Alex neu einzukleiden. Sie bezahlt bar.
"Kannst du eigentlich Motorrad fahren?" fragt sie ihn lächelnd, während sie nun beide in Bluejeans und Lederjacke durch die Strassen schlendern und nicht mehr so aussehen, als kämen sie gerade aus Sibirien. - "Ja, warum?" - "Weil es wohl trotz aller Gleichberechtigung und Emanzipation in diesem Land doch ein klein wenig auffällig wäre, wenn du beim Motorrad hinten sitzen würdest!" erwidert sie prompt. - "Und von welchem Motorrad redest du?" erkundigt er sich nun doch etwas irritiert, während sie bereits wieder bei dem Motel angekommen sind, wo sie sich vorhin eingecheckt haben, als Mr. und Mrs. Jones. - "Na von diesem hier!" Sie deutet nun auf den Parkplatz, wo vorhin noch das schwarze Auto stand. Jetzt steht da ein schwarzes Motorrad.
[
Die Reise geht weiter und sie kommen Washington immer näher. Zwischendurch klappt Iris ihr Laptop auf, dem man nicht ansieht, welche Marke es wohl ist, loggt sich über ihr Handy ins Internet ein und verschickt dabei oft fleissig alle möglichen E-Mails an alle möglichen Leute. Ganz nebenbei hackt sie sich auch beim FBI und sonst wo ein, um zu schauen, ob's da vielleicht was neues gibt...
... aber Mulder und Scully sind auch nicht näher dran am Konsortium. Iris fragt sich langsam, was die beiden denn eigentlich den lieben langen Tag so treiben, wenn sie's schon nicht miteinander treiben, aber das soll ja wohl nicht ihr Problem sein.
Alex hat sich eine Erkältung eingefangen... doch dank Iris hat sich die Krankheit schnell wieder verflüchtigt.
[
[WASHINGTON D.C.]
In Washington angekommen, mieten sich Iris und Alex als Mr. und Mrs. Sinclair eine Suite im Palace-Hotel. Eigentlich hätte Alex ja eine unauffällige möblierte Wohnung vorgezogen, doch sie klärt ihn darüber auf, dass Iris Sinclair ziemlich reich wäre.
Na ja, er will sich nicht darüber beklagen, den Ehemann einer reichen Frau zu spielen. Versonnen betrachtet er den goldenen Ehering an seinem linken Ringfinger, der ihn zu Mr. Alexander Sinclair macht. Alexander Maximilian Sinclair. Woher hat Iris nur diesen grässlichen zweiten Vornamen genommen, zumal sie bei sich selbst auch auf einen zweiten Vornamen verzichtet hat?!
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Alex will sich bei einer Security-Firma einschleusen, von der er weiss, dass sie unter anderem auch für einige Gebäude des Konsortiums zuständig ist...
... und zu diesem Zweck muss er nicht nur ein Einstellungsgespräch über sich ergehen lassen, wobei er jedoch - dank Iris Connections oder Künsten oder wie auch immer - gute Referenzen vorweisen kann, sondern auch einen Medizinischen Eignungstest bei einem Arzt...
... der ihn auf Herz und Nieren prüft. Doch Alex hat diesbezüglich wenig Bedenken, denn schliesslich ist er doch jetzt kerngesund. Er zögert nur kurz, als ihm Blut abgenommen wird; doch die werden schon nicht gleich eine DNA-Analyse vornehmen und ihn als Alex Krycek entlarven, oder?
* * *
Nach zwei Tagen bekommt er einen Telefonanruf vom Arzt, der ihn wieder zu sich in die Praxis bestellt. Das klingt nicht gut... Vielleicht eine Falle? Iris begleitet ihn bis vor die Strasse und wartet im Café nebenan; und wenn er in einer halben Stunde nicht wieder draussen wäre, dann würde sie die Arztpraxis mit gezückter Waffe stürmen, wie sie ihm versichert, bevor sie sich in die Lektüre der Zeitung vertieft.
Fast erwartet Alex, auf eine Horde schwarzgekleideter Männer zu treffen, die ihn schon mit gezückten Waffen erwarten, als er die Praxis betritt. Aber nichts dergleichen. Der Arzt macht ein sorgenvolles Gesicht und bittet ihn Platz zu nehmen. Und dann fängt er lang und breit von den Ergebnissen der Blutuntersuchung zu dozieren...
... während Alex' Gesicht nun immer versteinerter wird. HIV positiv?! Wie das denn, er war doch immer so vorsichtig... Verdammt, verdammt, verdammt! Bestimmt hatten ihn diese Bastarde infiziert, als sie mit Betäubungsgewehren auf ihn schossen und ihn dabei tatsächlich mit diesen ekligen Pfeilen mit Widerhaken dran erwischten... Endlich wird ihm auch klar, warum er im letzten Jahr ständig krank wurde und dann auch die Gelbsucht nicht mehr losgeworden ist. Deshalb fängt er sich wohl auch sofort eine Erkältung ein, wenn nur mal jemand in der Nähe hustet... Vielleicht hätte er doch mal gelegentlich bei einem Arzt vorbeischauen sollen... Vielleicht hat er sowas ja verdient... Aber plötzlich überkommt ihn ein ganz anderer Gedanke: Iris! Sie haben nie Kondome benutzt, weil sie gesagt hat, sie könne sowieso nicht schwanger werden und krank sei sie ja auch nicht... aber was ist, wenn er sie infiziert hat und sie dagegen machtlos ist?!
Als Alex die Praxis verlässt und zum Café hinübergeht, ist er noch kreidebleich und sieht ziemlich geschockt aus. Und seine Gedanken sind noch völlig wirr. Er setzt sich zu Iris, starrt sie an und in seinen Augen bilden sich Tränen. Überwältigende Schuldgefühle überkommen ihn. Eigentlich sollte er wohl längst tot sein! Der blosse Gedanke, er könnte seinen hilfreichen Engel auch noch mit seiner Unreinheit besudelt haben, macht ihn ganz krank... - und Iris bemerkt seine Sorge. 'Nun mal halblang!' lässt sie ihre Stimme in seinem Kopf erklingen, um ihn erst mal zu beruhigen und dazu zu bringen, seine Gedanken zu ordnen. 'Was auch immer es ist... um mich musst du dir keine Sorgen machen!' Sie sieht ihm eindringlich in die Augen. 'Nun beruhig dich endlich, du kannst mich unmöglich mit irgendwas infiziert haben, glaub mir!' Für den Bruchteil einer Sekunde verfärben sich ihre Augen. 'Beruhig dich endlich, nicht mal HIV kann mir etwas ausmachen!' Wortlos lässt sie ein paar Scheine auf dem Tisch liegen, packt Alex...
... und geht mit ihm nach Hause.
Irgendwie steht er wohl noch immer ein wenig unter Schock, aber nach und nach erzählt er doch, was der Arzt gesagt hat und was er selbst vermutet. Er fühlt sich jetzt zwar gesund, doch nach seinen Blutwerten müsste er eigentlich ein todkranker Mann sein, für den jeder Schnupfen das Ende bedeuten könnte. Er sitzt auf der Couch wie ein Häufchen Elend.
"Ach sooo..." murmelt Iris schliesslich und nickt. "Tut mir leid, Alexei... Ich habe nur die Symptome bekämpft, doch die Ursache nicht gesehen. Du hast nicht gewusst, dass du HIV hast. Deshalb habe ich das auch nicht in deinen Gedanken gesehen und deshalb bin ich auch nicht auf die Idee gekommen, noch etwa nach irgendwelchen Viren Ausschau zu halten." Sie wuschelt durch sein Haar. "Ich sollte mir wohl angewöhnen, alles besser abzuchecken, wenn ich schon mal an irgendjemandem rumdoktere..." Sie legt ihren Arm um ihn - und er sieht sie nun lange an. "Soll das heissen, dass du sogar Aids heilen könntest?" - "Wundert dich das noch?" fragt sie zurück. "Meine Heilkräfte reichen nicht für die ganze Menschheit. Aber für dich würde es schon genügen!" - "Na dann... würdest du mir bitte helfen?" Er drückt sich an sie und fühlt sich irgendwie immer noch schuldig, dass er sie überhaupt darum bittet. Bestimmt gäbe es Leute, die diese Gnade mehr verdienen würden als er... - aber Iris unterbricht diese Gedanken mit einem Kuss. Es artet aus zu einem jener intensiven Küsse, bei denen er nicht mehr so recht weiss, wo er aufhört und Iris anfängt, und so kann sie ihn in aller Ruhe sanft beissen, ohne dass es ihm besonders auffallen würde, bis er den Blutgeschmack in seinem Mund bemerkt... doch das ist ihm auch egal...
... und wenig später rutschen sie beide von der Couch herunter auf den flauschigen Teppich...
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"Was war denn HIV?!" - "Das Human-Immunschwäche-Virus oder wie auch immer man es genannt hat. AIDS." - "Ach so! Wer hat diese Seuche schon wieder erfunden und in Umlauf gebracht?" - "Ach, Jaella, darüber scheiden sich noch heute die Geister..."
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Die nicht ganz unbegründete Vermutung, dass die Machenschaften des Konsortiums nicht nur für Scully's Pest (Krebs! korrigiert sich Iris in Gedanken zum wiederholten Male. In dieser Variante war es Krebs!), sondern auch für Alexei's HIV verantwortlich waren, machen Iris nur noch um so entschlossener, diesen alten Säcken nun mal langsam aber sicher die Hölle heiss und schliesslich die ganze Verschwörung unschädlich zu machen. Irgendwie.
Das mit der Security-Firma hat zwar jetzt nicht hingehauen, weil die Alex nach dem Arztbesuch natürlich nie und nimmer einstellen würden - wobei sie jedoch sicherheitshalber Alex' Bewerbung und die Tests aus den Akten der Firma wie des Arztes verschwinden liess - aber sie macht sich darum keine allzu grossen Sorgen, denn viele Wege führen nach Rom...
Iris kann sogar ein paar Dämonen für den Feldzug gegen das Alien-Konsortium gewinnen, indem sie ihnen klar macht, dass es für sie hier sehr viel weniger lustig werden würde, sollte die Erde plötzlich von so komischen Aliens beherrscht werden...
Nicht nur der gestaltwandelnde Kopfgeldjäger wird daraufhin von ein paar Dämonen buchstäblich zerfetzt, von denen es wohl einige ziemlich drollig finden, als überirdische (oder auch unterirdische) Mächte gegen ausserirdische Mächte zu kämpfen.
Zuweilen kommt sich sogar schon Alex vor wie im falschen Film, wenn sie ihm davon erzählt, und er nennt es KRIEG DER MONSTER und fragt sich, ob sie da wohl den Teufel mit dem Beelzebub austreiben; aber Iris erinnert ihn daran, dass die einheimischen Dämonen weit weniger auf der Erde rumpfuschen, als es diese Aliens tun würden, wenn sie den Planeten kolonisieren wollen. Auch wieder wahr. Und überdies erklärt sie ihm lächelnd, dass es durchaus auch wirklich ganz nette Dämonen gäbe, die keineswegs nur irgendwelche blutgierigen Bestien sind...
Tja, Mulder und Scully würden die Verschwörung ja vielleicht gerne aufdecken und Beweise vorlegen können - doch Iris und ihre Freunde lassen irgendwelche Aliens mitsamt allen Beweisen doch lieber gleich in Flammen aufgehen.
Iris' Mission, um die Erde zu einem besseren Ort zu machen und dabei natürlich auch vor den Aliens zu retten, ist durch Alexei jetzt irgendwie doch noch ziemlich persönlich geworden. C'est la vie!
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"Iris hat es wirklich geschafft, sogar Irdische Dämonen für ihren Kampf gegen die Ausserirdische Bedrohung zu gewinnen? Na dann wird mir ja einiges klar..." - "Genau, Jaella, Ihr sagt es!" - "Und was hat sie denn sonst noch so getrieben? Ich meine, ausser sich mit ihrem angeblichen Ehemann im Bett oder sonstwo zu amüsieren..."
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"Special Agent Iris Sinclair", stellt sie sich vor und hält Alex einen FBI-Ausweis unter die Nase, den er sofort mit Kennerblick untersucht. "Sieht verdammt echt aus, gelle?" Sie grinst breit und schnappt sich dann den Ausweis wieder. Er hat dabei zugesehen, wie sie sich ihre FBI-Klamotten angezogen und ihre Haare zu einem Knoten hochgesteckt hat, und doch findet er es verblüffend, wie sie sich vor seinen Augen in eine Graue Maus verwandelt hat. Und jetzt noch dieser Ausweis. Direkt beängstigend. "Ich sollte dich begleiten!" fängt er wieder an. "Ich war schon mal beim FBI und kenne mich da aus! Bitte, Iris! Ausserdem ermitteln FBI-Agenten höchst selten alleine, du würdest da auffallen wie ein bunter Hund!"
Na ja, natürlich bindet sie ihm nicht auf die Nase, dass sie sich schon mehr als einmal ganz alleine als Special Agent Iris Sinclair herumtrieb und kein Schwein von ihr Notiz genommen hat. Sie lächelt nur und hält ihm dann einen zweiten Ausweis unter die Nase, den sein Konterfei ziert. "Was Sie nicht sagen, Special Agent Alexander Sinclair!" meint sie in betont geschäftlichem Ton - worauf er ihr erst den Ausweis aus der Hand reisst und ihr danach um den Hals fällt.
Auweia, in den ach so modernen Zeiten ist es immer schwieriger geworden und komplizierter mit dem ganzen Papierkrieg. Was Iris da nicht alles hat fälschen müssen, damit sie als Mensch unter Menschen auch tatsächlich allem standhalten würde, selbst einer Steuerprüfung! In früheren Zeiten reichte es für gewöhnlich, einem wenn nötig irgendein offiziell aussehendes Papier unter die Nase zu halten, aber heutzutage wird ja alles in minutenschnelle im Computer überprüft und wehe wenn's da irgendwelche Ungereimtheiten gibt... Aber Iris kennt sich mit sowas aus, schliesslich hat sie ihre Ausweise vom CIA oder FBI nicht einfach im Lotto gewonnen, sondern kennt alle möglichen Ermittlungen und Überprüfungen in- und auswendig.

[IN EINEM LAGERHAUS AM RANDE VON WASHINGTON - KURZ NACH MITTAG]
"Das da vorne sind Mulder und Scully..." flüstert er verschwörerisch und scheint es plötzlich für doch so keine gute Idee zu halten, dass er mit Iris hierher gekommen ist, denn er hätte sich doch eigentlich denken können, dass dies ein Fall für die X-Akten ist. Iris hätte sich das eigentlich auch denken können... weiss sie denn nicht... "Die hab ich schon mal getroffen!" - "Lächle, Schätzchen, lächle!" flüstert sie ihm zu und scheint nicht im mindesten beunruhigt. "Sie werden dich nicht wiedererkennen!" - Sein Herz schlägt wie wild, doch er bemüht sich um Gelassenheit. Er will Iris vertrauen, sie weiss schon, was sie tut!
Mulder und Scully sehen etwas überrascht auf, als der Mann und die Frau näher kommen. Die beiden sind so auffällig unauffällig, dass sie geradesogut FBI auf ihre Stirn tätowiert haben könnten. Mulder fragt sich plötzlich, ob er und Scully eigentlich auch so einen Eindruck machen... und er ist etwas überrascht, dass sich beide mit dem Namen Sinclair vorstellen. Seine unausgesprochene Frage ist wohl unschwer zu erraten, denn die Frau grinst ihn daraufhin an und wedelt kurz mit ihrer linken Hand herum, um ihren goldenen Ehering vorzuführen: "Ja, wir sind wirklich verheiratet! Nennen Sie mich Iris, sonst gibt's immer so ein Durcheinander..." Sie wechselt einen Blick mit ihrem Partner und seufzt leicht entnervt. "Wenn wir allerdings gewusst hätten, dass wir dann ständig angestarrt werden, als wäre uns ein zweiter Kopf gewachsen, hätten wir das vielleicht gelassen!"
In der Tat starrt Scully die beiden an, als wären sie Ausstellungsstücke im Kuriositätenkabinett. Weil sie sich plötzlich vorzustellen versucht, sie und Mulder würden als Ehepaar ermitteln?! Ein seltsamer Gedanke, den sie aber lieber schnell wieder verscheuchen will, denn sie will sich jetzt nicht ablenken lassen.
"Und was wollen Sie hier?" erkundigt sich Mulder misstrauisch - und Iris kann aus seiner Stimme heraushören, dass er wohl mal wieder Angst um seine X-Akten hat. Wäre er ein wildes Tier, würde er jetzt wohl schnell in jede Ecke urinieren, um sein Revier zu markieren. Himmeldonnerwetter! Von ihr aus könnte er sich seine blöden X-Akten wirklich sonst wohin stecken, denn was macht es für einen Unterschied, ob da irgendwo in einem Kellerbüro des FBI ein Fox 'Spooky' Mulder sitzt, der vielleicht die Wahrheit ahnt, wenn die Wahrheit über irgendwelche seltsame Phänomene doch sonst niemanden kümmert (oder überhaupt was angeht), ausser natürlich seine Partnerin, die treue Dana Scully... Ausserdem geht's jetzt hier nicht bloss um die Wahrheit, sondern darum, die Erde zu retten, also so irgendwie, gewissermassen... Iris beugt sich also etwas runter und betrachtet die Leiche des Professors, der aussieht, als hätte ihm jemand versucht den Kopf abzureissen. "Das ist der Kerl!" meint sie nur und sagt zu ihrem angeblichen Ehemann: "Alexei, ich hab dir ja gleich gesagt, dass man ihm dafür den Kopf abreissen wird!" Sie klingt dabei leicht triumphierend, als hätte sie eine Wette gewonnen. "Na ja, mit der Ausführung hat's wohl etwas gehapert, aber was soll's." fügt sie fast entschuldigend hinzu und steht wieder auf. Dann wendet sie sich an Mulder, der immer noch wissen will, was sie eigentlich hier wollen: "Keine Sorge, wir sind gleich wieder weg! Wir wollen Sie auch gar nicht bei Ihren Ermittlungen stören!" Und tatsächlich wendet sie sich zum gehen und spaziert mit ihrem Partner davon.
Mulder und Scully wechseln einen irritierten Blick, dann läuft Mulder den beiden hinterher, um sie zurückzuholen. Wo gibt's denn sowas: Erst reinspazieren, komische Andeutungen machen und dann einfach ohne eine Erklärung wieder verschwinden?!
Iris muss lächeln, als sie zurückgeholt werden.
Alexander Sinclair erklärt nebenbei schulterzuckend, dass Iris ein gutes Auge hätte und er sich im allgemeinen auf ihre Intuition verlassen könne blablabla etc.pp. - und Mulder erklärt daraufhin, dass seine Partnerin sich nicht damit zufrieden gibt, nur einen Blick auf eine Leiche zu werfen, denn sie würde als Ärztin und Pathologin lieber noch dran rumschnippeln.
Iris und Scully, die sich nun zusammen die Leiche noch mal gründlich ansehen, werfen sich währenddessen so manch einen verständnisvollen Blick zu, während sie sich wohl des Eindrucks nicht erwehren können, dass die Männer gerade wie in einem irrwitzigen Revierkampf dabei sind, sich gegenseitig übertrumpfen zu wollen, nur dass es hier nicht um die Grösse des Geweihs oder die Länge der Reisszähne geht (ja noch nicht mal um die Länge ihrer Schwänze), sondern darum, wer die 'bessere' Partnerin hat. Irgendwie richtig drollig. - Als Alex dann schliesslich fast schon verzweifelt damit auftrumpft: "Aber ich bin mit meiner Partnerin verheiratet und darf sie jederzeit küssen!" - ist Mulder endlich still, wobei er Scully flüchtig einen sehnsüchtigen Blick zuwirft.
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[ABENDS IN EINEM RESTAURANT IN WASHINGTON]
Die beiden Sinclairs geben wirklich ein schönes Paar ab und sind ganz offensichtlich ein eingespieltes Team, wobei ihre Intuition wohl die treibende Kraft zu sein scheint; und Special Agent Alexander Sinclair unterstützt Iris augenscheinlich, wo er nur kann, ohne ständig erst noch alles in Zweifel zu ziehen. Es ist nett, wie sie miteinander umgehen. Wie er sie Iris nennt und sie ihn Alexei. Sie schäkern sogar ein Bisschen auf Russisch miteinander, was sich wirklich hocherotisch anhört. Offiziell beherrscht Iris übrigens auch Spanisch, Italienisch und Französisch, wie sie beiläufig erwähnt... wobei es wegen dem 'Französisch' schon einige anzügliche Bemerkungen gegeben habe, weshalb sie dann schliesslich auch ausgerechnet Russisch zu ihrer 'Sprache der Liebe' erkoren und mit ihrem Mann einen Russisch-Kurs besucht hat und ihn seitdem Alexei nennt. Zwar knutschen sie nicht in aller Öffentlichkeit rum, doch irgendwie sieht man ihnen die Leidenschaft an, die sie füreinander empfinden - und Mulder kann sich gut vorstellen, dass es abends bei ihnen hoch hergeht. Beneidenswert! Er wünschte sich wirklich, sein Verhältnis zu seiner Partnerin hätte sich auch mal in diese Richtung entwickelt, doch irgendwie scheint er mit Scully über Gute Freundschaft nicht herauszukommen, als hätte sich das Schicksal verschworen. Verdammte Wespen! Verdammte Telefone oder sonstige Störungen, die ständig dazwischenfunken... Sicher, er liebt Dana Katherine Scully. Leider nur rein platonisch. Fast, aber nur fast, hätte er sie mal geküsst, richtig geküsst... aber seitdem reden sie nicht mehr davon, dabei wünschte er sich... na ja, vielleicht sollte er mit ihr auch mal einen Russisch-Kurs besuchen?
Iris ist recht gross; würde sie hohe Absätze tragen, wäre sie wohl etwas grösser als ihr Mann, doch so passen sie wunderbar zusammen und müssen sich beim Küssen nicht den Hals verrenken... Ein wirklich hübsches Pärchen! gibt auch Scully zu, die die beiden irgendwie beneidet, wie sie nun im Restaurant dicht beieinander auf der Bank sitzen, während sie und Mulder sich die Stühle genommen haben und wie üblich einen imaginären Sicherheitsabstand einhalten. Als würden sie einfach nur noch wie wilde Tiere übereinander herfallen können, wenn dieser Sicherheitsabstand mal einfach so durchbrochen wird, ohne dass einer von ihnen gerade unter Schock steht oder in sonst wie total unerotischer Manier getröstet werden muss... Wie haben es wohl die Sinclairs geschafft, aus ihrer beruflichen Beziehung sogar eine Ehe zu machen; und das auch noch, obwohl die geschriebenen und ungeschriebenen FBI-Regeln Liebesbeziehungen unter Agenten eigentlich gar nicht gerne mögen? Und warum schaffen sie und der gute alte Fox William Mulder das eigentlich nicht, denn an irgendwelchen Regeln kann's ja wohl nicht liegen, so oft sie sich schon in anderen Belangen darüber hinweggesetzt haben, oder?!
Man merkt schon, dass sie allesamt ziemlich abgebrüht sind, weil sie sich grauslige Tatortfotos ansehen und darüber diskutieren können, ohne dass ihnen dabei der Appetit vergeht. Der tote Professor war auch in Los Angeles aktiv und soll angeblich in krumme Geschäfte verwickelt gewesen sein. Unbekümmert erzählt Iris, dass es sie gar nicht wundern würde, wenn der Kerl mit Genetischem Alien-Material herumgespielt hätte oder sowas in der Art.
Sobald Iris jetzt endlich das Zauberwort ALIEN erwähnt hat, herrscht eine Weile Schweigen, während sie förmlich sehen kann, wie sich die Gedanken überschlagen. Na los, kommt schon Leute! flüstert sie in Gedanken. Wie wär's mal mit etwas Vertrauen?
"Glauben Sie etwa an Aliens?" erkundigt sich Mulder schliesslich in möglichst unverfänglichem Plauderton. - "Stellt mir tatsächlich Spooky Mulder diese Frage?" erwidert Iris lächelnd, womit spätestens jetzt klar sein muss, dass Special Agent Sinclair wohl schon einiges über seinen Ruf gehört haben muss. "Es gibt noch viel zwischen Himmel und Erde, dass sich die Schulweisheit nicht träumen lässt... Und ich habe schon zuviel gesehen, als dass ich dabei nur an Zufälle glauben würde." - "Ach, wirklich..." meint nun Scully und weiss nicht so recht, was sie davon halten soll. Irgendwie wundert es sie nicht, dass Iris mit ihrer Intuition ein Faible für alles Übernatürliche hat; obwohl sie sogar selbst sagt, dass es bei all den Menschlichen Monstern und Verrückten heutzutage wohl schwierig sein dürfte, mal auf echte Vampire, Werwölfe oder sonstige Dämonen zu stossen oder die dann überhaupt zu erkennen... aber dass sich eine Frau, die kleine Pentagramme als Ohrringe trägt, auch noch für Aliens interessiert... na ja, warum eigentlich nicht? Iris ist gar keine so graue Maus, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Nachdem sie im Restaurant nicht nur ihren Mantel, sondern auch erst einmal ihre Jacke abgelegt hat, ist darunter eine weite Bluse in blau-violettem Hippie-Batik-Look zum Vorschein gekommen. Und als sie wenig später die obersten Knöpfe aufmacht, wird eine Halskette sichtbar. Scully trägt ein Kreuz um den Hals. Iris ein Ankh-Zeichen, das altägyptische Symbol für Leben. "Und was haben Sie denn alles schon so gesehen?" - Nun, das würde Mulder allerdings auch interessieren, deshalb starrt er Iris auffordernd an, während ihr Mann sich nur gemütlich zurücklehnt, weil er wahrscheinlich die Geschichten schon auswendig kennt. "Na? Erzählen Sie doch mal!" - "Na ich habe beispielsweise auch schon mal ein paar Ihrer Berichte gelesen!" erklärt Iris prompt und grinst breit. "Aber ich hab auch schon selbst Leute getroffen, die von UFOs entführt wurden und mit denen man Experimente angestellt hat. Wobei ich mich frage, ob das wohl wirklich Aliens waren..." Sie sieht sich kurz um und flüstert in verschwörerischem Ton: "Eigentlich halte ich es für viel wahrscheinlicher, dass Menschen bei diesen Machenschaften ihre Finger mit drin haben, und dass wohl auch ein Teil unseres Regierungsapparates in diese Verschwörung verwickelt ist. Area 51 etc.pp. na Sie wissen schon..."
Ehe sie es sich versehen, hauen sich Mulder und Iris nun gegenseitig irgendwelche Verschwörungstheorien um die Ohren, wobei aber letztlich nicht eindeutig klar wird, ob Iris das ganze oft auch absurde Zeugs einfach nur interessant und unterhaltsam findet, oder ob sie so etwas tatsächlich auch für möglich hält. Wie sich herausstellt, sind ihr sogar die Lone Gunmen ein Begriff, ebenso wie deren wilde Vermutungen...
Nach einiger Zeit sieht Scully dann Special Agent Alexander Sinclair an, der seiner wild gestikulierenden Frau liebevoll seinen Arm um die Taille gelegt hat, als wollte er sie auf der Erde festhalten, damit sie nicht plötzlich vom nächsten UFO weggebeamt wird. Alexei ist ein attraktiver Mann mit wunderschönen grünen Augen... und Scully fragt sich einen Moment lang, ob Iris ihn wohl aufgrund seiner Augenfarbe ausgesucht hat, zuzutrauen wäre ihr sowas wohl durchaus. Sie erkundigt sich schliesslich bei ihm: "Und wie stehen Sie eigentlich dazu?" - "Zu Aliens?" vergewissert sich Alex lächelnd. "Na ja, es wäre mir lieb, wenn sich mal irgendwas beweisen liesse. Wenn es allerdings so ist, wie wir vermuten, dann würden irgendwelche Beweise sicher ziemlich schnell verschwinden... Aber da können Sie ja wohl selbst ein Lied von singen, oder?"
Wie wahr, wie wahr... "Ist Ihnen eigentlich schon mal der Gedanke gekommen, zu den X-Akten zu wechseln?" fragt Mulder nun - was Iris ein leises Kichern entlockt. "Ja, durchaus. Aber dann ziehen wir es doch lieber vor, nicht in die Schusslinie irgendwelcher Verschwörungen zu geraten, wenn es sich vermeiden lässt. Deshalb gehen wir solchen Sachen allenfalls in unserer Freizeit nach..." - "Soll das heissen, Ihre Vorgesetzten in Los Angeles wissen gar nicht, dass Sie hier sind?" - "Wir haben Urlaub!" erklärt Alex schlicht. - "Und da fliegen Sie einfach in der Gegend rum, um sich einen toten Professor anzusehen? Haben Sie vielleicht im Lotto gewonnen?" Scully ist wirklich etwas verblüfft, denn so gut verdient man jetzt auch wieder nicht beim FBI, dass man sich so ein teures Hobby lange leisten könnte. - "Ich bin von Haus aus reich. Na ja, nicht so richtig stinkreich, aber reich genug." Iris klingt fast so als müsste sie sich für ihren Reichtum entschuldigen. - "Und warum arbeiten Sie da überhaupt noch?" - "Weil ich es liebe, Leute damit zu erschrecken, dass ich mich als Special Agent vom FBI vorstelle?" Iris lächelt. Und wenn sie lächelt sieht sie gar nicht aus wie eine Graue Maus, das weiss sie genau. "Nein, im Ernst, ich habe nicht die ganze Ausbildung gemacht, damit ich dann alles hinschmeisse, nur weil ich geerbt habe. Ausserdem komme ich beim FBI noch eher an interessante Informationen... und ganz nebenbei können wir ja auch gelegentlich ein paar Leute aus der Hand von Geiselnehmern befreien und sowas in der Art! Allerdings arbeiten wir seitdem nur noch Teilzeit, so dass wir also genug Freizeit haben..." Sie lächelt verschwörerisch.
Äusserst sympathisch! findet Mulder. Fast zu schön, um wahr zu sein! Warum haben sie denn diese netten jungen Leute nicht schon früher kennen gelernt?!
Irgendwann ist es so spät, dass das Lokal geschlossen wird... und so stehen die vier wenig später vor der Tür. Es nieselt leicht und alle schlagen wie auf Kommando die Kragen ihrer Mäntel hoch. "Was jetzt?" spricht Iris es schliesslich aus. - "Eigentlich bin ich noch gar nicht müde..." lässt sich Mulder vernehmen und sieht Scully fragend an, die zustimmend nickt. "Gehen wir noch wohin?" - "Ist denn hier um die Zeit noch irgendwo was los?" erkundigt sich Iris. "Sonst könnten wir auch in unser Hotel gehen. Wir haben eine Suite im Palace."
[PALACE-HOTEL IN WASHINGTON]
Wow, eine Suite im Palace, Iris muss wirklich reich sein... und tatsächlich ist die Suite grösser als die Wohnungen von Mulder und Scully zusammen. Es gibt in der Bar eine reichhaltige Auswahl an alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken und Couch wie Sessel sind sehr bequem.
Wieder werden die Tatortfotos und Bilder vom toten Professor herumgereicht und spekuliert, wer dem Mann wohl beinahe den Kopf abgerissen haben könnte. Scully hat am Nachmittag eine Autopsie durchgeführt, die Laborberichte stehen aber noch aus.
Irgendwann ist es schon so spät, dass sich die Frage stellt, ob Mulder und Scully nicht gleich hier übernachten wollen... und so artet das ganze dann fast in so eine Art Pyjama-Party aus. Und nur einen kurzen Moment lang kommt es Mulder seltsam vor, dass er und Scully jetzt hier mit zwei Leuten, die sie heute erst kennen gelernt haben, in einem Hotelbademantel auf Decken und Kissen am Boden sitzen/liegen und über Monster und Verschwörungen tratschen. Er fragt sich eher, wieso er eigentlich nicht schon früher auf so eine Idee gekommen ist, denn seine Partnerin sieht in dem grossen T-Shirt von Iris, das ihr bis zu den Knien reicht, wirklich zum knutschen aus, auch wenn sie nun noch einen langen Bademantel darüber trägt, der ihre Figur wieder gut verbirgt.
Durch die Decken und Kissen am Boden und die Kerzen, die Iris angezündet hat, kommt sich Scully fast vor wie im Orient. Das Nachthemd, das Iris ihr gegeben hat, ist sehr weich auf der Haut und duftet nach Frühling... eigentlich hat sie unter so kuscheligen Umständen gar keine Lust mehr, sich mit Monstern herumzuschlagen, wo sie auch immer herkommen mögen. Mal ein Abend ohne Verschwörungen und dergleichen, ist das denn wirklich zuviel verlangt? Die beiden hier sind doch so nett und sympathisch, mit denen kann man sich doch sicher auch über angenehmere Dinge unterhalten... "Wie haben Sie sich eigentlich kennen gelernt?" erkundigt sie sich plötzlich und nippt an ihrem Wein.
Iris und Alex, die sich eng aneinandergekuschelt haben, werfen sich kurz einen wissenden Blick zu und lächeln. "Er wurde mir als Partner zugeteilt, damit er mir auf die Finger sieht..." Sie nimmt seine Hand. "Denn aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen schienen die Bosse nicht viel von Intuition zu halten und fanden es wohl eher suspekt, dass ich ein paar Mal gut geraten habe..." - Warum kommt das Mulder nur so bekannt vor? "Und dann?" erkundigt er sich weiter. - "Ich habe ihr auf die Finger gesehen... und mich verliebt." erklärt nun Alex. "Obwohl mich mein Chef eindringlich gewarnt hatte, ich solle ja die Finger von ihr lassen, denn die Dame wäre aus gutem Hause und er wolle keine Klage wegen sexueller Belästigung auf seinem Schreibtisch haben." - "Hört, hört!" Iris kichert. "Dabei habe ich damit angefangen und ihm gelegentlich einen Klaps auf den Hintern gegeben..." Und auch jetzt ruht ihre Hand auf seinem Hintern. "Schon vom ersten Tag an fand ich ihn süss und schnuckelig... aber je besser wir uns kennen lernten, desto klarer wurde auch, dass wir eigentlich auf einer Wellenlänge liegen, und ich mochte ihn immer mehr." - "Und dann?" fragt Scully weiter, die endlich hören will, wie es zwischen den beiden zum entscheidenden Schritt gekommen ist. - Alex lächelt bei der Erinnerung genüsslich: "Tja, nachdem mich Iris erst mal geküsst hat, konnte ich meine Finger beim besten Willen nicht mehr von ihr lassen..."
Moment, nicht so schnell! stöhnt Scully innerlich auf. Sie würde doch zu gerne wissen, wie es überhaupt zu dem Kuss gekommen ist. Allerdings kommt sie sich auch etwas blöd vor, danach zu fragen... - doch Iris klärt sie auch ungefragt gerne auf. "Ach, wisst ihr, das war wirklich lustig. So nach fast einem halben Jahr bin ich also langsam zum Schluss gekommen, dass ich den Kerl jetzt unbedingt haben müsste, weil ich mir sonst selbst vor Ärger in den Hintern beissen würde, wenn ihn mir etwa noch eine andere vor der Nase wegschnappt. Mein Alexei ist nämlich ein richtiger Schwerenöter gewesen..." - "Ist ja gar nicht wahr!" protestiert Alex sofort. - "Du hast aber so ausgesehen, Schätzchen, und es waren viele scharf auf dich! Und das hat sich eigentlich nicht gross geändert..." Sie drückt ihm einen flüchtigen Kuss auf den Mund. "Na jedenfalls hab ich es so eingerichtet, dass es mal ganz spät geworden ist und nur noch ein Doppelzimmer frei war. Und dann hab ich ihm einen Gute-Nacht-Kuss gegeben, der irgendwie etwas ausgeartet ist..." - "Einfach so?" - "Na ja, warum nicht? Ich hab ja gewusst, dass er auf mich steht." - "Intuition?" - "Ja, das auch... ausserdem war es manchmal nicht zu übersehen, dass er mich geil fand..." erklärt Iris leutselig - während Alex nun knallrot anläuft.
Huch, warum ist es hier auf einmal so heiss? Scully überlegt sich, dass sie mit ihrem Partner ja schon einiges durchgemacht hat... aber warum sind sie eigentlich noch nie auf die Idee gekommen, sich einfach mal ein Hotelzimmer zu teilen, wenn sie unterwegs waren, und sich dann auch noch einen Gute-Nacht-Kuss zu geben? Allerdings ist sie gar nicht so sicher, was Mulder's Gefühle betrifft, auch wenn er ihr schon mal gesagt hat, er würde sie lieben, als er high war. Mulder hat ihr schon viele nette Dinge gesagt, dass sie noch der einzige Halt in seinem Leben wäre und noch eine ganze Menge anderen pathetischen Unsinn, aber dabei hat er es dann immer belassen. In vielen Dingen mag er ja brillant sein, doch in manchen Dingen stellt er sich an wie der letzte Idiot und ist sowieso ein totaler Komplexhaufen... Würde ihr Partner sich vielleicht auch so darüber freuen wie Alexei oder eher vor Schreck einen Salto rückwärts machen, wenn sie einfach mal sowas abziehen würde wie Iris? Sie wünschte manchmal, sie hätte auch etwas mehr Intuition. Sie wünschte sich manchmal, sie könnte auch einfach glauben, so wie Mulder... Und ihr kommt der Gedanke, dass Iris und Mulder doch eigentlich perfekt zusammenpassen würden: beide auf in gewissen Bereichen brillant und andererseits auch ziemlich chaotisch, beide mit photografischem Gedächtnis, beide haben irgendwie unorthodoxe Methoden und gelten als verrückt oder zumindest ziemlich seltsam und zudem sind beide auch noch unverschämt attraktiv... Zum Glück ist Iris bereits verheiratet! Allerdings würde sie ihr durchaus zutrauen, dass sie für "Freie Liebe" ist und es mit "Treue" nicht so genau nimmt, obwohl sie und Alexei unzertrennlich wirken.
Irgendwann fallen Scully die Augen zu... und auch Alex schläft in Iris' Armen ein. Schliesslich stellt sich auch Iris schlafend, weil Mulder aufgrund seiner leicht paranoiden Art einfach nicht einschlafen kann, solange jemand anders noch wach ist, zumal er ja sowieso unter Schlaflosigkeit leidet. Aber nach fünf Minuten ist er dann auch im Land der Träume...
... und Iris kann ihre Augen wieder aufmachen.
Okeee... sie werden also mit Mulder und Scully inoffiziell zusammenarbeiten, soweit sind sie schon mal gekommen. Dann muss man nur noch die richtigen Spuren verfolgen und damit kommt man dem Konsortium immer mehr auf die Fersen, bis es dann irgendwann irgendwie zusammenfällt wie ein Kartenhaus. Bei aller Sympathie würde sie aber Mulder, geschweige denn Scully, lieber nicht erzählen, dass sie schon alles mögliche weiss und keineswegs so harmlos ist; dass sie kein normaler Mensch ist, nicht nur über Intuition, sondern auch über Magische Kräfte verfügt; oder dass sie sogar mit Dämonen unter einer Decke steckt... Sonst kommt er vielleicht in dieser Variante vor lauter Schreck auch noch auf die Idee, mit Silberkugeln auf sie zu schiessen oder sie mit einem Holzpflock pfählen zu wollen! Oder vielleicht würde dieser Mulder hier es ja sogar zu schätzen wissen, eine Hexe als Verbündete zu haben?
Am nächsten Morgen bestellt Iris beim Zimmerservice gleich mal ein reichhaltiges Frühstück und die FBI-Agenten lassen es sich gerne schmecken.
Danach verschwinden Iris und Alexei gemeinsam im Badezimmer...
... und man hört lange die Dusche plätschern, sehr lange, verdächtig lange. Mulder und Scully werfen sich einen vielsagenden Blick zu und denken wohl beide das gleiche, da sie gleichzeitig verlegen ihre Blicke senken und ihren Blick von der Tür des Badezimmers abwenden. Verdammt, die Sinclairs sind verheiratet und können morgens unter der Dusche soviel Sex haben, wie sie wollen!
Als die Sinclairs händchenhaltend aus dem Badezimmer kommen, lächeln sie verschmitzt. Mulder und Scully brauchen nicht so lange, obwohl sie selbstverständlich (Leider?!) nicht miteinander, sondern nacheinander im Bad verschwinden.
Als alle wieder frisch und fertig angezogen sind, gehen sie zusammen los.
Es ist schon erstaunlich, wie sich so viele verschiedene Wesen einen Planeten teilen können, ohne etwas voneinander zu wissen oder auch nur zu ahnen. Und damit sind keineswegs nur unentdeckte Tier- und Pflanzenarten gemeint, die womöglich Gefahr laufen, schon ausgerottet zu werden, noch bevor überhaupt offiziell entdeckt sind...
Es gibt unter den Menschen beispielsweise so viele verschiedene lustige Grüppchen bis hin zu grossen Organisationen, die teilweise im Grunde sogar auf der selben Seite stehen und vielleicht trotzdem sogar unwissentlich gegeneinander arbeiten, nur weil sie nichts voneinander wissen, weil ja schliesslich alles so schrecklich geheim ist. Und so manche Menschen würden wohl sowieso ziemlich blöde gucken, wenn sie es da auch noch mit Magischem Zeugs, Hexen, Unsterblichen, Werwölfen, Vampiren, Dämonen oder auch nur irgendwelchen Poltergeistern zu tun bekämen.
So wie auch nicht wenige Dämonische Gestalten recht dumm geguckt haben, als ihnen da plötzlich was von irgendwelchen komischen Aliens erzählt worden ist, denn um sowas haben sich bislang die wenigsten gekümmert oder überhaupt Gedanken gemacht.
Wie auch immer.
Nicht auszudenken, wenn dem Konsortium beispielsweise mal durch Zufall ein Unsterblicher der einen oder anderen Sorte ins Netz gegangen wäre, an dem sie Experimente hätten durchführen können, um Alien-Mensch-Hybriden zu schaffen oder sowas in der Art... oder wenn die sich womöglich mit dieser ulkigen Initiative, die 'Subterraner' jagt, oder sonstigen militärischen und zivilen verrückten Wissenschaftlern zusammengetan hätten, um neue Monster zu kreieren...
Welch schauderhafte Vorstellung!
Iris hat mit ihren Tipps in gewissen Kreisen jedenfalls gewissermassen den Irdischen Widerstand organisiert - und irgendwie ist es doch drollig, dass Dämonen für die Menschen kämpfen... und sei es auch nur, weil sie sich ihre Futterquellen nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Aliens verderben lassen wollen.
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"Eigentlich fast schade, dass es in der Amayra-Variante niemals zu einer solchen Allianz auf Terra kam... so eine Front gegen den Dritten Weltkrieg wäre doch ganz nett gewesen, zumal die Erde ja eigentlich ein sehr schöner Planet war, wie ich mir hab sagen lassen." - "Stimmt, Jaella. Doch wie das Leben eben so spielt, war der Dritte Weltkrieg hier nun mal Schicksal. Eigentlich ein Wunder, dass sich die Terraner trotzdem wie die Karnickel vermehrt haben und wie die Heuschrecken über die Galaxis hergefallen sind, obwohl sie sich noch kurz davor ihren Heimatplaneten praktisch unbewohnbar machten und sich selbst fast ausgelöscht hätten." - "Ich habe gehört, inzwischen könnte die Erde wieder von Menschen bewohnt werden." - "Tja, könnte... Aber irgendwie traut sich niemand so recht."
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Hoppla, das ging ja schneller, als sie dachte! Die Aliens sind weg. Zumindest haben sich allfällige Kolonisierungspläne in Rauch aufgelöst und die Raumschiffe, die noch auf der Erde waren, sind bei Nacht und Nebel davongeflogen. Höchstens noch ein paar Irre und diverses Material sind auf der Erde geblieben. Und das Konsortium... oder das, was von der Verschwörung noch übrig ist.
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"Wie kommt es eigentlich, dass ich früher noch nie von diesem Konsortium und dem ganzen Brimborium gehört habe?" - "Ganz einfach, Jaella. Weil es in unserer Amayra-Variante nie in die Geschichte eingegangen ist." - "Na schön, so war das also... Und wo ist Iris nach dieser Mission hier hingegangen?" - "Oh, sie ist noch geblieben." - "Warum?!" - "Na ja, warum nicht?!"
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"Du meinst also, wir haben gewonnen? Einfach so?!" vergewissert sich Alex leicht verwirrt, als sie ihm plötzlich aus heiterem Himmel diese erfreuliche Mitteilung macht, während sie nachts im Bett liegen. Zuvor hat sie ungefähr eine Stunde lang völlig regungslos mit violett flackernden Augen die Decke angestarrt bzw. den grossen Spiegel, den sie übers Bett gehängt hat. Eigentlich war sie wohl jenseits der Spiegel... Er hat sie noch niemals wirklich schlafen gesehen; aber will er wirklich so genau wissen, was sie alles tut, während er schläft? "Aber weswegen sind sie einfach so weg? Sie wären uns doch technisch haushoch überlegen?!"
"Tja, wie soll ich sagen..." Einerseits waren die Aliens hier eigentlich gar nicht so böse und hatten im Grunde nie vor, die Erde wirklich zu erobern. Sie wollten die Menschen studieren blablabla etc.pp.
"Also ich weiss gar nicht warum eigentlich, aber meines Wissens
ist von allen Hinterwäldler-Planeten die Erde
weitaus am häufigsten von ausserhalb besucht worden!"
Calinca dell'Jedda
(die Malgarische Botschafterin von Malga-Siru auf Caprica im Gespräch
mit dem Terranischen Botschafter der Föderation auf Caprica
- natürlich in der Amayra-Variante)
"Irgendwie sind sie wohl zum Schluss gekommen, dass Menschen zu unberechenbar und unzivilisiert sind, weshalb sie vorläufig lieber nichts mehr mit ihnen zu tun haben möchten... aber spätestens, wenn die Menschen interstellare Raumfahrt betreiben, werden sich die Wege wohl wieder kreuzen. Aber bis dahin geht es wohl noch eine Weile!"
Iris ist durchaus klar, dass sie mit ihrem kleinen Feldzug hier womöglich wieder eine neue Variante geschaffen hat; vielleicht schon an dem Tag, als sie Alex Krycek aus dem eisigen See fischte und ihn dann am Leben hielt, wo er hier doch wohl auf die eine oder andere Art sterben sollte. Andererseits... das hier ist doch gewissermassen Iris' höchstpersönliche eigene Variante, warum also sollte sie da nicht tun und lassen, was ihr beliebt?! Ausserdem haben schon in anderen Varianten irgendwelche Aliens ihre tatsächlichen oder angeblichen Invasionspläne warum-auch-immer aufgegeben, auch ohne dass sich eine Ara da extra eingemischt hätte! Oder?! Na wie auch immer: Auf eine Variante mehr oder weniger kommt es ja wohl auch nicht mehr an! Ausserdem sind so manche Varianten auf mysteriöse Weise miteinander verschlungen und verknüpft, also könnte es wirklich geradeso gut auch Schicksal sein, dass sie hierher gekommen ist und genau das getan hat, was sie eben getan hat... Aber eben: am besten denkt sie gar nicht zuviel darüber nach, sonst bekommt sie noch Kopfschmerzen!
"Und was machen wir jetzt?" fragt Alex - und Iris kann die Angst in seiner Stimme hören. Ihm gefällt das Leben an ihrer Seite und er ist auch gerne Special Agent Alexander Sinclair. Er mag es auch, wenn sie mit Mulder und Scully irgendwelche Theorien wälzen, um sie auf die richtigen Spuren zu bringen... Wird das alles vorbei sein, nachdem sie ja nun gewissermassen gegen die Aliens gewonnen haben? Irgendwann wird es bestimmt vorbei sein... doch sie will gerne noch eine Weile bleiben. Schliesslich hat sie alle Zeit der Welt! "Nachdem wir die Welt nun erst mal gerettet haben, sollten wir vielleicht noch etwas die Scherben aufkehren... es treiben sich hier noch einige Gestalten und Dinge rum, die gar nicht hierher gehören. Und wir könnten ja Mulder und Scully bei ihrem Bericht ein Bisschen helfen... Und ausserdem fehlt immer noch der Raucher in unserer Sammlung." - "Wunderbar!" Er knutscht sie ab. "Und ausserdem... irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass du unsere beiden Freunde vom FBI am liebsten richtig verkuppeln würdest..." meint er dann und er weiss, dass sie trotz pechschwarzer Dunkelheit sein verschmitztes Lächeln sehen kann. "Ich habe sie ja früher schon gesehen und habe damals schon gedacht, dass die eigentlich bald schon verlobt und verheiratet sein müssten, so wie sie sich manchmal angesehen haben... aber nix da." - "Ja, ein schwerer Fall!" bestätigt Iris lächelnd. "Aber ich will mich da lieber raushalten. Ein Liebeszauber wäre zu heimtückisch!" Was sie aber nicht daran gehindert hat, in anderen Varianten gelegentlich mal so einen Liebeszauber auszuprobieren; mit wechselndem Erfolg... Na ja! Wieder knutscht sie ihn ab.
Iris hatte noch nie eine so intensive und langandauernde Affaire mit einem Menschen; überhaupt hatte sie noch nie so viel Zeit mit einem Menschen verbracht, denn in der Amayra-Variante ist sie sich schon komisch vorgekommen, wenn sie mal mit jemandem länger als einen Tag zusammen verbracht hat... und mit Alexei steckt sie nun seit drei Monaten praktisch die ganze Zeit zusammen und er kann immer noch nicht genug von ihr kriegen, als sei er regelrecht süchtig nach ihr. Irgendwie gefällt ihr das sogar. Irgendwie mag sie ihn wirklich sehr gerne. Fast schon zu gerne... das unvermeidliche Ende dieser leidenschaftlichen Beziehung, wird ihr wohl schwer fallen, doch daran will sie lieber noch gar nicht denken, sondern einfach den Augenblick geniessen. Carpe diem, quam minimum credula postero!
"Ich liebe dich!" flüstert Alex und kuschelt sich noch enger an sie. Sie ist die unglaublichste Frau, die ihm jemals begegnet ist, egal ob Hexe oder was auch immer. Na ja, oder hat er sich eher in die Hexe als in die Frau verliebt? Sie kann seine Gedanken lesen und weiss somit beispielsweise auch sofort, was ihm besonders gefällt; mit schlafwandlerischer Sicherheit findet sie die erogenen Zonen an seinem Körper, auf dem sie spielen kann, wie auf einem Instrument, um immer wieder die schönsten Melodien zu erzeugen... und wenn er mit ihr zusammen ist, dann beschränkt sich ein Orgasmus nicht nur auf seine Körpermitte, sondern erfasst ihn von den Haarwurzeln bis zu den Zehenspitzen und geht noch weit über Körperliches hinaus. Sowas hat er früher nie erlebt, doch jetzt, wo er es kennengelernt hat, will er nie wieder darauf verzichten. Sie ist pure Energie! Sie ist wunderschön. Und sie schmeckt süss und duftet immer gut... nach Vanille. Überdies sieht sie auch immer topp gepflegt aus, selbst wenn sie sich weder waschen noch die Zähne putzen noch kämmen noch schminken noch sonstwas tun sollte; irgendwie braucht sie sich nur immer kurz zu schütteln und sieht sofort aus, als käme sie direkt aus dem Schönheitssalon, nur dass ihr keine Schminke im Gesicht pappt, die irgendwie abfärben oder eklig schmecken würde, wenn er sie küsst... Na ja, auch wenn das natürlich sehr schön ist, dass Iris von Natur aus immer sauber ist, weil jeglicher Schmutz einfach an ihr abprallt, so freut es ihn doch, wenn sie zusammen mit ihm unter die Dusche geht, obwohl sie es eigentlich nicht nötig hätte. Aber er hat es nötig. Er hat sie nötig, er braucht sie wie die Luft zum Atmen und könnte sich nicht mehr vorstellen, ohne sie zu leben. "Ich liebe dich..." murmelt er weiter. Er hat es ihr inzwischen schon oft gesagt und wird es ihr auch noch oft sagen, während sie ihn dann mit ihren violetten Augen anzusehen pflegt und daraufhin schlicht erwidert: "Ich weiss!"

Übrigens haben Mulder und Scully - nicht zuletzt dank Iris und Alexei - noch alles mögliche über den toten Professor herausgefunden und die seltsamen Experimente, in die er verwickelt war. Allerdings haben sich für die ganzen Experimente kaum verwertbare Beweise finden lassen - na so ein Zufall, dass seine Labors abgefackelt wurden - und der Mörder wurde auch nie gefasst. Der Fall wurde als ungeklärt zu den Akten gelegt. Sowohl Iris wie auch Mulder scheinen jedoch der Meinung zu sein, dass der Mörder kein Mensch war; Alexei hat dazu nur die Schultern gezuckt und genickt... und Scully hat nur geseufzt.
Iris und Alexei sind allerdings in Washington geblieben, weil es hier so nett wäre. Oder sollten sie doch lieber eine Kreuzfahrt machen, Bergsteigen gehen oder sonst irgendwas verrücktes machen? Urlaub haben sie offenbar noch genug...
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"Iris hat also weiterhin als Mensch unter Menschen gelebt? Einfach so?! Als Mrs. Sinclair?! Wie pervers, selbst wenn es nur Tarnung war, einen Mann mehr oder weniger ständig um sich zu haben, und sei er auch noch so schnuckelig, einen sterblichen Menschen... also das ist doch echt krank!" - "Na ja, für sie war es natürlich normal, mit Menschen zu tun zu haben, Jaella, schliesslich ist sie selbst ein Mensch." - "Sie ist eine Amayra-Hexe!" - "Ich bin auch eine Amayra-Hexe und trotzdem bin ich auch immer noch eine Malgara!" - "Ja, aber du hattest als Malgara eben schon zu Lebzeiten sowas wie Ara-Touch und viele Talente, während ja die allermeisten Menschen so schrecklich untalentiert sind! Die würden doch Magie noch nicht mal erkennen, wenn sie eine Elfe in die Nase beisst!" - "Es gibt auch Menschen mit Talent." - "Ja, klar." Ein spöttisches Lächeln huscht über das Gesicht der Fürstin. "Meines Wissens wurden solche doch dann gerne mal als Hexen verbrannt oder in Irrenanstalten eingesperrt, weil die Menschliche Zivilisation sie für geistesgestört oder vom Teufel besessen hielt oder sowas in der Art... Ganz früher mag das ja mal anders gewesen sein, doch dann... na ja, lassen wir das. Erzähl lieber weiter, All'Una!"
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[IN EINEM RESTAURANT IN WASHINGTON]
Manchmal wünscht sich Scully fast, dieses zuweilen fast schon penetrant glückliche FBI-Pärchen würde möglichst schnell wieder verschwinden. Nicht nur deshalb, weil sie sich in diesem Quartett mit ihrer rationalen Art schon selbst fast wie ein Alien vorkommt, sondern vor allem auch darum, weil die beiden Sinclairs ihr ständig vor Augen führen, wie es vielleicht sein könnte, wenn sie und Mulder mal diese Barriere zwischen ihnen durchbrochen hätten. Einerseits kann sie sich zwar nur schwer vorstellen, mit Mulder bei Nacht und Nebel nach Las Vegas durchzubrennen, um dort dann Hals über Kopf zu heiraten, ohne sich auch nur im geringsten darum zu scheren, was ihre Vorgesetzten oder sonst wer davon halten mochten. Aber andererseits... Scully seufzt schwer.
Zu gerne würde Iris ihren beiden Lieblings-FBI-Agenten nun beim gemeinsamen Abendessen auf die Nase binden, dass diese Aliens hier inzwischen aufgegeben haben; aber Mulder und Scully hier haben ja noch nicht mal gewusst, in was für einer Gefahr die Erde hier überhaupt schwebte... die scheinen ja nicht einmal richtig zu wissen, was sie eigentlich füreinander empfinden, verdammt! Sind die eigentlich blind, taub und blöd?!
Und die gute Scully sieht heute wieder sehr nachdenklich aus. Man sollte sie wirklich alle mal wieder auf andere Gedanken bringen! "Gehen wir noch in eine Bar?" schlägt Iris darum vor, schliesslich ist heute Freitag Abend, so dass auch diejenigen, die keinen Urlaub haben, morgen ausschlafen können.
Gesagt, getan.
[IN EINER BAR IN WASHINGTON]
Wie sie ausgerechnet in einer Karaoke-Bar gelandet sind, weiss später auch niemand mehr zu sagen, aber nun sitzen sie hier, während auf der "Bühne" jemand ein Liedchen zu trällern versucht.
Manchmal könnte Scully die Sinclairs abknutschen, denn seit dem ersten gemeinsamen Abendessen vor ein paar Wochen hat sie wieder mal das Gefühl, auch sowas wie Privatleben zu haben. Selbst wenn sie ihre Freizeit mit anderen FBI-Agenten verbringt, die allerdings durchaus noch über was anderes reden können als Arbeit, zumal sie ja eigentlich Urlaub haben. Iris scheint ein wandelndes Lexikon zu sein, wenn es um Mythen, Legenden, Fabeln oder Märchen geht; und ihr haben es nicht nur irgendwelche Finsteren Mächte angetan, sonst hätte sie kaum ein so sonniges Gemüt. Sie weiss auch alles über irgendwelche Meditationstechniken, Massagen oder sonst was und vermutlich könnte sie mit ihrer Gelenkigkeit so manchem Schlangenmenschen aus dem Zirkus Konkurrenz machen; ihr Mann ist fast rot geworden, als er mal sowas angedeutet hat. Dafür kann Iris nicht kochen. Für die Küche im Hause Sinclair ist der Mann zuständig. Wenn Scully sieht, wie Alexander Sinclair seine Frau anhimmelt, könnte sie manchmal fast neidisch werden. Mulder ist der reinste Felsklotz dagegen. Aber Mulder ist ja auch nicht mit ihr verheiratet... Verdammt, warum eigentlich nicht? Na ja, es müsste ja nicht mal gleich ne Heirat sein... sie wäre ja schon mit einer verbotenen heimlichen Affaire zufrieden. Verdammt, warum drehen sich ihre Gedanken schon wieder ständig im Kreis?!
Iris bekommt bei den Gedanken ringsum am Tisch fast schon Kopfschmerzen und fühlt die unerfüllte Sehnsucht fast körperlich. Keine Kuppelei! versucht sie sich fast krampfhaft abzulenken. Na ja, wenigstens kein Liebeszauber! schwächt sie ihren guten Vorsatz dann ab. Immerhin ist es schon ein kleines Wunder, dass Mulder und Scully nach Feierabend zusammen in einer Bar sitzen, und das auch noch ganz freiwillig, wenn auch nicht ganz alleine. Aber wenigstens ist dabei keine Magie im Spiel. Jedenfalls keine Amayra-Magie!
"Man darf niemanden gegen seinen Willen zu seinem Glück zwingen!
Niemals!"
(Alte Amayra-Weisheit)
Während dann Mulder und Alex noch am Tisch sitzen und darüber rätseln, warum eigentlich Frauen in Gesellschaft immer zu zweit auf die Damentoilette zu verschwinden pflegen...
... werfen Iris und Scully auf dem für Männer verbotenen Ort einen prüfenden Blick in den Spiegel, doch sie sind wirklich beide noch immer schön genug.
"Also ich könnte das nicht!" platzt Iris dann plötzlich heraus. - "Was?" fragt Scully irritiert. - "Jahrelang mit einem Mann wie Mulder zusammenarbeiten, ohne dass was läuft!" erklärt Iris geradeheraus. Special Agent Iris Sinclair ist hier ja bekanntlich sehr offenherzig, wenn man sie erst einmal etwas näher kennt.
Scully starrt sie an, als wäre ihr gerade ein zweiter Kopf gewachsen, und weiss nicht, was sie dazu sagen soll. "Aha." Und sie fragt sich gerade, ob die gute Iris ihren Partner nicht eigentlich ein wenig zu oft ansieht, als es sich für eine Kollegin gehört. Als es sich für eine verheiratete Frau gehört, deren Mann erst noch die meiste Zeit immer gleich neben oder hinter ihr steht. - "Ich meine, wenn ich du wäre, Dana, dann hätte ich den Kerl schon längst mal gepackt und ihn ordentlich durchge... äh geküsst. Offensichtlich magst du ihn doch sehr gerne, also da könnte ich mich nicht mehr zurückhalten!" - "Ah..." - "Verdammt, du liebst ihn doch!" sagt Iris ihr geradewegs auf den Kopf zu - worauf Scully fast ein wenig schwindlig wird. Himmel, wie kann sie es nur wagen, darüber laut zu sprechen, selbst wenn sie es mit ihrer verdammten Intuition erraten hat?! Oder sieht man ihr das etwa so deutlich an?! "Woher... äh... wer sagt denn... Nein!" stammelt sie etwas hilflos. Verdammt, Iris hat wirklich einen durchdringenden Blick drauf, kein Wunder, dass sie bei Verhören so gut sein soll, aber sie will hier nicht verhört werden!
Iris erlaubt sich ein anzügliches Lächeln. "Dein Mund sagt zwar nein... doch deine Augen sagen ja!" - "Nein!" protestiert Scully, der es sichtlich unbehaglich ist, wenn ihre Gefühle regelrecht seziert werden. - "Nein?" echot Iris und zieht eine Augenbraue in die Höhe. "Er ist also nur dein Partner und ihr seid nur gute Freunde, nichts weiter?" - "Genau!" bestätigt Scully, als wollte sie sich selber überzeugen. - "Du würdest dir also nicht hin und wieder wünschen, deine Lippen auf die seinen zu pressen?" raunt Iris ihr verschwörerisch ins Ohr. "Dass er dich in die Arme nimmt und fest an sich drückt?" - "Nein!" erklärt Scully vehement und störrisch, obwohl ihr allein bei dem Gedanken an Küsse und Umarmungen schon wieder ganz heiss wird.
"Na dann... ist mir auch recht." erklärt Iris leichthin. "Ich werde Mulder nicht von der Bettkante schubsen." Ungerührt legt sie Wimperntusche auf, obwohl es überhaupt nicht nötig ist - während es in Scully's Kopf schon wieder fieberhaft arbeitet, als ihr klar wird, dass Iris beim letzten Satz nicht etwa im Konjunktiv gesprochen hat, sondern so, als wäre sonnenklar, dass Mulder früher oder später auf ihrer Bettkante landen würde. Fast gegen ihren Willen fragt sie etwas unsicher: "Was soll das denn heissen?" - "Na er ist doch schnuckelig. Also diese Lippen... also wie er ständig an diesen Sonnenblumenkernen knabbert, na ja, immer noch besser als rauchen. Scheint mir fast, als hätte er eine leichte orale Fixierung oder sowas in der Art... hehehe, er ist bestimmt gut mit dem Mund, denn er kann doch sicher mehr damit tun als nur Unsinn zu labern und Sonnenblumenkerne knacken, oder? Bestimmt hat er eine unbeschreibliche Zungenfertigkeit... Und dann seine Lippen... mmmmmmh... da muss man doch einfach rumknutschen..." gibt Iris freimütig zum besten. "Ich hab mir ja zuerst gedacht, ihr hättet was miteinander, aber offenbar scheint das ja nicht der Fall zu sein. Da darf ich ja mal mein Glück versuchen, oder?" - "Aber..." - "Aber was? Hast du etwa doch was dagegen? Etwa eifersüchtig?!" Iris zieht eine Augenbraue in die Höhe und heuchelt Erstaunen - während Scully sie entsetzt anstarrt. Will Iris sie eigentlich verarschen?! "Du bist verheiratet!" - "Na und?" erwidert Iris, für die das offensichtlich kein Hinderungsgrund ist. "Wir führen eine offene Ehe. Und ich will ja keinen zweiten Ehemann, sondern nur ein Bisschen Spass." Iris lächelt mondän und anzüglich. Doch plötzlich zuckt es um ihre Mundwinkel und sie muss losprusten, bricht in schallendes Gelächter aus. "Ach, Dana!" jappst sie dann nach einer Weile, als sie sich wieder etwas beruhigt hat. "Dein Gesicht hättest du sehen sollen!" Wieder muss sie loskichern. "Und du willst mir weismachen, dass du deinen Partner und besten Freund nicht auch ganz gerne als Liebhaber hättest? Wenn das so wäre, dann würdest du nicht so eifersüchtig reagieren!" - Warum muss Iris nur immer so verdammt recht haben?! "Äh..." Scully bringt nur noch ein Räuspern zustande und wird unter ihrem Make-up knallrot. - "Müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir ihn nicht auch eifersüchtig machen könnten..." sinniert Iris, offenbar heute sehr zu solchen Scherzen aufgelegt.
"Aber man darf dem Glück manchmal ruhig etwas auf die Sprünge helfen!"
(Alte Amayra-Weisheit)
Als Iris und Scully an ihren Tisch zurückkommen, lächeln beide ziemlich verschwörerisch. Mulder würde wirklich zu gerne wissen, was auf so einer Damentoilette so abläuft. Gibt's da vielleicht immer irgendwelche privaten Partys, wo der Schampus in strömen fliesst? Wäre vielleicht ein Fall für die X-Akten...
Die Sinclairs flüstern kurz miteinander, dann zerrt Iris ihren Mann auf die nun leere Bühne. Na sowas! Ein paar Leute fangen schon an zu klatschen, Mulder und Scully fallen in den Applaus mit ein - und sind wirklich schon sehr gespannt, wie sich ein Duett der beiden anhört.
Die Antwort ist: Gut! Geradezu phantastisch und bestimmt das beste, was man in dem Schuppen schon gehört und gesehen hat... denn die Bühnenshow ist ebenfalls heiss, wie sich die beiden rhythmisch im Takt der Musik wiegen und zusammen und abwechselnd ins Mikrophon singen, natürlich eine Liebesschnulze.
Mulder betrachtet abwechselnd die Bühne und Scully, mit der er ein Lächeln wechselt, das wohl besagt, dass sie beide froh sind, dass nicht sie da oben auf der Bühne stehen. Moment mal. Kann es sein, dass Alexander Sinclair der guten Scully Blicke zuwirft, während er gerade mit seiner Frau eine Liebesschnulze singt? Das muss doch wohl eine optische Täuschung sein! Aber warum hängt eigentlich Scully so gebannt an seinen Lippen? Sicher, Special Agent Alexander Sinclair ist wohl ein attraktiver Mann und weiss mit seiner charmanten Art wohl eine Frau zu verwöhnen... aber verdammt noch mal, er hat bereits eine Frau, die er verwöhnen kann! Er steht gerade neben ihr auf der Bühne und singt!
Iris kann in Mulder's Augen leise Eifersucht aufblitzen sehen. Und das, obwohl sie Alexei nur gesagt hat, er solle Scully mal ein Bisschen nett ansehen... Na also, es geht doch! Nur sollte der verdammte Narr auch endlich mal was unternehmen! Oder war der blöde Kerl etwa so sehr mit seiner Wahrheit irgendwo da draussen beschäftigt, dass er wirklich nicht mitbekam, was sich genau vor seiner Nase abspielte?
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"Na da soll noch einer behaupten, in der guten alten Zeit wäre alles einfacher gewesen!" - "Oh, es waren ja schliesslich nicht alle so kompliziert wie Mulder und Scully! Sonst hätte es kaum dieses Überbevölkerungsproblem auf der Erde gegeben..." - "Warum hat diese Dana Katherine Scully denn diesem Fox William Mulder nicht einfach das Zeichen gemacht, wenn sie ihn doch mochte? Ach ja, diese Zeichen waren ja nicht üblich unter den Menschen." - "Das auch. Und überdies hätte man in diesem Falle wohl vom Mann erwartet, dass er das Zeichen machen würde." - "Was?! Das ist ja abartig!" Die Fürstin überlegt einen Moment, dann wird ihr plötzlich einiges im rätselhaften Verhalten von Terranern etwas klarer. "Ist das heute etwa auch noch so?" - "Heutzutage ist unter den Menschen wohl alles erlaubt, aber mancher Patriarchaler Unsinn hält sich eben hartnäckig, so wie beispielsweise das Märchen von der grösseren sexuellen Lust des Mannes..." - "Ha!" Die Fürstin kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Irgendwie scheinen mir aber die Menschlichen Balzrituale sowieso ziemlich kompliziert. Das kommt wohl nicht zuletzt davon, weil sie sich nicht telepathisch verständigen können... Und dann irgendwann zum grossen Teil auch noch dem Mann die Wahl zu überlassen, also das ist doch wirklich wider jede Natur!"
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Wohlweislich hat Iris ihrem angeblichen Vorgesetzten in Los Angeles im Traum mal einen Besuch abgestattet, so dass der Herr nicht allzu überrascht ist, als ein gewisser Assistant Director Walter Skinner aus Washington anruft wegen der beiden Agenten namens Sinclair, die derzeit ja zwar eigentlich im Urlaub sind...
... aber sicherlich durchaus nichts dagegen haben werden, ihren Freunden in Washington etwas auszuhelfen, jedenfalls nach dem, was Mulder und Scully ihm geflissentlich über die beiden Sinclairs erzählt haben.
[PALACE-HOTEL IN WASHINGTON]
"Was ist denn los?" fragt Alex verschlafen, nachdem noch vor dem Morgengrauen das Telefon geklingelt hat. - "Ich bin's!" - Mulder's Stimme. Sofort ist Alex hellwach. Und fragt sich gleichzeitig, wo Iris ist... sie wird doch nicht... "Was gibt's?!" erkundigt er sich rasch. - "Es geht um eine Geiselnahme! Unser Chef hat euren Chef angerufen und der hat gesagt, ihr sollt uns helfen, weil ihr doch gewissermassen Spezialisten für sowas seid!" - Verdammt, wo ist Iris?! Bitte, bitte, Iris, wo steckst du?! "Äh... ja... und wo ist das?" - "Im Kunstmuseum. Am besten ihr kommt gleich hierher!" - "Okay!" sagt er auch schon, noch bevor er überhaupt nachdenken kann.
"Iris?!" ruft er nun laut. "Bitte, Iris!" wiederholt er noch ein paar Mal und klingt mit jedem Mal eine Spur verzweifelter. Ist sie etwa weg? Ist jetzt der Tag gekommen, den er so gefürchtet hat? Hat sie sich in Luft aufgelöst, ohne einen Spur zu hinterlassen? Ohne dass er es merkt, laufen ihm schon Tränen die Wangen hinunter, weil er nicht weiss, was er ohne sie tun soll. Kann er ohne Iris überhaupt Alexander Sinclair sein?
Fast schon mechanisch zieht er sich dann schliesslich an und schreibt einen Zettel, obwohl ihm alles sehr verrückt vorkommt. Ebenso mechanisch nimmt er sich dann vor dem Palace ein Taxi und lässt sich zum Kunstmuseum fahren.
[VOR DEM KUNSTMUSEUM IN WASHINGTON]
Allerdings herrscht dort schon so ein Gedränge, dass er vorher aussteigen und sich zu Fuss seinen Weg durch die Schaulustigen bahnen muss. Sobald er den ersten Polizisten sieht, zückt er den FBI-Ausweis und wird dann sogleich zu einer Horde Leute geführt, unter denen sich auch Skinner, Mulder und Scully befinden.
Skinner erklärt gerade die Lage. Letzte Nacht fand im Kunstmuseum eine grosse Gala statt. Irgendwann machte sich mal jemand Sorgen, dass anscheinend noch niemand von dieser Festlichkeit nach Hause gekommen ist. Na kein Wunder, denn irgendwelche Verrückten haben die feinen Leute als Geiseln genommen und verlangen nicht nur Unsummen an Lösegeld, sondern auch freien Abzug und ein Flugzeug samt Pilot und was solche Verbrecher auch sonst noch alles zu verlangen pflegen.
"Wissen wir schon, wer alles zu den Geiseln gehört?" erkundigt sich einer der herumstehenden Agents - worauf Skinner mit mehreren Blättern herumwedelt. "Diese Liste wurde uns von den Geiselnehmern durchgefaxt. Dort stehen alle Namen aufgelistet, sowie das Lösegeld, das sie für die jeweilige Person haben wollen... Es soll auch schon ein paar Anrufe an Angehörige gegeben haben, um das Lösegeld bereitzustellen."
Wenig später stösst Alex zu Mulder und Scully, die gerade eine Kopie dieser Liste durchsehen. "Wo ist Iris?" erkundigt sich Mulder sofort. Es ist wirklich ungewohnt, Special Agent Alexander Sinclair ganz alleine ohne seine bessere Hälfte zu sehen. - "Ich weiss nicht wo sie ist!" antwortet Alex wahrheitsgemäss und kann die Verzweiflung nicht ganz aus seiner Stimme verbannen. - "Was?" Mulder ist wirklich überrascht - und Alex führt weiter aus: "Als dein Anruf mich heute morgen geweckt hat, ist sie nicht da gewesen!"
Scully, die durchaus aufmerksam zugehört und sich gewundert hat, während sie weiterhin die Liste studiert, runzelt nun die Stirn: "O oh..." Etwas in Scully's Ton veranlasst die beiden Männer, sich zu ihr umzudrehen. Jetzt hat sie ihre volle Aufmerksamkeit. "Es steht eine Iris Sinclair auf der Liste!" - "Was?!" Alex klappt die Kinnlade runter.
Für Iris Sinclair wird eine Million Dollar Lösegeld verlangt. Und als nächster Angehöriger ist Alex theoretisch dafür zuständig, der allerdings jetzt erst recht völlig durcheinander ist. Was in aller Welt hat Iris bei dieser Gala zu suchen gehabt und warum hat sie ihm nicht wenigstens davon erzählt? Und wie in aller Welt soll er eine Million herbekommen?
Man kann das Kunstmuseum nicht einfach stürmen, weil sonst die Geiseln gefährdet wären, also hat man sich darauf geeinigt, vorläufig auf die Forderungen der Geiselnehmer einzugehen. Also soll jetzt erst mal Geld hergeschafft werden, das man überreichen könnte.
Gerade erst, nachdem Alex im Flüsterton gestanden hat, dass er nicht weiss, wie er soviel Geld beschaffen sollte, weil Iris doch immer fürs Geld zuständig ist, fängt sein Handy an zu klingeln. Nachdem er zuerst erschreckt zusammengezuckt ist, geht er mit belegter Stimme ran: "Hallo?" - "Hi, Schatz!" - "Iris?! Was zum Teufel..." - "Ach, Schatz, die Polizei hat dich also schon informiert? Bitte tu, was sie sagen, die haben viele Waffen und ich habe Angst, dass sie uns alle erschiessen!" Sie klingt wie eine harmlose aber schon leicht hysterische reiche Erbin, die Angst um ihr Leben hat. - "Ich tu alles für dich, Schätzchen!" versichert Alex, der nun irgendwie beruhigt ist. Iris ist nicht weg. Sie ist nur Geisel von irgendwelchen Psychopathen, die mit Waffen rumfuchteln und einen Haufen Lösegeld wollen. "Die wollen eine Million Dollar für dich!" fügt er hinzu, um sie daran zu erinnern, dass er nicht soviel Geld in der Hosentasche hat. - "Na dann nimm die verdammte Goldene Kreditkarte in deiner Brieftasche und besorg das Geld!" kreischt es leicht hysterisch aus dem Handy... doch dann ertönt die Stimme eines Mannes: "Wenn Sie Ihre hübsche Frau wiedersehen wollen, dann tun Sie lieber, was sie gesagt hat, Mister Sinclair! Sie haben eine Stunde Zeit. Ansonsten wird sie die erste sein, die aus dem Fenster geworfen wird, sie ist nämlich ziemlich nervig! Aber vielleicht gönnen wir uns vorher noch ein Bisschen Spass mit ihr..." - "Schon gut, ich tu alles..." fängt Alex an, doch der Mann hat schon aufgelegt.
Mulder und Scully sehen ihn gespannt an. "Die gute Nachricht ist: Sie wissen nicht, das Iris beim FBI ist. Die schlechte Nachricht: Sie wollen sie als erstes aus dem Fenster werfen, wenn ich in einer Stunde das Geld nicht beschaffe..." Er nestelt seine Brieftasche heraus und findet dort wirklich eine Goldene Kreditkarte. Unbegrenztes Limit. "Wo ist hier die nächste Bank?!"
Skinner hat das mit Mr. und Mrs. Sinclair ebenfalls mitbekommen und hält es für keine gute Idee, den Mann einfach so allein mit einer Million Dollar herumspazieren zu lassen, weshalb ihn ein Agent zur Bank begleiten soll.
Mulder meldet sich freiwillig. Er hält es schon für eine seltsame Ironie des Schicksals, dass Iris mit ihrem offensichtlichen Faible für Paranormales Zeugs, UFO, Aliens, Regierungsverschwörungen und sonstwas, nun ausgerechnet in die Hände von gewöhnlichen geldgierigen Terroristen gefallen ist... aber dann unter immer noch ziemlich mysteriösen Umständen.
Auf der Bank schauen sie zwar ziemlich komisch, dass Mr. Sinclair gerne eine Million Dollar in nicht durchnummerierten Scheinen möchte, doch nachdem er die Goldene Karte gezückt hat, händigen sie ihm das Geld anstandslos in einem Koffer aus.
Skinner schaut skeptisch, als Alexei und Mulder wieder auftauchen. "Einer der Geiselnehmer hat vorhin angerufen und unter anderem auch verlangt, dass Mr. Sinclair höchstpersönlich das Lösegeld für seine Frau überbringen soll, wenn er hier eintrifft." - "Aber selbstverständlich!" erwidert Alex. "Ich bin bereit!"
Man besteht darauf, Alexei eine kugelsichere Weste zu verpassen, bevor sie ihn mit dem Koffer von der Bank zum Eingang des Kunstmuseums gehen lassen. Sein Herz klopft nervös, doch da er seit dem Telefonat mittlerweile wieder Iris' sanfte Anwesenheit in seinen Gedanken spüren kann, ist er irgendwie auch seltsam ruhig.
[IM KUNSTMUSEUM IN WASHINGTON]
Die Tür öffnet sich einen Spalt breit und er fühlt förmlich, wie er aufmerksam gemustert wird. "Komm rein!" zischt eine raue Männerstimme und Alex folgt der Aufforderung. Kaum ist er drin, wird er gegen die Wand gedrückt und nach Waffen und allfälligen Mikrophonen abgesucht, doch da ist nichts; und die Weste wird ihm unsanft ausgezogen. Es sind zwei Männer, beide mit Maschinenpistolen bewaffnet und in schwarzen pseudomilitärischen Klamotten, einschliesslich Schirmmütze. Einer der beiden führt ihn nach oben, wobei er ihn gelegentlich grob schubst, und sie landen schliesslich in dem Saal, wo die Geiseln alle auf dem Boden sitzen, bewacht von sechs Männern mit Maschinenpistolen.
"Schatz!" macht Iris mit einem freudigen Aufruf auf sich aufmerksam, als ob sie in ihrem roten tiefdekolletierten Kleid nicht schon auffällig genug wäre. Sofort will Alex, als besorgter Ehemann, zu ihr stürzen - wird jedoch durch einen Schlag in den Magen unsanft aufgehalten, so dass er sich vor Schmerzen krümmt. "Nicht so schnell, Freundchen!" erklärt der Terrorist und fuchtelt mit dem Lauf seiner Waffe vor Alex' Gesicht rum. Erst einmal wendet er sich dann dem Inhalt des Koffers zu und scheint sehr zufrieden.
Dann erst lässt man den besorgten Mann zu seiner Frau, die schon die ganze Zeit zetert, dass man sie doch jetzt endlich gehen lassen müsste.
Alex kann sich nicht helfen, er muss Iris erst mal einen Kuss geben, als sie sich endlich in die Arme fallen können. Dabei fährt sie auch flüchtig über seinen Magen, worauf der Schmerz in seinen Eingeweiden verschwindet, was er sich aber den Terroristen gegenüber natürlich nicht anmerken lässt. "Ich liebe dich!" haucht er, während er sich umsieht und in viele verängstige Gesichter blickt.
Selbstverständlich denken die Terroristen überhaupt nicht daran, Iris und Alex jetzt laufen zu lassen, nachdem sie ihre Million Dollar haben...
... aber damit hat das FBI ja auch gerechnet.
Iris und Alex benehmen sich weiterhin wie ein verängstigtes Pärchen, während sie die Lage aufmerksam beobachten. Als aber weiter nichts passiert, ausser dass fleissig wegen allem möglichen Lösegeld telefoniert wird, da wird es Iris langsam zu blöd und sie räuspert sich lautstark - worauf sofort zwei Maschinengewehre auf sie gerichtet werden. "Was wollen denn Sie schon wieder!" - "Gaaanz ruhig, Leute! Wenn ihr mich erschiesst, obwohl das Lösegeld für mich bezahlt worden ist, werdet ihr für die anderen keinen Penny mehr bekommen!" erinnert Iris zur Sicherheit. Was hat sie sich nicht schon den Mund fusselig geredet, aber diese Kerle wollen einfach nicht hören und scheinen wohl tatsächlich zu glauben, dass sie damit durchkommen würden. Und wer nicht hören will, muss fühlen... wobei Iris schon seit Stunden nicht übel Lust hätte, die Gangster einfach mit bösen Blicken ausser Gefecht zu setzen, was sie dann aber doch wieder gelassen hat, weil die Dinge erst mal ihren Lauf nehmen sollten. Doch inzwischen ist wohl die Zeit reif für etwas mehr Initiative. "Aber wenn ihr uns schon nicht mittendrin laufen lasst, dann lasst mich wenigstens mal aufs Klo, sonst gibt's hier noch ein Unglück!" - "Was?!" - "Ich muss mal, verdammt!" quengelt Iris. Und sie quengelt so lange...
... bis es ihr schliesslich erlaubt wird. Doch selbstverständlich wird sie begleitet.
"Das dauert aber lange!" - Alex weiss, dass Iris inzwischen ihren Bewacher längst überwältigt hat und gerade dabei ist, ihr rotes Kleid gegen dessen schwarze Klamotten zu tauschen... "Sie ist immer ewig auf der Toilette!" meint er also in entschuldigendem Ton, um die Terroristen etwas abzulenken. - "Du hältst dich wohl für einen Schlauberger, hä?" meint nun der eine Kerl wieder, der ihm schon den Schlag mit der Waffe in den Magen verpasst hat, und kommt bedrohlich näher, was die anderen Geiseln in der Nähe besorgt zurückweichen lässt. Er hält den Lauf seiner Waffe genau an Alex' Stirn - der nun schwer schluckt. "Behandeln Sie alle Leute so, die Ihnen eine Million Dollar bringen?" - "Nur die, die mir auf die Nerven gehen!" antwortet der Terrorist mit dreckigem Grinsen und schlägt dem auf dem Boden knienden Mann, der es wagt ihm auf die Nerven zu gehen, die Faust mit aller Wucht ins Gesicht... und er freut sich über die Angst in den Gesichtern der anderen Geiseln.
Alex taumelt zurück und bleibt liegen. Jetzt ist die falsche Zeit, um den Helden zu spielen. Blut läuft ihm übers Gesicht; seine Nase ist gebrochen. Verdammt, er hat ganz vergessen, wie weh das tut! Er hofft sehr, dass er demnächst Gelegenheit bekommt, sich gebührend zu rächen. Zu gerne würde er dem Kerl jetzt gleich seine widerliche Fresse polieren, doch solange hier noch mit Waffen herumgefuchtelt wird und unschuldige Leute in Gefahr sind, ist wohl nicht die richtige Zeit dazu.
Einer der Terroristen geht mal nachsehen, was auf dem Damenklo los ist.
Nach einer Viertelstunde ist er ebenfalls noch nicht zurück.
Langsam geht Terrorist Nummer Eins ein Licht auf. Glaubt er zumindest. "Da muss ja eine heisse Party laufen..." grinst er anzüglich. "Ich wette, deine nervige aber hübsche Frau geniesst es gerade, endlich mal von richtigen Kerlen gevögelt zu werden!" - Wenn Alex auch nur eine Sekunde lang wirklich glauben würde, dass Iris auf der Damentoilette erst von einem und dann auch noch von einem zweiten Terroristen vergewaltigt würde, dann könnten ihn wohl sämtliche Maschinengewehre dieser Welt nicht davon abhalten, sofort zu ihrer Rettung zu eilen... Aber so spielt er den hilflosen Mann; wobei ihm allerdings tatsächlich Tränen der Wut in die Augen schiessen. Allein der Gedanke, diese Terroristen könnten sich an seiner Guten Fee vergreifen wollen, bringt ihn zur Weissglut. "Verdammte Bastarde!" flucht er - laut genug, dass Terrorist Nummer Eins es hört. Es gibt doch nichts amüsanteres als einen wütenden Ehemann, der sich selbst vor Angst fast in die Hosen macht! "Hast du was gesagt?" fragt der Brutalo spöttisch und kommt drohend auf den Mann zu, der am Boden sitzt und immer noch das mittlerweile getrocknete Blut vom letzten Schlag im Gesicht hat. Ach, es macht einfach Spass, jemanden zu treten, der schon am Boden liegt...
... doch Alex hat die Schnauze voll davon, sich treten zu lassen. Er sieht bereits die Stiefelspitze auf sich zukommen, als er blitzschnell ausweicht und dafür den Fuss seines Angreifers packt, um ihn zu Fall zu bringen. Es entspinnt sich ein brutales Gerangel - dass jedoch damit endet, dass Terrorist Nummer Eins sein Gewehr über Alex' Schädel zieht, der daraufhin bewusstlos zusammenklappt. "Na sieh mal einer an, da hatte ja doch einer Kampfgeist..." meint der Brutalo leicht keuchend und sieht die anderen Geiseln drohend an: "Sonst noch jemand?" Aber die ganzen aufgetakelten Damen und ihre Schlappschwänze ducken sich alle, wie er es nicht anders erwartet hat.
Iris wird von kalter Wut gepackt. Wie kann dieser verdammte Mistkerl es nur wagen, Alex zusammenzuschlagen? Ihren Alexei? Niemand darf ihm ein Haar krümmen, ausser ihr selbst, verdammt, denn ihr Alexei hier gehört ihr ganz allein! Den ersten Mann an der Türe des Saals hat sie noch völlig lautlos unschädlich gemacht, doch nun stürzt sie sich mit einem markerschütternden Schrei auf den Brutalo, Terrorist Nummer Eins, gerade als er sich von Alex und den Geiseln wieder abwendet. Mit akrobatischem Radschlagen ist Iris in Ninja-Manier schneller bei ihm, als er überhaupt gucken kann, und rammt mit ihrer rechten Stiefelspitze sein Kinn, so dass er sogleich wie ein gefällter Baum zusammenklappt.
Die beiden anderen Terroristen scheinen zuerst zu verblüfft, um irgendwie zu reagieren, doch dann beginnen sie auf Iris zu schiessen - die sich allerdings davon nicht beeindrucken lässt und auf die beiden zuturnt, um dann mit einem triumphierendem "So!!!" ihre Köpfe gegeneinander zu schlagen.
Danach öffnet sie das Fenster und winkt dem FBI zu, dass die Luft jetzt rein wäre.
Eine Minute später wimmelt es im Kunstmuseum nur so von Polizisten.
Als Mulder und Scully hereinkommen, entdecken sie Iris am Boden neben dem immer noch bewusstlosen Alex, der wirklich übel aussieht, da die Wunde, die das Gewehr an seiner Stirn hinterlassen hat, stark blutet. Sofort will sich Scully daran machen, ihn zu untersuchen - als er auch schon die Augen aufschlägt.
Die Geiseln, die grösstenteils noch unter Schock stehen, werden weggebracht, ebenso die bewusstlosen Terroristen, mit denen jedoch nicht sehr zimperlich umgegangen wird.
Eine Frau in dunklem Abendkleid kommt auf Iris zu, drückt ihr die Hand und bedankt sich Tausend Mal, während sie auch ständig wiederholt: "Sie sind wirkliche Helden!"
Später wird Iris im Bericht lapidar erwähnen, dass sie schliesslich auf der Toilette ihren Bewacher überwältigte, sich umzog und gleich noch den Kerl ausschaltete, der auf der Toilette nachsehen kam, dann nach unten schlich und den einen Kerl am Eingangstor ausschaltete, sich Alexei's kugelsichere Weste überzog, dann wieder nach oben ging...
"Hallo Schatz..." flüstert Iris, die den immer noch benommenen Alex in ihren Armen hält. "Wir haben die Bastarde fertig gemacht!" - "Gut..." murmelt Alex und dämmert wieder weg.
Natürlich besteht Scully darauf, dass Alexei in ein Krankenhaus gebracht wird...
... wo die protestierende Iris allerdings nicht von seiner Seite weicht und ihrerseits darauf besteht, ihn nach der Untersuchung sofort nach Hause bzw. ins Palace zu bringen. Sie mag keine Krankenhäuser. Scully nennt es eine Krankenhausphobie.
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"Ich bin etwas verwirrt über diese nette kleine Anekdote. Also wenn sie schon mal wieder in sowas wie ein Geiseldrama reingeraten ist, was ja durchaus passieren kann... warum in aller Welt hat Iris denn so lange die hilflose Geisel gespielt und diese komischen Terroristen nicht einfach mit einem Blinzeln tot umfallen lassen oder sowas in der Art?" - "Aber Jaella! Sowas wäre doch unsportlich! Ausserdem wären dann vielleicht Fragen aufgetaucht, warum wieso weshalb..." - "Na ja, aber sehr diskret war Iris' Aktion ja wohl auch nicht gerade!" - "Aber wenigstens regelkonform." - "Regelkonform?!" - "Na ja... physikalisch nachvollziehbar, technisch machbar, eben halbwegs realistisch oder zumindest möglich... Iris hat sich eben als Mensch unter Menschen weitgehend an die Spielregeln gehalten, also für gewöhnlich nur so gehandelt, wie Menschen theoretisch auch handeln könnten. Nur dass sie natürlich auf die ganze Palette aller möglicher herausragender Menschlicher Eigenschaften und Fähigkeiten zurückgreifen kann, quasi die Summe sämtlicher Talente der Menschheit, während es sonst wohl kaum einem einzelnen Menschen möglich ist, in allem so gut zu sein, schon gar keiner normalen Type von der Strasse. So nach dem Motto: Was irgendwelche Menschen jemals gekonnt haben, das kann sie schon lange!" - "Hmmm. Seit wann halten sich denn Amayra-Hexen an solche Spielregeln?"
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[PALACE-HOTEL IN WASHINGTON]
Mulder und Scully lassen es sich nicht nehmen, Iris und Alexei abends in ihrer Suite zu besuchen. Und sie bringen Skinner mit, der doch zu gerne auch mal ein Wörtchen mit den beiden mysteriösen Agenten reden möchte; denn der Bericht, den Special Agent Iris Sinclair im Krankenhaus flüchtig hingekritzelt und Mulder in die Finger gedrückt hat, ist für seinen Geschmack doch etwas dürftig ausgefallen.
Nun sitzen sie alle um den Couchtisch herum, auf dem Gläser und Mineralwasser steht und nach etwas Small Talk herrscht nun erst einmal eine Weile Schweigen.
Iris und Alexei tragen flauschige Trainingsanzüge im Partnerlook, als hätten sie gerade vorgehabt, ein paar Runden um den Block zu joggen. Wohl kaum. Sie sehen beide müde aus. Und besonders Special Agent Alexander Sinclair braucht Ruhe, auch wenn nur noch ein Pflaster auf der Stirn erahnen lässt, was er heute alles einstecken musste. Iris hat die gebrochene Nase gerichtet, ebenso den Schädelbruch, den er durch den Schlag mit dem Gewehr erlitten hat - übrig geblieben ist nur noch eine Platzwunde auf der Stirn und eine leichte Gehirnerschütterung.
Iris deutet auf den Koffer, den Skinner mitgebracht hat. "Ist das mein Lösegeld?" - "Ja. Ich habe veranlasst, dass es Ihnen sofort wieder ausgehändigt und nicht als Beweismittel beschlagnahmt wird. Hier, bitte!" Skinner überreicht ihr den Koffer, den sie leicht grinsend entgegennimmt und ihn achtlos neben die Couch stellt, ohne ihn aufzumachen. "Wollen Sie nicht nachzählen?" - "Ich vertraue Ihnen." meint sie lächelnd. "Allerdings habe ich irgendwie das dumpfe Gefühl, dass Sie nicht nur gekommen sind, um mir diesen Koffer hier zu bringen?"
Das war wohl das Stichwort. Skinner beginnt sie auszufragen.
Die Befragung der anderen Geiseln hat ergeben, dass "die Frau im roten Kleid" erst gegen Schluss der Gala aufgetaucht ist, etwa zwanzig Minuten, bevor die Terroristen hereingeplatzt sind... - Tja, so ein Zufall. Vermutlich würde der gute Mann ziemlich blöde gucken, wenn sie ihm erzählen würde, dass sie eher Dämonische Schwingungen in der Nacht zum Kunstmuseum gelockt haben... "Na und? Ich konnte nicht schlafen, also habe ich mich kurzentschlossen doch noch auf den Weg gemacht. Mein Mann war müde, also hab ich ihn schlafen lassen, zumal er solche Veranstaltungen ja sowieso nicht besonders mag... Und als die uns dann überfallen haben, da hab ich mir gedacht, es wird wohl das beste sein, wenn ich die Aufmerksamkeit dieser Idioten auf mich ziehe." - "Das war gefährlich! Normalerweise sollte man sich bemühen, möglichst unauffällig zu bleiben..." fängt Skinner an und klingt, als wollte er gleich aus dem FBI-Handbuch zitieren - doch Iris hebt die Hand. "He, ich hatte ein rotes Kleid an und war damit sowieso schon auffällig genug! Ausserdem benahmen sich diese Idioten so, als könnten die gleich ballern, wenn jemand einen Mucks zuviel macht. Also hab ich mir gedacht, sorge ich doch lieber dafür, dass die nur noch Augen für mich haben, so dass neben mir alle anderen Geiseln wie die ruhigsten und friedlichsten Schafe wirkten, so dass man ihnen kaum noch Beachtung schenkte..."
So wie Iris nun alles erklärt, klingt alles total logisch und plausibel. Ja, diese Typen haben wohl nicht schlecht gestaunt, dass die nervige Frau im roten Kleid nicht nur toll aussieht, sondern auch toll zuschlagen kann... Schliesslich erklärt Skinner, der mittlerweile schwer beeindruckt ist: "Das war wirklich sehr mutig von Ihnen. Von Ihnen beiden!" Er sieht sie an und kommt zum Schluss, dass er Leute wie sie in seiner Abteilung ganz gut brauchen könnte. "Sie haben eine Auszeichnung verdient!" - "Nein!" protestiert Iris sofort. "Äh... ich bitte Sie, unsere Namen da rauszuhalten und unsere Gesichter bitte ebenfalls. Nicht umsonst haben wir um die Presse einen so grossen Bogen gemacht. Sonst könnten wir nie wieder Undercover gehen... Ausserdem will ich sowieso nicht allen Bekannten auf die Nase binden, dass ich überhaupt beim FBI bin, deshalb also..." Sie schaut ihn bittend an - und Assistant Director Walter Skinner wird fast ein wenig schwummrig bei diesem Blick, so dass er erst einmal einen Schluck Mineralwasser braucht, um seine trockene Kehle zu benetzen. "Wie Sie wünschen!" erklärt er schliesslich.
"Weiss man schon, für wen diese Idioten gearbeitet haben?" fragt Iris dann plötzlich. "Irgendwie kann ich mir kaum vorstellen, dass die von selber auf so eine hirnrissige Idee gekommen sein sollen. Wenn ich jetzt so überlege, kommt mir dieser ganze Geiselnahme-Quatsch fast wie ein Ablenkungsmanöver vor."
Tja, ihre Intuition mal wieder! "Da hast du vielleicht recht, Iris!" erklärt Mulder - und Skinner ertappt sich dabei, dass ihn der vertrauliche Ton, mit der einer seiner Agenten mit Special Agent Iris Sinclair spricht, fast etwas eifersüchtig macht, obwohl er doch die Frau hier eben erst kennen gelernt hat. Und, verdammt noch mal, ihr Ehemann sitzt gleich hier neben ihr! - "Aus dem Museum wurden diverse Sachen gestohlen. Aus der Abteilung für Antike Kunst. Irgendwelche Zeremoniendolche, Amulette und lauter solches Zeugs. Du hast nicht zufälligerweise etwas davon bemerkt?" führt Mulder weiter aus und sieht Iris fasziniert an - die jedoch nur leicht die Stirn runzelt und die Schultern zuckt. "Sorry, da war ich wohl zu abgelenkt. War das denn wertvoller Plunder?" erkundigt sie sich in absolut unschuldigem Ton. - Nun muss Mulder die Schultern zucken. "Unschätzbar!"
Während nun Mulder und Iris darüber spekulieren, was wohl jemand mit Zeremoniendolchen, Amuletten und ähnlichem Plunder anfangen könnte (Ausser sich sowas ins Wohnzimmer zu stellen und zu hängen, so wie Iris hier, natürlich, die aus ihrem Faible für Esoterik kein Geheimnis macht!) - sinniert Skinner darüber, wie er das Gespräch wohl am besten wieder unauffällig darauf bringen könnte, dass er die Sinclairs gerne in seinem Team hätte. Offensichtlich sind sie ja nun schon wochenlang in Washington und es scheint ihnen hier zu gefallen, da könnten sie doch gerade so gut hier auch ihren Dienst tun. Muss ja kein Fulltimejob sein, er respektiert durchaus, dass die beiden sehr an ihrer vielen Freizeit hängen. Ganz anders als Mulder und Scully, bei denen er sich manchmal fragt, ob sie überhaupt noch ein Privatleben haben; vielleicht wäre es den Agenten bei den X-Akten ja besser bekommen, wenn sie sich nicht nur mit sowas beschäftigen würden, sondern noch andere Hobbys pflegen würden. Doch Mulder ist ja regelrecht besessen... Nun ja, Alexander Sinclair ist zweifellos ein guter Mann. Aber Iris Sinclair ist wirklich aussergewöhnlich. Und ganz anders als Dana Scully. Auf der einen Seite ein zierliches Persönchen voller Wissenschaftlichkeit, auf der anderen Seite Intuition in einem muskulösen Körper, der heute sechs Terroristen in Ninja-Manier ausser Gefecht gesetzt hat... Verdammt, man kann die beiden einfach nicht vergleichen, das ist nicht fair!
Nachdem Iris auch noch etwas Alkoholisches aufgetischt hat, werden die Gespräche noch lockerer - und Skinner kann plötzlich gut verstehen, weshalb Mulder und Scully gerne hin und wieder einen Abend mit den Sinclairs verbringen...
... und irgendwann fängt Alex an zu schmollen, dass man ihn gefälligst nicht wie ein rohes Ei behandeln soll... "Aber ihr denkt wohl ich sei ein Weichei? Ich meine: meine Frau wird irgendwo als Geisel festgehalten... und am Ende vom Lied bin ich vermöbelt worden und sie hat alle sechs Terroristen fertiggemacht, ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen!" Und das Verrückte ist: Sie hat ihm diese Worte gewissermassen in den Mund gelegt. Doch dummerweise empfindet er irgendwie tatsächlich so, obwohl er es bei ihr noch nie vermisst hat, den starken Mann spielen zu müssen. Aber heute haben Leute zugesehen... und es kommt ihm so komisch vor, dass sie ihn gerettet hat, obwohl er doch eigentlich da reingegangen ist, um sie zu retten... Verdammt! Und sie weiss ganz genau, dass er so fühlt... - "Aber Schatz!" - "Ach..." Er weist ihre tröstende Hand ab, weil sie gerade einen kleinen Ehestreit inszenieren, obwohl er sich jetzt nichts mehr wünscht, als nur noch in ihre Arme zu sinken, denn er weiss ja besser als jeder andere Mensch auf der Welt, dass irgendwelches Macho-Gehabe Iris gegenüber völlig fehl am Platz ist, schliesslich ist sie eine Hexe. Sein Engel.
Mulder und Scully sind verblüfft, denn das ist wirklich das erste Mal, dass sie die leiseste Unstimmigkeit zwischen dem Traumpaar Sinclair miterleben. Alexei muss wohl noch ziemlich unter Schock stehen; oder hat die Sache heute wirklich derart sein Männliches Ego gekränkt? Na ja, Iris ist nicht nur schön und reich, sondern hat auch sonst noch unheimlich viele Talente, da kann ein Mann an ihrer Seite schon Komplexe bekommen... und dass sie es dann auch noch war, die höchstpersönlich die Terroristen platt gemacht hat... na ja, das kann einen Mann wohl schon etwas aus der Fassung bringen. Wie würde Mulder sich wohl fühlen, wenn Scully auf diese Weise die Heldin des Tages wäre?!
"Agent Sinclair, Sie sind ganz bestimmt kein Weichei!" erklärt nun Skinner mit aller Bestimmtheit und fühlt sich regelrecht genötigt, den Mann irgendwie zu trösten, obwohl er nicht so recht weiss, was er sagen soll.
"Ich hatte die Überraschung auf meiner Seite..." erklärt nun Iris mit sanfter Stimme. "Dich haben sie gefürchtet und dir alles mögliche zugetraut, darum waren sie auch so brutal zu dir. Glaub mir, Schätzchen, wenn du mein rotes Kleid mit dem tiefem Ausschnitt angehabt hättest, dann hätte die Sache ganz anders ausgesehen!" - Ja, und zwar ziemlich bescheuert! Alex kann sich nun das Kichern nicht verkneifen. "Ich glaube nicht, dass ich überhaupt in dieses Kleid passen würde..." Nun wehrt er Iris' Berührung nicht mehr ab - als sie ihre Hand sanft auf seine Stirn legt. "Ich glaube, du hast etwas Fieber... du solltest schlafen." Sie wendet sich kurz Scully zu: "Dana, was ist deine Meinung als Ärztin?" - "Ja, er braucht viel Ruhe und sollte schlafen!" kommt Scully's Antwort wie aus der Pistole geschossen. - "Na also, sag ich's doch!" Resolut zieht sie Alex auf die Beine und bringt ihn ins Schlafzimmer...
... wo sie ihn behutsam ins Bett legt. Und da die anderen sie hier nicht sehen können, gibt sie ihm noch einen leidenschaftlichen Gute-Nacht-Kuss, für den er wirklich dankbar ist.
Als Iris wieder zu den anderen geht, schliesst sie die Schlafzimmertür leise hinter sich. Sie lässt sich seufzend auf die Couch sinken und reibt sich kurz die Augen.
Auf der Stelle bekommt Skinner ein schlechtes Gewissen. "Agent Sinclair, es tut mir leid, Sie sind ja schon seit letzter Nacht auf den Beinen und müssen todmüde sein!" - "Schon gut!" winkt sie ab. "Ich könnte jetzt sowieso noch nicht schlafen, also bleibt ruhig noch ein Bisschen. Und hören Sie bloss auf, mich Agent Sinclair zu nennen. Ich bin Iris." - "Oh... gut, Iris." Skinner fragt sich, warum er sich eigentlich wie ein Idiot darüber freut, dass er sie Iris nennen darf. Himmel, warum macht ihn diese Frau so an? Ob sie wohl auf alle Männer so wirkt? Auch auf Mulder, der sie ebenfalls anstarrt? Auch auf die Terroristen? Himmelherrgott, sie hat ihn völlig aus dem Konzept gebracht. Hat er sie nicht noch irgendwas fragen wollen? Ach ja, jetzt fällt's ihm wieder ein. "Ich, äh, wollte sie noch was fragen..." fängt er an und kommt sich komisch vor. Fängt er jetzt etwa auch noch an zu stottern?
Mulder und Scully werfen sich einen vielsagenden Blick zu, denn ihnen ist durchaus nicht entgangen, dass sich Skinner plötzlich aufführt wie ein Junge beim ersten Rendezvous.
"Was?" erkundigt sich Iris mit unschuldiger Miene und sieht Skinner an - dem bei diesem Blick irgendwie heiss wird. Himmelherrgott, was muss er vor seinen Agenten für einen Eindruck machen, dass ihm sogar die Worte fehlen? Allerdings scheinen Mulder und Scully die Situation regelrecht zu geniessen, ihren Chef mal sprachlos zu erleben. Irgendwann wird er sich dafür rächen. "Äh..." Er räuspert sich und nimmt noch mal einen Schluck Wein. "Es freut mich sehr, dass Sie bei der Sache heute nicht verletzt wurden." Halleluja, er hat doch noch ein paar Worte gefunden. - "Ich hab mir nur ein Handgelenk verstaucht..." erzählt Iris lächelnd - worauf Skinner nun nicht anders kann, als auf ihre Hände zu starren. Sie bemerkt wohl seinen Blick und streckt ihre linke Hand aus. Ihm fällt auf, dass sie einen unscheinbaren Ring am Mittelfinger trägt, ebenso wie am Mittelfinger ihrer rechten Hand. Sieht wie Platin aus. Weitaus auffälliger ist jedoch der goldene Ehering, der glänzt wie frisch poliert und ihn erneut daran erinnert, dass diese Frau hier verheiratet ist. Egal, er starrt ihr Handgelenk an, das tatsächlich leicht geschwollen aussieht. "Tut's noch weh?" - "Nur wenn ich lache..." grinst Iris. "Meine Güte, es ist doch nur verstaucht. Wenn ich Alexei's Weste nicht gehabt hätte, dann hätte ich jetzt wohl ein Loch im Bauch."
Mulder und Scully kommen sich langsam fast so vor, als würden sie hier bei einem Rendezvous stören. So merkwürdig haben sie ja ihren Chef noch nie erlebt!
"Wollten Sie mich nicht noch irgendwas fragen, Director Skinner?" erkundigt sich Iris schliesslich. - "Ähm, ja... Wie gefällt es Ihnen hier in Washington, Iris?" Ihm kommt gerade in den Sinn, dass sie nach diesem Geiseldrama hier vielleicht am liebsten die Koffer packen und wieder nach Los Angeles oder sonst wohin verschwinden will. "Abgesehen von letzter Nacht natürlich..." - "Hmmm... warum habe ich das Gefühl, dass dies eine Fangfrage ist?" erwidert Iris und sieht ihn durchdringend an. - "Sie haben mich erwischt. Eigentlich geht es darum, dass ich Sie gerne abwerben würde. Für unser Büro in Washington." - "Mich?" - "Ich meine natürlich Sie und ihren Mann, schliesslich sind Sie ja ein Team." - "Stimmt genau. Und Ihnen ist klar, dass wir nicht fulltime arbeiten und auch sonst vielleicht ein wenig äh exzentrisch sind?" - "Agent Mulder und Agent Scully haben mir davon erzählt." Aber sie haben vergessen zu erwähnen, dass Iris so hinreissend ist. "Und immerhin hatte Ihr Vorgesetzter in Los Angeles schon nichts dagegen, dass Sie beide uns bei dieser Geiselnahme helfen... da wussten wir natürlich noch nicht, dass Sie selbst zu den Geiseln gehören." - "Tja, das ist wohl wirklich ein Zufall... oder ein Wink des Schicksals?" Sie lächelt und scheint zu überlegen...
... und nun kann Skinner den Blick nicht von ihren Lippen wenden. Ja, sie ist anscheinend ziemlich esoterisch angehaucht, hat er gehört. Hoffentlich hält sie es für einen guten Wink des Schicksals! "Und?" - "Muss ich das etwa jetzt gleich entscheiden?" Iris gähnt herzhaft hinter vorgehaltener Hand. - Skinner ist schon froh, dass sie überhaupt darüber nachdenken will. "Selbstverständlich erwarte ich nicht sofort eine Antwort. Schlafen Sie darüber. Bereden Sie es mit Ihrem Partner. Wenn Sie sich entschieden haben, geben Sie mir einfach Bescheid." Er überreicht ihr eine Visitenkarte; eine von der Sorte, auf der auch seine Privatnummer vermerkt ist. "Ich würde mich über Ihren Anruf freuen!" - "Aha..." Sie wirft einen Blick auf die Visitenkarte und lächelt ihn an. "Und nur so der Neugierde halber... was sollten wir denn eigentlich für Sie tun? Ich meine, für welche Abteilung hätten Sie denn gerne unsere Verstärkung?" - "Was wäre Ihnen denn am liebsten?" - "Na ja... eigentlich mag ich Abwechslung." - "Das lässt sich arrangieren." antwortet Skinner prompt. Iris ist reich, das ist heute mit dem Lösegeld eindeutig bewiesen worden. Mehr Gehalt, ein dickes Spesenkonto oder ein teurer Dienstwagen geht ihr am Arsch vorbei, man muss sie anders ködern, denn sie tut ja das alles nur, weil's ihr Spass macht.
M
Alex ist froh, Iris neben sich zu spüren, als er am späten Morgen aufwacht. Natürlich ist sie wach. Sie ist immer wach. "War gestern noch was?" erkundigt er sich verschlafen und kuschelt sich an sie.
Sie erzählt ihm von dem Gespräch mit Skinner und dass man sie offenbar in Washington am liebsten engagieren würde.
Etwas unsicher sieht Alex sie an. "Und was machen wir jetzt?" erkundigt er sich. "Darf ich dich daran erinnern, dass unsere FBI-Ausweise gefälscht sind?" - "Sie sind echt. So echt FBI-Ausweise nur sein können. Unsere Namen stehen im Computer. Unser Vorgesetzter in Los Angeles wird auf Anfrage gerne bestätigen, dass wir zwei gute aber auch sehr exzentrische Agenten sind... und sehr publicityscheu." erklärt sie lapidar. - "Du meinst also, wir könnten hier tatsächlich fürs FBI arbeiten? Dann wären wir noch näher dran... Skinner hat Connections. Und er scheint ja sehr von dir beeindruckt..." Er strahlt sie an. "Kein Wunder, dass er von dir beeindruckt ist..." Allerdings findet er es nun doch ein wenig beunruhigend, dass ihre Tarnung ja nicht gerade unauffällig ist, um es mal milde auszudrücken. Was ist, wenn plötzlich mal jemand ihre Villa in Los Angeles sehen will oder was ähnliches? Allerdings zweifelt er auch nicht daran, dass Iris dann schon irgendwas einfallen würde.
Erst nach dem verspäteten Frühstück wagt es Alex schliesslich, eine Frage zu stellen oder wenigstens so ähnlich... "Du hast mir immer noch nicht genau erzählt, weshalb du eigentlich in diesem Kunstmuseum warst!" meint er vorsichtig. - "Mmmmh..." sie schlürft heissen Kaffee, an dem sich jeder normale Mensch die Zunge verbrennen würde. - "Soll ich darüber lieber keine Fragen stellen?" Eigentlich hat man ihn fast sein ganzes Leben dazu angehalten, keine Fragen zu stellen. Wenigstens kann er sich bei Iris darauf verlassen, so glaubt und hofft er zumindest, dass sie ihn stets darüber aufklärt, wenn etwas ihn direkt betrifft; das ist doch schon viel wert! - "Na ja..." Sie lächelt ihn verschwörerisch an. "Sagen wir mal so... Ich war eigentlich eher wegen dieser Zeremoniendolche, Amulette und dem ganzen Zeugs dort; und nicht etwa, weil ich unbedingt Geisel spielen wollte." - Alex zieht eine Augenbraue hoch, obwohl er sich sowas schon fast gedacht hat. Es liegt ihm auf der Zunge, sie danach zu fragen, ob sie vielleicht den ganzen Plunder gestohlen hat und was sie wohl damit will - doch sie schüttelt den Kopf. "Nein. Aber ich kenne diejenige, die es gestohlen hat. Zerbrich dir nicht weiter dein hübsches Köpfchen darüber, denn es wird sich nie aufklären..." Sie küsst ihn auf die Stirn, genau neben das Pflaster.
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"Ach, ist ja drollig... Auf der Erde wurden Zeremoniendolche, Amulette und anderes Zeugs in einem Museum ausgestellt?! Na kein Wunder, wenn sich da einfach mal jemand bediente... Wer war es?" - "Na wer wohl. Pad'M'Ara." - "Wer zum Teufel ist das?! Ach, schon gut... Aber Iris hat doch dann wohl nicht etwa wirklich beim FBI angefangen und Befehle von einem Menschen, einem Mann, entgegengenommen, oder?!"
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[FBI-Gebäude in Washington: Büro von Mulder und Scully]
Iris tut so, als wäre sie hier noch nie gewesen. "Das ist euer Büro?" Sie grinst von einem Ohr zum anderen, als sie abwechselnd Mulder und Scully ansieht, die nun irgendwie fast etwas peinlich berührt scheinen. Mit vier Leuten ist es in dem kleinen Kellerbüro schon so voll, dass fast schon Partystimmung aufkommen könnte. - "Ich schätze, wenn du die X-Akten bearbeiten würdest, hättest du ein grosses sonniges Büro im obersten Stock!" meint Mulder schulterzuckend. - "Nicht unbedingt!" Iris lächelt immer noch und betrachtet das UFO-Poster an der Wand. "Irgendwie gefällt mir das hier. Es so schön... verschwörerisch!"
"Habt ihr schon mit Director Skinner geredet?" erkundigt sich Mulder, den die Aussicht durchaus entzückt, mit den beiden auch dienstlich zu tun zu haben. Iris wäre wirklich ein Gewinn für die X-Akten; und das nicht nur weil sie die Namen aller Götter und Dämonen der Erde kennt und sich mit so ziemlich jedem paranormalen Phänomen auszukennen scheint, das es überhaupt gibt. - "Nein, noch nicht, weil unsere Antwort noch nicht definitiv feststeht." erklärt Iris schulterzuckend. - "Was überlegt ihr denn noch lange?" meint nun Scully. "Habt ihr nicht gesagt, dass euch euer Chef und die Kollegen in Los Angeles nerven? Director Skinner ist von Mulder schon einiges gewohnt, da könnt ihr ruhig etwas exzentrisch sein!" - "Ach ja?" Alex wechselt mit Iris einen Blick. "Scheint ja fast so, als würde es euch freuen, wenn wir zum Büro in Washington wechseln..." - "Ja!" erklärt Scully sofort und Mulder nickt. - "Hehehe, das klingt für mich verdächtig danach, als wäre es euch ganz recht, dass mal jemand anders die Rolle der exzentrischsten Agenten übernimmt!" sagt Iris frei heraus. "Damit ihr wieder mal etwas mehr Ruhe habt und man euch nicht mehr so auf die Finger schaut?"
[FBI-Gebäude in Washington: Büro von Skinner]
"Es freut mich wirklich, Sie hier zu sehen!" Skinner ist sogar regelrecht begeistert, auch wenn er sich redlich bemüht, sich die Begeisterung nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Allerdings hätte er Iris beim ersten Blick fast nicht erkannt; sie sieht so anders aus mit hochgestecktem Haar und in grauer Kleidung. Jetzt ist ihm wirklich klar, dass sie wohl tatsächlich eine perfekte Undercover-Agentin ist. Ist es wohl ein gutes Zeichen, dass Iris und ihr Partner (ihr Ehemann! ruft er sich gewaltsam in Erinnerung) ihn nach dem Gespräch von gestern Abend heute schon in seinem Büro besuchen kommen?
"Mulder und Scully haben uns daran erinnert, dass es unhöflich wäre, Ihnen keinen Besuch abzustatten, Sir, wenn wir schon mal hier im Hause sind..." meint Iris nach der Begrüssung, als sie sich gesetzt haben - und Skinner ist fast ein wenig enttäuscht. "Dann haben Sie also noch nicht über meinen Vorschlag nachgedacht?" - "Doch, doch... wir haben schon darüber nachgedacht." widerspricht Iris. "Wir sind nur noch zu keinem definitiven Entschluss gekommen. Ist wirklich nicht so einfach, immerhin haben wir auch schon mit dem Gedanken gespielt, das FBI ganz zu verlassen..." - "Aber..." Warum überkommt Skinner auf einmal fast sowas wie Panik? Vorgestern hat er Iris und Alexander Sinclair noch nicht einmal gekannt... und jetzt fürchtet er sich fast davor, sie könnten nicht für ihn arbeiten, weil das ein grosser Verlust wäre. Für das FBI. Für ihn. "Was könnte ich tun, um Sie dazu zu bewegen, beim FBI hier in Washington zu bleiben?
"Ach wissen Sie..." Iris schlägt leger die Beine übereinander, während Alex neben ihr geradezu stocksteif dasitzt. Dann erklärt sie ihm lang und breit mit verschwörerischem Lächeln, dass es ihnen ja irgendwie schon gefällt, irgendwelche Fälle zu lösen oder sonst wie zu helfen und so weiter und so fort. Aber dass sie das eben gerne auf ihre eigene Art tun... Vorschriften und Regeln und ständig Berichte schreiben etc.pp. sowas ist da eher abtörnend, besonders da es sich für gewöhnlich so schlecht erklären lässt, wenn Iris wieder mal ihrer Intuition folgt.
"Also ich wäre durchaus, das Risiko einzugehen!" erklärt schliesslich Skinner. "Ich werde Ihnen alle Freiheiten lassen, die Sie möchten. Sie wären dann gewissermassen sowas wie äh Freie Mitarbeiter! Wenn wir Ihre Hilfe brauchen, rufen wir Sie an, und ansonsten können Sie tun und lassen, was Sie wollen. Ich verspreche Ihnen auch, dass Ihre Namen rausgehalten werden." Er kann kaum glauben, was er da sagt, doch dann kommt es ihm gar nicht mehr so verrückt vor. Ungewöhnlich, sicher. Aber irgendwie doch auch wieder ganz vernünftig! - "Sie bitten uns also darum?" vergewissert sich Iris und lässt sich diesen kleinen Satz genüsslich auf der Zunge zergehen. - Skinner zieht scharf die Luft ein. Soweit hat sie ihn schon gebracht, dass er sie bitten muss? So ein Luder! Aber er kann nicht anders... "Ja, ich bitte Sie!"
[FBI-Gebäude in Washington: Büro von Mulder und Scully]
"Und er ist mit eurem unorthodoxen Stil einfach so einverstanden?" Scully kann es kaum glauben, denn sowas sieht ihrem Chef doch eigentlich gar nicht ähnlich, jedenfalls nach dem was sie schon alles an bürokratischem Wirrwarr miterleben mussten. Aber vielleicht kennen sie ja Director Skinner gar nicht so gut, wie sie immer dachten? - "Tja, Scully, irgendwas scheinen wir falsch zu machen... warum ist uns sowas nicht schon viel früher eingefallen?" scherzt Mulder. "Dann sind wir jetzt also endlich wirkliche Kollegen?" - "Jaaa..." grinst Iris. "Was ist denn hier so üblich? Müssen wir jetzt ne grosse Party für den ganzen Laden schmeissen oder sowas in der Art?" Aber sie weiss durchaus, dass sowas nicht üblich ist; und Mulder und Scully wissen, dass sie das weiss. - "Nein, ihr müsst nur uns und Skinner zu einer Party einladen!" erwidert Mulder keck, worauf Scully zustimmend lächelt. - "Ach ja?" meint Iris neckisch. "Und was schwebt euch da so vor?"
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[Skinner's Wohnung in Washington]
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt... Skinner höchstpersönlich hat am nächsten Freitag Abend zum Abendessen eingeladen und sogar selbst gekocht für seine beiden neuen Agenten sowie für seine beiden alten Agenten, die ihn erst auf die Idee gebracht haben.
Weil er sich ja noch schonen muss, verbietet Iris ihrem Mann jeden Alkohol und nötigt ihn dann auch noch, trotz seines Protestes, sich nach dem Essen auf der Couch hinzulegen.
Skinner kommt sich vor wie ein Schwein, doch er geniesst es, mit Iris zu flirten. Es ist lange her, dass er mit einer Frau geflirtet hat und insgeheim beglückwünscht er sich dazu, dass er sich mit der bezaubernden Special Agent Iris Sinclair so nett unterhalten kann. Und zwar nicht nur über irgendwelche Verbrechen, Paranormales Zeugs, Aliens oder das Konsortium, über was sie auch schon geradezu beängstigend gut bescheid zu wissen scheint. Sie hat ein so sonniges Gemüt, dass sie unwillkürlich mit jedem flirtet, das hat ihm Mulder mittlerweile in vertraulichem Ton zugeflüstert... Oh ja, er geniesst es wirklich. Aber es ist nicht richtig. Es gehört sich nicht, dass er mit einer Agentin flirtet. Schon gar nicht mit einer verheirateten Agentin. Und schon gar nicht mit einer verheirateten Agentin, deren Mann gerade auf seiner Couch ein Nickerchen macht. Aber es ist doch nur ein Flirt! Aber irgendein verdorbener Teil seiner Persönlichkeit wünscht sich mehr als nur einen netten harmlosen Flirt, sondern weit mehr, und dafür fühlt sich der moralische Teil seiner Persönlichkeit schuldig. Pfeif drauf! Verdammt, warum macht ihn diese Frau so an?
Iris tut so, als würde sie von Skinner's Dilemma nichts bemerken, benimmt sich so, wie man es nach soviel Wein ungefähr erwarten könnte, scherzt vergnügt herum und bringt dabei sogar Scully zum Lachen. Plötzlich sagt sie dann: "Mir ist nach tanzen!"
Und nun hält Skinner tatsächlich Iris in den Armen, wiegt sich mit ihr im Takt der leisen Musik und hält es kaum aus, sie so nahe bei sich zu haben, ohne sie zu küssen. Sie duftet wie ein warmer Sommerregen und irgendwie üben ihre verführerischen Lippen eine hypnotische Wirkung aus. Er schreit innerlich auf, als das Lied zu Ende ist und sie sich von ihm löst. Partnerwechsel. Sie schnappt sich einfach Mulder und zerrt ihn überschwänglich auf die Füsse. Als Skinner daraufhin Scully auffordernd ansieht, erhebt sich diese freiwillig. Sicher, Scully ist auch sehr schön und eine begehrenswerte Frau; doch für Skinner ist diese Agentin mehr eine Mischung aus Tochter und alter Freundin und ausserdem gehört sie ja sowieso zu Mulder, irgendwie, weshalb er sich niemals vorstellen könnte... nein, beim besten Willen nicht... Wieder Partnerwechsel. Mulder und Scully. Und er hält wieder Iris in seinen Armen. Würde dieses Lied doch nie aufhören!
* * *
[PALACE-HOTEL IN WASHINGTON]
"Danke, dass Sie mir geholfen haben, Alexei nach Hause zu bringen, Sir!" Leise schliesst sie die Schlafzimmertür hinter sich. - "Warum so förmlich, Iris... wir sind hier unter uns, also nennen Sie mich Walter!" Einen Moment lang fragt er sich wirklich, was er hier tut. Er hat noch niemals einem seiner Agenten angeboten, ihn beim Vornamen zu nennen. - "Okay, Walter. Vielleicht noch einen Kaffee?" - Er schüttelt den Kopf. "Lieber noch einen Tanz!" Oh mein Gott, hat er das gerade wirklich gesagt? Zum Glück sind Mulder und Scully nicht mehr hier... denn seltsamerweise schämt er sich nur vor Iris überhaupt nicht - und tatsächlich scheint sie an seinem Wunsch nichts ungewöhnlich zu finden. "Okay!" Sie geht lächelnd zur Musikanlage, legt eine CD ein und kurz darauf ertönt leise einschmeichelnde Musik.
Er hat manchmal die Nase so voll von irgendwelchen Konsortiums-Verschwörungen oder auch vom ganz normalen Wahnsinn, mit dem er es tagtäglich beim FBI zu tun hat. Wenigstens hat das Konsortium schon lange nichts mehr von sich hören lassen, als hätte es sich inzwischen aufgelöst, aber das wäre wohl zu schön, um wahr zu sein. Wie auch immer Iris und Alexei auf die Spuren von allerhand mysteriösen Dingen gekommen sind, Skinner ist dankbar dafür, endlich mal mit einer Frau zu tanzen, vor der er kein Geheimnis um seine Arbeit machen muss. An der Arbeit sind früher oder später alle seine Beziehungen gescheitert; meistens eher früher... Aber Iris kennt sich da aus. Ja, sie riecht geradezu nach Verständnis. "Danke!" murmelt er plötzlich, während sie immer noch eng tanzen.
Hach, irgendwie richtig süss! In anderen Varianten ist er doch sogar verheiratet. Oder zumindest gewesen. Warum ist dieser Skinner hier eigentlich noch solo? Jede Faser seines Körpers schreit geradezu nach Zärtlichkeit... "Danke wofür?" haucht sie zurück und bläst dabei ihren Atem haarscharf an seinen Ohren vorbei. - "Dass Sie mit einem alten Narren wie mir tanzen!" erklärt er leise. - "Ooooch..." schnurrt sie nun. "Du bist doch kein Narr, Walter, und so alt bist du auch noch nicht." Sie sieht ihm in die Augen und flüstert völlig ohne Spott: "Ganz im Gegenteil, du wirkst wie ein Mann, der plötzlich wieder Schmetterlinge im Bauch hat."
Er ist sich völlig sicher, dass sein Herz so laut klopft, dass sie es hören muss. Sie weiss es! durchzuckt es sein Hirn, doch zu seiner eigenen Verblüffung macht sich nun eher Erleichterung als Panik breit. Immerhin kann er sich jetzt auch ziemlich sicher sein, dass an ihrer Intuition wirklich was dran ist... aber hat er etwa gedacht, sie merkt es nicht? "Es tut mir leid..." fängt er an - doch sie legt einen Finger auf seine Lippen, die daraufhin wie Feuer brennen. "Es braucht dir nicht leid zu tun. Ich fühle mich geschmeichelt." Ihre Stimme ist nur der Hauch eines Flüsterns, doch sie weiss genau, dass er jedes Wort versteht. Sie hört das Begehren in seinen Gedanken und wie sehr er über sich selbst verwirrt ist, wie sehr er wünschte, sie würde ihn küssen, weil er sich nicht traut, es selbst zu tun... und sie spielt schon fast mit dem Gedanken, ihm den Gefallen zu tun. Sie würde es tun, wenn er sie darum bittet...
"Sie sind verheiratet, Iris..." murmelt er nach einer Minute des Schweigens und klingt leicht verzweifelt, als würde er gerade ein Todesurteil verkünden. Fast hofft er, sie würde ihm plötzlich erzählen, Alexander Sinclair wäre ihr Bruder und nicht ihr Ehemann oder dass es eigentlich nur eine Scheinehe wäre. - "Wir führen eine offene Ehe..." flüstert Iris und schmiegt sich an ihn. "Solange es diskret abläuft, können wir beide tun und lassen, was wir wollen." - Skinner kann sich nicht helfen, doch bei diesen hoffnungsvollen Worten beginnt es in seinen Fingerspitzen zu kribbeln, die auf Iris' Rücken hochgewandert sind und nun ihre nackte Haut berühren, während sie sich immer noch im Takt der Musik wiegen. "W... was soll das heissen?" flüstert er mit heiserer Stimme. - "Ich würde Alexei niemals so kränken, indem ich ihn zum Gespött der Leute mache, weil ich ihm ausgerechnet mit unserem Chef Hörner aufsetze..." flüstert sie ihm ins Ohr und knabbert kurz an seinem Ohrläppchen - was ihm heisse Schauer durch seinen Körper jagt und ihn fast den Verstand verlieren lässt. "Iris..." Er seufzt ihren Namen und versucht zu verstehen, was sie ihm eigentlich gerade erzählt. Aber es ist verdammt schwer, auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen, wenn das ganze Blut aus dem Hirn gerade in südlichere Regionen schiesst. Himmel, was tut er hier eigentlich? Ihr Mann schläft gleich im Zimmer nebenan! Aber sie führen eine offene Ehe... und solange es diskret bleibt... damit kann er leben. Es liegt ihm nichts daran, mit einer Geliebten anzugeben, schon gar nicht, wenn es sich dabei auch noch um eine verheiratete Agentin handeln sollte. Solange er sie nur endlich küssen kann. Himmel, was tut er hier?! "Ich... äh..."
Sie kann seine Gedanken hören: Bitte Iris, küss mich doch endlich! Und endlich tut sie ihm den Gefallen. Zumindest haucht sie ihm einen sanften Kuss auf die Wange. Erst auf die linke, dann auf die rechte. - "Wissen Sie auch, was Sie da tun, Iris?" Oh mein Gott, hör jetzt um Himmels Willen nicht auf, mach weiter Iris! "Sie müssen nicht..." Doch, sie muss mich jetzt endlich küssen und zwar richtig! Bitte, bitte, bitte, endlich ein richtiger Kuss! - "Stimmt, ich muss gar nichts..." haucht sie und ist dabei mit ihren Lippen den seinen so nahe, dass sie sich bei jedem Wort berühren. "Ich tu nur, was ich will!" Mittlerweile haben sie aufgehört, sich zur Musik zu bewegen und so zu tun, als wäre es nur ein Tanz. Sie drückt ihre Lippen sanft auf die seinen...
... und ab diesem Zeitpunkt kann sich Skinner hinterher an nichts mehr erinnern, was in dieser Nacht noch alles im Wohnzimmer von Iris' Suite im Palace passiert ist.
Er weiss nur, dass er sich seltsam wohl fühlt, als er morgens aufwacht. Auf der Couch in Iris' Suite, zugedeckt mit einer flauschigen Wolldecke. Noch mit all seinen Kleidern an; oder schon wieder?
Als Iris wortlos eine Tasse Kaffee auf dem Couchtisch abstellt, zuckt er zusammen. Sie trägt nur einen Bademantel. Fast ist er versucht, sie zu fragen, was sie gestern eigentlich noch alles getan haben, doch dann lässt er es lieber. Verdammt, der Morgen graut bereits und er ist immer noch hier und jeden Moment könnte ihr Mann hier reinspazieren oder vielleicht kommen plötzlich Mulder und Scully vorbei und was würden die wohl denken, wenn er noch hier bei Iris ist und überhaupt, was hat er sich eigentlich nur dabei gedacht...
Irgendwie ist er jetzt nicht dazu in der Lage, sich mit ihr zu unterhalten, wofür sie durchhaus Verständnis zu haben scheint. Kaum hat er den Kaffee ausgetrunken, ein verdammt starker Kaffee, reicht sie ihm auch schon seinen Mantel und lässt ihn zur Tür raus.
* * *
Sobald Skinner weg ist, tritt Alex aus dem Schlafzimmer. "Du hast den Mann völlig durcheinandergebracht!" Es klingt mehr schadenfreudig als vorwurfsvoll. "Du wirst ihn noch für jede andere Frau verderben, wenn das so weitergeht..." So wie er selbst längst für jede andere Frau verdorben ist. Sobald sie in Reichweite gekommen ist, nimmt er sie in die Arme und drückt sie an sich. "Bitte küss mich!" haucht er und schmeckt gleich darauf ihre süssen Lippen. Skinner tut ihm wirklich leid.
Eigentlich ist es schon erstaunlich. So seltsam vielleicht sein Leben als Partner und Ehemann der schönen und reichen Iris Sinclair auch sein mag, die ja in Wirklichkeit eine Hexe und somit noch viiiel erstaunlicher ist, als alle ohnehin schon denken... aber als Special Agent Alexander Sinclair kommt er sich plötzlich sehr viel 'normaler' vor, als er es in seinem Leben als Alex Krycek jemals war. Hauptsache, Iris hört niemals damit auf, ihn zu küssen...
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"Irgendwie verstehe ich nicht so ganz, weshalb Iris mit diesem Typen da auch noch was angefangen hat. Sie hätte doch einfach... na ja... oder hat das auch wieder mit ihren Spielregeln zu tun?" - "Tja, weiss auch nicht. Irgendwie habe ich jedoch das Gefühl, dass hat es wohl eher damit zu tun, dass Iris so furchtbar gerne Spielchen gespielt hat." - "Spielchen, so sooo..."
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[FBI-Gebäude in Washington: Büro von Director Skinner]
Iris hat in der Amayra-Variante im Laufe der Jahrhunderte schon eine Menge Bücher gelesen; und in den letzten Jahrzehnten auch etliche Filme gesehen. Und sie weiss natürlich auch viel mehr über alle möglichen Historischen Ereignisse auf Erden, als nur was in den Geschichtsbüchern steht...
... und doch lässt sie sich gerade von Skinner über irgendwelche Schlachten aufklären, als hätte sie vom Amerikanischen Bürgerkrieg noch nie gehört. Alex steht neben ihr und macht ein Gesicht, als wäre er hier im Wartezimmer eines Zahnarztes. Schliesslich stoppt Iris mit einer Handbewegung Skinner's Redefluss und erkundigt sich: "Äh... ist ja alles schön und gut und spannend. Aber warum erzählen Sie uns das alles? Weshalb haben Sie uns gerufen?"
Die anderen Agenten, die hier im Büro herumstehen, sehen sie an, als hätte sie sich gerade die Kleider vom Leib gerissen. Keiner von ihnen hätte sich wohl jemals getraut, Skinner zu unterbrechen, auch wenn sich wirklich alle hier fragen, weshalb er sie überhaupt gerufen hat. Die meisten der anderen Agenten haben Iris und Alex hier im FBI-Gebäude noch nie gesehen, aber gerüchteweise ist bekannt, dass das sehr spezielle Special Agents sind und dass sie angeblich auch noch mit Spooky Mulder und Scully befreundet wären; alles in allem seltsam genug und da wagt es diese Frau auch noch, einfach Assistant Director Skinner zu unterbrechen, na sowas!
Und seltsamerweise scheint Skinner über diese Unterbrechung noch nicht einmal verärgert zu sein. Nun rückt er endlich damit heraus, was der Bürgerkrieg damit zu tun hat, weswegen er eine Horde Agenten hier herbestellt hat. Lang und breit fängt er von einer Historischen Gesellschaft zu erzählen an, die hier in Washington eine Gala veranstalten will, um von reichen Leuten Spenden für die Renovation eines Museums zu bekommen. Und weil die Veranstalter Drohbriefe erhalten haben - und nicht zuletzt wegen der Geiselnahme im Kunstmuseum vor zwei Wochen - haben die um Polizeischutz gebeten.
"Und sowas ist FBI-Sache?" flüstert Iris leicht stirnrunzelnd und spricht damit aus, was andere denken. - "Das ist eine lange Geschichte, aber wir haben jedenfalls den Auftrag erhalten, ein Auge auf diese Gala zu haben." Skinner klingt so, als wäre er davon auch nicht gerade hell begeistert. "Und übrigens: Es ist ein Kostümfest. Ich meine: Kostüme à la Bürgerkriegszeit." Er sieht Iris an, die schon bei dem Wort 'Gala' das Gesicht verzogen hat. Sie ahnt wohl schon, worauf das hinauslaufen wird. Und er weiss nicht, ob sie mitmachen wird. Nach der Geiselsache könnte es ihr wohl niemand verübeln, wenn sie nie wieder auf so eine Veranstaltung gehen wollte, geschweige denn nur erst zwei Wochen später - aber sie steht immer noch da mit verschränkten Armen und rollt die Augen. "Sie meinen also, wir sollen uns unter die Gäste mischen?" bringt sie es dann auf den Punkt. - "Genau." - "Und wann fängt der Spass an?"
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"Ach du liebe Zeit! Solche Sachen machten die?!" - "Ach, die machten sogar noch ganz andere Sachen..." - "Und sie hat sich von diesem Skinner wirklich was sagen lassen?" - "Na ja, zumindest hat sie so getan, als ob..." - "Muss wohl realistisch genug rübergekommen sein, dass er's geglaubt hat, oder?!"
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[Festsaal des Hilton]
"Ist das nicht ein Bisschen verrückt?" flüstert Alex und klammert sich an seinem Champagnerglas fest. Iris hat gesagt, er sähe gut aus in dieser bescheuerten Nordstaaten-Uniform, doch sie sieht in ihrem blauen Kleid einfach atemberaubend aus und hat sich sogar ihre Haare zu kleinen Korkenzieher-Löckchen gestylt, als wäre sie direkt der damaligen Zeit entsprungen. "Wir haben uns wegen des Konsortiums an Skinner gehalten... und jetzt stehen wir hier mitten in einem Kostümfest! Das ist fast noch verrückter als die Sache mit der Geiselnahme, in die wir reingerutscht sind... Ich meine, irgendwie sind wir sogar freiwillig hier, ich glaub's kaum!" - "Stimmt!" sagt Iris lächelnd, doch es macht ihr anscheinend nichts aus, obwohl ihr Kostüm bestimmt weitaus unbequemer als seins ist.
Wenn es ihr wirklich nur um die traurigen Überreste des Konsortiums gehen würde, dann hätte sie ja durchaus andere Möglichkeiten, wenn sie sich entsprechend konzentrieren und anstrengen würde... Es wäre beispielsweise ein leichtes für sie, den Raucher aufzuspüren, der sich irgendwo verkrochen hat. Mit Magie. Wenn sie denn wirklich uuunbedingt wollte. Aber seit die Aliens endlich weg sind - und damit die unmittelbarste Bedrohung dieser Erde hier erst mal weg ist (von der die gute Priscilla Deveraux ja noch nicht mal was geahnt hat, als sie darum gebeten hat, diese Welt besser zu machen) - lebt sie wirklich fast normal als Mensch unter Menschen und hält sich sogar wieder möglichst an die Regeln oder zumindest hält sie sich zumindest tagsüber mit ihrer Magie weitgehend zurück... während sie jedoch immer noch gelegentlich als Guter Geist bzw. Weltverbesserischer Friedensengel unterwegs ist, wenn Alexei schläft, und beispielsweise Walfänger erschrecken geht oder was ihr gerade sonst so einfällt...
"Ich liebe dich!" flüstert er ihr ins Ohr. Verdammt, es gefällt ihm, dass sie hier sogar in aller Öffentlichkeit ein Paar spielen dürfen. Und er weiss, dass ihn in diesem Augenblick, alle anderen FBI-Agenten, die sich ebenfalls hier herumdrücken, von ganzem Herzen beneiden; und etliche der männlichen Gäste wohl ebenfalls. Obwohl sich Iris irgendwie Mühe gegeben hat, nicht allzu sehr aufzufallen. Kein rotes Kleid. "Hast du schon irgendwas verdächtiges bemerkt?" fragt er sie dann, denn er weiss ja, dass sie weitaus schärfere Sinne hat als normale Menschen, jedenfalls wenn sie sich darauf konzentriert. Doch sie schüttelt nur kurz den Kopf und lässt ihn telepathisch wissen, dass sie hier weit und breit nichts verdächtiges entdecken kann. Keine Schwingungen von Bomben oder Waffen, abgesehen von den Waffen, die das FBI bei sich trägt. "Willst du tanzen?"
"Na klar!" Iris hat diese züchtigen Tänze zwar schon in der damaligen Zeit nie so sonderlich gemocht, wie sie jetzt hier auf diesem Fest wieder getanzt werden... aber was tut man nicht alles! Wirklich zu schade, dass Mulder und Scully nicht auch zu diesem komischen Einsatz hier verdonnert wurden, denn sie hätte die beiden wirklich zu gerne auch mal in solchen Kostümen gesehen. Na ja, vielleicht lässt sich ja irgendwann nochmal so ein Fest organisieren... auch wenn sie natürlich weiss, dass dieser Dana Scully wohl ein langes Hochzeitskleid noch viel besser gefallen würde als ein Kostüm aus der Bürgerkriegszeit.
Skinner trägt die Uniform eines Südstaaten-Offiziers und beobachtet von der Galerie aus, wie Iris mit ihrem Mann übers Parkett schwebt. Ein sehr züchtiger Tanz, wo sich höchstens die Hände berühren, und er ist froh darum. Die Sinclairs sehen so aus, als würden sie wirklich zu den feinen Herrschaften hier gehören; aber schliesslich ist Iris Sinclair ja reich, sie ist solchen Umgang bestimmt gewohnt. Sie haben sich auch selbst ihre Kostüme besorgt, die tatsächlich wie angegossen passen - und nicht so komisch an ihnen herumschlottern wie diese Fetzen aus dem Kostümverleih, in die seine anderen Agenten gesteckt wurden, die fast schon auf den ersten Blick wie Fremdkörper hier wirken. Skinner selbst hat mit seiner Uniform ja noch Glück gehabt, dass die sogar halbwegs passt. Allerdings fühlt auch er sich hier wie ein Fremdkörper. Die Sinclairs hingegen sehen so aus, als würden sie den Abend sogar richtig geniessen... was sie entweder tatsächlich tun oder es zumindest glaubhaft vortäuschen. Wie auch immer, sie sind für solche Undercover-Arbeit wirklich perfekt, das muss er zugeben.
Der Abend verläuft ruhig.
Es stürmen keine Terroristen mit Maschinengewehren im Anschlag rein, die hier alle als Geiseln nehmen wollen. Kein einziger Psychopath zückt plötzlich eine Waffe oder setzt jemandem ein Messer an die Kehle. Keine Bombendrohung. Nichts. Nur ein paar betrunkene Gäste, die zuweilen etwas laut werden, also wirklich harmlos...
... bis ein Betrunkener versucht, Iris anzugrabschen, als sie mal wieder eine Champagner-Pause macht. Sie verdreht die Augen und wirft kurz einen fragenden Blick zu Skinner hoch - der die Szene beobachtet und einfach mal fasziniert zusieht...
... wie Iris sich elegant von dem Betrunkenen loslöst, der ihr jedoch weiter auf die Pelle rückt, worauf Alexei sich dazwischenwirft, wie es sich für einen Gentleman gehört. Erst als der Betrunkene daraufhin tatsächlich zum Schlag ausholt, fängt Alexei die Faust des Angreifers mit seiner Hand auf, verdreht dem anderen gekonnt den Arm auf den Rücken und bugsiert den Mann dann aus dem Saal, ohne dabei grosses Aufsehen zu erregen.
Kaum ist Alexei weg, schmeisst sich ein anderer Mann an Iris ran, der gerne mit ihr tanzen würde, was sie jedoch höflich ablehnt. Er bleibt trotzdem bei ihr stehen und versucht krampfhaft, sich mit ihr zu unterhalten.
Skinner, dessen Blicke von der Galerie aus meistens immer wieder bei Iris landen, fragt sich wirklich, was Iris bloss an sich hat. Sobald sie ihre Haare mal nicht zu einem strengen Knoten hochgesteckt hat, wird sie von Männern umschwärmt wie das Licht von den Motten. Und die meisten verbrennen sich an ihr die Finger. Gut so. Iris ignoriert ihren neuen Verehrer und sieht sich im Saal um. Wartet sie auf Alexei? Oder erwartet sie vielleicht, dass er selbst runtergeht, um ihr andere aufdringliche Verehrer vom Hals zu halten? Fast ist er versucht, das tatsächlich zu tun... doch dann kommt Alexei zurück und der Typ, der unbedingt mit Iris tanzen wollte, macht sich daraufhin schleunigst vom Acker. Und Skinner beobachtet, wie die beiden Sinclairs nun erst mal verschwörerisch miteinander flüstern und vielsagende Blicke wechseln. Sie sind wirklich ein gutes Team und verständigen sich schon mit knappen Gesten, als könnten sie Gedanken lesen. Wieder kommt er sich vor wie ein Schwein, dass er diese Frau begehrt. Schlimm genug, dass er ihr Vorgesetzter ist. Schlimm genug, dass sie verheiratet ist. Aber das allerschlimmste ist, dass sie augenscheinlich sogar sehr glücklich verheiratet ist, und er sich nicht etwa damit herausreden kann, dass er ihr nur Trost spendet, weil sie in einer unglücklichen Ehe gefangen sei. Mit leisem Unbehagen denkt er daran, was Special Agent Alexander Sinclair wohl tun könnte, wenn er von dem Kuss erfährt und dass sein Chef auf seiner Couch übernachtet hat. Irgendwie hat Skinner nicht das Gefühl, dass Iris' Ehemann das mit der offenen Ehe auch so locker sieht wie sie selbst.
Fast gewaltsam reisst er endlich seinen Blick los, um mal wieder den Rest des Saals zu überblicken. Allerdings fragt er sich schon, was sie hier eigentlich tun... Als er wieder nach unten schaut, sind die Sinclairs weg und auf der Tanzfläche kann er sie auch nicht entdecken. Doch dann...
Einen kurzen Moment lang bleibt ihm fast das Herz stehen, als Iris an der Hand ihres Partners die Treppe zur Galerie hochkommt und geradewegs auf ihn zu steuert.
"He, Chef, ich will ja nicht unken... aber was zum Teufel machen wir eigentlich hier?" platzt Iris dann ohne Umschweife im Flüsterton heraus. "Bis auf ein paar mehr oder weniger betrunkene Idioten, kann ich hier keine Gefahren entdecken. Könnte ich vielleicht diese Drohbriefe mal sehen, die der Vorsitzende des Kuratoriums erhalten hat?" - "Ja, sicher!" Skinner ohrfeigt sich innerlich selbst, dass er Iris diese Briefe nicht schon vorher gezeigt hat. Immerhin soll sie doch herausragende Profiler-Qualitäten haben und kann vielleicht sagen, ob das ganze überhaupt ernst zu nehmen ist. Er hat diese Drohbriefe sogar dabei, zieht sie in einem Umschlag aus seiner Uniformjacke und übergibt das ganze Iris, die den Umschlag vorsichtig öffnet und die von Hand gekritzelten Drohungen aufmerksam liest. Es wurden keine Fingerabdrücke oder sonstigen verwertbaren Spuren gefunden, also kann sie das Papier ruhig anfassen; vielleicht spürt sie ja sogar etwas mit ihrer Intuition. Sie verzieht ihr Gesicht. Das scheint kein gutes Zeichen zu sein... "Und?" - "Das ist ja wohl ein Witz!" schnaubt sie und flüstert: "Jemand droht damit, eine Bombe platzen zu lassen blah blah blah... Himmeldonnerwetter! Das hier stammt nicht etwa von Terroristen oder sowas in der Art, sondern scheint mir eher das Werk einer abservierten Geliebten zu sein, die ihrem Ex-Lover etwas Angst machen will!"
Sie scheint sich sehr sicher zu sein und Skinner schluckt schwer. Bei dem Ton, wie sie 'Geliebte' und 'Lover' ausgesprochen hat, ist es ihm kalt den Rücken runtergelaufen. Vermutlich das schlechte Gewissen? "Sind Sie sicher? Unsere Experten haben das ziemlich ernst genommen..." - "Was wissen die schon..." Iris macht kein Hehl daraus, dass sie von den meisten sogenannten Experten nicht besonders viel hält. "Wo ist denn der Schweinehund?" - Oh Gott. Sie nennt ihn einen Schweinehund. Weil er eine Affaire hatte? Und was ist sie dann, immerhin scheint sie es ja mit der Ehelichen Treue auch nicht sooo genau zu nehmen? "Welcher Schweinehund?" - "Na dieser panische Mensch, der uns um Hilfe angebettelt hat, weshalb ich jetzt auch ungefähr ne Tonne Stoff am Leib trage. Wissen Sie eigentlich, wie unbequem Reifröcke sind?!" - Oh. Sie scheint nur deswegen sauer zu sein. Hoffentlich. Er deutet auf einen würdigen Herrn unten im Saal...
... der kurz darauf ebenfalls zur Galerie hochkommt, begleitet von einem etwas unglücklich aussehenden FBI-Agenten, dem sein Kostüm hinten und vorne nicht passt.
Nach ein paar Minuten wirkt der Herr gar nicht mehr würdig, sondern nur noch wie ein Häufchen Elend. Und Iris kann sich ein hämisches Grinsen nicht ganz verkneifen.
Fall gelöst.
"Können wir dann jetzt gehen?" erkundigt sich Iris in verschwörerischem Flüsterton und macht damit klar, dass sie ganz sicher keine Lust hat, sich auch noch um den allfälligen Papierkram zu kümmern - denn das wird wohl an Skinner hängen bleiben, der sich nun wirklich dafür ohrfeigen könnte, dass er sich überhaupt diese Sache hat anhängen lassen. Warum hat er Iris diese Briefe nicht schon eher gezeigt, bevor sie sich in ein Kostüm zwängen musste, in dem sie allerdings hinreissend aussieht, auch wenn es unbequem sein mag... "Ja, sicher, Sie können gehen!" Er sieht ihr lange hinterher und seufzt.
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"Ist ja wirklich witzig... solche Sachen machten die wirklich, auf komische Partys gehen und so? Und Iris hat da mitgespielt?!" - "Oh ja, und wie... und offenbar war sowas wie das da nur die Spitze des Eisbergs."
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[PALACE-HOTEL IN WASHINGTON]
Alex kommt sich vor, als dürfte er ein Weihnachtsgeschenk auspacken, als er Iris aus dem vielen Stoff ihres Kostüms schälen darf. "Du warst die Sensation des Abends..." flüstert er und er ist fast kindisch stolz darauf, dass sie an diesem Abend mit niemand anderem tanzen wollte. Allerdings sind sie ja nicht wirklich zum Amüsement zu diesem Kostümfest gegangen... Er jappst kurz nach Luft, als sie ihn schliesslich an seiner lächerlichen Uniform zu sich zieht und mit einem Ruck sämtliche Knöpfe abreisst. Wow, diese Hexe versteht es wirklich, einen Mann anzumachen! In Sekundenschnelle verwandelt er sich von einem hartem Kerl zu Wachs in ihren Händen und kann seine Finger nicht länger von ihr lassen. Ihre Küsse rauben ihm schier den Atem und schon ein einziger Blick von ihr genügt, um ihn von Null auf Hundert zu bringen...
Als er morgens aufwacht, liegt sie immer noch bei ihm, ein nacktes Bein um seine nackte Hüfte geschlungen... oder schon wieder, so genau weiss er das nicht. Aber will er wirklich wissen, was sie womöglich in der Nacht so alles treibt, während er schläft? Keine Fragen! Keine Details!
Immer noch weiss er nicht, wer oder was sie eigentlich ist, doch das spielt längst keine Rolle mehr. Er ist lieber dankbar dafür, dass er jetzt Special Agent Alexander Sinclair ist. Dass er einmal Krycek war, erscheint ihm mehr und mehr wie die verblassende Erinnerung an ein früheres Leben. Dafür wird Alexander Sinclair immer realer. Er kann sich schon fast daran erinnern, mit Iris nach Las Vegas durchgebrannt zu sein, um dort zu heiraten... Mr. Sinclair hat einen Lebenslauf, mit dem sich Alex so gut identifizieren kann, dass er dieses Leben wirklich gerne gelebt hätte; und in manchen Momenten, wenn Iris den Freunden von ihrer angeblichen gemeinsamen Vergangenheit erzählt, kommt es ihm wirklich beinahe so vor, als hätte er dieses Leben tatsächlich gelebt. Und jetzt lebt er dieses Leben und er will nie wieder ein anderes leben.
"Gehen wir mal tanzen?" fragt er plötzlich. "Ich meine kein sinnloses Rumgezappel in einer überfüllten Disko. Und auch kein prüder Gesellschaftstanz aus der Bürgerkriegszeit..." Wie gern hätte er sie gestern Abend richtig an sich gepresst, doch schon allein durch diese unmöglichen Reifröcke ergab sich automatisch so eine Art Sicherheitsabstand, damit auch ja alles sittlich zuging. "Richtig tanzen. Walzer... Tango..." - "Tango?" Sie grinst ihn an. "Okay. Und wo gibt's die passende Musik dazu?"
[FBI-Gebäude in Washington: Büro von Mulder und Scully]
Ach du liebe Zeit! Inzwischen ist Iris wirklich klar, weshalb sie es immer für so eine gute Idee gehalten hatte, als Special Agent Iris Sinclair nur ein Phantom zu sein und nie wirklich beim FBI zu arbeiten. Ganz abgesehen vom ganzen Papierkram und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten... als Phantom, das meist schon vergessen wurde, sobald sie wieder den Raum verliess, musste sie sich auch selten mit nervenden Kollegen herumschlagen.
Und Kollegen können wirklich ungeheuer nervig sein.
Irgendwie hat sich wohl herumgesprochen, dass Iris ziemlich reich ist. Weshalb sofort das Gerücht geschmiedet worden ist, der gute Alexei hätte sie vor allem des Geldes wegen geheiratet. Und man munkelt auch, dass Iris mehr oder weniger alleine irgendwelche Terroristen unschädlich gemacht hat, obwohl sie selbst eine Geisel war, während ihr Mann bei seinem kläglichen Rettungsversuch verletzt wurde...
Natürlich sagen ihm gewisse Leute nicht ins Gesicht, dass sie ihn für ein ziemliches Weichei halten, das sich von seiner Frau nicht nur finanziell aushalten, sondern auch noch retten lassen muss... Aber natürlich ist Alex nicht blöd und merkt, dass hinter seinem Rücken geflüstert wird, wenn er sich im FBI-Gebäude blicken lässt. Na ja, und Iris reibt ihm auch noch unter die Nase, was sie mit ihren scharfen Ohren so hört.
"Verdammt!" flucht Alex leise, den auf dem Gang gerade jemand sehr missbilligend angesehen hat, als er mal kurz auf der Toilette war. "Ich soll dich des Geldes wegen geheiratet haben? Haben die Leute denn keine Augen im Kopf?! Natürlich habe ich dich geheiratet, weil du so aufregend sexy bist!" - "Ach ja? Und ich dachte, ich hätte dich geheiratet, weil du so einen knackigen Hintern hast!" sagt Iris und tätschelt ihm denselben, während sie aus den Augenwinkeln beobachtet, dass Mulder und Scully wieder mal nicht so recht zu wissen scheinen, wo sie hinschauen sollen, wenn sie vor ihren Augen mit Alexei Zärtlichkeiten austauscht.
Nach ein Bisschen Gelächter werden sie wieder ernst und wenden sich wieder den Tatortfotos zu, wegen der sie sich hier getroffen haben. Es geht nicht um das Konsortium, sondern um eine ganz gewöhnliche X-Akte. Oder besser gesagt um mehrere Fälle, von denen einige vielleicht zu X-Akten werden könnten. Irgendwie sind Mulder und Scully auf die gloriose Idee gekommen, doch mal Iris zu fragen, was sie davon hält, bevor sie sich möglicherweise wieder mal bis zum Arsch der Welt aufmachen, ohne hinterher wirklich was greifbares vorweisen zu können.
Mulder trägt also die Fälle vor und hört sich hinterher Iris' Meinung dazu an, die beunruhigenderweise in mindestens der Hälfte der Fälle mit Scully darin übereinstimmt, dass es dafür wohl eine andere Erklärung als irgendwas Paranormales gibt. Da werden sich die zuständigen Polizeidienststellen aber freuen, so viele gute Tipps zu bekommen...
Nach einer Weile sieht Mulder dann schliesslich Iris lange an - und Alex ist über diesen Blick etwas beunruhigt, weil er auf einmal befürchtet, Spooky könnte plötzlich ahnen, dass Iris weit mehr ist, als alle ohnehin schon glauben. "Was schaust du sie so an?" meint er dann endlich in gespielter Eifersucht, um das Schweigen zu brechen. - Mulder zuckt entschuldigend die Schultern. "Hast du dich eigentlich schon mal auf übersinnliche Fähigkeiten testen lassen, Iris?"
Iris zieht eine Braue in die Höhe, scheint über die Frage jedoch nicht sonderlich überrascht. "Ich behalte meine übersinnlichen Fähigkeiten lieber für mich, danke!" Sie seufzt kurz. "Es ist schon schwer genug. Ich möchte nicht noch als verdammte Ratte in einem Labor enden!" Sie seufzt noch mal. "Und ausserdem kommt meine Intuition nicht einfach immer auf Kommando!"
Aber Mulder's Eifer ist geweckt und er lässt nicht locker, bis sie sich mindestens zu einem einfachen Karten-Test bereit erklärt. Er fragt sich, warum er eigentlich nicht schon längst auf die Idee gekommen ist, seit er von Iris' Intuition erfahren hat.
Mulder zieht sich also die erste Karte vom gründlich durchgemischten Stapel, während Iris sich am anderen Ende des ohnehin schon engen Raumes hingesetzt hat, nachdem sie sich erst selbst noch etwas in Esoterische Stimmung gebracht hat, wie sie es nannte. Was auch immer für ein Mantra sie im Geiste gesprochen haben mochte; als sie die Augen wieder öffnete, waren ihre Pupillen erweitert. Also, jetzt... Ein Kreis. - "Kreis!" - Hoppla, schon die erste Karte ein Treffer. Scully sitzt neben ihm und notiert es sich. Er zieht die nächste Karte. Ein Dreieck. - "Viereck?" - Falsch geraten. Jetzt folgt ein Stern. - "Stern!" - Na also, es geht doch...
Am Schluss ist sogar Scully verblüfft. Iris hat weit mehr als die Hälfte richtig geraten. Zudem fällt Mulder auf, dass sie Kreise und Sterne immer richtig geraten hat, während sie die eckigen Sachen eher mal vertauscht hat, dabei aber seltsamerweise auch meist unsicher klang, als könnte sie vor ihrem geistigen Auge zwar erkennen, dass es irgendwas Eckiges ist, die Zahl der Ecken jedoch nicht richtig zählen, weil das Bild so unscharf ist. Verdammt, er ist ganz aufgeregt und würde das hier am liebsten auf Video aufnehmen!
Mulder kommt noch eine Idee. "Alexei, würdest du mal meinen Platz einnehmen?" - "Und warum?" - "Mich würde es interessieren, ob sie deine Gedanken vielleicht noch besser lesen kann!" erklärt Mulder mit entwaffnender Offenheit.
Na schön, Alex tut es. Und tatsächlich errät Iris diesmal sogar alles richtig. Und kein einziges Mal hat ihre Stimme dabei unsicher geklungen.
Verblüffend.
"Na ich hab doch schon immer gewusst, dass sie meine Gedanken lesen kann..." murmelt Alex grinsend und gesellt sich wieder zu Iris, um sie in die Arme zu nehmen. Sie blinzelt ein paar Mal und gibt ihm dann einen Kuss. Danach sind ihre Pupillen wieder normal und nicht mehr so geweitet...
... also scheint ihre Esoterische Stimmung wieder verflogen zu sein. Wirklich faszinierend! Plötzlich kommen jedoch ihre Augen Mulder gefährlich nahe und ihr Finger bohrt sich pieksend in seine Brust. - "Erzähl bloss niemandem davon, Spooky!" droht sie. "Mir liegt nichts daran, auch noch als Freak zu gelten!" - "Dir gefällt es wohl besser, als die reiche Geisel zu gelten, die sich an den Terroristen ganz fürchterlich gerächt hat..." erwidert Mulder und wünscht sich noch im gleichen Augenblick, er hätte es nicht getan. Warum wohl wollte Iris unbedingt den Namen Sinclair aus dieser Geisel-Sache raushalten? Er muss wohl ein reichlich betretenes Gesicht machen - denn Alex meint schulterzuckend in vergebendem Ton: "Schon gut. Ich schätze, das muss ich mir wohl noch eine ganze Weile anhören..."
Im Bemühen, Alexei etwas aufzuheitern, kommt Mulder erneut eine Idee. "Kannst du eigentlich gut schiessen?" - "Warum?" erkundigt Alex sich misstrauisch. - "Ach, ich hab mich nur gefragt, weil ich euch noch nie mit einer Waffe in der Hand gesehen habe..." - "Sag mal, Spooky, willst du eigentlich auf was bestimmtes raus?" fragt Iris und legt den Kopf etwas schief. - "Wie wär's mit ein paar Schiessübungen?"
[FBI-SCHIESSSTAND]
Sie sind nicht die einzigen. Und sie werden beobachtet, wovon sie sich aber nicht stören lassen. Iris hat nicht einmal eine Waffe dabei, weshalb Alex ihr kurzerhand seine in die Hand drückt. "Ladys first!" grinst er sie liebevoll an.
Sie schiesst erbärmlich und jammert auch so laut darüber, dass sie aus der Übung ist und Schusswaffen eigentlich sowieso nicht leiden kann, dass es alle ringsherum mitbekommen müssen. Alex nimmt ihr die Waffe wieder ab, lächelt kurz, setzt sich dann wieder die Ohrschützer auf und tritt dann selber vor. Und er schiesst verdammt gut, schnell und präzise. Direkt beeindruckend. Immerhin so beeindruckend, dass Mulder anerkennend durch die Zähne pfeift, als er sich die Scheibe ansieht.
Bis morgen würde sich wohl hoffentlich in der Gerüchteküche herumgesprochen haben, dass Special Agent Alexander Sinclair nicht nur der Mann von Iris ist, sondern auch ausgezeichnet schiessen kann.
'Eigentlich ist es ja schon fast lächerlich... aber trotzdem danke, dass du so schlecht geschossen hast!' flüstert Alex unhörbar, doch im Wissen, dass Iris es ganz bestimmt hören kann. So sicher, wie sie ganz bestimmt einer Fliege das linke Auge wegschiessen könnte, wenn sie nur wollte.
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"Ist ja echt drollig... Iris ist ja anscheinend in ihrer Rolle wirklich voll aufgegangen!" - "Oh ja, und wie! Sie war so überzeugend, dass... aber das erzähl ich später noch..." All'Una streckt ihr Glas wieder mal aus, damit es gefüllt wird.
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ENDE DES 1. TEILS... WEITER ZUM 2. TEIL!
B.B. / geschrieben im März 2002
Anmerkung zu diesem Teil:
Carpe diem, quam minimum credula postero! (lat.) Zu deutsch etwa: Geniesse den Tag, denn es könnte dein letzter sein... (Pflücke den Tag, möglichst wenig vertrauend auf die Zukunft!)
Online-Version... Dezember 2002 / B.B.
DIE AVALON-VARIANTE
Bemerkungen und Übersicht
zur Avalon-Variante
