Johannisbad,das Gastein des Riesengebirges (Eine Geschichte)
Liegt im Nordosten Böhmens unter 50`nördlicher Breite und 33`östlicher Länge in einer Höhe von 600 bis 700 Meter über dem Meere und ist 11 Km von Trautenau,2 Km von der Bahn-Endstation Freiheit-Johannisbad entfernt.Die Sommer-Saison beginnt mit dem 15.Mai und dauert bis Ende September,die Winter-Saison vom 15 Dezember bis 15.März.Das Riesengebirge ist mit seinen sturmumtobten Höhen und tief eingeschnittenen,grünen Tälern so reich an landschaftliche Schönheit,wie kaum eine andere Gegend und wird darum auch alljährlich von Tausenden fremder Wanderer besucht,die der Reiz der Riesenberge immer wieder von neuem zum Besuche lockt.Inmitten dieses Paradieses liegt als Perle eingebettet das weitbekannte Johannisbad,auch häufig böhmisches Gastein genannt.
Am Fuße des 1300 Meter hohen Schwarzenberges entströmt dem Boden eine reiche Thermalquelle,der"Sprudel"genannt,die eine gleichbleibende Temperatur von 29,6 c besitzt.Die warme Quelle ist der Sage nach seit dem Jahre 1006 bekannt und dürften Bergleute,die im Riesengebirge nach Gold schürften,dieselbe endeckt haben.Ursprünglich befand sich über dem "Sprudel" eine einfache Bretterbaude,die dem Badenden als Aufenthaltsort beim Aus- und Ankleiden diente.Nur langsam entwickelte sich "Johannisbrunn"wie es vordem genannt wurde,zu einem Badeorte,denn im Jahre 1685 bestand es erst aus 22 meist kleineren Häusern.Die Bewohnerschaft ging damals der Tagarbeit nach oder beschäftigte sich später mit der Hausweberei.In den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts begann der Kurort aufzublühen,da damals der Bau des Bahnflügels Trautenau-Freiheit erfolgte.Hotels und Logierhäuser wurden um das Badehaus errichtet und es entstand damals der Kurort ungefähr in seinem jetzigen Umfange.Anmutig in Wiesen und Waldgärten eingebettet stehen jetzt etwa 90 Villen und Logierhäuser zur Aufnahme der Fremden bereit..
Johannisbad wurde 1881 zum Marktflecken erhoben,bekam eine Hochquellenleitung,elektrische Beleuchtung der Straßen und Villen und führte so viele Neuerungen,wie z.B.den Bau einer großen Wandelhalle,durch,die es allmählich zu einem Schmuckkästchen machten.Kein Wunder darum,wenn der Ruf Johannisbad in immer größere Fernen drang und die Besucherzahl von Jahr zu Jahr stieg.Die Thermalquelle von Johannisbad gehörte zu den indiffernten Quellen,wie die von Landeck und Gastein,in denen kein chemischer Bestandteil besonders vorherrscht.Schon in den älteren Vorzeiten erzählte man sich Wunderdinge von der Wirksamkeit des "Sprudels" und der Brunnen galt als ein"Wunderbrünnel",bei dem häufig Gelähmte völlig gesundeten,so daß sie den Erzählungen nach sogar die Krücken zurücklassen konnten,mit denen sie angekommen waren.Von diesen Wunderglauben abgesehen,hat sich die Heilkraft der Thermalquelle von Johannisbad in oft auffäliger Weise bewiesen und wird darum heute der Gebrauch der Bäder bei verschiedenen nervösen Leiden,Störungen des Stoffwechsels,Lähmungen nach Schlaganfällen,Rheumatismus,Gicht,Ischias,Frauenleiden,Hauterkrankungen und dergleichen verordnet.Zu Trinkkuren eignet sich nicht nur das Thermalwasser,sondern auch zwei starke Eisenquellen,die in der Umgebung des Badeortes entspringen.Alle diese Quellen sind radio-aktiv,besonders auch die über dem Sprudel lagernde Luft,die darum auch für Inhalationskuren besonders geeignet sind.Nach Karlsbad,Marienbad und Franzensbad wird Johannisbad gerne zur Nachkur aufgesucht und ist von vorzüglicher Wirksamkeit.
Der Kurort liegt in einer Seehöhe zwischen 600 bis 700 Meter in einem Kran herrlicher Waldungen eingebettet.Die Luft ist daher umgemein ozonreich und bleibt auch in den heißesten Sommermonaten frisch und angenehm.Da jegliche Industrie mangelt,bleibt sie auch staub- und rauchfrei,weshalb sich Johannisbad auch als Luftkurort besonders emphielt.Herrliche Wege führen in die nähere und weitere Umgebung und ermöglichen ausgedehnte Spaziergänge,die ungemein abwechslungsreich und darum nie ermüdend wirken.Die Luft ist jederzeit,selbst im Winter,milde und die mittlere Lufttemperatur beträgt 15,5c.Das Hochgebirge mit der Schneekoppe sind von hier aus leicht in mehrstündiger Wanderung zu erreichen.Auto-Omnibusse verkehren von hier nach Petzer und Spindelmühle.Der Kurort ist stets sauber und nett gehalten und liegt von zwei gotischen Kirchen geziert,in so herrlicher Gegend,wie kaum ein anderer Kurort Böhmens.Eine Volksschule,ein Post-,Telegrafen- und Telefonamt,ferner eine Apotheke und eine Leihbibliothek finden sich im Kurort vor.Die Verpflegungsverhähltnisse sind in Johannisbad die denkbar günstigsten.Vorzüglich geleitete Hotels und Pensionen,zum großen Teile mit Zentralheizungen eingerrichtet,führen ausgezeichnete Küche und bekannt gute Getränke,so vor allem die berühmten böhmischen Biere.
Im Sommer konzentriert im Kurgarten oder in der Wandelhalle eine stündige Kurkapelle täglich zwei bis dreimal.Leihbibliothek und Lesezimmer sorgen für geistige Nahrung,im Kursaale steht ein ausgezeichneter Flügel zur Benutzung für die Kurgäste bereit.Hier finden jeden Samstag Tanzreunionen und während der Woche des öfteren auch Künstlerkonzerte statt.Im Kurorte ordinieren vier Ärzte;es besteht hier die Meldepflicht und wird von den Kurgästen durch die Kurkommission eine Aufenthaltstaxe eingehoben,die nach den mutmaßlichen Vermögensverhähltnissen in fünf Klassen abgestuft erscheint.Die Besitzerin der Bäder und der gesamten Badeeinrichtungen ist seit 1920 eine Aktiengesellschaft,die mit allen Kräften auf die Förderung unseres Kurortes und sein Aufblühen bedacht ist.Sie scheut keine Mühe und keine Auslagen und arbeitet unermüdlich im Dienste der Allgemeinheit.Aber auch jeder einzelne Besitzer ist bemüht,sein Anwesen nett und sauber zu erhalten,um den Kurgästen den Sommeraufenthalt so angenehm als möglich zu gestalten.Die Zahl der ständigen Kurgäste betrug vor dem Kriege bereits 6400 Personen,sank aber dann beständig,um im Vojahr die Zahl von 5000 Personen wieder zu erreichen.
Aber nicht nur der Sommer,sondern auch im Winter ist Johannisbad das Ziel zahlreicher Ausflügler und auch ständiger Wintergäste,da es immer mehr als Wintersportplatz emporblüht.Herrliches Skigelände,zahlreiche Rodelbahnen nach allen Richtungen,große sportliche Veranstaltungen,ein elektrischer,1000 Meter langer Rodelaufzug,eine den modernen Anforderungen entsprechende Sprunghängelanlage machen Johannisbad von selbst dazu.Daß der Aufenthalt in der reinen,stillen Winterluft die Wangen rötet,den Appetit fördert und der Gesundheit zuträglich ist,erfährt der Sportler am eigenen Leibe nach stundenlanger Sportausübung.Unvergleichlich ist der Anblick,den Johannisbad im Winter,bietet,wenn tiefer Neuschnee auf den Dächern,Zäunen und ästen der Bäume wie eine Watteschicht lastet.Und scheint dann die Sonne in die blendene Winterpracht,dann brechen sich ihre Strahlen tausend- und abertausendfach in den blättrigen Schneekristallen und es gibt ein Glänzen und Gleißen,wie in einem Zauberreiche.
Daß sich Gelehrte schon lange in ihren Schriften mit Johannisbad und seinem Sprudel befaßt haben,zeigen die zum Teile gesammelten Werke,von denen besonders die im Jahre 1680 erschienene Broschüre von Dr.Georg Hettmayer,kreisphysikus in Glatz,und das im Jahr 1707 erschienene Werk von Dr.Melch.Lodgman de Auen,als die ältesten erwähnt werden mögen.In neuerer zeit ist es besonders der Kurarzt Dr.Anton Klug,staatlicher Bäderkonsulent,der sich mit dem Studium der Thermalquelle befaßte,deren Radio-Aktivität feststellte und auf die Heilwirkung der Heilquelle in mehreren Schriften,besonders medizinischen Zeitschriften,hingwiesen hat.Johannisbad bewährt sich nicht nur als ein Heilbad bei den verschiedensten Leiden,sondern ist auch für Kinder ein wahres Paradies.Wiesen und Wald und sonnige Halden und Rodeländer mit allen möglichen Beerenfrüchten bestanden,bilden das Ziel der Kleinen und in der reinen gesunden Waldluft wird das zarte Gesichtchen allmählich gebräunt und rötet sich von selbst.
Alle die Vorteile aufzuzählen,die der Kurort Johannisbad seinen Besuchern bietet,würde zu weit führen und es sei darum an dieser Stelle auf die von der Kurkommission Johannisbad jährlich herausgegebene Prospekte hingewiesen,die unentgeldlich zu haben sind und alles Wissenwertes über Johannisbad in gedrängter Form enthalten.Wer aber Ruhe,Sonne,frische Luft,heilwirkende Bäder,gute Unterkunft,freundliche Wirte und herrliche Naturschönheit an einem Orte suchen will,der wird sie im böhmischen Gastein, Johannisbad finden.

Die Johannisbader Schwebebahn (von A.Tippelt)
Am 31.Oktober 1928 wurde die erste Personenschwebebahn in der damaligen CSSR,die von Johannisbad auf den Schwarzenberg führt,dem öffentlichen Verkehr übergeben.Mit dem Bau wurde im September 1927 begonnen.Die Seilbahn wurde von der Maschinenfabrik Fr.Wiesner,Chrudim,nach dem System Rudolph erbaut.Die Bahn hatte 2 Wagen,die sich abwechselnd berg-und talwärts bewegten.Jeder Wagen führte 30 Personen.Der Wagenkasten war mittels Gehänge beweglich mit dem Laufwerk Wagenbewegungen sowohl in der Richtung der Achse als auch senkrecht darauf: größere Schwingungen wurden durch einen eigenen Dämpfer verhindert.Das Laufwerk bewegte sich längs des Tragseiles auf 8 Rädern.Für jede der beiden Fahrbahnen war ein Tragseil von 45mm Durchmesser vorgesehen.Das aus Spezialstahl in geschlossener Flechtart drallfrei hergestellte Drahtseil war ein Erzeugnis der Westfälischen Drahtindustrie Hamm.Die Tragfähigkeit des Seiles war 200000kg,sein Gewicht betrug 37000kg.Die Wagen wurden von 2 Zugseilen gezogen,deren Spannung sich in der Bergstation über Ausgleichsscheiben regelte.Der Antrieb ist elektrisch,den Strom liefert der Verband der Ostböhmischen Elektrizitätswerke in Königgrätz.Er befindet sich in der Bergstation und besteht aus einem Haupt-und einem Hilfsmotor für Drehstrom.In der oberen Station sind ferner die Tragseile verankert,und zwar durch Aufwinden auf betoneiserne Trommeln,die in die gleichfalls in armierten Beton ausgeführten Seitenwände des Maschinenhauses eingebaut sind.Beide Trommeln sind gegenseitig durch eine Eisenkonstruktion abgestützt.In der Talstation befinden sich die Spanngewichte der Trag-und Ballastseile.Jedes Tragseil wird mit dem Gewicht von 50000kg gespannt.Auf der Strecke liegen die Tragseile in Seilschuhen,die auf den zwischenliegenden Eisenstützen in Höhen von 18 bis 37m über dem Erdboden gelagert sind.Solche Eisenkonstruktionen gibt es im ganzen neun.Die Stützen sind in Betonsosckel durch Schrauben verankert.Die schiefe Bahnlänge beträgt 3100m,die überwundene Höhe 645m,die Meereshöhe der Bergstation 1299m.Zu einer Fahrt werden 14 Minuten benötigt.Die Fahrten waren einst teils normale,im Anschluß an die Züge von Freiheit,teils fanden sie nach Bedarf(bei einer Mindestzahl von 20 Personen)statt.Der Fahrpreis wurde mit 20 Kronen-für die Bergfahrt,mit 12 Kronen für die Talfahrt und mit 28 Kronen für die Hin-und Rückfahrt festgelegt.Kinder unter 14 Jahren zahlten die Hälfte.Für die damalige Zeit waren diese Preise ungewöhnlich hoch.Eine Bergfahrt mit der Johannisbader Schwebebahn vermittelte prachtvolle Rundblicke ins Aupatal und ins Riesengebirgsvorland bis zum Switschin.

Johannisbad im Grieben Reisef�hrer 1928:
