Vierzig Jahre Hirschberger Thalbahn

von Direktor G.Dauster, Herischdorf im Riesengebirge

(aus "Der Wanderer im Riesengebirge",Ausgabe Juli 1937)

Aus den flutenden, sich jetzt wieder steigenden Verkehrsleben des Riesengebirges,ist einer des wichtigsten Verkehrsmittel des mitteleren Gebirgsteiles,die "Hirschberger Thalbahn",die am 10.April 1937 auf ein 40 Jähriges Bestehen zurückblicken konnte,nicht mehr wegzudenken.Mit ihren schmucken,leuchtend hellen Wagen vermittelte sie auf ihren beiden Linien Hirschberg-Herischdorf-Bad Warmbrunn-Hermsdorf und Bad Warmbrunn-Ober Giersdorf-Hain den Verkehr nicht nur zwischen Hirschberg und den mittleren Riesengebirge, sondern auch mit den in ihren Nachbarschaft liegenden und zu ihren Einflußgebiet gehörenden Orten Agnetendorf,Kiesewald,Saalberg,Voigtsdorf,Märzdorf,Seidorf und Baberhäuser, die sämtlich von erheblicher Bedeutung nicht nur für den Wirtschaftlichen,sondern auch für den Fremdenverkehr im mittleren Teil des Hirschberger Tales sind.Die Thalbahn hat daher ihren Betrieb von vornerein sowohl auf die Bedienung des sehr erheblichen Berufs-und Güterverkehrs,mit dem dem Arbeiter, dem Angestellten,den Schüler,dem gewerbetreibenden, und nicht zuletzt auch der einkufenden Hausfrau,der zeitraubende Weg von und zur Arbeitsstelle,zur Schule oder zum Geschäfstzentrum in Hirschberg abgekürzt wird,als auch die Bedienung des Fremden und einheimischen Ausflugsverkehr, mit dem dem Wanderer,dem Wintersportler und dem Feriengast das einzig schöne,weite Wandergebiet in Wald und Bergen,im mittleren Teil unserer Riesenberge erschlossen wird,eingerichtet und für eine reibungslose Bewältigung und Abwicklung des dabei oft auftrettenden Massendranges besonders Sorge getragen.Sie ist damit im laufe der Jahre ihres bestehens über den ursprünglichen Charakter einer reinen "Straßenbahn" herausgewachsen und hat mehr und mehr die Form einer "Voroertbahn" angenommen.Dem elektrischen Betrieb gingen zwei andere Betriebsarten voran,nach dem bereits 1876, zugleich mit den Verhandlungen mit einer Pferdebahn in Breslau,die Generalagentur für Hypothekenbanken in Berlin auch bei dem Magistrat der Stadt Hirschberg,und in den in betracht kommenden Gemeinden verhandlungen über die Errichtung einer Pferdebahn von Hirschberg bis Petersdorf eingeleitet und u.a von der Gemeinde Herischdorf auch bereits die Zustimmung dazu erhalten hatte.Warum diese Pferdebahn nicht zur Ausführung gelangte ist nicht bekannt.Dagegen richtete einige Jahre später der in der Errinerung der älteren Einwohner des Hirschberger Thales der Fuhrwerkunternehmer Borte einen Omnibusverkehr zwsischen Bahnhof Hirschberg und Bad Warmbrunn nach Hermsdorf ein.Er ließ, wie aus einem 1902 veröffentlichen Fahrplan der "eisen und Omnibuslinien" hervorgeht, im Sommer alle Stunden zwsichen 6 und 20 Uhr und im Winter dreimal vormittags und 5 mal nachmittags zwischen 7 und 19 Uhr ab Hirschberg seine Wagen laufen,zu denen im Sommer noch Zwischenwagen bis Bad Warmbrunn hinzukammen.Haltestellen waren Bahnhof und Markt Hirschberg, 3 Eichen, Cunnersdorf,Hotel Scheekoppe,Warmbrunn und Hotel zum Verein, Hermsdorf.Gleichzeitig wurden 6 Wochen lang ein Anschluß von Hermsdorf nach Schreiberhau gefahren.Der Verkehr wurde im Winter durch auf Schliitenhufen gesetzte kleinere Omnibusse aufrecht gehalten.Außer Borte gab es noch "Wagenknechts Omnibusse" der von Hirschberg nach Schreiberhau,"Liebigs Omnibus",der von Petersdorf nach Schreiberhau,und "Prentzels Omnibus" der von Hirschberg nach Lähn verkehrte.Bei diesen handelte sich es aber nur um kleinere Unternehmen.Obwohl der "Bortsche" Betrieb schon eine Errungenschaft darstellte,wenn er auch hinsichtlich seiner Einrichtungen und seiner Fahrtgeschwindigkeit,den bescheidenen Ansprüchen seines Publikums nicht entsprach,so war er doch dem von Jahr zu Jahr anwachsenden Verkehr nicht gewachsen.Die Eröffnung der Reichsbahnstrecke von Hirschberg nach Bad Warmbrunn am 1.11.1891 entzog dem Omnbusunternehmen die wirtschaftliche Grundlage,so daß es im Jahre 1892 den Betrieb einstellen musste.Dem Wunsch dem Omnibus bald ein "neuzeitlicheres"Verkehrsmittel folgend zu lassen,war allgemein,und so unternahm es im Sommer 1895 die neue Gas Aktien Geselschaft in Berlin,die die Eigentümerin der Gaswerke in Hirschberg und Schmiedeberg war,Paralell zu den Reichsbahnlinien von Hirschberg über Bad Warmbrunn nach Hermsdorf,eine "Gaslinie" einzurichten.Die Genehmigung dazu wurde von den Aufsichtsbehörden am 4.8.1896 auf die Dauer von 70 Jahren an die neugegründete Hirschberger Thalbahn AG erteilt,und der Bau der Bahn 1896 durch die Deutsche Gas Aktien Gesellschaft in Dessau,unter örtliche Leitung des in damaliger Zeit durch seine in verschiedene Verkehrsprojekten bekannten Baurats Hoftmann durchgeführt.

Die Eröffnung der ersten Teilstrecke der Gasbahn innerhalb der Stadt Hirschberg erfolgte am 10.4.1897,die Eröffnung der Strecke bis Hermsdorf am 22.5.1897.Der mit grossen Hoffnungen begleitete Gasbahnbetrieb war technisch zwar ein richtiger Gedanke,aber als etwas völlig neues mit unzulänglichen Mitteln verfrüht begonnen.Die Mängel des Triebwerkes,des von vornerein viel zu schwach bemesenen 12 PS Zweizylinder Gasmotors und besonders der Kühlung,konnten zu jener Zeit nicht beseitigt werden.Besonders die Steigung des sogennanten "Schäferbergs" konnte durch die viel zu schwache Maschine der Gasbahnwagen nicht überwunden werden,und es war keine seltene Erscheinung,das die Fahrgäste,wenn der Wagen wieder einmal glücklich stehen geblieben war,austiegen und ihn anschieben halfen,wobei die Sachlage meist von der heiteren Seite aufgenommen wurde.Auch an die Schmelligkeit der Gasbahn durften keine verwöhnten Ansprüche gestellt werden.Kam es doch sehr oft vor,das der Fussgänger ebenso schnell das Ziel erreichte wie der Benutzer der Gasbahn.Daraus folgte aber der wirtschaftliche Ruin des Unternehmens,und daran änderte auch alles technisches können nichts,das man heransetzte,aum eine Gesundung des Betriebes herbeizuführen.Die Gasbahn blieb selbst nach Einrichtung einer Umgehnungsstrecke am Schäfferberg ein vollständiger Versager.Wenn man sich auch in der Wahl des Systems vergriffen hatte,so ist doch mit der Eröffnung der Gasbahn eine neue Zeitepoche,im Verkehrsleben des Hirschberger Tales und besonders in der Erschliessung des mittleren Teiles des Riesengebirges für den verkehr eingetreten.Asbald,nach dem man die Ergebnisslosigkeit aller Mühen eingsehen hatte,wurden die notwendigen Schritte zur Umänderung des Gasbetriebes auf elektrischen Betrieb durch eine Firma in Frankfurt am Main eingeleitet,die inzwichen die rechtsnachfolgerin des bisherigen Unternehmen geworden war.Dank die Unterstützung durch die zuständigen Behörden wurde das neue Gehemigungsverfahren mit der grössten Beschleunigung durchgeführt und bereits am 28.8.1899 die Konzession zur Einrichtung des elktrischen Betriebes, die abermals auf 70 Jahre,also bis zum August 1969 läuft,erteilt.Die Bauarbeiten konnten so gefördert werden,daß der erste Teil,der nurmehr elektrifizierten Talbahn vom Bahnhof Hirschberg bis zu den Drei Eichen bereits am 10.2.1900 dem Verkehr übergeben wurde,während die Strecke bis Hermsdorf am 22.Mai des gleichen Jahres in Betrieb kam.Der Verkehr nahm solchen  Aufschwung,daß sich bereits einige Jahre später die Notwendigkeit heraustellten,die Schienenstränge auch nach dem eigentlichen Ausgangspunkt zum mittleren Riesengebirge,nach Giersdorf-Hain,auszubauen.Die ersten Erhebungen wurden hierzu bereits im Jahre 1905,von dem damaligen Dirktor der Thalbahn,Dr.Prins,geleistet.Im Herbst 1910 war es dem Verfasser,nach Überwindung erheblicher Schwierigkeiten,die durch inzwichen aufgetauchte Konkurenzzprojekte enstanden waren,möglich,das Projekt aufzuarbeiten und am 13.2.1911 die Genehmigung zur Erweiterung der Bahn bis nach Ober-Giersdorf zu erhalten.

Die erste Teilstrecke von Bad Warmbrunn nach Nieder-Giersdorf konnte bereits am 8.8.1911,das Teilstück nach Mittel Giersddorf zu Weihnachten 1913,und der Schluß bis Ober-Giersdorf am 20.Mai 1914 eröffnet werden.Diesem elektrischen Straßenbahnbetrieb schloss sich in den letzten Jahren noch ein von der Talbahn eingerichteter Autobusbetrieb an,dessen erste Linie von Ober-Giersdorf nach Hain am 3.9.1934 in Betrieb genommen wurde,um den in das Mittelgebirge wandernen Fahrgästen der Thalbahn den zeitraubenden und beschwerlichen Aufstieg durch die Ortslage von Hain zu ersparen.Ein am 27.6 1936 in der Stadt Hirschberg aufegnommerner Autobusbetrieb musste,da er in seiner Lienienführung unrentabel war,am 5.10.1936 zunächst wieder eingestellt werden.Der Wagenpark,der von 10 Motorwagen und 8 Anhänge Wagen mit 700 Plätzen der Gasbahn,allmählich auf 19 Motorwagen und 24 Anhängewagen mit 2000 Plätzen,also um 185 Prozent vermehrt werden konnte, und der durchaus den Vergleich mit Großstädtischen Verkehrsmittel aushalten kann,enstpricht nicht nur den modernsten Anforderungen hinsichtlich des elektrischen Fahr-und Bremseigentschaften,sondern auch hinsichtlich der inneren Ausgestlatung.So werden z.B schon immer sämtliche Wagen,unter Auswendung erheblicher Kosten,im Winter geheitzt,eine Einrichtung,die heute nicht einmal großstädtische Strassenbahnen besitzen.In den Modernst eingerichteten Betriebswerkstätten mit Schlosserei,Dreherei,Schmiede,Tischlerei,Lackierei,Anwicklei und den dazugehörigen Montageräumen,werden die Wagen täglich auf ihrer Fahr-und Bremsfähigkeit untersucht,ferner Turnusmässig nach Ablauf einer bestimmten Zahl Wagenkilommeter vollständig auseinander genommen,in alle Einzelteile untersucht,überholt und repariert,und nach sorgfältiger Einzelprüfung durch die verantwortliche Betriebsleitung wieder in Betrieb genommen.Das gleiche gilt von der Fahrleitung,die im Jahre 1928 von einem Kostenaufwand von 50000 Reichsmark für modernen Bügelbetrieb umgebaut wurden,um einen sicheren und störungsfreien Betrieb zu gewährleisten,vor allem aber um Radiostörungen auf ein Minimum zu beschränken.Auf dem Depotgrunstück in Herischdorf befindet sich neben den Werkstätten und der Wagenhalle das Kraftwerk mit einer installierten Maschinenleistung von 1050 PS,daß neben der Bahn die Gemeinde Herischdorf und den Stadteil Hirschberg-Cunnersdorf mit Strom versorgt.Zur Reserve sind ausserdem zwei Pufferbatterien aufgestellt,so daß ausreichende Vorkerhrung zur Vermeidung von Störungen,die so gut wie gar nicht vorkommen,getroffen sind.

Die Zahl der beförderten Personen, die bei der Gasbahn im ersten Jahr 346000 betrug,stieg bei Einführung des elektrischen Betriebes bald auf 1 Million an und erreichte, nach vorübergehenden Rückgang in den Jahren 1914-1918,die Höchstzahl von 3,2 Millionen Personen im Jahr 1919.In den folgenden Inflationsjahren fiel sie auf 1,1 Personen zurück,stieg in den Jahren 1924/1925 wieder rasch auf 2,6 Millionen an,um während der Krisenjahren 1929-1933 abermals auf 1,09 Millionen zu sinken.Mit dem Tag der Machtübernahme durch die nationalsozialistische Partei setzte dann wieder eine Verbesserung der Verkehrsziffern ein.Im Jahr 1936 benutzten 1,3 Millionen Fahrgäste die Bahn,eine Zahl,die im Jahr 1937 einer weitere strake Aufwärtsbewegung zeigt.Im ganzen hat die Bahns seit ihrem bestehen über 73 Millionen Personen befördert,und wenn heute auch die Leistung der Bahn noch um Rund 50% des Verkehrsumfang liegt,für das der Betrieb in seiner Maschinenleistung und in seinen Wagenpark usw.eingerichtet ist,so tritt doch aus den angegebenen Ziffern die große wirtschaftliche Bedeutung des Bahnbetriebes für das für ihn berührte und durch ihn erschlossene Verkehrsgebiet hervor.

 Die Talbahn gegen Ende ihres Betriebs(aus: "Hirschberg im Riesengebirge", Höhne)

Es war eine Straßenbahn über Baberhäuser bis zur sogennanten "Nässe" in 880 Meter Seehöhe geplant, von wo aus dann das Seilstück bis zum Spindler-Pass in 1200 Meter Seehöhe durch eine Schwebebahn überwunden werden sollte. Dieses kühne Projekt, das bereits die Genehmigung aller zuständigen Behörden gefunden hatte, ließ sich wegen der 1928 unvorhergesehenen Finanzierungsschwierigkeiten - der Bau sollte rund 4 Millionen Mark kosten - nicht verwirklichen. Die Talbahn versuchte mit dem Bau einer Privatstrasse in der gleichen Wegführung und in der Einrichtung einer Spezial-Omnibuslinie zum Ziel zu kommen. Dieses Projekt, das ebenfalls in alle Einzelheiten ausgearbeitet und nach Überwindung großer, besonders auch militärischer Schwierigkeiten in diesem exponierten Grenzgebiet von allen in Betracht kommenden Instanzen ebenfalls genehmigt worden war, scheiterte daran, das der Bau infolge der inzwischen stattgefundenen Eingliederung des Sudetengaues in das Reich nicht mehr gebührenflichtige Privatstrasse mit 6 Meter Planumsbreite, sondern durch die Provinz Niederschlesien in Verbindungung mit der Reichstrassenverwaltung als Reichstraße ausgeführt werden sollte, da sie jetzt als Hauptverbindungstraße nach dem Sudetengau eine große politische und militärische Bedeutung hatte. Da auch die Post auf dieser Reichstraße Omnibuslinien errichten konnte, wodurch ein ungesunder Wettbewerb entstanden wäre, trat die Talbahn 1943 ihre Omnibus-Konzessionen und ihre auch für die Spindlerpaßlinie schon beschafften Sonder-Omnibusse gegen entsprechende Entschädigung an die Reichspost ab. Mit dem dabei anfallenden Gelde begann sie ihre bisher eingleisige Straßenbahn auf zweispurigen Obusbetrieb umzustellen. Mit dem Umbau war bereits begonnen worde, und auch die fünfzehn Obusse waren bestellt, als das Kriegsende auch diese Absicht vereitelte.

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Bus der Hirschberger Talbahn durch das verschneite Riesengebirge

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