Monster skateboard Magazine Interview mit Jamie Thomas
MSM: Hallo Jamie. Sehr schön, Dich mal vor
dem Mikro zu haben. Du schleppst ein
kleines Handikap mit Dir rum wie ich sehe.
Was ist passiert?
JT: Ich hab mir mein Handgelenk
gebrochen als ich dieses fette Rail in
Marseille geskatet bin. Ich bin am Pfosten
des Rails hängengeblieben und dabei hat´s
mir das Board weggezogen. Naja, und dann
bin ich leider unglücklich auf meinem
Handgelenk gelandet und dabei ist es
weggebrochen. Es war mein erster Tag in
Europa. Am nächsten Tag hab ich es
röntgen lassen und einen Gips bekommen,
der bis über den Ellenbogen geht. Der Gips
muß jetzt, laut Arzt, drei Monate dran
bleiben. Und wenn das nicht reicht muß ich
wohl unters Messer. Jetzt kann ich leider
kaum skaten, denn wenn ich nochmal auf
die Hand slamme, wäre das nicht so
gesund...
MSM: Ich finde es sehr bemerkenswert, daß
Du trotzdem die Demos durchziehst.
JT: Ja klar skate ich! Aber ich kann halt
nicht das auspacken, was ich sonst gerne
machen würde. Ich kann halt nur ein
bißchen fahren. Ich liebe es zu skaten! Es
ist schrecklich im Moment, das schlimmste
Szenario für mich! Ich kann nicht skaten
und noch nicht einmal richtig Autogramme
geben, weil mir der Arm so schmerzt... Das
ist echt bitter, aber ich versuche trotzdem,
gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
MSM: Klingt nach einer sehr professionellen
Einstellung...
JT: Ich versuche es. Ich versuche
Autogramme zu geben und auch zu skaten,
aber mit einem gebrochenen Arm
funktioniert das leider nicht so gut.
Jedenfalls nicht im Moment, da es ja erst
ein paar Tage her ist. Ich gebe halt alles
aber irgendwann geht´s nicht mehr.
MSM: Ich denke, dafür werden alle
Verständnis haben. Vielleicht ist das ja die
späte Rache Deines Körpers für die ganzen
sicken Dinger, die Du in Misled Youth
ausgepackt hast?
JT: Oh, ich weiß nicht. Ich hab mich ja auch
während der Dreharbeiten immer kräftig
langgemacht, so ist es ja nicht. Ich hab mir
einige Male die Knie getrasht, so dass ich
dachte, da wäre ein operativer Eingriff fällig.
Irgendwann erwischt es einen halt mal
wieder. Shit happens. Wenn ich jetzt zu
Hause wäre, könnte ich mich wenigstens
um eine Menge Business kümmern, anstatt
nur hier rumzusitzen und kaum skaten zu
können.
MSM: Hast Du schon daran gedacht, Dich
vorzeitig aus der Tour auszuklinken und
wieder nach Hause zu fliegen?
JT: Wir sind nur fünf Skater auf dem Trip
und wenn ich jetzt zurückfliegen würde,
wäre schon ein großer Prozentsatz nicht
mehr dabei und deshalb bleibe ich.
MSM: Wie lange hat es letztenendes
gedauert, das Misled Youth-Video
fertigzudrehen?
JT: Einige Jungs im Team haben dem Video
nicht die Ernsthaftigkeit beigemessen wie
ich es getan habe. Das erste Footage habe
ich bereits kurz nach dem Thrill Of It
All-Streifen gefilmt. Und auch wenn ich nicht
das gesamte Footage verwende, so
versuche ich doch so viel zu filmen wie
möglich. Am Ende schneide ich alles
zusammen und nehme gegebenenfalls hier
und da auch wieder einige Teile raus, dann
vornehmlich älteres Material. Ich hab etwa
über ein Jahr lang gefilmt und das Team
etwa sechs Monate.
MSM: Hast Du eine perfektionistische Ader?
JT: Yeah, hmm... Ich versuche immer,
meine Sachen so gut wie möglich zu
machen aber nee, ob ich wirklich ein
Perfektionist bin, kann ich nicht sagen.
MSM: Ich habe zumindest den Eindruck,
daß Du sehr professionell an die Dinge
rangehst.
JT: Es kommt immer drauf an. Ich meine,
die Leute gucken schon ganz genau hin,
was und wie man etwas macht. Aber im
Endeffekt ist es wohl eine Sache des
Selbstrespekts, die mich dazu antreibt, die
Dinge so gut wie irgendwie möglich
anzugehen. Und es ist eine Respektsfrage
an meine Sponsoren.
MSM: Was bringt Dich dazu, so viel Energie
in ein Video zu stecken?
JT: Ich versuche einfach nur alles zu
machen, von dem ich glaube, daß ich es
kann. Alles, wozu ich mich in diesem oder
jenem speziellen Moment im Stande fühle.
Und darauf baue ich meinen Videopart auf.
Ein Videopart von mir sollte jeden Trick
beinhalten, den ich kann bzw. denn ich
filmen kann. Denn manchmal ist ja gar
keiner dabei, um diesen oder jenen Trick
festzuhalten. Und manchmal fehlt einem
auch einfach die Geduld und man fährt nur
so und allein für sich. Ich versuche einfach
alles zu geben und mit meinen Video-Parts
auf eine bestimmte Art hervorzustechen.
Heutzutage muß man schon eine Menge
machen, da es mittlerweile soviele gute
Skateboarder gibt. Um von den Kids die
gewünschte Aufmerksamkeit zu
bekommen, muß man sich richtig
reinhängen und das ist oft nicht einfach.
Und genau auf Grund dieser Tatsache
widme ich mich den Tricks, die ich angehe,
noch intensiver, fordere mich noch härter
und mache Sachen, die schon hart im
meinem persönlichen Grenzbereich liegen.
MSM: Also spürst Du in irgendeiner Weise
schon einen bestimmten Druck, der von
außen auf Deiner Person liegt?
JT: Manchmal. Ich fühle mich nicht unter
Druck gesetzt, wenn ich beispielsweise zu
Hause bin, wenn ich jedoch draußen
unterwegs bin merke ich diesen Druck
schon. Die Leute erwarten von mir, dass ich
einen Skatepark auseinandernehme wie ich
z.B. in Misled Youth fahre, doch in einem
solchen Park bieten sich gar nicht die
Möglichkeiten derart zu fahren. Die Sache
mit dem Handrail in Marseille ist ein
hervorragendes Beispiel. Ich kann in den
Bowls da nicht viel machen. Ich meine,
natürlich kann ich die Bowls fahren und
auch eine Menge Spaß dabei haben, aber
ich kann keine Demo fahren, die meinen
Parts in den Videos ähnlich ist. Aber genau
das erwarten die Kids von mir, also sind wir
zu diesem Handrail gefahren und das
Ergebnis kennst Du ja... Also, ich fühle
diesen Druck schon manchmal. Und ich
fahre auch nicht mehr so oft auf Contests,
weil es da nichts gibt, was ich dort machen
könnte. Ich arbeite jedes Jahr so intensiv
an meinen Videos, dass auf einem Contest
auf keinen Fall etwas vergleichbar
Konstruktives rumkommt. In einem Video
hast du auch alle Zeit der Welt und kannst
Dir genau den Spot suchen, den Du killen
willst. Aber auf einem Contest musst du
das fahren, was sie dir dahin gebaut haben
und mehr nicht. Es macht auch einfach nicht
soviel Spaß Obstacles zu fahren, die für
Skateboarding gebaut worden sind als die
natürlichen Dinge auf der Straße "It´s not
as fun skating stuff that´s made for
skateboarding rather than skating natural
things." Außerdem kommt hinzu, dass,
wenn immer du auf einem Contest fährst,
dir gleich irgendjemand im Rücken sitzt.
Auf der Straße gibt es nur mich und das ist
auch der Platz wo ich hingehöre. Nur dort
kann ich mein Skateboarding wirklich
weiterentwickeln und mich somit beim
skaten gut fühlen. Also bleibe ich lieber zu
Hause und skate mit meinen Freunden,
denn wenn du mit deinen Buddies skaten
gehst, hast du am meisten Spaß.
MSM: Es fällt schwer, sich das bildlich
vorzustellen, aber Du bist doch sicherlich
auch schon mal Vert gefahren, oder nicht?
JT: Ja klar, manchmal. Aber ich dorke nur
rum und das auch nur zum Spaß. Ich
nehme es nicht sehr ernst. Streetskating
dagegen nehme ich, und ich denke das ist
offensichtlich, sehr ernst. Streetskating ist
mein Leben, es bedeutet alles für mich.
Streetskating ist meine Art zu überleben,
meine Art mental zufrieden zu sein. Ich
nehme Transitions nicht besonders ernst,
ich gurke nur durch die Gegend und
versuche nicht, irgendwelche Tricks auf
Rampen zu lernen.
MSM: Wenn über Dich geschrieben oder
geredet wird verwenden die Leute nur noch
Superlative bzw. ziehen Vergleiche zu
Dämonen usw. Schmeichelt Dir das, nervt
es Dich oder ist es Dir im Endeffekt egal?
JT: Eigentlich ist es mir egal. Die Leute von
den Magazinen sind vielleicht gelangweilt
und versuchen ihre Geschichten ein bißchen
tricky zu verpacken. Ich meine, ich trage
schwarze Klamotten aber das hat nichts mit
meiner religiösen Einstellung zu tun. Ich
weiß nicht, was solche Leute denken.
Wahrscheinlich wollen sie die Stories hier
und da etwas hochpeppen, damit es
lustiger klingt und dann denken sie sich
eben irgendwelche Spitznamen bzw.
Synonyme aus.
MSM: Was denkst Du, wenn die Leute Dich
als Gap King bezeichnen? Fühlst Du Dich
dadurch reduziert?
JT: Es ist mir egal. Es spielt keine Rolle. Ich
habe meinen Spaß mit dem, was ich tue.
Ich fahre auch rum und übe z.B. Switch
Tricks. Die Leute, die so etwas sagen,
kennen mich ja gar nicht richtig. Wenn sie
mich besuchen kämen, mit mir und meinen
Freunden skaten würden, abends nach
Hause gingen und sagen würden: "Alles
was der kann ist, sich Gaps
runterzustürzen," dann wäre das etwas
anderes...
MSM: Du hast eben über Religion
gesprochen. Würdest Du Dich als einen
religiösen Menschen bezeichnen?
JT: Oh yeah, aber das entwickelt sich erst
seit einiger Zeit. Ich will noch mehr über
solche Dinge lesen und somit mehr über
Religion erfahren, aber in letzter Zeit
entwickle ich mich doch mehr und mehr zu
einem religiösen Menschen, viel mehr als
früher. Meine Frau Joanne ist ein
bekennender Christ und sie hat
diesbezüglich mein Leben verändert. Aber
solche Dinge passieren nicht über Nacht.
Okay, Du beschließt eines Tages Dich Gott
zu öffnen aber dennoch brauchen solche
markanten Dinge ihre Zeit sich zu
entwickeln. Das bedeutet auch harte Arbeit
an einem selbst und es bedarf stetig
wachsender Überzeugung. Ich bin auf
diesem Wege, aber ich muss noch viel
mehr über diese Dinge für mich selbst in
Erfahrung bringen bevor ich sagen kann,
dass ich den für mich richtigen Weg
gefunden habe. Ich gehe in die Kirche und
lese viel, aber wie gesagt, das geht erst ein
paar Monate so und damit ist noch alles
ziemlich neu für mich.
MSM: Wo kommst Du her?
JT: Geboren bin ich in Florida, aber
aufgewachsen und angefangen zu skaten
habe ich in Alabama. Eigentlich habe ich
schon in Florida angefangen zu skaten aber
richtig ernsthaft ist es erst in Alabama
geworden. Ich habe zwischendurch eine
Weile aufgehört, weil niemand mehr
Skateboard gefahren ist. Irgendwann waren
dann wieder mehr Leute unterwegs und
somit war ich auch wieder motiviert. Wir
sind dann immer bei uns in der
Nachbarschaft rumgecruist oder haben uns
Ramps gebaut - das war´s. Ich habe schon
damals zu all den Pros aufgeschaut, viele
Magazine gelesen usw. Ich habe dann
immer davon geträumt, selbst einmal in
einem Magazin zu sein, aber nie ernsthaft
daran geglaubt. Ich hab alles so
genommen wie es kam, bin mit meinen
Freunden geskatet und habe eigentlich nur
meinen Spaß gehabt. Als ich älter wurde bin
ich dann vermehrt zu Contests gefahren.
Ich wollte einfach sehen, wie ich
abschneide, auch gegenüber schon
gesponsorten Fahrern und habe gemerkt,
dass ich durchaus, na sagen wir mal,
konkurrenzfähig war. Dann habe ich
angefangen Videos von mir an diverse
Companies zu schicken und hier und da
auch mal ein bißchen Stuff von einigen
Leuten bekommen, ohne dass ich
allerdings in deren Team gewesen wäre.
Vielleicht wie ein Flow-Team aber mehr
auch nicht. Das lief dann eine Weile so vor
sich hin und in jener Zeit habe ich auch in
einer Amateur Contest-Serie recht gut
abgeschnitten, bin dann sogar bis in die
Finals gekommen und im Zuge dessen hat
sich auch der Traum entwickelt, nach
Kalifornien zu gehen.
MSM: Hat Kalifornien das erfüllt, was Du Dir
davon versprochen hast?
JT: Well, Kalifornien bietet eine Menge
Möglichkieten, sämtliche Companies und
fast alle guten Skater sind dort zuhause.
Allerdings wird einem nicht alles auf einem
Tablett serviert. Es ist zwar alles da, aber
man muß es sich schwer verdienen.
"Everything was there for the taking, but
you had to earn it." So war es auch bei mir.
Ich mußte mir einen gewissen
Bekanntsheitsgrad erarbeiten und so gut
und so hart skaten, wie es irgendwie
möglich war, um letztenendes aus allem
hervorzustechen. Ich denke, es geht
letztenendes immer darum
hervorzustechen. Nur wenn du gut genug
bist, dich aus allen anderen Leuten
hervorzuheben, werden dich die Menschen
registrieren, dir Beachtung schenken. Wenn
nicht, schwimmst du bloß mit wie alle
anderen Kids.
MSM: Fühlst du dich mittlerweile in
Kalifornien zu Hause?
JT: Ja definitiv! Weil ich eine Menge
Freunde gefunden habe, verheiratet bin
und mir damit mein eigenes Leben
geschaffen habe. Mein Leben findet also
auch rein persönlich in Kalifornien statt,
deshalb ist es mein Zuhause. Wenn ich
nach Alabama fahre, habe ich ebenfalls das
Gefühl nach Hause zu kommen, weil dort
meine Familie lebt und all die anderen
Menschen, die ich sehr gerne habe. Es ist
beides mein Zuhause - ja, auf jeden Fall!
MSM: Es sieht meistens so aus, als würdest
Du es täglich darauf anlegen, dich selbst zu
zerstören...
JT: ... yeah well, ich bin eigentlich sehr froh
darüber, dass ich schon eine Menge Sachen
gemacht habe, zwar oft geslammt bin,
vieles probiert habe, und mich dabei nicht
verletzt habe. Ich tue mir schon sehr oft
weh, aber auf der anderen Seite mache ich
jetzt, wo ich 24 Jahre alt bin, dickere
Dinger, als damals, als ich 18 war.
Psychisch habe ich mich weiterentwickelt
und auch mein Körper ist kräftiger
geworden. Natürlich werde ich älter, aber ich
mache heute z.B. fettere Ollies, als ich sie
jemals gemacht habe. Man sollte meinen,
dass ich derzeit mein bestes Skateboarding
zeige. Ich denke, ich bin im Moment auf
meinem Höhepunkt angelangt - Misled
Youth ist mein Höhepunkt. Solange mein
Körper die Belastungen mitmacht, werde ich
mein Bestes geben. Ich arbeite gerade an
meinem eigenen Video, kein 411-, kein
Transworld-, kein Zero-Video, ich mache
einfach mein eigenes Projekt.
MSM: Vielleicht kannst Du die Frage nicht
mehr hören, aber wirst Du Dich noch einmal
am Leap of Faith versuchen?
JT: Ich hätte es sicherlich in der nächsten
Zeit noch einmal versucht, aber nun habe
ich mir ja nunmal den Arm gebrochen und
ich bin mir nicht sicher, ob ich versuchen
will, das Gap mit einem gebrochenen Arm
zu klären. Ich weiß nicht, eines Tages werde
ich nochmal hinfahren und darüber
nachdenken. Aber ich denke, ich werde es
nochmal versuchen, ohne es jetzt
verbindlich versprechen zu wollen. Eines
Tages, wenn ich mich gut genug fühle,
werde ich dorthin fahren und es nochmal
versuchen. Wenn ich mich mental dazu in
der Lage fühle, werde ich es machen. Aber
ich fühle keinen Druck gegenüber den Kids
oder auch mir, als dass ich es jetzt nochmal
unbedingt probieren müsste. Natürlich will
ich es nochmal versuchen, alleine schon
deshalb, weil ich wissen will, ob es
überhaupt möglich ist. Damals ist mein
Board gebrochen, also ist es schief
gegangen. Ich möchte wissen, ob es
möglich ist, aber Druck von irgendwelchen
Seiten verspüre ich keinen.
MSM: Weißt Du wie hoch das Gap ist?
JT: Zwischen fünf und sechs Meter. Hmm
yeah..., etwas über fünf Meter.
MSM: In wie fern achtest Du auf Deinen
Körper, auf Deine Gesundheit?
JT: Ich versuche so gut zu essen wie
möglich und meinen Körper nicht mit Mist
zu versorgen. Auf Tour in Deutschland ist
das schon schwierig für mich, in Europa
generell. Aber auf seine Ernährung zu
achten gehört für mich schon zu den Basics.
Ich mache allerdings nicht viel Training
außerhalb des Skateboardings. Ich sollte es
vielleicht tun, aber ich habe immer sehr viel
um die Ohren.
MSM: Du lebst vegan, stimmt das?
JT: Yeah!
MSM: Ist das mehr eine Attitude in Bezug
auf den Respekt vor Tieren, oder hat es für
Dich einfach nur vermeintlich
gesundheitliche Gründe?
JT: Ich bin schon lange Vegetarier und
habe mich früher auch als Straight Edge
bezeichnet. Heute zählt für mich einfach
nur noch der gesundheitliche Aspekt, und
hat für mich nichts mehr mit der
Zugehörigkeit zur Straight Edge Szene zu
tun. Ich habe niemals mit Drogen
rumprobiert, oder Fleisch gegessen.
Irgendwann habe ich mir überlegt, dass ich
aber über die Milch und den Käse von, mit
Hormonen aufgepeppelten Rindern,
trotzdem noch eine Menge Drogen zu mir
nehme, also hab ich auch das gelassen.
Danach dachte ich: "Ey, du sparst dir das
alles, also kannst du auch auf Leder
verzichten!" Anschließend habe ich mich
vermehrt mit Tierschutz beschäftigt und für
mich bemerkt, dass es eine sehr
eigensinnige Angelegenheit ist, tierische
Produkte zu konsumieren, in welcher Form
auch immer. Die Leute argumentieren,
dass man schließlich die Menschheit
ernähren müsse, und dabei sei Fleisch ein
wichtiges Grundnahrungsmittel. Aber sie
wissen nicht bzw. verschweigen, dass diese
Nahrungskette schon rein wirtschaftlich
überhaupt keinen Sinn ergibt. Denn mit
dem Getreide, mit dem man die Tiere
mästet, könnte man vergleichsweise viel
mehr Menschen ernähren. Es geht dann
letztenendes natürlich ums Geld. Es ist eine
Art zu leben und meine ist es nicht. Ich
mache ganz allein mein Ding, und wenn
jemand meine Meinung dazu hören
möchte, kann ich sie gerne bringen. Wenn
nicht, behalte ich meine Meinung für mich.
MSM: Bist Du persönlich engagiert in
Sachen Tierschutz?
JT: Ich bin kein Aktivist, oder so etwas.
Aber ich habe viel darüber gelesen und weiß
demnach auch eine Menge zu diesem
Thema, und wenn ich beispielsweise etwas
über eine bestimmte Company höre, die
die Rechte der Tiere mit Füssen tritt, trage
ich meinen Teil dazu bei zu helfen, indem
ich jene Company boykottiere. Viele Firmen
machen Tierversuche, um ihre Produkte zu
testen, wie Gilette z.B. Ich denke, das ist
der Beitrag, den man ohne Weiteres leisten
kann. Aber nein, ein richtiger Aktivist bin ich
nicht, schon allein aus dem Grunde, als
dass ich viel sehr mit Skateboarding
beschäftigt bin. Ich habe kaum Freizeit
zwischen dem Leben mit meiner Frau, Adio
und Zero, dazu Fotos machen,
Skateboarding selbst und natürlich dem
Produzieren von Videos.
MSM: Stichwort Adio. Warum geht man von
Emerica weg, um bei einer anderen
blutjungen Shoe Company einzusteigen?
JT: Bei Emerica sind in jener Zeit einige
Sachen passiert, von denen ich nicht so
begeistert war. Chris (Miller) hatte davon
gehört und da er gerade dabei war, eine
neue Shoe Company aufzuziehen, fragte er
mich, ob ich nicht Lust hätte, für ihn zu
fahren. Die finanzielle Rückendeckung in
Bezug auf Adio war auch gegeben, so dass
man die Möglichkeiten hatte, vernünftige
Schuhe zu produzieren. Ich war bereits mit
dem Hause Planet Earth durch meinen Deal
mit Mercury Trucks verbunden, kannte Chris
bereits seit vielen Jahren, dachte aber
zunächst, dass das letzte, was die
Skateboard Industrie brauchen könne,
(noch) eine neue Shoe Company wäre.
Aber dann habe ich die Sache nochmal
überdacht und sah die Möglichkeit, meinen
Input zu den Schuhen zu geben. Dazu
kam, wie gesagt, dass ich mit Emerica nicht
mehr so recht glücklich war, also habe ich
diesen Schritt getan. Es ist mir sehr wichtig,
dass ich meine Ideen in die Projekte, mit
denen ich zu tun habe, einbringen kann,
damit ich ein wenig stolz darauf sein kann,
wie z.B. auf Zero.
MSM: Du bist ein Skateboarder, zu dem
viele Kids aufschauen. Zu wem schaust Du
auf bzw. von wem lässt Du Dich inspirieren?
JT: Ich mag Matt Hensley sehr gerne, Kris
Markovich und John Cardiel, Frankie Hill.
Aber es gibt auch eine Menge Leute, von
denen die meisten Leute da draussen noch
nie etwas gehört haben, und die ich sehr
schätze. Leute, die neue Limits setzen.
Matt hat vielleicht nie fette Gaps gemacht,
aber er hat damals sehr viel Innovatives
ins Streetskating einfliessen lassen.
MSM: Wie wichtig ist Musik für Dich?
JT: Es ist wierd! Ich mache im Moment eine
komische Phase durch, da sich, wie schon
erwähnt, auch mein Leben derzeit ändert.
Ich höre alle möglichen Arten von Musik.
Sie ist wichtig für mich, ganz bestimmt, um
mich inspirieren zu lassen. Derzeit lese ich
Bücher mit Inhalten, mit denen ich mich nie
zuvor beschäftigt habe, und ähnlich steht
es auch mit der Musik.
MSM: Black Metal?
JT: Nein, nicht sehr häufig, weil ich mit der
Message persönlich nicht viel anfangen
kann. Auch die ganzen Misfits Klamotten
gehen ja in diese Richtung, Horror usw.
Irgendwie ist das witzig, aber letztenendes
bin ich ein sehr ernsthafter Mensch. Mit fällt
es halt schwer, mich mit Musik zu
identifizieren, wenn ich mit den Lyrics nichts
anfangen kann. Mit Hip Hop ist das ähnlich.
Ich nehme keine Drogen, rauche kein Gras
und hab nicht ständig neue Frauen am
Wickel, deshalb ist Hip Hop so gesehen
nicht meine Musik. Trotzdem mag ich die
Beats von Hip Hop und manchmal versuche
ich auch die Texts zu überhören, nur weil
mir die musikalische Seite gut gefällt.
MSM: Aber die Wahl der Musik in Euren
Videos fällt schon aus dem Rahmen...
JT: Manchmal kommen beispielsweise Hip
Hop Bands aus dem Nichts und werden
durch Skate Videos populär. Nach sechs
Monaten sind sie wieder weg vom Fenster
und der oder die Songs sind noch immer
auf dem Streifen. Der Großteil der Musik,
die wir in unsere Videos schneiden ist in
dem Sinne populär, als das es diese Songs
bereits seit 10-15 Jahren existieren und
immer noch geil sind.
MSM: Drunk Injuns..?
JT: Yeah, die hatten ja z.B. schon damals
auf dem Savannah Slammer Video ihre
Mukke drauf.
MSM: Ist das auch ein bißchen eine
Hommage auf die alten Tage?
JT: Ja, weil es Musik ist, die für immer gut
sein, für immer rocken wird. Es ist Musik,
die man als Kid gehört hat. Damit hat man
auch eine ganz besondere Beziehung dazu.
MSM: Ich denke, wir kommen zum Ende.
Möchtest Du noch jemanden grüßen,
jemandem danken?
JT: Ja, in erster Linie natürlich meiner Frau
Joanne, dann Adrian, Erik, Matt, Jim, Wade
und Micah bei Zero, Scott und Aaron, Danke
auch an Ed Templeton und den Rest von
Toy Machine, Ty, Kirk und Lee für´s filmen,
Todd Swank, Matt Barker, Rob V., und
Cleon. Vielen Dank an Amy, Kevin und Jen
bei Tum Yeto, Chris Miller. Danke an Kirk,
Salba, Hurley und Sean für ihre
Freundschaft, und schließlich Danke an
meine Familie und alle, die mir in meinem
Leben geholfen haben.
MSM: Ich danke ebenfalls...
Interview: Carsten Bauer
---Vielen Dank an das Monster Skateboard Magazine!!!---