
Rübezahl überblickt seine Riesengebirgsheimat
Traumlandschaft im Winter - Blick vom Spindlerpass
"Seit Anfang des Monates bin ich nun in diesem zehnfach interessanten Land,habe manche Teile des Gebirges und der Ebene durchstrichen und finde,Daß(Schlesien) es ein sonderbar schönes,sinnliches und begreifliches Ganze macht"
Johann Wolfgang Goethe der 1790 Schlesien bereiste und auch die Schneekoppe bestieg.
"Ich habe bei meiner Deutschlandreise nichts schöneres gesehen als Freiburg vor dem Schwarzwald und Hirschberg vor dem Riesengebirge"
Der damalige Amerikanische Präsident über seinen Aufenhalt 1897 im deutschen Reich
"Schlesien ist links der Oder vom Riesengebirge erfüllt,das an Großartigkeit alle Deutschen Mittelgebirge Übertrifft" Aus einem Französischen Deutschlandreiseführer 1929
GESCHICHTEN UND ALLERLEI AUS DEM RIESENGEBIRGE
Kraußebauden im Riesengebirge - Alltag in den Sudeten 1938
Ein Bericht aus der links-kommunistischen Arbeitervolksillustrierte(AJZ):"Ein VJ-Kolporteur blutig geprügelt-es betraf unseren VJ-Verteiler Scholz-er verteilt unser Blatt im Ostböhmischen Städtchen Hohenelbe.Scholz ist außerdem Leiter der Ortsgruppe des deutschen Jugendbundes,einer demokratischen Jugendorganisation.Scholz nahm an einer Tanzunterhaltung in dem Riesengebirgsort Kraußebauden teil.In ihrem Verlauf kam es zwischen Tschechen und SdP(Sudetendeutsche Partei)-Anhängern zu einer Schlägerei.Scholz mahnte zur Ruhe und als das nicht fruchtete,verständigte er die Gendamarie.Dafür wurde er von etlichen SdP Knüppelhelden überfallen.Sie schlugen mit Schlagringen auf ihn ein und versuchten ihn in die nahe Talsperre zu werfen.Als sie dabei gestört wurden,ließen sie Scholz blutüberströmt auf dem Boden liegen"
Die "Schlittenfahrer" von Schreiberhau
Auch in Deutschland begann der Bobsport mit zwei Schlitten und einer Leiter -auf der Dorfstraße von Schreiberhau im Riesengebirge. Ein Jahr später, man schrieb das Jahr 1906, entstanden auch in Schreiberhau richtige Bobs. Die Pioniere des Bobsports im Riesengebirge waren: Franz Adolph von der Zackenfallbaude, Fritz Franke vom Hotel Schneckenstein, Karl Krebs vom Hotel Lindenhof, Ernst Liebig und Dachdeckermeister Reimann.
"Bettelgang"-Alltag in Hermsdorf/Kynast 1946
"Du mußt wieder los!"Mutter sieht an Anne vorbei,sie weiß um die Angst ihrer Tochter.Kartoffeln betteln bei den Polen,die in den reichen Höfen der deutschen Bauern hausen,die mit Waffen hantieren,als Spielzeug,umgeben von Fuseldunst.Der Hunger treibt Anne über die Dörfer.Ohne Kartoffeln würden die Kleinen nicht mehr leben:Elf hungrige Mäuler warten auf Anne.Acht Geschwister sind sie,Anne,mit 20 jahren die Zweitälteste,und auch die große Schwester mit ihren beiden Kleinen lebt im Haus.Die Jüngste plappert:"Toffelelatz!"Rotes Viehsalz,vom Bruder im Brückenpfeiler endeckt.Anne zeigt ihre Angst nicht."Mutter,liebe rotgeweinte Mutter,du mit deinem Stall voller Blagen,ich geh schon!"Anne lebt in Verzweiflung,seit die Russen,die Mongolen,sie jagten:seit polnische Horden,schwer bewaffnet,das Land überfluten.Keine Familie mit Frauen und Kinder,nein,Kriminelle,Nichsnutze,die jedes Haus ausraubten.Mit Maschinenpistolen trieben sie Menschen vor sich her.Die jungen Burschen feixten hinter den Fenstern,wenn Anne schwere Holzkloben spaltet und sich nicht zu bücken wagt wegen des Kleidchens,das sie ihr ließen.Sie sind Bewacher,weiße Binden,zur Erkennung,und schläge für die"deutschen Schweine".Der Hunger treibt Anne nachts in fremde Ställe.Sie tötet Tiere mit den Händen und trägt doch einen Käfer ins Gras.Sie plagen sich die steile Bergstraße hinauf,die zwanzigjährige und ihre kleine Schwester.Rechts und Links,Felsen und Geröll,und darüber flimmert die Hitze.Die beiden haben um Kartoffeln gebettelt."Prosze Pani!"(Bitte Frau!),und manchmal bekamen sie sogar ein lächeln,wenn sie Glück hatten.Oft hetzen sie davon mit Angst im Bauch,vor dem Mann oder dem Hund,das Gegröle im Rücken.Anne horcht auf das Echo von Schüssen.Es ist weit ab und verhallt im Gebirge."Halt zurück!".Sie stemmt sich gegen den Wagen."Himmel was ist das?".Drei große,lebendige Haufen versperren den Weg:Grauglänzende Schlangen.Untereinander,darunter und darüber,ohne Anfang und Ende.Kleine,dreieckige Köpfe suchen eine Lücke im Knäuel,weg sind sie,eingetaucht ins lebende Nest.Schlängeln in den Felsen,eiliges Winden zur Mitte.Sie gleiten,als wäre der Weg nicht heiß und rauh.Sie tanzen,und es bleibt kein Fußbreit Platz.Nur Risse,aus denen Teer quillt,die lassen sie aus.Anne start auf das Gewimmel.Sie zieht die kleine Schwester ganz nah an sich,und schluckt die Übelkeit weg.Deutlich ist die dunkele Zackenlinie auf den Schlangenrücken-es sind Kreuzottern!.Vor dem Krieg zahlte die Gemeinde dafür Kopfgeld."Ihr Biß ist tödlich,sie tragen das Kreuz!",so ist es ihr eingebläut worden."Zieh die alten Stiefel an,es geht in die Blaubeeren!"Anne hört die Worte der Mutter noch."Auf heißen Felsen paaren sie sich.Dann sind sie wie betrunken",dabei zeigte der Lehrer auf das Lichtbild,das der Projektor mit breiten Lichtkegel an die Wand warf.Anne denkt auch an die abgestreifte Schlangenhaut in Vaters Hand.Er fand sie beim Holzholen.Und an seine Mahnung,bei einem Biß helfe nur der Arzt,nur der hätte das Serum."Im früheren Leben,Vater hier nicht!".Anne zieht ihre nackten Füße abwechselnd hoch.Sie hebt die weinende Schwester auf die Säcke."Heul nicht,die tun dir nichts!".Sie drückt den Wagen zurück und legt Steine hinter die Räder.Warten bis es kühl wird,geht nicht:Sperrstunde!Die schießen sofort,auch wenn sie nicht besoffen sind.Anne nimmt Steine sie trifft den ersten Haufen.Winden und schlängeln zu Seite,nur für augenblicke,dann zurück zur zur dicken Mitte.Sie wagt sich näher.der Stein wiegt schwer.Das Nest hebt und senkt sich,aufgescheucht.die Tiere bleiben.Laut schreien,das täte gut,die Angst wegschreien.Aber da ist die Schwester.Trappeln und Rumpeln.Anne hählt den Atem an.Ein leerer Heuwagen biegt um den Felsen.Auf dem Bock der Bauer,genau gegenüber.Das Pferd drängt zurück.Er treibt es hart an.Er schlägt und zerrt an en Zügeln.Er brüllt und nimmt den Peitschenstiel.Das Tier steigt vorn hoch.Es zittert und schnaubt,es drängt gegen die Felsen.Der große Wagen steht.Mit rotem Gesicht steigt der Bauer ab.Hohe,derbe Stiefel.Er kommt näher.Die lange Peitsche zischt auf den ersten Schlangenhaufen.Mit großer Kraft,immer wieder.Knoten zucken hoch,lösen sich,gleiten auseinander.Dunkele Placken verschwinden im Geröll.Der Mann schlägt und schlägt.Und Schlangen um seine Stiefel.Winden und bäumen am Leder.Die Peitsche knallt dagegen.Die letzten schleudert er hoch ins Geröll.die Straße ist leer.mit Lachen und einem Zuruf in der fremden Sprache fährt der Bauer winkend an den Mädchen vorbei.Anne spannt sich vor den Wagen.Der Spuk ist vorbei.Aber schön sahen sie aus,die verfluchten Vipern...(aus"Hunger und Hoffen"-Jugend in Dt.1946-1950)
Der "Junge" Moltke mit seinen Eindrücken nach einer Wanderung im Riesengebirge
"Meine Reise mußte ich auf 14 Tage beschränken,ich blieb daher nur Sechs Tage in Salzbrunn,habe aber doch 90 Becher Brunnen getrunken.Leider machte ich die folgende Gebirgsreise allein.Ich beeilte mich daher sehr und machte die in der Tat sehr starke Tour von Schmiedeberg über das gesammte Hochgebirge nach Schreiberhau an einem einzigen Tage,wobei ich die Koppe selbst aber nicht bestieg,weil ich sie schon kenne.In einem der hochgelegenen Dörfer versah ich mich mit einem Führer und stieg nun im eigentlichen Sinne des Wortes in die Wolken,welche uns bald dicht verhüllten.So kamen wir einen der mühsamsten Pfade an der Seiffenlehne hinauf,einer Treppe groben Gerölls,welche uns 4000 Fuß über Eure Köpfe führte.Bald schreitet man zwischen hohen Tannen über ein rauschendes Bächlein,bald einmal über eine Grüne,aber stehts sehr feuchte Wiese,auf welcher die Heerden mit ihren Geläute herumziehen.Oben fing es tüchtig an zu regnen.Aber unbeschreiblich ist der Anblick,wenn der Wind die Wolkenmassen zwischen den schwarzen Tannenwäldern und durch die großen Schluchten hindurchjagt,jetzt ein weites Tal zeigt; Häuser,Städte,Dörfer werden sichtbar,wethin öffnet sich das Land auf viele Meilen mit zahllosen Ortschaften.Plötzlich schließt sich alles wieder in graue Wolken,welche mit majestitischen Brausen durch die Gipfel ziehen.Dies schöne Schauspiel hatte ich namentlich wieder an den Schneegruben,und ich ziehe es einem ganz heiterem Himmel vor.Man traut seinen Augen nicht,wenn der ungeheure Wolkenvorhang auf Sturmschwingen sich öffnet,würdig eines Schauplatzes von etwa Zehntausend Flächenmeilen,die man hier rings übersieht.Je weiter man blickt,immer sieht man noch einen Streif,einen Punkt,und dieser Punkt ist eine Stadt,eine Gebirge oder ein Wald,über welchen hoch die Wolken ziehen,die doch wieder Tief unter dem Beschauer liegen.Äuserst lieblich sind die großen Leinwandbleichen,welche in schneeweißen,regelmäßigen Figuren zwischen den blauen Spiegel der kleinen Seen in den schwärzlichen Waldungen schimmern.Die Straßen ziehen sich wie feingeschlängelte Fäden über die Berge,die,wenn sie auch keuschend erstiegen werden,von hier ganz Flacherscheinen.Zwischen ihnen winden sich meilenlang die Dörfer und Städtchen mit ihren sauberen,weißen Wänden und glänzenden ,silbergrauen Schindeldächern.Unmittelbar zu Füssen hat man einen Abhang von etwa neunhundert Meter steiler Felswand.Noch am Abend stieg ich mühsam herab in das schauerliche Tal,in welches die Ebene in zahlosen Zacken und Gerölle in kleinen Fällen hinabgleitet,welche zusammen einen großen Anblick gewähren.Auch meinen Liebling,den Zackenfall,sah ich noch im halbdunkel aus dem Teufelstal und übernachtete in einer Glasshütte am schäumenden Zacken.Am folgenden Morgen früh besuchte ich den Kochelfall und den Kynast,dessen romantischen Legenden euch bekannt sind.Wahrlich nur ein grausames Herz konnte verlangen,aus dem hochgelegenen Fenster auf die Ringmauern hinauszureiten,wo an keine Umkehr mehr,nicht einmal an ein Absteigen zu denken war.Immer tiefer senkt sich der Abhang unter der Mauer,die spitzen der höchsten Firste verschwinden vor dem Auge des Reiters,und schon dem Eingang der Burg nahe,gähnt ein Abgrund herauf,der,die Schlange gleich,den Unglücklichen vor Entsetzten in den Abgrund zieht.Welch furchtbarer Fall des gewappneten Reiters und Rosses auf diese Felsspitzen.-Ein besonders wehmütigen Eindruck macht der Anblick der gewaltigen Trümmer großer Burgen,solcher als Bolkenburg,Schweinhaus,Nimmersatt und anderer,welche ich auf dem Rückweg besuchte,und wie sie Ludwig und Adolf noch schöner gesehen haben werden.Auch eine gewisse unbefriedigte Neugier kommt hinzu.Die An-und Inwohner der Burg wissen gar nichts davon zu erzählen,als das sie ihnen die nötigsten Steine liefert,um ihre Hütten davon gut zu bauen.Und doch erregt die halbverloschende Spur eines Heilligenbildes in der Wand,die Wagenspur im Felsboden einen Strom von Vermutungen und Nachdenken."..(aus "Lob der dt.Landschaft",Hans Pflug,1938)
Spinnabend im Riesengebirge
"Besonders zur Winterzeit,wenn der Schnee so hoch liegt,daß man nur mit Mühe von einem Haus zum anderen gelangen kann,da ist die Zeit der Spinnabende.Da kommen Männer,Frauen,junge Mädchen und die jungen Burschen des Dorfes bald bei diesem,bald bei jenem Nachbarn zusammen.Die niedrige Holzstube wird vom Kienspanleuchter erhellt.Wenn dann die Räder schnurren,die Flachsklopfe in gleichmäßigen Schlägen auf den großen Buchenklotz saust,die Hechel knarrt und die Weife summt,dann ist Spinnstubenstimmung.Die Räder stehen still,wenn die Großmutter zu erzählen beginnt: vom wilden Jäger,der in Begleitung eines dreibeinigen Hasen nachts durch die Wälder ritt,von den Busch- und Moosweiblein,die den auf dem Felde arbeitenden Frauen die Kinder vertauschten und ihnen einen Wechselbalg in die Wiege legten,vom Mann ohne Kopf....Kein Wunder,daß alle entsetzt auffahren,als es plötzlich draußen mit lauten Schlägen an die hölzernen Fensterläden klopft.Doch es sind nur einige Burschen des Dorfes.Sie blasen den Mädchen den Flachs ins Gesicht,greifen in die Speichen der Spinnrädchen und necken auf die mannigfaltigste Weise.Dann wird gewimmert,das heißt,jeder gibt einen "Böhm"(ein Silbergroschen),und der Spinnstubenvater geht in die nahe Schenke und holt dafür einen süßen "Rosol".Im Nu sind Spinnräder,Spanleuchter,Hechel und Weife beseite geräumt,und unter den Klängen einer Harmonika,die ein Bursche trefflich zu spielen versteht,drehen sich die Paare in der großen Holzstube".....(Aus:Das Riesen-und Isergebirge,1925,Wilhelm Müller-Rüdersdorf)
Schloss Schildau abgebrannt (aus den Schlesischen Nachrichten 13/2002)
Das bekannte,etwa 7 Kilometer östlich von Hirschberg,am Bober gelegene Schloss Schildau ist am 14.Mai.2002 durch Feuer schwer beschädigt worden.Obwohl zur gleicher Zeit ein schweres Gewitter über dem Hirschberger Tal tobte,wird neben Blitzschlag auch Brandstiftung nicht ausgeschlossen.Der Dachstuhl und die beiden Türme wurden völlig zerstört.Schloss Schildau,in unmittelbarer Nachbarschaft des als Schlosshotel bekannten Lomnitz der Familie von Küster,stammte in seinen Ursprüngen aus dem 13.Jahrhundert.Das in Renaissance erbaute Schloss wurde 1839 durch August Stüler erweitert und umgebaut.Der an den Bober grenzenden Landschaftspark gehörte mit dem unmittelbar anschließenden Lomnitzer Park,sowie den Parks von Buchwald,Fischbach und Erdmannsdorf zum "Schlesischen Elysirum",dem eine hervorragende Wanderaustellung gewidmet ist.Schildau,dass nach den Zedlitzen(bis 1727)in den Händen vieler Besitzerfamilien war,gehörte bis 1945 der Fürstin Marie zu Wied.In den letzten Jahren hatte es ein italienischer Käufer restaurieren lassen.Eine einmalige schlesische, ja europäische Kulturlandschaft ist wieder um eines ihrer schönsten Schmuckstücke ärmer geworden.
Der "Schwarze" von der Spindlerbaude
Im letzten Jahrzehnt des 19.Jahrhunderts konnte man im Gebirge einen wildausehenden Mann mit schwarzem Vollbart und Schlapphut begegnen.Wenn er plötzlich aus dem Nebel auftauchte,flößte er Fremden einen gehörigen Schrecken ein,die ihn für Rübezahl persönlich hielten.Das war der "Schwarze von der Spindlerbaude",die Gutmütigkeit in Person.Er hieß Franz Schreyer und war ein Findelkind,um 1860 geboren.In der Spindlerbaude hatte er ein neue Heimat gefunden;sie war auch später sein Hauptquartier als Träger.Denn er gehörte zu den vielen,die auf ihren Rücken große Lasten über die Berge schleppten und ohne die ein Leben dort überhaupt nicht denkbar gewesen wäre.Der"Schwarze von der Spindlerbaude" trug Butter hinab ins Tal,hauptsächlich nach Hirschberg.Denn der alte Hollmann von der Spindlerbaude betrieb,bevor die Baude einem verheerenden Brand zum Opfer fiel,in dem Frau und Kind umkamen,einen schwunghaften Butterhandel,sogar bis an die Nord-und Ostsee,wie die alten Handelsbücher ausweisen.Ohne den Schwarzen und seine gute Baudenbutter war der Hirschberger Wochenmarkt vor der Jahrhundertwende nicht denkbar.Die begehrte Ware war im Handumdrehen verkauft.Dann saß der bärtige Träger,umringt von Kindern,auf der Rathaustreppe und schnitt mit einem Taschenmesser Schnitten von einem Brotrampftel(Endstück),für das ihm noch ein wenig Butter geblieben war.Er hatte einen Heimweg von über 30 Kilometern vor sich.Oft mußte der Butterträger den Weg von der Spindlerbaude über den Kamm nehmen,um kurz vor der Koppe ins Tal abzusteigen.Die Baudenbutter war auch begehrt in den Schlössern von Fischbach,Buchwald und Erdmannsdorf bei den fürstlichen Familien.Sogar um das 1888 vermählte preußische Kronprinzenpaar rankt sich eine Anekdote:Eines Morgens stand plötzlich ein wildausehender Mann im Schloßgarten von Erdmannsdorf vor der Kronprinzessin.Er fragte,ob sie den zum Hause gehöre ? Als sie das bejahte,sagt er streng zu dem vermeintlichen Fräulein:"Do brenga se ock bale an risch die gude Putter neu zu da hucha Herrschofta aus Berlin.Se sull zum Friehstücke sein.Macha se ock risch,doaß se nich zerlaufa tutt!"Die verdutzde Kronprinzessin nahm dem Schwarzen von der Spindlerbaude die frische Butter ab.Sie soll den Majestäten an diesem Mogen köstlich gemundet haben....(aus "Riesengebirge-Rübezahls böhmisch-schlesisches Reich"von Erle Bach,1999)
"Im Auto über den Spindlerpass"-(aus der Schlesischen Tageszeitung vom 15.Juni.1939)
Am Sonnabend des 17.Juni findet die Freigabe des Provisorischen Verbindungweges von Ober-Hain zum Spindlerpass für Personenwagen und leichte Autobusse statt.Dieser Weg ist auf Veranlaßung des Generalinspektors Dr.Todt hergestellt worden,um während der Bauzeit der Spindlerpaßstrasse eine vorläufige Verbindung zwischen Schlesien und dem Sudetengau zu schaffen.Der Weg ist mit Vier Metern Planungsbreite und längeren Steilstrecken,bis 19%Steigung,gebaut und daher mit der notwendigen Vorsicht zu befahren.Das bergfahrende Fahrzeug hat Vorfahrtsrecht.Vorläuffige Ausweichstellen sind an naturgebundenen Stellen vorhanden,weitere Ausweichstellen werden nach Bedarf so bald wie möglich eingebaut.Die Freigabe des provisorischen Verbindungsweges erfolgt im Rahmen einer schlichten Feier,der von der Verwaltung des Schlesischen Provinzialverbandes veranstaltet wird.Um 15.00 Uhr werden die Gäste begrüßt und um 15.30 Uhr werden die Gäste des sechs Kilometer langen Behelfsweg von der Lindenschänke in Ober-Hain zum Spindlerpaß zum ersten male mit Wagen befahren.Die Wagen werden in Zeit abständen von einer halben Minute entsprechend dem Abstand zwischen den Ausweichstellen abgelassen.
Der letzte Postillion von Kleinaupa ! (von Bärbel Köstler)
Man schrieb das Jahr 1942 als man ihm am Friedhof,unweit seines Hauses am Kegelplan,zur ewigen Ruhe bettete.Den letzten Postillion,den Lowa Hannes.Sein richtiger name war Johann Sagasser und er stammte aus den Rennerbauden.Ein bewegtes Leben,eines allseits geschätzten Mannes,ja eines echten Orginals,hatte sein Ende gefunden.So manche Begebenheit aus seinem Leben wird heute noch,nach über 50 Jahren erzählt,wenn sich Kleinaupner treffen und über alte Zeiten "teschkorien".Doch ich will der Reihe nach erzählen.Wie schon erwähnt stand sein Elternhaus in den Rennerbauden,wo er 1873 zur Welt kam.1919 heiratete,der damals dreimalige Witwer die Postmeisterwitwe Anna Hoffmann und übernahm somit auch die Pflichten des Postmeisters.Ein nicht immer leicht auszuübendes Amt.So mußte tagein,tagaus die Post in Marschendorf geholt werden.Nun im Sommer war das kein allzu großes Problem,da machte es großen Spaß auf den Kutschbock zu sitzen und das Horn zu blasen.Und das mit Bravur,war er doch ein Vollblutmusikant und Mitglied der bekannten Wosselkapelle."Trara die Post ist da" Stand der Wind günstig,konnte man das Signal sogar bis auf den Simaberg hören.Winters war es weit schwieriger,wenn die Straßen verweht und so richtiges Stöberwetter war.Da hieß es den Rucksack schultern und zu Fuß den weiten Weg zu machen.In all diesen Jahren war ihm sein Pferd Ferdinand,genannt Ferdo ein wahrer Kamerad,auf den er sich voll verlassen konnte.An der Steigung von der Mühle bis zum kegelplan saß der Lowa Hannes,war schwer geladen,ab und stapfte nebenher.Konnte aber mit den langen Beinen seines Vierbeiners,der tüchtig ausholte,nicht Schritt halten.So war Roß und Wagen,oder aber Schlitten,oft schon eine viertel oder halbe Stunde daheim,ehe der Herr kam.Frau Sagasser die das Gefährt schon vom Weitem kommen sah,öffnete das Tor zum Stall,dort machte Ferdo halt und wartete aufs Ausspannen.Das ließ er nur von seinem Kutscher machen.War die Fuhre leichter,so konnte es schon vorkommen,daß der Lowa Hannes auf dem Wagen sein Nickerchen hielt und erst zu sich kam,wenn dieser daheim über die Schwelle holperte.Zuweilen wurden auch für den Konsum Lebensmittel mitgenommen,dann spannte der Kutscher dort das Pferd aus und schickte es mit einem Klaps nach Hause.So mußte es an dem neuen Postamt vorbei.Hier machte er Halt,stieg mit dem Vorderläufen die drei Stufen hoch und wieherte kurz.Konnte er doch sicher sein,von dem Postfräulein ein paar Stückchen Zucker zu bekommen.Danach trottete er gar heim.So ließe sich noch manches von Ferdo und dem letzten Postillion von Kleinaupa erzählen,doch mit der nächsten Errinerung soll des "Orginals" Lowa Hannes gedacht sein.So betrieb er neben der Postmeisterei auch eine kleine Trafik.Und so kamen abends,nach ein paar Glas Bier beim Tasler-Wirt,zwei stille Zecher vorbei um sich etwas zu rauchen zu holen.Der Lowa Hannes macht das "Schleppla" auf und frägt nach dem Begehr.Als er sich umdreht um das Gewünschte zu holen,versagen dem Einen die Beine ihren Dienst und knickten zusammen.Hannes das Schlimmste befürchtend,ruft durch das Fenster:"du dos ejne sor ich dir,gestorba wird dohejme".
Sankt Peter,die Schreckensnacht vom 30.zum 31.Dezember 1756
Die kleine Bergwerkskolonie in Alt-St.Peter bestand 1756 aus etwa 10 Häusern,das kleine,1625 erbaute Holzkirchlein sowie die um 1730 von Franz Spindler erbaute Mühle am rechten Ufer des Klausenbaches,durchwegs aus Holz gebaut.Die meisten Häuschen standen am linken Ufer in erhöhter Lage.Die kleine Siedlung lag weit abseits von anderen Ortschaften und war besonders im Winter vom Verkehr mit der Stadt Hohenelbe abgeschnitten.Um diese Schwierigkeiten etwas abzuhelfen,hatte,wie schon erwähnt,Franz Spindler die Mahlmühle errichtet,so daß fortan Mehl und Greislerwaren im Ort gekauft werden konnten.Oft waren die Schneeverwehungen so groß,daß wochenlang der Verkehr mit der weiteren Umgebung ruhte.So begann der schneereiche Winter 1756-1757,Schon tagelang schneite es ohne Unterlaß und schüttete Unmassen von Schnee über der Bergwerkssiedlung aus.Die Häuser lagen gegen Ende Dezember tief im Schnee begraben.Nur für den notwendigen Verkehr zum Silberstollen wurde Bahn geschaufelt und noch immer schneite es.Mit bangen blickten die Bewohner auf den schneebeladenen Hänge des Ziegenrückens.Wie Trauben hingen die Schneewächten herab,um jeden Augenblick loszureißen und alles unter sich zu begraben.Da,mit einemale hob sich das Gewölke,zerteilte sich und ein mächtiger,warmer Südwind(Föhn) bließ in die lockeren Schneemassen und brachte sie zum Schmelzen.Bald rieselten von den Hängen kleine Rinnsale,die immer größer wurden,Bäche ergossen sich ins Tal und vereinigten sich zu einem gewaltigen reißenden Strom,der alles unter sich begrub und wegschwemmte,was sich in den Weg stellte.Darein mischten sich die von den Hängen herabstürztenden Schneelawinen und führten gebrochene Fichtenstämme und Felstrümmer mit sich ins Tal.Als erstes Opfer war die von Holzstämmen und zum Holzflößen erbaute"Klause",das Wasserwerk ausersehen,von edem einige der oberen Schichten abgerissen wurden.Als Zweites Opfer folgte das grosse Wasserrad beim Silberstollen,das zum Herausbefördern der Erzvorräte und des Wassers aus dem Stollen diente und bis auf den Grund samt den Mauern und der Zuleitung weggeführt wurde.Als Drittes Opfer wurde die Mühle betroffen.Das Wasserrad samt dem Gerinne wurde vernichtet sowie auch im inneren der Mühle großer Schaden verursacht.Zur Not konnte sich der Müller mit seiner Familie in eine höher gelegene Hütte retten.Die Vorräte waren verschlammt und unbrauchbar geworden.Alle Brücken und Stege waren weggerissen,so daß in den nächsten Tage ein zusammenkommen mit dem östlich wohnenden Nachbarn nicht möglich war.Was noch schlimmer war:Die eingedrungenen Wassermassen hatten den silberliefernden Stollen völlig unter Wasser gesetzt.Nur mit knapper Not konnten sich die darin arbeitenden Knappen mit dem leben retten.Dieser reich silberhaltige Stollen steht seit jener Zeit unter Wasser und konnte seither nicht mehr geöffnet werden.Die ohnehin armen Bergarbeiter kamen damit um ihren Broterwerb.Wohl machte man hier und da Versuchsstollen,so in die Eisenkappe,wo wenig ertragreiches Eisenerz gefördert wurde,in den Josef-Stollen im Lattichgraben,mit Arsenerz sowie auf den Schippeln.Alle diese Versuche mußten nach kurzer Zeit wegen geringem Ertrag wieder aufgegeben werden.So war ein Teil der Bergleute gezwungen auszuwandern,ein anderer Teil,der da Häuser hatte,blieb und wurde vom Grafen a´ls Waldarbeiter eingestellt,zum Teil in der neu entetehnden Siedlung an der Elbe,den"Spallerbauden",dem heutigen Spindelmühle,beschäftigt."Der Spindlermüller"konnte die zerstörte Mühle nicht wieder aufbauen und wie jedes Unheil auch eine gute Seite hat,baute er sich unter Zurhilfenahme der verbliebenen Trümmer in kurzer Zeit an den Ufern der Elbe am Zusammenflusse mit dem Klausenwasser seine Mühle neu und größer um 1760 auf.Dieser Ort vergrößerte sich zusehends und bald eröffnete der Müller noch einen Laden und ein Gastgeschäft.Als der Stollen in St.Peter geschlossen wurde,tat der bei dem Akt behilfliche Steiger diesen Ausspruch."An Gold und Silber wirds nicht fehlen,aber an klugen Köpfen!"(von Josef Spindler)
Rübezahl und der Glasträger (Eine Rübezahl Sage):
Die Begegnung eines Einheimischen mit dem Berggeist dagegen erzählt die folgende Geschichte: Ein Glasträger ist übers Gebirge gegangen und hat sich, müde von der schweren Last, die er auf dem Rücken gehabt, nach einem Sitze umgeschaut, worauf er ein wenig ausruhen möchte. Da trifft er am Wege einen runden Klotz und setzt sich mit frohem Mut darauf. Doch währte seine Freude nicht allzu lange. Wie er im besten Ruhen ist und an nichts Arges denkt, wälzt sich auf einmal der runde Klotz von selbst unter dem Glaser weg, so daß der arme Kerl mitsamt seiner Last zu Boden schlägt und alles in Stücke bricht. Das ist aber niemand anderes als der schlaue Berggeist gewesen, der gemerkt hat, wonach den Glaser verlangte, und sich in den Klotz verwandelt hat. Nach dem Fall aber hat sich der Glaser nicht weiter nach dem Block umgesehen, der sich schleunigst aus dem Staube gemacht und in was anderes verwandelt hat. Der Glaser hat bitterlich angefangen zu weinen und seinen Schaden beseufzt. Da ist ihm Rübezahl in Gestalt eines Menschen erschienen und hat ihn gefragt, was er denn hätte. Daraufhin hat ihm der Glaser die ganze Begebenheit erzählt und hinzugesetzt, er wüßte nicht, wie er das ersetzen sollte, das Glas hätte ihn wohl acht Taler gekostet. Das hat nun dem Rübezahl leid getan, er hat ihm zugeredet, er solle sich zufriedengeben, er wolle ihm selber dazu verhelfen, daß er alles auch was darüber dafür bekäme. Er selber sei es ja gewesen, der ihm den Streich gespielt habe. Er habe sich in den Block verwandelt und hernach fortgewälzt. Er solle nur guten Mutes sein, jetzt wolle er sich in einen Esel verwandeln, den solle der Glaser mit sich führen und unten am Gebirge an einen Müller verkaufen, aber wenn er das Geld bekommen hätte, sich alsbald fortmachen.Und im Nu wird Rübezahl zu einem Esel, der Glaser setzt sich darauf, reitet getrost vom Gebirge herunter und bietet ihn für zehn Taler einem Müller an. Er bekommt auch neun, denn der Esel hat dem Müller sehr wohl gefallen. Der Glaser hat das Geld ungesäumt eingesteckt und sich fortgemacht. Der Esel aber wird in einen Stall getan und eingesperrt. Wie aber des Müllers Knecht ihn besucht und ihm Heu zu fressen vorlegt, da hat der Esel angefangen zu reden und hat gesprochen: »Ich fresse kein Heu, nur lauter Gebratenes und Gebackenes.« Wie aber der Müllerknappe das gehört hat, ist er flugs davongelaufen und hat seinem Herrn die Neuigkeit gemeldet, daß er einen sprachkundigen Esel habe. Der Müller kommt zum Stall gelaufen, um sich den Gast anzuhören, aber da ist auf einmal kein Esel mehr da, und der gute Müller ist um seine neun Taler betrogen, die er vielleicht vorher den Leuten als Mehl gestohlen hat. So daß also Rübezahl hierin Abrechnung gehalten hat.(aus dem Internet:Gutenberg Sagen/Schlesien)
Ein Gedicht des berühmten Schlesischen Schriftstellers Hermann Stehr:

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