Die Papierindustrie im Bezirk Hohenelbe im böhmischen Riesengebirge um 1907

Im Jahre 1667 übergab unter gewissen,festgesetzten Bedingungen-"Paul Graff von Morzin,Erbherr auf hohen Elb,dem Christoph Weiß,dieserzeit Gerichtsverwalter von Mittel-Langenau,für seinen eheleiblichen Sohn Christophen einen Ort negst über den Brücken Unter meiner Stadt hohen Elb Leithe und Mühlgraben Zwischen Hans Fleischers,Schmieds und Tobias Wonken,Bawerkswohnhäusern gelegen,zur schleunigsten Aufbauung einer rechtschaffenen Papiermühlen.Schloß hohen Elb am Tage St.Georgi,welches war am 24.April nach Unseres Erlösers Jesu Christi geburth 1667".

Der erste Papiermacher hieß Matthias Kiesling und starb im Jahre 1687.Die Papierfabrikation erhielt sich in Hohenelbe selbst über 200 Jahre und erlosch hier im Jahre 1891.

In diesem Jahre gelangte di k.k.priv.Papierfabrik von Karl August Kießlings Erben(Franz Thallmacher) durch Kauf in den Besitz des Herrn Karl Löwit,welcher die Papierfabrik in eine Courtinbleiche umwandelte.Aber auch in der Umgebung von Hohenelbe wurden fast zu gleicher Zeit mit der Gründung der Hohenelber Papiererzeugung Papierfabriken errichtet,so zu Lauterwasser,wo nach der Forster Kirchenchronik bereits im Jahre 1674 als erster Papiermacher ein Christoph Baier genannt wird.Ob dieser zugleich Besitzer war,ist nicht bekannt.Es sollen in dieser Papiermühle gegen 100 Personen beschäftigt gewesen sein,denen ein wöchentlicher Lohn von über 300 Gulden ausgezahlt wurde.

In Mittellangenau wurde im Jahre 1687 von Matthias Kießling eine Papiererzeugung errichtet,die sich in der Familie Kießling forterbte,bis sie im Jahre 1860 unter Friedrich Kießling abbrante.

Die Brandstätte wurde von den Herren Emil Weiß,Neumann und Fried angekauft,wieder als Papierfabrik aufgebaut und zunächst unter dieser,dann unter der Firma Emil Weiß und Ruckmich,sodann Emil Weiß und W.Ullmann,endlich Emanuel Weiß allein betrieben,bis sie im Jahre 1888 neuerdings abbrante.Die Brandstätte wurde von den Herren Gebrüder Gerstel angekauft und auf derselben im Jahre 1895 eine Weberei erbaut.Seit dem Jahre 1899 befindet sich diese Fabrik im Besitze der Firma H.S.Doctor und gegenwärtiger Besitzer ist kaiserlicher Rat Herr Moritz Doctor in Wien.

Von Alois Kießlings Erben wurde im Jahre 1822 in Oberlangenau eine Papiermühle errichtet,die aber als solche nur bis zum Jahre 1839 in Betrieb stand.

Im Letztgenannten Jahre wurde sie von Herrn Adalbert Ehinger käuflich erworben und in eine Bleiche und Appreturanstalt umgewandelt,als welche sie inzwischen bedeutend erweitert,im Besitz des Herrn Otto Ehinger blüht.

Am 1.August 1859 wurde in Oberlangenau an derselben Stelle,wo urkundlich nachweisbar seit 130 Jahren eine herrschaftliche Brettsäge gestanden,die am 16.October 1770 von der Franz Xav.Morzin`schen Majoratsherrschaft an den Oberlangenauer Richter Anton Lahr verkauft worden war,der Grundstein zur Großmann`schen Papierfabrik gelegt und am 19.April 1860 daselbst das erste Schreibpapier erzeugt.

Im Laufe der folgenden zwei Jahrzehnte wurde die Fabrik zweimal gänzlich umgebaut und ihre Erzeugungskraft gehoben.In Niederhof wurden 5 Wasserkräfte erworben,darunter eine Mahlmühle,die 200 Jahre im Besitze der Familie Staudt gewesen war und der Papierfabrik dienstbar gemacht,indem an ihnen Holzschleifereien aufgestellt wurden,die mit 8 Schleifapparaten und 6 Deckelmaschinen den für die Papierfabrik erforderlichen Rohstoff lieferten.Die ursprüngliche Firma B.Großmann wurde 1895 in die Firma P&U Großmann umgeändert.Gegenwärtig steht die Fabrik im Besitze des Herrn Alexander Großmann in Oberlangenau.

Im Jahre 1860 erbaute Herr Friedrich Werner in Oberhohenelbe eine Papierfabrik,die unter der Firma Werner & Dreßler nur kurze Zeit bestand,indem sie bereits 1863 abbrannte.

Die Brandstätte wurde von der Firma F.M.Rotterßs Söhne in Oberhohenelbe erworben und an ihrer Stelle die Flachsgarnspinnerei Nr.3 erbaut.Als auch diese im Jahre 1887 einem verherrenden Brande zum Opfer gefallen war,erstand an ihrer Stelle die noch jetzt florierende Jutespinnerei der letztgenannten Firma.

An der Stelle,wo jetzt die Flachsgarnspinnerei des Herrn W.Jerrie in Hohenelbe steht,stand seit fast 200 Jahren eine Büttenpapierfabrik,die seinerzeit ein Herr Gabriel Ettel erbaut hatte.

Herr W.Jerrie erwarb dieselbe 1854,ließ sie niederreißen und errichtete anstatt derselben die gegenwärtige Flachsgarnspinnerei,die nach dem Tode des Gründers an dessen damals minderjährigen Enkel fiel.

Als in das Gebiet der Papierindustrie gehörenden Gründungen neuerer Zeit sind weiter zu nennen:Holzstoff-und Pappenfabrik von M.Erlebach,Niederhof.

1879 von Herrn Johann Erlebach d.ä.als Holzschleife erbaut,1888 um die Pappenerzeugung erweitert,durch die Herren M.Erlebach und Hans Ther unter der Firma Erlebach & Komp.übernommen,seit dem Jahre 1863 unter der Firma M.Erlebach weiterbestehend.

Packpapierfabrik von Hermann Hofer & Söhne,Lauterwasser

Von Herrn Wenzel Adolf 1882 als Holzschleife gegründet,dann in eine Packpapierfabrik umgewandelt,überging das Werk später an die gegenwärtigen Besitzer.

Holzstoff-Fabrik von Gebr.Nettel,Tafelbauden,1893 gegründet.Papierfabrik von Ignaz Dix`Söhne,Hennersdorf,1889-90 gegründet.

Zuerst als Holzschleife auf dem Grunde der im Jahre 1884 abgebrannten Ullmann-Mühle errichtet,steht sie gegenwärtig als eine mit den modernsten Maschinen ausgestattete nette Papierfabrik da.Nach Schallers Topographie von Böhmen gab es im Jahre 1790,also etwa über 100 Jahre später seit dem Beginne der Papiererzeugung in Hohenelbe im Gebiet der dortigen Herrschaft 3 Papierfabrikationen mit 3 Meistern,11 Gesellen,4 Lehrjungen und 8 Gehilfen und im Jahre 1880 zählte man 5 Papierfabrikationen mit 17 Arbeitsbitten,wozu noch Lauterwasser mit 5 Arbeitsbitten kam.

Die Pappenfabrik der Firma Götzel in Lauterwasser ist die einzige von den in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts gegründteten Papiermühlen,welche jetzt noch besteht.Der Name der um die Einführung und Verbreitung der Papierindustrie im Hohenelber Teile des politischen Bezirkes Hohenelbe so verdienten Kießling`s ist auch mit dieser eng verknüpft.Auf ein mehrhundertjähriges Alter wie im Hohenelber Gerichtsbezirke kann die im Arnauer in schönster Blüte stehende Papierindustrie nicht zurückblicken.Hier hielt dieselbe ihren Einzug erst in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts.Aber während die vordem gegründten Papierfabriken,eigentlich Papiermühlen,in Hohenelbe und Umgebung Handpapier erzeugten,setzte die Papierindustrie in Arnau gleich mit der viel rascheren und ergiebigeren Maschinen-Papiererzeugung ein.

Eine Papiermühle mit einer Bütte lieferte bei 8-10 Mann Bedienung täglich im Durchschnitt 50-75 kg Papier,während eine Papiermaschine in der gleichen Zeit 1500-2000 Kg Papier erzeugt.Abgesehen von der Menge ist auch die Beschaffenheit des Maschinenpapieres eine viel bessere als die des Büttenpapiers war und ermöglicht der Gebrauch der Papiermaschine die Erzeugung �u�erst seiner Papiersorten,so des Seiden-,des Blumen-und des Zigarettenpapieres.

Der Besitzer der Oberlangenauer Papierfabrik,(der jetzigen Ehingeröschen Bleich-und Appreturanstalt,) die Brüder G.und W.Kießßing errichteten im Jahre 1835 in dem geschichtlich denkwürdigen Schlosse in Arnau,in dem bislang eine Baumwollspinnerei untergebracht war,eine Papiererzeugung in großerem Umfange und stellten hier gleich im folgenden Jahre eine Papiermaschine auf.

Im Jahre 1839 erwarb Franz Ritter von Lorenz durch Kauf diese Papierfabrik,die unter der Firma Franz Lorenz Söhne sichtlich gedieh,und verband sich im Jahre 1842 mit Herrn Julius Eichmann,der als gewesener Leiter der ersten Maschinen-Papierfabrik in Budentsch bei Prag reiche Erfahrungen in der Maschinenpapiererzeugung besaß,zu der Firma Franz Lorenz Söhne & Eichmann.Durch Aufstellung einer zweiten Papiermaschine und mehrerer holl�nder in einer dazu gekauften Mahlmühle,durch Umbauten nach wiederholten Bränden einzelner Teile,durch Zubauten und Aufsetzungen neuer Stockwerke wurde die Fabrikanlage nach und nach so erweitert,daß sie gegenwärtig,seit dem Jahre 1871 im Besitze der k.k.priv.Papierfabriks-und Verlagsgesellschaft"Elbemühl" stehend,eines der größten Industrieunternehmungen der Papierbranche nicht nur der engeren Heimat,sondern ganz Böhmens,ja der Monarchie darstellt.Die Papierfabrik"Elbemühl" ist mit einer Strohstofferzeugung und einer Holzschleiferei verbunden und beschäftigt 350 Arbeiter beiderlei Geschlechts.Der Antrieb des Werkes geschieht mittels 5 Dampfmaschinen von zusammen 550 Pferdestärken und 4 Turbinen von zusammen etwa 450 Pferdestärken.Mit 2 Papiermaschinen werden jährlich rund 30000 Meterzentner Papier erzeugt und zwischen Brief-,Schreib-,Druck-,Konzept-,Zelluloße,Umschlags-,Streich-,und Löschpapier,sowie Rotationsdruck-und Kartonpapier.Die Strohstofferzeugung liefert jährlich etwa 3000 q,die Holzschleiferei 2500q Material.Der Bedarf an Rohmaterial beträgt jährlich etwa 500q Hadern,10000qZellulose,15000q Holzstoff und 1000q Strohstoff und wird teils von den eigenen Werken,teils von den anderen Werken des Inlandes gedeckt.Holzstoff wird auch aus Schweden bezogen.Das Absatzgebiet der fertigen Papiere erstreckt sich nicht bloß über die Monarchie,sondern auch auf Zentral-und Südamerika.Zur "Elbemühl" gehört auch die Feinpapierfabrik in Gutsmuts.Dieselbe war im Jahre 1859 als selbständige Papierfabrik von der Firma Linke,Richter & Bibel erbaut worden und überging dann durch Kauf an die Aktiengesellschaft"Elbemühl".Die Gutsmutser Fabrik beschäftigt gegenwärtig 70 Arbeiter und Arbeiterinnen und erzeugt mit einer Papiermaschine 15000 Meterzentner feineres Brief-und Schreib,Kupferdruck und Lichtdruck-,sowie Landkarten-und Streichpapier,welches erst in der Arnauer Fabrik appretiert und von hier aus versandt wird.In diesem Werke sind 2 Dampfmaschinen und 2 Turbinen aufgestellt,die zusammen etwa 500 Pferdestärke liefern.An rohstoff werden hier etwa 2000q Hadern,9000q Zellulose und 2000q Strohstoff verarbeitet.Zur"Elbemühl" gehört ferner die Holzstoffabrik in Mönchsdorf,die,im Jahre 1870 erbaut,30 Arbeiter beschäftigt und von 2 Turbinen mit 400 Pferdestärken angetrieben wird.Die jährliche Erzeugungsmenge beträgt rund 7000q feinsten,weißen Holzstoff.Endlich gehörte noch zur "Elbemühl" die im Königinhofer Bezirke gelegene Holzschleiferei von Teschnen(?),welche der dort zu errichtenden Talsperre weichen mußte.Sie verfügte über eine Wasserkraft von 176 PS und erzeugte jührlich gegen 5000q Holzstoffes.

Wohl ebensogroß wie die "Elbemühl"ist die k.k.priv.Maschinenpapierfabrik von Eichmann und Komp.Im Jahre 1860 trat Herr Eichmann aus der Gesellschaft"Franz Lorenz Söhne und Eichmann" aus und errichtete unterhalb Arnau eine eigen Papierfabrik unter der Firma"Eichmann,Roeder und Komp.".Später schied Herr Roeder aus der Firma und diese lautet seither "Eichmann und Komp."Durch beständige Zubauten wurde die Fabrik allmählig zu ihrem gegenwärtigen bedeutenden Umfange erweitert.

Die Eichmann`sche Papierfabrik erbeitet mit 2 Papiermaschinen und besitzt als Betriebskraft 4 Dampfmaschinen und 4 Turbinen mit zusammen rund 720 Pferdestärken.In diesem Unternehmen sind an die 500 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt.Die Erzeugnisse der Fabrik als:feines Zelluloße-und hadernpapier,Schreib-,Druck-und Zeichenpapier,Kupferdruck-,Landkarten-und feineres Packpapier werden in österreich-Ungarn,den Balkanländern,Deutschland,England,Südamerika und Kanada abgesetzt.Bestbekannt ist die Firma Eichmann und Komp.auch durch die Erzeugung von Schulschreibheften und Briefumschlägen.

In der Gruppe der Papierindustrie-Unternehmungen gehören außerdem in vorstehenden Zeilen behandelten 6 Papier-und 2 Pappenfabriken und den teils mit diesen verbundenen,teils selbständigen 13 Holzschleifereien,Zelluloße-Und Strohstofferzeugungen auch jene gewerbsmäßigen Betriebe,welche sich mit der Verarbeitung des Papiers befassen und da zählen wir im Hohenelber Bezirke 9 Buchbindereien,3 Kartonagenerzeugungen und 10 Papierkonfektionen.Die meisten Handelsleute in den Stadten und schon viele Krämer in den Dörfern haben einen Vorrat von verschiedenen geformten und mehr oder minder geschmackvoll mit ihrer Firma bedruckten Papierd�ten und Papiers�cken,sodaß das Erfordernis an solchen ein massenhaftes ist.Dementsprechend ist auch die Erzeugung eine massenhafte.Diese wird hausindustriell betrieben und zwar fast außschließlich von Frauen und Kindern.An bestimmten Tagen und zur festgesetzten Stunde wimmelt es förmlich vor den betreffenden Geschäftstellen,wo Kinder und Erwachsene mit Handw�gelchen verschiedenster Form sich einfinden,um die fertigen D�ten und Sackeln abzuliefern und wieder Papier zu neuer Erzeugung auszufassen.Die Papierindustrie zählt,alles in allem gerechnet,im Hohenelber Bezirke 39 Betriebe.

 

Aus dem Buch:"Volks-und Heimatkunde des politschen Bezirkes Hohenelbe,Band 2,1907-1915"

 

 

 

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