| |
 |
 |
 |
Ich möchte euch heute ein Referat
über einen, zumindest für mich, faszinierenden Argentinier halten! Seit ungefähr vier Jahren beschäftige ich mich mit einem
Thema über welches es Millionen von Büchern und Dokumentationen gibt und
das Kommerziell missbraucht wird wie kaum ein anderes! Dazu kam ich, wie fast alle anderen zu ihrem Hobby kamen, auch durch meine Kollegen! Am Anfang war es eher aufs
„ Cool sein“ basiert mit dem T-Shirt auf dem er abgebildet ist
in der Klasse zu sitzen und sich von den anderen „Nichtswissenden“ anstarren zu lassen, Fragen über ihn zu beantworten obwohl man eigentlich selbst nichts von ihm wusste ihnen diverse Reden, die meistens selbst zusammen gesetzt und frei erfunden wurden und eigentlich gar nicht seine wahren Aussagen beinhalteten, vorzutragen ! Mit der Zeit aber bekamen wir durch das lesen von Biographien, wie zum Beispiel und das ansehen von Dokumentationen ( von einer ich euch nacher einen kleinen Teil abspielen werde ) immer mehr über ihn selbst seine Einstellungen und Lebensart mit. Die Person die
in diesen vier Jahren zu meiner Hauptinteresse wurde ist Che Argentinischer marxistischer Revolutionär und Guerilla Führer
Inhalt
- "Che" - Das ist sein Leben
- Der Weg zum Revolutionär
- Die Revolution in Kuba
- Staatsmann Ernesto „Che“ Guevara
- Der letzte Feldzug
- Warum wir „Che“ kennen
- Erweiterte Quellenangabe
„Che“ das ist sein Leben
„Che“, zum vollen Namen auch Ernesto Guevara Lynch de la Serna genannt wurde 1928 in Rosario (Argentinien) geboren und im Jahre 1967 in Higuera (Bolivien) ermordet. Als er Medizin studierte wurde er durch mehrere Reisen in Südamerika auf die soziale Ungerechtigkeit der Welt aufmerksam. So kam er mit Gleichgesinnten in Kontakt und entwickelte seine revolutionären Vorstellungen. 1956 nahm Che zusammen mit Fidel Castro an der kubanischen Revolution teil und wurde ein überzeugter Theoretiker mit marxistisch - leninistischem Gedankengut, bis er zehn Jahre später nach Bolivien aufbrach, um das Feuer der Revolution via Bolivien nach ganz Lateinamerika zu tragen. Diesen Versuch bezahlte er mit seinem Leben, ging aber ein als Mann mit außerordentlichem Mut und Gerechtigkeitssinn und wurde zur Ikone der Linken von heute.
Der Weg zum Revolutionär
Am 14. Juni 1928, einen Monat zu früh, gebar Celia de la Serna ihren ersten Sohn. Nach argentinischem Brauch wurde der Junge Ernesto, nach seinem Vater Ernesto Guevara Lynch, benannt [48]. Seine Eltern lebten in Rosario, in der Provinz Misiones, Argentinien, wo sie ihren Lebensunterhalt auf einer mit modernsten Einrichtungen ausgerüsteten Mate - Plantage (aus Mate - Blätter wird Tee gekocht; es ist das Nationalgetränk vieler Länder Südamerikas [47]) verdienten. Bereits früh in Ernestos (von seinen Eltern „Ernestino“ genannt) Leben, am 2. Mai 1930, setzte sein erster Asthmaanfall ein. Dieses Leiden hatte einen entscheidenden Einfluss auf seinen Weg und formte seine Persönlichkeit.
Mit der Hoffnung, trockeneres Klima und Bergluft würden Ernestinos Leiden lindern, zog die Familie zwei Jahre danach in die Gegend von Alta Gracia, Córdoba [50]. Die Hoffnung auf Linderung sollte sich nicht erfüllen. Sein Vater wechselte in die Baubranche und nahm Aufträge als Architekt an (obwohl er sein Studium gar nicht abgeschlossen hatte!). Infolge Belastung durch die Krankheit Ernestinos, welche häufig Anlass zu Streitereien zwischen den Eltern gab, lebten sie sich immer weiter auseinander. Im Hause Guevaras, in dem ständig Gäste aus der Nachbarschaft zugegen waren, wurde über die Politik und die Gesellschaft jener Zeit diskutiert, welche vielerorts von Korruption und Gier gesteuert wurde. Auch Wahlbetrug und Militärputschs schienen in Südamerika feste Bestandteile einer „Demokratie“. Antifaschistische Werte (und das in Argentinien, welches zu jener Zeit seine Militärs nach Deutschland zur Ausbildung schickte) und der Hass auf die Gesellschaft wurden Ernesto von klein an mitgegeben [60].
Nach dem Besuch der öffentlichen Schule, dem Colegio Nacional Dean Funes in Córdoba, begann er 1947 das Medizinstudium in Buenos Aires. Im Jahre 1945, während seiner Lehrzeit, machte Ernesto Bekanntschaft mit seiner ersten grossen Liebe, Chichina (María del Carmen Ferreyra). Sie war das genaue Gegenteil von Ernesto: Chichina war bildhübsch, wohl erzogen und ihre Familie gehörte zur herrschenden Minderheit, die Guevaras Meinung nach korrupt und ein Fluch für die Bevölkerung [85]. Diese Meinung, welche nicht vor Chichinas Eltern zu verstecken versuchte, in Kombination mit seinem Erscheinungsbild (Ernestos Kleidung wurde mit den vielsagenden Worten „... die es verdient hätten, auf den Müll geworfen zu werden...“ beschrieben) verursachten unter anderem ein Missbilligen der Ferreyra – Guevara - Beziehung und verunmöglichten so selbst für die willensstarke [91] Chichina eine dauerhafte Beziehung mit Ernesto [89]. Drei Jahre später würde er sich entgegen allen Erwartungen sogar mit Chichina verloben, bis sie sich im Januar 1953 endgültig voneinander trennten. 1949 unternahm Guevara seine erste Reise mit dem Fahrrad durch die nördl. Provinzen Argentiniens. Auf dieser Reise kam er mit diversen Facetten des Lebens in Berührung wie Ungerechtigkeit, Armut, Hunger, Krankheit und Tod [93]. Diese Eindrücke halfen mit, sein Verlangen nach sozialer Gerechtigkeit zu entwickeln. Nach seiner Rückkehr zog die Familie Guevara nach Buenos Aires, wo sich die Eltern voneinander trennten. Im Januar 1952 unterbricht er sein Medizinstudium für seine zweite ausgedehnte Reise mit einem geliehenen Motorrad nach Chile und Peru in Begleitung seines alten Freundes Alberto Granados. Die Reise ging mit einem von Leprakranken gebauten Floss (Guevaras und Granados verweilten in einer Leprastation in San Pablo / Provinz Loreto und arbeiteten dort als Ärzte [102]) dem Amazonas entlang nach Leticia / Kolumbien und weiter nach Bogotá. Im Juli des selben Jahres erreichten sie Caracas / Venezuela. Im Oktober trennten sich Alberto Granados (er blieb in Venezuela) und Guevara (er kehrte via Miami nach Buenos Aires zurück).
Auf dieser Reise mussten die Freunde alle möglichen Arbeiten annehmen, um ihren Mangel an Geld zu überbrücken. Sie schrieben beispielsweise Artikel für Zeitschriften als „Lepraexperten“ oder trainierten eine „futbol“ - Mannschaft. Einige Eigenschaften, die „Che“ in seinem späteren Leben aufwies, eignete er sich auf den beiden Reisen an: er begann mit dem Schreiben eines Reisetagebuches [98] und machte Photos von der Reise [97]. Nach der Reise schloss er im März 1953 sein Medizinstudium ab [113]. Ein halbes Jahr später begab sich Dr. Ernesto Guevara auf seine dritte Reise durch verschiedene Länder Südamerikas, auf der er in Costa Rica zum erstenmal mit kubanischen Revolutionären ins Gespräch kam [120]. Diesen Kubanern trat er, seiner Art entsprechend, skeptisch entgegen. Sein Misstrauen sollte erst verschwinden, als Guevara im Januar in Núñez Aguilar in Guatemala die peruanische Kommunistin Hilda Gadea Acosta kennen lernt, durch die er mit Fidel Castro, dessen Vertrauten Nico López und weiteren Anhängern des kubanischen Revolutionsführers, die er bereits in Costa Rica gesehen hatte, in Kontakt tritt [127]. Die Liaison mit Hilda, der natürlichen, politisch äusserst engagierten und willensstarken Frau [126], festigte Guevaras Hass gegen den „Yankee - Imperialismus“ (die Ausbreitung des Machbereiches der USA gilt nach marxistisch - bolschewistischer Deutung als letzte Entwicklungsstufe des Kapitalismus) und seinen Hang zum Marxismus - Leninismus [127]. In Guatemala, der nächsten Station dieser Reise, wurde „Che“ zum Revolutionär, als er sich der „Alianza de la Juventud Democration“ anschloss. Dort wurde er zum erstenmal „Che“ („Che“ ist ein argentinisches Schlagwort und bedeutet soviel wie „Kumpel“, „Bruder“, „Freund“) genannt, was er offensichtlich schätzte: „Für mich kennzeichnet <Che>, was mir am wichtigsten im Leben ist, was ich am meisten liebe. Wie sollte ich es nicht mögen?“ [129]. „Che“zog weiter nach Mexiko, wo er mit seinem Freund Julio Roberto Cáceres Valle („El Patojo“) ein Zimmer teilte. 1955 wird Che Guevara in Santa Rosa in einem als Farm getarnten Trainingscamp unter Alberto Bayo, einem erfahrenen Guerillaexperten, zum Guerillakämpfer ausgebildet. Trotz seines Asthma wurde Che als bester Zögling der harten Schule auserkoren [137]. Auch Hilda Gadea Acosta zog nach Mexiko zu „ihrem“ „Che“. Am 15. Februar 1956 kommt ihr erstes Kind zur Welt: eine Tochter, die sie Hilda nannten [131]. Im Juni wurde Che bei einer Razzia festgenommen und für einen Monat wegen revolutionärer Tätigkeit inhaftiert.
Die Revolution in Kuba
Am 25. November 1956 um 2 Uhr in der Früh’ nahmen Castros Revolutionäre, unter ihnen Guevara, Kurs auf Kuba. In der Nacht vom 2. auf den 3. Dezember landete die Gruppe mit ihrer Motorjacht, der „Granma“, in Niquero an der Südostküste Kubas. Bereits am nächsten Tage wurde die Guerillaarmee bei einem Angriff der Regierungstruppen nahe Alegría de Pio von 82 auf 15 Mann dezimiert [141]. Der 17. Januar 1957 brachte den Revolutionären in der Sierra Maestra einen ersten Sieg und war der Anfang einer Reihe militärischer Erfolge der Rebellen. Der Frühling 1957 bescherte schwere Asthmaanfälle - ein kräftezehrendes Übel. Doch da er der Oberarzt der Truppe war, hatte er seine verwundeten Kameraden zu versorgen, obwohl er lieber selbst zur Waffe gegriffen hätte [149]. Guevara betätigte sich auch als „politischer Missionar“ und versäumte es nicht, ideologische Unzulänglichkeiten zu tadeln.
Nach etwa einem Jahr Widerstand gegen Batista wurde Guevara von Fidel Castro zum berühmten „Commandante Che Guevara“ der zweiten Kolonne der Guerillaarmee ernannt. „Commandante“ war der höchste Dienstgrad der Rebellenarmee und Che wurde nach Fidel zum mächtigsten Mann der Bewegung [152]. Der Siegeszug der „rebeldes“ riss nicht ab, wie der Las Villas Feldzug unter Guevaras Oberbefehl zeigt. Vom 29. - 31. Dezember setzten sich die Guerillas in der Schlacht von Santa Clara gegen einen gepanzerten Zug mit 400 Soldaten (dieser Zug war ein letzter verzweifelter Versuch des Diktator Fulgencio Batista, seinen drohenden Untergang doch noch abzuwenden) durch [163] und entschieden somit den Kubafeldzug zu ihren Gunsten. So ging eine der schlimmsten Diktaturen Lateinamerikas mit der Flucht des verhassten Batista jämmerlich zu Grunde. Am 4. Januar,
Che war auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, zog seine siegreiche Truppe in Havanna ein. Selbst seine Mutter Celia reiste extra nach Havanna, um stolz am Erfolg ihres Ernestos teilzuhaben [165]. Bei der Operation in Kuba lernte er Aleida March de la Forre kennen: erst war sie seine Sekretärin, später seine „compañera“ und schließlich am 03. Juni 1959 Chés zweite Ehefrau, mit der er insgesamt 4 Kinder haben sollte [176]. Doch nun galt es, einen Staat aufzubauen nach marxistisch - leninistischen Idealen. Das konnte Castros neue Regierung nicht ohne die Mithilfe von Politikern erreichen, die schon unter Batista gedient hatten. Dazu mussten sie sich mit Leuten der kommunistischen Volkspartei PSP zufrieden geben, bis Castros Macht gefestigter war [167]. Um Chés Mitarbeit rechtlich abzusichern, wurde er am 9. Februar durch ein Gesetz zum „von Geburt kubanischen Staatsbürger“ erklärt [172]. Nach der Machtübernahme der fidelistas (Anhänger Castros) übten die Revolutionäre blutige Rache unter Missachtung der Menschenrechte an den Anhängern des vertriebenen Diktators Batista; es war die Zeit des paredón, mit dem der Name Ernesto Che Guevara praktisch gleichgesetzt wurde [178]. Man spricht von 17000 Hinrichtungen nach der Machtübernahme der Rebellen, was in Anbetracht der Grösse Kubas mit dem sowjetischen Despot verglichen werden kann... [180]. Mit sowjetischer Hilfe gelang es Castro, einen Staat nach kommunistischen Werten aufzubauen, womit die Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit verstaatlicht wurde [192].
Staatsmann Ernesto Che Guevara
Zwischen Juni und September 1959 unternahm Guevara seine erste offizielle Auslandreise für Kuba nach Ägypten, Indien, Japan, Indonesien, Pakistan und Jugoslawien. Bei einem Zwischenhalt in Berlin lernte er auch „Tania“ (Heidi Tamara Bunke-Bider) kennen, eine sowjetisch - deutsche Agentin, mit der er die vierte und letzte Beziehung seines Lebens haben sollte. Nach seiner Rückkehr wurde ihm von Castro die Befehlsgewalt über La Cabána entzogen. Es ist bekannt, dass Fidel Castro nicht zimperlich mit potentiellen Konkurrenten umging. Um diesen harten Schlag, den Entzug des Militärkommandos, zu lindern, ernannte Castro, Che am 7. Oktober zum Leiter der Industrieabteilung des kubanischen Instituts für Agrarreform (INRA) und im November zum Präsidenten der Nationalbank [187]. Er hatte Che die Befehlsgewalt über die Rebellenarmee entzogen, denn in der Anfangsphase der Revolutionsregierung hätte es lediglich eines entschlossenen Vorgehens bedurft, um die neue, noch nicht gefestigte Regierung Castros zu stürzen. Wie dem auch sei, Guevara versuchte sich als mächtigster Mann der kubanischen Wirtschaft. Während seiner Amtszeit waren die Zuckerrohr - Ernten wesentlich schlechter als zur Zeit des gestürzten Diktators. Die für Che typische kompromisslose Ehrlichkeit ließ ihn eingestehen, dass seine Finanz- und Agrarpolitik versagt hatten [197].
Aussenpolitisch erreichte er mehr: im Februar 1960 schloss Guevara mit Anastas Iwanowitsch Mikojan einen Handelsvertrag zwischen Kuba und der UdSSR ab [189]. Im selben Jahr veröffentlichte Che auch seine erste Schrift über den Guerillakrieg: „La guerra de guerillas“. Dieses Werk wird er zwei Jahre später in der Zeitschrift „Cuba Socialistica“ mit einem Artikel mit dem Titel „Guerillakrieg: eine Methode“ abrunden [207]. Als Ernesto Che Guevara am 24. Februar 1961 zum Industrieminister ernannt wurde, versuchten am 17. April 1961 einige batistatreue Emigranten - mit der Unterstützung der USA - die „Invasion an der Schweinebucht“ zu starten und damit Castro zu stürzen. Erfolglos, die Angreifer wurden zurückgeschlagen [218]. Am 3. August vertrat Guevara bei der Gründungskonferenz der „Allianz für den Fortschritt“ in Punta de Este / Uruguay die kubanischen Interessen. Guevara nutzte die Konferenz als Podium für kubanische Propaganda, (die Allianz sollte eigentlich wirtschaftliche Unterstützung für lateinamerikanische Länder bereitstellen, von denen auch Kuba hätte profitieren können) indem er Kubas Wirtschaftspolitik als erfolgreich darstellte. Er konnte es nicht unterlassen, die USA immer wieder heftigst verbal zu attackierte [219, 221]. Im selben Monat besuchte er den argentinischen Staatspräsidenten Frondizi in Buenos Aires sowie den brasilianischen Staatspräsidenten Janio da Silva Quadros in Brasilia [227], von dem er als Zeichen seiner Verehrung den Orden „Cruzeiro do Sol“ verliehen bekam. Der Besuch eines revolutionären Kommunisten führte zum Sturz der beiden Präsidenten. Mit der überraschenden Aussage Fidel Castros vom 2. Dezember 1961, der sich bis anhin immer gehütet hatte, seiner immer mehr nach links driftenden Regierung offiziell die politische Orientierung eindeutig festzulegen, erklärte er Kuba praktisch zu einem Satelliten der Sowjetunion: „Ich bin ein Marxist - Leninist und werde bis zum letzten Tag meines Lebens Marxist - Leninist bleiben.“ [236]. Die Anlehnung Kubas an den Sowjetblock erreichte mit dem Aufzug russischer Raketen mit Nuklearsprengköpfen („Kubakrise“) im Oktober 1962 ihren dramatischen Höhepunkt, der mit dem Ende der Welt hätte ausgehen können [237]. Ende 1964 bis Anfang 1965 unternahm Che Guevara seine zweite und letzte ausgedehnte Auslandreise nach China, den USA und Afrika. Auf dieser Reise traf er in Kongo heimlich mit Aufständischen zusammen und schmiedete einen Plan für das Kongo - Unternehmen, von dem er gegen Ende 1965 nach einigen Monaten erfolglosen Kampfes zurückkehren sollte. Dies war eine von zahlreichen gescheiterten Versuchen, die kubanische Revolution nach Südamerika und der Dritten Welt zu exportieren. Auf der Auslandreise durch drei Kontinente griff Ernesto in mehreren Reden und Artikeln die Sowjetunion und Fidel Castro an. Er forderte unentgeltliche, unbeschränkte Wirtschaftshilfe der Sowjetunion an die Länder der Dritten Welt und Lateinamerikas [239]. Fidel wirft er vor, er habe in seiner Studentenzeit kein kommunistisches Gedankengut gehegt [273]. Die Konsequenzen dieser Aussagen waren unvermeidlich: nach Guevaras Rückkehr am 14. März nach Havanna hielt er noch im März einen Vortrag im Industrieministerium, trat dann aber in der Öffentlichkeit nicht mehr auf [241]. Natürlich löste das Verschwinden des international wohl populärsten Kubaners Unmengen von Spekulationen und Gerüchten über seinen Verbleib aus. Selbst im Mai 1965, als Chés Mutter Celia de la Serna starb, tauchte der berühmte Mann mit Vollbart und Zigarre nirgends auf. In Wirklichkeit war Guevara zu dieser Zeit bereits mit der Kongo - Expedition beschäftigt, an der er mit einer Gruppe kubanischer Guerillas teilnehmen sollte [246]. Es stellt sich die Frage nach dem Warum. Wieso sollte ein Mann, der in Kuba praktisch alles erreicht hatte, was es zu erreichen gab (Führungsposition in der Rebellenarmee, in der politischen Partei und in der Regierung sowie weltweit populärster kubanischer Staatsmann) sich in neue Kampfhandlungen stürzen, wenn er aus seiner hohen Position aus anderen Rebellen weitaus grössere Dienste erwiesen hätte? Man könnte meinen, er tat dies nur aus Überzeugung, sein Leben sei bestimmt, unterdrückte Völker von ihren Tyrannen zu befreien. Doch nachdem er Castro und die Sowjetunion derart verunglimpft hatte, blieb ihm auch kaum eine andere Möglichkeit, als einen neuen Anfang zu machen. Am 3. Oktober 1965 nahm Fidel Castro erstmals offiziell Stellung zu Chés Verschwinden, indem er den Abschiedsbrief verlas, den er von seinem Gefährten schon vor einem halben Jahr erhalten hatte. In diesem Brief verzichtet Guevara auf seine Stellung in der kubanischen Regierung, die Partei und sogar auf die kubanische Staatsbürgerschaft. Mit den Worten „Andere Berge der Welt verlangen die Hilfe meiner bescheidenen Bemühungen. Ich kann tun, was Dir versagt blieb, weil Du an der Spitze Kubas Deine Verantwortung trägst, und daher ist die Stunde der Trennung für uns gekommen.“ deutet er an, dass er nicht inaktiv bleiben wird und an anderen Orten den Guerillakampf suchen wird [249].
Bolivien - der letzte Feldzug
Das letzte Abenteuer von Che Guevara begann im Jahre 1966, als seine Vorbereitungen zur Bolivien - Expedition auf Hochtouren liefen. Er wollte zusammen mit Castro die Samen der Revolution über ganz Lateinamerika verteilen. Dazu wählten sie ein Land aus der Mitte des Kontinents: Bolivien (Bolivien grenzt an fünf andere Länder, die Bevölkerung war nicht besonders glücklich mit ihrer Regierung und das Land bot reichlich Dschungel und Landwirtschaftsgebiete, was nach Guevaras Guerillatheorie von Vorteil ist). Auf Kuba absolvierte Che mit anderen kubanischen Guerillas und frisch rekrutierten bolivianischen Revolutionären ein hartes Kampftraining, welches von der kubanischen Regierung finanziert wurde. Ab November wurden die frisch ausgebildeten Guerillakämpfer in Bolivien eingeschleust, darunter auch Guevara. Dabei scheuten sie keinen Aufwand und reisten über beträchtliche Umwege und mit gefälschten Pässen verschiedener Länder, immer in Zweiergruppen, um ihre Herkunft (Kuba) zu verschleiern und kein Misstrauen zu erwecken [310] (Castro unterstützte das Bolivien - Unternehmen mit Ausrüstung und Ausbildung im Wert von mehreren Millionen Dollar [471]). Guevaras Helfer hatten bereits vorher einen Standort für ein Guerillalager sondiert, das nun unter Chés Leitung aufgebaut wurde. Der Standort war der Dschungel Boliviens bei Ñancahuazú nahe der „Casa Calamina“ (der Name „Wellblechhaus“ sagt alles über das Aussehen der als Farm getarnten Basis). Die Basis lag rund 220 Kilometer südöstlich von Santa Cruz, der wichtigsten Stadt der Gegend [329]. Diese Abgelegenheit war für die Guerilleros die Voraussetzung, um ungestört ihr Lager aufbauen zu können. Am Weihnachtstag 1966 empfing Guevara Mario Monje Molina, den Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei Boliviens zum Gespräch, um mit ihm über eine künftige Zusammenarbeit zu verhandeln. Die als feige geltenden bolivianischen Kommunisten konnten sich mit Che aber nicht über eine Teilung der Macht im Falle einer erfolgreichen Revolution einigen. Diese Uneinigkeit war eine der Ursachen, die die Bolivien - Expedition zum Scheitern brachte [362]. Auch die gewünschte Abgeschiedenheit war nicht mehr gegeben, seit Ciro Algarañaz (ein und bekannter Mann der Gegend, der seine Finger überall mit drin hatte, wo er etwas für sich herauszuziehen hoffte), der Besitzer des Nachbargundstücks, die Farm entdeckte und uniformierte Gruppen mit Tornistern durch den Urwald hatte marschieren sehen. Der argwöhnische Nachbar vermutete, dass auf Guevaras Farm Kokain verarbeitet würde. Er bot daher „seine Zusammenarbeit mit Gewinnbeteiligung“ an, erhielt als Gegenvorschlag eine Todesdrohung von Chés Einheit [348]. Er liess sich aber nicht einschüchtern und alarmierte die Polizei, welche ab dem 19. Januar 1967 mehrmals Razzien durchführte, allerdings ohne je das etwas abseits von der „Casa Calamina“ gelegene Basislager der Guerillas mit seinen Vorratshöhlen zu entdecken [357]. Um seine Leute an das Kämpfen und Überleben im Dschungel zu gewöhnen, brachen die Guerillas am 1. Februar auf einen Übungsmarsch an den Rio Grande auf, der mit 48 Tagen beinahe doppelt so lange dauerte wie geplant. Die Kämpfer lernten auf diesem Marsch die Eigenheiten des Terrains kennen, litten an Malaria, verspürten öfters Hunger und Durst und kämpften mit Motivationsproblemen, wie sie auch schon auf Märschen in früheren Expeditionen zum Vorschein kamen [367]. Die Gruppe kam zum ersten Mal mit der bolivianischen Landbevölkerung in Kontakt, die sich zwar mit den Rebellen unterhielt, jedoch nicht bereit war, selbst aktiv bei den Guerillas mitzumachen [370]. Diese Teilnahmslosigkeit der Bolivianer, die später sogar in den Verrat der Guerillas übergehen wird, sowie die Reibereien zwischen den erfahrenen ausländischen Leuten in Führungspositionen und den unerfahrenen einheimischen Kämpfern mit untergeordneten Funktionen waren weitere entscheidende Faktoren, die zum Scheitern der Mission beitrugen. Ein weiteres verheerendes Ereignis war die Sicherstellung von „Tinas“ Notizbüchern (das ist diejenige Tina, die Ernesto 8 Jahre zuvor auf seiner ersten grossen Reise in Berlin kennengelernt hatte) durch die bolivianische Polizei. Diese Dokumente enthielten die Adressen der Kontaktpersonen der Rebellen in Bolivien (diese Leute wurden alle verhaftet, wodurch das von Guevara sorgfältig geknüpfte Netz in Bolivien zusammenbrach) sowie die Lager der nun nicht mehr geheimen Operationsbasis [377, 385]. Das Bekanntwerden des Standorts ihres Lagers zwang Guevara zum Handeln, obwohl seine Truppe (natürlich noch müde vom langen Übungsmarsch) seiner Meinung nach noch nicht für den Kampf bereit war. Zum ersten Gefecht mit einer bolivianischen Patrouille kam es dann auch, obwohl die Rebellen klar gesiegt hatten, viel zu früh; am 23. März gerieten 32 Soldaten der Regierungstruppen in einen Hinterhalt [378]. Dies war der erste von einer Reihe militärischer Erfolge für die Rebellen. Die bolivianische Regierung glaubte es mit mehreren hundert Partisanen zu tun zu haben, doch in Tat und Wahrheit zählte Chés Trupp zu seinen besten Zeiten rund 50 Mann und hatte erheblich mit der Moral, dem Hunger, dem Durst und der Erschöpfung zu kämpfen [402]. Am letzten Märztag wurde dann auch das Basislager ausgehoben, wo die Regierungstruppen weitere wichtige Dokumente und Karten sicherstellen konnten. Am 10. April kam es in Iripití zu einem weiteren Zusammenstoss mit der bolivianischen Armee, bei dem die „rebeldes“ erneut als Sieger hervorgingen. Doch selbst in solchen Momenten des Triumphes kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern der Truppe, besonders zwischen den Kubanern und den Bolivianern (dass die Bolivianer kaum mehr als die Hälfte der Truppe ausmachten, war schon zu Beginn der Mission als Problem aufgefallen, da es sich ja schliesslich um eine bolivianische Revolution mit bolivianischen Kämpfern handeln sollte) [405]. Eine Woche später fällte Che den verhängnisvollen Entscheid, die Gruppe zu trennen (Tina war krank geworden und hielt die Truppe beim Marschieren auf) [412]. Die kleinere Gruppe unter der Führung Joaquín wurde am 31. August von der Armee bei Vado del Yeso am Rio Grande aufgerieben (In den Monaten zuvor hatten Guevaras und Joaquíns Gruppe vergeblich versucht, wieder zueinander zu finden. Der Urwald erwies sich als Irrgarten ohne Ausgang.) [425]. Nach der Trennung verschlechterte sich auch Guevaras Zustand zusehends, denn ohne seine Medikamente gegen Asthma, die ihm ausgegangen waren, war das Marschieren für ihn die reinste Qual.
Am 6. Juni 1967 erreichten die Guerilleros mit dem Besetzen der Stadt Samaipata ihren Höhepunkt [422]. Von da an ging es bergab. Bei einem schweren Zusammenstoss mit einer Armeeabteilung bei Moroca am 30. Juli verloren Chés Partisanen grosse Teile ihrer Ausrüstung, was die Lage der Widerstandskämpfer noch weiter verschlechterte. Nun wird deutlich, dass sich Guevara eindeutig zu spät für den Rückzug entschieden hatte [437]. Am 26. September geriet Chés Gruppe in einen Hinterhalt bei la Higuera, wo zwei Guerillas desertierten (während des ganzen Unternehmens desertierten mehrere Kämpfer und versorgten die Regierungstruppen mit wichtigen Informationen). Er war von einheimischen Bauern verraten worden - ein weiteres Beispiel der komplett fehlenden Unterstützung der Landbevölkerung, denn während ihrer Operationszeit war nicht ein einziger bolivianischer Bauer dazu zu bewegen, sich ihnen anzuschliessen [436]. Am 8. Oktober war es dann soweit: als die Guerilleros aufwachten, waren sie komplett von bolivianischen Soldaten umzingelt, es gab kein Entrinnen. Che wurde in seinem letzten Kampf in Quebrada del Yuro verwundet, gefangen genommen und am nächsten Tag nach dem Verhör in der Dorfschule in Higuera exekutiert [441]. Mit Che Guevara starb auch die bolivianische Revolution. 1997 wurde Che`s Leiche identifiziert und in die kubanische Hauptstadt Havanna zurückgeholt.
Warum wir „Che“ kennen
Das Portrait Chés schmückt heute Buchdeckel, Uhren, Kleider, Poster, Flaggen oder ganze Hausfassaden. Doch was ist der Grund, dass „Che“ heute vielen Menschen ein Begriff ist? Vielleicht wird man fündig, wenn man sich die Frage stellt, für was der gefallene Guerillakämpfer denn ein Begriff sein soll. Antworten darauf gibt es mehrere: sein legendärer Mut und Durchhaltewillen sind Attribute, die in der heutigen Welt immer noch gefragt sind. Auch die kompromisslose Ehrlichkeit seiner Politik, die Hilfsbereitschaft und die Fähigkeit zur Selbstkritik würden wir uns von so manchen Politikern wünschen. Man sagt auch, dass er von Frauen geliebt wurde. Hier stellt sich die interessante Frage, woran es liegen kann, dass ein seit seiner Kindheit eher schlecht gekleideter, unrasierter Mann mit kastanienbraunem zerzaustem Haar die Massen begeistern und hinter sich bringen konnte. Dazu bedarf es (hoffentlich) mehr als eines adäquaten Erscheinungsbild. Che Guevaras Erfolgsgeheimnis war vielmehr das Feuer, das in ihm brannte, sein Charisma. Falsch wäre allerdings, Che als perfekten Menschen (oder „neuer Mensch“, wie Che das ausgedrückt hätte) unkritisch zu verehren. Guevaras Redeweise wird als arrogant und zynisch charakterisiert und seine guevaristische Theorie, in der „bewaffneter Kampf als einziges Mittel zur Befreiung unterdrückter Völker“ dargestellt wird, wird ein Pazifistenherz sicher nicht höher schlagen lassen. Auch sein rabiates Vorgehen gegen potentielle Feinde (z.B. die Batista - Anhänger nach Castros Machtübernahme) brachte ihm den Ruf, kaltblütig zu sein. Diese Aspekte werden bei unsachlichen Betrachtungen seines Lebens meist gar nicht erwähnt.
Extra: ( Che´s letzte Rede an die Menschheit)
Ché - der Aufruf zum bewaffneten Kampf
"Botschaft des Kommandanten Ernesto Guevara an die Völker dieser Erde", vom 17.April 1967.
Das eigentliche Ziel der imperialistischen Ausbeutung sind die drei unterentwickelten Kontinente Amerika, Asien und Afrika. Jedes Land hat seine besonderen Merkmale, aber dasselbe gilt für die Kontinente in ihrer Gesamtheit:
Die Nordamerikaner haben ihre Herrschaft bis zum größten Grade ausgebaut und können nur noch wenig erreichen. Jede Veränderung der Lage würde ihre Herrschaft beeinträchtigen. In Lateinamerika kämpft man mit bewaffneter in Guatemala, Kolumbien, Venezuela und Bolivien. In Brasilien brechen die ersten Knospen auf. Andere Herde des Wiederstands bilden sich, um gleich wider zu verlöschen. Aber fast alle Länder dieses Kontinents sind reif für den Kampf dieses Typs, der dann zum sieg führt, wenn er sich nicht weniger als mit der Errichtung einer Regierung sozialistischem Zuschnitts zufrieden gibt. Der Anfang wird nicht leicht, sondern überaus schwierig sein. Deshalb kommt es in der ersten stunde aufs überleben an. Dann beginnt das immerwährende Beispiel des Guerillakriegs zu wirken und bewaffnete Propaganda im vietnamesischen Sinne zu entfalten.
Man muss den Krieg dorthin tragen, wo der Feind ihn trägt: in seine Wohnung, in seine Erholungsstätten- man muss ihn zu einem totalen Krieg machen. Man darf dem Feind keine Minute der Entspannung gönnen. Keine Minute außerhalb seiner Kaserne, ja nicht einmal im Inneren. Man muss ihn angreifen wo immer man ihn trifft; man muss ihm auf all seinen wegen heftige Schläge versetzen. Dann wird seine Moral zu sinken beginnen. Zwar wird er zu immer bestialischeren mitteln greifen, aber zugleich werden unverkennbare Verfallserscheinungen zu tage treten.
Wie nahe muss uns eine lichtere Zukunft erscheinen, wenn ZWEI, DREI, VIELE VIETNAMS auf der Oberfläche des Erdballs blühen, mit unablässigen Schlägen gegen den Imperialismus, mit dem sich daraus für den Gegner ergebenden Zwang, seine Kräfte zu zersplittern, umrandet vom Hass der Völker der Welt...
|
|