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Die Saartal-Linien (GSS AG)

Von Markus Philipp, Saarbrücken

Sie sind in Saarbrücken und seinem Umland Nummer eins im ÖPNV und das schon seit 108 Jahren: Die Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal AG, seit den 80er Jahren auch als "Saartal-Linien" bekannt. Angefangen hat alles am 9.4.1892 mit der Firmengründung. Zu dieser Zeit existierte bereits eine 1890 eröffnete Dampfstraßenbahn auf der Strecke St.Johann / Mainzer Str. - Louisenthal. Diese wurde 1899 von der elektrischen Straßenbahn abgelöst. Das Liniennetz entwickelte sich rasch und vor Beginn des Zweiten Weltkrieges erreichte die Straßenbahn die Endstellen Ormesheim, Ensheim, Schafbrücke, Rotenbühl, Spiesen, Heusweiler, Großrosseln, Gersweiler, Goldene Bremm und St.Arnual. Nach dem Krieg lebte die Straßenbahn nur kurzzeitig wieder auf: Am 22.5.1965 wurden die beiden letzten Linien 5 (Rastpfuhl - Schafbrücke) und 11 (Neumarkt - Drahtzug) stillgelegt und der Omnibus, den es seit 1925 in Saarbrücken gibt, übernahm den städtischen ÖPNV alleine bis 1997. Nur im heute noch existenten Namen lebte die Straßenbahn weiter. Es gab im übrigen auch - heute in unserer Region noch in Nancy zu sehen - einen Obus ("Trolley"), der aber auch nur von 1984 bis 1964 auf zwei Linien betrieben wurde. Mit dem Aufschwung des Automobils kam auch in Saarbrücken der Niedergang des ÖPNV’s: Der Tiefstpunkt Anfang der 80 Jahre (nur 25 Mio. Fahrgäste) konnte durch einige Maßnahmen und das gesteigerte Umweltbewußtsein der Bevölkerung gestoppt werden. Die Einfühtung der attraktiven UmweltZeitkarte 1986 und die Neuordnung des Liniennetzes 1988 brachten erhebliche Verbesserungen und die Fahrgastzahlen stiegen wieder auf über 30 Millionen im Jahr. Die 90er Jahre waren geprägt von der Diskussion, der Planung und dem Bau der Stadtbahn. Parallel entwickelten sich die Saartal-Linien weiter bis auf über 37 Mio. Fahrgäste (1995). Die ersten Niederflurbusse kamen und die ersten Linien und Kurse wurden an Fremdunternehmen vergeben, was nicht nur zur Kostenreduktion führte, sondern auch Probleme mit sich brachte. Mit dem Bau der Stadtbahn entstanden zwei neue Unternehmen, die wie die Saartal-Linien (GSS) unter dem Dach des Konzerns VVS (Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken) stehen: Die Stadtbahn Saar GmbH (für Planung und Bau der Saarbahn) und die Saarbahn GmbH (für Betrieb der Saarbahn). Insofern wurde die Gesellschaft für Straßenbahnen nie wieder eine solche. Heute sind die Saartal-Linien nach wie vor für die Durchführung des Busverkehrs in Saarbrücken zuständig. Aber das wird nicht mehr lange so bleiben: Die Saarbahn GmbH nennt sich schon Saarbahn und -bus GmbH und alle neuen Busfahrer werden zu anderen Tarifverträgen dort eingestellt. Es ist damit zu rechnen, daß auch die Durchführung des Betriebes und die letzten Angestellten der GSS im Laufe der kommenden Jahre auf die neue Gesellschaft überführt werden. Die weitere Entwicklung kann keiner genau absehen und es wird spannend sein, sie zu beobachten. Dennoch steht heute auf jedem der rund 140 eigenen Fahrzeuge noch "Die Saartal-Linien". Als Unternehmen präsentiert es sich fortschrittlich, mit guter Infrastruktur, aber sehr teuer in Betriebskosten und allzu oft nicht sehr kundennah. Die Arbeit des Fahrgastbeirates bewirkt nicht viel und man hat im Zuge der Stadtbahneröffnung viele Dinge halbherzig umgesetzt. Die Verknüpfung zwischen Bus und Bahn ist immer noch ein unangenehmes Kapitel. Entsprechend dürfte es auch mit den Fahrgastzahlen nicht zum Besten stehen. Betriebseigene Angaben sprechen von über 41 Millionen incl. Saarbahn (1998), aber einer realistischen Überarbeitung zufolge, dürften sie bei rund 38 Millionen liegen - die erwartete Steigerung ist ausgeblieben. Aber dennoch zeigen sich die Saartal-Linien in vielerlei Hinsicht modern: Das Haltestellennetz ist sehr dicht und die Haltestellen selber sehr gut ausgestattet: Hier können sich andere Unternehmen noch eine Scheibe abschneiden. Es existiert ein großes, zentral gelegenes Kundenzentrum. Auch der Wagenpark (schon über 60% Erdagsbusse) ist sehr modern. Aber das und anderes hat seinen Preis: Das Defizit liegt bei 32,8 Mio. DM (incl. Saarbahn) trotz 30% Fremdvergabe, und der Buskilometer ist vergleichbar teuer. Hier ist der Zwang zum Sparen deutlich, nur ob der von den Saartal-Linien und der Saarbahn eingeschlagene Weg der reinen Personalkosteneinsparung der richtige ist, sei dahin gestellt. Denn gut ausgebildete und motivierte Busfahrer sind auch Betriebskapital. Und sparen kann man auch in Verwaltung, Werkstatt und anderen Bereichen. Auf die weitere Entwicklung darf man gespannt sein. Die GSS in Zahlen (Stand Anfang 2000): Eigene Busse: 137, davon 54 Gelenkbusse Anzahl der Linien: 52, davon 5 Sonntagslinien und 6 Universitätslinien Belegschaft (1997): 442 Betriebsleistung: 10,2 Mio. km 1997 Fahrgäste: 1995: 37,3 Mio., 1997: 35,8 Mio., 1999 (?): 38 Mio.

Links zu Saar-Verkehrsunternehmen Saartal-Linien GSS VGS Verbundgesellschaft Saar (mit weiterführenden Links zu anderen Unternehmen)
Der Artikel wurde veröffentlicht in der VCD-Mitgliederzeitung "nahfairkehr" Nr. 1/00, herausgegeben vom Verkehrsclub Deutschland, Landesverband Saarland, Saarbrücken; der Artikel ist Teil 2 einer Serie "Wer macht eigentlich den ÖPNV?".
Artikelübersicht Markus Philipp in IDL: Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis (KVS) Gesellschaft für Strassenbahnnen im Saartal (GSS) Stadtbus Sarreguemines/Frankreich (SABUS) zur IDL-Startsite



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