Die Eisenwerke im und nahe dem Hammerich(16.Jh.) in Oberhohenelbe/Riesengebirge
Christoph von Gendorf förderte als Berghauptmann des Königreiches Böhmen den Bergbau und die von diesem abhängige Industrie auf jede nur erdenkliche Weise.Bald nach 1533 ließ er in der Oberhohenelber Ortsmitte-den Schmalzgruben im Hammerich und in dessen unmittelbarer Nachbarschaft-ein Hütten-und Hammerwerk errichten.Über die Existenz und die Lage dieser Eisenwerke sind wir durch die zwischen 1576 und 1585 entstandene Riesengebirgskarte von Simon Hüttel aus Trautenau -der ersten ihrer Art überhaupt-ziemlich genau unterrichtet.Die Karte stellt unter anderem den besiedlungsmäßigen Zustand des Riesengebirges unter einem der Nachfolger gendorfs,der 1563 starb,dar,nämlich Wilhelm Mirzkowsky von Tropschitz,dem Gemahl einer Enkelin Gendorfs.Wie ein rekonstruierter Ausschnitt dieser Karte zeigt,gab es damals in Oberhohenelbe"die schmaltz gruben","des Herr Wilhelms altter rechen"und "die welschen hamer".letztere sind jedoch auf der östlichen Seite der Elbe,etwa zwischen der Hölle und den späteren Anwesen Lang-Steudler(Haus Nr.225 in Oberhohenelbe)und der Groh-Villa(Haus Nr.235)eingezeichnet.
Die zu verarbeitenden Eisenerze sind aus dem Bergwerk am Altenberg im hinteren Hackelsdorf,sehr warscheinlich über den Steinweg,herangeschafft worden.Die am Bergwerk vorsortierten,das heißt vom tauben Gestein befreiten Erzbrocken wurden in Oberhohenelbe zunächst"gepocht"(zerkleinert).Das zerkleinerte Erz wurde dann mittels Holzkohle in einem Hochofen zu Roheisen"geschmolzen"(verhüttet).Wöchentlich konnte man bis zu 66 Zentimetter Roheisen,die sogenannten Roheisen-Gans oder das Roheisen-Floß,erzeugen.Die Betriebsdauer eines solchen Ofens betrug 16 bis 20 Wochen,danach musste der aus zähen Quarzit-Quadern bestehende Grundausbau erneuert werden.Solche Hochöfen gab es in der 2.Hälfte des 16.jahrhunderts auch in Niederhof(der Niederhoff und Eisenn hammer),in Langenau ist ein Pochwerk angegeben(Dz Pochwergk).In einem weiteren Arbeitsgang mußte das nicht schmiedbare kohlenstoffreiche Roheisen"gefrischt",das heißt zu stahlähnlichen Schmiedeeisen("Frischeisen")verarbeitet werden.Das geschah durch hochtemperierte Erhitzung des Gußeisens im Gebläse,und zwar in sogenannten"welschen Hämmern".Dabei wurde der zu hohe Kohlenstoffgehalt bis auf einen geringen Anteil entfernt und das Eisen dadurch schmiedbar und härtbar gemacht.Stahl als Rohmaterial war für viele Schmiedeprodukte wie Waffen und Werkzeuge begehrt.Solche Fertigprodukte,vor allem Sensen und Sicheln,wurden ebenfalls in Oberhohenelbe hergestellt.Zur Weiterverarbeitung des Stahls dienten Schmiedehämmer.
Die Holzversorgung für ein solches Eisenwerk war eine kostspielige Angelegenheit.Man verbrauchte enorme Mengen an Holz,das geschlagen,geflößt,zur Holzkohle verarbeitet und zu den Werken transportiert werden musste.Der Transport wurde von robotpflichtigen Bauern aus Oberhohenelbe und Schreibendorf durchgeführt.Mit ziemlicher Sicherheit befanden sich auf Oberhohenelber Gemarkung Kohlenmeiler;sehr warscheinlich im Bereich des oberen Hammerichs,also nahe den Eisenwerken,vor allem aber in den damals noch viel ausgedehnteren Wäldern von der Hölle bis zur Wachur und weiter hinein ins Gebirge.In dieser Gegend sind in der Hüttelschen Karte eigens Kohlenmeiler eingezeichnet und als die kollwelder angegeben.Ein solcher Meiler hatte einen Durchmesser von 18 bis 24 Schritt,das sind 5,32 bis 7,10m,und lieferte bis zu 120 Körbe Holzkohle.Der Köhlermeister bekam pro Woche 1 fl.10x(das sind ein Gulden und 10 Kreuzer),seine beiden Gehilfen erhielten jeweils 54 Kreuzer.Eine Notwendigkeit war auch das Vorhandensein von reichlich fließendem Wasser.In Oberhohenelbe führt der Hammerich-Bach das ganze Jahr über eine relativ konstant bleibende,genügende Wassermenge.Die auch andernorts im Riesengebirge und im übrigen Böhmen aufblühende Industrie benötigte eine große Anzahl von Bergleute und Fachkräfte,die Gendorf aus außerböhmischen Ländern anwerben ließ,In Jenem,dem 16.Jahrhundert,kam es zu einem Zustrom deutscher Siedler nach Böhmen,darunter viele aus dem Alpenraum,aber auch solchen aus dem protestantischen Sachsen,der Lausitz,aus Thüringen,Oberfranken,der Oberpfalz,aus Württemberg und der Schweiz.Gendorf,"welcher der lutherischen Lehr sonderlich wohlgewogen und günstig gewesen",förderte die Verbreitung des neuen Glaubens in Böhmen auf mancherlei Weise.Die Protestantiesierung von Hohenelbe und der Umgebung ging vor allem durch die vielen von Gendorf herbeigerufenen Berg-und Hüttenleute aus.Ein öffentlich erklärter Übertritt vom alten katholischen zum neuen lutherischen Bekentniss fand nicht statt;vieles blieb vorläufig beim alten,dann Prozessionen,Wallfahrten,Messen und andere alte Glaubensformen wurden von den lutherischen Pfarrern erst nach und nach abgeschafft.Die durch die zugezogenen Bergleute und Industriearbeiter angestiegende Bevölkerung von Oberhohenelbe,Hackelsdorf und den umliegenden Gebirgsgemeinden,wo es keine Kirche gab,mußte wie ehedem zum Gottesdienst nach Hohenelbe gehen,ein zum Teil weiter und vorallem im Winter beschwerlicher Weg.
Am 1.Mai 1558 gestatte Gendorf den Bürgern von Hohenelbe und Oberhohenelbe die Weide-und Holznutzung in einem bestimmten,von nun an Bürgerwald genannten Areal.Der Flurname Bürgerwald für das Waldstück zwischen Elbe und Steinweg im Grenzbereich zu Hackelsdorf bestand bis zur Vertreibung 1945/46.Intressant ist die urkundliche Erwähnung eines"Ersten rechens"-hier kann es sich um eine Holzstau-Anlage beim"Bockrechen"handeln.Die oberhalb gelegenen Hänge bis zum Steinweg und weiter hinauf zur Wachur waren damals mit Fichtenwald bestanden.Ein erster Rechen schließt einen zweiten ein-sehr warscheinlich den am Ausgang der "Hölle".Die Anlage für die Holz-Anladung in der "Lände" geht also bis in Gendorfs Zeit zurück.Die Bezeichnung"des Herr Wilhelms altter rechen"deutet ebenfalls darauf hin,das Wilhelm Mirzkowsky von Tropschitz neben diesen alten Rechen einen neuen,also einen zweiten,bauen ließ.Die Tatsache,daß sein alter Rechen seinen Namen trug,sagt nicht aus,daß er diesen auch anlegen ließ;er hätte ihn auch modernisieren oder,nach einer Zerstörung durch ein Hochwasser,neu errichten lassen können.
Kandidatenliste der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei für die Wahl der Gemeindevertretung am 12.Juni 1938 in Oberhohenelbe
1.Gaida Willi,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.268.-2.Wagner Josef,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.182-3.Seidel Franz,Arbeiter,Oberhohenelbe,Nr.268-4.Scharf,Ignatz,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.257.-5.Haller Josef,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.233.-6.Pohl,Flori,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.121.-7.Bock,Karl,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.313.-8.Pohl,Adalbert,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.313.-9.Adolf Franz,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.283.-10.Gaida Johann,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.268.-11.Beranek Vinzenz,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.121.-12.Pohl Wenzel,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.268.-13.Gaida Marie,Arbeiterin,Oberhohenelbe Nr.268.-14.Bradler Emil,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.238.-15.Valach Alois,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.185.-16.Uceny Karl,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.320.-17.Wagner Josef,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.82,-18.Hackel Hugo,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.121.-19.Gottstein Alfred,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.303,-20.Bradler Ernst,Arbeiter,Oberhohenelbe Nr.185.-
Die Flößerei auf der Elbe in Oberhohenelbe
Flößerei wurde im Riesengebirge mit Sicherheit seit dem 16.Jahrhundert betrieben,denn die von Gendorf errichteten Hüttenwerke und Eisenhämmer benötigten sehr große Mengen an Holz.Als unter Gendorf auch derSilberbergbau in Kuttenberg aufblühteund riesige Mengen an Holz verschlang,war man dazu übergegangen,dieses auch im Riesengebirge zu schlagen und auf der Elbe bis nach Kolin flößen zu lassen.Für diese Arbeiten hatte man eigens einige hundert Salzburger und Tiroler Holzknechte abgeworben,von denen sich viele im Gebirge ansiedelten und damit die Erschliesung entscheidend voranbrachten.1551 sollen die Krausebauden von Bergleuten und Holzfällern angelegt worden sein.
Über diese frühe Flößerei in den Tälern der großen und kleinen Elbe im 16.Jahrhundert ist bislang sehr wenig bekannt;dagegen weiß man viel mehr über dieses im Aupatal betriebende alte Gewerbe.In der Hüttelschen Karte aus der 2.Hälfte des 16.jahrhunderts sind im Tal der großen Elbe zwei Klausen eingezeichnet:Die "alte klausen gen hohen elbe tzu" lag an der Mündung des Klausenwassers im späteren Spindelmühle;die "new klause" weiter flußabwärts,warscheinlich an der Mündung des Kläuselbaches nahe der späteren Michelmühle.Diese Gewässernamen,auch solche wie Klauselbauden und Klauselberg in der Gemarkung Ochsengraben,weisen auf die ehemalige Existenz von Klausen für die Flößerei hin.
Wie wollte man das in den Waldtälern der oberen Elbe geschlagene Holz auch anders heraustransportieren als auf den Wasserweg ? Schon ab dem nördlichen Oberhohenelbe war das Elbtal wüst und unpassierbar,der Weg elbe-aufwärts führte über den steinigen Weg auf die Talschulter von Hackelsdorf und Ochsengraben und auf dieser über dem Flußtal einwärts ins Gebirge-und das noch bis 1871.Man schlug Holz ein,ließ es auf Riesen ins Elbtal hinuntergleiten oder mit Zugtieren zum Fluß schaffen,der Weitertransport geschah durch die Öffnung der Klausen und nicht seltenen Hochwasser.Auf der Hüttelschen Karte befindet sich an der Elbe oberhalb des Oberhohenelber Rechens sogar ein Hinweiß auf die Flößerei:"dz holtz laßen auff der elben",man sieht auf dem Fluß Stämme treiben und zum Fluß hinunter ist eine Holzriese gezeichnet.
Wo sich das Elbtal weitet und der Flußlauf eine Krümmung macht,wie am Brockrechen,wurde,bevor die Uferverbaunug gegen Ende des vorherigen Jahrhunderts erfolgte,ein großer Teil des Holzes angeschwemmt.Hier wurde es gesammelt und mit Fuhrwerken weitertransportiert.Ein kleinerer Teil jedoch trieb weiter den Fluß hinab und ging verloren.Um dies zu verhindern und das angelandete Holz leichter aufsammeln zu können,hatte Gendorf hier eine Holzlände mit zwei Rechen errichten lassen.Der Erste Rechen befand sich in der Talverengung zwischen dem Felsen beim Grundstück Renner(Nr.114) oberhalb des Wohnhauses Bock(Nr.111)und dem gegenüberliegenden Passig.Wie er zu Gendorfs Zeit ausgesehen hat,ist nicht bekannt,rund 250 Jahre später,um 1800,bestand er aus einer Steinmauer mit Durchlässen,in die von oben Holzstangen gesteckt waren,um das geflößte Holz aufzufangen.Von diesem Rechen führte ein künstlich angelegter Nebenarm oder Kanal in die Lände,wo das Holz angelandet,gestapelt und abgefahren wurde.Die Holzlände ließ 1809 Rudolf Graf von Morzin modernisieren und ausbauen.Sie hatte damals eine Kapazität von rund 15000 Raunmeter Scheitholz.
Der Zweite Rechen befand sich am südlichen Ende der Lände,wo der Floßkanal zusammen mit dem Höllenbach in die Elbe mündete.Jedes Jahr wurden auf diese Weise bis zu 20000 Raummeter Holz geflößt.Nachdem in den Jahren nach 1871 die Straße bis Spindelmühle fertiggestellt wurde und das Elbbett reguliert worden war,konnte das geschlagene Holz direkt abgefahren werden.Deswegen wurde im Frühjahr 1880 zum letzten Mal Holz geflößt.Das Hochwasser von 1882 zerstörte den oberen Rechen.Die Mauern des unteren Rechens wurden als Bausteine für Wohnhäuser verwendet.Nur ein kleiner Teil mit dem gräflichen Wappen blieb bis ins 20.Jahrhundert stehen.
Über den Floßkanal und die Elbe führten die beiden Todtenbrückel,zwei Holzstege,die etwa in Höhe der Abzweigung der Hochstraße bzw.der Deylbrücke in den Tampel führten.Der Name soll daher kommen,weil früher die Toten aus dem elbe-aufwärts gelegenen Ortsteilen von Oberhohenelbe und den anschließenden Gebirgsgemeinden über diese Holzstege zur Beerdigung nach Ober-Stepanitz gebracht werden mußten.Der alte Weg von Oberhohenelbe über Markelsdorf/Mrklov nach Stepanitz führte noch im 19.Jahrhundert die Bezeichnung "Leichenweg".
Ause dem ersten Drittel des 17.Jahrhunderts liegen detaillierte Angaben über das Fällen,den Transport und Verarbeitung des Holzes im Tal der großen Elbe vor.Im jahre 1629 flößte man auf dieser 43933 Stämme.Arbeitskolonnnen,deren Mannschaftsstärke jedoch nicht mitgeteilt wurde,bekammen für das Fällen und Entästen von jeweils 100 Stämmen pro Mann 42 Kreuzer.Daran schloß sich der Transport des Holzes zum Fluß durch robotpflichtigen Bauern an.Das geschah wiederum in Arbeitskolonnen,deren Männer pro 1000 Stämme zwei Gulden und 20 Kreuzer gezahlt wurde.Die Weiterverfrachtung zu Wasser hatte der Holzmeister sicherzustellen,der sich auch um die Schäden,die durch die Flößerei längs der Elbe entstanden waren,wie auch um das Einfangen des Holzens an den Rechen zu kümmern hatte.Ihm wurde ein Wochenlohn von einem Gulden und 30 Kreuzern gezahlt;seine Arbeiter erhielten acht bis neun Kreuzer pro Tag.
Die Flößerei auf der Elbe bis zu den Oberhohenelber Rechen war eine Trift einzelner längerer und kürzer Hölzer.Diese wurden von der Anländestelle sowohl mit Fuhrwerken zum Verbrauch in die nahegelegene Stadt als auch mittels Langholzflößen auf dem Fluß ins Landesinnere weitertransportiert.Mit großer Wahrscheinlichkeit war die Lände auch eine Einbindstätte für Langholzflöße.An einer solchen wurden die Langholzstämme mit Wieden zu Gestören,das heißt zu den einzelnen Gliedern eines Floßes,zusammengebunden.Wieden sind in einem Wärmeofen biegsam gemachte Stämmchen junger Tannen,Birken,Buchen oder Haselstauden-das dauerhafteste und wohlfeilste Befestigungsmittel für den Floßbau.Als nahgelegene Wohnstätten der in der Lände beschäftigten Flößerei-Arbeiter bieten sich die Oberhohenelber Hölle und der Tampel in Oberhohenelbe an;dort dürften auch die Wiedendrehereien gelegen haben.