Erinnerungen  (doppelklicken)

 

 

 

Herkunft, Zucht und Geschichte des Freibergerpferdes

1. Teil  

 

Ursprünge der Pferderassen Europas.

 

 

 

1.  Allgemeiner Überblick über die vorhandenen Rassen in der Frühzeit

     und im frühen Mittelalter

 

Das erste Auftreten der Araber ist nicht bekannt, sicher ist aber, dass Mohammed im 7. Jh. nicht erst der Gründer, sondern lediglich der erste große Förderer dieser Rasse war. In den Steppen Turkmeniens wurden schon seit der Zeit Alexanders des Großen edle Pferde gezüchtet, die Achal-Tekkiner. Diese turkmenischen Pferde wurden zur Zeit der Kreuzzüge von den Moslems (und auch von den Kreuzfahrern als Beutepferde) sehr geschätzt. Berberpferde waren schon lange bekannt und wegen ihrer Geschwindigkeit berühmt. Es wird vermutet, dass sie auf kaltblütige Pferde zurückgehen, die die aus dem Norden kommenden Vandalen in der Völkerwanderung mitbrachten. Das Camargue-Pferd gehört zu den ältesten Pferderassen der Erde, es war schon den Phöniziern und Römern bekannt. Andalusier gehen auf phönizische Pferde zurück, sie wurden jedoch im 16. und 17. Jh. auf die heutige Form durch Einkreuzung veredelt. Haflinger, Noriker und das Süddeutsche Kaltblut sollen auf römische Legionspferde zurückgehen. In Belgien wurden seit undenklichen Zeiten Kaltblüter gezüchtet. Auch im MA erfreute sich das kräftige und temperamentvolle belgische Kaltblut eines guten Rufes. Der Percheron ist ebenfalls eine uralte Rasse, in die bereits im 8. Jh. Araber eingekreuzt wurden. Das Fjordpferd ist eine sehr alte norwegische Rasse. Shetland-Ponys sind schon seit ca. 2000 Jahren bekannt. Anglo-Normänner sollen auf die Zeit der Mauren und eine amorikanische Rasse zurückgehen, eine Blüte erlebte die Zucht dieser Pferde im 10. Jh. unter den Normannen. Die "Race Normande" erlebte während des 100jährigen Krieges wegen der ständigen Remontierungen jedoch fast ihren Untergang.

Rottaler, Holsteiner und Ostfriesen gehören zu den ältesten Pferderassen Deutschlands. Im Rottal/Niederbayern wurden auf der Grundlage ungarischer Beutepferde mit arabischer Blutführung seit dem 10. Jh. Pferde gezüchtet. Die Ostfriesen waren im MA bekannte und beliebte Ritterpferde. Auf den fetten Weiden der Marschen und auf den kargeren Gründen der Geest wurden im Mittelalter hervorragende Pferde herangezogen, die Pferdezucht wurde von den Holsteiner Herzögen, dänischen Königen und nicht zuletzt den Klöstern gefördert - zu Zwecken "der Bodenbearbeitung wie für Kriegsnöte", wie es in den alten Chroniken heißt. Der Senner ist ebenfalls eine alte deutsche Pferderasse. Die karge Heidelandschaft zwischen Paderborn und Bielefeld in Ostwestfalen - die Senne - stand Pate bei der Namensgebung dieser Rasse. Der Ursprung des Senner-Pferdes lässt sich nicht genau bestimmen, aber die ersten urkundlichen Hinweise in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1160 sowie verschiedene Quellen aus dem Mittelalter bestätigen große Pferdeherden in diesem Gebiet. Das Dülmener Pferd wird im 14. Jh. urkundlich erwähnt, ebenso die Schwarzwälder Füchse.

Einsiedler wurden im Gebiet der Benediktiner-Abtei Einsiedeln (Kanton Schwyz) gezüchtet, eine erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahre 1064. Der Shire wurde in den englischen Shires als Ritterpferd gezüchtet, allerdings hatte er im MA nicht die heutige Größe. Knochenfunde aus prähistorischer Zeit beweisen, dass in Friesland schon vor Tausenden von Jahren schwere Pferde vorhanden waren. Dass sie die Vorfahren der heutigen Friesen sind, lässt sich zwar vermuten, aber nicht beweisen. Der Friese, wie wir ihn heute noch kennen, ist ein Produkt einheimischer Pferde, die im 16. und 17 Jh. mit den von den Spaniern ins Land gebrachten orientalischen Rassen vermischt wurden.

Im 9. und 10. Jahrhundert brachten die Wikinger skandinavische und keltische Ponys nach Island, seit dieser Zeit erhielt sich der Isländer in seiner Heimat ohne Fremdeinkreuzung. In Britannien existieren schon seit dem 10. Jh. eigenständige Ponyrassen (New-Forest, Welsh, Exmoor und Dartmoor Pony). In Exmoor hat sich bis heute ein Bestand nahezu wildlebender Ponies erhalten. Sie gelten als die letzten reinen Nachfahren des eiszeitlichen Urponies und damit als eine der noch unverfälschtesten und ursprünglichsten Pferderassen Nordwest- und Mitteleuropas.

Autorin Ruth M. Hirschberg, 2000

 

Zur Ansicht: 3 originale Freibergerhengste mit weniger als 2 % Fremdblutanteil im Jahre 2002

   

Rigaf,  Jg. 1980, Masse: 1.55/22/196    Kobi,  Jg. 1999, Masse 1.55/20.5/182    Eiger,  Jg. 1986; Masse: 1.55/21/194

 

 

2.  Herkunft, Zucht und Geschichte des Freibergerpferdes

 

2.1  Kurzer Rückblick


Es sind aus dieser Zeit wenige, verlässliche Quellen übriggeblieben, die Aufschluss über den Zeitpunkt der  Entstehung einer mehr oder weniger geregelten  Pferdezucht in der Schweiz zuverlässig Auskunft geben könnten. Vieles verliert sich im Nebel der Zeit.

 

Die Pferdezucht dürfte  in der Schweiz in der Frühzeit und zu Beginn des frühen Mittelalters her eher als  gering zu betrachten sein. Pferde dürften ursprünglich am ehesten in der Religion als Kultobjekt und als Standesobjekt für eine privilegierte Oberschicht eine kleine Rolle gespielt haben.  Aus frühen Knochenfunden weiss man, dass Pferde geopfert  und ihr Fleisch lange Zeit rituell aufgegessen wurde.

 

2.2  Der Einfluss von Römern und Germanen

 

Erst der Einfluss der Römer und die Entwicklung des Handels und die ebenfalls durch die Römer verbesserten Strassen förderten die Pferdezucht auf dem heutigen Gebiet der Schweiz, so dass dies als der Beginn einer mehr oder weniger geregelten Vermehrung von Nutzpferden angesehen werden kann.  Zur Zeit der Römer wurden, so nimmt man heute an, bereits 2 Pferdetypen gezüchtete, kleinere leichtere Pferde um 120 cm Stockmass und etwas schwerere Typen  um 145 m. Mit dem Zerbrechen des Römischen Reiches und dem dadurch vermehrten Einfluss Germanischer Völker, z.B. der  Alemannen, begann sich auch die Pferdezucht zu entwickeln. Man weiss heute, dass sich bereits im 6. Jahrhundert  belegte Stutereien auf dem Gebiet des heutigen Kantons Zürich befanden. In dieser Zeit entwickelte sich aus der Bauernkaste eine  Schicht von reichen Reiterkriegern. Von aufgefundenen Grabbeilagen aus dieser Zeit kann auf eine hohe Wertschätzung gegenüber dem Pferd geschlossen werden.

 

 

2.3      Der Einfluss der Klöster

                       

Einer Zucht weiter  förderlich war  die Gründung von Klöstern und die Errichtung von klösterlichen Gestüten, die in der Folge einzelne Rassen und Schläge  weit über die Lande hinaus bekannt zu machen vermochten. Ebenfalls förderte der Ausbau von Verbindungsstrassen, sowie die Erfindung von Hufeisen die Zucht.  Schon früh entwickelte sich  daraus eine zweiseitige Pferdezucht, die  einerseits, grosse, kräftige,  kaltblütige Pferde für Ritterschaft und Turnier und andererseits kleinere und leichtere Reit- Zug- und Tragtiere für Transport- und Landwirtschaft lieferte. Erst etwa ab der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts aber gewann die Pferdezucht etwas mehr an Bedeutung.  Der Export von Pferden und der damit erreichte wirtschaftliche Erfolg verbesserte die Qualität nachhaltig, so dass die Schweiz sich einen Ruf als Pferdezuchtland aufzubauen begann, der über sehr lange Zeit erhalten bleiben sollte.

 

 

2.4  Erste Erfolge

 

So etwa bis ins 17. Jahrhundert hatte die Schweiz also einen durchaus guten Ruf als Pferdezuchtnation. Jährlich wurden tausende von Fohlen und Pferden aus Schweizer Zucht in andere Länder exportiert. Einer der Haupt-Kunden dabei war neben Italien Frankreich, das immer wieder Kavallerieremonten in der Schweiz für die Armeen ihrer Könige kaufte. Um die Pferdezucht den Marktverhältnissen anzupassen, die ein leichteres, gut gebautes und ausdauerndes Reit- und Wagenpferd verlangten, begann die Schweiz so um 1720 herum Zuchtmaterial aus dem Ausland einzuführen. Vornehmlich orientierte man sich nach Deutschland, wo z.B. die Berner Regierung bereits  um 1715   begann, deutsche Warmbluthengste einzuführen. Ebenfalls begann man Massnahmen zur Verbesserung der inländischen Pferdezucht  einzuführen,  z.B. Prämienvergaben für  die Haltung  von Zuchthengsten im Jahre 1725.

 


2.5  Der Niedergang

 

Kriegerische Auseinandersetzungen mit Frankreich machten der blühenden Pferdezucht in der Schweiz jedoch gegen Ende des 18. Jh. einen Strich durch die Rechnung. Französische Heere marschierten 1798  in die Schweiz ein und  leerten die Pferdeställe bis "auf den letzten Fohlenschwanz". Auf diese Weise ging nicht nur der grösste Teil sehr guten Pferdematerials verloren, auch die Beziehung zum ehemaligen Kunden litt dabei nicht unerheblich.

Doch schon  1810 versuchte die Landesregierung der Schweizerischen Pferde-Zucht erneut neuen Schwung zu geben. Bereits wieder war Frankreich der Hauptabnehmer für Schweizer Pferde. Vielfach waren die Bemühungen, an die Erfolge früherer Jahre anzuknüpfen – aber  es war nicht zu übersehen,  die Zucht befand sich im Niedergang. Mit der Erfindung anderer Transportwege,  z.B. der Eisenbahn um 1850, verlor das Pferd mehr und mehr an Bedeutung in der Schweizer Volkswirtschaft. Ebenfalls ab etwa diesem Zeitpunkt begann Frankreich seine benötigten Pferde vermehrt im eigenen Land nachzuziehen, was den Niedergang der einheimischen Zucht noch beschleunigte. Und zu guter Letzt, wenn Pferde verkauft wurden, wurden trotz Fohlen- und Hengsthalteprämien,  die besten Pferde abgegeben.  Aber auch die Zuchtleitung war nicht ganz unschuldig am Desaster. Vielfach wurden in Unkenntnis der Vererbungslehre Hengste  (z.B.  Halbblutpferde verschiedener Rassen, die ihrerseits bereits Kreuzungen zwischen Voll- und Kaltblut waren, eingekauft, deren Nachzucht sich in der Folge wieder in die Ursprungsrassen aufspaltete..)  zur Zucht eingesetzt, die sich mit der einheimischen Stutenbasis denkbar schlecht  vererbten. Dies und der  schnellen Wechsel zwischen Kalt- Warm- und Vollbluthengsten verschlechterte die Qualität der Schweizer Pferde  in der Folgezeit dermassen, dass so gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Verein für die Verbesserung der einheimischen Pferderassen folgende Stellungnahme abgegeben hat:
" Wir bedauern, dass bei den Proben über die Schnelligkeit der Pferde so geringe Fortschritte gemacht worden sind.."

 

2.6  Erste Gegenmassnahmen

 

2.6.1  Der Einsatz von Voll- und Warmbluthengsten

Wieder begann man sich im Ausland nach geeignetem Pferdematerial zur Blutauffrischung umzusehen. Um 1860 importierte der Kanton Bern erstmals Anglo-Normänner, Englische Voll- und Halblüter, die sowohl  der Warm- als auch der Jurapferde-Zucht zur Verfügung gestellt wurden

  so z.B. der englische Halblüter "Bracken", 1867 in Einsiedeln, der auch in der Freibergerzucht wenige Spuren hinterliess..). Da in der Zwischenzeit in Frankreich – dank eingeführten Leistungsprüfungen – der Anglo-Normänner einen starken Aufschwung erlebte und deutsche Pferde für die Genossenschaften schlicht zu teuer waren, griff man wieder auf diese zurück. So wurden in einem Zeitraum von etwa 20 Jahren (zwischen 1890 und 1900) über 200 Anglonormänner-Hengste eingeführt und den Züchtern zur Verfügung gestellt.

Vor der Jahrhundertwende wurde der Ruf nach dem Einsatz von Vollblütern so gross, dass der Bund sich zum Ankauf von den 3 Vollbluthengsten Masque de Fer, Bec Helluin und Ux-Bridge entschloss. Alle drei Hengste standen auch in Einsiedeln.

Allerdings war die bäuerliche Pferdehaltung mit diesen Produkten einerseits überfordert was deren Umgang anging, andererseits erwiesen sich viele dieser Tiere als zu leicht für den gewünschten Verwendungszweck. Ausserdem - und das darf auch nicht ungesagt bleiben - entsprach die damalige Pferdehaltung in keiner Art und Weise den Bedürfnissen der Tiere. Viele Stuten gebaren ihre Fohlen in Anbindehaltung und die Fohlen sahen eine Weide nur im Vorbeilaufen. Diesen schlechten Bedingungen vermochten die blütigeren Pferde jedoch meistens nicht zu trotzen. Ein weiterer Grund für die schlechten Haltungsbedingungen der Pferde, wenn vorhanden dann dazumal wie heute,  ist die Einbindung vor allem der Jurapferdezucht von Anfang an fast ausschliesslich in die bäuerlichen Betriebe, wo nicht immer das Fachwissen für den Umgang mit Pferden vorhanden war/ist. Das Pferd wurde und wird hier als Wirtschaftsfaktor vom Bauern hinter dem Rind eingestuft und der Anspruch/Aufwand seiner Haltung dementsprechend gehandhabt. Das heisst, das im Normalfall die Bedürfnisse der Pferdehaltung nach denen der Rinderhaltung gewichtet sind. Nicht umsonst kannte man früher den Ausspruch „ für d’Ross langet d’Barrebutzete vom Veeh“ – will heissen, dass den Pferden immer schon das schlechtere Futter als den Rindern gegeben wurde – nicht umsonst ist der Freiberger so ein guter Futterverwerter geworden, dass viele dieser Pferde heutzutags, gehalten als Freizeitpferde,  um einer mass- und sinnlosen Verfettung vorzubeugen nur noch mit Maulkörben oder gar nicht mehr auf die Weiden dürfen – wie die Autorin leider selber erfahren musste...

Deshalb führte  die Zuchtleitung über die Genossenschaften die Fohlenweiden mit Prämiensystem ein, um die Aufzucht der Jungpferde durch Sömmerungen  zu verbessern. Leider wurde dieses Angebot sehr lange  noch nicht von allen Züchtern genutzt.

Entsprechend zu bemängeln ist indessen  leider  immer noch, dass sogar heutigentags, trotz der Verbesserungen in der Nutztierhaltung im Allgemeinen, sich die Freiberger-Pferdehaltung nicht gross geändert hat. Neueste Studien haben ergeben, dass die Ständerhaltung in der Mehrzahl der Zuchtbetriebe die übliche Haltungsform für Freiberger  ist.  

2.6.2        Der Einsatz von Kaltbluthengsten

 

Um schwerere und ruhigere Pferde einerseits und mehr Kraft vor dem Pflug andererseits zu erhalten wurden deshalb immer wieder in manchen Gegenden  Kaltbluthengste, vornehmlich Ardenner und Percherons, in der Zucht eingesetzt. Die Burgdorfer Genossenschaft übernahm hier eine Vorreiterrolle und  setzte noch bis in das Jahr 1960 schwere Kaltblüter in der Zucht ein.  So wurden in der Folge auch vom Bund - dem Druck nachgebend - verschiedene Kaltblüter gekauft und den Züchtern zur Verfügung gestellt.   Der letzte - Alert -  wurde  wie bereits erwähnt,  in der Genossenschaft Burgdorf eingesetzt. Bemerkenswert ist dabei, dass die Züchter den Einsatz von Kaltbluthengsten  unterschiedlichster Herkunft in der Freibergerzucht nicht als Beimischung von "Fremdblut" empfanden.

 

2.7  Uneinheitliche Zuchtprodukte

 

Diese langjährige Kreuzungszucht- und Zuchtversuche bekamen der Rasse jedoch nicht  gut, dies erkannten denn auch die Pferdezüchter vornehmlich im Jura, bei denen die schweren Rassen und Schläge nicht sonderlich gut ankamen und die einen vernünftigen Kompromiss zwischen Masse und Klasse suchten.

Ebenfalls nicht glücklich mit der Situation waren die verantwortlichen Offiziere der Schweizer Armee mit dem massiven Einsatz von Kaltbluthengsten.

Um das Jahr 1904 wurden die Pferderassen in der Schweiz deshalb soweit getrennt, dass mit der Zucht eines Dragoner- und Artilleriepferdes auf der einen Seite und dem des Freibergers als ein leichtes Zug- und Arbeitspferd auf der anderen Seite begonnen werden konnte. Auch diesem Versuch war aber auf Dauer kein Glück beschieden.  Das erstere gibt es heute in dieser Form nicht mehr - es ist teils im Schweizerischen Warmblut aufgegangen und mit ihm die lokalen Rassen wie das Schwyzer Pferd, das Erlenbacher- und in jüngster Zeit, das Einsiedler Pferd. Der Freiberger hingegen konnte sich bis heute erhalten, wenn auch in ihm lokale Schläge wie die schwereren Burgdorfer und Entlebucher aufgegangen und somit als eigenständige Schläge verschwunden sind.

 

 

2.8  Ausgangslage

 

Eine Bestandesaufnahme der aufgestellten Hengste um 1870 zeigte klar den Einfluss der aus dem Ausland zugekauften Hengste. Nur 4 der in der Zucht eingesetzten Hengste konnten als "Inländer" bezeichnet werden. Trotzdem wurden in den Folgejahren weiter Hengste importiert, vor allem Anglo-Normänner aus Frankreich.

 Imprevu, 1886, Anglo-Normänner

Als Beispiel mögen die Hengste Imprévu, geb. 1889,  und Kérmit gelten, die sich gut mit der Landrasse vererbten und eigene Hengstlinien gründen konnten. IMPREVU gilt heute als der 2. Stempelhengst in der Freibergerzucht, etwa 30 % des Bestandes führen heute – über die Linien Chasseur-Lafajette-Jurassien - noch sein Blut, verbreitet vor allem über seinen bedeutensten Nachkommen Jurassien, geb. 1940. Ein ebenfalls zu dieser Zeit aus England importiertes Pferd, ein Norfolk Roadster, sollte allerdings wirklich grossen Einfluss auf das Freibergerpferd bekommen. Es war Leo I, der Vater des Freiberger Linienbegründers VAILLANT    (der 1891 in Saignelégier geboren wurde).  Auf VAILLANT gehen auch heute noch ein Grossteil - etwa 50 % - aller Freibergerpferde zurück.

                Die Homogenität der Familie des Vaillant mag nachfolgendes Beispiel dokumentieren:

 

Ringo, 1979, Regulus-Rhadamés-Eglon             Isonzo, 1916, Urenkel des Stempelhengstes VAILLANT

 

  Caprice, 40er Jahre, Gen. Bremgarten

 

Zum Vergleich sehen wir hier heutige, moderne Vertreter des  Cob Normand, so wie sie heute noch in Frankreich gezüchtet werden. 

     

     

Diese Rasse sowie die Kreuzungen mit Vollblut (Anglonormänner) wurden früher sehr gerne zur Blutauffrischung benutzt. Die Aehnlichkeit mit den älteren VAILLANT-Freibergern  ist unverkennbar

 

 

 

2.9   Zuchtkonzept zwischen 1904 und 1960

 

Um die fremden Einflüsse langsam zu eliminieren und die Rasse einheitlicher werden zu lassen, beschloss man ab etwa 1920 die "Reinzucht". Trotzdem floss in der Folgezeit immer mal wieder etwas Kaltblut, wenige Bretonen-, Ardenner und Belgierhengste, aber auch Anglonormännerblut bis in die 60er Jahre in die Zucht ein. So z.B. der   Anglo-Normänner-Hengst "Uran", geb. 1930, der sowohl in der Warmblut (Einsiedler-Zucht) - als auch in der Freibergerzucht eine bedeutende Hengstlinie gründen konnte, die jedoch in der Freibergerzucht vor einigen Jahren erloschen ist. Immer noch aber führen viele gute Zuchtstuten "Uran"-Blut in ihren Adern.

      

      2.9.1  Der Einsatz von Araber-Pferden in der Freibergerzucht

 

 

Nach wie vor schwebte einigen der verantwortlichen Zuchtleiter und vor allem den verantwortlichen Offizieren der Armee die Umzüchtung des Freibergers in ein edles, kleineres Warmblut vor, geeignet als leichterer Schlag für den Einsatz in der Kavallerie einerseits und als schwerere Ausgabe für Artillerie, Train und Landwirtschaft andererseits. Immer wieder wurde in diesen Jahren deshalb auch Vollblutaraber-, Araber- und Shagya-Araber-Blut eingekreuzt, was den Pferden Nerv, Härte und Eleganz bringen sollte. Jedoch stiessen die Produkte, meistens Kreuzungen mit den schwereren Schlägen des Freibergerpferdes nicht immer positiv aus und verfügten auch nicht immer über den gewünschten, einfachen Charakter. Es waren vielfach uneinheitliche Pferde mit wenig Gang und unharmonischem Exterieur. Positiv erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind die Hengste "Shagya"

 

      

Shagya                                                                                   Koheilan

und "Shagya I"  - hier wurden zwei Hengste gekört, „Scipon“ und „Scapin“,  

 

      

Scapin                                                                                                      Doktryner ox

 Don Camillo

 

die sich gut mit Freibergern vererbten, jedoch keine Hengstlinie hinterliess - und vor allem der VA "Doktryner", 1950,   der mit seinem Urenkel "Don Flamingo" in der Freibergerzucht immer noch präsent ist. Er zeichnet heute unserer Meinung nach vor allem als Erzeuger von sehr guten Westernpferden.  Pferde mit Blut des Doktryner in Kombination mit der alten Anglo-Normänner Uran- und der neuen Qui-Sait-Linie versprechen u.U. für die Zukunft praktische Erzeuger von Westernpferden. Viele der in der heutigen Westernszene aktiven Freiberger führen Doktryner-Blut und wer ein Freibergerpferd zum Westernreiten sucht, ist auf der sicheren Seite wenn der Kandidat diese Linie im Pedigree hat. Leider sieht es für die Doktryner-Linie zur Zeit nicht sehr gut aus. Don Flamingo ist der Letzte dieses Blutes und etwelche Söhne waren bisher an Körungen chancenlos (Exterieur?).. Es wäre wirklich schade, wenn man gerade diese Linie sang- und klanglos untergehen liesse und würde vor allem der Westernreitweise einen Bärendienst erweisen. Westernpferde sollen nun mal eher kurz, kompakt und mit abgesenkter Kruppe sein - nicht langlinige Warmbluttypen. Wenn diese Pferde nicht mehr zu finden sein werden, werden wieder etliche Freitzeit-Westernreiter mit Turnier-Ambitionen auf Quarter- oder Paint-Horses umsteigen. Schade.

 

Nachsatz:  Doktryner ist im übrigen  nach seiner Rückgabe nach Babolna anschliessend nach Amerika verkauft worden. Er ist heute als einer der bedeutensten Stempelhengste in sehr vielen, sehr bekannten und bedeutenden Warmblut-Pferderassen Europas und Amerikas (Trakehner, Angloaraber, Araber, etc.) als Begründer  gesuchter Leistungslinien zu finden. Doktryner-Freiberger haben also eine äusserst noble Verwandtschaft aufzuweisen. So z.B. in der amerikanischen Trakehnerzucht die Deckhengste Primo und Polarwind, die über ihre Mutter, die Staatsprämienstute Parole, MV von Polarlicht, direkt auf den Ausnahmehengst Doktryner zurückgehen und deren Nachkommen  mittlerweile wieder in Deutschland gelandet sind. Weitere Beispiele lassen sich auch in etlichen anderen Rassen finden.

 

Einen sehr kleinen Einfluss dürften während des 2. Weltkrieges auch einige Berber-Hengste - mehr oder weniger unbeabsichtigt - in der Jurapferdezucht gehabt haben, denn im Jahre 1940 als Hitler Frankreich angriff, kamen Spahis, das sind afrikanische/algerische Soldaten der Franzosen, mit Berber- und Araber-Berberpferden - sehr viele Hengste darunter - über die Grenze. Bauern-Familien, die so ein Pferdchen aufnehmen konnten, wurden diese zur Pflege übergeben. Dies war aber nur vorübergehend und es wurden alle wieder eingezogen. Obwohl die Spahis mit ihren Pferden nicht lange in der Schweiz verblieben, dürfte es wohl da und dort zu Bedeckungen mit einheimischen Stuten gekommen sein.

berittener Spahioffizier auf einem Berberhengst

 

2.9.2 Der Einsatz von Warmblutpferden unterschiedlicher Herkunft

       in der Freibergerzucht


In den späten 60er Jahren begann man wieder auf Warmblut zurückzugreifen. Getreu der  alten  Maximen der Versuchskreuzungen wurden auch dieses mal Risikokreuzungen gemacht, die in  der Zucht vorerst keinen Blutanschluss fanden.  Trotzdem konnte sich der Schwedentrakehner "Aladin"

 

 Aladin, Schwedentrakehner   Alsacien, 1969 von Aladin

 

    

Zuchthengst aus der "L"-Linie, Legato, 1994     

von Nepal  - der zuvor wiederum in Einsiedeln eingesetzt worden war und daselbst über seinen Sohn "Aristokrate" sein Blut in die Schweizerische Warmblutzucht einbringen konnte -  durchsetzen, der heute bereits in über 75 % aller Abstammungen zu finden ist. Er vererbte Gang, Eleganz, Farbe, Pepp und gefällige Köpfe.

 

Nicht soviel Glück jedoch war dem schwedischen Warmblut Nello v. Nepal - über seinen Vater mit Aladin verwandt - vergönnt, der nur noch über seinen Sohn "Nolo" in der Zucht vertreten ist.

 

2.9.2.1  Die Rolle des „Einsiedler“-Pferdes in der Freiberger-Zucht

 

                

                    P. Albert Huber, Autor von "1000 Jahre Pferdezucht Kloster Einsiedeln" mit Fürstin und Rita aus der Klosterzucht

                    um 1960

     

Hier wird es nun Zeit, ein bisschen näher auf die Beziehung des Einsiedler-Pferdes – und hier meinen wir natürlich die Rasse vor ihrer Umzüchtung, angefangen ab etwa Ende der sechziger Jahren – einzugehen.

Dazu ist es wohl nötig, ein bisschen weiter auszuholen um die Zusammenhänge aufzuzeigen. Im 19. Jahrhundert des vergangenen Jahres war die Rassentrennung in der Schweiz bei weitem nicht so strickt, wie das heute der Fall ist. Die Zucht war bedeutend vielseitiger denn heute und eher nach Schlägen und Typen unterteilt, von denen die allermeisten heute verschwunden, beziehungsweise in den  übriggebliebenen beiden Hauptrassen, dem Freibergerpferd auf der „kaltblütigen“ Seite einerseits und dem Einsiedlerpferd auf der „warmblütigen“ Seite andererseits aufgegangen sind.

Thrtlebey Saxonia, einer der Stammväer des Einsiedlers im 19. Jahrhundert

 

Gesagt in diesem Zusammenhang muss aber auch, dass das „Einsiedler Pferd“ in der alten Form so nicht mehr existiert. Es ist in jahrzehntelanger Umzüchtung in den „standardisierten Einheitsbrei“ „Schweizer Warmblut“ eingeflossen – und besteht heute aus ebensolch einem internationalen Gemisch von Blutlinien verschiedenster Herkunft, wie das z.B.  auch vielen deutschen und holländischen Warmblutrassen nicht erspart geblieben ist. Hier haben die Verantwortlichen u.M.n. ebenfalls nicht aufgepasst.

 Serapis xx der sowohl in einsiedeln als auch im Jura deckte

 

Über die alten Gestütsbücher lassen sich die Verbindungen der einzelnen Schläge sehr schön dokumentieren. So profitierte die Freibergerzucht immer wieder von  den Erfahrungen und dem Können der damaligen  Einsiedler Gestütsleiter. Viele Hengste, die entweder direkt von Einsiedeln oder später vom Bund importiert wurden und im Klostergestüt aufgestellt wurden, fanden anschliessend auch ihren Weg in die Freibergerzucht – selten nur umgekehrt (z.B. Brave II). Die Einsiedler Pferdezucht beeinflusste auf diese Weise also nicht nur die lokalen Warmblutschläge wie etwa das Schwyzer Pferd, 

  Siam, 1897, aus der Einsiedler Zucht, als letzter Schwyzer Hengst nach Italien verkauft.

 Socrate

den Erlenbacher, den Märchler etc., sondern darüber hinaus auch lokale Schläge des Jurapferdes. Ebenso wurde in die Zucht des Jurapferdes um die Jahrhundertwende viel Vollblut analog des „Einsiedlers“ eingesetzt.  Im Gegensatz zu den Züchtern des „Einsiedlers“ (..dies mindestens bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts..) fehlte aber den Freibergerpferde-Zuchtgenossenschaften ein Konzept. Auf  jahrelangen massivsten Einsatz von Voll- und Warmbluthengsten verschiedenster Herkunft folgten - mit dem „heisser“ (sprich schwieriger)   und zwangläufig leichter, aber auch gängiger werden der daraus stammenden Zuchtprodukte  - unweigerlich der Einsatz von möglichst schweren Kaltblütern aus aller Herren Länder. Dies ergab ein von Genossenschaft zu Genossenschaft sehr uneinheitliches Bild des Freibergers. Mit anderen Worten, es fehlte ein tragfähiges Konzept. Kam die Einsiedler Zuchtstation nach Beurteilung der Ergebnisse der massiven Vollbluteinkreuzungen und dem Einsatz Englischer Hackney-Hengsten  der Jahre zwischen 1889 1920 zum Schluss, dass das alte Blut der Einsiedler-Stutenstämme den besten Anschluss beim Anglo-Normänner fand, wurden in der Folge daraus die Konsequenzen gezogen und ab dem Jahr 1922 bis zum Teil in die heutige Zeit, neben Inländern,  mehrheitlich Hengste auf Anglonormänner-Basis in der Zucht eingesetzt.

   Rince  l'oeil,1954

Anglonormänner-Bundeshengst, ab 1962 in Einsiedeln zur Zucht aufgestellt. Er ist massgeblich beteiltigt an der Umzüchtung des "Einsiedlers" zum modernen Warmblut. Ur-Urgrossvater der Warmblut-Veredler-Hengste "Qui-Sait" und "Noé.

 

Rince-l'oeil findet sich  in den Pedigrees von Noé und Qui-Sait über ihre Mutter, die Einsiedlerin Salomé (Mutter Artémis von Aladin x Ritournelle, von ALADIN-Rince l'oeil-Utah-Uran(Nella-Zella-Quarta-Linie). Wie man hier unschwer erkennen kann, haben die Hengste der Noé- und Qui-Sait-Linien über diese Einsiedler Linien wieder Anschluss an die ALADIN-Alsacien-Linie einerseits und andererseits über die Utah-URAN-Linie. Pikantes Detail, über eben diesen Rince-l'oeil ist der - moderne - Freiberger der Quit-Sait und Noé-Linien  nicht nur mit den Einsiedlern, sondern auch mit den besten Holsteiner Leistungs-Pferden verwandt, nämlich über den Vater von Rince l'oeil, den Anglo-Normänner RANTZAU,  mit dem berühmten, in Holstein wirkenden Ausnahme-Stempelhengst, von den Holsteinerzüchtern liebevoll  "Corde" genannte COR DE LA BRYERE (v. Rantzau) - eben auch ein Anglonormänner...

ARISTOCRATE, Warmbluthengst von Schwedentrakehner ALADIN wiederum hatte eine Einsiedler  Rince-l'oeil-Tochter zur Mutter und ist ein Halbbruder zu ALSACIEN  und findet sich auch in den Pedigrees von Qui-Sait und Noé, womit Qui-Sait und Noé-Abkömmlinge, sofern sie irgendwo Alsacien in ihrer Abstammung führen, wieder Anschluss an den STr. ALADIN haben - soviel zum Freiberger dem "leichten Kaltblüter"...

                               Vergleiche:  die Hengste Quitus, Freiberger aus der Qui-Sait-

                               Linie und Rince-l'oeil, Anglo-Normänner und Vorfahre desselbigen.

 

                                       Quitus, FM

 

Getreu der Maxime „was in Einsiedeln gut ist, ist auch für den Freiberger gut“ wurden in der Folge auch wieder vermehrt Anglonormänner-Hengste beim Jurapferd aufgestellt. Aber die Zuchtleitung konnte es leider nicht unterlassen, im Laufe der Jahre immer wieder auch Zuchtversuche mit blutfremden Rassen vorzunehmen (Shire-Horses, Irische Hunter, Holsteiner, Schwedisches Warmblut etc.). Bis auf ganz wenige Ausnahmen hat dies die Rasse nicht weitergebracht um nicht zu sagen, es hat ihr geschadet. Auf der anderen Seite wurden, die ausnahmsweise aus solchen Zuchtversuchen hervorgegangene, sich gut vererbenden Hengste (z.B. Alsacien) derart massiv eingesetzt, dass ein Verlust von Exterieur und Typ des Jurapferdes als solcher schon gar nicht mehr wahrgenommen wurde – und wird.. Dieser Hengst ist nicht nur in der entsprechenden Vaterlinie zu finden, er befindet sich in fast allen weiteren Linien auf der Mutterseite- und/oder Vater-mutterseits und erhält hier ein unglaubliches Gewicht, was unweigerlich zu einer Reduzierung des Genpotentials führen wird. Im letzten Moment hat man sich besonnen und versuchte nun 

mit dem Einsatz der beiden CH-Hengste "Qui-Sait" 

  und  "Noe"  (deren beider Mutter aus altem Einsiedler-Stutenstamm auf die Nella-Zella-Quarta-Familie einerseits und den vorgängig erwähnten Anglo-Normänner  "URAN" und seinen Einsiedler Sohn "Utah" zurückgeht - wie oben aufgeführt), wieder an die alten Blutlinien der Einsiedler Stutenstämme anzubinden und damit sowohl ein "Gegengewicht" zu Alsacien zu schaffen - als auch gewissermassen aber doch wieder mit Anschluss an Aladin, nämlich über dessen Sohn Aristocrate. Jedoch, dessen sollte man sich bewusst sein, eine Kombination der Alsacien-Nachkommen mit den ebenfalls blütigen Quit-Sait- und Noe-Kindern und Enkeln wird das Freibergerpferd noch mehr in Richtung kleines Warmblut verfeinern...

  Wolga, markanter Einsiedler Stutenkopf, um 1945

 

 

 

2.10  Zuchtkonzept heute - Ausblick

 

Das Exterieur des Freibergerpferdes hat sich somit im Laufe der letzten 150 Jahre mehrfach verändert.  Pferde der Jahrhundertwende, so. z.B. der berühmte Vaillant, wirkten durch den damaligen Einsatz hochblütiger Hengste, leichter den der Pferde um die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts.  So hatte z.B. "Raceur", geb. 1946, der Begründer der R-Linie im Alter von 5 Jahren ein Gewicht von 685 Kg, bei einem Gurtumfang von 211 cm und einem Röhrbein von 23.5 cm bei einer Grösse zu 1.58 m. Noch massiger mit 5 Jahren war "Heroique", der bei gleicher Grösse ein Gewicht von 740 kg vorwies..

 

Das im Jahre 1964 von P. Albert Huber herausgebrachte Buch "1000 Jahre Pferdezucht Kloster Einsiedeln" beschreibt die Masse des Einsiedler Warmblutpferdes Anfangs der 60er Jahre wie folgt:  Das Einsiedler Pferd im Examen:  Durchschnittliches Stm. ca. 1,58 m, Gurtumfang 190 cm, Röhrbein 21 cm, Gewicht 550 kg. Ebenso in diesem Zusammenhang möge sich der geneigte Leser die Masse des CH-Warmbluthengstes Rablé, der in den Jahren zwischen 1963-65 in der Freibergerzucht eingesetzt war (.. und der wieder über den „Einsiedler“  „Utah“ auf „URAN“ zurückging) vor Augen führen. Mit  einem Stm. von 1.54, Gurtumfang von 194 cm und einem Röhrbein von 21.5 cm  entspricht dies den Massen heutiger Freibergerhengste, eher schwerer Zuchtrichtung - gibt es doch genügend moderne FM-Hengste, die unter 20 cm Röhrbein bei gleicher Grösse aufweisen (vgl. für Shagya Araber schreibt der Zucht-Standard vor "Grösse um 1.58, Röhrbein sollte nicht unter 19 cm") – und wer wollte Shagyas denn als Kaltblüter bezeichnen?!

    Es seien hier noch die Masse von heutigen, modernen Vollblutaraber-Deckhengsten        

    aufgeführt, die der geneigte Leser mit den nachfolgend aufgeführten Massen heutiger, 

    moderner Freiberger-Deckhengste vergleichen möchte ...

 

Madheen-Pascha (Arabisches Vollblut)

von Messoud a.d. Madinah (Ibn Galal)

geb. 3. Juni 1987

Braun

Masse: 157-190-20

 

Shemaal (Arabisches Vollblut)

von Madheen-Pascha a.d. Sherimaar

(Goldmoud el Ahmar)

geb. 25. Mai 1994

Fuchs

Masse: 161-187-21

 

Hier zum Vergleich die Masse einiger Hengste, die ungeachtet des Jahrgangs die Tendenz zur Verfeinerung in Richtung Warmblut aufweisen, ebenfalls ungeachtet des Jahrgangs und der Linien aus der sie stammen. Man beachte den Unterschied  zwischen den beiden  Hengsten „Qui-Star“ aus der Q-Linie von Qui-Sait abstammend, sowie Clinquant, aus der heute originalen, leichten Imprévu-Jurassien-Linie...

 

El Paso,                 Jg. 98, 1.53/20/185

Lamar,                   Jg. 98, 1.56/20/185

Quistar,                 Jg. 97, 156/20/180

Camillo,                 Jg. 97, 1.58./20.5/185

Henderson,          Jg. 94, 1.53/20.5/185

Clinquant,             Jg. 88, 1.56/20/191

Vainqueur,           Jg. 86, 1.58/20/192

Don Flamingo      Jg. 92, 1.53/19.5/176

 

 

 

Bei näherem Studium der Abstammungen kann jedoch festgestellt werden, dass in der Mehrzahl der Abstammungen der Hengste mit einem Röhrbeinumfang unter 21 cm, wenn nicht über die Vaterlinie, so dann sicher über die Mutter, Einfluss fremden Blutes  zu finden ist. Einzige Ausnahme in dieser Aufzählung: Clinquant, der einen  0.0 % Fremdblutanteil – nach den Kriterien des Vereins für die Erhaltung originaler Freiberger -  aufweist.

Diese kleine, nicht representative Aufstellung zeigt, dass hier mindestens 6 Hengste die Masse der Einsiedler Warmblüter der 60er haben – die der Autorin z.T. noch persönlich bekannt waren und dies(..z.B. Fürstin, Rita und Garda und Harmonia aus der Quarta-Uran Familie, der AN-Hengst  Rince-l’oeil etc. etc..)  aus eigener Anschauung bestätigen kann....

 

 

Der Weg des Freibergers in Richtung eines kleinen, nicht allzu schweren Warmbluttyps analog des "alten Einsiedlers" -  Ausführungen  siehe oben - vor dessen Umzüchtung, scheint vorprogrammiert und dürfte dem heutigen Haupteinsatz der Rasse als Freizeitpferde in den verschiedensten Bereichen entgegenkommen und damit gerechtfertigt sein.  Idealerweise wäre  jedoch innerhalb der Rasse einer zweiten Zuchtrichtung  etwas schwererer Pferde, also wirklich „leichten“ Kaltblütern,  Raum zu geben, einerseits um das Genpotential zu erhalten und andererseits dem Liebhaber dieser Pferde diese auch zur Verfügung stellen zu können.  Den Freiberger in zwei Typen, einem leichteren, warmblütigen für die anspruchsvolleren, etwas peppigeren  Reit- und Fahrsportarten einerseits und einem etwas schwereren Typ eines wirklichen  „leichten Kaltblutes“ für den Einsatz in Wald- und Landwirtschaft, Therapie- und Freizeit andererseits entspricht grundsätzlich  einem vielfachen Züchter- und Kundenwunsch und führt ausserdem eine jahrhundertealte Tradition der „Typen-Zucht“ innerhalb der Freibergerrasse weiter.  Mit der Einrichtung des "Basis-Registers" und der Schliessung des Zuchtbuches ist ein Schritt in die richtige Richtung nun bereits getan worden.

 

Die Zukunft wird zeigen, wohin der Weg des Freibergerpferdes gehen wird. Es ist zu hoffen, dass Neues ebenso Platz hat wie Altes, Bewährtes. Das Genpotential des heutigen Jurapferdes sollte geschützt und erhalten werden, andererseits soll die Rasse jedoch auch den neuen Ansprüchen gerecht werden können.  Es ist zu hoffen, dass umsichtige Züchter, ein gutes, durchdachtes Zuchtkonzept und ein gutes Management des Verbandes zu der in Europa einmaligen Rasse Sorge tragen werden, um dieses Stück Schweizer Kulturgut dereinst immer noch als etwas Besonderes an unsere Nachkommen weiterreichen zu können.

 

 

 

Weiter siehe Geschichtliches 2. Teil   Geschichtliches 2. Teil

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

Die Fotos wurden uns von der IG Originale Freiberger, dem Landesgestüt in Avenches, (Archives Haras national Avenches) sowie von verschiednen Privatpersonen (Adressen werden auf Wunsch bekanntgegeben) zur Verfügung gestellt, sofern sie nicht von uns selber sind.  Für die Mithilfe und Unterstützung die uns dadurch gewährt wurde, möchten wir uns hiermit recht herzlich bedanken.
Sollte Jemand auf unseren Seiten Fotos und/oder Texte finden von denen er nachweislich die Urheberrechte besitzt und für dessen oder deren Verwendung in dieser Hompage  keine Erlaubnis erteilt wurde, ist dies unsererseits unwissentlich und unbeabsichtigt und wir bitten Diejenigen deshalb sich umgehend mit uns in Verbindung  (Email:  akriesche@web.de  ) zu setzen, damit wir Selbiges entfernen können.
 
 
Wir erklären hiermit, dass es untersagt ist, aus unseren Seiten Fotos, Text oder Teile daraus, ohne unsere Erlaubnis weiter zu verwenden.
Zum Fotoverzeichnis / Literaturnachweis.

 

Originale Stute Jurassien-Linie, Jg. 1994           Originaler Wallach R-Linie, Jg. 1979                 Veredelte Stute Rable/Uran/Doktryner, Jg. 1996

Masse:  Stm.1.56/Röhrbein 21/Gurt 1.85            Masse:  Stm.1.59/Röhrbein 23/Gurt 2.15             Masse:  Stm.1.53/Röhrbein 19/Gurt 1.80

510 kg                                                             635 kg                                                              465 kg

ETANA v. Curator/Clemenceau/Deli                  RINGO v. Regulus/Rhadames/Eglon                  ANJA v. Colombo/Emmäus/Rable

                   

     

 

 

 

 

 

 

   

 


   

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