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Deutschsprachige Artikel
Artikel aus 2002.02 Undesallys
No Doubt - Die Spaßmacher
Als No Doubt 1996 dank ihres Albums "Tragic Kingdom" plötzlich der Weltruhm heimsuchte, feierte die Band gerade ihr zehnjähriges Jubiläum. Galten Gwen Stefani, Tony Kanal, Tom Dumont und Adrian Young seinerzeit noch als ganz heiße Nummer, war der Hype vier Jahre später mit "Return Of Saturn" längst vorbei. Statt für ihre Musik interessierte sich die Öffentlichkeit nur noch für Gwens Beziehung zu Bush Sänger Gavin Rossdale und ihre schrillen Outfits. Trennungsgerüchte tauchten immer wieder auf, und an ein neues Album glaubte niemand mehr wirklich. Doch No Doubt zeigen allen Zweiflern, was eine Harke ist, und melden sich mit ihrem fünften Album "Rock Steady" zurück - hotter than ever!
Schon vor der Veröffentlichung war Gwen im vergangenen Jahr omnipräsent, feierte sich von einer Award-Show zur nächsten und stürmte als Gast auf Eves Single "Let Me Blow Ya Mind" weltweit die Charts. Mit No Doubt hatte diese Kooperation allerdings reichlich wenig zu tun, wie Gwen berichtet: "Die Arbeit mit Eve und Dr. Dre oder auch der Song mit Moby hatten keinen Einfluss auf unser neues Album. Es waren witzige Erfahrungen, mehr nicht. Mit mir persönlich hatte das ja nicht viel zu tun. Man wird angeheuert, um für jemand anders zu singen. Man geht ins Studio, singt seine Zeilen, dann macht man vielleicht noch ein Video, und das war's. Dann sieht man aus der Ferne was aus dem Song wird. Es macht Spaß, ein Teil davon zu sein, aber mein Anteil und Einfluss auf die Songs war extrem gering." Dass sie gerne mit spannenden Kollegen zusammenarbeitet, lässt sich aber kaum bestreiten, und so ließt sich das "Rock Steady" Booklet wie ein Who-is-who der Branche. Bounty Killa und Lady Saw durften mit ans Mikro, Dave Stewart (Eurythmics) und Prince haben an Songs mitgeschrieben, Produktions-Legenden wie Nellee Hooper, Sly & Robbie oder William Orbit standen an den Reglern.
Ähnlich bunt wie Zusammenstellung der Mitarbeiter ist der Sound der neuen No Doubt-Scheibe. Die zwölf durchweg knackigen Songs kommen als Mischung aus 80ies-Synthie-Pop, Ska, Alternative und HipHop daher. Ganz groß geschrieben wird allerdings, wie die Single "Hey Baby" schon andeutete, jamaikanischer Dancehall. "Als wir mit 'Return Of Saturn' auf Tour waren, haben wir abends immer Dancehall-Parties gefeiert, mit Platten, die Tony vor ein paar Jahren aus Jamaika mitgebracht hatte", erzählt Gwen. "Ein schlichter Raum, riesige Boxen und Dancehall, das reichte für nächtelangen Spaß. Das hat natürlich auf uns abgefärbt. Als wir mit den neuen Songs begonnen haben, haben wir aus Spaß überlegt selbst einen Dancehall-Song zu schreiben. So fing es an, und dann hat sich das Ganze verselbstständigt und aufs ganze Album ausgeweitet." Oder wie Tony es ausdrückt: "Wir wollten unbedingt eine Platte machen zu der man tanzen kann. Wir haben so viel Spaß beim Tanzen, aber zu unserer eigenen Musik ging das bisher kaum. Das wollten wir ändern! Außerdem hatten wir so einen Grund nach Jamaika zu fahren und ganz viel Rum zu trinken."
So verspielt fröhlich, mitreißend schwungvoll und lässig cool wie auf "Rock Steady" hörten sich die vier tatsächlich noch nie an. Kein Wunder, dass der Spaß, um den sich bei No Doubt mittlerweile alles zu drehen scheint, in Sekundenschnelle auf den Hörer abfärbt. In den viel beschworenen "Zeiten wie siesen" nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. "Wir waren am 11. September gerade in London, um das Album abzumischen. Alles lief nach Plan, und wir fühlten uns großartig," erinnert sich Tony. "Nach den furchtbaren Anschlägen erschien uns, wie wahrscheinlich jedem, erst mal alles, was wir taten, klein und unwichtig. Es gab sogar kurz Überlegungen, das Album nicht zu veröffentlichen. Aber nach einiger Zeit, mit ein wenig Abstand, erkannten wir, dass es genau das richtige Album ist, um jetzt veröffentlicht zu werden. Es ist unser klitzekleiner Beitrag dazu, den Menschen wieder Spaß und Leichtigkeit zurückzugeben."

Artikel aus 2002.02 now!
Blondine Bevorzugt
No Doubt haben nach dem brutalen Flop ihres letzten Albums "Return Of Saturn" mit Rock Steady praktisch noch einmal von vorn angefangen und eine ihrer besten Platten produziert. Auch der Erfolg stellt sich wieder ein. Superblondine Gwen Stefani und Bassist Tony Kanal erzählen, wie es jetzt bei No Doubt läuft.
Kein gutes Jahr, dieses 2001: Krieg, Terror, Rezession und dieser verfluchte 11. September. Die Erinnerung daran ist von Angst, Unsicherheit, und Paranoia geprägt. Nicht so bei Gwen Stefani. Die Frontfrau von No Doubt ist "one lucky girl" - und erzählt es gern jedem, auch wenn er sie nicht danach fragt: "Es ist eigenartig, aber für mich war 2001 das beste Jahr meines Lebens." Und das aus mehreren Gründen: Mit "Let Me Blow Your Mind", einem Duett mit Rapperin Eve hatte Gwen im Sommer einen Riesenhit. Gleichzeitig produzierte No Doubt mit "Rock Steady" ein Album, bei dem sie im Studio so viel Spaß wie nie zuvor hatten. Und weil die Platte zum Teil in London aufgenommen wurde, hatte Gwen "so viel Zeit für meinen Boyfriend wie noch nie zuvor". Der Boyfriend ist bekannterweise Gavin Rossdale, der Sänger von Bush, Objekt der nächtlichen Begierde vieler weiblicher Rock-Fans. Zu Silvester hat er Gwen gebeten, sie zu heiraten. "Jetzt bin ich verlobt", jubelt Gwen. Einen genauen Hochzeitstermin gibt es noch nicht. "Wahrscheinlich im September. Es ist ja erst ein paar Wochen her, dass er mich gefragt hat. Das ist alles noch ganz frisch, aber es ist ein tolles Gefühl."
Solche positiven Vibes sind auch die Essenz von "Rock Steady". Einfache Songs, die über fulminanten Dancehall-Reggae pulsieren, mit unkomplizierten, unbekümmerten Texten über die Liebe, das Tanzen, und wie es sich so anfühlt, wenn man richtig Spaß am Leben hat. Und das nach dem verkorksten letzten Album "Return Of Saturn", das gnadenlos floppte, während sein Vorgänger "Tragic Kingdom" sich im Sog des Welthits "Don't Speak" 15 Millionen Mal verkauft hatte. Die Bruchlandung scheint viel Druck von der Band genommen zu haben, die im Gegensatz zu ihrer Plattenfirma dem Misserfolg durchwegs positive Seiten abgewinnen kann: "Egal, wie viel wir verkaufen, No Doubt wird es weiter geben. Weil wir immer noch großen Spaß an der Sache haben", erklärt Gwen. "Nachdem 'Return Of Saturn' endlich veröffentlicht war, war plötzlich eine riesengroße Last weg", meint die superblonde Sängerin. "Als wir auf Tour gingen, hatten wir wieder einen Mordsspaß. Weil alle so gut drauf waren, haben wir auch beschlossen, sofort nach Ende der Tour eine neue Platte zu machen."
"Rock Steady" erschien Ende Dezember und hat einige Kritiker zu herber Kritik an den "banalen" Texten gereizt. No Doubt stört das nicht. Bassist Tony Kanal bleibt cool: "Gwens Texte sind immer sehr persönlich. Sie singt über Dinge, die ihr am Herzen liegen und kehrt ihre Seele nach außen. Ich denke, das ist der Grund, warum sich so viele Leute damit identifizieren können, das macht den Charme ihrer Texte aus. Sie ist keine Beobachterin, die wie ein Schriftsteller tolle Stories erfinden kann. Aber sie schreibt grandios über ihre eigenen Gefühle."
Gwens Tagebuchsongs haben No Doubt groß gemacht. "Don't Speak" verarbeitete wie die meisten anderen Songs auf "Tragic Kingdom" den Trennungsschmerz, als ihre Beziehung mit Tony in die Brüche ging. Zusammen gekommen sind Gwen und Tony schon 1987, als der Bassist bei No Doubt einstieg. "Ich war sofort total verliebt in ihn", erinnert sich Gwen. "Aber er wollte keine Beziehung anfangen. Zu unserem ersten Kuss musste ich ihn fast zwingen. Er hatte überhaupt kein Interesse. Doch er wollte mich nicht verletzen. Und weil wir schon zusammen in der Band waren, kamen wir dann doch auch privat zusammen. Nach dem ersten Jahr fragte ich ihn, wann wir heiraten! Aber irgendwann stimmte nichts mehr in der Beziehung. Ich merkte, Tony wollte nicht mit mir zusammen sein. Wir wollten uns aber auch nicht trennen, weil wir dachten, dass wir dann auch in No Doubt nicht mehr gemeinsam arbeiten könnten. Es war ziemlich dramatisch. Als wir uns schließlich doch trennten, verleugnete ich das total. Ich zwang ihn immer noch, mich zu küssen, wenn wir uns sahen. Das ging ein Jahr lang so: ich war ständig für ihn da, wenn er etwas brauchte, aber er kümmerte sich überhaupt nicht mehr um mich." Gavin Rossdale lernte Gwen Weihnachten 1995 kennen. Er sagte ihr sofort, dass er in sie verliebt sei. Sie geriet in Panik: "No Doubt sollten kurz darauf als Support mit Bush auf Tour gehen und ich dachte: da ist dieser Typ mit, der auf mich steht, aber Tony ist ja auch da! Am dritten Tourneetag, beim Mardi Gras Karneval in New Orleans, habe ich mich aber auf der Aftershowparty auch in Gavin verliebt."
Gwens seelische Wirrnisse prägten auch die Songs des Albums "Return Of Saturn". Doch es war dieses Mal nicht nur ein Liebesdrama, sondern ein Lebensdrama. Handfeste Depressionen und eine tiefe persönliche Krise, in welche die heute 32-jährige Gwen geschlittert war. "Ich hatte das vorher nie erlebt. Es hatte wohl auch damit zu tun, dass wir sehr erschöpft waren. Wir waren mit 'Tragic Kingdom' schon ein Jahr unterwegs, als es endlich Nummer Eins wurde. Danach wurde die Tournee immer weiter ausgedehnt, weil 'Don't Speak' überall ein Hit war."
Es ist ein selstsames Phänomen des Showbiz: Erfolg scheint nur so lange so erstrebenswert, wie man ihn nicht hat. No Doubt rackerten acht mühsame Jahre darauf hin. Bevor sie für "Tragic Kingdom" von einem Major Label unter Vertrag genommen wurden, wollte das Quartett schon aufgeben. "Wir tingelten schon so lange durch kleine Clubs, aber das hat niemanden interessiert", erinnert sich Tony. "Wir dachten, wir seien alle schon zu alt, um noch Erfolg haben zu können. Wir wollten anfangen, uns um andere Karrieren zu kümmern und endlich auch ausserhalb der Band ein Leben aufbauen - Familie, Kinder, andere Freunde. Aber dann beschlossen wir, es noch ein letztes Mal zu versuchen." Und plötzlich war alles da: Erfolg, Ruhm und das große Geld. Und die dazugehörigen Schatten. "Wir waren mit 'Tragic Kingdom' insgesamt 27 Monate auf Tour und haben nicht viel mehr als den Tourbus gesehen", erinnert sich Tony mit Schaudern zurück, "das würde jedem auf die Nerven gehen. Du hast keinen Kontakt mit der Außenwelt und du lebst in einem Kokon, in dem sich alles nur um dich dreht. Da muss man ja verrückt werden."
Gwens Probleme waren persönlicher Natur. Sie war gerade 30 geworden und geriet in eine schwere Identitätskrise: "Meine Gefühle spielten verrückt. Ich fühlte mich seelisch total krank. Wir hatten mit der Musik angefangen, um Spaß zu haben, und nicht um Stars zu werden. Aber das waren wir nun, und ich musste plötzlich feststellen, dass ich etwas ganz anderes geworden war, als ich mir immer vom Leben erträumt hatte. Eigentlich wollte ich als Kind nur ein ganz einfaches Leben mit einem Mann, den ich liebe, und vielen Kindern!" Wie? Im Song "Simple Life" fragte sich Gwen deshalb, ob für sie eine biedere Hausfrauenkarriere nicht doch besser gewesen wäre. "Es geht sicher nicht nur mir so, das Problem hat heute jede Frau", sagt sie. "Wir stehen unter dem Druck, beides machen zu wollen, sollen Karriere und Beruf einerseits und Heim und Kinder andererseits verbinden. Und wir wollen das ja auch, wir wollen alles haben und wir wollen alles möglichst gut machen. Ich will ja auch unbedingt in der Band sein, ich will darauf nicht verzichten. Tony, Adrian und Tom sind meine engsten Freunde. Und ich liebe die Musik."
Die Frage, wie sie als Frau in die männerdominierte Musikszene passt, beschäftigt Gwen seit No Doubt als Ska-Band begannen. Als ihr Bruder Eric, der eigentliche Gründer von No Doubt, die Madness-Platte "Baggy Trousers" mit nach Hause brachte, war Gwen so begeistert, dass sie unbedingt ein Teil der Ska-Szene sein wollte. Bloß wie? "Ich wusste, wie die Männer aussahen, dass sie Anzüge trugen und nur schwarzweiße Klamotten hatten, aber wie sieht ein Ska-Girl aus? Da gab es kein Beispiel dafür." Der passende Ska-Look für Mädchen war aber schnell kein Thema mehr. Gwen sang damals noch Backgroundstimme für den ersten No-Doubt-Sänger John Spence, und weil jeder in der Band seinen eigenen Musikgeschmack hatte - Tony ist Prince-Fan, Tom ein Death-Metal-Jünger und Adrian liebt puren Pop - entwickelte sich die Gruppe schnell auch in andere Richtungen weiter. Heute ist Ska für No Doubt "die Inspiration, die am Anfang stand" - nicht mehr. Gwen: "Im Herzen sind wir immer noch eine Ska-Band, aber wir sind sicher keine Puristen. Wir wollen spielen, was immer uns Spaß macht, wir experimentieren und toben uns kreativ in alle möglichen Richtungen aus, wenn uns gerade danach ist."
Mit der musikalischen Weiterentwicklung hat sich auch Gwens Image geändert. Sie spielt mit ihrem Äußeren, ist einmal das sittsame Mädchen im Blumenkleid, mal die Cartoon-Sexbombe, mal Pop-Barbie, mal Baywatch-Luder, mal die kühle Sportliche mit Jogginghosen, Bustier und Waschbrettbauch oder - wie zuletzt im Video mit Eve - die durchgeknallte, scharfe Rockgöre. "Es ist gut, wenn mich die Leute sexy finden", meint Gwen, "aber ich fühle mich nicht immer wohl dabei. Wenn mir ein Typ auf der Straße nachpfeift, denke ich, verdammt noch mal, glaubst du ernsthaft, dass ich jetzt rüberkomme und dich ficke? Was glaubst du denn, wer du bist? Und was glaubst du, wer ich bin!" Der Hit "Just A Girl", vom Album "Tragic Kingdom", ist für Gwen aber kein feministisches Manifest: "Es geht nur darum, dass es nicht leicht ist, ein Girl zu sein. Denn da gibt es ja auch noch die andere Seite. Wenn ich auf der Straße gehe und mir keiner nachpfeift, dann denke ich auch schon mal, Mann, sehe ich heute so mies aus?"
Einen quälenden Konflikt scheint Gwen für sich jetzt aber gelöst zu haben. Seit sie bei Gavin in London lebt und gleichzeitig Songs für "Rock Steady" aufgenommen hat, glaubt sie, Karriere und Privatleben gut in Einklang bringen zu können. Steht also mit dem Verlobungsring am Finger nach der "Rock Steady"-Tournee das erste Baby ins Haus? "Mal sehen", grinst Gwen und will nicht mehr verraten.
Die Single "Hey Baby" und das Album "Rock Steady" von No Doubt sind auf Interscope Records/Universal erschienen.

Artikel aus 2002.01 Visions
Vier Ohren zwei Meinungen
Ingo Neumayer (Bewertung 3/10) Gwen Stefanis Hit-Single mit Eve deutete schon an, wohin der Weg No Doubt nach ihrem ausgemachten Flop "The Return Of Saturn" führen würde: auf die Dancefloors. Schön und gut - Bands dürfen und sollen sich entwickeln. Muss man allerdings so weit gehen, dass die Unterschiede zu Britney sich im Nuancen-Bereich bewegen? Die erste Single "Hey Baby" dient dabei als Paradebeispiel für die neue Richtung: No Doubt geben sich künstlich, flach, substanzlos und sind pervers aufdringlich auf Hit getrimmt. Das könnte sogar klappen, "Oops I Did It Again!" ist nach dem zwanzigsten Hören ja schließlich auch ganz nett; irgendwann kapituliert der Geschmack vor der Penetranz. So funktioniert eben diese Art von Pop, die lediglich als Gebrauchsgut konzipiert ist und bei der die weitere Beschäftigung nicht wirklich lohnt. Bei einer Band, die ohnehin nie für besonderen Tiefgang stand, ist 'Wegwerf-Pop' ein doppelt vernichtendes Urteil. Die Idee, die Songs an verschiedene Produzenten zur Bearbeitung zu schicken, entpuppt sich im Nachhinein ebenfalls als schnapsige - Leute wie Dave Stewart, Prince oder Sly & Robbie haben ihre Heydays ja auch schon die ein oder andere Dekade hinter sich, und das hört man den muffigen Sounds und Beats auf "Rock Steady" oft auch an. Ärgerlich.
Sascha Krüger (Bewertung 8/10) Ich fand No Doubt ja immer doof. Na gut, "Don't Speak" war eine nette Sommersingle, und Gwen ist schon süß, wenn sie so Rehkitz-artig ins Mikro schmachtet. Aber ansonsten? No No Doubt, langweilig, einfältige Lala, keine Substanz. Und nun: Pop, Popanz, Produzenten. Ein konsequent vollzogener Richtungswechsel und eine Platte voller geplanter Zufälle. Zufälle, die durchaus leicht säuerlich nach Reißbrett schmecken, aber doch welche, die nicht ohne Charme sind. Zumindest dann, wenn man Popmusik - ich meine so richtigen, brutal poppigen Pop zwischen Kylie, Madonna und Britney - irgendwie leiden mag. Sind wir ehrlich: Immer Trauerkloß ist doch auch scheiße. Es gibt Momente da ist man happy. Dann kommt "Rock Steady" ungemein. Denn trotz multipler Gefälligkeit überzeugen doch die Songs, das Detail, die Melodien. Sicher, bei einer solchen Produktion ist man schnell bei "plätschert nett" und "für nebenbei", aber es ist mehr dahinter: Witz, Style, Eleganz, prägnantes Songwriting und der Mut so etwas einfach mal zu machen. Damit hat die Platte schon mal deutlich mehr zu bieten als die vergleichsweise dröge letzte Garbage. Schreiberkollege Hanekamp hat gemeint: "Mit dieser Platte werden sie im Visions-Land aber nicht viel reißen." So wird's wohl kommen - obwohl das schade wäre.

Artikel aus 2002.01 Visions
Das Gegenteil von ernsthaft
"Let's have fun again!" So klang die einzige Maxime, die für No Doubt von Interesse war. Was nach dem produktionell höchst schwierigen und kommerziell recht erfolglosen Album "Return Of Saturn" auch durchaus nachvollziehbar scheint. Warum das neue, "Rock Steady, aber gleich so ungebremst im Mainstream baden muss, was sie sich dabei gedacht haben und ob sie zukünftig nur noch Popmusik ohne erkennbaren Tiefgang machen werden - das erklären sie hier.
Meine Güte, was für eine Platte. Ungezügelter 80er-Schmonz. Dicke Synthies und Mits(w)ing-Melodien. Simplifizierte Arrangements im besten Chartsfutter-Kostüm. Ein paar Dancehall- und Reggae-Spielereien, aber ansonsten: POP, in drei riesig großen Lettern. Die große Kylie-Konkurrenz scheinen sie als die Gunst der Stunde aufzufassen. Aber trotzdem: Einige Songs gefallen, zumindest mir und einigen anderen Journalisten. Viele andere sagen allerdings: Das ist Müll. Unhörbarer Mainstream-Schmock.
Gemeinsam sitzen sir in einer Hotel-Suite auf dem Sunser Boulevard und hören zum ersten Mal "Rock Steady". Es ist der Auftakt zu einer so genannten 'Interscope Promotion Week', in welcher gut 30 Journalisten im Halbstundentakt an sechs verschiedenen Bands und Künstlern vorbei geschleust werden. Eine Prozedur, die mindestens genau so nach Berechnung und Marketing riecht wie das fünfte Album von No Doubt.
Eben standen Gwen Stefani und Tony Kanal neben mir im Aufzug, stellten sich artig vor und versicherten: "Wir freuen uns auf die ganzen Interviews. Wir reden gerne mit Journalisten." Auch das hat einen leicht faden Beigeschmack (wer redet schon gerne mit nervigen Schreiberlingen?), aber sei's drum. Immerhin: Gwen sieht toll aus, fast ein bisschen zu aufdringlich aufgemotzt, mit provozierenden High Heels, bauchfreiem Top, kleinen Diamanten auf megalangen Fingernägeln und mehreren Schichten Schminke im Gesicht. Als ob sie Gedanken lesen kann, sagt sie plötzlich: "Minimalistisches Makeup ist für mich eine unglaublich schwierige Sache. Ich kann das nicht, nur einen Lidstrich zu ziehen und ein bisschen Lippenstift aufzutragen, und trotzdem gut auszusehen."
Drei Stunden später sitzen Gwen, Tony und der dazu gestoßene Gitarrist Tom Dumont auf der Dachterrasse des Hotel-Penthouses und haben ausnehmend gute Laune. Das ist derzeit Dauerzustand, wie Gwen erzählt: "Wir erleben eine sehr magische Zeit im Moment." Nicht gerade magisch, sondern eher recht durchschaubar wirkt hingegen "Rock Steady". Wie konnte dieses Album nur passieren?
Tony holt aus: "Things just flowed very easily. Es gab keinen Druck, es gab keine übertriebenen Ambitionen. Und noch wichtiger: Es hätte eigentlich keinen Grund gegeben, unbedingt eine neue Platte zu machen. Finanziell könnten wir es uns inzwischen erlauben, nie wieder ein Album zu machen, wir kommen alle aus gutem Hause und haben bislang nicht schlecht verdient. Der einzige Grund war also, dass wir das Gefühl hatten, dass unsere Ideen gut sind und veröffentlicht gehören. Deshalb die Platte."
Tom ergänzt: "Es war die einfachste Platte, die wir je gemacht haben. Und sie spiegelt unser aktuelles Leben wieder. Und das, ich muss es einfach so sagen, ist großartig. Der Staub, der nach 'Tragic Kingdom' aufgewirbelt wurde, hat sich gelegt, wir verdienen gut, kommen in jeden Club umsonst rein, wir haben keine Sorgen. Wir sind einfach glücklich."
Und doch gab es Gerüchte über eine mögliche Auflösung der Band, nachdem "Return Of Saturn" bei Kritik und Fans nicht annähernd so gut ankam wie der hypererfolgreiche Vorgänger "Tragic Kingdom". Doch das ist Unfug, sagt Gwen: "Ich glaube nicht, dass wir uns jemals offiziell auflösen werden. Ich kann mir vorstellen, dass wir uns auch mal ein, zwei Jahre komplett trennen, damit ich Zeit habe, mal eine Solo-Platte zu machen, oder damit Tom endlich mal wieder surfen gehen kann. Aber nach all den Jahren sind wir wie Geschwister. Und von Geschwistern trennst du dich nicht so einfach."
Und doch, wir wollen da ehrlich sein, wirkte "Return Of Saturn" schrecklich ambitioniert. Es vermittelte den Eindruck, als ob sie sich und allen anderen nach dem Übernachterfolg mit dem Vorgänger beweisen mussten, was für ernsthafte und tiefschürfende Musiker sie soch sind. "Da hast du nicht ganz unrecht", gesteht Tom ein. "Es war in erster Linie Gwens Idee - sie wollte nach 'Tragic Kingdom' etwas machen, das etwas ernster und persönlicher ist. Der Weg dahin war sehr steinig und schwierig, die Produktion von 'Return Of Saturn' war ab einem gewissen Punkt absolut kein Spaß mehr. Wir haben uns damals ziemlich verzettelt. Wir waren müde und ausgebrannt. Und deshalb war auch klar: Wenn wir überhaupt noch ein Album machen, dann unter anderen Vorraussetzungen. Und die Grundvorraussetzung war: Es soll uns Spaß machen. Fun was the most important thing."
Fun - dieses Wort taucht während des Interviews mindestens zwei Mal pro Minute auf. Ganz schön aufdringlich diese Attitüde: Das Leben als einzige unbeschwerte Party, alle sind supi drauf und haben keine Sorgen. War das etwa das ganze Konzept hinter "Rock Steady"? "Genau!", freut sich Tom. "Diese Platte ist das Gegenteil von ernsthaft. Es ist eine Party-Platte, es ist etwas, das du hören willst, wenn du richtig gute Laune hast." Und Gwen fügt mit einem bezaubernden Augenaufschlag hinzu: "Ich empfinde die Platte als extrem sexy."
Crazy, sexy, cool also. Und bloß nicht zu viel nachdenken. Aber mal im Ernst: Was ist der Reiz an so viel Pop-Appeal? Macht das ernsthaft Spaß? Gwen: "Und ob! Einfache Popmusik zu machen, die dir trotzdem etwas gibt, ist ein verdammt schwieriges Unterfangen. Es ist so verflixt kompliziert, simpel und gleichzeitig ernsthaft zu sein. Das war schon immer eine unserer größten Herausforderungen, und sie war noch nie so offensichtlich wie auf diesem Album."
Tom hingegen sieht es so: "Die Entstehung dieser Platte war zu keinem Zeitpunkt Arbeit, es war der pure Spaß und die Lust, eine solche stilistische Richtung einfach mal auszuprobieren. Es war so erfrischend schmerzfrei, an diesen Songs zu arbeiten."
Dabei war die Idee dahinter ursprünglich rein zufällig. Tom, der sich ein kleines Digital-Studio in sein Haus gebaut hatte, bastelte mit Tony und Gwen einfach an ein paar Ideen herum, zunächst ohne große Ambitionen, daraus auch wirklich ein Album werden zu lassen. Dann hatte Tony eine Idee: Wie würde es wohl klingen, wenn man einige der gefragtesten Produzenten, wie die Neptunes, Dr. Dre, William Orbit, Nellee Hooper, Sly & Robbie oder Ric Ocasek, einmal an diese Demos Hand anlegen ließe?
"Das Ganze war ursprünglich nicht mehr als ein Experiment", erzählt Tony. "Ich hatte einfach mal Lust zu sehen, was die Produzenten, die ich im Moment sehr mag, wohl mit unseren Songs anfangen würden. Erst im Lauf der Zeit hat sich heraus kristallisiert, dass sich dieses Experiment dermaßen gut anlässt, dass wir es auch veröffentlichen sollten." Dabei war nicht alles zufällig, wie Gwen weiß: "Ein paar Dinge waren klar. So zum Beispiel, dass die neue Platte deutlich Dance-orientierter ausfallen wird, denn wir gehen im Moment alle einfach unheimlich gerne aus, um die Nächte durchzutanzen. Dass so etwas Einfluss auf unsere Musik ausüben würde, war ein natürlicher Prozess."
Und so kam eins zum anderen. Die Kollaborationen ließen sich größtenteils sehr gut an - lediglich die HipHop-Versuche mit Dre und den Neptunes schienen ihnen nicht gut genug um sie auch auf Tonträger zu bannen. "Das klang alles ein wenig gewollt und nicht rund", resümiert Gwen. "Was ich schade finde, denn eigentlich ist meine Auffassung, dass im Moment die einzigen wirklich kreativen Ideen im HipHop zu finden sind."
Dennoch: Sie reisten um die Welt, trafen sich in London, Kalifornien und Jamaika mit ihren Wunsch-Producern und ließen die Dinge einfach passieren. Tom: "Es hat sehr gut getan, einen Teil der Verantwortung einmal abzugeben. Nach vier Alben, die wir komplett alleine gemacht haben, war es schön, einmal nur die Demos und Grundstrukturen zu liefern und zu schauen, was andere mit unserer Musik anstellen werden. Wir haben dadurch eine Menge über uns selber gelernt."
In besonderem Maße galt das für Drummer Adrian Young, dessen Arbeit aufgrund der vielen Computerbeats geradezu nihiliert wurde. Kein schöner Umstand. Auch Tom muss zugeben: "Für Adrian war es nicht einfach. Er ist im Prinzip ein klassischer Rockdrummer, er liebt es, hinter seinem Set zu sitzen und straighte Grooves zu spielen. Davon gibt es auf der Platte so gut wie keine. Aber es zeugt von wirklicher Größe, dass er sich, anstatt zu schmollen, entgegen seiner Natur mit Maschinen und Sequencern auseinandergesetzt hat, um eine Menge über Programming zu lernen. Am Ende war sein Input viel größer als wir anfangs alle gedacht hätten."
Dennoch könnte man ihnen bei der Wahl der Produzenten ein berechnendes Kalkül unterstellen. "Return Of Saturn" war, wie gesagt, ein ziemlicher Flop, und wenn man ihnen Böses wollte, könnte man jetzt behaupten, dass sie sich Madonnas oder Britneys Trendyness zum Vorbild nahmen, um endlich wieder in der Verkaufs-Oberliga mitspielen zu dürfen. Tom will das gar nicht leugnen: "Natürlich war schon ein gewisser Masterplan dahinter, dass wir uns die Leute ausgesucht haben, die im Moment am gefragtesten sind. Ist das schlimm? Ich denke nicht. Wir sind auch nicht die Band, die hoffnungsvollen Nachwuchstalenten zum Durchbruch verhilft. Wir sind Mainstream-orientiert, wir sind Teil des Pop-Zirkus."
Und Gwen ergänzt: "Nenne mir einen vernünftigen Grund, warum amn es nicht ausprobieren sollte, was die besten Produzenten der Welt mit deinen Songs anstellen, wenn du die Chance dazu hast. Wie kann man nicht mit einem Ric Ocasek oder einem Prince zusammen arbeiten, wenn sie dir signalisieren, dass sie Lust dazu haben? Du musst das einfach tun."
Und die Fans? Sind die völlig egal? Werden sie einen solchen Kurswechsel einfach mitmachen? Tom: "Um ehrlich zu sein: Die 'Don't Speak'-Fans, die nur aufgrund dieses Songs auf uns gestoßen sind, sind uns relativ egal. Ich hoffe jedoch sehr, dass die Fans, die seit Anfang an dabei sind, etwas mit der Platte anfangen können, denn schließlich sind sie es, die uns zu dieser Popularität geholfen haben. Auf der anderen Seite können wir nicht den Fans zuliebe stehen bleiben. Ein Künstler entwickelt sich weiter, und wir können nur hoffen, dass unsere Fans trotz allem wtwas mit unserer Musik anfangen."
Bleibt die Frage nach der Zukunft. Was soll jetzt noch kommen? Wird die nächste Platte von dem Backstreet Boys-Mann Rodney Jerkins produziert? Wird es Duett mit den It Girls geben? Kommt es zur Verbrüderung mit den 'Popstars' in der All Star-Band No Angels Doubt? Tom zuckt die Achseln: "Wer weiß, vielleicht werden wir eine dieser Bands, die immer beschissenere Platten machen, weil sie einfach kein Ende finden können. Ich hoffe zwr nicht, dass das passiert, aber wissen kannst du es nie."
Und Gwen sinniert ganz offen: "Von jetzt an kann alles passieren, das zeigt dieses Album. Wir selber hätten anfangs niemals gedacht, dass sich die kommende Platte in diese Richtung entwickeln würde, und doch ist es so gekommen. Was lernen wir daraus? Ganz einfach: Expect the unexpected."
Drei Wochen später, daheim in Hamburg. Zum ersten Mal seit dem Interview habe ich die Gelegenheit, "Rock Steady" erneut zu hören. Werde ich sie immer noch mögen? Funktioniert diese Platte auch ohne die vom Himmel dröhnende Sonne Kaliforniens? Bin ich ein hoffnungsloser Liebhaber von kitschigem 80er-Pop? Auf alle Fragen gibt es nur eine Antwort: Ja.

Artikel aus 2002.01 Piranha
No Doubt ... Go Reggae
(CD des Monats Januar - brought to you by Saturn)
Wer weiss, vielleicht überrascht uns Gwen Stefani demnächst mit Dreadlocks. Dieses Styling würde zumindest zum neuen No-Doubt-Album "Rock Steady" passen, denn das kalifornische Quartett hat jetzt seine Leidenschaft für Reggae und Dancehall entdeckt.
Welche Haarfarbe hat sie gerade? Ist sie mit Gavin Rossdale zusammen oder nicht? Hat sie wieder mal einen neuen Modetrend kreiert? Diese Fragen beschäftigen die meisten Journalisten mehr als Gwen Stefanis Arbeit. Sicher, sie ist die süßeste Blondine der Popszene. Aber auch musikalisch haben die 32-jährige und ihre Band No Doubt einiges zu bieten. Ihr neues Album "Rock Steady" klingt anders als alle Platten, die sie bisher veröffentlichten: eingängiger und zugleich innovativer. Vom Ska hat sich das amerikanische Quartett endgültig losgesagt. Dass Madness, The Specials und The Selecters einst ihre Vorbilder waren, lässt das aktuelle Werk wahrlich nicht vermuten. No Doubt haben sich auf neues Terrain gewagt. Dieses Mal gibt's fröhlichen Reggae und Dancehall. Die Single "Hey Baby" oder "Underneath It All" beschwören ein sonniges Jamaika-Feeling herauf. Das mag daran liegen, dass diese Stücke von Sly Dunbar und Robbier Shakespeare auf der Karikbik-Insel produziert wurden.
Das Reggae-Fieber packte die Kalifornier indes nicht erst auf Jamaika. Als sie die Stücke ihres letzten Albums "Return Of Saturn" live präsentierten, lagen immer Dancehall--CDs im Tourbus. Nach den Shows tanzten Gwen Stefani, Tony Kanal, Tom Dumont und Adrian Young in ihrer Garderobe ausgelassen zu dieser Musik. Mag sein, dass diese Abende sie dazu inspierierten, mit "Rock Steady" ein perfektes Partyalbum zu kreieren. Fast jeder Song ist richtig groovig. Vor allem die Jungle-Beats und die exotischen Harmonien von "Waiting Room" haben es in sich. Prince sei Dank. Der Musiker revanchierte sich mit diesem Lied bei Gwen: Zunächst sang sie auf deiner Platte "Rave Un2 The Joy Fantastic", jetzt schrieb er für No Doubt "Waiting Room".
Prince, William Orbit, The Neptunes - die Liste ihrer Produzenten liest sich wie das "Who Is Who?" der Musikszene. "Wir sind jetzt berühmt genug, um mit diesen Leuten zu arbeiten", sagt Gwen Stefani. Die Sängerin hat zweifelsohne recht. Nachdem ihr Hit "Don't Speak" weltweit die Charts erobert hatte, kannte jeder No Doubt. Die Band gab Interviews und wurde fotografiert. Aber nur Gwen Stefanis Zitate wurden gedruckt. Sie allein zierte die Titelblätter der Hochglanz-Magazine. Das passte ihren drei Kollegen gar nicht. Hinter den Kullissen wurde die Stimmung immer gespannter. "Ich fühlte mich ausgeschlossen und isoliert", erinnert sich die Sängerin. Erst der Videodreh für "Don't Speak" entschärfte die Situation. Denn No Doubt arbeiteten ihr Problem vor der Kamera auf: Gwen Stefani zieht alle Blicke auf sich, die drei Jungs gucken verbittert. "Dieses Video war für uns wie eine Therapie", erklärt Tony Kanal. Die ewigen Eifersüchteleien waren danch vom Tisch. "Diese Krise schweißte uns noch enger zusammen", versichert Gwen Stefani." Heute verstehen wir uns besser als jemals zuvor." Alle gehen gelassener damit um, dass die Blondine für die Journalisten der unangefochtene Star ist. Ein Medienvertreter will nur sie sprechen? Natürlich. Ohne zu murren verlassen die übrigen Bandmitglieder den Raum. Sie haben keine Ego-Probleme mehr, weil sie genau wissen: Die Arbeit aller ist gleich wichtig. Bei No Doubt hat jeder sein spezielles Aufgabengebiet. Gwen ist für Artwork und Video zuständig. Tony führt die Geschäfte der Gruppe. Adrian bringt Rock-Einflüsse in die Musik ein. Und Tom? Der hat sich als DJ bei den Aftershow-Partys einen Namen gemacht. Doch das ist nicht sein einziger Verdienst: Als die Band ihre neuen Songs schrieb, lud er Pro Tools auf seinen Computer. Dieses Programm veränderte den gesamten Produktionsprozess. Schnelles Arbeiten war gefragt. Beim letzten Album ließ sich Gwen Stefani stundelang von Sylvia Plaths Werken inspirieren. Diesmal textete sie sozusagen aus dem Stehgreif: "Für mich war das eine enorme Herausforderung. Ich sagte mir: 'Ich schreibe jetzt, ich nehme jetzt auf - und das war's. Danach werde ich mich auf einen neuen Song konzentrieren.'"
Wer mutmaßt, die Musikerin habe sich dabei nicht mit ihren Emotionen auseinander setzen können, irrt. Ihre Lyrics sind nach wie vor so persönlich wie Tagebuch-Einträge. Immer wider geben sie EInblicke in ihre Beziehung zu Bush-Sänger Gavin Rossdale. Eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Sehnsucht, Einsamkeit, Verzweiflung - nichts ist Gwen Stefani fremd. In Stücken wie "In My Head" klingt sogar Eifersucht durch. "Ja, ja, ja. Ich bin rasend eifersüchtig", gibt die Sängerin zu. Was würde sie darum geben, wenn sie ihre innere Zerrissenheit endlich besiegen könnte. Aber dann sind sie doch wieder da, diese düsteren Gedanken: "Selbt wenn sich Gavin nur mit einem Freund trifft, bin ich gekränkt." Sie will ihren geliebten Gavin ganz, er will seine Freiheit. Eine komplizierte Fernbeziehung: "Glaub' mir, es ist schwierig, einen begehrten britischen Rockstar zum Freund zu haben." Alld die einsamen Stunden - entsetzlich. Da hilft oftmals nur ein Heilmittel: Zu Gavin nach London fliegen. Als Gwen Stefani im Februar mitten im Songwriting wieder einmal die Koffer packte, begleiteten sie ihre Bandkollegen. Wie kreativ dieser Trip war, beweist "Underneath It All". Dieses Stück schrieb die Kalifornierin gemeinsam mit Dave Stewart. Danach ging es weiter nach Jamaika, wo Sly und Robbie die passenden Beats für "Underneath It All" zusammenfügten.
Ein bisschen Reggae, ein bisschen Rock à la Siouxsie and the Banshees, bei "Rock Steady" limitierten sich No Doubt musikalisch nicht. Gemeinsam mit Ric Ocasek ließen sie die 80er Jahre wieder aufleben. Dass er "Don't Let Me Down" und "Platinum Blonde Life" produzierte, beweisen die dominanten Keyboard-Klänge. Nicht ganz so erfolgreich war dagegen die Zusammenarbeit mit Dr. Dre. Gwen Stefani sang einige Takte auf seinen Sound, das war's. "Dieser Song ist noch nicht fertig", lassen No Doubt höflich verlauten.
So oder so: Mit dem britischen Star-Mixer Spike Stent verstand sich die Band großartig. Er verpasste ihren zwölf Liedern in London den letzten Schliff. Einer wie er ist in der Lage, selbst das kleinste Manko auszumerzen. Was bei "Hey Baby" nicht perfekt war? Keine Frage: Der Chorus gehörte an den Anfang. Solche Korrekturen machten sich bezahlt. Gemeinsam mit Stent und ihren zahlreichen Produzenten schufen No Doubt das beste Album ihrer Karriere. Selbst eine Ballade à la "Don't Speak" fehlt nicht. "Running" könnte ein neuer globaler Ohrwurm werden, "Rock Steady" erfolgreicher als "Tragic Kingdom". Von diesem Album wurden weltweit mehr als 15 Millionen Exemplare verkauft. Nicht zuletzt, weil "Just A Girl" die Hymne vieler Feministinnen wurde. Ein Missverständnis, behauptet Gwen Stefani: "Ich wollte den Männern nicht den Kampf ansagen. Denn wir propagieren keine Ideologien." Recht hat sie: No Doubt sind eine Popband, nicht mehr und nicht weniger. Trotzdem treten sie nie auf der Stelle. "Rock Steady" ist für alle Einflüsse offen und klingt dennoch gefällig. Ein wunderschönes Album, das im Winter schon Lust auf den nächsten Sommer macht.

Artikel aus 2002.01 Joy
Blondine bevorzugt
"Rock Steady" heisst die neue Platte von "No Doubt". Und deren Aushängeschild ist - ohne Zweifel - Everybody's Darling Gwen Stefani.
Gwen und die Männder Sieben Jahre war sie mit No-Doubt-bassist Tony Kanal liiert, bis dieser sich von ihr trennte. Gwen brauchte lange, um sich damit abzufinden, hatte fortan aber genug Stoff für ihre Songtexte. Der Mega-Hit "Don't Speak" handelte davon. Heute ist sie mit Gavin Rossdale von Bush zusammen und wäre eigentlich "am liebsten verheiratet mit jeder Menge Kinder".
Gwen und die Mama Die Stefanis pflegen ein ganz besonderes Familien-Verhältnis. Das geht so weit, dass Gwen auch schon mal, als sie sich in Paris verirrt hatte, aus einer Telefonzelle daheim anrief und die Mama fragte, in welchem Hotel sie eigentlich wohne...
Gwen und die Musik Gwen steht auf Ska, Punk-Rock und neuerdings auch HipHop, wie man an ihrem Song mit Vorzeigerapperin Eve, "Let Me Blow Ya Mind", sehen konnte. Ansonsten liebt sie aber immer noch am meisten den Rock, wie der Titel des neuen No-Doubt-Albums zeigt: "Rock Steady". Und darauf gibt es neben Balladen und echten Ohrwürmern auch einige Stücke, die man garantiert nicht im Radio hören wird.
Gwen und die Medien Eine Liebesbeziehung, wie sie schöner nicht sein könnte. Das war nicht immer so. "Was soll diese Blondine, die aussieht als habe man sie gerade von einem Bomber aus dem zweiten Weltkrieg abgeknibbelt?", fragte das renommierte US-Magazin Spin nach Erscheinen des No-Doubt-Debüts "Tragic Kingdom". Um nur wenige Monate später eine Hymne auf das Mädchen aus Kalifornien zu verfassen. Und daran hat sich nichts geändert.
Gwen und Madonna Die liebe Verwandschaft. Stellte sich doch jetzt heraus, dass Gwen verwandt ist mit einer anderen Ikone des Pop: Madonna. "Die Mutter des Mannes der Schwester meiner Großmutter", verriet Gwen, "ist eine Ciccone aus Detroit. Und mein Großvater ist damals mit seiner Familie aus Italien nach Detroit ausgewandert." In jedem Fall schöpfen Madonna und Gwen aus dem selben Gen-Pool. Und wenn man genau hinschaut, sieht man das auch irgendwie.

Artikel aus 2002.01 FHM
Traum! No Doubt über Bananenritte
Angeblich hattet ihr Spaß bei der Arbeit an Rock Steady. Was ist los? Gwen: Komisch, was? Vorher hatten wir diesen Druck, den ja sonst nie eine Band zugibt. Wir hatten zwei dunkle, blöde Jahre, in denen wir irgendwie von Teenagern zu Erwachsenen geworden sind. Zu dreißigjährigen jugendlichen Erwachsenen. Tony: Und jetzt sind wir einfach glücklich. Wir sind drüber weg.
Über was? Gwen: Alles. Wir sind wieder locker. Tony: Was heißt "wieder". Wir waren vorher noch nie locker. Wir sind zum ersten Mal locker. Wir tanzen wie wild zur Musik von allen möglichen Leuten und jetzt haben wir ein Album gemacht, zu dem wir selber tanzen können.
Ihr habe tinige Lieder auf Jamaica aufgenommen. War's schön? Tony: Wir haben in einer sehr unberührten Gegend gewohnt, da waren kaum Touris. Jeden Morgen lagen wir an der Blauen Lagune und haben ein bisschen was getrunken und geraucht. Das war immer schon ein Traum von uns.
Was? Zu trinken und zu kiffen? Tony: Nein, auf Jamaica Reggaemusik aufzunehmen und besoffen auf einer Gummibanane zusammen übers Meer zu brausen. Traumhaft. Was kannst du dir vom Leben denn noch wünschen?
Gwen, das Lied Waiting Room singst du mit Prince. Wie findest du den? Gwen: Prince ist viel kleiner als ich, aber das fällt nicht so auf.
Wieso nicht? Gwen: Weil der Kerl nicht normal durch einen Raum geht, sondern schwebt. Sehr mysteriös, sehr elegant, aber auch sehr abgehoben.
Wirst du sonst oft angebaggert? Gwen: Komischerweise weniger als die Jungs. Du müsstest mal nach einem Konzert hinter die Bühne kommen. Du würdest dich wundern.

Artikel aus 2002.01 Musikexpress
Gaaanz entspannt
Partys von U2 beschallen, auf Jamaika einen nach dem anderen durchziehen und nebenbei mal eben ein Album aufnehmen: No Doubt haben zur Leichtigkeit des Seins zurückgefunden.
No Doubt - war das nicht diese Ami-Band, die vor ein paar Jahren mal einen Hit hatte? "Don't Speak"? So ein echtes One-Hit-Wonder? Nee, die hatten ja sogar ein paar mehr. "Spiderwebs". Und "Just A Girl". Ein Multiple-Hit-Wonder also, mit immerhin 16 Millionen weltweit verkauften Exemplaren ihres 95er-Albums "Tragic Kingdom", so benannt in Anlehnung an ihre Heimat in Anaheim, Kalifornien, und das dort gelegene Mickey-Mouse-Königreich "Magic Kingdom". Aber danach, was war da? Irgend so ein dubioses Artsi-Fartsi-Selbstverwirklichungsalbum, welches, außer der Band selbst, gerade mal noch einige wenige ewigtreue Fans mochten. Schon der eso-astro-angehauchte Titel "Return Of Saturn", pffff. Bliebe natürlich noch die Sängerin, Gwen Stefani, in lebhafter Erinnerung. Ein wirklich scharfer Feger, so was in Richtung jüngere, dünnere Madonna. War die nicht mit einem Rockstar zusammen? Dem Typ, der genau so singt wie Kurt Cobain? Gavin Rossdale von Bush? Besonders letztere Frage beschäftigt das ausgesuchte Rudel internationaler Journalistenm das sich zum Pressetermin mit No Doubt in Los Angeles eingefunden hat. Jeder Einzelne von ihnen quält sich mit dem gleichen Problem herum: Wie stelle ich die Frage nach ihrer Beziehung, ohne sie zu beleidigen? Oder: Wie lange rede ich um den heißen Brei herum, bis ich endlich die Frage nach ihrer Beziehung stelle? Dabei ist die Frage obsolet. Einmal in die ausgehändigten Zettel mit Songtexten des neuen Albums "Rock Steady" reingeschaut, entdecken wir eins, zwei, drei - eine Hand voll Songs, in denen Gwen von den Strapazen ihrer Fernliaison mit dem britischen Sänger singt. Okay, hört sich nicht nur nach Zuckerschlecken an, aber im Gegensatz zu den Texten von "Tragic Kingdom", in denen sie ausgiebig ihre gescheiterte Affäre mit No Doubt-Bassist Tony Kanal schilderte, klingen in "Making Out", "Detective" und "In My Head" noch so etwas wie Liebe und der Wille, alle damit verbundenen Querelen zu ertragen, mit. Außerdem hat sie erst im September, während der Abmischungen am neuen Album, sechs Wochen bei Rossdale in London gewohnt. Und vor einer Woche sah man sie und Gavin dann Händchen haltend am Set zu No Doubts neuem Video "Hey Baby", Papa Dennis Stefani still grinsend im Hintergrund seinen Segen dazu gebend. Und - jetzt greifen wir unfairerweise an den Kollegen vorbei etwas in die Zukunft - sie will ein Baby mit Gavin! Ja, ein menschliches Wesen aus Fleisch und Blut, so um die 50 cm gross und sechs Pfund schwer. Genauso eins, wie es Drummer Adrian Young mit seiner Frau Nina erwartet, genauso eins, wie es jedes Bandmitglied mit dem jeweiligen Partner möchte. Sagt sie jedenfalls. Am Ende des Interviews. Aber da sind wir ja noch nicht. Dazu müssen wir raus aus dem Warteraum mit der dröhnenden Endlos-Musik, den überquellenden Aschenbechern, den Burger-, Fritten- und Colaresten und den in- und herwandernden Journalisten, die still die Lippen bewegen: "Wie frag ich sie nur, wie frag ich sie nur?" Es geht die Treppe hoch, zur Penthouse-Suite des Argyle-Hotels. Früher hieß der mausgraue Art-Deco-Kasten am Sunset Boulevard St. James Club und beherbergte in seinen Apartments Hollywood-Stars wie Clark Gable und John Wayne. Der soll sogar mal auf einer Kuh hereingeritten sein. Heute nutzen die bis zu 900 Dollar teuren Suiten hauptsächlich geltungssüchtige überbezahlte Geschäftsreisende bzw. Platten- und Filmfirmen, die glauben, trostlosen Press-Junkets hier einen goldenen Rahmen geben zu können. Die Aussicht oben im 15. Stock ist atemberaubend. Man blickt auf endlose Geraden, unterbrochen von wenigen, aber notwendigen Kurven. Am Ende erstrahlen pazifikfarbene Punkte, gekrönt von goldblonden Wellen. Und wenn man dann endlich den Blick von Gwen Stefani löst, und aus dem Fenster herausschaut, kann man sogar den ganzen westlichen Teil von Los Angeles bis zum Strand überblicken. Aber die Augen wandern unweigerlich wieder zurück zu Gwen, die sich auf dem Sofa lümmelt und ihre baren Fußzehen mit den roten Glitzernägeln knetet. Dort bleiben sie haften, egal ob da neben ihr noch Gitarrist Tom Dumont und Tony Kanal sitzen. Das ist ein altes Problem von No Doubt. Und es hat früher zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen den Bandmitgliedern geführt. Für die Medien - und sicherlich auch für viele Fans - IST Gwen Stefani No Doubt. 1996, auf dem Höhepunkt der "Tragic Kingdom"-Hysterie, ließen sich Teenager-Gören scharenweise die Haare blond peroxidieren. "Gwenabees" nannte man sie. Und Redakteure schnitten - schnipp, schnapp! - die Bandmitglieder aus den Gruppenfotos raus und packten Gwen solo aufs Cover. Bis es den anderen reichte. "We are a band! Not just a girl!" zeterten sie - und drohten mit ihrem Ausstieg. Doch diese Zeiten sind vorbei. Man hat sich arrangiert, akzeptiert die Gwen-Fixierung der Medien, die sich zuletzt in Covern des US-Magazines "Blender" (Story: "The 50 Sexiest Artists Of All Time") und "Vanity Fair" ("The Music Issue") niederschlug, und freut sich sogar über ihre Solo-Unternehmungen an der Seite von Moby, Brian Setzer und Eve. "It's all good, Hollywood", wie es Tom beschreibt. 14 Jahre hat es gedauert, bis No Doubt diesen - Gavin Rossdale, bitte weghören - Nirvana-ähnlichen Zustand erreichten. 14 Jahre, in denen sich ihr erster Sänger, John Spence, erschoss, ihr Gründer (und Gwen-Bruder) Eric Stefani die Gitarre gegen Buntstifte vertauschte um fortan Homer Simpson an Stelle von No Doubt-Songs die Konturen zu geben. Sie überlebten zwei erste erfolglose Alben und dann eines der erfolgreichsten Pop-Alben der 90er. Sie quälten sich zwei Jahre im Studio mit dem Nachfolgealbum, mit dem sie ihre musikalischen Qualitäten mehr als ihre kommerziellen beweisen wollten, und verdauten konsequenterweise auch dessen vergleichsweise mageren Verkaufszahlen. Und jetzt, am Ende dieser Odyssee, sind sie weder zynisch noch erwachsen geworden, sondern wollen nur noch eins: "Spaß!", ruft Tom. "Wir wollen einfach nur noch Spaß mit unserer Musik haben!" Der Hedonismus überfiel die Vier bereits während der "Return Of Saturn"-Tour. "Der ganze Stress, dieses Gefühl, sich selbst etwas beweisen zu wollen, fiel von uns ab", erinnert sich Tony. "Wir feierten jeden Abend auf und hinter der Bühne." Besonder hinter der Bühne. Hobby-DJ Tom packte die Boombox aus und legte die neuesten Dancehall-Compilations aus Jamaica auf, während Gwen & Co. sich den Arsch abtanzten. Am Ende der Tour, Anfang 2001, tanzten sie dann gleich weiter in Toms Heimstudio in den Hollywood Hills - mit dem Gefühl, ihre alte Liebe zu Ska und Reggae genauso wie ihre Freundschaft zueinander wieder belebt zu haben- "Wir wollten einfach weiter zusammen Party machen, wir wollten nicht aufhören", erklärt es Gwen. "Die Aufnahmen zu dieser Platte liefen deshalb wie geschmiert, das war ein wunderbares Jahr." Zwei Monate schreiben Gwen, Tom und Tony die ersten Songs. Drummer Adrian, der seit jeher wenig Interesse an diesem Prozess hat, vergnügte sich derweil als Herausgeber einer alternativen Golfzeitschrift namens "Schwing". Dann wurden gemeinsam ein paar Songs produziert. Dann wieder in die Schreiber-Klause. Dann alle nach England. Zurück nach Los Angeles. Ab nach Jamaika. Los Angeles. Wieder England. San Francisco... "Wir hatten einige nette Trips in der Zeit", grinst Tony. "Wir hielten es bewußt locker. Denn die Aufnahmen zu 'Return Of Saturn' uferten nach einiger Zeit in echte Arbeit aus, und das wollten wir diesmal auf alle Fälle vermeiden." "Absolutes Highlight war die Tour nach Jamaica", ergänzt Gwen. Wir mieteten ein Anwesen an der Nordküste, mit wunderbarem Meerblick und nur einem einzigen Telefon. Jeden Morgen ging es an den Strand, danach gab es das wunderbarste Essen, und frühestens am Abend haben wir aufgenommen. Aber manchmal gab es Stromausfälle, und dann sind wir in die Dancehall-Clubs der Insel und haben die Nacht durchgetanzt." "Und zum Frühstück gab's dann wieder Rum-Cola oder Red Stripes, um uns in Stimmung zu bringen", erzählt Tony Kanal weiter. "Es ist ein Wunder, dass wir überhaupt etwas in dieser Zeit geschafft haben." Deutlichstes Zeugnis der Jamaica-Reise auf "Rock Steady" ist der Song "Start The Fire", zu dem Gwen die unmissverständlichen Zeilen "Go and get the lighter, we're gonna need some fire, let's get a little higher" dichtete. "Klar, da geht es um Zigaretten der besonderen Art", gesteht Tom. "Das dürfen nur Gwens Eltern nie erfahren ..." An "Rock Steady" wurde nicht nur kreuz und quer über den Globus verteilt gebastelt, es wurde auch mit den verschiedensten Produzenten gearbeitet. Tom: "Wir hatten eine Liste von prominenten Musikern und Produzenten, die wir einbeziehen wollten. Und wir haben sie alle bekommen. Was wohl daran liegt, dass wir inzwischen selbst prominent genug sind." Die Liste ist in der Tat beeindruckend: Jamaikas Reggae-Legenden Sly & Robbie produzierten unter anderem die erste Single "Hey Baby", ein Song darüber wie sich Jungs und Mädel(s) im Backstagebereich anmachen, und sorgten dafür, dass lokale Dancehall-Größen wie Lady Saw und Bounty Killer mitsangen. William Orbit, bekannt vor allem für seine Arbeit an Madonnas "Ray of Light"-Album, brachte den Song "Making Out" in Form, während Ex-Cars-Steuermann Ric Ocasek seinen New-Wave-Rouch auf "Don't Let Me Down" und "Platinum Blonde Life" legte. Mit dem Eurythmischen Dave Stewart schrieben sie in London das bittersüße Liebeslied "Underneath It All". "Man spürte einfach seine unglaubliche Erfahrung", staunt Tom noch heute. "Nur einer wie Dave kann mit schlichten Mitteln so Großartiges erreichen. Ich hätte viel zu viel über jeden einzelnen Akkordwechsel nachgedacht und den Song damit wahrscheinlich gekillt." Weitere Tracks wurden von Nelle Hooper (Björk, Soul II Soul, Sinead O'Connor) und dem HipHop-Produzententeam The Neptunes (verantwortlich für die letzte Britney-Spears-Single) aufpoliert. Selbst Westcoast-Pate Dr. Dre und Hitmacher Timbaland (Jay-Z, Missy Elliott) arbeiteten zwei Titel für No Doubt aus. "Diese Tracks schafften es allerdings nicht aufs endgültige Album", erzählt Tom. "Sie sind gut, aber für 'Rock Steady' waren sie uns zu hiphoppig. Stattdessen packten wir einen Song, den wir noch aus den 'Return Of Saturn'-Sessions über hatten, drauf": "Waiting Room", mitproduziert und -gesungen von Prince. "Damit ging vor allem für Tony ein Traum in Erfüllung", freut sich Gwen rückblickend. "Als wir zu High-School-Zeiten anfingen miteinander auszugehen, dachte er, er sei Prince." Gerade als die Band in London letzte Hand an die Scheibe legte, rasten in New York und Washington Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon. "Auf einmal erschien uns das Album alles andere als angebracht", erinnern sich Tony und Gwen an die Katastrophe. "Aber nach einiger Zeit, nachdem der erste Schock und die erste Trauer überwunden waren, überlegten wir uns: Jetzt erst recht! Gerade in solch schwarzen Zeiten braucht die Welt Ablenkung, Unterhaltung, Spaß." Bereits im November fingen No Doubt an, den Spaß unter die Leute zu bringen. Als Vorgruppe von U2 spielten sie in den USA einige ausgewählte Konzerte. Tom besorgte für die anschließenden After-Show-Parties sogar eine professionelle P.A.: "Die Boombox vom letzten Jahr hat ausgedient." 2002 werden No Doubt dann als Headliner mit dem neuen, leichteren Material die Welt bereisen. "'Return Of Saturn' hätte man auf keiner Party spielen können. 'Rock Steady' hingegen werde ich auch auf den After-Show-Parties mühelos in meine DJ-Sets mischen können. Die Platte ist eine einzige Party", freut sich Tom bereits. Vor Tourstart müssen allerdings noch wenige kleine Probleme aus dem Weg geräumt werden: No Doubt brauchen einen neuen Fitnesstrainer, der mitreist. "Der Letzte", erzählt Gwen, "ein Schotte, hat in Detroit ein Mädchen kennengelernt, in Las Vegas geheiratet und ist mit ihm zurück nach Schottland. Und in unserem Alter braucht man einfach einen, der einen zum Sport zwingt. Das Tourleben ist sonst wirklich zu ungesund und anstrengend." "Einen Koch will ich diesmal auch dabei haben", fordert sie weiter, allerdings nicht ganz ernsthaft. "Und einen Masseur. Und einen Yoga-Lehrer..." Klar, sonst noch Wünsche? "Babies! Wir wollen alle Babies haben, so wie Adrian und Nina..." Junger Mann zum Mitreisen gesucht...irgendwelche Interessenten?

Artikel aus 2001.12.29 TV Movie
Glückskinder aus dem Pop-Paradies
No Doubt. Ein trauriges Liebeslied hievte sie einst in die Charts. Jetzt melden sich die vier Kalifornier zurück - mit Happy-Pop und einer Kampfansage an den Nachrichtensender CNN.
Knochenjob Popstar? Von wegen! Wenn No-Doubt-Sängerin Gwen Stefani (32) von ihrer Arbeit plauscht, klingt das nach einem bombig bezahlten Nebenjob im Paradies: "Wie unser neues Album auf Jamaika entstanden ist? Wir haben morgens gemütlich an der blauen Lagune gefrühstückt, danach eine Zigarette gequalmt, uns einen Cocktail genehmigt - am Nachmittag sind wir dann im Studio eingetrudelt." Beneidenswert! Findet auch Gwen Stefani: "Ja, wir hatten irre viel Spaß. Das passt zu unserer Musik, wir wollen schließlich unterhalten: Auf CNN kriegen die Leute Krieg, bei uns gute Laune!"
Power aus dem Bauch Schon 15 Jahre machen die vier Kalifornier zusammen Musik, doch der Durchbruch gelang ihnen erst 1996 mit der Liebesballade "Don't Speak" - zwölf Millionen Mal verkaufte sich daraufhin ihr Album "Tragic Kingdom". Damit hatten sich No Doubt für die Pop-Champions-League qualifiziert - und wären fast im Abseits gelandet. Der Erfolgsdruck! Bassist Tony Kanal (32): "Unser letztes Album 'Return Of Saturn' war eine Kopfgeburt mit krampfigen Songs. Diesmal haben wir nichts gedacht, nur losgespielt - volle Pulle immer aus dem Bacuh heraus."
Voller Gefühle stecken auch die Texte. Die schöne Gwen schreibt nämlich bevorzugt über ihren Liebsten, "Bush"-Sänger Gavin Rossdale. "Wovon soll ich sonst erzählen? Er ist zuckersüß." Die Frau steht halt überall auf der Sonnenseite des Lebens...
No Doubt Rock Steady
Pop. No Doubt heizen ein mit viel Dancepower, Reggae und einem Gastauftritt von Prince. - Cool, funky, ideal für die kalten Tage. ( Empfehlenswert)

Artikel aus 2001.12.15 Osnabrücker Zeitung
Sommeralbum mitten im Winter
Auf Jamaica entstand No Doubts neues Album - "Wollen nur unterhalten"
Verflixter Knochenjob. "Jeden Morgen", erzählt No Doubt-Bassist Tony Kanal über die Maloche am neuen Album auf Jamaica, "haben wir erstmal gemütlich an der Blauen Lagune gefrühstückt und uns gesonnt. Wenn wir Lust drauf hatten, haben wir auch noch einen geraucht oder uns einen Cocktail gemixt. Nachmittags sind wir dann meistens zum Arbeiten ins Studio gegangen." Da fabrizierten sie dann gemeinsam mit den alten Reggaehelden Sly & Robbie mit "Rock Steady" ein Werk, das sich anhört wie das akustische Äquivalent zum rutschigen Ritt auf einer Beachbanane.
"Wir hatten echt schon unverschämt viel Spaß", räumt Sängerin Gwen Stefani leicht schuldbewusst ein. "Aber mehr als unterhalten wollen wir gar nicht. Die Leute haben Zerstreuung und gute Laune bitter nötig, und ich bin sicher, dass sie mehr von uns auch gar nicht erwarten. Auf CNN kriegen sie Krieg, bei No Doubt kriegen sie Freude und Leichtigkeit."
Seit 15 Jahren machen Kanal, Stefani, Gitarrist Tom Dumont und Schlagzeuger Adrian Young aus dem Orange County bei Los Angeles schon zusammen Musik. Mit Ska fingen sie an, inzwischen mixen sie eigentlich fast alle Stile bunt durcheinander. "Wir hatten eher einen Plattenvertrag als das Abschlussdiplom unserer gemeinsam besuchten High School in der Tasche. Wir sind wie Brüderchen und Schwesterchen. Manchmal kloppen wir uns, aber irgendwie haben wir uns alle wirklich gern."
Trotzdem dauerte es zehn Jahre, bis die Band richtig bekannt wurde - und das ausgerechnet dank der Trennung unserer beiden Strandschnuffis. Weltweite Berühmtheit erlangten No Doubt vor fünf Jahren nämlich mit der traurigen Liebesballade "Don't Speak", in der Stefani darüber singt, wie Kanal sie nach sibenjähriger Beziehung verlassen hat. Mit dem dazugehörigen, zwölf Millionen Mal verkauften, Album "Tragic Kingdom" qualifizierten sich No Doubt für die Champions League der Popmusik, wo sie dann prompt fast an der Belastung zerbrachen. Kanal: "Bei unserem letzten Album 'Return Of Saturn' dachten wir zuviel über alles nach, deshalb sind die Songs nicht so gut gelungen. Diesmal haben wir überhaupt nicht gedacht."
"Rock Steady" ist ein waschechtes Sommeralbum mitten im Winter. Mit viel Dancehall, Pop, Reggae, deutlichem 80er-Jahre-Einfluss, einem Gastauftritt von Prince ("Waiting Room") und fast durchweg flottem Tempo (Ausnahme: das ruhige "Running") lassen No Doubt den Schnee schmelzen. Sehr funky und auf heiße Weise cool. Nur die Texte der hippen Gwen, die regelmäßig alle möglichen Promi-Modepreise mit nach Hause nimmt ("Ich ziehe einfach immer an was mir gefällt. Lustigerweise gefällt das vielen anderen Mädchen kurz danach auch.") sind so nachdenklich wie eh und je. Bevorzugtes Subjekt von Stefani: Die leicht ruckelig verlaufende Liaison zum Kollegen Gavin Rossdale, dem Sänger der britischen Rockband Bush. "Meine Jungs meinen auch schon, die Texte würden zu oft von Gavin handeln. Aber das liegt auch daran, dass ich nicht weiß, worüber ich sonst schreiben soll, als über mein eigenes kleines Leben." Wie wär's mal wieder mit einem Lied über Tony, Tony? "Nein, bitte nicht. Das haben wir nun wirklich hinter uns. Drei Jahre lang musste ich öffentlich Stellung zu unserer Trennung nehmen. Da soll sie lieber weiter über Gavin singen."

Artikel aus 2001.12 Hitshop
No Doubt
"Just A Girl" war einst der Indiehit für alle MTV-Opfer, die Punk-Rock verpassten - und No Doubt damit tragischerweise auf die Rolle der Partyrocker festlegten. Zu Unrecht: Auf ihrem neuen Album "Rock Steady" wechseln No Doubt mal wieder gekonnt die Genrespur und beweisen, dass sie nach wie vor zu den innovativsten US-Bands zählen.
Artikel aus 2001.05 Prinz
Vermisst...
Es war still geworden um Gwen Stefani. Die Sängerin der Band No Doubt hatte sich nach dem äußerst mäßigen Erfolg ihres 2000er Albums "Return Of Saturn" nach Kalifornien zu ihren Eltern, ihren Brüdern Eric und Todd und ihrer Schwester Jill zurückgezogen und jeglichen Kontakt zu Plattenfirma, PR-Agenturen und Medien vermieden. Gwen genoss die Ruhe, die Geborgenheit und den Schutz ihrer Familie. Fünf Jahre zuvor war die damals 26-Jährige mit ihrem Hit "Don't Speak" als Shootingstar des New Punk gefeiert worden. Ihre Platte "Tragic Kingdom" verkaufte sich weltweit über 10 Millionen Mal. Aber auf Erfolgswellen zu reiten ist schwer, No Doubt gingen dabei unter. Jetzt erscheint das erste Lebenszeichen seit über einem Jahr. Gwen Stefani begleitet die US-Rapperin Eve als Backgroundsängerin auf ihrem Song "Let Me Blow Ya Mind": HipHop plus Ragga- und Street-Soul mit einem deutlichen Hang zum Pop. Bleibt abzuwarten, was Stefani uns auf ihrem nächsten eigenen Album präsentieren wird.

Artikel aus 2000.06 Top of the Pops Magazin
Think Pink
Gwen Stefani, Sängerin von No Doubt, ist in die Liebe verliebt, leidenschaftlich, aber auch verletzlich. Mit TOP OF THE POPS spricht das "Ex-Girlfriend" über die zwei Lieben ihres Lebens.
Tja, Gwen Stefani, so ist das eben als einzige Frau in einer berühmten Band. "Du bist wirklich drollig.", lacht die Sängerin von No Doubt. "Da schuften wir zwei Jahre lang, um ein Album hinzubekommen, das so toll ist wie es unserer Meinung nach nur sein kann, und dir fällt nichts besseres ein als mich nach meinen pinkgefärbten Haaren zu fragen." Tja, Gwen Stefani, genauso sieht es aus. "Na gut, also das mit den Haaren habe ich gemacht, als das Album praktisch fertig war. Die Platte sollte Ende letzten Jahres erscheinen, aber dann kam es zu Verzögerungen. Ich war ziemlich frustriert, und um wieder ein bisschen gute Laune zu bekommen, habe ich mir die Haare pink gefärbt und diese Zöpfe geflochten." So redet sie, schnell, ohne Punkt, aber mit vielen Kommas.
Schön, jetzt hätten wir das geklärt, also fragen wir am besten als Nächstes nach Gwen Stefanis Beziehung zu Gavin Rossdale, dem Sänger von Bush, mit dem zwischendurch im letzten Herbst auch mal kurz Schluß war. Denn von diesem Hin und Her spricht sie exakt in "Ex-Girlfriend", der ersten Single aus No Doubts neuem Album "Return Of Saturn".
"I kinda always knew I'd end up your Ex-Girlfriend", singt die 30-Jährige, was so viel heißt wie "Hab ich doch immer schon gewusst, dass das mit uns nicht lange gut geht" - das klingt zwar nicht fröhlich, aber doch irgendwie ausgelassen und erleichtert. Schnee von gestern, die beiden sind wieder zusammen. Schwer genug sei es ohnehin, auf verschiedenen Kontinenten zuhause zu sein, aber: "Hey, fürs Songschreiben gibt es nichts Besseres als eine holprig verlaufende Beziehung."
"Ex-Girlfriend" ist nicht der erste Song, in dem die No-Doubt-Texterin ihr privates Liebesleid verarbeitet hat. Vor gut drei Jahren schlug zum ersten Mal die große Stunde des Quartetts - dank einer tieftraurigen Nummer, die Gwen über das Ende ihrer siebenjährigen Beziehung zu No-Doubt-Bassist Tony Kanal geschrieben hatte. "Don't Speak" war die größte, schönste und erfolgreichste Ballade 1997, und No Doubt - bereits seit 10 Jahren zusammen - mit mehr als 12 Millionen verkaufter Alben weltberühmt. "Mein Leben ist ziemlich undramatisch, ich liebe und leide genauso wie jeder andere", behauptet Gwen, die wie ihre drei Bandkollegen in Los Angeles lebt. "Aber über ein Jahr lang Tag für Tag mit ständig wechselnden, wildfremden Menschen über den Song zu reden, während die Wunden immer noch weh taten und Tony meistens daneben saß, das war dann doch ein bißchen zu heftig." No Doubt zogen sich für zwei Jahre zurück, schrieben fast 100 Songs und sind nun selbst gespannt, ob sie an den Welterfolg anknüpfen können. Falls nicht, kann Gwen immer noch ihren Jugendtraum verwirklichen. "Als ich ein kleines Mädchen war", sagt sie, "hatte ich mir geschworen: Mit 30 hast du Kinder, einen Ehemann und einen Hund."

Artikel aus 2000.05 WOM Magazin
Beziehungs-Drama-Queen
Wenn es darum geht, ihr Privatleben zu vermarkten, ist Gwen Stefani von NO DOUBT unschlagbar: Die 30-Jährige schreibt Hits über Ex-Lover and Herzflimmern. Eine Masche, die schon beim Hit "Don't Speak" funktionierte und der sie nun ein ganzes Album widmet. Marcel Anders traf die Drama-Queen in LA.
Für euer neues Album habt ihr drei jahre gebraucht. Warum? Ganz einfach: Wir waren unglaublich lange auf Tour and haben ständig dasselbe Programm gespielt. Das war super-monoton und hatte nichts Kreatives. Doch kaum bist du wieder zu Hause, wird von dir erwartet, dass du neue Songs schreibst and ein Album aufnimmst. Das ist doch verrückt. Da spielst du an Orten, von denen du gar nicht wusstest, dass sie existieren, and singst für ein Publikum, das kein Englisch spricht. Eben ein wahnsinniges Erlebnis, und das zu verarbeiten dauert seine Zeit. Wir wussten zunächst gar nicht, worüber wir eigentlich schreiben sollten, ganz zu schweigen, in welchem Stil. Zumal wir uns nicht wiederholen wollten. Insofern haben wir ziemlich lange gebraucht, um ein neues Konzept zu entwickeln. Wir waren völlig außer Form and hatten keinerlei Selbstvertrauen. Weißt du, auf Tour bist du eine ganz andere Person - eine menschliche Jukebox.
Und wegen dieses Formtiefs habt ihr Unmengen von Produzenten verschlissen - von Michael Beinhorn über Jerry Harrison bis hin zu Glenn Ballard? Es gab schon Probleme: Beinhorn hatte andere Verpflichtungen, und Harrison war nicht auf unserer Wellenlänge. Außerdem haben wir uns etwas verrannt. Wir wollten unbedingt etwas anderes machen and haben ganz vergessen, wer oder was wir sind. Weißt du, anfangs sollte die Platte noch radikaler ausfallen. Wir haben mit der neuesten Technik gearbeitet and viel am Computer gebastelt. Aber Glenn hat uns wieder auf den altmodischen Pfad gebracht and alles, was seltsam klang, rausgeschnitten. Zwischenzeitlich hatten wir über 30 Songs and wussten nicht, welche wir nehmen sollten - da kam er gerade recht. Er sagte uns, was gut and schlecht ist, und er hat uns wie Erwachsene behandelt.
Dabei heißt es doch immer, in einer Band zu spielen, sei die beste Entschuldigung, nie erwachsen werden zu müssen. Das ist richtig. Aber irgendwann wächst du eben aus einer Sache raus. Und das war das Ziel der Platte - dass wir uns woanders hinbewegen und als Songwriter verbessern. Wir wollten nicht noch ein "Tragic Kingdom" aufnehmen, sondern etwas schreiben, das eine Entwicklung and ein Wachstum darstellt.
Also weniger Ska und New Wave, dafür aber mehr Pop? Ich hoffe schon. Es ist nicht so, als hätten wir aufgehört zu experimentieren, aber wir fühlen uns mit dem, was wir momentan machen, sehr wohl. Für "Tragic Kingdom" mussten wir auf Sachen zurückgreifen, die bis zu fünf Jahre alt waren. Jedes Mal, wenn wir ein bisschen Geld hatten, sind wir ins Studio gegangen. So zwischen Schule and Jobs. Diesmal haben wir zwei Jahre nichts anderes gemacht, als an einem Album zu arbeiten. Und deswegen klingt es auch anders.
Was hat es mit dem Titel "Return Of Saturn" auf sich? Wir wollten einen Namen, der die Stimmung der letzten Jahre reflektiert. Nicht, dass ich mich für Astrologie interessiere, aber ich habe das Gefühl, als hätten wir eine Zwischenphase durchlaufen, in der wir reifer geworden sind. Insofern passt die Saturn-Theorie natürlich bestens: Sie besagt, dass der Planet 29 Jahre braucht, um die Sonne zu umkreisen, und du vom Moment deiner Geburt bis zu seiner Rückkehr alles in Frage stellst - eben die Zeit des Erwachsenwerdens and Austobens. Genau das ist es, was ich gefühlt habe - nämlich, dass ich mich stark verändere, ruhiger and ausgeglichener werde. Und das hat sich in den Texten niedergeschlagen. Ich schätze, jetzt sind wir richtig professionell.
"Don't Speak" würdest du heute nicht mehr schreiben? Nein, jedenfalls nicht so offensichtlich. Wir waren damals unglaublich naiv and dachten gar nicht daran, dass er so ein großes Publikum erreichen würde. Die neuen Sachen drehen sich zwar auch um Beziehungen, sind aber etwas tiefgründiger. Obwohl: Wenn es ums Texten geht, bin ich noch ein ziemlicher Amateur. Ich schreibe über Sachen die mich beschäftigen und die ich auf diese Weise verarbeite. Das ist schon fast therapeutisch. Ich erzähle, was mit mir passiert, was mich beschäftigt and bewegt. Und wenn du seit vier Jahren eine Beziehung zu jemanden unterhältst, der auf einem anderen Kontinent lebt, ist das eine sehr gute Inspirationsquelle. Worüber sollte ich auch schreiben, wenn nicht über meine Erfahrungen als Frau? Wenn du in einer Band steckst, saugt dich das völlig auf, da bleibt allenfalls Platz für eine lockere Beziehung, aber auch nicht mehr.
Warum hast du mit "Ex-Girlfriend" eine weitere Trennungs-Hymne verfasst? Schließlich bist du noch mit dem Bush-Sänger Gavin Rossdale liiert... Als der Song entstand, waren wir gerade auseinander, and ich war ziemlich fertig. Kannst du dir vorstellen, wie schwierig es ist, mit dem Sänger einer anderen Band zusammen zu sein? Da gibt es so viele Personen, die zwischen einem stehen, dir Steine in den Weg werfen und Intrigen spinnen. Zudem leben wir in zwei verschiedenen Welten und sind unglaublich beschäftigt. Das ist wie in der Schule - du trennst dich, bist wieder zusammen, gehst im Streit auseinander und so weiter. Es wird nie langweilig - und darüber muss ich einfach schreiben.
Wenn man Songs wie "Simple Kind Of Life" glauben darf, sehnst du dich nach Familie und Kindern. Ein Klischee? Nein, das meine ich ernst. Es ist diese romantische Vorstellung, die jeder von uns hat: Nämlich zu einem gewissen Zeitpunkt seines Lebens dies oder das erreicht zu haben. Als Teenager träumst du davon, zu heiraten and Kinder zu kriegen. Du willst diese sexy Ehefrau sein, die in der Küche steht und ihrem Mann ein tolles Essen zubereitet. Daran habe ich mein ganzes Leben gedacht, and irgendwann werde ich das realisieren. Ja, ich will Mutter werden.
Wie passt das zu deinem Image als glamouröser Rockstar? Schwer zu sagen. Schließlich gibt es nichts Schöneres, als auf der Bühne zu stehen and auf ein Meer aus vielen kleinen Gwens zu schauen. Wo ich auch bin, ich sehe mich überall in tausendfacher Ausfertigung. Mädchen, die mich nachahmen, was ihnen aber nicht gelingt. Sie sind immer nur die alte Gwen. Ich versuche, mich ständig zu verändern. Ich möchte unberechenbar sein, die Leute überraschen. Abgesehen davon, ist es für mich ein Riesenspaß. Ich bin ein einfaches Mädchen aus Orange County, aber wenn ich mir schrille Klamotten anziehe, bin ich plötzlich diese Glamour-Queen.

Artikel aus 2000.05 King Magazin
Was lange währt...
Daß Geduld eine Tugend ist, die sich auszahlen kann, davon können No Doubt gleich mehrere Liedchen singen, verbrachten sie doch den Großteil ihrer Karriere als unbedeutende Lokalmatadoren von Anaheim in Orange County, jener totgesiedelten Wohlstandswüste südlich von Los Angeles.
Jahr um Jahr tingelten sie durch die kleinen Clubs der Region and nahmen gerade mal zwei - völlig ignorierte - Alben auf. Der Legende nach weigerte sich ihr Label sogar, das zweite davon zu veröffentlichen, so dass Gwen Stefani und Kumpane ihr eigenes Werk bootleggen mussten, um es privat an den Mann zu bringen. So kann es nicht verwundern, dass No Doubt kurz davor standen, alles hinzuschmeißen and sich anständige Jobs zu suchen.
Gwen Stefani und sonst niemand
Doch dann kam das Album "Tragic Kingdom". 1995 veröffentlicht, eroberte es mit "Just A Girl", "Spiderwebs" und dem ewigen Sommer-Schunkel-Hit "Don't Speak" in den folgenden zwei Jahren die Welt. Es war natürlich eine willkommene Abwechslung, plötzlich einen zweistelligen Millionenbetrag an Platten abzusetzen, doch das Ausmaß der Begleiterscheinungen überforderte das Quartett. Aufgrund der gescheiterten Beziehung Gwen Stefanis mit Tony Kanal, seines Zeichens Bassist der Band, waren die Spannungen innerhalb der Truppe ohnehin schon immens, doch mit dem plötzlichen Erfolg ergab sich eine weiteres Problem, das der Bandharmonie schwer zusetzte: Gwen, die markante Frontfrau mit der penetranten Stimme and der unvergleichlichen Bühnenpower, war das einzige Mitglied, an dem die Presse Interesse bekundete. Zeitschriften wollten nur sie auf dem Cover, sie im Interview, sie an allen Ecken and Enden. Der Rest der Band hatte daran schwer zu knabbern: Einerseits war man mehr als nur austauschbare Staffage für Gwens One-Woman-Show, andererseits lernte man zu schätzen, dass sie überall erkannt wurde, während sich die anderen völlig unbehelligt in der Öffentlichkeit aufhalten konnten. Gwen hingegen wurde zu einem Vorbild hochstilisiert, und Millionen sich verstanden fühlender Teenagerinnen taten es ihr nach: Auffälliges Make-up and schrille Klamotten wurden von Tokyo bis Toronto zu Markte getragen, and plötzlich war Ska-Punk-Rock ganz toll. So hatten sich No Doubt ihren Aufstieg in den Rock-Olymp wohl nicht vorgestellt.
Erfolgsdruck Ade
Der Beliebigkeit and vor allem der Unwiederholbarkeit solch gigantischen Erfolges ist sich das Quartett jedoch bewusst, and so war es gar nicht so schwer, den Erfolgsdruck angesichts der Aufnahmen zum Nachfolger von "Tragic Kingdom" abzuschütteln. Mit Starproduzent Glenn Ballard an Bord (er führte Regie auf Alanis Morissettes Ultraseller "Jagged Little Pill") nisteten sie sich in einem Haus in den Hollywood Hills ein and machten sich keinen Stress. Schließlich gab es keinen Termindruck oder sonstige Verpflichtungen zu berücksichtigen. Jetzt, über vier Jahre nach "Tragic Kingdom", bekommt man endlich zu hören, dass diese lange Pause nicht mit Faulenzen verbracht wurde. "The Return Of Saturn" heißt das Resultat, und das nicht nur, um auf den Sci-Fi-Hype aufzuspringen. Wie sich das für ordentliche Kalifornier gehört, steckt natürlich eine tiefere Message dahinter, nämlich die Transzendenz kosmischer Zyklen. Oder so. Gwen ist 30, ein Saturnjahr dauert 29 Jahre, und sowie der Saturn einen Zyklus vollendet hat and einen neuen beginnt, blickt auch sie auf die Vergangenheit zurück and in die Zukunft hinein. Neben solch esoterisch angehauchten Ergüssen hat "Saturn" aber vor allem handfeste Musik zubieten. Am Grundrezept hat sich dabei nichts geändert. Brillant aufgedrehte Wirbelwind-Stücke, ein wenig Reggae-Inspiriertes and dazu die unvermeidlichen Schmachtballaden. So abgedroschen das klingen mag, es funktioniert. "Six Feet Under" and die Single "Ex Girlfriend" sind Musterbeispieie der ersten Kategorie, "Marry Me" solche der zweiten, and "Too Late" ist der legitime Nachfolger des Hits "Don't Speak". Eine weitere Perle des 10.000-Kalorien-Pop ist "Suspension Without Suspense" und "New" ist eine sympathische Verbindung von innovativem Neo-Pop mit der Titelmelodie der seligen "Munsters".
Neue Tratschgeschichten?
Ob diese Mischung ein zweites Mal so zünden wird wie damals, mag bezweifelt werden, und No Doubt selbst haben wohl nichts dagegen, wenn der Rummel diesmal etwas weniger aufdringlich ausfällt, aber neben all dem Image-Trara and dem Tratsch um Gwens jetzige and einstige Lebensgefährten sollte nicht vergessen werden, dass hier auch eine gehörige Portion musikalischer Substanz vorhanden ist, die sick aus überstylten Videos nicht unbedingt erschließen lässt. Es wäre sehr schade, wenn dieses quirlige Ouartett am "Flavor of the Day"-Stigma scheiterte. Man darf also gespannt abwarten, wie viele der 15 Millionen Käufer von »Tragic Kingdom« nur Trendsurfer waren.

Artikel aus 2000.05 Gitarre & Bass
Das Große Erwachen
Zehn Jahre lang waren No Doubt eine kleine Ska-Band, die durch kalifornische Clubs tingelte und vom großen Erfolg träumte. Doch als der dann einsetzte, wurde aus Spaß Ernst und aus Glück Stress. Nach "Tragic Kingdom" und einer zweijährigen Welttournee, waren die Vier so ausgebrannt, dass ans Schreiben neuer Stücke gar nicht zu denken war. Wie sie es letztendlich doch zu "Return of Saturn" schafften, erfuhr Gitarre & Bass in Los Angeles.
Die Erleichterung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Relaxt and zufrieden mit sich und der Welt, sitzen Bassist Tony Kanal and Sängerin Gwen Stefani auf einer gemütlichen Couch im mondänen Mondrian Hotel and sprechen über ein Album, das sich als echte Zerreißprobe erwies: "Return Of Saturn". Daran haben die Vier fast zwei Jahre gebastelt - mit Star-Produzenten, modernster Technik und in exquisiten Studios. Eine richtig teure Angelegenheit und eine, an der sie fast gescheitert wären. Nicht, weil No Doubt keine guten Musiker sind, sondern sie ganz einfach völlig fertig waren. "Eine komische Situation", resümiert Gwen. "Da bist du zweieinhalb Jahre auf Tour, spielst jeden Abend dasselbe Set and mutierst zu einer Art Jukebox. Kaum ist das endlich vorbei, heißt es auch schon: So, jetzt müsst ihr wieder kreativ sein and neue Songs schreiben! Wie soll das funktionieren? Wenn du so lange nur reproduziert hast, bist du völlig ausgebrannt. Wir waren so leer, dass wir gar nicht wussten, worüber wir hätten schreiben sollen, geschweige denn in welchem Stil." Außerdem haben sie bei der Wahl ihrer Studio-Crew wenig Fingerspitzengefühl bewiesen. Denn Produzent Michael Beinhorn (Soundgarden, Hole, Soul Asylum) haben schon ganz andere verflucht. Zum Beispiel Labelmate Chris Cornell, der sich einem egomanen Perfektionisten gegenüber sah und auch No Doubt haben mit ihren spaßbetonten Songs keinen wirklichen Spaß gehabt. Doch darüber wollen sie nicht reden. Genauso wenig, wie über die unerquicklichen Sessions mit Matthew Wilder (Produzent ihres letzten Albums "Tragic Kingdom") and Ex-Talking Head Jerry Harrison, von denen nur die Songs "New" and "Big Distraction" übrigblieben. Letztlich hing alles an Altmeister Glen Ballard and solchen Hightech Tüftlern wie Alain Johannes (ProTools-Spezialist) oder Jack Joseph Puig (Produzent der Butthole Surfers). Ansonsten hätten No Doubt dieses neue Album wohl niemals komplettiert. Das Problem war, dass wir nicht wussten, was wir wollten. Anfangs haben wir noch mit Computern and Sequenzern gearbeitet, aber das klang einfach komisch. Dann haben wir uns hingesetzt, and es mit akustischen Instrumenten versucht. Das dauerte zwar ewig, hat uns aber wirklich weitergebracht." Glen Ballard, der schon Michael Jackson and Aerosmith betreute, hatte dann auch vor allem eine Aufgabe: Die Vier zum konstruktiven Arbeiten zu zwingen, die Autoritätsperson raushängen zu lassen and aktiv am Songwriting mitzuwirken. Aber natürlich liegt es in der Mentalität des Künstlers, selbst die größten Probleme schön zu reden. Und darin sind No Doubt Profis. Sie wissen, dass sie kein zweites Hit-Album wie "Tragic Kingdom" abgeliefert haben - and das war auch gar nicht ihre Absicht. Statt den Schwerpunkt auf Ohrwürmer wie "Just A Girl" oder "Don't Speak" zu setzen, wollten sie ein kompaktes, einheitliches Werk schaffen. Denn trotz des geradezu traumatischen Erfolgs von 15 Millionen verkaufter CDs (die Hälfte davon in den USA), war der 95er Platin-Seller kein gutes Album, sondern eher eine Ansammlung von Hits. Und die hat sich erst verkauft, nachdem die geniale Herzschmerz-Ballade "Don't Speak" aus allen Lautsprechern der Welt blubberte. No Doubt wissen das selbst am besten. Schließlich war "Tragic Kingdom" für sie ja auch eine Übergangs-Platte, die nie so groß hätte werden dürfen. Denn nach dem Ausstieg von Gwens Bruder Eric, war die Band ihres Songwriters beraubt, die Musiker wagten zaghafte, erste Eigenversuche und endeten mit einer diffusen Mischung aus Ska, Pop and New Wave - alles wild miteinander verquirlt, oftmals zerfahren, aber doch super-erfolgreich. Glück gehabt! Diesmal wollten sie es freilich anders machen und einen roten Faden in die Sache bringen - zum Beispiel, indem sie auf einen einheitlichen Sound zurückgreifen und sich auf die Höhepunkte des Vorgängers verlassen: melodramatische Pop-Songs, Balladen and ein bisschen New Wave. Nett gemixt, aber weniger spektakulär, als clever kalkuliert. Ein Mainstream-Album, das ja nicht am Geschmack der breiten Masse vorbeischießen darf - und sei es nur, um noch einmal an frühere Erfolge anzuknüpfen. Bei soviel Styling and Kalkül, muss sich die Band denn auch berechtigte Vorwürfe ob mangelnder Ecken and Kanten gefallen lassen. Doch Gwen wehrt ab: "Ich würde eher sagen, wir haben unsere Identität gefunden. In der Vergangenheit konnten wir uns nie entscheiden, in welche Richtung wir nun gehen sollten. Wir haben immer viel experimentiert and hatten dann das Problem, all diese unterschiedlichen Dinge auf einem Album zu platzieren. Das hat sich inzwischen gelegt. Durch die langen Tourneen haben wir gelernt, womit wir uns am wohlsten fühlen. Und das sind eher die poppigen, als die schnellen Songs." Was für die Musik gilt, das passt auch auf die Texte - vielleicht die offenkundigste Schwachstelle des Albums. Berechenbar, durchsichtig and plan, dreht sich alles um unglückliche Liebschaften, den eigenen Ruhm sowie den Wunsch nach Familie und Kindern. Keine Spur von kritischen oder gar politischen Tönen, sondern Triviales aus dem Alltag eines Superstars, der so sehr auf sich und seine Problemchen fixiert ist, dass er nichts anderes mitkriegt. Das mag harsch klingen, and genau so ist es auch gemeint. Denn wer wie Gwen ernsthaft über Mode, Make-up samt Badewasser singt, im nächsten Moment das Leben als Hausfrau ("Simple Kind Of Life") glorifiziert und seine Beziehungskrisen verwurstet, der ist schlichtweg egozentrisch. (Interessant ist in diesem Zusammenhang Paul Welters Statement zu diesem Thema; s. Interview in nächster Ausgabe! D. Red.) Doch mit dieser Masche lässt sich eben Geld verdienen. Und was bei "Don't Speak" funktionierte, das klappt auch bei "Ex-Girlfriend", in dem sie ihren Dauerstress mit Boyfriend and Bush-Sänger Gavin Rossdale aufarbeitet. Dasselbe Schicksal, das zuvor schon Bassist Tony Kanal erleiden musste, der pikanterweise diesmal die zweite Hauptrolle im zugehörigen Video spielt: Privatangelegenheiten werden zu Songs verarbeitet - und das hat Gwen inzwischen perfektioniert. "Ich bin nun einmal ein sehr ehrlicher Mensch, und das mögen die Leute an mir. Ich verstecke mich nicht hinter irgendeiner Fassade, sondern nenne die Dinge beim Namen and schildere sie so, wie sie sind - auch wenn sich einige auf den Schlips getreten fühlen." Und Gwen meint die netten Seitenhiebe wirklich ernst. Genau wie den Wunsch, irgendwann nur noch Windeln zu wechseln and ihren Gatten zu bekochen. "Momentan gibt es für mich nur die Band, aber ich denke schon an eine Familie. Das ist etwas, worauf ich nicht verzichten möchte", so die 30-Jährige, ohne mit der Wimper zu zucken. Auch ihr affektierter Manager betont immer wieder, wie normal and bodenständig sie doch sei. Dass sie das nicht ist, verdeutlicht allein ihr schrilles Outfit. Zum Interview erscheint sie mit pinken Haaren zu pinken Fingernägeln und pinkem Top - die pure Extravaganz. Gwen macht aus ihrem Mode-Fetisch keinen Hehl - es gehört für sie vielmehr zum Geschäft. "Es mag lächerlich klingen, aber ohne auffällige Klamotten fühle ich mich nicht wohl. Für mich ist das Teil meiner Selbstverwirklichung und hat auch mit Rebellion und diesem bewussten Abgrenzen zu tun. So halte ich es schon seit der Highschool." Und dass sie ein Star ist, der um die Welt jettet, Autogramme gibt und in die Kameras lächelt, daran hat sie sich doch ziemlich gewöhnt. Mehr noch: Sie versteht sich sogar als leuchtendes Vorbild für die globale Jugend - und sei es nur in Modefragen. "Es gibt nichts inspirierenderes, als auf einer Bühne zu stehen und viele kleine Gwens zu sehen. Ich finde es toll, dass sie mich imitieren, was ihnen aber nie gelingt, da ich mir immer etwas Neues einfallen lasse. Sie verkörpern immer nur die alte Gwen, so sehr sie sich auch bemühen." Bei so viel Sendungsbewusstsein haben es ihre männlichen Mistreiter schwer. Ihre musikalischen Fähigkeiten werden von Gwens Starallüren vollständig absorbiert. So halten sie sich nicht nur auf der Bühne brav im Hintergrund, sondern mittlerweile auch bei Foto-Sessions and Interview-Terminen. Für den esoterischen Album-Titel haben sie allerdings nur ein müdes Lächeln übrig - genau wie für Gwens Herschmerz-Dramen. Doch statt Stellung zu beziehen und Gwen vielleicht doch eine Solo-Karriere anzuraten, machen Tony Kanal (b), Tom Dumont (g) and Adrian Young (dr) gute Miene zum bösen Spiel. Nur einmal lassen sie sich so richtig gehen: Bei ,Staring Problem', einer fetzigen 80s Hommage an Devo, Blondie oder The Cure. "Das war eine unglaublich kreative Zeit mit vielen neuen Sounds", schwärmt Tony. "Nimm nur all diese Keyboards and Synthesizer, die damals entwickelt wurden. Das war wirklich innovativ. Leider erinnern sich die Leute nur noch an die komischen Frisuren and haben die Musik fast völlig verdrängt. Dagegen waren die 90er einfach schrecklich. Es ist noch nie soviel geklaut und recyclt worden. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja wirklich kein Neuland mehr zu entdecken", sinniert Tony. Seine Band Kollegen nicken zustimmend and verfallen in nostalgische Erinnerungen - an ihre bewegte Jugend und die glücklichen Tage als kleine Ska-Band in Orange County, im Süden von Los Angeles. Zwar ohne Geld, aber voller Ideale und unbändiger Lebenslust. Heute haben sie zwar jede Menge Geld, aber kaum noch Ideale, geschweige denn Lebenslust. Der Erfolg als großer Killer - Hauptsache, es ist alles schön pink.

Artikel aus 2000.04 Visions
03.03.00 - Hamburg, Kampnagel
(650 Besucher - ausverkauft)
'T-A-S-T-Y' stand in großen Lettern auf Gwen Stefanis hautengem Tanktop, und genau das war auch der Auftritt von No Doubt, mehr als 5 Wochen vor Veröffentlichung ihres dritten Albums "The Return Of Saturn" [kleine Anmerkung am Rande, es ist das vierte Album und es heißt "Return of Saturn"]. Mit nur 65 Minuten geriet die Angelegenheit vielleicht etwas kurz, aber dafür kam bei nur einer von zwei europäischen Shows wenigstens keine Sekunde Langeweile auf. An diesem Umstand entscheidend beteiligt waren die beiden Gastmusiker an Posaune und Trompete bzw. Keyboards und Bongos, die Gwen als Steven Gabriels und Gabriel Stevens vorstellte. Die Jungs entpuppten sich schon während der ersten Minuten als wahre Stimmungskanonen und legten zwischen ihren Einsätzen gewagte Tanzeinlagen mit halsbrecherischen Schrittkombinationen hin. Gwen und der quirlige Bassist Tony Kanal waren ebenso pausenlos in Bewegung, während Gitarrist Tom Dumont gewöhnlich stoisch am linken Bühnenrand stand, um seine Parts beizusteuern. Neben Highlights von "Tragic Kingdom" gab es viele brandneue Nummern zu hören, an denen die Kalifornier immerhin zwei ganze Jahre getüftelt haben, bevor sie der Meinung waren sie der Öffentlichkeit präsentieren zu können: Der Opener "New", "Magic's In The Makeup" (mit viel Blech-Einsatz), das beschwingte "Bathwater", das aggressive "Staring Problem" sowie die aktuelle Single "Ex-Girlfriend" kamen bei den vom neuen Material noch fast gänzlich unbeleckten Fans allerdings genauso gut an wie z.B. die Hits "Just A Girl" und "Spiderwebs". Gwen und ihre Jungs freuten sich zurecht und dürften dem Release des Nachfolgers eines weltweit über 12 Millionen mal verkauften Vorgänger beruhigt entgegensehen... Das Premierenpublikum hüpfte und tanzte ausgelassen, es wurde fleißig und begeistert mitgesungen, und beim unvermeidlichen "Don't Speak" lagen sich schließlich fast alle Anwesenden in den Armen. Ein wirklich netter Abend, auch wenn der eine oder andere Track vom Debütalbum noch gern hätte eingeschoben werden können. Aber das wird hoffentlich im Sommer bei der richtigen Tournee nachgeholt werden.

Artikel aus 2000.04 Visions
Bleibt alles andersObwohl der Bandname das Gegenteil suggeriert, haben No Doubt in den letzten Jahren bandintern einige Schwierigkeiten durchmachen müssen. Wie sich diese Erfahrungen auf das neue Album "Return Of Saturn" ausgewirkt haben, erzählen Gwen Stefani (vocals) und Tony Kanal (bass), Visions hat die beiden getrennt voneinander befragt.No Doubt haben eine bewegte Geschichte hinter sich, keine Frage. Die Band existiert eigentlich schon seit 1987. Doch erst nach zwei Flops "No Doubt" (1992) und "The Beacon Street Collection" (1995) und diversen persönlichen Tragödien kommt mit "Tragic Kingdom", das Ende 1995 erschien, der große Durchbruch. Speziell die Smash-Single "Don't Speak" trifft den herrschenden Zeitgeist und transportiert das kalifornische Ska- Pop-Quartett 1997 weltweit in die obersten Chartränge. Sängerin Gwen Stefani wird durch ihre Mischung aus extrovertiertem Girlie und kaltem Vamp zum Aushängeschild von No Doubt. Danach folgte Funkstille, zumindest auf dem musikalischen Sektor. Bis auf einige wenige Projekte, auf die später noch eingegangen wird, ließen sich die Vier viel Zeit. Fast zwei Jahre brauchte man, um den nun erscheinenden Longplayer fertigzustellen. Kein Wunder also, dass die Band mehr als froh ist, endlich über "Return Of Saturn" reden zu können. Gwen Stefani nimmt man die Erleichterung voll ab; sie ist aufgeregt, klar, sind es doch die ersten Interviews nach Beendigung der langwierigen Aufnahmen. Deshalb ist es auch nicht wirklich nötig, das Interview in eine bestimmte Richtung zu lenken; Gwen weiß um die offensichtlichen Fragen, die ihr gestellt werden. Gute Gründe habe es gegeben, warum man sich so lange Zeit genommen habe, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln: "Ich weiß auch nicht, wo die Zeit geblieben ist. Aber wir haben wirklich so lange gearbeitet." - Was wie eine Entschuldigung klingt, liegt vielmehr in der Natur der Sache: No Doubt als Band funktioniert nur aufgrund der verschiedenen Charaktere innerhalb des Gefüges. Alle Musiker (neben Gwen und Tony noch Gitarrist Tom Dumont und Drummer Adrian Young) haben musikalisch völlig unterschiedliche Hintergründe; ein Grund, warum das Wortspiel 'No Doubt - No Categories' in jedem Fall den Kern trifft. Und deshalb habe die Band in den mehr als zehn Jahren ihres Bestehens erst vier Alben zustande gebracht. Gwen zuckt mit den Schultern. "So ist das nun mal bei uns." Es sei hart für sie, Songs zu schreiben. über zwei Jahre auf Tour, das sei kein Zuckerschlecken. So sehr Touren zum Geschäft gehöre, es sei nun einmal "eine sehr unkreative Sache, a crazy life", meint sie. Ständig spiele man dieselben Songs, ohne wirklich Zeit zu haben, sich auf etwas Neues zu konzentrieren. Auf Tour fühle sie sich nicht als Person, seufzt die mittlerweile pinkgefärbte Sängerin, man habe zu funktionieren. Und Privatleben? Genau das sei das Problem nickt sie. "Du kommst nach zweieinhalb Jahren nach Hause und musst dich völlig neu organisieren. Erst danach konnten wir uns zusammen setzen und überlegen, wie wir die nächste Platte angehen. Oder besser gesagt: Ob wir das überhaupt noch hinbekommen." Die erste Übereinkunft sei gewesen, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und alles ruhig anzugehen. "Wir haben unseren Erfolg schon gehabt. Eigentlich brauchen wir das ganze nicht mehr." Was arrogant klingt macht Sinn, wenn man den Hintergrund kennt: Alle Mitglieder haben - abgesehen natürlich von den Einnahmen des Megasellers "Tragic Kingdom" (weltweit über 15 Millionen verkaufte Alben) - von Haus aus keine Zukunftsängste zu befürchten. Einher mit diesem Sicherheitsgefühl im Rücken geht eine für amerikanische Verhältnisse relativ hohe Schulausbildung; ein Grund warum selbst der Manager der Band ständig davon schwärmt, wie - Achtung, Fachjargon! - "easy diese Band zu händeln" sei. Also man habe anderen - wer immer das auch sein mag - nichts mehr zu beweisen, bei dieser Scheibe wäre es darauf angekommen, "die bestmögliche zu machen". Wieder eine Platitüde, die aus "In 80 Phrasen um die Welt" stammen könnte, aber in diesem Fall durchaus passend. Denn No Doubt stehen für eine Musik, die mittlerweile absolut zum Mainstream gehört. Ein bisschen Ska, ein bisschen Pop, ein paar Bratgitarren - alles Zutaten einer Mixtur, die niemandem weh tut und gute Laune verbreiten soll. Und die liegt den Kaliforniern nun mal im Blut. Dieses Grundgefühl rüberzubringen, sei enorm schwierig, meint Gwen und verweist ausserdem auf die Tatsache, dass es ihr wichtiger sei, als Band zu wachsen und "ein gutes Gefühl" dabei zu haben, als einen Schnellschuss zu produzieren. "Qualität statt Quantität" sei das Nonplusultra. Deswegen wurde "Ex-Girlfriend", die erste Single des Albums, erst in letzter Minute geschrieben, als die Band eigentlich schon beim Mastern saß. "Wir waren noch nicht wirklich zufrieden, irgendwas schien zu fehlen, da kam Tom mit dem Grundgerüst an. Zu der Zeit hatte ich gerade das letzt Tricky-Album gehört und wollte unbedingt so etwas machen. Es hat geklappt wie ich finde."Dazu muss man auch noch wissen, dass No Doubt ihre Songs normalerweise auf dem traditionellen Weg (Akustikgitarre und Gesang) schreiben. In diesem Fall war es nicht so, aber trotzdem erkennt man nach den ersten Takten, um welche Band es sich handelt. Bleibt alles anders, irgendwie. Natürlich wäre es vermessen, der Band vorzuwerfen, sie habe gerade mit der Wahl ihres Produzenten (Glen Ballard, u.a. Alanis Morissette) die sichere Schiene gefahren, aber letztendlich zählt das, was am Ende dabei heraus kommt. Mehr wäre auch nicht gegangen, sagt sie, speziell was die Texte angeht, hätte sie alles gesagt, was zu sagen war. "Ich fühlte mich nach diesem letzten Text leer, ausgebrannt. Jedesmal, wenn ich einen Text schreibe, der auch immer einen bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben reflektiert, erlebe ich die Geschichte noch einmal. Das ist hart." Sie habe lange damit kämpfen müssen, ihre Rolle als Texterin zu finden. Aber nach all den Erfahrungen der letzten Jahre fühle sie sich - auch durch die vielen Bücher, die sie gelesen habe - einigermaßen sicher. Ihre Texte seien nun mal immer persönlich, von daher könne sie nicht behaupten, dieses sei ihre "persönlichste Platte", die Themen und deren Schwerpunkte würden sich halt mit zunehmendem Alter verschieben. "Ich will mich ständig verbessern, Texte schreiben, die Sinn machen und wiedergeben, wie ich denke, was ich fühle." Joni Mitchel sei z.B. eine Songwriterin, die sie absolut respektiere. "Es gibt nur wenige Künstlerinnen, die genau das ausdrücken, was ich fühle." Und schlägt nun geschickt und ganz Interviewprofi den Bogen zum aktuellen Bezug. Der Titel "Return Of Saturn" stehe z.B. für eine Phase in ihrem Leben, die sie so noch nicht erlebt habe. "Ich war eigentlich immer das typische "Happy Go Lucky"-Mädchen aus Südkalifornien. Dann kam ich von der Tour zurück, musste mich an das normale Leben gewöhnen und fiel plötzlich in eine tiefe Depression." Eine völlig neue Erfahrung, die in der Frage "Wer bin ich?" gipfelte. Und auch wohl absolut normal ist für Leute um die 30. Ihr Freund Gavin (Rossdale, Bush-Sänger), habe sie davor gewarnt und ihr versucht zu helfen. Aus den Gesprächen mit Gavin stammt auch der Albumtitel. Sie sei froh, dass es für ihren damaligen Zustand einen Ausdruck gebe, der alles auf den Punkt bringt. Außerdem half ihr viel Literatur zum Thema - es handelt sich hier um eine Theorie, nach der sich in jedem Leben eines Menschen alle 29 Jahre, so lange braucht der Planet Saturn, um die Sonne zu umrunden, drastische Veränderungen einstellen. Diese Phase, durch die alle Bandmitglieder mehr oder weniger gegangen sind (alle vier sind zwischen 1968 und 1970 geboren), hätte auch zum Split der Band fuhren können. Hätten wir keine guten Songs mehr in petto gehabt, wäre es zwar traurig, aber okay gewesen. Wir hatten unsere '15 minuies of fame', waren für eine Zeitlang eine große Popband." Aber die neuen Stücke seien so gut gewesen, dass sie diese Platte machen mussten. Abgesehen von den Schwierigkeiten mit diversen Produzenten (u.a. Matthew Wilder und Michael Beinhorn) hätten auch "kleinere Egotrips" die Arbeit zu Beginn etwas verzögert. Aber am Ende des Tages sei alles doch noch in die richtige Richtung gegangen. Mittlerweile sei Gwen davon überzeugt, dass sie ein gutes Album abgeliefert hätten. Was soll sie auch sonst sagen? Tatsächlich klingt "Return Of Saturn" erwachsen, vielleicht ein bisschen poliert, aber dennoch eine Platte, die der Aufgabenstellung absolut gerecht wird. Kreative Schwierigkeiten? Lösen sich manchmal von allein, wie das Beispiel "Simple Kind Of Life" zeigt: "Es war einer dieser Tage im Studio, an denen nichts klappt. Du sitzt herum, mitten in deiner PMS-Phase (prämenstruelles Syndrom - Anm. d. Verf.), du bist sehr emotional, und plötzlich war dieser Song fertig. Kein Ahnung, wie, aber es hat funktioniert." Gwen ist sehr stolz auf diese Leistung, auch wenn sie sie nicht erklären kann. Der Song sei textmäßig stellvertretend für das ganze Album zu sehen, obwohl sich viele andere Stücke auch auf das Thema "Kind und Familie", sprich "normales Leben" beziehen. "Das Leben, das ich mittlerweile führe, ist schwierig. Vor dem großen Erfolg drehte sich alles um Tony. Was kann ich tun, damit er mich noch mehr liebt? Ich glaubte, nur auf dieser Welt zu sein wegen Tony. Als ich erwachsener und die Band wichtiger wurde, veränderte sich alles. Ich erkannte, dass es andere Dinge gibt. Aber. Ich wollte schon immer Mutter werden, und eines Tages werde ich das auch sein... Diese Vorstellung macht mich glücklich und mir gleichzeitig auch ein bisschen Angst. Was ich sagen will. Wegen meines Jobs kommen andere, wichtige Dinge im Leben zu kurz. Und darüber zu schreiben ist ein Weg, meine Gefühle auszudrücken." Sie habe nicht viele Freundinnen, mit denen sie diese Ängste teilen könne; ihre jüngere Schwester Jill, mit deren vierjähriger Tochter sie zusammen wohnt, sei ein wichtiger Ansprechpartner. Außerhalb der Band habe sie nicht viele Freunde, weil die schon mit ihr zusammen spielten. Sie bewege sich in einem eigenen Kosmos, habe aber durch Gavin und seine europäische Mentalität über diesen Tellerrand schauen können. Dazu kamen auch andere Musiker, mit denen sie zusammen arbeitete, z.B. Brian Setzer, auf dessen letztem Album sie einen Song singen durfte "Darauf bin ich verdammt stolz, er war einer meiner Helden, als ich noch zur Highschool ging." Mit Gavin sei sie in dieser Hinsicht nicht so kreativ, lächelt sie verschmilzt obwohl sie auf dem letzten Bush-Album auf einem Song "Spacetravel" zu hören ist. No Doubt sei nun mal ihre Familie, daran könne auch er nichts ändern. Schichtwechsel. Mir gegenüber sitzt Tony Kanal, Gwens Ex-Freund, Bassist von No Doubt. Der Mann ist freundlich, um nicht zu sagen, sehr, sehr nett. Aber auch bestimmt. Was mit Sicherheit an den oben genannten Gründen liegt. Tony spricht gerne vom Business. Und dass die Band sich in ihre kreativen Entscheidungen noch nie habe hinein reden lassen. Speziell in der Entstehungsphase dieses Albums hätten sie, No Doubt, keinen Druck zugelassen. "Wir machen unsere Musik, die anderen machen ihren Job, so muss es sein." Kontrolle sei wichtig, gerade in diesen Zeiten. Als Job sehe er das Ganze, weil er es ernst nehme. Auf der letzten Tour seien Interviews manchmal wirklich Jobs gewesen, aber zu diesem Zeitpunkt, nach so langer Zeit im Studio, habe er verdammt viel Spaß. Er würde niemals einen anderen Job machen wollen. Außerdem habe er in Interviews die Möglichkeit, den Leuten mehr über diese Platte zu erzählen. "Ich finde es immer schade, wenn die Fans die Hintergründe nicht kennen und sich eine neue Scheibe anhören müssen, ohne zu wissen was dahinter steckt." Ähnlich wie Gwen nimmt Tony kein Blatt vor den Mund, dass es schwierig gewesen sei, "Return Of Saturn" zu schreiben und aufzunehmen. Man könne das Business nicht mehr einschätzen, es sei unberechenbar geworden, gerade was die in den Neunzigern aufgebrochenen Schubladen angehe. Klare Sache denn ohne die Umbrüche des letzten Jahrzehnts hätten auch No Doubt nicht diesen Erfolg gehabt. Aber ist es noch die richtige Zeit für die Band? Waren sie nur ein zufälliges One Hit-Wonder? Tony reagiert gelassen: "Wir wissen, dass diese Platte die bestmögliche ist, die wir machen konnten, jetzt liegt es an den Leuten. Ich habe aber keine Angst vor einem Flop." Aus besagten Gründen. Sie hatten den Erfolg, wissen wie er sich anfühlt, kennen aber auch die negativen Aspekte. Die Band war ausgebrannt nach der letzten Tour, es sammelten sich viele Eindrücke, die erst einmal verarbeitet werden mussten. "Wenn wir etwas machen, sei es touren oder Songs schreiben, konzentrieren wir uns darauf. Das war schon immer so. Anders funktioniert es nicht." No Doubt seien keine typische Rockband im klassischen "Party On"-Sinne, auch wenn die Musik dazu einladen würde. "Gerade hier in LA kannst du dich in diesem Party Sumpf ganz schnell verzetteln. Das wollen wir nicht." Stattdessen hat sich die Band in den letzten fünf Jahren immer mal für einzelne Projekte zusammengetan: diverse Soundtracks (u.a. "New" für den Film "Go", auch auf der neuen Scheibe zu finden, das Duett mit Elvis Costello auf dem Soundtrack zu "The Rugrats Movie" oder "Sailin' On", der Beitrag zum "MOM"-Sampler), aber auch Tribut-Alben (The Clash - "Burning London", wo sie "Hateful" coverten, das Vandals-Cover "Oi To The World" für "A Very Special Christmas 3") - die Liste ist lang. Auch Tony spricht von "dem richtigen Moment für eine Platte", sonst würden die Leute merken, dass die Motivation nicht ehrlich sei. "Wir machen das hier nicht, um noch mehr Geld zu scheffeln, diese Phase haben wir hinter uns. Versteh' mich nicht falsch, aber wir sind realistisch. Wenn wir wieder viel verkaufen - gut. Wenn nicht, kann man auch nichts mehr daran ändern." Ihr Beitrag zum Benefit-Sampler "A Very Special Christmas" sei sehr wichtig gewesen. Deshalb hat es mich auch nicht sonderlich gewundert, dass die Band den Gewinn ihrer kommende US-Tour wohltätigen Organisationen spenden wird. Es passt ins Bild. Ins Bild einer modernen, aufgeklärten Band, die zufällig das Glück gehabt hat, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein. Die aber genau weiß, dass das Ganze schnell wieder vorbei sein kann. Sicherlich könnten sie sich hinsetzen, keine Interviews mehr geben und auf ihre wirklich sehr informative Website ( www.nodoubt.com) verweisen. "Das wäre zu einfach", widerspricht Tony vehement. "Die Infos auf der Site sind zu statisch, wir sind doch Menschen, und unsere Gefühle und Ansichten ändern sich täglich. Ich ziehe ein lockeres Gespräch jedenfalls jeder anderen Situation vor."No Doubt - no categories. Ich hatte es eben schon mal erwähnt. Musikalisch zu Beginn der Neunziger ein großes Problem für die Band, Tony erinnert sich mit Grausen an die typischen A&R-Gespräche damals. "Wir wären zu diffus, hätten keine eigenständigen Sound, müssten an unserem Image arbeiten. Was soll das? Es geht auch anders. Heutzutage geben die Plattenfirmen den Bands keine Zeit mehr sich zu entwickeln." Damals hätten No Doubt im Seattle-Wahn keine Chanc gehabt ( "Ihr habt Spaß? Das kann nicht cool sein!"), aber mittlerweile hätten die Leute verstanden, dass man trotz 'Happy Go Lucky'-Mucke andere Inhalte rüberbringen kann. "Genau das macht uns aus. Ich denke, dass gerade die Texte beim letzten Album viele Menschen angesprochen haben. Vielleicht liegt es auch daran, dass Verfasserin und Sängerin ein und dieselbe Person sind." Gwen als Aushängeschild, zwar keine lkone aber immerhin eine Identifikationsfigur. Wer könnte mehr dazu sagen, als der Mann, der sieben Jahre an ihrer Seite lebte? "Mir macht es nichts aus, wenn sie in Interviews darüber spricht. Das gehört zu uns und unserer Band. Auch wenn sie durch ihre Beziehung zu Gavin in einem anderem Rampenlicht steht, hat es uns nicht geschadet. Wir sind eben Freunde." Ein Wort sei noch zu Madness gestattet. Klar, dass Tony auf deren letztes Live-Album besonders stolz ist. "Als sie uns während dieses Gigs dankten, standen wir im Publikum und waren regelrecht gerührt. Und dass die Ansage auf der Platte nicht rausgeschnitten wurde, ist natürlich noch besser."

Artikel aus 2000.04 Musikexpress Sounds
Street Worker
Jahrelang mussten sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Dann sang die ganze Welt ihren Hit Don't Speak. Und seither sind No Doubt nur noch on the road.
Gwen Stefani sitztmit seitwärts angewinkelten Beinen auf dem Sofa und lacht. Der Kunstfellbezug hat die gleiche Farbe wie ihre Haare: Rosa. Ein Bild, das sofort ins Auge sticht. Nicht zuletzt, weil der Rest der Einrichtung des Zimmers im "Mondrian", einem noblen Hotel in Hollywood, in schlichtem Weiß gehalten ist. Dazu trägt Gwen Stefani ein enges Top und eine ebenso knappe Hose. Vorbei die Zeiten als sie mit Trainingshosen und Girlie-Shirts rumlief? "Mittlerweile fühle ich mich auch in edleren Klamotten ganz wohl. Sogar vor hohen Absätzen habe ich keine Angst mehr" scherzt sie und deutet auf ihre Schuhe. Dazu hat sie ein dezentes Make-up aufgetragen, das die ersten Fältchen um Mund und Augen kaschieren soll. 30 ist sie unlängst geworden. Trotzdem haben sie Paparazzi vor kurzem mit einer Zahnspange erwischt. Das Magazin "People" nutzte das Foto, um gleich einen neuen Trend auszurufen. "So ein Blödsinn. Als ob jemand nur so zum Spaß Metall im Mund trägt. Ich habe mir die Spange einsetzen lassen um meine schiefen Zähne zu korrigieren", lacht Gwen Stefani und präsentiert ihr makelloses Gebiss. Sie kann rundum zufrieden sein. Und das nicht nur wegen ihren Zähnen. Das neue No Doubt-Album "Return of Saturn" ist - nach endlosen Aufnahmesessions - endlich fertig. Und zwei der neuen Tracks, "A Simple Kind Of Life" und "Suspension Without Suspense", stammen aus der Feder von Gwen. Ein wichtiger Schritt für sie, schließlich sind es die beiden ersten Songs, die sie überhaupt geschrieben hat. Angefangen hat sie als Background-Sängerin in der Band ihres Bruders. Eric Stefani gründet No Doubt Anfang 1987 zusammen mit John Spence. Von einer ernst zu nehmenden Band kann keine Rede sein. Die Idee entspringt einem Highschool-Spaß. Zusammen mit dem Bassisten Tony Kanal spielt man sich quer durch Kalifornien. Und hört dabei die gleiche Musik: Ska. Madness, The Specials, The Selecter heißen die Vorbilder des Quartetts, deren Songs bestimmen das Repertoire von No Doubt. Im Dezember'87 begeht Spence Selbstmord. Trotzdem macht man weiter. Mit Gwen als Sängerin. An die große Karriere glaubt niemand. Am wenigsten die Band. Gwen jobbt in einer Filiale der Eisdielen-Kette Dairy Queen. "Immer wenn der Filialleiter nach Hause ging, sind wir über das Eis hergefallen. Aber ich habe den Job gehasst. Ich bin dabei total fett geworden und die Putzerei war echte Sklavenarbeit. Ich musste die Tische und die Stühle mit einer Zahnbürste schrubben, um das klebrige Zeug wegzukriegen", erinnert sie sich. Als Gitarrist Tom Dumont und Schlagzeuger Adrian Young dazustoßen, komplettiert sich zwar das Line-up, doch No Doubt bleiben nur eine der zahllosen Garagen-Combos, die Ende der 80er im vom Ska-Fieber befallenen Kalifornien durch die Gegend lärmen. Trotzdem erspielen sie sich eine kleine Fangemeinde und ergattern einen Plattenvertrag bei Interscope. Das Debütalbum ("No Doubt") erscheint 1991 - und floppt. Die Plattenfirma dreht den Geldhahn wieder zu. "Wir waren damals so jung, Gwen 22, ich 21, und hatten keinen blassen Schimmer davon, wie man eine Platte aufnimmt. Wir waren das erste Mal in einem Studio, abgesehen von ein paar amateurhaften Demo-Aufnahmen. Trotzdem mag ich die Platte. Es mangelt ihr leider nur an einer klaren Richtung." So weit Tony Kanal, der an diesem Tag nach Gwen Stefani Rede und Antwort steht. Und wirklich, das Album ist durchaus hörenswert, eine knallige Wundertüte voller Gute-Laune-Songs. Viel Keyboard, viele Bläser, prima Partymusik. Im Nachhinein jedoch verständlich, dass die Scheibe im damaligen Klangspektrum völlig absäuft. Nirvana und Pearl Jam geben in diesen Tagen die Richtung vor. Doch No Doubt lassen sich nicht entmutigen, spielen im Vorprogramm der Red Hot Chili Peppers und gehen auf eigene Kosten wieder ins Studio. Diesmal lautet die Devise: Punk. Das Ergebnis: "The Beacon Street Collection" Diesmal greifen mehr Leute zu, es kommt genug Geld ins Haus, um noch eine Platte zu machen. Die Platte nämlich, die No Doubt in eine völlig neue Umlaufbahn schießen wird: "Tragic Kingdom". "Dabei hat uns die Plattenfirma nur halbherzig unterstützt. Wir mussten um Studiozeit betteln und für die Aufnahmen von Anaheim ins Zentrum von Los Angeles fahren. Wir haben genauso viele Stunden im Stau verbracht wie im Studio. Nebenbei mussten wir noch Geld mit Gelegeheitsjobs verdienen" erinnert sich Tony Kanal. Eric Stefani, der Mitgründer und bis dato wichtigste Songschreiber der Band, gibt während der Aufnahmen entnervt auf. Er arbeitet fortan als Zeichner für die Serie "The Simpsons" - wenige Monate bevor sich alles ändert. Mit "Just A Girl" und "Don't Speak" landen No Doubt zwei Volltreffer. "Es war, als ob wir den Jackpot geknackt hätten - nicht nur finanziell gesehen. Vorher hatten wir acht Jahre lang gekämpft, uns Gegör zu verschaffen, und dafür unzählige Konzerte gespielt. Der Erfolg blieb aber aus, aus welchen Gründen auch immer. Und dann plötzlich touren wir durch die ganze Welt, und werden überall von Fans empfangen, die unsere Songs auswendig kennen. Sowas ist einfach großartig", schwärmt Kanal. "Tragic Kingdom" hält sich über Monate in den Charts, verkauft weltweit mehr als 15 Millionen Stück. Gwen wird zur Sprecherin einer ganzen Generation von aufmüpfigen, selbstbewussten Girlies hochstilisiert. Wider Willen, denn "just A Girl" ist keineswegs ein feministisches Manifest, sondem so persönlich wie der Rest der Platte und erzählt eigentlich nur von Gwens gelegentlichen Ärgernissen: "Viele Menschen haben darin eine Kampfansage gesehen. Das war nicht meine Absicht", stellt Gwen Stefani klar. "Ideologisch sind wir wirklich nicht." Dafür oberflächlich. So urteilen zumindest viele Kritiker. Was Tony Kanal nicht nachvollziehen kann: "Wir haben alles erlebt, worüber wir singen. Und wir sind nun mal eine Popband. Ich liebe Pop. Leider ist für viele Pop automatisch oberflächlich. Irgendwann haben mich die schlechten Kritiken dann kalt gelassen. Wir haben jeden Abend vor Tausenden von Leuten gespielt und dabei sie und uns glücklich gemacht." Die "Tragic Kingdom"-Welttournee wird immer wieder verlängert, dauert schließlich mehr als zwei Jahre. "Dass die Tour so lang werden wurde, hätten wir nie gedacht. Aber weil wir so viel Spaß hatten und alle Termine ausverkauft waren, haben wir weiter gemacht." Am Ende der Tour ist die Band komplett ausgepowered, der Versuch, eine neue Platte einzuspielen, scheitert kläglich. "Im Juli 1998 sind wir zum ersten Mal ins Studio gegangen. Wir dachten, wir seien so weit. Als wir die Songs dann hörten, haben wir kalte Füße bekommen. Uns wurde klar, dass wir ziemlich weit entfernt von einer neuen Platte waren", erinnert sich Gwen. Die Band zieht sich zurück. In eine eigens für diesen Zweck angemietete Villa in den Hügeln Hollywoods. Eigener Pool, eigenes Studio, atemberaubender Blick über die Stadt. Immer wieder wird die Produktion verschoben. Irgendwann steht immerhin die Single "Ex-Girlfriend". "Nachdem wir das hinbekommen hatten, wurde uns klar, dass wir mehr drauf haben als das, was wir bis zu diesem Zeitpunkt zusammengebastelt hatten. Also haben wir den Termin mit unserem Produzenten Glen Ballard noch einmal verschoben. Um eine Woche. Tony und ich sind während dieser Woche von morgens bis abends mit der Gitarre dagesessen und haben Blut und Wasser geschwitzt. Und nichts auf die Reihe bekommen. Keinen einzigen Song. Die Woche war schon fast um, und wir hatten kein einziges neues Lied. Am letzten Abend sprang mich dann die Melodie von "A Simple Kind Of Life" an. Sie kam aus dem Nichts. Bis heute weiß ich nicht, wie dieser Song entstanden ist, aber plötzlich hatte ich ihn! Last minute, gerade noch hinbekommen. Songwriting ist uns wirklich harte Arbeit", gesteht Gwen, "schlimmer als Fitness-Training." "Schau' uns doch an. Wir spielen seit 13 Jahren zusammen und haben nur vier Platten herausgebracht. Das ist eine miese Bilanz", bekennt auch Tony Kanal. "Aber es ist uns wichtig unsere eigene Musik zu schreiben, egal was dabei rauskommt und wie lange es dauert." Jetzt ist "Return Of Saturn" fertig, am 11. April steht das Album in den Läden. War auf "Tragic Kingdom" noch die nach sieben Jahren gescheiterte Beziehung von Gwen zu Kollege Kanal das Hauptthema, so dreht sich "Return Of Saturn" mehr um die Selbstzweifel und Sinnfragen von Frau Stefani. Nachzuhören in Titeln wie "Marry Me", "Artificial Sweetener" und "A Simple Kind Of Life". "Ich bin in einem Vorort aufgewachsen und habe früher wie alle meine Freundinnen immer gedacht, dass ich mal heiraten und Kinder bekommen würde", sagt Gwen Stefani. "Jetzt bin ich 30, lebe in Tourbussen und stecke in einer Fernbeziehung mit einem Rockstar (Bush Sänger Gavin Rossdale; Anm. der Red.). Was ist aus meinen früheren Träumen geworden?" Sie spricht offen über ihre Verwirrung. Ihre Erwartungen wurden enttäuscht und übertroffen zugleich. "Ich bin schon glücklich mit meinem Leben, aber alles ging so schnell, und ich weiss nicht, wie ich an diesem Punkt angelangt bin, wo die einfachsten Sachen wie Ehe und Kinder so utopisch erscheinen." Welche Rolle spielt dabei ihre Beziehung zu Gavin Rossdale? "Ich habe mir nicht die einfachste Beziehung ausgesucht, Gavin lebt in England, ich in Kalifornien. Aber ich bedauere keine einzige Minute unserer Zeit zusammen. Gavin ist ein phantastischer Typ, von dem ich viel gelernt habe. Er hat mir die Schönheit Europas gezeigt und mir beigebracht, wie man empfindsam Texte schreibt. Ich glaube aber nicht, dass er No Doubt musikalisch beeinflusst hat." Das Album sei einfach "guter Pop", versichert Tony Kanal. Ob es an den Erfolg des Vorgängers anschließen kann, weiß er nicht. "Das Problem ist, dass wir in keines dieser Genres passen, die zurzeit die US-Charts dominieren. Wir sind weder die Backstreet Boys noch Limp Bizkit." Egal, für guten Pop ist immer Platz.

Artikel aus 1999.06 Rolling Stone
Randnotizen
Keiner soll ihnen vorwerfen, nur auf der faulen Haut zu liegen: No Doubt sind dermaßen mit der Arbeit am neuen Album beschäftigt, daß sich Sängerin Gwen Stefani nur ein kurzes Pläuschchen mit Kollegin Natalie Imbruglia gönnte als sich die beiden anläßlich der Premiere des Films "Go" in L.A. trafen zu dessen Soundtrack No Doubt mit "New" einen ihrer älteren Songs beisteuerten. "Wir stehen nicht unter Zeitdruck", erklärte Stefani, "wollen aber auf jeden Fall in absehbarer Zeit fertig werden." Glen Ballard ist ihr absoluter Wunsch-Produzent für das Album, das noch in diesem Herbst veröffentlicht werden soll: "Glen arbeitet unglaublich konzentriert. Er hat uns den Glauben an unsere Fähigkeiten als Songwriter wiedergegeben." Bassist Tony Kanal dagegen freut sich über das deutlich aufgestockte Produktionsbudget: "Wir haben nun Technologien, die wir uns in früheren Zeiten niemals leisten konnten. Das motiviert sehr."
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