gedichte

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Die tote Liebe
Entgegen wandeln wir
Dem Dorf im Sonnenkuß,
Fast wie das Jüngerpaar
Nach Emmaus,
Dazwischen leise
Redend schritt
Der Meister, dem sie folgten
Und der den Tod erlitt.
So wandelt zwischen uns
Im Abendlicht
Unsre tote Liebe,
Die leise spricht.
Sie weiß für das Geheimnis
Ein heimlich Wort,
Sie kennt der Seelen
Allertiefsten Hort.
Sie deutet und erläutert
Uns jedes Ding,
Sie sagt: So ists gekommen,
Daß ich am Holze hing.
Ihr habet mich verleugnet
Und schlimm verhöhnt,
Ich saß im Purpur,
Blutig, dorngekrönt,
Ich habe Tod erlitten,
Den Tod bezwang ich bald,
Und geh in eurer Mitten
Als himmlische Gestalt -
Da ward die Weggesellin
Von uns erkannt,
Da hat uns wie den Jüngern
Das Herz gebrannt.
Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
Abschied
Wie hab ich das gefühlt, was Abschied heißt.
Wie weiß ich's noch: ein dunkles unverwundnes
Grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
Noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
Das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
Zurückblieb, so als wären's alle Frauen
Und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
Ein leise Weiterwinkendes -, schon kaum
Erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
Von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.

Schon kehrt der Saft aus jener Allgemeinheit,
Die dunkel in den Wurzeln sich erneut,
Zurück ans Licht und speist die grüne Reinheit,
Die unter Rinden noch die Winde scheut.

Die Innenseite der Natur belebt sich,
Verheimlichend ein neues Freuet euch;
Und eines ganzen Jahres Jugend hebt sich,
Unkenntlich noch, ins starrende Gesträuch.

Des alten Nußbaums rühmliche Gestaltung
Füllt sich mit Zukunft, außen grau und kühl;
Doch junges Buschwerk zittert vor Verhaltung
Unter der kleinen Vögel Vorgefühl.
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Das Huhn
In der Bahnhofhalle, nicht für es gebaut,
geht ein Huhn
hin und her...
Wo, wo ist der Herr Stationsvorsteh'r?
Wird dem Huhn
man nichts tun?
Hoffen wir es! Sagen wir es laut:
daß ihm unsre Sympathie gehört,
selbst an dieser Stätte, wo es - "stört"!
Christian Morgenstern (1871-1914)
Die Lieb' ist Lieb'
Die Lieb' ist Lieb', und wenn sie mich entzückt
In Himmelslust, ihr sterb' ich im Entzücken.
Die Lieb' ist Lieb', und wenn sie mich zerdrückt
In Todesqual, ihr jauchz' ich im Zerdrücken.
Die Lieb' ist Lieb', und ihre Kette schmückt,
Es soll dafür kein Königsband mich schmücken.
Die Lieb' ist Lieb', und wenn mich nun beglückt
Ihr Weh, was brauch' ich Lust, mich zu beglücken?
Friedrich Rückert (1788-1866)
Auf dem Rhein
Ein Fischer saß im Kahne,
Ihm war das Herz so schwer,
Sein Lieb war ihm gestorben,
Das glaubt er nimmermehr.

Und bis die Sternlein blinken,
Und bis zum Mondenschein
Harrt er, sein Lieb zu fahren
Wohl auf dem tiefen Rhein.

Da kommt sie bleich geschlichen
Und schwebet in den Kahn
Und schwanket in den Knieen
Hat nur ein Hemdlein an.

Sie schimmern auf den Wellen
Hinab in tiefer Ruh;
Da zittert sie und wanket -
"Feinsliebchen, frierest du?

Dein Hemdlein spielt im Winde
Das Schifflein treibt so schnell
Hüll dich in meinen Mantel,
Die Nacht ist kühl und hell!"

Stumm streckt sie nach den Bergen
Die weißen Arme aus
Und lächelt, da der Vollmond
Aus Wolken blickt heraus;

Und nickt den alten Türmen
Und will den Sternenschein
Mit ihren schlanken Händlein
Erfassen in dem Rhein.

"O, halte dich doch stille,
Herzallerliebstes Gut,
Dein Hemdlein spielt im Winde
Und reißt dich in die Flut!"

Da fliegen große Städte
An ihrem Kahn vorbei,
Und in den Städten klingen
Wohl Glocken mancherlei.

Da kniet das Mägdlein nieder
Und faltet seine Händ;
Aus seinen hellen Augen
Ein tiefes Feuer brennt.

"Feinsliebchen, bet hübsch stille,
Schwank nicht so hin und her,
Der Kahn möcht uns versinken,
Der Wirbel reißt so sehr!"

In einem Nonnenkloster,
Da singen Stimmen fein,
Und aus dem Kirchenfenster
Bricht her der Kerzenschein.

Da singt Feinslieb gar helle
Die Metten in dem Kahn
Und sieht dabei mit Tränen
Den Fischerknaben an.

Da singt der Knab gar traurig
Die Metten in dem Kahn
Und sieht dazu Feinsliebchen
Mit stummen Blicken an.

Und rot und immer röter
Wird nun die tiefe Flut,
Und bleich und immer bleicher
Feinsliebchen werden tut.

Der Mond ist schon zerronnen,
Kein Sternlein mehr zu sehn,
Und auch dem lieben Mägdlein
Die Augen schon vergehn.

"Lieb Mägdlein, guten Morgen!
Lieb Mägdlein, gute Nacht!
Warum willst du nun schlafen,
Da schon der Tag erwacht?"

Die Türme blinken sonnig,
Es rauscht der grüne Wald,
In wildentbrannten Weisen
Der Vogelsang erschallt.

Da will er sie erwecken,
Daß sie die Freude hör,
Er schaut zu ihr hinüber
Und findet sie nicht mehr.

Ein Schwälblein strich vorüber
Und netzte seine Brust;
Woher, wohin geflogen,
Das hat kein Mensch gewußt.

Der Knabe liegt im Kahne,
Läßt alles Rudern sein
Und treibet weiter, weiter
Bis in die See hinein.

Ich schwamm im Meeresschiffe
Aus fremder Welt einher
Und dacht an Lieb und Leben
Und sehnte mich so sehr.

Ein Schwälbchen flog vorüber,
Der Kahn schwamm still einher,
Der Fischer sang dies Liedchen,
Als ob ich's selber wär.
Clemens Brentano (1778-1842)

 

Die Augenringe erzählen die Nacht, Fremdes Hotel, bin fröstelnd aufgewacht. Mit nem Gewissen, das mich ständig beißt. Oh, du fehlst mir so. In der Arena gestern noch der Held, Heute der Typ, der den Hörer falsch herum hält. Ach, warum gehst du denn nicht ran? Ich vermiss dich so. Wenn der Himmel mir jetzt auf den Kopf drauf fällt, bist du die einzige, die noch zu mir hält. Ich brauche jetzt deine ruhige Hand. Oh, meld dich doch bei mir, ich gäb sonst was dafür. Lena, du hast es oft nicht leicht. Wie weit die Kraft doch reicht. Wenn ich am Boden liege, erzählst du mir, dass ich bald fliege. Lena, wie ein klarer warmer Wind, wenn die Tage stürmisch sind, lass ich mich zu dir treiben, Seelen aneinander reiben. Bin viel zu oft weit weg von dir. Abgestürzt, gestrandet neben dir. Mein Glück, dass du Bruchpiloten magst. Du kennst mich gut, ich schwör dir nie zu viel. Aber du weißt, du bist mein wahres Ziel. Du hast mich immer noch nicht satt. Du bist Luft für mich, die ich zum Atmen brauch. Die Landebahn in meinem Bauch, Die Tropfen für mein schwaches Herz. Ich lieb dich alltagsgrau, ich lieb dich sonntagsblau.



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