Thema des Monats

 

  

Thema des Monats Januar 09 

 

 

 Haustierdiebstahl, Erpressung. Fundunterschlagung

 

 

Vorbeugung allgemein

 

 

Ihr Hund sollte tätowiert  sein oder einen Transponder(Chip) implantiert haben. Für den Fall  dass es sich bei  Ihren Hund um einen Rassehund vom Züchter oder aus dem Tierschutz handelt , brauchen Sie sich in der Regel nicht darum zu kümmern, denn dies wurde dann bereits vom Zuchtwart oder vom Tierarzt erledigt.

 

Lassen Sie Ihren Hund unbedingt mit Chip- oder Tätowiernummer und weiteren besonderen Kennzeichen bei einem der Haustierregister z.B. TASSO oder Deutscher Tierschutzbund eintragen. Es ist sinnlos, wenn Ihr Hund zwar gekennzeichnet, aber nirgends eingetragen ist. Dort hilft man Ihnen im Falle des Verlustes auch weiter. Hilfreich ist es, wenn Ihr Hund z.B die TASSO Marke auch am Halsband trägt.

Legen Sie sich für Ihren Hund eine Mappe an, in der Sie alle zum Tier gehörenden Papiere, wie Stammbaum, Tierausweis(z. B. von  TASSO) Impfbücher usw. aufbewahren.

Einige Photos Ihres Hundes sollten Sie auch dazulegen. Achten Sie darauf, dass diese immer aktualisiert werden. Wenn Ihr Hund im Alter von acht Jahren abhanden kommt, nutzt ein Photo, welches ihn im Alter von acht Wochen zeigt, nichts. Besitzen Sie einen lebhaft gefärbten Hund, wie z.B. einen Irish Red and White Setter, sollten Sie darauf achten, dass Sie Ihren Hund von vorne, sowie  von rechts und links ablichten. Machen Sie sich Notizen über Besonderheiten wie Narben, verschieden farbige Augen, auffällige Verhaltensweisen oder Vorlieben Ihres Hundes. Auch die ungefähre Größe und das Gewicht sollten Sie notieren.

Vergessen Sie nicht, die Mappe mindestens zweimal im Jahr zu aktualisieren. Im Notfall hat man selten einen klaren Kopf, um wichtige Details aus dem Stegreif zusammen zu bekommen. Ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, wie allgemein oder ungenau Halter ihren vermissten Vierbeiner beschreiben, oft gibt es gar keine Fotos. Dabei gilt  auch hier: Umso genauer die Beschreibung, desto wahrscheinlicher, dass der Hund zweifelsfrei identifiziert und  auch zurückvermittelt werden kann..

 

 

Natürlich lässt sich dem Haustierdiebstahl, genau wie dem Entlaufen,  zwar vorbeugen, eine totale Sicherheit gibt es aber auch hier nicht.

 

  

Motive für Diebstahl und Fundunterschlagung

 

Die Motive für die Entwendung oder Unterschlagung  eines Hundes sind durchaus verschieden. Manche Leute glauben sogar, im Interesse des Hundes zu handeln, indem sie ihn aus seiner vermeintlich unguten Situation befreien und verstecken. Andere wiederum sind vom Wunsch nach gerade diesem Vierbeiner oder zumindest dieser Rasse besessen, möchten oder können aber kein Geld für den Erwerb  investieren. Manche Finder sind auch, in der irrigen Annahme, dass ein herrenloses Tier sofort in ihren Besitz übergeht, nicht Willens, das Fundtier auch wieder zurückzugeben, eine weitere Gruppe handelt ganz gezielt, um mit dem Verkauf der entwendeten Hunde Geld zu erlangen oder  auch mit der Absicht, ein hohes Lösegeld  vom Halter zu erpressen.

 

 

 Methoden

  

 

Hunde werden meistens vor Ladentürenaus Autos  oder aus Gärten gezielt  entwendet.

 

Binden Sie deshalb Ihren Hund, wenn möglich, nicht vor Ladentüren oder anderweitig z. B vor den Eingang der Arztpraxis, an. Überlegen Sie ganz genau, ob der Hund Sie  wirklich unbedingt zum Einkaufen, zum Arzt oder Friseurbesuch, beides dauert in der Regel Stunden, begleiten muss. Lassen Sie Ihren vierbeinigen Begleiter in diesem Fall  lieber zu Hause. Dort ist er in der Regel besser aufgehoben. Falls Ihr Hund zu den Exemplaren gehört, die alleine gelassen zu übermäßigem Bellen oder gar zur Zerstörung aller möglichen Einrichtungsgegenstände neigen, bitten Sie einen Nachbarn oder Bekannten, auf den Hund aufzupassen. Oder geben ihn in Städten in einer Hundetagesstätte ab.

Auch spezielle Schlösser an den Anbindevorrichtungen, die vor Geschäften häufig zu finden sind, nutzen wenig gegen Diebstahl, da der Hund schnell vom Halsband und der Leine befreit werden kann, bzw. Leine oder Kette durchtrennt werden können. Der Glaube, dass Passanten, die man nur kurz bittet, den Hund zu halten, immer vertrauenswürdig sind, erweist sich ebenfalls oft als falsch.

 

Auch Ihr Auto ist kein sicherer Platz für den Hund. Wenn Sie ihn doch einige Minuten, keinesfalls Stunden,  im Auto lassen müssen, achten Sie unbedingt darauf, dass alle  Autotüren abgesperrt sind.

Schon mancher Hundehalter musste erkennen, dass seine Meinung, der Hund selbst wäre Abschreckung genug, irrig war. Es gab auch schon Fälle, in denen Auto samt Hund entwendet wurden. Gut verschlossene  Autotüren bringen in der Regel aber nichts, wenn man vergisst, auch die Heckklappe abzuschließen. So mancher Vierbeiner wurde schon auf diesem Weg  aus dem Auto entwendet. Stellen Sie Ihr Auto, wenn möglich so ab, dass  Sie es samt Hund im Blickfeld behalten können. Im Parkhaus sollten Sie unter keinen Umständen einen Hund im Auto zurücklassen, auch wenn dieser noch so schön schlummert!

 

Lassen Sie Ihren Hund nicht unbeaufsichtigt im Garten. Falls eine Tür  direkten Zugang von außen zum Garten bietet, achten Sie darauf, dass dieser Eingang abgesperrt ist, zumindest immer dann, wenn der Hund sich alleine draußen befindet. Spätestens dann, wenn Sie das Haus verlassen, sollte der Platz Ihres Hundes im Haus sein. Sperren Sie sämtliche Türen, die ins Freie führen, ab. Es gibt Hunde, die mit spielerischer Leichtigkeit Türen öffnen und so ins Freie gelangen. Bitten Sie auch  Nachbarn,  ein Auge auf Ihr Haus  und Ihren Vierbeiner zu haben. Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen die Umzäunung, Löcher, halb umgefallene oder viel zu niedrige Zäune, die man ohne weiteres übersteigen kann,  machen es Dieben besonders  leicht, Ihre(n) Hund(e) zu entwenden.

 

Nachts gehört der Hund ins Haus. Schon so mancher Hund, der in der Nacht  draußen Haus und Hof bewachen sollte, wurde im Schutz der Dunkelheit entwendet.

Gartenkolonien, Schuppen oder Garagen sind nicht nur kein artgerechter Aufenthaltsort für Ihren Hund, auch abgelegene  Grundstücke mit Zwingeranlagen fordern geradezu zum Diebstahl heraus. Vorhängeschlösser und Maschendrahtzaun sind bekanntlich  kein Problem für einen Bolzenschneider.

 

Fälle, bei denen der freilaufende Hund einfach mitgenommen wird oder gar gewaltsam  entrissen wird, kommen zum Glück nur selten vor. Dagegen gibt es leider kein Mittel.

 

Wobei man annehmen kann, dass ein Vierbeiner, der nicht übermäßig freundlich zu vollkommen fremden Personen ist, in jedem Fall weniger gefährdet ist, als ein Hund, der sich vertrauensvoll  jedem Unbekannten  nähert, und womöglich sogar freiwillig mitgeht.

 

Eine weitere Variante, sich unrechtmäßig  in den Besitz eines Vierbeiners zu bringen,  besteht darin, auf  Verkaufsanzeigen zu antworten, sich den Hund zeigen zu lassen, und in einem unbeobachteten Augenblick mit dem Tier zu verschwinden. Auch einige Züchter wurden schon Opfer solcher Machenschaften. Deshalb sollten Sie sich  beim ersten Besuch eines möglichen Interessenten niemals auf einen Probespaziergang einlassen, oder sich mit ihm auf weiter Flur treffen. Vereinbaren Sie grundsätzlich einen Termin bei Ihnen zu Hause und  geben Sie den Hund nicht aus der Hand, bis ein gültiger Vertrag geschlossen wurde. Hierfür sollten Sie unbedingt die Ausweis- oder Passnummer des Interessenten geben lassen.

 

Es wurden auch schon vereinzelt Fälle bekannt, in denen Hunde mit Hilfe eines anderen Hundes, z.B. eine läufige Hündin zieht  Rüden magisch  an, vom Besitzer oder über  den Gartenzaun weg in ein  Auto gelockt wurden. Professionelle Tierdiebe verwenden auch ganz  bestimmte Lockstoffe um des Tieres habhaft zu werden.

 

Seien Sie auch misstrauisch, wenn Sie zu Ihrer Haustierhaltung, meist telefonisch, befragt werden sollen. Häufig werden Ihnen so im Vorfeld Informationen für einen möglichen Diebstahl oder eine Entführung Ihres Vierbeiners entlockt.

 

Wenn Ihr Tier, auf welche Weise auch immer,  unter Umständen abhanden kam, die auf einen Diebstahl schließen lassen, erstatten Sie umgehend Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle. Melden Sie den Hund mit dem Vermerk „wurde gestohlen“ bei  der Stelle, bei der Ihr Haustier hoffentlich registriert ist, als vermisst. Übrigens kann man auch per Internet Anzeige bei der Polizei erstatten.

 

Anschließend gehen Sie genauso wie bei einem entlaufenen Hund vor. Alarmieren Sie Tierschutzvereine und Tierheime, Tierärzte, Straßenmeistereien im weiten Umkreis und auch alle umliegende Forstdienststellen. Unter Umständen wurde Ihr Tier nämlich vom Dieb bereits ausgesetzt und irrt umher. Informieren Sie Bekannte auch in weiter entfernten Orten.

Drucken Sie Plakate mit Angaben zum Tier oder besorgen Sie sich welche  über TASSO  oder eine andere Organisation. Loben Sie möglichst keine Belohnung aus, das ruft meist  nur Trittbrettfahrer auf den Plan, oder verführt auch einen möglichen Finder dazu, das Tier einfach zurückzubehalten und abzuwarten, ob die Belohnung noch steigt, oder auch, um telefonisch eine höhere Belohnung von Ihnen  zu fordern.

 

 

 

Andere kriminelle Methoden rund um das  Verschwinden eines Haustieres

 

Grundsätzlich muss man beim Diebstahl eines Haustieres zwischen dem gezielten Diebstahl und der so genannten „Fundunterschlagung“ unterscheiden.

 

Die Fundunterschlagung betrifft in der Regel ein von selbst entlaufenes Haustier, wobei es neben dem einfachen Zurückhalten eines Tieres durch nicht anzeigen des Fundes, noch  besonders böswillige Varianten gibt:  Menschen,  die Ihr Haustier zufällig  gefunden haben, versuchen, ein hohes Lösegeld für die Rückgabe zu erpressen.

 

Es gibt aber auch Leute, die gezielt nach Verlustmeldungen im Internet , Zeitungen  und in Form von Plakaten suchen, und Ihnen dann telefonisch vorgaukeln, Sie hätten Ihr Tier, meist im Ausland,  gefunden, um dann von Ihnen Überführungskosten, natürlich im Voraus, zu verlangen. Es versteht sich, dass Sie weder das Tier zurückbekommen, noch das Geld wieder sehen.

 

In der Regel ist es schwierig, selbst zu erkennen, ob die Anrufer  wirklich im Besitz Ihres Vierbeiners sind. Schreiben Sie deshalb in Suchanzeigen niemals  die Täto- und auch die Transpondernummer voll aus. Oder geben Sie von vornherein nur an, dass das Tier gechipt und tätowiert ist. Auch besondere Kennzeichen gehören nicht auf ein Suchplakat oder in die Suchanzeige. So können Sie gezielt  den angeblichen Finder nach der vollständigen Transpondernummer bzw. nach der vollständigen Tätowierung, oder eben besonderen Kennzeichen   fragen, die er ohne das Tier  zu kennen, nicht wissen kann. Somit können Sie zumindest sichergehen, dass der Anrufer wirklich Ihr Tier in seinem Gewahrsam  hat.

 

In den geschilderten Fällen - hier handelt es sich um Erpressung bzw. Betrug-,  hilft es nur, die Polizei zu benachrichtigen, und wenn möglich eine Übergabe zu vereinbaren, bei der dann seitens der Polizei  zugegriffen werden kann. Versuchen Sie bitte nicht, auf eigene  Faust zu agieren, da Sie unmöglich beurteilen können, ob es sich um „harmlose“ oder hochkriminelle Betrüger handelt.

Eine weitere, allerdings  kostenintensive, Möglichkeit ist es, eine Detektei oder am besten einen Tierdetektiv einzuschalten. Meines Wissens gibt es in ganz Deutschland allerdings nur einen, nämlich  Dieter Körner in Hamburg.  www.tierdetektei.de

Inzwischen gibt es eine weitere relativ neue Methode. Nach dem Absuchen diverser Vermisstseiten wird der Besitzer spät nachts telefonisch kontaktiert. Man behauptet, dass das Tier gefunden wurde, und am nächsten Tag im Tierheim oder einer anderen Stelle abgeholt werden kann. Der Halter wird aufgefordert,  weitere Informationen über eine teuere 0180 Nummer einzuholen. Dies verursacht natürlich nur Unkosten, und spielt zudem in perfider Art und Weise mit den Gefühlen der Besitzer vermisster Tiere. In solchen Ausnahmesituationen greifen die verzweifelten Halter nämlich meist nach jeden Strohhalm und lassen jegliche Logik und Vorishct außer Acht.Wer solche Anrufe erhält, sollte unbedingt Strafanzeige erstatten.

 

Wichtige Adressen:

TASSO

www.tiernotruf.org

Haustierregister des deutschen Tierschutzbundes       

www.deutsches-haustierregister.de

Bundesweite, sehr umfangreiche Datenbank mit Vermisst- und Fundmeldungen

www.find-mich-fix.de

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 Thema des Monats Januar 08

 

 

 

Hundeexperten!?

 

 

Wer einen Blick in die Fernsehzeitschriften, Zeitungen  oder in die Bücherlisten wirft, stellt rasch fest, wir leben im Zeitalter der Experten, ja es wimmelt geradezu von ihnen. Kaum ein Gebiet, für das es nicht die passenden Ratgeber, in Form von Fernsehsendungen, Videos , Büchern. Kursen und Beratungen gibt. Einigermaßen verwundert stellt man fest, dass der einzelne Mensch  heutzutage wohl nicht mehr in der Lage ist,  ohne entsprechende Beratung auszukommen.

Da gibt es Ernährungs- Einrichtungs-, Styling- und Erziehungsberatung für Kind und Hund und das alles durch so genannte Experten. Auf das, was ich als ausgebildete Erzieherin von dem Supernanny Hokuspokus halte, möchte ich hier nicht näher eingehen, denn diese Seite ist schließlich nicht den Zweibeinern, sondern den  Settern, und allen anderen Hunderassen gewidmet.

Die Vielzahl der Sendungen, Bücher und Zeitschriften erscheint dann auch eher verwirrend, als wirklich  hilfreich. Nicht nur als Hundehalter steht man mit offenem Mund Unmengen "guter“"Ratschläge gegenüber und staunt förmlich Bauklötze, über das, was einem da vermittelt werden soll. Nach einiger Zeit stellt man dann, sofern man sich noch ein  kleines bisschen Kritikfähigkeit bewahren konnte,  ernüchtert fest, desto mehr man davon sieht , hört und liest, umso ratloser und verunsicherter fühlt man sich.

Fast jeder Sender hat heute seine Beratungsshows, denn nichts anderes sind diese Sendungen, für Hundehalter  oder solche, die es noch werden wollen. Dazu gibt es selbstverständlich das passende Buch, das Video, Kurse, Vorträge, Beratungsangebote und das "richtige" Erziehungszubehör,  für teueres Geld, versteht sich. Da empfiehlt die Hundenanny im TV immer wieder ein so genanntes Sprühhalsband, das ähnlich wie das „wunderbare“ Reizstromgerät funktioniert, nur dass der Hund, im Falle eines Fehlverhaltens keinen Stromreiz erhält,  sondern mit einem unangenehm zischenden Druckluftstoß bestraft wird. Kurz darauf kann das dankbare Fernsehpublikum begeistert mit eigenen Augen sehen, wie  wunderbar doch die angepriesenen Methoden immer und überall wirken, bzw. wie gut der Hund dadurch „funktioniert“. Oder vielleicht doch nicht? An dieser Stelle möchte ich davor  warnen, alles was man  durch die gängigen Medien vorführt bekommt, auch für bare Münze zu nehmen.

Vor Jahren war der örtliche Fernsehsender- zugegeben auf unsere Einladung hin- zweimal bei uns zu Gast, und drehte  Kurzreportagen über unseren Wurf Irish Red and White Setter und  über Ronjas damaligen Einsatz als Besuchshund im örtlichen Altenheim. Wer hat denn schon wirklich Ahnung, wie lange es dauert und wie viele Einstellungen benötigt werden,  bis eine scheinbar authentische Szene im Kasten ist?  Hier wird, das kann ich aus eigener Erfahrung versichern, nichts dem Zufall überlassen. Wie oft mussten wohl die einzelnen Szenen  gedreht werden, bis die  Hunde das gewünschte Verhalten mehr oder weniger zufällig zeigten? Welche, für den Zuschauer natürlich nicht  ersichtlichen,  Taschenspielertricks mussten angewandt werden, bis die Nanny stolz das tolle Ergebnis ihrer Bemühungen vorzeigen konnte, und wie viele Szenen wurden, gekonnt geschnitten, zu einer einzigen Sequenz verschmolzen? In der Regel bestimmt der Redakteur, wie die „Livereportage“ oder die „Dokumentation“ am Ende aussieht, das Konzept  ergibt sich nicht aus dem Verlauf,  sondern steht von Anbeginn schon fest. Alles,  was nicht in das Drehbuch passt, wird folgerichtig einfach weggelassen, und das ist meist mehr Material, als das Fernsehpublikum dann überhaupt zu sehen bekommen  wird.

Aber zurück zum Sprühhalsband. Was bringt dieses, als effektive Erziehungshilfe angebotene Gerät wirklich? Echten Nutzen haben meiner Meinung nach nur die Hersteller und Vertreiber davon. Ängstliche, stark verunsicherte Hunde werden unter Umständen ein Trauma erleiden, welches neue, eben andere Probleme mit sich bringt, während nervenstarke und gewitzte Hunde schnell herausfinden werden, dass sie das von ihnen erwünschte Verhalten nur zeigen müssen, wenn sie diesen unangenehmen Kasten am Halsband tragen.

Ein für mich, als Setter- und damit auch Jagdhundehalterin, ebenfalls unerfreuliches Kapitel sind die Bücher, die dazu beitragen sollen. den Hunden das -seitens der Besitzer unerwünschte Jagdverhalten- abzugewöhnen. Es stellt sich hier die dringliche Frage, welchen Grund kann es geben,  den Hunden ihr angewölftes, und damit durchaus natürliches Verhalten „abzuerziehen“? Ein Buch, welches über die Eigenschaften und Bedürfnisse der einzelnen Jagdhunderassen gezielt informiert und potentielle Interessenten, die womöglich nur eine ausgefallene Rasse zum Repräsentieren und als reine Sofadekoration suchen, vor der Haltung eines hochpassionierten Jagdhundes warnt, erscheint- sicher nicht nur mir- als weitaus sinnvoller- aber dafür würde sich höchstwahrscheinlich kein Verlag finden,  weil man dadurch ja potentielle Abnehmer von weiteren Hunderatgebern damit verlieren könnte.

Und so gilt hier, wie da,  weiterhin leider „lieber Masse, statt Klasse.

So werden den Hundehalter höchst „interessante“ Ansätze vorgeführt, wie man den Hund mittels Schlepp- und Feldleine das Jagen abgewöhnt. Leider kann man  keinen Hinweis darauf finden, bei welcher Rasse diese Methode funktioniert hat. Eines ist zumindest richtig, der Hund kann nicht jagen, solange er sich an den entsprechenden Leinen befindet, die entsprechenden Ansätze sofort rigide unterbinden.  Die Annahme aber, der Hund würde nach einiger Zeit auch ohne Leine das unerwünschte Verhalten nie mehr zeigen, ist ein Trugschluss. Sicher wird es einige Tiere geben, die sich  nur noch in der Nähe ihres Führers aufhalten, die meisten werden aber nach einige Tagen oder auch  Wochen, die für sie äußerst erfreuliche Entdeckung machen, dass nun niemand mehr das Jagdverhalten rüde unterbricht oder gar verhindert. Ein Grund mehr für den Vierbeiner , sich besonders gründlich auszutoben. Und was dann? Folgt nun der  Griff zu deutlich härteren Methoden, sogar zum Reizstromgerät? Landet man letztendlich dann doch bei  zweifelhaften  Erziehungsmethoden, die  man ja angeblich mit obigen Ratgebern verhindern möchte?

Da es in diesem Artikel ja um Hundeexperten und solche, die sich dafür halten,  geht, komme ich nicht umhin, an dieser Stelle auf eine weitere Expertin einzugehen, die untere anderem ein Buch zur Bachblütentherapie auf den Markt gebracht hat. Erstaunlicherweise findet sie mit ihren Artikeln, in denen Bachblüten, verbunden mit allerlei psychologischen Ratschlägen, vorgestellt werden, geradezu riesigen Anklang bei den Chefredakteuren der meisten deutschen Hundezeitschriften. Eigentlich hätte ich- zumindest einigen von ihnen- etwas mehr kritische Auswahl der Artikel und Fachleute, gerade auf dem Gebiet der Hundepsychologie zugetraut. Bei  Bachblüten und deren mögliche Wirkung reichen meine bisherigen Erfahrungswerte leider nicht aus, um mir hier ein abschließendes  Urteil  erlauben zu können, anders sieht es jedoch mit den hundepsychologischen Tipps aus. Soviel ich in Erfahrung bringen konnte, lassen diese nicht nur mir, als jahrelange Mehrfachhundehalterin  die Haare einzeln zu Berge stehen, beim sorgfältigen Lesen des Buches erhält man den Eindruck, dass beinahe alle kynologischen  Erkenntnisse der vergangenen  zwanzig  Jahre geradezu spurlos an dieser Autorin vorübergegangen sind. Davon, dass es nicht nur Einzelhundehaltung gibt, scheint die Dame auch noch nie etwas gehört zu haben

 Hier wird unter anderem auch „Wissen“ vermittelt, das  eigentlich als Basiswissen vor einer angestrebten Hundehaltung vorhanden sein sollte. Hundehalter, die durch dieses Buch tatsächlich etwas Neues erfahren, sollten sich nicht wundern, wenn sie ein Hundeproblem haben.

 

Fazit des Ganzen: Alle Superexperten auf dem Gebiet der Kynologie übersehen in der Regel vor allen Dingen das Wichtigste : In der Regel hat der Hund keine Problem mit seinem Verhalten, welches ihm, bis auf wenige Ausnahmen, in den meisten Fällen Befriedung verschafft, derjenige, der das Problem hat, ist der Halter! Dieser will, aus welchen Gründen auch immer, bestimmte Verhaltensweisen des Hundes nicht akzeptieren. Selbstverständlich kann einiges am Hundeverhalten nicht hingenommen werden, denn auch die Freiheit eines Hundes hört spätestens an einem Punkt auf, an dem andere Zwei- und Vierbeiner durch den Hund gefährdet werden. Trotzdem ist in meinen Augen der Ansatz, dahingehend, dass nur der Hund sein Verhalten ändern muss, falsch. Wer Hundehaltern und auch Nichthundehaltern vermittelt, es gäbe das Patentrezept für die Erziehung, man müsse nur genügend Härte dem Vierbeiner gegenüber zeigen, verhält sich meienr Meinung nach, grob fahrlässig.

Obwohl  wir den Hund immer noch  –zumindest in der Rechtssprechung- als Sache betrachten, und- typisch menschlich, auch dazu neigen, vom Hund perfektes Funktionieren- etwas, wozu nichts und niemand, , keine Maschine- auch die „Krone der Schöpfung“, der Mensch-  in der Lage ist, zu verlangen,  müssen wir endlich begreifen, dass dieser Anspruch unrealistisch und nicht erfüllbar ist.

Ansonsten entsteht beim unbedarften Halter durch die Experten, deren Werke und Aussagen der Eindruck, dass der Hund einfach nicht „therapierbar“ ist. Als Folge werden junge, gesunde Hunde dann zum Tierarzt zum Einschläfern gebracht, oder landen zumindest in den Tierheimen,  nur weil ihr Verhalten nicht den Wünschen des Halters entspricht und häufig nur aus der Sicht  des Besitzers nicht tragbar erscheint. Dieser  schafft sich schnellstens einen neuen besseren Hund an und zeigt sich nach einigen Monaten dann verwundert, weil wieder die alten oder auch ganz neue Probleme mit diesem auftreten.

Um wie viel  sinnvoller wäre es, bei nicht ausgelasteten und deshalb gelangweilten Hunden, die sich selbst durch Streunen und Zerstören Zerstreuung und Erfolgserlebnisse schaffen, echte Beschäftigungsalternativen aufzuzeigen, z.B ein Programm zu entwickeln, welches dazu ausgerichtet ist, nicht nur den Hunden, die tatsächlich jagdlich geführt werden, beizeiten Gehorsam vor dem Wild beizubringen. Auch könnte man durchaus den Haltern vermitteln, dass ein Jagd- oder Windhund unter gar keinen Umständen für Menschen geeignet ist, die sich die Hundespaziergänge lieber mit ach so interessanten Gesprächen mit anderen vertreiben, und ihre Aufsichtspflicht für ihren Vierbeiner dabei grob vernachlässigen.

Aufklärung wäre hier das A und O. Prophylaxe und Prävention sollte das Gebot der Stunde sein.

Statt mit irgendwelchen Patentrezepten aufzuwarten, wäre es sinnvoller, zu vermitteln ,dass es einfach Menschen gibt, die sich die falsche Hunderasse angeschafft haben, oder auch überhaupt nicht als Hundehalter geeignet sind. Übersteigerte  Erwartungshaltungen an den Hund  und überzogenes Anspruchsdenken  überhaupt, wieder auf ein vernünftiges Maß herunterzuschrauben, so könnte die Botschaft oder Message, wie man auf gut Englisch sagt,  der „Experten“ an die „Laien“ lauten

Dies wird aber mit Sicherheit nie passieren, denn die Experten möchten ihre „Produkte“ in Form von Büchern, Videos, Kursen, Vorträgen und Beratungen auch an den Mann bzw. die Frau bringen, und dabei wären solch deutliche Worte eher geschäftsschädigend, welcher Sender, Verklag oder auch Hersteller von Erziehungshilfen möchte schon gerne einen Zuschauerrückgang oder einen Umsatzeinbruch erleben?

Und so bleibt mancher Hund, dem ja angeblich geholfen werden soll, irgendwann auf der Strecke, wird letztendlich zum Opfer der vom Halter in Anspruch genommenen Fachleute.

 

Sollten Sie wirklich aufgrund schwerer Verhaltensstörungen  „professionelle“ Hilfe in Anspruch nehmen wollen oder müssen, nehmen Sie  die Spezialisten und deren Produkte vorher sehr kritisch unter die Lupe.“ "Nicht jeder, der einen Bart trägt, ist deshalb  schon ein Prophet“, wie ein arabisches Sprichwort so treffend sagt.

Auch Methoden, die  für Nachbars Purzel ausgezeichnet  geeignet waren, müssen noch lange nicht richtig und gut für Ihren Hund sein, schließlich  ist jedes Lebewesen einzigartig.  

 

 

 

 


Thema des Monats Dezember 07

 
 
 
 
 
Weihnachtliches Dekorieren mit dem Dackel
 
 
Kurz vor dem 1. Advent, wurde es Zeit, den Balkon mit einer Weihnachtskette zu schmücken. Ich zog mich warm an, denn es pfiff ein kalter Wind, holte mir die Leiter und die Weihnachtskette, stülpte sogar dicke Stiefel über und machte mich daran, "mal eben" die Kette anzubringen.
 

Natürlich war Motte sofort dazu bereit, mir zu helfen und schleppte den Besen heran, der in einer Balkonecke stand. "Recht hat sie", dachte ich und fegte erst einmal das alte Laub zusammen. Motte und der Wind spielten um die Wette mit den eben zusammengefegten Blättern und der Erde, die die Eichhörnchen und natürlich Motte aus den Blumenkübeln gegraben hatten. Ich nahm tapfer den Kampf auf und holte eine Schaufel, um schnell alles einzufangen. Derweil hatte Motte den Besen noch einmal durch das Zusammengefegte gezogen und bekam bei meinem Anblick einen wilden Rennanfall, der wegen des schönen Geräuschs der auseinanderfliegenden Blätter immer wieder durch den Blätterhaufen führte. Übermütig biss sie in den Besen und freute sich ihres Lebens, vor allem, als es ihr gelang, den Besen mitsamt der daran hängenden Erde und den Blättern ins Wohnzimmer zu zerren.

Das gab mir Gelegenheit, das Zusammengekehrte in einen Sack zu stopfen und endlich das Anbringen der Kette in Angriff zu nehmen. Natürlich war sie wieder hoffnungslos verknotet. Wer hatte sie bloß letztes Jahr so unordentlich in die Tüte gestopft? (Ich).

Gerade hatte ich die Kette ausgebreitet, da griff Motte ein. Sie packte sich ein Ende und marschierte los. "Motte, Nein!" Sie flitzte ins Wohnzimmer und dekorierte die Kette um einen Stuhl herum. Hier differierten unsere Vorstellungen über die Weihnachtsdeko erheblich. Ich befreite den Stuhl von der Kette, nahm das Ende mit nach draußen und stieg auf die Leiter. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Motte erneut die Szene betrat, sich einem Blumenkübel widmete und heftig Erde herauswühlte. Ich beschloss, das nächste Mal erst zu fegen, nachdem wir unsere Arbeiten beendet haben.
 
Nun aber endlich die Kerzen angebracht! Der Dackel schlug sich derweil die letzten Überreste einer ausgebuddelten Wurzel um die Ohren. Hei, wie da der Dreck spritzte!
Ich kletterte von der Leiter, um zu verhindern, dass Motte mit den Wurzelresten im Wohnzimmer verschwand. Gerade wieder auf der Leiter, erschien sie mit meinem Schuh in der Tür, legte sich auf die Fußmatte und fing genüsslich an, darauf herumzukauen.
Meine Flüche von der Leiter herab wurden mit einem freundlichen Schwanzwedeln beantwortet. Ich stieg wieder runter und jagte ihr den Schuh ab.

Wieder auf der Leiter und sieben Kerzen weiter, musste ich sehen, wie Motte sich nun der Fußmatte bemächtigte und sie quer über den Balkon kratzte. Ich schaute weg und schaffte es fast, die Kette zu installieren. Fast. Es ging nicht mehr weiter, die Kette hing irgendwie fest. Ich folgte der Schnur und wen sah ich? Motte, die mit dem Ende davonzog. Ich schimpfte und zog zurück. Tauziehen - ein tolles Vergnügen "Grrr". Ich brach das Spiel sofort ab, stand nun zwar als Spielverderberin da, hatte aber die Kette gerettet.

Als ich ein letztes Mal nach getaner Arbeit von der Leiter stieg, trat ich auf einen Vollgummiball, der mich mit lautem "Juchu" zu einem Spagat veranlasste. Ich sammelte noch einen Handschuh, die Fußmatte, den Besen und meinen zweiten nassgesabberten Schuh ein, bevor ich mit meiner Helferin wieder ins Warme ging, wo wir uns beide zufrieden von drinnen die Lichterkette anschauten, offensichtlich ein sehr durabeles Exemplar, denn trotz der rustikalen Behandlung brannten alle Lämpchen.
 
 
 
 
Barbara Mürmann
 
 
 

Anmerkung:

Falls gerade kein Dackel zur Hand ist, und Sie aber die Szenerie gerne nachspielen möchten, das funktioniert ebenso gut mit jeder anderen Hunderasse und fast jeder Katze!
Viel Spaß und eine stressfreie Vorweihnachtszeit wünschen Silvia Gabler und Setter!
 
 

 

 

 

© 2007-2009 Silvia Gabler

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