Moderne Freibergerpferde
3. Die wichtigsten Zuchtlinien der letzten 120 Jahre
3.1 Gründer-Hengste
a.) VAILLANT
Vaillant
Als der Gründerhengst schlechthin muss heute der Hengst „VAILLANT“ bezeichnet werden, beeinflusste er die Zucht doch äusserst nachhaltig. Am 5.April 1891 in Saignelégier geboren erhielt der Hengst bereits als Dreijähriger das Punktemaximum der damaligen Zuchtkommission. Über die Abstammung von VAILLANT ist öfter spekuliert worden. Die nachfolgende Fassung erscheint am wahrscheinlichsten und weist Vaillant als Inzuchtprodukt über seine Grossmutter Poulette – die gleichzeitig seine Grossmutter mütterlicher- wie auch väterlicherseits war - einerseits und andererseits als Produkt vieler Blutströme aus. In seinen Adern floss Blut unterschiedlichster Herkunft, so. z.B. das seines Grossvaters Leo I, eines Norfolk-Roadsters, seines Grossvaters mütterlicherseits „Mani“, der seinerseits ein Produkt eines Erlenbacher Hengstes und einer Comtois-Stute war. Trotzdem konnte sich Vaillant wie kein anderer in der Rasse durchsetzen, so dass etwa 50 % aller Freibergerpferde heute noch sein Blut führen.
b.) IMPREVU
Imprévu
Imprévu gilt als einer der frühen Regeneratoren der Rasse. Der am 9.5.1886 in Frankreich geborene und als 3-Jähriger in die Schweiz eingeführte dunkelbraune Anglonormännerhengst war einer der wenigen, der sich mit den Jurastuten von Anfang an sehr gut vererbte. Jedoch erst sein Enkel Chasseur verhalf dem Hengst und der Linie zum Durchbruch, wurden von diesem doch 28 Hengste zur Zucht anerkannt. Durchgesetzt hat sich allerdings in der Folge erst sein Ur-Ur-Enkel Jurassien, der dem Blut des Imprévu eine nachhaltige Verbreitung ermöglichte.
Jurassien selber verkörperte als leichterer Hengst zu seiner Zeit den modernen Freibergertyp schlechthin. Anlässlich seiner Körung als 5-jähriger brachte er „nur“ ein Gewicht von 525 kg auf die Waage. Doch seine Leistungen konnten sich sehen lassen! Bei der neu eingeführten Leistungsprüfung schlug er seine Konkurrenten mit Abstand. Er war der Begründer der überaus erfolgreichen- und auch heute noch vorhandenen J- und C-Linien-, die sich in der Folge in späteren Jahren als sehr gute Basis für die mit Aladin/Alsacien-Blut durchgeführten Veredelungen erweisen sollten. Jurassien-Pferde gelten heute noch als leistungsbetont und bestechen durch oftmals äusserst einfachen Charakter.
3.2 Jura-Hengste
Auf Vaillant sind die nachfolgend aufgeführten Hengste in direkter Linie genannten Linienbegründer zurückzuführen:
E-Linie, Vaillant-Ravachon-Pacha-Peru-Habile-Wigar-Arbedo-Egal-Eglon-Epi’dor-
ELU,1964

Elu Enjoleur

Estafette

Ecossais El Paso
R-Linie, Vaillant-Vacher-Rubis-Remus-Remolo-Record-RACEUR
Raceur Rigaf
Reacteur
V-Linie, Vaillant-Vacher-Rubis-Remus-Verdun-Verdict-VAGABOND, 1961
Vagabond Veinard
Van Gogh
D1-Linie, Vaillant-Vacher-Rubis-Remus-Verdun-Zephir-DRAPEAU, 1936,
Demarreur Dior

Damien Deli
H-Linie, Vaillant-Ravachon-Pacha-Peru-Habile-Wigar-Balbo-Hamid-HEROIQUE1949

Haitienne, Mutter u.A. von Don Pablo, Don Camillo, Nelson etc. Hackney
Hanibo Halladof
Auf Imprévu sind die nachfolgend aufgeführten Hengste in direkter Linie genannten
Linienbegründer zurückzuführen:
J/C-Linie, Imprévu-Max I-Max II-Chasseur-Lafayette-JURASSIEN, 1940,
Jurassien, 1940 Clemenceau

Chasseral Clairon
Calgary Judäa

Cabaret Colombo
Curator
3.3 Veredler-Hengste
Als Veredler-Hengste sind in dieser Aufzählung nur diejenigen Hengste aufgeführt, die
zur Zeit noch über einen Hengstnachkommen verfügen oder deren Linie erst seit kürzerer
Zeit erloschen ist, oder die anderweitig einen grösseren Einfluss auf die Zucht zu nehmen
vermochten.
U-Linie, Ulon-URAN-UTAH
Uran Utah

Uzes Udine

Raoul Rablé
L-Linie, Aladin -ALSACIEN,

Aladin Alsacien

Lorenzo, 1995 Lamento, 1995
D2-Linie, DOKTRYNER ox, - DON PABLO - DON FERNANDO - DON FLAMINGO,
Doktryner, AV Don Pablo
Dorin Don Flamingo
Don Fernando
N2-Linie, NOE

Noé Néco
Q-Linie, QUI-SAIT

Qui-Sait Quinoa, 1992
Quinto
N1-Linie, Nello-NELSON,

Nicolo Nolo
nelson
In einigen Gebieten der Schweiz mit wenigen Zuchtstuten wurden jedoch immer wieder Stuten mit Ausnahmebewilligungen vom Bund aufgestellten Warmbluthengsten zugeführt. Aus diesen Gründen findet man vereinzelt auch Namen von Warmbluthengsten wie Orient, Ivoir, Ut Majeur etc. in Pedigrees. Heute werden solche Kreuzungen nicht mehr zur Zucht zugelassen und ins Kreuzungsregister eingetragen.
Die Züchter sollten jedoch bei der Verwendung von Fremdblut insofern Sorge tragen, dass Linien nicht auf Kosten bewährter, alter Blutführungen derart überhand nehmen, dass sie eine Verdrängung des Bewährten und gleichzeitig eine Verarmung des Genpotentials im Gesamten bewirken. So z.B. sind die Alsacien-Nachkommen immer noch derart in Mode, dass bereits über 75 % aller Freiberger diesen Hengst, vielfach bereits mehrfach, im Pedigree führen. Es sollte grundsätzlich vermieden werden, aus dem Freiberger ein weiteres, „internationales“ Warmblut „herzustellen“ – solche gibt es wahrlich schon genug. Vielmehr sollte den vorhandenen, bewährten Blutlinien innerhalb der Rasse mehr Sorge getragen und versucht werden diese in ihrer Vielfalt zu erhalten. Die Züchter tragen hier eine grosse Verantwortung, soll diese einzigartige Schweizer Rasse weiter in ihrer gesamten Vielseitigkeit erhalten bleiben.
Weitere interessante Ausführungen, Statistiken, Bilder und Auswertungen zu den einzelnen Linien finden Sie hier:
http://www.originalfreiberger.ch/NutzungDerZuchthengste_d.html#rlinie
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Herkunft, Zucht und Geschichte des Freibergerpferdes
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