Einiges zu der Industrie im böhmischen Riesengebirge im Bezirk Hohenelbe um 1907

Metallindustrie

Der Waldreichtum des Riesengebirges und die mehr oder weniger erfolgreichen Grabungen nach Erzen im Gebiete deselben gaben,wie in anderen Gegenden,auch in unserer Heimat des Anlaß zum Betriebe des Bergbaues.Heutzutage erinnern nur noch einzelne verfallene Stollen und Schächte,dagegen viele Namen an das einstige Vorhandensein desselben.Mundlöcher und Spuren eingestürzter und aufgelassener Bergwerke sind noch bei Schwarzental und Johannesgunst(Hermannseifen) zu sehen,und die Namen Silberbach,Seifenbach,Hermannseifen,Schmalzgraben,Eisengrundwasser,Grobrich und andere geben Zeugnis von ehemaligen Bergwerksbetrieben und Erzwäschereien.Hohenelbe war ja einst eine Bergstadt und trägt sein Wahrzeichen dessen in seinem Wappen zwei gekreuzte Hämmer.Die natürliche Folge der Erzgewinnung im Riesengebirge war die Errichtung von Schmelzwerken,Hochöfen und Eisenhämmern.Von letzteren Soll es nach alten Überlieferungen im 16.und zu Beginn des 17.Jahrhunderts im Hohenelber,Starkenbacher und Trautenauer Gebiete 20-25 gegeben haben,die das erforderliche Material aus den heimischen Eisengruben bezogen.

Aus einer Urkunde der Herrschaft Arnau vom Jahre 1507 geht hervor,daß bereits am Ende des 14.Jahrhunderts zu Lauterwasser Schmelzhütten und Hammerwerke bestanden,desgleichen zu Langenau.Mit letzerem dürfte wohl Niederhof gemeint sein,welches damals zu Langenau gehörte.Gegen Ende des 18.Jahrhunderts wurden zu Friedrichsthal an der Elbe und zu Rudolfstal bei Niederhof Eisenhämmer errichtet und in Arnau stand an der Stelle der einstigen Hammermühle(jetzigen mechanischen Weberei von Anton Hollmann,bzw.Paul Sommernitz) ein Eisenhammer,an dessen ehemaligen Bestand eben der Name"Hammermühle" erinnert.Auch die Namen"Schmalzgraben"(Schmelzgraben) und "Hammerich"für zwei bekannte Punkte in Oberhohenelbe lassen vermuten,daß es daselbst einst Schmelz-und Hammerwerke gab.In Schwarzental gibt es einen Platz,der "der Pochperich"genannt wird,weil ehedem dortselbst ein Eisenhammer stand.

Von allen den vielen Eisenhämmern besteht,gegenwärtig kein einziger mehr.Am längsten erhielt sich ein Eisenhammer in Niederhof,der noch in den achziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Betrieb stand.In demselben wurde altes Eisen zu Schienen und Eisenstangen zusammengeschmiedet.Die Einrichtung der hölzernen Bude war sehr primitiv und der Antrieb geschah mittelst eines Wasserrades.Ich habe manchmal,wenn mich mein Spaziergang dort bei Hammer-Zinecker�s Werkchen vorüberführte,mit Vergnügen ein Weilchen dem Tun der "schwarzen Gesellen"zugesehen.

Das in Hohenelbe und Umgebung Eisen verarbeitet wurde,ehellt auch aus dem Umstande,daß sich bereits um die Mitte des 17.Jahrhunderts in Hohenelbe eine Innung der Eisenhammer bildete,zu welcher"Büchsenmacher,Sporer,Rohrschmidt und Schifter" gehörten.Das Meisterbuch dieser Innung beginnt mit dem 28.Dezember 1648.Aber schon früher,ehe sich die Meister dieses Handwerkes zur Innung zusammentaten,war die Waffenerzeugung im Gebiete der Hohenelber Herrschaft im Schwunge.Bereits zur Zeit,als Albrecht von Waldstein Herr von Hohenelbe war,mußte der damalige Verwalter der Herrschaft berichten,wieviele Geschützrohre und Musketen von Hohenelbe an die kaiserliche Armada geliefert werden können.Neben der Verarbeitung des Eisens,die die Hauptsache bildete,wurde aber auch die Verarbeitung anderer in unserer Heimat gewonnener Matalle betriebn und in Arnau gab es im 16.und am Anfang des 17.Jahrhunderts eine Glockengießerei.Es tragen mehrere Glocken von den Arnauer Glockengießereimeistern Donat und Martinus Schretter gegossen worden sind ,so zu Ober-Stepanitz(1589),Horschenowes(1593),Wartenberg bei Niemes(1603),Forst(1606),Öls(1612),Hermannseifen(1614),Starkenbach(1617).Das sind sämtlich Wallensteinische Patronatskirchen und die Herrschaft Arnau gehörte zu jener Zeit den Wallensteinen.Auch die Glocken der Arnauer Kirche dürften,obwohl dies in der Umschrift nicht gesagt ist,aus der Arnauer Glockengiesserwerkstätte stammen.

Die Metallindustrie in ihrer ursprünglichen Form,insbesondere die Eisenindustrie mit ihren Schmelzhütten und Hammerwerken,ist gänzlich eingegangen.Und doch sollte man meinen,daß der Fortschritt auf allen Gebieten der Industrie,die Einführung und stete Entwicklung des Maschinenwesens auch ein Fortschritt der Eisenindustrie hatte zur natürlicher Folge haben müssen.Daß dies nun in Wirklichkeit nicht der Fall war hat seinen Grund wohl darin,daß die Matallindustrie anderer Gegenden und des Auslandes,vornehmlich Englands,unserer heimischen weit voraus war,weshalb die neu eingeführten Maschinen aus dem Auslande bezogen wurden und so der Maschinenfabrikation unserer engeren Heimat die Gelegenheit benommen war,sich auf diesem Gebiete hervorragend zu betätigen und gleich den anderen Industrien stettig fortzuschreiten.

Die gegenwärtig im Hohenelber politischen Bezirke bestehnden Eisengießereien und Maschinenfabriken sind,wie bereits erwähnt,Schöpfungen der neueren und neusten Zeit,und in diesen ist ein stetiger Aufschwäng nicht zu leugnen.Die älteste unter ihnen ist die Eisengiesserei und Maschinenfabrik mit Kesselschmiede von Ferdinand Kühnel in Hermannseifen.218 Arbeiter.

Dieselbe wurde zuerst als Schmelze für die im "Langen Wald" genannten Erze eingerichtet und 1854 von H.Ehrich erbaut.Dieser ging später mit einem geschickten Maschinenbauer namens Hoffmann in Kompagnie und es wurde nun der Maschinenbau betrieben.Im Jahre 1875 gerieten die beiden Genannten in Konkurs und die Maschinenfabrik überging um den Preis von 56000 fl.in den Besitz des Herren Ferdinand Kühnel in Arnau welcher dieselbe durch Zubau einer Kesselschmiede erweiterte.Gegenwärtige Besitzer sind die Erben nach dem im Jahre 1907 verstorbenen Herrn Ferdinand Kühnel.

Eisengießerei und Maschinenfabrik in Mohren.40 Arbeiter.

Im Jahre 1872 von den Herren Lang und Erwerth erbaut,befindet sich dieselbst jetzt im Besitze der Herrn Ed.Plamper.

Im Jahre 1879 erbauten die Herren Lang und Bönisch in Hohenelbe,eine Eisengießerei und Maschinenfabrik,die im folgenden Jahre unter der Firma Lang,Bönisch und Klimsch betrieben wurde.Vom 1.April 1883 an war Herr Friedrich Klimsch alleiniger Besitzer und verband sich dann mit Herren Max Glaser.Letzterer erbaute im Jahre 189? eine eigene Eisengießerei und Maschinenfabrik und die bisher unter der Firma Klimsch & Glaser bestandene wurde aufgelassen

Erste Arnauer Webstuhl- und Textilmaschinenfabrik von A.Kluge in Arnau.140 Arbeiter.

Die Fabrik wurde im Jahre 1880 von den Herren Paschke und Läffe erbaut und kam infolge ungünstiger Verhältnisse bereits im Jahre 1887 zum Stillstand.Nun wurde sie von Herrn Josef Kluge in Hermannseifen käuflich erworben und als Erste Arnauer Maschinenfabrik und Eisengießerei von Josef Kluge & Komp.,(später nur Josef Kluge) bis zum ende des Jahres 1903 betrieben.Vom 1 Januar 1904 bis zum 1.Mai 1907 stand die Fabrik wieder still,überging mit dem letztgenanneten Tage in den Besitz eines Sohnes des Herrn Josef Kluge und wird seit dieser Zeit unter der Firma"Erste Arnauer Webstuhl und Textilmaschinenfabrik von A.Kluge"weitergeführt.Außer Webstühlen,deren jährlich durchschnittlich gegen 500 geliefert werden,erzeugt die Fabrik seit dem Jahre 1908 auch Schrauben.Neuestens hat die Fabrik die Befugnis zur Erzeugung von Automatenstühle erworben,bei welchen ein einziger,geschickter Weber 48 Stühle bedienen kann.

Maschinenschlosserei,Eisen-und Metallgießerei des Herrn Josef Renner,Oberhohenelbe,gegründet 1884,beschäftigt 8 Arbeiter.

Eisengießerei und Maschinenfabrik des Herrn Max Glaser in Hohenelbe beschäftigt 75 Arbeiter.

Der gegenwärtige Besitzer,Herr Max Glaser,erbaute die Anlage im Jahre 1894,nachdem er zuvor mit Herrn Friedrich Klimsch in Kompagnie gewesen war und sich noch früher in der Maschinenfabrik der Firma F.Kühnel in Hermannseifen reiche Erfahrungen erworben hatte.

Die letzterrichtete Anlage der Metallindustrie ist die von Herrn Konrad Baentsch in Arnau im Jahre 1906 erbaute Eisengießerei und Maschinenfabrik,in welcher 117 Arbeiter tätig sind.

Unsere Gießereien beziehen erforderliche Roheisen vorherrschend aus England,doch wird auch aus Spanien und Steiermark solches bezogen,ebenso aus Böhmen selbst.Die fertigen Erzeugnisse als:Dampfmaschinen,Kessel,Turbinen,allerhand Maschinen für die verschiedensten Fabriken,Walzen,Transmissionen und so weiter werden teils in den Kronländeren der Österr.-ung.Monarchie abgesetzt,teils in Rußland,vornehmlich in den Balkanländer,geliefert.Außer den vorstehend angeführten großindustriellen Betrieben haben wir,als in der Gruppe der Metallindustrie gehörig,noch jene zahlreichen Gewerbebetriebe zu nennen,die sich mit der selbständigen Erzeugung metallener Gegenstände und Geräte oder mit der Vollendung unfertiger,aus anderen Betrieben stammender Erzeugnisse beschäftigen.Und da zählen wir Erzeugungen von Gußwaren zweiter Schmelzung 1,von Nadlerwaren 2,von Kupferwaren 2,von Gelbgießerwaren 4,von Gold-und Silberwaren 4,von Fahrrädern 1,von optischen Instrumenten 1,von Schlosserwaren 32,von Waffen 1,von Schmiedewaren und Werkzeugen 41,ferner 8 Hufschmiedereien,19 Klempnereien,2 Metallschleifereien und Polierereien,26 Wagenschmiedereien und Wagenschlossereien,endlich 6 Uhrmachereien,das sind zusammen 150 Gewerbebetriebe.Somit umfaßt die Gruppe der Metallindustrie im ganzen 158 Betriebe.

Baumwollspinnereien

Baumwollspinnerei und Weberei Eugen und Viktor Ehpers,Harta.(Herren Eug.und Viktor Ehpers,Harta),Gründungsjahr:1857,Standort:Harta,Anzahl der Spindeln:12000,Arbeitskräfte:160,Betriebskraft:305,Gattung der Erzeugnisse:Baumwollgarn

Baumwollspinnerei in Hohenelbe.(Herr Josef Mencik,Schwarzental),Standort:Hohenelbe,Anzahl der Spindeln:20000,Gattung der Erzeugnisse:Baumwollgarn

Mastiger Spinnerei und Weberei Adolf Mandl junior.(Herren Eduard und Heinrich Mandl),Gründungsjahr:1903,Standort:Mastig,Anzahl der Spindeln:46000,Arbeitskräfte:300,Betriebskraft:1400,Gattung der Erzeugnisse:Baumwollgarn

Baumwollwebereien

Baumwollspinnerei und Weberei Harta.(Herren Eugen und Viktor Ehpers,Harta),Gründungsjahr:1857,Standort:Fuchsberg,Anzahl der mechanischen Stühle:300,Arbeitskräfte:170,Betriebskraft:200,Gattung der Erzeugnisse:u.a Zwirne

A.Florian Pilz Söhne,Mechanische Weberei und Schlichterei,Hohenelbe.(Herren Florian und Karl Pilz,Hohenelbe.),Gründungsjahr:1863,Standort:Hohenelbe,Anzahl der mechanischen Stühle:350,Arbeitskräfte:120,Betriebskraft:90,Gattung der Erzeugnisse: Diverse Baumwollwaren

Hohenelber Mechanische Weberei J.Goldschmidt & Söhne,Hohenelbe.(Herren Karl,Alfred,Wilhelm Goldschmidt,Hohenelbe.),Gründungsjahr:1864,Standort:Hohenelbe,Anzahl der mechanischen Stühle:580,Arbeitskräfte:350,Betriebskraft:320,Gattung der Erzeugnisse:Glatte und gemusterte Baumwollwaren

Pelsdorfer Mechanische Weberei Engel und Oberländer.,Gründungsjahr:1864,Standort:Pelsdorf,Anzahl der mechanischen Stühle:430,Arbeitskräfte:300,Betriebskraft:380,Gattung der Erzeugnisse: Baumwoll Modewaren

Niederhofer mechanische Weberei und Schlichterei Heinrich Wonka.(Herr Heinrich Wonka,Niederhof.),Gründungsjahr:1868,Standort:Niederhof,Anzahl der mechanischen Stühle:160,Arbeitskräfte:90,Betriebskraft:95,Gattung der Erzeugnisse:Glatte und gemusterte Baumwollwaren

Baumwollwarenfabrik von K.Ezermenh(?).(Herr Karl Ezermenh(?),Hohenelbe.),Gründungsjahr:1868,Standort:Hohenelbe,Anzahl der mechanischen Stühle:90,Arbeitskräfte:30,Betriebskraft:30,Gattung der Erzeugnisse:Cottone,Gradl und so weiter

Langenauer Mechanische Weberei und Schlichterei Lenzendorf & Waengler,Gründungsjahr:1872,Standort:Mittel Langenau bei Hohenelbe,Anzahl der mechanischen Stühle:452,Arbeitskräfte:290,Betriebskraft:100,Gattung der Erzeugnisse: Baumwollware aus rohem und gebleichtem Garn

Merfeld & Söhne,Hennersdorf bei Hohenelbe,Mechanische und Handweberei,Gründungsjahr:1872,Standort:Hennersdorf,Anzahl der mechanischen Stühle:40-100,Arbeitskräfte:46-70,Betriebskraft:20,Gattung der Erzeugnisse: Leinwand,leinen Taschentücher

Mechanische Weberei,Färberei und Druckerei J.Mencik,Schwarzental bei Hohenelbe.(Herr Josef Mencik in Schwarzental.),Gründungsjahr:1874,Standort:Schwarzental,Anzahl der mechanischen Stühle:600,Arbeitskräfte:600,Betriebskraft:1000,Gattung der Erzeugnisse: Rohware Blauware,Futterware,Konfektionsartikel

Bauer & Gerber,Niederprausnitz Weberei und Färberei.(Herren Phillip Bauer und Leo Gerber in Wien.),Gründungsjahr:1875,Standort:Niederprausnitz,Anzahl der mechanischen Stühle:120,Arbeiterzahl:20,Betriebskraft:?,Gattung der Erzeugnisse: Tücher,Decken,Futterartikel

Mastiger Spinnerei und Weberei Adolf Mandl junior.(Herren Eduard und Heinrich Mandl.),Gründungsjahr:1884,Standort:Mastig,Anzahl der mechanischen Stühle:1200,Arbeiterzahl:500,Betriebskraft:300,Gattung der Erzeugnisse:Rohware für Druckereien und Bleichereien

Baumwollwarenfabrik Ludwig Maher & Steiner,(Herren L.Maher und Josef Steiner.),Gründungsjahr:1887,Standort:Hohenelbe,Gattung der Erzeugnisse: Taschentücher

Rudolf Winternitz & Komp.,Hohenelbe.(Herr Max Winternitz,Hohenelbe.),Gründungsjahr:1888,Standort.Hohenelbe,Anzahl der mechanischen Stühle:400,Arbeiterzahl:240,Betriebskraft:250,Gattung der Erzeugnisse:Baumwollwaren

Franz Karl Glaser,Mechanische Weberei,Hohenelbe.(Herr Franz Karl Glaser in Reichenberg.),Gründungsjahr:1892,Standort:Hohenelbe,Anzahl der mechanischen Stühle:180,Arbeiterzahl:70,Betriebskraft:65,Gattung der Erzeugnisse:Damast,Batist,Satine und so weiter

Mechanische Weberei Anton Hollmann,Arnau.(Herr Paul Sommernitz,Trautenau),Gründungsjahr:1893,Standort:Arnau,Anzahl der mechanischen Stühle:23,Arbeiterzahl:8,Gattung der Erzeugnisse:?

Erste Arnauer mechanische Baumwoll-und Leinenwaren Fabrik L.&K. Lichtenstein.,Gründungsjahr:1894,Standort:Arnau,Anzahl der mechanischen Stühle:200,Arbeiterzahl:120,Gattung der Erzeugnisse: Kotton,Körper,Mollinos

Borowitzer mechanische Weberei Adolf Mandl junior.(Vormals Ernst Kaiser,),Gründungsjahr:1894,Standort:Klein Borowitz,Anzahl der mechanischen Stühle:530,Arbeiterzahl:260,Betriebskraft:180,Gattung der Erzeugnisse:Kotton,Körper

Brüder Goldmann,Mechanische Webwarenfabrik,Hohenelbe.(Herren Ludwig und Max Goldmann,Hohenelbe.),Gründungsjahr:1896,Standort:Hohenelbe,Anzahl der mechanischen Stühle:250,Arbeiterzahl:150,Betriebskraft:150,Gattung der Erzeugnisse: Buntgewebte Baumwollware

k.k.private Mittellangenauer Mechanische Weberei und Appretur,Moritz Doctor.(Herr kaiserlicher Rat Moritz Doctor in Wien.),Gründungsjahr:1899,Standort:Mittel-Langenau,Anzahl der mechanischen Stühle:512,Arbeiterzahl:250,Betriebskraft:510,Gattung der Erzeugnisse: Rohe und bunte Baumwollwaren

Josef Pech,Mechanische Buntweberei,Färberei und Rauherei(Herr Karl Pech,Oberprausnitz),Gründungsjahr:1878,Standort:Oberprausnitz,Anzahl der mechanischen Stühle:30,Betriebskraft:70,Gattung der Erzeugnisse: Flanellbecken,Flanelle,Rockfutter

Flachsgarnspinnereien

Holzindustrie

Das Riesengebirge zeichnet sich samt den Vorbergen durch großen Waldreichtum aus.Doch war es früher noch besser,denn manche Höhe,die uns jetzt kahl entgegenstarrt,war noch vor wenig Jahrzehnten dicht bewaldet.Die Massenanhäufung von Holz führte von selbst zu einem Massenverbrauch,der sich nicht allein auf das Riesengebirgsgebiet beschränkte,sondern auch weiter entfernte Gegenden,ja sogar das Ausland versorgte.Aus den höher im Gebirge gelegenen Waldungen wurde in der großen Elbe viel Holz durch Flächen bis zu einem geeigneten Punkte geschafft,woran z.B. die"Lände" in Oberhohenelbe und der Name Klötzerbach(bei Ochsengraben) errinern.Anfänglich war nur die Gewinnung von Brennholz und das für Bergwerksanlagen erforderliche Werkholzes,sowie wegen der vorherrschend hölzernen Bauart der Häuser die Gewinnung von Bauholz überwiegend.Letzterer Umstand gab den Anlaß zur Errichtung von Brettsägen an den Bachläufen,und deshalb waren derartige Anlagen allenthalben zu treffen.Diese Brettsägen waren oft recht einfach eingerichtet und hatten einen großen Teil des Jahres mit argem Wassermangel zu kämpfen.Allmählich trat hierin eine Besserung ein,indem durch Einführung der Gattersägen und des Dampfbetriebes bei mehreren solchen Werken die Erzeugungskraft bedeutend gehoben wurde.Auch die Elektrizität wurde der Brettererzeugung dienstbar gemacht und besitzt die Bauunternehmung von Kleophas Hollmann in Hohenelbe eine Brettsäge mit elektrischem Antriebe.Im ganzen zählen wir im Gebiete des Hohenelber Bezirkes 10 Brettsägewerke,welche sich auf die Orte Arnau,Harta,Hohenelbe,Kleinborowitz,Kottwitz,Mastig,Mohren,Neuschloß und Oberhohenelbe verteilen.Eine riesige Steigerung erfuhr der Holzverbrauch mit einemmale,als in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts die Holzstofferzeugung zum Zwecke der Papierfabrikation aufkam.Bei dem gesteigerten Papierverbrauche reichte das bisher verwendete Rohmaterial,die Hadern,bei weitem nicht mehr aus.Als daher ein findiger Kopf,ein Webmeister aus Sachsen namens Keller,die Verwendbarkeit der Holzfaser zur Papiererzeugung entdeckt und so den Holzstoff erfunden hatte,da schossen die Holzschleifereien und Holzstofferzeugungen wie Pilze aus der Erde und alle Papierfabriken unseres Bezirkes bedienen sich,wenn auch nicht ausschliesslich,so doch vorherrschend des Holzstoffes zur Papiererzeugung.Holzschleifereien und Holzstofferzeugungen finden wir im Hohenelber Bezirke gegenwärtig 12,welche sich auf die Orte Arnau,Hennersdorf,Lauterwasser,Mittellangenau,Mönchsdorf,Niederhof,Pelsdorf,Tafelbauden und Schwarzenthal verteilen.Außer den vorgenannten,der Großindustrie dienenden,umfaßt die Gruppe der Holzindustrie eine Menge gewerblicher Betriebe und zwar 12 Bindereien,7 Drechslereien,4 Erzeugungen gr�berer Holzwaren,3 Holzbildhauereien,2 Holzbrennereien,2 Holzflechtereien,1 Rahmen-und Vergolderwarenerzeugung,106 Tischlereien und 26 Wagnereien.Alles in allem zählen wir 194 Betriebe,die sich mit der Verarbeitung des Holzes befassen.

Die Seidenweberei

Diese ist im Gebiete des Hohenelber politischen Bezirkes nur durch eine einzige Fabrik in Arnau,die der Firma F.Flemmich & Komp.,Wien(vormals Viktor H.Heim & Komp.)vertreten.Die Arnauer Seidenweberei wurde im Jahre 1869 gegründet,besitzt eine Dampfkraft von 46 HP und zählt gegenwärtig 150 mechanische und 40 Handstühle,die von 180 Arbeitern beiderlei Geschlechtes bedient werden.Die Fabrik beschäftigt auch in den umliegenden Dörfern eine Menge Leute zu Hause,indem sie dieselben auf von der Firma beigestellten Handstühlen arbeiten lässt,wozu sie natarlich auch das erforderliche Material liefert.Das in der Fabrik zur Verarbeitung kommende Rohmaterial wird teils aus Südtirol und Italien,teils aus China und Japan bezogen.Die fertigen Waren:feine,glatte und faconierte Seidenstoffe,Seidendamaste und Seidensamt werden erst im Hauptgeschäfte in Wien appretiert und von da aus in den Handel gebracht.Das Absatzgebiet erstreckt sich hauptsächlich über Österreich-Ungarn,ausnahmsweise auch nach Deutschland.Zu erwähnen sind hier noch die im Hohenelber Bezirke bestehnden zwei Verbandstoff-Fabriken,deren eine,der Firma Hartmann & Kleining in Hohenelbe gehörig,im Jahre 1822 gegründet wurde und gegenwärtig 105 Arbeiter zählt.Die zweite,der Firma Ed.Schreiber in Oberhohenelbe gehörig,besteht seit dem Jahre 1901 und ist mit der Bleiche und Appreturanstalt derselben Firma verbunden.Die hier erzeugte Baumwollwatte wird vorzugsweise nach Belgien,Rußland und Spanien geliefert.Mit der Erzeugung der Garn-und Baumwollgespinste,Leinen-und Baumwollgewerbe steht das Zurichtungs-und Veredlungsverfahren in innigem Zusammenhange,das in den Bleichereien,Appreturanstalten,Färbereien und Druckereien vorgenommen wird.

Gründungsgeschichte der Firma F.A.Rotter & Söhne in Oberhohenelbe

Die Erwerbsverhähltnisse der Bevölkerung des Riesengebirges waren in der Mitte des 19.Jahrhunderts recht traurige und besonders die damalige Handspinnerei und Weberei war auf einen sehr kargen Verdienst angewiessen,sodaß viele der armen Gebirgsbewohner dem Hungertyphus zum Opfer fielen.Es wurde daher allseits mit Freude begrüsst,daß dem Beißspiele des energischen Begründers der mechanischen Flachsgarnspinnerei Herrn Johann Faltis in Jungbuch bei Trautenau folgend,sich einige unternehmenslustige Männer in Hohenelbe fanden,welche diesen neuen Industriezweig im Tale der Großen Elbe einbürgerten und so zur Besserung der trostlosen Lage der armen Bevölkerung ein gut Stück beitrugen.Im Jahre 1850 vereinigten sich die Herren W.Jerrie,Fr.Ritschel,J.Stocek(?) und Wichniak(?) in Hohenelbe zur Gründung einer Flachsgarnspinnerei und erwarben zu diesem Zwecke die Realitäten Nr.118,119,120 und 121 in Oberhohenelbe mit der ganzen Grundfläche von beiläufig 15 Joch(=8,83 ha) zur Ausnützung der sich ergebenden Wasserkraft.Das ursprüngliche Fabriksgebäude wurde einstöckig erbaut und in demselben im Jahre 1852 der Betrieb mit 1500 Flachspindeln eröffnet.Im Laufe der n�chsten Jahre wurde die Anzahl der Spindeln vermehrt und ein entsprechendes Magazinsgebäude,sowie eine Werkstatt aufgebaut.Herr W.Jerrie hatte damals seine Wohnung in dem jetzt noch bestehnden Holzgebäude Nr.119 und es dürfte dieses eines der ältesten Gebäude im Tale oberhalb des früher bestandenen Bockrechens(?) sein.In den Jahren 1854 und 1855 stellten die Inhaber der Fabrik ihre Garne in den Industrie-Austellungen in München und Paris aus und erhielten von ersterer die goldene Medaillie,von letzterer das Diplom ehrenvoller Anerkennung.Zu Beginn des Jahres 1855 überging die Fabrik,deren Spindelzahl inzwischen auf 4000 angewachsen war,mit allem Zugehör an die Herren Gustav Ritschel in Hohenelbe und F.A.Rotter in Grulich.Der Antrieb des Werkes erfolgte damals durch eine Turbine bei einem Wassergefälle von 35 W.Fuß(=11m)und nebstdem war eine Reserve-Balancier-Dampfmaschine von 100 Pferdekräften aus der Maschinenfabrik von Rufton&Komp.in Prag aufgestellt.Die neuen Besitzer erhöhten die Spindelzahl auf 5000 und erwarben die Landesbefugnis für den Fabriksbetrieb.Im Jahre 1856 wurde bei der Fabrik ein ebenerdiges Arbeiterwohnhaus mit 13 Zimmern erbaut und im Hause Nr.118 zur leichteren Unterkunft und Verpflegung der Arbeiter eine Gastwirtschaft und Bäckerei eingerichtet und einem Pächter überlassen.Ende Mai 1859 übernahm die jetzige Firma F.A Rotter&Söhne durch Kauf die Fabrik mit sämtlichen Realitäten.Im folgenden Jahre wurde auf das Fabrikgebäude ein zweites Stockwerk aufgesetzt,eine Trocknerei sowie ein Wohngebäude zugebaut und die Spindelanzahl abermals um 1500 erhöht(auf 6500).Nebstdem wurden die dazugehörigen Vorbereitungsmaschinen und eine zweite,Wolff`sche Dampfmaschine von 60 Pferdekräfte nebst Rührenkessel von Rufton&Komp.aufgestellt.Im Jahre 1861 erbaute die Firma etwa 60m unterhalb des bestehnden ein zweites Fabriksgebäude im gleichen Ausmaße mit dem ersten mit dazugehörigen Kesselhaus-und Magazinräumlichkeiten und stellte darin vorläufig 2100 Spindeln mit den erforderlichen Vorbereitungsmaschinen und eine 60-pferdige,horizontalwirkende Dampfmaschine von Rufton&Komp.auf.In dem neuen Fabriksgebäude wurden im folgenden Jahre weitere 4300 Spindeln nebst Vorwerken in Betrieb gesetzt,und auch hier eine zweite,70-pferdige Horizontale-Dampfmaschine mit zwei Dampfkesseln aufgestellt.Die Vergrösserung der Spinnerei bedingte auch eine Vergr��erung der Werkstätten.Im gleichen Jahre(1862) erwarb die Firma in dem benachbarten Hackelsdorf die 1.Krau�em�hle(Nr.66 und 67) nebst einer Gartenwirtschaft(Nr.64) und erhielt die Konzession zur Ausnutzung der vorhandenen Wasserkraft mit einem Gefälle von 70 W.-Fu�(=22m.).Am 2.November 1863 brannte die unterhalb der Spinnerei gelegene Papierfabrik von Dre�ler & Sohn ab,zu der eine aus steinernen Pfeilern kühn angelegte Wasserleitung führte.Die Firma Rotter & Söhne kaufte die Brandstätte samt der Wasserleitung,die nun mit einem Gef�lle von 42 W.-Fu�(=13m) eine Turbine,wie jene im 1.Fabriksgebäude trieb.Eine damit zugleich übernommende Mahlmühle und Brettsäge wurde gegen die um die Fabrik herumgelegenen Grundstücke umgetauscht,das einstöckige Fabriksgebäude im Frühjahre 1864 durch Aufsetzung eines Halbstockes erhöht und zu einer Flachsspinnerei eingerichtet.Noch im demselben  Jahre wurde diese Fabrik Nr.III,nachdem die erforderlichen Vorwerke,Magazinsgebäude und Werkstätten,sowie eine Gasanstalt erbaut worden waren,mit 3500 Spindeln in Betrieb gesetzt.Bis zu dieser Zeit wurde in allen 3 Fabriken bei doppelten Arbeitsschichten Tag und Nacht gesponnen.Infolge der zunehmenden Konkurrenz jedoch wurde die Nachtschicht aufgelassen und von da an nur bei Tage von 5 Uhr früh bis 8 Uhr abends gearbeitet.Im Jahre 1865 wurden in der Spinnerei Nr.3 weitere 3400 Spindeln samt Vorbereitungsmaschinen eingerichtet.Gleichzeitig wurde eine 250 pferdige Balancierdampfmaschine mit 2 Multitubilarkesseln(?),von der Firma Derham Blackburn in England geliefert,aufgestellt,welche bei unzureichendem Wasser den vollen Betrieb gestattete.Sämtliche Spinn-und Lochspinnmaschinen sind ausschließlich englischer Erzeugung und zwar aus der Maschinenfabrik von Fairbairn & Komp. in Leeds.In der Spinnerei Nr.II wurde im Jahre 1868 statt der bisherigen zwei Dampfmaschinen auch noch eine neue horizontalwirkende Toreißdampfmaschine(?) von 220 Pferdekräften mit 3 Multitubilarkesseln(?) aufgestellt.So waren nach und nach bis zu dem genannten Jahre in den drei Fabriken der Firma 20000 Spindeln in Betrieb gesetzt worden,wobei 1800 Arbeiter Beschäftigung fanden.Erzeugt wurden Flachs-und Weggarn von Nr.8 und 60 und darüber,welches teils als Roh-,teils als Bleichgarn sowohl im Inland als auch ins Ausland verkauft wurde.Im Jahre 1870 gründeten die Arbeiter unter sich einen gegenseitigen Unterstützungsverein,der heute noch besteht.Ausserdem besteht an der Fabrik eine Krankenkassa,und die Arbeiter waren auch gegen Unfälle bei einer Privatgesellschaft versichert.In der Spinnerei Nr II.gelangte am 17.Jänner 1885 die elektrische Beleuchtung zur Einführung als erste derartige Anlage in hiesiger Gegend,weshalb sie auch von sehr vielen Interessenten und Schülern besucht wurde.Später wurde auch in den Fabriken Nr.I und III.die elektrische Beleuchtung eingeführt.Am 5.April 1887 wurde die Spinnerei Nr.III.durch einen Brand zerstört.Da die Verhähltnisse in der Leinenspinnerei zu dieser Zeit ungünstig waren,errichtete die Firma in der wieder aufgebauten Fabrik eine Jutespinnerei und-Weberei mit 1632 Jutespindeln und 90 Webstühlen,welche inzwischen auf 1796 Spindeln und 106 Webstühle ergänzt worden sind.Von den Flachspindeln sind in den Fabriken I.und II.gegenwärtig 12512 in Betrieb.Sämtliche Betriebsanlagen,3 Turbinen mit 600 HP.und 3 Dampfmaschinen mit 1000 HP.wurden im Laufe der Zeit der modernen Betriebstechnik entsprechend verbessert.Im Jahre 1889 wurde die gesetzlich normierte Arbeitszeit von 11 Stunden sowie die gesetzliche Arbeiter-Unfall-und Krankenversicherung bei freier Arztewahl eingeführt.Gesellschafter der Firma waren vom Beginne an Herr F.A.Rotter,Grulich+(1894),Herr Ignaz Rotter,Oberhohenelbe(+1895),Herr Josef Rotter,Hohenelbe,Herr Anton Rotter,Oberhohenelbe(+1881) und Herr Franz Rotter,Oberhohenelbe.Nach den einzelnen verstorbenen Firmateilnehmern übernahmen die Söhne deren Geschäftsanteile und sind die derzeitigen Gesellschafter Herr Josef Emanuel Rotter(seit 1859),Herr F.F.Rotter(seit 1903),Herr Gustav Rotter(seit 1895),der die technische Leitung der Flachsspinnerei besorgt,Herr Guido Rotter(seit 1895),dem die Leitung der Jutespinnerei und -Weberei obliegt,Herr Richard Rotter(seit 1895),Herr Ferdinand Rotter(seit 1894) und Herr J.U.Dr.Viktor Rotter(seit 1894).Außer den bereits erwähnten zwei Auszeichnungen(München 1854 und Paris 1855) erwarb die Firma noch 1873 in Wien die Verdienstmedaille,1882 in Triest die goldene Medaille,1890 in Paris den Grand Prix und 1906 in Reichenberg die silberne Handelskammermedaille.

 

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