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"Vielleicht werden wir die letzten oder vorletzten Menschen gewesen sein. Aber was ändert diese Erkenntnis nun an der Art und der Weise, den heutigen Tag zu verbringen? Nichts. Genau das erhöht die Gefahr, daß wir wirklich die letzten oder vorletzten Menschen auf dieser Erde sind." Gerhard Gundermann

Nun, ich habe eine 3 Jahre lange Berufsausbildung zum Bürokaufmann hinter mir und habe in dieser Zeit eben schon ein bißchen gemerkt, was Erwerbsarbeit in unserer kapitalistischen Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft bedeutet und konnte mir nicht vorstellen, mein ganzes Leben in die drückenden Abhängigkeiten dieses Herrschaftssystems in dem wir leben zu geben, welches nur einigen wenigen Menschen auf Kosten der übrigen Menschheit dient, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zerstört und Kriege herbeiführt.

Der nun folgende Text ist hauptsächlich aus 2 Büchern der Reihe "Anstiftung zur Selbstversorgung" des Packpaier-Verlages zusammengepuzzelt, der sehr gut meine Auffassung zu dem Thema wiederspiegelt, die ich selbst nich besser formulieren könnte:                                
Ich denke, zwei grundlegende Probleme unserer heutigen Gesellschaft sind die Zentralisierung und die Spezialisierung. Beide werden immer mehr auf die Spitze getrieben. Ohne sie wären die meisten heutigen Probleme gar nicht möglich, zumindest nie in diesen Größenordnungen.
Eine übertriebene Spezialisierung bedeutet, den Überblick zu verlieren und das Ganze nicht mehr als solches zu erkennen. Ein Spezialist wird im Arbeitsablauf zu einer Maschine, die auf möglichst große Leistungsfähigkeit in einem ganz speziellen Bereich eingestellt ist. Das hat zwar eine unheimlich schnelle technische Entwicklung zur Folge, aber was nützt diese uns, wenn die Menschheit geistig nicht mithalten kann und sich infolgedessen selbst zerstört?
Eine übertriebene Zentralisierung bedeutet Machtkonzentration und das Bestreben, diese Macht auszunutzen und auszubauen. Macht ausbauen bedeutet aber notwendigerweise, alle anderen möglichst schwach und abhängig zu machen. So ist jeder Mensch in der heutigen Gesellschaft davon abhängig, daß die E-Werke Strom liefern, daß die Gemeinde Wasser liefert, daß die Oil-Company Benzin liefert, daß das hochkomplizierte Transportsystem funktioniert usw... Dabei bringt eine Zentralisierung in diesen Größenordnungen gar keinen Vorteil mehr, weil die Organisation, Überwachung und die anderen notwendigen zusätzlichen Aufwände (z.B. Transportwege) einen ungeheuren Mehraufwand bzw. Verlust bedeuten. Ein typisches Beispiel dafür: Ein Bauer verkauft die gesamte Milchmenge an die Molkerei, diese verkauft den Milchüberschuß an die Firma, die Milchpulver daraus herstellt, das Milchpulver wird an die landwirtschaftlichen Genossenschaften verkauft und dort kauft es derselbe Bauer um seinen Kälbern die Milch zu ersetzen, die er an die Molkerei verkauft hat, anstatt sie direkt zu verfüttern. Ist das nicht absurd? Nun können wir aber nicht erwarten, daß die Machthaber die Spezialisierung und Zentralisierung abbauen werden, denn sie sind ja sozusagen ihre Machtmittel. Die einzige Möglichkeit ist, daß möglichst viele Menschen nicht mehr mitspielen. Und diese Möglichkeit bietet uns die Selbstversorgung. Sich das Gemüse selbst anzubauen ist ein erster großer Schritt dahin, den jeder von uns verwirklichen kann. Wir verschaffen uns dadurch nicht nur gesundes und schmackhaftes Gemüse, sondern können auch wieder eine Beziehung zu unserer Nahrung und zur Natur aufbauen, die viele Menschen kaum noch haben. Kein Wunder, denn die zunehmende Industrialisierung, eine Umwelt aus Beton und Asphalt und eine oft unmenschliche Arbeit entfremden den Menschen immer mehr von sich selbst und von der Natur und seiner Beziehung zu ihr. Das daraus entstehende Gefühl der Unbefriedigtheit wird von der Werbung für immer noch stärkeren Konsum vermarktet. Das System versucht uns einzureden, daß der Wert einer Ware gleichbedeutend ist mit ihrem Preis. Dabei scheint es bei kritischer Betrachtung eher umgekehrt. Je wertloser etwas für unser Leben ist, um so teurer wird es verkauft und erstaunlicherweise auch gekauft. Je mehr dann der Mensch seine künstlich geweckten Bedüfnisse befriedigen will, um so mehr muß er sich in den frustrierenden Arbeitsprozess eingliedern. Dies führt zu noch stärkerer Unzufriedenheit und so schließt sich der Teufelskreis... Dieses ganze System funktioniert vor allem deshalb so gut, weil es gelungen ist, Arbeit und Freizeit völlig voneinander zu trennen und als unvereinbare Gegensätze darzustellen. Eine genaue räumliche und zeitliche Trennung der beiden unterstreicht diesen Gegensatz und ist gleichzeitig typisch dafür. Die Selbstversorgung ist nun ein Ausweg aus dieser frustrierenden Situation des Menschen. Sie hebt die Trennung zwischen Freizeit und Arbeit auf und bringt uns wieder eine tiefe Beziehung zu unserem täglich Leben.

Für mich persönlich ist die volle Konsequenz daraus, aufs Land zu ziehen und mit Gleichgesinnten zusammen ein möglichst autarkes Leben zu führen. Letztlich werden wir durch die bedrohliche Verknappung der Rohstoffe und durch die Zerstörung von Natur und Umwelt wahrscheinlich sogar dazu gezwungen, zur Selbstversorgung zurückzukehren, wenn wir überleben wollen. Die Wetterschwankungen und Klimaveränderungen sind nur eines der Anzeichen dafür, daß die Natur langsam gegen das Ungeziefer Mensch zu revoltieren beginnt. Und es ist zu befürchten, daß es für die Abwendung der drohenden Umweltkatastrophe bereits zu spät ist, zumal ja nur ein sehr geringer Prozentsatz der Menschen überhaupt bereit ist, ihr Leben zu ändern.

"Zu hoffen ist nur, daß sich anbahnende ökologische Katastrophen zwar so groß sind, daß sie uns zum Denken zwingen, aber wiederum nicht so groß, daß Denken sinnlos wird." Gerhard Gundermann

"... Zum Beispiel heizten wir eine Zeit lang mit Kohle, etwa fürs Badewasser, und der Badeofen platzte eines Tages, mitten im Sommer. Da hab ich mir gesagt, ist ja eigentlich Schwachsinn, draußen herrschen 30 Grad und wir jagen noch Kohle durch den Schornstein wegen diesem blöden Badeofen. Aus einem abgerissenen Kindergarten holte ich mir diese Röhrenheizungen, montierte sie aufs Dach, strich sie schwarz an und füllte sie mit Wasser. Wenn ich von der Schicht kam, hatte das Wasser eine Temperatur von 60 Grad. Eine einfache Sache, wenn man die verfeinert, kann man sowas sogar anderen Leuten anbieten. Früher war ich ein scharfer Gegner dieser Nischen-Philosophie. Ich meinte, in den Nischen sitzen die, die sich aus der Gesellschaft zurückgezogen haben, die sich feige aus allem raushalten. Aber heute sehe ich auch das anders. In den Nischen werden die Pfeiler errichtet, die mal sehr viel abstützen können, wenn die Welt ins Rutschen kommt. In den Nischen entstehen, aus Gründen eines wie immer zu bewertenden Individualismus, jene Technologien des Überlebens, deren Produkte, wenn sie in einen Austausch kommen, unsere Existenz sichern könnten ... In den Nischen wissen die Leute noch, welche Pilze man essen kann, wie die Bäume heißen und wie man ohne Chemie auskommt." Gerhard Gundermann (www.gundi.de)





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