Jedes meiner Schmuckstücke und Tattoos hat für uns eine besondere Bedeutung.
Das Einsetzen der ersten Ringe - je Einen in die kleinen Schamlippenund Einen in die Klitoris-Vorhaut
- war meine erste Herausforderung. Dieses Einsetzen hat ein Arzt übernommen, da es damals noch gar keine Piercing-Studios gab.
Die Stellen, an denen die Ringe eingesetzt werden sollten, habe ich lokal betäuben lassen. Beim Einsetzen ging es nicht um den Schmerz, sondern um den Schmuck.
Das war Anfang 1991.Mitte 1991 habe ich meine Nippel
piercen lassen. Wiederum bei diesem Arzt und wiederum mit einer lokalen Betäubung.
Kurz danach ließ ich mir in den rechten Nasenflügel einen Brillanten einsetzen.
Damals war Intimschmuck noch exotisch. Dieses Exotische hatte für uns einen ganz besonderen Reiz. Wir teilten das Wissen um diese kleinen Einode und ließen niemand anderes daran teilhaben.
Ist schon mal jemand mit Mutter und Schwiegermutter das Brautkleid anprobieren gegangen? Seit dem gelte ich als prüde, weil ich Beide nicht in die Umkleidekabine gelassen habe aus Sorge, sie könnten meinen Schmuck entdecken.
Das war ganz witzig.
Im Sommer 1993 ließ ich mich tätowieren. So huschten auf meine rechte Hüfte der kleine Drachenmann![]()
und links auf meinen Venushügel seine Drachenfrau.
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Diese beiden Drachen haben eine nette Geschichte. Sie sind nach Angaben meines Mannes zu meinem Charakter für mich gezeichnet worden. Sie widerspiegeln also einen Teil meines Charakters.
So diskret wir mit dem Intimschmuck umgegangen sind, so haben wir nie ein Geheimnis um die Tattoos gemacht.
Einige Jahre nun geschah in dieser Richtung nichts weiter. Jedoch brachte mein Master immer wieder das Thema auf ein Septum-Piercing. Doch damit konnte ich mich nun wirklich nicht identifizieren. Wir hatten oft Streit wegen dieser Thematik. Mein Master versuchte immer wieder, mich dazu zu bewegen, mir dieses Piercing zuzulegen.
Das ging über Jahre so, ich weiß im Nachhinhein gar nicht mehr, wie lange dieser Zeitraum andauerte.
Ich war nicht bereit dazu. Dieses Piercing stellte für mich keinen Schmuck dar, sondern diente meiner Meinung nach einzig und allein einem Zweck. Mich zu unterwerfen. Ich lasse mich gerne zuhause unterwerfen. Jedoch nicht in der Öffentlichkeit. Da ich in verantwortlicher Position arbeite, wollte ich diese Thematik nicht mit in die Arbeit tragen, weil ich der Meinung war, das würden meine Mitarbeiter oder Chefs nun wirklich nicht verstehen oder mich gar in eine Schublade stecken, in die ich ganz sicher nicht hinein wollte.
Also gab es auch kein Piercing.
Was ich jedoch schon immer haben wollte, war ein Bauchnabel-Piercing.Jedoch war ich jahrelang zu dick, so dass dieser Schmuck nicht in mein ästhetisches Bild gepasst hätte.
Schließlich nahm ich jedoch ein wenig - nein, viel -, ab und belohnte mich selbst mit diesem Stecker.
Da es mittlerweile Piercing-Studios gab, ließ ich den Schmuck dort einsetzen, ohne Betäubung. Ehrlich, ich würde es nie wieder machen. Dieser Schmerz ist mir heute noch gegenwärtig.
Schließlich griff mein Master das Thema Septum-Piercing wieder auf. Wir diskutierten und diskutierten stunden-, tagelang.
Ich beriet mich schließlich mit einer Freundin, weil ich nicht mehr weiterwußte. Dieses Piercing schien meinem Master derart wichtig, dass ich fast geneigt war, es durchführen zu lassen. Die Freundin riet mir dazu.
Wir hatten bislang jeden Schmuck und jedes Tattoo gemeinsam entschieden. Dieses Piercing jedoch war nur für ihn.
Im Sommer 2000 ließ ich mir schließlich das Septum-Piercing stechen. Wieder ohne Betäubung. Dieser Schmerz allerdings hielt sich in Grenzen. Wohl liefen mir die Tränen über die Wangen, aber auch nur deswegen, weil dort ein Nerv zu den Tränendrüsen entlanggeht.
Danach lagen wir uns in den Armen.
Es war für mich ein langer Weg, bis ich meinem Master nachgab. Anfangs war ich sehr unsicher mit diesem neuen Piercing. Ich habe versucht, es zu verstecken so gut es ging immer in Sorge um Reprässalien seitens meines Arbeitgebers. Doch mit der Zeit habe ich angefangen, damit progressiv umzugehen, so dass ich schon im Vorfeld Menschen keine Angriffsfläche bot.
Mittlerweile ist dieser kleine Stecker mir so lieb geworden wie alle anderen Schmuckstücke.
Wenn Ihr mögt, könnt Ihr diese Geschichte nachlesen. Ich habe sie in Form einer Kurzgeschichte verarbeitet. Dort gehe ich insbesondere auf das psychologische Moment in der über Jahre dauernden Abwägung des Fürs und Widers dieser Entscheidung ein. Die Geschichte ist erschienen im Charon Verlag.
Doch nun zu meinem Drachenauf meiner Schulter. Auf ihn bin ich besonders stolz. Er ist, finde ich, wunderschön geworden.
Auch er sagt wieder einen Teil über eine Persönlichkeit aus.
Zum Schluß ließ ich mir ein Tattoo innen über den rechten Knöchel stechen. Innen deshalb, weil außen gestochen normal ist.
Das Motiv hier: ein Tribalin Form des letzten Stückes des Drachens auf der Schulter, nur mehr geometrisch.
Ich möchte keines meiner Schmuckstücke oder Tattoos missen.
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