dasgeschah2004
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Gartenbau Linke-Hof, Leipzig-Baalsdorf, Seit 1. August 04

Nach 1 ½ Tagen Fahrradfahrt mit vollgepacktem Anhänger incl. Badepause in Naunhof,  bin ich schon früher als geplant am Abend des 31. Juli hier in Baalsdorf gut angekommen. An diesem Tag ist der Inhaber der Gärtnerei, Reinhard Sommer, mit seiner Familie (Frau Lindula und 5 Kindern) für 2 Wochen in den Urlaub gefahren. Für diese Zeit haben Torsten und Sabine, beide ausgelernte Gärtner und ein gemeinsames Kind erwartend, das „Kommando“ übernommen, mit dem wir nach Einschätzung von Konrad, 2. Lehrjahr staatl. Ausbildung, mehr geschafft haben als wir sollten.

 

Kommentar eines Passanten: "Na, rausgeflogen Daheme?"

 

Aber vielleicht erst mal ein paar Infos zum Hof: Die etwa 100 Jahre alte Hofanlage liegt direkt am historischen Dorfanger von Baalsdorf, am Stadtrand von Leipzig. Nach langjähriger Vorarbeit von Dr. Richter und Freunden sollte ein biologisch-dynamisch geführter Gärtnerhof entstehen, um für Patienten gesunde Nahrungsmittel anzubauen. Jetzt gehört die Hofstelle dem „Verein für Ernährungsökologie gem. e.V.“ Nach einem überhasteten und euphorischen Start 1990 mit zwischenzeitlich 70 ha Landwirtschaft und 20 Kühen, ist man seit 1994 wieder bei der Ursprungsidee „Gärtnerhof“ angekommen.

 

Zur Zeit werden hier 7,5 ha Pachtland, davon knapp 3 ha mit Fein- und Feldgemüse in einer sehr breiten Palette. Sechs Folienhäuser verlängern den Anbau im Frühjahr und Herbst. Alle Jungpflanzen werden selbst angezogen. An Tieren leben hier 2 Milchkühe mit Nachzucht (zur Zeit 1 Kalb), 2 Schweine, 3 Mutterschafe, Hühner, Tauben und Kaninchen. Das Pferd Kalinka hilft bei einem Teil der Feldarbeit.

 

Auf dem Hof leben im Moment 2 Familien mit zusammen 7 Kindern (bald 8) und 3 Lehrlinge. Wahrscheinlich kommt dieses Jahr noch eine Auszubildende und eine FÖJlerin dazu. Es gibt außerdem noch eine Mitarbeiterin aus Frankreich und immer wieder mal PraktikantInnen und FerienhelferInnen. Das Ausliefern der Gemüse-Abo-Kisten übernehmen Studenten.

 

Der Arbeitstag beginnt um 7 Uhr. Um ca. 9 Uhr wird gemeinsam gefrühstückt und gegen 12.30 Uhr gibt es Mittagessen. Um halb 2 geht’s dann weiter bis gegen 17 Uhr, oft aber auch länger, wenn etwas noch fertig gepflanzt oder geerntet werden muss. Im Moment gibt’s natürlich viel zu ernten. Ich bin für die Zucchini zuständig, die ich alle 2 Tage einsammele, Konrad kümmert sich um die Gurken und Peter, 1. Lehrjahr Freie Ausbildung, pflegt und erntet die Tomaten, wobei wir diese oft auch zusammen machen, weil sich das ganz schön hinzieht. Ansonsten gibt’s Salate, Bohnen, Auberginen, Paprika, Zwiebeln, Lauchzwiebeln, Mören, Rote Bete, Sellerie, Mangold und Kräuter wie Schnittlauch, Bohnenkraut, Pimpinelle, Estragon, Majoran, Zitronenmelisse, Salbei, Pfefferminze, Petersilie, Liebstöckel. Natürlich muss auch viel gejätet und gehackt werden. Gepflanzt haben wir in letzter Zeit viele Salate, Endivien, Chinakohl, Fenchel und Erdbeeren.

 

Freitags bin ich jetzt wahrscheinlich meistens auf dem Markt in der Leipziger Innenstadt von 8 bis 17 Uhr und verkaufe Gemüse, Obst, Blumen und Kräuter.

 

Krebsmühle, Thüringen, 27. Juni - 9. Juli

Ganz spontan und ohne jegliche Anmeldung besuche ich eine Gemeinschaft in Thüringen die seit 8 Jahren ca. 8 ha Land zur angestrebten Selbstversorgung naturnah bewirtschaftet und dazu auch mit 2 Pferden arbeitet. Lebensmittel werden traditionell hergestellt, Wolle verarbeitet, eine Wassermühlenanlage wurde wieder aufgebaut und die 3 über 500 Jahre alten Fachwerkgebäude sollen mit ökologischen und möglichst recycelten Baustoffen denkmalsgerecht restauriert werden. Es gibt Wasser aus einem Brunnen, Kompostklo und kein Strom. Es wird viel musiziert, gesungen (Zitat: "Du bist hier nämlich in der Gundermann-LPG"), aber auch Theater gespielt, Akrobatik geübt und getanzt...

Zur Zeit leben hier etwa 15 Menschen inclusive Kinder die in eine von Mitgliedern der Krebsmühle initiierten freien Schule in einem Nachbarort gehen. Inzwischen ist auch hier der "Fortschritt" eingezogen, denn die mit Hilfe eines alten Mühlenbauers neu gebaute Wassermühle treibt nun neben der Getreidemühle auch einen Generator zur Stromgewinnung an. Außerdem wurden mehrere Photovoitaikanlagen installiert. Der Strom wird für elektrisches Licht, aber auch Werkzeuge genutzt, allerdings nicht von allen. Die Krebsmühle ist als Modellprojekt für Müllvermeidung von der Müllgebüher befreit. Einiges von dem auf zwei etwa 500m entfernten Äckern angebauten Gemüse wird auch an Bekannt in Greiz verkauft. Brot wird im Lehmofen selbst gebacken und sonstige Lebensmittel vom Naturkostgroßhandel bestellt, wobei da auch noch einige andere Leute aus dem Dorf und der Umgebung mitbestellen. Früher gab es mal gemeinsame Mahlzeiten, heute isst jeder selbstbestimmt mehr für sich. Vor allem die beiden Familien kochen im wahrsten Sinne des Wortes ihr eigenes Süppchen. Dennoch kommt es ab und zu vor, daß jemand mal für mehrere Leute kocht oder Salat bereitet. Wie ich mitbekommen habe haben sogar einige ihr eigenes Stück Garten. Und überhaupt macht hier jeder eigentlich so sein Ding. Dennoch gibt es auch mal Gemeinschaftsaktionen wie beim Kartoffeln legen usw. Insgesamt ist das Zusammenleben -und arbeiten relativ unorganisiert. Es erinnert mich ein bisschen an das Collectiv de la Valette in Frankreich, wobei dort andererseits auf gemeinsame warme Mahlzeiten viel Wert gelegt wurde und was auch sehr gut geklappt hat.

An dem Wochenende, an dem ich angekommen bin, wurde gerade ein Teil einer Wiese eines Nachbarn gemäht, aus deren Gras wir Heu machen durften. Der größte Teil wurde zu einem ca. 5m hohen Heureuter gebaut. Den Rest haben wir mit der Pferdekutsche aufs Gelände gefahren und in der Scheune eingelagert. Dieses Wochenende soll nun noch die restliche Wiese gemäht werden. Ansonsten hab ich vor allem auf einem der Äcker Disteln und Ampfer die weit über die Kartoffeln hinaus gewachsen sind und in Blüte gehen entfernt, damit sie sich nicht wieder aussähen. Das war und ist noch ziemlich viel Arbeit die ich manchmal mit anderen Teile, manchmal aber auch allein verrichte.

Ich Teile ein Gästezimmer mit einem Franzosen, der sich hier seit etwa einem Jahr niedergelassen hat und einen Gemeinschaftsraum mit Tischtennisplatte sowie sein eigenes Zimmer, welches direkt darüber im Dachboden liegt ausbaut. Dort hab ich mit ihm ein von ihm selbst gebautes dreieckkiges Fenster ins Dach eingesetzt. Er hat auch ganz eigenmächtig eine elektrische Lampe in der Küche und im Gästezimmer installiert, um Abends mal noch länger am Buch und beim Schreiben sitzen zu können.

In der zweiten Woche fand also noch mal eine Heuaktion statt und sonst hab ich auf dem hinteren Acker ganz allein die Schwarzwurzel- und Haferwurz-Reihen gejätet, auf denen mehr Beikraut als das eigentlich angebaute Gemüse wuchs.

Zum waschen hat Mensch hier die Möglichkeit in den selbst angelegt Teich zu gehen, im Regen zu duschen oder sich aus der Schüssel zu waschen. Auf Dauer würde mir hier auf jeden Fall eine Gelegenheit zum warmen Duschen fehlen, vor allem im Winter.

Was noch interessant ist, ist, dass einer der Bewohner, der keine Krankenversicherung besitzt, mit seinem Zahnartzt vereinbaren konnte, dass er nicht mit Geld, sondern mit Naturalien bezahlen kann!

So viel aus der Klapps..äh..Krebsmühle.

 

Biogärtnerei Silkerode / Streuobstmosterei Malus, Thüringen, 10. - 26. Mai

In einer stillgelegten Dorfkneipe in einem ruhigen Sackgassendorf an der Grenze zu Niedersachsen leben und arbeiten 7 Erwachsene und 5 Kinder, die Gemüse anbauen und über Abokisten, Wochenmärkte und Ab-Hof-Verkauf vermarkten. In der eigenen Mosterei werden im Oktober Apfel- und Mischsäfte gepresst und abgefüllt. Zum Hof gehören auch Milchziegen, Hühner, Katzen und Hunde. Regenwasser wird gesammelt und zum waschen, putzen sowie fürs Piselklo genutzt und kommt danach in die eigenen Pflanzenkläranlage (Schilf). Zum Kacken wird ein leider etwas mangelhafter schon etwas älterer Kompostklo-Prototyp aus Plaste genutzt, auf dem Mensch wie auf einem Tron sitzt. Darinnen gibt es 2 Kammern. Die erste zum reinkacken und die 2. zur Zwischenlagerung und Kompostierung. Im Idealfall ist, wenn die erste Kammer voll ist, die alte Scheiße in der anderen Kammer schon etwas kompostiert. Denn dann wird das ganze Klo auf´n Kopf gedreht, um die Scheiße in die andere Kammer zu bringen, und die schon kompostierte Kacke rausholen zu können. Die ganze Prodzedur habe ich mal mitgemacht und ich muss zugeben, dass dieses Klo nicht das beste Kompostklo ist, was ich bisher kennengelernt hab. Eher etwas kompliziert. Der Scheißkompost wird dann zur Düngung der Bäume verwendet.

Ich war hier in den 2 Wochen so was wie´n Haus- und Hof"meister", hab Gras und Brennnesseln gesenst, Rasen gemäht, platten Schubkarren repariert, ein eingefallenes Pflanztürmchen aus Natursteinen wieder aufgebaut, den "Tanzsaal" mit aufgeräumt, Brennholz (5m lange Abfallbretterbündel vom Sägewerg) für die Mosterei gesägt, aber auch in der Gärtnerei beim Aussäen, Pflanzen von Auberginen, Fenchel, Mangold, Sonnenblumen, verschiedener Kohlarten, Ernten und Abdecken der Beete mit Netzen und Fließ geholfen. Insgesamt also ziemlich vielseitig. Eine Woche nach mir kam noch ein Wwoofer aus Tübingen. Eigentlich sollten/wollten wir den Hausflur bisschen renovieren. Dazu is es allerdings nicht gekommen, weil er einige Tage später als angekündigt erst kommen konnte und leider auch schon nach 4 Tagen, darinnen ein Wochenende, wieder abreiste. Und vorm Wochenende waren noch andere Dinge, wie das Aufräumen des Tanzsaals wichtiger, um Raum für ein Cafè-Kollektiv aus Göttingen zu schaffen, welches das Wochenende hier verbracht und sich mit sich gruppendynamisch beschäftigt hat.

In der Freizeit und am Wochenende hab ich bei ausgedehnten Spaziergängen- und Radfahrten die wunderschöne Landschaft genossen, die wie mir schein viel mehr bewaldet ist als anderswo.

Das Wetter war bis auf wenige Tage Ausnahme, die ganze Zeit ziemlich kühl und in 2 Nächten gab es sogar Frost, sodass Kartoffeln, einige Kürbis- und Zucchini-Pflanzen sowie sogar einige Salate erfroren sind. Jemand sagte, dass solche späten Froste wohl alle 7 Jahre auftreten.

Ansonsten gilt: Ist der Mai kalt und nass, füllts dem Bauern Scheun´ und Fass.

I Cavalieri del Sole, Assisi, Italien, 15. Maerz - 2. April

"I Cavalieri del Sole" heißt übersetzt "Ritter der Sonne" und ist eine philosophisch-spirituelle Gemeinschaft im Sinne der Ashramtradition aus Indien. Der Lebensstil ist einfach. Seit etwa 10 Jahren leben hier 5 italienische Erwachsene und 5 Kinder. Im Lebensmittelpunkt steht die Selbstversorgung an Nahrungsmitteln die ich noch nirgendwo anders derartig verwirklicht sah wie hier. Außer Nudeln, Reis und Salz wird alles was hier gegessen wird auf 18 ha Land selbst angebaut. Auch mehrere Getreidesorten, Mais und Sonnenblumen aus deren Kernen Öl gepresst wird. Das Brotgetreide wird hier direkt verarbeitet. Es gibt keine Tierhaltung und die Ernährung ist daher nahezu vegan, mit wenigen seltenen Außnahmen. Auf weiteren 12 ha Land befindet sich Wald oder wird aufgeforstet. Das Haus ist eine wiederaufgebaute ehemalige Ruine und ausgestattet mit Zentralholzheizung, Küchenofen, Gasherd, gefließten Bädern und einfacher, indisch angehauchter Einrichtung mit vielen Bildern und Bildcollagen u.a. Buddhafiguren zeigend. Strom kommt vom öffentlich Netz. Zum Gelderwerb werden zum einen Möbel restauriert und zum anderen sehr schöne Produkte aus Olivenholz wie Schneidbretter, Kellen, Lampenkörper, Bilderrahmen, bunte Kreisel hergestellt und auf Ökomärkten in Rom, Perugia und Florenz verkauft. Initiator der Gemeinschaft war ein älterer Mann, genannt Beppo, mit langem grauen Bart, der in Indien 3 Jahre ohne Geld, Papiere und mit wenig Kleidung gepilgert ist. Er scheint hier kaum zu arbeiten, isst nur einmal Tage, und scheint eine ziemliche Autorität in der Gemeinschaft darzustellen. Ich hab ihn meistens nur zum Mittag gesehen und da die Mahlzeiten hier schweigend eingenommen werden, und wer fertig ist den Tisch verlässt, ist zwischen mir und ihm kein Gespräch zustande gekommen. Manchmal hab ich ihn ziemlich laut und scheinbar aufgebracht mit den anderen diskutieren hören. Aber vielleicht klang das auch nur so und es war lediglich das italienische Temperament.

Ich war in der Zeit alleiniger Gast und habe Arbeiten wie Halb-Umgraben (damit das Bodenleben nicht zu sehr durcheinandergebracht wird)und Wildwuchs entfernen, Jäten, Bäume pflanzen und Komposterde sieben übernommen. Außerdem hab ich um die kleinen Obst- und Mandelbäume die Erde vom Gras gereinigt, gemulcht und später, als ein befreundeter zwei Traktorfuhren Mist brachte, etwas Mist unter den Mulch gelegt. Wir haben die Wände der kleinen Gemüseterassen stabilisiert und erneuert und schlussendlich auch einen Acker voll Kartoffeln gepflanzt, dazu per Hand (und Werkzeug natürlich) die Furchen auf- und auch wieder zugezogen. Das ging anderthalb Tage und hat mich echt an meine Grenzen gebracht. Ich war ganz schön fertig, bin noch früher als sonst schlafen gegangen (zwischen 8 und 9) und hatte es auch mit Muskelkater zu tun. Dennoch war es sehr befriedigend. Das Wetter hier war in den ersten Tag sehr sonnig und warm, wurde dann aber sehr wechselhaft mit viel Wind, Regen und kurzzeitig auch mal Schnee und Graupel. An solchen Tagen durfte ich in der Werkstatt mitarbeiten und einige Holzprodukte abschleifen und einölen.

Die Leute hier stehen recht früh zwischen 7 und 6 Uhr auf und pflegen den Brauch, sich jeden Morgen einer reinigenden warmen Dusche zu unterziehen. Ab 7 bis 8 Uhr kann Mensch zum Frühstück einen Tee und etwas Brot zu sich nehmen. Für Gäste ist es verboten, die Küche zu betreten. Sie fast ausschließlich den beiden Frauen hier vorbehalten die immer für die Zubereitung der Mahlzeiten und Tees verantwortlich sind. Ab 8.30 Uhr wird bis kurz vor 12 gearbeitet. Dann gibt’s warmes Mittagessen. Man darf aber nicht in den Arbeitssachen zum Essen kommen sondern muss sich immer vorher saubere Kleider anziehen. Nach einem Moment der Stille wird dann schweigsam am Boden auf Kissen sitzend an einem Flachen Tisch gegessen. Wenn die Kinder da sind muss immer eines vorher ein Gebet aufsagen, welches sich die Leute extra für die Kinder ausgedacht haben, weil sie mit so einem Moment der Stille, des in-sich-gehens und leisen Gebets noch nicht viel anfangen können. Außerdem soll das Gebet den Kindern Respekt vor dem Essen schaffen damit auch immer aufgegessen und nichts verschwendet wird. Das scheint ganz gut zu funktionieren. Die Frauen sind auch die einzigen, die das Essen ausgeben. Dazu müssen sie allerdings des Öfteren ihr eigenes Essen unterbrechen, wenn man ihnen den Teller zum nachfüllen hinhält. Das empfand ich eher unangenehm. Auch dass sie immer all die Küchenarbeiten zu erledigen haben. Wer dann satt ist, steht auf und geht. Das war auch sehr gewöhnungsbedürftig. Denn in der Regel sind die gemeinsamen Mahlzeiten ein Moment in dem alle mal beisammen sind und man sich unterhält und auch Dinge bespricht. Andererseits fand ich das in stille essen auch sehr angenehm, weil man sich wirklich auf das Essen konzentrieren, und viel bewusster essen kann. Nach dem Mittag ist Pause bis halb 3. Dann wird bis gegen 7Uhr weitergearbeitet. Halb 8 gibt’s warmes Abendessen. Dann verkrümeln sich alle wieder und gehen früh zu bett. Die Kinder entdecken grad die Rockmusik der 70 und hotten fast täglich zu "The Who", "The Doors" usw. ab und wollen mal eine eigene Band gründen. An einem Abend kamen alle nach und nach noch mal zusammen und es entwickelte sich eine Musiksession mit Gitarren und Trommelwerkzeugen die bis zu wilden ekstatischen Tänzen führte. Das war sehr nett. Drei mal war Abends noch jemand da, mit dem ich mich bisschen unterhalten konnte. Die Arbeit hier hat es mir aber auch nicht schwer gemacht, ebenfalls früh zu Bett zu gehen, womit ich mich überhaupt auch immer mehr anfreunde. Lieber früher aufstehen, denn: "3 mal Frühaufstehen macht einen ganzen Tag."

Associazione Culturale Torri Superiore, Italien, 25. Febr. - 13. Maerz 04

www.torri-superiore.org

Torri Superiore ist der Name eines kulturellen Vereins und einer Gemeinschaft, die sich in einem mittelalterlichen Dorf in den Huegeln bei Ventimiglia befindet, welches ganz aus Stein gebaut ist. Es war jahrzehntelang verlassen. Seine Haeuser bilden alle zusammen gleichsam ein einziges Gebaeude auf verschiedenen Ebenen am Hang, die miteinander durch enge Bogendurchgaenge, Treppen und Terrassen verbunden sind. Diese Bauweise ist fuer die Region typisch. 1989 hat der Verein das Projekt zum Wiederaufbau gestartet. Die Originalstruktur soll erhalten bleiben und restauriert werden. Die Haelfte des Dorfes soll die Gemeinschaft beherbergen, die andere Haelfte soll als Kulturzentrum dienen, jedoch Eigentum der Gemeinschaft bleiben. Es werden Bio-Landbau und eine Toepferei betrieben sowie internationale Workshops- und Camps durchgefuehrt. Eine Bewohnerin stellt auserdem Oeko-Seife her. Diese sowie die Produkte der Toepferei werden verkauft, wofuer es einen kleinen Laden gibt. Der Bio-Landbau beinhaltet vor allem Oliven und einige Zitrusfruechte. Aus den Oliven wird Oel fuer den Eigenbedarf hergestellt und Ueberschuesse werden verkauft. Ausserdem wird natuerlich auch etwas Gemuese fuer den Eigenbedarf angebaut. Eine weitere bzw. die Haupteinkommensquelle Einkommensquelle ist der Gastbetrieb. Mensch kann also hier Ferien machen.

Aktuell leben hier 9 Erwachsene und 5 Kinder (2 deutsche, 1 italienische Familie). Jede Familie/Person hat eine eigene Wohnung. Der Lebensstandard ist relativ hoch. Es gibt moderne, gefliesste Baeder mit (Regen-)Wasserklo, Strom, 1 Waschmaschine fuer alle, Computer, Videobeamer, Musikanlagen. Der Strom kommt noch vom oeffentlichen Netz soll aber bald mit Photoitaikanlagen vor Ort erzeugt werden. Warmwasser wird mit Solarzellen bereitet, im Winter, also auch jetzt, zusaetzlich mit Gasheizung. Im moment baut eine Firma einen holzgefeuerten Zentralheizungsofen ein, der die Gasheizung ersetzen soll und in dem man ausserdem Backen kann. Der Videobeamer dient fuer ein kleines im Moment eher Gemeinschaftseigenes Kino, welches wir auch mehrmals genutzt haben. Gekocht wird fuer alle Mittags und Abends in der Grosskueche, gegessen gemeinschaftlich. Abends stehen immer mehrere Karaffen Wein auf den Tischen, die sich nicht selten alle lehren.  Fuer Koch- und Abwaschdienste wird eine Liste gefuehrt und woechentlich erneuert.

Zur Zeit sind 8 freiwillige Helfer aus fast aller Welt (Brasilien, Kanada, USA, China, Deutschland) zu Gast. 2 davon sind Wandergesellinnen, 1 Zimmerin und eine Tischlerin aus Deutschland die hier ein schoenes Terrassendach bauen wollen, denn das vorherige, was wir schon abgerissen haben bestand aus Eisen, Wellblech und -Plaste. Ansonsten sind wir grad dabei das Haus vorm Absturz zu retten in dem wir an 2 Stellen das Fundament verstaerken. Mitm Traktor bringen wir Olivenholz aus der Plantage und saegen und hacken es klein. Denn die Sonne bescheint uns durch die Lage im Tal zwischen recht grossen Bergen nur von ca. halb neun bis 4 und abends wird es noch recht kalt. Ausserdem ist dieses Gebaeude, da komplett aus Stein gebaut sowieso recht kuehl. Eine weitere Tagefuellende Aufgabe war es, massenhaft zweige und Aeste von beschnittenen Oliven, Mimosen und anderen zu Heckseln/Schreddern/Chippen. Das geheckselte wird dann als Mulch verwendet.

Am wochenende haben wir einmal einen Ausflug in ein Dorf gemacht, in dem seit 10 Jahren immer am letzten Sonntag im Monat ein Oekomarkt stattfindet mit Brot, Obst, Gemuese, Fleisch, Bienenprodukten, Klamotten, Filzware, Buecher, Wein und Krims Krams aus der Region. Am neachsten Wochenende hat uns ein Englaender (Robert), den Markus, welcher hier grad verweilt, weil er ein Haus mit Land in der Region kaufen will, bei einem Rainbow-Gathering kennengelernt hat, in ein wunderschoenes Tal an einen Ort gefuehrt wo einige alte Hauser leerstehen und von einigen Leuten einschliesslich ihm im Sommer genutzt werden. Er hat dort schon bisschen Garten angelegt, es steht ein Tipi und nun will er noch eine Art Jurte bauen. Robert sucht auch Leute, die mit ihm dort vorerst in den Sommermonaten, spaeter vielleicht auch dauerhaft leben wuerden. Es fuehrt keine Strasse dorthin, sondern man muss einen etwa 2-Stunden-Fussmarsch, meist bergauf, vom naechsten Dorf aus hinlegen um dahin zu gelangen. Auf dem Ruekweg ueberquerten wir den Fluss ueber eine sich im Einstuerzen befindende Bruecke, die wir auf dem Hinweg vorsichtshalber gemieden hatten. Nahe dem einen Ende der etwa 1,5m breiten Steinbrueke befand sich ein grosses Loch, das nur noch etwa 20-30 cm Platz zum vorbeilaufen liess. Am anderen Ende war die Bruecke schon eingestuerzt und durch eine schmale Holzkonstruktion ersetzt worden. Die Erde, auf welcher sie auf der einen Seite auflag, broeckelte bei jedem Uebergang (Wir waren 8 Leute) mehr ab, bis die Balken nur noch etwa15 cm auflagen, so dass 2 Leute diese Balken bei den letzten 2 Leuten die rueber gingen festhalten mussten, da die Holzkonstruktion sonst auch abgestuerzt waere...:

                                                                                                                                                                                                    

Am 8. Maerz wurde auch hier der Internationale Frauentag gefeiert. 20-30 Frauen aus dem Dorf und der Region kamen, um sich von den Maennern der Gemeinschaft u.a. mit selbstgemachten Spagetti bewirten zu lassen. Ueberhaupt scheinen Nudeln in verschiedensten Formen und Variationen hier das Hauptnahrungsmittel zu sein. Nahezu jeden Tag gab es Nudeln in irgendeiner Form. Nach dem Abendessen, bei welchem die Maenner getrennt unter sich essen mussten, haben sich die Frauen noch einen geselligen Abend mit Musik und Tanz gemacht. Auch ein kleines hausgemachtes Programm gab es. Der US-Amerikaner hat sich als Elvis verkleidet und Karaoke gemacht, ein junger Jugendlicher der Gemeinschaft hat ebenfalls verkleidet Karaoke gesungen, was echt cool und amuesant war. Desweiteren gab es echt gesungene mit Gitarre begleitete Beitraege. Aber mir hat bisschen was inhaltliches ueber die Frauenbewegung, die Situation der Frauen in anderen Laendern usw. gefehlt. Eigentlich haben sich die Frauen hier einfach nur selbst gefeiert.

 

 

 

 

 Longo Mai - Mas de Granier, Frankreich, 17.-25. Febr.

Auf dem Weg von der Arche zum naechsten Projekt in Italien, hab ich nochmal fuer eine Woche bei der auf dem Weg liegenden Longo Mai-Kooperative Mas de Granier halt gemacht, bei der ich letztes Jahr schon fuer 3 Wochen zu Gast war. (siehe April 2003) Zur Zeit ist hier ziemlich volles Haus, denn es sind viele Leute aus anderen Longo-Mai-Kooperativen da, um einen Teil des Scheunendaches zu erneuern. Dazu wurden Dachziegel von einem alten Haus in Marseille abgedeckt und muessen nun auch geputzt werden um wiederverwendet werden zu koennen. Aber auch Franz und Fabian sind noch da und Teresa die auch letztes Jahr lange Zeit da war hat es in ihren Semesterferien wieder hierher verschlagen. Fabian hat es geschafft ausser der von ihm gebauten Kraeuterspirale auch im Gartenbau einige permakulturelle Methoden wie zum Beispiel das Mulchen mit Stroh, Wolle und anderen organischen Materialien, mehr Mischkultur und Nutzung lebender Rankhilfen (zum Beispiel Mais) einzufuehren. So haben wir in dieser Woche mit Stroh und Wolle gemulcht, Salate im Tunnel und ein wenig Brokkoli geerntet, am Donnerstag wie immer die Gemuesekisten mit - ausser einigen Salaten - nur zugakauftem BioGemuese gepackt und auch Ziegel geputzt. Ein Fernsehsender (ich glaube das ZDF) hat mit einem Bewohner ein Interview fuer eine Sendung zum Thema "Neue Sklaverei in Europa" durchgefuehrt. Sowas kommt wohl oefters mal vor...

An einem Tag brachte uns das vom Sueden kommende Wetter mit Regen aus gelb-roetlichen Wolken einiges an Sand aus Afrika mit. Die Wueste waechst...

Communauté de l'Arche Borie Noble, Frankreich, 2.-17. Febr.

Die Arche ist eine Dorfgemeinschaft, die 1948 von Lanza del Vasto, einem Schüler Gandhis, auf einem großen Landgut in den Cevennen gegründet wurde. Sie befindet sich auf einem Hochplateau des französischen Zentralmassivs in 700m Höhe. Verfallene Häuser und Bauernhöfe wurden hier von den Mitgliedern der Arche restauriert und als Wohnungen hergerichtet. Die Organisation der Arche ist auf Unabhängigkeit, auf die Verwendung einer einfachen Technologie und die weitgehende Zurücknahme der materiellen Bedürfnisse angelegt.

Die Mitglieder der Arche leben direkt von "ihrer Hände Arbeit". Die Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel und Kleidung werden durch eigene Produktion gedeckt. Neben der Landwirtschaft auf ca. 30ha Land gibt es mehrere Handwerksbetriebe, wie Schmiede, Schreinerei, Töpferei, Druckerei. Die landwirtschaftliche und handwerkliche Produktion wird in der Arche bewusst mit einfachen technischen Mitteln betrieben: das Pferd ersetzt den Traktor, das Spinnrad die Maschine. Die Arche möchte damit aufzeigen, dass auch ohne hochentwickelte Technik ein menschenwürdiges Leben möglich ist. Die Beschränkung auf eine einfache Technik erlaubt eine Produktion die das ökologische Gleichgewicht nicht zerstört und damit ein neues Verhältnis zur Natur eröffnet.

Die Ernährung ist einfach und vegetarisch. Die notwendigen Eiweiße werden durch die häufige Verwendung von Hülsenfrüchten geliefert. Abwechslungsreich wird die Ernährung durch den Gebrauch unterschiedlicher Gemüsearten. In der Arche ist die Arbeitsteilung aufgehoben: der Handwerker stellt sein gesamtes Produkt vom Rohmaterial bis zu den Verzierungen selbst her.

Es gibt keine Bezahlung der Arbeit noch Geldzirkulation unter den Mitgliedern der Arche. Den Gegenpol der Arbeit, das Fest, spielt eine wichtige Rolle. Arbeit und Fest schließen einander nicht aus, im Fest bleibt etwas von der Arbeit erhalten und in der Arbeit wirkt etwas vom Fest mit.

In der Arche ist das Privateigentum aufgehoben. Alle Güter, wie Wohnungen, Möbel, Werkzeuge, Kleidung und Bücher sind Gemeineigentum. Wer in die Arche eintritt, muß sein Privateigentum der Gemeinschaft oder einem Bekannten zur Verfügung stellen. Die Gemeinschaft will keine Güter anhäufen. Dem Eigentum der Gemeinschaft sind klare Grenzen gesetzt: Alle Einnahmen der Arche müssen im Laufe des Jahres wieder ausgegeben werden, zur Unterstützung von Projekten in der sog. Dritten Welt oder für neu entstehende Gemeinschaften. Die Arche nimmt keinerlei finanzielle Hilfe von Seiten staatlicher Einrichtungen in Anspruch. Ihre Mitglieder verpflichten sich, keine staatlichen Ämter zu bekleiden und in keiner politischen Partei mitzuarbeiten. Alle Angehörigen der Arche verweigern den Kriegsdienst.

Grundlage des Zusammenlebens in der Arche ist eine gemeinsame christliche Grundhaltung, sowie die Gleichstellung und Gleichberechtigung aller Mitglieder. Bei allen Entscheidungen bedarf es der Einstimmigkeit.

Neben Kontakten zu anderen Gruppen und Öffentlichkeitsarbeit hat die Arche eine Reihe von gewaltfreien direkten Aktionen durchgeführt, initiiert oder daran teilgenommen. So etwa ein 20-tägiges öffentliches Fasten gegen die Anwendung von Folter im Algerienkrieg (1957), ein "go-in" auf das Gelände der Atomzentrale "Marcoule" gegen die Entwicklung der französischen Atombombe (1958) oder die Kampagne gegen die Erweiterung eines Militärgeländes im Larzac.

Zur Zeit leben in dieser Archegemeinschaft ca 20 Leute einschliesslich Kinder, die in einer Normale Schule gehen. In frueheren Zeiten lebten hier ca 80 Menschen und es gab sogar eine eigene Schule. Auch 2 weitere Doerfer, ca 4km voneinander entfernt waren von ca. 20-30-koepfigen Archegemeinschaften bewohnt und bildeten somit einer 3er-Dorfgemeinschaft. In einer der beiden leben jetzt noch ca. 15 Menschen in der anderen 3. Zwischen ihnen gibt es noch guten Austausch und gegenseitige Besuche. Es leben hier noch 3 sich im Rentenalter befindlichen Mitglieder, die von Anfang an dabei waren. Fuer diese sowie fuer andere aeltere Gaeste wurde ein neues Haus mit etwas bequemerer Einrichrichtung gebaut, so zum Beispiel Zentralholhzheizung und solare Stromversorgung.

Die Arche besitzt insgesamt 400 ha Land, welches mit dem Geld vom Verkauf eines grossen Hauses der Frau von Lanza del Vasto erworben werden konnte. Die Weideflaeche fuer Kuehe und 8 Arbeitspferde wird von 40 km unter Strom gesetzten Weidezaun eingegrenzt. Dieser Strom kommt vom oeffentlichen Netz.

Der Tagesablauf hier in der Arche ist sehr strukturiert. 6.30 ertoent das erste Glockengelaeut zum Wecken. 7 Uhr gibt es eine Meditation im Gemeinschaftssaal, deren Teilnahme freiwillig ist, ebenso wie fuer das Gebet um 7.30. Dann kann gefruehstuekt werden. 8.30 beginnt die Arbeit, welche fuer die "Praktikanten" zu erst im Gemuese schnibbln fuers Mittagessen besteht. 10.30 findet ein weiteres Gemeinschaftsgebet statt, welches schon eher verpflichend ist, denn im Anschluss werden auch die anstehenden Arbeiten besprochen und verteilt. Das Gebet umfasst 3 gemeinsam, recht monoton gesprochene Gebete, eine Kurze Lesung die jeden Tag von jemand anders aus anderer aber immer in irgendeiner Form spiritueller oder religioeser Literatur vorgenommen wird, sowie einem Lied zum Abschluss. Dann wuenscht Man seinem linken und rechten Nachbar mit Kueschen links und rechts auf die Backe einen guten Tag. Danach muss meistens noch etwas Gemuese fertig geschnibblt werden, dann wird Kueche, Klos und andere Gemeinschaftsraeumlichkeiten geputzt, was meistens an den "Praktikanten", von denen es anfangs 4, spaeter 5 gab, haengen bleibt. Danach ging es meistens in den Wald zur Brennholzgewinnung. 2 Mitglieder der lichteten den Wald aus und wir zerkleinerten die gefaellten Baeume, saegten sie in Stueke und stapelten sie am Wegrand. Die duenneren Aeste banden wir zu ca. 30 cm dicken Buendeln, welche spaeter zur Feuerung des Steinbackofens genutzten werden. In diesem Ofen werden mit einer Fuhre 120 kg Brot mit Brotgewichten von bis zu 6 kg. Das Getreide wird zu 80% selbst angebaut. Der Rest kommt von Befreundeten Hoefen. Gemahlen wird das Getreide in einer grossen strombetriebenen Muehle. Das gebackene Brot wird auch zum grossen Teil verkauft, was die Haupteinkommensquelle darstellt. Ausserdem gibt es einen Tauschhandel von Brot gegen Honig mit Arche-Freunden aus der Region. Auch einige Toepferwaren werden verkauft. Die Produkte der Kaeserei (harte Kaese, weiche Kaese, Joghurt, Quark, Butter), fuer welche zur Zeit ein junger Leipziger zustaendig ist, welcher hier als alternative zum Zivildienst einen einjaehrigen "anderen Dienst im Ausland" oder auch Friedensdienst absolviert, sind nur fuer den Eigenbedarf. Die Kaelber, die ja geboren werden muessen, wenn eine Kuh Milch geben soll, werden zum Teil verkauft, auch zum Schlachten, was dem Anspruch, gewaltfrei und vegetarisch zu leben sehr widerspricht. Die hauseigene Weberei liegt zu Zeit leider etwas brach.

Aber weiter im Tagesablauf: 13 Uhr gibts Mittag, welches wir oft aufgrund des schonen, warmen Wetters, draussein einnehmen konnten. Bevor gegessen wird, singen alle gemeinsam mehrere Hallelujas. Dann nimmt die Koechin oder der Koch dem Brotkorb in die Hand und spricht: "Herr, segne dieses Brot, auf das wir es bruederlich und schwesterlich teilen." Dann wird vorgestellt was es so zu essen gibt und dann darf begonnen werden. Meistens besteht das Essen vor allem aus den selbst angebauten und gelagerten Kartoffeln, Moeren, Zwiebeln, Rueben, Rote Bete, Lauch, aber auch gekaufter Reis, Nudeln, Linsen, Buchweizen, Quinoa, Hirse werden oft verwendet. In der Woche kochen nur die Frauen und das Wochenende ist den Maennern vorbehalten. Es gibt eine Liste fuer Koch-, Putz, Fruhstuek- und Abendessensvorbereitung.

14.30 bis 17.30 wird weitergearbeitet. Die meiste Zeit haben wir mit Holz machen verbracht. Aber auch 2 Aecker Zwiebeln und Knoblauch haben wir schon gesteckt. Theoretisch laeutet, wenn jemand dran denkt, jede Stunde die Glocke zum "Rappel", was soviel heisst wie "Zurueckrufung / Erinnerung". Dann wird die Arbeit fuer einen Moment niedergelegt, innegehalten und geschwiegen. Manchmal liest einer der beiden im Wald arbeitenden Gemeinschaftmitglieder etwas aus den Buechern von Lanza del Vasto, der uebrings hier im eigenen Friedhof begraben liegt.

18.30 Uhr findet eine weitere freiwillige Meditation statt und 19.00 das Abendgebet, bei dem alle im Kreis um 3 Kerzen stehen, wobei einige Gemeinschaftsmitglieder lange Kapuzen-Umhaenge anhaben. Dann werden ebenfalls 3 der Standard-Gebete aufgesagt und ein Lied gesungen. Im Anschluss wuenscht Man seinem linken und rechten Nachbar mit Kueschen links und rechts auf die Backe einen guten Abend. Das Abendessen nehmen die Familien der Gemeinschaft bei sich zu Hause ein und nur die lang (1Jahr)- und kurzzeit-Praktikanten essen gemeinsam in der Kueche von den vielen Resten des Mittagessens.

Um 20 Uhr oder spaeter finden Veranstaltungen wie Tanzen (Folk), Aikido, Yoga / Koerperuebungen der Arche oder Singen statt. Teilnahme freiwillig.

Samstags wird nur Vormittags gearbeitet, also Gemuese geschnibblt und geputzt. Dann koennen wir unsere Kleidung waschen. Dazu wird ein grosser Wasserkessel mit Holzfeuer erhitzt. Das heisse Wasser wird mit der Waesche in Holzkuebel gegeben, Seife dazu gerieben, mit einem Holz etwas umgeruehrt und dann mit nem Holzdeckel verschlossen. Nach einigen Stunden wird die Waesche rausgenommen und mit kaltem Wasser ausgespuelt und mit Buerste und Seife wo es notwendig ist noch gereinigt.

das Waschhaus

Am Sonntag ist frei und ohne Glockengelaeut (ausser 13 Uhr zum Mittag) und gemeinsame Gebete. Zum sonntaeglichen Mittagessen erscheinen die meisten traditionsgemaess in heller Kleidung, was ein Symbol fuer Einfachheit ist, da ungefaebrt und natuerlich. Wer moechte darf sogar Wein trinken.

Der Freitag ist ein Tag der Stille und des Fastens. Freiwillig natuerlich. Aber viele Gemeinschaftsmitglieder gehen dem nach und nehmen fuer 24 Stunden keine Nahrung zu sich und sprechen wenig. Dies hat einen eher sprituellen als gesundheitlichen Hintergrund.

Movilla di Campanara, Toskana, Italien, 8. - 31. Januar

Movilla ist eine 600 Jahre alte Hofruine zwischen Bologna und Florenz, inmitten der nordtoskanischen Apenninen in Südlage, fernab von Straßen, Lärm und Lichtern, die von einer deutsch-italienischen Familie mit 2 Kindern (2 und 5 Jahre) langsam wieder auf- und zu Wohnraum ausgebaut wird. Als Basis wurden von der anfänglichen 5-köpfigen Gemeinschaft zum wohnen kleine phantasievolle Stroh-, Holz-, Stein-, Lehm-Grasdach-Hütten sowie eine Winterküche an die Südwand des Hauses gebaut.

Von dieser Gemeinschaft ist inzwischen jedoch seit einigen Jahren nur noch Muna und die später hinzugekommene Paola übrig, die nun versuchen, sich hier eine sinnvolle Existenz aufzubauen. Im Mittelpunkt des Lebens steht die Selbstversorgung, welche von Gartenbau und handwerklichen Tätigkeiten über Tüfteleien mit alternativer Energie bis zur Kleintier- und Bienenhaltung reicht.... Elektrische Energie wird mit Solarzellen und einem selbstkonstruierten Wasserrad produziert und reicht für Licht, Handy, Fernseher und Videorecorder, mehrere Autoradios sowie einige Elektrowerkzeuge.

Für schwerere Maschinen gibt es einen Generator. Gefeuert wird mit Holz aus dem umliegenden zum Grundstück gehörenden Waldgebiet und eine Komposttoilette ist einer schicken Holzhütte mit Ziegeldach untergebracht. Auch hier wird kein Klopapier sondern Wasser zum Arschabwischen benutzt, und zwar Regenwasser, das in einer Zysterne gesammelt wird. Trinkwasser kommt von einer nahegelegenen Quelle zu der ein Schlauch gelegt wurde. Auch eine Freiluft-Solardusche gibt es natürlich, die jedoch in dieser Jahreszeit, in der es auch des öfterern friert, nicht aktiv ist. Im Haus wurde aber auch ein provisorisches Bad mit Wanne und Badeofen eingerichtet.

das selbst konstruierte Wasserrad

 

die Hütte von Muna und Paola

Der Tag begann hier gegen 8 Uhr mit dem Frühstück zu dem Müsli oder selbstgebackenes Vollkornbrot mit eigener Marmelade und eigenem Bienenhonig eingenommen wurde. Dann ging es an die Arbeit, die vor allem baulicher Art am Haus (Fussboden betonieren, Maurern, Isolation mit Blähtonkügelchen, vorbereiten von Löchern in den Wänden für Trägerbalken usw.) stattfand oder sich bei besonders schönem Wetter rund um die Brennholzgewinnung (sägen, hacken, transportieren; stapeln) drehte. Wenn es morgens gefroren war haben wir, manchmal auch noch vor dem Frühstück, mit einem nur dafür genutzten gasbetriebenen Kleintransporter 1-2 Transportfuhren Baumaterial (Sand, Kies, Backsteine, Blähton) vom "Parkplatz" der etwa einen 3/4 km bergabwärts liegt, nach oben zum Haus gebracht. Diese Strecke ist zum Teil so steil, kurvig und aufgewühlt, dass die LKWs sie nicht bewältigen können.

Simon beim Holzhacken. Aber das meiste von dem Haufen hab ich natürlich gemacht.

Mittags hat in der Regel Paola etwas leckeres gekocht, das zum grössten Teil jedoch eingekauft ist. Wenn nicht allzu viel Besuch ist, kann die Familie jedoch zumindest den Gemüsebedarf für das ganze Jahr durch die eigene Produktion decken. Natürlich gabs auch Spaghetti und Pizza mit Rosenkohl, Mören, eigener Paprika, Pilzen.. Nachmittags haben wir dann noch so bis gegen 5 uhr gearbeitet. Dann hab ich in der netten Holz-Stroh-Lehm-Steindach-Hütte, in der ich untergebracht war gefeuert und bei Kerzenlicht, denn da war keine Elektrizität angeschlossen, am Ofen gesessen, meine Klamotten geflickt und gelesen. Morgens konnte ich oft vom Bett aus durch die vielen grossen Fenster schöne farbenfrohe Sonnenaufgänge bewundern die kurze Zeit auch die mir gegenübergelegenen Bergspitzen erleuchteten... Und Nachts funktelten oft die Sterne und der Mond durchs Dachfenster...

In dieser Holz-Stoh-Lehm-Steindach-Hütte war ich untergebracht. Daneben: Waschbecken aus Stein

An Tieren gibt es zur Zeit nur Hühner unter denen die Hähne langsam überhand nehmen so dass demnächst wohl mal einer dran glauben werden muss. Der Eierertrag ist für die Familie zum Teil fast zu gross. Geplant ist aber auch noch Ziegenhaltung. Im März bekommt Muna wahrscheinlich einige aus Deutschland geschenkt.

Muna (35) ist ein echter all-round-bastler und hat nie einen Beruf gelernt. Lange Zeit ist er mit nem Bauwagen, später auch noch mit einem weiteren für Ziegenhaltung unterwegs gewesen und hat Keinhandel betrieben. Ab und zu war er in Deutschland jobben, seit 2 Jahren allerdings nicht mehr. Paola arbeitet einmal die Woche an der Schule als Lehrerin für Theater, Tanz und kreativem Basteln oder so und pflegt ausserdem einmal die Woche 2 alte Leute. Mit dem Kindergeld aus Deutschland reicht dieses Einkommen für die Familie aus.

Ende der Zweiten Woche kam dann noch ein ganz spontaner Wwoofer aus Hamburg eingeflogen, der einen Tag vorher anrief. Mit ihm war ich am folgenden Freitag mal im 5 km entfernten Dorf Palazzuolo sul Senio auf 2 Bierchen in nem ganz netten jugenlichen Pub. Trotzdem war es für ihn hier zu einsam, so dass er es insgesamt nur 4 Tage hier aushielt.

Drei mal bin ich auch ein bisschen in der schönen Gegend spazieren gewesen und hab mir auch einige der umliegenden alten Häuser und Ruinen angeschaut von den 2 auch bewohnt sind. Eine Ruine hat die Familie mit Freunden vor kurzem gekauft und es gibt noch weitere ökologisch-alternative Leute, die interessiert sind, hier ein Haus zu kaufen und so langsam ein Ökodorf hier aufzubauen, was ich mir gut vorstellen könnte. Ich hoffe, es wird passieren.

Das Wetter war sehr durchwachsen hier. Es gab Nieslregen, stömenden Regen, Starken Wind, Frost, Schnee und fetten Sonnenschein. Ich hab sowohl mal im T-shirt, wie auch in 3 Pullovern und Mütze gearbeitet.

Florenz, 7. Jan. 04

Vorerst statte ich bei der Gelegenheit jedoch Florenz einen Besuch ab, da ja Dresden, wo ich her komme nor, auch "Elbflorenz" genannt wird und es sogar eine Staedtepartnerschaft zwischen beiden geben soll, was ich auf der Herfahrt von einem deutschen Prof. der schon seit vielen Jahren in Bologna in Italien an der Uni arbeitet erfahren hab. Tatsaechlich erinnert Florenz zum Teil ein wenig an Dresden. Nur alles viel groesser und auch der Tourismus is extremer. Vor allem das Verkehrsaufkommen ist katastrophal und stinkt mir im wahrsten Sinne des Wortes an! Ich traue mir nicht mal tief zu Atmen! Deshalb bin ich auch gleich in 2 grosse Parks gefluechtet. Einen der beiden kann Mensch nur gegen Eintrittsgeld betreten.

Im Park

Dieser Park soll insbesondere dazu dienen, Tieren, vor allem Voegeln, in der Stadt einen Lebensraum zu bieten und mit Schautafeln den Besuchern die Bewohner des Parks vorzustellen, ueber sie zu informieren und die Besucher anzuregen den Voegeln zu lauschen, sie zu beobachten, zu fuettern. Der Park ist noch fast gaenzlich gruen, da scheinbar vor allem aus immergruenen Pflanzen wie zum Beispiel der Steineiche, Nadelbaumen, Efeu bestehend. Er ist zum Teil relativ naturbelassen, zum grossen Teil aber auch angelegt und gepflegt (Hecken grade geschnitten usw.). Soviel aus Florenz.  

Eine Brücke mit über den Rand hinausgebauten Häusern drauf. Nicht zu fassen: Im Erdgeschoß der Häuserreihe auf beiden Seiten der Brücke befinden sich ausschließlich Schmuckläden!

 

 

 

Silvester 03/04, Haus der Gastfreundschaft, Dargelütz, Meck-Pomm

Da es dieses Jahr keinen großen Jugendumweltkongreß gab bzw. geben konnte, sollten mehrere kleine Juksse stattfinden. Einer davon war im Haus der Gastfreundschaft in Dargelütz bei Parchim in Mecklenburg Vorpommern, von dem ich von der FÖJlerin in Zarnekla erfuhr und mich einladen ließ. Das Haus der Gastfreundschaft ist ein Projekt der sogenannten Schenker-Bewegung, initiiert von den Totalaussteigern Öff Öff und Tü! Tü!. Die "Schenker" leben ohne Papier und Geld und wollen mit anderen nur Geschenke austauschen. Sie glauben, dass Mensch nur in Befolgung des Gewissens durch ein insgesamt verantwortliches Leben wirklich glücklich werden kann. Grundlage dafür sei der Verzicht auf äußeres Durchsetzungsvermögen (Gewalt, Konkurrenz, Abrechnerei usw.) unter Menschen. Die Schenker "besitzen" Häuser oder Land nur gemäß "moralischen Nutzungsrechten" (ohne Kauf, einklagbare Verträge...) Sie leben ohne Strom und Wasseranschluß, nur von Resten, Geschenken, Selbstversorgung. Im Haus der Gastfreundschaft wird bedingungs- und ausnahmslos jeder Mensch aufgenommen und bekommt einen trockenen Schlafplatz, Essen und Trinken. Trinkwasser wird aus gefiltertem Regenwasser gewonnen. Die Nahrungsversorgung wird hauptsächlich durch das Verwerten von noch genießbaren Produkten, die von Supermärkten weggeschmissen werden, weil das Verfallsdatum abgelaufen ist oder Obst und Gemüse kleine Bumsflecken oder schlechte Stellen haben, sichergestellt. Und das im Übermaß. So kann hier jeder kostenlos und ausreichend mit Nahrung versorgt werden. Geheizt wird mit Holz. Lichtquelle sind Kerzen, die geschenkt oder auch selbst aus Resten gezogen werden. Komposttoiletten sind selbstverständlich. Zur Zeit leben außer Öff Öff noch ca. 7 weitere Menschen hier, darunter eine Spanierin, ein Brasilianer und ein Rumäne, die zum Teil auch schon komplett ausgestiegen sind oder sich auf dem Weg dahin befinden.

Zum Silvestertreffen selbst sind außer den 2 Initiatoren nur noch 5 weitere Leute einschließlich mir gekommen. Der größte Teil der Hausbohner hat sich ebenfalls zu uns gesellt. Gegen 20 Uhr fand dann die tägliche Abendrunde mit integrierter Vorstellungsrunde statt, bei welcher jedeR erzählen darf, wie sein/ihr Tag war, was Mensch so gemacht hat und wie´s geht und über was Mensch sich so Gedanken macht. Wir hatten einen netten geselligen Silvesterabend bei Kerzenschein, leckerem "Container-Essen" (wirklich!), bisschen handgemachte Musike, Gedichten, einem lustigen Kommunikationsspiel und nächtlichem Spaziergang durchs ruhige Dorf.

 




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