Die PZ zu den Plakaten in PF

PFORZHEIMER ZEITUNG

Hoffen und Bangen

Vertreter beider Kirchen: Gedenktag in Pforzheim darf nicht instrumentalisiert werden

Während die einen schon an den 23. Februar nächsten Jahres denken und Strategien entwickeln, wie eine erneute Entweihung des Gedenktages an die Zerstörung Pforzheims verhindert werden kann, agieren die anderen kräftig im Hier und Jetzt: Mutmaßliche Anhänger der „Antifaschistischen Aktion" brachten an diesem Freitag überall im Stadtbild – unter anderem am Bahnhof, beim Reuchlingymnasium, an der Brücke zur Goethe-Galerie und am Stammsitz der Bau und Grund – Transparente an.

Das größte war acht Meter lang. Es wurde erinnert an den Treffpunkt einer bisher noch nicht angemeldeten Demonstration, die Polizei und Stadtverwaltung am meisten Kopfzerbrechen bereitet: Linksdemonstranten, die laut eigener Aussage im Internet „für den Ausnahme-Zustand" in Pforzheim sorgen wollen und ankündigen, der Mahnwache des „Freundeskreises Ein Herz für Deutschland" beim Wartberg-Freibad den „massiven antifaschistischen Widerstand entgegenzusetzen". Treffpunkt ist gegen 17.30 Uhr beim Zentralen Busbahnhof Nord.

Sorgen der Geschäftsleute

„Die können schon demonstrieren – aber nicht anderer Leute Eigentum demolieren", sagt Hertha Brummund, Inhaberin eines Tabakwaren- und Schreibgeschäfts am ZOB Nord. Angela Essig, Verkäuferin der Bäckerei ein paar Schritte weiter, versteht die Ängste der Anwohner: „Wenn ich hier wohnen würde, würde ich mir auch Sorgen um Geschäft und Auto machen."

Die Polizei (Info-Telefon 07231/ 186 12 03) wird vorbereitet sein: mit mehreren Hundertschaften, Hundestaffeln, berittenen Kräften, Festnahmeeinheiten, Luftüberwachung. Die Deutsche Presseagentur titelt: „Pforzheim bereitet sich auf bisher größten Polizeieinsatz vor."

Andere Geschäftsleute aus der Nordstadt wie der Schmuckdesigner Andreas Reißer glauben, dass die befürchtete Randale ausbleiben wird: „Vor lauter grünen Uniformen wird man keine Demonstranten mehr sehen." Auch Andreas M. Klug („Barber 54") hofft: „Ich denke, es geht gut aus."

Einen Blick nach vorn werfen sowohl die Friedensinitiative, die am Sonntag an der Gedenktafel für die Juden-Transporte nach Gurs am Güterbahnhof ein Konzept für den künftigen Umgang der Stadt Pforzheim mit dem Gedenktag vorstellen will, als auch die Kirchen.

Regina Bauer und Volker Matthaei, beide Pfarrer an der Markuskirche, regen im Vorfeld des nächsten Gedenktages einen Runden Tisch an, um Veranstaltungen vorzubereiten, die der Würde des Tages gerecht werden sollen. Matthaei: „Der Tag gehört den Opfern – er sollte nicht instrumentalisiert werden." Bernhard Ihle, katholischer Dekan Pforzheim-Stadt, pflichtet ihm bei: „Das kann nicht die Botschaft von so vielen Toten sein."

Vor fünf Jahren hatte der Probst der Kathedrale von Coventry an Ex-OB Joachim Becker geschrieben: „Mögen Coventry und Pforzheim, in Ruinen geworfen und wieder aufgebaut, ein Zeichen sein für alle Völker, wie man alte Wunden heilt.

Erstellt von:Olaf Lorch

Erstellt am:21.02.2003

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Demo abgelehnt

Sie kamen in Springerstiefeln, mit Bomberjacke und Glatze: Vertreter der Kameradschaft Karlsruhe. Sie wollten bei Ordnungsamtsleiter Jürgen Bechtle eine weitere Mahnwache für Sonntag anmelden – zum Zeitpunkt des Bombenangriffs 1945, um 20 Uhr.

Doch an diesem Freitag sagte die Stadt – sie hatte die Mahnwache des „Freundeskreises Ein Herz für Deutschland" (FHD) genehmigt – nein zu einer weiteren rechten Kundgebung.

Die Rechtsextremisten hatten sich kompromisslos gegeben, wollten eine gemeinsame Veranstaltung mit dem FHD nicht akzeptieren.

Als Ablehnungsgründe nennt die Stadt unter anderem die unzumutbar lange Sperrung der Wohngebiete in der Nordstadt und die emotionale Beeinträchtigung der Hinterbliebenen der Opfer des Bombenangriffs.

Außerdem sei das personelle Kontingent der Polizei ausgereizt.

Lorch



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