Bild A. Kriesche 1992

 

 

Rassenporträt des

 

   
Schweizerischen Freibergerzuchtverbande

In der gebirgigen Schweiz mit ihrem teils rauhen Klima sind zähe und leichte Pferde gefragt. Der Freiberger ist ein solches Pferd

Seit mehr als 100 Jahren setzen sich Schweizer Pferdezuchtgenossenschaften für den Freiberger ein. Sie haben den Gefährten unserer Grosseltern zu einem modernen, vielseitigen Pferd gemacht.

Dank seiner Lernfähigkeit und seinem Leistungswillen meistert dieses Pferd aussergewöhnliche Situationen und neue Herausforderungen mit Bravour.

Eine gute Beziehung beruht auf gegenseitigem Vertrauen. Mit einem Freiberger geht man durch dick und dünn.

Der Freiberger ist ein sicheres, nervenstarkes und umgängliches Pferd. Das schätzt auch die Schweizer Equipe an der Route du Poisson, dem anspruchsvollen Staffelrennen von Boulogne-sur-Mer nach Paris.

Seine Robustheit, seine Frühreife und seine Leichtfuttrigkeit erleichtern die Haltung des Freibergers ganz wesentlich. Besonders wohl fühlt er sich zusammen mit Artgenossen im Offenstall und auf der Weide.

Der Freiberger als einzige urtümliche Schweizer Pferderasse stellt heute den letzten Vertreter des leichten Kaltblutpferdes in Europa dar. Die Wiege der Rasse befindet sich auf dem Hochplateau der Freiberge im Jura, an der nordwestlichen Grenze des Landes. Dort treffen sich die Freibergerfreunde jedes Jahr am Marché-Concours in Saignelégier, der immer am zweiten Wochenende im August stattfindet und das zahlreiche Publikum mit den verschiedensten Vorführungen und Wettkämpfen begeistert.

                        
Das Zuchtziel gemäss Zuchtprogramm ist klar auf
die Bedürfnisse der Freizeitfahrerei und -reiterei sowie auf den Arbeitseinsatz in der Land- und Forstwirtschaft ausgerichtet: "Gezüchtet wird ein ausdrucksvolles, rassetypisches, mittelrahmiges, korrektes, leistungsstarkes, umgängliches und marktgerechtes Pferd im mittelschweren Typ mit schwungvollen, elastischen, korrekten Bewegungen und trittsicheren Gängen. Aufgrund seines Charakters, seiner Leistungsbereitschaft, Fahr- und Reiteignung sowie Fruchtbarkeit, Robustheit, Frühreife und Leichtfuttrigkeit soll es ein typisches Fahr- und Reitpferd für Freizeit, Sport, Landwirtschaft und Armee sein." Die erwünschte Widerristhöhe liegt zwischen 150 und 160 cm, das Gewicht zwischen 550 und 650 kg.

Die heutige Rasse wurde um 1880 durch die Anpaarung von kleineren, in der Erscheinung bescheidenen Landesstuten mit kompakten Warmbluthengsten englischer und französischer Herkunft geschaffen. Bedingt durch die steigende Nachfrage nach Freizeit- und Fahrpferden erfolgte in letzter Zeit eine vorsichtige Blutauffrischung mit Hengsten aus Schweden und Frankreich. Heute wird wieder die Methode der Reinzucht angewendet.

Der Einsatz des Freibergers im Wald und auf dem Feld ist ökologisch sinnvoll und oft wirtschaftlich auch vorteilhaft.

 

http://www.freiberger.ch/

 

 

ZUCHTPROGRAMM

des Freiberger Pferdes

Nachfolgend das Zuchtprogramm und das Zuchtziel des Schweizerischen Freiberger Verbandes. Erwünscht ist ein edles, harmonisch gebautes, mittelrahmiges Pferd im mittelschweren Typ mit einem ausdrucksvollen Kopf, einem grossen Auge, einer gut geformten Halsung, einer kräftigen Bemuskelung sowie korrekten, trockenen klaren Gliedmassen - bezeichnet als "leichtes Kaltblutpferd".

Wobei der Begriff "Kaltblut" in der heutigen Zeit und insbesondere im Zusammenhang mit dem Freiberger - aber auch mit den bereits erwähnten amerikanischen Arbeitspferde-Rassen - erklärungsbedürftig geworden ist. Der mittelmässig kundige Pferdefreund versteht gemeinhin unter dem Oberbegriff "Kaltblut" ein recht schweres, ruhiges, genügsames und leicht zu händelndes Bauern-Arbeitspferd, mindestens im Kaliber von einem Schwarzwälder- oder Süddeutschem Kaltblut als leichteren Schlägen, grossen Belgieren oder Percherons als schweres Kaltblut. Mit der Einordnung von z.B. Tinkern oder Friesen haben die meisten Pferdeleute schon Mühe.

Beim Freiberger ist der Begriff  "Kaltblut" insofern sehr speziell, ist doch der ursprüngliche Freiberger ein eher dem französischen Normänner Karrossier zuzuordnendes schweres, gängiges Warmblut, ein sogenanntes "Beidhand-Pferd", d.h. im Gebrauch ebensogut zum reiten für die unteren Dienstgrade der Armee, als auch als Artilleriepferd im leichteren Zug (siehe hiezu  Geschichtliches 1 , vergleiche Isonzo, 1916 / Ringo, 1979) gewesen. Erst der Bedarf der Berner (Jura-)Bauern an schweren Kaltblütern in den 30-er Jahren brachte die damaligen Zuchtverantwortlichen - gegen den erklärten Widerstand   der Offiziere der Schweizerischen Armee - dazu, dem Ankauf und Einsatz schwerer Ardenner, Percherons und Belgischer Kaltblüter zuzustimmen. Eingesetzt wurden diese vornehmlich ebenfalls im Berner Jura, da in den Hochtälern des Jura und der Alpen, die schweren Pferde nicht zu gebrauchen waren. So wurde der Freiberger im Laufe von etwa 40 Jahren - bis in die 60-er Jahre hinein - um bis zu 300 kg schwerer gezüchtet als er ursprünglich war.  Aber auch damals schon gab es Zuchtgenossenschaften - Bremgarten etwa (siehe den Hengst "Caprice"  Geschichtliches 1 - die die schweren, fremden Hengste nicht gerne sahen.. Es ist übrigens mehr als verwunderlich, dass bis heute der Einsatz der fremden Kalblüter von den Liebhabern des Freibergerpferdes - ganz im Gegensatz  zum Einsatz von Warmbluthengsten - nicht als "Fremdblut" empfunden wird.. 

Einen Teil seines heute so zwiespältigen Images hat der Freiberger also eben dieser missverständlichen Bezeichnung als "Kaltblüter" oder "leichter Kaltblüter" zu verdanken. Die meisten heutigen Freiberger entsprechen nämlich dem als Rassenbezeichnung "Kaltblüter" verwendeten Begriff schon lange nicht mehr. Da wäre die Bezeichnung  Warmblut oder schweres Warmblut schon lange (wieder) korrekt. Man bedenke jedoch bei jeder Diskussion um das Für und Wider einer Veredelung des Freibergers und somit einer Anpassung an die heutigen Bedürfnisse, was mit der Rasse geschehen wäre, wäre sie wirklich ein "Kaltblüter" im herkömmlichen Sinn geblieben. Man darf davon ausgehen, dass ihr das Schicksal anderer vergleichbarer europäischer Kaltblutrassen, die heute vornehmlich und bis zu 95 % für die Fleischproduktion und nur zum kleinsten Teil für einen sehr kleinen, speziellen Liebhaberkreis noch gezüchtet werden, nicht erspart geblieben wäre...

Wird der Begriff "Kaltblut" jedoch - wie bei den Amerikanischen Westernrassen - mit cool oder coolness - sprich gute Nerven, grosse Gelassenheit, Vielseitigkeit - übersetzt, treffen wir genau das, was den Freiberger genauso modern wie ein Quarter oder Paint werden lässt und gleichzeitig das "Billig-Image" eines Pferdes für Leute ohne Sachverstand und -Anspruch zu sein, vergessen lässt. Der Freiberger braucht wie jedes andere Rassepferd  auch eine vernüftige Haltung, Aufzucht und Ausbildung.. Und wie jedes andere Pferd auch ist er nur in der Hand desjenigen zu guten Leistungen fähig, der sich selber aus- und weiterbildet. Dazu ist aber unabdingbar, dass von Seiten seiner Züchter her auch die Haltung dem eines "guten" Pferdes entspricht. Ein Umdenken ist hier dringendst nötig.

ZP 1           Präambel

1.             Das Zuchtprogramm und die Herdebuchordnung des Schweizerischen Freibergerzuchtverbandes beruhen auf der Bundesgesetzgebung im Bereich der Pferdezucht. Sie bilden zusammen mit den Statuten des Verbandes eine integrale Einheit.

2.              Das Zuchtprogramm umfasst und koordiniert alle Massnahmen, die geeignet sind, einen Zuchtfortschritt im Hinblick auf das Zuchtziel zu erreichen. Hierzu gehören insbesondere die Zuchtmethode und die Bereiche der Exterieurbeurteilung, Leistungsprüfung, Zuchtwertfeststellung sowie die darauf basierende Selektion.

3.              Bei der Feststellung des Zuchtwertes können neben Ergebnissen aus der eigenen Population auch solche anderer Zuchtpopulationen Berücksichtigung finden.

4.              Abhängig von der Anzahl der am Zuchtprogramm beteiligten Stuten wird der Hengstbedarf festgelegt, wobei die Altersstruktur der Hengste (Junghengste, nachzuchtgeprüfte Hengste) zu berücksichtigen ist. Durch die Zahl der jährlich ausscheidenden Hengste ist die Remontierungsrate vorgegeben. Hierbei sollte ein züchterisch sinnvolles Sten/Hengste-Verhältnis gewahrt bleiben.

Ist eine ausreichende Nutzung der Junghengste nicht gewährleistet, so können geeignete Massnahmen ergriffen werden, damit eine frühestmögliche Feststellung des Zuchtwertes aufgrund von Nachkommenleistungen vorgenommen werden kann.

5.              Werden einzelne Hengste züchterisch zu stark benutzt, so kann die Zuchtkommission eine Begrenzung der Anzahl Stuten je Hengst vornehmen. Diese Begrenzung ist unabhängig von der Bedeckungs­art.

6.              Zur Förderung und zur Vermeidung einer Unterdrückung der Reinzucht kann der Vorstand auf Vorschlag der Zuchtkommission geeignete Massnahmen treffen.

7.              Das Zuchtprogramm wird ausschliesslich in dem in den Statuten festgesetzten Tätigkeitsbereich durchgeführt.

ZP 2           Zuchtziel und Zuchtzielbeschreibung

Zuchtziel

Gezüchtet wird ein ausdrucksvolles, rassetypisches, mittelrahmiges, korrektes, leistungsstarkes, umgängliches und marktgerechtes Pferd im mittelschweren Typ mit schwungvollen, elastischen, korrekten Bewegungen und trittsicheren Gängen. Aufgrund seines Charakters, seiner Leistungsbereitschaft, Fahr- und Reiteignung sowie Fruchtbarkeit, Robustheit, Frühreife und Leichtfuttrigkeit soll es ein typisches Fahr- und Reitpferd für die Freizeit, Sport, Landwirtschaft und Armee sein.

Widerristhöhe 150 - 160 cm

Herkunft
Ursprünglich Schweizer Jura, heute ganze Schweiz

Typ Erwünscht ist ein edles, harmonisch gebautes, mittelrahmiges Pferd im mittelschweren Typ mit einem ausdrucksvollen Kopf, einem grossen Auge, einer gut geformten Halsung, einer kräftigen Bemuskelung sowie korrekten, trockenen klaren Gliedmassen. Zuchthengste sollen über einen deutlichen Geschlechtsausdruck verfügen. Unerwünscht ist insbesondere ein unharmonisches Erscheinungsbild, ein zu schwerer bzw. zu leichter Typ, ein grober Kopf, verschwommene Konturen, schwammige Gelenke und bei Zuchtpferden ein fehlender Geschlechtsausdruck.

Innere Eigenschaften/Leistungsveranlagung

Erwünscht ist

-      ein leistungsbereites und leistungsfähiges, vielseitig einsetzbares und belastbares Pferd, das für Reit-, Fahr-, Trag- und Zugzwecke jeder Art geeignet ist,

-     ein unkompliziertes, umgängliches, gleichzeitig einsatzfreudiges, nervenstarkes und verlässliches Pferd, dass durch sein Auftreten und Verhalten gute Charaktereigenschaften sowie ein gelassenes, ausgeglichenes Temperament erkennen lässt und einen wachen, intelligenten Eindruck macht

-      ein frühreifes, genügsames, sehr leichtfuttriges Pferd,

-      eine hohe physische und psychische Belastbarkeit.

Hervorstechende Eigenschaft des Freibergers ist sein ausgeprägt sehr guter Charakter!

Unerwünscht sind insbesondere im Umgang schwierige, nervöse oder heftige Pferde sowie Pferde, die nachweislich Unarten aufweisen.

Bewegungsablauf

Erwünscht sind taktmässige, elastische, trittsichere und raumgreifende Grundgangarten (Schritt 4-Takt, Trab 2-Takt, Galopp 3-Takt).

Der Bewegungsablauf im Schritt soll losgelassen, energisch und erhaben sein bei deutlichem Ab- und Auffussen.

Der Bewegungsablauf im Trab und Galopp soll bei klar erkennbaren Schwebephasen ela­stisch, schwungvoll, leichtfüssig getragen und mit natürlicher Aufrichtung und Balance ausgestattet sein. Der aus aktiv arbeitender, deutlich abfussender und übertretender Hinterhand entwickelte Schub soll über einen locker schwingenden Rücken auf die frei aus der Schulter vorgreifende Vorhand übertragen werden.

Unerwünscht sind insbesondere kurze, flache, unelastische und in der Schulter gebundene Bewegungen bei festgehaltenem Rücken sowie schwerfällige, auf die Vorhand fallende oder untaktmässige Bewegungen, sowie schwankende und schaukelnde oder deutlich bügelnde oder fuchtelnde, drehende, bodenenge, zehenenge, bodenweite bzw. zehenweite Bewegungen.

Körperbau

Erwünscht ist ein harmonischer, für Fahr- und Reitzwecke geeigneter Körperbau.

Dazu gehören:

-      ein gut aufgesetzter Hals mit genügend Ganaschenfreiheit,

-      ein gut ausgeprägter Widerrist mit guter Sattellage,

-      eine lange, schräge Schulter,

-      eine genügend breite und tiefe Brust,

-      ein gut bemuskelter und gut verbundener, tragfähiger Rücken,

-      eine kräftig bemuskelte, lange, leicht geneigt Kruppe,

-      eine harmonische Rumpfaufteilung in Vor-, Mittel- und Hinterhand.

Erwünscht ist weiterhin ein zum Körperbau passendes, trockenes Fundament mit:

-      korrekten, grossen, tief angesetzten Gelenken,

-      mittellangen Fesseln und wohlgeformten Hufen,

-      eine korrekte gerade Gliedmassenstellung,

-      ein von der Seite gesehen geradegestelltes Vorderbein,

-      ein gut eingeschientes Sprunggelenk.

Unerwünscht sind:

-      ein insgesamt unharmonischer Körperbau,

-      ein zu kurzer und zu dicker Hals mit ungenügender Ganaschenfreiheit,

-      eine kurze steile Schulter,

-      ein nicht ausgeprägter Widerrist,

-      eine ungenügende Sattellage,

-      ein zu kurzer oder überlanger weicher Rücken,

-      eine feste oder aufgewölbte Nierenpartie,

-      eine kurze oder gerade bzw. stark abfallende Kruppe mit hohem Schweifansatz,

-      eine zu breite Brust,

-      eine geringe Brusttiefe und hochgezogene Flanken mit kurzer Hinterrippe,

-      unkorrekte Gliedmassen; hierzu gehören: kleine, schmale oder eingeschnürte Gelenke, schwache Röhrbeine und kurze, steile oder überlange, weiche Fesseln sowie zu kleine Hufe mit nach innen gerichteten Trachten,

-     zehenweite, zehenenge, bodenweite, bodenenge, rückbiegige, steile oder säbelbeinige, kuhhessige oder fassbeinige Gliedmassenstellungen.

Gesundheit

Erwünscht ist ein Pferd mit einer sehr robusten Gesundheit, einem hohen Regenerationsvermögen und einer sehr guten natürlichen Fruchtbarkeit.

Zur Zucht eingesetzte Pferde müssen gesund und frei von Erbfehlern sein.

Unerwünscht sind Pferde mit Sommerekzem, Strahlbeinlahmheit, Kehlkopflähmungen und weiteren erblich bedingten Krankheiten oder stereotypen Verhaltensweisen.

 

 

 

Die Fotos wurden uns von der IG Originale Freiberger, dem Landesgestüt in Avenches, (Archives Haras national Avenches) sowie von verschiednen Privatpersonen (Adressen werden auf Wunsch bekanntgegeben) zur Verfügung gestellt, sofern sie nicht von uns selber sind.  Für die Mithilfe und Unterstützung die uns dadurch gewährt wurde, möchten wir uns hiermit recht herzlich bedanken.
Zum Fotoverzeichnis / Literaturnachweis.

 
 
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