Die ehemaligen Hochstraßen sowie Reichs- und Bezirksstraßen im Bezirk Hohenelbe/Riesengebirge um 1907
Ehedem führten die Verkehrswege gewöhnlich die Bergrücken entlang weshalb ihnen der Name "Hochstraßen" beigelegt wurde.Ihre teilweise verwischten Spuren können wir noch heute verfolgen.Ehe die sogenannte "Kaiserstraße"erbaut wurde,zog sich eine Hochstraße von Neuschloß auf dem Olsner Rücken,beim"Posthofe" vorbei,in nordwestlicher Richtung bis Hennersdorf und weiter nach Starkenbach.
In früheren Zeiten führte ein Weg von Jungbuch über Helfendorf nach Schwarzental.Infolge der Steigung mußten die Bewohner von Obermohren den Fuhrleuten durch Vorspann Hilfe leisten,weshalb dieser Ortsteil"Helfendorf" genannt wurde.Da ein Teil der Fracht im Tale abgeladen,später nachgeholt und auf der Höhe wiederzugeladen wurde,entstand noch der Name"Ladighöhe".Ein anderer alter Weg führte von Hartmannsdorf gegen Hermannseifen und kreuzte Mohren bei den Wirtschaften Nr.29 und Nr.31,ein weiterer führte von Schwarzental nach Polkendorf längs des Langen Waldes gegen Tschermna und Wildschütz.
Am rechten Ufer der kleinen Elbe führt in Niederlangenau an dessen Südgrenze her ein alter Fahrweg bis in die Mitte der Gemeinde.Derselbe wendet sich dann nordwestlich über den Rapprich und bergauf gegen Hohenelbe.In Hermannseifen war der älteste Verkehrsweg die Hochstraße,welche bei der Leopoldschenke begann,beim Ortsteile Johannisgunst sowie der Herrschaft Hermannseifen gehörigen ehemaligen Schäferei vorbei führte,woselbst sich seinerzeit ein Wirtshaus(Kretscham) befand.
Von Niederhof wiederum ging in alter Zeit ein Fahrweg über die Wachur nach St.Peter und wurde zur Herbeischaffung von Silbererzen in die Niederhofer Schmelzhütten benützt.Desgleichen wandte sich eine solche Hochstraße von Oberhohenelbe durch die "Igelsgasse"(Hammrich) über Benetzko nach Kraußebauden und Friedrichstal.Noch heute stellenweise kenntlich ist auch ein alter Weg,der durch die Igelsgasse gegen Stepanitz führte.Er wurde besonders in der Zeit benützt,als in Hohenelbe nur eine protestantische Kirche bestand und deshalb die daselbst wohnenden Katholiken ihre Verstorbenen in Stepanitz beerdigten.
Heute folgen die Straßen zumeist dem Laufe der Gewässer.Einzelne derselben genügen freilich ihrer geringen Breite,verfehlten Anlage und großen Steigung sowie der unvorteilhaften Bauart wegen den bedeutend gesteigerten Verkehrsverhältnissen nicht mehr.Doch nicht allein die mangelnde Wölbung oder das Bau-und Schottermaterial sind hier einzig schuldtragend,sondern auch die in übung stehende zu geringe Breite der bei und üblichen Radfelgen,der eine zu große Belastung der Fuhrwerke gegenübersteht.Besonders den,einen erfreulichen Aufschwung nehmenden Ortschaften im Herzen des Gebirges mangelt es an zeitgemäser Verbindung mit der Ausenwelt,worunter nicht nur der Handel,sondern auch der Besuch der Sommerfrischen leidet.An Stelle der alten und schmalen Zollstraße von Spindelmühle über Spindlerbauden nach Hain wurde bereits vor Jahren der Bau einer breiten Fahrstraße beschlossen,die schon im Jahre 1904 zur Vermessung gelangte.Doch nicht bloß diese Verbindung,auch gut angelegte Verkehrslinien zwischen Johannisbad-Schwarzental-Niederhof-Hohenelbe,dann Großborowitz-Mittelöls,ferner Mastig-Anseith-Niederprausnitz und viele mehr wären von wohltätigen Einflusse auf die hebung des Handels und Verkehrs der heimatlichen Bevölkerung.Immerhin weiß dieselbe das heute Bestehnde dieser Art im Vergleiche mit den"Straßen" früherer Zeiten,die ein Spottvogel"Verkehrshindernisse" nannte,geböhrend zu schützen.Daß bereits vor einem Jahrhunderte der Mangel an einer direkten Straße aus dem Gebirge(womöglich an dem Laufe der Elbe)nach dem ebenen,fruchtbaren Lande fühlbar war,ersehen wir aus einem Bescheide des Kreisamtes Gitschin vom 5.November 1815,welcher mitteilt,"daß die hohe Hofkanzlei mit Dekret vom 28.November 1814 den eingebrachten Vorschlag wegen Herstellung einer chausseartigen Verbindungstraße von Hohenelbe nach Jaromierz abgewiesen habe,umsomehr als nach dem diesfälligen Untersuchungsbefunde dadurch dem Allgemeinen wenig geholfen würde,da der angetragene Straßenzug auch der Direktion des Straßenbaues nicht entspreche.Dagegen wurde,damit den Herrschaft-Hohenelber Untertanen die Getreidezufuhr auch von Jaromierz nch Möglichkeit erleichtert werde,die Einrichtung getroffen,daß die durch den betreffenden Kreis gehenden Teile des daselbst bestehnden Verbindungsweges landartig in fahrbaren Zustand hergestellt und alle unterhalten werden"
Die älteste Straße im heutigen Sinne und zugleich die beste im Bezirke ist die Prager Straße,welche Breslau mit der Hauptstadt unseres Landes verbindet.Sie wurde in den Jahren 1816-1820 erbaut,zieth sich,von Trautenau,Pilnikau,Pilsdorf kommend,durch ganz Kottwitz,überspannt bei Neuschloß mit einer steinernen Brücke die Elbe und gelangt über öls,Niederkalna,Falgendorf und Widach gegen Neupaka nach Jitschin.Ihre Länge beträgt in unserem Bezirke gegen 11,im Neupakaer Bezirke etwa 17 Km.
Die Hohenelber-Huttendorfer Bezirksstraße beginnt in Hohenelbe im Anschluße an die Spindelmühler und die Ärarische Straße,führt über Hennersdorf bis an die Huttendorfer Grenze und ist 5902 m lang.Sie weist 2 Steinbrüche auf,wurde 1825 bis 1831 von der Stadtgemeinde Hohenelbe erbaut und 1889 in die Erhaltung des Bezirkes übernommen.
Diese Straße war sowohl seit der Zeit des Bestehns der Station Falgendorf der Reichenberg-Pardubitzer Bahnlinie der Südnorddeutschen Verbindungsbahn(1858)als auch vordem für die Hohenelber Gegend von großer Bedeutung;denn sie bildete den Hauptweg,auf dem die dortigen Erzeugnisse in den Handel gebracht werden konnten.Vor der Erbauung dieser Straße brauchte man des großen Umweges und der Unwegsamkeit wegen z.B.einen vollen Tag,um von Hohenelbe nach Pelsdorf gelangen zu können.Endlich waren die vorderen ergebnislosen Versuche der Stadt Hohenelbe die Erhaltung derselben bis Rownatschow gegen Bezug der Maut auf 50 Jahre bis zur übernahme durch die Staatsverwaltung.Doch viel der diesbezügliche Rechtsstreit im Jahre 1881 zu Ungunsten der Stadt aus,weshalb die Unterhaltung der Strecke bis Hennersdorf von der Hohenelber,die Fortsetzung von der Starkenbacher Bezirksvertretung übernommen wurde.
Auch die von Hohenelbe(Haus Nr.44) in östlicher Richtung abzweigende und gegen Mittel-Langenau,Forst,Niederhermannseifen,Mohren,Hartmannsdorf und Jungbuch führende Straße ist samt der im Jahre 1856 erbauten steinernen Brücke(Hohenelbe,Hauptstraße 1,beim Kanale des Schlossteichwassers) Straße.Dieselbe wurde von 1836 bis 1855 erbaut und kommen auf den politischen Bezirk Hohenelbe gegen 20 Km,während etwas über 3 Km auf den Trautenauer Bezirk entallen.
Die Arnau-Neuschlosser Bezirkstraße vom Kloster in Arnau bis zur Ararialstraße bei Neuschloß-Kottwitz hat eine länge von 3653 m und wird 1836 als Erbauungsjahr der ursprünglichen Straße genannt.
Die Königinhof-Prausnitz-Kleinborowitzer Bezirkstraße zieht durch Nieder-und Oberprausnitz,wo sie sich beim alten Friedhofe an die als-Switschiner Straße anschließt.Ein Zweig ersterer wendet sich von letzterer in Mastig und Kleinborowitz bis zur Bezirksgrenze auf den Wiesen von Großborowitz.Die Gesamtlänge beziffert sich auf 9518m.Der ersterwähnte teil wurde 1840-1841,der andere 1856-1857 vollendet.Im Orte Kleinborowitz wurde die Straße 1910 erbreitert.
Die Oberprausnitz-Widonitzer Bezirksstraße beginnt von der Kreuzung der äls-Switschiner Straße mit dem Prausnitzer Bache und endigt nach 1335 m Länge vor Widonitz am Kreuzungspunkte mit der Bezriksgrenze bildenden Bistritz.Das Erbauungsjahr ist 1841.
Die Hennersdorfer Bezirksstraße zweigt in Pelsdorf von der Harta-Pelsdorfer Straße ab,führt durch ganz Hennersdorf bis an die Bezirksgrenze von Branna und erreicht eine Länge von 2832m.Die Strecke Hennersdorf-Branna wurde in den Jahren 1844 bis 1848 erbaut und 1874 seitens des Bezirkes Hohenelbe vom Bezirke Strakenbach übernommen,während die Strecke Pelsdorf-Hennersdorf Ort im Jahre 1876 erbaut wurde und eine steinerne Elbbrücke aufweißt.
Die Langenau-Niederhofer Bezirksstraße beginnt an der Grenze von Proschwitz und führt über Nieder-,Mittel-und Oberlangenau nach Niederhof bis an die Pommerndorfer Grenze mit einem Flügel von Niederhof über Rudolfstal bis zur Kesselbachbrücke.Die Hauptstrecke ist 11530m lang,von 1845 bis Anfang der Fünfziger Jahre erbaut mit 1 Stein-,2 Beton-,und 1 eisernen Brücke.Die Länge der Flügelstrecke beträgt 2280m,wurde 1869 erbaut und überbrückt mit Steinwölbung den Kesselbach.
Die Hermannseifen-Lauterwasser-Bezirksstraße zweigt beim"alten Postgebäude"an der Kreuzung des Seifenbaches mit der sogenannten Kaiserstraße von dieser nach Norden ab,wendet sich bei der katholischen Kirche gegen Westen,um nach steiler Steigung beim Brandbusche die Ortsgrenze gegen Lauterwasser zu erreichen.Bei Anlegung dieser letztgenannten Strecke durch den etwas nördlicher gelegenen Kirchenwald könnte die erwähnte Steigung leicht umgangen werden.Diese Straße wurde bis zur Brauerei im Jahre 1845 erbaut,1882 bis Lauterwasser vollendet und ist 4514 m lang.
Die Arnsdorf-Arnau-Langenauer Bezirksstraße führt an der Vereinigung des Forst-und Silberbaches von der Ararialstraße in Niederhermannseifen abzweigend,über Arnsdorf,Arnau,Gutsmuts,Proschwitz bis an die Grenze gegen Niederlangenau.Ihre Länge beziffert sich mit 8508m und besitzt 1 eiserne und 2 Holzbrücken in Arnsdorf sowie eine Holz-und eine eiserne Brücke(über die Elbe)in Gutsmuts.Als Erbauungsdatum wird der Zeitraum 1848-54 bezeichnet.
Die Lauterwasser-Schwarzentaler Bezirksstraße nimmt ihren Anfang an der ärar.Straße in Lauterwasser,fährt über Schwarzental bis an die äusere Grenze des Ortsteiles Neudorf,ist 3762m lang und hat 2 eiserne sowie eine steinerne Brücke.An ihrem Beginne,der Kreuzung des Silberbaches mit der Ararialstraße,wendet sich ein Flügel gegen Hermannseifen,der 392m Länge hat.Erbaut wurden Hauptstrecke und Flügel in den Jahren 1858 bis 1863;Schwarzental-Neudorf 1867.
Die Hohenelbe-Harta-Pelsdorfer Bezirksstraße beginnt bei der Kablikbrücke in Hohenelbe und führt über Harta und Pelsdorf bis an die Arnauer Bezirksgrenze bei Mönchsdorf.Dieselbe hat eine Länge von 7713m,wurde 1868 bis Harta,1870 bis in die hälfte von Pelsdorf und 1901 bis Mönchsdorf vollendet.Sie ist die nächste Verbindung zwischen Hohenelbe und Arnau.
Die Hohenelbe-Spindelmühler Bezirksstraße führt im Anschluße an die Bahnhofstraße von Hohenelbe über Oberhohenelbe,Hackelsdorf,Ochsengraben,Kraußebauden,Friedrichstal bis zur der nach Spindelmühle leitenden Elbebrücke und ist 14711m lang.Sie ist reich an Naturschönheiten.Bei ihrem übergange über die Elbe an der Grenze gegen Oberhohenelbe geht sie über eine im Jahre 1686"wieder" neugebaute Brücke,die bis 1883 aus Holz hergestellt und im Jahre 1862 noch eingedeckt war,aber seither durch eine eiserne ersetzt worden ist.Der Bau dieser Straße war im Jahre 1858 bis in die Mitte von Oberhohenelbe gediehen und wurde 1861 und 1864 daselbst,dann 1871 bis Hackelsdorf und endlich bis Spindelmühle fortgesetzt.Doch hat das Hochwasser oftmals(besonders 1882 und 1897)einzelne Strecken dieser Straße zerstört und war die Wiederherstellung derselben immer mit großen Kosten verbunden.Vier eiserne und eine Holzbrücke überspannen den lauf der jungen Elbe.
Die Arnau-Slemenoer Bezirksstraße in Gutsmuts aus der Arnsdorf-Arnau-Langenauer Straße ausßstend,steigt vor dem ehemaligen Mönchsdorfer Kloster in Serpetinen zur Hochstraße des ölsner Rückens empor und erreicht vor Slemeno die Grenze des Neupakaer Bezirkes.Sie ist 2387m lang und wurde in den Jahren 1864-1865 erbaut.
Die Mönchsdorfer Bezirksstraße zweigt von der vorigen vor Mönchsdorf ab,durchzieht dieses,überspannt mit einer eisernen Brücke die Elbe und erreicht nach 2925m Länge die Pelsdorfer Grenze.Erbaut wurde dieselbe 1881-1883.
Die Hermannseifen-Polkendorfer Bezirksstraße wendet sich von der Hermannseifener katholischen Kirche nach Norden bis an die Grenze der Gemeinde Polkendorf.Erbaut wurde dieselbe im Jahre 1882 in einer Länge von 2500m.
Die Kottwitz-Königinhofer Bezirksstraße,welche in Kottwitz von der Ararialstraße abzweigt und nach Süden gegen den Katharinaberg emporsteigt,erreicht an der Grenze des Königinhofer Bezirkes(vor Neuhäuser) eine Länge von 3136m und führt durch romantische Waldpartien.Sie wurde 1839 erbaut.
Die Arnau-Tschermnaer Bezirksstraße schlängelt sich vom Arnauer Bahnhofe durch den Bürgerwald empor und endigt bei der Tschermnaer Kirche.Sie ist 4200m lang und wurde 1892-1893 angelegt.
Die Hennersdorf-Kalnaer Bezirksstraße zweigt im Südwesten von Hennersdorf von der nach Huttendorf führenden Straße ab und erreicht nach 1592m Länge die Oberkalnaer Grenze.Sie ist 1893 erbaut worden.
Die sogenannte Rochlitzer Bezirksstraße wendet sich von der Spindelmühler in Oberhohenelbe bei der Schreiberöschen Fabrik mittelst einer eisernen Brücke über die Elbe,steigt im Hammerichtale in Serpentinen empor,berührt Schreibendorf und erreicht die Grenze von Markelsdorf im Bezirke Strakenbach.Sie ist 4154m lang und wurde 1894 bis 1895 hergestellt.
Die sogenannte Pommerndorfer Hochstraße biegt als Bezirksstraße in Oberhohenelbe von der Spindelmühler Straße ab,erreicht im Zickzack Hackelsdorf und führt durch Pommerndorf zur Keilbachbrücke hinab.Ihre Länge beträgt 5856.Sie wurde 1900-1901 erbaut,der Rest gegen Niederhof im Jahre 1902.In ihrem Laufe befindet sich eine eiserne und eine Holzbrücke.
Die Neuschloß-Döberneyer Bezirksstraße,ausätzend aus der Ararialstraße in Neuschloß führt am rechten Elbeufer in südlicher Richtung bis zur Öls-Döberneyer Schule.Ihre Länge beziffert sich mit 3400m und geschah der restliche Ausbau im Jahre 1902.Die im Rutschterrain des Bradelberges gelegenen Stellen können dem Drucke des Erdreiches kaum Widerstand leisten.Die Strecke Neuschloß-Fabriksgebäude wurde vor der übernahme in den Bezirk von der Firma Neumann,Fried und Komp.erhalten.
Die Länge der sogenannten Reichstraßen(Ararialstraßen) im politischen Bezirke Hohenelbe beträgt demnach 31 Km,die der Bezirksstraßen über 116 Km,wovon über 60 km auf den Hohenelber und beinahe 56 km auf den Arnauer Gerichtsbezirk entfallen.Der benachbarte Königinhofer Gerichtsbezirk ist ungleich besser daran,indem seine Bezirksstraßen eine Länge von etwa 108km erreichen.
Außer den voranstehend geschilderten Straßen dienen noch viele,meistens gut erhaltene Fahrwege,sowie eine Anzahl von Feldwegen und Fuhsteigen dem stetig anwachsenden Verkehre.Im Gebirge sowie auch in den Vorlagen sind die wichtigsten derselben durch farbige Markierung für den Fremdling gekennzeichnet.Der Ausbau einzelner sumpfiger oder steiniger Wege bleibt der Zukunft vorbehalten.